Mittwoch len 6. Januar M Der Hietzcner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. C ; { ■- Die Gießener Aamitienhlätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener I nzeiger Kenerat-Mnzeiger. k«82 Vierteljähriger Abonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: SchutSraße Nr.7. Fernsprecher 51. 2lmts- und Anzeigeblsrtt für den ifeei« Gieren Hratisbeikage: Hicßener IiamikienMtter. Feuilleton Aufentba'tsottes, zu metben und dabei, wenn sie an diesem h Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zuruckstellung rc. verlustig erklärt werben. , Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit sächsischen Justirministe abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, B?od- 1 ä , E und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen Gießen, am 2. Januar 1892. Me «nnonccn-Bureaur der In. und Ausländer nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der Civilvorsitzende der Großherzoglichen Etsatz-Commission Gießen. Jost, Regierungsrath. Es ,ei dies, tote er ohne zu errölhen log, lediglich durch etn Versehen geschehen, ich sei ja immer ein prompter Zahler gewesen (total unwahr!) und mein Credit bei ihm wäre jeder- ®r weigerte sich energisch, den ihm noch schuldenden Betrag von mir anzunehmcn und ich mußte ihm das Geld förmlich ausdrängen. Auch der Schuster, der sich — Reichscommissar Major v. Wißmann ist von der Krankheit, die ihn bet seiner jüngsten Rekrutenwerbunq für die deutsch-ostafrikanische Schutztruppe in Egypten befiel, fast gänzlich toiederhergestelll. Herr v. Wißmanp gedenkt daher baldigst nach Ostafrika zurückzukehren und Anfang Juni die Durchführung der Dampfer-Transport-Expedition nach dem Victoria-See zu unternehmen. Bekanntmachung, betreffend das Ersatz-Geschäft für 1892. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr Ordnung werden alle im Jahre 1872 geborene» Militär- ’x”' .!oroie bie in scüheren Jahren geborenen, welche rx.,nft6 JUc6L3Urr,2,iuftcrun9 Stellt haben, oder welche hin. sichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheioung erhalten und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schattsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen. Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder tu ähnlicher Otgenschaft sich aushalten, hiermit aufgesordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit t>om 15. Januar bis zum 1. Februar l. I. bei der Burgermeffterel ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Deutsches Reich. Berlin, 4. Januar. Der Kaiser empfing am Sonntag Mittag eine Abordnung der Salzwirkerschaft zu-Halle, der sogenannten Halloren, welche dem Monarchen die ehrfurchtsvollen Glückwünsche dieser Körperschaft anläßlich des Jahreswechsels und die üblichen Neujahrsgeschenke überreichte. Alsdann wurde der Deputation der Halloren die Ehre zu Theil auch von der Kaiserin empfangen zu werden. — Seit einiger Zeit ist ton einer Neubesetzung der 4. Armee-Jnspeetion die Rede, ohne daß doch bis jetzt von der Einreichung eines Verabschiedungsgesuches des gegenwärtigen Inhabers dieses Postens, des General-Feldmarschalls Grafen Blumenthal, etwas bekannt geworden wäre. Der 4. Armee-Jnspeetion unterstehen bekanntlich das 3. und 4. preußische Corps und das württembergische (13.) Armee- corpg, während ihr die beiden bayerischen Armeecorps nur „zugetheilt" sind. An die Nachrichten von dem angeblich bevorstehenden Rücktritte des Grasen Blumenthal haben sich nun die Gerüchte angeknüpft, denen zufolge Prinz Leopold, I der Befehlshaber des 1. bayerischen Corps, als Nachfolger Blumenthals in der 4. Armee-Jnspeetion in Aussicht genommen gewesen wäre, die betreffenden Verhandlungen wären aber daran gescheitert, daß Prinz Leopold sich geweigert habe, feinen Sch als Armee-Jnspecteur in Berlin zu nehmen, wie dies von der preußischen Regierung verlangt worden sei. Sicherlich ist aber dieser letztere Theil der genannten Gerüchte nichts weniger als richtig, denn es ist unerfindlich, warum gerade ein bayerischer Prinz als Armee-Jnspecteur semeu Amtssitz in Berlin nehmen sollte, während doch die I nbngen Jnspeeteure der deutschen Armee von dieser Ver- I Pachtung entbunden sind, was allerdings bei den Groß- I Unerbietungen verschwendeten sie an mich. Wie gern, wie ferzlich gern hätte ich sie Alle mit Aufträgen überhäuft, selbst mit vollen Händen das Geld zum Fenster hinausqestreut für t ieure Cigarren, Wein, Möbel, Equipagen, allerlei Tand, .lveiUT/ Qd)' ^nn Fama nur nicht, wie sehr häufig, so schändlich gelogen hätte. So mußte ich mich damit be- gnugen, bedauernd die Achseln zu zucken. Was nützten mir meine Versicherungen, daß ich nur einen ganz unbedeutenden, raura der Rede werthen Gewinn gemacht. Man glaubte mir nicht. Felsenfest waren Alle davon überzeugt, daß es nur Geiz sei, der mich alle diese verlockenden Offerten ausschlagen laste. .. Merkwürdig und für mich höchst amüsant war die Veränderung, welche das Gerücht von meinen Reichthum in dem Betragen meiner verehrten Gläubiger, des Schneider-, des Schuhmachermeisters usw. hervorgebracht hatte. Ersterer, der mir wiederholt wegen eines kleinen, ihm schuldenden Betrages einen Emkassirer auf den Hals geschickt hatte, erschien eines Morgens selbst auf der Bildfläche, reichte mir gerührt seine knochige Hand und sprach die Erwartung aus, daß ich ihn auch fernerhin mit meiner geschätzten Kundschaft beehren würde. Alle fünf Minuten entschuldigte er sich, daß er mick, hatte mahnen lassen. einer unwandelbaren Treue und Ergebenheit, Meister Pech schüttelte mir beim Abschiede gleichfalls derb die Hand und bat mich, ihm auch ferner mein Vertrauen nicht -u entziehen äBtt einem Schlage zählte ich viele Freunde. Auf der Straße quälten mich Leute, die ich vorher nie gesehen und gaben mir aüerfyanb gute Lehren, wie ich mein „Vermögen" anteaen foOte. Em Freund, mit dem ich mich früher ernstlich überworfen, der mich hatte pfänden lassen und den ich geohrfeior Hatte, hielt mich auf offener Straße an und nannte mich „feinen lieben Freund . Ein Vater von vier heirathsfähiqen 6on 6entn die älteste bereits das canonische Alter überschritten hatte, schlängelte sich an mich heran, gab mir burtb bte Blume zu verstehen, daß seine Aelteste eine tüchtige Hausfrau sei, daß sie schon lange ein Faible für mich habe und daß eine Bewerbung um ihre Gunst seiner väterlichen Ansicht nach nicht aus unsruchtbaren Boden fallen werde Selbstredend lehnte ich dankend ab. Von anderen Seiten ei hielt ich Einladungen zu Soireen und Bällen, Verqnllqunaen d.e m,r ,n tiefster Seele verhaßt sind, wieder andere baten mich um meinen Besuch in ihren Familien, kurz man riß sich jomhd) um wich. 1 ' Tas große Loos. Humoreske von Georg Grad. (Schluß.) Die Wirkung dieses Gerüchtes war eine ergötzliche Bretts am Tage darauf empfing ich, der ich sonst mit Niemandem correspondirte und überhaupt wenige Menschen kannte «inen ganzen Stoß Briefe, in denen mir gänzlich fremde Leute zu dem unerwarteten Glück, „das ich jedoch" — wie einem Schreiben wörtlich hieß - „durch meine stete Hülssberettschaft meinen Mitmenschen gegenüber, durch meine Liebenswürdigkeit (!!) und Bescheidenheit (!) voll und ganz verdient habe" — gratulirten, um mich sodann am Schluß um gütige Gewährung eines Darlehns, dessen Festsetzung sie freundlichst in mein Ermessen stellen, und für dessen Wiederzahlung sie ihr Seelenheil verschworen, höflich und eraebenft 8U ersuchen. Die durch die Umstände erzwungene Nicht- beachtmig dieser Schreiben trug mir die Ehrentitel „Geizhals Filz, Knicker" u. a. ein. Einige andere Couverts enthielten Offerten von allen möglichen Maaren, der Eine pries mir seine vorzügliche Wäsche oer Zweite seine prächtigen Möbel, der Dritte seine exquisiten Werne, ein Vierter seine hocheleganten Garderoben an. Persönlich wurde ich von Reisenden überlaufen, denen das Gerücht von meinem Gewinn des großen Looses zu Ohren gekommen war und die sich die erdenklichste Mühe gaben, mich als «unben für ihre Herren Prinzipale zu kapern. Welch einen Schwall von Worten, von Ueberrcbungen, von verlockenden Herzögen von Baden und von Heffen auch gant felbftberftänh- s-°--i-°- n>u. ÖS“, noch nicht spruchreif, sollte bieb aber etnes Tages ber Fall fern, so steht alsbann, nach offiziösen Berliner Andeutungen, eine vollständige Neuregelung des Armee-Jnspectwnswesens zu erwarten. 3 — Das Mandat für den 22. sächsischen Reichstag sw ah l kr e i s (Reichenbach-Treuen) ist infolge Besör- derung des bisherigen Inhabers desselben, Lanügerichts- ^urtz in Dresden, zum Vortragenden Rath im ■ , - ~ ■ :r*UDI/ erloschen, es macht sich dem- " int Sebadlte« Wahlkreise erforderlich. Derselbe besitzt eme sehr wechfelreiche Geschichte, er war hintereinander nationalliberal, socialdemokratisch, freicon- feroatto, bann wieber nationalliberal, hierauf wiederum soc'al- demokratisch und zuletzt - eben durch Herrn Kurtz - deutschconservativ vertreten. Die Socialdemokratie wird ITK. Q“e aaspannen, um bei der Nachwahl den “■ Wahlkreis zuruckzuerobern - jedenfalls werden diesem An- sturme gegenüber die anderen Parteien des Wahlkreises feit zusammenstehen müssen. 31 Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. M„ enthalt: (Nr. 1980.) Bekanntmachung, betreffend die Durchführung ber Invalidität, und Altersversicherung Vom 24. Deeember 1891. y (Nr. 1981.) Der obigen Nummer des Neichs-Gesetz- vlatts ist eine besondere Beilage, enthaltend die Bekanntmachung, betreffend die Aichung von Meßwerkzeugen zur Ve- stimmung der Dichte von Mineralölen, vom 23. December 1891, beigefügt. Gießen, den 4. Januar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________v. Gagern. _____ . Gießen, den 2. Januar 1892. $ctu- Das Reichsgesetz vom 14. Atai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Das Großherzogliche Kteisamt Gießen an Großh Polizeiamt Gießen nnd die Großh. EsnrgcrmeistcreienderLandgemeindendcsKreiscs. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 20 tfebruar 1886 (Anzeigeblatt Nr. 46) sehen wir der Einsen- dung der vorschriftsmäßigen Auszüge aus der von Ihnen zu Li ,7. 2aMe "ber die im Jahre 1891 vorgenommenen '/^^'uchungen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsqeqen- standen bis zum 15. Januar l. I. entgegen. nG*e 'n der Tabelle auch angeben, bei welcher Stelle (z. B. dem chemischen Untersuchungsamte für die Pro- baben 6cr^cn-1 blc betreffenden Untersuchungen stattgefunden v. q e r n. Keuefte Nachrichte«. '-I-graphis-h,z L-rrc,pond-ri».Burk-u. _J c 3anuar' @in hrute Abend 6 Uhr über bas Sennben bes Prinzen Georg ausgegebenes Bulletin lautet • ®er Prmz hatte heute mehrmals Schlaf von einftünbiqer Dauer, nahm reichlichere Nahrung zu sich unb befinbet sich tubzectiv wohler. Fieber ist noch vorhanben. Korper-Tem- peratur 38,8, Puls 82. v m ,is ®"n,bon'. 4" J°uuar. Der Astronom George Airy, bis 1881 Director ber Greenwicher Sternwarte, ist heute gestorben. ' 1 *■ Depeschen des „Bureau Herold". Bersin, 4. Januar. Die „Kreuzzeitung" bespricht bie Zettungsmeldungen über den bevorstehenden Rücktritt des Generals der Infanterie, Bronsart von Schellendorf, und sagt, es verlaute zuverlässig, daß der Kaiser das Abschiedsgesuch vor einiger Zeit abgelehnt habe. « Qf--3”nunr' Die „Bossische Ztg." melbet ans Prag, bas Aiguchen des Czechischen Theaters um Ausnahme Bühneuoerein sei vorn General-Jntendanien Grat Hochberg abgelehnt worden. Berlin, 4. Januar. Auf bem Borsig schen Werke wurde Daß ich meine bisherige, bescheidene Lebensweise treu meines verrnutheten Reichthums beibehielt, legten die Einen wie ich durch gelegentliche Mittheilungen erfuhr und wie ich ichou erwähnt habe, als Geiz, öie anderen als Narrheit aus wieder Andere glaubten, an mir in Folge bet plötzliche» R-'-bthuwS bereits ben Anfang von Spleen zu bemerk« Allen aber gewährte es lange Zeit hindurch ein großes Ber-' ***»■-**«• ä*'»*«snSt'iiiÄ EPSs•T*' *“ fern scheine, machte Mir seine Aufwartung, versicherte mich I abgeschmackt fanden, als daß sie esbegreifen Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Theil der Achtstundentag eingeführt und der TageSlohn um 7< Mk. gekürzt. Berlin, 4. Januar. Nach dem „Kleinen Journal" hätte Stabsarzt Pfeiffer, der Schwiegersohn von Professor Koch, den Jnfluenzabacillus entdeckt. Berlin, ö. Januar. Die „Voss. Ztg." berichtet aus Bozen: Tausend Weinbauern aus dem Etsch- und Eisack- thale beschloffen, telegraphisch beim Ministerpräsidenten Abhilfe gegen den italienischen Weinzoll zu erbitten. Wien, 4. Januar. Der Lustspieldichter Julius Rosen ist gestorben. Prag, 4. Januar. Hier hat sich ein Verein gebildet zur Erlernung und Verbreitung der russischen Sprache und Literatur, mit dem Hauptziel, die russische Sprache als „allgemeine Cultursprache" unter allen Slaven zu verbreiten. Zweigvereine sollen in allen größeren Provinzialstädten Böhmens und Mährens errichtet werden. Rom, 4. Januar. Der Deutsche Kaiser soll dem Papste zu Neujahr ein sehr freundliches Glückwunschtelegramm gesandt haben. Die Antwort des Papstes hätte der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Beziehungen Deutschlands zum Vatikan immer gute fern mögen, und dem Wunsche, daß der Kaiser erfolgreich sei im Kampfe mit dem Socialismus, dem Feinde der Religion, wie des Reiches. London, 4. Januar. In Portsmouth sind Ordres eingetroffen zur Bereithaltung von 3000 Mann Truppen und einer Artillerieverstärkung zur Einschiffung nach Indien, an dessen Nordgrenze angeblich ernste Unruhen befürchtet werden. Cocales ttnfr provinzielle». , Gießen, 5. Januar 1892. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 7. Januar 1892, Nachmittags 4 Uhr. 1. Gesuch des Ludwig Spuck um Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Desgl. des Karl Bauer. 3. Desgl. des Martin Weiner. 4. Desgl. des Gustav Koch. 5. Desgl. des Heinrich Velten. 6. Vergebung von Eichenstammholz im Gießener Stadtwald pro 1892/93. 7. Die Führung der Personenstandsregister für die Steuerregulirung. 8. Der Voranschlag über die sachlichen Kosten der höheren und erweiterten Mädchenschule. 9. Der Voranschlag des Großh. Realgymnasiums und der Realschule pro 1892/93. 10. Anschaffung neuer Schulbänke für eine Klasse der Realschule. 11. Anschaffung von Bänken für die Turnhalle der Realschule. 12. Gesuch des 3. Bats. Jns.-Regts. Nr. 116 um Ueber- laffung von Kies aus der Grube an der Grünbergerstraße. 13. Herstellung einer Straße von der Qstanlage nach der Licher-Grünbergerstraße. 14. Erbauung einer Bahn Gießen- Gladenbach. 15. Decretur von Kostenrechnungen. 16. Die Amtsniederlegung des Großh. Beigeordneten Keller. — Sitzung Großh. Handelskammer vom 30. December 1891. Anwesend waren die Herren: Koch, Scheel, Heichelheim, Hornberger, Katz, Klingspor und Kraatz. Das Gesuch einer Anzahl hiesiger Firmen, die Verlegung des Güterbahnhofs nach dem Rodberg bei Königl. Staatsbahn-Verwaltung zu befürworten, wurde abgelehnt und soll den Antragstellern unter Darlegung unserer Stellungnahme in dieser und speeiell der damit zusammenhängenden Lagerhausfrage von diesem Beschlüsse Kenntniß gegeben werden. — Unser Vertreter beim Bezirks-Eisenbahnrarh Köln berichtet über die Plenarversammlung desselben vom 21. December, in welcher der Antrag Bielefeld betr. Aufhebung der Auslandstarife für Kohlen und Coaks bis zur Rückkehr zu normaler Preisbildung zur Beratung stand, jedoch durch die dort vorherrschende gegnerische Interessengruppe keine Annahme fand. Unsere Handelskammer wird ferner das Interesse der Consumenten vertreten und diese Angelegenheit vor das Forum anderer Körperschaften zu bringen suchen. — Am 7. Januar l. I. findet eine Sitzung des hessischen Handelskammertages statt. Die Tagesordnung enthält u. A. die Steinkohl en frage, sowie den Antrag hätten sie wirtschaften wollen, äußerten sie, wenn ihnen mein „Glück" widerfahren wäre. Heber mein „Vermögen" sollte kurze Zeit darauf den Leuten die Augen geöffnet werden. Eine früher contrahirte größere Schuld, die ich trotz besten Willens nicht bezahlen konnte und die ich längst vergessen wähnte, wurde von einem Gläubiger plötzlich eingeklagt, da er jetzt selbstredend zu seinem Geld zu kommen hoffte. Meine Versicherung, daß ich in der Thal kein Geld besitze, glaubte er nicht. Seine Forderung klagte er ein und da ich nicht bezahlen konnte und die vorgenommene Pfändung wie immer fruchtlos ausfiel, so geschah etwas Unerhörtes, etwas, was die gesammte Nachbarschaft, wie alle Bekannte, in höchste Erregung versetzte und mich abermals^wochenlang zu ihrem Gesprächsstoff machte. Eines Montags figurirte in der Liste der geleisteten Offenbarungseide — mein holder Name, mir war nichts Anderes übrig geblieben, als dieses Mittel, um mich von dem Blutsauger zu befreien. Das gab abermals ein Tuscheln, ein Zischeln, ein Kopfschütteln, ein Hin- und Herlaufen, als ich mich am nächsten Tage blicken ließ. Nur Blicke unsäglichster Verachtung hatten urplötzlich alle Diejenigen übrig, die mich Stunden vorher noch mit süßlichem Lächeln und devoter Er- gebnheit begrüßt hatten. Der „Bummler", der „Taugenichts", der „Schändliche Mensch", er hat die ungeheure Summe verjubelt, verspielt, auf leichtsinnige Weise durchgebracht. „Er ist nicht werth, daß ihn die Sonne bescheint," sagten die Leute, — sie mußten es ja wissen! „Wie gewonnen, so'zerronnen," meinten Andere. „Ja, ja," und sie schüttelten die dummen Köpfe, „das haben wir gleich gesagt, daß es so kommen würde." Ich aber lachte, — was sollte ich Besseres thun? Ich tröstete mich mit dem Dichterwort: „Es wär so schön gewesen, es hat nicht sollen sein." Neujahrstage die Dammwache bezogen werden. vermischte- | SfefiulAof & 'tfomp.G) ’S. Sfpornflauer o ü y Neuenweg 17 Giessen Neuenweg 17. 224 v V Herren- und Knaben-Confection, Damen- Q Q u. Mädchen-Contection, Manufacturwaaren. Q 000000000000000000000 \ auf Erhöhung der Maximal-Gewichtsgrenze für einfache Briefe von 15 auf 20 Gramm. In diesen __________ beiden von uns angemeldeten Positionen ist die Handelskammer I Rosengarten gestört, braucht ^ber ° «n*C ^L/^n^Hnaefteöt Gießen zum Referenten bestellt. Herr Katz referirt über die zu Üben. Die Ueber schw-m«?« " ? S^er Sten von den Handelskammern Hamburg, Bremen und Lübeck dem I Rheinseite unterhalb Worms sind bedeut h Reichstag Überreichte Petition, betr. die Zollbehandlung gelegenen Ried-Orte sind durch die qleichsan7^^7esckwollene des Getreides bei Einführung der vorliegenden Weschnitz bedroht. In den ntei^ K KuStb am Handelsverträge und beschloß die Kammer, dieselbe beim ■ -----B Reichstage zu unterstützen. Ebenso sanden die Ersuchen der Handelskammer Hanau und Minden um diesseitige Unterstützung verschiedener beim Bundestag und Reichstag gestellter Anträge die Zustimmung der Kammer. — Das Amtsgericht Gießen ersucht um Gutachten betreffs eines bestehenden Handelsgebrauchs im Jntereffe eines schwebenden Rechtstreits und ward hierüber berathen und beschloffen. — ES erfolgte die Verlesung der Wahlbestätigungs-Urkunde, wonach die Herren Heichelheim, Klingspor und Scheel als wiedergewählt der Kammer verbleiben. Die hierauf erfolgte Wahl der Vorsitzenden ergab Bestätigung der seitherigen Beamten und zwar: Herr F. C. B. Koch als Vorsitzender, Herr Rich. Scheel als stellvertretender Vorsitzender. — Ein nach Schluß der Sitzung eingelaufenes Schreiben des Königl. Eisenbahn-Betriebsamts Caffel enthält die erfreuliche Mittheilung, daß dasselbe in Erledigung unserer Beschwerde vom 21. v. Mts. die Station Gießen angewiesen habe, an den Montagen einen besonderen Verstärkungswagen erster und zweiter Klasse für den Schnellzug 76 (ab hier 8 Uhr 4 Minuten Vormittags) bereit zu halten, welcher jedoch nur bei thatsächlich eintretendem Bedürfnis eingestellt wird, um eine unnöthjge Beschwerung des Schnellzugs im Interesse fahrplanmäßiger Beförderung zu vermeiden. Hnlverjitäts - Nachrichten. BreSlau, 4. Januar. Der Geh. RegierungSrath vr. Heinrich Schröter, Professor der Mathematik, ist gestern gestorben. * Frankfurt a. M., 4. Januar. Der heutige Polizeibericht meldet u. A.: Am Samstag Abend wurde im Hause Kirchnerftraße Nr. 13 hinter der Hausthür die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden,- der Schädel war eingeschlagen. Brüssel, 3. Januar. Die Polizei hat gestern bei einem Grasen, einem abgesetzten Advokaten und noch einer dritten Person Haussuchung gehalten. Man ist nämlich einer förmlichen Fabrik falscher Universitätsdiplome aus die Spur gekommen, die namentlich nach Griechenland, Rumänien und Südarnerka verkauft worden sind und den Inhabern trotz ihrer Unfähigkeit Stellen als Ingenieure, Aerzte, Rechtsanwälte u. s. w. verschafft haben. Die Diplome, namentlich die Unterschriften, sind meisterhaft nachgemacht. Die Anzeige eines Käufers, der trotz des Diploms eine Stelle in Brasilien nicht erhalten hat, führte zur Entdeckung des Betrugs. . Die Ueberschwemmungen aus der rechten an—» B . Die nieder- «u8 Rheinhessen, 2. Januar. Auch in unserer Gegend sind die verkäuflichen Nutzhölzer, wie Nuß-, Apfel-, Birn-, Eschen- und Pappelstämwe, ein stark begehrter Artikel. Die Nußstämme sind in vielen Gemarkungen kaum noch zu haben. Für besonders schöne Exemplare werden bis zu 125 Mk. und mehr bezahlt- entsprechend sind die Preise für andere- Nutzholz. Auch das Brennholz, Wellen und Prügelholz, stehen trotz der milden Witterung und des Kohlenabschlags sehr hoch im Preis. Unsere Landwirthe holen in den bayerischen und Hundsrücker Waldungen das Hundert Wellen zwischen 7 und 10 Mk. Der Festmeter Prügel- und Scheitholz kostet fast denselben Preis. * Um ein Fest zu feiern, braucht man selten um einen Grund verlegen zu sein. So dachten auch die biederen Landleute in Venningen. Sie wollten auch einmal wieder ihr Fest haben und da ein anderer Anlaß sich gerade nicht darbot, so wurde die Einweihung der neuen — Gemeindewaage benützt, um den Schulkindern ein Fest zu geben. Sämmtliche Schulkinder wurden also aus der neuen Waage abgewogen, dann wurden Bretzeln vertheillt und Bier getrunken, wobei Reden gehalten wurden. So geschehen nicht etwa im Februar 1892, sondern im December 1891. * Familienvater: „Das ist wirklich wahr. Das Militär macht einem nur Sorgen. Hat man gesunde hübsche Söhne, so kommen sie zum Militär- hat man gesunde hübsche Töchter, so kommt das Militär zu ihnen." — Das am 4. Januar ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 2 enthält: Bekanntmachung, die Erstreckung der Versicherungspflicht nach dem Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetze auf die Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation betr. Vom 29. December 1891. — Am 29. December wurde in Frankfurt a. M. von Seiten des deutschen Pomologenvereins unter dem Vorsitze des Herrn Oeconomieraths Director Göthe (Geisenheim) die Section Hessen-Nassau und Groß- herzogthum Hessen gegründet, welche die Hebung des Obstbaues in Hessen-Nassau und im Großherzogthum Hessen, unter Mitwirkung der bereits bestehenden Obst- und Gartenbauvereine bezweckt. Die Wahl des Vorstandes, bestehend aus den Herren: General-Consul v. Lade von Geisenheim als 1. Vorsitzender, Oeconomierath Director Göthe von ebendaselbst als 2. Vorsitzender und Rector Birrmann von Frankfurt als Schriftführer, läßt erhoffen, daß diese Section auch für unsere Gegend eine recht segensreiche Thätigkeit entfalten wird. Die der Gründung der Section folgende erste Be- rathung bezweckte in ihrer Hauptsache, neben vielem anderen auch Ermäßigung der Eisenbahnfrachtsätze für Obst und ließ erkennen, daß das Arbeitsfeld ein reiches und die hierfür gewählten Herren diese Ausgabe bestens erledigen werden. — Von der eoloffalen Preissteigerung der nothwendigsten Lebensmittel, zumal des Roggens, des Weizens und der Kartoffeln, erhält man erst dann einen richtigen Begriff, wenn man nach der Statistik erfährt, daß der Durchschnitts-Weizenpreis in den Jahren 1875 bis 1890 für die Tonne (zwanzig Gentner) 190 Mk. gewesen ist, während jetzt die Tonne Weizen circa 235 Mk. kostet. Der durchschnittliche Roggenpreis war in demselben Zeiträume, also seit 15 Jahren, 160 Mk. für die Tonne, und jetzt kostet die Tonne Roggen circa 237 Mk. Die Tonne Kartoffeln kostete früher im Durchschnitt 50 Mk., jetzt kostet sie circa 75 bis 78 Mk. Daß unter solchen Kausbedingungen die Ernährung der ärmeren Volksklaffen sehr erschwert ist, darf nicht erst noch bewiesen werden. Hoffentlich bringt das neue Jahr eine gute Ernte! Bad Nauheim, 3. Januar. Der Kinderheilanstalt „Elisabethhaus" sind nach einer Veröffentlichung des Rechners neuerdings 800 Mk. von der Großh. Saline und 400 Mk. von der Spar- und Leihkasse in Gießen zugefloffen. D.Z. Nieder-Ramstadt, 3. Januar. Gestern Vormittag hat i schon wieder eine unglückliche Person im benachbarten Walters- teich ihren Tod gesucht und gefunden. Ein Soldat, aus Eberstadt gebürtig, beseitigte mit Mühe an einer etwa einhalb Meter tiefen Stelle das noch 3 Zoll dicke Eis gerade so weit, daß er kaum hindurch in die schauervolle Tiefe kriechen konnte. Nur kurze Zeit darauf fanden Holzmacher einige Unisormstücke am Ufer liegen und wurde dann der Entseelte I mit Haken unter dem Eise hervorgezogen. An den Walters- teich knüpfen sich wegen der häufigen hier vorkommenden I Selbstmorde schreckliche Erinnerungen. Aber auch die bloße I Ansicht des Teiches erweckt an sich schon unheimliche Gefühle. I Die tiefste Stelle ist da, wo der Ludwigsweg dicht daran I vorbeiführt. Der unglückliche Soldat heißt Wilhelm Sand I und ist aus dem benachbarten Eberstadt. Derselbe diente I seit Herbst bet dem Militär und war auf Weihnachten zu I Besuch bei seinen Eltern, verblieb aber daselbst über den I Urlaub hinaus Aus Furcht vor der Strafe hat der junge I Mann in thörichter Weise den verzweifelten Schritt gethan I und seinem jungen Leben ein jähes Ende bereitet, zum größten I Schmerze der armen Eltern, denen der Verstorbene eine I Stütze sein sollte. Groß-Umstadt, 3. Januar. In dem zwischen hier und I Lengfeld befindlichen Hohlweg wurde am Sylvesterabend eine I Mannesleiche aufgefunden. Der völlig Unbekannte mochte I wohl im 40. Lebensjahre gestanden haben. In seiner Kleidung I sanden sich nur noch zwei Aepsel und eine Brodkruste. Mainz, 4. Januar. Bis gestern Nachmittag ist der I Rhein, aber nur noch sehr wenig, gestiegen, woraus der I Beharrungszu.wnd eintrat. Gestern Abend fiel das Wasser I ziemlich rasch > ->b heute Vormittag ist der Rhein wieder in I fein Bett zu "ckgekehrt. Nach den neuesten offiziellen I Meldungen in e Gefahr vollständig beseitigt, ein weiteres I Steigen des W ssers steht nicht in Aussicht. I verkehr, €anb* unö volk-rvirch»chaft. Giesse«, 5. Januar. Marktbericht. Auf dem heutige* Wochnnnartt kostete: Butter pr. Md. X 0,80—1,00, Hühnertter 1 St. —, 2 St- 15—17 4, Enteneier 1 St.--4, 2 St. — 4, Käse pr. St. 7—9 4, Käsematte pr. St- 3 4, Erbsen pr. Liter 20 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,60—0,00, Hühner pr. Stück vM 0,85—100, Hahnen pr. St- X 0,70—1,20, Enten pr. Stück •* 1,50—1,70, Ochsenfleisch pr. Psd 70—76 4, Kuh- und Rindfleisch 62—66 4, Schweinefleisch 60—70 4, Hammelfleisch 50—70 4, Kalbfleisch 54—60 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 8,00—0.00, Weißkraut pr- St- 4—10 4, Zwiebeln per Centner X 6,50—7.50, Milch per Ater 12-18 4, Gänse 56-66 4. Frankfurt cu M., 4. Januar. Der samstägige Haupt- Schwetnemarkt im städtischen Viehhof war des Neujahrstages wegen nur schwach befahren. Es standen zum Verkaufe 250 fette Thtere, sowie 56 Zuchtferkel. Fette Schweine gingen um 1 Pfennig in die Höhe und stellten sich erste Sorte auf 57—59 4, zweite Sorte auf 54—56 4 per Pfund Schlachtgewicht. — An den Haupt-Wochenmarkttagen waren im letzten Kalender- Quartal im Vtehhof zum Verkauf gebracht worden: 5216 Ochsen 297 Bullen, 5578 Kühe, Rinder und Stiere, 3656 Kälber, 9038 Hümmel und 8578 Schweine. Braut-Sc,denstofsc, schwär, w«i». creme k. - non 65 Pf. bis Mk 22.85 — glatte u. Damaste rc. (ca. 300 versch ! Qual. u. Dispos.) versendet roden- u. stückweise porto- u. zollfrei das i I tfabrtM)fpot G. 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