Rr. 81. Erstes Blatt Dienstag den 5. AM 1892 Gießener Anzeige r Kenerat-Mnzeiger. Die Gteßmer P««rrtenötLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der ♦iclaur Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Vierteljähriger AVonaementspreiAr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: -chntstrotze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigsblatt füv den Areis Gietzen. Hratisöeikage: Hießener Kamitienötätter. Amtlichem Theil Gießen, den I. April 1892. Betr.: Wie oben. Alle Hnnoncen-Bureau; brt In. und Hullanbt« nehme» Anzeigen für den „(Siegener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. An allgemeiner evang. Kirchensteuer werden von den Angehörigen der evang. Kirche pro 1 Mark Steuercavital 1,6 Pfg. erhoben. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Publikation vorstehender Ueberstchl im Großherzogl. Regierungsblatt vom 1. l. Mts. erfolgt ist und daß von diesem Tage an die Frist zum Vorbringen von Reclamationen läuft, welche gegen die Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind. Gießen, den 4. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. j entschieden häufiger. Dafür trat aber während der verflossenen Thätigkeit der Reichsboten die Beschlußunsähigkeit des Hauses oft genug in die Erscheinung und es braucht nicht erst gesagt zu werden, welchen ungünstigen Eindruck die zu manchen Zeiten fast chronische Beschlußunfähigkeit des Reichstages im Lande gemacht hat. Zum guten Theil trug hieran indessen die Verschleppung der Reichstagsgeschäfte über den Zeitraum von beinahe zwei Jahren die Schuld und man darf darum wohl erwarten, daß künftig solche Riesensessionen ver- mieden werden. — Mit dem Schluß des Reichstages sind in Berlin die beiden Häuser des preußischen Landtages auf dem parlamentarischen Plan zurückgeblieben, hoffentlich trägt die Beseitigung der Concurrcnz des Reichstags das ihrige zur Forderung der Landragsgesch.äfte bei. Denn wenn auch mit bet Zurückziehung des neuen Vdlksschulgesetzes das ursprüngliche Arbeitsprogramm des Landtages wesentlich abgekürzt worden ist, so harrt doch immerhin noch ein bedeutendes Arbeitsmaterial der Erledigung. Da die Osterferien vor der Thüre stehen — für das Abgeordnetenhaus sollen sie am 8. April beginnen so dürfte Ende Mai herankommen, ehe auch der preußische Landtag geschlossen werden kann. — Die Angelegenheit des Welsenfonds hat nunmehr, soweit es sich um die Mitwirkung des preußischen Abgeordnetenhauses handelt, ihre parlamentarische Erledigung gesunden. Am Freitag wurde von dem Abgeordnetenhause die bezügliche Vorlage in der von der Commission vorgeschlagenen Fassung, mit welcher sich die Regierung schließlich einverstanden erklärt hatte, in dritter Lesung endgiltig nach unerheblicher Debatte angenommen. Hiernach wird also die Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg von Hannover gesetzlich ausgesprochen und dem Finanz- Minister die Ermächtigung ettheilt, das Weitere zu veranlassen, mit der nicht zu bezweiseliiden Genehmigung des Gesetzes auch seitens des Herrenhauses wird dann die so lange spielende Welfenfondsaffaire zum allseitig befriedigenden Abschluß gebracht sein. Im weiteren Verlaufe der Freitagssitzung berieth das Abgeordnetenhaus die Vorlage über die Aufhebung der Stolgebühren in der evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen in erster Lesung- die Vorlage ging schließlich an eine besondere Commission. Alsdann setzte das Haus die erste Lesung der Secundärbahn-Vorlage fort, wobei zahlreiche Eisenbahnwünsche localer Natur geäußert wurden- die Berathung hierüber nahm das Haus zum Theil auch am Samstag in Anspruch. Berlin, 2. April. Zur Erinnerung an den jüngst verstorbenen General v. Alvcnsleben verlieh der Kaiser dem 6. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 52 die Bezeichnung „Infanterie-Regiment v. Alvcnsleben". Eydtkuhue», 2. April. Unter den russisch-jüdischen Familien in den Auswanderungsbaracken grasstrt Scharlach und Diphtheritis in ärgster Weise. Die Baracken wurden geräumt und etwa 80 Familien nach Rußland zurück befördert. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermciftcrcicn Hungen, Langd, Rodherm, »teinheim, Rabertshausen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe. Unter Bezugnahme aus vorstehende Bekanntmachung be- auftragen wir Sie, die für Ihre Gemeinden in Betracht kommende Bestellung in ortsüblicher Weise verkündigen iu lassen. 0 v. Gagern. Bekanntmachung, betr. Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Maul- und Klauenseuche in einem Gehöfte zu Griedel aus- gebrochen ist. Großh. Kreisamt Friedberg hat Gehöftesperre angeordnet. Gießen, den 2. April 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend die Erhebung von Umlagen der Stadt Gießen für 1892/93. Mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz sollen für 1892/93 von der Stadt Gießen folgende Umlagen erhoben werden: Bekanntmachung. Wegen Ausführung von Canalbauarbeiten wird der Personen- und Fuhrverkehr über die Straßenbrücke zwischen Dammstraße und Nordanlage bis auf Weiteres abgesperrt. Gießen, den 4. April 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Bekanntmachung, betr. den Milzbrand in der Welterau und die Fleischbeschau. Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß die nach dem Müzbrandreglement den Thierärzten zugewiesenen, sowie die nach § 8 der Fleischbeschau - Ordnung dem beamteten Thierarzt zukommenden Befugnisse für die Orte Hungen, Langd, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe dem (tzrotzherzogl. Nreisveterinärarzt Schmidt zu Nidda übertragen worden sind. Gießen, den 1. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __________________v. Gagern. Deutsche- Reich. Berlin, 2. April. Nach bem chs Anz." wurde der Director des Reichsjustizamts, Hanauer, zum Staats- secretär des Reichsjustizamts ernannt. Berlin, 2. April. Die Nachrufe, welche dem nunmehr endgiltig auseinandergegangenen Reichstage in der Presse gewidmet werden, klingen im Großen und Ganzen recht anerkennend bezüglich der fast zweijährigen Thätigkeit des Reichsparlamentes, soweit natürlich dieselbe nicht lediglich durch die Parteiloupe betrachtet wird. Jedenfalls ist dieses Lob kein unverdientes, denn in qualitativer wie quantitativer Beziehung gehört die am 31. März beendete Reichstagssession in ihrer Gesammtheit mit zu den fruchtbarsten, welche bis jetzt zu verzeichnen waren, freilich muß anderseits auch in Erwägung gezogen werden, daß sie eine ganz ungewöhnliche Zeitdauer aufweist. Als ein speciell erfreulicher Zug der zum Abschlüsse gelangten ersten Sitzungsperiode des jetzigen Reichstages muß es bezeichnet werden, daß die Parteigegensätze im Verlaufe der Debatten nur ver- hältnißmäßig selten in schroffer und unerquicklicher Form auseinander stießen, wenigstens waren in den früheren Sessionen derartige unerfreuliche parteipolitische Auseinandersetzungen a. auf das gesammte Lommunalsteuercapital der Orlseinwohner und Forensen . 342 977 ^L40H b. auf das Steuercapital der evangelischen Gemeindeangehörigen...... c. auf das Steuercapital der katholischen Gemeindeangehörigen...... d. auf das Grundsteuercapital der Parzellen- besitzet.......... 4 884 „ 64 „ wozu sich der Beitrag auf 1 Mark Rormalsteuercapital berechnet für den Ausschlag a. auf . 26,4 H n n rt b. „ . 1,710 „ ’f n ft c. „ . 1,559 „ " n n d. « 1,341 „ 66 wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Erhebung der Umlagen in sechs Zielen, und zwar in den Monaten April, Juni, August, October December 1892 und Februar 1893 erfolgen soll. 17 200 „ - „ 1200 „ - „ Feuilleton. jBculi — da kommen fit! Lätare — das ist das wahre! Von E. Laris. (Schluß.) Kein Maienzauber erscheint anheimelnder, als der dem Waldboden entweichende frische Frühlingshauch eines schönen Schnepfenabends, als die naßkalten Schleier im Zwielicht der Dämmerung, kein Nachtigallengesang berückender, als jene undefinirbaren Töne, welche wie Geisterwispern über Schneisen und junge Schläge ausklingen. Was solls mit dem Meere der Harmonie, das auf den Schwingen der hehrsten Symphonie die lauschenden Geister bannt — was mit der magischen Wirkung der Tonwellen, welche die chaldäische Weisheit als kosmische Kraft in die ewigen Sphären verlegt hat, gegenüber den an allen Nerven reißenden Lockrufen der Langschnäbel! m • • / Oak, oak, oak — bswst!" ^^9/ sie ist da! Denn plötzlich klopft es und herein tritt Förster K. aus R. „Herr Oberförster, ich wollte Ihnen nur melden, daß "die Waldschnepfe angekommen ist, ich habe heute Morgen die erste in 57 gesehen, auch glaube ich, wir bekommen heute einen schönen Schnepfenabend, denn wir hatten Morgenroth." Der Spaziergänger, der in den ersten Morgenstunden ins Freie tritt, hält nichts auf solche Lichteffecte bei Sonnen, ausgang- er weiß, daß diese Phantasie der Flammengeister in den nachfolgenden Traufen ersäuft wird. Der Jäger aber freut sich der Wolken im grauen Westen, er hat den Vorausblick des erprobten Wetterkenners und fühlt schon jetzt, da noch allenthalben das neugeborene Licht über die Dinge des weiten Gesichtskreises huscht, das prickelnde Rieseln des Westwetters, das der Abend bringen wird . . . Sagen wir es kurz: es wird „Schnepfenwetter" geben. Die große Zugstraße herauf, die nach Südosten, hin dem Donaulause folgt, kommen die Schaaren der gefiederten Wanderer, wenn das Eis in den Anstauungen kracht und die trüben Bergflächen mit schmutzigem Schaume sich bedecken. Es ist ein einziger großer Hochzeitözug, insbesondere für die Strichvögel, die in den stillen Auen, in den Lichtungen und jungen Schlägen, im Bruch oder am Waldrande rasten, um im Liebesgetändel die Mühseligkeiten der Reise zu vergessen. Ihre Marschroute geht nach den Compaßstrichen der nördlichen Hälfte der Windrose, und von dorther müssen die Winde wehen, soll die Reise von Statten gehen. Man mag Jäger von Berus sein oder nicht: Der Frühjahrszug ist eine Erscheinung, die jedem denkenden Naturfreund, mag er nun mit dem Feuerrohre bewaffnet sein oder nicht, zu ergreifenden Ahnungen sich gestaltet. Ich weiß es: mein väterlicher Freund und Lehrherr war von allen diesen Dingen ebenso weit entfernt, wie ich — von dem ersten Langschnabel, den ich heute Abend „herunterbringen" sollte. Jndeß, nur keine sentimentale Philisterei. Zum Selbstbelügen sind wir zu gesund — d. h. mein väterlicher Freund, dem die culinarischen Genüsse des kommenden Abends vorschweben, und meine waidmannswidrige Wenigkeit, die sich vorahnend der Dinge freut, welche ihr der Abendanstand im säuselnden Strichregen, bei all den vielstimmigen Schlummerliedern, welche in die verblassende Dämme- rung ausklingen, bringen wird. . . . Und der verheißungsvolle Abend war hereinqebrochen mit all seiner märzlichen Herbheit, und auch das vorhergesagte Rieseln mit gelindem Wehen aus Westen hatte sich eingestellt. „Himmelwärts den Späherbltck gerichtet, Steh ich lauschend voll Erwartung da!" Bunsen. Es war ein Spähen in die graublaue Himmelsdecke hinaus, ein Spähen von sechs Augen, denn auch Feldmann folgte gewohnheitsgemäß dem gegebenen Beispiele und ließ seine „braunen Lichter" nach den Wipfeln schweifen. Was in solch einem klugen Vorstehhundskopfe wohl vorgehen mag!? Ich muß gestehen, ich war mehr bei dem Ovid'schen „Morte carent animae, eemperque, priore relicta Sede, novis domibus vivant, habitantque, receptae“ __ als bei der wunderbaren Balgerei, die von den quarrenden Oak-Tönen bis zu dem neckischen Bswst-Zwicken in allen Ab- stufungen langschnäbliger Liebesduselei nunmehr losging. Aber alles aus dieser Welt läßt sich erlernen. Alsbald hatte ich eine Schnepfe den mir ertheilten Weisungen ent- sprechend auss Korn genommen, ein Schuß knallte und der Gegenstand meines Zieles glitt in demselben Augenblicke wie ein Schatten zwischen den Stämmen herab. Wenige Secunden später lag der erste Langschnabel, vom Feldmann apportirt, in meiner Hand. wachen. (Sin aus der der der Offenbach, 29. März. Das hiesige Schöffengericht hat aus Grund des Lebensmittelgesetzes gegen mehrere toealer unfc provinzielles. Gießen, 4. April 1892. ! einer nahen Ortschaft wohnendes Ehepaar, das täglich Milch an hiesige Kunden liefert, brachte solche Milch zum Verkauf, die mit Wissen der Eltern von der 16jährigen Tochter, kurz bevor die Kundschaft besucht wurde, stark mit Wasser gefälscht worden war. Trotz des Leugnens der Eltern und der Tochter, die aber früher bei der Polizei ein Geständniß abgelegt hatte, außerdem aber auch von einer Kundin beim Fälschen beobachtet worden war, erachtete das Gericht die Angeklagten für überführt und verurtheilte die beiden Eheleute zu einer Gesängnißstrafe von je vier Wochen und die Tochter zu einer solchen von einer Woche. » «er, $on bet Bergstraße, 2. April. Bei uns will der Frühling jetzt einkehren. In den beiden letzten Nächten gab es keinen Reif, die seinen Frühobstsorten: Mandeln, Pfirsiche und Aprikosen haben daher ihre Blüthenknospcn geöffnet. In unseren Weinbergen sieht es aber nicht erfreulich aus. Das Rebholz hat in dem langen, harten Winter 1890/91 sehr stark gelitten, es ist daher wenig fruchtbares Holz vorhanden und ohne solches kann keine Traube wachsen. Weiter haben die Stöcke durch die sogenannte Blattfallkrankheit gelitten, welche nur durch Bespritzen mit einer besonders präparirten Flüssigkeit bekämpft werden kann. Wer dies unterließ, hat noch geringeres Fruchtholz erzielt und hat wenig Aussicht auf Ertrag. Man will darum viele Weinberge aushacken und sicher tragende Obstbäume dafür Pflanzen. — In den schönen Waldungen der drei Ober- sörstereien Lorsch, Lampertheim und Viernheim finden sich noch prachtvolle Hirsche. Dort jagte der verstorbene Groß- herzog Ludwig IV. besonders gerne. Die Gemeinde Viernheim will ihm daher ein Denkmal auf ihre Kosten setzen laffen. - vermischter. * Berlin, 3. April. Der Circusdirector und Commissionsrath Renz ist heute früh um 3 Uhr gestorben. * Berlin, 4. April. Vergangene Nacht wurde eine Prostituirte grauenhaft erdrosselt- es ist zweifelhaft, ob ein Lustmord vorliegt. Die Untersuchung wurde eingeleitet. Die Ermordete ist nicht zu recognosciren, vom Mörder ist keine Spur zu finden. * Im Königreich Sachsen trat mit dem 1. April eine Verordnung in Kraft, die bestimmt, daß beim Schlachten aller Thiere, mit Ausnahme des Federviehes, der Blut- entziehung die Betäubung vorauszugehen hat. — Wie das „Dresdener Journal" hervorhebt, ist die Verordnung im Einblick auf die Praxis beim Schächten erlassen worden. . * Der tausendjährige R-senstock am Dom zu Hildesheim hat kürzlich Veranlassung zu der Frage gegeben, ob die Griechen und Römer schon Rosen veredelt haben. Geheimrath Professor Dr. Wittmack von der Landwirthschaftlichen Hochschule, der als Generalsecretär des Vereins zur Be- örderung des Gartenbaues in den König!. Preuß. Staaten um Beantwortung gebeten war, hat darauf erwidert, daß das Veredeln der Rosen schon den Phöniziern bekannt ge- wesen sei. Dienstag den 5. April: Silvana. Mittwoch ben 6 April- Das verwunschene Schloß. Donnerstag ben7.Aprtl: Lakrne Freitag ben 8. April geschlossen. Samstag ben 9. April' Margarethe. Sonntagben 10.April: Maurer unb Schloffser' Des Löwen Erwachen. Montag ben 11. April geschlossen' Dienstag ben 12. April: Freunb Fritz. Des Löwen Er- Ganz seid, bedruckte Foulards Mk. 1.35 bis 7.25 pr. Met. — (ca. 450 versch. Disposit) vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei in'S Haus G. Henneberr, Seldenfabrlkant, (Ä- u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1596 Neaefte Nachrichten. E8olffS telegraphisches Correspondmz-Burean. Paris, 3. April. Ein amtliches Telegramm aus Porto- Novo meldet, ein Trupp von 2000 mit Flinten bewaffneten Dahomeyern habe am 29. März Quetowe passirt und sich am linken User des Wheme oberhalb OboaS gelagert. Der König von Dahomeh ziehe alle Krieger am linken User des Allerda zusammen- der Weg nach Dahomey sei versperrt. Die Behörden von Wyddah hätten an den Gouverneur Callot ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt, daß der König von Dahomey am Wheme deßhalb den Krieg eröffnet habe, weil das Land ihm gehöre, ebenso wie Porto-Novo und alles Land außer dem Meere. Paris, 3. April. Ravachol hat eingestanden, der Urheber der beiden Explosionen aus dem Boulevard St. Germain und in der Rue de Clichy gewesen zu sein, und behauptet, das hierbei nicht verwendete Dynamit sei vernichtet worden. Depeschen bte „Bureau Herold". Berlin, 4. April. Ein Berliner Bi es der „Pol. Corr." warnt Bulgarien, die gegenwärtige Lage benutzen zu wollen, um die Anerkennung Ferdinands zu ertrotzen. Die Regierung Ferdinands sei von der Pforte aus Veranlassung Rußlands als ungesetzlich erklärt- die Anerkennungssrage könne nur auf Grund des Berliner Vertrages geregelt werden. Berlin, 4. April. Nach den Ermittelungen des kaiserlichen statistischen Amts betrug die überseeische Auswanderung aus Deutschland im Februar 1892 5150 gegen 4969 Personen im Februar 1891. Berlin, 4. April. Der Bruder Bismarcks, welcher 81^ Jahre alt ist, ist schwer an der Lungenentzündung Darmstadt, 4. April. Um den Thronwechsel osficiell an zu kündigen, reist Hosmarschall von Westerweller zur Königin Victoria nach Hyeres ab. — Die Besserung im Befinden des Prinzen Alfred dauert an. Paris, 3. April. Die französischen Truppen in Tonking stürmten den befestigten Stützpunkt der Piraten in Danthe und sprengten vom 28. bis 30. März die anamitischen Banden. Das Land ist von General Voiron besetzt. Die Franzosen hatten 17 Todte, darunter 3 Offiziere. Dahomeysche Banden verwüsteten die Umgegend von Portonovo. Die Bevölkerung ist geflohen. Der Gouverneur richtete an den König eine Beschwerdeschrist. Die Europäer trafen Ver- theidigungsmaßregeln. Paris, 3. April. Loubet verlieh dem Polizeicommissar Dresch und dem Friedensrichter Fedee für die Verhaftung Ravachols Orden der Ehrenlegion. — Es sollen wichtige Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit von der Polizei getroffen werden. Den Directoren der Dynamitlaqer wurde peinlichste Achtsamkeit anbefohlen. Madrid, 3. April. Das Complot gegen das Palais der Königin-Regentin wurde aufgedeckt. Zahlreiche fremde Anarchisten wurden aus Spanien aus gewiesen. Zürich, 4.April. Bei einem Schisssunfall aus dem Grelsensee ertranken vier von vierzig Personen, die übrigen wurden gerettet. Die Katastrophe wurde durch Uebersüllunq des Schiffes herbeigeführt. Schauspielhaus. Dienstag den 5. April: Kabale und Liebe. (Ferdinand Herr Neubert als Gast). Mittwoch ben 30. März: Die zärtlichen Verwanbten. Bauernehre (Cavalleria rusticana). Donnerstag ben 7. April geschlossen. Freitag den 8. April • Farinelli. Samstag ben 9. April: Golbfische. (Roland: Herr Neubert als Gast.) Sonntag den 10. April: Roman eines armen jungen Mannes. Montag ben 11. April: Liebe was Du lieben darfst. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Bibelstunde am Montag ben 4. April, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule; Römerbrief Kap 12, Vers 14: deS Christen gottg fälliges Verhalten gegen Freund und Feind. Pfarrer Dr. Naumann. 6. PassionSandacht am Mittwoch den 6. April. Abends 6 Uhr. Pfarrer Schlosser. Am Sonntag Palmarum, 10. April: Landes-Buß- und Bettag. Die Collecte am Palmarumsonntag ist bestimmt für bedürftige inländische evangelische.Gemeinden unter vorwiegend katholischer Bevölkerung. Arirlan-. , „ VariS. 2. April. Verschiedene verhaftete Anarchisten sollen in Freiheit gesetzt werden. Die Untersuchung gegen a a io fordert immer neue in St. Etienne begangene Ver- rechcn zu Tage. Ravachol ist schwer zu einem Geständniß zu dringen- dle Polizei ist Mathieu auf der Spur. Pans, 2. April. Der Kellner l'Herot, welcher Ra- vachol entdeckte, erhielt ein längeres deutsches Schreiben, unterzeichnet „von S.", welches ihn dazu beglückwünschte, daß er die Grundsätze vertheidigte, auf denen das Wohlergehen der Staaten und Völker beruhe. Dem Schreiben waren 500 Frcs. belgesügt. Sonbon, 2. April. Der englische Dampfer „Main", früher Eigenthum des Norddeutschen Lloyd, von New-Orleans unterwegs, ist aus der See verbrannt. Einzelheiten fehlen noch. Das Schiff ist in Bremen versichert. Durham, 2. April. Laut dem heute bekannt gewordenen Resultat der Abstimmung der Bergleute hat sich die große Mehrheit für den Strike erklärt. Newyork, 2. April. In der Dynamitfabrik Beffemer in Alabama hat eine Explosion stattgefunden, wobei sechs , Personen gelobtet wurden und zahlreiche Gebäude in Brand I geriethen. Die Erschütterung wurde auf 8 Kilometer weit verspürt. — In den nordwestlichen Staaten ist durch Wirbelwinde bedeutender Schaden verursacht worden. Viele Personen sind getödtet und ganze Städte zerstört worden. Auch in der Grafschaft Butler (Kansas) wurden arge Verwüstungen angerichtet. Chicago ist durch einen Wolkenbruch und die fruchtbarsten Gegenden Nebraskas sind in einer Ausdehnung von 75 Kilometer vom Sturme I heimgesucht worden. Der Sturm dauert noch fort. Die I Verbindungen mit Illinois sind unterbrochen. I war, Eurer Königlichen Hoheit NamenS der Stadt Gießen und ihrer trauernden Etnwohnerschast Ausdruck zu geben von dem lief; j empfundenen Beileid bei dem unermeßlichen Verluste, welcher in dem I oln0n0t “n'cr?8 allgeliebten Grobherzogs Ludwig IV. Eure König- I ü« ^heit und das Großherzogliche Haus und mit ihnen das ganze I Hessenland betroffen, so ist es der Vertretung der Stadt Gießen uunmehr ein besonders Bedürfniß, beim Regierungsantritt Eurer zroniglichen Hoheit Zeugniß abzulegen von der dankbaren Gesinnung, welche insbesondere auch unsere Stadt dem leider so früh uns Entrissenen bewahrt, von dem ehrfurchtsvollen Vertrauen, mit welchem der Regierung Eurer Königlichen Hoheit entgegensieht. Was der Dahingegangene dem großen deutschen Vaterland, He^"volk gewesen, das ist eingetragen in die Tafeln S T-ror,c in die Herzen seiner treuen Untertanen, was Allerhöchst er unserer Stadt und der mit ihr so eng verknüpften Lanbesuniversität gewesen, wie allezeit er dem Ausbau der Hochschule sowohl als der Entwicklung unseres städtischen Gemeinwesens jede Forderung hat angedeihen lassen, daS bleibt in dankbarer Erinnerung bewahrt in unser Stadt. ui -Solcher Gesinnung auch äußeren Ausdruck zu verleihen, hat ^^!^Everordneten-Versammlung beschlossen, zum besonderen Ge- oachmttz Ludwig IV, bei bahingegangenen Rector magnificentisBimus unterer Hochschule, des treuen Gönners unserer Stabt, eine Stipenbien- »0« zehntausend Mark zu errichten und wir bitten Eure Königliche Hoheit, unter Genehmigung solchen Beschlusses unb Erlaß der zu seiner Ausführung erforberlichen näheren Bestimmungen bie hinten dieser Stiftung alljährlich einem besonbers begabten ©tubirenben der Lanbesuniversität zutheilen zu wollen. _ Wenn wir babei ber Hoffnung uns hinzugeben wagen, baß es Eurer Königlichen Hoheit allergnäbigft gefallen möge, solcher Bitte zu willfahren, so errnuthigt uns dazu bas besonbere Wohlwollen, welches Eure Königliche Hoheit bisheran schon in ben Beziehungen zur Lanbesuniversität wie zu unterer Stabt an ben Tag gelegt. Gleiche Huld und Gnade erbitten für alle Zukunft wir von unserem nunmehrigen Landesherrn und erneuern auch an dieser Stelle Eurer Königlichen Hoheit das Gelübde unverbrüchlicher Treue unb Verehrung. In tiefster Ehrfurcht verharren Eurer Königlichen Hoheit allerunterthänigste Großherzogliche Bürgermeisterei unb Stadtverorbneten-Versammlung der Provinzialhauptstabt Gießen. Namens berfelben: Allerburchlauchtigfter Großherzog' _ . Allergnädtgster Großherzog unb Herr! . —■ ------ — c r » c , c v c v atati e'° öle bcm unterthänigst Unterzeichneten bereits verstattet I Personen auf eine exemplarische Strafe erkannt. Adresse an ben Grotzherzog. Nach dem Hosbericht „Darmstädter Zeitung" empfingen Se. KÖnigl. Hoheit Großherzog am vorigen Samstag u. A. eine Abordnung Stadt Gießen, bestehend aus dem Oberbürgermeister Gnauth, dem Beigeordneten Grüne berg und dem Stadtverordneten Heyligenstaedt. Die Herren überreichten tm Auftrag der Stadtverordneten-Versammlunq eine Adresse nachstehenden Inhaltes: Gnauth, Ä Oberbürgermeister. Gießen, 31. März 1892. Jubiläum. Am 1. April feierte der Kirchendiener unserer evangelischen Gemeinde, Herr Wilhelm Knoll, in aller Stille sein 50jähriges Dienstjubiläum. Ueber fünfundzwanzig Jahre hatte er im hessischen Militärdienst gestanden, als er am 22. Juni 1867 von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog Ludwig III. zum Kirchendiener an der evangelischen Kirche zu Gießen ernannt wurde, welchen Dienst er nun fast fünfundzwanzig Jahre mit Treue und Gewissenhaftigkeit geführt hat. Von Sr. Königl. Hoheit dem Groß- herzog wurde ihm zu den bereits vorhandenen drei Ehrenzeichen für treue Dienste unter der Fahne nun noch das Ehrenzeichen für 5Ojährige treue Dienste verliehen. Der Kirchenvorstand ehrte den Jubilar am Morgen des Tages durch persönliches Gratuliren in dessen Wohnung, wobei ihm eine ehrende Anerkennung des Herrn Prälaten Dr. Habicht, sowie im Namen der evangelischen Gemeinde Gießen ein ©effel überbracht wurde, nicht etwa dazu bestimmt, wie der Sprecher Herr Psarrer Dr. Naumann hervorbob, um sich nun darauf schon ganz zur Ruhe zu setzen, sondern mit dem Wunsche, daß er noch fhancfjeS Jahr, so lange ihm Gott die Kraft schenke, nach vollbrachtem Tagewerk in seinem Dienste daraus ausruhen möge. Auch in einer für diesen Tag an- beraumten Sitzung der Gemeindevertretung gedachte der erste Stadtpfarrer in längerer Ansprache dieser Sache. Obgleich noch am Morgen des Tages wenige Gemeindeglieder etwas von der Feier wußten, liefen doch im Lause des Tages, als die Kunde in die Gemeinde drang, zahlreiche Glückwünsche bei dem allgemein geachteten Jubilar ein. Möge dem über Siebzigjährigen noch lange die Frische des Geistes und Körpers erhalten bleiben. — Erhängt. In der vergangenen Nacht hat sich ein Soldat des hiesigen Jns.-Regimeuts Kaiser Wilhelm in dem Garten der früheren Frauenklinik an einem Baum erhängt. — Abänderung der Fabrik Auffichtsbezirke. Der Fabrik- Aussichtsbezirk I (Fabrikinspector Möser zu Darmstadt) umfaßt nach neuerlicher Verordnung vom 1. April d. I. ab die Provinz Starkenburg, der Fabrik-Aussichtsbezirk II (Fabrik- infpector Kraus zu Darmstadt) die Provinzen Oberhessen und Rheinhessen (einschließlich des Kreises Worms). Friedberg, 1. April. Mit dem heutigen Tage sind in unserer Stadt die Brodpreife um 4, bezw. 3 Psg. heruntergegangen. Es kosten demnach von jetzt ab zwei Kilo erster Sorte 58, zweiter Sorte 53 und dritter Sorte 50 Psg. In unseren Nachbarorten Bad-Nauheim und Butzbach sind die Preise unverändert aus 62, 58 und 53 Psg. geblieben. A Mainz, 3. April. Ein auf der Strecke Wiesbaden— Kastel ftationirter Bahnwärter der Nassauischen Staatsbahn ist letzthin in Untersuchung gezogen worden, weil man denselben erwischt hat, wie er auf eine eigene Art seinem verantwortungsvollen Dienste aus dem Wege ging. Der gewissenhafte Beamte hat nämlich in dunkeln Nächten an dem Ueber- gang, welchen er zu überwachen hatte, seinen Uniformsrock und seine Dienstmütze aus einer Stange in einer Form befestigt, daß man in der Dunkelheit glauben konnte, den Wärter vor sich zu haben. An dieser imitirten Figur hat der Bahnwärter an geeigneter Stelle eine Laterne angebracht und zwar eine solche, die nach zwei Seiten hin Licht warf, so daß wenn Züge passirten, gleichviel von welcher Richtung sie kamen, der Bahnwärter immer als aus seinem Posten anwesend erschien, während er sich in Wirklichkeit in seiner Wohnung oder sonstwo befand. Welche Strafe den erfinderischen Beamten getroffen, ist vorerst nicht verlautbar geworden. Mainz, 2. April. Herr Architect Ludwig Becker von hier wurde bei dem Wettbewerb für die Inneneinrichtung ber St. Lambertus Kirche zu Düsseldorf mit dem ersten Preise ausgezeichnet. Schiff-nachrichten. _ H^burg, 30. März. Das Hamburg-Newyorker Post- Dampsschiff „Moravta", Capitän Winkler, von der Hamburg Amerika- ntschen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, ist am 30. März, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, £anfc» ttnd Volksw^» Gründer-, 2. April. Fruchtpreise. Weizen JK2150 Korn JL 20.30, Gerste JL 17.00, Hafer 13.40, Erbsen JL 2000 LZnsen v*Wicken JL 15.-. Letn^L Kartoffeln X 8—, Samen 24 —. ' R. Ranstadt, 2. April. Innerhalb acht Tagen sind hier und in ber Umgegend ungefähr 20 Stück Pferde von dem sogenannten Nieren sch lag betroffen unb finb bies meistens werthvolle Thiere Wie wir hören, sollen bieselben bis jetzt noch alle am Leben sein aber es ist boch so ein gelinber Schreck über unsere Pferbebesitzer gekommen. Der Nierenschlag tritt gerne tm Frühjahr, besonbers wenn bie Pferbe einige Zeit nicht gearbeitet haben, ein. Es ist deshalb ben Pferbebesitzern zu empfehlen, ihre Pferbe vor Erhitzungen unb Erkältungen zu behüten unb sie beim Stehen im Freien mit guten Teppichen zu belegen. Krankf«rt, 1. April. Auf ber Freibank wurden gestern folgende Fletschsorten zu den beigefügten Preisen verkauft: Ochsenfleisch 40 Pfg., Kubfleisch 30 und 35 Pfg., Hammelfleisch 30 Pfg. Schweinefleisch 40 Psg. per Pfund. Lpirlplan der vereinigten frankfurter Ltadttheater. Opernhaus.