1892 M. 3Ü. Erstes Blatt. Freitag den 5. Februar Der Kietze-er A«-eiger erscheint täglich, gilt Ausnahme deS Montags. Die Gießener A««rtte»0tLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. KichenerÄnzeiger Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger Avonuementspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigcbltttt für den lUeis Giefzen. Annahme von Suzrigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Jamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. AnrtLicl-er» Chssl. Bekanntmachung. Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten: 1) Sonntag den 7. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Grünberg einen Vortrag über Bodenbearbeitung unter Anwendung verschiedener Düngemittel, in dem Englischen Hof, 2) Sonntag den 21. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in W e i t e r ö h a i n einen Vortrag über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Theiß - schen Wirthschaft, 3) Samstag den 12. März, Abends 6 Uhr, in Hattenrod über verschiedene Fragen aus der Bodenbearbeitung und Viehzucht, 4) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Nodheim über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reich har dt'schen Wirth- schaft, 5) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Kich einen Vortrag über rationelle Viehfütterung, in der Heiland'schen Wirthschaft 6) Sonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Düngemittel, 7) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauerngutes insbesondere mit Berücksichtigung "der künstlichen Düngemittel. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 28. Januar -1892. Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost. Deutsches Reich. Berlin, 3. Februar. Beim Kaiser fand am Dienstag wiederum ein Herrenabend statt- vermuthlich hat auch bei dieser jüngsten zwanglosen Vereinigung das neue Volks- schulgejetz seine Rolle gespielt. — Im Rittersaale des Berliner Residenzschlosses werden der Kaiser und die Kaiserin an diesem Samstag eine größere Defilircour als Einleitung zu weiteren Hof- sestlichkeiten abhalten. Dagegen satten die in den Berliner Botschaften geplanten Wintersestlichkeiten aus Rücksicht auf die Hoftrauer in England, Oesterreich und Rußland Meistens aus. — An der Berliner Börse wird wieder einmal Stimmung für die russischen Werthe zu machen versucht. Lehrer Tage waren Gerüchte über eine angebliche Besserung in den deutsch-russischen Beziehungen im Umlauf, namentlich wurde in dieser Beziehung aus der Nachricht Capital geschlagen, das Czarenpaar habe trotz der am Petersburger Hose bestehenden Trauer an einem Festmahle anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaisers theilgenommen. Letztere Meldung ist indessen darauf einzuschränken, daß der Czar am Geburtstage Kaiser Wilhelms den deutschen Botschafter zu einem Frühstück einlud, welcher Begebenheit jeder politische Character fehlt. Außerdem wurde an der Berliner Börse abermals das Gerücht verbreitet, das russische Getreideverbot sei ausgehoben worden, wovon natürlich keine Rede ist. Es handelt sich hierbei eben nur um Börsenmanöver, wozu auch die weitere Nachricht gerechnet werden muß, wonach der Czar beabsichtigen sollte, dem Kaiser Wilhelm im Mai oder Juni einen Besuch abzustatten. — In Leipzig hat am heutigen Tage die feierliche Eröffnung der internationalen Ausstellung für das Rothe Kreuz im Beisein einer glänzenden Fest- verjammlung, an ihrer Spitze König Albert, stattgefunden. Die Ausstellung, welche bis zum 12. Februar währen wird, umschließt die bedeutungsvollen Gebiete des Armeebedarfs, der Hygiene, der Volksernährung und der Kochkunst und verdient jedenfalls das Interesse und die Beachtung weiter Kreise. Das Unternehmen bezweckt die Verbesserung der bestehenden und die Herbeisührung zweckdienlicher Einrichtungen aus jenen genannten Gebieten und darf man wohl hoffen, daß sie so manches wichtige Ergebniß zu Tage fördern wird. — Nach den Passagieren des an der englischen Küste gestrandeten norddeutschen Lloyddampfers „Eider" sind am Dienstag auch die Offiziere und Mannschaften des verunglückten Dampfers, etwa 150 Köpfe stark, unter unsäglichen Schwierigkeiten sämmtlich gerettet worden. Das Schiff selbst gilt als verloren. Oentfd^er Reichstag. 162. Plenarsitzung. Mittwoch den 3. Februar, 2 Uhr. Die Declaration betr. tbellwetse Verlängeruna des am 12. Juli 1883 zwischen Deutschland und Spanien abgeschlossenen Handelsvertrags wird in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen. Erste Berathung des von Graf Doenhoff-Frtedrtchftein und Genossen (conf.) etngebrachten Entwurfs eines Heimstätten- gesetzes. Graf Doenhoff begründet den Entwurf mit der Nothwendig- keit, die Landbevölkerung seßhafter zu machen. Nach dem 24. Lebensjahre habe jeder Deutsche daS Recht zur Errichtung einer Heimstätte. Die Heimstätte sei unthellbar und nur mit Genehmigung des Besitzers veräußerlich. v. Bar (bfr.) findet den einigen Nutzen des Gesetzes in der Sicherung der Frau und befürchtet eine Fideicommtßwirthschaft. Menzer (conf.): Der Entwurf sei gewissermaßen eine Krönung des socialpolitischen Gebäudes. Er sehe darin ein Prophylaxe gegen die Socialdemokratte. Ltedermann v. Sonnenberg (Antis.): Der Entwurf sei eine Codtficatton des deutschen RechtSgefühls. Der Freisinn sei gegen das Gesetz, da dadurch das Agilattonsfeld der Socialdemokratie beschränkt werde. Jordan (bfr.): Der Zweck des Gesetzes werde nicht erreicht werden, die Noth der Landarbeiter sei nur die Noth der Großgrundbesitzer. Schippel (Soc.): Das deutsche Recht sei nur die Stütze der Feudalrechte. Der Entwurf wird an eine Commission verwiesen. Nächste Sitzung Donnerstag. Handelsconvention mit Spanien. Etatberathung. Netteste Nachrichten. Wilst? teltgrayhischeS Torrefpondenz-Burean. Berlin, 3. Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die vom Bundesrath genehmigten Bestimmungen, betreffend Ursprungs-Zeugnisse für die aus meistbegünstigten Ländern eingehenden Maaren, sowie die Ausführungs-Bestimmungen zum Gesetz, betreffend die Anwendung vertragsmäßiger Zollsätze auf Getreide, Holz und Wein. München, 3. Februar. Gegenüber den Meldungen einiger Blätter theilt die „Allgemeine Zeitung" von unterrichteter Seite mit, eine acute Verschlimmerung im Befinden des Königs Otto sei nicht eingetreten, trotz selbstverständlicher Schwankungen des Befindens und obgleich der Krank- heitsprozeß an sich ein zwar langsames und kaum bemerkbares, jedoch fortschreitendes Zerstören des Gesammtorgauis- mus ist. Washington, 3. Februar. Präsident Harrison hat eine Proclamatton erlassen, in welcher die mit Deutschland vereinbarte Gegenseitigkeitsconvention mit- getheilt wird, nebst einem Schriftstück, das die Bedingungen enthält, unter welchen amerikanische Producte und Fabrikate künftig in Deutschland zugelassen werden. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 3. Februar. Die Budgetcommission des Reichstags setzte die Berathung des Militär-Etats fort. Verschiedene Bauraten wurden bewilligt. Die erste Rate für den Bau einer Dienstwohnung für den Commandeur des Gardecorps und des Gouverneurs von Berlin wurde einstimmig abgelehnt. Berlin,3. Februar. Die Reichstags-Commission setzte die Berathung über die Novelle des Reichswahlgesetzes Barths und Rickerts fort. § 10 wurde angenommen, wonach die Stimmzettel in einem amtlich gestempelten undurchsichtigen Umschlag zu überreichen sind, dessen Form, Größe und Gewicht gleichmäßig festgestellt wird. Berlin, 3. Februar. Abgeordnetenhaus. Verschiedene Rechnungssachen werden erledigt. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. Führung der Aufsicht bei dem Amtsgericht I und Landgericht I Berlin und die Handhabung der Disciplinargewalt bei ersterem Gerichte. Um den Landgerichtspräses zu entlasten, soll ein neuer Amtsgerichts-' Präses ernannt werden. Alle Redner sind einig über die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände an den Berliner Gerichten und schlagen theils eine Ueberweisung an die Justiz- commission, theils an eine besondere Commission vor. Die Gesetzvorlage wurde einer Commission überwiesen. In der zweiten Lesung wurde der Etat mit dem Specialetat „Finanzministerium" genehmigt, ebenso der Etat der inbirecten Steuern. Morgen Etatberathung. Berlin, 3. Februar. Nach der „Post" verlautet, Dr. Koch habe das Tuberkulin wesentlich verbeffert. Es ständen demnächst Publicationen bevor. Paris, 3. Februar. Zwei deutsche Soldaten der Fremdenlegion wurden wegen Fahnenflucht und Straßenraub gestern in Geryville hingerichtet. Dorpat, 3. Februar. Die Russificirungsbestreb- ungen unter den Esten und Letten stoßen neuerdings auf starken Widerstand. Rom, 3. Februar. In einer Villa am Janiculus entdeckte die Polizei 25 Bilder der Galllerie Sciarra. Rom, 4. Februar. In Mailand wurde eine Falschmünzerbande entdeckt, welche über ganz Italien verzweigt ist, 30000 Lire wurden beschlagnahmt. London, 4. Februar. Sir Morell Mackenzie ist gestern Abend 10 Uhr in seiner Harleystreet gelegenen Wohnung gestorben. Gute Schwarzwurzelcultur. Nach Herrn Obergärtner Albert Roeschke, Criewen bei Schwebt a. O. im Plact. Rathgeber. Die Schwarzwurzel gehört zu den feinsten Gemüsen. Wenn sie verhältnißmäßig so wenig angebaut wird, so ist ihre Güte, ihre Verwendbarkeit nicht Schuld — nur der Widerwillen des Publikums — etwas Neues und Ungewohntes sich zu eigen zu machen. Die Schwarzwurzel läßt sich sehr leicht bauen. Sie gedeiht fast in jedem Boden. Frischen, besonders langen Dünger liebt sie aber nicht, bei solcher Düngung werden die Wurzeln faserig und bringen schon im ersten Sommer Samey. Es empfiehlt sich, für Schwarzwurzeln zwei Spaten tief zu graben oder zu rigolen. Will man größere Massen bauen, so ist der Boden auf 35 cm zu pflügen. Bei der Schwarz- wurzelcultur ist der Wechselbau von hoher Wichtigkeit. Wer zweimal hintereinander auf demselben Felde Schwarzwurzeln baut, bekommt fast gar keinen Ertrag beim zweiten Male. Um recht schöne lange Wurzeln zu erzielen, muß man bei der oben erwähnten tieferen Lockerung des Bodens eine zweijährige Cultur haben. Man kann den Samen auch im August aussäen, um die zweijährige Cultur abzukürzen. Ich kann dieses Verfahren nicht empfehlen, da ich gefunden habe, daß ich eben solch starke Wurzeln bei einjähriger Cultur gewinne. Nach wie vor säe ich deshalb den Schwarzwurzelsamen im Frühjahre so zeitig wie möglich aus, der Same mufe 4 cm tief in den Boden kommen. Das Säen geschieht in folgender Weise: Auf einem Beet von 1,20 m Breite zieht man 4 Rillen ganz zugemacht. Dieses Verfahren ist bei trockenem Boden auch für jeden anderen Samen zu empfehlen. Sind die Pflanzen 3 bis 5 cm hoch, so werden dieselben gehackt und gleich so verzogen, daß eine Pflanze von der anderen 5 bis 6 cm entfernt zu stehen kommt. Ueberhaupt ist Sorge zu tragen, daß die Pflanzen rein von Unkraut bleiben, später lassen dieselben von selbst nichts aufkommen. Im Herbst braucht man nur soviel Wurzeln herauszunehmen, als man zu verbrauchen gedenkt, die übrigen können stehen bleiben. Sie leiden von Frost nicht, auch büßen sie an Geschmack nichts ein. Aufbewahren kann man Schwarzwurzeln entweder in einer 60 cm breiten und 45 cm tiefen Grube, die etwas mit Erde und dann mit 30 cm hoher Laubschicht bedeckt wird oder in einem Keller in Sand. Will man beides nicht, so muß man aus die Beete entsprechend Laub bringen, um auch bei strengem Frost herausholen zu können. Das Herausnehmen der Wurzeln muß sehr vorsichtig geschehen, besonders starke Wurzeln brechen leicht entzwei ober man beschädigt dieselben. Bemerken will ich noch, daß man bei gut und tief gelockertem Boden in einem Jahre recht an- ehnliche Wurzeln erzielen kann.____________________ Locales rind provinzielles. Gießen, 4. Februar 1892. — Der Verband Deutscher Haudlungsgehülsen zu Leipzig Ijat in diesen Tagen das 40 000. Mitglied ausgenommen. Nach zehnjährigem Bestehen verdankt der Verband diesen wohl beispiellosen Erfolg unter den auf Selbsthülfe gegründeten Vereinen hauptsächlich seinen bewährten gemeinnützigen Einrichtungen und Bestrebungen. Die geschäftliche Thätigkeit wird in der Centralstelle Leipzig und durch Filialen in Berlin, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Königsberg i. Pr. und Nürnberg, sowie durch Kreisvereine in bald 300 Orten ausgeführt und umfaßt Stellenvermittelung, Rechtsschutz, Unterstützung, sanken- und Begräbnißkasse (die größte und leistungsfähigste freie Hülfskasse' für Kaufleute), Wittwen- und Waisenkasse, sowie Altersversorgungs- und JnvaliditätSkasse. In allen genannten Abtheilungen herrscht ein rühriges Treiben zur Befriedigung der BetheiUgten. Hierzu kommen die Bestrebungen zur Hebung deS KausmannS- standes, wozu die letzten Jahre vielfach Gelegenheit geboten haben. So ist es zur Zeit besonders die Regelung der Sonntagsruhe, die in den Mitgliederkreisen, in den Kreisvereinen, erörtert wird und zu Borschlägen an die zuständigen Behörden führt. Die Tendenz des Verbandes wird von den Handelskammern anerkannt, die großen Erfolge stellen ihm ebenfalls das beste Zeugniß aus, eS ist daher jedem Beruss- genossen der Anschluß an den Verband Deutscher Handlungs- gehülfen nur zu empfehlen. — Ein für Metzger und Landwirthe sehr wichtiges Er- kenntniß hat das Reichsgericht gefällt. Dasselbe stellt fest, daß auch der Ankauf lebender Thiere unter das Lebensmittelgesetz fällt, sobald dem Verkäufer bewußt war, daß die betreffenden Thiere zur menschlichen Nahrung dienen sollen. Dieses Erkenntniß wird die Landwirthe abhalten, krankes Vieh zu verkaufen. Stellt sich das Fleisch des Thieres beim Berkaus und bei der unmittelbar daraus erfolgten Tödtung als verdorben heraus, so ist der betreffende Verkäufer nach den §§ 10 und 11 des Gefttzes haftbar. — Getreide-Vorräthe in Ungarn. Ueber die Weizen- und Roggen-Vorräthe Ungarns liegt folgende Berechnung vor: Die Weizenernte hat 35 Millionen Metercentner, die Roggenernte 10 Millionen Metercentner betragen. Vom 1. Juli bis Ende December 1891 wurden exportirt: an Weizen 3 357 714 Mctr., in Form von Mehl 3188 253 Mctr., demnach insgesammt 6 545 967 Mctr. Der Bedarf für den Herbstanbau betrug 5 250000 Mctr., die Consumtion im Lande 8 250000 Mctr. Somit betrug der ganze Export und Verbrauch 20 015 967 Mctr. und verblieb, sonach am 1. Januar ein Ueberschuß von 14 984033 Mctr. Rechnet man für den Consum bis zur neuen Ernte und für den Frühjahrsanbau 8500 Mctr., so ergibt sich ein verfügbarer Ueberschuß von 6 484033 Mctr. Weizen. Von Roggen wurden von Juli bis Ende December 1 359 380 Mctr. ausgeführt, 2 Millionen zum Anbau verwendet und 5 450000 Mctr. consumirt, es verblieb sonach am 1. Januar ein Vorrath von 1190620 Mctr. Da der Bedarf im Lande 5 550 000 Mctr. ausmacht, ergibt sich ein Minus von 4359 380 Mctr. Nach diesen Angaben wird die Consumtion für den Ausfall in Roggen sich mit Weizen versorgen muffen, sodaß der Weizenüberschuß sich auf ca. 4 Millionen Metercentner reduciren dürste. — Die Mundhöhle des Menschen als Quelle der An- ftecknng. Die Mundhöhle des Menschen ist der Aufenthaltsort einer großen Anzahl von niederen Lebewesen, welche jedoch längst nicht immer ganz unschuldiger Natur sind, viele sogar solche, die die schwersten tüdtlichen Krankheiten Hervorrusen können. Namentlich Professor Miller in Berlin hat aus diesem Gebiete die verdienstvollsten Untersuchungen gemacht und gezeigt, welche bedeutungsvolle Rolle die Mundhöhle in der Erzeugung körperlicher Störungen bildet und daß viele Leiden, deren Ursache geheimnißvoll war, ihren Ursprung in der Mundhöhle haben. In einem Vortrag, den der genannte Forscher aus dem 7. internationalen Congreß für Gesundheitspflege in London gehalten, sagte derselbe, daß schadhafte Zähne in erster Linie als Urheber der verschiedenen Krankheiten zu nennen sind, die oft, namentlich bei Kindern und schwächlichen Personen tödlich verlaufen. Welcher wunderbare Zusammenhang zwischen faulenden Zähnen und den verschiedensten Organen des Körpers besteht, zeigt sich darin, daß oft Geschwüre an den Fingern rc. verschwunden, sobald der krankhafte Zahn entfernt war. Die Zahl der Bazillen und anderer Organismen, die selbst im Munde ganz gesunder Personen gesunden werden, ist eine erstaunlich große, ebenso die Liste der Krankheiten, die durch dieselben hervorgerusen werden kann und unter Umständen hervorgerufen wird. Welche Gifthöhle der menschliche Mund darstellt, zeigt sich darin, daß Verletzungen mit frisch gebrauchten zahnärztlichen Instrumenten saft immer Geschwüre zur Folge haben. Der Speichel selbst vom gesunden Menschen ist giftig- von 111 weißen Mäusen, denen der Speichel von 111 verschiedenen Personen eingespritzt wurde, starben alle bis auf 10. Die Wichtigkeit der Reinhaltung der Mundhöhle ergiebt sich da von selbst. Es gilt nicht nur die Zähne gesund zu erhalten, sondern auch schlimmen Krankheiten vorzubeugen. — Nach zuverlässigen Nachrichten werden mit dem nächsten 1. April die gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe im HandelsgewerLe in Wirksamkeit treten. Die bezüglichen Anordnungen des Reichskanzlers an die Landesregierungen sind bereits ergangen. Hiernach dürfen bekanntlich „Gehülsen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen nicht länger als fünf Stunden", an gewissen hohen Festtagen „überhaupt nicht" beschäftigt werden. „Die Stunden, während 'welchen Beschäftigung stattfinden darf, werden unter Berücksichtigung der für den öffentlichen Gottesdienst bestimmten Zeit von der Polizeibehörde sestgestellt." Soweit diese Geschästszeit von 5 Stunden „aus kürzere Zeit eingeschränkt oder ganz untersagt werden" soll, kann dies „durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde" oder eines weiteren Communal- verbandes geschehen. Dabei soll daraus gesehen werden, daß von 2 oder längstens 3 Uhr an den Nachmittagen der Sonn- und Festtage die Kaufläden u. s. w. geschlossen werden. Ausnahmen davon läßt das Gesetz allein zu „für die letzten vier Wochen vor Weihnachten, sowie für einzelne Sonn- und Festtage, an welchen örtliche Verhältnisse einen erweiterten Geschäftsverkehr erforderlich machen." Hier kann die Polizeibehörde eine „Vermehrung der Stunden, während welchen die Beschäftigung stattfinden darf, bis auf 10 Stunden zu- lassen." Die genaue Handhabung dieser neuen Bestimmungen wird nicht unbeträchtlich in seitherige Uebungen uud Gewohnheiten aus diesem Gebiete einschneiden. Es wird sich dabei auch darum handeln, thunlich gleichmäßig diese Bestimmungen zu handhaben, so daß z. B. Oeffnung und Schluß der Kaufläden in den verschiedenen Städten und Orten eines Landes u. f. w. zu der nämlichen Zeit stattfindet. Die anderen inneren Bestimmungen über Sonntagsruhe mit ihren gesetzlichen Ausnahmen, wie solche in den §§ 105c bis 105h der Gewerbenovelle vom 1. Juni 1891 sich finden, sollen erst etwas später in Kraft treten, nachdem die bezüglichen Be stimmungen durch den Bundesrath und die höheren Ver- waltungöbehärden (in Hessen durch die Großh. Kreisämter) erlaffen worden sind. Dies bezieht sich besonders auch auf § 105c des genannten Gesetzes. — Diese und viele andere Bestimmungen dieses „Arbeiierschutzgesetzes" enthalten bedeutende Forderungen an die Gewerbetreibenden, Fabrikbesitzer u. s. w., mit welchen sich rechtzeitig genauer bekannt zu machen rathsam sein wird. - n. Großen Linden, 3. Februar. Die Apotheke des Herrn Sartor wird demnächst von Rockenberg in hiesige Stadt verlegt. A Aus dem Ohmthal, 4. Februar. Der gelinde Winter ist von Vortheil für den Betrieb der Mühlen, besonders der Holzschneidereien. Im vorigen Winter konnten die Mahlmühlen kaum ihre Kunden bedienen, die Holzschneidereien aber standen fast während des ganzen Winters in Folge Wassermangels still. Anders verhält es sich im jetzigen Winter, welcher den Mühlen Wasser im Ueberfluß zusührt. Die Holzschneidereien haben bereits beträchtliche Holzvorräthe verarbeitet. Die gegenwärtigen niedrigen Holzpreise kommen den Holzschneidereien sehr zu Statten, da sie eben durch den Wafferreichthum bedeutend mehr verarbeiten können. «o-> Windhausen, 4. Febr. „Alles schon einmal dagewesen", sagt Ben Akiba, aber daß Jemand nach seinem Tode von zwei verschiedenen Seiten zwei Särge zugestellt bekommt, dürste doch kaum dagewesen sein. Starb hier kürzlich ein kinderloser Wittwer, sofort läßt ihm der Wirth, dessen Stammgast er gewesen, einen Sarg ansertigen, jedenfalls nach dem Wunsche des Verstorbenen. Aber seine Verwandten wollten es sich nicht nehmen lassen, daß der Verstorbene seinen Sarg von ihnen bekam und ließen auch einen solchen anfertigen. In zwei Särge konnte man aber doch den Verstorbenen nicht legen, die Verwandten erhielten den Sieg und der Wirth mußte seinen Sarg behalten. vermischtes * Köln, 2. Februar. Eine eigenartige Ueber- raschung wurde dieser Tage einem hiesigen Wirthe und mit ihm einem Gaste zu Theil. Ein Spaßvogel hatte dem Wirth in sein Gefäß mit Sooleiern ein Porzellan-Ei gelegt und erwartete mit anderen lustigen Brüdern in der Wirth- schäft der Dinge, die da kommen sollten. Das Gefäß war nahezu leer, als gestern Abend ein Landmann hereintrat und zwei Sooleier bestellte. Der Wirth nahm die letzten Eier und setzte sie dem Bäuerlein vor. Dieser ergriff zuerst das Porzellan-Ei — es war das dickste — klopfte es auf den Tisch und klopfte immer fester und immer fester. Der Wirth stand wie aus den Wolken gefallen und schaute den Fremden und dieser den Wirth an. //Freßt Uehr Eidr selvs!" rief der Bauer wüthend, warf das Porzellan-Ei mit voller Wucht auf den Boden und ging davon. Der Wirth mußte, weil ihm die Stammgäste die Blamage bereitet, gute Miene zum bösen Spiel machen; er will demnächst aber Revanche üben. * In Wien wurde vor einigen Tagen ein Mann von der Steuerbehörde über fein Einkommen vernommen, der zwei Berufe — und doch keinen hatte. Mit betrübter Miene äußerte er, daß er außer Stande fei, überhaupt Steuer zu entrichten, da er feit Monaten seinen zwei Berufszweigen nicht nachgehen könne. „Was, Sie haben sogar zwei Berufszweige und nicht durch einen derselben können Sie sich erhalten?" wurde er gefragt. „Was sind Sie denn?" — Der Betreffende antwortete treuherzig: „Segen's, i bin im Sommer Schwimmmeister und im Winter Lehrer im Schlittschuhlaufen. Im vergangenen Sommer wars so kalt, daß sich Niemand ins Waffer getraut hatte und ick keine Schwimmlectionen hab geben können — jetzt im Winter hab'n wir fast gar kein Eis gehabt und so wars auch mit'n Eisläufen nix. Na, jetzt wisien's mein Malheur!" * Mailand, 30. Januar. Ein junges deutsches Ehepaar auS Freiburg i. B., das sich auf seiner Hochzeitsreise befindet, hatte am Mittwoch Vormittag ein unangenehmes Abenteuer zu bestehen. Das junge Paar hatte in Porto Mau- ricio an der Riviera den Schnellzug bestiegen, her um 8 Uhr 40 Minuten Vormittags nach Genua abfährt. Sie fuhren allein in in einem Abtheil erster Klasse. In dem langen Tunnel „Besta" zwischen Oneglia und Diano Marina öffnete sich plötzlich die Coupethür und es stiegen zwei Kerle hinein, die dem Ehemann bedeuteten, daß er ihnen feine Börse und Brieftasche anvertrauen möge. Dem Ueberfallenen blieb nichts übrig, als diesem Wunsche zu willfahren. Aber ehe noch die Räuber das Abtheil wieder verlaffen hatten, begann der Zug zu bremsen. Die Räuber sprangen sofort hinaus, konnten aber, als der Zug still stand, leicht dingfest gemacht und dann der Polizei übergeben werden. Dieser befriedigende Abschluß des Abenteuers ist der jungen Frau zu verdanken, die Geistesgegenwart genug besaß, die Sicherheitsklingel in Wirksamkeit zu setzen, während sich die Räuber mit ihrem Manne beschäftigten. * Sich selbst erkennen, ist die schwerste Kunst. Dieses wahrste aller Sprichwörter erfährt durch folgendes kleines Vorkommniß eine prächtige Illustration. Einem Vater in F. wurden wegen wiederholter, nicht entschuldigter Schulversäum- niffe seines Knaben Vorstellungen gemacht, die er damit zu entkräften suchte, daß er auch das Schreiben und Lesen gelernt habe, trotzdem er gar oft der Schule ferne blieb. Doch versprach er, in Zukunft das Fehlen seines Kindes anzeigen zu wollen, und er hielt Wort, denn alsbald lief folgende „Entschuldigung" ein: „Nun Werttester herlerrer Mein ßon muste zu Hausse lasen weil er aus das gleine gint Schauen Muste Weil die Mutter nach nirnberg Muste. W . . ." * 3m Brautglück. Mutter (zu ihrer Tochter, die das Malheur hatte, während des Tanzens mit ihrem Bräutigam zu fallen): „Um Gotteswillen, Kind, so steh doch aus! — Welche Schande, hier mitten im Saale zu sitzen!" — Tochter: „Aber Mama, Otto sitzt ja bei mir!" Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Vorbereitung zur Kinderkirche: Freitag den 5. Februar, Nachmittags 4 Uhr, im Gymnasium Citoatar uhö Itanft. — A. Hartleben» Universal-Handatta». 93 Hauptkarten und 100 Nebenkarten auf 126 Karlensetten; zur mathematischen, physikalischen, poltttschm und hiftortschen Geographie. Mit einem begleitenden Texte und vollständigem Register von Dr. Friedrich Umlauft und Dr. Franz Hetderich. (A. HartlebenS Verlag, Wim.) Erscheint in 25 Lieferungen ä 75 Pfg. — A. Hartleben» „Unioersal-HandatlaS" schreitet in seinem Erscheinen rasch fort Wieder liegen unS sechs neue Li'serungen (13 btS 18) vor, welche sich den vorangegangenen in jeder Hinsicht würdig anschließen. Von den in den Lieferungen 13 bis 18 enthaltenen Karten dienen der mathematischen Geographie „Die Karte des nördlichen Sternen- himrnels", der physikalischen Geographie die „Ttesenkarte des Atlantischen OceanS" und „Die Stromgebiete der Erde", der Statistik die „Karte der Religtonsverhältnisse aus der Erde". Die Länderkunde betreffen die Karten „Deutsches Reich", Blatt!, „Oesterreich-Ungarn", „Die österreichischen Alpenländer", „Die Schweiz", „Spanien und Portugal", „Griechenland"; als besonders gelungen ist die physikalische Karte der Alpen im Maßstabe 1 : 2 Millionen zu bezeichnen, welche das Terrainbild mittelst Schraffen- und Höhenschichtentönen ungemein wirksam zur Darstellung bringt. Zur Geographie Asiens gehören die Karten von Kleinasien, Irma, Eentralafien und Japan, iu Afrika die politische Ueberstcht des ganzen Erdtheils und Karten von Aegyptm und Centralafrika, deren letztere den Congostaat und die ringS um ihn sich gruppirenden Interessensphären Deutschlands, England», Frankreichs und Portugals zeigt. Amerika erscheint durch die Vereinigten Staaten, Australien durch die wichtigsten Inseln des Große« OceanS vertreten. Der historischen Geographie dienen die Karte der „Mittelmeerländer zur Zeit der Kreuzzüge" und „Europa zur Zeit des dreißigjährigen Krieges". Zahlreiche Nebenkarten bieten Stadtpläne, wichtige Industriegebiete, intereffante Gebiraspartim, Inselgruppen rc. in größerem Maßstabe. Der begleitende Text führt die in den früheren Lieferungen begonnene Geographie Europas zu Ende, behandelt dann ganz Asien und Afrikas physikalische Verhältnisse. Nach seiner Vollendung wird „A. Hartlebens Universal-HandatlaS" unstreitig eine Zierde jeder Bchliothek bilden, für den Freund der Erdkunde aber ein hochschätzbares Nachschlagewerk sein. — Der soeben im „Buch für Alle" beendete Roman '„Unter der Last der Krone" von Alexander Römer hat in den weitefteu Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt. Die vielbesprochene Herzensgeschichte des — trotz der freien dichterischen Umgestaltung — leicht erkennbaren Helden ist hochintereffant dargeftellt. Der mit Neujahr besonders erleichterte Eintritt in das Abonnement wird dem altbewährten Familienjournal schon allein dieses sensationellen Werke» wegen sicher viele neue Freunde zuführen. Verkehr, Land- unb Volkswirtbschast. ktzrankfurt, 3. Februar. Am gestrigen Jungschweine- Markt am Bebraer Bahnho'e waren zugefahren 149 Thiere. Bezahlt wurden für 16-22wöchige Läufer 36 bis 50 vM, für 9- bis 12wöchige Ferkel 20 bis 30 per Stück, in Schweine-Zuchtvieh zeigte sich neuerdings wieder erhöhte Kauflust. Lirubrrrg, 3. Februar. Fruchtmarkt. Rother Weizen 1840, weißer Weizen Jt —, Korn JL 16.00, Gerste • * 10*30, Hafer, JL 6.70, Erbsen —, Kartoffeln —- m -- Die Zubereitung der Futtermittel. Dr. Stutzer in Bonn hat vor kurzer Zeit wieder V.rsuche über den Einfluß der Erwärmung der Futtermittel und über den deS Kochsalzes angestellt, welche abermals dargethan haben, daß daS Kochen oder Dämpfen der Futtermittel, wenn nicht besondere Grunde dafür sprechen, zu verwerfen ist. ES wird hierdurch nicht nur eine Vergeudung an Zeit bervorgerufen, sondern auch die Verdaulichkeit des Eiweißes im Futter herabgedrückt. Man füttert also das Futter im Allgemeinen am besten kalt im natürlichen Zustande und da wo es nöthig ist, entsprechend durch Schneiden und Quetschen zerkleinert. Die günstige Wirkung deS Kochsalze» auf die Verdaulichkeit de» Eiweißes ist dagegen ebenfalls von Neuem bewiesen, sodaß eine regelmäßige Verabfolgung des Kochsalzes an unsere Hausthiere zu empfehlen ist. Sottesdievst der israelitischen Keligiovsgesellschast. Frettag Abend 440 Uhr, Samstag Vormittag 8to Uhr, SamStag Nachmittag Uhr, SamStag Abend 5V Uhr. Teideustosfe (schwarze,weißeu.farbige) v. 65 Pfg. bis 18.65 p. M. — glatt, gestreift, karrirt u. gemustert (ca 380 i verfch Qual ) u 2500 versch Farben — vers. roben- u. ftückw. porto- u. zollfrei das Fabrik-Depot G. Henneberg (K. u. K Hofltef.), Zurich. Muster umgeh. Dopp. Briefporto nach d. Schweiz. 8677 Seidene Hahnen- und Steppdeckenftoffe, 125 Etm. brett. erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck. IVf T gl I ckl mäßig abgefaßt und typographisch ange. V | V ▼ IN messen ausgestattet sind, ferner die richtige i c« Wahl der geeigneten Zeitungen ge- httrnf Annnitmt troffen wird. Um dies zu erreichen, wende IIUIUJ <41111111III lll man sich an die Annoncen-Expeditiou Rudolf Mosbc, Frankfurt a. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenftei ertheÜt, sowie Jnseraten-Entwürse zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses In stitutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparnis an In» serationskosten erreicht wird. Vertreter in Gießen t Heinrich Wallach. 746 M 7/isit= \ F und 1 jtfdressAarten in verschiedenen Preislagen, sowie sonstige Drucksachen L werden angefertigt in der j Brüh Ischen Druckerei 3 (Giessener Anzeiger) Schulstrasse 7. '4 __