Nr. 3 1«92 Amts- rind Anzeigeblatt für den Avers GieHen Hratiskeikage: chießmer Jamilienölätter. Betr.: Deutsches Reich Das Großherzogliche Kreisamt Gießen Sie derselben umgehend entsprechen. v. Gagern. Ausland. Windeckers Felscnkeller 141 215 315 448 551 553 937 938 980 1103 1197 1963 2196 2286 2417 2465 3494 3589 4152 4259 4294 Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Barm. 10 Uhr. an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. I 3 • ^^tschlaud und Rußland schweben bezüglich Bei- Soweit Sie mit Erledigung unserer Verfüauna vom - ^tzteren zu den neuen Handelsverträgen. Die LtiÄ*“*“! d»*•** M ** erhalten. Es würden Maßnahmen getroffen werden, um die Finanzvcrhältnisse des Staates zu ordnen. Pest. 2. Januar. Die Direction und der Aufsichtsrach der Bester ersten vaterländischen Sparkasse stellten das Fehlen eines Baarbetrages von 60,000 fl. in der Manipulationskaffe, sowie einen Abgang von Renteu-Obli- gationen im Betrage von nominell einer Million fl. sest, welche von dem Hauptkassierer Piussich desraudirt worden sind. Der Defraudant hat sich entleibt. betroffen, die zweite soll am Montag staltfindcn. Berlin,2.Januar. Bei der Rothen Kreuz-Lotterie fiel der Haupttreffer auf Nr. 241,564. .. Berlin. 2. Januar. Die Schuhmacher beschlossen, im Frühjahre in die L o h n b e w e g u n g einzutretcn und eventuell einen Generalstrike anzuregen. Vierteljähriger AßonnemcnUpreis: 2 Marl'M'Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Sckratfiraße Hlr.7. Fernsprecher 51. Ter Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Braden. Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Loos-Nummern: 61 101 558 585 662 668 808 920 1420 1444 1704 1845 1875 2577 2815 3140 3253 3427 5020 5512 5683. Das Gr. Steuer-Commiffariat Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Bezirks. Wir ersuchen Sie, die hier befindlichen Brandkataster , baldmöglichst mit Gelegenheit doch abholen zu lassen. Gießen, den 2. Januar 1892. ! Süffert. Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen «» die Grotzh. »Srgermeistereiea de« «reise«. Soweit Sie noch im Rückstände sind, erinnern wir Sie an Erledigung unserer Verfügung vom 9. December 1891 (»nzerger Nr. 289) binnen acht Tagen. _______v. Gagern. v Gießen, den 2. Januar 1892. Setn: Die Ausführung de« Gesetzes über den Schutz der m fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter sechs Jahren. Oberhessischer Obstbauvcrein. Von den Gegenständen, welche in der Verloosuna bei Gelegenheit der Obstausstellung des Oberhesfischen Obft 1 bauvereins in Gießen gewonnen wurden, ist eine größere Anzahl noch nicht abgcholt. Wir geben deshalb im nach- siehenden nochmals die betreffenden dazu gehörigen Nummern der Loose mit dem Bemerken, daß die Geg-nstände durch die Ge,chastsstelle des Oberhesfischen Obstbauvereins zu Friedberg gegen Einsendung des Looses auf Kosten des Gewinners zu ^halten sind und daß die nicht eingelösten Gegenstände zu Gunsten des Obstbauvereins am Samstag den 10 Ja «»ar, Abends 8 Uhr, in Windeckers Felscnkeller versteigert werden. Brüssel, 2. Januar. Gestern früh erfolgte ein ferneres I Dynamit-Attentat gegen die Wohnung des Polizeidieners in Bouverie (Hennegau). Die Hausfaxade wurde vollständig zerstört, die Nachbarhäuser und die in der Nähe be- findliche Kirche sind beschädigt. Ein in Wiheries bcabsichtiotes Dynamit Attentat mißlang. Warschau, 2. Januar. In der hiesigen Garnison ist der . Flecktyphus ausgebrochcn- er soll durch Militär aus den nothleidenden Gouvernements eingeschleppt sein. Lissabon, 2. Januar. In der Thronrede für die Eröffnung der Cortes werden die ausgezeichneten Beziehungen zu allen Mächten constatirt und hinsichtlich der Frage der Handelsverträge bemerkt, Portugal werde kein Zugeständniß machen, ohne gleichwerlhige Bergünsligungen zu Neueste Nachrichten. WolfiS telegraphisches Lorrespondmz-Vureai Dresden, 3. Januar. Einem heute früh 8 Uhr aus- gegebenen Bulletin zufolge sind bei dem Prinzen Georg gestern noch in später Abendstunde Erscheinungen eingetreten, welche aus eine wiederkehrende Thätigkeit des Darmes hinwiesen. Der Prinz hat die Nacht zwar nicht gut verbracht, auch fei immer noch Fieber (38,7) vorhanden, jedoch sei zu hoffen, daß die bis vor Kurzem bestandene Gesahr nunmehr beseitigt sei. Bremen, 3. Januar. Der heute Vormittag 10 Uhr 3 Minuten hier fällige Personenzug von Wilhelmshaven stieß bei Wüssing mit einer leeren, von Station Hude kommenden Maschine zusammen, welche fahrplanmäßig in Reiherholz zu kreuzen hatte. Der Führer der leeren Maschine hatte das Haltesignal nicht beachtet, die Kreuzungsstation durchfahren und war so dem von Station Wüsting abgegangenen Personenzuge entgegengefahren. Der Führer und der Heizer der teeren Maschine sind tobt; Führer, Heizer, Packmeister und Zugführer des Pcrsonenzuges sind verwundet. Von den Passagieren wurde Niemand verletzt. Depeschen veS „Bureau Herold". Hamburg, 3. Januar. Die norwegische Barke „Ellisif" ist, nach einem Zusammenstoß mit dem seewärts gehende« englischen Dampfer „Burton" auf der Elbe, vollständig gesunken. 3 Nom, 3. Januar. Die von der italienischen Regierung für die Vertragsverhandlungen mit der Schweiz ernannten Delegirten sind heute nach Bern abgereist, da die Schweiz hinsichtlich der italienischen Landesproducte hohe Forderungen stellt, doch wird ein Einvernehmen sicher erzielt. Brussel, 4. Januar. Die Congo-Acte wurden von allen Mächten, außer von Portugal, angenommen. Der Beitritt Portugals wird bis zum 5. Januar erwartet. Der Oi-tzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener ^«mitienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Amtlicher Theil. Gießen, den 2. Januar 1892. Das Landgestüt; insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestüts beschäler in 1892. I Berlin, 2. Januar. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" i schreibt: Sicherem Vernehmen nach hat die spanische Re- i 9'«ung hier die provisorische Verlängerung des i bestehenden deutsch-spanischen Handelsvertrags bis zum 30. Juni b8. IS. unter der Bedingung des Ausschlusses der bisherigen Bindung des spanischen Einsuhrzvlles auf Branntwein beantragt, die deutsche Regierung diesen Antrag aber abgelehnt. Berlin, 2. Januar. Nach der „Voss. Ztg." halten die „Times" die Nachricht aufrecht, daß Unterhandlungen ' _______Dienstag dm 5, Januar__ GiehenerLlnsi'iger Kemral'-Anzeiger. Feuilleton. Das große Loos. Humoreske von Georg Grad. (1. Fortsetzung.) „Sie haben gewonnen, zum ersten Male in der Lotterie zu spielen und gleich zu gewinnen. Sie Glücklicher' Mit— mit tausend Reichsmark ist Ihr Loos herausgekommen, junger Ich glaube, ich wurde in diesem Augenblick kreideweiß „Mit tausend Mark?" — Ich seufzte, aus allen Himmeln gestürzt, tief auf. Tausend Mark! he — he — he, während ich mindestens auf zehn-, zwanzig-, dreißigtausend gerechnet hatte. „Also kommt auf Sie der achte Theil," fuhr der Un- glücksbote fort //Was? Der achte Theil? Herr---" jetzt kochte es in mir vor Wuth. „Der achte Theil — lächerlich — das wären ja nur 125 Mark." „Hunderrzehn Mark, mein Herr," entgegnete jener — netto hundertundzehn Mark — 15 Mark gehen ab für den Staat . ." Ich hätte vor Enttäuschung vergehen mögen, hundertundzehn Mark. — Das war zu toll. Und nun noch der Abzug. „Dann machen Sie, bitte, kurzen Proceß und händigen Sie mir das Geld aus, fuhr ich ihn an.! „Wenn Sie das Geld gleich zu haben wünschen, junger Mann, dann kommt mir noch eine kleine Provision zu, die ich ganz in Ihr Belieben stelle." „Schon gut, schon gut," erwiderte ich piquirt, „wollen Sie nicht vielleicht lieber gleich das ganze Geld behalten?" Anstatt des Taschenbuchs mit den erhofften graubraunen Scheinen, welche die stattliche Zahl „1000 Reichsmark" tragen, holte er sein langgedientes Portemonnaie hervor, das rr sorgsam in ein nicht gerade blendend weißes Tuch ein- geknolet hatte. Umständlich zählte er mit vielem Geräusch das Geld aus den Tisch, dabei noch immer murmelnd: „Was ein Glück, was ein Glück." Meine angeborene Gutwüthigkeit gewann schließlich in mir die Oberhand. Der arme Mann konnte doch nichts dafür, daß ich mir so große Illusionen gemacht hatte und schließlich war doch auch der kleine Betrag, namentlich in Hinsicht auf meine finanzielle Lage, nicht zu verachten. Ich gab also dem alten Herrn eine Entschädigung, die ihn vollkommen zufrieden zu stellen schien, dann, nachdem er mir noch em neues Achrellos verkauft hatte, empfahl er sich unter vielen Verbeugungen, Gottes weiteren Segen aus mein Haupt herabflehend. Während ich das Geld einstrich, konnte man vom Corridor her eine gedämpfte Conversation vernehmen, die sich zwischen meiner Wirrhin und dem Loosehändler entsponnen hatte. Letzterer, als geriebener Geschäftsmann, hatte die günstige Gelegenheit benutzt, und nicht nur meine Wirthin, sondern auch, wie ich später erfuhr, die gesammte Einwohnerschaft der angrenzenden Häuser durch die Erzählung, daß er mir soeben einen Antheil vom großen Loose ausgezahlt habe, welches zufällig an dem Tage gleichfalls gezogen worden war, zur ubnahme von Glücksloosen zu bestimmen gewußt. Ich kaunte meine gute Frau zu genau, als daß ich nicht ihren Eintritt jeden Augenblick erwartet hätte. Die Neugierde ist bei Frauen ein gar zu mächtig Ding. „Ich gratulire Ihnen herzlich," rief sie mir bei ihrem Eintritt zu und streckte mir ihre biedere Rechte entgegen. „Das freut mich, daß gerade Sie ein so großes Glück getroffen hat, denn gewöhnlich," setzte sie hinzu, „kommt es an den Unrechten." „Ach," fuhr sie seufzend fort, „nun wird es Ihnen gewiß nicht mehr hier bei mir armen Frau gefallen- nun werden Sie wohl eine schöne, elegante Wohnung miethen." „Aber Frau Müller, ich denke gar nicht daran, von Ihnen zu ziehen." „Nicht?" Und ihr Gesicht leuchtete freudig auf, „dann will ich mir auch die erdenklichste Mühe geben, damit es I J^en auch ferner hier gefallen soll. Wollen Sie vielleicht I das vordere Zimmer auch bewohnen, das ist ja viel bester möblirt. Sie werden nun doch viel Besuch empfangen." „Bisher habe ich die Miethe für das eine Zimmer nicht einmal prompt bezahlen können und nun soll ich noch em zweites dazu nehmen? Nein, liebe Frau, es bleibt Alles beim Alten." „Aber Sie sind doch jetzt so furchtbar reich geworden?" „Woher haben Sie denn diese Wiffenschaft?" Die brave Frau erröthete ein wenig. „Der Collecteur hat es mir erzählt." „Glauben Sie doch nicht daran, Frau Müller. Es war eine optische Täuschung. Hundert Mark in runder Summe beträgt der richtige Gewinn. Sehen Sie hier." „Ach gehen Sie doch," antwortete Sie piquirt, „Sie wollen mir etwas weiß machen. Nein, nein, mit dem großen Gewinn wird es wohl seine Richtigkeit haben." Vielmals dankend, strich sie den ihr schuldenden Betrag ein und war höchlichst erfreut, als ich auch ihr eine kleine Extra-Belohnung zu Theil werden ließ. Den Rest des Tages erblickte ich sie nicht wieder. Das „frohe Ereigniß" drückte sie wie eine Centnerlast auf dem Herzen, und nicht eher fand sie Ruhe, als bis sie in ihrem ganzen, weiten Bekanntenkreise die wundersame Mär von meinem Reichthum an den Mann gebracht hatte. Sobald ich aus der Thür ging, steckten die lieben Hausbewohner ihre Köpfe zusammen und raunten sich, auf mich deutend zu: „Das ist er, das ist er." Aus Schritt und Tritt begleiteten mich in den angrenzenden Straßen die neugierigen Blicke der müßigen Gaffer. Allein nicht nur in die Nachbarschaft, sondern bis in weitere Kreise war das Gerücht von diesem „Glückssall" gedrungen und die Fama hatte sich, wie gewöhnlich, beeilt, derart zu übertreiben, daß es in der Meinung der Leute bald un- umstößlich seststand, daß ich anstatt 100 Mark das große LooS gewonnen hätte, besonders als ich mir einen neuen Hm und ein Paar Handschuhe zulegte. (Schluß folgt.) Brussel, 3. Januar. Der bekannte Nationalöconom Emile de Laveleye ist gestorben. Localer rin- provinzieller. Gießen, 4. Januar 1892. — Die Nr. 1 des im Auftrage des Evangelischen Psarr- Vereins für das Grohherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann herausgegebenen „Hessischen Kircheublattes" hat folgenden Inhalt: 1. Neujahr! 2. Neujahrsglückwünsche. 3. Pfarrverein und Kirchenblatt im neuen Jahre. 4. Einige Worte zur Frage, ob Vermögensverwaltung mit oder ohne Mitwirkung weltlicher Behörden. 5. Der evangelische Pfarrer und die Kunst, II. 6. Hessisches Evangelisches Sonntagsblatt. 7. Briefkasten: Oberconsistorium und Psarrverein. 8. Psarrvereinsmitglieder. 9. Jubiläum. 10. Zusammenkünfte. 11. Vom Büchertisch. 12. Mancherlei: Anzeigen u. s. w. — Das am 2. Januar ausgegebene Grobherzogliche Regierungsblatt Nr. 1 enthält: Verordnung, die Anlegung, den Betrieb und die Beaufsichtigung der Dampfkessel betr. Vom 30. December 1891. * — Schuldienst - Nachrichten. Am 16. December wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Schmidt aus Lich, Kreis ! Gießen, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen, — j am 23. Decbr. wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Becker aus Lehrbach, Kreis Alsfeld, die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld — übertragen. — Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Güttersbach, Kr. Erbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Dem Herrn Grasen zu Erbach-Fürstenau steht ; das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen, Kr. Darmstadt, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1000 bis 1300 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder - Gemünden, Kr. Alsfeld, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Metzlos, Kr. Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. + Lich, 3. Januar. In verflossener Neujahrsnacht j wurden in hiesiger Stadt die sogenannten „Frösche" in unangenehmster Weise geworfen. Ein Schulknabe befleißigte sich auch dieses Vergnügens. Da jedoch dieser Feuerkörper sich nicht sofort entzündete, so hob derselbe dieses Projectil aus und versuchte dasselbe auszublasen. In demselben Moment explodirte jedoch dasselbe und verbrannte dem Sünder den Mund und die Nase in der Weise, daß derselbe vorerst auf längere Zeit die Schule nicht besuchen kann. + Nieder Bessingen, 3. Januar. Heute verunglückte der Müllerbursche des Mühlenbesitzers Seipp in dem benachbarten Mühlsachsen durch Ertränken in dem stark angeschwollenen Mühlbache. + Büdingen, 3. Januar. Bei dem hiesigen Amtsgericht schwebt zur Zeit ein Prozeß, in welchem die Frage entschieden werden muß, ob der Geruch von vier Ziegenböcken gesundheitsschädlich ist oder nicht. Zwei Aerzte sind als Sachverständige vernommen worden. Man ist allgemein aus die richterliche Entscheidung gespannt. A Mainz, 3. Januar. Der Rhein ist während der verflossenen Nacht und den heutigen Tag über noch immerfort gestiegen. In den letzten 20 Stunden beträgt die Zunahme etwa 18 (Zentimeter. Während der Nacht bis zum Vormittag trat das Steigen noch ziemlich rasch ein, wogegen in den Nachmittagsstunden das Wachsen nur sehr unmerklich war. Die letzten von den Wasserbauämtern hier eingetroffenen ossiciellen Nachrichten lauten im Allgemeinen günstig und melden vom Oberrhein, Maxau und Neckar Stillstand und langsames Fallen. Der Main dagegen bringt noch steigendes Wasser und sind die Ufer an der Mündung bereits in der Höhe von einem Meter überschwemmt. Die starke Strömung des Mains riß heute Morgen eine an der Gustavsburg angelegte Schiffbauerei mit fort und trieb dieselbe stückweise in den Rhein. Hier sind aus die ganze Länge der Stadt die User überschwemmt und ist der Zugang zu den Landungsbrücken nur mittelst Nachdrücken zu erreichen. Trefflich bewährt sich hier wieder das angewandte Canalsystem, indem die ganze Stadt noch wasserfrei ist und selbst in den niedrigst gelegenen Stadt- tbeilen die Kellerungen noch vom Hochwasser verschont sind. Bei gleich hohem Wasserstand wie der heutige waren in früheren Jahren die unteren Stadttheile schon ganz unter Wasser. Worms, 2. Januar. Die vor einiger Zeit in dem Rheinbett begonnenen Bohrungen zur Ermittelung des Untergrundes sür die Erbauung einer stehenden Brücke über den Rhein sind nun auch aus dem User in Angriff genommen worden. Bis jetzt gehen die Bohrungen bereits bis zu einer Tiese von 60 Fuß, ohne daß ein günstiger Baugrund gefunden worden wäre. Es wird immer noch sogenannter Schleich zu Tage gefördert; man hofft indeß, bald günstigen Boden zu finden. Vermischtes. * Kreuznach, 1. Januar. In der Sylvesternacht bewaffnete sich der Zimmermann Joh. Mann von hier mit einem Revolver, um einen mörderischen Plan auszuführen. Er hatte die Absicht, zwei Kameraden, mit denen er einer Liebelei wegen in Feindschaft lebte, zu erschießen. Seine Schüsse gingen fehl und als er sich von der Polizei umgeben sah, feuerte er eine Kugel auf sich ab, die ihn sofort tobt iu Boden streckte. * Eisenach, 31. December. Seine Jnvaliditätskarte halte der schon wegen schwerer Verbrechen vorbestrafte 26jährige Kellner Max Fischer aus Potschappel zur Niederschrift einer Majestätsbeleidigung benutzt. Als demselben auf der hiesigen Polizei die Papiere durchgesehen wurden, fand man die grobe Beleidigung- Fischer erklärte, „aus vollständiger Ueberzeugung" daran festzuhalten. Die Strafkammer erkannte auf 3 Monate Gesängniß. * Aus Sternberg im Lande Mecklenburg erzählt das „Meckl. Tagbl." folgende Geschichte. Ein Mann, dessen Kinder in Arnerkia wohnen und ihn um sein Bild gebeten hatten, kommt zu einem Photographen, um sich aufnehmen zu lassen. Der Photograph unterhält sich eine Weile mit dem Alten und sagt zuw Schluß scherzhaft: „Dat fall ok so weih nid) dahn." Sie begeben sich in das Atelier, das auf einem balkonartigen Vorbau nach dem Garten zu errichtet ist. Die Oeffnung der Wand nach der Gartentreppe zu wird mit einem Laken verhängt und der gute Mann setzt sich, den Rücken der Treppe zugekehrt. Nachdem der Photograph seine Vorbereitungen getroffen, steckt er den Kops unter das bewußte schwarze Tuch und nun heißt es: „Noch ein wenig rechts — ein wenig zurück — ein bischen links — noch ein wenig zurück" und plötzlich sind Stuhl und „Object" mit lautem Gepolter die Treppe hinuntergestürzt. Bleich vor Schreck eilt der Photograph die Stufen hinab und denkt, im glücklichsten Fall einen Mann mit gebrochenen Armen oder Beinen zu finden, doch vergnügt lächelnd, auf alle Viere gestützt, das Gesicht der Treppenöffnunq zugekehrt, ruft der einiger Hautabschärfungen nicht achtende und im Uebrigen glücklich unten Angekommene: „Js ’t gaut worden?" und sich aufrichtend, fügt er hinzu: „Dat harr 'ck doch nid) dacht, dat dat Ding so'n Zug harr!" * London, 28. December. Im Theater Royal von Gateshead hat am Samstag Abend eine Panik stattgesunden, bei welcher zehn Menschen erdrückt worden sind. Es wurde die Pantomime „Aladdin" gegeben, und etwa 1200 Personen füllten das Theater, namentlich die Gallerie und das Parterre. Bei Beginn der letzten Scene fiel einer Dame im ersten Rang eine Nadel oder ein Geldstück herunter und ihr Mann entzündete ein Streichholz, um danach zu suchen. Dabei geriet!) ein Stück Papier auf dem Boden in Brand und es entstand eine kleine Flamme, welche die Frau veranlaßte, „Feuer!" zu rufen. Eine Hand legte sich über ihren Mund, um den gefährlichen Rus zu ersticken, aber derselbe verbreitete sich schnell und da man Rauch ausstkigen sah, stürzten alle Zuschauer nach den Ausgängen. Der Theaterdirector Turner und seine Leute riefen den Geängstigten zu, sitzen zu bleiben oder langsam hinauszugehen, allein diese Mahnungen fanden kein Gehör. Einige rissen die Orchesterwand nieder und stürmten auf die Bühne, andere sprangen von den Rängen ins Parterre. Die Zuschauer im ersten Range kamen alle glücklich hinaus, allein aus der Gallerie drängte die Masse K^tf) dem einzigen Ausgange, dessen Thür verriegelt war! Dem Thürhüter gelang es zwar schließlich, den Riegel herouszuziehen, allein dies kostete ihm das Leben, denn vor der nachdrängenden Masse stürzte er die Treppe hinab bis zur Haupttreppe. Als Niemand mehr aus dem Theater kam, gingen zwei Mann die Gallerie- treppe hinauf und fanden dort einen Hausen lebender und tobter Menschen 5 Fuß hoch übereinander, während hinter diesen eine Anzahl Menschen bemüht war, hinauszukommen. Nun wurden Männer, Knaben, Frauen und Mädchen aus dem Hausen herausgezogen. Mehrere waren bereits mehr tobt als lebendig und starben bald, nachdem sie in benachbarte Häuser gebracht worden waren. Das Feuer war sofort mit einigen Eimern Wasser gelöscht worden. Bis Mitternacht waren bereits zehn Personen, meist Knaben zwischen 13 und 16 Jahren, ihren Verletzungen erlegen. Ein 32 Jahre alter Mann war ums Leben gekommen, als er von einem Gallerie- fenfter auf das 50 Fuß tiefer liegende Dach eines benachbarten Hauses gesprungen war. Nach einer anderen Version war das Feuer dadurch entstanden, daß zwei Knaben in einem Balkon unter der Gallerie Pfeifen geraucht haben. Ein Theaterdiener hätte es ihnen verboten, sie hätten es aber doch wieder gethan und einer habe ein brennendes Zündhölzchen fallen gelassen, worauf die obenerwähnte Dame „Feuer!" gerufen habe. Eine schreckliche Ueberraschung erlebte der Polizist Carsley, welcher im Dienste beim Theater war. Während er sich an den Rettungsarbeiten beteiligte, zog er die Leiche eines Knaben hervor — es war diejenige seines Sohnes. Ein Kind von 7 Wochen, welches im Gedränge aus den Armen seiner Mutter gerissen worden war, wurde von einem Manne aufgehoben und über die Menge auf der Treppe hinweg einem anderen Manne zugeworfen und von diesem aufgefangen. Es kam unverletzt heraus. Ein zwei Jahre alter Knabe wurde von der Gallerie ins Parterre geschleudert, erlitt aber keine Verletzung. Während die Nettungsarbeiten vor sich gingen, drangen Spitzbuben hinter die Couliffen und stahlen dort die Kleider und sonstiges Eigen- thum der Schauspieler, welche sich in ihren Costümen gerettet hatten. Im Ganzen waren 60 Personen an dem Theater angestellt. Gateshead, welches am Tyne liegt, hat ungefähr 66,000 Einwobner. — Im Theater Royal in Glasgow brach gestern früh 8 Uhr Feuer auf der Gallerie aus, welches muthmaßlich am Abend vorher durch eine ähnliche Unvorsichtigkeit wie die in Gateshead verursacht war. Der Brand wurde rasch gelöscht- der Schaden ist unerheblich. * Vater und Sohn ertrunken. Die „Bert. Ztg." berichtet : Am Montag Nachmittag unternahm der in Berlin wohnende Handelsmann Gottschlick mit seinem zehnjährigen Sohne Karl eine Kahnfahrt auf dem Seddinfee. Da bemerkte G., daß der Kahn sich rapide mit Wasser füllte. Er rieth feuern Sohne, über Bord zu springen, um sich durch Schwimmen zu retten. Der Knabe that dies auch, aber nach kaum fünf Minuten verließen ihn die Kräfte und er versank in die Tiefe. Inzwischen hatte der Vater, nachdem er ebenfalls über Bord gesprungen war, sich an dem umgekippten Kahn festzuhalten versucht und um Hilfe geschrieen. Zwei Schchcr, die den Vorfall inzwischen bemerkt hatten, war-- zu wett entfernt, um gleich an die Unglücksstelle heransttnerm ju können So sand auch der Vater seinen T°d in bc* G. hmterläßt eine Frau und zwei unmündige Kinder. 0 ri , 3” 8. 'n Thüringen hat es seit ein paar Zagen stark geschneit. Der Herr Bürgermeister verordnet, daß jeder Hausherr den Schnee vor seinem Hause entfernen lassen muß. Da aber die Arbeit auf einmal etwas groß erscheint, so läßt er im „Amtsblatt" verkünden: „Der neue Schnee kann vorläufig noch hegen bleiben, der alte muß aber spätestens bis Mittags 12 Uhr fortgeschafft fein." * Aus dem juristischen Examen, „fcerr Candidat, waS wissen Sie von der Bürgschaft?" — „Daß man oft lange herurnspringen muß, bis es einem gelingt, endlich eine solche aufzutreiben!" * Die biederen Landleute. Nachtschwärmer : „Ei, ei, man sieht ja reckst erbauliche Dinge, wenn man mal Morgen- in aller Frühe durch die Straßen geht. Sieh nur, wie der brave Landmann dort Wasser in die Milch pumpt!" — Der brave Landmann: „Na, Sie dummer Kerl, haben wohl bis jetzt geglaubt, wir brächten 's Wasser vom Dorfe mit?!" Schrffsnachcichten. Bremen, 2. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Trav.', Eapt. R. Bussins, vom Norddeutsche« Lloyd in Bremen, welcher am 22. December von Bremen und am 23. December von Southampton abgegangen wat, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land» uttfc Volkswirtschaft. Gründers, 2. Januar. Frachtpreise. Weizen X 24.80, Korn X--, Gerste X Hafer X 14.40, Erbsen X 20.70, Linsen X —, Wicken 15.—, Leinet ——, Kartoffeln X ——, Samen X;——. — Gefahr des Tränkens mit z« kaltem Wasser. Die Zeit, wo auch das Waisir in ben Brunnen eine Temperatur angenommen, die dem Vieh nicht mehr gedeihlich sein kann, ist da. Wir erinnern unsere Leser deshalb an die Gefahren, welche sich namentlich mit einem hastigen Äufnehmen von solchem Wasser durch das Vieh verbinden. Ganz besonders ist die Gefahr bei Pferden groß, weil diese, von der Arbeit heimkehrend, besonders zu Erkältungskolikes geneigt sind. Man bringe das zum Tranken bestimmte Wasser schon Tags zuvor in den Stall, am besten in einen Zuber, der gut zugedeckt werden kann, weil sonst die Stallluft, namentlich daS in derselben befindliche Ammoniak, das Wasser verunreinigen. Wo Selbstttänke- vorrichtung vorhanden, da muß der Wasserbehälter so aufgestellt werden, daß die warme Stallluft das Wasser in bemfelben erwärmen kann. Unter 9° R. warmes Wasser sollte an die Hausthiere nie verabreicht werden. — Aufbewahrung deS MehlS. Ebenso wie das Getreide auf dem Schüttboden von Zett zu Zeit umgestochen ober in anderer Weise gelüftet werben muß, so auch das Mehl, namentlich aber bann, wenn es von Getreide stammt, welches nickt den besten Grad der Trockenheit erlangt hatte. Ist das Mehl in Säcken eingestampft, so darf es hierin überhaupt nrcht längere Zeit aufbewahrt werden und muß öfters umgefchütttt werden, etwa alle vierzehn Tage. Aber auch auf dem Mehlboden aufgehäuft ist ein öfteres Umarbeiten geboten, wenn es nicht ungemein In seinem Werth beeinträchtigt werden soll. Versäumt man dieses, so wird das Mehl knollig. Der Kleber wird verändert, die Backsähigkeit geht verloren, sodaß sich nur ein schlissige- Brod aus demselben Herstellen läßt. — Die Eonuenblume als Hühnerfutter. Da die Hühnerzucht in Deutschland noch sehr gehoben werden kann, so erscheint eS wichtig, auf neues zweckmäßiges Hühnerfutter aufmeiffam zu machen. In England, wo die Geflügelzucht einen ungeheuren Aufschwung genommen hat, behauptet man, baß das beste Futter für Hühner der Sarne der Sonnenblume sei. Derselbe soll nicht nur die Eier- production ungemein fördern, sondern auch die Erzeugung eines glänzenden Gefieders bewirken, was besonders für Ausstellungszwecke als wichtig erachtet wird. Am vortheilhaftesten soll der Anbau der großen Sorte der Sonnenblume fein, wie sie in Rußland und China in bedeutender Ausdehnung cuüivirt wird. Doch liefert untere gewöhnliche einfache Sorte ebenfalls einen befriedigenden Ertrag. Spielplan der vereinigten Frankfurter Ltadttheater. Opernhaus. Dienstag den 5. Januar, Nachmittags 3y2 Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Neu etnfiubirt: Johann von Paris. Coppelia. Mittwoch den 6. Januar, Nachmittags 3% Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Frl. Maety Piazza. Lackme. (Lackme: Frl. Piazza.) Donnerstag den 7. Januar, Nachmittags 3*/r Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Die luftigen Weiber. Freitag den 8. Januar geschlossen. Samstag den 9. Januar, Nachmittags 3'/, Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Hochzeit des Figaro. Sonntag den lO.Januar, Nachmittags 3Vi Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Johann von Paris. Coppelia. Montag den 11. Januar, Nachmittags 3V2 Uhr: Aschenbrödel. Schauspielhaus. Dttnstag den 5. Januar: Zum ersten Male wiederholt: Die Sclavin. Mittwoch den 6. Januar: Die Journalisten. Donnerstag den 7. Januar g» schlossen. Freitag den 8. Januar: Richard der Dritte. Samstag den 9. Januar: Die Sclavin. Sonntag den 10. Januar, Nachmittags 3f/2 Uhr: Die Ehre. Abends 7 Ubr: Krieg tut Frieden. Montag den 11. Januar: Die Sclavin. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Kibelstunde heute Montag den 4. Januar, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 4, Vers 1: Die von Gott zugerechnete Gerechtigkeit in dem Glauben Abrahams. Marrer Dr. Naumann. Für den durch Brandunglück geschädigten Spinnmeister Ernst Hardt aus Ätcinben berg bei Gummersbach gingen nachstehende Gaben ein: Faber 3 X, fi. ©. 1 X 0. fR. 2 X Zusammen 6 Weitere Gaben nimmt gern entgegen Die Expedition des „Gießener Anzeiger". Sfc/iulAof & ^omp.G) Bankgeschäft Giessen Frankfurt a. M. Marktstrasse 4. (16J Zeil 69.