’b. 1, I, 1, v, '8 uf 0. er ie ?n 8: a ", ei in r- l. m h b. 18 e- t, m r« i. it r- n ir u 9 e n i. K l r l I l Nr. 179 Donnerstag den 4. August 1892 Der tUjtiet erscheint täglich, eit Ausnahme des Montags. Die Gießener werben dem «Rjägn »schentlich dreimal beige!egt. Gießener A nzeiger Heneral'-Anzeiger. Biertelsähriger AösvurmeatsPreiO» 2 Mark 20 Psg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Psg. iRebaction, Expedition und Druckerei: -ch»rSr«te Ar.1. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren. F 1.1 - —. ..........■ !L»' ■ ... .... . . 111 - . L . 1111 K '-'J* ■ »nein,, »o» «nitigt* y d-r »Monitor für bm 1 1Bc >nn°ncm.»urc-ux M Sn- uni luitunM ur^m* Mgenbrn tag erfdjeinettben Siuuuntr bi. 8orm. 10 Uhr. Munsoeliagk. ^Ik^ettkr ^UUUNkUtNUttkr. «n,.i,.n für bm .»ie».n.r mtg.gnu Anrtlichev Theil. Gießen, den 2. August 1892. Betr.: Remunerirung des Polizeiaufsichtspersonals. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gießen. Zur Remunerirung des Polizeiaufsichtspersonals ist uns auch für das Etatsjahr 1892/93 vom Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eine Summe zur Verfügung gestellt worden. Sie wollen uns daher binnen 14 Tagen die Polizeibediensteten Ihrer Gemeinden, welche sich durch besonders gewissenhafte Pflichterfüllung einer Belohnung würdig gemacht haben, bezeichnen und hierbei deren Lebens- und Dienst- altsr, sowie ferner angeben, wie viele Polizeianzeigeu dieselben im Jahre 1891/92 erhoben haben und ob das außerdienstliche Verhalten derselben zu Klagen keinen Anlaß gegeben hat. Diejenigen Polizeibedienfteten, welche Sie einer besonderen Belohnung nicht würdig erachten, wollen Sie uns ebenfalls ünter Angabe der Gründe benennen. ___________________v. Gagern.___________________ Gießen, 2. August 1892. Betr.. Remunerirung des Feldschutzpersonals. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 16. v. M. (Anzeiger Nr. 165) noch nicht entsprochen haben, werden an alsbaldige Erledigung derselben hiermit erinnert. __v. Gagern.______ Gießen, 1. August 1892. Betr.. Den Abverdienst uneinbringlicher Feldstrafen vom Jahre 1891/92. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Vollstreckung des Abverdienstes aus der I.—VI., Feldrügegerichtsperiode 1891/92 im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen acht Tagen erinnert. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 2. August. Kaiser Wilhelm traf am Montag Mittag nach sehr günstiger Uebersahrt von Wilhelmshaven, auf welcher er auch der Insel Helgoland einen mehrstündigen Besuch abstattete, in Cowes aus der Insel Wight ein. Bereits einige Meilen vor Cowes war der Kaiser von dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Connaught und von dem Prinzen Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg- Augustenburg begrüßt worden, zu welchem Zweck die hohen Herrschaften an Bord der Dacht „Aline" eine Fahrt in See gemacht hatten. Noch vor der Landung besichtigte der Kaiser das deutsche Schulschiff „Moltke", später begab er sich in Begleitung des Prinzen Heinrich von Preußen und des Herzogs von Connaught nach Schloß Osborne zur Begrüßung seiner erlauchten Großmutter, der Königin Victoria. Von Osborne kehrte der Kaiser direct an Bord seiner Dacht „Kaiseradler" zurück. Der gegenwärtige Besuch Kaiser Wilhelms auf englischem Boden trägt einen rein privaten Character, im Gegensätze zu dem vorjährigen Erscheinen des Monarchen in England. Es muß demnach die Meldung englischer Blätter, der deutsche Kaiser beabsichtige während seines gegenwärtigen Aufenthaltes in England sowohl mit Lord Salisbury als auch mit Herrn Gladstone Unterredungen zu pflegen, entschieden bezweifelt werden. Zum Mindesten in Bezug ^üus den Führer der englischen Opposition klingt die erwähnte Nachricht durchaus unglaubwürdig. — Die Meldung, wonach die Reichsregierung sich zum tatsächlichen Verzicht auf die Veranstaltung einer Welt- ausstellung in Berlin bereits entschlossen habe, eilt unzweifelhaft den Ereignissen voraus, denn bis jetzt hat das Weltausstellungsproject doch noch nicht den Gnadenstoß erhalten. Aber wenn nicht ganz besondere Zwischenfälle eintreten, so rnirh man allerdings daraus gefaßt sein müssen, die geplante Ausstellung scheitern zu sehen, ihre Actien stehen eben zu htlcdjt. Freilich würde der jetzige Verzicht Deutschlands aus bic Veranstaltung einer Weltausstellung bedeuten, daß es dann auf lange Jahre mit einem solchen Unternehmen auf deutscher Erde vorbei wäre, denn günstiger werden die Zeit- umstände vorerst schwerlich werden. — Der Bochumer Stempelsälichungsproceß vor dem Essener Landgericht spinnt sich noch immer von einem Tag zum andern fort, ohne daß sich nunmehr der Zeitpunkt für die Beendigung dieses Sensationsprocesses bestimmt angeben ließe. Indessen ist es wenigstens gelungen, am Montag die Zeugenaussagen zum Abschluß zu bringen — mit einer einzigen Ausnahme — so daß man von nun ab eine raschere Förderung des Processes erwarten darf. Die im Verlaufe der Montagsverhandlung abgegebenen weiteren Gutachten der Sachverständigen lauten den Angeklagten ebenso durchaus günstig, wie dies bereits bei den seitherigen Gutachten der Fall gewesen ist. Ausland. — Der Kaiser von Oesterreich hat dem Minister Grasen Khuenb urg, dem Vertreter der liberalen Partei im Cabinet Taaffe, die Geheimrathswürde verliehen, in welcher Auszeichnung man bei den zur Zeit in Oesterreich obwaltenden Verhältnissen wohl eine allerhöchste Anerkennung der Wirksamkeit des Grasen Khuenburg erblicken darf. Von weiter- gehenden Zugeständnissen der österreichischen Regierung an die Deutschliberalen verlautet aber nichts, ob sich dieselben nun mit der ihrem „Landsmann-Minister" zu Theil gewordenen Auszeichnung zufrieden geben werden, wird man ja aus der weiteren parlamentarischen Haltung dieser Partei ersehen. Allerdings wird nächstens der czechische Landsmann-Minister Prazak aus dem Cabinet Taaffe ausscheiden, hierin liegt aber kaum ein Zugeständniß an die Deutschen, Prazak ist einfach auf seinem Posten unmöglich geworden, nachdem ihm die Czechen selber die Gefolgschaft ausgekündigt haben. — Am Sonntag sind ..^Frankreich die General- rathswahl^n, also die Wahlen zu den Provinzialvertretungen, vollzogen worden, welche die Bedeutung eines politischen Stimmungsmessers besitzen. Bis vor einigen Jahren besaßen die französischen Monarchisten in den Generalräthen noch einen nicht zu unterschätzenden Rückhalt, aber schließlich drang der republikanische Gedanke auch in den Generalräthen immer mehr durch und diese Erfahrung lehren auch die Wahlen vom Sonntag. Denn die Republikaner haben bei denselben ca. 140 Sitze gewonnen, sie besitzen also nunmehr die erdrückende Majorität in den Gemeinderäthen, wenn man dieselben als ein Ganzes betrachtet. llettcflc 21ncbr1d>itfr». Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 2. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Ministers Herrsurth, der die bei Reichstagswahlen vorgenommene Ausweisung von Personen aus dem Wahllocale, die im Wahlbezirke nicht wahlberechtigt waren, für unzulässig erklärt. Der §9 des Wahlgesetzes gestatte die Anwesenheit bei der Wahlhandlung allen wahlberechtigten Deutschen, auch den dem Wahlbezirke nicht angehörenden. Berlin, 2. August. Die Abhaltung eines allgemeinen deutschen Journalisten- und Schriftstellertages ist nunmehr gesichert und eine Berufung für Sonntag den 11. September nach Weimar steht unmittelbar bevor. Ulm, 2. August. In der heutigen zweiten Sitzung des Anthropologen-Congresses sprach Lnschan (Berlin) über die anthropologische Stellung der Juden, Kollmann (Basel) die Entstehung und cnltnrelle Bedeutung der europäischen Menschenrassen, Nuesch (Schaffhausen) eine neuaufgedeckte Niederlassung aus der Rennthierzeit, Heuerli (Zürich) über Broncesunde im (Santon Wallis. Petersburg, 2. August. Nach Meldungen aus Moskau und Rj äsan sind dort einige Cholerafälle conftotirt. Die Absendung eines Bevollmächtigten in das Okagebiet mit den gleichen Rechten wie die des für das Wolgagebiet entsandten ist in Aussicht genommen. Petersburg, 2. August. Nach amtlichen Nachrichten ist in den Wolgagebieten, wenige Orte ausgenommen, eine Abnahme der Cholera bemerkbar. Dagegen ist in dem Dongebiete unter dem Einflüsse Rostows die Zahl der Erkrankungen gestiegen; am 31. Juli kamen dort 1055 Erkrankungen und 447 Todesfälle vor. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 2. August. Nach der „Kreuzzeitung" ist die Rückkehr des Kaisers nach dem Marmorpalais für den 6. August zu erwarten. Berlin, 3. August. Gegenüber den von anderen Blättern bezweifelten Rücktrittsabsichten des Ministers des Innern tzersurth hält die „Voss. Ztg." ihre Meldung aufrecht, , Hersurth habe bereits in der Sitzung des Staatsminister! ums ! unzweifelhaft gelassen, daß er bei Annahme der Miquel'schen : Vorschläge nicht im Amte zu bleiben gedenke. München, 2. August. Trotz des großen Unwetters in den letzten Tagen ist eine gute Mittelernte in Bayern sicher. Roggen mittel, Weizen und Gerste gut. Hafer befriedigend ,- infolge dessen beginnen Preisrückgänge auch bei Brod. Graudenz. 2. August. Der „Gesellige" meldet aus i Laskowitz: Der Postschaffner Porset aus Graudenz, j welcher mit einem Zuge angekommen ist, wurde als cholera- > verdächtig auf ärztliche Anordnung hier untergebracht. Wien, 2. August. Bei den Gerichten in Russisch-Polen ; werden ausschließlich Russen nur definitiv angestellt. Die russischen Studirenden der Rechte, welche versprechen, sich in Congreßpolen niederzulassen, erhalten Begünstigungen. Paris, 3. August. Es hat sich eine neue Panama- Gesellschaft gebildet, welche sofort die Canalarbeiten wieder aufnimmt. Der Contract der Liquidatoren überträgt sämmtliche Rechte der alten Gesellschaft. Die neue Gesellschaft hat sich durch ein Syndicat constituirt. Osborne, 2. August. Der Kaiser nahm neben der Königin an dem Galadiner von 80 Personen Theil. Er hofft heute den „Meteor" persönlich zu commandiren und die Wettfahrt zu gewinnen. Der deutsche Botschafter befindet sich in Begleitung des Kaisers. Er erklärte über die Dauer des Aufenthalts des Kaisers in England nichts Bestimmtes zu wissen, da sich der Kaiser alle Entschlüsse vorbehält. Petersburg, 2. August. Die Kreisstadt Zarizyn ist wie ausgestorben. Fast alle Bewohner verließen den Ort infolge der immer heftiger euftretenben Cholera. Christiania, 2. August. Eine Ar b eiterv ersamm- ! lung nahm einen Organisationsplan für die ver- ! einigten norwegischen Arbeitervereine an. Es wird Abstand genommen von der Socialdemokratie und eine friedliche Entwickelung befürwortet. Verlangt wird allgemeines Stimmrecht der Männer, progressive directe Besteuerung, der Achtstundentag, Staats- und Communalhilse für die Landarbeiter zur Erwerbung von Grund und Boden, staatliche Altersversorgung, Abschaffung des Contractsystems, Staatsschulen, gleiches Erbrecht für eheliche und uneheliche Kinder, freie Rechts- und Aerztehilfe. Washington, 2. August. Harrison vollzog das Gesetz, wonach die Arbeitszeit der Bergleute, sowie aller Arbeiter in den Staatswerkstätren auf acht Stunden beschränkt wird. Esten a. d. Ruhr, 3. August. In dem Bochumer Stempelprozeß ließ der Staatsanwalt heute die Anklage wegen Betrugs ans gewinnsüchtiger Absicht gegen alle Angeklagten fallen und beantragt die Freisprechung derselben,- er hielt nur einen Falle gegen den Angeklagten Herdck für erwiesen, gegen welchen einmonatliches Gesängniß beantragt wurde. Darmstadt, 3. August. Der Großherzog reist Nachmittags für zwei Tage nacy Romrod zur Jagd. Locales nnd provinzielles, Gießen, 3. August 1892. — Das anläßlich der Hassia-Feier engagirte Trompeter- Corps des Großh. Hess. Drag.-Rgmts. Nr. 24 (Darmstadt) gibt heute, Mittwoch, Abend in „Röhrles Bierhalle" ein Concert. Die Capelle gab in jüngster Zeit in Bayreuth zwei Concerte, welche große Anerkennung sanden und auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Hessen besucht waren. Das „Bayr. Tgbl." schreibt: „Herr Musikdirector Stütze! zeigte sich als tüchtiger Wagner- Interpret. Was feine Capelle besonders auszeichnet, ist ein warmer und doch kräftiger Ton und — der Prüfstein für jeden Musikkörper — ein discretes Piano. Die Auffassung der einzelnen Musikstücke ließ Nichts zu wünschen übrig und wurden diese mit Bravour fein nüancirt oorgetragen." — Es findet blos dies eine Concert hier statt, worauf wir Musikfreunde aufmerksam machen. — Wegen der morgen stattfindenden Festlichkeiten des Corps „Hasfia" verweisen wir unsere geehrten Leser auf das in heutiger Nummer befindliche Inserat. — Der hessische Laudeslehrerverein zählt zur Zeit 2527 Mitglieder, d. i. 77 mehr als im Jahre 1891. Mit wenigen Ausnahmen gehören sämmtliche Lehrer Hessens, außerdem 103 Nichtlehrer, dem Verein an. Er gliedert sich in 102 BezirkS- lehrervereine. Im nächsten Jahre findet die 25jährige Jubelfeier des Vereins statt. Die Einnahmen und Ausgaben des Vereins batanciren nach dem soeben veröffentlichten Entwurf deS Voranschlages für 1893 mit 10800 Mark. 4 — D'e Salztzeucr ergab im Großherzogthum Hessen ^im Rechnungsjahre 1891/92 einen Ertrag von 1,063,471 Mk., der Salzzoll 1038 Mk.; 593,443 Hectoliter Salz (für landwinhschastliche, gewerbliche und Heilzwecke) blieben abgabenfrei. — Mittelrheinifches Turnfest. Der Ueberschuß dürfte nach ungefährer Schätzung 10000 Mark erreichen, wovon der Mainzer Turnverein vier Sechstel, die dortige Turn- gescllschast ein Sechstel und der Mainzer Turn- und Fechtclub ein Sechstel erhalten. — Eine wichtige Reichsgerichtsentfcheiduug ist folgende: Der Eigentümer eines Miethshauses ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts im Gebiete des Preußischen Allgemeinen Landrechts seinen Miethern gegenüber verpflichtet, die erforderlichen, die Bewohner störenden Hausreparaturen in einer thunlichst wenig störenden Weise ausstzhren zu lassen und zu diesem Zweck bei eigener Unkenntniß geeignete Sachverständige zu Rathe zu ziehen. — Statistisches au8 Heffen. Inhaltlich des Juliheftes der Mittheilungen der Centralstelle für die Landesstatistik betrugen die Steuerrückvergütungen für im Rechnungsjahr 1891/92 aus dem Großherzogthum ausgesührtes Bier 14,665 Mk. 40 Psg. — Vom 1. Juli 1890 bis 30. Juni 1891 wurden in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen Hypotheken errichtet und gelöscht wie folgt: In Starkenburg betrug die Anzahl der Einschreibungen 2171, die der Löschungen 2072, es waren mithin 99 Einträge mehr erfolgt und mehr eingeschrieben worden 4,888,502 Mk. In Oberhessen wurden 1110 neue Einträge und 1474 Löschungen vollzogen, trotzdem aber 333,408 Mark mehr eingeschrieben. Im Ganzen weisen die Hypothekbücher ein Anwachsen der Schulden um 5,221,910 Mark aus. — Das Landescomite der socialdemokratischen Partei in Heffen erläßt soeben einen Aufruf zu einer Landes- conferenz, die am 18. September stattfinden wird. Auf der Tagesordnung steht: 1) Rechenschaftsbericht. 2) Welche Bedeutung haben die Landtagswahlen in Hessen für die Socialdemokratie? 3) Organisation und einheitliche Agitation sür die Landtagswahlen. 4) Der nächste deutsche Parteitag und unsere Stellung zum Staatssocialismus. Von den für die nächsten Landtagswahlen in Betracht kommenden Wahlkreisen empfiehlt das Landescomite als mit Aussicht auf Erfolg für die Socialdemokraten zu bearbeitend: in Starkenburg die Wahlkreise Lorsch, Darmstadt-Land, Langen, Seligenstadt und Groß-Gerau, in Oberhessen Gießen-Land und in Rheinhessen den Wahlkreis Mainz-Land. — Weltausstellungsnotiz. Amerikanische Sonntagsruhe. Die Frage, ob die Weltausstellung in Chicago auch des Sgnntags offen bleiben oder geschlossen werden soll, ist immer noch nicht endgiltig entschieden. Der Kampf der Meinungen wogt hin und her. In Chicago selbst ist schon durch das starke deutsche Element der Bevölkerung bis jetzt eine tolerante Praxis geübt worden und man neigt dort mehr zur Entscheidung für das Offenbleiben. Eine Notiz, daß der Congretz das Offenhalten der Ausstellung und den Verkauf von Getränken verboten haben soll, beruht nicht aus Wahrheit, den" man hat sich bei einer Besprechung der Sache schließlich damit begnügt, eine allgemeine Bestimmung nicht zu erlaffen. Einer kürzlich ergangenen Bitte, daß man sich -auch europäischerseits zu dieser Frage äußern möge, könnte nur in dem Sinne entsprochen werden, daß man hier allgemein dem Offenhalten zustimmt. Die entscheidenden Fac- toren sollten doch bedenken, daß Hunderttausende von Arbeitern nur des Sonntags Zeit haben, die Ausstellung, welche doch im letzten Grunde den Zweck hat, Anschauung und Wissen durch Vergleich auf allen Gebieten menschlicher Thätig- keit zu erweitern, zu besuchen. Sicher aber kann der Umstand, daß durch die Sonntagsruhe 26 Ausstellungstage verloren gehen, nicht ohne Belang sein, denn die Gesammtfrist von 180 Tagen sinkt damit auf 154 herab. — Gute Kartoffeln. Wie Landwirthe mittheilen, hat es fcit^Jahren keine so guten Kartoffeln gegeben, wie in diesem Jahre. Die Knollen der Frühkartoffeln sind sehr reich besetzt, und man findet bei dem schönen Wetter beim Aushacken der Kartoffeln fast nie eine schwarze, so daß auf eine gute Kartoffelernte zu hoffen ist. Die Kartoffeln kochen sich auch schon sehr mehlreich, was im vorigen Jahre um .tiefe Zeit nicht der Fall war. A. Eberstadt bei Lich, 2. August. Am Sonntag den 7. August (nicht am 2. August, wie uns vor einigen Tagen gemeldet wurde) wird hier das 200jährige Jubiläum der Kirche, verbunden mit der Einweihung des neuen Friedhofs, gefeiert. X Elpenrod, 2. August. Ein hiesiger, lediger, in den vierziger Jahren stehender Mann erhängte sich in seiner Scheune. Als man ihn abschnitt, gab er noch ein schwaches ^Lebenszeichen von sich, konnte aber doch nicht mehr in das Leben zurückgerufen werden. Der Verstorbene stand in guten Vermögensverhältnissen und hat die That in einem Anfall geistiger Störung ausgeführt. § Stumpertenrod (Vogelsberg), 2. August. Daß das vorgestrige Gewitter so verderblich für unseren Ort ward, lag wohl zumeist an dem ruhigen Beharren des Gewölkes über unserer Gemarkung und speciell dem Dorfe. Die Wolken zogen nicht weiter, das Gewitter stand, bis es fein Verderben herabgeschleudert. Nachdem der erste Blitzstrahl gezündet, entstand durch die große Scheune mit ihrem Heu- und auch schon Getreidevorrath ein sehr starkes Feuer. Erwärmte, verdünnte Luft steigt in die Höhe und verursacht einen Zug, welcher bekanntlich einen guten Leitungsweg für den Blitz bildet. Aus diesem Grunde sind ja die Schornsteine blitzgefährlich, und vorsichtige Hausfrauen löschen aus gleichem Grunde beim Herannahen eines schweren Gewitters das Feuer in der Küche aus. Daß es hier drei bis vier Mal während des einen Gewitters einschlug, mag also seine Erklärung in den genannten Ursachen finden. —- In der .Gemarkung Feldkrücken ging an demselben Nachmittage ein schwerer Wolkenbruch nieder und richtete namhaften Schaden durch Fortschwemmen und Aufreißen des Ackerbodens an abschüssigen Stellen an. Die herabstürzenden Wassermassen waren so gewaltig, daß das Wasser in den Thälern noch stundenweit — wie bei Bobenhausen — meterhoch herangewälzt kam. Auch mehrfache Blitzschläge in Bäume an den Straßen und in den Wäldern sind bemerkt worden. In der Samstagnacht waren die electrischen Entladungen so stark, daß sich die Blitze, meist von intensiver Lichtkraft, nur so aneinanderreihten, gefolgt von gewaltigen Donnerschlägen. Die Gewitter, die in der Samstagnacht, wie am Sonntagnachmittag, kamen von Westen herangezogen, theilten sich und zogen zur Hälfte in südlichem Bogen, zur Hälfte in nördlichem Bogen, vereinigten sich dann int Osten und entluden hier ihre ganze verheerende Wirkung. Gemarkungen, welche im Centrum dieser Wolkentheilung lagen, wie Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Wettsaasen u. A. blieben von diesen Gewittern vollständig verschont, bekamen nicht einmal Regen, sondern nur leichtes Rieseln von dünnen Tropfen. — Zu unserem gestrigen Bericht haben wir zu bemerken, daß ein Blitzschlag nicht in Kirtorf, sondern in dem in seiner Nähe gelegenen Ort Ohmes stattgefunden hat. Lindheim, 1. August. Eine Schülerin der hiesigen Haushaltungsschule, welche sich offenbar während der Ferien auswärts angesteckt hatte, erkrankte an Unterleibstyphus und gab hierdurch Veranlassung zu vier weiteren Erkrankungen. Der Character der einzelnen Krankheitsfälle ist vorerst nicht besorgnißerregend, doch war es zweckmäßig, die Schule während der Dauer der Erkrankungen zu schließen. Eine Untersuchung der örtlichen Verhältnisse der Anstalt, besonders des Trinkwassers, ließen diese als durchaus günstig erscheinen, auch ist im ganzen Kreis Büdingen kein Typhusfall bekannt und muß somit die Entstehung dieser Hausepidemie einzig durch Einschleppung von Außen erachtet werden. Nidda, 1. August. Im Jahre 1863 wurde der Fuhrmann Adam Möller aus Eichelsachsen von Joh. Herchenröder von Storndors ermordet und beraubt. Die Hinterbliebenen lassen demselben nun heute an der Stelle, wo er ermordet wurde (an der Chaussee zwischen Salzhausen und dem Häuser- ] loch, etwa in der Mitte, von Salzhausen aus begangen rechts der Chaussee) einen Denkstein errichten, der folgende Inschrift trägt: „f Hier wurde Adam Möller von Eichelsachsen, Kreis Schotten, am 1. April 1863, zwischen 5—6 Uhr Nachmittags, von Joh. Herchenröder von Storndors meuchelmörderisch erschlagen und seiner Baarschaft beraubt. Adam Möller war 65 Jahre alt und ist 52 Jahre lang unermüdlich nach Frankfurt a. M. gefahren Gewidmet von seinen Angehörigen." Der Denkstein ist in Obeliskensorm von Herrn Fr. Hewel (Grabsteingeschäft in Gießen und Nidda) aus feinem Buntstein gefertigt. H. Friedberg, 2. August. Nach einer Bekanntmachung des Kreisamtes zu Friedberg hat die zum Zwecke gemeinsamen Bezuges von Saatgut im vorigen Jahre zusammengesetzte Commission beschlossen, die Lieferung des betreffenden Saatgutes zu beanstanden. Es ist nämlich statt Sheriff square head ein Gemenge von drei Sorten geliefert worden, worunter nur ein geringer Bruchtheil der bezeichneten Sorte. Um nun die Rechte der Besteller für alle Fälle zu wahren und auch nachträglich noch rechtskräftigen Beweis führen zu können, werden die Landwirthe, die am Bezug von Saatweizen betheiligt waren, aufgefordert, Ortscommissionen zu ernennen und kurz vor der Ernte ortsgerichtlich von der Frucht eines jeden Bestellers einen Quadratmeter in Anwesenheit des Ortsgerichts schneiden und unter Verschluß desselben nehmen zu lassen. Das Resultat der Untersuchung wird noch bekannt gegeben. Friedberg, 1. August. Von einer blutigen That wird der „Darmst. Ztg." berichtet: Die Cousine zweier ostpreußischer Arbeiter, Brüder, war mit einem Dienstknecht aus Ossenheim heute Nacht hier aus dem Tanzboden. Bei der Heimkehr heute Morgen gegen 2 Uhr wurde der Knecht in Gegenwart des Mädchens von den Brüdern, die gegen das Verhältniß waren, überfallen und mit Messerstichen aus dem Platze getöbtet; ein Messerstich drang in das Herz. Die Thäter wurden von beurlaubten Soldaten, die zufällig in die Nähe des Streitplatzes kamen, festgenommen und in das hiesige Haftlocal verbracht. Darmstadt, 28. Juli. Die hervorragendsten hiesigen Industriellen haben an die Bürgermeisterei eine Eingabe gerichtet, worin sie um Abschaffung des Octrois auf Steinkohlen und Coakes, welche zu gewerblichen Zwecken Verwendung finden, petitioniren. Sie machen geltend, daß Darmstadt für die Industrie inmitten der Nachbarstädte ungünstig gelegen sei, daß die Industrie durch das Octroi (es handele sich um ein Drittel des Bedarfes der ganzen Stadt) stark belastet und dadurch die Concurrenz- sähigkeit der hiesigen Industriellen sehr beeinträchtigt sei. Darmstadt, 1. August. Das Preisgericht für den Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zum Bau des Groß- herzoglichen Museums in Darmstadt hat sich nach Prüfung der zehn eingelausenen Arbeiten dahin entschieden, daß ein erster Preis von 6000 Mk. zu gleichen Theilen den Verfassern von Nr. 11 und Nr. 15, nämlich der Firma Schmieden u. Speer (Berlin) und dem Architecten Meckel- mann (Stuttgart) zu gewähren, und der auf 2000 Mk. bemessene zweite Preis der Firma Schulz u. Schlichting, W. Möller (Berlin) zu verleihen sei. Das Preisgericht empfahl, unter den genannten Verfassern und dem des Entwurfs Nr. 7, Architect Opsermann (Mainz) noch einen engeren Wettbewerb zu eröffnen. (D. Z.) Zellhaufen bei Seligenstadt, 1. August. Beim Aehren- lesen sand dieser Tage ein hiesiger Schulknabe eine sogen. Glücksähre mit einer Hauptähre und acht sich um diese gruppirenden Nebenähren. Das seltsame Naturgebilde findet allgemeine Bewunderung. vermischtes. * Frankfurt a. M., 2. August. Der erste Verhandlungs- tag im Prozeß Jäger hat wenig Neues zu Tage gefördert. Jäger ist vollkommen geständig und stellt sein Ver- hältniß zum Eierhändler Hensel als die Ursache seines Unglücks hin. Hensel leugnet alles, auch daß er den Paß besorgt habe, während Müngersdorf behauptet, seinen Paß Hensel gegen 1000 Mk. Vergütung gegeben zu haben, welcher an- gab, denselben einem feinen Herrn zu einem galanten Abenteuer überlassen zu wollen. Neu ist die Aussage der Frau yägerz daß sie die bis jetzt unausgesundenen 20,000 Mk. verbrannt habe. Die Aussage der Frau Gerloff, welche ebenfalls eine große Summe vernichtet haben will, findet wenig Glauben. Morgen beginnt das Verhör der v^rgeladenen 31 Zeugen. * Vom Rhein, 1. August. Der Kirschenversandt am Mittelrhein kann als beendet angesehen werden. Die Ernte-var durchweg eine reiche. Nach den Zusammenstellungen, die unter Zugrundelegung der Wiegeregister der fast in allen Ortschaften vorhandenen Obstwaagen geführt werden, famr angenommen werden, daß einzelnen Ortschaften Erlöse von 50 000 bis 80 000 Mk. zufloffen. Aus dem Obstmarkte m Coblenz wurden für eine halbe Million Mark Kirschen um- gesetzt. * Berlin, 2. August. Der Dynamitschuppen ber Pulverfabrik in Hoherlehme bei Königswusterhausen ist heute Vormittag in bie Luft geflogen. Drei Arbeiter würben getöbtet. * Meiningen, 31. Juli. In bem meiningenschen Orte Melchersberg kamen in ber Nacht zum Freitag bei einer Feuersbrunst, welche bie Gehöfte von Büttners Wittwc unb Louis Wenbel zum Theil einäscherte, brei Personen in den Flammen um. Die Wittwe Büttner unb zwei Kinber im Alter von elf unb acht Jahren konnten wegen der Lage ihres Schlafzimmers nicht gerettet werben. * Mannheim, 1. August. Ein schweres, mit starkem Hagelschlag verbunbenes einstünbiges Gewitter har großen Schaben an Garten- unb Felbgewächsen verursacht. * Wien, 1. August. Im Hause Währing, Herrengass^ Nr. 80, wo sich gegenwärtig eine Bienen-Ansstellung befindet, kam Samstag Nacht ans unbekannte Weise Feuer zum Ausbruch. Es würbe nach 11 Uhr gemelbet unb die sret- willigen Feuerwehren kamen rasch unb bämpsten bie Flammen balb, boch gingen ber Dachstuhl unb bie Ausstellung zum Theil zu Grunbe. Der Schaben beträgt mehr als 3000 fl. Nach bem „Extrablatt" sinb nahezu brei Millionen Bienen verbrannt. * Rouev, 2. August. Achtunbzwanzig jugendliche Gefangene revoltirten im Gefängnisse unb erstachen beir Oberaufseher, zertrümmerten alles unb versuchten die Umfassungsmauer zu durchbrechen. Bei Eintreffen einer Compagnie Infanterie verbarrikadirten sie sich in den Werkstätten und versuchten Feuer anzulegen, schließlich wurden sie überwältigt und in die Jsolirzellen gesperrt. * Die gehorsame Tochter. Der strenge Gehorsam seiner vierjährigen Tochter hat jüngst einen Familienvater in Berlitt in unangenehme Lage gebracht. Die Mutter war ausgegangen unb ber Vater hatte einen Bries aus bie Post zu bringen. „Lieschen," wanbte er sich an seine Aelteste, „daß Du mir keinen Menschen hereinläßt. Unb wenn noch so sehr geklingelt wirb, Du barfst bie Thiire nicht ausmachen." — „Wenn aber ber Onkel kommt?" — „Du kannst boch nicht wissen, ob ber Onkel braußen steht, ba Du ihn nicht siehst." — „Wenn er -aber sagt, baß er ber Onkel ist?" — „Das kann Jeber sagen. Kurz unb gut, Du machst also keinem Menschen die Thüre aus. Ich habe ben Drücker bei mir unb kann selbst öffnen." — Der Vater besorgte seinen Bries unb kam schon nach einigen Minuten zurück. Als er aber « bie Thür offenen wollte, bemerkte er, baß er statt beß- Drückers ben Hausschlüssel eingesteckt hatte. Er klingelte und hörte balb bie Schritte ber Kleinen. „Lieschen," rief er, „mache auf, ich bin es, Dein Papa." — „Das kann Jeder sagen," rief Lieschen zurück, „ich mache nicht auf, Papa hat * es streng verboten." — „Aber ich bin ja Dein Papa." — „Das kann Jeder sagen," wiederholte die Kleine hartnäckig. Und dabei blieb es. Papa mußte, um in seine Wohnung zu gelangen, von einem Schlosser die Thür öffnen lassen und dem braven Lieschen für seine Folgsamkeit noch obendrein, eine Düte Bonbons schenken. * Bern, 31. Juli. Vom 25. bis 27. August findet hier der zweite internationale Buchdruckercongreß: . statt. Das Hauptgeschäft desselben wird die Berathung des \ neuen Statutenentwurfes bilden, sodann Beschlußfassung über i die Gründung eines internationalen Buchdruckerverdatides und I ( Bericht über die Regulirung des Viatikums vom internationalen 3 Standpunkte aus und Regulirung des Lehrlingswesens. * Gestohlene Hochzeitsgeschenke. Der größte Tbeil ber t kostbaren Geschenke, bie bie Tochter bes Führers ber spani- chen Liberalen, bes Herrn Sagasta, anläßlich ihrer Vermäh- ^ ungsseier erhalten hatte, ist gestohlen worden. Die Ge-D chenke, die öffentlich ausgestellt waren und unter denen sich * ein von der Königin-Regentin geschenkter Türkisenscbmuck be- and, repräsentirten einen Werth von mehr als 200,000 Mk. Auf die Ergreifung des Diebes hat Herr Sagasta eine Bt> lohnung von 10,000 Pesetas (16,000 Mk.) ausgesetzt. * Standhaft. „Es ist also Ihr Ernst, Sie wollen beir zweiundsiebzigjährigen Alten heirathen?" — „Mein Gott,, die Eltern drängen und er ist so reich." — „So, so, nun dann — halte ich mich für später empfohlen!" * Folgenden actuellen Scherz bringen die „Fliegenden- Blätter": „Donnerwetter, wenn nun Sonntags die Ge- j chäfte geschlossen sind, wo soll ich denn meine Hafew d) i e 6 e n ?" i 5 < ilrthxrfttät». 21