Nr. 29. Donnerstag den 4. Februar 1892 Der fricfirnet Zr-ei-er erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener A««itien-5Lttsr »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger AöonnemeutspreiSr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzergedlntt füt? den 'Kreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Kamilienbkätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Aintlicher» Lbeil. Bekanntmachung, bett. die Maul- und Klauenseuche im Kreis Büdingen. Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß nach Mittheilung Großh. Kreisamts Büdingcn die Maul- und Klauenseuche im ganzen Kreise Büdingen wieder erloschen ist. Gießen, den 2. Februar 1892. GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 1. Februar 1892. Betr.: Das Ersatzgeschäft für 1892. Der Civil-Vorsitzende der Großherzogl. Ersatz-Commission Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen nunmehr mit Ausstellung der Stammrollen sofort beginnen und dieselben mit denjenigen für 1890 und 1891 bis längstens den 10. l. Mts. bei Meidung der Abholung durch Wartboten einsenden. Hierbei wollen Sie die dem Formulare vorgedruckte Anmerkung genau beachten, insbesondere alle Bestrafungen rc. unter Rubrik „Bemerkungen" eintragen. Falls ein Bruder eines Militärpflichtigen bei der Musterung mit zur Vorstellung kommen, oder bereits im Heere dienen sollte, wollen Sie dies in der Stammrolle bemerken. Z. B. Ein Bruder, geb. am . . ten . . . . 187 ., kommt pro 1892 mit zur Vorstellung, oder ein Bruder drent seit . . ten 189 . im Regiment Nr.......te Compagnie. Außerdem wollen Sie am Schluffe der Stammrolle ausdrücklich bescheinigen: 1) daß und bezw. wann die Aufforderung zur Anmeldung zur Stammrolle erfolgt ist; 2) daß die in derselben eingetragenen und nicht im Orte geborenen Militärpflichtigen in Ihrer Gemeinde zur Zeit der Anmeldung ihren dauernden Aufenthalt haben; 3) daß die in ihren Gemeinden zuständigen, sich daselbst jedoch nicht aufhaltenden Militärpflichtigen angewiesen worden sind, sich bei der Bürgermeisterei ihres Aufenthaltsortes zur Stammrolle anzumelden. Reclamationen aus früheren Jahren, welche pro 1892 erneuert werden sollen, sind alsbald mittelst Bericht einzufordern. Reue Reclamationen sind mit den Stammrollen vorzulegen. Jost, Regierungsrath. Deutsches Reich. Berlin, 2. Februar. Die politische Krisis in Preußen ist nach den Aufregungen der letzten Tage in ein ruhigeres Fahrwasser eingelenkt, wozu namentlich der Umstand wohl mit beigetragen hat, daß das preußische Volksschulgesetz nunmehr bis auf Weiteres der betreffenden Commission des Abgeordnetenhauses zur Berathung vorliegt. Von der Gestaltung der Vorlage in der Commission wird die endgiltige Stellungnahme der jetzigen parlamentarischen Gegner des Entwurfs zu demselben abhängen und da nach den Aeußerungen des Ministerprästdenten Grafen Caprivi in der Samstagssitzung des Abgeordnetenhauses die Regierung es den von liberaler und sreiconservativer Seite geäußerten Wünschen gegenüber nicht an Entgegenkommen fehlen lassen will, so erscheint eine Verständigung in der Frage des Volksschulgesetzes nicht ausgeschlossen. Offenbar sind in diesem Sinne auch außerparlamentarische Einflüsse thätig, z. B. dürste die Annahme nicht unbegründet sein, daß bei dem am letzten Samstag beim Kaiser stattgefundenen „Herrenabend" die Angelegenheit des Volksschulgesetzes erörtert worden ist, da u. A. der Cultusminister Graf Zedlitz-Trützschler zu den Gästen gehörte. Von den angeblichen Demissionsgesuchen des Ministers Dr. Miquel und des Oberpräsidenten v. Bennigsen ist es inzwischen ebenfalls merkwürdig still geworden und herrscht überhaupt zwischen der Regierung und der nationalliberalen Partei anscheinend wieder vollkommene Eintracht — oder sollte es nur ein Waffenstillstand sein? — Erklärliches Aufsehen erregt die vom Prinzen Georg von Sachsen in seiner Eigenschaft als commandirender General des 12. (königl. sächsischen) Armeecorps erlassene Verfügung in Sachen der Soldaten Mißhandlungen. Der Erlaß ist zuerst in dem socialdemokratischen „Vorwärts" zur allgemeinen Kenntniß gebracht worden und bezieht er sich auf derartig empörende Vorgänge, daß man < fast an eine Düpirung des genannten Blattes glauben möchte, I es ist dies aber bei der ganzen Sachlage nicht anzunehmen. Die in sehr scharfem Ton gehckltene Verfügung des Prinzen zählt eine ganze Reihe von Fällen aus, in denen Soldaten des sächsischen Heeres seitens ihrer nächsten Vorgesetzten in wirklich empörender Weise mißhandelt worden sind/ ganz besonders schlimm scheint es im Fuß-Artillerieregiment Nr. 12 und im Infanterie-Regiment Nr. 105 (beide Regimenter stehen in Elsaß-Lothringen) zugegangen zu sein. Die Ver- fügung hebt die bedenklichen Folgen und Wirkungen solcher Ausschreitungen hervor und erklärt, daß denselben unter allen Umständen entgegengetreten werden müsse, wobei entsprechende Maßnahmen in Anregung gebracht werden. Auch betont der Erlaß des Prinzen, daß die höheren Vorgesetzten manchmal von vornherein Partei gegen den seine Mißhandlungen anzeigenden Soldaten zu nehmen schienen, was ebenfalls scharf gerügt wird. Schließlich spricht der Erlaß die Erwartung aus, daß die Commandeure künftig bestrebt sein werden, die gerügten Uebelstände auszurotten. — Es heißt, daß die Verfügung des Prinzen Georg bei den Verhandlungen des Reichstages über den Militäretat zur Sprache gebracht werden soll. — In Berlin sind dieser Tage seitens der Polizei Haussuchungen bei bekannten S o c i a l i st e n vorgenommen worden. Es wurden hierbei eine Anzahl Bücher und Schriften aufreizenden Inhalts ausgefunden und beschlagnahmt, außerdem verhaftete die Polizei 15 bis 20 Personen, darunter auch selbstständige Gewerbetreibende. Aus der Post beschlagnahmte die Polizei anarchistische Schriften, die aus England gekommen waren. Ueriefte Had^ridyten. GolstS tellgrayhischrs Lorreipondmz-Bureau. Danzig, 2. Februar. Der als Ersatz des „Adler" auf der hiesigen kaiserlichen Werst neuerbaute Kreuzer wurde heute Nachmittag zu Wasser gebracht. Die feierliche Taufe vollzog der Oberwerft-Director. Der Kreuzer erhielt d:n Namen „Kaiseradler". Bremen, 2. Februar. Ein Telegramm des „Nordd. Lloyd" aus Southampton von heute früh 6 Uhr bestätigt, daß sämmtliche Passagiere wohlbehalten gelandet sind und in Newyork übernachteten. Die Mannschaft befindet sich noch an Bord. — Nach einem hier eingegangenen Privattelegramm ist die Post gerettet. Das Wetter hat sich gebessert. London, 2. Februar. Aus Äther fiel d wird von 9^2 Uhr Morgens gemeldet, daß das Rettungsboot zwei Offiziere und acht Feuerleute von der „Eider" nebst einer Kiste Gold gelandet hat. Die Gelandeten berichten, daß das Schiff voll Wasser sei, ausgenommen im Vordertheil. Die Rettung der übrigen Mannschaft sei verschoben. Rom, 2. Februar. Der Papst empfing heute anläßlich des Festes Mariä Lichtmeß Vertreter von mehr als hundert Pfarreien, Capiteln und Körperschaften Roms, welche Wachskerzen überreichten. Er hielt an mehrere Personen Ansprachen. Das Wohlbefinden des Papstes schien ein zufriedenstellendes zu fein. Turin, 2. Februar. Eine Bekanntmachung des Rectors der Universität theilt mit, daß morgen die Vorlesungen wieder ausgenommen werden. Er ermahnt die Studirenden zu vollkommener Ruhe, damit strenge Disciplinarvorschristen vermieden werden. Sofia, 2. Februar. In der Nähe der türkischen Grenze bei Burgas hat ein Zusammenstoß zwischen der Gensdarmerie und einer Räuberbande stattgefunden. Erstere wurde von Landleuten unterstützt. Der Anführer wurde ge- tödtet und zwei Räuber wurden gefangen genommen. Zanzibar, 2. Februar. Reutermeldung. Der englische Generalconsul erklärte gestern Zanzibar für einen Freihafen, ausgenommen für Waffen und Munition. Rio de Janeiro, 2. Februar. Der Kriegsminister hat demissionirt und der Marineminister übernimmt interimistlsch sein Portefeuille. Depeschen dtS „Bureau Herold". Berlin, 3. Februar. Die „Natlib. Ztg." schreibt: Gestern fand eine Sitzung des Staatsministeriums über die Fragen, welche durch das Volksschulgesetz hervor- gerusen wurden, statt. Berlin, 2. Februar. Dem Herrenhcuse ging ein Gesetzentwurf betr. die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage in den Provinzen Schleswig- I Holstein, Hannover, Hessen-Nassau und in den hohenzollern- I schen Landen zu. Die Oberpräsidenten und Regierungs- I Präsidenten sind ermächtigt, über die äußere Heilighaltung der | Sonn- und Festtage Polizei-Verordnungen gemäß des Gesetzes über allgemeine Landes-Verwaltung vom 30. Juli 1883 zu erlassen. Mit dem Inkrafttreten dieser Polizei-Verordnungen treten die in den bestehenden Gesetzen, landesherrlichen und sonstige Verordnungen enthaltenden Vorschriften über äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage außer Kraft. Berlin, 2. Februar. Die „National-Ztg." zufolge wurde in Kiel ein Techniker der Germaniawerst verhaftet, weil er verdächtig ist, Schisssbaupläne verrathen zu haben. Zittau, 2. Februar. Es wurde hier eine Falschmünzerbande verhaftet und Münzapparate beschlagnahmt. Brieg, 2. Februar. Durch Hochwasser wurde hier enormer Schaden angerichtet. In den Vorstädten ragen von einstöckigen Häusern nur noch die Dächer hervor. Havre, 3. Februar. Das deutsch» Schiff „Jphigenia" erhielt bei der Collision mit dem Pier ein schweres Leck. Die Ladung wurde beschädigt und mußte gelöscht werden. Giuseppe Giacosa. Alessandro Manzoni und Giacomo Leopardi bilden die Ausgangspunkte einer neuen italienischen Literaturepoche. Während der berühmte Roman des ersteren „I promessi sposi“ durch Goethe in Deutschland eingeführt, leider heme nur noch in Leihbibliotheken ein klägliches Dasein führt, sind die schwermüthig-tiefsinnigen Dichtungen Leopardis, an dessen Seite sich nur noch Dante stellen kann, durch die meisterhaften Uebersetzungen Heyses und Brandes dem deutschen Publikum vertrauter geworden. Erst um die Mitte unseres Jahrhunderts entwickelte sich lebhaft das dramatische Leben in Italien. Nachdem vorher nur Silvis Pellico und Battista Nicolini die Herrschaft auf der Bühne mit Erfolg behauptet hatten, kamen in rascher Folge eine ganze Gruppe dramatischer Dichter zur Geltung, unter denen Carlo Marenco, Giacinto Battaglio und Balbo der Vorrang gebührt. Während in jüngster Zeit in Deutschland die dramatische Dichtkunst einen starken Rückgang zu verzeichnen hat, und ganz besonders die letzte Saison sich durch Mißerfolge auszeichnet, ist es vor Kurzem zwei italienischen Dichtern gelungen, auf unserer vaterländischen Bühne festen Fuß zu fassen. Der eine, Giovanni Verga, dessen leidenschaftliche Dichtung „Cavalleria Rusticana“ mit der Musik Mascagnis einen Triumphzug um den ganzen Erdball gefeiert hat, scheint allerdings nach den zuletzt veröffentlichten Productionen die Hoffnungen nicht zu rechtfertigen, die man in ihn gesetzt hat. Dagegen hat in allerneuester Zeit Giuseppe Giacosa aus unserer Nachbarbühne in Frankfurt mit seinem Drama „Tristi Amori“ siegreichen Einzug gehalten und damit den ersten starken Bühnenerfolg der letzten Theatercampagne erzielt. Giuseppe Giacosa wurde am 21. October 1847 zu Colleretto Parella geboren. Seine ersten Studien machte er in Jvrea, bezog dann die Turiner Universität, und übte daselbst, nachdem er zum Doctor der Rechte promovirt worden, eine Zeit lang die Advocatur aus. Im Jahre 1872 aber versuchte er sein Glück als Lustspieldichter mit dem Proverbe „A con, ehe lecca cenere, non si fida farinaM. Gleich daraus ließ er das Lustspiel „Storia vecchia“ und „La partita a scacchi“ aufführen, die schon überall, darunter auch in Deutschland, großen Beifall fanden. Den größten Erfolg aber hatte er nach einigen anderen Versuchen mit der zweiactigen Comödie in Versen „Trionfo d’ Amore“, seit welcher Zeit Giacosas Namen zu den populärsten in Italien zählt. Auch sein „II conte Rosso“, das 1880 mit dem italienischen Staatspreis gefrönt wurde, trug nicht unerheblich zu seinem Ruhme bei. Während graziöser Stil und geschmackvolle Form die characteristischen Vorzüge der angeführten Dramen sind, zeichnet sich Giacosas jüngstes Werk, das morgen Abend in Gießen über die Bretter gehen soll, durch eine meisterhafte Scenensührung, geistreichen Dialog und Gedankentiefe aus. Wenn es wahr ist, daß man von der Bühne herab alles sagen könne, es komme nur daraus an, wie — so hat Giacosa in seinem Drama gezeigt, daß er die gefährlichsten Klippen decent zu umsteuern versteht, und ein Bild vor unseren Augen entrollt, das den nachhaltigsten Eindruck aus uns hervorzubringen und uns aufs tiefste zu erschüttern vermag. Nach dem übereinstimmenden Bericht der Frankfurter Blätter ist die Besetzung des Stückes, in der auch uns dasselbe vorgesührt wird, eine ganz vorzügliche, so daß wir mit lebhafter Spannung einem Abend entgegensetzen dürfen, der ein Stück modernes Leben im Rahmen einer bedeutenden Dichtung wiederspiegelt. -y. wurde. Der in den Gemarkungen 30. Januar. 4 1 1 2 4 (4) Marca Italia pr. Hect. Pf. Rm. 7» Abnahme von 12 Flaschen einer Sorte Pfg. Rabatt per Flasche. per Mille an in geschmackvollen Packungen. 105- 1.30 1.55 105 120 135 150 Vino Vino Vino Bel w •n •n da Pasto I . . da Pasto 3 . . da Pasto 4 . . a ’n •n ’n 5 pr. Fl. . a 90 M. 1.05 Diphtherie Lungenschwindsucht Entzündliche Erkrankungen d.AthmungS- Organe Darmcatarrh Andere bekannte Krankheiten ilnieerfitäts - Nachrichten. — Eintritt der deutschen Burschenschaft in den Schulverein. Die Redactton der ^Burschenschastltchen Blätter" macht die überaus erfreuliche Mtttheilung. daß die gesammte deutsche Burschenschaft (A. D. C.) dem „Allgemeinen deutschen Schulverein" betgetreten ist. Das schafft einen Zuwachs von mehr als tausend tüchtigen, eLt deutsch gesinnten jungen Männern, welche geeignet sind, die tapfere Vorhut in unseren künftigen geistigen Kämpfen zu bilden. Auch die Redaction der „Burschenschaftltchen Blätter" schließt sich dem Schulverein an. Hoffentlich wird dieses Beispiel der akademischen Jugend die gebildeten Kreise des Volke« zur Nachahmung anetfern. Eine solche nationale Gew'ssenserweckung ist durch die gegenwärtige europäische Lage des Deutschthums dringend geboten. — Aus Freiburg t. Br. wird geschrieben: Der bekannte Historiker Gebeimratb vr. v. Holst, Abgeordneter der ersten Kammer, wird auf das nächste Semester nach Ehicago übersiedeln, wo ihm unter den glänzendsten Bedingungen eine Lehrstelle angeboten worden ist. — Man schreibt der „Frkf. Ztg." aus Leipzig: An Stelle des nach seinem früheren Wtrkungsorte Tübingen zurückkehrenden Professors der Theologie vr. Zahn ist der Eonsistorialrath Profesior vr. Eremer in Greifswald an die hiesige Universität berufen worden. Leipzig. Im gegenwärtigen Wintersemester studiren an hiesiger Universität 89 Landwtrthe (mit Einschluß der Nach-Jmmatriculirten und der Härer). Davon sind gebürtig aus: Königreich Sachsen 22, Preußen 30, übrigen deutschen Staaten 6, Oesterreich-Ungarn 8, Die Preise verstehen sich ohne GlaS und ALffer, welche berechnet und zum berechneten Preise zurückgenommen werden. Diese durch KSnigl. Italienische riaatSeontrove ga- ranttrt reinen, angenehm schmeckenden und wohlbekömmlichen, rotben, italienischen Raturweine der Dentsch - Italien. Wein • Import • Gesellschaft Daube, Donner, «inen & Co. (Central - Verwaltung: Frankfurt a M) eignen sich vorzüglich als tägliche- Tischgetrünk für weite Kreise und übertreffen nach dem Urtheil competenter Weinkenner und Autoritäten wesentlich die sogenannten Bordeaux - Weine in gleicher Preislage. (58 Aber auch auf die vorzügliche« feinere« Tafel- und Dessertweine der Gesellschaft sei besonder- auf- auch ausführliche Preisliste« der Gesellschaft in Gieße« durch Carl Gchwaab, Delicatessen- und Weinhandlung, in Li» (Oderh.): H. Zimmer VII., in Hungen Kilo Schlachtgewicht. _______________ — »Die gelehrte« Frauen" sind es, die oft als Zielpunkt eines nicht selten recht faoen Spotte« der Dichter dienen mutzten und wohl auch noch heute dienen. EinS ist es aber, worin wohl jeder Klardenkende eine wissenschaftliche Beschäftigung der Frauen anerkennen muh — die elementare Erkenntnih der Ernährung deS menschlichen Körpers; denn wer unS täglich unsere Speisen kocht, der mutz auch wissen, ob er uns nahrhaft und zweckmäßig Bereitetes vorsetzt, der mutz vor Allem die epochemachenden Resultate der Ernährungslehre zu würdigen verstehen, von denen ein vorzügliches Beispiel in Kemmerichs Fleisch-Pepton vorliegt, jenem leicht verdaulichen schmackhaften Präparat, das alS Stärkungsmittel in keiner Haushaltung fehlen sollte. 605 | — Da- Dünge« der Obstvürrme im Winter. Will man reichlich Obst ernten, so versäume man nicht, die Bäume auch im Spätherbst und Winter zu düngen. Profeffor Wagner empfiehlt hierzu im November eine aus gleichen Theilen bestehende Mischung von 5Oprocenttgem Chlorkaltum und 20procentigem Superphosphat zu geben, welche, so weit die Baumkrone reicht, auSgestreut und mit dem gewöhnlichen Stalldünger untergraben wird. Im Februar verwende man Chilisalpeter, welcher gleichfalls obenauf gestreut, aber nicht unter gegraben wird, weil der Regen ihn genügend den Baumwurzeln zuiührt. Man streut ihn deshalb auch auf die Wege, soweit sie sich unter Baumkronen ober neben Cordondäumchen herziehen. Von diesen Stoffen wird verabfolgt: Bei einem starken Obstbaum von obiger Mischung 1 Ko., von Chilisalpeter 1 Ko. Bei schwächeren Bäumen nach Derhältnitz weniger, in feuchtem Boden von Chili- falpeter etwa nur die Hälfte. Bei einem größeren Pyramiden- oder Spalierbaum von der Mischung etwa 250 Gramm, von Chilisalpeter etwa 150 Gramm. Bei einem größeren CordonbLurnchen von der Mischung 60 Gramm, von Chilisalpeter 40 Gramm. Zierdäume und Sträucher werden mit gleichem Erfolge auf diese Weise behandelt. Zeigen Obstbäume üppigen Holz- und Blättertrieb bei geringer Fruchtbarkeit, so bedürfen sie vorzugsweise der obigen Mischung und kann man den Chilisalpeter roeglaffen; sind dagegen Holz- und Laud- triebe wie die wenigen Früchte schwach, so ist der Chilisalpeter dringend nöthig. e______________ — «rankheit-keime i« der Butter. Datz die Milch ein äußerst günstiger Nährboden für verschiedene Krankheiten hervorrufende Bacterien ist, darauf haben wir unsere werthen Leser verschiedentlich aufmerksam gemacht. Weniger bekannt dürfte fein, datz auch die Butter Krankbeitskeime eine Zeitlang in lebensfähigem, auf Mensch und Thier übertragbarem Zustand beherbergen kann. Versuche von Helm Haden ergeben, datz Tuberkelbacillen, Typhusbacillen und Cholerabacterlen sich drei bis vier Wochen In der Butter lebensfähig erhalten können. Diese Versuche sind nun neuerdings von H. Laser in Königsberg wiederholt worden, welcher Forscher aber zu ziemlich abweichenden Resultaten gelangt. Die Typhus- und Tuberkel- bacillen, die in großer Zahl der Butter untergemengt waren, waren schon am fünften und sechsten Tage kaum mehr vorhanden. Ebenso schnell verschwanden die Cholerabacterlen im Butterfett. Wahrscheinlich wirkt das Salz stark hemmend und schwächend auf die Krankheitskeime ein, desgleichen das überwiegende Vorhandensein der die Säuerung bedingenden Bacterien. Wenngleich nun die Butter meistens frisch genossen wird, also in der Zeit, wo die Krankheitskelme noch lebensfähig sind, so mutz doch in Betracht gezogen werden, datz die Lebensbkdtngungen für die Krankheitskeime meistens kaum so günstige । sind, wie bei den erwähnten Versuchen unv daß sie wohl niemals : sich in solchen Mengen in der Butter finden. Immerhin ist Vorsicht I geboten und sollte die Milch verdächtiger Kühe nicht zur Butter- I gewinnung, sondern lieber nach gehöriger Sterilisirung ganz benutzt werden. Eingesandt. Gieße«, 3. Februar. Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige; Pünktlichkeit ist die vornehmste Zierde der Soldaten, hoch wte niedrig; Pünktlichkeit ist die Lebensbcdtngung des Kaufmanns und Pünktlichkeit ehrt den Handwerker. Trotzdem und alledem ist Pünktlichkeit, die doch eine große Tugend sein muß, höchst unfein. — „Erkläret mir Graf Oerindur diesen Zwiespalt der Natur." — Besagter Graf wird sich jedoch zu dieser oft an ibn gestellten Frage wiederum schweigsam verhalten, beantworten wir sie und daher selber. Bequemlichkeit kann nun der Grund nicht recht gut sein, denn beauem und fein reimen sich schlecht zusammen. Auch Bescheidenheit ist es nicht, denn wir kennen viele, recht Unbescheidene, die gleichzeitig unpünktlich sind. Sollte es vielleicht modern fein? Nein, nein, die Mode wechselt, die Unpünktlichkeit nie. Doch halt, der rettende Gedanke, „Die Unpünktlichkeit ist eine unverstandene Nachahmung gewisser Formalitäten hoher Kreise", von solchen, die daS manchmal gar nicht nöthig haben. Bei Hose ist es selbstredend Brauch, daß der Fürst der Zuletztkommende ist; damit ist nun durchaus nicht gesagt, der hohe Herr fei unpünktlich, im Gegenthetl er kommt nie zu fpüt, die anderen Herrschaften kommen aber früher, um den mit vollem Recht als zuletzt eintreffenden Herrscher erwarten zu dürfen. Diese edle Sitte hat sich, durchaus mißverstanden, zur Unsitte ausgebildet, in Gesellschaft pünktlich zu sein, wird für unfein erklärt und alles Ankämpfen hiergegen hat immer nur schwache Erfolge gehabt. In Gesellschaften mag das ja nicht so auffallen, trotzdem es hier mindestens überflüssig ist, wo es sich aber um öffent- ' Uche Aufführungen, wie Theater und Concerte handelt, kann es zu Kalamitäten führen. Der Concertsaal wehrt sich ja mit aller Energie gegen die Saumseligen und schließt ganz einfach seine Thüren während der Dauer eines Musikstückes. Im Theater ober lassen sich solche einschneidenden Maßregeln schwerer ausführen, der Verlust einer Concertpi^ce, die wenige Minuten dauert, ist schon zu ertragen, einem Billetinhaber aber seinen Platz einen ganzen Act, der doch immerhin 30 Minuten dauert, zu verweigern, das hat selbst der schneidigste aller Theaterintendanten v. Hülsen, der Hüte, Mäntel, ja selbst unbequeme Theaterbesucher auswies, nicht zu unternehmen gewagt. Da greifen wir denn zu einer Waffe, die oftmals selbst den Trotzigsten bezwang, zu einer Waffe, die noch nie versagte und diese furchtbare Waffe heißt: „Bitte". Der Anfang eines Theaters ist nach den Bedürfnissen der Künstler und der Majorität der Besucher gerichtet, nicht der Laune einer von oben herab befehlenden Person foflen wir uns fügen. Sind es einheimische Kräfte, so ist eS wenig freundlich, die Künstler, dte unbedingt pünktlich sein müssen, warten zu lassen. Handelt es sich aber um Gäste von auswärts, wie sie uns der Theater-Verein herbeiruft, dte sich früh bei Morgengrauen bereit- reisefertig machen müffen, um pünktlich zur Probe zu kommen, btc bann ihre ganze Spannkraft zulammen zu nehmen haben, um am Abend mit ungetrübter Frische uns erfreuen und erheben zu können, bann ist eS wohl mehr wie unfteundlich, ben Anfang bes Schauspiel- in Frage zu stellen. Heraus denn du Schwert „Bitte", gehe hi» und überzeuge Diejenigen, dte so gern zu spät kommen, wieviel schöner . und auch würdiger es ist, sich ein kleine« Opfer in Rücksicht auf feine lieben Nebenmenscken aufzuerlegen. Im Leben möchte so gern Jeder der Erste sein, warum denn nicht auch im Theater. — DaS neueste 11. Heft der beliebten, reich illustrirten Fimiliew- |citf»rift .Universum- cnthölt folgende Brilrüge: »Landsturm, Novelle von Hans Hoffmann; „Braunschweig von Ludwig Pietsch mit Original-Illustrationen von Albert Richter- Amerikas vor Columbus" von Ernst Boetticher; „Einst und Jetzt", Preisnovelle von M. Tamms; „Zur letzten Eruption^eriode de« Vesuvs" von Dr. Luigi Palmieri; „Frau Gräfin", Roma« öon V.ctor Blitthgen. Rundschau, Gedichte, Humoristisches rc. — Bo* den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen: »Kraftprobe- von Th. Kleehaatz; „Herbstabend im Walde" von A. Thiele; „Zeitvertreib" von E. Keck. - Der Preis für jede« Heft ist nur 50 Pfennige. 1 2 Unbekannter Krankheit Summa: 10 Grimberg, 1. Februar. Das diesjährige Turnfest deS Gaues Hessen wird im Lause des kommenden Sommers in unserer Stadt gefeiert werden. In dieser Angelegenheit sand am Samstag Abend aus Emladung des Vorstandes vom hiesigen Turnverein eine Versammlung statt, in welcher über die nöthigen Vorbereitungen berathen, so- wie zur Bildung der verschiedenen Festausschüsse geschritten (D. Z.) Anm. Die in Klammern gesetztm Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen 8. Hungen, —- v------- . hiesiger Gegend vorkommende Boxid oder Thonstein wird namentlich zur Eisenfabrikation verbraucht. Dieser Tage bereisten Unternehmer die hiesige Gegend und schlossen mit den Grundbesitzern wiederum Verträge ab, wonach, an die nächste Bahnstation zu liefern, 35 Pfg. pro Centner be- ES starben en: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-15.Jahr: 4 (4) e Cigaretten unb Xabaft findet man | Will All in größter, fachmännischer Auswahl in I lll 211 I 1511 dem Lpecial-Eigarrcnlager von I I” lll I lll Philipp Weiler, Marktplatz 1« lil^ll/l 1 LVlIl Für Wi-derverküufer empfohlen: VI( J 7 Vorzügliche Qualitäten von21 Mk. (4) — 1 1 (1) 1 (1) 1 — (1) 2 (1) 1 — (6) 4 (2)