Mr. 178 Mittwoch den 3. August 1892 Der Wetze»er Auze^er crlcbnnt täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Werden dem Anzeiger «Scheutlich dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Henerat-Mnzeiger. Brerletjährrqer .Mountmtnlspttto ; 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 W Redaction, Expedition und Druckerei: . ZchntßrateAr.,. Fernsprecher 51. Anrts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gieren. folgmbra lag erfdjtinmben Summet big Barm. | Hraiisöeitage: Hießeuer JamitienLtatter. | ArntlrcZ-er Lberl. Gießen, 1. August 1892. Betr.: Die Kreistagswahlen durch die 50 Höchstbesteuerten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen m die Grstzh. Bürgermeiftereie« de- »reye-. Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 9. Juli d. I. — Anzeiger Nr. 159 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an Erledigung binnen acht Tagen. v. Gagern. Gießen, 1. August 1892. Betr.: Die Zulassung eingeschriebener Hilfskassen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Orotzh. Bürgermeistereien de- Kreise-. Aus Grund der Gesetze vom 7. April 1876 und 1. Juni 1884 über die eingeschriebenen Hilfskaffen theilen wir Ihnen nachstehend ein Verzeichniß der im Kreise Gießen ;ugelaffenen eingeschriebenen Hilfskassen, sowie die Namen der im Kreise errichteten örtlichen Verwaltungsstellen unter dem Bemerken mit, daß diese Kassen dem § 75 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 „die Krankenversicherung der Arbeiter betr." entsprechen, und daß die Mitglieder dieser Kaffen von dem Beitritt zur Gemeindekrankenverffcherungskaffe befreit sind. v. Gagern. Verzeichnis der im Kreise Gießen bestehenden eingeschriebenen Hilfskassen. -------------———------ r----------— y£ Bezeichnung d er Kasse. Sitz der Kasse. Q 1. Die allgemeine Arbeiter-Kranken- u. Sterbekaffe für Großen-Linden Die Kranken- u. Sterbekaffe zu Heuchelheim Großen-Linden Heuchelheim 3. 4. 5. Die Kranken- u. Sterbekasse zu Watzenborn- Steinberg Allgemeine Kranken- und Sterbekssse zu Steinbach Die Kranken- u. Sterbekasse zu Garbenteich Watzenborn- Steinberg Steinbach Garbenteich 6. 7. Die Kaufmännische Kranken- u. Begräbniß- kasse zu Gießen Die Kranken- u. Sterbekasse zu Rödgen Gießen Rödgen 8. Die Kranken- u. Sterbekaffe zu Wieseck Wieseck. Verzeichnis der örtlichen Verwaltungsstellen. Ä. <6. ;7. 3. Die allgemeine Kranken- u. Sterbekaffe der Metallarbeiter zu Hamburg Oertliche Verwaltungsstellen in a) Alten- Buseck, b) Daubringen, c) Gießen, d) Lollar, e) Rödgen, f) Wieseck, g) Reiskirchen, h) Hausen Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Tischler zu Hamburg Oertliche Verwaltungsstellen in a) Heuchelheim , b) Steinberg - Watzenborn, c) Wieseck, d) Großen-Linden Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Schuhmacher und verwandten Berufsgenossen in Deutschland Oertliche Verwaltungsstellen in Gießen Die Central-Kranken- und Begräbnißkafle für Frauen der Buchbinder, Portefeuiller und anderer Geschäftszweige jeder Art in Deutschland Oertliche Verwaltungsstellen in a) Gießen b) Wieseck, c) Rödgen Cmtral - Kranken - und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer in Hamburg Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Bäcker und verwandten Berufsgenoffen Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen „Vulkan", Central-Kranken- u. Sterbekasie der Metallarbeiter Oertliche Verwaltungsstelle in a) Alten- Buseck, b) Hausen, c) Reiskirchen Central-Kranken- und Sterbekasse aller Arbeiter Deutschlands Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen. Hamburg Hamburg Offenbach Offenbach Hamburg Dresden Hamburg Hamburg. Gießen, den 1. August 1892. Betr.: Ausführung der Feuerlöschordnung, hier die Ausrüstung der Feuerwehren mit Helmen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gießen. Seitens der Firma Müller zu Offenbach, welcher die Lieferung der für die Mitglieder der Feuerwehren erforderlichen Helme von uns übertragen worden ist, bezw. von dem Vertreter derselben, Herrn Hutmacher Gail zu Gießen, ist das Ersuchen an Sie gerichtet worden, die Kopfweiten der Feuerwehrleute, welche Helme erhalten, messen zu lassen und die Maße Herrn Hutmacher Gail mitzutheilen. Damit die Ausrüstung der Feuerwehren nicht verzögert wird, beauftragen wir diejenigen von Ihnen, welche die Maße noch nicht eingesandt haben, dem an Sie gerichteten Ersuchen binnen fünf Tagen zu entsprechen. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend die Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Wetterbrücke bei Ober-Bessingen. Die unterm 5. vor. Mts. verfügte Sperrung der im Zug der Kreisstraße Qber-Bessingeu—Ettingshausen gelegenen Wetterbrücke bei Lber-Bessingen wird hierdurch aufgehoben. Gießen, den 1. August 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. . Bekanntmachung. Nachdem von berechtigter Seite die Rückgabe der von dem verstorbenen Dienstmann Heinrich Löfsert dahier gestellten Dienstcaution verlangt worden ist, fordern wir Diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Caution aus seiner Eigenschaft als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen acht Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, den 1. August 1892. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Bischoff. Deutsches Reich. Berlin, 1. August. Am Samstag Mittag hat eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums unter Vorsitz des Cabinetschefs Grasen Eulenburg stattgefunden. Man glaubt, daß in der Berathung die Grundzüge für die im Herbste dem Landtage zu unterbreitenden anderweitigen Steuervorlagen festgestellt worden seien, doch ist dies vorläufig eben nur eine Vermuthung. — Fürst Georg von Schaumburg-Lippe, gegenwärtig der älteste der deutschen Monarchen, vollendete am Montag den 1. August sein 75. Lebensjahr. Fürst Georg erfreut sich noch einer verhältnißmäßig großen körperlichen Rüstigkeit und bemerkenswerthen geistigen Frische. Er ist preußischer General der Cavallerie und Ches des westfälischen Jägerbataillons Nr. 7. — Gegenüber den vielen, theils direct ungünstigen, theils zurückhaltend klingenden Aeußerungen, welche bis jetzt schon aus den Kreisen der deutschen Industriellen über die geplante Berliner Weltausstellung laut geworden sind, hebt sich eine frische fröhliche Zustimmungserklärung doppelt scharf ab. Dieselbe stammt vom Verbände der deutschen Liqueursabrikanten und Branntweinbrenner her und befürwortet die Eröffnung der „ersten Berliner Weltausstellung" am 22. März 1897, als dem 100jährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms I. Die Idee ist allerdings nicht mehr ganz neu, denn genau denselben Vorschlag hat man schon vor dem betreffenden Beschlüsse des genannten industriellen Verbandes hören können, aber jedenfalls klingt er sehr sympathisch. Aber eine andere Frage ist, ob die Eröffnung der Berliner Weltausstellung, ihrZustandekommen selbstverstäudlich vorausgesetzt, so zeitig im Frühjahre besonders practisch wäre,- von diesem Standpunkte aus ^betrachtet, dürste vielmehr die Verlegung des Eröffnungstermins in einen späteren Monat als räthlich erscheinen. Vorläufig heißt indessen die Parole in der ganzen Angelegenheit noch: Abwarten. Uebrigens will ein Berliner Blatt erfahren haben, die sächsische Regierung habe sich nachträglich zustimmend zum Projecte einer deutschen Weltausstellung geäußert, aber unter der Bedingung, daß sie nicht in Berlin, sondern in Dresden abgehalten werde. Diese Bedingung wird sich indessen schwerlich erfüllen, denn wenn auch zugegeben werden muß, daß Dresden mancherlei Vorzüge gegenüber der Reichshauplstadt besitzt — man denke z. B. nur an die wundervolle Lage von „Elbflorenz" — so könnte trotzdem doch nur die Millionenstadt Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches und erste Residenz des Kaisers, als Ausstellungsstadt ernstlich in Frage kommen. — Die Jenenser Bismarckfeier hat sich, wie dies nicht anders zu erwarten stand, zu einer gewaltigen und glänzenden Huldigung von Zehntausenden für den Altreichskanzler gestaltet, welche beweist, rote gerade in Thüringen der Gedanke an die unvergänglichen Verdienste des ersten Kanzlers des neuen Reiches überaus lebendig ist. Fürst Bismarck selbst hat in Jena wiederholt öffentlich gesprochen; als die bedeutsamste dieser seiner Kundgebungen darf man wohl seine Rede während der Festlichkeit auf dem Marktplatze von Jena vom Sonntag Mittag betrachten. Fürst Bismarck erinnerte in derselben an die deutsche Vergangenheit und auch an den Krieg von 1870/71. Er betonte, daß die geführten Kriege von 1866 und 1870 für Deutschlands Einigung nothwendig gewesen seien, für die Zukunft werde es vermuthlich nur noch Vertheidigungskriege zu führen haben, zur siegreichen Führung derselben müsse Deutschland aber stark und einig sein. Den Vorwurf, er hege antimonarchische Gesinnungen, wies Bismarck aus das Entschiedenste zurück^ er sei ein treuer Anhänger des Kaisers und seiner Dynastie, ohne daß er freilich die Weisheit der Berather des Kaisers immer anzuerkennen vermöge. Groß angelegt war jedoch auch die Rede des Altreichskanzlers am Samstag Abend beim Empfange der Universitäts-Deputation im „Schwarzen Bären". In derselben warf er nochmals einen umfassenden Rückblick auf sein Wirken im Dienste des deutschen Eiubeitsoedankens und verbreitete- Der Fürst schloß mit der Versicherung, er habe schon als Reichskanzler nur nach seinem Gewissen und politischen Pflichtgefühl gehandelt und so thue er auch als Privatmann. — Sonntag Nachmittag 3 Uhr reiste Fürst Bismarck mir. den Seinen wieder von Jena ab, wobei es nochmals zu stürmischen Huldigungen für ihn kam. Nachts gegen 11 Uhr traf er dann an seinem vorläufigen Reiseziele, Schönhausen, ein. — Im Wiener Cabinet stehen mehrfache Veränderungen bevor, denen eine spezielle politische Bedeutung unverkennbar anhastet. Zunächst handelt es sich um den Rücktritt des czechischen Landsmann - Ministers Prazack, dessen Stellung seit der Schwächung der altczechischen Partei bei den letzten Wahlen als erschüttert gilt. Weiter nennt man den Justizminister Grafen Schönborn, dem die plötzliche Begünstigung der Slovenen verhängnißvoll zu werden droht, sowie den clerieal gefärbten Ackerbauminister Grasen Falken- hayn als diejenigen Mitglieder des Cabinets Taaffe, deren Ausscheiden ebenfalls als gewiß gilt. Doch heißt es, der Rücktritt der beiden letztgenannten Minister werde erst zu einem späteren Zeitpunkte erfolgen. — Die Choleraepidemie in Rußland hat plötzlich einen mächtigen Sprung ostwärts, nach Sibirien, gethan. Hier ist sie in der Stadt Tomsk ausgetreten, wo am Sonntag zehn Erkrankungen und zwei Todesfälle an Cholera vorkamen. Vermuthlich ist die Seuche vom Ural her eingeschleppt worden. Anderseits mußte jetzt das Auftreten der Cholera auch in Warschau amtlich endlich zugegeben werden. Von Warschau aus kann sie jeden Tag die russische Grenze überschreiten. — Gegen zwei Mitglieder des japauefischen Cabinets» die Minister Okuma und Kono, ist ein eigenartiger Mordversuch unternommen worden. Es sind ihnen nämlich mit Explosivstoffen gefüllte Briefe in ihre Wohnungen geschickt worden, glücklicher Weise mißglückte in beiden Fällen das verbrecherische Vorhaben. Die Urheber des Attentats sind noch nicht ermittelt, vermuthlich gehören sie aber zu der unzufriedenen altjapanesischen Partei, welcher die Begünstigung des ausländischen Elements seitens der Regierung ein Gräuel ist. Es haben aus diesem Anlasse schon mehrfach Attentate von nationalen Fanatikern aus japanesische Minister stattgefunden. — Die südamerikauische Republik Venezuela befindet sich infolge des Bürgerkrieges im Zustande beginnender Auslösung. Einerseits sührt die Partei des geflüchteten Präsidenten Palacio gegen die Insurgenten noch immer den Kamps fort, obwohl dieselben immer mehr an Terrain gewinnen, anderseits, herrscht im Lager der Insurgenten große Uneinigkeit. Nicht weniger als sechs Candidaten streben nach der Präsidentschaft und ihre Anhänger stehen sich drohend gegen- Alter des über. Im Lande stocken die Geschäfte und in vielen Gegenden herrscht sogar Hungersnoth. Einstweilen übt General Crespo die Regierungsgewalt auS. Mel.: Altheidelberg, du feine rc. MW Lahnjuwel, feucht Gießen, Wie schaust du stolz zu Thal, Dein Name sei gepriesen, Gegrüßt viel tausendmal. Wie braust in Deinen Mauern Der Jugend schäumend Blut, Wags Keiner, hier zu trauern, Lahnäuglein sind ihm gut. Der Weisheit Schätze winken Verheißungsvollen Lohn, Doch besser frommt das Trinken Mir durstgem Musensohn. Und draußen lockt die Ferne, Ihr Burgen, hochgethürmt, Wie seid ihr meine Sterne, Wenns drin im Herzen stürmt. O Lahnjuwel, feucht Gießen, Du hast mirs angethan, Dein Name sei gepriesen Feuchtfröhlich Kind der Lahn. Der Stadt Gießen gewidmet von Dr. Theodor Walter, Herr des Corps Hassia zu Gießen, gelegentlich 50jährigen Stiftungsfestes der Hassia. Butter, weichem Käse aus Rußland. Aus die aus Finnland kommenden Waaren erstreckt sich das Verbot nicht. Rom, 2. August. Die „Capitale" kündigt den Besuch des Kaisers Wilhelm und der Kaiserin zur silbernen Hochzeit des Königs Humbert an. Paris, 2. August. In Charolles wurden heute Nacht zwei Kisten Dynamit gestohlen. Die ganze Nacht fanden Haussuchungen bei bekannten Anarchisten statt. Eine Anzahl Verhaftungen wurden vorgenommen. In dem Laboratorium wurden zahlreiche Explosivstoffe vorgesunden. Riga, 1. August. Der Gouverneur ordnete unter Androhung strenger Strafen die sofortige Einrichtung von Krankenräumen in sämmtlichen Fabriken Livlands an. Christiauia, 1. August. Der Antrag für den Ankauf von Gewehren für wenig bemittelte freiwillige Schützen 200 000 Kronen zu bewilligen, ebenso der Antrag, beim Thronwechsel die Civilliste um 100000 Kronen herabzusetzen, wurden in der am Samstag stattgehabten Sitzung des Storthings für diese Tagung zurückgestellt. Der Storthing wird heute Mittag geschlossen. barten Feuerwehren mit ihren Spritzen angekommen — den Brand zu loschen. Jetzt aber fuhr abermals ein Blitz aus dem verderbenschwangeren Gewölk herab in ein Gebäude auf ^^^"kgegengesetzten Seite der Brandstelle. Auch dieser uuö nun entstand eine Feuersbrunst, wie wir sie grausiger niemals geschaut. Die unheilvollen Hohl- z>egel, welche, mit Stroh ausgefüllt, die Dächer bedeckten, »r„a । ‘r“8cn ^hr dazu bei, dem Brand ein- immer größere Aus- i 68 kannten fünf Wohnhäuser, . , ' r mXLa^. bis zehn Stallungen vollständig nieder. Alles Vieh konnte durch das tapfere Eingreifen aller Anwesenden gerettet werden. Nur ein Hunl» Depeschen deS Buresu „Herold". Be^'u, 1. August. Die Abendblätter bestätigen die Ansicht der Regierung betr. des Fallenlassens der Weltausstellung in Berlin. Die liberalen Blätter sprechen ihr Bedauern darüber aus. Die „Vossische" schließt rhren Leitartikel: Der Verzicht aus eine Ausstellung wird in Frankreich und vom ganzen Auslande als Armuthszeugniß der deutschen Nation erscheinen und erscheinen müssen. Die conservative Presse nimmt den Reichskanzler gegen den Vorwurf laxer Initiative in Schutz, erkennt lobend die verneinende Entschließung hinsichtlich der wirthschaftlichen Schwieria- keiten an. a Berlin, 1. August. Nach der „Börsenzeitung" verlautet, der Commandeur des Gardecorps v. Meerscheidt- H ü l l e s s e m werde nach den Herbstmanövern seinen Abschied nehmen. Berlin, 1. August. Die „Post" erfährt von gut unterrichteter Quelle, ein Gesetzentwurf bezüglich Aufbewahrung von Depots sei in Ausarbeitung begriffen und werde demnächst dem Bundesrathe zugehen. Berlin, 2. August. Aus Mitteldeutschland und Sachsen treffen Nachrichten von schweren Unwettern ein, welche allenthalben großen Schaden an der Ernie verursacht haben. Breslau, 1. August. In dem russisch-polnischen Jndustrie- bezirk wurde den Verwaltungen sämmtlicher Gruben und Fabriken anbesohlen, Cholerabaracken für je 100 Mann zu errichten. Esten a. Ruhr, 1. August. Stempelproceß. Höhn sagt aus, Mohring habe die zum Unterschieben dienenden Kanonenproben in einem verschlossenen Schrank ausbewahrt. Stratenwerth hat gesehen, daß Mohring falsche Proben aus dem Schrank nahm, welche den Beamten unterschoben wurden. Bahnmeister Mohnkops der rheinischen Bahn habe von andern Werken zuweilen Schönheitsfehlerschienen gekauft und in die Hauptgeleise gelegt. Morgen fällt die Sitzung aus. Am Mittwoch beginnen die Plaidoyers. Esten a. Ruhr, 1. Aug. Der Stationsbeamte Hees bekundet daß das Zurückholen von Schienenladungen vom Bahnhof wegen falschen Rangirens erfolgt sei. Arbeiter Greef und Krummacker sagen aus, Bering habe oft bestimmt, daß schlechte Schienen nicht verladen werden sollten. Hotelbesitzer Budde, bei welchem der Abnahmebeamte Galleis wohnte, sagt aus, Galleis habe Morgens dem Arbeiter seinen Stempel gegeben, welcher dann Abends zurückgebracht worden sei. Galleis habe gesagt, seine Bahn sei mit den Lieferungen zufrieden. Arbeiter Hoche bekundet die Anfertigung der Zerreißproben aus Vier- kantstaben und die Stempelung derfelben mit nachqemachten Stempeln. a 2uBerf, 1. August. Der Senat verbietet die Ein- und Durchfuhr gebrauchter Leib-und Bettwäsche, Kleidern außer von Reisenden, Hadern, Lumpen, Obst, frischem Gemüse Färber 2, Former 2, Gärtner 1, Geometergehilfe 1, Goldarbeiter 1, Kellner 1, Kaufleute 5, Lederarbeiter 1, Maurer 1, Sattler 1, Bauschlosser 3, Schmiede 1, Schneider 5, Schuhmacher 2, Spengler 1, Tuchmacher 1, Weber 2. !Jm Monat Juli wurden entlassen 33 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 4, in Stellung durch eigenes Bemühen 1, wegen schlechten Betragens 2, auf eigenen Wunsch 26. Verpflegungstage im Juli 1892: 2140. Gearbeitet wurde im Juli an 1843 Tagen, hierunter 478 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2000 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1936; bleibt Bestand 64 Mann. — Amtliche Belehrung über die Cholera. Der „Reichsanzeiger" bringt einen Erlaß des Cultusministers, enthaltend eine Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten, ferner eine Anweisung zur Ausführung der Desinfection bei der Cholera und Rathschläge an die practischen Aerzte wegen Mitwirkung an den sanitären Maßnahmen gegen die Verbreitung der Cholera. Von allgemeinem Interesse ist Folgendes: Der Ansteckungsstoff der Cholera befindet sich in den Ausleerungen und wird besonders leicht verschleppt durch Kleider, Wäsche, Speisen, Wasser, Milch, überhaupt Getränke, die mir dem Kranken in flüchtige Berührung gerathen sind. Man hüte sich, Personen aus Choleraorten in sein Haus aufzunehmen. In Cholerazeiten hat man eine möglichst geregelte Lebensweise zu führen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß alle Störungen der Verdauung die Erkrankung an Cholera vorzugsweise begünstigen. Man hüte sich vor Verdauungsstörungen, vermeide alles unmäßige Essen und Trinken. Ganz besonders ist zu vermeiden, was Durchfall verursacht oder den Magen verdirbt. Bei Durchfall hole man sofort den Arzt. Man esse keine Nahrungsmittel aus Cholerahäusern, man esse Obst, Gemüse, Milch, Butter, frischen Käse, welche besonders leicht die Krankheit übertragen, gar nicht oder nur gekocht. Das Schlimmste ist ungekochte Milch. Aus reines, in keiner Weise getrübtes Wasser ist sehr zu achten, am besten trinkt man nur gekochtes Wasser. Das Gleiche gilt von allem zum Hausgebrauch dienenden Wasser, weil im Wasser befindliche Krankheitsstoffe leicht dem menschlichen Körper zugesührt werden können. Jeder Cholerakranke ist möglichst schnell dem Krankenhaufe zu übergeben, welchem ! jeder Unbeteiligte fernbleiben soll. Man vermeide Orte, i wo größere Anhäufungen von Menschen stattfinden (Jahr- ! Märkte, größere Lustbarkeiten rc.). Von Cholerakranken benutzte Kleider sind zu verbrennen oder genügend zu desinficiren. Choleraausleerungen sind nicht in die Nähe von Brunnen oder von öffentlichen Wasserläufen zu bringen. Diejenigen, welche im Verkehr mit Cholerakranken sind, haben eine ganz besondere Sorgfalt zu beachten, sie sollen namentlich nicht mit ungereinigten Händen Speisen berühren. Andere Schutzmittel als diese natürlichen kennt man nicht, es wird daher vom Gebrauch von Choleraschnäpsen und Anderem abgerathen. Zur Desinfection dienen Kalkmilch, Chlorkalk, Lösung von — SS folgen alSdccnn Rathschlage für die Aerzte. § Heimertshausen (Kreis Alsfeld), 29. Juli. In dem benachbarten Walde fand man an einem Baume die Leiche eines unbekannten Mann-S hängen, der anscheinend ein Handlungsreisender gewesen ist. Bei der Leiche wurden ein seidener Regenschirm, ein Portemonnaie mit Geld, ein Messer eine Flasche mit Schnaps und andere Gegenständ- aufgefundem 3)“?lr^Ctlilre,r; tor *e .h,o6t einige Wochen gehenkt haben muß, schon sehr stark in Verwesung übergegangen war, wurde sie sofort beerdigt. ' Gießen, 2. August 1892. 3ur Haffia Feier. Die letzten Vorbereitungen rum Feste werden getroffen. Am Ludwigsplatz ist eine hohe porta tnumphalis aufgerichtet, mit deren Decorirunq eben begonnen wird. Steins Garten, das zu großen Festen vorzüglich sich eignende und deshalb auch vom Corps dazu gewählte Festlocal, wird mit dem Corpshaus durch einen über den Schiffenbergerweg führenden Holzsteg verbunden. Gartner, Tapezierer und Decorateue sind in dem Corpshaus und Steins Garten thätig, das Mobiliar für das Haus wird von den Handwerkern dort abgeliefert, in den Schaufenstern sind mehrfach Geschenke für das Corps ausgestellt. Wir erwähnen bei Mettenheimer L Schultheiß ein Tafelservice, von der Firma fabricirt und mit Farben und Cirkel des Corps geziert- bei Schlatter am Neuenweg zwei seidene Fahnen und eine 16 Meter große weiße Standarte, die in ihrer Mitte das zweiseitig in Oel gemalte Corpswappen trägt. Porzellan wie Fahnen beweisen, daß unsere hiesige Industrie nicht nur Massenfabrikate zu liefern vermag, sondern auch spezielle Originalaufträge vorzüglich auszusühren versteht. — Heber I , morgen beginnenden Festlichkeiten theilt uns das Corvs I mrt, daß der Festzug um 7>/, Uhr Abends am Hotel Victoria beginnen und durch Seltersweg, Kreuzplatz, Schulstraße Neue Baue, Gartcnstraße nach Steins Garten seinen Weg nehmen wird. Die Darmstäöter Dragoner-Capelle ist bereits untcr- trifft morgen mit Pferden hier ein. Von den acht Merden, welche zu den beiden vom Hoflohnkutscher Huhn für bsn Festzug zu stellenden Viererzügen gehören, ist bei I öem Brand in dessen Hofraithe glücklicher Weise keins verletzt. I 11 k — bie ber h^ffgen Handelskammer erlassene I Umfrage haben nach Mittheilung der „Fr. Zra " über 40 11 Af H AfrM L,. '.ff ' < rvx in eine Thätiqkeit gesetzt «erben zu em em wirklichen Brande, von dessen schre-Nichen Fcmc Erstellung gemacht. Ein Blitzstrahl Lx S T4“?' be8 Henrich Stein XI und zündete. Sfllb stand das große Gebäude mit dreifacher Tenne in Hellen flammen. Dem muthigen Eingreifen der Feuerwehr und e 9C Qs9 e§ jedoch, das Feuer auf seinen Herd zu beschranken und das nahestehende Wohnhaus zu retten. 2’" 9 a~tEr man b,e Gefahr beseitigt, da züngelten Flammen -r. Neu « Ulrichstein , I. Auoull Wn , I ■ >.. c rT. o'rsten zweier etwas entfernt liegender Gebäude, der Arbeiter-Colonie pro Juli 18 92. E^de äelaua°^s Blitzschläge verursacht, auf. Auch hier mUJ892 s'"b in bet Kolonie stellen-, resp. arbeitslos | hLt,’ H'lf- Inzwischen waren die beuach- 64 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 15, Regierungsbezirk Kassel 7, Regierunqs- fcejirf Wiesbaden>7. Königreich Preußen' Berlin 2 ®rn- vinz Brandenburg 1, Provinz Rhe nl-nd- 6, Provsiiz Ha - I BliüS9°"95^^" x nover 1 Provinz Sachsen 3, Provinz Pommern 1 Provinz 1 U"b Provinz Schlesien 1, Schleswig-Holstein 1. König. reiaj Bayern 5, Königreich Sachsen 3, Königreich Württem- berg 1. Thüringische Staaten 4, freie Stadt Lübeck 1 Janb : Oesterreich 2, Schweiz 2. Hiervon waren: bE"er 22, Anstreicher I, Backer 1, Böttcher 1, Brauer 1, Buchbinder 3, Cigarrenmacher 2, Conditor 1, Dreher 1,