Nr. 152 Erstes Blatt Sonntag den 3. Inti 1892 Der Mtin Z«reiG«r erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener »erden dem «n-eiger Mschentlich dreimal dei gelegt. Kichciter Anzeiger Henerat-Anzeiger. vierteltahriger ZlßannemenlApretA i 2 Mart 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Plg. Reöaction, Lxpedirion und Druckerei: Kchnlstraße Ar.1. Aerusprecher 51. Amts- und Anzsi§eblatt für den 'Kreis (Siefjen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Dag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. g—1 ■■ ■ ________■______________ Hratisöeikage: Gießener JamisienökäLLer. Alle Lnnoncen-Bureaux des In» und Auslandes nehme« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ entgegen. 2lnrtlichev Theil. Gießen, den 1. Juli 1892. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Gemeinderechnungen pro 1891/92. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen •* >te »rasth. Bürgermeisterei«« M «reife». Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 11. Juni 1885 — Amtsblatt 9Jr. 4 — beauftragen wir Sie, sobald der Gemeindc-Einnehmer die Rechnung für 1891/92 an Sie abgeliesert hat, uns hiervon Anzeige zu erstatten. Sofern der für die Ablieferung bestimmte späteste Termin — (Snbe September — von dem Rechner nicht eingehalten werden sollte, haben Sie uns am 1. October diescrhalb zu berichten. __d. (Sagern.___________ Gießen, den 1. Juli 1892. Setr.; Den Termin für die Einsendung der Kirchenrechnungen pro 1891/92. Das Großherzogliche Kreisamt Gieße« au die evang. Kirchenvorstände des Kreises. Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchenrechnung an Sie ist auf Ende Augnst festgesetzt. Da dieser Termin vielfach seilens der Rechner nicht emgehalten worden ist, beauftragen wir Sie, uns die erfolgte Abgabe bis Znm 1. September L I. anzuzeigen, event. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten wurde. Mtt dieser Anzeige ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evang. Centralkirchenfonds abzuliefernden lieber-- schuß des Einkommens der Pfarrstelle einzusenden. Der aufzustellende Nachweis des Überschusses muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh. Ober - Consistonums Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen. Mr die Kirchenfonds mit dreijähriger NechnungSperiode fallt die Berichterstattung bezüglich der Ablieferung der Rechnung fort. Wir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Filialgemeinden, welche ihre Gehaltstheile an den Kirchenfonds der Pfarrgemeinde abzuliefern haben, von Aufstellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises entbunden sind. _______________ v. Gagern. Gefunden: 1 Schraubenschlüssel, 1 Glacehandschuh, 1 schwarzer Sonnenschirm, 1 Botanisirbüchse, 1 Gesangbuch, 1 Liederbuch, 1 Hutnadel, 1 schwarzer Hut, 1 grauer Filz- Hut, 1 Scheere und 2 Portemonnaies mit Inhalt. ^ugestogen: 1 Kanarienvogel. Gießen, den 2. Juli 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsches Reich. Berlin, 1. Juli. Der Kaiser wird, Berliner Meldungen zufolge, in Drontheim nur kurzen Aufenthalt mehmen, sodaß es bei den bisherigen Bestimmungen verbleiben dürste, wonach der hohe Herr im Lause des 7. Juli aus den Losoden einzutreffen gedenkt. Von genannter Inselgruppe aus beabsichtigt der Kaiser größere Ausflüge nach den herrlichen Fjords der gegenüberliegenden Küste zu unternehmen. Aus der Rückreise soll die Fischerei-Ausstellung in Christiansund besucht werden. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. München, 1. Juli. Generallieutenant Malaise im -Kriege von 1870 Brigadeführer, ist gestorben. — Eil/ unbekannter älterer Herr aus Norddeutschland ist gestern vom Gipfelnder Zugspitze abgestürzt. Göteborg, l.Juli. Die Macht „Kaiseradler", welche gestern Abend um 6 Uhr Kiel bet Regen'und Westwind verlassen hatte, ist wegen ungünstiger Witterung und Nordost- wtnd auf der Rhede von Göteborg vor Anker gegangen. An Bord ist alles wohl, das Wetter klärt sich auf und die Weirersahrt nach Bergen ist für morgen früh in Aussicht genommen. Madrid, 1. Juli. Die amtliche „Gaceta" veröffentlicht einen Erlaß des Königs, wonach für alle aus Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, England, Italien, den Niederlanden, Schweden, Norwegen, der Schweiz und Portugal nach Spanien und dessen Colonien kommenden Maaren der Minimaltarif bewilligt wird. — Die „Gaceta" veröffentlicht auch das Budget für Spanien und die Colonien. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 1. Jllli. Rector Ahlwardt wurde nach Erlegung von 50,000 Mk. Caution aus der Hast entlassen. Berlin, 1. Juli. Unterrichtete Kreise melden die dem- nächstige Versetzung des Gesandten beim Vatican, v. Schlözer, in den Ruhestand. Berlin, 1. Juli. Für das neue Krankenversicherungsgesetz findet eine anderweitige Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne statt. Die Aenderung gegen früher ermöglicht zwei weitere Classificationen insofern, als ein Unterschied zwiscyen Arbeitern von 14—16 Jahren und Kindern unter £4 Jahren eingesuhrt wird. Die Frage der ortsüblichen Tagelöhne wird demnächst den Bundesrath beschäftigen. Helgoland, 1. Juli. Gegenwärtig werden hier sün Panzerthürme errichtet, hiervon einer auf der Südspitze. Ferner werden Kasematten sür die Jnselbesatzung und ein Pulvermagazin gebaut. Wien, 1. Juli. Polnischen Blättern zufolge ist der Güterverkehr aus der Bahnlinie TifliS-Baku wegen der Cholera eingestellt. Die Personenzüge verkehren bis Baladgary, wo eine einwöchige Quarantäne stattfindet. Wien, 1. Juli. Unter dem Vorwande der Wallfahrt wollten viele Bauern aus Congreßpolen nach Amerika auswandern und überschritten die österreichische Grenze bei Michalowice. Dem russischen Grenzcordon von Kosaken gelang es nach hartem Kampfe, bu? Bauern zurückzudrängen. Bern, 1. Juli. Die Bundesregierung ordnet die Vorbereitung eines Lebensmittelgesetzes an und beschloß ferner, die Studien über eine durchgreifende Reform der Bundesverwaltung zu fördern, daß der Entwurf auf der Session im December vorgelegt werden kann. Darmstadt, 2.Juli. Die erste Kammer der Stände beendigte in heutiger Sitzung eine Anzahl Regierungsvorlagen ,- sie lehnte die Aushebung der Hundesteuer für Hirtenhunde ab und vertagte sich bis Herbst. Darmstadt, 2. Juli. Die zweite Kammer der Stände nahm die Regierungsvorlage, wonach die Civil- liste Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs auf 1,265,000 Mk. festgesetzt wird, an. Deutschlands Aus- und Einfuhr im Jahre 189L Für die gejammte Beurteilung der wirtschaftlichen Lage von Deutschlands Handel, Industrie und Landwirtschaft bietet die Statistik der Aus- und Einsuhr-Ueberschüsse sehr lehrreiche Zahlen. Zunächst heben wir hervor, daß die Einfuhr Deutschlands viel höher ist als die Ausfuhr, und daß sie im Jahre 1891 die Ausfuhr um 975 Mill. Mk. übersteigt, gegen 833 Millionen Mk. im Jahre 1890 und 848 Millionen Mk. im Jahre 1889. Am meisten hat zu der passiven Handelsbilanz des Deutschen Reiches wohl die Mehreinsuhr an Getreide beigetragen, welche im Jahre 1891 nicht weniger als 635 Mill. Mk. betrug. Auch die Mehreinsuhr an Materialwaaren im genannten Jahre war sehr bedeutend, denn sie betrug 226 Mill. Mk., ferner betrug die Mehreinsuhr an Vieh 211 Mill. Mk., an Erden und Erzen 1531/2 Mill. Mk., an Deien 126 Mill. Mk., an Holz 98,7 Mill. Mk., an Baumwolle 92,7 Mill. Mk. u. s. w. Erfreulicher Weise stehen jedoch dieser beträchtlichen Zunahme in der Einfuhr wichtiger Waarengattungen auch wesentliche Zunahmen der deutschen Ausfuhr im Jahre 1891 gegenüber. So weist die Ausfuhr von Eisen ein Plus von 223 Mill. Mk. auf, die von Kleidern einen Ueberschuß von HS^M. Mk., die Mehraussuhr an Leder betrug 1071/2 Mill. Mk/ Maschinen wurden um 89 Mill. Mk. mehr ausgeführt, die Papieraussuhr weist ein Mehr von 81,6 Mill. Mk., die Ausfuhr an Kunst- gegenständen ein Mehr von 62,7 Mill. M., die an Kurz- waaren ein Mehr von 40,7 Mill. Mk. auf u. s. w. Der Werth der Einfuhr wie der Ausfuhr Deutschlands im Jahre 1891 ist im Vergleiche mit den drei vorangegangenen Maaren sehr gesunken, dabei wuchs aber der Gesammt-Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr um rund 140 Mill. Mk. an. Eine besonders starke Zunahme des Einfuhrüberschusses haben die landwirthschastlichen Producte und die Wollindustrie, einen erheblichen Rückgang desselben die Flachs-, Holz- und Petroleumindustrie erfahren. Deutschland hat also einen Mehrbedarf an landwirtschaftlichen Pro- ducten, soweit der Ausgleich nicht im Wege der internationalen Zahlungsbilanz, namentlich nicht durch Anrechnung auf Zinsforderungen für ausländische Werthpapiere erfolgt ist, diesmal hauptsächlich mit Erzeugnissen der Metall- und Maschinenindustrie bezahlt. Denn fast nur letztere ist air dem Rückgänge des deutschen Ausfuhrüberschusses im Jahre 1891 unbeteiligt, während von diesem Rückgänge beinahe alle anderen Industriezweige, in erster Linie das Textilgewerbe, betroffen wurden. Was die Getreideeinfuhr nach Deutschland anbelangt, so ist dieselbe seit 1888 um 347 Mill. Mark gestiegen, die Einfuhr von Vieh hat sich im gleichen Zeiträume um 159, die von anderen Thieren und thierischen Producten um 37 Mill. Mk. vermehrt. Es beträgt demnach der Einfuhrüberschuß dieser drei Hauptzweige der landwirtschaftlichen Gütererzeugung seit 1888 zusammen allein mehr als eine halbe Milliarde Mark, kein Wunder, wenn darum vorzugsweise die landwirthschastliche Einfuhr die deutsche Handelsbilanz seit fünf Jahren so ungünstig beeinflußt. totales unö ^provinzielles. » Gießen, 2. Juli 1892. — Earl Vogt ist, wie die „Frks. Ztg." schreibt, gestern Vormittag mit Gattin und Tochter, Frau Profeffor Chun, nach der Schweiz zuriickgekehrt. Der greise Forscher, der die Last der Jahre — er begeht am 5. Juli sein 75. Geburts- sest — mit erfreulicher Rüstigkeit trägt, wird den Sommer in Salvan im Canton Wallis verbringen und in der Stille dieses Alpenthales an seiner Lcbensgeschichte fortarbeiten, deren Absassung ihn gegenwärtig neben verschiedenen gelehrten Unternehmungen beschäftigt. — Knntznotiz. Die Direction des Kurtheaters Bad- Nauheim will den Versuch machen, hier einen Cyclus von Opererten-Aufführungen zu tieramtalten. Die erste Probe- Aufführung soll Montag den 11. Juli im Reuen Theater stattfinden und zwar mit Zellers neuester Operette: „Der Vogelhändler". Da das Operetten-Ensemble ganz vorzüglich sein soll, dürfte es an entsprechender Betheiligunq hiev nicht fehlen. Kunstverein. Die feit acht Tagen eröffnete Gemäldeausstellung im alten Hofgerichtsgebäude weift eine ganze Anzahl schöner und interessanter Bilder auf; unter den Landschaften heben wir besonders hervor „Ehern am Tegernsee" von E. Hettich, München, „Landschaft" von Hof el ich, München, „Portofino bei Genua" von Sern er, Sagan „Am Ammersee" von Arends, München, „Stadt- thor im Elsaß" von Boerner, Karlsruhe, sowie zwei stimmungsvolle Compositionen von Roeder, 9?om: „Das versunkene Schloß" und „Cypressen", welchen stofflich am Nächsten steht eine „Elegie" von der, auch aus ihren hier ausgestellten Werken rühmlich bekannten, Frieda Menz- hausen, Cassel. Von Meli, München, fällt auf eine schöne „Heimkehr von der Alm"; eine „Ueberraschung" (Begegnung eines Ziegenbocks mit einem Faun) bringt der originelle Ang. Dieffenbacher, München. Das Genre ist gut vertreten durch eine „Gesangprobe" von Slug. Stegemann, Dresden und „In der Kirche" von Jul. Fehr, Stuttgart. Blumen und Fruchtstücke von Rost, Leipzig u.A. mögen den Beschluß vorstehender Aufzählung nur der Besten unter dem Ausgestellten bilden. — Die Burschenschaft Alemannia feiert Mitte kommender Woche, in den Tagen vom 5. bis 8. Juli, ihr dreißigjähriges Stiftungsfest. Nach dem Dienstag Abend auf der Kneipe der Burschenschaft (Lonys Bierkeller) statthabenden Empfang der Gäste folgt Mittwoch den 6. Juli Frühschoppen in dem alten Stammlocale der Alemannia, Brauerei Weidig, am Nachmittag versammeln sich die alten Herren aus der Kneipe, Abends 3/49 Uhr steigt der Fackelzug, der, beginnend von Lonys Bierkeller, seinen Weg durch die belebtesten Straße» der Stadt nimmt. Nach Ankunft im Commerslocale, Steins Garten, beginnt der Festcommers mit Aufführung eines von dem Redacteur der Burschenschaftlichen Blätter der Alemannia gewidmeten Festspiels, das die Uebcrgabe deS von den Frauen und Jungfrauen zum Feste der Burschenschaft verliehenen prachtvollen BannerS zur Grundlage hat. An den Fest- eommers reibt sich Donnerstag den 7. Juli Frühschoppen und Diner in Steins Garten und Nachmittags AuSstug mit Damen nach^ Textors Hardt, wo unter Illumination der Hardt das Tanzkränzchen der Alemannia abgebalten wird. Donnerstag wird das Fest durch Abschiedsfrühschoppen im (Safe Leib geschloffen. Aus daS Fest selbst werden wir im Näheren noch ziirückkommeli. Da nun die Einwohnerschaft von Gießen sich von jeher durch eine lebhafte Theilnahmc an größeren Festen der alten eingesefsenen Gorporationcn aus- gezeichnet hat, insbesondere auch die Burschenschaft es sich zur Ehre rechnen darf, von Alters her in einem guten Verhältniß zur kiesigen Bürgerschaft gestanden zu haben, darf man auch diesmal auf eine außerordentliche Betheiligung der Stadt rechnen. — Schon jetzt sei denjenigen Bürgern, die sich bereits in liebenswürdiger Weise zum Schmuck ihrer Häuser erboten haben, an dieser Stelle gebührender Dank dargebracht. -r. Der hiesigen Rudergesellschaft ist außer der bereits von uns erwähnten Auszeichnung Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs für ihre hervorragenden Leistungen und erfolgreichen Bestrebungen zur Vervollkommnung der körperlichen Energie und der sittlichen Kräfte eine weitere Anerkennung zu Theil geworden: Die Stadtverordneten-Versammlung hat, gleich dem Vorbilde der meisten anderen deutschen Regattaplätze zu der am 31. Juli d. I. hier stattfindenden Regatta einen einmaligen sogenannten Wanderpreis gestiftet, welcher alljährlich auf der Regatta zu Gießen im vierruderigen Rennboot vertheidigt werden muß- der Sieger erhält bei Rückgabe des Wanderpreises von dem festgebenden Regatta-Comite einen Ehrenschild. Es liegt hierbei wohl in der Absicht der städtischen Behörden, der Jugend zu gedenken, der Jugend, auf welcher die Zukunft des Vaterlandes und der Vaterstadt, sowie die Blüthe der letzteren ruht. Sind es doch vor Allem gerade die Rudervereine, welche die männliche Tugend der Kraft, des Muthes, der Ausdauer und Entschlossenheit, der Umsicht und der Selbstbeherrschung, welche für das öffentliche und private Leben von größter Bedeutung sind, pflegen und ausbilden. Die Stiftung dürste in der Einwohnerschaft Gießens allseitigen Beifall und freudigen Widerhall finden. — Aus dem Justizdieust. Durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 21. Juni l. I. ist der Gerichtsaffessor Stein zu Gießen behufs Aushilfeleistung in den Geschäften des Amtsanwalts in Mainz bis aus Weiteres beauftragt worden, die Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei dem Amtsgericht Mainz und zwar für den IV. und V. Polizeibezirk der Stadt Mainz und die Orte Kastel, Kostheim, Mombach, Budenheim und Gonsenheim wahrzunehmen. — Zur Sountagsseier. Das am 1. Juli ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 19 enthält: Gesetz, die Abänderung des Artikels 227 des Polizeistrasgesetzes (Störung der Sonntagsseier und des Gottesdienstes) betreffend. Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen wie folgt: Einziger Artikel. Mit dem 1. Juli d. I. wird der Artikel 227 des Polizeistrasgesetzes vom 30. October 1855 durch nachfolgende Bestimmungen ersetzt: Das Aushängen und Ausstellen von Waaren Seitens der Kauf-, Handels- und sonstigen Gewerbsleute ist an Sonn- und Festtagen untersagt, ausgenommen jedoch diejenigen nicht in die Zeit des Hauptgottesdienstes fallenden Stunden, während welcher nach der Gewerbeordnung (Gesetz vom 1. Juni 1891) und den auf Grund derselben erlassenen behördlichen Verfügungen und statutarischen Bestimmungen in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb stattfinden darf. Insoweit nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung an Sonn- und Festtagen in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb nicht stattfinden darf, ist auch den nicht unter die Gewerbeordnung fallenden Consumvereinen jeder Absatz von Waaren untersagt. Sind die Vorschriften des vorhergehenden Absatzes von Personen übertreten worden, welche der Vorstand des Consum- vereins zur Führung der Geschäfte oder eines Theiles derselben bestellt hatte, so trifft die Strafe diese Letzteren. Die Mitglieder des Vorstandes sind neben denselben strafbar, wenn die Uebertretung mit ihrem Vorwiffen begangen ist, oder wenn sie bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Beaufsichtigung des Betriebes, oder bei der Auswahl oder der Beaufsichtigung der geschästsführenden Personen es an der erforderlichen Sorgfalt haben fehlen lassen. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großherzoglichen Siegels. Langen-Schwalbach, den 1. Juli 1892. Ernst Ludwig. Finger. — Der Getreidemarkt. Aus dem Getreidemarkt zeigen sich gegenwärtig diejenigen Erscheinungen, welche einem allgemeinen Preisstürze voranzugehen pflegen. Unsicherheit und Zweifel herrschen bei Verkäufern und Käufern und die Speculanten sitzen in der Klemme der Zweifel. Ungünstiges Wetter und schlechte Ernteberichte aus Rußland und Frankreich wollten die Haussespeculanten zur Grundlage einer Hausse- speculation machen, aber das Experiment bekam ihnen schlecht. Das Ausland meldete niedere Preise für Roggen und Weizen und deshalb sank auch in Berlin und aus den anderen deutschen Märkten der Preis für Roggen und Weizen um 2—3 Mark pro Tonne. Der Preis für Roggen war für Mittelwaare 184—187 Mk. per Tonne, bessere Waare 188—195 Mk., für Weizen 172-209 Mk. pro Tonne. § Bolkartshain (Kreis Schotten), 1. Juli. In dem benachbarten Orte Lichenroth wurden heute einem Kinde beim Spielen mit anderen zwei Finger abgehackt. Dieser Fall mahnt wieder, wie nöthig eine Beaufsichtigung von Kindern da ist, wo mit schneidenden Werkzeugen gearbeitet wird. nn. Darmstadt, 1. Juli. Die erste Kammer der Stände, welche heute Morgen zu zweitägigen Verhandlungen zusammentrat, erledigte zunächst in geheimer Sitzung die Civilliste für Seine Königliche Hoheit den Groß- Herzog. Die Kammer trat dem Antrag der Regierung auf Erhöhung um 175,000 Mk., also jetzt 1,265,000 Mk., einstimmig bei. Die Berathung währte nur kurze Zeit. — Im Verlaufe der weiteren öffentlichen Verhandlung erledigte das hohe Haus sämmtliche Anträge und Vorlagen der Regierung gemäß den Beschlüssen zweiter Kammer. — Nur bei Berathung des Antrages Haas und Genossen auf Abänderung des Art. 14 des Dammbaugesetzes, das Wafferrecht in den Gebieten des Rhein, Main, Neckar und den schiffbaren Theilen der Lahn betr., entspinnt sich eine längere Debatte. Der Ausschuß beantragt: Großh. Regierung um eine neue Gesetzesvorlage zu ersuchen, durch welche der Art. 14 des Dammbau-Gesetzes aufgehoben werden soll. — Freiherr von Hehl zu Herrnsheim spricht sich für den Ausschußantrag aus. Er hebt hervor, wie der Staat verpflichtet sei, den durch eine Verlegung der Dämme geschädigten Anwohnern Entschädigung zu gewähren, dies umsomehr, weil die durch die Rückverlegung der Dämme Geschädigten des seitherigen Schutzes entbehren und Einbuße an der Crescenz u. s. w. erleiden würden. (Der Art. 14 spricht von keiner Entschädigungspflicht des Staates bei Dammverlegungen.) Ebenso sprechen sich Fürst Jsenburg-Birsten,Graf Solms-Laubach für den Ausschußantrag aus. — Staatsminister Weber lehnt jede Aenderung des jetzt bestehenden Gesetzes ab. — Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses mit 13 gegen 10 Stimmen abgelehnt. — Damit ist die Sitzung geschlossen. Erbach i. O., 1. Juli. Vor einigen Tagen sand die erste Sitzung des Aufsichtsrathes der Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe, die von Großh. Staatsregierung dahier ins Leben gerufen wurde, statt. Die Stadt Erbach stellt das Schulgebäude, das bereits im Bau begriffen ist, und einen jährlichen Zuschuß von 1000 Mk. - einen weiteren Jahresbeitrag -leistet Se. Erlaucht der Gras zu Erbach-Erbach, welcher auch den Bauplatz schenkte, während die Hauptkosten von der Regierung getragen werden. — Die Schule wird als Staatsanstalt am 1. August l. I., zunächst mit einem Vorcursus, eröffnet werden, der am 15. October zu Ende geht. Als Unterrichtsfächer sind für den Vorcursus vorgesehen: Linearzeichen, Freihandzeichnen nach plastischen Ornamenten, Figuren und Pflanzen, Modelliren in Thon und Wachs nach den gleichen Vorbildern, Vorträge über den Körperbau des Menschen und dessen Verhältnisse, Materialienkunde und Styllehre. — Die Unterrichtsstunden sind an den Wochentagen auf die Zeit von 7—11 Uhr Vormittags und von 2—5 Uhr Nachmittags festgesetzt- doch ist Schülern über 18 Jahren der Besuch an einzelnen Tagesstunden gestattet. Das Schulgeld für den Vorcursus beträgt 3 Mk., und ist der neue Hauptlehrer der Anstalt Herr Karl Görig ermächtigt, ins zum 25. Juli l. I. Anmeldungen von Schülern entgegenzunehmen und wird derselbe jede weitere Auskunft bereitwilligst ertheilen. Dermifd>ie$. * Bremen, 30. Juni. Der Schnelldampfer „Trave" stieß auf der Fahrt von Newyork nach Southampton mit einem fremden Schiffe zusammen. Letzteres Schiff sank. Die Mannschaft befindet sich auf der unbedeutend beschädigten „Trave". * Das kommt davon. Der Sohn eines Bankiers in Hagen, der als Einjährig-Freiwilliger gedient hat, glaubte sich vor der ihm bevorstehenden Hebung dadurch drücken zu können, daß er sich „nach Amerika" abmeldete. Anstatt jedoch über das große Wasser zu gehen, amüsirte sich der junge Mann in Hagen weiter, bis das Bezirks-Commando die Sache merkte. Die Folge war, daß der Drückeberger sofort zur achtwöchigen Uebung einberufen, in 60 Mk. Strafe und drei Tage Arrest genommen und in einen späteren Ersatzjahrgang gestellt wurde. Beim Appell aber ist den Leuten die Sache zur Nachachtung publicirt worden. Derfebr, Land, nnd volkrwirthschaft. Gieße«, 2. Juli Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnarkt kostete: Hutter pr. Pfd. a 0,95—1,05, Hübnereier per Stück 6— 4, 2 Stück — 4, Enteneier 6— 4, Gänseeier 1 St. 10— 4, Käse vr. St. 5—-8 4, Käsematte pr. St. 3 4. Erbsen pr. Liter 17 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr Paar X 0,70—1,10, Hühner pr. Stück X 0,85—1.00, Hahnen pr. St X 0,75-1,40, Enten pr. St. X 1,40-1,80, Öchsensteisch pr. Psd 70—76 4, Kuh- und Rindsteisck pr. Pfd. 62—66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 50-56 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 60 -70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 9,50-10,50 X, Weißkraut pr. Stück — H, Zwiebeln pr. Zentner 11,50—12,00 X, Milch pt. Liter 12 -18 H, Kirschen pr. Pfd. 20—25 4- "Kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 3. Juii, Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre für die neuconfirmitten Gymnasiasten und Stadtschüler. Pfarrer Schlosser. Auszug au# öett Standesaintsregtst-rn der Stadt Gießen. Aasgevare. Juni: 11. Matthias Kaiser, Geschäftsreisender von Wattenheim (Pfalz) mit Katharine Dell, geb. Vogt, Wittwe von Anton Dell dahier. 27. Karl Heinrich Pimper, Schneidermeister dahier, mit Eltsabethe Christiane Schmidt hierselbst. 29. Jacob Friedrich Wilhelm Weißenbach, Schuhmacher dahier, mit Gertraud Hampel hierselbst. Juli: 1. Valentin Karl Heidelbach, Arbeiter dabier, mit Elisabeths Balßer von Rödgen. 1. Jakob Andreas Leonhard, Zuschneider dahier, mit Katharine Eckert hierselbst. Vheschließuttgr«. Juni: 25. Joh. Fried. Ludwig Huntemann, Musiklehrer dahier, mit Maria Susanns Margaretha Appel dahier. Juli: 1. Georg Schmidt, Kutscher dahier, mit Elisabeths Wolf hierselbst. Geborene. Juni: 20. Dem Kaufmann Hermann Zülch ein Sohn. 20. Dem Kaminfeger Eduard Rupp ein Sohn. 24. Dem Kaufmann Paul Röhrle ein Sohn. 28. Dem Handelsmann Friedrich Benner ein Sohn, Karl Philipp. 29. Dem Rentner Liebmann Reiß eine Tochter, Emilie. 29. Dem Uhrmacher Emil Otto ein Sohn. 29. Dem Kaufmann Carl Schäfer eine Tochter. 30. Dem Schuhmacher Wilhelm Kühr ein todtgeborenes Kind männlichen Geschlechts. Gestorbene. Juni: 24. Elisabeth Barbara Paula Lina Battenberg, 16 Tage alt, Tochter von Händler Eduard Battenberg dahier. 24. Christian Malkomesius, 72 Jahre alt, Flurschütz dahier. |27. Peter Kirchner, 43 Jahre alt, Wirth dahier. 28. Cath. Elisabeth.'Schäfer, geb. ‘ Waldschmtdt, 80 Jahre alt, dahier, Wittwe von Brigadier Schäfer dahier. 29. Karl Ludwig Georg Wilhelm Korndölfer, 3 Monate alt, Sohn von Dachdecker Karl jKorndörfer dahier. 30. Robert Emil Karl Lüter, 10 Monate alt, Sohn von Schuhmachermetster Louis Suter dahier. Auszug aus -en Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getränte. Den 25 Juni. Johann Friedrich Ludwig Huntemann, Mufik- lehrer in Gießen, und Marte Susanne Margarethe Appel, Tochter des Steigers Johannes Appel in Gießen. Den 26. Juni. Karl Karpf, Schneider in Gießen, und Helene Funk, Tochter des verstorbenen Forftwarts Johann Jost Funk in Allendorf a. d. Lda. Den 1. Juli. Georg Schmidt, Kutscher in Gießen, und Elisabeth Wolf aus Elbenrod. Getaufte. Den 26. Juni. Dem Schlosser Wilhelm Ranft eine Tochter, Johanna Karoltne Natalie, geboren den 21. Mai. Denselben. Dem Möbelfabrikanten Georg Reiber ein Sohn, Georg Friedrich, geboren den 9. Juni. Denselben. Dem Taglöhner Johannes Wtnnecker eine Tochter, Johanna, geboren den 5. Mai. Denselben. Dem Metzgermeister Hermann Euler Zwillinge, Friedrich Wilhelm und Otto Philipp, geboren den 14. April. Den 27. Juni. Ein unehelicher iSohn, Karl, geboren den 6. Juni. Den 29. Juni. Dem Uhrmacher Fritz Scharmann eine Tochter, Elisabeth Anna, geboren den 19. Mai. Beerdigte. Den 26. Juni. Johannette Petri, Tochter des verstorbenen Weißbindermeifters Alexander Peter Petri, alt 56 Jahre, gestorben den 24. Juni. Denselben. Christian Malkomesius, Flurschütz i. P., alt 72 Jahre, gestorben den 24. Juni. Den 28. Juni. Peter Kirchner, Wirth, alt 43 Jahre, gestorben den 27. Juni. Brodpreife vom 3. Juli bis 17. Juli^l8S2. Bei de« BLcker«. 4 1 Kgr. (2 Pfd.) Taselbrod.............32 2 , (4 „ ) , ..............64 1 , (2 „ ) Weißbrod..............30 2 „ (4 , ) , ..............60 1 „ (2 „ ) Schwarzbrod...........• . 28 2 „ (4 „ ) ......'........56 3 , (6 „ ) „ .............84 bei Wilhelm Lange.... 82 bei L. Schneider .... 75 Bei den BrodverkLuser«. 1 Kgr. (2 Pfd.) Tafelbrod.............. 2 „ (4 , 1 ............... 1 , (2 , ) Weißbrod.............. 2 „ (4 , ) 1 , (2 „ ) Schwarzbrot»............. 2 , (4 , ) .............. 32 64 30 60 28 56 Gießen, den 2. Juli 1892. Großh. Polizeiamt Gießen. Fresenus. Bekanntmachung. Aufschrift der Postsendungen. Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Puntte zu beachten: 1. Bet Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Poftbeztrk (0., N., NO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbe- zeichnung „Berlin" zu vermerkm. 3. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus dem „Perzeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Poftorte", das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanstalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe deS Staates und bet größeren Staatm des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) 2c.], oder von Gebirgen f(Harz), (Riesengedirge) 2c.] Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie ^(Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.) für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außerdem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Poftan st alt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung . an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffenot Land bez. der LandestheU auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Puntte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Uebertunft der Sendungen an dm Empfänger wesentlich beitragm, und eS liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen. Bankgeschäft 1897 Schulhof & ‘tfomp.G) Marktstrasse 4. QieSSeH Marktstrasse 4. Hausfrauen rc. seht Guch vor, Sonntags sind die Geschäfte nur von V28 bis 9 Uhr Vormittags und von 11 bis 2 Uhr Mittags offen. Temperatur der Lahn und Luft gemessen nach Reaumur am 2. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17 Grad, Luft 19 Grad tat Schatten. Rübsamen'sche Badeanstalt.