Nr. 102 Dienstag den 3. Mai 1892 und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. Hratisöeikage: Hießener Kamitienötätter Vorstehende Uebersicht wird hiermit Ansügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Erhebung der Umlagen in vier Zielen, und Gießen, den 29. April 1892. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Lu«lande« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der ^iehener Anzeiger erscheint täglich. Bitt Ausnahme de« Montags. Die Gießener P« mitten V la l ter »erben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Vierteljähriger Aöonncmentsprei«: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: -ch»tftr«he Ar.7. Fernsprecher 51. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. als richtig bescheinigt und unter dem zwar in den Monaten Juni, August, October und December 1892 erfolgen soll. An allgemeiner evangelischer Kirchensteuer werden von den Angehörigen der evangelischen Kirche pro 1 Mk. Steuercapital 1,6 Pf erhoben Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Publication vorstehender Uebersicht im Großh. Regierungsblatt am 27. l. M. erfolgt ist und daß von diesem Tage an die Trist rum Vorbringen von Reclamalionen lauft, welche gegen die Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind. B " 1 ’ Gießener Anzeiger Aenerat-Anzeiger. bcr sür das Etatsjahr 1892/93 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen ________ Zur Bestreitung der Eommunalbedürfnisie in den Landgemeinden des Kreises Gienen. --Nummer, ii 9t amen der Umlagen auf das gesammte (Sommunal ff eua Capital der Oriseinwohner und Forensen. Sonstige Ausschläge. 1 1 £ ||J Namen der Gemeinden. Umlagen auf das gesammte Communal steuercapital der Ortseinwohner und Forensen. Sonstige Ausschläge. <3D s 3 E -O r- Q Gemeinden. Ausschlag. Beitrag .auf 1 Normal | steuer- Ausschlag Beitrag auf 1 Normal steuer- Bezeichnung der Art des Ausschlags und der i Q Ausschlag. Beitrag auf 1 v* Normal steuer- Ausschlag Beitrag auf 1 jk Normal Bezeichnung der Art des Ausschlags und der 1 Capital. S Capital. 5 Repartitionsnorm. capitaL S capitaL s> Repartitionsnorm. 1 2 Atbach....... Allendorf an der Lahn . JL 1500 5100 ; 15,084 , 35,122 4 4 JL 72C 4 4,961 4 Auf das Steuercapital der ' 44 45 Lollar ....... Londorf....... JL 9000 9000 ! 18,983 35,310 4 4 JL ICK § 12,456 4 Wie Ord.-Nr. 5 a. 3 Allendorf an der Lumda . 5500 15,693 4 IOC 0,387 4 tmmersteuerbaren Objecte. Aus das Steuercapital de 46 47 Lumda....... Mainzlar...... 3340 1200 1 34,114 8,640 4 4 42C 4,304 4 Wie Ord.-Nr. 2. 4 5 Allertshausen..... AUen-Buseck..... 2200 9700 j 50,986 28,735 4 4 a. 97( 4,202 4 Evang. Auf das Grundfteuercapital i 48 49 l 50 Münster...... Muschenheim..... Nieder-Bessingen.... 3500 4850 2000 , 34,095 24,260 16,384 4 4 4 101C 895 6,338 7,645 4 4 Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 2. 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 13 19 20 21 22 23 24 25 26 Annerod...... Bellersheim..... Bergheim (Feldgemarkung) Beltershain..... Bersrod...... Bettenhausen..... Beuern....... Birklar....... Burkhardsfelden .... Climbach...... Daubrtngen..... Dorf-Gill...... Eberstadt...... Ettingshausen..... Feldheim (Feldgemarkung) Garbenteich..... Geilshausen..... Göbelnrod...... Grohen-Buseck .... Großen-Linden .... Grünberg...... 3000 8700 2740 2150 5600 6000 5880 800 3100 5400 4320 3000 4000 4100 2300 11000 14400 22338 ' 24,322 28,016 37,089 13,153 22,399 33,924 45,504 22.556 37,127 50,699 19,022 16,715 32,578 34,278 38,849 22,731 20,434 23,237 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 b. 315 350 400 210 1245 802 1000 80 217 350 1492 1,252 1,868 15,166 2,843 7,988 6,481 20,481 0,656 4,011 0,792 1,579 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 Wie Ord.-Nr. 3. Wie Ord.-Nr. 3. Wie Ord.-Nr. 5a. Wie Ord.-Nr. 2. Keine Umlagen. Wie Ord.-Nr. 2. Wie Oid.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 5a. Wie Ord. Nr. 2. Wie Ord. Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 2. 51 i 52 ; 53 54 55 56 1 57 ; 58 1 59 * 60 61 62 63 64 65 i 66 ! 67 68 69 70 Nonnenroth..... Obbornhofen..... Ober-Bessingen .... Ober-Hörgern .... Ober-Steinberg .... Odenhausen..... Oppenrod...... Queckborn...... Rabertshausen .... Reinhardshain .... Reiskirchen...... Rodheim...... Rödgen....... Röthges....... Rüddtngshausm.... Ruttershausen .... Saasen....... Stangenrod..... Staufenberg..... Steinbach . .. 2000 5500 2610 2480 2000 2700 5600 2400 3630 4200 3600 6200 2800 6500 4500 2900 5500 21,783 i 23,791 20,263 13,272 27,914 37,182 29,544 33,787 36 209 25,673 33,427 48,185 36 957 45,782 L 44,942 46,539 22 218 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 95 1262 491 60 a. 170 b. 904 1,418 8,179 34,724 0,871 1,726 11,092 4 4 4 4 4 4 Wie Ord.-Nr. 5a. Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 5a. 3jahr. Voranschlag, Vs aus 1473 Mk. Wie Ord.-Nr. 2. Keine Umlagen. Wie Ord. Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 5a. Keine Umlagen. 27 28 29 Grüntngen...... Harbach....... Hattenrod...... 6800 3200 700 31,137 30,652 7,253 4 4 4 100 0,472 4 Wie Ord.-Nr. 2. 71 - Steinheim...... 1400 8’729 4 a. 610 b. 405 3,827 2,923 4 4 Wie Ord.-Nr. 2. Auf das Steuercapital der 30 Hausen..... . 3300 37^76 4 _ _ Kirchspielsgemeinde Rod- 31 32 33 34 Heuchelheim..... Holzheim...... Hungen....... Inheiden...... 15000 7500 18000 4700 37,355 24,168 24,500 35,532 4 4 4 4 100 200 0,400 1,990 4 4 Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 5a 72 73 74 75 Stockhausen..... Trais-Horloff..... Treis an der Lumda . . Trohe....... 2360 4976 7666 1500 51,413 27,427 28,751 59 708 4 4 4 4 354 491 2,029 2,559 4 4 heim. Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 3. 35 36 Kesselbach...... Klein-Linden..... 3665 7800 34/852 44,269 4 4 164 0,952 4 Wie Ord.-Nr. 2. 76 77 Utphe....... Villingen...... 1200 5000 6^674 22 507 4 4 850 5,112 4 Wie Ord.-Nr. 2. 37 38 Langd ....... Lang-Göns..... 3600 9500 16,934 16,726 4 4 275 2840 1,408 5,090 4 4 Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord. Nr. 2. 78 79 Watzenborn mit Steinberg Weickartshain..... 12000 2450 42472 35 870 4 4 195 0,725 4 Wie Ord.-Nr. 2. 39 40 41 42 Langsdorf...... Lauter....... Leihgestern...... Ltch........ 4000 8500 i 15680 ! 33,431 21,309 14.999 4 4 4 613 1420 1,710 1,501 4 4 Keine Umlagen. Wie Ord.-Nr. 2. Wie Ord.-Nr. 2. 80 81 82 Wettershain..... Wieseck....... Winnerod...... 5050 19000 1027 44,157 36,682 20,851 4 4 4 — — — 3jähr. Voranschlag, Vs aus 43 Lindenstruth..... 2655 । 48,162 4 124' 3,380 4 Wie Ord.-Nr. 5a. 1 3080 Mk. Gießen, den 30. April 1892. Betr.: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen. Die Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir sehen der Einsendung der Berichte über den Zustand der Fortbildungsschulen im verflossenen Winterhalbjahr innerhalb 8 Tagen entgegen. Dieselben sind genau nach folgendem Schema abzufaffen: 1) Zahl der Klassen, 2) „ Lehrer, 3) „ Schüler, 4) „ abgehaltenen Stunden, 5) Vergütung für den ganzen Unterricht abzüglich der Vergütung für Heizung, 6) Leistungen der Schüler, 7) Betragen der Schüler, 8) Zahl der Versäumnisse der Schüler: a. erlaubte, b. wegen Krankheit, c. unerlaubte, 9) Dasselbe wie 8, a, b, c in Procenten % ausgedrückt. v. Gagern. Gießen, den 29. April 1892. Betr.. Die Ausführung des Gesetzes über Aufhebung der Accidenzien. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evang. Kirchenvorstände des Kreises. Mit Bezug auf unser Ausschreiben vom 17. August 1891 — Anzeiger Nr. 192 — und die Bekanntmachung Großh. Oberconsistoriums vom 29. März 1892 — Verordnungsblatt Nr. 7 — weisen wir nochmals darauf hin, daß 1. denjenigen definitiv angestellten Geistlichen, auf welche das Gesetz vom 17. November 1888 in Gemäßheit der §§• 7 und 10 keine Anwendung findet, der Anschlag der Accidenzien aus dem Loealtirckenionds zu bezahlen, 2. bezüglich aller übrigen Stellen der Anschlag in Gemäßheit des §. 5 des Gesetzes mit den übrigen Ertrügen der Pfarrstelle in den Centralkirchenfonds abzuliefern ist, 3. daß die Ganggebühren, wo solche herkömmlich sind, in Gemäßheit des §. 4 des Gesetzes aus dem Loeal- kirchenfonds an den Geistlichen direet zu bezahlen find. Sie wollen sich hiernach bemessen nnd die Kirchen- rechner mit entsprechender Weisung versehen. v. Gagern. Gießen, den 29. April 1892. Betreffend: Die Invalidität^ und Altersversicherung, hier die Entwerthung der Beitragsmarken. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die mit Ausstellung der Quittungskarten re. betrauten Stellen des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 12 April l. I. (Reg.-Bl. Nr. 14) theilen wir Ihnen zur Kennlnißnahme und Nachachtung mit. v. Gagern. Bekanntmachung, die Entwerthung der Beitragsmarken bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung betr. Vom 12. April 1892. Im Anschuß an die diesseitige Bekanntmachung vom 19. Januar 1892 über die Entwerthung der Beitragsmarken bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung wird hiermit Nachstehendes bestimmt: I. Nach Ziffer II. 5 des Bundesrathsbeschlusses vom 22. December 1891 (publicirt im NeichSgesetzblatt Nr. 31) müssen Marken, welche nicht bereits anderweit entwerthet worden sind, entwerthet werden, nachdem die Marken enthaltende Quittungskarte zum Umtausch eingereicht worden ist. In diesem Falle ist zugleich auf der Außenseite der Quittungskarte handschriftlich oder unter Verwendung eines Stempels der Vermerk „entwerthet" zu setzen und dabei die entwerthende Stelle zu bezeichnen. Die vorstehend bezeichnete Verpflichtung liegt denjenigen Krankenkassen, Staats- und Hofbehörden, sowie Gemeindebehörden, bezw. örtlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherungsstellen ob, bei welchen Karten zum Umtausch eingereicht werden. II. Soweit die Einziehung der Beiträge durch Krankenkassen, Staats- und Hofbehörden, Gemeindebehörden oder örtliche Jnvaliditäts- und Altersversicherungsstellen stattfindet /Pos. II. 1 des Bundesrathsbeschlusses vom 22.December 1891^ \Pos. 1.1 der Bekanntmachung v. 19. Jan. 1892, Regb. Nr. 5/ erscheint es im Falle des gleichzeitigen Einklebens einer Anzahl von Marken für eine Erhebungsperiode zulässig, daß die Entwerthung der Marken in der Weise erfolgt, daß das Datum des Entwerthungstags nur auf der letzten Marke angegeben wird, die vor derselben befindlichen Marken aber lediglich horizontal durchstrichen werden. Darmstadt, den 12. April 1892. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz. Finger. Best. Deutscher Reich. Berlin, 29. April. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung über den Nachtragsetat. Abgeordneter Eneccerus bekämpft die gestrigen Ausführungen des Abgeordneten Stöcker und erörtert die Schulfrage auf das Eingehendste. Der Cultusminister Dr. Bosse erklärt, er bestreite die Möglichkeit eines Schuldotationsgesetzes von rein finanziellem Gepräge keineswegs, jedoch würden bei der Discussion alle principiellen Schulsragen wieder hervortreten. Einer Entscheidung über die Schulsrage gehe er nicht aus dem Wege, aber die Stellungnahme zu dem Erlaß betreffend den Religionsunterricht der Dissidentenkinder sei ihm jetzt unmöglich. Abgeordneter Lieber führt aus, Moltke sei dem Centrum nicht als Kirchenvater vorzuhalten, der Fall des Schulgesetzes sei eine Niederlage des Christenthums. Die „Revue des deux mondes“ erkläre, die consessionslose Schule Frankreichs fördere den revolutionären Socialismus. Graf Zedlitz war der erste preußische Minister, der mit seinen Grundsätzen stand und fiel. Der Empfang des Ministerpräsidenten von Eulenburg bei seinem ersten Auftreten durch Zischen erfolgte wegen der Jgnorirung der Mehrheitsparteien Seitens der Regierung. Der Ministerpräsident Gras Eulenburg bekämpfte aufs schärfste die Ausführungen des Abgeordneten Lieber und betonte, das Mißtrauen, daß das Ministerium jemals die Grundlage der christlichen Volksschule verlassen könnte, sei gänzlich unbegründet. Die Weiterberathung der Schulvorlage hätte er im Interesse der Klarstellung der Ansichten lieber gesehen. Abgeordneter Friedberg polemisirt lebhaft gegen den Abgeordneten Lieber. Abgeordneter Porsch erklärt, wer nicht auf dem Boden des Christenthums steht, besorge die Geschäfte des Atheismus, eine Verständigung über die Schulvorlage wäre wohl möglich gewesen. Abgeordneter von Rauchhaupt weist die Bemängelungen seiner gestrigen Erklärung zurück und betont die Selbstständigkeit der (konservativen gegenüber der Regierung. Moltke wäre ebenfalls für die konfessionelle Volksschule gewesen. Gras von Ballestrem hält seine in der in Breslau gehaltenen Rede ausgestellten Behauptungen aufrecht. Abgeordneter Frhr. von Zedlitz legt dar, daß eine Verständigung über die Schulvorlage unmöglich war. Nachdem Abgeordneter Mottly den Standpunkt der Polen dargelegt, wird der Nachtragsetat an die Budgetcommission überwiesen. Nächste Sitzung Montag den 2. Mai. Vorlage betreffend Diensteinkommen nichtstaatlicher höherer Lehrer und Vorlage betreffend die Verlegung des Buß- und Bettages. Berlin, 30. April. Dem „Berliner Tageblatt" wird durch die Aussührungs Commission des deutschen Antisclaverei- Comites aus Deutsch-Ostasrika übermittelt, daß Herr Oscar Borchert, der Führer der Expedition nach dem Victoria Nyanza, erkrankt ist und die Leitung des Unternehmens an den Grasen Schweidnitz abgetreten hat. Berlin, 30. April. Nach der „Kreuzztg." steht der Rücktritt des Kriegsministers gesundheitshalber bevor. Zum Nachfolger soll v. Holleben, Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division, ausersehen sein. Bremerhaven, 30. April. Nach dem Spruch des Seeamts ist die Strandung der „Eider" auf Jrrrhum des Schiffers zurückzusühren, der sich südwestlich seines Bestecks glaubte und vorsichtiger gehandelt hätte, wenn er bei der von ihm unterschätzten Dichtigkeit des Nebels die Fahrt noch mehr gemindert hätte, zumal da er aus dem von ihm ge- gesteuerten Kurse keine Landmarke und Feuer bemerkte, die er bei der angenommenen Dichtigkeit der Kimme hätte sehen müssen- die letzten Lothungen waren offenbar unrichtig. Das Verhalten der Besatzung nach der Strandung war ohne Tadel. Die Thätigkeit der englischen Rettungsmannschaft verdient alle Anerkennung. Der Reichscommissar stellte keinen Antrag. Ausland. Wien, 30. April. Nach den Meldungen polnischer Blätter erwägt die russische Regierung den neuen Vorschlag des Barons Hirsch, binnen 25 Jahren die Auswanderung von drei Millionen Juden zu regeln. Rom, 30. April. Nach einer Meldung aus Forli ist heute vor dem dortigen Gesängniß eine Petarde geplatzt. Der Wache habende Posten schoß aus den muthmaßlichen Attentäter, traf denselben aber nicht. Verletzt wurde bei der Explosion Niemand. Venedig, 30. April. Das Rathhaus in Tarent wurde in die Luft gesprengt. Details fehlen noch. Paris, 30. April. Der Ministerrath sprach sich bell Procession dauerte über 2f/2 Stunden. Menge wurde auf 250000 bis 300000 Zahlreiche rothe Fahnen waren sichtbar. Rednertribünen in Der Einmarsch der Die versammelte Personen geschätzt. Depeschen de« „Bureau Herold*. Hamburg, 1. Mai. Der Schnelldampfer „Bismarck" machte die schnellste bisher bekannte Fahrt nach Newyork - er gebrauchte von Southampton bis Newyork 6 Tage 9 Stunden 28 Minuten. Druffel, 1. Mai. In der Nähe von Mons, auf der Eisenbahnstrecke nachMaubeuge,wurden Dynamitpatronen gesunden. Sidney (Australien), 2. Mai. Eine Versammlung 3000 Arbeitsloser führte eine heftige Sprache- das Blutvergießen wurde vertheidigt. Berlin, 2. Mai. Die Maifeier ist hier überall ruhig verlausen. Paris, 2. Mai. In dreitausendköpfiger Versammlung verdammte der Socialist Lavy unter lebhaftem Beifall energisch die Dynamitattentate. In Fourmier verlief der Tag ruhig- der Deputirte Lasargue wurde in einer Versammlung in der Nähe Fourmiers ausgezischt. Loudon, 2. Mai. An der Mauer des Arsenals zu Woolwich wurde eine Handtasche mit anscheinend Dynami.t und Schießpulver enthaltenden Büchsen gesunden. Darmstadt, 2. Mai. Die Königin Victoria reist heute Abend IO1/* Uhr über Vlissingen nach Windsor, der Großherzog am Mittwoch Abend zum Kaiser nach Potsdam. Die Maifeier ist den bis jetzt vorliegenden Nachrichten zufolge allenthalben ruhig verlaufen. Wir lassen nachstehend die Berichte aus den hauptsächlich in Betracht kommenden Städten folgen: Berlin, 1. Mai. Die socialtstische Maifeier ist äußerlich bis jetzt kaum wahrnehmbar. Die Physiognomie der Stadt ist in Folge des kalten regnerischen Wetters weniger lebhaft als an anderen Sonntagen. Im Lause des Vormittags machten die Socialisten mit Familien mit der Eisenbahn oder n großen Gesellschaitswagen Ausflüge in die Umgegend. Die Männer trugen rothe Tulpen im Knopfloch, die Frauen und Kinder hatten sich mit rothen Bändern geschmückt. Die Zahl der Ausflügler ist aber erheblich geringer als in den Vorjahren, ihr Verhalten sehr ruhig. Hamburg, 1. Mai. Die Maifeier der Socialisten nahm einen guten Verlaus. Der großartige Festzug aller socialisti- chen Vereine, gegen 15,000 Personen zählend, mit massenhaften Standarten und zahlreichen Musikchören, stellte sich längs der Alster in drei großen Colonnen aus und marschirte in Ordnung nach der Rennkoppel aus dem Mühlenkamp, die zum Festplatze eingerichtet ist. Dort concertiren vier Capellen- die Festrede hielt der Abgeordnete Frohme. Die Polizei chloß die Straßen ab, die zu dem Festplatze führen- die Ordnung war musterhaft, keinerlei Störung kam vor. Frankfurt a.M., l.Mai. Das unfreundliche, regnerische und kalte Wetter des heutigen Tages zwang die Arbeiter- chast, von dem geplanten Waldfest „unter den hohen Wartbäumen" abzustehen und die Maifeier in den geschlossenen Räumen der gestrigen Versammlungslocale und sonstiger Gast- wirthschasten zu begehen. Leipzig, 2. Mai. Das Comito will die Maifeier, weil gestern verregnet, nächstenSonntagwiederholen. Nürnberg, l.Mai. Hier herrscht Schneefall. Die Maifeier wurde auf nächsten Sonntag verschoben. Gestern Abend waren zwei Volksversammlungen, die nicht übermäßig besucht waren und ohne Störung verliefen. Wien, l.Mai. Die heute Vormittag von den Arbeitern abgehaltenen Versammlungen sind überall ruhig verlaufen. Einige nahmen gegen die Anarchisten Stellung. Zwei socialdemokratische Versammlungen sind von der Behörde ohne Zwischenfall ausgelöst worden. In allen Versammlungen wurden die bekannten Resolutionen über den achtstündigen Arbeitstag und über die Einführung des allgemeinen directen Wahlrechts angenommen. Hieraus zogen die Socialdemokraten nach dem Prater und die unabhängigen Socialisten nach Döbling. Die Gesammtzahl der Theilnehmer wird auf 15,000 geschätzt. züglich des Verkehrs mit Dynamit gegen die Aenderung der bezüglichen Vorschriften und für strengste Anwendung der bestehenden Gesetze aus. Die Eigenthümer von Dynamit sollen, selbst wenn dasselbe gestohlen würde, verantwortlich gemacht werden. Lyon, 30. April. Heute Vormittag wurden hier acht Anarchisten verhaftet. Petersburg, 30. April. Der Kaiser befahl auf die Vorstellung des stellvertretenden Finanzmtnisters hin an, daß der unter dem Vorsitze Abasas tagenden Commission für die Arbeiten in den Nothstandsdepartements die Frage der Aushebung des Haferausfuhrverbots für die baltischen Häfen vorlegt werde. Die Verhandlung darüber wird in den nächsten Tagen stattfinden. Petersburg, 30. April. Infolge strenger Handhabung desFremdengesetzes werden zahlreiche deutsche Fabrikanten ihre Unternehmungen liquidiren. Liffabon, 30. April. Die Blätter melden, die Polizei habe den Befehl erhalten, die französische Gesandtschaft und das französische Consulat zu überwachen, da Anschläge der Anarchisten befürchtet werden. Newyork, 30. April. In Brockport und Jndianopolis wurden geheime Dynamitfabriken entdeckt. Chicago, 30. April. Hier wurde ein Deutscher Namens Schädler verhaftet, weil er geäußert, am 1. Mai sollten die bereits fertiggestellten Ausstellungsgebäude in die Luft gesprengt werden. totales unb provinzielles, Gießen, 2. Mai 1892. — Wir erhielten nachstehende Zuschrift: DaS „Hessische Evangelische Sonntagsblatt" leistet sich in feiner Nr. 17 folgenden Artikel: „Der Großherzog hat einen Schutzbrief für die Freimaurer erlassen. Derselbe soll aber nur so lange Geltung haben, als sich die Freimaurer „jeder Einmischung in Staatssachen enthalten". Inwieweit diese Einschränkung nothwendig ist, können wir nicht entscheiden. Auch wissen wir nicht, ob es wahr ist, daß der tobende Lärm gegen das preußische Schulgesetz im Freimaurerbunde seinen Ursprung hatte. Man „könnte es aber mit Bestimmtheit behaupten". Es genügte eigentlich, dieses Pamphlet niedriger zu hängen- denn wie nennt man Den im gewöhnlichen Leben, der zwar nicht weiß, ob Etwas wahr ist, aber es doch mit Bestimmtheit behaupten zu können erklärt? Doch wollen wir auf die Sache selbst eingehen, da das „Sonntagsblatt" einen neuen Text zu der alten Melodei der Unkenrufe erfindet, die schon das Ohr König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen umtönten und denen nach eigener Erklärung der Prinz von Preußen, unser unvergeßlicher Kaiser Wilhelm L, wiederholt kräftigst entgegengetreten ist, und da aus einem Schweigen doch vielleicht ein Zugeständniß gefolgert werden könnte. Und so wisse dann das „Sonntagsblatt", daß weder d;r hessische Freimaurerbund, noch der deutsche Großlogenbund, welcher alle deutschen Logen umfaßt, sich um den preußischen Volks- schulgesetzentwurf gekümmert hat, einfach um deßwillen, weil die den Regierungen wohl bekannten Gesetze des Bundes dies den Logen verbieten- der weise Sinn unseres Kaisers und die unzweideutige Stimmung der weitesten Kreise unseres Volkes hat dieses clerical-ultraconservative Machwerk zu Fall gebracht. Daß seine Anhänger ihren Zorn darüber an allen wirklichen und vermeintlichen Gegnern auslassen, ist menschlich und verzeihlich; aber hübsch bei der Wahrheit bleiben müssen sie und dürfen nicht bcnunciren. Die Freimaurer Deutschlands suchen zunächst das Wort desjenigen, den Du, liebes Sonntagsblatt, an der Spitze zeigst, wahr zu machen: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst?" und die hessischen insbesondere erfreuen sich des Ausspruchs Großherzogs Ludwig II.: „Ich schätze die Freimaurer als die besten Staatsbürger- denn ein wahrer Freimaurer kann nur dieses sein" und werden bemüht sein, dieses Fürstenwortes würdig zu handeln. — Am 11. Mai d. I. werden es 600 Jahre, daß ein hessischer Landgraf durch König Adolf von Nassau in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Dieses denkwürdige Ereigniß Madrid, 1. Mai. Die Stadt bietet ihr gewöhnliches Aussehen- die Truppen sind zusammengezogen. Bisher ist weder hier noch in den Provinzen irgend welcher Zwischenfall vorgekommen. Rom, 1. Mai. Vor den Thoren verkehren starke Cavallerie- patrouillen, besonders in der Nähe des Vaticans, über dessen Schutz durch Vermittelung des Marchese Berardi zwischen Nicotera und Rampolla verhandelt wurde. Ebenso werden die Straßen nach den Forts, deren Brücken aufgezogen sind, von Cavallerie bewacht. Eine Versammlung, wo Barzilai reden sollte, wurde verboten, weil die gesetzlichen Erfordernisse unerfüllt blieben, eine andere unter der Bedingung erlaubt, daß nur Vereinsmitglieder Zutritt erhalten und die Vorträge nicht publicirt werden sollen. Wegen dieser und anderer der Verfassung widersprechenden Maßnahmen wird Barzilai das Ministerium interpelliren. Im Ganzen wurden 1200 Mann Verstärkungen aus anderen Garnisonen herbeigezogen. Mailand, 1. Mai. Hier hatte ein großer Theil der Bevölkerung die Stadt verlassen- der Corso war wie aus^ gestorben, man sah keine einzige Equipage. Kopenhagen, 1. Mai. Eine von 50,000 Arbeitern zu Gunsten des Achtstundentages veranstaltete Demonstration verlief ruhig trotz geringer Polizei und 10,000 ftrifenber Arbeiter. Der „Socialbemokrat" hatte die Arbeiter zur Besonnenheit ermahnt. Liffabon, l.Mai. Ein großer Zug marschirte zum Kirch-- hos und legte Kränze aus ein Socialistengrab nieder - es herrscht vollständige Ruhe. New Dort, 2. Mai. 10,000 Männer und Frauen be- theiligten sich an der Maiseier. Es sprachen meist fremde Socialisten. Cadix, 1. Mai. Die Maifeiernden, zahlreich vertreten, wurden von der Polizei leicht zerstreut. Netteste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureao. Potsdam, 1. Mai. Der Kaiser ist gestern Abend Uhr hier eingetroffen. . _ , Die Versammlung dauerte 4 Stunden und faßte Beschlüsse zu Gunsten des internationalen Achtstundentags. Die internationale Tribüne umfaßte deutsche, französische, österreichische, polnische und russische Redner und Rednerinnen. London, 1. Mai. Die heutige Arbeiterdemonstration verlies in voller Ruhe. Die Gewerkvereine zogen in Procession nach dem Hyde-Park, woselbst 16 "" einem weiten Halbkreise errichtet waren. Budapest, 1. Mai. In Folge des Regens fand die Agitation der Socialistenpartei geringe Bethciligung- die Feier verlies ohne Störung. Bern, 1. Mai. Der Arbeiterumzug durch die Stadt verlief ^ohne Störung. Etwa 1500 Personen betheiligten sich. Zürich, 1. Mai. Die Maifeier wurde trotz der naßkalten Witterung begangen. Im Zuge waren 53 Verbände mit etwa 5000 Personen. Paris, 1. Mai. Die Stadt trägt ihr gewöhnliches Aussehen. Nach der Ansicht der Morgenblätter wäre irgend ein ernstlicher Zwischenfall heute nicht zu erwarten, höchstens könnte es an den Punkten, wo (Korporationen sich sammeln wollten, um nach der Salle Favie zur Theilnahme an dem bort ftattfinbenben Meeting zu ziehen, zu leichten Zusammenstößen mit ber Polizei kommen, bie Befehle habe, keinerlei dlufzug zu bulben. Auch bie letzten Nachrichten auS ben Departements lauten beruhigenb.