Nr. 80. Erstes Blatt 1892 Sonntag Den 3 April Der Lietzener >njdger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-. Die Gießener P««itieuötLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Kichener Anzeiger Aenerat-Mnzeiger. Bierteljähriger Abonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 P?g. Nedaction, Expedition und Druckerei: Kchatftratze Ar.7. Fernsprecher 51. Aints» und Anzeigeblatt für den "Kreis Oieszen. Annahme von Anzeigen zu drr Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nu-nmer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamikienökätter. Alle Annoncm-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche* Lhell. Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Steinfurth. Nach Mittheilung des Grobherzoglichen Kreisamts Friedberg ist die Maul- und Klauenseuche zu Steinfurth erloschen. Gießen, den 31. März 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v. Kagern.__________________ Betr.: Den Ankauf von Nemonlen im Jahre 1892. Nachstehende Bekanntmachung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums, Remontirungs-Abtheilung, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Gießen, den 21. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. o. Gagern. Berlin, den 2. März 1892. Bekanntmachung, den Ankauf von Remonten für 1892 betreffend. Zum Ankauf von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Groß- herzogthums für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar: am 22. April in Nidda, ,, 23. „ „ Butzbach, „ 25. „ „ Niederwöllstadt, „ 26. „ „ Reinheim, „ 27. „ „ Bickenbach, „ 28. „ „ Groß-Gerau, „ 29. „ „ Gernsheim, „ 30. „ „ Lampertheim. Die von der Remonte - Ankaufs - Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und fofort gegen Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Ein- lieserung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören, oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschloffen. Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopshalster von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Um die Abstammung der vorgesührten Pferde feststellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu massiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remontedepots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Re- monten der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Versaffung sein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind. Kriegsministerium, Remontirungs-Abtheilung. ___gez. Hoffman n-Scholtz.______________ Gießen, am 22. März 1892. Betreffend: Die Ableistung des Huldigungs- und Ver- faffungseides. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. Die Ableistung des Huldigungs« und Verfaffungseides Seitens der neu ausgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden: 1) der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg gelegenen Gemeinden Donnerstag den 7. April l. I., Vorm. 8 Uhr, in dem Nachhause zu Grün berg; 2) der Orts- und Staatsbürger aus den in dem AmtS- gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Dienstag den 12. April l. I., Vorm. 11 Uhr, in dem Regierungsgebäude (aus dem Brand) zu Gießen; 3) der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts- | gerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden i . Freitag den 6. Mai l. I, Nachm. V/K Uhr, | in dem Rathhause zu Hungen - 4) der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts- I gerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden Freitag den 13. Mai l. I., Nachm. 1 Uhr, ; in dem Rathhause zu Lich. Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. v. Gagern. (befunden: 1 Brosche, 1 Uhrkette, 1 Haarring mit i Goldplättchen, 1 Sammetmütze, 3 einzelne Handschuhe, eine i schwarze Krause, 1 Vorstecknadel, 1 Stück Kleiderstoff, Pauspapier und 1 Vorlage zu Laubsägearbeiten. Gießen, den 2. April 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Lottttsche Wochenschau. Gießen, 2. April 1892. Die dritte Berathung deS Reichshaushaltsetats, welche am Samstag im Reichstage begann, gab in der General- discussion Veranlassung zu einer politischen Debatte in großem Stil, wie sie seit geraumer Zeit im Reichstage nicht mehr stattgesunden hat. In der Hauptsacke bezog sich die Erörterung aus die Neuregelung der Angelegenheiten in Preußen, die insofern eine unmittelbare Bedeutung auch für das Reich besitzt, als der deutsche Reichskanzler nicht mehr zugleich preußischer Ministerpräsident ist. Eine mehr oder minder lebhafte Gegnerschaft gegen diese Neueinrichtung bekundeten die Abgeordneten Eugen Richter, von Bennigsen und von Kardorff (aus der sreiconservativen Partei), welche der Ansicht waren, daß mit der Trennung der obersten Ministerstellen in Preußen und im Reich die Möglichkeit von Conflicten zwischen Preußen und Deutschland geschaffen sei. Dagegen empfahlen Richter und von Bennigsen eine Entlastung des Reichskanzlers durch die Herstellung mehrerer verantwortlicher Reichsministerien herbeizusühren. Nach der bestehenden Reichsversassung giebt es bekanntlich nur einen selbstständigen und dem Reichstage verantwortlichen Reichsminister, den Reichskanzler, neben oder richtiger unter ihm nur Secretäre in den verschiedenen Reichsämtern. In die Verhandlungen über die bezeichneten Versassungsfragen spielten namentlich solche über die Berliner Straßenkrawalle hinein. Während Freiherr von Stumm die Schuld . den socialistischen Agitationen zuschob, machte Richter daraus aufmerksam, daß die Bewegung zum Theil offensichtlich einen antisemitischen Character getragen habe. Von besonderem Interesse in der dritten Etatsberathung war die Entscheidung über die vielbesprochene KreuzercorvetteX um deswillen, weil sie die durch die Wendung der preußischen Regierung in Sachen des preußischen Schulgesetzes herbeigesührte Aenderung der Parteiverhältnisse zu drastischem Ausdrucke brachte. Die ausschlaggebende Centrumspariei, welche sich seither in der Hoffnung aus das Zustandekommen des Zedlitz- Trützschler'schen Schulgesetzes großer Regierungsfreundlichkeit beflissen hatte, stimmte dies Mal seit langer Zeit in einer solchen Angelegenheit zum ersten Male wieder mit der Opposition (den Freisinnigen, der Volkspartei und den Socialdemokraten) und brachte so die Regierungssorderung zu Fall. Es steht zu erwarten, daß die Centrumspartei in Zukunft eine gleiche Frontenstellung einnehmen und hierdurch die Lage der Reichsregierung zu einer recht mißlichen werden wird. Ueberdies scheint neuerdings die liberale Opposition auch da Anhang zu finden, wo dies seither nicht der Fall war. Wenigstens wird der überraschende Ausfall der Wahl in Mecklenburg-Strelitz allgemein als ein sehr bedeutsames Symptom für die politische Stimmung im Volke angesehen. Unsere Leser wissen bereits, daß der deutschsreisinnige Candidat Wilbrandt mit 10 000 Stimmen über den konservativen Grafen von Schwerin gesiegt hat. Diese Thatsache ersährt eine besondere Beleuchtung durch den Umstand, daß der Wahlkreis bis jetzt niemals im Besitze der freisinnigen Partei war und seit 1884 ununterbrochen von Conservativen vertreten wurde. — Der Antrag Menzer aus Erhöhung des Tabakzolles wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, obwohl er bei der zweiten Berathung bei allerdings nicht beschlußfähigem Hause mit einer kleinen Majorität angenommen worden war. Ein vollständiger Umschlag der Stimmung auch bei solchen, welche dem Anträge von vornherein sympathisch gegenübergestanden hatten, war in Folge der eindringlichen Gesuche der Tabakindustrie eingetreten. Bemerkenswerth ist endlich noch die Annahme des Weingesetzes, gegen welches schließlich doch ein Theil der Freisinnigen stimmte, weil der § 7 des Gesetzes nach der Ansicht der Partei zu dehnbar gefaßt ist. Bekanntlich bestimmt § 7/ daß derjenige mit Gefängniß bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark zu bestrafen ist, welcher Wein unter Bezeichnungen feilhält oder verkauft, die „geeignet sind, die Annahme hervorzurufen, daß ein derartiger Zusatz nicht gemacht ist." Im preußischen Abgeordueteuhause ist der neue Minister- präsident, Gras Botho zu Eulenburg, mit so entschiedenen Bezeugungen des Mißfallens von Seiten der Rechten des Hauses empfangen worden, daß man die Behauptung aufgestellt hat, weder Fürst Bismarck sei in den Conflictsjahren als neuer Ministerpräsident so schlecht ausgenommen worden, noch Gras Brandenburg 1848. Die Aufgabe Eulenburgs war allerdings auch ebenso schwierig wie undankbar. Er hatte dem Hause zu erklären, daß der von der Staatsregierung eingebrachte und von der Mehrheit des Hauses gutgeheißene Entwurf zu einem neuen Schulgesetze von der Regierung fallen gelassen werde. — Der Entwurf über die Entschädigung der früher reichsunmittelbaren Familien, welche durch das neue Steuergesetz ihr Privileg der Steuerfreiheit verloren haben, ist im Landtage eingebracht worden und bereits zur ersten Lesung gelangt. Es handelt sich im Ganzen um 13 Familien. Widerspruch gegen die Entschädigung erhebt nur die freisinnige Partei, welche der Meinung ist, daß eine Entschädigung für die Beseitigung einer Rechtsungleichheit nicht angängig ist. In Paris haben neue Dynamitexplosionen stattgesunden. In Folge dessen geht die Regierung nunmehr mit der äußersten Energie vor. Zahlreiche Ausweisungen und Verhaftungen von Anarchisten finden statt. Der Hauptattentäter Ravacholl ist nunmehr auch festgenommen worden. — In Bezug aus die Streitigkeiten zwischen England und Nordamerika über das Recht zum Robbenfang im Behrings- meer ist zu berichten, daß nunmehr eine schiedsrichterliche Entscheidung zwischen den streitenden Mächten vereinbart ist. Das Schiedsgericht soll sich aus 7 Mitgliedern zusammensetzen, von denen je zwei von England und den Vereinigten Staaten, je einer von Frankreich, Italien und Schweden-Norwegen delegirt werden soll. Deutsches Reich. Berlin, 1. März. Der Nachtragsetat, betreffend das Gehalt für den Ministerpräsidenten u. s. w., ist im Abgeordnetenhause zur Vertheilung gelangt. Es werden gefordert 36,000 Mk. als Gehalt für den neuen Ministerpräsidenten, 18,000 Mk. zu Repräsentationskosten, 18,000 Mk. Miethe für eine Dienstwohnung und 60,000 Mk. zur Ausstattung derselben, im Ganzen also 132,000 Mk. Die erste Lesung des Nachtragsetats findet voraussichtlich am 5. April statt und dürste sie sich sehr wahrscheinlich zu einer Debatte allgemeinerer Natur entwickeln. Neueste Nachrichten. WclffS telegraphisches Torrespondenz-vureau. Berlin, 1. April. Das „Deutsche Colonialblatt" enthält eine Verordnung, betreffend die Meldepflicht aller Europäer im deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiete, sowie einen Gouvernementsbesehl, betreffend die Theilung der kaiserlichen Schutztruppe in die eigentliche Schutztruppe und eine Polizeitruppe. Berlin, 1. April. Der Geburtstag Bismarcks wurde heute in zahlreichen großen Städten des Reiches festlich begangen. Graf Waldersee begab sich von Altona zur Beglückwünschung Bismarcks nach Friedrichsruh. Der Fürst empfing zahlreiche Deputationen. Die Capelle deS 9. Jägerbataillons brachte die Morgenmusik. Herne, 1. April. Im Schachte Shamrock 3 wurde heute ein Koh len flöß von 290 Meter Mächtigkeit, ausschließlich 0,30 Bergmittel, ausgeschlossen. Paris, 1. April. Anläßlich des Auöbruchö der Maul- und Klauenseuche in Belgien bestimmte der Ackerbauminister, daß aus Deutschland kommendes und Belgien trän- itirendes, für Paris bestimmtes Schasvieh in den französischen Zollstädten Jeumont und Anor nur unter der Bedingung zu- gelüsten werde, baß dasselbe in von der deutschen Zollbehörde plombirren Wagen ankommt. Paris, 1. April. In der Wohnung Ravach ols wurde bei der HauSsuchling ein Bries vorgesunden, aus welchem hervorgeht, daß Ravachol bis zum 1. Mai 1500 Dynamit- Patronen verschaffen sollte. — Der Complice Ravachols, Mathieu, soll über die Grenze entkommen sein. Der Anarchist Martin et wurde gestern zur Verbüßung einer früheren Strafe verhaftet. Paris, 1. April. Im heutigen Verhör leugnete Ravachol, der Urheber der Explosion in der Rue Clichy zu sein. Bei seiner (Konfrontation mit zwei Complicen, welche ihn beschuldigten, Höllenmaschinen sabricirt zu haben, beharrte Ravachol bei seinem Leugnen und warf den Complicen Feigheit vor. Es kam zu einer höchst erregten Scene. Madrid, 1. April. Vier Franzosen, anarchistischer Umtriebe verdächtigt, sind aus Spanien ausgewiesen worden. Petersburg, 1. April. Dem Reichsrath ist ein neues Gesetz zugegangen, betreffend die Bestrafung derjenigen Personen, welche Staatsgeheimnisse verrathen. Petersburg, 1. April. Ein allerhöchster Ukas wird veröffentlicht, welcher die Ausfuhr des Weizenmehls aus den Häsen des Schwarzen und Asowschen Meeres nach dem Auslande unter der Bedingung gestattet, daß für die ausgesühne Menge Weizenmehl die gleiche Gewichtsmenge Weizenkorn in Rußland wieder eingesührt werde. Depeschen be« „Bureau Herold*. Berlin, 1. April. Der Kaiser schenkte dem von seiner Petersburger Reise zurückgekehrten russischen Botschafter Schuwalow sein Bild, welches den Kaiser in der Uniform des Kaiser-Alexander-Grenadier-Regiments darstellt. Man bringt das Geschenk mit der Thätigkeit Schuwalows in Petersburg in Zusammenhang. Berlin, 1. April. Der Centralvorstand der nationalliberalen Partei veröffentlicht eine Einladung zu dem Parteitag am 22. Mai in Eisenach. Breslau, 1. April. Der Reichstagsabgeordnete Fritz Kunert wurde sofort nach dem Sessionsschluß hier verhaftet zu der bisher nicht möglich gewesenen Strafvollstreckung. Bremerhaven, 1. April. Der Lloyddampser „Oldenburg" wurde mit 2485 Passagieren nach Baltimore expedirt. Dies ist die größte Anzahl von Passagieren, welche der Dampfer je beförderte. Paderborn, 1. April. Zum Weihbischos wurde Domdechant Gockel, Landdechant W o k e r-Halle zum Domcapitular ernannt. Berlin, 2. April. Der Militärposten vor der Kaserne des 3. Garderegiments z. F. wurde um Mitternacht von einem Individuum geneckt, thätlich angegriffen und mit dem Meffer bedroht. Das Individuum siüchtete, trotz wiederholten Anrufs. Der Posten schoß, das Individuum wurde schwer verletzt, eine zweite, vor dem Flüchtenden befindliche Person wurde leicht verletzt. Ludwigshafen a. Rh., 2. April. Die große chemische Fabrik in H o ch s p e y e r steht seit heute Nacht i n F l a m m e n. Wegen der großen Hitze werden die Eisenbahnzüge auf andere Linien übergeleitet. Die Ursache ist jedenfalls das Umfallen eines Mastes der electrischen Beleuchtung. Cocalcs unö provinzielles. Gießen, 2. April 1892. Abschieds Concert. Die heutige Nummer enthält das Programm des Abschiedsconcertes von Herrn Dr. L. Stollbrock. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges. Herr Concertsänger Petersen aus Hanau, der im letzten Concert des Kirchengesangvereins sich als trefflicher Künstler gezeigt hat, übernimmt die Baritonsolos. Die Chorlieder werden vom Liederkranz gesungen, den Jnstrumentalpart führt unsere Militärcapelle aus. — Eine ausführliche Besprechung der in dem Concert zur Aufführung gelangenden Compositionen werden wir noch bringen. — Um Interessenten Gelegenheit zu bieten, den vielbesprochenen „Pneumatic" besichtigen zu können, hat Herr Wilh. Hamel, Bleichstraße Nr. 7, im Erker bei Herrn Aug. Voigt, Seltersweg Nr. 46, verschiedene Räder de/ weit und breit berühmten Firmen Seidel & Naumann, A. Opel & Gebr. Reichstein auf einige Zeit ausgestellt. Es lohnt sich, dieselben zu besichtigen. 3107 — Kirchliche Dieustnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 19. März dem Pfarrverwalter Johannes Waitz zu Vilbel, Decanat Rod- he:m, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen. — Ueber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Ferdinand Anthes aus Brensbach, Ludwig Bär aus Frankfurt a. M., August Frey aus Gräsenhausen, Georg Groth aus Wenings, Wilhelm Jost aus Nieder - Ohmen, Heinrich Kullmann aus Schotten, Friedrich Landmann aus Erbach i. O., Friedrich Schmiß aus Geinsheim, Ludwig Scriba aus Darmstadt und Heinrich Zinn aus Heblos. -ät. Neu-Ulrichstein, 1. April. Monatsbericht der Arbeiter - Colonie pro März 189 2. Ende d^rz 1892 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 77 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 16. Königreich Preußen: Berlin 1 Provinz Brandenburg 2, Provinz Hannover 1 Provinz Sachsen 1, Provinz Schlesien 1, Provinz Posen L Provinz Rheinlande 6, Provinz Westfalen 1, RegierunaS- beM Kassel 13, Regierungsbezirk Wiesbaden 7.' Königreich Bayern 6, Königreich Württemberg 1 , Königreich Dachsen 4; Großherzogthum Baden 4, Großherzogthum Mecklenburg 1; thüringische Staaten 7. Ausland: Oesterreich 2, Schweiz 2. Hiervon waren: Arbeiter 33, Bäcker 3, Brauer 1 , Bürstenmacher 1, Cigarrenmacher 1, Dreher 2, Eisenbahnbeamter 1, Eisendreher 1, Färber 1, Flößer 1, Former 2, Kaufleute 4, Kellner 1, Kernmacher 1, Lederarbeiter 1, Maschinenschlosser 4, Maurer 1, Porteseuille- arbeitcr 1 , Sattler 1 , Bauschlosser 1 , Schmiede 2, Schneider 5, Schuhmacher 3, Tapezirer 1, Tischler 1, Tuchmacher 1, Tüncher 1, Zimmerleute 1. Im Monat März wurden entlassen 48 Mann, und zwar aus eigenen Wunsch 43, in die Familie zurück 1, in Arbeit durch die Verwaltung 4. Verpflegungstage im März 1892: 2597. Gearbeitet wurde an 2279 Tagen, hierunter 144 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 1926 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1849; bleibt Bestand 77 Mann. Darmstadt, 1. April. Geh. Medicinal-Rath Professor Riegel aus Gießen und Geheimrath Eigenbrodt aus Darmstadt constatirten gemeinschaftlich, daß das Befinden des Prinzen Alfred von Edinburg sich wesentlich gebessert habe. Darmstadt, 31. März. Aus der Sitzung des Eisenbahn beirath es. Den ersten Gegenstand der Berathung bildete der Antrag der Handelskammer Offenbach, die Frühjahrs- und Herbst Sitzungen zu einem früheren Termin zu berufen, um beantragte Fahrplan-Aenderungen noch berücksichtigen zu können. Im Falle alsdann die Fahrplan-Entwürfe Seitens der betreffenden Eisenbahn-Direction noch nicht vorliegen sollten, wird es als ausreichend erachtet, wenn von Letzterer Mittheilungen über beabsichtigte Zug- Aenderungen gegeben werden. In diesem Sinne sand der Antrag Unterstützung und Annahme. — Die Handelskammer Gießen beantragt, die Direktion der Oberhessischen Eisenbahnen anzuweisen, daß gemäß der Hebung anderer Verwaltungen auch aus den Stationen jener Bahnlinien im Wartesaal abgerufen werde. Der Antrag sand die Zustimmung der Versammlung. — Der Antrag Frankfurt a. M., „den Personen-Kilometer für Arbeiter-Fahrkarten" — gemäß der Bestimmung der Preußischen Staatsbahn-Verwaltung — auch auf der Main-Neckar- und Hessischen Ludwigsbahn auf 1 Pf. (seither 1,3) herabzufetzen, begegnete dem Widerspruch der beteiligten Direktionen, indem deren Vertreter auf das finanzielle Opfer binwiesen, welches ihnen dadurch erwachse und besonders gegenüber den zur Zeit bestehenden Minderergebnissen der Betriebseinnahmen bedenklich erscheine. Die Versammlung entschied sich im Sinne des Antragstellers (Commerzienrath Haurand), wobei der ethische Gesichtspunkt entscheidend war, den Arbeitern die Heimkehr in ihr ländliches Heim zu erleichtern. — Ein Antrag, Arbeitern in Garbenteich und Lich den F»rühzug von dort statt um 615 schon 512 in Gießen einlaufen zu lassen, gelangte nicht zur Annahme, da hierdurch andere Interessen geschädigt würden, namentlich auch aus Rücksicht auf die zahlreichen Schüler, welchen dieser Zug dient, eine Früherlegung nicht angängig sei. Vermischtes. * Frankfurt a. M., 1. April. Gestern erschien bei einem Arzt auf der Zeil Nr. 74 ein junger, kürzlich erst verheirateter Postbeamter, um den Doctor über feinen Gesundheitszustand zu Rathe zu ziehen. Der Arzt kam nicht dazu, seine Diagnose zu machen und sein Urtheil abzugeben, denn plötzlich brach der Patient vom Schlage getroffen tobt zusammen. * Metz, 28. März. Dieser Tage starb hier eine edle Wohltäterin der Armen, die Baronin de l'Epee, eine Nichte des bekannten hochherzigen Taubstummenvaters Abbe Charles de l'Epee. Sie besaß ein Vermögen von mindestens dreißig Millionen Francs, dessen Einkünfte sie zum größten Theile für wohlth-ätige Zwecke verwandte. * Wien, 1. April. Im Jahre 1885 wurde im steyrischen Bezirk Berkfeld der Bauer Holzauer vorn Grazer Schwurgericht zum Tode verurtheilt, jedoch zu 20jährigem Kerker begnadigt. Nunmehr hat sich in Folge der Recherchen eines Gendarmen seine Unschuld herausgestellt. Der oberste Gerichtshof verfügte die sofortige Freilassung. Verkehr, Land« «nd Volkrwirthschaft. -»^dietzen, 2 April. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt Mete: Butter pr Pfd. * 0,95-1,00, Hübnereier per Stück 5 4, 2 St 11- 4. Enteneier 7- 4, Gänseeier 1 Sb 11-12 4, Käte pr St. 5-8 4, frftfematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter — 4, Zinsen vr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar ** 0,60—1,00, Hübner pr. Stück -X 0,85—110, Hahnen pr. St 1,30- 2,00, Enten pr. St. A 1,50—1,80, Ochsenfleisch pr. Mo 70-76 4, Kub- und Rindfleisch pr. Pfd. 62—66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kalbfleisch pr. P d 50-56 4, Hamme sie sch pr. Pfd. 60 70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,50-8,00 T H krau» di. St. 4-10 4, Zwiebeln pr. Gentner 10,00—12,00 a, Milch pv. Liter 12—18 4 Auszug aus den Standesanitsregiftern der Stadt (Siesten. cm- wx Aufgebote. März: 30. Hermann Batthase« Martin Carl Schmitt, Schreiner dahier, mit Christina Diehl hierftlbft. 30. Gustav Hofmann, Fub- gendarm dahier, mit Anna Marie Suderleith zu Darmstadt. Eheschließungen. ö 'vaTL..^P- Wilhelm August Becker, Photograph dahier, mit •ml*»Wilhelmine Werner Hierselbst. 30. Philipp WrÄ4m'r®mHD,ad,et mit Margarclhe EUsabclh Wallh-r, geb. Bremer, Wtttwe von Steuerbote Hermann Walther Hierselbst. Geborene. oq Wirth August Friedrich Albold ein Sohn. Dem Schuhmacher Christian Heinrich Hergemöther em Sohn £5- ^^rr^^^Endarmen Heinrich Koppel em Sohn, Heinrich Friedrich Philipp. 27. Dem Privatier Ludwig Schmidt I. eine Tochter Karolrne. ' Gestorbene. Mär-: 25. Karl Franz KauS, 44 Jahre alt, Postsecretär dahier. 25. Friedrich August Koch, 69 Jahre alt, Kaufmann dahier. 25. Rudolf Bergmann, 25 Jahre alt, Schreiner dahier. 26. Adam Schneider, 08 Jahre alt, Taglöhner dahier. 27. Johannes Hedderich, 58 Jahre alt Taglöbner dahier. 27. CaSpar Kockerbeck, 38 Jahre alt, Architect dahier. 27. Heinrich Georg Julius Horn, 1 Jahr alt, Sohn von Bäckermeister Jacob Horn dahier. 29. Ludwig Schmitt, 8 Monate Kt, Sohn von Schmied Christoph Schmitt dahier. 29. Theodor 0 » SSIk Friedrich Damm, 38 Jahre alt, Steindrucker dahier. 29. Wilhelmine Kirstein, geb. Helfrich, 73 Jahre alt, Wtttwe von toeomotipfubrer i. Pst Johannes Kirstein dahier. 29. Katharine wüi ar!' Bogel, 36 Jahre alt, Ehefrau von Schmied Wilhelm RachtigaU dahier. 29. Jobs. Schütz, 58 Jahre alt, Bergmann von ? » rbiel. 30. Heinrich Brück, 1% Jahre alt, Sohn von Gaftwirth Heinrich Brück von GroßewBuseck. 30. Willy Eichhorn, 41/2 Jahre alt, ö°bn von Fuhrmann Konrad Eichhorn zu Wetzlar. 30. Wilhelm Weidtmann, 63 Jahre alt, Sattler dahier. 31. Anna Margarethe o ?' 11 Monate alt, Tochter von Schneidermeister Georg Wilhelm babier ' le $acob Wagner, 48 Jahre alt, Hospttalit Auszug aus -en ALiechenbüchevu der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Getränte. Am 30. März. Philipp Michel, Schuhmacher zu Gießen, ein Wittwer, und Margarethe Elisabeth Walther, geb. Brömer, Wtttwe des Steuerboten Johann Christian Martin Hermann Walther zu Gießen. « August Becker, Photograph zu Gießen, und Ka harine Philippine Elise Wilhelmine Werner, Tochter des Schreinermeisters Christian Werner zu Gießen. Odanfte* o ir 27, B^ärz. Dem Schriftsetzer Adolf Hmsel eine Tochter, Luise Johanna Elisabeth, geb am 19. März. Dens. Dem Tapezier Johann Klinkerfuß eine Tochter, Mathilde Helene, geb. am 23. Februar. Dens. Dem Inspektor Julin« Löbermann eine Tochter, Juliane Marie Henriette, geb. am 9. Februar. Dens Dem Schreiner Carl Horn ein Sohn, Carl August Daniel Heinrich, geb. am 5. Januar. Am 29 Ma z. Dem Inspektor Heinrich Krieb eine Tochter, Adolfine Emilie Auguste, geb. am 9. März _.Am 1. April. Ein außerehelicher Sohn, Anton, geb. am 16. Februar. Beerdigte. Am 27. Marz. Christian Dechert, städtischer Arbeiter, lediger Aobn des verstorbenen städtischen Arbeiters Christian Dechert, alt 51 Jahre, starb am 24. März. u Dens. Dr. Richard Dornseiff, praktischer Arzt, alt 56 Jahre, starb am 25. März. Am 28. März. Rudolf Bergmann, Schreiner, ledig, alt 25 Jahre, starb am 26. März. __ Dens. Friedrich Koch, Kaufmann, alt 70 Jahre, starb am 25. März. 29. ^Zär) Adam Schneider, Backsteinmacher, alt 69 Jahre, starb am 26. März. __ Dens. Johannes Hedderich, Taglöhner, alt 59 Jahre, starb am 27. März. Am 31. März. Theodor Tamm, Steindrucker, alt 38 Jahre, starb am 29. März. Dens. Wllhelmine Ki,stein, geb. Helfrich, Wtttwe des Loeo- motivführers Johannes Kirstein, alt 73 Jahre, starb am 29. März- Dens. Katharine Nachtigall, geb. Dogel, Ehefrau deS Heizers Wilhelm Nachtigall, alt 36 Jahre, starb am 29. März. Am 1. April. Johann Georg Nachtigall, DienstkneLt, lediger Sohn des Arbttters Johann Michael Nachtigall zu Haunsheim, alt 22 Jabre, starb am 30. März. Dens. Wilhelm Weidtmann, Sattler, alt 63 Jahre, starb am 30. März. Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müfterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. 6L Henneberg, Seideirfabrikarit IK. u. K. Hoflieferant) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1953 /TJ, erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck- ■ Ä* Y | <11 mäßig abgefaßt und typographisch ange. | TJ messen ausgestattet sind, ferner die richtige k * C* Wahl der geeigneten Zeitungen ge- flltrfn ^111111111^11 troffen wird Um dies zu erreichen, wende vwiiij llIIUlliVII man sich an die Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Frankfurt 0. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenftei ertheilt, sowie Jnseraten-Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original'Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparniß an Jn- serationskosten erreicht wird. Vertreter in Kietzen: Heinrich Wallach. 746 Rauchern ist durch die grotze, fach» iflPtt iXOYYOXt männische Auswahl in Cigarren besserer Qualität von 8-20 Pfg. Gelegenheit geboten, in dem hiesigen Ligarren-Speeialgeschäft von Philipp Weiler, Markt 1 vortheilhafter zu kaufen, als von auswärts. — Die von Versandtgeschäften offertrten Cigarren in jeder Preislage werden in Qualität und Billigkeit bei Weitem übertroffen. Es wird gebeten, sich durch einen Versuch zu überzeugen. [105 Wichtig für.Hausfrauen. Bernh. Curt Pechstein, Wollwaarenfabr. in Mühl«» Hausen in Th., fertigt aus Wolle, alten gestrickten, gewebten und anderen reinwollenen Sachen und Abfällen haltbare und gediegene Stoffe für Damen, Herren und Kinder, sowie Stoffe zu Portieren in den modernsten Mustern bei billigster Preis- stellung und schnellster Bedienung. [1395 Annahme und Musterlager in Gietzen bei L. Mühlhausen, Westanlage 43. □0000000000000000000(1 0 'S. ^pornflauer 8 a Neuenweg 17 Glessen Neuenweg 17. 224 0 V Herren- und Knaben-Contection, Damen- v p u. Mädchen-Contection, Manufacturwaaren. Q QOOOOOOOOOOOOOQOOOOOS