Nr. 230 Erstes Bla« Sonntag den 2. Oktober 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamitienötälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Aeneral-Anzeiger. Vierteljähriger Abannementspreir: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchutstraße Wr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren. I Hratisöeilage: Gießener JamilienSkäM.^! vom 1. October 1893 bis 31. März 1899 dem Bundesrath zugegangen sei. Berlin, 1. October. Der Kaiser wird voraussichtlich selbst den Relchsrag eröffnen. Men, 30. September. Gelegentlich der Anwesenheit des Deutschen Kaisers ordnete der Kaiser von Oesterreich die Veranstaltung eines Caroussels in der in der Burg befindlichen Winterstallschule an. Brüffel, 30. September. Heute treten die Comites der deutschen, französischen, holländischen und belgischen Inhaber von portugiesischen Staatspapieren zusammen. Zwecks Einkassirung der verfallenen Coupons erhalten die Inhaber ein Document, welches ihre Rechte gegenüber Portugal für nicht bezahlte Raten vollständig reservirt. Berlin, 1. October. Die „Nationalzeitung" will wissen, die Militärvorlage sei vorgestern dem preußischen Staatsministerium zugegangen. Für die Zeit bis 31. März 1899 werde die Jahresdurchschnittsstärke an Gemeinen und Gefreiten, nicht wie bisher die Maximalstärke festgestellt, während die Zahl der Unteroffiziere alljährlich im Etat nor- mirt toer'eu solle. Die zweijährige Dienstzeit soll für die Infanterie, ausgenommen bestrafte Mannschaften, als Regel angenommen werden. Tbeil. Edictalladung. 'Nachdem wider den Musketier Karl Schultheiß der 4. Compagnie Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (Nr. 116), geboten am 9. November 1869 zu Paris, der förmliche Desertionsprozeß eröffnet worden ist, wird derselbe hiermit ausgefordert, sich sofort bei seinem Truppentheil zu gestellen, spätestens aber in dem auf Donnerstag den 19. Januar 1893, Vorur. 10 Uhr anberaumten Termin vor dem unterzeichneten Gericht zu erscheinen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschlossen, er in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von Einhundertundfünfzig bis Dreitausend Mark verurtheilt werden wird. Darmstadt, 24. September 1892. Gericht der Großherzoglich Hessischen (25.) Division. Gefunden: 1 Laterne, 1 Rosenkranz, 2 Bücher, 1 Säbelscheide, 1 Wagenkapsel, 1 Hacke, 1 Stück Kette, 1 eiserner Ring, 1 Armreif, 1 Kinderschuh, 2 Firmenschilder, 1 Taschentuch, 1 Dreschflegelhut, 1 Haarpfeil, 1 Tuchschuh, 1 Hundehalsband, 1 Thermometer, 1 Kinderjacke, 1 Portemonnaie mit Inhalt. »gelaufen: 1 Stallhase, 1 großer Hund, ugeflogen: 1 Kanarienvogel. Gießen, den 1. October 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. 2Ie am 1. October 1892. Zur Verhandlung kommt die Stras- l fache gegen Heinrich Wend erholt von Homberg an der Efze wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Die Anklage । vertritt ber Großh. Erste Staatsanwalt Jockel, verlheidigt wird der Angeklagte vom Rechtsanwalt Holzapfel, als Ge- , schworene wurden ausgeloost die Herren: Jacob Schneider IV., Leonhard Lang, Wilhelm Braun, Johannes Fritzel, .Wilhelm i Ries, Wilhelm Jacob Küchel, Heinrich Becker II., Wilhelm ' Rabenau, Eduard Kretschmann, Bernhard Küchel IV., Heinrich Roemer VI. und Freiherr Adolf von Harnier. — Heinrich Wenderholt ist eines Verbrechens gegen § 177 des Strafgesetzbuchs angeklagt. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Oeffenllichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen (Obmann: Freiherr Adolf von Harnier) die gestellte Schuld- srage bejaht, mit der Berurtheilung des Angeklagten in eine Zuchthausstrafe von drei Jahren, unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Unter sothanen Umständen hatte Herr Cyrus Alexander Brown das Glück mit einem enischlossenen Streiche herausgefordert. Durch einen fach- und weltkundigen Ingenieur, Herrn John Lincoln Myers, hatte er sich über die Beschaffenheit der noch zu vergebenden Minen „da unten" vergewissert und zugleich mit dem Oberst Diego Panza y Mate Verbindung angeknüpft. Die Minen erwiesen sich als überaus vielversprechend, und daraufhin war durch Herrn Myers ein kleiner, schweigsamer, redlicher Vertrag zu Stande gekommen welcher lautete: ' //Herr Cyrus Alexander Brown liefert dem Oberst Don Diego Panza y Mate 200 Sack Weizen. Wenn die Saat nach Wunsch aufgeht, erhält Herr Cyrus Alerander Brown aus zehn Jahre die Fuchsjagd im Revier San Pueblo y Jago." Nur die drei Betheiligten wußten, daß die 200 Sack Weizen ebenso viele Tausend Dollar-Anweisungen zum Zwecke der Anwerbung und Besoldung einer kleinen Armee von „Patrioten" waren und daß die Fuchsjagd eine nach dem Siege des edlen Obersten zu ertheilende Concession auf die Minen von San Pueblo y Jago bedeutete. Die Sache war im schönsten Gange. Heute war dem Obersten das Geld überwiesen worden. Der Unterhändler hatte 10000 Dollar Provision erhalten) Das Feld war gedüngt, — daß zur weiteren Düngung vielleicht auch noch das Blut einiger Hundert Creolen, Mischlinge, Neger und Indianer fließen sollte, kümmerte Herrn Cyrus Alexander Brown wenig, — und nun sollte die Saat aufsprießen. In vierzehn Tagen sollte die Sache losgehen. Und sie ging auch pünktlich los. Erst erschienen in dem ^New-Uork Herald" und der — Sitzung Großh. Handelskammer vom 20. September 1892 Anwesend waren die Herren: Scheel, Heichelheim, Klingspor, Katz und Wortmann. - Der Kammer liegt der Entwurf eines Check-Gesetzes für das deutsche Reich zur Begutachtung vor. Die Kammer beschließt eine Reihe von Abänderungsvorschlägen, welche Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Gutfleisch zur eventuellen Vertretung im Reichstage mitgetheilt werden. — In den Handelsberichten der Kaiserl. Consulate zu Mexico und San Jose de Costa Riea für das Jahr 1891 wird darauf hingewiesen, wie die deutsche Industrie am geeignetsten der Coneurrenz der Vereinigten Staaten an diesen Plätzen begegnen könnte, ferner wird in beiden Berichten darüber Klage geführt, daß die von deutschen Firmen gelieferten Maaren in der Qualität wiederholt schlecht ausgefallen seien und daß insbesondere bei Bestellungen nach Probe die Nachlieferung nicht immer den vorangegangenen Mustersendungen entsprochen habe. Ein derartiges Verfahren müsse aber den Ruf der deutschen Industrie im Auslande schädigen. Wir theilen dies Interessenten mit dem Anheimgeben mit, sich durch Einsicht des aus dem Bureau der Kammer befindlichen Auszugs aus den betreffenden Berichten nähere Informationen zu verschaffen. — Im Auftrage des Ungarischen Handelsministers wird durch das Königl. Ungarische Landesstatistische Amt demnächst ein vollständiges Namens- und Wohnungs-Verzeichniß der Gewerbe- und Handelstreibenden Ungarns herausgegeben werden. Der Preis des Werkes ist zufolge dessen großer Dimension (200 bis 220 Bogen) und der kostspieligen Ausstattung im Pränumerationswege mit 10 Gulden sestgestellt, während der Ladenpreis 15 Gulden betragen wird. Der Pränumerations-Ausruf liegt auf dem Bureau der Kammer zur Einsicht und Bedienung der Jntereffenren offen. — Es gehen uns Nachrichten über die Creditverhältnisse in Montevideo und den Absatz -deutschen Paraffins nach Spanien zu. Interessenten wollen sich wegen näherer Auskunft an die Kammer wenden. — Mit dem 15. October wird in unserer Stadt eine weitere Abtheilung für weibliche Ausbildung eröffnet werden. Es ist dieses ein Kochcurs, verbunden mit Haushaltungskunde in der uns bereits Vortheilhast bekannten Alice schule. Wir hoffen, daß derselbe bei den Töchtern unserer Mitbürger ebenso günstige' Aufnahme finden werde, wie der gleiche Cursus in der Mutterschule zu Darmstadt, wo die Töchter aller Stände sreudig die Gelegenheit ergreifen, sich zu tüchtigen Hausfrauen heranzubilden. Wie unsere Kochschule in der Neustadt, in der schon fröhliches und fleißiges Leben herrscht, es sich zur Ausgabe macht, mit geringen Mitteln ein kräftiges und nahrhaftes Mahl bereiten zu lernen, so soll der Cursus in der Aliceschule die bessere bürgerliche Küche umfassen, und selbst die Bereitung seiner Braten und süßer Speisen zu Familienfesten sind in Aussicht genommen, wie auch Einmachen, Kuchen- und Weihnachtsbäckereien. Wir hoffen aus recht lebhafte Betheiligung und sind in diesem Falle zwei gleiche Abtheilungen von je 8 bis 10 Mädchen in Aussicht genommen, von denen jede Abtheilung 3 Tage der Woche von Uhr am Kochunterricht theilzunehmen hätte. Der Cursus wird ein dreimonatlicher sein, und der Preis ist 12 Mark pr. Monat für jede Teilnehmerin. Um das Gekochte zu verwerthen, soll ein Mittagstisch für etwa zwölf Damen damit verbunden werden. Derselbe würde aus Suppe und zwei Gängen bestehen und pr. Tag 70 Pfennige kosten. Kochschülerinnen sowohl als Damen, welche geneigt wären, dort ihren Mittagstisch einzunehmen, sind gebeten, sich bei Frl. Möser in der Aliceschule, oder in deren Wohnung (Schiffenbergerweg 14) anzumelden. — Entwischt. Gestern entwich ein wegen schweren Diebstahls in Untersuchungshaft befindlicher Mensch bei bit Außenarbeit. Bis jetzt konnte derselbe nicht wieder ergriffen werden. — Verhaftet wurde gestern ein alter, schon mit Zuchthaus bestrafter Dieb, der das Stehlen immer noch nicht lassen konnte. — Ein noch die Schule besuchendes hoffnungsvolles Bürschchen, das seiner Stiefmutter einen Geldbetrag entwendete und damit bis nach Köln gekommen war, wurde gestern hier wieder gefänglich eingebracht. — Unfall. Am 28. v. Mts. verunglückte ein hiesiger Dienstknecht dadurch, daß er unter das Rad des schwer beladenen Wagens kam, wodurch ihm ein Bein entzwei- gesahren wurde. — Vom Wochenmarkt. Seit Jahren war die Zufuhr zu dem Wochenmarkte nicht so stark wie heute. Aus dem Brandplatz allein standen 86 Wagen mit Obst, Gemüse und .Kartoffeln. Trotz dieser reichen Zufuhr hielten sich die Preise ziemlich auf der seitherigen Höhe. — Märkte in Oberhesien und Umgebung im October 1892. Lich: 3. Vieh- und Krämermarkt, Echzell: 3. Vieh- und Krämermarkt, Niedergemünden: 4. Vieh- und Krämermarkt, Gießen: 3. Viehmarkt, 4. Vieh und Krämermarkt, Gladenbach: 4. Vieh- und Krämermarkt, Usingen: 4. Vieh- und Krämermarkt, Als sei d : 5. Vieh- und Krämermarkt, Schlitz: 6. Viehmarkt, Lißberg: 10. Viehmarkt, Langsdorf: 10. Vieh- und Krämermarkt, Lauterbach: 10. Vieh - und Krämermarkt, Gedern: 11. und 12. Vieh-und Krämermarkt, .Grünberg: 12. Vieh- und Krämermarkt, Altenstadt: ■ 17. Viehmarkt, Bü dingen: 18. und 19. Vieh- und Krämer- ' markt, Schotten: 18. Vieh- und Krämermarkt, Biedenkopf: 18. Viehmarkt, Wetzlar: 19. Vieh- und Krämermarkt, ^Butzbach: 20. Vieh- und Krämermarkt, Marburg: 20. ! Schweinemarkt, Heldenbergen: 21. Viehmarkt, Friedberg: 25. Pferde- und Fohlenmarkt, Gießen: 25. und 26. Vieh- ; und Krämermarkt, Ober-Seemen: 25. Vieh- und Krämer- \ markt, Fulda: 25. und 26. Vieh- und Krämermarkt, Gelnhausen: 25. Viehmarkt, Homberg a. d. Ohm: 26. Vieh- und Krämermarkt, Friedberg: 26. Vieh- und Krämermarkt, Ruppertenrod: 27. Vieh- und Krämermarkt, Orten berg: 31. Pserdemarkt, Okarben: 31. Krämer- ' markt, Usingen: 31. Vieh' und Krämermarkt. n. Heuchelheim bei Gießen, 1. October. Bei der am 28. September dahier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Herr Kreiling mit 227 Stimmen wiedergewählt. Ein Gegencandidat war nicht ausgestellt. Der Ausfall dieser Wahl, wodurch die Leitung unseres Gemeindewesens wiederum auf 9 Jahre in die Hände eines um die Gemeinde verdienten Mannes gelegt ist, hat bewiesen, in welcher Weise Herr Kreiling es verstanden, sich die Liebe und Verehrung seiner Mitbürger zu erwerben und zu erhalten. Möge es uns daher vergönnt sein, denselben noch recht lange zum Wohle der Gemeinde an deren Spitze stehen zu sehen. Friedberg, 29. September. Die von dem Armenfonds i der Stadt errichteten Arbeiterhäuschen sind nunmehr , alle unter Dach gebracht und die meisten derselben schon ver- ; mierhet. Es ist beabsichtigt, daß die Häuschen gegen ein- ; malige Anzahlung und jährliche Abrentung gelegentlich der ' Entrichtung des Miethzinses allmählich in das Eigenthum des Miethers übergehen. Büdingen, 28. September. Ein bemerkenswerthes Jagd- , stückle in hat sich unlängst hier ereignet. Der als ausgezeichneter Schütze bekannte Jagdliebhaber W. war nämlich auf einem Pürschgang, aus dem ihm das Jagdglück nicht besonders hold war, beim Rückweg aus eine Lichtung, nahe am Waldrand, gerathen, da sieht er mit einem Male in einiger Entfernung die Gestalt eint§ Thieres. Soweit er das bei j dem leichten Nebel zu erkennen vermag, hat er hier einen wunderschönen Rebbock in der Schußweite seiner Flinte. Das ; Gewehr geladen und abgefeuert war eins — aber wxr beschreibt fein Entsetzen, als er beim Nähertreten vor sich ein verendendes Kühlein liegen sieht, das .ein nahewohnen^er Bauer zum Weiden hier angebunden hatte. Das unangenehme i Nachspiel war die Zahlung von 220 Mk. Entschädigung an den Eigenthümer des „Wildes". Worms, 29. September. Gestern sand dahier die Neuverpachtung der Schiffbrücke auf drei Jahre statt. Die । drei Höchstbietenden waren: Hartie-Coblenz mit 26,400 Mk., > Diehl-Worms mit 27,000 Mk. und Strohe-Köln mit ' 27,100 Mk. Vermischtes * Frankfurt a M., 30. September. Die Zufuhr von Kelterobst ist eben sehr bedeutend. In Sachsenhausen wurden am Dienstag 160, am Mittwoch 170 Wagen ver„World" kleine Depeschen, des Inhalts, daß sich in dem Staate da unten „eine bedenkliche Gährung" zeige. Das war das Säuseln vor dem Sturme. Dann kamen längere Depeschen: beide Präsidentschasts-Candidaten begannen „zur Sicherung der Verfassung" Truppen zusammenzuziehen,- „das Volk" war „in größter Aufregung", die ausländischen (Son)uln desgleichen. Der Bürgerkrieg stand vor der Thür. Natürlich erschienen gleichzeitig in mehreren großen amerikanischen Zeitungen Artikel, welche die Persönlichkeit und das Recht des edlen Obersten Don Diego Panza y Mate bis in den Himmel erhoben. Dafür hatte Herr Cyrus Alexander Brown schon gesorgt. Aber völlig gleichzeitig tauchten in mindestens ebensoviel großen und unparteiischen Blättern Artikel auf, welche dem General Don Agostino Aguavita das Vertrauen und die Sympathie aller gesitteten Menschen aussprachen. Also hatte James Washington Smith doch schon Lunte gerochen? Nun, um so fühlbarer mußte für ihn der Hereinfall fein. Mit Zeitungsartikeln liefe sich jetzt nichts mehr gegen die „200 Sack Weizen" machen. Schien es doch schon, als ob die Gegenpartei „da unten" ohne Kampf das Feld räumen wolle. Denn die Depeschen sprachen bereits von einer Einstellung der Rüstungen. Mit heiterem Behagen, aber äußerlich kühl, machte sich Herr Cyrus Alexander Brown auf, um mit einem gewiegten Justitiar die möglichst vortheilhaste Gründung der neuen Minengefellschast vorläufig zu erörtern. Die Berechnungen des Ingenieurs John Lincoln Myers legte er als Grundlage vor. „Well,“ sagte der Justitiar, „das ist seltsam." „Sie meinen, Sir?" antwortete Mr. Cyrus Alexander Brown. „Well/ bemerkte der andere, „es ist nichts, als daß Mr. James Washington Smith mir bereits gestern denselben Plan unterbreitet hat." „Indeed ? Oh! Ganz denselben?" „0 no! Nicht ganz. Der Mann da unten hieß anders. Lassen Sie einmal sehen. — Für James Washington Smith hat Mr. Myers mit dem General Aguavita verhandelt. — Calculire, Mr. Myers hat Sie nicht reell bedient." „Well, ich denke so," erwiderte Mr. Cyrus Alexander Brown und entfernte sich nachdenklich. Im Hausflur begegnete er seinem Concurrenten, Mr. James Washington Smith. Sie schüttelten sich die Hände. „How do you do?“ fragte Mr. Smith. „How do you do?“ antwortete Mr. Brown. „Well, Mr. Brown," fuhr Smith fort, „haben Sie die neueste Depesche von da unten gelesen?" „Well, ich weiß es nicht," entgegnete Mr. Brown und nahm das Papier, welches ihm Mr. Smith hinrelchte. Die Depesche aber, so wie sie noch selbigen Abend in den Zeitungen aus dem knappen Kabeltelegrammstil ins Würdige übersetzt zu lesen war, lautete wie folgt: „Dank der hochherzigen und opferwilligen Gesinnung der beiden Präsidentschafts-Candidaten ist der Staat vor dem drohenden Bürgerkriege bewahrt geblieben. Die Gegner haben sich versöhnt. Die Wahlen vollziehen sich in völliger wogen. Das Obst stammte aus Sachsenhausen, Dietzenbach, Dreieichenhain, Sprendlingen und anderen benachbarten Ortschaften. Der jetzige Preis ist durchschnittlich 9 Mk. per Malter. * Mannheim, 30. September. Im Rhein wurden die zusammengebundenen Leichen eines jungen hiesigen Liebespaares gefunden. Die jungen Leute haben den Tod gemeinsam gesucht, weil ihrer Verehelichung Hindernisse entgegenstanden. * Bendorf, 29. September. Heute Mittag gegen 12 Uhr fiel der Packmeister des um diese Zeit von hier abgehenden Güterzuges vom Trittbrett des Wagens, das unter ihm zusammenbrach. Sechszehn Waggons gingen über den Unglücklichen hinweg und zermalmten ihn. * Berlin, 30. September. Als erster Reiter des Distanzrittes Berlin-Wien startet morgen früh 6 Uhr Prinz Friedrich Leopold von Preußen, begleitet vom Hauptmann von Gandt und den Lieutenants von Zansen und Graf Clairon d'Hausson- ville. Daraus starten die Uebrigen in Zwischenräumen von 10 zu 10 Minuten, sodaß der Start am 3. October beendet sein wird. * Berlin, 1. October. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Posen: Auf den Krotoschiner Schießständen wurden zwei mit Rasenabstechen beschäftigte Soldaten von einer verirrten Kugel getroffen. Der eine wurde in den Kopf getroffen und war sofort tobt, der andere wurde in den Oberschenkel geschossen. Auszug aus den Standesaintsregistern der Stadt Gießen. Aufgebote. September: 24. Friedrich Keil, Schuhmacher dahier, mit Helene Lotz hterfelbft. 26. Konrad Fink, Tagiöbner dahier, mit Anna Margaretha Schmidt von Ruppertenrod. 27. Ludwig Schuch, Portier, zu Gießen, mit Katharine Holler zu Fauerbach bei Friedberg. 27. Peter We kard, Postbote zu Offenbach a. M., mit Katharine Weis daselbst. 27. Maximilian Conrad Christ. Ernst Brack, Premier-Lieutenant im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm dahier, mit Johanna Philippine Helene Koch zu Hanau. 29. August Ludwig Trebing, Schlosser btt der Matn-Weser-Bahn dahier, mit Marie Elisabeth Schneider hierfelbft. «heschlietzrrrrgen. September: 28. August Albert Franke, Schuhmacher dahier, mit Auguste Luise Barbas hierselbft. (Btbotnu« September: 23. Dem Friseur Friedrich Lehrmund ein Sohn, Heinrich. 23. Dem Jnftitutvdtener Heinrich Weber eine Tochter. 24. Dem Fabrikant Georg Koch ein Sohn. 24. Dem Stations- Assistenten Johann Georg Giegling ein Sobn. Karl Ferdinand Hermann. 24. Dem Kaufmann Otto Hochstätter eine Tochter. 24. Dem Bäckermeister Georg Keil ein Sobn, Georg Carl. 24. Dem Schreiner Joseph Langer ein Sohn, Paul Karl. 24. Dem Taglöhner Philipp Reuschling eine Tochter, Marie. 25. Dem Lackrrer Konrad Wagner eine Tochter, Jobanna Henriette Katharine. 26. Dem Korbmacher Ludwig Zecher eine Tochter, Margarethe Auguste. 26. Dem Fuhrmann Heinrich Baduin Zwillinge, zwei Töchter. 26. Dem Bürstenmacher Johann Heinrich Schneider eine Tochter, Katharine Matbilde. 26. Dem Amtsaerichtsdiener Substitut Franz Xaver Andres ein Sohn, Georg Jacob Heinrich. 27. Dem Schuhmacher Heinrich Seibert ein Sohn. 27. Dem Telegraphenboten bei der Main-Weser- Bahn Adam Döring ein Sohn, Karl Christian Konrad. 29. Dem Schmied Caspar Conrad ein Sohn. Gestorbene. . September: 24. Marie Veith 6 Jahre alt, Tochter von Schlosser Jacob Veith dahier. 25. Marie Bandel, 2*/, Jahre alt, Tochter von Landwirth Friedrich Bandel in Dutenhofen. 25. Lina Christiane Maria Scherer, 6 Monate alt, Tochter von Straßenkehrer Ludwig Scherer dahier. 25. Kath. Köhler, 24 Jahre alt, von Münchholzhausen. 26. Reinhard Peter, 51 Jahre alt, Fabrikarbeiter von Wetzlar. 27. Erwin Zöppritz, 10 Jahre alt, dahier, Sohn des verstorbenen Professors Dr. Carl Zöppritz. 28. August Weber, 17 Jahre alt, ledig, dahier. Auszug aus den Ktrcbctibii^ern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getränte. Den 24. September. Philipp Gustav Haubach, Postsecretär, und Anna Schmidt, Tochter des Postverwaltecs Georg Schmidt zu Tiefenort. Denselben. Heinrich Sann, Buchbinder, und Henriette Elisabeth Scheid, Tochter des verstorbenen Bahnarbeitet s Ludwig Scheid zu Gießen. Den 25 September. Friedlich Paulch, Lackirer, und Karoline Kramer, Tochter des Steuerdoten Justus WUbelm Kramer zu Gießen. Denselben. Karl Johann Währum, Restaurateur, und Mai- Ruhe. Der General Don Agostino Aguavita wird sogleich nach seiner Wahl zum Präsidenten den Obersten Don Diego Panza y Mate zum Finauzminister ernennen. Die ganze Nation stimmt dieser Ernennung schon jetzt jubelnd zu. Zur Sanirung der Staatsfinanzen wird ein Coysortium, welchem außer dem Präsidenten und dem Finanzmnttster auch der berühmte Ingenieur Mr. John Lincoln Myers aus New Dort angehört, die Ausbeutung der Minen thu San Pueblo h Jago energisch in die Hand nehmen." — — itu». „Well, Sir," bemerkte Mr. Bro^n^'jndem er seinem Concurrenten Mr. Smith das Telegramm zurückgab, „ich sage, das sind drei geriebene Burschen." „Of course!“ antwortete Mr. Smith. Dann schwiegen sie beide eine kleine Weile und begnügten sich damit, ein paar Mal um die Wette zu spucken. Hierauf bemerkte Mr. Smith: „Calculire, dieser Myers hat uns beide ein schönes Stück Geld gekostet." „Ich denke so," antwortete Mr. Brown. „Ein geriebener j Kerl, — indeed!“ „Wäre wohl werth, daß man ein Geschäft nut ihm machte," fuhr Mr. Smith nachdenklich fort. „Of course,“ meinte Mr. Brown. „Wollen wir uns mit ihm zusammenthun?" „Ich denke so," schloß Mr. Smith, und Seite an Seite verließen die beiden verbündeten Concurrenten daß HauS, um den „drei geriebenen Kerlen da unten" mit versöhnlichem Herzen ihre Anerkennung und das Anerbieten ihrer Mitarbeit bei der „finanziellen Sanirung des Staates" zu übermitteln.