itl Hü, 4 IUI: k lö'j 8k! K •et le- fei Ulk lir ch- fe in, ig. in eu !kl. >ei it= :ti )ie i I- Nr. 204 Erstes Blatts Freitag den 2. September 1892 Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Niisnahinc des Montags. Die Gießener Jiamitienbtätter werden dem Anzeiger Hvöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Seneras-^^nzeiger. Bterteljähriger Aöonnemeutsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch Die Post bezogen 2 Marl 50 Pfg. - Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstratze Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- rind Anzeigeblatt für den ‘Kreis Gisszen. Annvh ine von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgend-m Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Kießener Samilienölatter Alle Annoncen-Bureaux des Zn- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen. Sinn Zedantagk. Der Gedenktag, welcher dem deutschen Volke heute ederkebrt, ist unter den Erinnerungsfeiern unserer Siege n einer einzigartigen Bedeutung. Dieselbe besteht nicht in em entscheidenden Werthe für den Verlaus des Krieges in litärischer Hinsicht. Die Uebergabe von Metz und Paris d die Zersprengung der feindlichen Armeen bei Gravelotte rren ebenso wichtig. Auch der plötzliche Umschwung der lnrchen Lage Frankreichs ist nicht etwas so Unerhörtes lvesen, daß darum dieser Tag ein ewiges Gedächtniß in n Büchern der deutschen Geschichte beanspruchen könnte. "rtn ^erin ist der Sieg von Belle Alliance sein leuchtender •rgänger. Dem 2. September verleiht seinen bleibenden Werth c die Erinnerungen unseres Volkes die Thatsache, daß ' r ,ein 'n &er Geschichte waltendes Gottesgericht machtvoll ) kundgab. unb Frankreich stehen im Verhältniß einer rch Geschichte und Sage, durch Erfahrung und Dichtung i '*««« ^rbfeindschaft. Seit den Raubkriegen des vier- nten Ludwig und dem Weheruf um die Deutschland ent- enen Reichslande empfand unser Volk im Schmerz der Ohn- cht eme tiefe, unheilbare Wunde. ^in- und liederfrohe Begeisterung, mit welcher ! -ir ®trom gefeiert wurde und in welcher das Hoch- thl der Vaterlandsliebe seinen echten Ausdruck fand, mischte NQturgematz gerechte Entrüstung und heiliger Zorn über 2lmtlid?er Theil Betr.^ 2ie«icitc Nachrrchtün. Depeschen des Bureau „Herold". Gießen, 30. August 1892. Die Wahlen zum Kreistag durch die 50 Höchstbesteuerten. I endlich die Leitung der Geschäfte der Berliner Botschaft zu | übernehmen. — Der Bundes rath gedenkt in allernächster Zeit seine vorbereitende Thätigkeit für die kommende Wintersession des Reichstages wieder aufzunehmen. Von neuen Entwürfen sind angekündigt Novellen zum Pensionsgesetz, zum Reichsbeamtengesetz und zum Reichsinvalidengesctz. Auch eine Novelle zum Sonntagsruhegesetz soll in Ausarbeitung begriffen fein; hoffentlich trügt dieselbe den vielen über das neue Gesetz laut gewordenen Klagen in verständiger Weise Rechnung. Signali- sirt wird ferner eine Vorlage, betr. die Abwehr ansteckender Krankheiten von reichswegen, was in Hinblick aus die bekannten, bei der Hamburger Choleraepidemie mitspielenden Verhältnisse ein höchst zeitgemäßes Gesetz wäre. In Hinblick aus die vielgenannte neue Miluärvorlage wird das Weitere noch abzuwarten sein. — In Sachen des geplanten deutsch-russischen Handelsvertrages herrscht nach den vorangegangenen gemeinsamen Berathungen zwischen den Vertretern der Reichsregierung und der preußischen Regierung eine merkwürdige Ruhe. Wohl ist anzunehmen, darüber die Modalitäten des geplanten Abkommens Vorerörterungen zwischen Berlin und Petersburg schweben, aber über dxren Einzelheiten ist bis jetzt nicht die geringste zuherlässiZe Mittheilung in die Oeffentlich- keit gedrungen. Auch die Zeitungsmeldung, die deutschen Handelskammern seien von den betreffenden Emzelregierungen zu gutachtlichen Äußerungen über den beabsichtigten Vertrag ausgefordert worden, wird- als unzutreffend bezeichnet. Eme amtliche Befragung der genannten Körperschaften soll vielmehr erst erfolgen, wenn feststeht,, daß die^ russische Regierung zu werrhvollen Zugeständnissen M Deutschlay^bevxst tft. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a!>en wir die verhängte Gehöftesperre aufgehoben. Die Ausführung von Rindvieh, Schasen, Ziegen, Schweinen aus er Gemarkung Stockhausen durch Händler ist indeß bis auf lLerteres nur auf Grund eines thierärztlichen Gesundheitscheins zulässig, Gießen, den 1. September 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Ausland. — In der Schweiz steht wieder einmal eine Volksabstimmung bevor. Dieselbe gilt dem der Bundeskanzlei zu- gegangenen Jniliativbegebren von 71 246 Bürgern, wonach tn die Bundesverfassung eine die jüdische Sitte des Schachtens verbietende Bestimmung ausgenommen werden soll. — Das Programm der Columbusfeier zu Genua ist nunmehr sestgestellt. Die Ankunft de« Königs Humbert in Genua erfolgt am 8. September aus dem Seewege, die Königin Margarita trifft dagegen mittelst Extrazuges ein. Am Abend des Ankunftstages besucbt das Kaiserpaar eine Galavorstellung im Stadttheater, am 9. September beabsichtigt es die Columbus-Ausstellung und wvhnt Abends dem von der städtischen Vertretung gegebenen Ballfeste bei. Am 10. September findet großer Empfang bei den Majestäten statt, woran sich Festmahl, Cercle und Ball anschlicßrn. Am 11. September ist Regatta vor der Villa Reggio in Corni- gl'ano. Am 12. September gedenkt das Königspaar öffentliche Anstalten und einige Fabriken zu besichtigen, am 13. September wollen die Majestäten die Besuche der Commandantrn der fremdländischen Geschwader erwidern. , Deutsches Reich. Berlin, 31. August. Nach den „Berliner Pol. Nachr " '°Uen nicht blos die beiden Militär-Pensionsgesetze, sondern ' auch das Rerchsbeamtengesetz und die Jnvalidenfonds geändert ?iC/rbe<^ r,®ic fi‘often läinmtlicher Neuerungen sollen sich auf 3 . Millionen belaufen, wovon fast 3 Millionen auf die Rcichsinvalidenfonds entfallen würden. . „ ~ Nach längerer Zwischenpause ist nunmehr der infolge des Ablebens des Grafen de Launay vacant gewordene Posten eines italienischen Botschafters am deutschen Kaiser- Hof- durch die Person des Grafen Lanza wieder definitiv besetzt werden. Der neue Vertreter des Königreichs Jlalicn wurde am Dienstag Mittag im Berliner Residenzschloffe vom Kaistr m besonders feierlicher Audienz empfangen, welcher Reichskanzler Gras Caprivi, Ober-Ceremonienmcister und Ober- Hof- und Hausmarschall Gras zu Eulenburg, der Ein- führer des diplomatischen Corps, Gras Usedom, die zur Zeit anwesenden General- und Flügeladjutanten, die dienstthuenden Kammcrherren sowie die Herren von der italienischen Botschaft beiwohnten. Der Empfang des neuen Botschafters seilens des Monarchen war ein sichtlich auszeichnender. Graf ^anza gedenkt in diesen Tagen nach Italien zur Ordnung feiner privaten Angelegenheiten zuriickzukehren, um alsdann 1 dkllin, 31. August. Wie die „Nordd. AllgeHkMZtg." meldet, beschloß der Kaiser seine Reise zur ElchjäKtz nach Gotenburg anläßlich der in Deutschland herrschenden Cholera aufzugebcn. Berlin, 1. September. Der „Voss. Ztg." zufolge wurde das mehrfach eingercichte En t la ss un g s g e s u ch des com- mandirenden Generals des Garde-Corps v. Mecrscheidt- Hü liess em vom Kaiser genehmigt. Esten, 31. August. Die Firma Krupp hob osficiell durch ein Schreiben an die „Effencr Volkszeitung^ und den „Rheinisch westsälischen Volkssreund" das bei der SeptennatS wohl an ihre Arbeiter erlassene Verbot, betreffend das Halten der beiden Centrumsblüiier, aus. München, 31. August. Die auf den 4. September hier ankeiaumte Wa n d e r-V e rsa m m I u ng des Veibandcs der diutschen Brieftaubenliebhaber unterbleibt wegen der Gefahr der Cholera-Verschleppung. Die Brieftaubeli-Aus- stellung findet statt. Wien, 31. August. Das „Neue Wiener Tagcbl." meldet, die österreichische Wasfensabrik in Steyr, welche bisher 9000 Arbeiter beschäftigte, kündigte 5000 Angestellten. ®ie Entlassenen wandern nach Ungarn, Belgien, Frankreich und Amerika aus. Genna, 31. August. Die Pulverfabrik in San Severo wurde gestern Abend binnen zwei Monaten zum dritten Male in die Lust gesprengt. Die Thätcr sind unbe- kannt. Zwei Personen wurden getödtet. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Die Cholera. Aus allen Richtungen der Windrose liegen überaus zahlreiche Meldungen vor, die sich auf die Choleragesahr beziehen, selbstverständlich interessiren von ihnen zunächst die aus dem Jnlande vorliegenden Nachrichten. Selbstredend zieht die Choleraepidemie in Hamburg noch immer die meiste Aufmerksamkeit auf sich; jedenfalls tritt die fürchterliche Seuche in der zweitgrößten Stadt des Reiches in besonders schwerer Form auf und scheint sie in diesem ihrem Character leider noch immer nicht nachlassen zu wollen. Von der großen Handelsmetropole an der Unterelbe aus schickt sich die Cholera an, ihren unheimlichen Siegeszug nach anderen Gebieten des Reiches fortzusetzen und zeigt sie sich namentlich in der Provinz Schleswig-Holstein, im westlichen und südlichen Mecklenburg und an verschiedenen Punkten der hannöverschen Elbgegenden. In einer Anzahl weiter binnenwärts gelegener Plätze wurden sporadisch ausgetretene Cholerasälle sestgestellt, die sämmtlich aus Hamburg gekommene Personen betrafen, doch ist bemerkenswerth, daß in Berlin bereits ein Fall von am Orte entstandener asiatischer Cholera constatirt wurde. Hoffentlich gelingt es den im Einvernehmen mit der Reichsregierung getroffenen energischen Anordnungen der Bundesregierungen, daS übrige Deutschland vor einer wirklichen Choleraepidemie zu wahren. Berlin, 31. August. Die an der asiatischen Cholera erkrankte Frau Frohnert ist heute Nacht, der Arbeiter Krumrey heute Morgen gestorben. 24 neue Erkrankungen werden gemeldet. 30 Personen befinden sich in Beobachtung. Berlin, 31. August. Weitere drei aus Hamburg kommende Personen sind an verdächtigen Symptomen der asiatischen Cholera erkrankt. Berlin, 31. August. Der „Verein Berliner Gasthof- besitzer" beschloß, die aus verseuchten Gegenden kommenden Fremden nicht in ihre Hotels aufzunehmen. Hamburg, 31. August. Die Zahl der Krankentransporte ist gestern gegen vorgestern etwas gestiegen, 776 gegen 650, ferner 268 Leichen, weniger als die bisherige höchste Zahl. Heute ist die Witterung kühler, die Krankentransporte sind bisher geringer; 290 Beerdigungen sind heute angemeldet. Der bekannte Musikschriftsteller und Opern- Recensent der „Hamb. Nachrichten", Dr. Paul Miersch, der gestern aus der Sommerfrische im Riesengebirge zurückgekehrt war, ist Nachts an der Cholera gestorben, desgleichen der Componist Berthold Cobelli. Die Polizeibehörde verbietet den Ankauf von Betten und getragener Kleidung und legte den Seeschiffen nunmehr Quarantäne aus. Das Kriegsministerium lieferte aus höheren Befehl dem Krankenhause 500 neue Feldbetten nebst Zubehör. Das Thaliatheater verschiebt die Eröffnung. Hamburg, 31. August. Es ist sestgestellt, daß am 30. August von Mitternacht bis Mitternacht 508 Kranke und 268 Todte, zusammen 776 transportirt wurden gegen 650 am 29. August. Die Standesämter sind bis Abends 10 Uhr, auch Sonntags, geöffnet. 400 Leichen liegen unbeerdigt im Exercterschuppen. Das Herbeischaffen der Personalacten ist bisweilen sehr schwierig, da ganze Familien ausgestorben sind. Viele Krämer-, Bäcker- und Schlächtergeschäfte wurden polizei- lich geschlossen, weil unter den Angestellten Choleraerkrank- ungen vorgekommen. Hamburg, 1. September. Hier wird eine geringe Abnahme der Sterblichkeit constatirt. Der ärztliche Director des neuen Krankenhauses ist ebenfalls erkrankt. Die Bevölkerung ist äußerst deprimirt, das Geschäft völlig gelähmt. Kiel, 31. August. Von dem Aviso „Greis" wurde ein ch oleraverdächtiger Matrose in das Marinelazareth überführt. Der „Greis" hißte die Quarantäneflagge. Kiel, 31. August. Der Capitän, seine Frau und Kinder, sowie der Steuermann und Koch von dem aus Hamburg kommenden Schiff „Eintracht" sind als choleraverdächtig in die Quarantänebaracke gebracht worden. Ein Kind ist aus dem Transport gestorben; auch in Kiel selbst sind wieder einzelne eingeschleppte Fälle vorgekommen. Lübeck, 1. September. Die Stadt ist noch cholera- frei, ebenso Mecklenburg, dagegen wird Schleswig-Holstein immer mehr inficirt. Seit Montag ist überall der Befehl seitens der Ortsbehörden erteilt, die Hamburger Reisenden abzuweisen. Das gleiche Verbot wurde auch in den Ostseebädern ertheilt. Breslau, 31. August. Die Morgenblätter veröffentlichen den officiellen Bericht der am Montag stattgehabten Versammlung des Breslauer Aerztevereins, welcher sich höchst ungünstig über die bisherige Thätigkeit der Sanitäts- commffsion aussprach, deren Maßregeln theils völlig wirkungslos, theils völlig ungenügend seien. Beutheu (Oberschlesien), 31. August. In Deutschneukirch wurde bei einem aus Hamburg zugereisten Maurer die asiatische Cholera sestgestellt. Königsberg, 31. August. Eine gestern im Regierungsgebäude unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten abgehaltene Conserenz zur Berathung weiterer Maßnahmen gegen die Cholera constatirte, daß infolge der von der Eisenbahnverwaltung getroffenen Anordnungen der Zuzug russischer Auswanderer aus ein Minimum herabgegangen und damit die Gefahr der Einschleppung der Seuche aus Rußland erheblich vermindert sei. Braunschweig, 31. August. Ein im Berliner Eisenbahnzuge unterwegs unter choleraartigen Erscheinungen schwer erkrankter Mann wurde bewußtlos in die hiesige Cholerabaracke überführt. Ob asiatische Cholera vorlieat, ist noch nicht sestgestellt. Hildesheim, 31. August. Im Vorort Moritzberg ist an einem von Hamburg Zugereisten die Cholera constatirt worden. Kassel, 31. August. Zehn hiesige Hotelbesitzer haben soeben beschloffen, keinen Reisenden, der aus Hamburg kommt, auszunehmen. Dresden, 31. August. Die Choleragesahr veranlaßt das sächsische Ministerium, sämmtliche Jahrmärkte und Viehmärkte bis auf Weiteres zu verbieten. — Die Temperatur hat sich in Folge eines kräftigen Gewitterregens erheblich abgekühlt. Stuttgart, 31. August. Hier ist am Montag ein Todesfall an der Cholera vorgekommen. Paris, 31. August. In den Hospitälern sind gestern 18 Kranke neu hinzugekommen. 6 Personen sind gestorben. Rom, 1. September. Die asiatische Cholera wurde in Venedig, Florenz, Neapel und Brindisi constatirt. Loudon, 31. August. Zwei Deutsche, von Hamburg kommend, sind in City Road, int Mittelpunkte Londons, an der Cholera erkrankt. Antwerpen, 31. August. Gestern erfolgten hier acht Erkrankungen und ein Todesfall an der Cholera. New Dorf, 31. August. Der Dampfer „Moravia" aus Hamburg, mit 358 Zwischendeck-Paffagieren an Bord, der heute hier eintraf, hatte auf der Ueberfahrt 22 Todesfälle, und zwar 20 Todesfälle von Kindern und zwei von Erwachsenen. Der Schiffsarzt bezeichnet als Todesursache CH ol er ine. Von den Verstorbenen waren 13 Polen, 1 Österreicher, 3 Hessen, 5 Preußen. Zwei Frauen befinden sich noch krank im Schiffsspital; außer zwei angeblich an Masern erkrankten Kindern befindet sich sonst Alles wohl. Der letzte Todesfall batirt vom 29. August; sämmtliche Leichen sind in das Meer versenkt worden. Der Dampfer wurde sofort in die äußere Bai gesendet, wo die Passagiere aus der Hoffmann-Insel isolirt worden sind. Es ist sehr schwer, weitere Details zu erhalten, da die Hasenbeamten das Schiff streng isoliren. Letztere behaupten, die Krankheit, die auf der „Morovia" die 22 Opfer verlangte, sei asiatische Cholera. Hter herrscht große Aufregung. Die für den hiesigen Hasen angeordnete zehntägige Quarantäne hat dahin geführt, daß bis heute schon 2000 Personen zur Beobachtung isolirt sind. Newyork, 31. August. Hier, in Boston und Havannah tritt die Cholera auf. Cocatcs un6 provinzielles. Gießen, 1. September 1892. — Die Ausstellung der Arbeiten der hiefigeu Aliceschule wurde heute in dem Schulhause am Oswaldsberg eröffnet und bietet ein erfreuliches Bild von den Erfolgen der Anstalt und dem Können der zahlreichen Schülerinnen. Wir behalten uns vor, auf die Ausstellung noch näher zurückzukommen und empfehlen für heute nur allen Denen, die sich für die Ausbildung der Frauen und Mädchen interessiren, die hübsche Ausstellung, die nur noch morgen geöffnet ist, sich selbst anzusehen. — In Betreff der Feier des Sedautages hat das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheitenan die Directionen der Gymnasien, Realgymnasien, Realschulen, Schullehrer-Seminarien, Taub- stummen-Anstalten, der Blindenanstalt und höheren Mädchenschulen, sowie an sämmtliche Kreis-Schul Commissionen unterm 29. August folgendes Ausschreiben gerichtet: Es ist die Frage zur Erwägung gekommen, ob nicht mit Rücksicht auf die vorhandene Choleragefahr und die ungewöhnlich lang dauernde Hitze das Abhalten von größeren Jugendsesten am Sedantage zu unterlagen sei. Wenn wir auch mit Rücksicht darauf, daß bis jetzt ein Cholerasall im Großherzogthum nicht constatirt ist, vom Verbote solcher Jugendseste mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz absehen wollen, so sehen wir uns doch zu folgenden Bestimmungen veranlaßt: 1) Es tft daraus Bedacht zu nehmen, daß bei etwaigen Festen die Smüler und Schülerinnen ntcht längere Zeit unter freiem Himmel der' Sonnenhitze ausgesetzt sind. 2) Von einem Zwange gegen die Schüler und Schülerinnen zur Theilnahme an diesen Jugendsesten ist abzusehen, es sind vielmehr diejenigen, deren Eltern es wünschen, von der Theilnahme frei* zugeben. 3) Bezüglich der Verabreichung von Speisen und Getränken an Schüler und Schülerinnen ist die größte Vorsicht und strengste Aussicht zu üben. — Militärdienftuachrichteu. Die Unterärzte Dr. Beck vom 1. Großh. Hess. Jns.-(Leibgarde )Regiment Nr. 115, unter Verletzung zum Feld-Artillerie-Regt. v. Holtzendorff (1. Rhein.) Nr. 8, Dr. Schmidt vom 3. Großh. Hessischen Jns.-Regt. (Leibregiment) Nr. 117, unter Versetzung zum 1. Hess. Husaren-Regt. Nr. 13, zu Assistenzärzten zweiter Klasse, der Assistenzarzt zweiter Klasse der Res. Dr. Kratz vom Landwehrbezirk Gießen zum Assistenzarzt erster Klasse, der Unterarzt der Reserve Dr. Hornberger vom Landwehr - Bezirk Gießen zum Assistenzarzt zweiter Klasse —- befördert. — Ausgewaudert sind ans dem Großherzogthum Hessen über Bremen, Hamburg, andere deutsche Hasen (meist Stettin) und Antwerpen im Jahre 1891 1992 Personen, in den Jahren von 1872—1892 zusammen 42,118 Personen. Die Auswanderung richtete sich größtentheils nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die Anzahl der über französische Häsen, insoweit ermittelt, ausgewanderten Deutschen betrug 1872—1890 91,283. — Aus Herrenalb im Schwarzwald, 25. August, wird den „N. Hess. Volksbl." geschrieben: Hessen sind überall zu finden,- in größerer Anzahl gemeßen sie zur Zeit hier die Sommerfrische. Um sich gegenseitig einmal begrüßen zu können, erschienen Plakate folgenden Inhalts: „Control- üerfammlung. Alle in Herrenalb sich aushaltende Heffen- Darmstädter männlich und weiblich von 10—70 Jahren werden hiermit ausgefordert, Mittwoch Nachmittag halb 6 Uhr in dem Gartensälchen der Sonne zur Controle sich einzufinden. Nichterscheinende werden mit drei Tage Regenwetter bestraft." So sanden sich denn gestern zur bestimmten Stunde 30 Hessen zusammen (bei Kaffee und Münchener Bier), begrüßt von dem Vorsitzenden mit einer längeren Ansprache, welche mit einem Hoch auf Hessen schloß. Nach mehreren Reden und Toasten auf die Veranstalter des Familienabends, auf die Frauen rc. folgte und herrschte unter Allen eine heitere gemächliche Stimmung. Am Schluffe tourbee der Vorschlag gemacht, heute, als am Ludwigstag, zum gemeinschaftlichen Frühschoppen sich zu versammeln. Auch dieses wurde auS- geführt und dabei ein Hoch auf den verehrten Großherzog Ernst Ludwig ausgebracht, in den alle Anwesenden freudig einstimmten. 8. AlteN'Buseck, 31. August. Ein Einwohner von hier demolirte auf dem hiesigen Kirchhofe verschiedene Grabdenkmäler, durchbrach bann bas Spalter und ging flüchtig. Derselbe wurde heute von Gensdarmen aus Gießen verhaftet. Die.That verübte er anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung, denn derselbe soll, wie wir hören, in Bezug auf seinen Geisteszustand untersucht werden und befindet sich zu diesem Zwecke in der Jsolirzelle im Gefängniffe der Bach- gaffe zu Gießen. r. Lich, 31. August. Heute wurde im Schlosse dahier die älteste Tochter des hiesigen Fürsten, eine verehelichte Gräfin Lynar, von einem Sohne glücklich entbunden. + Lich, 31. August. Wegen der in der hiesigen Kinderwelt austretenden Diphtheritis wurden auf Anordnung der Schulbehörde die Schulen vorerst bis zum 14. September geschlossen. + Lich, 31. August. In hiesiger Stadt hat sich wieder ein evangelischer Kirchengesangverein gebildet, welchem Herr Lehrer und Organist Jäger als Dirigent vorstehen wird. 1. Birklar, 31. August. Bei der heute dahier statt-i gefundenen Gemeinderathswahl wurden gewählt: Con-' rab Krau sch II. mit 41, Conrad Diehl mit 40, Heinrich Müller V. mit 35 und Johannes Bender mit 35 Stimmen. Nidda, 30. August. Heute fiel dahier ein Knecht von dem Gerüste einer Scheuer so unglücklich, daß er sechs Rippen brach. Der Bedauernswerthe muß in bie Klinik verbracht werden, wird aber schwerlich mit dem Leben davon- kommen, da einzelne Knochensplitter die Lunge verletzt haben. Lauterbach, 30. August. Nachstehendes wurde dem „L. A." von glaubwürdiger Seite mitgetheilt: Des Morgens früh fuhr er nach der „Daakut", um Futter zu holen. Wie er durchs Lückentheil kommt, sieht er bereits seinen Nachbar auf dem Haferacker stehen, wollte wahrscheinlich sehen, ob der Hafer bald reif wäre. „Guten Morgen G!" ruft er ihm freundlich zu, doch keine Antwort erfolgt; nochmals, „Guten Morgen!" wieder fein Dank. Nun du sollst lange warten, bis ich dich wieder grüße. — Wie er mit seiner Fuhre | Klee zurückkommt, sieht er, daß sein Nachbar immer noch auf | dem Acker beschäftigt ist. Diesmal wendet sich aber unser Fuhrmann zur andern Seite unb sieht mit bem Rücken nach • ihm. Zu Hause angefommen, erzählte er seiner Frau bie = Unsreunblichkeit beö G. unb verbietet für bie Zukunft jede« Verkehr mit bemselben. Auch einem guten Freunb theilt er voller Indignation sein Erlebniß mit. Doch ein unbändiges \ Gelächter ist dessen Antwort, entrüstet wendet er sich auch von diesem ab. Was wars?" — Der Nachbar im Hafer- \ acker war — eine gut hergerichtete Vogelscheuche. ' -6. Neu - Ulrichstein, 1. September. Monatsbericht der Arbeiter - Colonie pro August 1892. Ende August 1892 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos j 73 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- l herzogthum Hessen 16, Regierungsbezirk Kassel 8, Regierungsbezirk Wiesbaden 7. Königreich Preußen: Berlin 1 , Pro- 1 vinz Brandenburg 1, Provinz Rheinlande 6, Provinz Hannover 3, Provinz Westfalen 2, Provinz Sachsen 3, Provinz i Pommern 4, Provinz Schlesien 1, Schleswig-Holstein 1 | Königreich Bayern 4, Königreich Sachsen 3, Königreich Württemberg 3. Großherzogthum Baden 1; Fürstenthum Lippe-Detmold 1; thüringische Staaten 5, freie Stadt Lübeck 1. 1 Ausland 2. Hiervon waren: Arbeiter 23, Anstreicher l,j Bäcker 2, Bäcker unb Müller 1, Böttcher 1, Buchbinber 3< Buchdrucker 1, Cigarrenmacher 1, Conbitor 2, Drechsler 1,’ Eifendreher 1, Färber 2, Gärtner 2, Geometergehilfe 1, Goldarbeiter 1, Kaufleute 4, Landwirthe 1, Lederarbeiter 1, Maurer 2, Müller 1, Papiermacher 1, Polsterer 1, Sattler 1, Schlosser 2, Schmiede 2, Schneider 5, Schornsteinfeger 1, '! Schreiber 2, Schriftsetzer 1, Schuhmacher 2, Spengler 1, 1 Weber 2. Im Monat August wurden entlassen 18 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 1, wegen Arbeit-- unsähtgkeit 1, auf eigenen Wunsch 16. Verpflegungstage im August 1892: 2131. Gearbeitet wurde im August an 1887 Tagen, hierunter 378 Tage für fremde Rechnung,^ Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2027 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1954, bleibt Bestand am 1. September 73 Mann. ** Lang'GLns, 1. September. Dieser Tage holte der Landwirth Sch. Grünfutter auf bem gelbe. Nach beenbeter Arbeit hakte er, wie allgemein üblich, bie Sense auf bem Wagen ein. Aus bem Nachhausewege kam ein Bunb Klee ins Rutschen. Die auf bem Wagen definbliche Tochter des Sch. wollte baffelbe schnell erfassen, kam aber habet so in die Sense, baß sie sich bie Gelenkkapsel am Knie burchschnitt. Da sofort ärztliche Hilfe vorhanben war, hofft mau, daß der' Unfall keine weiteren schlimmen Folgen hat. Bad-Nauheim, 31. August. Zur Feier des Sedan« festes findet Freitag den 2. September (. I., Vormittag! 11 Uhr, 8. C. Frühschoppen mit Musik in der reservirttt Gartenhalle des Restaurant Burk statt. Angehörige bei Kösener 8. C. Verbanbes unb Freunbe beffelben sind hierzu ergebenft eingeladen. Erscheinen in Farben erwünscht! Groß-Karben, 26. August. Eine interessante Wette kam dieser Tage dahier zu Stande und auch zum Austrage Mehrere Landwirthe unterhielten sich über die Leistungen eines Arbeiters im Frucht bind en; die Meinungen ginger-