Rr. 127 Donserstag den 2. Juni 1892 Aiiits- und Anzcigeblntt für den Ureis <6iefzen. Hratisöeikage: Hießener Aamitienökätter. Alle Lnnoncen-Bureaux de- In» unb Lu-landc- nehme» Anzeigen für den „Gietzener Anzeiger* entgegen. Annnhme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Die Gießener Wamttten-k-ltsr »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt. Der Otetener Znze-Ger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Vierteljähriger AdonnementsprelBt 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Lxpeditto» und Druckerei: Kch»tftratze Ilr.1. Fernsprecher 51. KcheiM Anzeiger Kenerat-Anzeiger. 2lintlichev Theil. Bekanntmachung, betreffend die Unterhaltung der Kreisstraßen. Fuhrwerksbesitzern wird hierdurch zur Kenntniß gebracht,' | oaß von Donnerstag den 2. Juni d. I. ab auf der Kreisstraße Großen-Buseck—Beuern eine Dampfstraßenwalze in Thätigkeit ist. Gießen, den 30. Mai 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 30. Mai 1892. Betr.: Die regelmäßigen Ergänzungswahlen der Mitglieder des Gemeinderaths Das Großherzogliche Kreisamt Gießen am die Grotzh. Bürgermeistereien de» «reise». Unter Bezugnahme auf unser in obiger Angelegenheit unterm 27. l. M. im Kreisblatt Nr. 124" erlassenes Aus- schreiben bemerken wir zur Vermeiduug etwaiger Mißver- ; ständniffe das Folgende: Wenn in diesem Ausschreiben gesagt ist: „Die in der Wahlanleitung Anlage A angegebene Abtheil. B der Stimmberechtigten fällt weg", so ist hierunter die in der Wahlan- s leitung vom 19. Juni 1874 angeordnete Abtheilung B der Stimmberechtigtenliste „Auswärts wohnende, in der Gemeinde gründ- oder gewerbsteuerpflichtige Einwohner" zu verstehen. I Es ist hiernach die Abtheilung C, jetzt B, „In der Gemeinde wohnende stimmberechtigte Nichtortsbürger" neben der Ab- 1 theilung A „In der Gemeinde wohnende Ortsbürger" in der Liste der Stimmberechtigten beizubehalten. v. Gagern. Bekanntmachung. Mittwoch den 15. Juni 1892, Vormittags 10 Uhr, wird im Gasthof zum Hirsch in Grünberg eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine, der Viehzucht- genoffenfchaft, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. ' Tagesordnung: Vortrag des Herrn Landes-Oecono- mieraths Müller zu Darmstadt über die Vorzüge der Vogelsberger Rindviehrace. Gießen, den 31. Mai 1892. Der Director des landwirthschastl. Bezirksvereins Gießen. Jost, Negierungsrath. Bekanntmachung, Die Abgabe der Capitalrentensteuererklärungen behufs der Veranlagung für das Steuerjahr 1893/94 betr. Nach Art. 14 des Gesetzes, die Einführung einer Capi- talrentensteuer betreffend, vom 8. Juli 1884, erfolgt die Heranziehung zu dieser Steuer auf Grund einer Erklärung, welcher jeder nach den einschlägigen Bestimmungen Steuerpflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten bei der hierzu berufenen Ein- schätzungscommission schriftlich abzugeben hat. Zu diesen Erklärungen ist das von Großherzoglichem Ministerium der Finanzen festgesetzte Formular zu verwenden und sind dieselben, je nach der Wahl des Steuerpflichtigen, offen oder verschlossen, jährlich spätestens bis zum 1. Juli, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts abzuliefern. Von der Verpflichtung zur Steuererklärung sind nach Art. 15 des Gesetzes, insofern nicht im einzelnen Fast besondere Aufforderung der EinschätzungScommiffion ergeht, Diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar oorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Capitalrentensteuer zugezogen waren, auch inzwischen ihren Wohnsitz nicht zewechselt und keine den Betrag von 100 Mk. jährlich ^reichende Einkommensverbefferung aus Capitalzinsen eräugt haben. Inhaltlich des Art. 16 des genannten Gesetzes haben )ie Capitalrentensteuererklärung abzugeben. 1) für minderjährige, vermißte oder unter Vormundschaft gestellte Personen deren gesetzliche Vertreter; 2) für moralische Personen (Gemeinden, Körperschaften, Stiftungen, Anstalten), ferner für Gesellschaften, Genoffenschasten, Gantmassen, Erbmassen, soweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht kommt, die bestellten Vorstände oder Verwalter; 3) in allen anderen Fällen der Steuerpflichtige selbst und zwar hinsichtlich des gesammten Zinsenbezuges, welcher, sei es aus eigenem Vermögen oder aus dem Vermögen seiner nicht selbstständig zur Capitalrentensteuer gezogenen Angehörigen, ihm in Steueransatz zu kommen hat. Unter Bezugnahme auf die obigen Bestimmungen richten wir an die hiernach zur Erreichung von Capitalrentensteuererklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zum genannten 1. Juli d. I. an die betreffenden Bürgermeistereien gelangen zu lassen, von wo sie, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betreffenden Einschätzungs- commiffion übersendet werden. Das Formular zu den Capitalrentensteuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen. Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den 1. Juni 1892. Die Großherzoglichen Steuercommiffariate. Süffert. Bähr. Snell. Pfannmüller. Bekanntmachung. Bei dem in Folge der außerordentlichen Hitze eingetretenen starken Wasserverbrauch und zur Vermeidung der damit verbundenen Unzuträglichkeiten und Gefahren wird hiermit die Entnahme von Wasser aus den öffentlichen Ventilbrunnen der Quell- wafferleitung für gewerbliche und landwirth- schastliche Zwecke auf Grund des Art. 56 pos. 2 der Städteordnung bei Meidung einer Polizeistrafe bis zu 90 Jt untersagt. Des weiteren wird davor gewarnt, durch Offenstehen- laffen der Brunnenventile, sowie unnöthiges Ausspülen von Gefäßen und ähnliche Handlungen, Wasser aus der Wasserleitung zu vergeuden. Gießen, den 31. Mai 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsche- Reich. Berlin, 29. Mai. Der zur Zeit den betreffenden Bundesrathsausschüssen zur näheren Berathung vorliegende Gesetzentwurf über die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung in Deutschland ist ziemlich eingehend begründet. In der Begründung wird besonders die Nothwendigkeit betont, die mitteleuropäische Einheitszeit, wie sie in Deutschland für den Post-, Eisenbahn- und Telegraphenverkehr schon jetzt in Bayern, Baden u. s. w. besteht, auch für diese Verkehrsverwaltungen des übrigen Deutschland, weiter aber auch für das gesammte bürgerliche Leben einzuführen. Neben dringenden Verkehrs- und Berriebsintereffen, welche eine derartige einheitliche Zeitregelung dringend erheischen, sind es auch militärische Interessen, die, wie die Begründung weiter hervorhebt, ebenfalls die Einheitszeit entschieden fordern. An den Beispielen der Vereinigten Staaten von Nordamerika und derjenigen europäischen Ländern, in denen die Einheitszeit bereits besteht, zeigt dann die Begründung, daß diese Zeit- normalisirung nirgends Belästigungen hervorgerufen habe. Schließlich wird die.Frage erörtert, ob eS geboten sei, die Einheitszeit in das bürgerliche Leben aus gesetzgeberischem Wege einzuführen; die Begründung bejaht die Frage unter Ausblick auf die betreffenden Verhältnisse in Frankreich und in Schweden. Diese reichsgesetzliche Zeit für Deutschland soll bereits mit dem 1. April 1893 beginnen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 31. Mai. Seine Majestät der Kaiser wird sich am 3. Juni nach Ober-Glogau begeben, um an der Hochzeit des Fürsten Radolin und der Gräfin Oppersdorf theil- zunehmen. Seine Majestät gedenkt am Samstag Abend von dort nach Wildpark zurückzukehren. । Berlin, 31. Mai. Abgeordnetenhaus. In der heutigen Sitzung wurde § 1 des Gesetzentwurfs, betreffend das Diensteinkommen nichtstaatlicher Lehrer, unverändert angenommen. § 2, welcher den Gemeinden freistellt, daß das Ausrücken statt nach dem System der Dienstalterszulagen nach dem für einzelne Anstalten oder für mehrere Anstalten zugleich aufgestellten Besoldungsetat erfolgen dürfe, wurde mir einem vom Abg. Busch beantragten Zusatz, daß der Beschluß der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden bedarf, angenommen. Cultusminister Boffe erklärte sich gegen den Antrag, weil dadurch die Verantwortung, ob die Nichtgewährung der Alterszulagen genehmigt werden sollte oder nicht, allein aus die Regierung abgewälzt werde. Der Rest: des Gesetzes wurde ohne weitere Debatte genehmigt, ebenso wurde das Gesetz, betreffend die Anstellung von Militäranwärtern in der Comunalverwaltung, mit unwesentlichen Aenderungen in dritter Lesung angenommen. Nächste Sitzung Montag den 13 Juni, 11 Uhr. Tertiärbahngesetz. Berlin, 31. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Verzeichniß der Mitglieder des Landeseisenbahnraths. Zum Vorsitzenden ist der Director am Arbeitsministerium, Brefeld, zu dessen Stellvertreter der Director am Arbeitsministerium, Fleck, sür eine dreijährige Dauer ernannt worden. Berlin, 31.Mai. Die heute veranstaltete Frühjahrsparade verlies, vom herrlichsten Wetter begünstigt, äußerst glänzend. Gegen 9 Uhr begaben sich Ihre Majestät die Kaiserin mit der Königin-Regentin der Niederlande, die Prinzessin Friedrich Leopold mit der Herzogin von Edinburg und deren Töchtern aus das Tempelhoser Feld, wo die hohen Damen von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen wurden. Während Seine Majestät dann die Front der in Parade aufgestellten Truppen abritt, folgten Allerhöchstdemselben die Wagen mit den fürstlichen Damen. Die Truppen formirren sich hierbei zum Vorbeimarsch, der zweimal abgenommen wurde. Nach Schluß der Parade, welcher auch der Reichskanzler Graf Caprivi beiwohnte, begaben sich die Herrschaften in das Königliche Schloß, wo um 1 Uhr Familientafel stattfand. Se. Majestät der Kaiser ritt an der Spitze der Fahnencompagnie in die Stadt zurück. Berlin, 31. Mai. Die „Vossische Zeitung" veröffentlicht ein im Auftrage Seiner Majestät des Kaisers von Lucanus an Assessor v. Forckenbeck eingegangenes Beileidsschreiben, in welchem der Verdienste Forckenbecks um die Entwickelung Berlins dankbar gedacht wird. Ein Anschreiben des Oberhosmeisters der Kaiserin hebt im Namen Ihrer Majestät die besonders rege, erfolgreiche Theilnahme Forckenbecks an allen Werken der Barmherzigkeit aus christlichem, humanen Gebiete hervor, sowie seine freudige Unterstützung zur Linderung des kirchlichen Nothstandes. Kaiserin Friedrich richtete an Fräulein v. Forckenbeck ein Telegramm folgenden Inhalts: Unter Vielen, die ihn aufrichtig und tief betrauern werden, Niemand mehr als ich. i Hamburg, 31. Mai. Prinz Heinrich traf heute Morgen hier ein und nahm an der Sitzung der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Theil. Er hielt dort eine Ansprache, worin er die Bestrebungen der Gesellschaft anerkannte. Paris, 31. Mai. Die Auffassung einzelner Blätter betreffs des Wegfalles der Truppenrevue bei Malzeville wird in den hiesigen politischen Kreisen als unzulässig bezeichnet. Für Deutschland sei es gewiß vollständig belanglos, ob gelegentlich der Nancyer Feste eine Truppenschau oder ein einfaches Defiliren stattfinde. Dieser Maßnahme dürften lediglich rein sachliche Erwägungen zu Grunde liegen. Petersburg, 31. Mai. Es wird eine Verordnung publi- cirt, wonach für die bestehenden fünf Schützenbrigaden des europäischen Rußlands am 1. October je zwei leichte Batterien mit dem Friedensetat und der Bespannung für acht Geschütze gebildet wird. Die kaukasische Schützenbrigade erhält die beiden Gebirgßbatterien der 19. Artilleriebrigadeletztere erhält zwei neue leichte Batterien. In Kriegszeiten hat die 19. Artilleriebrigade zwei Batterien mit Patronen, zwei mit Artillerie-Geschossen. Der Etat der regulären berittenen Artillerie wird um neun Unter-Militärs und sechs Pferde pro Batterie gekürzt. Alexavderien, 31. Mai. Meldung des Bureau'Reuter. Der flüchtige Kassirer Jäger ist heute nach Triest eingeschifft worden. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 31. Mai. Die Königin der Niederlande wurde ä la suite des vierten Garderegiments zu Fuß gestellt. Berlin, 1. Juni. Nach den „Berl. Pol. Nachr." dürfte wahrscheinlich die nächste Reichstagssession mit Gesetzentwürfen handelspolitischer Natur beschäftigt werden. Berlin, 1. Juni. Die „Nationallib. Corresp." schreibt: In Abgeordnetenkreisen werde ernstlich überlegt, ob nach der Haltung des Centrums bei dem Begrabniß ForckenbeckS dem Cent rum ferner noch ein Sitz in den Präsidien des Parlaments eingeräumt werden könne. Kiel, 31. Mai. Es verlautet hier bestimmt, daß der Czar Donnerstag aus der Dacht „Polarstern" zu einstündigem Aufenthalt hier zur Begegnung mit dem Kaiser eintrifft. Die Rückkehr nach Kopenhagen werde Donnerstag erfolgen. Paris, 1. Juni. Der Ministerrath beschloß, daß die Garnison Nancy vor Carnot defilire. Das Project der Revue, welches von unautoristrter Initiative, dem Obersten Chamoin, Adjutanten Carnots, entstammte, wurde aufgegeben. Der Vorfall veranlaßte die Pariser Blätter, die Machtbefugnisse der militärischen Umgebung deS Präsidenten anzugreifen. Brugöre geht jedenfalls und wird dann Corpscommandeur in Rheims. ___________ Darmstadt, 1. Juni. Der Grobherzog und die Prinzessin Alix siedeln heute Mittag nach Jugenheim über- die Abreise nach Schwalbach findet am 15. Juni statt. Cocates rrnv Sieben, 1. Juni 1892. — Bersammluug deS Forstvereius für daS Sroßherzog. thum Hessen in Gießen am 4. und 5. Juli 1892. Nachdem daS Denkmal für Professor Dr. Carl Heyer, dessen Errichtung der Forstverein im Jahre 1887 beschlossen hat, fertiggestellt ist und nachdem die städtischen Behörden den Wunsch ausgesprochen haben, daß dasselbe in der Stadt Gießen selbst ausgestellt werden möge, hat der Vereinsvorstand einstimmig beschlossen, diesem Wunsche zu entsprechen und sich über einen passenden Platz in der Nordanlage mir dem Stadtvorstande verständigt. Um nun der demnächstigen Uebergabe des Denkmals an die Stadt Gießen eine würdige Form und durch die Anwesenheit möglichst zahlreicher Vereinsmitglieder eine erhöhte Weihe zu geben, ist der Vorstand ebenfalls einstimmig zu dem Beschlüsse gelangt, daß die diesjährige Versammlung des Forstvereins mit dieser Feier zu verbinden und die für Offenbach in Aussicht genommene Zusammenkunft aus das nächste oder nächstfolgende Jahr zu verschieben sei. Die Zeiteintheilung der Feier ist folgende: Sonntag den 3. Juli: Von Nachmittags 6 Uhr ab: Begrüßung der Theilnehmer in Steins Gatten. Eintrag in die Präsenzliste, Ausgabe des Excursionssührers und der Karten für Festessen, Concert und Excursion. — Montag den 4. Juli: Oeffentliche Sitzung im Saale des Gasthauses „zum Einhorn" von Vormittags 7*/g ^is 12^ Uhr mit Frühstückspause um 11 Uhr. Tagesordnung: 1) Vereins-Angelegenheiten. 2) Welche Bewirthschaftung in Bezug aus Wahl der Holzart, aus Verjüngung, Bestandserziehung und Umtriebszeit empfiehlt sich für die Thonböden in der Umgebung von Gießen? Referent: Forstmeister Th al er. — 3) Welche Aenderungen des hessischen Forsteinrichtungsverfahrens empfehlen sich insbesondere mit Rücksicht auf eine bessere Sicherung der Nachhaltigkeit, namentlich in Gemeindewaldungen? Referent: Professor vr. Wimmenauer. 4) Mittheilung beachtenswetther Vorkommnisse, Versuche und Erfahrungen im Bereiche des Forstwesens. Nachmittags 1 Uhr: Uebergabe des Heyer-Denkmals an die Stadt Gießen. Hieraus 2 Uhr: Festessen im Gasthofe „zum Einhorn". Abends 6 Uhr: Concert in Steins Garten unter Betheiligung der Damen der Theilnehmer und Festgäste. — Dienstag den 5. Juli: Excursion in die Waldungen der Stadt Gießen und der Grobherzoglichen Obersörsterei Schiffenberg unter Führung der Herren Forstinspectoren Block und Heyer mit einstündigem Aufenthalt im akademischen Forstgarten und gelegentlicher Besichtigung mehrerer Versuchsflächen im Walde. Abfahrt zur Excursion: Morgens 7^2 Uhr vom Ludwigs- Platz. Nach der Rückkehr um 3 Uhr Nachmittags: Gemeinsame Mahlzeit in einem noch zu bestimmenden Locale in der Nähe des Bahnhofs. - — Souderzüge auf der Linie Sieben Deutz. Auf die in heutiger Nummer befindliche Bekanntmachung der Königlichen Eisenbahn - Directton (rechtsrheinische) Köln, betreffend die während des Pfingstfestes auf der Linie Gießen-Deutz verkehrenden Sonderzüge, machen wir besonders aufmerksam. — Vom 1. Juni ab ist der KrebSsang in allen offenen Gewäffern des Grohherzogthums Hessen wieder gestattet. — Mit dem 9. Juni geht die für daS Großherzog- thum Hessen angeordnete Frühjahrs Schonzeit für Fische zu Ende. — Gardinenbrand. Ein gestern Abend spät in einem Hanse der Kaplansgasse ausgebrochener Gardinenbrand konnte rasch gelöscht werden, so daß größerer Schaden nicht entstand. — Steins Garten dürste eben, nach Vollendung seiner in üppigster Vegetation stehenden gärtnerischen Anlage und mit seinen in jungem Grün prangenden schattigen Bäumen, die selbst Schutz in der heißesten Mittagssonne gewähren, einer der angenehmsten und lieblichsten Ausenthaltsorte in weiter Umgebung sein. An den bevorstehenden Feiertagen wird daselbst die hier in gutem Andenken stehende Capelle der 88 er aus Mainz, Capellmeister Herr Baunack, con- eertiren, was gewiß manchem Musiksreunde willkommen sein wird. — Zur Steuerreform. Bei der Zweiten Ständekammer wurde vor einiger Zeit der Antrag auf Einführung des. Declarationszwanges (Selbsteinschätzung) für Einkommen der ersten Einkommensteuer - Abtheilung (Jahreseinkommen von 2600 Mk. an) gestellt. Nach den günstigen Erfahrungen, die man in Preußen mit dieser Einrichtung gemacht hat und da solche bei uns in Hessen auch schon für die Capitalrentensteuer besteht, dürste sraglicher Antrag jetzt mehr Aussicht aus Ersolg haben, als früher, wo sich das Plenum der Zweiten Kammer wiederholt für eine entsprechende Maßregel erklärte. Wenn nun demnächst also doch Revisionen in unserem directen Steuerwesen erfolgen, so wird dann hoffentlich auch eine Anomalie bestiegt werden, die zum Nachtheil unserer Gemeinden sich in dem Capital- rentensteuergesetz befindet. Dort ist nämlich bestimmt, daß diejenigen, welche den Vorschriften genannten Gesetzes zuwider zu wenig Steuer bezahlt haben, zur Nachzahlung des der Staatskasse entzogenen Betrages verpflichtet sind. Dieser Anspruch auf Nachzahlung wird eventuell bis auf fünf Jahre zurück verfolgt und wird im Falle Ablebens des Steuerpflichtigen auch gegen die Erben geltend gemacht. Eine Bestimmung aber, daß auch den Gemeinden die Steuerbeträge, um welche sie geschädigt worden sind, nachzubezahlen seien, findet sich ausfallender Weise in dem Gesetz nicht. Dies kann seinen Grund doch wohl nur in einer unbeabsichtigten Bersäumniß haben, die von dem Gesetzgeber so bald als nur möglich wieder gut gemacht werden müßte. Denn unsere Commnnalsteuercapitalien werden bekanntlich ausschließlich nach den Steuercapitalien für die directen Staatssteuern gebildet und alle Benachtheiligungen in den Letzteren sind ganz gleichmäßig auch Benachtheiligungen der betreffenden Gemeinden. Es sollen sich u. A. in Darmstadt mehrere Fälle ergeben haben, in denen bedeutende Beträge an entzogenen Capitalrentenfteuern nachbezahlt werden mußten, während die Stadt wegen der besprochenen unzureichenden Fassung des Gesetzes das Nachsehen hatte. 6 Herbstein, 28. Mai. Durch die seit einigen Tagen herrschende Hitze ist in unserem etwas hoch gelegenen Orte das Wasser knapp geworden, so daß man täglich die Bewohner mit Fässern aus dem Wagen nach dem nahen Bach fahren sieht, um den Bedarf an Wasser für den Tag zu decken. Als heute Mittag das Fuhrwerk eines hiesigen Bierbrauers ebenfalls mit dem Herbeischaffen von Wasser beschäftigt war, fiel das eine Pferd am Wagen Plötzlich um und verendete sofort, jedenfalls in Folge der großen Hitze. — Die ebenfalls vor ein Wafferfaß gespannten Pferde eines Gastwirths wurden vor einem bunt angestrichenen Wagen einer fahrenden Künstlertruppe scheu und gingen durch. Der Knecht und eine aus dem Wagen sitzende Frau wurden herabgeschleudert, die letztere aber unglücklicher Weise gegen eine Telegraphenstange. Die Frau erlitt einen Schädelbruch, der das Schlimmste befürchten läßt. Laubach, 30. Mai. Am 26. d. M. sand hier die Einweihung des neuerbauten Krankenhauses statt. Nidda, 31. Mai. Der Vorstand des Gewerbvereins hat im Interesse der Gewerbtreibenden einen offenen Zeichen- faal im Vereinshause errichtet. Darmstadt, 30. Mai. Ein 15jähriger Junge, der 1891 aus der Schule entlassen wurde, hatte schon vorher seinen Kameraden mitgetheilr, er werde nach seiner Schulzeit den Lehrer überall zu ärgern suchen. Er hielt Wort und wo er diesen erblickte und sich sicher glaubte, suchte er ihn zu verspotten und lächerlich zu machen. Der Krug geht eben bekanntlich nur so lange zum Brunnen, bis er bricht, was der freche Junge am letzten Freitag vor dem hiesigen Schöffengericht erfahren sollte. Die Beleidigungen trugen ihm eine Woche Gesängniß und die recht beträchtlichen Kosten ein. Die Lehrer haben sich dahin geeinigt, derartige Insulten, die nur zu häufig vorkommen, jedesmal zur Anzeige zu bringen, was sich die betreffenden jungen Herren hinter die Ohren schreiben mögen. Neustadt i. £)., 30. Mai. Dieser Tage wurde dem hiesigen Gefängnisse ein auf frischer That ertappter wohlhabender „Stromer" eingeliefert. Derselbe besaß 18 Mk. zusammengefochtener Münzen und eine größere Anzahl von Schuldscheinen über die von ihm ausgeliehenen Gelder, die zusammen den Betrag von über 3000 Mk. darstellten. Derselbe war aus der Gegend von Freiburg „zugereist". △ Mainz, 31. Mai. In militärischen Kreisen hier ist das Gerücht verbreitet, daß anläßlich der in den Tagen vom 2. bis 10. August durch das 10., 11. und 15. Pionier- Bataillon auf dem Rheine hier stattfindenden großen Pionier- Übungen der Kaiser aus mehrere Tage nach Mainz kommen werde. Eine Bestätigung dieses Gerüchtes glaubt man in dem Umstand erblicken zu dürfen, daß zu den gedachten Uebungen jetzt schon die umfassenden Vorbereitungen getroffen werden. — Anläßlich des im vergangenen Jahr hier stattgehabten Radfahrerfestes, das mit einem nennens- werthen Defizit abschloß, ist eben ein Massenprozeß bei den hiesigen Gerichten anhängig. Da der das Fest veranstaltende Mainzer Radfahrer-Verein keine Corporations- rechte besitzt und Niemand freiwillig die bei dem Feste entstandenen Kosten decken will, haben verschiedene Gläubiger die besser fltuirten Mitglieder des Radfahrervereins — etwa 50 an der Zahl — jedes einzeln auf Zahlung verklagt. Die Kosten, die bei diesem Prozeß entstehen, übersteigen jedenfalls die ganze Schuld. vernmischtes ♦ Frankfurt a. M., 31. Mai. Zum Fall Jäger schreibt die „Frks. Ztg.": Von der spurlos verschwundenen Million, die Rudolf Jäger nach seiner unglaubwürdigen eigenen Aussage kurzer Hand verspeculirt haben wollte, und nach der man behördlicherseits fortgesetzt eifrig forschte, scheint ein Th eil gestern in die Hände der Frankfurter Polizei gefallen zu fein. Nach Aeußerungen, die der inhaftirte Gerlosf, ein Vetter Jägers, in den verschiedenen Verhören fallen ließ, hatte die Behörde Grund, anzunehmen, daß Gerloff noch eine größere Summe im Besitz haben müsse. Gestern Mittag erschien deshalb die Polizei im Hause der Frau Gerloff, um daselbst eine Haussuchung vorzunehmen. Die Beamten trafen dort beim Mittagstisch außer der Frau Gerloffs auch noch dessen Mutter, die Fichardstraße 16 wohnende Wittwe Gerloff. In der Wohnung Gerloffs blieb die Haussuchung resultatlos. Dagegen war das Benehmen der Mutter Gerloffs ein so ängstliches und ausfallendes, daß der anwesende Potizeicommiffär Meyer sofort eine Haussuchung in deren Wohnung anordnete und sich dieserhalb mit der Wittwe Gerloff dahin begab. Die Untersuchung des ersten Zimmers ergab Nichts. Inzwischen war aber die Tochter der Frau Gerloff, eine 25jährige Klavierlehrerin, nach Hause gekommen. Sie bemerkte sofort, daß im Hause Etwas nicht richttg sei, kümmerte sich aber nicht darum, sondern ging direct in da- dlofet. Ihr Verbleiben daselbst war ein so langes, daß es dem Polizeibeamten auffiel. Er nahm sofort eine Untersuchung dort vor, als das Mädchen endlich herausgekommen war, und fand dabei auf dem Wasser schwimmend, Theile von zerrissenen Banknoten. Ein herbeigerufener Installateur riß das Closet auseinander und förderte dadurch eine größere Anzahl zerissener Tausendmarkscheine zu Tage. DaS Mädchen hat nachher zugestanden, daß eS stets eine größere Summe bei sich getragen und versucht hat, sie nach dem Zerreißen in das Closet verschwinden zu lassen. Die Wohnung wurde dann weiter durchsucht, wobei sich in den Kellerräumen ein weiterer Bestand an Kassenscheinen vorfand. Eine heute Morgen wieder vorgenommene Durchsuchung hatte kein Resultat. Mutter und Tochter wurden sofort verhaftet und in das Untersuchungsgefängniß abgeführt. Die Wohnung ist polizeilich versiegelt und der Schlüssel dem Hausherrn, Herrn Kunstgärtner Schäfer, übergeben worden. * Saarbrücken, 31. Mai. Ein gegen einen hiesigen Einjährigen beim 70. Infanterie-Regiment ergangenes kriegS- gerichtliches Unheil, lautend auf 9 Monate Festung und 10 Tage Gesängniß wegen eines Pistolenduells und Körperverletzung eines Arbeiters mittelst Säbels, ist von höchster Stelle bestätigt worden. * Nürnberg, 31. Mai. In dem oberpfälzischen Markt Abbach brannten gestern Abend 20 Häuser, darunter die Postexpedition ab. * Amberg, 31. Mai. Die „Amb. Volksztg." meldet: In Parkstein brannten vorgestern Nacht 23 Wohn- und Nebengebäude ab. Ein heftiges Gewitter äscherte zugleich in Weitenhill vier, in Witzlohe, Ensberg, Unterauerbach, Regenstauf, Nittenau, Muschenried und Dappershofen je ein Gebäude ein. In Dappershofen wurde ein Oeconom durch den Blitz ge- tödtet und in Roetz wurde ein Händler schwer verwundet. === , ------- ■ — ...... ■ __________ Universität- - Nachrichten. — Privatdocent Dr. Schoenslies in Göttingen wurde zum außerordentlichm Professor in der philosophischen FacultLt der Universität ernannt. Leipzig, 29. Mai. Der ordentliche Professor an der technischen Hochschule zu Karlsruhe Dr. Karl Bücher wurde als ordentlicher Professor für Statistik und Nationalöconomie an die hiesige Universität berufen. Verkehr, €ait&» unö Volkrrvirthsckaft. — DeSinfeettonSmittel für die heiße Jahreszeit. In der heißen Jahreszeit, wo Ansteckungen am 'leichtesten ftattfinden, sollte jeder Landwirth, Gasthofsbesitzer und Restaurateur für Pferde- ställe folgendes Prävarat als sehr wirksames DeSinfectionsmittel anwenden. Man mischt zusammen 8 Theile Ziegelmehl, 10 Theile gelöschten Kalk, V/» Theil ealetnirte Soda, 1 Theil Theer, ■/< TheU rohe Karbolsäure. Für Senkgruben, Kloaken und Eimer eignet sich folgende Mischung: 500 Theile zerfallenes Eisenvitriol, 475 Theile Gips, 25 Theile rohe Karbolsäure, oder man kann hier auch nehmen eine Mischung von 300 Thellen Eisenvitriol, 300 Thellen gelöschtem Kalk und 400 Tbeilen Torfmull. Literat«» «xd Armst. — »Der Stein der Weisen*. In dem soebm erschienenen 11. Hefte bietet diese vielgelesene Zeitschrift, die daS Gebiet der populären Wissenschaften mit so vielem Glücke und Erfolg bearbeitet, ihren Lesern wieder eine Menge beachtenswerther Abhandlungen, welche außergewöhnlich reich mit Abbildungen bedacht sind. Dm Reigen eröffnet Prof. Fr. Müller mit einem Aufsatze „Stimmwerkzeuge der Jnsecten", erläutert durch 13 sehr belehrende bildliche Darstellungen. Hieran schließm L. Manns Auseinandersetzungen über den Feuerstoff aI9 Erzeuger der Epidemien, die ein völlig neues Gebiet naturwissenschaftlicher Forschung erschließen. Weiter folgen einige wunderliche Modelle (4 Bilder) von neuen Flugapparaten, deren halsbrecherische Constructionen eher Gruseln als Vertrauen in die Projecte der kühnen Prostctanten erwecken. Sehr hübsch sind die vielen Ansichten von Palermo. Al« völlig neu — auch für viele Fachmänner — erweist sich die Abhandlung deS bekannten Eüctro- technikers E. ‘be Fodor über daS Electrische Schmelz- und Läth- verfahren. 20 Abbildungen und Figuren erläutern diese neueste technische Errungmschaft. Weitere interessante Artikel behandeln die Drahtseilbahn auf den Monte San Salvatore bei Lugano, einige neue Vervielfältigungsapparate, das Radiometer und den Riesenbaum „Sabino" (mit Vollbild). Schließlich sind noch die fachlichen Ab- handlungen über Das Entmagnetisiren der Uhren, DaS Sammeln von Mineralien und Fossilien und daS Kräfteparallelogramm zu nennen. „Der Stein der Weisen" (A. HattlebenS Verlag, Wien) kann sich rühmen, eine jener hervorragenden illustrirten Zeitschriften zu jein, die in jeder Nummer Uebergenug des Neuen und Jnteressantm brinaen. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 21. Woche. Vom 22. Mai biS 28. Mai 1892. Einwohnerzahl: 20611 (ind. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 42,91 o/mbezw. 30,29 nach Ausschl.derOrtSfremdm. Kinder A n m. Die in Klammern gesetztm Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Wochenbettfieber 1 (1) 1 (1) —— — Lungenschwindsucht 3 (1) 3 (1) — — Lungenentzündung 1 1 — — Andere bekannte Krankheiten 11 (3) 7 (2) 3 (1) 1 Unbekannter Krankheit 1 1 -- —— Summa: 17 (5) 13 «) 3 (1) 1 Grobe Partien * * ’ Herren- uud Knabenanzüge, Confirmandenanzüge, Ueberzieher, Havelocks rc. werdm zu erntet* aewölMlich billigen Preisen verkauft bei Gebr. Stamm, Markt und Schulstraßen-Ecke. [1405 30T Anfertigung nach Maß in bester und billigster Ausführung. ———- ■" » » Temperatur der Lahn und Lust gemessen nach Reaumur am 1. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 19 Grad, Lust 17 Grad im Schatten. Rübsamen'sche Badeanstalt.