Rr. 255 Erstes Blatt Dienstag den 1. November 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Jamttien b kätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Hichencr Anzeiger Henerat-Anzeiger. Vierteljähriger Avonnementspreis: 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzaigebltttt fiw den Ureis Greffen. Lnniihme von Anzeigen zu der NachmitlagS für dm I ‘-ÄrttttTrtOttfirrt-ffrfr Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslände« nehmen "ft 8 Sotn1,1°ut1, । Vrailsoenage. Gieyener Lamuienvlatter. Anzeigen für „Gi°ß°n.r An,.ig.r-emg-gm. 2lnrtli^»ev Theil. f . Gießen, am 28. October 1892. ( Betr.: Die Wahlen von Kreistagsabgeordneten durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lumda, Allertshausen, Alten- Buseck, Annerod, Bellersheim, Bersrod, zugleich für Winnerod, Bettenhausen, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Daubringen, Geilshausen, Großen - Buseck, Harbach, Heuchelheim, Hungen, Inheiden, Kesselbach, Langd, Langsdorf, Lindenstruth, Lollar, Londorf, Lumda, Mainzlar, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Odenhausen, Oppenrod, Rabertshausen, Reinhardshain, Reiskirchen, Rodheim, Rödgen, Röthges, Rüddingshausen, Ruttershausen, Saasen, Staufenberg, Steinheim, Trais-Horloff, Treis a. d. Lumda, Trohe, Utphe, Billingen, Weitershain, Wieseck. Nachdem gegen die Bekanntmachung vom 9. Juli 1892 — Kreisblatt Nr. 159 — innerhalb der vorbestimmten Frist Einwendungen nicht erhoben worden sind, beauftragen wir Sie, die daselbst angegebene Zahl von Bevollmächtigten zur Kreistagswahl aus dem Gemeindevorstand in einer Sitzung des Gemeinderaths wählen zu lasten, hierüber ein Protocoll nach dem unten folgenden Muster aufzunehmen und dieses binnen acht Tagen an uns einzusenden. Wir bemerken, daß als Bevollmächtigte der Gemeindevorstände solche Personen nicht gewählt werden dürfen, welche zu den 50 Höchstbesteuerten gehören, und verweisen deshalb auf das Berzeichniß derselben im Anzeiger Nr. 209 vom 8. September 1892. v. Gagern. Protocoll über die Ernennung von Bevollmächtigten zur Wahl des Kreistags. Geschehen den....... Anwesende: Da die Gemeinde . . . Seelen zählt, dem Gemeinde - Vorstand also nach Artikel 20 des Gesetzes vom 12. Juni 1874 zukommt, Behufs der obenbemerkten Wahl. . . Bevollmächtigte aus seiner Mitte zu ernennen, so sind deshalb auf die anliegende, von Großh. Kreisamt erlassene Aufforderung sämmtliche Mitglieder des Gemeinde- Vorstandes zur heutigen Versammlung eingeladen worden und die zur Seite bemerkten erschienen. Es wurde beschlossen, daß...... zur Abstimmung für die Wahl des Kreistags in oben bemerktem Wahlbezirk von dem Gemeinde- Vorstande hiermit bevollmächtigt sein sollen. ________________________________Unterschriften:___________________ Bekanntmachung, Maßregeln gegen die Cholera betreffend. Im Hinblicke auf das saft vollständige Erlöschen der Cholera - Epidemie in Hamburg heben wir die durch unsere Bekanntmachungen vom 7. September (Anzeiger Nr. 210) und 26. September (Anzeiger Nr. 249) angeordneten Maßregeln vollständig aus, so daß nunmehr sowohl alle bisher gegen Personen aus verseuchten Orten und ihr Gepäck gerichteten Controlmaßregeln (namentlich die Anzeigepflicht von aus Hamburg zugereisten Personen), als auch das Ein- und Durchfuhrverbot für gewisse Maaren und andere Gegenstände außer Kraft treten. Gießen, den 31. October 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 29. October. Der Kaiser wohnte am Freitag und Samstag den vom Grasen Eulenburg, dem preußischen Gesandten in München, in dessen Forsten bei Liebenberg in Schlesien veranstalten Jagden bei. Am Spätabend letztgenannten Tages passirte der erlauchte Herr aus der Rückreise von diesem Jagdauöfluge Berlin und wurde er hierbei aus dem Bahnhose von dem kurz vorher eingetroffenen Kronprinzen von Schweden vegrüßt. In Begleitung des schwedischen . Thronfolgers begab sich der Kaiser alsdann nach Potsdam. I Am Montag Vormittag in der neunten Stunde gedachten der Kaiser und die Kaiserin, begleitet vom Kronprinzen von Schweden und dem inzwischen ebenfalls am kaiserlichen Hose eingetroffenen Herzog von Uork von der Wildparkstation bei Potsdam aus nach Wittenberg zu reisen, um der Einweihung der restaurirten Schloßkirche beizuwohnen. — Die nunmehr erfolgte amtliche Bekanntgabe der Einberufung des Reichstages aus den 22. November leitet einen neuen Abschnitt in der parlamentarischen Geschichte des Reiches ein, der sich zweifellos ebenso bewegt wie bedeutsam gestalten wird. Natürlich wird die bevorstehende Wintersession des Reichstages vor Allem durch die angekündigte Militärvorlage beherrscht werden und ist es nur noch ungewiß, ob dieselbe dem Reichstage gleich bei seinem Zusammentritte oder erst nach Neujahr zugehen wird. Falls indessen das erstere wirklich der Fall wäre, so stünde doch eine definitive parlamentarische Entscheidung in'der Militärvorlage schwerlich in der kurzen Zeit bis zu den Weihnachtsferien zu erwarten, vielmehr dürfte sie erst in dem Sessionsabschnitt nach Weihnachten fallen, vorausgesetzt eben, daß die Vorlage b- m Parlamente in der That zu Beginn der Session unterbreitet wird. In der Hauptsache wird der Reichstag die paar Wochen vom 22. November bis zur Weihnachtspause, wohl mit den Generaldebatten über den Etat und die anderen Vorlagen, die ihm vermuthlich beim Wiederzusammentritte oder wenigstens bald nach diesem Zeitpunkte zugehen werden, aussüllen, wozu man voraussichtlich die Entwürfe über die Reform der Abzahlungsgeschäfte, über den Verrath militärischer Geheimnisse, die Novelle zum Wuchergesetz, die No- vellen zu den verschiedenen Militärpensionsgesetzen, sowie einige kleinere Sachen rechnen kann. Daneben wird er sich über einige schwebende handelspottrffche Fragen und außerdem mit Initiativanträgen, Petitionen usw. zu beschäftigen haben. Jedenfalls wird aber der Schwerpunkt der Reichstagsverhandlungen auch diesmal, wie bei fast allen bisherigen Wintersessionen, in dem Sessionsabschnitte nach Weihnachten ruhen. — lieber die Seitens des Reichskanzlers eingeleitete Untersuchung in Sachen der durch die vorzeitige Veröffentlichung der Militärvorlage begangenen Jndiscretion verlautet noch nichts Näheres. Ob bei diesen hochnothpeinlichen Nachforschungen überhaupt viel herauskommen wird, steht freilich zu bezweifeln, zum Mindesten werden es die „intellektuellen Urheber" des vorliegenden „Verrathes" schon verstehen, sich aus der Schlinge zu ziehen. Im Uebrigen würde der Reichsregierung dieser ihr so verdrießltche Zwischenfall erspart worden sein, hätte sie aus freien Stücken den wesentlichsten Inhalt der neuen Militärvorlage veröffentlicht. Denn das, was durch die Mittheilungen der „Köln. Ztg." hierüber so unerwartet bekannt geworden ist, deckt sich ja in den Hauptpunkten mit dem, was bisher schon über die Militärvorlage gerüchtweise bekannt war,- die Geheimnißthuerei mit derselben hat also eigentlich gar keinen Zweck gehabt. Berlin, 29. October. Die „Germania" meldet aus zuverlässiger Quelle, Erzbischof Kremenz in Köln solle zum Cardinal ernannt werden. Es sei noch unbestimmt, ob die Ernennung im päpstlichen Consistorium im December oder im nächsten Jahre anläßlich des 25jährigen Blschos- jubiläums des Erzbischofs Kremenz erfolge. Wittenberg, 29. October. Seine Majestät der Kaiser hat der Stadt Wittenberg aus Anlaß der Einweihung der Schloßkirche sein Bildniß für den Raihhaussaal verliehen. Königsberg i. Pr., 29. October. Durch eine mittelst Extrablattes veröffentlichte Verfügung des Regierungspräsidenten wird angeordnet, daß der Uebertritt von Per- onen aus Rußland innerhalb des Regierungsbezirks Königsberg nur in Jllowo stattfinden darf. Hamburg, 29. October. Gestern erkrankten hier vier Personen an der Cholera. Hamburg, 29. October. Bei den Brodlieserungen für das neunte Armeecorps sollen Betrügereien vorgckommen ein. Die Untersuchung wurde eingeleitet. München, 29.October. In Sachen der kaufmännischen Sonntagsruhe nahm eine gestern hier abgehaltene Ver- ammluug die Resolution für völligen Schluß der Comptoire und Engrosgeschäfte an, ferner für Schluß aller offenen und Ladengeschäfte Mittags um 1 Uhr und für Absperrung felbst- thätiger Automaten an Sonntagen. Leipzig, 29. October. Unter äußerst zahlreicher Teilnahme von Vertretern inländischer und ausländischer Universitäten, städtischer und staatlicher Behörden, sowie Studenten and heute Vormittag nach der Trauerfeier in der Universitäts- 'irche die Beerdigung des Professors Windscheid statt. Ausland. Wien, 29. October. Bei der am Montag in Wittenberg stattfindenden Kirchenfeier wird Oesterreich durch den Präsidenten des evangelischen Oberkirchenraths Franz vertreten sein. Diese Einladung erfolgte auf besonderen Wunsch Kaiser Wilhelms. Budapest, 29. October. Nach dem offiziellen Saaten- standsberichte entwickelt der Herbstanbau sich sehr schön. Raps steht prachtvoll, die Saaten sind jedoch durch Jnsecten und Mäuse geschädigt. Das Maisergebn'iß ist schwach mittel. Triest, 29. October. Dem „Piccolo" zufolge ist das Befinden des Papstes trotz der Dementis gefährlich. Die Schwäche des Papstes ist sehr groß. Alle Empfänge wurden abgesagt. Paris, 29. October. Deputirtenkammer. Der Deputirte Millevohe richtete heute eine Anfrage an die Regierung wegen der Erklärungen, welche der deutsche Socialist Liebknecht auf dem Congreß in Marseille abgegeben hatte; er tadelte den deutschen Socialisten auf das Heftigste, daß er verhängnißvolle, dem nationalen Geiste widerstrebende Theorien in Frankreich verbreite. Bon jetzt ab solle allen deutschen Socialisten der Zutritt nach Frankreich untersagt und verboten sein, die elsaß-lothringische Frage mit Frankreich zu discutiren. — Der Ministerpräsident Loubet erwiderte, die öffentliche Meinung habe bereits ihr Urtheil über die aus dem Marseiller Congreß gepredigten Theorien gefällt. Die Anwesenheit Liebknechts habe gar keine Bedeutung gehabt und die Bevölkerung habe ihm keineswegs den in der Presse mehrfach erwähnten enthusiastischen Empfang bereitet. „Niemals werden wir", so schloß der Minister, „einem Fremden, er fei, welcher Nationalität er wolle, gestatten., Störung der Ordnung und Ungehorsam gegen die militärischen Gesetze zu predigen." (Lebhafter Beifall.) Hiermit war der Zwischenfall erledigt. Antwerpen, 29. October. Die Dauer der Quarantäne für Herkünste aus Deutschland und den russischen Ostsee- Provinzen ist ton sieben auf fünf Tage herabgesetzt worden. Schiffe, welche gemäß der Verordnung des Hamburgischen Senats vom 4. October bereits untersucht sind, werden von jetzt ab bei ihrer Ankunft in Antwerpen nur ärztlich revidirt. Stockholm, 29. October. Die Verhandlungen über die Militäroorlagen im Plenum des Reichstags beginnen am 20. November und dauern bis Ende November. Petersburg, 29. October. Dem „Herold" zufolge geht dem Reichsrathe jetzt ein Gesetzentwurf zu betreffs einer Erhöhung der Bieraccise. — Wie die „Börsenzeltung" meldet, ist die Einführung einer Wohnungsfteu er, sowie die Erhöhung der dreiprocentigen Staatsstcuer vom Reingewinne derActienunternehmungen aus eine fünfprocentige geplant. Newyork, 29. October. Ein Großseuer zerstörte gestern Abend die Gasanstalten der Stadt Milwaukee. In Folge eines Orkans dehnte sich das Feuer bis zu dem Fluß- user aus. Obwohl die Nachbarstädte einschließlich Chicago alle Dampspumpen zu Hilfe sandten, sind doch die Lagerhäuser der Nordwestbahn mit großen Waarenvorräthen und Vieh- heerden verbrannt. Die Getreidespeicher der Firma Smith sind ebenfalls niedergebrannt. Die Stadt war die ganze Nacht ohne Licht. Das Feuer greift noch fortwährend um sich, der Schaden beträgt mehrere Millionen. Newyork, 29. October. In den Monaten Juli, August und September wurden 31,76 Millionen Bushel Weizen gegen 50,41 Millionen im Vorjahre, 6,39 Millionen Bushel Mais gegen 7,10 Millionen, 4,10 Barril Weizenmehl gegen 2,830, 4,24 Bushel Roggen gegen 4,27 und 849,500 Bushel Gerste gegen 490,650 im Vorjahre exportirt. Zlcucjtc Nachrichten». Wolftö telegraphische« Correfpondenz-Bureau. Wittenberg, 30. October. Se. Majestät der König hat bereits gestern aus Anlaß der Einweihungsfeier einige Orden s- aus Zeichnung en verliehen: dem Landrath v. Bodenhaufen den rothen Ad Orden 3. Kl. mit der Krone, dem Gymnasialdirector Guhruuer den Kronen-Orden 3. Kl., dem Re- gieruiigsbaumeister Grothe den rothen Adler-Orden 4. Kl. und dem Holz Bildhauer Lober den Kronen-Orden 4. Klasse. Wittenberg, 30. October. Die Stadt prangt schon heute im reichsten Fest schmuck, au dessen Vollendung aller wärts die letzte Hand angelegt wird. Von dem mit den Fahnen und Wappen aller evangelischen Fürstenhäuser reich gcsck'k ften Bahnhof bis zur Schloßkirche bezeichnen hohe, Der 1415 Anträge auf andere haben. Unter den Personen, rente traten, befanden sich Altersrente bezogen. — Das Zahresfest des Erlaß einer Polizeiverordnung bezweckt, die das Clavierspielen, Musiciren re. in den hiesigen Wirthschasten verbietet. Die Vorlage enspringt einem allgemein sehr berechtigten Wunsch. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 31. October. Eine von 500 Personen besuchte Versammlung erklärte ihr Einverständniß mit der Consti- tuirung der neuen freien Volksbühne unter Leitung Bruno Willes und den Bestand für gesichert. Berlin, 31. October. Der Reichskanzler forderte juristische Gutachten über die Veröffentlichung der Militärvorlage durch die „Köln. Zeitung" vom Reichsjustizamt, der Rechts- abtheilung des auswärtigen Amtes und vom preußischen Justizministerium ein. Stuttgart, 31. October. Königin Olga von Württemberg ist gestern Abend 7 Uhr gestorben. Brüssel, 31. October. Der Bergarbeitercongreß im Borinage beschloß einstimmig 30% Lohnerhöhung zur Ausgleichung des Lohnstrikes von der Regierung zu erbitten. Rewyork, 31. October. Der „Herold" taxirt den durch die Feuersbrunst in Milwaukee angerichteten Schaden aus 20 Millionen Dollars. Berlin, 31. October. Der Kaiser, die Kaiserin, die drei ältesten Prinzen reisten heute früh 8 Uhr 15 Min. von Potsdam nach Wittenberg in Begleitung der Fürstlichkeiten, über Berlin. Um 9 Uhr 15 Min. stiegen daselbst der Prinzregent Albrecht, der Erbprinz von Meiningen, der Großherzog von Oldenburg und der Reichskanzler ein. Wittenberg, 31. October. Heute früh 7 Uhr wurde von allen Kirchthürmen das Lutherlied geblasen. Die Straßen sind herrlich geschmückt, namentlich die Feststraße,- bei dem Lutherhause steht ein Triumphbogen. Das Wetter ist herrlich, unter der zahlreichen Menschenmenge' sind viele Landleute. Gegen 9% Uhr hielten die Torgauer Geharnischten in prächtigen mittelalterlichen Rüstungen ihren Einzug. Oberhesfischeu Vereins für innere Miffion wird nun bestimmt am 16. November in Gießen gehalten werden. Die Festpredigt hat Herr Professor D. Reischle in Gießen übernommen. — Die Reichsbank hat den Discont auf 4 pCt. und den Lombardzinssuß für Darlehen gegen ausschließliche Verpfändung von Schuldverschreibungen des Reicks oder eines deutschen Staats aus 4% pCt., gegen Verpfändung sonstiger Werthpapiere und Maaren aus 5 pCt. erhöht. Schlitz, 28. October. Wie der „Bote" meldet, hat Herr Gras v. Schlitz genannt v. Görtz das Protectorat über die von Herrn Musikmeister H. Stiehl dirigirte Musikschule aufgehoben und derselben die ihr seiner Zeit zur Disposition gestellte Wohnung in der Berleburg entzogen. X. Butzbach, 30. October. Heute Vormittag trafen mit dem Zuge 11 Uhr 5 Min. circa 50 Herren von Frankfurt (Taunusclub) zur Besichtigung des ausgegrabenen Römercastells ein. Dieselben wurden von Herrn Streckencommiffär Kosler, sowie einigen Butzbacher Herren abgeholt. BadRauheim, 29. October. Wie die „Darmst. Ztg." hört, hat die Forstbehörde angeordnet, daß im Frauenwald hinter dem großen Sammelteich der seither eingeführte Schälwaldbetrieb eingestellt und Hochwaldcultur eingeführt wird. Ein in Schlangenwindungen auf die Höhe des Berges führender Promenadeweg soll angelegt werden. Steinfurth bei Bad-Nauheim, 28. October. Bei der am Mittwoch startgehabten Bürgermeisterwahl erhielten Gastwirth „zum Darmstädter Hos" Jean Rosenbecker' 65, Landwirth Heinrich Huber VIII. 60 und Beigeordneter Gg. W. Alles 37 Stimmen. Es findet somit eine Stichwahl zwischen den beiden Erstgenannten start. Der langjährige seitherige Bürgermeister Herr Alt hatte mit Rücksicht auf sem vorgerücktes Lebensalter auf eine Wiederwahl verzichtet. I D. Ztg. Friedberg, 29. October. Bei der am 26. October stattgehabten Ziehung.der Friedberger Fohlen- und Pserdemarkt-Lotterie gewannen folgende, nach den Preisen geordnete Nummern Fohlen: Nr. 4456 7976 7348 427 7110 5322 2517 7809 1919 4653 6224 7655 8822 8358 4186 7100 963 2084 9385 4463 7797 9428 7063 8536 629. I totales rrnd provinzielles. Gießen, 31. October 1892. — Vom Gymnasium. Um die Unterrichtsmethode in den einzelnen -Gymnasialklaffen und die Einrichtungen des pädagogischen Seminars kennen zu lernen, hielt sich in der vorletzten Woche Herr Dr. Merian-Genast (Jena) drei Tage hier auf. Zu gleichem Zwecke war in der letzten Woche Herr Professor Treutlein (Karlsruhe) hier. — Theater-Verein. Wie bereits angezeigt wurde, gelangt am nächsten Donnerstag (3. November) im großen Saale von Steins Garten „Fedora" von Sardou zur Aufführung. „Fedora", ■ ein Drama in 4 Acten, gehört zu dem Besten, was Saraou geschrieben. Die Titelrolle war für die erste französische Tragödin Sarah Bernhardt bestimmt. Mit äußerster Schärfe spitzt sich die Entwickelung der Katastrophe zu. Die Scenen zeigen vollendeten künstlerischen Ausbau. Der lebhaft bewegte, nirgends ermüdende Dialog wird blitzartig durch geistreiche Wendungen und seine Beobachtungen erhellt- die außerordentlich glückliche Uebersetzung Paul Lindaus läßt an keiner Stelle die Frische des Originals vermissen. Sardous „Fedora" übertrifft überdies die zeitgenössischen Stücke durch Beachtung der Grenzen des Zeit- und Anstands- gesühls. Alles dies erklärt den bedeutenden Erfolg, den „Fedora" auf allen größeren Bühnen Deutschlands errungen hat. Wir können um deswillen die Wahl des Stückes eine äußerst glückliche nennen. Der Vorstand des Theater-Vereins ist bemüht gewesen, mit „Fedora", welches eine größere Zahl der Mitwirkenden und ausgedehntere scenische Mittel erfordert, die Wintersaison in würdiger Weise einzuleiten. Unter den auftrelenden Mitgliedern des Frankfurter Theaters befindet sich eine größere Zahl von Darstellern, die bisher in Gießen noch nicht gespielt haben. Auch dies sichert der Ausführung am kommenden Donnerstag den Reiz der Neuheit. Neues Theater. Vielseitigem Drängen nachgebend, trat Herr Resemann gestern Abend vor ausverkauftem Hause nochmals als „Kean" aus. Wir begnügen uns deß- halb, aus unsere frühere Kritik zu verweisen. Bemerkt sei nur noch, daß etwas mehr Ruhe im Zuschauerraume sowohl während, als besonders gegen Schluß der Vorstellung dringend wünschenswerth gewesen wäre. — Nächsten Dienstag wird Herr Resemann als „Graf Waldemar", einer seiner bedeutendsten Rollen, die Reihe seiner diesjährigen Gastspiele in unserer Stadt beendigen. Hoffen wir, daß die Betheiliqunq von Seiten des Publikums eine ebenso allgemeine, wie bei der gestrigen Vorstellung ist, damit der geschätzte Gast ein recht gutes Andenken von Gießen mitnimmt. — Diebstahl. In der Nacht vom 28. aus den 29. l. Mts. sind einem Gartenbesitzer des Schiffenberger Weges 47 Krauthäupter und 26 Stück Wirsing gestohlen worden. Der Dieb hatte sich das beste Kraut herausgesucht. — Zur feierlichen Einweihung bet neu hergestellten Schloß, k'rche in Wittenberg wurde heute Mittag 12 Uhr das alle Luther-Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" von einem Posaunen-Chor aus dem Thurme unserer Stadtktrche geblasen. — Schlafwagen-Betrieb. Nachdem die Cholera in Hamburg als erloschen anzusehen ist, wird vom 1. November ab der Schlafwagen-Betrieb zwischen Frankfurt a. M. und Hamburg wieder ausgenommen werden. - Alters- und Zuvaliden-Renten Nach den im Reichs- verstcherungsamt angesertigten Zusammenstellungen betrug dem „Reichs-Anzeiger" zufolge am 30. September 1892 die ' Zahl der seit dem Inkrafttreten des Jnvaliditäts- und Alters- 1 ; * Bonn, 29. October. Seit dem 17. d. Mts. wurde ein Husar des hiesigen Regiments vermißt. Während ein Steckbrief hinter dem Deserteur erlassen wurde, befand der- I selbe sich noch in der Kaserne, und zwar versteckt im I L> ch w e i n c st a l l. Daselbst hat er eine Woche verbracht! I Als man ihn auffand, war er so elend, daß man ihn per I Tragbahre nach dem Lazareth schaffen mußte. * Die Wirkung des „Neuen" in elsässischen Weinorten. Aus Weinorten meldet das „Elsässer Tageblatt" : Es folgen nur I wahre Begebenheiten, deren Glaubwürdigkeit thurmhoch über | i^dem Zweifel erhaben thront. Was der neue, feurige „Zwei- I undncunziger" bis dahin schon gewirkt, ersehen wir aus Folgendem: Ein Mann klammerte sich Abends inbrünstig an einen Laternenpfahl und jammerte unaufhörlich: „Esch denn's I Erdbebe no nit verby?" — Ein Anderer war eifrig bemüht, I eine Cigarre an der fließenden Brunnenröhre anzuzünden. —. Ein Dritter verlangte mitten in der Woche an der Theater- > kasse mit unbeugsamer Hartnäckigkeit ein Sonntagsbillet nach I M. hin und zurück mit der Berechtigung, auf allen Zwischen- stationen auszusteigen. — Ein Vierter zog beim Nachhause- gehen die Stiefel vor der Hausthüre aus und stellte dieselben ganz hübsch auf das Trottoir. Umsonst suchte die zärtliche Gattin des anderen Morgens die Stiefel des noch tief schlummerndem Galten in allen Winkeln und Ecken. Die Stiesel hatten in der Perlon eines Vorübergehenden schon einen Liebhaber gefunden. — Das schlimmste Abenteuer erlebte ein Velocipedsahrcr in Folge Genusses von „Neuem". i „An der Erde kleben wir, leider über die Gebühr!" so I träumte der jählings Gestürzte die ganze Nacht int „seichten Bette", tm „kühlen Grabensgrunde!" In seinem Kopfe aber „da gehl ein Mühlenrad"- es surrte, als ob unter seinem Schädeldache ein meisterhaftes Velorennen abgehallen würde. Das getreue Fahrrad, ein sogen. Känguruh, lag bis am andern Morgen ruhig zur Seite und wurde dann erst auf „emsamen", menschenleeren Pfaden heimgefahren. Der Radfahrer gelobte, nie 2 auf 1 Velo zu laden, zumal nicht einen „Affen", da bekanntlich „Affen" und Känguruh" sich schlecht mit einander vertragen. * Eisenbahnunsälle gegen Entree. Eine Mittheilunq aus Chicago besagt, daß ein unternehmender Maschinist der „Lonis- ville und Albany Reilroad" während der Weltausstellung wirkliche Zugzusammenstöße und andere Eisenbahnunsälle, wie sie sich in den Vereinigten Staaten öfters ereignen, gegen ein kleines Eintrittsgeld dem Publikum vorzuführen gedenkt. Der Urheber dieses amerikanischen Planes verlangt nun einen freien Platz in der Nähe der Ausstellungsgebäude, um dorr zwei große kreisrunde, gleichlaufende Schienenwege, neben denen Tribünen für mehr als 30000 Zuschauer errichtet werden sollen, bauen zu lassen. Die beiden Schienenstränge sollen natürlich durch Weichen untereinander verbunden werden, die man öffnen oder schließen kann, je nachdem man eine Katastrophe herbeiführen will oder nicht. Zwei Lokomotiven sollen, nachdem sie mehreremals eine Rundfahrt in diesem Circus gemacht haben, mit voller Dampfkraft gegen einander losgelassen werden. Die Maschinisten und Heizer werden natürlich im richtigen Augenblicke nach verschiedenen Richtungen hin abspringen muffen, um nicht zermalmt zu werden. Der Maschinist, der dieses sonderbare Schauspiel vorführen will, hat die Absicht, sich damit wirklich ausrangierter Eisen- bahnlocomoriven zu bedienen, er hat berechnet, daß ihm jede Vorstellung nur 2500 Dollars kosten werde, da die Eifenbahnverwaltung alte Maschienen gewöhnlich sehr billig verkauft. Sollten sich nicht auch Passagiere finden, die gegen Entree verrnischtes. * Berlin, 27. October. Einen eigenthümlichen Eindruck macht die standesamtliche Trauung eines taubstummen Paares. Da sind gewöhnlich vier der Sprache beraubte Personen, — denn auch dce Zeugen sind in den meisten Fällen Leidensgenossen — versammelt, und zu ihnen gesellt sich eine Dame, gleich den Anderen Zeichen gebend, aber gleichzeitig außer der Zeichensprache auch der Zunge mächiig. Diese Dame ist Lehrerin an der Königlichen Taubstummenanstalt. Gerichtlich vereidigt, dient sie als Dolmetscherin zwischen dem Standesbeamten und dem jungen Paar, welches das bindende Ja nicht aussprechen, sondern nur durch Zeichen anzugeben vermag. Die Dolmetscherin hatte den Ehestandscandidaten bereits beim Ausgebot das Geleit gegeben. Ehen zwischen Taubstummen zählen keineswegs zu den Seltenheiten. * München, 28. October. Die Salvatorbrauerei erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahre einen Bruttogewinn von Mack 159,193 gegen Mark 129,519 des Vorjahres. Mark 64,836 werden zu den Abschreibungen verwandt,- die Dividende wird in der im November in Berlin stattfiudenden Aufsichtsrathssitzung festgesetzt. * Nach einem Telegramm des Bureau Reuter aus San Francisco sind dort Nachrichten aus China über eine Ueberschwemmung am Gelben Fluffe eingetroffen. 12 Städte sollen weggeschwemmt sein, doch hätten die Einwohner Zeit gehabt, sich zu flüchten. Die Ueberschwemmung habe sich über drei Provinzen erstreckt. Dagegen läßt sich die „Central News" auf demselben Wege melden, daß der Gelbe Fluß über seine Ufer getreten fei und ein Gebiet von 225 Klm. Länge und 45 Klm. Breite überschwemmt habe, wobei 5 0 0 0 0 P e r s o n e n e r l r u n k e n s e i e n. Die Verheerungen seien so groß, daß 1 Million Menschen Hungers sterben müßten, wenn die Regierung dieselben nicht bis zum Frühjahr unterstütze. Merkwürdigerweise wird in beiden Meldungen die Gegend der Ueberschwemmungen nicht näher bezeichnet. Möglicherweise sind die Nachrichten hierüber stark übertrieben. * Mannheim, 29. October. In dem nahen Mundenheim erschoß nach voraufgegangenen Streit der Taglöhner Wagner seinen Schwager, den Taglöhner Brendel. mtt Tannengrün umwundene Masten, von denen Fahnen in Versicherungsgesetzes erhobenen Ansprüche aus Bewllliaun a allen Farben, abwechselnd mit dem schwarzgelben Banner der 1 ----or<1“ ' ' ' 1 ----- Stadt Wittenberg wehen, die Feststraße. Vor dem Rathhause, der Schloßkirche und dem Lutherhause sind mit Baldachinen überdeckte Estraden errichtet, auf denen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, umgeben von den fürstlichen Gästen, die Huldigung der Stadt entgegennehmen und den Festzug vorüberziehen lassen werden, wobei Sr. Majestät die Schlüssel für die neu zu weihende Kirche übergeben werden. Fremdenzustuß ist von allen Seiten ein sehr großer. I oo n Altersrenten bei den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kaffeneinrichtungcn 215,132. Von diesen Wurden 167,389 Rentenansprüche anerkannt und 38,869 zurückgewiesen, 4463 blieben unerledigt, während die übrigen 4421 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Die Zahl der während desselben Zeitraums erhobenen Ansprüche auf Bewilligung von Invalidenrente betrug bei den 31 Versicherungsanstalten und den 9 zugelassenen Kasseneinrichtungen insgesammt 28,481. Von diesen wurden 11,477 Rentenansprüche anerkannt und 11,064 zurückgewiesen, 4525 blieben unerledigt, während die übrigen Weise ihre Erledigung gesunden die in den Genuß der Jnvaliden- 395, welche bereits vorher eine §• Volkartshain (Kreis Schotten), 28. October. Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr brannte die Hofraithe des ehemaligen Bürgermeisters Johannes Weber VI. total nieder, ebenso gingen das Wohnhaus, der Stall und die Scheune des Landwirth Chr. Winter sowie einzelne benachbarte Ställe und Scheunen und schließlich das dem Forstwart Johannes i Schäfer gehörige Wohnhaus nebst Stall und Scheuer vollständig in Flammen auf. Obwohl Hilfe rasch zur Stelle war, konnte doch nur wenig gerettet werden, auch mangelte es an Wasser, so daß solches aus den Nachbarorten herbeigeschafft werden mußte. Dem Vernehmen nach soll nur wenig versichert sein. Die Entstehung des Feuers ist bis jetzt noch nicht begannt. Darmstadt, 29. October. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog empfingen heute den Geheimen Staatsrath v. Biegeleben, den Hauptmann v. Hahn vom Großh. Feld- Artillerie-Regiment Nr. 25 (Großherzogliches Artillerie-Corps), den Hauptmann a. D. v Berswordt von hier, den Rittmeister a. D. Frhrn. v. Spieß-Bülleshain aus Bensheim, den Forstmeister Heinemann von Lorsch, den Forstmeister Joseph von Fürth i. O., den Amtmann Dr. Wüst von Gießen, den Pfarrer Petersen von hier, den Bürgermeister Geißler von Hainstadt, den Bürgermeister Brust von Wallbach, den Rentner Klein von hier, den Hofküfer Heimann; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Geheimerath Dr. Draudt, den Oeconomierath Müller. Darmstadt, 27. October. Nach Mittheilungen, welche Bürgermeister Morneweg den Stadtverordneten machte, ist der Werth der kürzlich im städtischen Pfandhaus gestohlenen Gegenstände doch erheblich geringer, als ursprünglich angenommen wurde. Er schwankt Zwischen 3000 und 4000 Mark. Derselbe ist erst durch die irn Gange befindliche Ausnahme des ganzen Lagers genau seftzustellen. Für die Ergreifung der Diebe wurde der Staatsanwaltschaft eme Belohnung von 300 Mk. zur Verfügung gestellt. △ Mainz, 30. October. Der in dem Darmstädter Pfandhaus mit Erfolg verübte Einbruch hat Spitzbuben veranlaßt, auch dem hiesigen Pfandhaus einen Besuch 2er Nacht vom Freitag auf Samstag j stiegen solche, ihren Weg durch einen angrenzenden Kirchhof nehmend, über das Dach eines Nebengebäudes in das Psand- und gelangte,, auch bis zu den Localitäten, in welchen bte Pfander ausbewahrt sind. Hier wurden die Einbrecher aber durch tue Frau eines Pfandbeümten verscheucht und zogen sich, ohne daß ihnen Werthschätze in die Hände gefallen, aus dem angekommenen Weg schleunigst wieder zurück. Bis letzt hat man von den Einbrechern noch keine Spur. — Seitens der hiesigen Bürgermeisterei wird den Stadtverordneten demnächst eine Vorlage unterbreitet werden, welche den I