Donnerstag den 1. September h. 203 Ter Hietzener Anzeiger nfdieint täglich, git: AuSNSWie deZ ThnTctr?. Tic (Oleßencr Pamitien blätter werden bcin Anzeiger w-chenllich dreimal dcigelegl. iWW Anzeiger Henerat-Wnzeiger. 1892 Vlerteljährigex AGouiu tnents^reis: 2 Marl 2Ö Psq. mit ÄringerlohL. Tnrch die Post bezogen 2 Mar! 50 Pfg. Nedaction, Expedition und Druckerei: Schutstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- ititb ^Nrzeizebkatt für den Kreis Oiefze». Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgend'-n Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Anuoncen-Bnreaur des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. chraLisöeil'age: Gießener Kamrnenöl'ätter. I Amtlichem Theil. Gießen, 30. August 1892. tetr.: Die Aufstellung der Voranschläge der evangelischen Kirchenfonds für 1893/94 und 1893/96. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen n die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises. Unter Hinweis auf § 4 der Instruction zur Fertigung er Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evange- schen Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, ie rubricirten Voranschläge nach Anhörung des Kirchen- echners so zeitig aufzustellen, daß die Berathung derselben it Gesammt-Kirchenvorstand und in der Kirchengemeinde, ertretung im Monat September stattfinden und die Vorlage n das betreffende Großh. Dekanat bis spätestens Mitte Detober erfolgen kann. Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckung es kirchlichen Deficits in Anspruch genommen werden muß, t nach § 24 Ord.'Nr. 10 der Kirchenvoranschlags-Jnstruction lsbald nach der Berathung des Voranschlags im Kirchen- orstande und Gemeindevertretung der Bürgermeisterei, unter Mttheilung eines Auszugs aus dem Voranschläge, von der >öhe des nothwendigen Zuschusses Nachricht zu geben, damit er erforderliche Credit im Gemeindevoranschlage ordnungs- täßrg gewahrt werden kann. Die Revistonsverhandlungen zu den vorhergehenden Vor- nschlägen sind bei Aufstellung des neuen Voranschlags zu eachten. Von der Ablieferung der Voranschläge an die Großh. ^ekanate wollen Sie uns demnächst und jedenfalls bis Mitte \to6er Anzeige erstatten. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Schafräude zu Geilshausen. Nachdem unter der Herde des Schäfers Christian lurika zu Geilshausen die Schafräude ausgebrochen ist, eben wir die Sperre der betreffenden Herde verfügt. Der- eiben wird durch Großh. Bürgermeisterei Geilshausen ein estimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen sie nicht berschreiten darf. Da die beiden anderen Schafherden der Gemarkung Geilshausen mit der erkrankten seither in Be- ührung gekommen und dieselben hiernach der Ansteckung ver- ächtig sind, haben wir die polizeiliche Beobachtung dieser wer Herden verfügt. Es ist deshalb bis auf Weiteres die lusführung von Schafen aus der Gemarkung Geilshausen überhaupt nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Erlaubniß zulässig. Gießen, den 30. August 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 30. August. Der Kaiser wird seine bevor- tehende Reise nach Gothenburg zur Theilnahme an den n dortiger Gegenden startfindenden Hosjagden des Königs Dscar von Schweden nicht von Kiel aus, wie ursprünglich estimmt war, sondern von Swinemünde aus antreten. In yolge dessen ist der „Kaiseradler" bereits nach letztgenanntem lasenplatze abgegangen. Diese Veränderung in den Bestimmungen für die schwedische Reise des Kaisers hängt unzweifel- iaft mit dem constatirten Auftreten der asiatischen Cholera n Kiel zusammen. — Die Cholera äußert ihren nachtheiligen Einfluß nsofern auch nach anderen Richtungen, als eine ganze Reihe größerer Versammlungen und Vereinigungen, welche in lächster Zeit an verschiedenen Orten stattfinden sollten, in Einblick aus die Choleragefahr abgesagt worden sind. Aus remselben Grunde wird sich in diesem Jahre auch die Sedaneier in vielen Orten sehr einfach gestalten, besonders werden >ie sonst üblichen Festzüge und festlichen Versammlungen viel- ach wegsallen. — Professor Virchow erfreut sich in Rußland, vo der berühmte Gelehrte bekanntlich zur Zeit zum Studium er Choleraepidemie weilt, ganz besonderer Ehren. Auf seiner liesse nach Petersburg wurde er aus einzelnen Stationen urch Abordnungen der Aerzte, durch Concertmusik mit Tusch rnd sogar mit dem Abspielen der Wacht am Rhein empfangen, vielleicht trägt dort die Virchow'sche Reise gar etwas mit ur Wiederannäherung zwischen Deutschland und Rußland bei! Anstand. — Der fanatische Deutschenhaß der mährischen Czechen hat sich schon wieder einmal in dem brutalen Ueber- fall harmloser Vergnügungsausflügler Lust gemacht. Von diesem Schicksal wurde eine von einem Ausfluge zaruckkehrende deutsche Gesellschaft beim Passiren des Städtchens Wischau ereilt. Ein Haufe Tschechen verhinderte die Gesellschaft gewaltsam am Weiterfahren, unter Beschimpfungen und thätlichen Mißhandlungen einiger der Deutschen. Sechs der Attentäter wurden verhaftet und dem Gerichte zur Bestrafung übergeben. Die Cholera. Die Choleragefahr, welche von der Einbruchsstelle Hamburg aus das ganze übrige Deutschland bedroht, steht natürlich fortgesetzt im Vordergründe des Tagesinteresses. Zwar steht noch immer zu hoffen, daß das deutsche Binnenland von einer wirklichen Choleraepidemie verschont bleiben wird, aber die Thatsache, daß in den verschiedensten Theilen des Reiches Personen, die von Hamburg kamen, unter sehr verdächtigen, choleraartigen Symptomen erkrankt oder gar gestorben sind, weist doch auf die naheliegende Möglichkeit einer weiteren Verbreitung der Cholera hin. So ist jetzt auch in Berlin am Sonntag der erste Fall asiatischer Cholera sestgestellt worden an der mit ihrem Manne aus Hamburg zugereisten Gastwirthsfrau Frohnen, doch soll sich die Kranke bereits auf dem Besserungswege befinden. Vermurhlich wird man wohl auch bald aus anderen Städten des Binnenlandes von constatirten Fällen asiatischer Cholera hören, so daß die größte Aufmerksamkeit der Regierungen und Behörden allerseits geboten ist. Die von Reicssswegen am Samstag und Sonntag in Berlin versammelt gewesene Cholera-Commission hat diejenigen Maßnahmen festgestellt, welche in den von der Cholera ergriffenen oder unmittelbar bedrohten Orten zu treffen sind, und daneben eine Desinsectionsanwetsung, sowie den Entwurf einer Belehrung über das Wesen der Cholera und über das zu Cholerazeiten zu beobachtende Verhalten angenommen. Noch im Laufe des Sonntag sind die auswärtigen Commissionen zurückgereist, um ihren Regierungen behufs alsbaldigen Vorgehens mit den verabredeten Anordnungen Bericht zu erstatten. Außerdem sind Vorarbeiten zur Schaffung eines Gesetzes eingeleitet worden, welches die Abwehr ansteckender Krankheiten anbelangt. Die Vorlage dürfte dem Reichstage wahrscheinlich schon zu seiner nächsten Session zugehen. — Der Stand der Epidemie in Hamburg selbst ist noch immer ein sehr hoher. Nach einer amtlichen Mittheilung des Reichsgesundheitsamts kamen daselbst z. B- am 28. August nicht weniger als 445 neue Erkrankungen und 162 Todesfälle an Cholera vor. Das sieht leider nicht nach einer baldigen Abnahme der Cholera in Hamburg aus, trotzdem Professor Koch die Meinung geäußert haben soll, die Epidemie würde bald ebenso rasch wieder abnehmen, als sie zugenommen habe. Aus der näheren wie weiteren Umgebung Hamburgs kommen jetzt ebenfalls regelmäßige Choleraberichte, so aus Altona, Blankenese, Elmshorn, Harburg, Altenwerder, Lauenburg, Kiel u. s. w. Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die durch den Beschluß der Cholera-Commission des Reichs- amls des Innern den Bundesregierungen empfohlenen Maßnahmen für den Fall des Auftretens der Cholera und zwar im Allgemeinen solche, welche sich mit den früheren Bekanntmachungen theilweise decken, und den Maßnahmen in den bedrohten oder inficirten Orten. Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Bei Choleragefahr dürfte es zur wesentlichen Beruhigung dienen, daß die Reichsregierung und das preußische Kriegsministerium anordneten, daß die bei den Militärsanitätsbehörden in größerer Menge vorhandenen Desinfectionsmittel an die Civilbehörden abgegeben werden können, wenn die schnelle Beschaffung von Desinfectionsmitteln schwierig ist. Außerdem gestattete der Kriegsminister die Vornahme von bacteriologischen Untersuchungen in den Laboratorien der Königlichen Sanitätsämter und die Entsendung einer nicht unbedeutenden Zahl von vorhandenen bacteriologisch geschulten Sanitätsoffizieren nach den gefährdeten Orten. Dem in Hamburg sich fühlbar machenden Aerztemangel sei durch Commandtrung von Militärärzten abgeholfen. Berlin, 30. August. Der Cultusminister Bosse und Ministerialdirector Bartsch haben ihre Rückkehr nach hierher beschleunigt zur Uebernahme der durch die Cholera- Abwehrmaßregeln wachsenden Medicinalgeschäfte. Die Erledigung der Angelegenheiten erfolgt in der denkbar größten Beschleunigung. Die preußische Centralstelle unterhält fortdauernd lebhaften, zum Theil telephonischen Verkehr mit den entsprechenden Reichsinstanzen. Berlin, 30. August. Es wird amtlich zugegeben, daß die Erkrankung der kürzlich verstorbenen Frau Sandrock wahrscheinlich asiatische Cholera gewesen sei. Dasselbe konnte nicht festgestellt werden, weil deren Verwandten die Obduction verweigerten. Berlin, 30. August. Bis heute Mittag 1 Uhr sind im Ganzen 70 Personen an der Cholera erkrankt, 10 Fälle verliefen tödtlich. Bei keinem dieser Fälle, außer bei Frohnert und Karpen, wurde die asiatische Cholera, sondern nur Brechdurchfall sestgestellt. Berlin, 30. August. Amtlicher Cholerabericht. Hamburg. Am 29. August: 447 Erkrankungen, 173 Todesfälle. Berlin. Der gestern gemeldete Cholerafall verlief, wie berichtigt wird, nicht tödtlich. Rgbz. Stade. 27. bis 30. August: 2 Erkrankungen, 1 Todesfall. Rgbz. Schleswig. 16 Ortschaften bis 29. August 100 und 32, darunter am 28. August Altona 35 und 15. Rgbz. Lüneburg 27. bis 30. August 3 Todesfälle. Im Krankenhause zu Leipzig wurde am 29. August bei einem aus Hamburg gekommenen Schlosser die Cholera sestgestellt. Neustadt (Mecklenburg). Ein am 29. August aus Hamburg zugereister Mann ist an der Cholera erkrankt. Berlin, 30. August. Die gestern aus Hamburg kommenden drei Kinder des Schlafwagen-Schaffners Edelmann wurden als choleraverdächtig aus der Station Lpdwigs- lust aus dem Zuge entfernt. Die Frau des Schaffners ist am Sonntag in Hamburg an der Cholera gestorben. Berlin, 30. August. In Rix do rs bei Berlin sind heute Nachmittag drei choleraähnliche Fälle constatirt worden, hiervon handelt es sich bei einem angeblich um cholera aaiatica. Hamburg, 30. August. Amtliche Meldungen des Med:- cinalbureaus: 457 Erkranknngen, 202 Todesfälle am 28. August- 29., Mittags, 139 resp. 48. Gestern und heute wird eine Abnahme beobachtet. Heute hat die Wärme wieder zugenommen und damit auch die Erkrankungen in der Hafengegend. Auch Eimsbüttel wurde in dieser Nacht stärker heimgesucht. Die anderweitige Meldung, wonach schwarze Pocken constatirt worden seien, ist ein Jrrthum eines Referenten, der die schwarze Begleitfahne des schwarzen Pulverwagens, die mit einem P bezeichnet ist, für die Pockensahne gehalten hat. Hamburg, 30. August. Die Ziffer der transportirten Cholerakranken und Leichen betrug am 27. August 806, jam 28. 684, am 29. 650. Man schließt daraus aus eine, wenn auch nicht erhebliche Abnahme der Epidemie. Die Ziffer der heute Transportirten steht noch nicht sest. Auch aus Altona wird berichtet, daß ein Rückgang der Erkrankungen eingetreten sei. Verhältnißmäßig zahlreiche Cholerasülle werden aus dem Vororte Barmbeck gemeldet. Bremen, 30. August. Die Medicinalcommission macht bekannt, daß von den als choleraverdächtig Erkrankten mehrere genesen und entlassen, die übrigen aus dem Wege der Besserung sich befinden. Ein Kind ist gestorben, die Todesursache indeß nicht festgestellt. Der Gesundheitszustand der Stadt ist unverändert- das Vorkommen der asiatischen Cholera ist bis jetzt in keinem einzigen Falle nachgewiesen. Bremen, 30. August. Wie das Bureau Boesmann erfährt, wird derNorddeutscheLloyd sämmtlichen Paffagierdampfern bis aus Weiteres zwei Aerzte mitgeben. Die Des- insection des Dampfers wird mit größter Sorgfalt täglich ausgesührt und von den Aerzten persönlich überwacht. Das sämmtliche Gepäck der Reisenden wird in einer für diesen Zweck erbauten Baracke desinficirt. An die Mannschaft und die Passagiere wird während der Fahrt nur mit einigen Tropfen Salzsäure vermischtes oder abgekochtes Wasser verabreicht. Localer und provinzielles. Gießen, 31. August 1892. K. Der Kriegerverein Gießen wird auch in diesem Jahre das Sedansest und zwar Sonntag den 4. September in der Weise feiern, daß Nachmittags 3 Uhr die Schmückung der Kriegergräber auf dem Friedhof und von 5% Uhr ab Concerr aus Textors Terasse stattfinden wird. Wie wir vernommen, ist der Feier in diesem Jahr ein ganz besonders edler Zweck zu Grunde gelegt. Der Verein hat für das Concert das Kruse'sche Künstlerquartett engagirt und wird außerdem ein Gesangverein mehrere Lieder vortragen. Die Gesammt- kosten des Festes trägt der Verein ans seiner Kasse. Der Zutritt ist gegen ein Eintrittsgeld von 30 Pf. Jedermann gestattet. Diese Eintrittsgelder sollen dem Fond zur Errichtung eines Denkmals für unseren Höchstseligen Groß- Herzog Ludwig IV., dem edlen Helden, überwiesen werden. l Eingesandt. _ Reiskirchen, 29. August 1892. , Da es bet dem großen Wassermangel nicht möglich ist, das ^teh im Stalle zu tränken, ist mancher Landwtrth genöthigt, dasielbe an den Bach zu führen. Der dem Vieh so nöthtge Trunk Wasser SMa«°*r Jetztzeit z. B. in dem Bache von Saasen bis über Weiskirchen hinaus unmöglich, denn der Bach wird zum Flachsrösten ^"Ä/'^asWasier sowohl für die Haussiere ungenießbar wie für die Fische höchst schädlich. Es wäre zu wünschen, daß von Seiten der maßgebenden Behörden das Rösten von Flachs in den öffentlichen iNewanern wahrend des herrschenden Wassermangels untersagt würde I Weiter seien nothwendig confessionelle Schulen und confessionelles Leben, mit einem Worte ein christlich-germanischer Staat. | Wie zu Anfang brach euch zum Schluß der Rede des Herrn ! b. Schorlemer stümischer, minutenlang anhaltender Beifall aus. Als weiterer Redner war noch der Afrika-Missionär Pater Horn angemeldet, welcher aber der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr zum Worte kam. Mainz, J?9. August. Im hiesigen Rochusspital hat sich gestern ein Steueraufseher, dem wegen Blutvergiftung der Fuß amputirt werden sollte, im Fieberwahn aus dem Fenster in den Hos gestürzt. Er war sofort todt. Der Mann hatte sich an einem rostigen Nagel geritzt. Alzey, 30. August. In der Gemarkung Schimsheim, Kreis Oppenheim, wurde bei der gestrigen Untersuchung durch die Reblauscommission ein Reblausherd entdeckt. Es ist dies der erste Herd, welcher in Rheinhessen aufgefunden worden ist. Darmstadt, 31. August. sPrivatdepesche.j Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen hier den spanischen Gesandten Grafen Banuelos, der seine Accreditive überreichte und Nachmittags im Jagdschloß Wolssgarten an der Großherzoglichen Tafel theilnahm. Der letztere Umstand dürfte ganz besonders dem zahlreichen Besuche der Emwohnerschaft Gießens zu empfehlen sein, zeigt er uns doch die echte und wahre Liebe, mit welcher die Herzen der Krieger ihrem tapferen Führer und unvergeßlichen Landesfürsten jetzt noch entgegenschlagen. Oesseutliche Anerkennung edler Thaten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Johannes Fell und dem Albert Brückheimer, beide Knaben aus Gerns- heim, in Anerkennung des von denselben bei der Rettung des 12jährigen Peter Thöbus von da bewiesenen besonnenen und , muthvollen Verhaltens, dem Fabrikarbeiter Peter Dinger II. von Rhein-Dürkheim in Anerkennung des von demselben bei der Rettung des 14jährigen Johann Westmeier von da vom Tode des Ertrinkens bewiesenen muthvollen Verhaltens je eine Geldprämie, dem Musketier Jakob Muth vom 3. Infanterie-Regiment (Leib-Regiment) Nr. 117 aus Rhein-Dürkheim in Anerkennung der von demselben mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung eines vierjährigen Knaben vom Tode des Ertrinkens die daß keine Hoffnung sei, Schulmeyer am Leben zu erhalten. Auch der telegraphisch benachrichtigte Herr Kreisarzt Dr. Pfann» müller von Groß-Gerau, der am Abend um 9 Uhr 30 Min. eintraf, konnte keine tröstlicheren Aussagen machen. Schulmeyer blieb bis kurz vor seinem Tode, der Morgens um 5 Uhr erfolgte, bei klarem Bewußtsein, und wurde vom Bürgermeister zu Protokoll genommen. Er hat die beiden Burschen wie folgt beschrieben: Junge Leute zu Anfang der zwanziger ^ahre^ ste trugen sogenannte Stechkappen und hatten ihre Gesichter durch vorgehängte Tücher verborgen. Trotzdem will Schulmeyer bemerkt haben, daß der Eine ein Helles Schnurrbärtchen trug. Die Kleidung Beider war dunkel. Auf der Gehspitze hat man Mittags 2 Uhr zwei junge Leute im Walde beobachtet, die sich anscheinend ohne Zweck und Ziel Herumtrieben. Um 12 Uhr Mittags kehrte auf dem Forsthaus Mitteldick ein junger Mann ein, der sich dort für fünf,Pfennige Brod kaufte. Ohne diesen als einen der Mörder mit Bestimmtheit zu bezeichnen, dürfte es angebracht sein, sein Signalement zu beschreiben. Er wird von den Forsthausbewohnern als ein Mensch von 22 bis 23 Jahren geschildert, mit leichtem Hellem Schnurrbart. Die Kleidung bestand in einer dunklen Sammetstechkappe, dunklem Frackrock, röthlichem Hemd und einer Plüschhose, wie sie die Zimmerleute tragen. Er wurde später am Nachmittag von einem Förster in der Nähe des Thatortes im Graben liegend bemerkt. Selbstverständlich fahnden die Gerichtsbehörden, die in eifrigster Thätigkeit, besonders nach diesem verdächtigen Menschen. Die Gendarmerie zu Fuß und zu Pferd hat noch in der Nacht die umliegenden Waldungen abgestreift. Es geht das Gerücht, daß auf zwei junge Leute, die gestern Abend in Walldorf in einer dorttgen Wirtschaft eingekehrt sind, das obige Signalement ungefähr passe. Da aber zu der Zeit ihres dortigen Aufenthaltes von dem Raubmord noch nichts Bestimmtes bekannt war, sind die Beiden unbehelligt weggegangen. Die Untersuchung führt der Amtsrichter Herr Ludwig von Groß- Gerau, der auch die Voruntersuchung des Arndt'schen Raub- mordes in Händen hatte. Heute Morgen hat der Darmstädter Staatsanwalt Vernehmungen in Mörfelden vorgenommen. Auf dem Forsthause Mitteldick hatte sich der Untersuchungsrichter von Langen eingefunden, um dort an Ort und Stelle Erhebungen zu machen. Es sei noch erwähnt, daß Schulmeyer, als er zu Hause ankam, etwa 40 Mk. bei sich trug. Der Werth der verkauften Kartoffeln ist bedeutend höhere da aber Schulmeyer versicherte, daß ihm die Räuber nichts abgenommen haben, so muß man annehmen, daß er in Frankfurt nicht überall sofortige Bezahlung erhalten hat. Schulmeyer war ein nicht unvermögender Mann. Er hinterläßt eine Frau und drei erwachsene Töchter, von denen zwei verheirathet sind. Vermischtes. * Frankfurt a. TI., 29. August. In den Stallungen tm Hofe der landwtrthschaftlichen Halle brach am Samstag Abend nach 9 Uhr Feuer aus. In den Stallungen befanden sich sieben Luxuspferde, die zum Theil erstickt, zum Theil verbrannt sind und zum Theil nachträglich getödtet werden mußten. * Hamburg macht zur Zeit einen recht unheimliche« Emdruck. Ueberall sieht man in Trauer gekleidete Personen, Leichenwagen und zweispännige große schwarze Kutschen, in denen die Opfer der Seuche aus den Häusern und von den , Ouais am Abend abgeholt werden. Diese zahlreichen Kutschen fahren in scharfem Trabe und gewähren mit ihren sich in ihren Schmerzen windenden Insassen ein trostloses Bild. Dabei nimmt die Epidemie trotz der eingetretenen kühleren Witterung in erschreckender Weise zu. Deutschland ist in höchstem Maße gefährdet, da Seitens der Hamburger I Behörden so gut wie nichts zur Unterdrückung der Gefahr gethan wird. Vor allen Dingen sollte man doch erwarten, daß die Ausleerungen der Erkrankten gründlich unschädlich gemacht werden, doch ist leider hiervon nichts zu merken ! und unter diesen Umständen ist auf ein baldiges Erlöschen der Epidemie nicht zu hoffen. Man verlasse sich nur nicht 1 auf die Angaben der Hamburger Zeitungen und die Bekanntmachungen der Behörden. Sollte man es für möglich halten, ' daß ein erkrankter Schiffer von 8 Uhr 10 Min. bis nach 10 Uhr Abends auf dem Ponton am Baumwall liegen mußte, bevor man ihn fortschaffte? Und doch ist dies eine That- sache, wie die, daß die Entleerungen der erkrankten Matrosen, die nach einander in Jollen, Schuten und Dampfer über- j gehoben werden müssen, nicht desinficirt werden. Wir setzen I unsere ganze Hoffnung auf den Winter, der dann das Geschäft 1 der Desinsection übernehmen muß. Es muß dringend I davor gewarnt werden, jetzt nach Hamburg zu reisen, da man dort in der größten Lebensgefahr schwebt: die Zahl der Opfer ist sicher viel größer, als die Berichte angeben. Leider ist Hamburg von einer entsetzlich gesundheits- ttiörtgen Bauart. Höfe haben die Häuser nicht, dagegen ist Alles, was hinter den Fronten liegt, mit alten, winkligen, finsteren, lustlosen Häusern, den Wohnungen der Armen, vollgepfropft, die mit Schmutz und Miasmen erfüllt sind. Dazu die bei der Ebbe halb trocken liegenden Fleete, Ablagerungsstätten alles möglichen Unraths. //Post/' * Hannover, 30. August. Im Dorfe Magelsen sind 21 Gebäude und die Kirche ein Raub der Flammen geworden. Rettungsmedaille — zu verleihen geruht. — In Ergänzung der Verhaltungsmaßregeln für das Eisenbahnpersoual wegen der Behandlung Cholera kranker und Choleraverdächtiger auf der Eisenbahnfahrt hat der preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten Folgendes bestimmt: „Der Zugführer eines jeden zur Personenbeförderung dienenden Zuges ist mit einem etwa 30 ccm eines Gemisches von gleichen Theilen einfacher Opiumtinctur und Aether enthaltenden Tropffläschchen zu versehen. Von diesem Gemische find Personen, welche unterwegs an Cholora erkranken, durch den Schaffner, dessen Aufsicht der Wagen untersteht, in welchem sich der Erkrankte befindet, 20 bis 30 Tropfen am besten auf Zucker, zu verabreichen." Die Königlichen Eisenbahn-Directionen sind beauftragt, alsbald mit der Beschaffung vorzugehen und jedenfalls sofort die Zugführer derjenigen Züge auszurüsten, welche Orte berühren, in welchen die Cholera ausgcbrochen ist oder welche voraussichtlich von Reifenden aus diesen Orten benutzt werden. Friedberg, 28. August. Ueber den gegenwärtigen Zustand der Kastanien bäume der „Allee" schreibt ein natur« wissenschaftlicher Beobachter, Herr Dr. Z.: Nur wenige Bäume sind abgestorben, aber fast alle haben ihr Laub abgeworsen und bereits wieder junge Blätter entfaltet. Mehrere Bäume stehen ganz grün in jungem Laub da. An manchen strecken sich schon neue Blütenstände empor, so daß voraussichtlich bald zweites Blühen eintritt. D. Ztg. Mainz, 29. August. Se. König!. Hoheit der Groß- I Herzog wird dieser Tage in Mainz eintreffen. Die Vor- | stände sämmtlicher hiesiger Gesangvereine halten heute eine Besprechung in Bezug auf die zu Ehren des Landesherrn abzuhaltenden Festlichkeiten. Wie verlautet, soll ein großartiger Fackelzug abgehalten werden, an welchem sich särnmt- liche Vereine, Innungen rc. betheiligen werden. Wegen der Hierherkunst des Landesfürsten hat sich die Bürgermeisterei bereits mit dem Hosmarschallamt in Verbindung gesetzt. △ Mainz, 29. August. Katholikenversammlung. In bei, heutigen geschlossenen Versammlung wurde zunächst per Acclamation das geschäftssührende Comitö gewählt und I folgendermaßen gebildet: Präsident: Dr. Porsch-Breslau, I erster Vicepräsident Gras v. Preysing-München, zweiter Vice- i Präsident Graf v. Sierakovski Waplitz, erster Schriftführer I Rechtsanwalt Dr. Kuteu und Seminarprofessor Dr. Becker, I beide von Mainz. Rach erfolgter Feststellung der Tages- | ordnung für die erste öffentliche Versammlung wurde sodann I »och auf Antrag des Fürsten Löwenstein beschlossen, ein Tcle- I gratnm an den Papst mit der Bitte um den Segen für die I Versammlungen, sowie ein Glückwunschtelegramm an den Erz- I bischof von Köln zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum zu | richten. — In der am Nachmittag um 5 Uhr in der „Stadt- I Holle" begonnenen ersten öffentlichen Versammlung waren J ungeachtet einer tropischen Hitze etwa 3000 Personen anwesend, I darunter wieder einige Hundert Damen, die auf der Gallerte I Platz genommen hatten. Auf dem Podium bemerkte man I v'ele bekannte Persönlichkeiten des Centrums, wobei zahl- I reiche hervorragende katholische Adelige aus Westphalen und I de" Rheinland. Erster Redner war der erste Vicepräsident I Dr. Porsch, der einen Rückblick auf die Thätigkeit des Katho- I likenvereins warf und zum Schluß unter rauschendem Beifall I von der Versammlung das Gelöbniß abnahm, in unentwegter I A?ue die Interessen der katholischen Kirche hochzuhalten. I Nächst Dr. Porsch sprach Bischof Haffner. Derselbe begrüßte I 'n längerer Rede die Versammlung und ertheilte ihr schließlich I ben bischöflichen Segen. Dr. Haffner erwähnte hierbei die I früheren Verhältnisse bes Katholicismus, bet ehebem unter I einer verrotteten Bureaukratie unb einer miserablen Diplo- I matie viel zu leiben gehabt. Ueber ben Culturkamps sagte I B'schof Haffner, baß man denselben verzeihen aber nicht ver- | gefjen könne, vergessen um deßwillen nicht, weil die Möglich- I keil der Wiederkehr nicht ausgeschlossen. Weiterer Redner war I Dr. Carl Bachem-Köln, der über den Bonifaciusverein sprach I und dabei in sehr langer Ausführung den Kirchenmangel in I Serlin besonders beklagte. Unter stürmischem Beifall bestieg I alSbann als letzter Reimer ber Abgeordnete v. Schorlemer- I Stift die Tribüne. In fast einstündiger Rede sprach Herr | ö. Schorlemer über den Socialismus, als dessen Vater er I in längerer Ausführung den Liberalismus bezeichnete. Sieben I äent Atheismus trage die Hauptschuld an unseren socialen I Mißständen das „goldene Kalb", um das sich Alles drehe I von dem Alles abhänge und dem sich sowohl der mächtige ?ber Präsident ber französischen Republik, ja I selbst bte Socialbemokratie beuge. Herr v. Schorlemer hält es für eine colöffale Verblendung unb für einen Fanatismus I । fonbergleitben, daß bei den zersetzenben Kräften, bie an bent i Staatskürper arbeiten, bie Träger ber christlichen Religion i |u confessionellem Hader anreizen. Als Heilmittel gegen die , heutigen socialen Mißstände bezeichnete Herr v. Schorlemer I i tn erster Linie die Religion, Freiheit der Kirche unb Wieber- I i Herstellung ber territorialen Unabhängigkeit bes Papstes. । 1 I öra'tkfurt a. M., 29. August. Ein Raub- und I Ti orb anfad ist am Montag Abend auf der Mörfelder | Landstraße im Stadtwalde, fast genau an derselben Stelle, I an f. Z. Arndt von Kuhmichel ermordet wurde, gegen I e-n-n Schwager Arnbts, ben Kartoffelhänbler Schulmeyer | °us Mörfelben verübt worden. Ein Berichterstatter der I //Franks. Ztg." meldet darüber folgende Details: Noch ist I die lluthat Kuhmichels, der den Landwirth Peter Arndt aus I Mörfelden erstach und beraubte, in Aller Gedächtniß und der Mörder hat erst vor kurzer Zeit sein Verbrechen mit dem I -^obe gebüßt, und schon wieder kommt die Nachricht von I «nem ähnlichen Morde, der sich in der Nähe jenes unheim- I ^en Ortes auf ber Mörfelber Lanbstraße ereignet hat. Das Schicksal hat es gewollt, baß bieses zweite Opfer bes I Raubmorbs ein Schwager des Arndt ist, der 52 Jahre alte I Kartoffelhändler Johannes Schulmeyer aus Mörfelden. Arndt I und Schulmeyer halten zwei Schwestern zu Frauen, die | "unmehr beide den gewaltsamen Tod ihrer Gatten zu be- I ^gen haben. Schulmeyer kam, wie alle Kartoffelhändler I auf i°uer Gegend, fast jeden Tag nach Frankfurt, so auch I 9enern, um seine Kartoffelkk hier zu verkaufen. Bis jetzt ist I nicht festgestellt, wo er die Waare abgesetzt hat- man weiß | nu.r' °°ß er um 4 Uhr Nachmittags bas Forfthaus Mittelbick I Passate, das bekanntlich auch in bem Prozeß Kuhmichel eine I wesentliche Rolle gespielt hat. Das Schicksal Arnbt hat bie I Lästiger gemacht- man sieht sie jetzt nicht mehr I schlafenb auf bem Wagen, sondern sie gehen meist neben den I Pferden her, denn wenn sie auf bem Wagen Platz nehmen, I J? ,e§ ^'.ckst möglich, daß sie namentlich in der jetzigen heißen I Jahreszeit unwillkürlich sich dem Schlummer hingeben. Auch I Schulmeyer schritt neben seinem Pferde. Er hatte die ver- I hängnißvolle Stelle, wo sein Schwager im vorigen Jschre I etnen entsetzlichen Tod gefunden, eben passirt und näherte I M . der Kreuzung der Aschaffenburger und Mörfelder Land- ttrafie. Plötzlich trat aus dem nahen Walde ein junger I Mann hervor und näherte sich raschen Schrittes Schulmeyer. Wir schalten hier ein, daß die nachfolgende Schilderung den Angaben Schulrneyers entstammt, der noch lebend fein Haus seichte und bann später in ben Armen seiner Frau verschieb Der Verbächtige rief ihm sofort mit drohender Stimme zu' „Das Geld her ober bas Leben!" Schulmeyer, ein kräftiger unerschrockener Mann, ber nicht leicht einzuschüchtern war | antwortete: „Das Gelb gebe ich nicht!" Da er keine Waffe | bet sich hatte, traf er Anstalten, sich auf ben Wagen zu ! Ichwmgen unb eiligst bavonzufahren. In dem Augenblick, ba er aufspringen wollte, erblickte er einen zweiten Menschen. Beide standen nur wenige Schritte von ihm entfernt und er bemerkte mit Schrecken, daß Jeder einen Revolver gezogen patte und nach ihm zielte. Ehe er noch auf dem Wagen 43(afc genommen hatte, erhielt er einen Schuß in die Brust - em zweiter traf ihn von der Seite in den Unterleib, die Kugel drang am Nabel wieder heraus. Trotz dieser tödtlichen Verletzungen besaß er noch die Kraft, den Wagen zu besteigen, und bekam dabei eine dritte Kugel in den Rücken, die auf ber rechten Seite eindrang und an der Schulter den Körper verließ. Spuren an den Kleidern lassen erkennen, daß noch ein vierter Schuß gefallen ist, der aber Schulmeyer nur gestreift hat. Der auf den Tod Verwundete hieb nun mit aller Macht auf das Pferd, das in schärfstem Galopp davon- jagte. Als^das Fuhrwerk an dem am Ausgang des Waldes gelegenen Treburer Forsthaus ankam, rief Schulmeyer den bafelbft wohnenden Förster Luley mehrmals mit Namen und hielt den Wagen an. Luley kam herbei, erkundigte sich voll Schrecken nach dem, was vorgefallen, und setzte Schulmeyer auf dem Wagen zurecht, er sprach mit erschöpfter Stimme den Wunsch aus, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Luley nahm das Pferd am Zügel, um den Verwundeten nach Mörfelden zu bringen. Unterwegs erblickte er einen im Feld arbeitenden Mann, dem er das Fuhrwerk anvertraute, um sich selbst schleunigst in den Wald zu begeben und dort Nachforschungen nach den Wegelagerern anzustellen. 1 fand aber, wie hier bemerkt fei, von ihnen nicht die 1 geringste Spur. Schulmeyer weiß auch nicht, ob sie, nachdem er den Wagen bestiegen, ihn verfolgt haben. Kurz nach 6 Uhr kam der traurige Zug in Mörfelden an. Der sofort 1 herbetgerufene Arzt, Herr Dr. Hammacher, erklärte alsbald, Briefkasten. Herrn H. M..... Wegen Unregelmäßigkeiten in der Zustellung unseres Blattes wollen Sie sich für die Folge nur an das dortige Postamt wenden. Exped. Temperatur der Lahn^ und Luft gemessen n.ch R-aurnur ,m 31. August, zwischen 11 unb 12 Uhr: Wasser 16*/i Grab, Luft 14 Grab Im Schatten. Rübsamen'sche Babeanstalt.