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Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Julie Schmidt, Ehefrau des Konrad Drescher zu Gießen die Prüfung als Hebamme mit der Note „gut" bestanden, daß dieselbe von uns verpflichtet worden ist und sich in Gießen niedergelassen hat. Gießen, am 28. August 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost. Deutsches Reich. Berlin, 27. August. Der Trinkspruch Kaiser Wilhelms in Merseburg dürfte einigermaßen dazu beitragen, die Befürchtungen, die in weiten Volkskreisen bezüglich der internationalen Lage herrschen, zu zerstreuen. Wenigstens hat der erlauchte Monarch in seiner Kundgebung beim Festmahle der sächsischen Provinzialstände seiner Hoffnung auf die fernere Erhaltung des Völkerfriedens Ausdruck verliehen und diese Aeußerung aus dem Munde des mächtigen deutschen Herrschers ist wohl geeignet, das Vertrauen in die fernere Entwicklung der internationalen Ereignisse zu heben und zu beleben. Aber allerdings hat Kaiser Wilhelm in seinem Trinkspruche auch die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß es eines Tages anders kommen könnte- daß dies alsdann jedoch nicht Deutschlands Schuld sein würde, betonte der hohe Herr klar genug. Hoffentlich werden die Bestrebungen Deutschlands und der mit ihm verbündeten Staaten zur Erhaltung des Friedens den gegenteiligen Bemühungen der europäischen Kriegsparteien noch immer die Spitze zu bieten vermögen. — Der Entwurf eines Reichsgesetzes, betr. die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke, ist im „Reichsanzeiger" veröffentlicht worden. Der Entwurf umfaßt in vier Abschnitten 23 Paragraphen, von denen diejenigen des ersten Abschnittes die Bestimmungen über die Ausübung der den Vertrieb geistiger Getränke bezweckenden Gewerbe enthalten. Die Paragraphen des zweiten Abschnittes handeln von privatrechtlichen Bestimmungen, namentlich das Entmündigungsverfahren, im dritten Abschnitt sind die Strafbestimmungen, im vierten die Schlußbestimmungen enthalten. Dem Entwürfe ist eine sehr eingehende Begründung der vorgeschlagenen gesetzgeberischen Maßregeln zur Bekämpfung der Trunksucht beigegeben. Die Begründung sucht besonders die Berechtigung eines gesetzlichen Eingreifens in dieser wichtigen Frage nachzuweisen und hält es schließlich für unzweifelhaft, daß der Zustand der Trunkenheit im Rechte eine besondere Behandlung erheischt und daß zur Abwehr der aus der Trunksucht erwachsenden Gefahren besondere Rechtsschutzeinrichtungen getroffen werden müßten. — Die seltsame Irrfahrt des chilenischen Kriegsschiffes „Presidente Pinto" in den europäischen Gewässern ist noch immer nicht zu Ende- am 25. August ist der „Presidente Pinto", den man schon auf der Fahrt nach Chile wähnte, plötzlich in Kiel eingetroffen. Dem chilenischen Kriegsschiffe ist es bis jetzt nicht gelungen, seine Ausrüstung und seine Mannschaft zu vervollkommnen, wo immer es auch anlegen mochte. Die französische, die italienische, die portugiesische und die englische Regierung sind den betreffenden Versuchen des Schiffscommandanten aus völkerrechtlichen Gründen entschieden entgegengetreten. Es heißt nun, der „Presidente Pinto" beabsichtige, in Kiel die für ihn bestimmten Armstronggeschütze an Bord zu nehmen, nachdem dies in England selbst nicht geschehen durfte. Ob die deutsche Regierung hierzu ihre Einwilligung geben wird, erscheint indessen höchst zweifelhaft, da für sie dieselben völkerrechtlichen Erwägungen gelten, wie für die übrigen Regierungen. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 27. August. Bei der hiesigen chilenischen Gesandtschaft ist ein officielles Telegramm eingegangen, das den vollständigen Sieg der Regierungstruppen über die Congreßtruppen meldet, welch letztere zwischen zwei Feuer genommen worden seien und weder entkommen, noch sich einschiffen konnten. Das gesammte Heer der Congreßpartei habe sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Kiel, 27. August. Die „Kieler Zeitung" schreibt: Seitens der Behörden in Kiel sind Maßnahmen getroffen, um jeden Versuch einer Armirung des „Presidente Pinto" und einer Completirung der Besatzung zu verhindern. München, 27. August. Die Generaldirection der Verkehrsanstalten gibt folgende Darstellung über ein bei Bischof s- heim eingetretenes Eisenbahnunglück: Gestern entliefen in Bischofsheim während eines Rangiermanövers zwei Wagen; der Manötzerleiter erlitt infolge des Abspringens vom Wagen schwere Verletzungen. Durch diese Wagen, welche vermöge des starken Gefälles sich mit größter Schnelligkeit sortbewegten, wurden in Station Wegsurt ein Mann und ein Kind getödtet. Die Untersuchung ist eingeleitet. München, 27. August. Die Meteoro logen-Con- ferenz wählte heute mittelst Acclamation Or. Lang-München zum Präsidenten, Mascart-Paris und Harrington-Washington zu Vice-Präsidenten und Dr. Erle-München, Scott-London und Teisserene de Bort-Paris zu Secretären. Wien, 27. August. Wie die „Presse" meldet, wird auf Ansuchen der belgischen Regierung der Zusammentritt der von ihr angeregten internationalen Conferenz zur Regelung des Eisenbahn-Personenverkehrs, an welcher auch Oesterreich-Ungarn seine Theilnahme zugesagt hat, wegen noch nicht vollendeter Vorarbeiten auf unbestimmte Zeit vertagt. Chamounix, 27. August. Die Leiche des beim Ersteigen des Montblanc verunglückten Braunschweigers Rothe ist gestern Abend ausgefunden worden. Man hofft, die Leiche des Führers Simond, des Begleiters von Rothe, noch heute zu bergen. Belgrad, 27. August. Unter im Kreise Toplica angesiedelten Montenegrinern kamen Fälle von Auflehnung gegen die Behörden vor. Der Minister des Innern empfing eine Deputation der Ansiedler, nahm ihre Beschwerden entgegen und ordnete eine Untersuchung an. Newyork, 27. August. Gestern Abend ist zwei Meilen östlich von Statesville in Nord-Carolina ein Eisenbahnzug der Westcompagnie von Nord-Carolina auf einer Brücke von 80 Fuß Höhe verunglückt. Eine große Anzahl Personen soll getödtet sein. 36 Leichen wurden bereits aufgefunden. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 27. August. Kaiser Wilhelm bleibt bis 2. September im Neuen Palais, sodann tritt derselbe die Reise zu den Manövern an. Berlin, 28. August. Der Prediger der freireligiösen Gemeinde, Dr. Voelkel, welcher sich gegenwärtig in Zürich aufhält, wird, weil er sich einer sechsmonatlichen Gefängniß- strafe durch'die Flucht entzogen hat, steckbrieflich verfolgt. — Vorgestern sand unter Vorsitz des Reichscommissars Wermuth eine Berathung Berliner Industrieller, Reichstagsabgeordneter und Notabilitäten statt zur Vorbereitung der Betheiligung an der Welt-Ausstellung zu Chicago. Es wurde die Bildung eines Central-Comites beschlossen, dem die Besorgung der weiteren Organisation obliegt. Wermuth wird demnächst in Gemeinschaft mit der amerikanischen Deputation auf einige Wochen nach Chicago reisen, um die Interessen Deutschlands bei der Raumvertheilung zu vertreten. Berlin, 28. August. Der Bundesrath wird in den letzten Tagen des September seine Thätigkeit wieder ausnehmen und in der ersten Octoberwoche den Reichshaushaltsetat und das Trunksuchtsgesetz berathen. Die Regierung wartet die Kritik des Bundesrathes ab, um den Etat und das Gesetz sofort nach Zusammentritt des Reichstages diesem zur Vorlage zu bringen. Bromberg, 28. August. Aus dem Eisenbahndirections- bezirk Bromberg wurde eine große Anzahl von Zugbeamten, Maschinen und Wagen zur Aushilfe nach Trier überwiesen. Frankfurt a. M., 27. August. Deutscher Städtetag. In dem Zuschauerraum des Victoriatheaters der „Internationalen electro-technischen Ausstellung" versammelten Feuilleton. Die Familie Auöppel Von Ernst Lenbach. (Nachdruck verboten.) Wir saßen unser Zwölf wie gewöhnlich Samstag Abend in einer Bonner Weinlaube beisammen und besprachen eifrig die Aussichten für den nächsten Tag. Eine lustige Rhein- fahrt war von lange her geplant, alles schien wohl vorbereitet und ein jeder wußte immer noch etwas Neues, worauf er sich ganz besonders freute. Nur mein dicker Freund Ludwig, der Pessimist unserer Tafelrunde, störte die allgemeine Stimmung mit seinen Unkenklagen. Schlechtes Wetter, grundlose Wege, mangelnde Fernsicht, ungenügende Wirthshäuser und anderes mehr fügten sich ihm zu einem durchaus trostlosen Bilde zusammen. Dabei schlürfte er in kurzen Pausen seinen Rheinwein, worauf jedesmal ein weh- müthig behaglicher Seufzer folgte, und strich sich mit der Hand liebkosend über die sanfte Wölbung seiner weißen Weste. „Höre endlich einmal auf, Unglücksrabe!" rief ihm der Senior unseres Kreises zu. „Ist es nicht genug, daß so ein Pessimist in allem am besten durch die Welt kommt — muß er auch noch uns armen Optimisten das bischen Zufriedenheit verderben? Seht ihn Euch an, wie er da sitzt, mit rothen Wangen, glänzenden Augen, gutem Einkommen und einem gleichsam runden Banch wie sein großes Vorbild Falstaff! Sieht er nicht aus wie der Genius des Lebensgenusses — nicht unseres armseligen, hin und her irrlichterirenden Dptimistengenusses, sondern der behaglichen Lebenskunst jener Pessimisten, denen es allemal besser geht, als sie gedacht hätten?! Stoßtan, Leute, — auf die pessimistischen Lebenskünstler !" Unter heiterem Lachen folgten wir seiner Aufforderung, und der gute Ludwig wurde wieder einmal die Zielscheibe zahlreicher Scherzworte, die er mit gutmütigem Schmunzeln über sich ergehen ließ. Als sich der fröhliche Tumult ein wenig gelegt, bemerkte mein Nachbar zur Rechten, ein junger, schon viel beliebter Schriftsteller: „Im Allgemeinen mag es wohl zutreffen: die Pessimisten — wenigstens solche wie unser lieber Freund hier — haben es eigentlich am besten im Leben. Es gibt aber auch heutzutage noch Leute, denen es vor lauter Optimismus eigentlich gar niemals schlecht gehen kann. Ich habe in der Art ein merkwürdiges Beispiel kennen gelernt." „Hört, hört, eine neue Geschichte!" — „Erzählen, Fritz! Erzählen!" so klang es nun durcheinander. „Ach," antwortete der junge Schriftsteller lächelnd, „eine Geschichte ist es eigentlich kaum. Aber wenn Ihrs durchaus haben wollt, will ich Euch die Sache schon berichten. Vielleicht ist es gut, wenn heute Abend kein geistvoller Discurs sich entspinnt, sonst sitzen wir am Ende länger beisammen, als sich für Leute schickt, die morgen eine große Wanderfahrt vorhaben." Die Römer wurden frisch gefüllt und unser Freund bub an: „Ihr wißt, daß ich mich in der heißesten Sommerzeit gerne ein paar Wochen in irgend einen verlassenen Welt- und Waldwinkel flüchte, um fern von Madrid dieses und jenes unsterbliche Geisteswerk zu vollenden — oder auch blos den Eindrücken von außen zu leben, alias zu saullenzen. So hatte ich mich im vorvorigen Sommer in einem ganz weltvergessenen Stationsstädtchen da unten am Niederrhein eingenistet. Das Nest war geradezu einZdeal von Langweiligkeit, aber bis fast an die letzten Häuser erstreckte sich ein prächtiger Wald und natürlich verbrachte ich da den größten Theil meiner Tage. Ich hielt mich nicht immer auf den gewiesenen Bahnen, folgte ab und zu jenen tückischen Fußpfaden, die sich an irgend einem kritischen Punkte hoffnungslos im Gestrüpp verlieren, und so kam es, daß ich eines Tages glücklich nicht mehr ein noch aus wußte. Ich befand mich in der schönsten Waldeinsamkeit, die jeden Lyriker begeistern mußte, aber mein Magen war prosaischer gesinnt, er knurrte höchst vernehmlich und die Kehle war wie ausgedörrt — meine Uhr wies die dritte Stunde des Nachmittags und ich war seit zehn Uhr unterwegs. Nach längerem Hin- und Herirren glaubte ich endlich zwischen den Bäumen eine Lichtung wahrzunehmen, ich eilte durch Dick und Dünn darauf zu und aus einmal, krach — wich das Erdreich unter mir weg und ich sauste so etwa zehn Fuß rheinisch einen Abhang hinunter, — wie ich aber schon im Fallen mit Vergnügen gewahrte, war ich damit zugleich aus der Landstraße angekommen, die hier einen kleinen Höhenzug durchschnitt. Mir hatte ich beim Fallen nicht webe gethan. Dagegen hörte ich nun eine Stimme neben mir: „Mein lieber junger Herr, wenn Sie hier fallen, warum fallen Sie gerade auf meinen Hut?" Etwas überrascht blickte ich mich um und gewahrte einen ziemlich beleibten, älteren Mann mit freundlich lächelndem Gesicht, eine Hornbrille auf der Nase, der etwas neben der Stätte meines Niederganges auf einer breiten Baumwurzel saß. Das von ihm beklagte Factum war übrigens richtig- ich saß aus einem Strohhut, dcr sich heute Morgen 9 Uhr die Vertreter von über hundertfünfzig deutschen Städten. Oberbürgermeister Ad ick es begrüßte Namens der Stadt Frankfurt die Erschienenen auf das Wärmste und drückte die Hoffnung aus auf ein gutes Resultat des gegenseitigen Gedankenaustausches. Der Vorsitzende der electro-technischen Ausstellung, Stadtverordneter L. Sonnemann, schloß sich den Begrüßungsworten des Vorredners an und hob hervor, daß gerade die mit in den Plan gefaßte Veranstaltung des Städtetages zum Gelingen der Internationalen electro-technischen Ausstellung besonders beigetragen habe. Als mehr wie ein Viertel-Jahrhundert der Stadtvertretung angehörendes Mitglied könne er voraus sagen, daß die Zusammenkunft deutscher Städte - Vertreter nach vielen Richtungen hin bahnbrechend wirken werde, und er zweifle nicht, daß die Theilnehmer einen guten Eindruck von dem hier Erlebten gewinnen werden. (Lebhafter Beifall.) Das Präsidium, welches aus Antrag des Oberbürgermeisters Bötticher-Magdeburg durch Zuruf gewählt wurde, ist zusammengesetzt aus: Oberbürgermeister Adickes-Frankfurt, Vorsitzender- 1. Beisitzer Stadtrath Margraff-Berlin - 2. Syndikus Dr. Leo-Hamburg - 3. Oberbürgermeister Dr. v. Hack- Stuttgart- 4. Bürgermeister Back-Straßburg. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen des Vorsitzenden folgte ein Vortrag des Herrn Ingenieur Uppenborn-Berlin über: „Die für die Städteverwaltung interessanten Aus^tellungsobjecte". Der sehr instructive Vortrag betonte den ungeheueren Fortschritt der Electro - Technik seit der Pariser internationalen electro-technischen Ausstellung vor zehn Jahren und würdigte einzelne Hauptausstellungs - Objecte einer eingehenden Betrachtung unter gleichzeitiger Erläuterung durch Experimen- tal-Demonstrationen. Hierauf trat die Versammlung unter Führung des Ingenieurs v. Miller einen Rundgang durch die Ausstellung an. — Nachmittags-Sitzung. Ober- Ingenieur Andreas Meyer-Hamburg erläuterte über das Thema: Ueber die geeignetste und wirthschaftlich wichtigste Art und Weise, in welcher electrische Leitungen für Telegraphie, Telephonie, electrische Beleuchtung und Kraftübertragung nebeneinander ausgeführt und sichergestellt werden können. Referent gab einen historischen Rückblick aus die Entwickelung technischer städtischer Anlagen und fiihrte dann aus, wie man für alle Anlagen, wie Wasserleitungen, Gasleitungen 2c. zur unterirdischen Leitung gekommen sei. Dies sei auch die einzige richtige Methode und bei allen Straßen- anlagen der Zukunft sei von vornherein an die Schaffung unterirdischer Leitungsgänge unter den Fußsteigen zu denken. Die Placirung dieser Gänge, für welche die Durchleitung von Leuchtgas und Schmutzwasser ausgeschlossen bleibe, unter die Fußsteige sei aus technischen Gründen der bisher beliebten Leitung durch die Straßenmitte vorzuziehen. Redner geht dann speciell auf electrische Zuleitungen ein, kritisirt das Monopol der Reichstelegraphenverwaltung, das einen Eingriff in das Verfügungsrecht der Städte über ihren Straßengrund darstelle. Der bisher von der Telegraphenverwaltung beliebte Einspruch gegen Privatanlagen mit der Motivirung des schädigenden Einflusses starker Stromleitung aus schwache, sei durch die Fortschritte der Technik hinfällig geworden. Deswegen müssen die Städe für ihre städtischen Privatanlagen freie Hand haben, da sonst die wirtschaftliche und technische Entwickelung derselben gehindert sei, was einen Cultur- rückschritt bedeute. — Der Correferent, Oberbürgermeister Becker-Köln, hebt die juristische Seite dieser Frage hervor und kritisirt den Gesetzentwurf über das Telegraphen- und Fernsprechwesen-Monopol der Reichspostverwaltung und den über die Anlage elektrischer Einrichtungen, von denen der erste schon im Reichstage vorberathen sei und, der andere dem Bundesrath bereits vorliege. Beide Entwürfe seien einseitig und mangelhaft und beraubten die Städte ihres Verfügungsrechtes über den eigenen Straßengrund. Das erste Gesetz sei nur mit großen Modificationen gutzuheißen und werde dadurch das zweite von selbst hinfällig. Sollte aber dieser erste Entwurf ohne Veränderung angenommen werden, so müsse das zweite Gesetz ergänzend hinzutreten, dann aber habe es jedenfalls ganz anders zu lauten wie jetzt. Mit diesen Bedenken haben sich die rheinischen Bürgermeister schon in einer Eingabe an die Reichsregierung gewandt, und es wäre sehr zu wünschen, daß nicht nur einseitige Electrotechniker, sondern auch tüchtige Verwaltungsmenschen in dieser wichtigen Angelegenheit gehört würden. (Lebhafter allerdings, wie mir schien, schon Vieles und Schweres erlebt hatte. Meine Entschuldigung wurde von dem Alten freundlich abgelehnt. Wir waren nun einmal im Gespräch, ein Wort gab das andere, und so erfuhr ich denn alsbald außer einigen lehrreichen Angaben über das Vorkommen gewisser seltener Blumen in diesem Theile des Waldes — der Alte hatte eine wohlgefüllte Botanisirtrommel neben sich liegen — die noch werthvollere Thatsache, daß sich in der Nähe „ein Wirths- haus mit guten Bieren" befände. — „Ich gehe selbst eben dahin," bemerkte mein neuer Bekannter, „meine Frau ist dort zurückgeblieben und wartet wohl schon mit dem Kaffee." So machten wir uns denn selbander aus den Weg. Aus den Reden des Alten merkte ich bald, daß ich es mit dem Schulmeister des Städtchens zu thun hatte. Es schien ein ganz tüchtiger und verständiger Leiter der Jugend zu sein. Was aber einem Blinden hätte auffallen müssen, das war die unglaubliche Gutmüthigkeit des Mannes. Mehrmals blieb er unterwegs mit einem plötzlichen, aus der Tiefe seiner guten alten Seele schallenden Gelächter stehen, um mir dann erst die Ursache anzugeben- es war ihm dann nämlich „eben etwas wieder eingefallen", und zwar lachte er das erste Mal, weil nun schon wieder einer sich aus seinen Hut gesetzt habe, und die anderen Male über irgend sonstige Dinge, die wir gewöhnliche Menschen als ärgerlich zu bezeichnen pflegen. (Fortsetzung folgt.) Beifall.) — Nach einer Discussiou, in welcher Oberbürgermeister Staude-Halle und die Ingenieure Uppenborn- Berlin und v. M i l l e r- Frankfurt unter Geltendmachung einiger sachlichen und technischen Punkte ihr Einverständniß mit dem Correferenten ausdrückten, wurde, unter allseitigem Applaus, eine, dessen Ausführungen concentrirende Resolution angenommen. Triest, 27. August. Die Bäckergenossenschast beschloß, die Brodpreise von 12 resp. 14 Er. aus 16 fr. pro Pfund zu erhöhen. Der Beschluß hat eine große Erregung in der ärmeren Bevölkerung hervorgerufen. Myslowitz, 27. August. Die russische Regierung erließ ein von gestern ab giltiges Verbot gegen die Ausfuhr zollfreier Mehlmengen. Riga, 27. August. Die Provinz Livland, wo 2 Millionen Pud Roggen liegen, bot der Regierung eine Million Pud als Darlehen für die nothleidenden Gouvernements an. In russischen Regierungskreisen wird lebhaft der Umstand erörtert, daß Livland die einzige Provinz ist, welche die Nothleidenden unterstützen kann. Southampton, 27. August. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen schiffen sich morgen früh auf der „Elbe" nach Bremen ein. Chriftiania, 27. August. Internationaler Crirni- nalisten-Congreß. Es wurde beschlossen, eine Commission einzusetzen, welche die Regierungen zur Neuregelung der Statistik der rückfälligen Verbrecher veranlassen soll. Nachmittags wurde ein Ausflug veranstaltet. Die städtische Vertretung gab ein Festmahl. Die nächste Sitzung findet im Jahre 1893 statt. Moltke über den Feldzug 1870—71. Das vielerwähnte Werk des Feldmarschalls Graf Moltke über den Feldzug 1870—71 ist erschienen. Das Werk beginnt mit folgender Einleitung: „Es sind vergangene Zeiten, als für dynastische Zwecke kleine Heere von Berufssoldaten ins Feld zogen, um eine Stadt, einen Landstrich zu erobern, dann in die Winterquartiere rückten oder Frieden schloffen. Die Kriege der Gegenwart rufen die ganzen Völker zu den Waffen, kaum eine Familie, welche nicht in Mitleidenschaft gezogen würde. Die volle Finanzkraft des Staates wird in Anspruch genommen und kein Jahreswechsel setzt dem rastlosen Handeln ein Ziel. So lange die Nationen ein gesondertes Dasein führen, wird es Streitigkeiten geben, welche nur mit den Waffen geschlichtet werden können, aber im Interesse der Menschheit ist zu hoffen, daß die Kriege seltener werden, wie sie furchtbarer geworden sind. Ueber- haupt ist es nicht mehr der Ehrgeiz der Fürsten, es sind die Stimmungen der Völker, das Unbehagen über innere Zustände, das Treiben der Parteien, besonders ihrer Wortführer, welche den Frieden gefährden. Leichter wird der folgenschwere Entschluß zum Kriege von einer Versammlung gefaßt, in welcher Niemand die volle Verantwortung trägt, als von einem Einzelnen, wie hoch er auch gestellt sein möge, und öfter wird man ein friedliebendes Staatsoberhaupt finden, als eine Volksvertretung von Weisen! Die großen Kämpfe der neueren Zeit sind gegen Wunsch und Willen der Regierungen entbrannt. Die Börse hat in unseren Tagen einen Einfluß gewonnen, welcher die bewaffnete Macht für ihre Interessen ins Feld zu rufen vermag. Mexiko und Egypten find von europäischen Heeren heimgesucht worden, um die Forderungen der hohen Finanz zu liquidiren. Weniger kommt es heutzutage darauf an, ob ein Staat die Mittel besitzt, Krieg zu führen, als darauf, ob seine Leitung stark genug ist, ihn zu verhindern. So hat das geeinigte Deutschland seine Macht bisher nur dazu gebraucht/ den Frieden in Europa zu wahren, eine schwache Regierung beim Nachbar aber ist die größte Kriegsgefahr. Aus solchen Verhältnissen ist auch der Krieg von 1870—71 hervorgegangen. Ein Napoleon auf dem Thron von Frankreich hatte seinen Anspruch durch politische und militärische Erfolge zu rechtfertigen. Nur eine Zeit lang befriedigten die Siege der französischen Waffen auf fernen Kriegsschauplätzen - die Erfolge des preußischen Heeres erregten Eifersucht, sie erschienen als Anmaßung, als Herausforderung, und man verlangte Rache für Sadowa. Die liberale Strömung des Zeitalters lehnte sich auf gegen die Alleinherrschaft des Kaisers, er mußte Bewilligungen zugestehen, seine Machtstellung im Innern war geschwächt und eines Tages erfuhr die Nation aus dem Munde ihrer Vertreter, daß sie den Krieg mit Deutschland wolle!" Aus den Vorgängen des Krieges in der ersten Periode ist die Schilderung des inneren Zusammenhangs der drei Schlachten vor Metz, des Rechtsabmarsches nach Sedan, der Schlachttage von Sedan besonders hervorzuheben. Die Abhängigkeit der französischen Heerführer von politischen Rücksichten, die Stimmung der Bevölkerung wird wiederholt betont. Moltke widerlegt auch die Behauptung, daß Bazaine ein Verräther war, läßt der Thatkraft und Beharrlichkeit Gam- bettas Gerechtigkeit widerfahren, kritisirt aber auch die dilettantische Kriegführung von Tours. Die angeblich beabsichtigte Räumung von Versailles sei eine Legende, ebenso wie die Meldungen über den stattgehabten Kriegsrath, der, wie auch 1866, niemals abgehalten worden sei. Von hervorragendem Interesse sind die Schilderungen der Belagerung von Paris und der Pariser Zustände bis Ende Januar, wo sich die Regierung in stetem Gedränge zwischen den unerfüllbaren Forderungen einer einsichtslosen Menge und dem unerbittlichen Ernste der wirklichen Thatsachen befand. Mit den schlichten Worten: „Straßburg und Metz, die in Zeiten der Schwäche dem Vaterlande entfremdet wurden, waren wiedergewonnen und das deutsche Kaiserthum war neu entstanden", schließt das hochbedeutsame Werk. Es ist unmöglich, im Rahmen einer kurzen Besprechung dem Reichthum gerecht zu werden, welcher in dem nachgelassenen Buche ruht. Daß deutsche Volk wird es zu den kostbarsten Schätzen seiner Literatur rechnen und stets neue Begeisterung und Vaterlandsliebe sich schöpfen aus dieser großartigen Schilderung der Kämpfe, die seine Einheit begründeten. Die Lectüre dieses Werkes wird auch denen ein großes Interesse abringen, welche sonst den „Kriegsgeschichten" mit ihren Schrecknissen abhold sind. Es mag hier nur noch des historischen Interesses wegen das Gesammtergebniß des Krieges nach seiner militärischen Seite hin in Moltkes Darstellung wiedergegeben werden. Er schreibt: „Zwanzig feste Plätze sind genommen worden und kein Tag ist zu nennen, an welchem nicht größere oder kleinere Gefechte stattgefunden haben. Den Deutschen hat der Krieg große Opfer gekostet, sie verloren: 6247 Offiziere, 123 453 Mann, 1 Fahne, 6 Geschütze. Der Gesammtverlust der Franzosen entzieht sich der Berechnung, aber allein an Gefangenen befanden sich in Deutschland 11860 Offiziere, 371981 Mann, in Paris 7456 Offiziere, 241 686 Mann, entwaffnet in der Schweiz 2192 Offiziere, 88 381 Mann, zusammen also 21 508 Offiziere, 702047 Mann. Erobert wurden: 107 Fahnen und Adler, 1915 Feldgeschütze, 5526 Festungsgeschütze. Cocafcs und provinzielles. Gießen, 28. August. — Einbruch. In der Nacht vom 26. aus den 27. l. M. wurden in einem hiesigen Hotel dem Kellner die Ersparnisse im Betrage von 70 Mk. gestohlen. Der Dieb, der übrigens Bescheid gewußt haben muß, stieg durch das Küchenfenster, begab sich von da ins Gastzimmer und erbrach das das Geld bergende Pult. — Eine Bärenjagd in Frouhauseu, so könnte man das am vorigen Mittwoch uns von dort gemeldete, hier mit- getheilte Ereigniß bezeichnen. Als nämlich aus der Station Fronhausen am genannten Tage ein Güterzug einlief, entsprang aus einem im Zuge verladenen Wagen ein in Gesellschaft eines jüngeren seines Stammes reisender Bär. Meister Petz trollte, nachdem ihm der Sprung aus dem Wagen gelungen, nach einem in der Nähe des Bahnhofs befindlichen Rübenacker, wahrscheinlich um sich von der Qualität der Fronhäuser Rüben zu überzeugen. Lange konnte sich der Bär diesen Betrachtungen nicht hingeben, denn ein rasch schußfertiger Beamter sandte ihm einige blaue Bohnen nach, die ihm den Appetit nach Rüben für immer verleideten. Der andere Genosse des Thieres, ein Bärenjüngling von wenigen Monaten, wagte den Sprung aus dem Wagen nicht, richtete dafür aber im Innern des Wagens unter den Reiseeffecten des Besitzers solchen Schaden an, daß bei der Ankunft des Zuges auf der hiesigen Station es des energischen Eingreifens von Schutzleuten bedurfte, den Meister Petz jun. an weiteren Ungemüthlichkeiten zu verhindern. Der erschossene Bär soll, nachdem die Bürgermeisterei Frouhauseu seiner Auslieferung keine Schwierigkeit bereitet, nach allen Regeln der Kunst zu Bärenschinken verarbeitet werden, wogegen der kleinere nach wie vor seinen „Studien" obliegen soll. Wer den kleinen Vandalen in Bärengestalt sehen will, hat dazu in Oswalds Garten Gelegenheit- er ist dort in Kuglers Museum „nebst vielen anderen Reptilien, Schlangen, Schmetterlingen, seltenen Affen und Briefmarken" zu sehen. — Auszeichnung. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt den Mitgliedern der freiwilligen Turnerfeuerwehr zu Osthofen, Jacob Brück- mann und Georg Grün IV. — Das am 27. August ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 27 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Abänderung der bahnpolizeilichen Vorschriften für die Dampfstraßenbahn Darmstadt-Arheilgen betreffend. II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die bahnpolizeilichen Vorschriften für die Bahn Mainz- Hechtsheim betreffend. — Schnl'Statistisches. Im Schuljahr 1889—90 zählten die sieben Gymnasien im Großherzogthum Hessen zusammen 146 ordentliche Lehrer (einschließlich Directoren) und im Ganzen 171 außerordentliche und Hülsslehrer. Die Zahl der Schüler belief sich insgesammt auf 2519. Die Realgymnasien und Realschulen zählten 247 Lehrer bei 4423 Schülern, die höhere Bürgerschule in Butzbach 8 Lehrer und 126 Schüler. An Schulgeld kam bei diesen sämmtlichen Anstalten ein 522 425 Mk. 88 Pf. — Unterstützungskaffe der hessischen Landes-Irreuaustalten. Vor uns liegt der in der siebenten Jahres-Sitzung des Cura- toriums am 6. Juli d. I. von dem Vorsitzenden, Herrn Geh. Medicinalrath Dr. Ludwig, erstattete Bericht. Durch die Veröffentlichung wünscht das Curatorium die Ziele und Zwecke der Unterstützungskasse dem allgemeinen Verftändniß näher zu bringen und der guten Sache neue Freunde zuzuführen. Es sei daher hiermit die Aufmerksamkeit auf jenen Bericht gelenkt, der mit den beherzigenswerthen Worten schließt: „Die öffentliche Irren-Fürsorge und ihre immer sachgemäßere Gestaltung gehört zu denjenigen, das Wohl des Einzelnen wie der Allgemeinheit betreffenden Aufgaben, welche nur dann gelöst werden, wenn die Maßnahmen der Staatsregierung und die freiwillige Thätigkeit des Volkes in zweckentsprechender Weise sich gegenseitig ergänzen, anregen und beeinflussen - die noch so vortrefflich ausgestattete Irrenanstalt leistet um so weniger, je mehr sie der Unterstützung und Mitwirkung des Volkes entbehrt." — Unwahre Angaben wegen Altersrente. Strafbare Versuche zur Erlangung der Altersrente werden von den verschiedensten Seiten gemeldet. Der Vorstand der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Hessen-Nassau in Kassel sieht sich daher veranlaßt, ein solches Vorkommniß als öffentliche Warnung bekannt zu geben. In dem betreffenden Falle waren zur Erlangung einer Rente in einer dem Vorstände vorgelegten Arbeitsbescheinigung unwahre Angaben gemacht über ein angeblich zwischen nahen Verwandten bestehendes Dienstverhältniß. Daraufhin ist sowohl der Aussteller der Bescheinigung wie. Helles, N«, 28. August. 26n»\h27. l.U. S ^Ersparnisse .'. 2ti>, der üb- lhe9 d»ch ta Uch^- ™ct und erdmch das y denen ein , 8 ^er nur Ti 'SSK ** iS“; ft-Ä: »Ä'L". ^nzaseu eljife i"eVefMbt" " ‘ M°nn, £ * ff”ct ’n der g^tii -i is”w» . ^nen und Adler ö# f° könnte man W gemeldete, hier m. ämlich aus der Station Güterzug einlief, ent- ti Wagen ein in Gesell- reisender Bär. Meister g aus dem Wagen ge- » Bahnhoss befindlichen der Dualität der Fron- e konnte fich der Bär denn ein rasch schutz- 'laue Bohnen nach, die lmer verleideten. Der njüngling von wenigen i Wagen lucht, richtete Mer den Reiseeffecten ch bei der Ankunst des । energischen Eingreijens r Petz jun. an weiteren )er erschoßene Bär soll, ifen seiner Auslieferung m Siegeln bet ßunft $u jegeti der Heinere nad} oü. Wer den kleinen bat büju in Oswalds uglers Museum „nebst chmettniiMn, Wntn Zeichen sür Mitglieder eilt den Mitgliedern der ffhosen, Jacob Bruck- ®*-9* ,’S'ÄM «e'uSS * ®rt- W*' 'Dur» di° ,b w«“jS -Ritlvttkun» Stro^ mit "i ber3””S ß-ht ßoti,ani in ü’tidie Ä «y ftte» oTfan’"’ 5f„ 3ä ((jtt11 H.'N flt, pitnr, nq Ivit der Antragsteller zu einer erheblichen Geldstrafe verurtbeilt worden, Dieser wegen Betrugsversuchs, Jener wegen Beihilfe dazu. — Em theurer Tropfen. Die Firma August Feldheim hi Mainz hat durch Vermittelung des Bürgermeisters Craß in Erbach ein Halbstück „Steinberger Cobinet" aus dem berühmten Weinjahr 1868 gekauft und zwar zu dem enormen Preise von 20 000 «X Es stellt sich die Schlegelflasche — s/4 Liter — dieses edlen Tropfens demnach im Einkauf auf nicht weniger als 25 Jt — Die im Ersatzjahr 1890/91 bei der Großh. Hess. (25.) Division eingestellten Mannschaften beliefen sich in der Provinz Starkenburg aus 1243, in Oberhessen auf 795 und in Rheinhessen auf 774, zusammen aus 2812. Von den 1243 Starkenburgern hatten Schulbildung in deutscher Sprache 1242, ohne Schulbildung war 1 (0,08 pCt.) - von den 795 Oberhessen hatten Schulbildung in deutscher Sprache 794, ohne Schulbildung war 1 (0,13 pCt.) und von den 774 Rheinhessen halten Schulbildung in deutscher Sprache 772, in fremder Sprache 1, ohne Schulbildung war 1 (0,13p(5t.); ohne Schulbildung waren demnach im Großherzogthum im Durchschnitt 0,11 pCt. - der Durchschnitt hierbei in den 20 Ersatzjahren seit 1871/72 betrug 0,21 pCt. Die größte Zahl der ohne Schulbildung befundenen Mannschaften war im Jahre 1871/72 betrug 0,21 pCt. Die größte Zahl der ohne Schulbildung befundenen Mannschaften war im Jahre 1871/72 (deren Schulbesuch also in die 50er Jahre fällt) mit 18; dazu kommt 1872/73 mit 11, 1873/74 mit 10, 1874/75 mit 14, 1875/76 mit 9 usw. — Auswanderung. Aus dem Großherzogthum Hessen wanderten aus im Jahre 1890 2122 Personen, d. i. aus 100000 Einwohner 215, während auf das ganze Deutsche Reich bei 91 925 Auswanderern 188 auf 100 000 Einwohner fallen. Von 1871—1890 sind aus Hessen im Ganzen 43407 Personen ausgewandert, in derselben Zeit aus dem Deutschen Reiche 1 870012 Personen. Die stärkste Auswanderung aus Hessen wie aus dem Reiche war in den Jahren 1880—1885, die schwächste von 1874—1879. Die größte Zahl der Auswanderer fällt auf das Jahr 1881 mit 4173 Personen, die geringste auf 1877 mit 500 Personen. Von den 43 407 seit 1871 aus Hessen Ausgewanderten gingen 42849 nach den Vereinigten Staaten von Amerika, 211 nach Brasilien, 95 nach Argentinien, 83 nach Australien, 43 nach anderen südamerikanischen Staaten, 34 nach Britisch-Nordamerika, 33 nach Afrika, 9 nach Westindien und 8 nach Central-Amerika. -d. Schotten, 27. August. Der Vorsteher der porno- logischen Gärten zu Friedberg, Herr C. Reich eit, beabsichtigt, Samstag den 29. dss. Mts., Abends 8 Uhr, zu Freienseen und Sonntag den 30. d. Mts. zu Laubach Vorträge über Obstbau zu halten. -ck. Alsfeld, 27. August. Die diesjährige Kreisconserenz der Lehrer unseres Kreises sand gestern dahier unter dem Vorsitze des Herrn Kreisraths v. Grolmann und im Beisein des Herrn Decan Müller von Alsfeld statt. Der Vorsitzende eröffnete die Conferenz und hieß die Versammelten herzlich willkommen. Nach dem Verlesen des Protocolls von der vorjährigen Kreisconferenz erstattete Herr Kreisschul- inspector Müller über den Stand des Schulwesens im Kreise Bericht. Danach besinden sich im Kreise 77 Schulen mit 101 Klassen, wovon 73 gemeinsam, 2 evangelisch und zwei israelitisch sind. 60 Schulen sind einklassig, 14 zweiklassig, 2 drei- und eine mehrklassig. An diesen 77 Schulen wirken 101 Lehrer, von denen 71 definitiv und 30 provisorisch angestellt sind. Außerdem besteht in Homberg a. d. O. eine staatliche erweiterte Volksschule mit zwei provisorisch angestellten Lehrern, in Alsfeld eine Privatmädchenschule mit zwei Lehrerinnen. Die Zahl sämmtlicher Schüler des Kreises beträgt 6503, ein Minus von 116 gegen das vorige Jahr, davon sind 3441 Knaben (gegen voriges Jahr — 57) und 3262 Mädchen (gegen voriges Jahr — 59). Hierunter befinden sich der Confession nach 5986 evang. (— 101), 336 kath. (— 13) und 181 israel. (— 2). Die evangel. Volksschule zu Homberg zählt 38 , die Privatmädchenschule in Alsfeld 53 Schüler, re^p. Schülerinnen. lieber 100 Schüler sind vorhanden in den einklassigen Schulen zu Eifa — 101, Burg Gemünden — 108 und Flensungen — 125. — Fortbildungsschulen bestanden im letzten Winter 69 ein- und 2 zweiklassige mit 932 Schülern, von denen 863 evangel., 42 kathol. und 27 israel. Auch hier ist gegen das Vorjahr ein Minus von 45 zu bemerken. Hieran schloß sich ein Bericht über die Thätigkeit der einzelnen Bezirkseonserenzen im Kreise, woraus ersichtlich, daß der Besuch derselben ein regelmäßiger und daß die von den betreffenden Referenten gelieferten Arbeiten viel Fleiß und Geschick derselben bekunden. Nach Erschöpfung des geschäftlichen Abschnitts wurde nun in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der als erster Gegenstand „die Herbart-Ziller'schen Grundsätze und deren Werth sür die ungeteilte Schule", Referent Herr Lehrer Krausmüller - Heimertshausen , stand , als zweiter „Pestalozzi und Diesterweg", Referent Herr Lehrer Rudolph- Alsfeld. In einer ganz meisterhaften Weise entledigten sich beide Referenten ihrer gestellten Ausgabe. Fesselte bei Herrn Krausmüller das ungemein fleißige Hineinarbeiten und klare Verständniß des schwierigen Herbart-Ziller'schen Systems, so spannte nicht minder die gefühlvolle Eloquanz dos Herrn Rudolph, mit der er seinen ebenfalls freien Vortrag zu Gehör brachte, die Versammlung. Herr Kreisschulinspeetor Müller dankte beiden Referenten für ihre mit außerordentlichem Fleiße gelieferten Referate. Hiernach schloß Herr Kreisrath v. Grolmann die Conferenz, woraus sich säst sämmt- liche Theilnehmer zu gemeinsamer Mittagstafel bereinigten. Mainz, 25. August. Der in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli d. I. gemeinsam mit dem bereits gestorbenen Weismantel niedergestochene Privatmann Lüft ringt nun schon seit Wochen mit dem Tode. Der Arme, der besinnungslos im Hospital darniederliegt, ist im unteren Theile seines Körpers bereits vollständig abgestorben. Die Qualen, welche Lüft zu erleiden hat, sind unsäglich. Vermischtes. * Berlin, 27. August. Bei der letzten Frühstückstafel wurde von dem Kaiser persönlich das aus Weizenmehl gebackene Kommißbrod einer eingehenden Prüfung unterzogen. * Ein Mißgriff. Bei der Begrüßung der Vertreter deutscher Städte am Mittwoch Abend in der bayerischen Bierhalle der Ausstellung ist dem Oberbürgermeister von Frankfurt, Herrn Adickes, ein drolliger „Mißgriff" passirt. Er endete nämlich seine Ansprache mit dem Satze: „Und ich erlaube mir, aus das Gedeihen unseres Werkes und auf das Wohl der hier anwesenden Vertreter deutscher Städte mein Glas zu leeren!" und hob sein Bierglas in die Höhe und leerte es — aber es war ein so kleiner Rest, daß die Umgebung des Herrn Oberbürgermeisters über das „Leeren" dieses Glases in helle Heiterkeit ausbrach. Aber Herr Adickes war rasch besonnen; er ergriff das daneben stehende volle Glas eines Nachbars, erhob sich wieder und sagte launig: „Es ist mir da ein eigentümlicher Jrrthum passirt: Ich wollte dieses Glas leeren und ich wünsche nur, daß dieser erste Mißgriff auch der letzte sei!" und setzte an und trank einen tüchtigen Schluck. Die darauf folgende allgemeine Heiterkeit bewies, daß der Herr Oberbürgermeister seinen „Mißgriff" rasch wieder gut gemacht hatte. * Ein geheimer Hotel-Ring. Man schreibt dem „Neuen Wiener Tageblatt" aus London: Unter der Ueberschrist: „An Deinem Gepäckzettel soll man Dich erkennen" bringen die Blätter „zum Besten englischer Touristen im Auslande" folgende Warnung. Man habe entdeckt, daß Hotelbesitzer in Deutschland und „anderswo in der Nähe jenes Landes" das Gepäck ihrer Gäste zum Medium geheimer Mittheilung für jeden anderen, ebenfalls in das Geheimniß eingeweihten Gast- wirth ihres „Verbandes" zu versehen pflegen. Dies geschehe durch das Aufkleben eines Zettels, der die Hotelfirma zeige — gewiß ein harmloses Vorgehen. Aber Farbe und Druck sei verschieden, je nachdem es sich darum handele, den Collegen über die 'Düne len Charakter und >;r Grwohi.hcitcn des Reisenden zu informiren. Durch einen wegen Dienstentlassung rachsüchtig gejammten Kofferträger kam Die Geschichte zu Tage. Dieser hatte einem sehr ehrsamen uni) freigebigen Engländer zu guter Letzt einen Gepäckzettel auf die Koffer geklebt, der ihn in den Augen des nächstbesuchten Hoteliers als einen zänkischen und unausstehlichen Geizhals insgeheim verrieth. Die Wirkung blieb nicht aus. Der Brite wurde von zwei großen Hotels, „die mit zum Ringe gehörten", mit der Bemerkung abgewiesen, daß das Haus schon übervoll, und erst nach weiterem Suchen fand er bei einem „unschuldigen" kleineren Hotelier gastliche Ausnahme. Es fügte sich, daß jener boshafte Kofferträger wenige Tage daraus in demselben Gasthofe Anstellung fand und dem Briten reumüthig seinen „schlechten Spaß" eingestand. Man spricht hier die Hoffnung aus, daß festländische Hotelbesitzer sich künftighin dieser Kryptographie enthalten werden. * Eine Trinkhalle auf dem Dreirad, das ist die neueste Erscheinung, die das Berliner Straßenleben zeigt. Auf dem blitzblanken Dreirad steht der blau angestrichene Apparat von äußerst zierlichen Formen. Der diWtthuendc Mundschenk sitzt hinten, lenkt die Maschine und ka« von seinem Sitz aus auch die Käufer bedienen, wenn er es nicht vorzieht, zu diesem Zweck abzusteigen. Vorläufig ist nur eine Dreirad- Trinkhalle unterwegs, im nächsten Sommer aber sollen dieselben in, großer Zahl durch die Straßen Berlins sich bewegen. * Englische Bismarck ■ Verehrer. Merkwürdige Zeichen von Bismarck-Verehrung geben die blonden Söhne und Töchter Albions. So erstand ein Lord eine Kaffeetasse um den Preis von 10 Mark, aus welcher der Fürst in einem Kissinger Restaurant getrunken; ein anderer füllte eine Selterswasserflasche mit dem Soolwasser, in dem sich derselbe kurz vorher gebadet hatte, und zwei Ladys aus Liverpool ließen zwei Büschel Haare, welche der sich haarende Reichshund Tyras ihnen ließ, in goldene Medaillons fassen. Verkehr, Land« and Volksrvirthschofit. Wetzlar, 27. August. Auf dem heutigen hiesigen Markt rourben angetrieben: 604 Stück Rindvieh und 701 Stück Schweine. Der nächste Markt findet am 30. September d. I. statt. ^kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst- 14. Sonntag nach Trinitatis, 30. August: Vormittags 73/< Uhr: Pfarrer Dingeldev. Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Kinderkirche fällt aus. Am Sonntag den 6. September findet im Hauptgottesdienst die kirchliche Sedanfeier statt; an diesem Sonntag wird eine Eollecte erhoben zum Besten der Kaiser-Wilhelms-Stiftung für deutsche Invaliden. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 30. August bis 5. September besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. 15. Sonntag nach Pfingsten, 30. August: Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um Va® Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Morgens von 8/46 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6 Uhr erste Frühmesse; um W Uhr zweite Frühmesse; um 8/40 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um Vr3 Uhr Andacht für die Abgestorbenen der Gemeinde. Abends um Vr8 Uhr Herz- Mariä-Bruderschastsandacht mit Predigt. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 29. August: Vorabend 63» Uhr, Morgens 8°° Uhr, Nachmittag? 4°° Uhr, Abends 7*0 Uhr. Temperatur der Lahn und Lust gemeffen am 28. August, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Lust 14 Grad Reaumur. L. Chr. Rübsamen Wwe. Bekanntmachung. Im Schulhofe der Knabenschule soll heute Samstag den 29. d. Mts., Abends 6 Uhr, eine Parthie ungebrannter Balken und Bretter, sowie beschädigte Sandsteine versteigert werden. Gießen, den 28. August 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: 7692 Langsdorfs, Beigeordneter. Samstag den 12. September, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Otto Schaum, Wilhelm Schaum in Hamburg, und Marie Mette, geb. Schaum, in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 17 Nr. 1493/10 — 132 Meter Grabgarten in der Scheppecken, Flur 17 Nr. 149a’/io — 463 Meter Hof- raithe daselbst, Flur 17 Nr. 149ao/io — ß/10 Meter Hofraum daselbst, Flur 17 Nr. 1498/10 — 28 Meter Grabgarten daselbst, Flur 17 Nr. 15O’/1O - 709 Meter Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 31. Juli 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. ___I. A-: Bogt. 6927 Senfsaat 7495 bei Otto Schaaf. Bekanntmachung. Durch Beschluß der Generalversammlung des landwirthschaftlichen Consumvereins (eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht) zu ©rüningen vom 24. ds. Mts. hat der § 2 der Statuten der Genoffenschaft den Zusatz erhalten, „daß fürder als Gegenstand des Unternehmens noch weiter der gemeinschaftliche Einkauf von Haushaltungsartikeln, Colonial- und Manufactur- Waaren gelten soll." — Eintrag im Genossenschaftsregister ist erfolgt. Lich, den 26. August 1891. Großherzogliches Amtsgericht. ______Langermann. 7676 Grasverstkigerung. Donnerstag den 3. Septbr., Vormittags von 9 Uhr an, soll das Grummetgras von den Gemeindewiesen zu Grotzen-Buseck versteigert werden. Der Anfang ist bei der Fußmühle. Bei ungünstiger Witterung findet die Versteigerung im Rathhaussaal statt. Großen-Buseck, 27. August 1891. Gr. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Stephan. 7681 Grumwetgras- Versteigerung. Die am 26. und 27. August bei I der Mittelstmühle und der Neumühle abc^ehaltenen Versteigerungen werden nicht genehmigt. Anderweite Versteigerungen finden statt: Montag den 31. August, Vormittags 9 Uhr, bei der Mittelstmühle, Dienstag den 1. September, Vormittags 9 Uhr, bei der Neumühle bei Beuern. Altenbuseck, den 28. August 1891. 7685 Krämer, Bürgermeister. Aeifge8stenes. Auf dem Brandplatz treffen heute Samstag früh Gurken und Ueberrheiner Weißkraut ein. 7682 Michael Seib. WM.u.mfferd. Pferdedecken billigst, [7442 Maffder. Wagen-n.WWU- ZU Fabrikpreisen. 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Frankfurter Börse vom 28. August 1891. L-chlußconrse 1 Uhr 15 Mn- ReichSbank-DiSeont 4 pCt. — Frankfurter Bank-DiScont 4 pCt 3% Reichsanleihe 3V« % do. 3% Preuß. ConsolS 3Vi°/e do. 83.70 9775 83.70 97.60 40/0 Ung. Gold-Rente 5o/o Ztal. Rente 4Ve% Oest. Silber-Rente 3°/o' Portugies. Anl. 88 8(k 89 60 7750 39.70 Disconto-Command^Anth 168.10 Lomb. E.<-B.«-Act. 89.25 Darmstädter Barck-Llct. 128 10 Buschtherader E.»B.-Act. 394 00 Dresdener Bank-Act- 130 30 Elbthal-Bahn-Act. 178 50 Nordd. Lloyd-Act. 109 20 Gotthard-Bahn-Act. 125 80 Wiener Bankver.-Act 91 50 Schweizer Nordoft-B.-Act. 123.50 Oest. Credst-Act. 234 75 Mainzer E.-B.-Act. 11030 Oeft Staatsb.-Act. 237.75 Marienburger E.-B.-Act. 50 00 4o/o Mainzer St^Anl. 101-80 Ver. KönigS-Laurah^Act 112 00 Gelsenk. Bergw.-Act. 148 70 j Tendenz: fest. Der heutigen Nummer ist ein Prospekt des Herrn Wilhelm Hamel in Giehen (Bleichstr. 7) über Seidel-Naumann sche Fahrräder beigelegt. 7687 Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.