Nr. 173 Mittwoch den 29. Juli 1891 Gießener Anzeiger Keneral-WnzAger. Amts- und Anzeigeblatt för den Areis Gieren. Äeboction, Lxpebttto» unb Druckerei: -chutsira-e Kr.?« Kernfprccher 51. vietteljLhriger jLöeenemettisprdil 2 Mark 20 Pfg. mA Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener Wamtlienötätter werben dem Anzeiger ivschentlich dreimal deigelegt. Der Ktrßener Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme bei Montags. | Gratisbeilage: Gießener Iamikienökätter. raH.'IWI.1!* L.11 ■ ----1— Annahme Hon Anzeigen zu der Nachmittag- für dm folgmoen Lag erfcheinmdm Nummer bis Borin. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Schafräude zu Stangenrod betreffend. Unter den Schafen der Heerde des Heinrich Hoff- M a n n VII. zu Stangenrod ist die Räude ausgebrochen. Es Wird deshalb die Sperre über die Gemarkung Stangenrod Verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung und ist in jedem einzelnen Fall, in welchem dieselbe erfolgen soll, unsere Erlaubniß einzuholen. Zuwiderhandlungen gegen die angeordneten Schutzmaßregeln unterliegen den gesetzlichen Strafen. Gießen, den 25. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost. Zur Frage der Abzahlungsgeschäfte. Es ist eine längst anerkannte Thatsache, daß die wie Pilze aus dem Boden schießenden sogenannten Abzahlungsgeschäfte in ihrer jetzigen Einrichtung allmählich ganz zweifellos zu bedenklichen Mißständen geführt haben, deren Beseitigung dringend geboten erscheint, sollen nicht weite Kreise unserer 'Nation, namentlich der ärmeren Bevölkerungsklassen, empfindlich geschädigt werden. Wir wollen hier gar nicht davon reden, daß durch derartige Geschäfte mit ihrer häufig nur zu marktschreierischen Gebahrung ältere solide Geschäfte, in denen man nicht die Praktiken der Abzahlungsbazare befolgt, mitunter sogar in ihrer Existenz untergraben werden, solche Erscheinungen sind eben in dem wirthschaftlichen Concurrenzkamps der heutigen Zeit unvermeidlich. Wohl aber gilt es, den mancherlei ernsten Mißständen entgegen zu treten, welche mit der gegenwärtigen Einrichtung der Abzahlungsbazare verbunden sind. Hierher gehören vor Allem die Clauseln der zwischen den Inhabern oder Leitern der Abzahlungsgeschäfte und ihren Kunden abgeschlossenen Contracte, welche Clauseln den Eigenthums- vorbehalt und den Verfall der ganzen gezahlten Summe aussprechen, wenn der Käufer auch nur mit einer Nate über Lie' contractmäßig festgesetzte Zeit hinaus im Rückstände bleibt. Hierin liegt der wunde Punkt der ganzen Frage, denn der Käufer ist da ganz in die Hand des Verkäusers gegeben, und die Fälle, in denen der Käufer, weil er nicht rechtzeitig die fällige Rate aufzutreiben vermochte, die ganze schon gezahlte Summe und selbstverständlich den bedingt erworbenen Gegenstand wieder einbüßte, sind viel häufiger, als im Allgemeinen wohl angenommen wird. Die Nachtheile, welche durch solche unleugbare Auswüchse des Abzahlungswesens weiten Bevölkerungsschichten zugesügt Werden, sind auch von Seiten der Regierung erkannt worden und schon seit längerer Zeit wendet sich die Aufmerksamkeit der Bundesregierungen diesem Gegenstände zu. Im Lause des Jahres 1889 war von sämmtlichen Einzelregierungen aus eine Anregung der Reichsregierung eine Untersuchung Äber die im Abzahlungswesen herrschenden Mißstände und über die etwa zu ergreisenden Abhilssmittel veranstaltet worden und diese Untersuchung hatte ergeben, daß hier in der That ein Feld vorlag, auf welchem sehr wohl mit gesetzgeberischen Maßnahmen vorgegangen werden könnte, zugleich aber stellte sich bei dieser Untersuchung heraus, daß die Abzahlungsgeschäfte doch wiederum einem vorhandenen Bedürfnisse entsprechen, besonders haben sie sich dadurch ein unstreitiges Verdienst erworben, daß sie wenig bemittelten Leuten den Kauf von Werkzeugen und kleineren Maschinen, die sie bei ihren Arbeiten nicht entbehren können, durch das System der Ratenzahlungen allerdings wesentlich erleichtern. Wenn z. B. eine Näherin für eine Nähmaschine 80, 100 und wohl noch mehr Mark aus einem Brett bezahlen sollte, so würde ihr dies gewiß in den allermeisten Fällen überaus schwer fallen, wenn nicht ganz unmöglich sein, während sie durch die Abzahlungsgeschäfte in den Stand gesetzt wird, in Folge der Ratenzahlungen sich das für sie doch unentbehrliche Instrument mit verhältniß- maßiger Leichtigkeit zu erwerben. Eben diese bedingte Nützlichkeit der Abzahlungsgeschäfte für große Klassen unserer Bevölkerung macht die Behandlung der Frage zu einer äußerst schwierigen, denn wenn es sich aus der einen Seite darum handelt, anerkannte Mißstände, welche das Wesen der Abzahlungsgeschäfte in seinem Gefolge hat, endlich zu beseitigen, so gilt es andererseits wiederum, gewisse Rücksichten gegen diese Institute zu üben, da ihre Hilfe für die „kleinen Leute" nun doch einmal nicht gut zu leugnen ist. Es darf daher der Gesetzgeber in seinen etwaigen Maßnahmen zur Reform des Abzahlungswesens die Existenz der Abzahlungsgeschäfte nicht gradezu gefährden, er soll jedoch zugleich auch die aus letztere mit angewiesenen unbemittelten Klassen gegen die Ausbeutung durch die Abzahlungsbazare schützen, so daß es freilich sehr schwierig ist, hier den richtigen Mittelweg zu finden. Vielleicht wird dadurch ein Ausgleich in dieser Frage gesunden, daß der Verfall der geleisteten Abzahlungen, sobald dieselben eine gewisse Höhe erreicht haben, gesetzlich für unzulässig erklärt und dem Verkäufer nur das Recht eingeräumt wird, ein Drittel der geleisteten Zahlungen als Miethe zurückzubehalten, im Uebrigen aber der Verkäufer verpflichtet ist, die anderen zwei Drittel dem Käufer, sobald er außer Stande ist, weitere Abzahlungen zu leisten, herauszuzahlen. Deutler Reich. Berlin,27.Juli. Bei dem deutschen Heere wird diesen Herbst eine äußerst wichtige neue Einrichtung erprobt werden. Es nimmt nämlich an dem diesjährigen Kaisermanöver des 4. Armeecorps eine Reservedivision Theil. Dieselbe besteht aus vier Reserve-Jnfanterie- Regimentern, einem Cavallerie-Regiment, dem Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 4 und einer Reserve Pionier-Compagnie. Die Infanterie-Regimenter tragen die Nummer der Brigade, in deren Bereich sie formirt sind, 13 bis 16. Man beabsichtigt durch die Aufstellung der Reservedivision zu erproben, wie ein nach der Mobilmachungsvorschrift einberufener, nur wenige Tage geübter größerer Truppenkörper sich den Anforderungen des Manövers gegenüber bewähren wird. — Im preußischen Ministerium herrscht trotz der Sommerserien eine ganz außerordentliche Thätigkeit. Nur der Justizminister und der Kriegsminister haben Ferien, alle übrigen Minister nebst dem Reichskanzler sind in angestrengter Thätigkeit, so daß einzelne Minister, wie Miquel, Thielen, Graf v. Zedlitz, wahrscheinlich keinen Sommerurlaub nehmen werden. Das Finanzministerium beschäftigt sich namentlich eifrig mit Abfassung eines alle wichtige Anordnungen des Einkommensteuergesetzes klar und volksthümlich zusammenfassenden Formulars für die Selbsteinschätzung. Man hofft, mit letzterer Arbeit bis zum Herbst fertig zu sein. — Die Mittheilung der „Kreuz-Zeitung", daß die Offiziere jener sächsischen Landwehren, die aus den socialdemokratischen Jndustriebezirken im vorigen Jahre zur Uebung eingezogen waren, mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, und daß wiederholt aus die Führer geschossen wurde, entbehrt jeder thatsächlichen Begründung. Das Königlich sächsische Kriegsministerium hat die „Kreuz- Zeitung" ersucht, sobald als möglich diese beleidigende und die sächsischen Heeresverhältnisse herabsetzende Mittheilung ausdrücklich und an hervorragender Stelle zu widerrufen, was auch in der „Kreuz-Zeitung" geschehen ist. Netteste Nachrichten. WolffS telegraphisches Corresponbenz-Bnreau. Berlin, 27. Juli. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser traf am Sonnabend in Tromsö ein, nahm Vorträge entgegen und arbeitete daraus allein. Am Sonntag hielt er selbst den Gottesdienst ab, gings Mittags zur See und traf gestern um 3 Uhr in Malange-Fjord ein. Er gedachte heute die Reise in südlicher Richtung sortzusetzen. Der „Reichsanzeiger" publicirt ferner die Ernennung Kochs zum Director des Instituts für Jnfectionskrankheiten und zum Honorarprofessor der medicinischen Facultät. Die Gesetzsammlung publicirt die Landgemeindeordnung. Berlin, 27. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung der großen goldenen Medaille für Wissenschaft an Professor du Bois-Reymond. Bremen, 26. Juli. Der für eine wissenschaftliche Expedition gechartete Dampfer „Amely" ist heute Nachmittag 51/2 Uhr nach dem Nordcap abgegangen. Stettin, 27. Juli. Im Beisein der gesammten hiesigen Generalität, sowie mehrerer türkischer Offiziere und unter großer Betheiligung der Bevölkerung sand heute Nachmittag die Beerdigung Ri stow Paschas mit den üblichen militärischen Ehren statt. Die Leichenparade wurde von dem Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pom- mersches) Nr. 2 und dem 1. Pommerschen Feld-Artillerie- Regiment Nr. 2 gestellt, welche auch die Ehrensalven abgaben. Ansbach, 27. Juli. Gestern fuhr eineRangirmaschine Alle Annoncen-Bureaux veS In« unb Auslandes nehmen Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegn. in die Flanke eines in die Station einführenden Güterzuges. Drei Wagen entgleisten und wurden erheblich beschädigt. Niemand wurde verletzt und der Betrieb blieb ungestört. Wien, 27. Juli. Hiesige Blätter melden, daß im Hinblick aus die immer mehr zunehmende Einwanderung Mittelloser das Eintrittsverbot der rumänischen Regierung allen Reisenden gegenüber gelte, welche keinen durch einen Vertreter Rumäniens im Ausland visirten Paß besitzen. Prag, 27. Juli. Anläßlich des Eintritts des millionsten Besuchers in die Ausstellung hielt der Vicepräsident derselben eine Ansprache an ein tausendköpfiges Publikum und schloß mit einem dreimaligen Slava und Hochrufen auf den Kaiser. Das Publikum stimmte enthusiastisch ein und sang entblößten Hauptes die Volkshymne mit. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm nach Ischl gesandt, woraus später ein Danktelegramm einlies, welches verlesen und mit brausenden Slavarufen ausgenommen wurde. Wittkowitz (Mähren), 27. Juli. Zweihundert Kesselschmiede des Eisenwerkes striken wegen Lohndifferenz. Die Kesselfabrikation ist vollständig unterbrochen. Bis jetzt ist Alles ruhig. Bern, 27. Juli. Bei der gestrigen Probefahrt der Drahtseilbahn Lauterbrunnen-Mürren ist zwischen Grütsch und Mürrrn ein Wagen entgleist und um- gestürzt/ von den Insassen wurde Niemand erheblich verletzt. Die Linie ist durchaus unbeschädigt. Murren, 27. Juli. Das Befinden Stanleys, der sich in Behandlung des Kurarztes befindet, ist den Umständen nach gut. Der Beinbruch heilt leicht. Paris, 26. Juli. Das Comite zum Schutz der nationalen Ernährung veranstaltete eine Versammlung unter dem Vorsitz des Deputirten Lockroy, um gegen die von der Deputirten- kammer beschlossenen Zolltarife zu protestiren. Mehrere Deputirte und hervorragende Persönlichkeiten aus Handelskreisen wohnten der Versammlung bei. Paris, 27. Juli. An dem heute eröffneten Congreß über Tuberculose nehmen etwa 400 französische und auswärtige Aerzte Theil. Professor Lanclongue stellte 40 Fälle von mit Zinkchlor behandelten Tuberculosen vor. Professor Arloing-Lyon sprach über das Koch'in. Paris, 27. Juli. Der Czar richtete nach Besichtigung des französischen Geschwaders an Carnot ein Beglückwünschungstelegramm, welches Carnot sofort mit einem Danktelegramm beantwortete. Paris, 27. Juli. Eine vorläufige Untersuchung über die Ursachen des Unglücks bei Saint Mande scheint die Schuld des Löcomotivführers des Ergänzungszuges zu ergeben. Derselbe ließ den Zug trotz der Warnungen des Vorstehers der vorliegenden Station und trotz des Haltesignals mit voller Geschwindigkeit fahren. Er behauptet dagegen, daß die Bremsvorrichtung böswillig unwirksam gemacht sei, weshalb er nicht anhalten konnte. Paris, 27. Juli. Die Mehrzahl der Todten von Saint Mande kam durch Feuer und Wasser um. Es gelang erst nach 40 Minuten durch Hydranten auf die brennenden Wagen Wasser zu werfen- dies geschah aber in solchen Unmassen, daß manche vielleicht nur Verwundete ihren Tod in den Wassermassen fanden. Der Locomotivführer und der Heizer sind auf wunderbare Weise gerettet worden- sie warfen sich, die Unmöglichkeit des Anhaltens erkennend, auf die die Loco- motive und den Tender verbindende Brücke. Nach einer Veröffentlichung der Direction beträgt die Zahl der Todten 35, diejenige der Verwundeten nur einige 30; doch fügt die Direction hinzu, diese Zahlen seien nur provisorisch. Paris, 27. Juli. Die von der Eisenbahndirection angegebene Zahl der bei Saint Mande Verunglückten ist zu niedrig- thatsächlich sind etwa fiinfzig Personen tobt und etwa hundert verwundet. London, 27. Juli. Fergusson erklärte im Unterhause, Baring glaube, die egyptische Regierung thue ihr Möglichstes, um denSclavenhandel zwischen den kleinen Plätzen des Rothen Meeres zu verhindern. Atkinson (con- servativer Abgeordneter) wurde wegen ungebührlichen Vorgehens gegen den Sprecher aus eine Woche von den Sitzungen des Hauses suspendirt. Petersburg, 27. Juli. Das Diner, das der Großfürst Alexis gestern an Bord der „Asia" dem Admiral Gervais, dessen Stabe und den Commandanten der französischen Schiffe gab, verlief in Anwesenheit hoher russischer Persönlichkeiten glänzend. Gegen 200 französische Matrosen besuchten gestern mit ihren Offizieren hier ein Concert. Gervais reist mit einer Abordnung französischer Offiziere voraussichtlich nach Moskau, wo ihm ein solenner Empfang bereitet werden soll. Kronstadt, 27. Juli. An dem vom Admiral Gervais \ nn Bord des „Marengo" gegebenen Dejeuner nahmen der Großfürst Alexis, die russischen Admiräle, Commandanten und das Stadthaupt Theil. — Anläßlich des von der Munizipalität den französischen Osfizieren im Commerzclub heute bereiteten Diners ist die Stadt festlich geschmückt. Aus den Straßen concertiren zahlreiche Musikcorps. Bukarest, 27. Juli. Das Gesetz, betreffend die Umgestaltung der Infanterie, ist heute in Kraft getreten, die volle Durchführung desselben erfordert die Zeit bis zum October. — Der russische Gesandte Fonton begab sich heute nach Sinaja zur Abschredsaudienz vor dem Antritt seiner Urlaubsreise. — Anstatt Bratianus ist der conser- vative Cantacuzeno in den Senat gewählt- dadurch gewinnt die Regierung einen Sitz. Cincinnati, 27.Juli. Bei dem Eisenbahnzusammenstoß in der Nähe von Middletown sind nur drei Personen getödtet und etwa 40 verwundet worden. Djeddah, 26. Juli. Die C h o l e r a ist hier im Abnehmen. Bisher sind der Epidemie 4200 Personen erlegen. Teheran, 27. Juli. Die persische Tabak-Compagnie ließ kürzlich eine auf ihre Geschästsgebahrung bezügliche Bekanntmachung an den Mauern von Täbris anschlagen. Die meisten dieser Plakate wurden heruntergeriffen und als Antwort auf diese Plakate wurden in der Nacht vom 12. Juli Plakate revolutionären Inhalts angeschlagen, in welchen die Priester ausgesordert werden, der Bevölkerung zu helfen und Alle mit dem Tode bedroht werden, welche sich auf die Seite der Tabak-Compagnie stellen. Es sind zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 27. Juli. Der Entwurf des Trunksuchts- Gesetzes wird den „Polit. Nachr." zufolge Anfangs August veröffentlicht. Berlin, 27. Juli. Die Berliner Strike-Commission wird jetzt von den Gewerkschaften als unnütz aufgegeben, auch der Delegirte der Buchdrucker legte sein Mandat nieder. Ein Ersatzmann wurde nicht gewählt. Spandau, 27.Juli. Es verlautet, die hiesige Gewehrfabrik beabsichtige, im August den Betrieb gänzlich einzustellen, es sollen die Arbeiter nur bis auf Weiteres gehalten werden. Die entlassenen Arbeiter gehen vielfach nach Steyr und Budapest, um in den dortigen Waffenfabriken Beschäftigung zu suchen. Die Militär - Verwaltung soll bei Spandau die Errichtung einer Tuchfabrik planen, um zu versuchen, späterhin alle militärischen Tuche in staatlichen Fabriken herzustellen. Anschließend an die Pulverfabrik soll auch die Errichtung einer Sprengstoff-Fabrik geplant sein. Kastel, 27. Juli. Im Stadtkreis erhielt Endemann 5357, Pfannkuch 4637 Stimmen. Das Gesammtresultat ist bisher: Endemann 8693, Pfannkuch 8097 Stimmen. Ende- manns Wahl ist gesichert. Lemberg, 27. Juli. Den katholischen Geistlichen Congreßpolens wurde es verboten, ohne behördliche Er- laubniß den Wohnort zu verlassen oder Zusammenkünste zu veranstalten. Graz, 27. Juli. Die Bergarbeiter in Süd-Steiermark beabsichtigen für den 1. August einen General- ausstand. Czernowitz, 27. Juli. Bei den hiesigen Finanzbehörden wurden vor Kurzem große Malversationen entdeckt, die ein erschreckendes Bild der Corruption bieten. Leitende Beamte wurden theils pensionirt, theils suspendirt. Der Leiter des Zollamts in Bassancze entzog sich der Verhaftung durch Selbstmord. Der Vorstand des Hauptzollamts in Kobierski wurde gestern verhaftet, desgleichen eine Anzahl Kaufleute in verschiedenen Städten des Landes. Es handelt sich zumeist um Zoll-Defraudationen bei Vieh- und Getreidetransporten aus Rumänien, ferner um Branntweinsteuer-Unterschlagungen. Kronstadt, 27. Juli. Bei dem Diner, welches der Kronstädter Commandant, Admiral Schwarz, den französischen Offizieren gab, hielt Gervais folgende Ansprache: „Seit gestern meine ich, in einer verzauberten Welt zu leben, so überzeugend sind die Beweise der Sympathie und der Aufmerksamkeit, welche uns hier zu Theil werden. Dieselben müssen uns mit Stolz und Freude erfüllen, denn sie gelten nicht uns, sondern dem theueren Frankreich. Empfangen Sie den Gruß Frankreichs an das große ruhmreiche russische Reich. _______ Kastel, 28. Juli. Reichstags-Ersatzwahll Vollständiges Endresultat: Endemann (natl.) 10 795 Stimmen, Pfannkuch (Soc.) 9245 Stimmen. Außer den Conservativen haben auch fast sämmtliche Antisemiten und Reichsparteiler für Endemann gestimmt. Locales uttfc Provinzielles. Gießen, 28. Juli. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 30. Juli 1891, Nachmittags 4 Uhr: 1. Erlaß eines Polizeireglements, die Bezeichnung der Fuhrwerke betr. 2. Anlage von Einfriedigungen in der Stadt Gießen. 3. Die Einfriedigung am Hose des Ernst Lotz am Tiefenweg. 4. Dispensationsgesuch des Karl Heil -für seinen Anbau in der Schützenstraße. 5. Gesuch des G. Koch um Erlaubmß zur Aufführung von Gebäuden und Hütten bei seinem Thonwerk. 6. Gesuch des Emil Kalbfleisch um Erlaubmß zur Erbauung eines Wohnhauses. 7. Repa- raturarbeiten im Wieghaus. 8. Gesuch verschiedener Grundbesitzer um Ausbau der Weserstraße. 9. Verbreiterung der Wieseckbrücke in der Ortsdurchfahrt, Straße Gießen-Hersseld. 10. Gesuch des Rechtsanwalts Louis Labroisse zur Anlage einer Thür nach der Plockstraße. 11. Die Canalisation der Stadt Gießen. 12. Bauherstellungen im Gebäude des Realgymnasiums. 13. Bepflanzung und Wasserversorgung des Schulhofs der höheren Mädchenschule. 14. Obstausstellung vom 4. bis 11. October 1891 in Gießen. — Sitzung Großherzogl. Handelskammer vom 24. Juli 1891. Anwesend waren die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Klingspor. Eine wiederholt bei den in Betracht kommenden Exportfirmen des hiesigen Bezirks veranstaltete Anfrage wegen der Beiheiligung an der bevorstehenden Weltausstellung in Chicago hat das Resultat ergeben, daß dieselben auf ihrem früheren ablehnenden Standpunkte verharren zu müssen erklären, weil wegen der hohen Transportkosten und Eingangszölle ein lohnender Absatz ihrer Fabrikate in Amerika für die nächste Zeit nicht zu erwarten stehe. — Es gehen uns Nachrichten zu, in welchen darauf aufmerksam gemacht wird, daß Deutschen, welche Baumaterialien nach Holland zu liefern haben, leicht daraus Schwierigkeiten entstehen können, daß in Holland keine allgemeine anerkannte Prüfungsstation für derartige Materialien besteht. Es wird deßhalb den deutschen Producenten angerathen, daß sie, io lange nicht in Holland eine staatliche Prüsungsstation eingerichtet ist, bei größeren Lieferungen thunlichst aus der Ausnahme einer Clausel in die Contracte dahin bestehen, daß bei entstehenden Meinungsverschiedenheiten über die Beschaffenheit der Waare die Königliche Prüfungsstation zu Berlin- Charlottenburg als Schiedsrichter zuständig sein soll. — In Salonik soll eine große allgemeine Handelskrisis ausgebrochen sein, welche für die nächste Zeit bei Anknüpfungen von Geschäftsverbindungen mit dem dortigen Platze die größte Vorsicht geboten sein läßt. — Es gehen uns weiterhin Nachrichten zu, in welchen davor gewarnt wird, daß heimische Fabrikanten sich direct mit spanischen Abnehmern in Verbindung setzen. Es wird vielmehr gerarhen, sich der heimischen Commissionshäuser zu bedienen, welche durch Collectivreisende das Land bereisen lassen und meistens mit in Spanien wohnenden Agenten in Verbindung stehen, welche größten- theils gut unterrichtet und zuverlässig sind. Zur Regelung der finanziellen Geschäfte wird gerathen, sich der mit der deutschen Bank in Berlin in enger Verbindung stehenden deutsch-spanischen Bank in Madrid zu bedienen. — Es wird sodann noch darauf hingewiesen, daß die Ausfuhr Deutschlands nach Spanien in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen ist und wird dies einmal der weniger lebhaften Thätig- keit der Agenten deutscher Häuser, sowie der auffallenden Thatsache zugeschrieben, daß der deutsche Handel im Vergleich zu dem englischen und französischen zu wenig die Reclame ausnutzt. — Zum Geschäftsverkehr mit den Vereinigten Staaten sei nachfolgende uns zugegangene Mittheilung zur Kenntniß der Interessenten gebracht: Die Consuln der Vereinigten Staaten müssen für gesetzlich befugt erachtet werden, die Ertheilung von Attesten für direct von Fabrikanten nach Amerika consignirte Maaren von der Vorlegung einer Declaration des Fabrikanten abhängig zu machen, welche Auskunft über die in Sect. 11 des Gesetzes vom 10. Juni 1890 aufgeführten sogenannten „Elemente^ der Herstellungskosten gibt. Verordnungen und Entscheidungen amerikanischer höchster Behörden über die consularische Befugniß zur Erforschung der Herstellungskosten auf Grund des Zollverwaltungsgesetzes vom 10. Juni 1890 sind bisher nicht ergangen, bezw. nicht veröffentlicht worden. Den Consuln wird indessen Seitens der Regierung der Vereinigten Staaten eine Befugniß zur Erzwingung der Declarationen des Fabrikanten bezüglich der Elemente der 'Herstellungskosten nicht zugestanden, und sie sollen auch im Falle, daß eine solche Declaration nicht abgegeben wird, die Beglaubigung der Factura nicht verweigern. Dagegen sollen die Consuln in diesem Falle berechtigt und verpflichtet fein, den Zollcollector des amerikanischen Bestimmungshafens von der Verweigerung der Declaration in Kenntniß zu fetzen und dieser kann alsdann die Einfuhr ' so lange verhüten, bis ihm der Importeur den Beweis erbracht hat, daß der in der Factura angegebene Werth der Waare den thatsächlichen Verhältnissen entspricht. Dem deutschen Fabrikanten erwächst daher ein Vortheil nicht, wenn er die Abgabe der Declaration verweigert und gleichwohl die Beglaubigung der Factura erzwingt. Eine Schädigung dürfte. den deutschen Fabrikanten, welche sich zurMbgabe der Declaration bereit erklären, aus einer Preisgebung ihrer Fabrik- geheimniffe durch die Consuln der Vereinigten Staaten nicht erwachsen, da die Consuln angewiesen sind, die Angaben über die Elemente der Herstellungskosten lediglich als zu ihrer persönlichen Kenntniß bestimmt anzusehen, dieselben nicht in den Consulararchiven aufzubewahren und sie auch nicht den Facturen beizufügen. Die Declaration ist nur dazu bestimmt, dem Consul persönlich die Ueberzeugung von der Richtigkeit des Facturenwerthes beizubringen. Würden dem Staatsdepartement Fälle zur Kenntniß gebracht, in denen Consuln diese Pflicht zur Geheimhaltung verletzt hätten, so würde sofort ein Einschreiten erfolgen. — Das Turnfest des Mittelrheinkreises, welches vom 25. bis 27. Juli in der alten Feststadt Hanau gefeiert wurde, verlief ganz in der besten Weise und zwar bei einer Betheiligung, wie sie noch selten erreicht wurde. Ca. 4000 Turner waren zum Feste erschienen, 640 davon stellten sich am Sonntag Nachmittag zu den Freiübungen. Das Musterriegenturnen, welches bald darauf stattfand und an welchem 63 Riegen theilnahmen, verlief in der besten Weise. 61 Sieger wurden mit Ehrentafeln bedacht, darunter auch die von dem hiesigen Männerturnverein gestellte Riege am Barren. Das Einzelwettturnen begann Montag Morgen um 7 Uhr und hatte sich die stattliche Zahl von 231 Turnern dazu gestellt, es verlies in musterhafter Weise und zeigte sich auch hier, wie der Kreis in seinen turnerischen Leistungen immer vorwärts schreitet. Carl Heuser vom hiesigen Turnverein errang hierbei mit 52x/4 Punkten den 20. Preis unter 41, in Anbetracht der regen Betheiligung der besten Kräfte ein günstiges Resultat. Carl Burger von der Hanauer Turngemeinde errang mit 63*/4 Punkten den ersten Preis. — Concert. Zum Besten des „Jnvalidendank" veranstaltet die Regiments-Capelle morgen Abend in Steins Garten ein Concert. Da die dem „Jnvalidendank" zu- fließenden Gaben, wie der Name besagt, zur Unterstützung hilfsbedürftig gewordener Soldaten und deren Familien verwendet werden, so hofft die Capelle aus regen Besuch des Publikums, um dem Wohlthätigkeits-Jnstitut einen möglichst hohen Ertrag überweisen zu können. — Wie die „Tüb. Chr." vom 22. Juli schreibt, hat sich das dort im Umlauf befindliche (auch von uns in Nr. 170 d. Bl. mitgetheilte) Gerücht, der vermißte Dr. Theodor Nördlinger fei aufgefunden worden, nicht bestätigt. Die Nachforschungen werden eifrig fortgesetzt. Die Einweihung des neuen Boothauses der Gießener Ruder- Gesellschaft am 26. Juli. Nachdem die eingeladenen Gäste, worunter die Spitzen der Behörden, die Vorsitzenden der hiesigen Sportvereine, die Vertreter auswärtiger Vereine, sowie active und passive Mitglieder der Gesellschaft sich gegen 11 Uhr an dem Bootplatze versammelt hatten, hielt Herr Jean Kirch als Vorsitzender der Gesellschaft eine kurze Ansprache, in welcher er seinen Dank allen Denjenigen, welche durch ihre Unterstützung den Bau fördern halfen, aussprach und dieselbe mit dem Wunsche schloß, daß das Boothaus eine Pfleg- und Heimstätte für den Rudersport für ferne Zeiten sein und die Rudergesellschaft in . demselben wachsen, blühen und gedeihen möge. Die stattliche Theilnehmerzahl folgte alsdann der Einladung zur Besichtigung des Boothauses, dessen practische und bequeme Einrichtung allerseits Anerkennung fand. — Hierauf folgten die geladenen Gäste der zu einem Gabelfrühstück ergangenen Einladung, welches bereits in dem festlich decorirten Gesellschaftsraume des Boothauses durch Herrn Gasthofbesitzer Weigand servirt war. Der Vorsitzende begrüßte- hier Namens der Ruder-Gesellschaft die erschienenen Gäste und brachte den ersten Toast auf Se. Majestät den Kaiser- und Se. Königl. Hoheit den Großherzog, unfern Landesherrn aus, worauf die Nationalhymne, von der Regimentscapelle internirt, stehend und mit Begeisterung gesungen wurde-- Alsdann ergriff Herr Oberbürgermeister Gnauth das Wort, um in längerer, bekannter vorzüglicher Weise und oft durch Beifall unterbrochener Rede die Aufgaben und Ziele der Rudergesellschaft und deren idealen Zweck nicht nur zur Pflege und Kräftigung des Körpers, sondern auch des Characters und des Ehrgefühls zu beleuchten. Mit begeistertem hip hip hurrah wurde fein Hoch auf das fernere Gedeihen der Ruder- gefellschaft ausgenommen. Herr Chr. Reiber dankte sodann dem Vorredner für seine Theilnahme an dem Feste, betonte,, daß dasselbe erst hierdurch die richtige Weihe erhalten habe und brachte ein Hoch auf denselben aus, in welches alle Anwesenden mit stürmischem Beifall einstimmten. Herr Windecker toastete alsdann noch auf die von auswärts und hier erschienenen Vertreter befreundeter Sportsvereine. Es folgten hierauf die Dankreden Seitens der Vertreter der Vereine und anderer Gäste. Inzwischen wurde den Anwesenden eine freudige Ueberraschung, zu Theil, indem von einer Gönnerin der Gesellschaft eine prachtvoll gearbeitete, mit den Ruderemblemen verzierte Staf- felei, bereits mit den Bildern der Herren Vorstandsmitglieder ausgestattet, überreicht wurde; mit einem donnernden, von. dem Vorsitzenden auf die gütige Spenderin und die Damen ausgebrachten Hoch endigte dessen Dankesrede. Der Vorsitzende des Schützensvereins, Herr Brück, überreichte sodann, ein prachtvolles silbernes, mit auf den Rudersport bezüglicher. Ausstattung versehenes Schreibzeug zum Andenken an den Ehrentag der Rudergesellschaft- in dem Dank, welchen Herr Kirch für die sinnige und schöne Gabe aussprach, hob der- selbe die langjährigen guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Vereinen hervor und gab dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß dieselben für alle Zeiten bestehen bleiben mögen. Nachdem die Tafel aufgehoben, begaben sich die Anwesenden auf den Bootplatz, um bei den. Klängen der Regimentscapelle und einem vorzüglichen Glas Münchener Bürgerbräu den Frühschoppen einzunehmen. Hier wurde dem langjährigen Vorsitzenden Herrn Kirch ein au& der Möbelfabrik des Herrn W. Reiber gelieferter, wundervoll in altdeutscher Form gearbeiteter Ehren-Sessel von den acüven Mitgliedern in feierlicher Weise überreicht. Der. zweite Vorsitzende, Herr Ernst Balser, gab alsdann in. warmen Worten dem Danke und der Anerkennung für die ersprießliche und erfolgreiche Thätigkeit des ersten Vorsitzenden, für den Verein Ausdruck - freudig überrascht und sichtlich ergriffen dankte derselbe für die Aufmerksamkeit. Er acceptire. dieselbe in der Annahme, daß diese Auszeichnung nicht seiner Person, sondern dem von ihm innehabenden Vorsitze gelte.. — Vom herrlichsten Wetter begünstigt, nahm das Sommerfest, Nachmittags 41/2 Uhr beginnend, seinen besten Verlaus trotzdem der Bootplatz durch bedeutende Auffüllungen vergrößert worden, konnte derselbe nicht alle Freunde des Ruder-, sports fassen und viele Besucher mußten umkehren, welche nicht die Lust am Sport soweit trieb, daß sie wie manche, andere dicht gedrängt und stehend der Abwickelung des Programms warteten. Auffahrten in ein-, zwei- und vierruderigen. Booten, Wettfahrten, Wettschwimmen, Schifferstechen mit freiwilligem und unfreiwilligem Bade, sowie Concert folgten- und hielten das anwesende Publicum in der animirteften Stimmung. Mit großem Interesse und Spannung sah man dem Ausgang des Rennens zwischen dem jugendlichen Meister vom Rhein, Rübsameu, und dem alten bewährten Sciff-Ruderer Krailing entgegen, welches mit einem unbestrittenem Sieg, des jugendlichen vielversprechenden Ruderers endete, der von seinen Sportgenossen mit nicht endenwollendem Hurrah am Ziel begrüßt wurde. Bei einbrechender Dunkelheit wurde der Festplatz mit Petroleumsackeln und Lamptons erleuchtet und auf dem anderen Ufer ein allerdings nicht sehr hervorragendes Feuerwerk abgebrannt. Nach osficiellem Schluß des Festes vereinigten sich die Mitglieder nebst ihren Damen noch zum gemüthlichen Zusammensein in der Boothalle, während die jüngere Generation oben in den Gesellschaftsräumen, welche, rasch geräumt wurden, sich noch dem Takte eines Klaviers dem Tanzvergnügen hingab. Die Rud erg eselisch ast hat wieder ein Fest gefeiert, welches sich den früheren Veranstaltungen würdig anreiht - die Theilnahme aus allen Kreisen nen »>°slichst schreibt, 6m »Ti? *» «?5 " @iifatr Stal,,;. tu«M die ta n Sfortbtteine die 6 u°d PGe U’r “«d-m SBoot, °u Kirch als $ol, T' m welcher er 1 chreUnterftützmz , d'°s°lbe mit bem '.w und Heimen fein und die * «°d geleiten J0^ aUbann der ie5- befrn yrü^che Erkennung fanb. - er zu einem Gabel- ^reits in dem festlich laufes durch h^n Vorsitzende begrüß 1 erschienenen Gäste Majestät den Kaiser unfern Landesherm er Regimentscapelle 3 gesungen wurde.. Gnauth das Wort, )eise und ost durch den und Ziele ber nicht nur zur Wege uch des Charaeters. begeistertem hip hip Gedeihen der Ruder- eiber dankte sodann dem Feste, betonte,. Weihe erhalten habe , in welches alle An- ,ltn. Herr Windecker s und hier erschienenen Zs folgten hieraus die ine und anderer Gäste. -eubige Ueberrafd)ung. >er Gefellfchast eint emen verzierte Stas- Vorstandsmitglieder >m donnernden, von rin und die Damen nkesrede. Der Vor- ck, überreichte sodann Rudersport bezüglicher, im Andenken an den Dank, welchen Herr ausfprach, hob der- .schaftlichen W* id gab dem ttfel mW®'. g °°rz°g 'ch°n n einäune «=«■ " „ Kirch °M «* i überc-'cht. «r ■ 8 ' «W i*1 iSjet^nunfl« (te„ «*h M ««lauf/' mde des 9^ P “S #«* »«6 ‘ 7d-s Pr°' Sen ",l eAifTC folgten i**“'Ä in &er sah D SMUNSn Msttl 7ä6rten®c ?,ffl Ä unb-stt'"° ®tt »en ertrn - ott^XutW d- .„(titelt itnjvfct ber»«7V ,vti i-dk W ’ .,1t» „ f1 Kero" -er Bevölkerung mag derselben ein Beweis sein, daß ihre Thätigkeit und guten Bestrebungen anerkannt werden, und der Rudersport sich der Sympathien der Einwohnerschaft Gießens erfreut und hoffentlich für alle Zeit erhalten wird. Für die Provinzial Conferenz der evangelischen Geistlichen Oberheffens, welche am 4. August l. I. in Gießen abgehalten wird, sind bezüglich der Eidesfrage nachstehende Thesen von Herrn Decan Dr. Ree gestellt worden: I. Bei der sittlichen Unvollkommenheit des Menschen ist der Staat berechtigt, sich aus allen Rechtsgebieten des Eides als Garantie der Wahrhaftigkeit der Aussage und der Treue zu bedienen. Math. 5, 36 und 37 steht dem nicht entgegen. Dagegen entspricht der Eid der Idee und dem Geiste der neutestamentlichen Gemeinde nicht. II. Diese Berechtigung hat zur Voraussetzung, daß 1) der Staat nicht religionslos sei, 2) der Glaube an Gott (und wofern in der Eidesformel auf den Namen Christi oder das Evangelium Bezug genommen wird, der christliche Glaube) unter den Staatsbürgern im Allgemeinen unerschüttert und daher die Annahme verstauet sei, daß der Schwörende und die den Eidschwur abnehmende Behörde in diesem Glauben stehen. III. Die erstgenannte Voraussetzung ist in unserem deutschen Staatsleben z. Z. noch vorhanden. Obgleich sich der moderne Staat auch hier in seiner Weiterentwickelung in der Richtung der Trennung von Staat und Kirche bewegt hat, so ist doch die organische Verbindung leider im Deutschen Reiche noch nicht völlig gelöst, wenn auch stark gelockert. — Dagegen haben religiöser Jndifferentismus und Atheismus in einer Ausdehnung um sich gegriffen, daß sich in dieser Hinsicht ernste Bedenken gegen das Institut des Eides erheben. Bei der religiösen Zeitlage muß allen Ernstes bezweifelt werden, ob der Staat den mit dem Eide beabsichtigten Zweck noch im Großen und Ganzen erreicht, und ob unter diesen Umständen eine Einrichtung sich wird ausrecht erhalten lassen, welche Religion und Sittlichkeit der Gefahr der schwersten Schädigung aussetzt. IV. Einer gänzlichen Abrogation des Eides stehen schwerwiegende Gründe entgegen, wie denn auch dahin abzielende Bestrebungen z. Z. erfolglos sein würden. Dagegen erscheint eine Beschränkung in der Anwendung des Eides in sachlicher und persönlicher Rücksicht als geboten und ausführbar. 1) Der Gerichtseid dürfte nur bei größeren Streitobjecten im Civilprozeß und bei Verbrechen und schweren Vergehen im Strafverfahren zur Anwendung kommen. — In allen anderen Fällen würde die Abgabe einer Versicherung vor der zuständigen Behörde, deren Verletzung durch unwahre Aussage unter dieselbe Strafe, wie das Eidesdelict, zu stellen wäre, dem Zwecke des' Staates genügen und, wir wollen nur sagen, manche Blasphemie mit ihrem tiefgehenden moralischen Schaden verhüten. 2) Nothorische Atheisten und solche, welche sich vor der zur Eidesabnahme zuständigen Behörde als Atheisten erklären, sind auf keinem Rechtsgebiete zur Eidesleistung zuzulassen; noch weniger darf ihnen ein Eideszwang angethan werden. Atheismus ist, in Ermangelung einer gegenteiligen Erklärung, bei Denjenigen zu präsumiren, welche keiner christlichen Kirche noch irgend einer Religionsgesellschaft angehören. Eine Betheuerung, welche der Ableistung eines Eides gleich erachtet wird, hätte hier an die Stelle zu treten. V. Außerdem würden noch weitere Maßnahmen erforderlich sein, um die Heiligkeit des Eides im Volksgewissen zu erhalten und zu stärken. Zu diesen gehören: 1) Maßnahmen, welche sich unmittelbar aus den Eid beziehen: a. Die Eidesformel muß dem Religionsstande des Schwörenden entsprechen. b. Den christlichen Kirchen, bezw. den Religionsgemeinschaften ist bei dem gerichtlichen Eide als einem religiösen Acte und in Rücksicht aus die Erreichung seines Zweckes eine Mitwirkung einzuräumen, welche sich nach der Wichtigkeit und Schwierigkeit des Falles zu bemessen hat. c. Der Nacheid hat wieder an die Stelle des Voreides zu treten, d. Der Act der Eidesleistung ist in einer der religiösen Handlung und der Bedeutung, welche sie für das Staatsleben hat, würdigen Weise auszugestalten. 2) Im Allgemeinen. Da mit dem Niedergange der Religion auch die Heiligkeit des Eides im Volksbewußtsein sinkt, so ist es Sache des Staates, das Ansehen der Religion zu schützen und zu heben, der Pflege des religiös-sittlichen Lebens, wie überhaupt, so insbesondere bei dem Heranwachsenden Geschlechte in der Schule die größte Sorgfalt zuzuwenden. D. Ztg. — Milit'ärdienstuachrichten. Iöckel, Vicefeldwebel vom Landwehrbezirk Friedberg, zum Secondlieutenant der Reserve des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116, Heß, Vicewachtmeister vom Landwehrbezirk Gießen, zum Secondlieutenant der Reserve des Nass. Feld-Art.-Regts. Nr. 27 befördert. 8. Hungen, 24. Juli. Bei der heute dahier stattgefundenen Betgeordnetenwahl erhielt Herr Philipp Seibert 98, Herr Dachdeckermeifler Jockel 76 und Herr Wilhelm Kohl- heyer 45 Stimmen. Da keiner der genannten Candidaten die absolute Majorität erhielt, so ist Stichwahl zwischen den beiden zuerst genannten.Herren erforderlich. -d. Schotten, 27. Juli. In dem früheren hiesigen Kreisamtsgebäude ist, nachdem an demselben verschiedene bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, eine Gast- wirthschaft eingerichtet worden. Dieselbe wird den Namen „Zum Hessischen Haus" führen. Das Gebäude war vor seiner Bestimmung als Kreisamt ebenfalls Gastwirthschaft mit derselben Benennung. Friedberg, 26. Juli. Die gemeinnützigen Anstalten in unserer Stadt erfreuen sich eines großen Ansehens in der näheren und ferneren Umgebung,- dies beweist die freundliche Theilnahme, welche ihnen überall entgegengebracht wird. So traf Anfangs letzter Woche das ganze evangelische Predigersemtnar aus Herborn hier ein, um dem hiesigen Seminare einen freundschaftlichen Besuch abzustatten. Gestern wurde die Großherzogliche Taubstummenanstalt von einer größeren Anzahl Studirender der Gießener Landesuniversität besucht. Die Herren wohnten, unter freundlicher Führung des Herrn Directors Wodäge, dem Unterricht in den einzelnen Klassen bei und sprachen sich über ihren Besuch hoch- befriedigt aus. D. Z. Gabsheim, 25. Juli. Das Kirschenbrechen hat hier ein Opser gefordert. Ein junger Bursche stürzte von einem hohen Baume so unglücklich herab, daß er gestern infolge seiner schweren Verletzungen starb. Wörrstadt, 25. Juli. Eine harte aber gerechte Strafe wurde in der letzten Sitzung des hiesigen Amtsgerichts über einen Nesterausnehmer gefällt, was zur Warnung für alle derartige „Finkler" dienen dürfte. Ein Einwohner von Partenheim hatte ein Amselnest mit vier Jungen aus- gehoben- erwischt und angezeigt, erhält er eine Strafe von acht Tagen und die Kosten! Worms, 27. Juli. Gestern Abend feuerte auf offener Straße ein hier wohnender Schlosser, wie es heißt, in Folge eines Wortwechsels, gegen einen anderen Arbeiter einen Re- volv er schuß ab- die Kugel streifte den Kopf des Mannes, ohne ihn ernstlich zu verletzen. — Heute Morgen ertrank beim Baden an einer sehr tiefen Stelle des Rheins am jenseitigen Ufer ein junger Mann. — Bei einer gestern dahier stattgehabten Kahnfahrt siel ein Zimmermann in den Rhein- ein Schreiner wollte den mit den Wellen Kämpfenden retten und sprang in den Strom- beide versanken indessen und kamen nicht mehr an die Oberfläche. Die übrigen Insassen des Nachens, welche des Fahrens unkundig waren, wurden mit Mühe gerettet. vermischtes. * 64. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte in Halle vom 21. bis 25. September 1891. Tagesordnung: Sonntag den 20. September, Abends 8 Uhr: Gegenseitige Begrüßung mit Damen in der „Concordia". — Montag den 21. September, Morgens 9 Uhr: Erste Allgemeine Sitzung im großen Saale der „Kaisersäle". 1. Eröffnung der Versammlung, Ansprachen und Begrüßungen- 2. Vortrag des Herrn Geh. Rath Prof. Dr. H. Nothnagel (Wien): Ueber die Grenzen der Heilkunst- 3. Vortrag des Herrn Pros. Dr. Gr. Kraus (Halle): Ueber die Bevölkerung Europas mit fremden Pflanzen- 4. Vortrag des Herrn Dr. Lepsins (Frankfurt a. M.): Das alte und das neue Pulver. Nachmittags 3 Uhr: Bildung- und Eröffnung der Abtheilungen. Abends 71/2 Uhr: Festvorstellung im Stadttheater. Abends 8 Uhr: Commers in der „Concordia". — Dienstag den 22. September, Morgens 8 Uhr: Besichtigung der electrotechnischen und electrolytischen Ausstellung, sowie des Depots und der Maschinenanlage der Stadtbahn unter fachmännischer Führung und Erläuterung. Versammlung in der Turnhalle, Berlinerstraße 1 a. Sitzungen der Abtheilungen. Nachmittags 4 Uhr: Festfahrt aus der Saale. — Mittwoch den 23. September, Morgens 9 Uhr: Zweite Allgemeine Sitzung im großen Saale der „Kaisersäle". 1. Vortrag des Herr Geh.-Rath Prof. Dr. I. Wislicenus (Leipzig): Ueber den gegenwärtigen Stand der Stereochemie - 2. Vortrag des Herrn Geh. Rath Prof. Dr. W. Ebstein (Göttingen): Ueber die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. Vormittags 11 Uhr: Geschäftssitzung der Gesellschaft. (Die Theilnahme an dieser Sitzung ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet.) Nachmittags 4 Uhr: Festmahl im Stadtschützenhaus. Abends 7J/2 Uhr: Festvorstellung im Stadttheater. — Donnerstag den 24. September, Morgens 8 Uhr: Besichtigung der electrotechnischen und electrolytischen Ausstellung, sowie des Depots und der Maschinenanlage der Stadtbahn unter fachmännischer Führung und Erläuterung. Versammlung in der Turnhalle, Berlinerstraße 1 a. Sitzungen der Abtheilungen. Abends 8 Uhr: Festball im Stadtschützenhause. — Freitag den 25. September, Morgens 8^2 Uhr: Dritte Allgemeine Sitzung im großen Saale der „Kaisersäle". 1. Vortrag des Herrn Geh. Rath Prof. Dr. Th. Ackermann (Halle): Edward Jenner und die Frage der Immunität- 2. Vortrag des Herrn Dr. Karl Ruß (Berlin): Ueber nationalen und internationalen Vogelschutz- 3. Schluß der Versammlung. Nachmittags 12 Uhr 50 Min.: Excursion nach Frankfurt a. M. * Gesehen und bescheinigt. In einer Dorfschule sand ein Lehrer, als ihm die Schüler ihre Zeugnisse fürs vergangene Quartal wieder vorzeigen mußten, unter einem derselben neben der Unterschrift des Vaters die kurze aber deutliche Bemerkung: „Gelesen und gewichst!" Universität» - Nachrichten. — Aus Marburg wird geschrieben: Die philosophische Facultät unserer Hochschule hat Herrn C. Vogel in Gotha die Würde eines doctor philosophiae honoris ‘causa verliehen. Herr C. Vogel ist einer der bedeutendsten und verdientesten der heute lebenden wissenschaftlichen Kartographen, deffen Hauptverdtenst es ist, die Kartographie von Deutschland auf die heutige Höhe zu bringen. Vogel ist ein Hesse von Geburt, wurde 1828 in Hersfeld geboren und war jahrelang bei der Landesaufnahme von Hessen thättg. 1853 trat Vogel in die berühmte geographische Anstalt von Justus Perthes ein, der er seitdem, nachdem er eine höchst ehrenvolle Berufung in die kartographische Abtheilung des großen Generalstabes in Berlin abgelehnt hatte, ohne Unterbrechung angehört hat. Die Arbeiten Vogels sind sehr zahlreich, ihre Ausführung bis in Einzelheiten hinein vollendet. Namentlich ist. die von ihm geschaffene Terraindarstellung in Bezug auf plastische Wirkung unübertroffen. Sein Hauptwerk, welches den Anstoß zu seiner Ehrenpromotion gegeben hat, ist die eben im Erscheinen begriffene Operationskarte des Deutschen Reiches, 27 Blatt, zu welchem der große Generalstab angeregt hat und welchem noch Moltke seine höchste Anerkennung zollen konnte. Das Werk ist nahezu vollendet. von Southampton abgegangen, ist am 25. Juli, 3 Uhr Morgen«, wohlbehalten in Newyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 19 Stunden 45 Min. Oceanfahrt von Southampton 6 Tage 17 Stundm 40 Min., von QueenStown aus gerechnet nur 6 Tage 2 Stunden 45 Min. Literatur und lütttfL — Richard Wagner in seinem Hauptwerke der Ring deS Ribelnngen von Kart Gjellerup. Mit Autorisation des Verfassers übersetzt von Dr. Otto Luitpold Jiriczek. Vom Verfasser eigens durchgesehene und dem dänischen Original gegenüber vermehrte und verbesserte Ausgabe. Verlag von Feodor Reinboth in Leipzig. 15 Bog. drosch. 3 Mk., hocheleg. gebd. 3.75 Mk. Wir dürfen in diesem Buche, durch dessen Uebertragung aus dem Dänischen sich der Uebersetzer unseren Dank verdient hat, eine wahre Bereicherung der Wagner-Literatur erblicken. Sind die Aussprüche eines Fremden über unseren großen Meister schon an.sich interessant, so werden sie es doppelt dadurch, daß wir in diesem Buche das Urtheil eines un- gemein begabten Dichters über Wagner hören. Gegenüber so manchen noch heute herrschenden schiefen Urtheilen über Wagners dichterische Begabung, freut es uns, hier namentlich die hohe Bedeutung WagnerS als Dichter hervorgehoben zu sehen. Dies wird, da sich ja der sprachliche Theil der dichterischen Arbeit der Beurthetlung GjellerupS als eines Ausländers entzog, an der dichterischen Behandlung und Läuterung des Stoffes gezeigt. Wir empfingen hier werthoolle Quellennachweise und noch werthvollere Einblicke in die poetische Technik des Meisters. Der Plan des Buches ist wohlgeordnet und übersichtlich. JedeS der vier Musikdramen wird erst inhaltlich analysirt, dann werden die Quellen des Stoffes und seine Behandlung dargeftellt. Den Schlußabschnitt bildet ein Ausblick über daS Werk als Ganzes, welche« bündig und klar die philosophischen Grundgedanken der Tetraloaie ausetnandersetzt. Außerdem sind zwei größere Abschnitte zwischen Die Analyse der einzelnen Dramen etn- geschoben, eine Untersuchung über die Natur und Technik des Leitmotivs, und die tiefgedachten Ausführungen über die Erotik in der Walküre. Wir empfehlen dieses Buch wärmstens allen Anhängern Wagners. Es bildet nicht nur eine vortreffliche Anleitung in das Verständniß der Tetralogie für Jene, welche sich diesem Werke noch nicht genaht haben, sondern wird Niemanden, auf welche Stufe deS Verständnisses von Wagners Werk er auch stehe, ohne Bereicherung seiner Kenntnisse und reiche Anregung entlassen. Verkehr, Land- nnö Volkswirthschaft. Gießen, 28. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. 0,95—1,10, Hühnereier 1 St. 5-7, 2 St. - H, Enteneier 1 St. 6-7 H, 2 St. - Käse pr. St. 5—8 4, Käsematte pr. Ä. 3 Erbsen pr. Liter 18 Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar »AL 0,70—1,00, Hühner pr. Stück AL 0,90—1.20, Hahnen pr. St. »AL 0,80—1,20, Enten pr- Stück »AL 2,00-2,20, Ochsenfleisch pr. Psd. 70-76 A, Kuh- und Rindfleisch 60—64 4, Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50-54 Kalbfleisch 50-56 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo AL 8,00-10,00, Weißkraut pr. St.--Zwiebeln per Centner AL 10,00—12,00, Milch per Liter 12-18 4, Kirschen per Pfd. 10-14 4- Grünberg, 27. Juli. Aus den vier Grünberger Fruchtmärkten im Monat Juli 1891 sind verkauft worden: 52.75 Etr. Weizen, 120.50 Etr. Korn, 31.50 Etr. Gerste, 109 Etr. Hafer, 1.25 Etr. Erbsen, 148.25 Etr. Kartoffeln, zusammen 462.75 Etr. im Werthe von 7942.10 AL — Die Durchschnittspreise sind für 100 Kgr. Weizen 23.15 AL, Korn 21.40 AL, Gerste 18 AL, Hafer 16.40 AL, Erbsen 21.50 AL, Kartoffeln 9.30 AL Berarrrrtwachung. Aufschrift der Postsendungen. Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen miiffen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wiro. Dabei find namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichstgenauanzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe strts an der- selbenStelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. X. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Post bezirk (0., N., NO. re.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin" zu vermerken. 8. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Post« verkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus bem „Ber- zeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zurr Preise von 10 Pf. durch Bermittelung jeder Reichs-Postanftalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe ; des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks . (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) ic.J, ober von Gebirgen l(Harz), (Riesengebirge) rc.j. Nicht minber sinb zusätzliche Bezeichnungen, wie ((Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.j für ben Zweck geeignet. 5. Aus Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer bem eigentlichen Bestimmungsorte noch biejenigePost- an ft alt anzugeben, von welcher aus bie Bestellung ber Senbung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Po st gebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an den Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Jntereffe der Absender, die Aufschriften der Sendunaen hiernach aenau anruferttaen. Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müfterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (bte leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-Dopöt von G. Henne- berg (K. u. K. Hoflief.) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1019 Schiftsnachrichten» Hamburg, 25. Juli. Der Hamburger Doppelschrauben- Schnelldampfer „Normannia", Eapitän Hebtch, der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, welcher am 18. Juli Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 28. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Lust 14 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Entree 50 Pfg Verband. Anfang 7 Uhr. Hahn, Gnauth, 6838 Danksagung Dr. Pitz, Leib, Hornberger, Dr. Landmann, Lehr, Lehrer. Realgymnasiallehrer. Stadtv. Schmall, Dr. Schmitt, Spitz, Weirich, Dr. Thaer, Stadtv. Gymnasiallehrer. Lehrer. 6825 Der Borstand. 6828 isitenkarten [6833 zu Weilburg a. d. Lahn. 90 60 90 90 79 60 39.70 6839 __ Gebrüder Rohrle, Exportbierbrauerei Gießen Großh. Dtrection der Oberhessischen Eisenbahnen. 84 80 40/0 Ung. Gold-Rente 98 30 h 0/0 Jial. Rente 84 7< 41/b;0/o Oest. Silber-Rente 98.30 30/0 Portugies. Anl. Am 1. August d- I- tritt ein neues Heft Nr. 6 des mitteldeutschen Verbands- j Gütertarifs in Kraft. Dasselbe enthält ! gegen seither ermäßigte Frachtsätze für statt, ausgeführt von den Capellen des König!. Bayr. 2. Fuß Artillerie-Regiments aus Metz und des Großh. Bad. Leib'Grenadier-Regiments Rr. 109 aus Karlsruhe. Vermischte Anzeigen. 6821] Junger tüchtiger Kaufmann sucht per 1. August, eo. später, günstige Stellung. Gefl. Offerten sub 8. 1 an die Exped. d Bl. Büchner, Dr. Fromme, Fuhr, Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 2 Uhr vom Sterbehause, Grünbergerstrasse 48, aus statt. 6829 WmlUgsUMkMnWler. Wir. bringen hiermit zur Kenntmß, daß wir diejenigen, welche Flaschen, die unsere Firma entweder im Boden oder auf dem Verschlüsse tragen, ankanfen und benutzen, oder bei unsere» Kunden mitnehmen und benutzen, künftig gerichtlich belangen werden. werden in jeder Schriftart und Papiersorte ange- fertigt In der Brühl’echenDruckerei Schulstrasse 7. Das IV. Bundes Schützenfest des Gauverbandes Hessen-Nassau wird abgehalten am 2., 3. und 4. August Köln (rechtsrheinisch)-Mer- hesfischer Verkehr. Zu dem Gütertarif für den vorbezeichneten Verkehr ist der Nachtrag II, mit Gültigkeit vom 1. August d. I. ab, erschienen Ueber dessen Inhalt ertheilen die Güterabfertigungsstellen Auskunft- Gießen, den 24. Juli 1891. 6823 Großh- Direction der Oberhessttchen Eisenbahnen. sich mein Geschäft u. Wohnung DshnhoMche Nr. 1 im Haufe des Herrn Metzger- Meisters Mühl. W. Katz. Hamburger Engros - Lager Stickerei-Kleider in allen Längen, Todes-Anzeige. Gestern Abend 7T/i Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden unser innigst- geliebter, unvergesslicher Vater, Schwiegervater, Grossvater, Onkel und Schwager Herr Johann Georg Seiler Freih. von Biedesel’scher Hofgärtner i. P. im 85. Lebensjahre, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme tiefbetrübt mittheilen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen J. Wolf, Kgl Bahnassistent. Giessen, Darmstadt, Hochheim, Berlin, den 27. Juli 1891. Aüerr, die mir bei dem mich betroffenen Brande Hülfe geleistet haben, insbesondere den -Zerren, welche die Pferde aus dem Stalle geholt, herzlichen Dank. Chr. Wallenfels. Director. Profeffor. Director. Lehrer. dt JL && M V V JUL V v V y von 4—6V2 Uhr Nachmittags und von 7—IO1/* Uhr Abends finden Internationale Electrotechn. Ai Am Sonntag den 2. August ist das Eintrittsgeld für die Zeit von 8 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags auf 20 Pfennig1 ermäßigt. Von 4 Uhr an ist der Eintritt nur gegen Abgabe einer Eintrittskarte gestattet. Von 11-1 Uhr Mittags: Jugendfest. Das diesjährige Jugendfest soll am 13. August l. I. im Philosopheuwald abgehalten werden. Es sind zur Betheiligung über 2600 Kinder angemeldet, woraus zu ersehen, daß zur würdigen Begehung des Festes viel Geld erforderlich ist. Wir richten deshalb an die Freunde der Jugend die Bitte, uns auch diesmal durch Beiträge an Geld wohlwollend unterstützen zu wollen. Die Unterzeichneten erklären sich zum Empfang desselben bereit. 6826 Die Plätze für die acht Wirtschaften im Philosophenwald sollen auf dem Wege der Submission vergeben werden. Pläne und Bedingungen liegen im Schulhause in der Westanlage, Zimmer Nr. 10, vom 20. Juli bis 1. August inel. zur Einsicht offen. Angebote sind ebenfalls daselbst nach den aufliegenden Bestimmungen zu machen. Eingaben nach dem 1. August bleiben unberücksichtigt. Das Festcomite. Gorrrsbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 28. Juli 1891. Schlußcourl- 1 Uhr 15 Min- Diseonto-Command-Anth- Darmstädter Bank-Act. Dresdener Bank-Act- Nordd. Lloyd-Act. Wiener Bankver.-Act Oest. Credü-Act. Oest. StaatSb.-Act. 4% Mainzer St.-Anl. Gelsenk. Bergw.-Act. ReichSbcmk-DiSeont 4 vEt. — frankfurter Bank-DtScont 4 vTt Steins Garten. 3KK* Mittwoch den 29. Juli: Grosses Exlra-Concerl fum Besten des Javalidendarrk 6710 ausgeführt von der Capelle des 2. Großh Hess. Jnf.-RegtS- Nr-116 unter Leitung des Großh- Mustkdirectors Herrn Krautze. Schulrath. Profeffor. Oberlehrer. Oberbürgermeister. Oberlehrer. Zu Ehren des Siegers heute Abend 9 Uhr bei Schnell. 6830] Ein Sckmeiderlehrling gef. ____I. Becker, Bahnhofstraße 8. 6835] Ein reinliches braves Dienstmädchen bei gutem Lohn gesucht- Eintritt kann sofort erfolgen. Kirchenplatz 6. 6827] Ein sauberes, in Kücke und Haushalt tüchtiges Dienstmädchen wird gegen guten Lobn in ruhige Familie für sofort gesucht. Näberes Kirchenplatz 21, III. St- 6837] Neue Kartoffeln zu verkaufen. Gg. Unverzagt, Kaplansgasse 5. t834] Frühkartoffeln z. verkaufen ____________________Licherstratze 5. In den nächsten Tagen erscheint: General-Feldmarschall von Moltte, Geschichte des deutsch franzöfischen Krieges 1870 71. Preis geheftet 7 Mark, gebunden 8 Mark 60 Pfg. Bestellungen nimmt entgegen die Buchhandlung von E. Trenckmann in Gießen (Sonnenftraße 5, am Kanzleiberg.'. 6819 Gießen, den 28. Juli 1891. Der 105b des Arbeiterschutzgesetzes für das deutsche Reich vom j 1. Juni 1891 bestimmt, daß im Handelsgewerbe Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen nicht länger als fünf Stunden beschäftigti! werden dürfen und daß die Stunden, während welcher die Beschäftigung I stattfinden darf, unter Berücksichtigung der für den öffentlichen Gottesdienst, ■ bestimmten Zeit von der Polizeibehörde festgestellt werden. ]■ Die Feststellung kann für verschiedene Zweige des Handelsgewerbes ■ verschieden erfolgen. Die unterzeichnete Kammer beabsichtigt nun, an die hiesige Polizei ■ behörde das Ersuchen zu richten, vor Feststellung dieser Stunden die M Kammer zur Wahrung der Interessen des Handelsstandes und Mittheilung I der Wünsche desselben zu hören. I Die verschiedenen Zweige des Handelsgewerbes werden deshalb auf- I gefordert, möglichst bald, jedenfalls spätestens bis zum 10. August l. I., ■ ihre diesbezüglichen Wünsche unter Angabe der Gründe der unterzeichneten I Kammer schriftlich mitzutheilen, als sie sonst Gefahr laufen, daß ihre I Interessen demnächst nicht gewahrt werden können. Großherzogliche Handelskammer. 6836] I. V. ■ R. Scheel. _____________________ I NerimerymM«. 6831] Ein Logis zu vermiethen. _____________________Schütz-mstraße 5. 6840] Ein gut möblirtes schönesZimmer p r 15. August zu vermiethen __Seltersweg 83, III. 2822] Ein möblirtes g?räum. Zimmer zu vermiethen.__________Marktplatz 17. 6820] Mobl. Zimmer mit oder ohne Cabinet billig zu vermiethen. Eingang separat.___Schillerstraße 16. 5210] Der Eckladen in meinem am Lindenplatz befindlichen Hause, in welchem seit Jahren ein Manufactur- und Weiß- waarengeschäft betrieben wurde, ist anderweitig prelswürdig mit oder ohne Woh- nung zu vermiethen. LouiS Walther. 4808] Schöner Laven zu vermiethen. Lindenplatz 12. 5010] Ein gutgehendes Tp-ceretge- schäft ist mit Wohnung und Inventar zu vermiethen. 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E.-B.-Acü 89 00 133 80 Buschtherader E.-B.-Act 408 75 137 30 Elbthal-Bahn-Act. 185 40 11050 Gotthard-Bahn-Act. 129.90 95 50 Schweizer Nordoft-B.-Act. 126 40 248 00 Mainzer E.-B.-Act- 112 70 245.00 Marienburger E.-B.-Act 62 30 10 1.30 iVer. Königs-Laurab^Nct 113 00 155.50 Tendenz: schwach. Kedactto«: 9L Gche-i»«- — Druck und Verlag dec Brühl'schm Druckern lFr. Chr. Pietsch) in Gießen, Die heniige Rümmer umfaßt 6 Seite«. Un?r innigst. d Sthwager tofc der Bitte ^ebenen istent. 1. ^üuberger- 6829 >»hnM-Bbkr- hkr Vnvhr rttariffürdenvorbeMnr- NKag n, mit k d. I. ab. er: ' dessen ZM rcheilm KgWsstellen AuskMl 21- Juli 1891, M Direction Wfon Eisenbahnen. Wer LisrMhH-" Berbanb. B d. Z. tritt ein neues l mitteldeutschen Verbands- i Kraft. Dasselbe enthält ermäßigte FrachWe für wischen Mrflemöergischen nen unb Stationen der Gifenbabntn re-, worüber ft die Güterabsertigungs- . Verkausspreis 0,90 * & Juli 1891. [6W >ßh. Direction essischeu Eisenbahnen. l des Ziegers heute Uhr bei Schnell. , ztbutivtrlthrling fl(f* MGZ Se^g1!» 1 ^^i^amädchen wirb mchuWckl. I «*2> 'S'"', fleSflä®*' t ,y verruieth^ g3 jn. äsS^ÄJL i.___—Miltöberohne w« gistgang £ in L-.S z.S SL^Sf«- al Mittwoch den 29. Mi Giehenev Anzeiger. Beilage zu Rr. 173. -1891 Feuilleton. Die Seeschlacht bei Lists 1866. (Schluß.) Die Uhr weist auf 10 Uhr 43 Minuten, die Seeschlacht von Lissa hat begonnen. In dreifacher Keilsorm braust unsere Flotte daher, schon ist des Gegners lange Front durchbrochen und mächtige Wolken von Pulverdampf umhüllen mit ihren Schwaden die kämpfenden Schiffe. Noch immer steht mit verschränkten Armen der kleine blonde Mann oben aus der Commandobrücke des „Ferdinand Max", mit seinen Adlerblicken regiert er die Schlacht, durchbohrt er den Qualm, der Freund und Feind verhüllt, und in dem Augenblicke, da die mit voller Dampskraft aneinander vorüberjagenden Schlachtschiffe auf Pistolenschußweite ihre vollen Breitseiten miteinander austauschen, gibt er die Ordre: „Panzerschiffe den Feind anrennen und zum Sinken bringen" und die Ausführung folgt dem Befehle. Mit der Geschwindigkeit von zwölf Knoten per Stunde schießt der „Ferdinand Max" daher, seinen furchtbaren Sporn gegen den im Augenblicke isolirten „Re d'Jtalia" gerichtet, der heldenmütige Flaggencapitän Tegetthoffs, Max v. Sterneck, der jetzige Marinecommandant, dirigirt, in den Kreuzwanten hängend — den Strickleitern, die zum Mastkorbe führen — persönlich den Stoß. Der Ordre „mit ganzer Kraft vorwärts" läßt Sterneck aber auch schon im nächsten Augenblicke das Commando „Ganze Kraft rückwärts" folgen. Es war die höchste Zeit. Ein furchtbar kritischer Moment, denn schon bohrte sich der scharfe Rammbug des österreichischen Admiralschiffes, unter markerschütterndem Dröhnen und Krachen alles zerschmetternd — Panzer, Planken und Rippen — in die Flanken des „Re d'Jtalia". Der Stoß war so gewaltig, daß in dem „Ferdinand Max" Alle, die in den unteren Räumen standen, zu Boden geschleudert wurden. Mehr als klaftertief drang der Sporn ein, eine Bresche von 140 Quadratfuß in die Weichseiten des Gegners reißend. Und als dann der „Ferdinand Max" seinen nunmehr wie blank polirten Sporn aus der Todeswunde de „Re d'Jtalia" riß, da brach die Fluth mit Macht in das Leck ein, das Schiff neigte sich, dann richtete es sich kerzengrade auf, wie ein bäumendes Roß und zwei Minuten später schlugen die Fluthen der Adria über dem Panzercolosse zusammen, der mit Mann und Maus in sein zwölfhundert Fuß tiefes Wellengrab versank. Hätte Sterneck seine entscheidende Ordre „Contredampf" nur eine Secunde später ertheilt, so wäre es nicht möglich gewesen, den Sporn des „Ferdinand Max" freizumachen und der „Re d'Jtalia" hätte seinen Sieger mit sich gerissen aus seiner Todesfahrt. Die 600 Mann vom „Re d'Jtalia" starben wie die Helden, die Matrosen und Marinesoldaten, mit dem Rufe „Evviva FItalia“ noch von den Mastkörben aus die letzte Salve aus den Feind abgebend. Mit hochflatternder Nationalflagge sank der „Re d'Jtalia", der Stolz seines Landes. Vergebens suchte Tegetthoff einige, noch mit den Wogen kämpfenden Offiziere und Matrosen des Panzer- coloffes zu retten, denn in demselben Augenblicke wurde der „Ferdinand Max" von drei feindlichen Panzern hart bedrängt. Mit voller Dampskraft schoß die „Ancona" daher, um ihren Rammbug in die Flanken unseres Admiralsschiffes zu bohren und nur die Geistesgegenwart Sternecks, der dem Stoß im letzten Augenblicke auswich, bewahrte sein Fahrzeug vor dem Schicksal de „Re d'Jtalia". So hart fuhr Sterneck an der „Ancona" vorüber, daß kaum Armeslänge die beiden Schlachtschiffe von einander trennte und die Kanoniere der Backbordbatterie nicht einmal ihre Setzstücke in die Kanonenmündungen einführen konnten. Mit dem Untergange des größten italienischen Schiffes, welcher 37 Minuten nach Beginn der Schlacht erfolgte, war der Sieg für Tegetthoff schon halb entschieden- der „Palestro" war in Brand geschossen, der „San Martino" meldete sich kampfunfähig, der „Re di Portogallo" hatte schwere Havarien erlitten. Hätten sich alle italienischen Schiffscommandanten gehalten wie der tapfere Ribotti mit seinem „Portogallo", so hätte noch eine Wendung zu Gunsten Italiens eintreten können- sagt doch Tegetthoff in seiner Relation: „Dieser Offizier und sein Schiff schienen den Teufel in dem Leibe zu haben." So aber zwang Comodore Petz, der mit seinem Holzschiffe „Kaiser" tollkühn den Panzer anging, den „Portogallo" zum Weichen. Der „Kaiser" brannte lichterloh, er hatte 80 Kugeln in den Leib bekommen und 99 Mann lagen tobt und verwundet in seinen Batterien, aber noch immer setzte er den ungleichen Kampf heroisch fort, die Worte Far- raguts wurden wahr: „Hölzerne Schiffe, in denen eiserne Herzen schlagen, das sind die besten Monitors." Es ist Mittag geworden, kaum anderthalb Stunden hat die Schlacht gedauert, da gibt Tegetthoff den Befehl zum Sammeln- Persano, der fortwährend im Thurme des „Asson- datore" steckt, signalisirt seiner Flotte „Rückzug"- in der Richtung des Canals von Busi retirirt die geschlagene Flotte. Aber die Gräuel der Schlacht sind noch nicht zu Ende, der Tag von Lissa findet seinen tragischen Abschluß mit der Katastrophe des „Palestro". Die Flammen haben den größten Theil des stolzen Schiffes ergriffen. Der Brand nähert sich der Pulverkammer und der italienische Admiral gibt dem Commandanten Cappellini Ordre, das Schiff zu verlassen. Aber der Tapfere sagt: „Ein Capitän stirbt mit seinem Schiffe, gehe Jeder, ich bleibe." Das Beispiel des Helden begeisterte seine Matrosen, vergebens legt der „Governolo" an, um die Mannschaften zu retten - die Leute weigern sich, ihr Schiff zu verlassen. Und als der „Governolo" nicht das dem Untergange verfallene Schiff verlassen will, ruft Cappellini : „Bitte, sich etwas abseits zu halten, sonst fliegen Sie mit." Eine Viertelstunde später erschüttert entsetzlicher Donner das Meer, der „Palestro" und 250 wackere Männer waren in die Lust geflogen. So endete der Tag von Lissa. Persano kam vor das Kriegsgericht, er wurde abgesetzt, schimpflich degradirt und starb als lebensmüder, gebrochener Greis erst viele Jahre später, nachdem sein glorreicher Gegner lange Einkehr gehalten in den Tempel der Unsterblichkeit. Carl Winter. (N. W. T.) Hderhrs-schk Sisendahnen. Itußkiestiefernng. Die Anlieferung von ca. 350 cbm Fluß- kies, darunter ein Theil durchgeworfener, feiner Kies, soll im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind die diesbezüglichen Bedingungen im Bureau des Gefertigten einzuseben. Schriftliche und francirte Angebote sind ebendahin mit der Aufschrift „Anlieferung von Flußkies" bis zum Eröffnungstage Montag, den 3. August, Vormittags 10 Uhr, einzu- reichen- 6767 Gießen, den 25. Juli 1891. Der Eisenbahnbaumeister. I. V.: __Heinrich Backofen.___ Mittwoch -en 12° August- Nachmittags 21/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Friedrich Welker Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 40 Nr- 296 — 450 Meter Acker auf dem Sand, Flur 40 Nr. 297 — 388 Meter Acker daselbst, Flur 1 Nr. 39 — 12 Meter Hofraum Miststätte in der Mühlgasse, Flur 1 Nr. 41 — 75 Meter Hofraithe in der Mühlgasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. Juni 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. ___________I. A.: Vogl. 6008 Mittwoch den 29. IM, Nachmtttags 2 Uhr, versteigere ich im Bieker'schen Saale — Neustadt — gegen Baarzahlung: 1 noch neues Pianino, Sophas, Commoden, Kleiderschranke, Tische, Spiegel, Bilder, Wanduhren, einen Secretar, 1 Verticow, 1 Silberschrank, 1 Ladentheke mit Glaskasten, 2 Hobelbänke, 1 Stoßkarren, 1 Pferd, 1 Kub, 1 Wagen u. a. m. und nach dieser Versteigerung ein großes Quantum Backsteine. Geltzlee, 6806_________________Gerichtsvollzieher. Mittwoch den 29. Inti, Nachmittags 2 Uhr, in der Bieker'schen Hofraithe zu Gießen sollen versteigert werden: 3 Schweine, 1 Wagen, 1 Handwagen, 2 Hobelbänke, 1 Bett, 1 Pianino, 1 Ladeneinrichtung und eine Reihe von Mobilien rc. Versteigerung voraussichtlich theilweise bestimmt. Gießen, den 27. Juli 1891. GNgtl, 6818 Gerichtsvollzieher. Aeilgeöatenes. MMe, MhsEeinen. MMersiickt u. Slhemtiilher zu haben bei 6677 Robert Stuhl, Neustadt 23. 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