1891 Mittwoch bett 29 April Nr. 98 Kießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger Rcbaction, Lxpedtns^ und Druckerei: -chulkratze Ar., Fernsprecher bl viertetsayriger Xlow«e«r*t»yttU - 2 Mark 20 Pfg. trrt» Bringerlohn. Durch die Post btgogu 2 Mark 50 Pf«. Der •tefrwtt A»»eiger erscheint täglich, Nt Ausnahme deS Montag». DK Gießener »««MenStLIt», »erden de« Anzeiger «Hchmtlich dreimal beigelegt. Amts- tmb Anreigeblatt für den Nreis Grefzen. Annahme do« Anzeigen zu der Nachmittag» für den Alpenden Tag erscheinenden Nummer bi» vor«. 10 Uhr. Mv ■mm ■■nnm'iirwwm 1 Hralisöeikage: ch ießener Kami lienötatter. Alle Ännoncen-Bureaux deS Ju° und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" rntgeg«. d. I- 25. Juni u Außer diesen hat Niemand Stellvertreter gewogen werden. // // Stelle abgenommen und sofort gegen 1. Pfg. 5 2. 3. die sind 15 20 10 2 Großbieberau Bickenbach Lampertheim Gernsheim Großgerau. // // u // m // // // // // Juli // ii // Vörden Psg- // Pfg. // wird wegen Benutzung der bestimmt: Alle zur Verwiegung durch einen verpflichteten am // n // // Die von Pferde werden 8 1. gebrachten Gegenstände müssen Wiegmeister oder durch dessen gestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen. Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopshalster von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schwelse der Pferde nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu mäßiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remonte- depots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Verfassung sein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind. Kriegsministerium Remonlirungs-Abtheitung. v. Arnim. Nachstehende Bekanntmachung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, am 25. April 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. 8 5. Gebührentaris. An Gebühren werden erhoben: für Kleinvieh, als Schafe, Ziegen, Kälber, Schweine u. s. w. von einem jeden Stück für Großvieh, als Ochsen, Kühe, Rinder u. s. w. unter 10 Ctr., von einem Stück . . . . über 10 Ctr. von einem Stück..... für jeden anderen zur Verwiegung kommenden Gegenstand, als Frucht, Kartoffeln, Steinkohlen u. s. w. bis zu 3 Ctr........ für jeden weiteren Centner...... 8 6. Bekanntmachung. Im Interesse des Publikums macht man noch ausdrücklich daraus aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- und Capitalrentensteueransätze 1. Abteilung immer, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen- und Capitalrentensteueransätze 2. Abtheilung möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an den Amtstagen Dienstags und Samstags) während der gesetzlichen Frist bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind, damit der Commission das zur Beschlußfassung erforderliche Material demnächst unterbreitet werden kann. Gießen, den 20. Aprll 1891. Der Vorsitzende: S ü s f e r t. das Recht, auf der Waage zu wiegen. 8 2. Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben der ihnen zugehenden Aufforderung zum Wiegen alsbaldige Folge zu leisten. Die Aufforderung hat von den Betheiligten direct an den Wiegmeister zu geschehen. Wenn derselbe der Aufforderung nicht entspricht, so ist sich an die Großh. Bürgermeisterei zu wenden, welche denselben zum Wiegen anhalten und nöthigen- falls Großh. Kreisamt Anzeige erstatten wird. 8 3. Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben über die von ihnen besorgten Geschäfte ein Tagebuch zu führen, in welchem unter fortlaufenden Ordnungs-Nummern anzugeben sind: a. der Ort des Wieggeschäfts, b. der Name des Verkäufers und Käufers, e. Datum der Verwiegung, d. die Art der gewogenen Gegenstände, e. das Gewicht des gewogenen Gegenstandes, f. der Verkaufspreis per Centner, insofern Verkäufer oder Käufer denselben angeben, wozu sie jedoch nicht gezwungen werden können. g. der Betrag der erhobenen Wieggebühren. 8 4. Der Wiegmeister hat dem Käufer oder Verkäufer ein dem Eintrag im Tagebuch gleichlautendes Abdruck -Billet, woraus das Gewicht enthalten ist, auszustellen. Bekanntmachung, den Ankauf von Remonten für 1891 betreffend. 13. 14. 15. 16. 17. der Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 21. I. Mts. zu Nr. M. I. 11197 und unter Zustimmung des Kreisausschusses des Kreises Gießen Gemeinde-Viehwaage zu Annerod Statut zur Benutzung der Gemeinde -Diehwaage zu Annerod. Sogleich nach stattgefundener Wiegung sind bemerkten Wieggebühren nebst 5 Psg. Vergütung an Bekanntmachung, Veranstaltung einer Verloosung zum Besten des Wiederaufbaues der St. Rochu-capelle in Bingen betreffend. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigt hat, daß die erste Ziehung der rubricirten Verloosung bis spätestens Mitte October d. I. hinausgeschoben werde. Gießen, den 25. April 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Wiegmeister zu entrichten. Für ortsfremdes Vieh oder sonstige Gegenstände 10 Psg. Vergütung für jede Wiegung an den Wiegmeister nebst den unter § 5 angeführten Wieggeldern zu bezahlen. 8 7. Zum Ankauf von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Groß- herzogthums Hessen für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar: ~ ' 1 Niederwöllstadt zur ~ Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn bez. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören, oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vor- tl H , Remonte-Ankauss-Commission erkauften Am Schlüsse eines jeden Vierteljahres hat der Wiegmeister das Tagebuch abzuschließen, sodann hat er einen Auszug aus dem Tagebuch über die im verflossenen Vierteljahr gewogenen Gegenstände zu fertigen, woraus sowohl das Gewicht der gewogenen Gegenstände, als auch die erhobenen Gebühren ersichtlich sind. Diesen Auszug hat er in beglaubigter Form der Bürgermeisterei zu überreichen. Die erhobenen Wieggebühren werden dann dem Gemeinde- Einnehmer in Einnahme decretirt und dann von dem Wiegmeister an denselben ausbezahlt. 8 8. Der Wiegmeister und dessen Stellvertreter werden von dem Ortsvorstand auf Widerruf ernannt, und von Großh. Kreisamt verpflichtet und unterliegen als Gemeindebeamte den für solche geltenden Disciplinarvorschristen. Gießen, den 23. April 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Scutjdie» Reich. Darmstadt, 27. April. Das heute ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 10 enthält: Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die eidliche Verpflichtung der Mitglieder der Gewerbegerichte betreffend. Darmstadt, 27. April. Nächsten Mittwoch, Vormittags 8 Uhr findet die feierliche Uebergabe von 8 Fahnen an die Landwehr auf hiesigem Exerzierplatz statt. Hierauf erfolgt Parademarsch vor Sr. Königlichen Hoheit dem G r o ß h e r z o g, zum Schluß Gefechtsübung der 3 Bataillone. Karlsruhe, 27. April. Großherzog Friedrich von Baden feierte am Sonntag sein fünfzigjähriges Militärdienstjubiläum. Der Tag wurde in allen badischen Garnisonen durch Militärgottesdienst, Ansprachen an die Mannschaften und kameradschaftliche Veranstaltungen der Kriegervereine begangen. Der Großherzog brachte seinen Ehrentag im Kreise des erbgroßherzoglichen Paares zu, nachdem der erlauchte Jubilar früh die Glückwünsche der Mitglieder des großherzoglichen Hauses und der Generalität entgegengenommen hatte. Alle Zeitungen des Landes veröffentlichten Festartikel, in denen die militärische Thätigkeit des Großherzogs im Zusammenhang mit seinen nationalen Be- 'trebungen gewürdigt wurde. — Der badische Herrscher ist eit 1877 General-Jnspecteur der fünften Armee-Jnspection und seit 1888 Generaloberst der Cavallerie. Deutler Reichstag. 109. Plenarsitzung. Montag, 27. April 1891. Eingegangen: Handelsvertrag mit Marokko. Auf der Tagesordnung: Zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Besteuerung des Zuckers. (Ref. Abg. Dr. Buhl.) Staatssecretär Frhr. v. Maltzahn-Gültz: Nachdem die Commission zu einer Verständigung über die Vorlage nicht gelangt ist, liegt die Entscheidung über die Vorlage beim Reichstage. Angesichts des Einnahmebedürfnisses des Reiches mutzten sich die verbündeten Regierungen sagen, datz bei dem jetzigen System der Zuckerbesteuerung nicht stehen geblieben werden könne, wenn sich die Steuereinnahmen aus dem Zucker vermehren sollten. Dies ist nur von dem Aufgebeu der Prämien und dem Uebergange zur Verbrauchssteuer zu erwarten. Der gegenwärtige Moment wird von den verbündeten Regierungen zu einem solchen Uebergange für besonders günstig gehalten, da das Einnahmebedürfnitz jetzt nicht so drängend ist, um den Uebergang zu einem unvermittelten machen zu muffen. Die grotze Mehrheit der Commission war für den Uebergang zur Verbrauchssteuer, aber ein Theil dieser Mehrheit wollte dm Uebergang unvermittelt eintreten lassen. Ein Theil der Commission wollte an dem bisherigen System festhalten; wenn man aber in Betracht zieht, daß der deutschen Zuckerproduction jährlich viele Millionen an Prämien zufließen, die aus den Taschen der Steuerzahler genommen werden, so ergibt sich, daß an diesem System nicht feftgehalten werd« kann, umsomehr als dasselbe eine über das Consumbedürfniß des Weltmarktes hinausgehende Steigerung der Production zur Folge hat. Die Prämie, welche der Zuckerproduction gewährt wird, stieg von 1,9 Million im Jahre 1877/78 bis auf ca. 30 Millionen im laufenden Etatsjahre. Seit 1877 wurden 213,2 Millionen aus der Kasse des Reichs der Zuckerindustrte mehr ausgezahlt als an Steuer für den prämtirten Exportzucker einging. Kein Staat der Welt darf und kann auf die Dauer eine einzelne Industrie in solchem Maße unterstützen. Andererseits würde es aber die deutsche Zuckerindstrie gefährden, wenn die Prämie ohne Weiteres zurückgezogen würde, die Regierung schlage deshalb einen Uebergang von vier Jahren vor. Wird die Vorlage abgelehnt, so ist zu befürchten, daß später doch, aber unter viel ungünstigeren Verhältnissm, zur Covsumsteuer und zur völligen Beseitigung der Prämie ü^-ergegangen werden muß. Abg. Fürst v. Hatzfeldt (Rp.): Es hat dm Anschein, als ob die landwirthschastlichen Interessen, welche mit der Zuckerproduction verbunden sind, Seitens der Regierungen jetzt nicht voll anerkannt werden. Der gegenwärtige Moment, da Amerika sich mehr und mehr absperrt und da wir in Vertragsverhandlungrn mit einer Reihe von Staaten stehen, ist für ein Aufgeben der Matertalsteuer ungünstig. Die Auswanderung aus den landwirthschastlichen Gebieten dauert unausgesetzt fort; die Vorlage würde nur dazu beitragen, dieser Auswanderung weiteren Vorschub zu leisten. Der Zuckerexport hat daneben auch noch ein sehr wesentliches Interesse sür den Handels- siand. Wir sind bereit, die Matertalsteuer auszugeben, glauben aber auf eine Prämie so lange nicht verzichten zu können, als eine solche in anderen Zuckerproductionsländern gewährt wird. Wir verlangen eine feste Prämie von 1.25 Mk., das sind ca. 10 Millionen Mark jährlich. Man glaube doch nicht, daß diese Summe den Zuckerfabrikanten zufließt; sie vertheilt sich vielmehr in die kleinsten Canäle. Wir verlangen die Prämie auch nicht für die Dauer; wir hoff« vielmehr, daß es der Regierung gelingen wird, Frankreich zum Aufgeben seiner hohen Prämie zu veranlassen. Abg. v. Bennigsen (natl.): Die Regierung war sich bei dm früheren Vorlagen über die Bedeutung der Zuckerindustrte vollständig klar und hat dieselbe anerkannt. Ob das auch bei der jetzigen Vorlage der Fall ist, wäre einigermaßen zweifelhaft. Jedenfalls kam die Vorlage allgemein überraschend; man hätte wohl erwarten dürfen, daß noch einige Jahre der Erfahrung mit dem letzten Gesetz abgewartet werden würden. Jetzt soll auf einmal das Umgekehrte des jetzigen Verfahrens eingeschlagen werden; man will durch Aufgebm des Prämiensystems Frankreich nöthigen, diesem Beispiel zu folgen. In Wirklichkeit wird damit Frankreich nur das Fallenlassen der Prämie erschwert. Frankreich ist ein ernster Concurrent für uns geworden, seitdem es zu unserem Steuersystem übergegangen ist, das jetzt von uns aufgegebm werden soll. Um mehr Geld zu erhalt«, brauchte man nicht einen so radicalen Schritt zu thun als den vorgeschlagenen. Es Hetze sich an der Prämie etwas sparen und daneben Hie Consumsteuer etwas erhöhen. Die Prämie drückt auf dem Weltmärkte den Preis. Man läßt immer aus dm Augen, wie hoch wohl die Zuckerpreise sein würdm, wenn es eine deutsche Zuckerindustne überhaupt nicht gäbe. Meine Freunde stimmen für $ 1, aber nur in der Erwartung, daß es gelingen wird, über die Bestimmungen, die einen genügenden Uebergang zur reinen Consumsteuer schaffen sollen, zu einer Verständigung zu gelangen. Abg. Dr. Witte-Rostock (bfr.) tritt für Aufhebung der Prämie ein; erst in dem Augenblicke, da Die Prämie völlig beseitigt werde, werde eine volle Gesundung der Zuckerindustrie eintreten. Die Landwirthschaft werde durch das Aufgeben der Materialsteuer und des Prämiensyftems keineswegs geschädigt. Ein Preis von 1 Mk. pro Doppelcentner Rüben sei vollständig ausreichend. Abg. Graf zu Stolberg-Wernigerode (cons.) erkennt sowohl das Einnahmebedürfniß wie die Rothwendigkeil einer späteren Systemänderung an; die Vorlage aber in der vorliegenden Form sei unannehmbar. Er stimme jetzt für § 1, werde aber in der dritten Lesung dagegen stimmen, falls es nicht zu einer befriedigenden Verständigung über die Uebergangsbestimmungen kommt. Reichskanzler v. Caprivi warnt vor unbestimmten „Beunruhigungen". Die verbündeten Regierungen seien von dem Werth und der Bedeutung der Landwirthschaft in hohem Maße überzeugt und sie werden dies auch s. Z. bei der Berathung des deutsch-österreichischen Handelsvertrags nachzuweisen in der Lage sein. Sie werden nachweifen können, daß der Vertrag die Interessen der Landwirthschaft nicht schädige. Auch die Auswanderungsfrage werde von den beteiligten Regierungen stetig im Auge behalten. Die Vorlage, die hier zur Berathung steht, wurde bereits unter meinem Arnts- vorgänger beschlossen; man wird also nicht aufrecht erhalten können, daß die verbündeten Regierungen sich über die Tragweite derselben nicht klar gewesen seien. Die verbündeten Regierungen sind von der Nothwendigkeit einer Amderung des bestehenden Zuckersleuersystems überzeugt. Sie halten die Vorlage auch heute noch für den besten Weg, der hierfür eingeschlagen werden kann; etwas, was diesem Wege nahe kommt, werden sie annehmen; sie können aber einer zeitlich unbeschränkten festen Prämie nicht zuflimmen. Wmn, was sehr zu bedauern wäre, die Vorlage in Dieter Session nicht zu Stande kommt, so werden die verbündeten Regierungen nicht umhin könnm, die Vorlage bereits in nächster Session wieder einzubringen. Abg. Ulrich (Soc.): Die Zuckerprämie sei eine Versündigung an den Interessen des Landes und eine einseitige Begünstigung der Zuckerbarone. Letzteres sei von der Regierung selbst anerkannt worden. Wenn man dies anerkenne, dann könne man es auch nicht verantworten, die Prämie noch vier Jahre hindurch weiter zu gewähren. Staatssecretär v. Maltzahn erwidert, die Materialsteuer habe die Zuckerindustrie in Deutschland auf ihren hohen Stand gehoben und so der arbeitenden Bevölkerung großen Ruhm gebracht, jetzt aber sei die Zeit gekommen, mit einem System ein Ende, das für den Anfang gut war, aber nicht für die Dauer erhalten werden könne. Abg.Graf Hoensbroech erklärt unter Betonung derNothwendtg- kett, einen Mittelweg zwifchen der Vorlage und den Interessen der Zuckerindustrie zu finden, die Zustimmung des Centrums zu § 1. Abg. v. Kardorff (Rp.) constattrt, daß die Beunruhigung hinsichtlich der Aufrechterhaltung unserer Wirthschaftspolitik allerdings vorhanden sei und in Vorgängen Nahrung gefunden habe, die mit dem deutsch-österreichischen Handelsverträge im Zusammenhänge stehen. Hoffentlich ergebe der Vertrag selbst, wenn er vorliegen werde, daß Die Berunruhigung grundlos sei. Für eine feste Prämie könne er nicht stimmen. — In Erwiderung auf die Ausführungen Wittes bemerkte Redner, daß der Rübenpreis allerdings erheblich zurückgegangen sei und daß ein weiterer Preisrückgang den Rübenbau unrentabel mache. Er weist ferner den Vorwurf der Jnteressen- politik zurück. Durch die Beseitigung der landwirthschaftUchen Zölle sei Irland verarmt; das protectionistische Frankreich sei reich. Die Ausdehnung der Zuckerindustrie könne er für kein Unglück erachten, wie dies hier geschehen; sie habe in Anbetreff der Gegenden erhebliche Lohnsteigerung im Gefolge gehabt. Abg. Dr. Barth (frf.): Wenn die Prämien die Preise auf dem Weltmarkt drücken, so sei das Prämimsystem ein grober Unfug, denn dann schenken wir den Engländern jährlich viele Millionen, dlos damit diese billigeren Zucker bekommen. Er bedauere, daß die Regierung den fiscalischen Standpunkt mit in den Vordergrund gestellt habe, für eine solche Reform müsse der allgemeine Gesichtspunkt erforderlich sein, nicht das Beftrebm, mehr Einnahmen zu erhalten. Staatssecretär v. Maltzahn entgegnet, daß die Vorlage eine Mehrbelastung der inländischen Consumenten nicht in Aussicht nimmt. Abg. v. 6taub9 (cons.) erklärt Namens eines Theils seiner Freunde, daß sie im Wesentlichen der Regierungsvorlage ablehnend gegmüberftänden. Wir beziehm durch dm Zucker jährlich eine Einnahme von 150—200 Millionen vom Auslande; was wolle gegenüber einer solchen Summe die Höhe der Prämie besagen. Abg. Heine (Soc.) bestreitet, daß die Arbeiter Nutzen von dem Aufschwünge der Zuckerinduftrie hatten. Die Arbeitslöhne in dieser Industrie seien überaus gering und die Leute könnten nur durch übermäßige Arbeitszeit ihr Leben fristen. Die Vorlage wird sodann bis zu entscheidenden Uebergangs- bestimmungm mit einer Reihe von Amendements der Abgg. Graf au Stolberg und Hultzsch angenommen. Dagegen stimmen ein Theil Ser Conservativen und die Socialdemokraten. Mit Rücksicht auf die morgige Trauerfeier für Moltke findet die nächste Sitzung erst Mittwoch 11 Uhr statt. Auf der Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Berathung. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 27. April. Der Großherzog und Erbgroßherzog von Weimar treffen Abends, die Grobherzöge von Baden und Hessen morgen früh hier ein, um der Leichenfeier für Moltke beizuwohnen. Der österreichische Feldmarschall Beck ist mit einer Offizier-Deputation des österreichischen Infanterie- Regiments Nr. 71 bereits heute Mittag eingetroffen. Berlin, 27. April. Zur £ rauerfeier Moltkes haben auch die Präsidien der parlamentarischen Körperschaften eine Einladung erhalten- dieselben ließen heute an der Bahre Kränze niederlegen. Die Stadtgemeinde Berlin wird durch eine elsgliedrige Deputation, den Bürgermeister Duncker an der Spitze, vertreten sein. Die Gedächtnißrede wird Feld- probst Richter halten- Oberhofprediger Kögel die Leiche einsegnen. Die eommandirenden Generäle find bereits sämmtlich in Berlin eingetroffen. Von einer Leichenparade wird auf Allerhöchsten Befehl, einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, abgesehen werden. Unter den fremden Deputationen ist vom Kolberg'schen Grenadier-Regiment jede Charge einmal vertreten. Die Leiche wird unter großem Gefolge, — hinter dem Kaiser und dem Könige vbn Sachsen geht Major von Moltke — zum Lehrter Bahnhof gebracht, wo dieselbe bis zum Mittwoch früh in den Fürftenzimmern stehen bleibt. Dann erfolgt per Extrazug die Ueberführung nach Kreisau. Heute legte im Namen des österreichischen Generalstabes Feldmarschalllieutenant Beck einen Kranz nieder. Die russische Deputation trifft heute Abend ein. Berlin, 27. April. Betreffs der Leichenzugsordnung bei der morgen stattfindenden Ueberführung der Leiche Moltkes erging der folgende Gouvernementsbefehl: Die Truppentheile des Gardecorps finden in Parade und Spalier Verwendung. Die nicht in Parade oder Spalier stehenden Offiziere des Gardeeorps, sowie des gesammten übrigen Osfizierseorps der Garnison (Stäbe, Behörden, Institute re.) folgen im Leichenzuge, welcher seinen Weg vom Königsplatze durch die Alsenstraße, das Kronprinzenufer, über die Moltkebrücke zum Lehrter Bahnhofe nimmt. Um 11 Uhr Vormittags: Beginn der Feier im Generalstabsgebäude. Aufstellung der Generalität längs des Generalstabsgebäudes ^Hauptsront) von der Ecke der Moltkestraße bis Halbwegs zum Portal- Offiziere des Generalstabes und Abordnungen fremder Armeen, der Marine und der Regimenter des verewigten Feldmarschalls (Hauptfront) vom Portal bis Ecke Herwarth- straße - Osfizierseorps in der Moltkestraße nebst dem angrenzenden Schmuckplatz bis zum Truppenspalier der Alsen- straße; Mitglieder des Reichs- und Landtags auf dem Bürgersteig des Königsplatzes, zwischen Moltke- und Alsenstraße, Front gegen die Siegessäule- Vertreter der Ministerien, Staats- und städtischen Civilbehörden, Deputationen von Vereinen auf dem Bürgersteig des Königsplatzes, zwischen Alfen- und Moltkestraße, Rücken gegen die Siegessäule. Die Ausstellung der Generalität und des Osfiziereorps muß um 10 Uhr 45 Min. genommen sein. Zugang ausschließlich durch die Bismarckstraße. Ansahrt für Equipagen Sommerstraße bis Ende Hindersinstraße, wo die Wagen zu verlassen sind. Für die Rückfahrt sind die Wagen nach dem Alexanderufer zu birigiren. Generalität und Osfiziereorps fügen sich dem Trauer- gesolge an den entsprechenden Stellen der Zugordnung ein. — Zugordnung: a) Se. Majestät der Kaiser und König und Se. Majestät der König von Sachsen- b) die leidtragende Familie - c) höchste Fürstlichkeiten - d) die Abgesandten fremder Fürsten, Botschafter - e) Gefolge Sr. Majestät des Kaisers und Königs und der allerhöchsten und höchsten Herrschaften- f) der Reichskanzler - g) die General-Feldmarschälle - h) die Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler- i) der Kriegsminister, die eommandirenden Generäle und der com- mandirende Admiral- k) die activen Staatsminister - 1) die Präsidenten des Reichstags und der beiden Häuser des Landtags - m) die Abordnungen fremder Armeen, die Abordnungen der Regimenter des verewigten General-Feldmarschalls, die Abordnungen der Marine - n) die Offiziere des Generalstabes (geschlossen)- o) die Generalität, auswärtige Militär-Bevollmächtigte - p) Deputirte der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden- q) Mitglieder des Reichstags, des Herrenhauses, des Hauses der Abgeordneten- r) Osfiziereorps- s) Deputationen von Vereinen. Anzug: Paradeanzug, lange Beinkleider. — Zur Trauer parade bei der morgigen Beisetzungsfeier Moltkes sind je ein Bataillon des 1. und 2. Garderegiments und des Alexander-Garderegiments, ferner je eine Escadron der vier hiesigen Garde-Cavallerieregimenter und drei Batterien des 2. Garde-Feldartillerieregimems mit ihren Fahnen und Musikeorps commandirt. Alle übrigen Truppen bilden Spalier. Die Leibbatterie des 1. Garde-Feldartillerie- Regiments gibt Den Salut von 36 Schüssen. Berlin, 27. April. Das Herrenhaus nahm das Einkommensteuergesetz saft durchgängig nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses an. Das Erbschastssteuergesetz und das Gewerbesteuergesetz wurden unverändert genehmigt. Die Petitionen zu den einzelnen Vorlagen werden für erledigt erklärt. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr (Wegeordnung für die Provinz Sachsen, Landgemeindeordnung.) Berlin, 27. April. Das Abgeordnetenhaus erledigte in wenig erheblicher Debatte in dritter Lesung die auf der Tagesordnung stehenden kleineren Vorlagen und nahm einen von See eingebrachten Antrag an auf Festsetzung eines einheitlichen Bußtages für ganz Deutschland, nachdem der Cultusminister erklärt hatte, die Regierung stehe dem Anträge sympathisch gegenüber. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. Berlin, 27. April. Der „Reichsanzeiger" theilt ebenfalls mit, daß in Folge des eontraetbrüchigen Betragens aus ständiger Bergleute die beteiligten Behörden angewiesen seien, solchen Bergleuten ihre Vermittelung im Falle der Anrufung zu versagen. Aachen, 27. April. Die heutige Generalversammlung der Aachen-Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft beschloß die Vertheilung einer Dividende von 450 Mk. pro Aetie und die Abschreibung von 514 092 Mk. für gemeinnützige Zwecke und von 164092 Mk. zur Erhöhung der Dividendenergänzungsreserve. Die Aachener Rückversicherungs- Gesellschaft vertheilt 120 Mk. pro Aetie. Köln, 27. April. Der „Kölnischen Zeitung" zufolge betrug die Kohlenförderung des Oberbergamtsbezirks Dortmund im ersten Quartal d. I. 8.917,386 Tonnen, gegen den gleichen Zeitraum im vorigen Jahre um 114,772 Tonnen weniger- der Bestand am Schluß des Quartals ist um 25,250 Tonnen mehr. Die Arbeiterzahl beträgt 134,642 gegen 124,446 im vorigen Jahre. Köln, 27. April. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Dahlhausen, daß dort heute der Bergmann Bauer (Weitmar) wegen Aufreizung zum Ausstand verhaftet worden sei. Effen, 27. April. Der Aus stand zeigte Nachmittags eine erhebliche Abnahme. Aus den Schächten der Zeche „Hannover" von Friedrich Krupp arbeiten nach der „Rhein.- Westsälischen Zeitung" von 430 Mann der Mittagsbelegschaft 304. Aus der Zeche „Hagenbeck" bei Altendors fuhr die Nachmittagsschicht fast vollzählig an. Aus Schacht „Wolfsbank" ist ein Drittel der Belegschaft und auf Schacht „Wilhelm" sind von 148 Mann 83 angesahren. Im Dortmunder und Gelsenkirchener Reviere ist alles ruhig. — Die Firma Friedrich Krupp fordert erneut die Arbeiter der Zeche „Hannover" auf, Dienstag wieder anznsahren, widrigenfalls die Ausständigen als entlassen betrachtet werden würden. — Das Rundschreiben des Vorstandes des Essener Bergbaureviers an die Zechen behauptet, daß es der Ausstandsbewegung der Arbeiter an Grund gebreche und ersucht daher die Vereinszechen, bis auf Weiteres überhaupt keinen Arbeiter in die Belegschaft aufzunehmen, welcher wegen Bruchs des Arbeits- i Vertrags aus einer anderen Belegschaft ausgeschieden sei. Jede vom Ausstande betroffene Vereinszeche werde zu erwägen haben, ob und unter welchen Bedingungen sie bei ihr ausständige Arbeiter wieder annehmen wolle. Effen, 27. April. Einer Zusammenstellung der „Rheinisch- Westfälischen Zeitung" zufolge ist aus den Zechen des Dortmunder Reviers Alles an der Arbeit- auch das Gelsenkirchener und Herner Revier sind ohne Ausstand. Aus der „Borussia-Zeche" bei Marten sind nur 80, auf „Franziska-Tiefbau" und „Bommerbänker-Tiefbau" im Wittener Revier ist etwa die Hälfte angefahren. Von 32 Zechen des Stadt- und Landkreises Essen wird nur aus „Friedrich-Wilhelm" bei Kupferdreh, auf „Wolfsbank", „Christian-Levin", Schacht Wilhelm und Joachimsschacht von „Königin Elisabeth", „Hagenbeck" bei Altendorf und auf „Bonisaeius" gestreikt. Ein Theil der Belegschaft ist angefahren. Im Bochumer und Dahlhauser Revier ist die Lage gegen Samstag im Allgemeinen wenig verändert. Auf der Krupp'schen Zeche „Hannover" sind Schacht 1 von 540 nur 376, Schacht 2 von 355 nur 82 angefahren. Auf „Konstantin der Große", „Hannibal", „Lothringen" arbeitet Alles, auf „Friedlicher Nachbar", „Holland", „Marianne", „Steinbank" und „Engelsburg" streikt ein großer Theil. Gelsenkirchen, 27. April. Die hiesigen Bezirke haben die Aufforderung zu einem allgemeinen Strike nicht befolgt. Abgesehen von den bereits seit voriger Woche ausständigen Zechenbelegschaften sind dieselben zur Morgenschicht und Mittagsschicht überall angefahren. Dresden, 27. April. Der König und Prinz Georg fahren nach Berlin zur Einsegnung der Leiche Moltkes. München, 27. April. Der Prinzregent ordnete eine achttägige Armeetrauer zu Moltkes Ehren an. Prinz Leopold überbringt einen prächtigen Kranz des Prinzregenten. Prinz Leopold, Generallieutenant Staudt, der Generalstabs- ches Der bayerischen Armee sind heute früh 8 Uhr nach Berlin abgereist und treffen in Hof mit dem aus Würzburg abgereiften Corpsgeneral Parsival zusammen. — Der Militärbevollmächtigte Haag in Berlin legte einen Trauerkranz Namens der bayerischen Armee nieder. Eisenach, 27. April. Der Kaiser und die Kaiserin werden Mittwoch in Weimar und Donnerstag auf der Wartburg eintreffen. Wien, 27. April. Der „Politischen Correspondenz" zufolge richtete das Ackerbaumini st erium an sämmtliche Statthalter eine Reihe von Fragen über das landwirth - schastlicheVertretungs- und Vereinswesen, über Credit-, Productions- und Absatzverhältmsse. Die Beantwortung erfolgt im Mai. Paris, 27. April. Freycinet empfing die Senatoren und Deputirten des Departements der Bouches Du Rhone, welche Den Protest der Marseiller Bevölkerung gegen die Beschlüsse der Zollcommission überbrachten. Freycinet versprach, den Protest dem Cabinet zu unterbreiten. — Ein Rundschreiben des Arbeitsministers ordnete an, daß im Interesse der Vekehrssicherheit die Locomotivsührer und Heizer innerhalb 24 Stunden höchstens 12 Stunden arbeiten Dürfen. Bordeaux, 27. April. Das Socialisten-Comite fordert in einem Manifest die Einwohner auf, seine Dele- girten am 1. Mai in ihren Schritten bei den Behörden zu unterstützen. Rom, 27. April. Der König ließ anläßlich des Todes des Feldmarschalls Grasen Moltke durch seinen General- adjutanten dem deutschen Botschafter Grafen Solms sein Beileid aussprechen. Bei der Beisetzungsfeier wird sich Der König, da Der Verstorbene Ritter des Annunciatenordens war, durch Den italienischen Botschafter in Berlin, Grafen De Launay, vertreten lassen. Rom, 27. April. Das BefinDen Der bei der Pulv er- Explosion Verwundeten bessert sich fortgesetzt. Cardinal Hohenlohe übergab dem Kriegsminister 1000 Francs für die Opfer der Katastrophe. Rom, 27. April. Die „Tribuna" meldet ans Neapel: Am Samstag und am Sonntag wurden 22 Verhaftungen wegen Aufreizung zur Revolte am 1. Mai vorgenommen und zahlreiche revolutionäre Ausrufe an Soldaten beschlagnahmt. Die Schriftsetzer beschlossen, am 1. Mai nicht zu arbeiten. Das nämliche Blatt meldet aus Turin, alles laffe annehmen, der 1. Mai werde ruhig vorübergehen. — Der König unterzeichnete gestern ein Decret, welches Zollzahlungen auch mit sünsprocentigen Rentencoupons gestattet. Brüffel, 27. April. Die gestrige Versammlung der Dele- girten der Bergarbeiter, welche dem belgischen National- verbande angehören, nahm eine Resolution an, worin sie mit den deutschen Bergarbeitern in der Achtstunden-Bewegung sich solidansch erklären und sich verpflichten, in Belgien Den allgemeinen Ausstand eintreten zu lassen, sobald dies in Deutschland geschieht. Außerdem erklärte die Versammlung, daß Der Ausstand in den Dienst der Bewegung für das allgemeine Wahlrecht in Belgien gestellt werden solle. Petersburg, 27. April. Zu Der Beisetzung des FelD- marschalls Moltke werden sich dem Vernehmen nach Abordnungen Der Inhaber des Andreasordens, Der Generalstabsakademie und Des Infanterieregiments Nr. 69 nach Berlin begeben. Konstantinopel, 27. April. Nachdem der Sultan durch Herrn v. Radowitz von Moltkes Tod unterrichtet worden war, telegraphirte er in den wärmsten Ausdrücken an Kaiser Wilhelm, indem er auf die von Moltke der Türkei geleisteten Dienste hinwies. provinzielles. — Bei der evangel. Landessynode ist seitens des Synodalabgeordneten Dr. Diessenbach-Schlitz der eingehend begründete Antrag eingebracht worden: Die Landessynode wolle an hohes Kirchenregiment das Ersuchen stellen, daß dasselbe den Confirmanden-Unterricht in der Art erweitern möge, da^ ZE) :e-8 16—7 6-8 17-8 >5-6 — Kleine Mittheiluugeu aus dem Großherzogthum Heffen. Aus traurige Weise ist am 20. ds. das 10jährige Töchterchen des Polizeidieners Kraft in Rüsselsheim um's Leben gekommen. Das Kind spielte mit noch anderen Kindern in der Nähe des Bahnhofs aus einem Haufen dort lagernder Telegraphenstangen. Plötzlich kam eine der Stangen ins Rutschen, das Kind kam hierdurch zu Fall und wurde von der Stange derart am Kopfe getroffen, daff der Tod desselben alsbald eintrat. — Das Personal der Firma Dörr und Reinhart in Worms hat dem Grasen Moltke einen prachtvollen Kranz mit Inschrift anfertigen lassen und nach Berlin abgesandt. — In Reichenbach i. O. wurde die Frau eines Spezereihändlers verhaftet, welche ihren Mann (während derselbe schlief) durch Eingießen von Schwefelsäure ums Leben bringen wollte. — In Worms stürzte ein junger Mann, welcher auf dem Schnürboden des Spiel- und Festhauses beschäftigt war, drei Stockwerke hoch von diesem herab. Schwerverletzt muffte der Mann in das Hospital gebracht werden. — Am Samstag erschien vor der Musterungs-Commission zu Mainz auch einer der augenblicklich dort gastirenden Liliputaner. Selbstverständlich wurde der Mann, der kaum zwei Drittel des geringsten Maßes batte, als untauglich entlassen. — In Bingen wurden am 27. ds. in der Nahe die Leichen zweier neugeborener Kinder geländet. In Folge von Lohndifferenzen haben die Arbeiter einer bedeutenden Schuhfabrik in Alzey die Arbeit niedergelegt- seitens der Arbeiter ist Platzsperre über die Fabrik verhängt worden. 16—7 7—8 6-7 16 —7 16—7 1 5 Literatur mu6 Kauft — Von den zur Besprechung letzteingegangcnen literarischen Erscheinungen hebt sich auf unserem Büchertische ganz besouders ab: BrehmS Thierlebe«, dritte Auflage, Band 3: Die SLugethiere (Fortsetzung) von Dr. Alfred E. Brehm, unter Mitwirkung von Dr. Wilh. Haacke neubearbeitet von Professor Dr. Pechuel-Loescke. Mit 150 Abbildungen im Text, 21 Tafeln und 4 Karten von W. Camphausen, W. Kuhnert, G. Mützel, Fr. Specht u. a. Leipzig, Bibliographisches Institut. Preis 15 X — Mit der Fertigstellung dieses Bandes ist ein weiterer erfreulicher Schritt zur Vollendung der im Herbst 1890 begonnenen neuen, dritten Auflage gethan. Derselbe beschließt die Schilderungen der Gruppe Säugethiere und damit nach dem groß angelegten Plane auch die erste Abtheilung des panzen Werkes. Dieser erste Abschluß in dem Werden einer so viel Geistesarbeit und liebevolle Hingabe erfordernden Riesenaufgabe macht uns einen kurzen Rückblick auf die in der neuen Auflage bisher erschienenen Bände zur angenehmen Pflicht. Wir schöpfen aus der Prüfung derselben immer wieder den Drang, dem großen Publikum stets von Neuem bewußt zu machen, welch Wissenschaft ltcker und volks- thümlicher Schatz zugleich in „Brehms Thierleben" enthalten, den zu heben Jedermanns Sacke, des Geblldeten wie des Laien, sein muß. — So beispiellos glücklich ist noch keine wissenschaftliche Aufgabe gelöst worden wie in „Brehms Thterleben": eine Schilderung des Thierreichs wissenschaftlich hochstehend und doch auch wiederum in so allgemein verständlicher, fesselnder und anziehender Schreibweise gehalten, daß selbst der geringste Laie Belehrung und Befriedigung darin finden kann. — Zur Neubearbeitung der gegenwärtigen dritten Auflage ist, wie wir sckon früher mittheilten, als berufenster Nachfolger Brehms Herr Professor Dr. Peckuel-Loesche in Jena von der Verlagshandlung gewonnen. Die damit im Vor- hiuetn gebotene Gewähr für die Erhaltung Brehm'scher Schreibweise und Darstellungsknnst neben gebührender Berücksichtigung der neueren VermiWef. * Eine Allerweltsstadt war jedenfalls Mainz bis zum Jahre 1866. Bis damals herrschten dort nämlich folgende Zustände: Hessische Landesherrlichkeit, französisches Recht, deutsche Bevölkerung, römische Kirche, preußischer Commandant, österreichischer Gouverneur, italienische Besatzung, Thurn- und Taxis'sche Post, bayerische Telegraphie, badische Gasanstalt. Welche Stadt der Welt hätte wohl an bunter Mannigfaltigkeit Aehnliches aufzuweisen? * Marburg, 25. April. Ein am Marbacherweg wohnender Vater wandle gestern ein eigenartiges Mittel an, uw seinem widerspenstigen Söhnchen den Schulbesuch zu erleichtern, Derselbe legte dem Kinde eine Kette um den Hals und führte dasselbe durch die Straßen der Stadt nach dem Schul« gebäude. *= Frankfurt a. M., 27. April. Der weitere Ausschuß der electr"technischen Ausstellung hielt gestern Vormittag unter Vorsitz des Herrn Justizraths Dr. Humser eine Versammlung ab, in welcher Herr Sonnemann über den gegenwärtigen Stand des Unternehmens berichtete. Aus den Mittheilungen desselben seien solgende Daten als besonders bemerkenswerth hervorgehoben: Der Haushaltungsplan ist in Einnahme und Ausgabe auf 1,129,500 Mk. festgesetzt. Für die Lauffeuer Kraftübertragung sind bis jetzt an Beiträgen eingegangen: aus dem Kaiserlichen Dispositionsfonds 10,000 Mk., von der hiesigen Handelskammer 10,000 Mk., von Herrn William Merton 5000 Mk., vom Landgrafen von Hessen 1000 Mark, von der Polytechnischen Gesellschaft 3000 Mk., von Herrn Baron Willy v. Rothschild 3000 Mk., von Herrn Charles Hallgarten 2000 Mk. und von Herren Gebr. Sulzbach 2000 Mk. Weitere Beiträge stehen in Aussicht. Der Garantiefonds hat eine Höhe von 680,000 Mk. erreicht. Die Generaldirection der bayerischen Staatsbahnen hat für die Arbeiter, welche mit der Aufstellung von Maschinen 2C. in der elektrischen Ausstellung beauftragt sind, eine Fahrpreisermäßigung von 50 pCt. für Hin- und Rückreise gewährt. — Im Etatsjahre 1890—91 betrug dem Vernehmen nach der Ueberschuß der Einnahmen der Stadt Frankfurt über die Ausgaben 1,300,000 Mk. * Frankfurt a. M., 27. April. Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, der Großherzog und der Erbgroßherzog von Baden, der Großherzog von Hessen und die Herzogin von Ratibor sind heute Abend, nach im Fürstenzimmer des Hauptbahnhoss eingenommenem Souper, mit dem Nachtschnellzuge um 7 Uhr 45 Min. von hier über Bebra nach Berlin zur Beisetzung Moltkes abgereist. * Zwanzig Morde an einem Tage. Aus N e w y o r k, ! 21. April, depeschirt man dem „Jll. W. Extrabl.": Die 1 Verbrechen nehmen hier in schaudererregender Weise zu. Im Laufe des heutigen Tages wurden in Newyork und den Vor- I städten nicht weniger als zwanzig Morde und Todschläge ver- I übt und der Sicherheitsbehörde zur Anzeige gebracht. er zwei volle Jahrescurse umfaßt, um so den Religionsunter- f richt unserer Jugend den Ansorderungen und Gefahren unserer I Zeit entsprechend zu vertiefen und für das Leben wirksamer zu machen. — Auf die vor einiger Zeit bei der Synode eingebrachte Anfrage des Abg. Wiener, ob das Mrchenregi- ment geneigt sei, bald der Landessynode den Entwurf eines I Katechismus für die unierten Gemeinden unserer Landeskirche vorzulegen, hat dasselbe geantwortet: daß das Bedürfniß eines neuen Katechismus als Ersatz des bisher im Gebrauche befindlichen alten badischen Katechismus vollständig anerkannt werde und daß sich der Entwurf eines solchen in Bearbeitung befinde. Die Grundlage desselben würden die im Jahre 1882 in Baden und neuerdings im Bezirk des Consistoriums zu Wiesbaden entstandenen Katechismus bilden. — Die diesjährige Generalversammlung des Pferde- I zucht-Vereins im Großherzogthum Heffen soll am 24. Mai in Dieburg stattfinden. Etwaige Anträge zur Tagesordnung müffen bis zum 8. Mai beim Vorstand eingelausen sein. — Die Metzgerinnung in Mainz hat an das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eine Eingabe solgenden Inhalts gerichtet: „Die Großh. Staatsregierung wolle ge- neigtest veranlassen, daß bei Lieferungsvergebungen für die staatlichen und städtischen Anstalten des Groffherzogthums nur solches Fleisch und Schmalz zugelassen werde, welches von Thieren entstammt, die nachweislich und unzweifelhaft einer ebenso gewissenhaften und sanitären Controle, wie die im Großherzogthum bestehende, unterworfen waren." Diese Eingabe wurde dadurch veranlaßt, daß bei diesjährigen Lieserungs- verträgen für die Großherzoglichen Gefängnisse auch ameri- I kanisches Schwein eschmalz in Submission aus- I geschrieben war- in einem eingehenden Bericht macht nun die Metzgerinnung aus die „mangelhafte Fleischbeschauung" in Amerika aufmerksam, ebenso aus die „Minderwerthigkeit des sogen, amerikanischen Schweineschmalzes". %* Schlitz, 26. April. Die auf heute Abend festgesetzte Ankunft Sr. Majestät des Kaisers ist durch den Tod Moltkes verschoben worden. Wie nunmehr bestimmt verlautet, trifft Se. Majestät Dienstag Abend oder Mittwoch Morgen zum Besuche Sr. Erlaucht des Grasen Görtz hier ein. (? Red.) — Die Stadt Schlitz hatte sich bereits zum Empfange feierlich gerüstet und jedes Haus prangt heute in frischem Grün, Emblemen, wehenden Fahnen und Sprüchen aller Art, worunter folgender selb st gedichtete den biederen Sinn eines Schlitzer Bürgers kennzeichnet. Er lautet nämlich | kurz und kernig: „Ein treues Herz dem Vaterland, ist besser ; als viel Licht verbrannt." Mögen die Leser dieses Blattes daraus nicht auf eine mangelhafte Illumination bei der Ankunft resp. dem Einzuge, der jedenfalls Abends erfolgt, schließen, tausende von Lampions und Jlluminationslämpchen, die jetzt schon sichtbar sind, beweisen im Voraus das Gegentheil. — Wohl- thuend wird es jeden Fremden berühren, wenn er sieht, wie selbst die ärmeren Bewohner unseres Städtchens durch Schmücken ihrer ärmlichen Wohnungen alles gethan haben, um dem theuren Gaste unseres edlen Grafen Gruß und Willkommen zu bieten. — Möge der Einzug Sr. Majestät in dem Städtchen bald erfolgen und inmitten treuer Unterthanen ein recht freudiger und gesegneter fein! □ Nun endlich find die linden Lüste erwacht, der Winter ist abgezogen und der Frühling ist Sieger geblieben. Im Felde blinkt wieder die Pflugschar des Landmannes und im Garten der Spaten der Arbeiterinnen. Rasch ist der Erdboden trotz des überreichen Wassergehaltes abgetrocknet und die landivirthschastlichen Arbeiten sind im Garten und Felde im vollen Gange. Vortresflich läßt sich der Boden bearbeiten, da er während des langen Winters gehörig ausgetrocknet. Bleibt die Witterung günstig, so dürften die landwirthschaft- lichen Arbeiten, die, weil so sehr verspätet, mit voller Energie in Angriff genommen, rasch von Statten gehen. Wohl bleibt es Thatsache, daß der harte Winter der Landwirthschast beträchtlichen Schaden zugefügt, indem er Raps, Weizen und Roggen vernichtet oder ihnen empfindlich geschädigt, doch ist das heurige Frühjahr nicht ganz ohne gute Aussichten. So hat der Klee merkwürdiger Weise, da er doch immer dem Raps bei der Ueberwinterung die Waage hält, vorzüglich überwintert. Es ist dies um so höher anzuschlagen, als die Futtervorräthe durch die übermäßig lange Winterperiode aus ein Minimum zusammengeschrumpst sind. Auch der Graswuchs zeigt einen recht guten Ansatz. Zu einer guten Sommerfrucht, Gerste und Hafer, ist die erste Bedingung durch die vortreffliche Bearbeitung des Bodens gegeben. Für die Erzeugnisse des Gartens fällt das gleichfalls sehr ins Gewicht. — Die Obstbäume zeigen einen so reichen Blüthenansatz, daß es eine wirkliche Freude gewährt, sie zu betrachten. Dazu läßt ihre ungewöhnlich späte, durch das kalte Wetter bedingte Entwickelung sicher hoffen, daß dies Mal die drei berüchtigten „Eisheiligen" des Mai ihnen nicht schaden werden. — Lebensmittel-Preise Ende März 1891. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten: Ochsenfleisch per Pfund Rindfleisch | per Pfund Kalbfleisch per Pfund | Schwetnefl. 1 per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter StädleHi ——-- Octrot Darmstadt 7K 70 70 72 66 14 12 88-106 17 Mainz 72 60 70 70 65 15 13 101—109 19 Offenbach 70 52 70 70 70 15 13,5 113-122 21 Worms 76 70 72 68 75 13 11 103-109 16 Gießen Städte ohne 74 64 64 70 70 14 12,5 91-99 17 Octrot 104-118 19 Bingen 75 70 60 70 60 13 12,5 Bensheim Alzey Friedberg ; 66 60 60 64 60 11,5 10,5 80-95 96-108 17 ! 65 60 70 70 70 15 12 17 68 60 60 60 60 14 13,5 110-120 16 Älsield 65 59 60 55 - 16 13 95-lOUi 14 Lauterbach 64 64 56 60 56 15,5 12 100 14 Dcxfefrc, Lau», und - Patent« von im SrotzhtriogthumHessen wohntNd«« Erfindern. Patent-Anmeldungen: Kl. 8, L. 6550. Maschine mm Absckneiden von Bändern, Litzen u. s. w. auf beliebige gleiche Längen, Zusatz zum Patent Nr. 49,051; Emil Liebmann in Offenbach a. M. — Kl. 22, L. 6098. Neuerung in dem Verfahren zur Darstellung grüner Azinfarbstoffe; zweiter Zusatz zum Patent Nr. 54,087; A. Leonhardt u. Co. in Mühlheim. — Patent-Er- theilungen: Kl. 6, Nr. 56,972. Fatzwaschmaschine; K. Febmel in Pfeddersheim; vom 24. Mai 1890 ab. — Kl. 22, Nr. 56,990. Verfahren zur Darstellung grüner Azinfarbstoffe; Zusatz zum Patent Nr 54 087; A. Leonhardt u. Co. in Mühlheim; vom 24. Juni 1890 ab. — Kl. 50, Nr. 50,588, Wilhelm Keller und Stephan Quast in Osthofen; selbstthätiger Reiniger und Ausleerer an Schleudermühlen für feuchten Stoff; vom 25. Juni 1889 ab. — Kl. 64, Nr. 56,829. Flafchenspülmascktne; Firma L. A. Enzinger in Worms; vom 29. October 1890 ab. wissenschaftlichen Ergebnisse und Forschungen ist in buk jetzt vorliegenden drei Bänden nirgends hinfällig geworden. — Unumwunden zu bewundern sind ferner die aufopfernden Bemühungen, mit welchen die beroorrragendsten Thierzeickner und die Verlagshandlung wetteifern, den inneren Werth des Werkes durch ganz unübertreffliche, künstlerische und lebenswahre bildliche Darstellungen und vorzügliche Druckausstattung zu ergänzen und zu würdigen. Diesen Bestrebungen zu Dank kann unsere warme Empfehlung des Brehm'schen Werkes nur in dem Wunsche ausklingen, dasselbe möge in Wirklichkeit Gemeingut des Volkes werden. Betarnrtmachirng. Aufschrift der Postsendungen. Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müffen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dadei sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufichrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Abschrift, nämlich unteu rechts, unmittelbar unter der Angabe des Besümmungsortes, erfolge. r. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Po st bezirk (O., y., HO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin" zu vermerken. 8. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lau- tende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Post- verkehr als maßgebend an-usehen sind, ergibt sich aus dem „Ver- zeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zu« Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs-Postanstait bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift btr Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), «Rhein), (Main) ic.], oder von Gebirgen l(Harz), (Riesengebirge) rc.j. Nicht minder sind zusätzliche Be. zeichnungen, nie ((Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.j für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Poftanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Poft, anstatt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist. so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an den Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften btr Sendunaen hiernach aenau anrufertigen. GHeftetb 28. April. Marktbericht. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,92—1,00, Hühnereier 1 St. 5—6, 2 St. — A, Enteneier 1 St. 7--H, 2 St. — H, Käse pr. St. 5—8 A, Kasematte pr. St. 3 A, Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar X 0,70—0,90, Hühner pr. Stück X 1,00—120, Hahnen pr. St. X 1,30—1,60, Enten pr. Stück X 2,00—2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70—74 H, Kuh- und Rindfleisch 60—64 A, Schweinefleisch 60—70 H, Hammelfleisch 50—70 A, Kalbfleisch 60— 00 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,00—7,00, Weißkraut pr. St- 3—7 H, Zwiebeln ver Centner X t 00 8,00, Milch per Liter 12—18 A, Gänseeier 10—11 A § Gründer-, 27. April. Der Weizen hat auf dem vorgestrigen Fruchtmarkte abermals eine Preissteigerung erfahren, der Dopvelcentner wurde bis zu 25 X bezahlt. Man denke sich, welchen Preisunterschied zwischen jetzt und noch kurz vor Ostern, da das Malter 18 X kostete. Korn erhielt sich auf der Höhe vom vorigen Samstagsmarkt, per 100 Kilo 21 X Weniger begehrt war Gerste, stärker dagegen die Kartoffeln, die trotz der sehr starken Anfahrt im Preise um 50 bis 75 A pro Centner stiegen, da die Nachfrage eine außerordentlich große war. Der Centner galt durchschnittlich 3,50 bis 3,75 X Rnvkin. reine Wolle, nadelfertig. ccu 140 cm breit ä Mk. 1.05 Pfg. per Meter versenden direct jedes beliebige Quantum Buxkin-Fabrik-D6pSt Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Muster-Auswahl umgehend franco-_________1047 Schwarze rein wollene Kleiderstoffe (glatt und gemustert) zu Fabrikpreisen bei 3341 Gebr. Stamm. Gottesdienst in der Synagoge. Die letzten Ostertage, 29. und 30. April. Dienstag Abend 700 Uhr, Mittwoch Morgen 830 Ubr, Mittwoch Mittag 3« Uhr, Mittwoch Abend 730 Uhr, Donnerstag Morgen 83° Uhr, Donnerstag Mittag 300 Uhr, Donnerstag Abend 8« Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Ostern, Schlußfest, 29. und 30. April. Dienstag Abend 715 Uhr, Mittwoch Vormittag 8°° Uhr, Mittwoch Nachmittag 330 Uhr, Mittwoch Abend 7« Uhr, Donnerstag Vormittag 8«> Uhr, Donnerstag Nachmittag 330 Uhr, Donnerstag Abend 75o Uhr. — Der Beerdigung des Geueralfeldmarschalls Grafen Moltke wegen findet morgen kein Promenaden-Concert statt. Bekanntmachung. Auf Ansuchen der Bäcker-Innung hat die Stadtv.- Versammlung in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, daß die Rückvergütung des Octrois von Backwaaren bei der Ausfuhr schon von 50 Kilogramm an nach dem bisherigen Tarifsatz erfolgen soll. Wir bringen dies mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntniß, daß diese Bestimmung vom 1. Mai d. I. an in Kraft tritt und daß nur solche Quantitäten bei Feststellung des zurück zu ver- gütenden Octrois Berückstchtigung finden, welche am Ausgangsthor dem Erheber zwecks Controlirung vorgeführt und schriftlich nach Quantität declarirt werden. Gießen, den 24. April 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ________________________________Gnauth._______________________4055 Holzversteigerung. Es werden versteigert: Montag den 4. Mar d. I. aus den Districten Hölzchen, Gebrannter, Aspenhaag, Langerberg, Oberstube, Lichteeichen, Kalieck, Molkenborn, Nafferwald und Einfürste der Forstwartei Weickartshain: Fichten: 1 Stamm mit 0,11 fm, 206 Derbstangen mit 9 fm und 30 Reisstangen mit 0,31 fm; ferner Scheiter rrn: 7 Buchen, 1 Birke, 8 Eichen, 162 Nadelholz, 1 Aspe; Knüppel rm: 2 Buchen, 39 Eichen, 55 Nadelholz, 11 Aspen; Reifig rm: 540 Buchen, 120 Eichen, 773 Nadelholz, sowie Stöcke rm: 3 Buchen, 43 Eichen, 40 Nadelholz, 1 Aspe. Zusammenkunft Vormittags halb neun Uhr im District Hölzchen bei Weickartshain auf dem Fußpfad von Grünberg nach Stockhausen. Nur das in den Districten Hölzchen und Langerberg 3 sitzende Holz wird bei der Versteigerung vorgezeigt und wollen Kaufliebhaber das übrige Holz vorher einsehen. Das zur Versteigerung kommende Holz ist mit Kalk bespritzt. Grünberg, 25. Aprll 1891. Großherzogliche Oberförsterei Grünberg. Schober.4049 Ausverkauf von Uhren, Gold- und Silberwaare» zu Fabrikpreisen. Einjährige Garantie für jede von mir gekaufte Uhr. 4073 Wilh. Böger. Die MWntliAMelei«»Dh. Matter 10 Neuenweg 10 empfiehlt für bevorstehende Saison das Stricken und An ftricken von Strümpfen re. in solider Arbeit zu den billigsten Preisen. Ferner großes Lager in ächt (Diamant) schwarzen Damen- und Kinderstrümpfen sowie von Letzteren einen Posten in farbig unter Preis. 4066 Me-Mulk für KMllMimg und Erwerb. Unsere Lehrerin im Kleidermachen war noch einige Wochen auf der Akademie in Frankfurt, um den allerorts bei den Damen so beliebten neuen Schnitt zu erlernen, daher mußte der Anfang des Schneidercursus verzögert werden. Derselbe beginnt nun Montag den 4. Mai und werden die Anmeldungen Freitag den 1. Mai, Vormittags 11 Uhr, im Schullocale entgegen genommen. [4069] Der Vorstand. Kaplansgaff. UM PfifflgStadt Empfehle ein vorzügliches Glas Bier aus der renommirten Bierbrauerei von I. Hildebrand, Pfungstadt. Wilh. Nagel- Mein gut eingeführtes Flaschenbier bringe ich in empfehlende Erinnerung. 3967 Für Bruchleidende! Sensationeller Erfolg! Aeußerst angenehmes Tragen, größte Sicherheit, Erfinder allein-Fabrikant M. Reischock. Muster-Collection und Erklärung für jeden Interessenten und lade dazu ergebenst ein. Bestellungen nach Maß. pract- Bandagist. Darmstadt- Rheinstraße 28. keinerlei Beschwerden, In Gieße« anwesend am 3. Mai 1891 W im Gasthaus ,r«m Lindenhof*. [3726 Theile hierdurch meiner werthen Kundschaft mit, daß ich den Dach- deckergeseüe« Martin Müller aus meinem Geschäft entlaffen habe und derselbe deshalb keinerlei Aufträge mehr für mich übernehmen kann. 3982 Achtungsvoll Chr. Schwalb, Dachdeckermeister. Pelzwaaren und Winterstoffe werden zur Aufbewahrung unter 3MF Garantie angenommen. (Gegen Feuerschaden versichert). Georg Schultheis, Kürschner, 4054__________Marklstraße 3.__________ Achtung!!! Innerhalb 8 Tagen werden Strohhüte jeder Art gewaschen, gefärbt und geändert. [3771 Wettergaffe 3 Bertrand. 3970] Mark 15 000 bi- 20 000 ^eaen gute Sicherheit für Herbst zu leihen gesucht. Offerten sub K. 46360 an die Exped. d. Bl. Zur Wilhelmshöhe, Licherftratze. Heute Dienstag Abend r 4070 Metzelsuppe. 40591 Ein Student ertheilt Schülern Rachhülfestunven zu mäßigem Preis. Offerten unter F. C. an die Expedition dieses Blattes. 4u78J Ein «nahe von 2'/« Jahr soll in gute Pfleg- gegeben werden. Näheres in der Exped. d Bl. 4077] Gilb. Armband verloren. Gegen Belohnung abzug. Marklstraße 5. 4083] Ein Mädchen hat noch Tage frei im AuSbester« und Weitzreugnähen. Mäusburg 3. Rutz u.Rrmnholz- üerjletgerung. Am Montag den 4. Mai d. I., von Vormittags 9 Uhr an, sollen in der Nordecker Waldung meistbietend versteigert werden: Eichen: 1 Stamm von 9 m Länge und 24 cm Durchm. und 9 Stangen HL Kl. Buchen: 1 Stamm. 0,71 fm, 27 Stangen III. Kl., 140 rm Scheit, 200 rm Prügel, 36 rm Stockholz, 1875 rm Reisig. Fichten: 16 Stämme V. Kl., 3 fm, 3 Stangen I. Kl., 91II., 486III., 570IV., 500 V., 140 VI., 180 VII. Kl., 6 rm Prügel. Versammlung in der Stetzenbach- schen Wirtschaft in Nordeck, woselbst bei ungünstiger Witterung der Verkauf stattfindet. Marburg und Nordeck, am 27. Aprll 1891. Der Waldvorfland: Röhr. Wiskec. 4056 Arbeitsversteigemng. Gam-tag den 2. Mai L I., Nachmittags um 1 Uhr, soll Pflasterarbeit, veranschlagt zu 300 auf dem hiesigen Gemeindehaus öffentlich vergeben werden. Rödgen, am 27. Aprll 1891. Großh. Bürgermeisterei Rödgen. ।Jnderthal. 4075 Mittwoch den 10. Juni, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Balthafer Emmerich in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. 1?Vioo — 392 Meter Haus, Schuppen und Hofraum in der Stephansmark an der Seltersbrücke, Flur 27 Nr. 3,3 - 50 Meter Wiese daselbst, Flur 27 Nr. 1,6 — 594 Meter Grabgarten daselbst, Flur 27 Nr. 4,3 - 12 Meter Wiese daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 28. April 1891. Großh. OrtSgericht Gießen- I. A-i Dogt. 4065 Aeilgeöotenes. Ät. Schlachthaus. Freibank. 4068 Von heute Nachmittag 4 Uhr ab: Rindfleisch. nicht ladenrein, per Pfund 4S Psg. Neuheiten in Damen-Unterröcken in verschiedenen Stoffen und Facons, bedeutend billiger wie selbst angeser- tigte, empfiehlt in bekannter Auswahl Robert Haas, 4064__________Seltersweg 18. Gefrorenes anerkannt vorzüglicher Qualität, in mehreren Sorten stets vorräthig, empfiehlt 4050] Eonditorei Hettler, Südanlage. 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E.-B.-Act. 97.75 Darmstädter Bank-Act. 141.40 Buschtherader E.-B.-Act. 429 50 Dresdener Bank-Act. 144 10 Elbthal-Bahn-Act. 197.00 Nordd. Lloyd-Act. 121.00 Gotthard-Bahn-Act. 147.70 Wiener Bankver.-Act. 9S.00 Schweizer Nordost-B.-Act. U2 40 Oest. Credtt-Act. 262.00 Mainzer E.-B.-Act. 115.50 Oest. Staatsb.-Act. 216.75 Marienburger E.-B.-Act. 70 40 4% Offenbacher 1 Der. Königs-Laurab-Act. 123.20 Gelsenk. Bergw.-Act. 153.50 Tendenz fest. Fahrplan der aus Station Gieß«« verkehrenden Eisenbahnjüge. Dir Nachtzeiten ww 6 Uhr Wend» bis 66» Uhr früh find durch Unterstreichen der Mtnutenzahleo ausgezetchrul Die fetten Zistern bezeichnen die Schnellzüge. Die mit • bezeichneten Züge führen nur 1. und 2, Linste. Ankunft. — Abfahrt. 112 800 940 1136 1 249 254 ■432 ßO4 728 ß47* 1057 Hb7. Frankfurt 237 435 459 623 8°1* 950 1141 147 442 7O6 759 855. 620 (führt 2.-4. Klane). Friedberg (Localzug) 630 (führt 2.-4. Klasse). 222 454 708* 1131 431 ß 58 753 8^ 1123. Castel 1202 127 3^ tz09 Abi 114» 1254 440 853*. 222 454 gW 758* H31 431 ($58 753 8^1 1123. Marburg 1202 1 27 347 809 9&1 1140 1254 440 853* 9H. 745 244 (führt 2 —4. Klasse). Fronhausen (Localz.) 140 630 (führt 2.-4. Klasse). 6»3 756 941 H27 1241 334 433 656 727 811 1151. Wetzlar 503 625 808 948 1000 1109 1210 441 500 735 857 905 911 1241 334 657 811 1124. Ems—Coblenz 502 808 9« 1159 441 735. 1127 433 727 UM. Deutz—Cöln 62) 1000 1210 506. 757 130 425 1000. Fulda 6*2 1150 735 500 (bts Alsfeld)- 930 307 656. Gelnhausen 705 1210 442 120 (big Hungen). 930 307 6£5. Schotten bezw.Riddo 705 1210 442 800. 656 930 307 656. Gedern, Laubach 1 bezw. Stockheim 705 1210 442 800. Rcbtdfon: «. Scheyd«. — Druck und «erlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu Gießen. Me Mmmsoe wwfatt 6 MM. Mittwoch den 29. April (Siebener Anzeiger. Beilage zu Rr. 98. - 1891; Fenilleton. Aller guten Dinge. Nooellette von Conr. Tel mann. (Schluß.) Ewald führte seinen Vorsatz, ohne einen Augenblick wankend zu werden, aus. Er wunderte sich selber darüber, daß er während der nächsten zwei Tage keine Minute lang in Versuchung gerieth, Tilly aufzusuchen, ja, er war nicht einmal besonders gespannt oder neugierig aus die Entscheidung, die sie treffen würde, und ertappte sich sogar einmal über dem Gedanken, daß er, selbst wenn sie Herrn v. Osten eine Absage zu Theil werden ließ, sich doch die Sache sehr reiflich werde überlegen müssen, ob er wirklich seine Werbung um sie fortsetzen solle. Und als ihm das einigermaßen beschämend vorkam, rechtfertigte er seine Bedenken vor sich selber damit, daß ein Mädchen, welches auch nur vorübergehend auf die Idee gerathen könne, einem Herrn von Osten ihre Hand zu reichen, welches eine solche Möglichkeit auch nur erwäge, dadurch schon von vornherein sich der Liebe und Werbung eines Mannes, wie er, unwürdig, total unwürdig gemacht habe. Und dann sah er mit ruhiger Heiterkeit der Entscheidung entgegen. Am Abend des zweiten Tages nach seinem Besuche bei Martha erhielt er von dieser ein Billet mit den Zeilen: „Tilly Molinaro theilt mir soeben mit, daß sie Herrn von Osten ihre Zusage geschickt habe. Morgen wird die Verlobung im „Tageblatt" publicirt. Ich beeile mich deßhalb, Dich vorzubereiten. Armer Ewald! Deine Taetik war doch nicht die rechte. Martha." Der „arme Ewald", der diese Zeilen las, ließ einen langgedehnten Pfiff hören und machte ein Gesicht, das keineswegs Verzweiflung, sondern eher Erleichterung ausdrückte und jedenfalls als eine Versinnbildlichung der Empfindung erschien: „Fahr hin' Es ist auch am besten so." Dann zog er seinen Ueberrock an und ging zu Martha. „Du willst Dir wohl Trost bei mir holen?" fragte ihn diese, als er mit merkwürdig feierlicher Miene bei ihr eintrat. Aber ich habe wirklich keinen für Dich. Du hast es ja verschmäht, zu kämpfen. Nun trage Deine Niederlage?" „Ich fühle mich merkwürdig wenig trostbedürstig und merlwürdig wenig niedergeschmettert," versicherte Ewald mit einer Art von Humor, den sie noch gar nicht an ihm kannte. Ich schwöre Dir zu, daß ich Tilly Herrn von Osten und hr ihn gönne und daß gar keine Bitterkeit in meinem Herzen zurückgeblieben ist, sondern nur die Ueberzeugung darin wohnt, daß ich ein ungeheuerlich großer Narr gewesen bin." Und dabei sah er sie; sich behaglich in seinen Sessel zurücklehnend, unverwandt an mit einem Lächeln, das ihr das Blut in die Schläfe hinauftrieb. „Das ist das Stadium der Selbstverhöhnung," sagte sie, „das einer schweren Enttäuschung zu folgen pflegt." „Nein," erwiderte er, „das jede Selbsterkenntniß vorbereitet. Es wird sich nun also nur noch fragen, Martha, ob Du einen so completten Narren würdig befinden willst —" 1 „Um Gotteswillen!" unterbrach sie ihn ausspringend, „doch keine Liebeserklärung? Mir? Und jetzt? Ich flehe Dich an!" „Aller guten Dinge sind drei," versetzte er mit ungerührter Festigkeit. „Wenn Du aber willst, kann ich ja mit meiner Erklärung auch noch warten. Kommen muß sie, das siehst Du doch wohl selber ein. Und wenn sie Dir jetzt noch zu verfrüht, zu compromittirend erscheint —" „Nein, sie muß durchaus nicht kommen," fiel Martha trotzig ein und warf den Kopf auf. „Ich danke dafür, als Nothbehels zu fungiren. Du willst natürlich nur Deine Blamage bei Tilly hinter einer Verlobung verdecken und zugleich Anny Tandler beweisen, daß —" „Hm," machte Ewald Warner, „dieser Verdacht liegt eigentlich nahe, das heißt, er läge nahe bei einer minder feinfühligen und edelsinnigen Dame, wie Du es bist, Martha. Und ich will auch gar nicht ganz in Abrede stellen, daß ich es verdient hätte, jetzt von Dir mit Schimpf und Spott davongejagt zu werden um meiner unglaublichen, ungeheuerlichen Dummheit willen und weil ich viel zu spät gekommen bin. Aber aus der anderen Seite kann ich von einem so klugen und verständigen Mädchen wie Du —" „Das Schmeicheln wird Dir wenig Helsen, lieber Ewald?" „Soll es auch gar nicht. Ist die einfache, nackte Wahrheit. Also: von solch einem Mädchen kann ich nicht annehmen, daß sie blos aus Stolz und Trotz und beleidigtem Ehrgefühl nun einen Mann abweisen sollte, der ihr eine ernste und ehrliche Herzensneigung entgegenbringt, wenn sie im Uebrigen hiervon überzeugt ist und an ein Glück für sich und ihn glauben könnte. Das wäre denn doch zu „romanhaft" gehandelt für solch ein Mädchen und sähe ihr^gar nicht ähnlich. Es kommt also wohl nur daraus an, ob sie hiervon überzeugt ist und hieran glaubt." Er hatte mit einer gewissen, überlegenen Ruhe gesprochen, vor der sie, es wollend oder nicht, den Kopf hatte senken müssen. Ueberhaupt schienen sie beide ihre Rollen getauscht zu haben und mit ihm war eine seltsame Veränderung vorgegangen. Er nahm ihr die Worte, mit berrtn sie ihn hätte demüthigen können, von den Lippen fort, ohne sich im Geringsten zu schonen, und gewann durch dies offene Spiel ihr einen nicht wieder einzubringenden Vorsprung ab. „Du bist Dir wenigstens über Dich selber nicht im Unklaren," murmelte sie ausweichend, ohne auf seine Worte eigentlich einzugehen. „Nein, gar nicht," versetzte er. „Es gibt im Grunde kein epitheton ornans, — schmückendes Beiwort, mein ich — das für mich zu drastisch wäre, und ich gestatte Dir hierdurch, mir jedes nach Verdienst zu Theil werden zu lassen. Ich war thöricht genug, mich zuerst zu entschließen, überhaupt zu heirathen und mir dann eine passende Frau zu diesem Zwecke zu suchen — wobei ich natürlich an zwei ganz unpassende gerieth — statt daß ich durch meine Neigung zu irgend einem weiblichen Wesen mich hätte naturgemäß erst auf die Idee, ja, aus die Notwendigkeit führen lassen müssen, eben dieses und nur dieses zu heirathen oder gar keins. Da lag der Cardinalfehler; die Prämisse fehlte und also war das Facit unlogisch. Und wenn ich nicht viel zu lange überhaupt mich als Junggeselle eingewöhnt hätte —" „Und mich viel zu oft verliebt hätte," fiel Martha ein. Er aber vollendete ruhig: „So hätte ich längst darüber klar sein müssen, daß ich Dich lieb hatte, Martha, daß Du unweigerlich zu meinem Leben gehörtest und daß ich in Dir alles fand, was ich bei einem weiblichen Wesen an meiner Seite überhaupt suchte. Ich war zu bequem geworden, zu verwöhnt, Martha. Ich wollte es noch besser haben und hätte doch wissen sollen, daß es Besseres für mich aus der Welt überhaupt nicht geben konnte. Wenn Du mich also lieb hast, Martha, wenn Du es mit mir versuchen möchtest — trotz aller meiner Fehler — weil doch aller guten Dinge drei sind, Martha, und nun sicherlich, ganz sicherlich kein weiterer Jrrthum meinerseits —" Er hatte ihr die beiden Hände hingestreckt und sie ließ die ihren von ihm ergreifen und halten. Immer noch die Stirn gesenkt haltend, sagte sie, während er sie leise an sich zog, verschämt: „Ich muß Dir etwas bekennen, Ewald, aber eigentlich ists schrecklich. Du hast mich neulich gefragt, warum ich nicht geheirathet habe. Weißt Du, warum? Weil ich auf Dich gewartet habe, eitler, thörichter, verblendeter Mensch? Und deßhalb eine alte Jungfer geworden!" „Und wirst nun meine junge, herrliche, geliebte Frau!" rief er jubelnd und sie lag in seinen Armen. * Marburg, 24. April. Das Hauptcomite für den am 11.z 12. und 13. Juli hierfelbst stattfindendeu achten Verbandstag der kurhesfischen Feuerwehren hielt gestern Abend unter dem Vorsitze des Herrn Bürgerausschuß- Vorstehers Siebert eine Sitzung im Restaurant Dörr ab. Die Verhandlungen desselben erstreckten sich in erster Linie aus die Feststellung der den Einzel- oder Untercomites zuzuweisenden Aufgaben. Auch wurde von dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Herrn L. Müller, bereits ein Plan des Festplatzes unterbreitet. Für letzteren ist nunmehr der Kämps- rasen nebst der auf demselben stehenden Exercierhalle, welche beide von dem Commando des hiesigen Jägerbataillons in entgegenkommenster Weise zur Verfügung gestellt wurden, vorgesehen und wird der Umfang desselben (120 Meter lang und 80 Meter breit) etwa den Größenverhältniffen des 1889er Sängerfestplatzes entsprechen. Die Exercierhalle wird theils zu Ausstellungszwecken, theils zur Abhaltung des Verbandstags in derselben eingerichtet werden. Platz und Halle werden electrisch beleuchtet. * Berlin, 24. April. In den weiten Sälen der Internationalen Kunst-Ausstellung am Lehrter Bahnhof hierfelbst herrscht das regste Leben. Die Delegirten der verschiedenen Nationen wetteifern, ihre Kunstfchätze fo schnell als möglich zu ordnen und zu placiren. Die Kunstgenossenschaften von Karlsruhe und Weimar haben ihre Anordnungen nahezu vollendet, ebenso Belgien und Italien. In dem großen internationalen Mittelsaale placiren die Pariser Amerikaner eine hervorragende Collection ihrer besten Werke. Die spanischen Bilder, zum Theil sehr großen Formats, machen einige Schwierigkeiten- hier werden auch noch verschtedene Werke, besonders von Barcelona, erwartet. Die englischen Kunstschätze werden gerade den Kisten entnommen und eingeretht. Die ungarischen Delegirten trafen ein, um ihre Abteilungen zu ordnen. Ueberall, wohin man blickt, herrscht fieberhafte Thätigkeit- bis spät in die Nacht wird gearbeitet, um die letzte Hand an die Jnnendecorationen zu legen, Gerüste zu entfernen rc. Die Berliner Jury ist sozusagen fertig mit ihrem Urtheilsspruch. Entgegen manchen Nachrichten jet erwähnt, daß der für die Berliner Künstler fpeciell reservirte Raum vollkommen für die von der Jury angenommenen Werke ausreicht. Eine gute Neuerung ist beim Eingang von der Stadtbahn geschaffen- derselbe wird reich decorirt und mit einer Bedachung versehen, sodaß die an die dortige Kasse Herantretenden vor den Unbilden des Wetters geschützt Md. Von der Stadtbahn kann man gleich in den großen Berliner Ausstellungssaal des Hauptgebäudes gelangen. Auch hier sind die Eingänge monumental ausgeführt. * Welche staunenswerthe Rüstigkeit den Grafen Moltte noch kurz vor feinem Tode auszeichnete, davon hat derselbe am 18. April in Berlin wieder eine bezeichnende Probe abgelegt Nachdem die Weihe und Nagelung der neuen Feldzeichen in der Bildergalerie vollzogen, stand der Einundneunzigjährige länger als eine Stunde unten im Lustgarten, um im Gefolge des Kaisers der Parade beizuwohnen- um 3/43 Uhr erschien der rüstige Greis wieder in voller Galauniform bei der Grundsteinlegung der Lutherkirche, um derselben ebenfalls stehenden Fußes bis nach der gegen 4 Uhr erfolgten Beendigung der Feier beizuwohnen, und schon um 5 Uhr saß Graf Moltke wieder an der Tafel im Weißen Saale des königlichen Schlosses, dort dem Festdiner beiwohnend. Während jüngere Militärs den Mantel angelegt, stand der greise Marschall während der Feier der Grundsteinlegung trotz des kalten, feuchten Wetters ohne Mantel da, als ob Grippe und Influenza, mit welchen so viele andere Menschen geplagt sind, für ihn nicht vorhanden feien. Das ganze Aussehen Moltkes zeugte vom besten Wohlbefinden. * Ein Mann in Stockach kaufte von feinem Schwager, der ein Schmied ist, das ganze Anwesen um 18,OOO Mk. Der Verkäufer machte die Bedingung, daß er sich alles Vorbehalte, was er im Schlafzimmer an Fahrnissen unterbringen könne. Und was brachte er unter ? Sämmrliche Schmiedwerkzeuge, Bohrmaschinen, Ambos, Speck, Schinken, Rauchfleisch und 5 Stück Vieh. — Der Stall war völlig entleert. Nun gibt's einen Prozeß. Die fatalen Fremdwörter. Zu welchen comischen Intermezzos häufig die Sucht, die in der deutschen Sprache eingebürgerten Fremdwörter mit aller Gewalt auszumerzen, führt, das hat ein Zwischenfall bewiesen, der dieser Tage in einer Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses sich ereignete. Dort hatte der Abgeordnete Bohtz den Antrag gestellt, bei dem in Berathung befindlichen § 80 der Landgemeindeordnung das Wort „absolute" in „unbedingte" umzuwandetn. Und dabei ereignete sich nun folgende Scene: - „Um das Wort habe ich gebeten", sagte der Abgeordnete, „weil ich mir auf Nr. 252 der Drucksachen unter Nr. 4 den Antrag zu stellen erlaubt habe, in § 80 das Wort „absolute" vor Stimmenmehrheit umzuwandeln in „unbedingte". Das klingt vielleicht lächerlich, aber wir sind bestrebt, da wo es irgend geht, Fremdwörter zu eliminiren. (Ruse: Eliminiren!) (Heiterkeit.) Dieser Lapsus, — (Rufe: Lapsus!) (Große Heiterkeit.) der mir eben begegnet ist, beweist nur, wie sehr wir noch gewöhnt sind, mit Fremdwörtern . . . (Ruse: zu operiren!) (Stürmische Heiterkeit.) — Mißbrauch zu treiben, sodaß es wirklich angezeigt ist, da, wo es angängig erscheint, derartige Fremdwörter zu beseitigen. Nun habe ich bei meiner Erfahrung in der Praxis (Heiterkeit.) häufig gefunden, daß bei der Feststellung der Mehrheit bei Wahlen die Gemeindevorsteher in Verlegenheit gerathen. Sie verstehen die Begriffe „absolute" und „relative" Mehrheit nicht auseinander zu halten und ich habe es deshalb für angezeigt gehalten, den Antrag zu stellen, an Stelle des Wortes „absolute" hier das deutsche Wort „unbedingte" zu fetzen. Die Sache hat ja nun hier einen lächerlichen Anstrich genommen, aber sie ist wirklich nicht so lächerlich, wie es scheint. Ich habe es ernst gemeint und möchte Sie bitten, den von mir zu § 80 gestellten Antrag hier schon bei § 60 anzunehmen, woraus dann als Consequenz — (Heiterkeit.) folgt, daß er auch bei § 80 als angenommen gilt." Verkehr, Land- un6 Volkswirthschcrft. — Werth des Setsenwaffers als Düngemittel. Häufig wird das Seifenwasser als gute Dungflüfsigkett empfohlen; sein Werth ist jedoch ein geringer, denn es enthält der Hauptsache nach nur einen Pflanzennährstoff, das Kalt, welches nur in den wenigsten, den leichten Bodenarten mangelt, in Gartenboden, namentlich wenn dieselben thonhaltig sind, aber kaum fehlt. Außerdem wird durch Setfenwasser durch zu concentrirtc Verwendung für Blumen und Gemüse oft großer Schaden angerichtet. Steht es in großer Menge zur Verfügung, so sammele man es in Bassins und bringe es im Herbst aufs Land. Für Zimmerblumen darf es nicht verwendet werden. Lplelplan der vereinigten Frankfurter Ltadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 29. April: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Faust (I. Theil). Außer Abonnement. Donnerstag den 30. April: Der Prophet. Gewöhnliche Preise. Freitag dm 1. Mai geschlossen. Samstag den 2. Mai: Oberon. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 3. Mat: Lohengrin. Große Preise. Montag den 4. Mai geschlossen. Dienstag den 5. Mai: Lucrezia Borgia. Hierauf: Schmetterltngsjagd. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus. Mittwoch den 29. April geschlossen. Donnerstag den 30. April: Abonnements-Vorstellung für den ausgefallenen Mittwoch: Der Huttenbesitzer. Gewöhnliche Preise. Freitag den 1. Mai: Die gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Gewöhnliche Preise. Samstag den 2. Mai: Neu einstudirt: Der Probepfeil. (Hortense von Walnack: Fräulein Malten vom Stadltheater in Hamburg als Gast.) Gewöhnliche Preise. Sonntag den 3. Mai, Nachmittags 3»/2 Uhr: Die gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Außer Abonnement. Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Der Probepf eil. (Hortense von Walnack: Fräulein Malten vom Stadt-Theater in Hamburg.als Gast.) Gewöhnliche Preise. _____ Mittwoch den 29. April, ' Einziges wirksames Mittel H* Nachmittags 2 Uhr, 4041 unzweifelhaft! H selbst in den schlimmsten Fällen. I Heilmittel. J, Ferlach bei, München. riirlh und l Nürnberg Megenschirme Die in ganz Deutschland so schnell 54176 beliebt gewordene [3537 k®L Fangmann, Bahnhofstr. 29. a@n JerMifchte Anzeigen bald zu beziehen. Rittergasse 11. 2044] Wohnung, 4 Zimmer mit Ca- MftltOlTtltt tUttt JÜttfftt binet, Wasserleitung und Zubehör, per rJr^n ftV/n77 sofort an ruhige Leute zu vermiethen. : ^Erden gekauft Neuenweg 63. [400.> Patent-Ludowici-Falzziegel kochen kann, gesucht. 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