1891 Nr. 147 Sonntag den 28, Juni Zweites Blatt Amts- und Anzeigeblntt für den Ttveis Giefzen Hralisöeikage: Gießener Iamckienökätter daß Übersicht wird hiermit als richtig bescheinigt und unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, treue zbirren unu um vihui «« ........ „ Patrioten und hochverdienten Lehrer der Jugend in * die von Erhebung der Umlagen in vier Zielen, und den Angehörigen der ev. Kirche pro 1 Mk. £#xt Gießener jeemttienSrdHcr »erben dem Anzeiger --Schentlich dreimal httgefcgt Der Arteten« >njeig Ausnahme deS Mantaqs dieser langen Zeit ausging und ihm ihre Liebe und Anhänglichkeit zu beweisen. Mit Fahnen, Guirlanden und Kränzen prangte das Dorf und Schulhaus im schönsten Festesschmuck. An allen Straßeneingängen waren Ehrenpforten gebaut und begrüßten mit einem herzlichen „Willkommen" die Festgäste, die zum Theil aus weiter Ferne (New- York, München, Leipzig, Stuttgart, Mainz, Gießen rc.) und in großer Rabl erschienen waren. Schon am Vorabende des Festes bewegte sich ein stattlicher Fackelzug durch die Straßen des Dorfes zum Schulhause, wo der Gesangverein einige schöne Gesänge vortrug, darunter ein eigens zu diesem Zwecke auf den Jubilar gedichtetes Lied. Der Dirigent des Vereins hielt hierauf in echt collegialtscher Gesinnung eine warm empfundene Ansprache, in welcher der Dank und die Anhänglichkeit des Vereins, dessen Gründer und langjähriger Dirigent der Jubilar gewesen, zum schönen Ausdruck kam. Ebenso schön und herzlich für die erwiesene Ehre war der Dank des Gefeierten, der diesen Abend zum ersten Male ferne Brust mit dem silbernen Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmuth gen geschmückt hatte, mit dem er bereits im vorigen Jahre von Seiner Königlichen Hoheit ausgezeichnet wurde. Der Festtag selbst wurde früh Morgens mit allen Glocken etngeläuter. Nachdem außer einer großen Anzahl von Geistlichen, Lehrern und anderen Feftgästen die Vertreter der höchsten Behörden erschienen waren, wurde der Jubilar mit seiner Familie von Herrn Pfarrer Schmidt, der an der Spitze eines imposanten Festzuges ging, durch eine herzliche Ansprache zur ........................... ■ .....- • —'•'•'■•T* Alle Nnnoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Innabm* »on Anzeigen zu der Nachmittags für dm Lag erscheinenden 9himmtr bis Bonn. 10 Uhr. ^ierttstähriger ^donnementsPreu- 2 Mark 20 Pfg. «i Bring,Nohn. Durch bir Post bezo^ 2 Mark 50 Pfg Nedactton, Expedit'», und Druckerei. -chntstratze yt.> Fernsprecher 51 Das fünfzigjährige Dienstjubiläum des Lehrers Loos in Södel. „Was ist in Södel heute — Loos?" — „Ein Hockgeehrter Lehrer!" Es huldigt Alles, Klein und Groß Dem treu erprobten Führer. Wem drücken heute warm die Hand Diel Freunde und Kollegen? Im ganzen Lande ist bekannt: Herrn Loos gilt dieser Segen. (Göckel, Lehrer in Rodheim.) schön geschmückten Kirche abgeholt. Dieselbe konnte die Zahl der Festtheilnehmer kaum fassen. Nach dem Eingangsliede: „Dir, Dir, Jehovah", einem Lteblingschoral des Jubilars, versah der OrtS- geistliche den Altardienst, worauf der Gesangverein eine schöne Motette (Halleluja) der andächtig lauschenden Gemeinde in erhebender Weise zu Gehör brachte. Der Geistliche hielt dann nach dem Haupt- Itebe (Lobe den Herren) eine schöne, inhaltsreiche Festpredtgt, die er zum Lehrer fest" anknüpfte an ein Lehrer wort, das Wort des großen Menschheitslehrers Paulus Röm. 11, 33—36. Ausgehend von dem Worte: „Dies ist der Tag, den Gott gemacht rc." wies die Predigt darauf hin, daß dieser Tag ein seltenes Fest bringe für den Lehrer, die Familie, die Collegen und vielen Freunde des Gefeierten, dadurch besonders so selten, daß er seine 50 Jahre an einem und demselben Orte gewirkt habe. „Ehre, dem Ehre gebührt, auch dem Men chen!" Aber vor Allem: „Ihm fei Ehre in Ewigkeit!" Denn 1) von ihm, dem Urquell aller Kraft, kommt auch die Stärke und Freudigkeit in dem schweren Lehrerberuf, 2) durch ihn kommt der Segen und das Gelingen, allen Anforderungen zu genügen und 3) zu ihm die Seelen der Jugend zu führen ist die Hauptaufgabe der Lehrerthättgkeit." Es wurde in dieser schönen Predigt insbesondere noch daran erinnert, daß der Gefeierte aus einer echten, deutschen Lebrersfamilie hervorgegangen sei, daß sein Großvater ebenfalls in Södel sein 50jähriges Lehrerjubiläum gefeiert habe — sein Vater feierte dasselbe in Wallertheim —, daß die Lehrertugenden des Großvaters, die in der Ortschronik nach einem Anerkennungsschreiben Uebersicht der für das Etatsjahr 1891/92 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Landgemeinden des Kreises Gießen. ichener Anzeiger Keneral-Anz^ger. Fürwahr ein hochgeehrter Lehrer ist es, dem dieses Gedichtchen zu seinem 50jährigen Jubelfeste gewidmet wurde. Am 11. Juni d. I. waren es 50 Jahre, daß Herr Loos iu Sodel in den Schuldienst eingewiesen wurde und seine Kraft ununterbrochen dem Schuldienste an dieser Gemeinde gewidmet hatte. Es sind nur noch ganz wenige Bewohner des Ortes am Leben, die nicht zu feineniSchülern zählen. Da war es recht und schön, daß Behörden und Gemeinde, Freunde und Bekannte des in weiten Kreisen Oberhessens und darüber hinaus allgemein beliebten Mannes mit einander wetteiferten das treue Wirken und den Segen zu feiern, der von dem „bewahrten zwar in ben^onS6 sinf älusufb"Cctöbw "unb"©ecemb°er 1891 stattfinden soll. - An allgemeiner evangelischer Kirchensteuer werden Steucrkapital 1,6 Psg. Publikation vorstehender Uebersicht im Großherzogl. Regierungsblatt am 23. l. M. erfolgt ist und daß von diesem Tage an die Frist zum Vorbringen von Reclamationen, welche gegen die Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind, läuft. Gießen, 24. Juni 1891. Grohhcrzoglichcs Krcisamt Giehcn. v. G a g e r n. __________________________________________ u E Namen — Umlagen auf das gesammte Communalfteuerkapital — Sonstia e Ausschläge. E Namen Umlagen auf das gesammte Communalfteuerkapital Sonstige Ausschläge. E der Ortseinwohner s der Ortseinwohner 3 und Forensen. ? der Gemeinden. und Forensen. Ordnungs- Der Gemeinden. Ausschlag. Beitrag auf 1 Mk. Normal- Steuer- 5} Ausschlag. Beitrag auf 1 Mk. Normal- Steuer- OQ *s' Bezeichnung der Art des Ausschlags und der Repartitionsnorm. ctf» <53 s -2 e JQ Q Ausschlag. Beitrag auf 1 Mk. Normal- Steuer- Ä Ausschlag. Beitrag auf 1 Mk. Normal- Steuer- 5} .d 1X3- Bezeichnung der Art des Ausschlags und der Repartitionsnorm. kapital. © kapital. © kapital. © kapital. © 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Albach..... Allendorf a. d. Lahn Allendorf a.d. Lumda Allertshausen . . . Alten-Buseck . . . Annerod .... Bellersheim . . . Bergheim (Feld- gemarkung) . . . Beltershain . . . JL 1500 5280 5500 2550 6300 3000 8600 2740 4 15,134 36,904 15,877 59,268 18,639 24,721 28,170 37,342 4 4 4 4 4 4 4 4 a. 920 b. 428 270 600 215 3,985 1,699 1,494 22,945 2,930 4 4 4 4 4 Auf das Grundstcuerkapital. Auf das Steuerkapital d. Eoang. Auf das Steuerkapital d. Evang. Auf das Grundsteuerkapital. Auf das Steuerkapital der immersteuerbaren Objecte. 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 Lindenstruth . . . Lollar ..... Londorf..... Lumda..... Mainzlar .... Münster .... Muschenheim . . . Nieder-Bessingen. . Nonnenroth . . . Obbornhofen . . . Ober-Bessingen . . Ober-Hörgern . . 2160 8000 8600 3340 1200 3000 4275 2500 1600 5000 2615 2800 39,206 17,064 35,061 33,681 8,054 32,403 21,928 20,773 17,949 21,776 20,100 15,123 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 611 100 430 1121 95 830 16,694 12,456 4,350 7,261 1,418 5,440 4 4 4 4 4 4 Wie Ordn.-Nr. 8. Desgl. Wie Ordn.-Nr. 9. Desgl. Wie Ordn.-Nr. 8. Wie Ordn.-Nr. 9. 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 Bersrod. . . Bettenhausen . Beuern . . . Birklar . . . Burkhardsfelden Climbach . . Daubrtngen . Dorf-Gill . . Eberstadt . . Ettingshausen. Feldheim (Feld- gemarkung). Garbenteich . Geilshausen . Göbelnrod. . Großen-Buseck Großen-Linden Grünberg . . Grüningen. . • . 2000 5600 5700 6000 1000 3025 5400 3200 3000 3500 3800 2200 11500 15400 20335 5000 12,370 22,595 32,323 46,991 28,950 37,551 50,760 14,220 15,924 28,748 32,191 37,482 23,985 22,721 21,292 23,066 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 1110 816 1060 600 235 350 1505 1838 7,205 6,622 21,710 4,968 4,385 0,800 1,603 8,748 4 4 4 4 4 4 4 4 Keine Umlagen. Wie Ord.-Nr. 9. Desgl. Wie Ordn.-Nr. 8. Wie Ordn.-Nr. 9. Wie Ordn.-Nr. 9. Desgl. Desgl. Desgl. 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 Ober-Steinberg . . Odenhausen . . . Oppenrod .... Queckborn .... Rabertshausen . . Reinhardshain . . Reiskirchen . . . Rodheim .... Rödgen..... Röthges .... Rüddingshausen. . Ruttershausen . . Saasen..... Stangenrod . . . Staufenberg . . . Steinbach .... Steinheim .... 2000 2000 5200 2400 4000 4400 3600 6400 2800 6500 4700 2600 3800 580 29,177 28,044 27,658 33,951 39,876 26,888 33,103 50,749 37,632 45,997 47,730 42,181 15,496 3,622 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 491 60 a. 170 b. 557 a.1434 b. 834 34,724 0,875 1,755 6,847 9,010 6,019 4 4 4 4 4 4 Wie Ordn.-Nr. 8. 3jähriger Voranschlag, 1/a aus 1473 JL Wie Ordn.-Nr. 9. Keine Umlagen. Wie Ordn.-Nr. 9. Wie Ordn.-Nr. 8. Keine Umlagen. Wie Ordn.-Nr. 9. Auf das Steuerkapital der 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 Harbach. . . Hattenrod . . Hausen . . . Heuchelheim . Holzheim . . Hungen . . . Inheiden . . Kesselbach . . Klein-Linden . Langd . . . Lang-Göns Langsdorf Lauter . . . Leihgestern. . Lich . . . - • . 3300 700 3300 14000 7500 15200 4800 3325 7800 3600 12800 1580 4000 8000 20155 31,748 7,263 36,906 35,379 24,210 21,046 36,478 32,292 45,564 16,892 22.757 3,875 33,762 21,574 19,478 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 100 300 164 274 1155 616 1420 0,401 2,989 0,981 1,399 2,090 1,865 1,518 4 4 4 4 4 4 4 Desgl. Wie Ordn.-Nr. 8. Wie Ordn.-Nr. 9. Desgl. Desgl. Desgl. Desgl. 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 Stockhausen . . . Trais-Horloff. . . Treis a. d. Lumda . Trohe ..... Utphe..... Villingen .... Watzenborn mit Steinberg . . . Weickartshain. . . Weitershain . . . Wieseck..... Winnerod . . . . 1800 4970 1000 1400 4700 12800 2350 4850 18000 1027 38,980 28,850 39,328 7,807 21,164 45,637 34,558 43,126 35,791 20,893 4 4 4 4 4 4 4 4 4 4 412 1050 195 2,493 6,344 0,731 4 4 4 Kirchspielsgemeinde Rodheim. Wie Ordn.-Nr. 9. Wird später bekannt gemacht. Wie Ordn.-Nr. 9. Desgl. 3jäbriger Voranschlag, 7s aus 3080 JL der damaligen Oberschulbehörde einzeln heroorgehoben sind, in reichem Matze auf Sohn und Enkel übergegangen seien und daß der Jubilar sein warmes Herz für die Ktnderwelt, seinen echt deutschen Sinn und sein tief religiöses Gemülh aus dem Schoße einer tüchtigen Lehrerfamilie empfangen und sich bis zu seinem hohen Alter in einem vorzüglichen Grade bewahrt habe rc. rc. Nach Schluß der Predigt überbrachte Herr Regierungsrath Dr. Braden von Friedberg die Glückwünsche der obersten Schulbehörde, der Großh. Kreisschulcsmmission, sowie seine persönlichen Wünsche, indem er in beredten Worten sowohl die patriotische Haltung des echt deutschen Mannes, den auch die Stürme von 1848 nicht wankend machten, als auch die vorzüglichen Leistungen und das treue Wirken des tüchtigen Lehrers in und außer der Schule rühmend anerkannte, wie dies ja auch bereits im vorigen Jahre durch die seltene Auszeichnung von Sr. Königlichen Hoheit anerkannt worden sei. Herr Decan Hainer von Hungen verlas das Anerkennungsschreiben der obersten Ktrchenbehörde, in welchem des Jubilars vielseitigen Wirkens, seiner Verdienste um den Religionsunterricht und Ktrchengesang ehrend gedacht wurde. Der hochwürdige Herr Prälat Dr. Habicht war bereits Sonntags vorher in der Wohnung des Jubilars erschienen, um persönlich zu gratuliren. Herr Decan Meyer von Friedberg sprach im Namen des Vereins für Erziehung verwahrloster Kinder seinen Dank dafür aus, daß unter der Fürsorge des Jubilars die in Södel untergebrachten Kinder stets diejenige besondere Liebe und Aufmerksamkeit erfahren haben, deren gerade sie am allermeisten bedürfen. Ferner dankte er auch im Namen des Vorstandes der Gustav-Adolf-Stiftung für sein treues Wirken im Geiste dieses Vereins, dem es wohl zu verdanken sei, daß die Gemeinde Södel stets gerne bereit sei, den Verein festlich bei sich aufzunehmen. Herr Lehrer Zang von Friedberg gratulirte im Namen der Lehrer des Kreises und Herr Pfarrer Schmidt verlas ein Schreiben des hohen Protectors Sr. Durchlaucht des Fürsten von Lich und sprach in herzlichen Worten den Dank des Kirchen- und Schulvorstandes der Gemeinde aus. indem er denselben durch Ueber- reichung einer Prachtbibel besiegelte. Sichtlich gerührt sprach der Jubilar nach allen Seiten hin seinen Dank aus für so viel Anerkennung und Liebe, während er nur gethan habe, was Pflicht und Schuldigkeit von ihm forderten, und versprach, in gleicher Weise weiter zu wirken, bis er von einer höheren Hand von seinem Arbeitsfelde abgeführt werde. Nach beendigtem Gottesdienste wurden im Schulhofe sehr zahlreiche und werthoolle Geschenke übergeben. Statt vielen anderen wollen wir hier nur ein prächtiges Sopha und einen Secretär von der dankbaren Gemeinde erwähnen, die dem Jubilar auch das Ehrenbürgerrecht verlieh. Von dem Gesang- und Kriegeroerein wurde er durch Ueberreichung künstlerisch ausgeführter Diplome zum Ehrenmitglied ernannt. Fünf frühere Schüler hatten aus Amöneburg eine von ihnen selbst künstlerisch ausgeführte Gedenktafel in prachtvollem Rahmen übersandt, sechs Soldaten aus Gießen, ebenfalls Schüler, ließen durch einen der ihren ihre Photographie überreichen, die Schulkinder schenkten Moltkes großes Bild und Lehrer Freund aus Hähn- lein hatte den in graphisch schöner Darstellung ausgeführten Stammbaum der Familie Loos übersandt rc. rc. Um 1 Uhr begann bei Wirth Schneider das Festessen. Ueber 200 Personen nahmen daran Thetl und bekamen, da die Liebenswürdigkeit mancher Festgäste die fehlenden Kellner ersetzte, bei heiterer Musik mit einiger Geduld auch etwas in den Magen. Die Reihe der Toaste eröffnete Herr Regierungsrath Dr. Braden mit einem kräftigen Hoch auf Kaiser und Großherzog, die hohen Beschützer und Förderer der Schule. Die große Versammlung stimmte begeistert ein und sang stehend die Nationalhymne „Heil unferm Fürsten, Heil rc." Herr Schulrath Schmidt feierte in liebenswürdig humoristischer Weise den Jubilar, indem er ihm durch Ueberreichung eines prachtvollen silbernen Bechers Gruß und Glückwunsch der Kretslehrer- conferenz Friedberg überbrachte. Anknüpfend an das Wort: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden", wies Herr Decan Hainer darauf hin, daß der Mensch auch nicht vermengen solle, was Gott nebeneinander gestellt habe, und feierte das friedliche Zusammenwirken von Kirche und Schule, wie es in besonders segensreicher Weise in dem Zusammenwirken des Pfarrers und der Lehrer dieser Gemeinde verkörpert sei. Sein Hoch galt der Familie des Jubilars. Herr Landtagsabgeordneter Weith von Nieder- Wöllstadt feierte in schönen Worten den weithin bekannten und beliebten „Vater Loos". Herr Missionsdirector Zinßer aus Leipzig erhob sein Glas, in überaus launiger und überaus ergötzlicher Weise auf das schöne Verhältniß der beiden Lehrer untereinander, das sich bereits am Vorabend des Festes in so erfreulicher Weise kund gethan habe. Er brachte sein Hoch den Enkeln des Jubilars. Der Sohn des Gefeierten, Herr Pfarrer Loos von Butzbach, feierte in warmen, bewegten Worten die Heimatb, insbesondere die liebe Heimaths- gemeinde. Der Jubilar selbst dankte nochmals und brachte sein Hoch dem Deutschen Vaterland, worauf auf Vorschlag des Herrn Regierungsrathes stehend „Deutschland, Deutschland über Alles" von der ganzen Versammlung gesungen wurde. Von den vielen anderen Ansprachen wollen wir nur noch diejenige des Herrn Lehrers Walther von Dorheim erwähnen, der im Namen der Bezirksconferenz Södel zwei Werke von Rosegger überreichte, diejenige des Herrn Pfarrers Schmidt, der im Auftrage Sr. Durchlaucht des Fürsten von Lich einen silbernen Becher übergab, und ein schönes Gedicht des Herrn Lehrers Storch von Butzbach, auf künstlerisch schönem Gedenkblatt geschrieben, in welchem derselbe im Namen der Lehrer von Butzbach gratulirte. Die Zahl der Telegramme und Glückwunschschreiben belief sich auf 227. Drei Depeschen kamen aus New-Aork, andere aus Baltimore, Paris, Stuttgart, München, Augsburg, Ischl, Mainz, Gießen und vielen anderen weit entfernten Orten. Außer den bereits genannten Gedichten erfchlenen noch solche von Lehrer Faber in Steinbach, Grödel in Friedberg, Pfarrer Bernhard in Nieder-Wetsel und eines aus Mainz. Aus Gießen gratulirte der academtfche Verein und viele Privatpersonen. In welch' hohem Maße der Gefeierte durch sein Wirken in der Schule wie im öffentlichen Leben bei gemeinnützigen Unternehmungen der verschiedensten Art sich die Liebe und Achtung auch hochgestellter Persönlichkeiten erworben hat, mögen die folgenden Kundgebungen beweisen, die zugleich ein schönes Zeugniß für ihre Urheber selbst sind. Se. Durchlaucht Graf Oriola aus Büdesheim, der sich auf einer Reise nach Amerika befand, schrieb von Bremen aus an den Jubilar, bedauerte, daß er durch seine Reise verhindert sei, an dem Feste persönlich Theil zu nehmen, und schließt seinen Brief mit den Worten: „Aber ich möchte Ihnen wenigstens schriftlich meine besten und aufrichtigsten Glückwünsche aussprechen und der Hoffnung Raum geben, daß Sie noch einen langen und schönen Lebensabend verleben mögen. In ähnlichem Sinne schrieb auch Freiherr von Löw zu Steinfurth und Se. Durchlaucht der Fürst von Lich. Ein allgemeines Bravo der Versammlung wurde veranlaßt durch das hoch auszeichnende Telegramm, das aus Berlin gekommen ist und folgenden Wortlaut hatte: „Beste Glückwünsche sendet dem bewährten Patrioten und hochverdienten Lehrer der Jugend Miquel, Staatsminister." Ehre, dem Ehre gebührt! Ehre aber auch dem, der in seiner höchsten Stellung das treue Wirken eines bescheidenen, schlichten Mannes nicht übersieht, sondern eS offen anerkennt und zu würdigen weiß. Schließlich möge es noch gestattet sein, die kurze Charakteristik, die ein Gedicht aus Mainz von dem Jubilar entwirft, hierher zu setzen: „Fünfzig Jahre Lehrer, „Fünfzig Jahre Mehrer „Deutschen Geistes und deutscher Art „Und den Glauben gewahrt „Und nicht rechts, nichts links gebeugt, „Stets den rechten Mann gezeigt: Das hielt Seel' und Leib Dir klar! —" Wir hoffen: Noch gar manches Jahr! Schiffsirachrichten. Bremen, 26. Juni. (Per transallantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. Juni von Bremen und am 17. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. verkehr, Land- unö Volkswirtschaft. — Bereitet Obstwein. Das Mißtrauen Vieler gegen den Obstwein dürfte im Wesentlichen auf unangenehmen Erfahrungen bei dem Versuch eigener Obstweinbereitung oder bei dem Bezug von Obstwein aus anderen Gegenden zurückzuführen sein, abgesehen von vielfach vorkommender Unkenntniß desselben. Es sind indeß in den letzten Zeiten die Hilfsmaschinen wesentlich verbessert worden und auch die Wissenschaft hat durch die Erforschung des Wesens der Gährung und der Entwicklung des Weines günstigen Einfluß auf eine sorgfältigere und rationellere Obstweinbereitung gehabt. Eine wesentliche Bedingung zur Erzielung eines guten Obstweines ist die meist zu vermissende Rücksichtnahme auf den richtigen Reifegrad der Früchte und peinliche Sauberkeit, sowie Abhaltung der Luft von der zu pressenden Maische (Troß) und noch mehr von der zu gährenden Flüssigkeit, da sich sonst leicht Essig bildet. Daher ist auch eine möglichst gleichmäßige Temperatur im Gähr- und Kellerraum, 10 bis 15 Grad Celsius nöthig und ein baldiges Abziehen des Obstweines auf Flaschen nach vollendeter Gährung und Klärung des Weines rathsam. Außerdem ist ein Mischen verschiedener Sorten unbedingt nöthig, um einen Obstwein darzustellen, welcher das richtige Gleichgewicht zwischen Aepfelsäure und Alkohol (Zucker) j halt und genügend Gerbsäure besitzt, um haltbar zu sein. Nur ; wenige Sorten, namentlich her Aepfel, haben diese Eigenschaften und oft fehlt Gerbsäure, wodurch dann der Most zähe, blau wird und sich nicht hält. Man hilft sich dadurch, daß man den Saft sehr herber Früchte (sehr herbe Birnen wie Wolfsbirne, bittersüßer Apfel der Normandie, Speierling, Sorbus domestica, Schlehen) zusetzt ober wenn dies fehlt, Tannin etwa 5 bis 6 Gramm auf das Hectoliter, wie auch in Frankreich 50 bis 60 Gramm Catechu. Arbeitsvergebung. Dienstag den 30. l. M., Vormittags 8V3 Uhr, sollen dahier nachstehende Arbeiten und Lieferungen' öffentlich in den Accord gegeben werden: veranschlagt zu Maurer- und Steinhauerarbeiten 1220 Jl. Fuhrlöhne u. Sandlieferung 413 „ Steinsetzen 32 „ Chaussir- u. Pflasterarbeiten 422 „ Erdarbeiten 154 „ Treis a/Lda., 24. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Treis a/Lda. __________Benner.______5858 Mittwoch den 1. Juli, Nachmittags 2 Uhr, werden im Laden des Herrn Elsoffer, Marktstraße 27, eine große Partie Vorhänge am Stück und abgepaßt, ächte Fischbein Sorsetten, Sammt, Plüsch, Seide, Mull und Tarletan zu Kleidern, Perlbesatz, sowie sonstige Besatzartikel, Tisch- und Eommodedecken, Kinderwagendecken. Schleier, Federn, Stickereien, Stickwolle, Waschknöpfe, Gummiband, Litzen u. s. w. versteigert. In Auftrag: 5903]_________Hoffmann. Montag den 29. Juni 1891, Mittags 12 Uhr, -u Gießen in der Louis Flett'schen Hoftaithe daselbst (Wallthorstr.) werde ich 1 frischmelkende Kuh mit Kalb öffentlich gegen Baarzahlung versteigern. Versteigerung voraussichtlich bestimmt. Engel, 5906 Gerichtsvollzieher. Jeilgeöotenes. Philosophenwald. Täglich dreimal frisch gemolkene Milch, sowie Dickmilch. 5585 K5T Jede» Montag, Mittwoch und Freitag: Waffeln. Beste Toiletteseifen und Taschentuchparfüms kauft man in dem [3703 DrogengeschLft von Otto Schaaf. Bringe meine Korb- und Stuhlflechterei in empfehlende Erinnerung. 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