8514 Comite, j [8503 1 mem haft. lnterhaltung Met Stellung Mark. LS, B r»'»' 1 Jang is gelangen zu laffen. )er Vorstao-. terie w Darmstadt schule (B“: ®d,C£- Öä»» Pfänder Zulassung der ^n u Maschinenteil und Württemberg- - e° nDdn L Vorlesungen ^Äirec*. MM L Gefiel J^p^S i WaJ6L. Produlrt®: s« ««■ *5, ;K." 0 8950 89 18.60" 37.60 96.25' 18962 ;29.3o 12» 110 60 56 50 ni.eo Nr. 225 Erstes Blatt. Sonntag den 27. September 1891 - - —.. — — —- ---—— - — ■ ■ —. --— Lrr np^emt täglich, «Ä BuLnahm« btl RoitiogÄ. Vk Meßmer KL«-tte«ßtLir»r «rmtzm dem Anzeiger V^chnttttch dreimal beigdegt Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 8iert4*rflr Besr Bekanntmachung, tetr.: Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschast zur Entwässerung der Fluren XU, XIII und XIV der -r der Großherzogl. Bürgermeisterei Holzheim icher Grundeigenthümer, deren Grundstücke >e Fläche fallen, offenliegen. en diese Grundeigenthümer zur Verhand- das uetirte Ve Mitwoch, 14 in d vorgeladen unter L erscheinenden sowie tragten Unternehme Vertreter einverstand', gegen die Art der werden. Gemarkung Holzheim. Nachdem zur Ausführung einer Entwässerung von Grundstücken in den Fluren XII, XIII XIV der Gemarkung Holzheim Antrag auf Bildung einer öffentlichen Waffergenoffen- schaft gestellt worden ist und die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde als fachliche Centralbehörde das beabsichtigte Unternehmen als zweckmäßig und zulässig erachtet und die Einl-ttung des Verfahrens zur Blldung einer öffent- nossenschaft angeordnet hat, wird hiermit zur ntniß gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu mber bis einschließlich 12. October l. Is. Diejenigen Grundeigenthümer und Waffernutzungs- berechtigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar be- theiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Einsprachen gegen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt würden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht werden können. Gießen, den 25. September 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend den Oberhessischen Obstbauverein. Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird Samstag, 26. September d. I. Abends 8 Uhr zu Albach, Sonntag, 27. „ „ Nachm. 3 „ „ Beuern. „ 27. „ „ Abends 8 „ „ Gr.-Buseck, Montag, 28. „ „ „ 8 „ „ Alt.-Buseck, Dienstag, 29. ,, „ n 8 ,, ,, Rödgen, Mittwoch, 30. „ „ „ 8 „ „ Wieseck Versammlungen abhalten und in denselben über die Obst- Ausstellung in Gießen sprechen. Es werden jedoch aus Anregung der Versammelten auch andere den Obstbau betreffende Fragen zur Verhandlung kommen. Herr M e tz wird außerdem Montag Vormittags zu Alten- Buseck, Dienstag Vormittags zu Trohe, Nachmittags zu Rödgen, Mittwoch Vormittags zu Wieseck in den Baumstücken prac- tische Anleitungen über Baumpflege geben. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und alle Freunde des Obstbaues sind zu diesen Versammlungen und Demonstrationen freundlichst eingeladen. Gießen, den 25. September 1891. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebels Amtmann. Gefunden: 2 Taschentücher, 1 Messer, 1 Sonnenschirm, 1 Hundemaulkorb und 1 Beil. Zugelaufen : 1 kurzhaariger schwarzer Hund, 1 junge graue Katze. Gießen, den 26. September 1891. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. j)ollttsche Wochenschau. Gießen, 26. September. Die Getreidepreise, welche in der vorvergangenen Woche wiederum erheblich in die Höhe gegangen waren, haben diese Tendenz erfreulicher Weise in den letzten Tagen nicht weiter verfolgt, wiewohl auch jetzt noch keine Rede davon sein kann, daß die Preisbildung sich nunmehr definitiv in absteigender Richtung vollziehen werde. Vielmehr muß die Lage des gesammten Weltmarktes in Brotgetreide augenblicklich als eine unentschiedene bezeichnet werden. Aus der einen Seite drängen sich gerade jetzt starke Waarenmassen aus Amerika und die jüngst erfolgten Roggenausfuhren aus Rußland zusammen und übt das derart zu Stande gekommene reiche Angebot einen Druck aus die Preise aus. Andererseits aber verhehlt man sich nicht, daß dieser Getreide- Überfluß nur ein scheinbarer ist und beträchtlich hinter derjenigen Menge an Brodfrucht zurückbleibt, welche sonst während des Verlaufes des ganzen Jahres nach und nach importirt zu werden Pflegt, diesmal aber, soweit wenigstens Rußland in Betracht kommt, wegen des russischen Roggenausfuhrverbotes nicht in gleicher Weise wie seither zugesührt werden konnte, so daß in Wahrheit die gegenwärtig in großem Umfange verfügbaren Roggenbestände mehr noch als sonst für die Nachfrage des ganzen Jahres in Rechnung gezogen werden müssen. Ganz ungewiß ist hierbei aber vorläufig, in welchem Maße das Angebot später hinter der Nachfrage zurückstehen wird. So kommt es, daß man auch jetzt noch kein sicheres Urtheil über die Preisgestaltung der Folgezeit abzugeben vermag. — Eine wichtige Maßnahme har die Regierung mit der Aushebung der Paßzwang- ordnung für Elsaß-Lothringen in den letzten Tagen eintreten lassen. Auch mit dieser Maßregel ist ähnlich, wie mit der Aufhebung des Schweineeinsuhrverbotes, eine heftig umstrittene Angelegenheit aus der Welt geschafft worden. Die Paßzwangordnung wurde bekanntlich am 22. Mai 1888 zum Zwecke einer besseren Controlle über den Character fremder, insonderheit französischer Reisender in Elsaß-Lothringen erlassen, hatte aber mancherlei Schädigungen des Erwerbslebens und andere Unzuträglichkeiten im Gefolge, welche die gute Absicht des Gesetzgebers, die Reichslande Frankreich zu entfremden und mehr an Deutschland heranzuziehen, in ihr gerades Gegentheil verwandelten. In Folge dessen wurde die Sache im deutschen Reichstage wiederholt zur Sprache gebracht und zwar zuletzt, wenn wir nicht irren, am 10. Juni 1890, wo der Abgeordnete Eugen Richter eine bezügliche Interpellation an den Reichskanzler richtNe. Dem freisinnigen Abgeordneten assistirte aus der nationalliberalen Partei der Abgeordnete Petri aus Straßburg, welcher aus Grund einer genauen Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse eine schleunige Aufhebung der Verordnung wünschte. Gleich- Feuilleton. Herbstnebel. Von A. Her. (Schluß.) Der Eingang zum Nebenzimmer war mit einem braunen Borhange verhüllt, gewiß barg sich hinter demselben Wohl- hausens Heiligthum; jeden Augenblick konnte er erscheinen und jedenfalls neigte er zur Eifersucht. Schien es doch dem Eindringling, als richteten die Augen des Bildes sich mit einem Ausdrucke des Hasses aus ihn. „Gestern war mein Geburtstag," sagte sie. Und dann schritt sie geschäftig nach einem Schrank und holte Wein, Gläser und Kuchen hervor. „Nicht wahr, Sie machen mir die Freude und trinken ein Glas Wein?" Und sie sah ihn so holdselig an wie damals, die blauen Augen leuchteten, sie waren noch immer schön, nur so unendlich traurig, es sprach Kummer aus denselben. Er nickte mit dem Kopse und nahm einen Anlauf, um zu sagen: Ihr Herr Gemahl — aber die Worte blieben ihm -in der Kehle stecken. Er ist schuld, daß sie so traurig ist, und er ballte die Faust und ließ sie schwer aus den Tisch fallen. L ,, ,, „ , Sie sah ihn verwundert an und reichte ihm Kuchen. Nebel, Nebel, ganz grau wallte es vor dem Fenster. Er hätte gern nach ihren Kindern gefragt, aber er wußte nicht, ob sie welche habe- er sah keine Bilder, keine Spielsachen, keine Schulbücher, nichts, was auf die Anwesenheit von solchen schließen ließ. Vielleicht hatte sie Sohne, die im Cadettencorps erzogen wurden. Sein Glas war vollgeschenkt, sie hob das ihre, neigte ihm das Gesicht etwas zu und ließ die Kelche zusammen- Hingen. „Ihr Wohl!" Ihre Stimme zitterte. „Aus gute Nachbarschaft- ich wohne nebenan und bin heute eingezogen." _ c „Ah!" Sie erschrack ordentlich und setzte das Glav so heftig aus den Tisch, daß der Wein überfloß. Seine Blicke wanderten wieder zu Wohlhausens Bild. Sie bemerkte es und sagte: „Es ist nicht sehr ähnlich." „Doch, es ist sehr ähnlich," versetzte er mit Heftigkeit. „So hart, streng und herzlos hatte er immer ausgesehen. Wie ist es Ihnen die Zeit über ergangen?" „Damals, als wir uns zum letzten Male sahen, blühten die Rosen und jetzt" — sie schwieg und starrte in den Nebel hinaus. „Es liegt viel zwischen dem Einst und Jetzt." Fast hätte er hinzugefügt: Mein Glück und das Deine. „Sie reisten damals so Plötzlich ab und kamen nicht wieder," meinte sie. „Meine Mutter erkrankte." „Ihre Mutter! Ich wußte nicht, daß es der Grund war," und dann wandte sie sich hastig ab, so daß er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Einige Secunden später bat fie’: „Erzählen Sie mir doch von Ihren Reisen", und sie hielt die Lider gesenkt. Er entsprach diesem Wunsche, er schilderte seine Erlebnisse in fernen Ländern, seine Abenteuer, seine Eindrücke- er malte alles Schöne, das er gesehen hatte, mit lebhaften Farben aus und zum Schluß seufzte er: „Es geht doch nichts über die Heimath! Eine heiße Sehnsucht führte mich zurück, aber ich bin zur Ueberzeugung gekommen, daß ich auch hier das bin, was ich in Zukunft immer sein werde: Einsam und verlassen!" Sein Seufzer fand ein Echo. „Es geht Ihnen wie mir. Oft muß ich weinen, daß ich kein liebes Gesicht um mich sehe, daß sich Niemand in meiner Nähe befindet, der mich versteht, Niemands dem ich mein Herz ausschütten kann, Niemand, der mich tröstet, wenn ich traurig bin. Ich kenne viele gute Menschen, sie kommen und gehen und sind freundlich und wohlwollend, aber im innersten Wesen bleibt man sich fremd und jeder leidet für sich." „Und Ihr Herr Gemahl?" stieß er hervor. _ Sie wurde roth, lehnte im Stuhl zurück und schlotz einige Secunden die Augen. - Er betrachtete sie und bemerkte einzelne weiße Haare, die wie silberne Streifen aus dem goldenen Blond hervorschimmerten. „Ich bin nie verheiratet gewesen," sagte sie leffe, „mein Bräutigam starb wenige Tage vor der Hochzeit infolge eines Sturzes mit dem Pferde." „Wie!" ries er aus. „Einsam und allein lebten Sie hier, ich dort, während wir glücklich hätten sein können!" Er rückte den Stuhl zu ihr heran und ergriff ihre Hand. „Louise! Ich habe Dich geliebt!" In ihren Augen standen Thränen und sie flüsterte: „Wir sind nicht mehr jung!" Sie trauerte um den Frühling, der vorüber war. „Unsere Herzen sind noch jung," versetzte er mit weicher Stimme. Und dann legte er seine Hand auf ihr Haar und sagte: „Weine doch nicht- ich liebe Dich von ganzem Herzen und ich will Dich auf den Händen tragen, daß Du keinen Augenblick in Deinem Leben mehr traurig bist." „Ich möchte Ihnen etwas sagen, aber Sie dürfen mich nicht ansehen." Er wandte den Kopf und blickte in den Nebel hinaus, aber dieser schien ihm nicht mehr so undurchdringlich, denn er vermeinte hinter dem grauen Schleier das Leuchten der Sonne zu erspähen. „Ich bin Dir immer gut gewesen," sagte sie. Bei diesen Worten drehte er sich blitzschnell um, aber er konnte ihre Augen nicht sehen, denn sie hielt sie auf ein Körbchen mit Astern gerichtet, welches vor ihr stand. „Wie Du nun damals so plötzlich abreistest und nicht wiederkamst, ohne daß ich den wahren Grund ahnte, dachte ich, daß ich Dir gleichgiltig sei. Von Anfang an hatten die Eltern die Bewerbungen des andern begünstigt und bestürmten mich, ihn zu erhören." Sie seufzte. „In allen diesen langen Jahren habe ich stets an Dich gedacht," und sie drückte ihr Gesicht in die Astern hinein. „Meine Louise! Mein Liebling!" Der Nebel zerriß, das Licht fluthete durch das Fenster herein, goldene Strahlen zitterten auf dem Fußboden, schienen in ihr Gesicht und warfen einen glänzenden Schimmer über dasselbe. Sie schlug die Augen zu ihm aus und in ihnen spiegelte sich ihre Seele wieder, eine Fülle von Liebe und Hingebung. „Aus Deinen Augen strahlt der Frühllng!" rief er aus und schloß sie in seine Arme. „Geschwunden sind die Nebel, wohl ist es Herbst um uns, aber ein sonniger, GlüL verheißender, gesegneter Herbst!" Wohl konnte sich Herr v. Caprivi aus militärischen und politischen Gründen nicht dazu entschließen, eine völlige Beseitigung der Maßregel zu bewirken. Indessen wurde im Juli 1890 wenigstens die Paßpflicht für den Durchgangsverkehr aus den Eisenbahnen wieder abgeschafft. Am 3. März 1891 wurde sodann plötzlich eine neue Verschärfung der Verordnung mit Rücksicht auf das Treiben der Pariser Chauvinisten anläßlich der Anwesenheit der Kaiserin Friedrich in Paris in Anwendung gebracht. Nach der jüngsten Verfügung fallen vom 1. October an alle Bestimmungen der Paß-Ordnung vom 22. Mai 1888 bis auf diejenigen, welche dem militärischen Interesse dienen und als nothwendig im Reichstag von allen Parteien anerkannt worden sind. Gerade im Augenblicke aber hat die Aushebung einer solchen gegen Frankreich zielenden Maßregel, wie des Paßzwanges, eine über das Interesse Elsaß-Lothringens weit hinausgehende Bedeutung auch für die ganze politische Situation. Unleugbar war man in Europa seit den Kronstädter Verbrüderungsfesten zwischen Russen und Franzosen etwas nervös geworden. Die Dardanellenfrage, die doch auch im Frühjahr bereits ein Mal aufgeworfen worden war, sah man nunmehr mit ganz anderen Augen an, als bis dahin. Selbst die dreiste Erfindung, daß England eine türkische Insel in Besitz genommen habe, fand Gläubige. In sensationellster Weise colportirte man fernerhin die Nachricht, daß ein italienisches Schiff einem französischen nicht die conventionelle Begrüßung hätte zu Theil werden lassen. Dazu kam noch der Scandal vor und während der ersten Aufführungen des „Lohengrin" in Paris. Es war in der That Zeit, daß eine deutliche Kundgebung in friedlichem Sinne den fortgesetzten Beunruhigungen ein Ende machte und die pessimistische Stimmung in politischen Kreisen und der Geschäftswelt einigermaßen verdrängte. — In China haben die Bereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland ein Abkommen geschloffen, durch das den Angehörigen der vier Nationen das Recht eingeräumt wird, im Falle eines Aufruhrs auf jedes beliebige europäische Kriegsschiff flüchten zu dürfen. Außerdem wird eine gemeinschaftliche Flottendemonstration beabsichtigt, um die chinesische Regierung willfähriger zu machen. Deutsches Reich. , Berlin, 25. September. Die inMünchen stattfindenden Unterhandlungen über den deutsch-österreichisch-italienischen Handelsvertrag bewegen sich seit ihrer Wiederaufnahme in ziemlich schleppendem Tempo. Als den wichtigsten unter den vorhandenen Differenzpunkten bezeichnet man die Frage des Weinzolles. Italien hat das natürliche Interesse, das Absatzgebiet seines Weines zu vergrößern und strebt deshalb eine Ermäßigung des deutschen Weinzolles an, hauptsächlich desjenigen aus Faßwein, welcher für die in Süditalien und auf Sicilien erzeugten Weine geringerer Qualität zu hoch erscheint. Ein der italienischen Regierung nahestehendes Blatt erklärte dieser Tage bereits, daß von einer Ermäßigung des deutschen Faßweinzolles resp. von einer Erleichterung der Einfuhr der geringeren italienischen Weine in Deutschland geradezu das Zustandekommen des erstrebten Vertrages abhänge. Es heißt nun, daß man deutscherseits der Frage näher treten wolle, ob eine verschiedenartige Behandlung des in Fässern eingehenden Weines je nach seiner Qualität möglich und zulässig sei. Jedenfalls dürften sich die Münchener Handelsvertragsverhandlungen durch diese Erhebungen noch mehr in die Länge ziehen, als dies ohnehin der Fall ist. — Im Großherzogthum Baden haben am Donnerstag die Urwahlen zum Landtage stattgesunden. Ueber die Ergebniffe derselben ist zur Zeit noch nicht viel bekannt- immerhin wird schon ein bemerkenswerthes Resultat gemeldet, nämlich aus Mannheim. Dort wurden weit überwiegend socialdemokratische Wahlmänner gewählt, die badische Handelsmetropole wird also künftig auch im Landtage, wie bislang schon im Reichstage, durch einen Socialdemokraten vertreten sein. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau. Berlin, 25. September. Das Czarenpaar traf mit mehr als einstündiger Verspätung gegen 10 Uhr hier aus dem Stettiner Bahnhose ein. Es fand kein offizieller Empfang statt. Anwesend waren auf dem Bahnhofe Prinz Leopold in russischer Uniform mit blauem Ordensband und feine Gemahlin in Trauer, ferner die Generäle Hahnke und Wittich, der Stadtcommandant Graf Schlieffen und das Personal der russischen Botschaft. Botschafter Schuwalow ist von Berlin abwesend. Der Zug mit dem Kaiserpaar hielt am Ende des Bahnsteigs. Der Czar trug Civil. Die Herrschaften nahmen den Thee im Fürstenzimmer des Bahnhofs, wo königliches Silberzeug die Tafel schmückte und königliche Leibjäger bedienten. Zur Rechten des Czaren saßen beim Souper die Prinzessin Leopold, dann der russische Thronfolger, zur Linken die Czarin, dann Prinz Leopold und die Großfürstin Xenia. Die Weiterreise erfolgte um 10 Uhr 38 Min. vom Stettiner Bahnhofe in einem Sonderzuge mit fünf Salonwagen über Alexandrowo nach Moskau. Halle, 25. September. Der geschästssührende Ausschuß der deutschen Naturforscher-Versammlung empfing ein Telegramm des Kaisers durch den Geheimen Cabinets- rath Lucanus, worin der Kaiser sich durch den Huldigungs- grüß der deutschen Naturforscher und Aerzte erfreut zeigt und bestens danken läßt. Halle, 25, September. In der letzten allgemeinen Sitzung der Naturforscher und Aerzte sprachen Geheimerath Ackermann-Halle über Jenner und Immunität, Dr. Ruß über nationalen und internationalen Vogelschutz. Die Versammlung wurde unter Dankesworten von Geheimerath Hiß geschlossen. Wim, 25. September. Ein Pariser Brief der „Polit. Corresp." constatirt, daß in dortigen politischen Kreisen nach, den Aufregungen der jüngsten Zeit eine ruhigere Auffaffung der internationalen Lage Platzgreife, was insbesondere auf die Erleichterungen in den Paßvorschriften zurückzuführen sei. Diese Stimmung werde in der bevorstehenden Rede Ribots vor dem Denkmale Faidherbes und in den Ausführungen Frehcinets in Marseille ausgedrückt werden. Paris, 25. September. Das Zuchtpolizeigericht hat in einem Urtheil über das Eisenbahnunglück von Saint Mande als Schadenersatz, den die Eifenbahngesellschaft zu zahlen hat an zwei Wittwen, die ihren Schwiegersohn, bezw. ihre Tochter verloren haben, Lebensrenten von 1000, respective 860 Frcs. zugesprochen. Paris, 25. September. Frehcinet ordnete an, daß wegen der rasch fortschreitenden Fabrikation der Lebel- gewehre keine Grasgewehre nachzuliefern feien. — Laut „Figaro" ist eine Gratis-Vorstellung des „Lohengrin" beabsichtigt in der Hoffnung, daß nach deren Erfolg im großen Publikum alle Demonstrationen und Protestationen aufhören werden. Loudon, 25. September. Dem Mitgliede des Gemeinderaths, Willi am so n, welcher den Vorsitz in dem Comite für den Empfang des Kaisers Wilh elm in London führte, ist vom Grafen Hatzseldt ein Schreiben des Kaisers zugestellt worden, in welchem derselbe seine Genugthuung über den glänzenden Empfang in London ausspricht. Gleichzeitig wurde demselben eine goldene Dose mit den Initialen des Kaisers in Diamanten überreicht. Liverpool, 25. September. Das Gaiety-Theater ist heute Vormittag niedergebrannt. Petersburg, 25. September. Es wurde ein Gesetz veröffentlicht, wonach Personen, welche des bewaffneten Angriffs auf Fahrbeamte und Paffagiere der transkaukasischen Eisenbahn oder der böswilligen Beschädigung dieser Bahn angeklagt werden, kriegsgerichtlich abzuurtheilen sind. Athen, 25. September. Der Tod der Großfürstin Alexandra machte hier tiefen Eindruck. Die Regierung, die Municipalität und viele (Korporationen veranstalteten Con- dolenzkundgebungen. Eine sechsmvnatliche Hoftrauer ist angeordnet und in allen Kirchen wurden Trauergottesdienste begangen. Dem Requiem in der Cathedrale wohnten der Hof, die Behörden und das diplomatische Corps bei. Depeschen deS „Bureau Herold". Berlin, 25. September. Hiesige Blätter melden aus Breslau: Die Stadtverordnetensitzung beschloß gestern eine Petition an den Reichskanzler um schleunigste Einberufung des Reichstags und eine Vorlage für sofortige Suspension der Getreidezölle. Berlin, 26. September. Die gestrige Conferenz im Arbeitsministerium soll sich für eine erhebliche Vermehrung des Wagenparks der Staatsbahnen ausgesprochen haben. — Die „Voff. Ztg." berichtet aus Petersburg, daß der Nothstand der Bauern zunimmt. Im Gouvernement Astrachan herrsche eine schreckliche Hungersnoth. Berlin, 25. September. Im Anarchisten-Proceß wurden sämmtliche Angeklagten zu 6—30monatlicher Gesängniß- ftrafe verurtheilt. Berlin, 25. September. Aus guter Quelle verlautet, daß die neue russische Anleihe wahrscheinlich hier zur Zeichnung aufgelegt wird. Mannheim, 25. September. Gefammt-Wahlresul- tat in Baden. Demokraten und Freisinnige gewinnen voraussichtlich 4 Sitze, das Centrum 7 Sitze, die (Konservativen 2 Sitze, die Socialdemokraten 3 Sitze auf Kosten der nationalliberalen Partei, deren Verlust voraussichtlich 15 bis 16 Sitze betragen wird. Bern, 25. September. Internationaler Congreß betr. Arbeits-Unfälle. Vormittags-Sitzung unter dem Präsidium von Jottrand-Brüssel und Krepesche-Graz. Als erster Referent spricht Keppen-Petersburg über die Frage der Unfallversicherung in Rußland. Als zweiter referirt Baetz- mann-Norwegen über den Stand der Unfallversicherung in Dänemark, Schweden und Norwegen, dann folgte Kummer- Bern über das gleiche Thema für die Schweiz. Dort hätten die Erfahrungen mit dem Hastpflichtgefetz den Entschluß hervorgerufen, zu staatlich organiftrter, obligatorischer Unfallversicherung überzugehen. In der sich nun entspinnenden Discussion befürwortet Haubner - Prag die Herstellung von Arbeitshäusern und beweist den Zusammenhang dieser Maßregel mit der Unfallversicherung. Ricci - Turin, Rostand- Marseille, Bodenheimer-Straßburg bringen ergänzende Ausschlüsse zu den gehaltenen Vorträgen. Schwartz erklärt die Zufriedenheit Elsaß-Lothringens mit ber, deutschen Versicherungs-Gesetzgebung. Einige Franzosen protestirten dagegen. Am heutigen Abend-Banket wird der deutsche Gesandte Bülow sprechen. Bern, 25. September. Internationaler Congreß betreffend Arbeitsunfälle. Nachmittags-Sitzung. Den Vorsitz führten Keller-Paris und Blumer-Glarus. Fiere- Romans (Frankreich) und Gigot-Paris referirten über die Kassen von Berussgenossenschaften zur gegenseitigen Versicherung gegen Unfälle bei der Arbeit in den Jndustrieen. Daraus eröffnete das Präsidium die Discussion über die Frage der Organisation in der Versicherung. Hierüber sprachen Mare- staing-Paris, Leturgeon-Paris, Pellegini-Turin und Jmbert- Marseille. Letzterer war gegen die Organisation der Versicherung durch den Staat, da die Privatinitiative ausreiche, die Versicherung durchzusühren. Ferner sprachen Goutiere Vernolle-Nancy über die Notwendigkeit der Gründung von Associationen für die Placirung invalider Arbeiter und Dr. Gould- Washington. Bödiker-Berlin dankte in seinem Schlußwort Namens der deutschen und österreichischen Congreßmitglieder für freundliche Aufnahme ihrer Anregungen: „Der Congreß kennt' weder Sieger noch Besiegte, er will nur die Ausarbeitung guter Ideen." (Allgemeiner Beifall.) Paris, 25. September. Heute ist die Verurtheilung der an der Eisenbahncatastrophe in St. Mands Schuldigen erfolgt. Locomotivsührer Caron wurde zu 2 Jahren Gefängniß und 500 Frcs. Geldstrafe, der Stationschef von St. Vincennes zu 4 Monaten und 300 Frcs., die Eisenbahngesellschaft zum Schadenersatz an die Opfer der Katastrophe verurtheilt, darunter ist für Jouvin 75000, für den jungen Jouvin 25000 Francs Schadenersatz zu zahlen. Paris, 25. September. Die Polizei beschlagnahmte in einer Verlagsbuchhandlung tausend Anschlagzettel, welche auf eine bevorstehende Broschüre hinwiesen. Die Zettel stellten französische und russische Soldaten mit deutschen, österreichischen und italienischen kämpfend, dar. Petersburg, 25. September. Der Kriegsminister verlangte den Ausbau der Eisenbahn Pensa-Charkow- Losowaja wegen Truppenverschiebungen nach dem Westen, insbesondere nach Bessarabien. Petersburg, 26. September. In Sibirien sind neue Ruhestörungen unter den Arbeitern der sibirischen Bahn aus- gebrochen. Es wurde Militär herbeigerufen. kscalcs und provinzielles. Gießen, 26. September. — Der heutige Wochenmarkt war mit Obst so reichlich befahren, daß die eine Seite der Schulstraße ganz, der andere zum Theil von Verkaufsständen eingenommen wurde. — Lahnthal-Sängerbund. Morgen (Sonntag) Nachmittag 1 Uhr findet auf dem Lenz'schen Felfenkeller eine Versammlung der Dirigenten der Gesangvereine des Lahnthal- Sängerbundes statt zwecks Feststellung der Festchöre, welche auf dem nächstjährigen 19. Bundesfest in Weilburg zur Ausführung gelangen sollen. — Turnerisches. Wie aus einem Inserat im heutigen Blatte ersichtlich, wird der hiesige Turnverein morgen (Sonntag) um 1/212 Uhr einen Turngang nach Butzbach unternehmen, um dem dortigen Vereine einen Besuch abzustatten. Bei dem jetzigen herrlichen Herbstwetter dürfte eine zahlreiche Betheiligung zu erwarten fein. — Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit be\ Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Rento-.mt- mann des Rentamts Friedberg, Domänenrath Karl Friedrich Stoltz, aus Veranlassung seines 60jährigen Dienstjubüar^ms das Ritterkreuz 1. Klaffe des Großh. LudewigsorLens zuverleihen. — Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 23. September den Eisenbahnbaumeister bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Georg Schoberth zum Betriebsinspector, den Eisenbahnbauaufseher Heinrich Simon zu Mainz zum Eisenbahnbaumeister bei diesen Bahnen — letzteren mit Wirkung vom 21. September l. I. an —, den Steueraufseher Gustav Schuchard zu Vilbel zum Pfandmeister bei dem Rentamt Nidda für den Beitreibungsbezirk Schotten — und den Steuer- ausseher Anton Adelberger zu Seligenstadt zum Pfand- meister bei dem gleichen Rentamt für den Beitreibungsbezirk Nidda, beide mit Wirkung vom 10. October d. I. an, — zu ernennen. — Versetzt wurde am 23. September der Steuercommiffär des Steuercommiffariats Alsfeld Adolf Kolb in gleicher Diensteigenschast in das ©teuercommiffariat Bingen. t Aus dem Decauate Gießen, 25. September. Welchen Antheil die Gemeinde Beuern seit einigen Jahren allen Werken der inneren und äußeren Mission, namentlich auch ber Berliner Stabtmisston entgegenbringt, bas mögen einige Zahlen belegen, bie wir aus sicherster Quelle zu geben vermögen. Die Gemeinbe, bie nur 977 Kirchenglieber zählt unb im verflossenen Jahre — bie brei officiellen Zähltage zu Grunbe gelegt — einen Kirchenbesuch um 77 °/0 unb bamit ben höchsten Procentsatz im Decanate Gießen überhaupt aufwies, opferte im Jahre 1890 für Zwecke ber inneren unb äußeren Mission bie ansehnliche Summe von 533,17 Mark, für bie Berliner Stabtmission insbesonbere 76,80 Mark — an Opfern unb (Kotierten über 721 Mark. Auch die Sammlung für ben geplanten Prebigtsaal für Herrn Hof- prebiger Stöcker in Berlin fanb warmen Anklang unb opferwillige Geber in ber Gemeinbe. Die diesmalige Festcollecte am 28. d. Mts. gedenkt der Kirchenvorstand für innere unb äußere Mission zu verwenben unb zwar je ein Drittel für bie Leipziger Heidenmission, für bie Stabtmission in Berlin unb für bie feit einigen Jahren geplante Kleinkinberschule zu Beuern. Möge bas Fest auch um beswillen gelingen, um so ber zukünftigen Kleinkinberschule in Beuern einen weiteren Baustein zu liefern — ist es boch ein Werk, besten Werth unb Bebeutung wahre Volksfteunbe in unseren Tagen aller Orten erkannt haben, ein Werk, bas auch im Decanate Gießen seine Vertreter unb warmen Fürsprecher hat. -1. Alls dem Radenauer Grunde, 25. September. „Stöcker in'Beuern! Aus nach Beuern!" — bas ist die Losung, bie seit nun acht Tagen auch im Rabenauer Grunde von Mund zu Munde geht. Aus dem benachbarten Kurhessen ist nicht minder ein großer Zuzug zu erwarten, das um so mehr, als der Ortsgeistliche von Beuern, der am verstossenen Sonntag auf dem Winner Erntefeste die Festpredigt hielt, der großen Versammlung, wie sie gerade zu diesem jährlich wiederkehrenden Feste seit Jahrzehnten bereits bis weit nach Marburg hin zusammenzuströmen pflegt, das Fest in Beuern persönlich anfünbigte unb zum Besuch bestelben briugenb ein- lub. Eine weitere Anziehungskraft bürste bas Fest noch burch ben besonderen Umstand erhalten, daß auch ber Ebs- borfer Posaunenchor, dem ein schönes Zusammenspiel nachgerühmt wird, seine Betheiligung zugesagt hat. Außer Herrn Hofprediger Stöcker, dem hier die Herzen warm entgegenschlagen, wird auch der greife Oberhirte von Oberhesten (Kurheffen) sprechen, Herr Superintendent Dettmering, ber vor nun fünf Jahren auf bem großen Missionsfeste in Beuern bie Fest- prebigt hielt unb ber von borther noch befonbers im Anbeuten BK r:K en i?""«Wit, ro9=n 3oubln Wlagzettel, »2, wfen- Di- Z 7 X* *! .Kri-gsnmiskr bet, n ^ach dem Westen, Wirten smd ' Mischen Bahn «ujen. neue aus- lNMer. jtn, 26, September. ^bMo reichlich «e ganz, dn andere kommen wurde. Sm (Sonntag) ^ch- >chen Felsenkeller eine ngbereine desLahnU- I der Festchöre, welche : in Weilburg zur Auj- ” Inserat im heutigen Turnverein morgen Zugang nach Butzbach ine einen Besuch chn- )erbstwetter dürste eint ein. Königliche Hoheit be\ geruht, dem RmtaM- inenralh Karl Fck^ch ährigen Dienstjub'MMs zh. Ludewigsordens zl. ; lche Hoheit der Großen 23. September den Hessischen Eisenbahnen, 'pector, bett Eisenbahn- inj jum &jenb^nbau> en mit Wirkung vom vteuerausseher Gustav [ter bei dem Rentamt m — Md den Steuer- W W«d- btn SßtittetbutigN™ . Qctober b. I. ®, _ nbttberaeiiercommfl« (tolf K«lb in gl* itffwiat toigen- 5. @rpte*; W4'" it einigen M«" ° Kiffton, nm*« ““J •mflt das Mgen kM'gk zu geben W 3mecIe K3317 Mark/ ime v°n t®eti n- innere N rwar Je *n ; Aerlm e ®taäber[Nt£ £ gelingen- 1 b(6elß ” rintn rotttete« Uen®'tt« *A*v ist * sN