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Di« Gießener Mbm dem Ängetger fcdgrirgt Donnerstag den 26 Februar 1891 Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 8ierte(|ätyngei MsxwmtwUtulM 2 Mark 20 Pfg. u» Bringerlohn. Durch die Post bezag« 2 Mark 50 Pf,. Äebection, rrpedwt» und Druckerei: Ferntzerecher 51. Hunts* unb Anzeigeblatt für den Nreis Gieren. .. .'»-'--W - >»----' n i..,. i_ ■i»Wi imi| 1»—»■> ) ■. ,I>" J' !.■ 'SC."?» Kr-tisöeikage: Hießmer JaMiki-nKkätt«. »M«M»»««WM«»M»«VWM«SSSWW»WWMSW>WSN»^S«SWWSSMWU^W»«»WMSW»>-L> »UJ JiJJi. . J Ul. _LJJJJ.»L- SW4JUM-..-L'^LaUOatf____LR TI' ««UI^E-MMSSSSSMIW Alle Annoncen.Uureanx bt» In- und Auslandes atfitw« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ mtgegea. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend den Neubau einer katholischen Kirche zu Ober-Roden. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz dem katholischen Kirchenvorstand zu Ober-Roden auf deßfallfigen Antrag die Erlaubniß ertheilt hat, die in Aussicht genommene Collecte zum Besten des rubrieirten Kirchenneubaus anstatt innerhalb der ersten Hälfte des laufenden Jahres, in den letzten sechs Monaten dieses Jahres zu veranstalten. Gießen, den 23. Februar 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Nachdem die Schaftäude zu Steinheim und Trais-Horloff als erloschen gilt, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder ausgehoben. Gießen, den 23. Februar 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. o. Gagern. Bekanntnrachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der auf den 3. März L I. angesetzte Gießener Viehmsrkt nicht abgehalten werden wird, daß dagegen der Vieh- und Krämermarkt, welcher aus den 4. März l. I. ausgeschrieben ist, stattfindet. Gießen, den 27. Januar 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Am 11. März und am 21. April finden je 10 tägige Uebungen der mit dem neuen Gewehr noch nicht geübten Reservisten und fäwmtlicher Wehrlerrte I. Aufgebots der Infanterie statt Da Befreiung hiervon diesmal nur ganz ausnahmsweise und nur in den allerdringendsten Fällen, wie z. B. bei persönlicher Krankheit, stattfindet, so rathe ich von der Einreichung etwaiger Gesuche im Voraus ab, wenn solche der genannten Voraussetzungen entbehren. Gesuche, welche dem Bezirke commando dirett, mit Um- gehung des Meldeamts oder der Compagnie eingereicht werden, bleiben unberücksichtigt und unbeantwortet. Wer überhaupt keine Antwort erhält, hat dies als abschlägige Antwort zu betrachten. Gießen, am 23. Februar 1891. Caspary, Oberstlieutenant z D. und Commandeur. Bekanntmachung. Mittwoch des« 11. März 1891, Nachmittags 3 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller in Gießen eine Generalversammlurug des landwirthfchaftlicheu Bezirksvereins Gießen abgehalten werden Alle Mitglieder des landw. Bezirksoereins und der landw. Ortsvereine sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und aus zahlreichen Besuch der Versammlung htnzuwirken. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Leithiger über Schweinezucht 2) Berathung über Hebung der Rindviehzucht, 3) ,, „ „ „ Schweinezucht. f) „ ,, „ ,, Ziegenzucht. 5) « n ii // Geflügelzucht. 6) Berathung über den Antrag des Thierschutzvereins auf Anpflar zung von Hecken auf Wüstungen zum Schutze der Singvögel. Gießen, den 23. Februar 1891. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksveretns Gieße«. Jost, Regierungsrath. Die Rede des Kaisers bei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-LandtageS am Freitag den 20. Februar hat folgenden Wortlaut: In Meinen Dank für die freundlichen Worte des Herrn Vorsitzenden möchte Ich zunächst das tiefe Bedauern und den innigen Schmerz einschließen, der Mein und, Ich bin fest überzeugt, Ihrer Aller Herzen durchzogen hat bei dem Verlust eines Ihrer werthesten Mitglieder,- Ich meine des Herrn von Nochow-Plessow. Ihm, einem alten märkischen Edelmann von treuem, festem Schrot und Korn, einem Vorbild aller ritterlichen Tugenden, der seinem Fürstenhause treu ergeben war bis zum letzten Athemzuge seines Lebens, möchte Ich als König noch nachträglich Meinen Dank aussprechen für das lange Leben treuen Arbeitens, welches er für Meine Vorfahren und für Mich im Dienste der Provinz zugebracht hat. Brandenburgische Männer! Ich freue Mich von ganzem Herzen, daß es Mir vergönnt ist, wieder einen Abend unter Ihnen zuzubringen, denn es ist Einem immer wohl, mit Männern sich zusammenzufinden, von denen man weiß, daß man mit ihnen übereinstimmt und daß man sich miteinander eins fühlt. Wir stehen gewiffermaßen noch unter dem Schatten jenes Tages, den wir vor kurzer Zeit gefeiert haben, Ich meine des Jubiläums jenes großen Brandenburgers, von dem Ich so oft und gern zu Ihnen gesprochen habe, des Großen Kurfürsten, jenes Mannes, der mit feinem vollsten Herzen und allen Fibern an seinem Heimathlande hing und mit unermüdlicher, rastloser Thätigkeit dafür sorgte, daß aus tiefer Noth und tiefem Elend die Mark Brandenburg zu einem festen, einigen Ganzen emporstieg. Es ist der Vorfahre von Mir, für den Ich die meiste Schwärmerei habe, der von jeher Meiner Jugend als Vorbild vorangeleuchtet hat. Ich weiß sehr wohl, daß in dieser Zeit und im vergangenen Jahre Manches geschah und sich ereignet hat, was Ihre Herzen und Gemürher bewegt. Ich freue Mich, daß Meiner Aufforderung zum gemeinsamen Arbeiten, zum einigen Thun im Lande, welche Ich damals in Schleswig-Holstein und später in Schlesien aussprach, so gerne und willig in jeder Beziehung in der Bevölkerung entsprochen worden ist, ebenso auch hier in der Mark Brandenburg. Ich meine aber zu gleicher Zeit einen gewissen Stillstand wahrnehmen zu können, ein gewisses Zagen und ein gewisses Zaudern,- Ich meine zu sehen, daß es den Herren nicht leicht wird, den Weg zu erkennen, den Ich beschreite und den Ich Mir vorgezeichnet habe, um Sie und uns Alle zu Meinem Ziel und zum Heil des Ganzen zu führen. Wenn wir Schritte thun und arbeiten wollen zum Heile des Ganzen, so müssen wir dieses auch immer im Auge haben. Zu diesem Zwecke thut es wohl gut, sich zuweilen in unsere Geschichte rückblickend zu vertiefen. Ich habe im vorigen'Jahre an einer Stelle gestanden, die uns Allen theuer, lieb und werth, Ich möchte sagen geheiligt erscheint,- es ist der Boden von Memel. Ich bin in dem Hause gewesen, wo meine Urgroßeltern gelebt und ihre Zeit in schwerer Anfechtung und Sorge zugebracht haben, da unser Land zerschmettert am Boden lag, den Eroberer in sich walten und schalten sehend, ohne Hoffnung auf die Zukunft. Und gerade von dort aus, da Niemand wußte und Niemand sich denken konnte, daß das Land sich jemals wieder erheben würde, von dort aus sind die ersten Anfänge zur Größe unserer Jetztzeit ausgegangen. Das Fürstenhaus, festhaltend an Gott, am Glauben, an der Treue zu seiner Pflicht - das Volk, fest vertrauend der Hand seines Führers: sie sanden sich Beide wieder zusammen, und in diesem Vertrauen liegt die Größe, darin liegt das Geheimniß der Größe unseres Vaterlandes. Ich weiß sehr wohl, daß es in der Jetztzeit versucht wird, die Gemüther zu ängstigen. Es schleicht der Geist des Ungehorsams durch das Land- gehüllt in schillernd verführerisches Gewand, versucht er die Gemüther Meines Volkes und die Mir ergebenen Männer zu verwirren - eines Oceans von Druckerschwärze und Papier bedient er sich, um die Wege zu verschleiern, die klar zu Tage liegen und liegen müssen für Jedermann, der Mich und Meine Principien kennt. Ich lasse Mich dadurch nicht beirren. Es mag Meinem Herzen wohl wehe thun, zu sehen, wie verkannt die Ziele sind, die Ich verfolge - aber Ich hege das Vertrauen, daß alle Diejenigen, die monarchisch gesonnen sind, die es gut mit Mir meinen, und daß vor allen Dingen die brandenburgischen Männer nicht einen Augenblick wankend geworden sind und nie gezweifelt haben an dem, was Ich that. Wir müssen vorwärts streben, wir müssen arbeiten und im Innern kämpfen. Aber wenn das Ganze gedeihen soll, so, seien Sie sich dessen klar, müssen hier und da im Einzel« interesse Opfer gebracht werden. Unsere jetzigen Parteien sind gegründet auf Interesse« und verfolgen dieselben oft zu sehr, eine jede für sich. ES ist ein hohes Verdienst Meiner Vorfahren, daß sie sich nie zu den Parteien gestellt, sondern daß sie stets darüber gestanden haben und daß es ihnen gelungen ist, die einzelnen Parteien zum Wohle des Ganzen zu vereinigen. Nun, Sie sehen ja, wie der Erfolg diese Bemühungen gekrönt hat zum Heil des Ganzen, zum fortschreitenden Gedeihen unserer Arbeit. Ich hoffe und spreche die feste Zuversicht aus, daß ein Jeder von Ihnen in feiner Arbeit und in seinem Wirkungskreis verstehen wird, daß er für das Ganze wirken und arbeiten soll, daß er Mir treu zur Seite stehen und Mir Helsen muß. Ich glaube nicht, daß die brandenburgischen Männer zaudern werden, Mir zu folgen aufzben Bahnen, die Ich beschreite. Sie wissen, daß Ich Meine ganze Stellung und Meine Aufgabe als eine Mir vom Himmel gesetzte auffasse, daß Ich im Auftrag eines Höheren, dem Ich später einmal Rechenschaft abzulegen habe, berufen bin. Deshalb kann Ich Sie versichern, daß kein Abend und kein Morgen vergeht ohne ein Gebet für Mein Volk und speciell ein Gedenken an Meine Mark Brandenburg. Nun, Brandenburger! Ihr Markgraf spricht zu Ihne», folgen Sie Ihm durch Dick und Dünn auf allen den Wege», die Er Sie führen wird! Sie können versichert sein, es ist zum Heil und zur Größe unseres Vaterlandes. In dieser Gesinnung rufe Ich: Es lebe die Provinz Brandenburg, hurrah! hurrah! zum dritten Male hurrah! Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 24. Februar. Zweite Kammer b er Landstände. Die Verhandlungen über das Staatsbudget 1891—94 werden auch heute fortgesetzt. Nach Verkündigung neuer Einläufe, darunter eine Eingabe der Handelskammer zu Gießen bezüglich der Abschaffung der Weinsteuer, einer solchen von Weinbergbesitzern in Bensheim wegen Ausschank von Wein, sowie Revision wegen Aushebung des Volksschulgesetzes fährt die Kammer mit Cap. 111, Localbaubeamten, fort. Nachdem im vorigen Budget für die zur Zeit vorhandenen 14 Kreisbaumeister eine Erhöhung von 3000—4500 Mk. eingetreten war, fordert die Regierung heute 3600—4800 Mk. (Durchschnitt 4200 Mk.) Der Ausschuß dagegen hält den gegenwärtigen Augenblick, in welchem eine allgemeine Classification der ganzen Beamtenschaft und das Aufsteigen nach Dienstalter innerhalb der einzelnen Klassen erstrebt wird, zu einer einseitigen Erhöhung des Gehalts dieser Beamten, aus welcher zweifellos nur die Erhebung weiterer Ansprüche von anderen nicht gleichmäßig bedachten Branchen entstehen werde, für durchaus ungeeignet. Außerdem schlägt der Ausschuß vor, eine Verminderung der Kreisbaumeisterstellen eintreten zu lassen. Außerdem soll eine Übertragung der Staatsstraßenunterhaltung auf die Kreisverwaltung in Aussicht genommen werden. Ministerialrath Schäffer weist aus die geringe Bezahlung unserer Baubeamten gegenüber den preußischen Beamten hin und warnt davor, einen Strich nach dieser Richtung hin zu machen. Die Folge davon könne die Bauverwaltung nicht tragen. Wenn man fortfahre, nicht zu berücksichtigen, daß hier eine Nothlage unter den Baubeamten bestehe, fo werde es dahin kommen, daß die Bauabtheilung für die Folge keine richtigen Beamten mehr erhalten, resp. bezahlen könne. Was das Eingehen von zwei Kreisbauämtern betrifft, so könne er nur hiervon entschieden abrathen, da die Summe der Arbeit für diese 14 Kreisbauämter im Lande größer ist als dieselben bewältigen können. Finanzminister Weber befürwortet ebenfalls die Erhöhung der Gehalte in dem der Kammer vorgeschlagenen Betrage. Was die Verminderung der Kreisbauämter betreffe, so müffe er entschieden Front dagegen machen, daß die Kammer durch den Strich zweier Kreisbauämter in die Organisationsrechte der Regierung und der Krone eingreife. Es weise aber auch die Regierung jede Verantwortlichkeit von sich ab, welche durch die geplante Verminderung der Kreisbaumeister herbeigeführt werde. Er bittet um Annahme der Regierungsforderung und unbedingt von einem Strich zweier Bauämter abzusehen, was ohnehin ein Eingriff in die Organisation der Regierung sei. Für die Regierungsvorlage sprechen die Abgeordneten v. Rabenau, Hechler,Berg st räßer, Erk, Heinzer- lieg, Ullrich, Römer, für den Ausschußantrag die Abgeordneten Metz-Darmstadt, Jöckel, HaaS, Schröder. Die Kammer beschließt hiernach gegen 10 Stimmen unter Abstrich von 4333 Mk. bei Tit. 1 , von 1200 Mk. bei Tit. 4, von 3600 Mk. bei Titel 6 und von 800 Mk. bei Tit. 13c die Anforderung mit 269,217 Mk. zu bewilligen. Der weitere Antrag deS Ausschusses, von den unter Titel 1 ausgeführten Gehalten (Kreiöbaumeister) zwei nur str die dermaligen Inhaber zu genehmigen, wird mit 23 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Den Eisenbahnbaumeistern wird ihr Gehalt von 3000 his 4500 Mk. (Durchschnitt 3750 Mk.) und desgleichen der unter Tit. 4 und 5 aufgeführten Hilfsbeamten aus je 2800 Mk. mit allen gegen 8 Stimmen festgesetzt. Ferner richtet das Haus das einstimmige Ersuchen an Großh. Regierung, die Vereinigung der Staatsstraßenunter- haltung mit derjenigen der Kreisstraßen in Erwägung zu ziehen und eventuell eine probeweise Übertragung der ersteren auf die Kreisverwaltung in einzelnen Bezirken eintreten zu lassen. Es findet nunmehr die Berathung über das zurttckgestellte Cap. 100, Ministerium selbst, statt. Hier beantragt der Ausschuß unter Abstrich von 600 Mk. für einen Secretär in der Abteilung für Bauwesen und 400 Mk. für den Vorstand des bautechnischen Bureaus, im Ganzen die Summe von 325,800 Mk. zu bewilligen mit der Beschränkung, daß bei der Neubesetzung der Stelle des Vorstandes der Ministerialbuchhaltung start des jetzt dafür ver- willigten pensionssähigen Gehaltes von 4900 Mk. nur ein solcher von 4400 Mk. und 500 Mk. Functionszulage genehmigt werden mochte. Mit allen gegen 6 Stimmen wird dieser Antrag angenommen. Der Ausschuß hat sich für die Regierungsvorlage erklärt. Cap. 112, Centralbauwesen im Ressort des Ministeriums ^er Finanzen. Abg. Racks bespricht hierbei den außerordentlich schlechten und ungesunden Zustand der Brückengebäude zu Mainz, für welche zur Renovirung 20,000 Mk. verlangt werden. Er empfiehlt Niederlegung der Gebäude, umsomehr, als die Stadr Mainz Grund und Boden für anderweite Erbauung von Diensträumen angeboten habe. Er könne sich nicht entschließen, auch nur einen Pfennig für Renovirung dieser unzeitgemäßen Bauwerke zu verwilligen. Abg. Jöst wünscht, daß man die mit der Stadt Mainz gepflogenen Verhandlungen Seitens Großh. Regierung wieder aufnehmen möge, damit eine im Jntereffe Aller liegende Regelung herbeigeführt werde. Die Abgeordneten Bergsträßer und Racks stellen den Antrag, die angeforderten 20,400 Mk. nur dann zu genehmigen, daß vor der Verwendung eine Unterhandlung mit der Stadt Mainz wegen Uebernahme der Gebäude an- gebahnt werden soll. Dieser Antrag findet Annahme. Weiter find unter Tit. 2 IV, 9900 Mk. für den Abbruch deö ehemaligen Regierungsgebäudes zu Gießen gefordert. Der Ausschuß vermag diesem Anträge nicht beizupflichten, hält es vielmehr, da eine anderweite Verwendung deffelben nicht ausgeschlossen sein dürfte, für rathsamer, unter Aufwendung geringer Mittel es stehen zu lassen. Da die Stadt Gießen ein Interesse an der Freilegung des Platzes habe, so könnte ihr dasielbe lediglich unter Berechnung des Grundwertes und der Bedingung des Abbruchs überlasten werden. Finanzminister Weber bittet, da neue Gesichtspunkte über die Verwendung des Gebäudes ausgetreten seien, heute Don einem Beschlüsse abzusehen. Die Kammer beschlteßt demgemäß. Beiträgen zu allerlei anbercn Zwecken, etwa jur Bekämpfung der Soctaldemokratte. Aber auch, wenn der Antrag eine Fassung erhielte, die dem Sinne der Antragsteller entspräche, so wurde den Arbeitern damit kein Dienst erwiesen. Abg. Möller (natl.) vertheidigt die WohlsahrtSeinrichtungen Bebel gegenüber, insbesondere die Einrichtung von Arbeiterwohnungen. Vollkommen ieten menschliche Einrichtungen überhaupt nicht; aber selbst Bebel werde gegen die Leistungen der gemeinnützigen Baugesellschaft nichts einwenden können. Aber die Soctaldemokraten wollten eben nicht, daß die Arbeiter sparten und so -u einer Selbstständigkeit gelangten, die sie den Agitationen jener Herren entzögen. , , Abg. Bebel (Soc.): Eine unklare Fassung könne verbestert werden; er und seine Freunde seien keine berufsmäßigen Gesetzmacher. DaS Beispiel der Gemeinnützigen Baugesellschaft treffe nicht zu, denn dabei handle es sich um eine GeseMchast von Speculantcn, die ihre Häuser verkaufte, ohne ihre Käufer in eine weitere Abhängigkeit zu bringen. Die sog. WohlsahrtSeinrichtungen der Arbeitgeber dienten nur der Bevormundung der Arbeiter. Handelsminister v. Berlepsch: Die Arbeiterwohnungsfrage habe mit diesen Paragraphen überhaupt nichts zu thun. Bebel habe einen Fall angeführt, wonach ein Bergwerksdirector einem Arbeiter, der sich am Strike betheiligte, die Bauprämie entzogen habe. Im Saarbrücker Revier würden von der König!, fiscalischen Bergverwaltung Arbeitern, die sich ansässig machen wollten, Baudarlehen und Prämien gewählt, letztere k fonds perdu. Mit dem Lohn haben diese Prämien nichts zu thun. Wenn nun ein Arbeiter strike, so habe er keinen Anspruch auf Lohn, noch weniger aber aus eine besondere Leistung, wie diese Prämie, und am allerwenigsten bann, wenn er sich contractbrüchtg gemacht habe. Wenn Bebel sagte, die ganze Einrichtung diene nur zur Knechtung der Arbeiter, so habe Bebel eben kein Urtheil darüber. Man frage doch die Ai beiter selbst. Hunderte von Arbeitern des Saarbrückener Reviers suchten jährlich um Baudarlehn und Prämie nach, mehr als nach Maßgabe der vorhandenen Mittel befriedigt werden könnten. Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.): Wenn Bebel constquent sein wollte, so müßte er durch ein Strasverbot für Gewährung eines höheren Lohnes behufs „Fesselung" der Arbeiter beantragen. Bebel habe auf die Stumm'schen Werke htngcwiesen. Aus diesen werde allerdings jeder Arbeiter entlassen, dec sich der socialdemokratischen Bewegung anschlietze. Richt gegen die Arbeiterbewegung, wohl aber gegen die gemeinschädliche socialdemokratische Agitation richte sich diese Maßregel. Glücklicherweise werde er nicht in die Lage gefetzt, davon Gebrauch zu machen. Abg. Bebel: SeineMitthetlung über den Saarbrückener Fall sei der „Frkf. Ztg." entnommen; der Minister habe dieselbe nur bestätigt. ES sel damit klar gestellt, daß die WohlsahrtSeinrichtungen nur die Abhängigkeit der Arbeiter vermehrten. Weiter habe er nichts beabsichtigt. Es sei weit gekommen, wenn hier ein Arbeitgeber erklären könne, daß er einen Arbeiter wegen seiner politischen Ueder- zeugung aussondere. Das erinnere an die Zeiten der finstersten GlaubenS-Jntoleranz. Auf den Staatswerken werde ähnlich gegen die Socia»demokraten verfahren. Warum habe man da erst das Socialistengesetz aufgehoben? Minister v. Berlepsch berichtigt einige Angaben Bebels. Die contractbrüchigen Arbeiter des Saarreoiers seien wieder ausgenommen worden, weil sie durch agitatorische Drohungen zum Eontractbruch gezwungen worden waren. Die Kündigungsfrist sei in den dortigen fiscalischen Werken keine lange, sondern eine oierzehntägige. Abg. Leuschner (Rp.): Bebel verstehe von den Berhälinifsen in den Bergwerksbezirken nichts, sonst wisse er, daß man gerade in Bergarbeiterkreisen eifrig darauf hinwirke, daß unter Mitwirkung der Unternehmer Wohnhäuser für die Arbeiter beschafft werden. Der Bergbau sei ohne Ordnung nicht möglich; diese werde von den Socialdemokraten fortgesetzt untergraben. Der Arbeitgeber, der dem nicht entgegentrete, verdiene nicht Arbeitgeber zu sein. Avg. R ö ficke (nl.) tritt gleichfalls Bebel entgegen. Zahlreiche dieser Wohlsahrtseinrlchtungen gereichten dem deutschen Namen und der Humanität zur Ehre. Bestände die behauptete politische Abhängigkeit der Arbeiter von den Arbeitgebern, wo wären die vielen Tausend socialdemokraiischer Stimmen hergekommen ? Abg. v. Stumm (Rp.): Gerade weil das Socialistengesetz aufgehoben sei, sei die socialdemokratische Agitation zu bekämpfen. Mit der politischen Ucberzeugung habe das gar nichts zu thun; es handle sich hier lediglich um einen Act der Selbsthülfe. Die Socialdemokraten hätten am wenigsten ein Recht, darüber zu klagen; Liebknechts Verurtheilung wegen eines Eoncertbesuchs sei eine viel größere „Knechtung". Abg. Bebel bleibt dabei, daß die Arbeitgeber auf feudale Zustande hinwirkten und die Arbeiter politisch rechtlos zu machen bestrebt seien. Die Regierung unterstütze sie darin, wie das Verfahren der bayerischen Staatsbahnoerwaltung und der Marineverwaltung in Kiel beweist. Der Antrag Bebel wird abgelehnt und S 117 in der Eommisstons- Schluß der Sitzung V22 Uhr. Morgen Fortsetzung. Retchrtag. 78. Plenarsitzung. Dienstag, 24. Februar 1891, 1 Uhr. Die zweite Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung wird bei den Bestimmungen Über die Lohnzahlung fortgesetzt. $ 116 besagt: A> beiter, deren Forderungen in einer dem $ 115 -uwiderlausenden Weise bertchtiat worden sind, können zu jeder Zeit Zahlung nach Maßgabe des $ 115 verlangen, ohne daß ibmn eine Einrede aus dem an Zahlungsstatt Gegebenen entgegengesetzt werden kann. Letzteres fällt, soweit es noch bei dem Empfänger vorhanden oder dieser daraus bereichert ist, derjenigen Hülfskaffe zu, welcher ter Al beiter angebört, in Ermangelung einer solchen einer anderen zum Besten der Arbeiter an dem Orte bestehenden, von der Gemeindebehörde zu bestimmenden Kasse und in deren Ermangelung der O tskrankenkasse. Abg. Dr. Hirsch (bfr.) beantragt, statt„Hülfskaffe" „Kranken- faffe* zu setzen, Da ein Arbeiter ja verschiebenen Hülfskassen angehören könne. Sein Antrag bezwecke keineswegs, bie freien Hülfskassen aus- -unehmen. Der Antrag wird abgelehnt unb $ 116 unoeränbert angenommen. S 117 erklärt Bert' äge, bie S H5 zuwider laufen, für nichtig. Dasselbe gilt von Verabredungen zwischen den Gewerbtreidenden und den von ihnen beschäftigten Arbeiiern über die Entnahme der Bedürfnisse der letzteren aus gewiffen Verkaufsstellen, sowie überhaupt über die Verwendung des Verdienstes derselben zu einem anderen Zweck alS zur Betheiligung an Einrichtungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter oder ihrer Familien. Abg. Bebel (Soc.) befürwortet Streichung dcS ScklußpaffuS von „sowie überhaupt" ab und Ausnahme folgenden Zusatzes: „Zur Leistung von Beiträgen für die Betheitigung an Einrichtungen und Verbesserungen der Lage der Arbeiter ober ihrer Familie dürfen die Arbeiter nicht angebatten werden." — Die sogenannten Wodlsahrts- einrichtungen für Arbeiter, Sparkaffen, Consumvereine, Arbeiterwohnungen u. bergt bienten vielfach nur baju, bie Arbeiter in ein unwürdiges AbbLngigkertsverhättniß zu bringen. Mit den Arbester- wohnungen werde ein besonderer Mißbrauch getrieben. So habe man in den Krupp'schen Werken die Arbeiter bedroht, man werde sie aus ihren Wohnungen weisen, wenn sie die unb bie Zeitung wetterlefen würden. AehnlicheS lasse fich von den Werken der Gebrüder Stumm berichten. Die mit den sogenannten Wohlfahrts- einrichtmigen getriebene Heuchelei solle nicht noch gesetzlich geordert werden. Bundescommiffar Geh. Rath KönigS: Der Antrag würde, wenn er in der vorliegenden Fassung angenommen würde, zur Folge haben, daß Arbeiter nicht mit Beiträgen zu Einrichtungen zur Verbesserung ihrer Lage herange-ogen werden können, wohl ober mit saffung angenommen. $ 118 (Verbot der Anrechnung von Waaren auf den Lohn) unb 8 119 (Gleichstellung der Familienglieder rc. mit den Gewerbetreibenden) werden debattelos angenommen. S 119a verbietet Lohneinbehaltungen zum Zwecke der Strike- verhinderung, wenn der einbehaltene Betrag über ein Viertel beS fälligen Lohnes ober im (Sefammtbetrage einen burchschnittlichen Wochenlohn übersteigt. — Weiter bestimmt ber Paragraph, daß burch Ortsstatut festgesetzt werden kann: 1) daß Lohn- unb Abschlagszahlungen in festen Fristen erfolgen müssen von längstens einem Monat unb kürzeftens einer Woche, 2) daß ber Lohn minderjähriger Arbeiter an deren Eltern ober Vormünder gezahlt werden kann, 3) daß bie Gewerbetreibenben über bie Lohnzahlungen von Minorennen deren Eltern ober Vormündern von Zeit zu Zeit Mitthetlung machen muffen. Abg. Payer (VolkSp.) befürwortet seinen Antrag, die Absätze 2 und 3 zu streichen. Dieselben enthalten eine ganz unnölhige Bevormundung. ES handle sich doch hier um Arbeiter schütz, nicht um Arbeitererziehung. WaS würde man dazu sagen, wenn gleiche Bestimmungen für ländliche Arbeiter und Dienstboten verlangt würdrn. Adg. Molkenduhr (Soc.) beantragt Streichung deS ganzen Paragraph, ber tatsächlich nichts AnbereS bedeute, als eine Zwangsanleihe der Unternehmer bei den Arbeitern in Höhe von 60 Millionen, mit besserem Rechte konnten die Arbeiter ein Gesetz verlangen, wonach ihnen ber Unternehmer einen Wochenlohn Vorschuß geben muß. Dre Vorschrift wirb nur den practifchen Erfolg Haden, baß ber Unternehmer den Arbeiter so lange chicanirt, dis dieser bie Arbeit ohne Kündigung nteberlegt unb bann dem Unternehmer der ersparte Wochenlohn des Arbeiters zufällt. Diese Bestimmung werde ganz besonders scharf von den Arbeitern oerurtheilt werden; das ganze Gesetz verliere mit dieser Bstimmung einen großen Theil seines Wenhes. BundeS-Commrssar Geh. Rath Dr. Hoffmann: Lohneinbehaltungen sind nach dem heute geltenden Recht durchaus zulässig; die Vorlage stellt also nur die Arbeiter besser, indem es die heute zulässigen unbegrenzten Lohneinbehaltungen begrenzt. Abg. Dr. Gutfleisch (bfr.) befürwortet die unverminderte Annahme der Vorlage. Nach der bisherigen Rechtsprechung ist Lohn- e'nbehaltung zulässig. Abg.Dr.Hirsch befürwortet eine von ihm zu diesem Paragraph eingebrachte Resolution: Die Regierung wolle zur Förderung ber Wirthschaf'lichkett unter den Arbeitern bahtn wirken, baß in ben staatlichen Betrieben Lohn-Abschlagszahlungen wöchentlich, Lohnabrechnungen möglichst alle 14 Tage stattfinben. Ein Antrag auf Schluß ber Debatte wirb angenommen. Hierauf bezweifelt Abg. Singer (Soc.) bie Beschlußfähigkeit deS Hauses für Den Fall der Abstimmung beS $ 119b. Abg. Windthorst beantragt hierauf Die Vertagung, welche vorn Haufe deschloffen wirb. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Fortsetzung der Berathung. t Schluß 5 Uhr. Neueste Nacheichten. WolftS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 24. Februar. Dem „Reichsanzeiger" zusolgc findet vom 1. März an der ermäßigte Portosatz fünf Pfennig für Druckfachensendungen über fünfzig bis einschließlich hundert Gramm auch im Verkehr mit Oesterreich- 11 n g a r n Anwendung. Berlin, 24. Februar. Die Krankenkassencommission des Reichstags genehmigte den Paragraphen 58 mit dem Anträge der Subcommission, wonach Streitigkeiten zwischen Ber- sicherunLöpflichtigcn und Arbeitgebern oder ZwangSkassen, sofern sie landesgesetzlich nicht dem Verwaltungsstreitverfahrcn überwiesen sind, aus den ordentlichen Rechtsweg verwiesen werden. Die Bestimmung des Paragraphen 64, wonach der Vorstand und die Vertreter der Generalverfammmlungen in geheimer Wahl zu wählen sind, wird gestrichen, alle übrigen Paragraphen bis einschließlich 74 wurden in Fassung erster Lesung angenommen. Spandau, 24. Februar. Die königliche Gerne hrsabrik entließ heute fünfhundert Arbeiter und kündigte weiteren achthundert. Köln, 24. Februar. Der Hauptgewinn von 75,000 Mk. der Kölner Dombau-Lotterie ist aus Nr. 94,255 gefallen. Guben, 24. Februar. Das Schwurgericht verurtheilte den Kürschner Arthur Latze und den Fabrikarbeiter Theodor Latze aus Berge bei Forst wegen Falschmünzerei, begangen durch Anfertigung von falschen Fünsmark- und Zehn. Pfennigstücken, den ersteren zu 5 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht, den letzteren zu 9 Monaten Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust. Hamburg, 24. Februar. Der Verband deutscher Zimmerleute (Domicil und Localverband Hamburg) beschloß einstimmig, für die str ikenden Cigarrenarbeiter und Sortirer 5000 Mk. Unterstützung auszusetzen. Im Lause der letzten Woche sollen dem „Hamburger Correspoudent" zufolge sämmtliche Hamburger Fachvereine zu dem gleichen Zweck zusammen 100 000 Mk. aufgebracht haben. Paris, 24. Februar. Ein Bericht des „XIX Siocle" über ein angebliches Interview, welches einer seiner Mitarbeiter mit einem hohen deutschen Botschastsbeamten gehabt haben will, wobei Letzterer über eine eventuelle Pariser Reise des Kaisers Wilhelm sich geäußert haben soll, wird kompetenterseits als vollständig erfunden bezeichnet. — Kaiserin Friedrich besuchte das Gouvernanten- Heim in der Rue Rollet und besichtigte mehrere Ateliers. Dem Diner in der deutschen Botschaft wohnen der italienische Botschafter Menabrea und der türkische Botschafter Essad Pascha bei. Daran schließt sich eine musikalische Soiree. London, 24. Februar. Das Marinebudgec für 1891/92 veranschlagt die Ausgaben auf Lftr. 14^ Millionen. Hamilton führt in seinem Memorandum ans, daß von Den in dem Reorganisationsplane von 1889 vorgesehenen siebzig Schiffen vor 1894 neunundsechzig fertig sein sollen. Der Voranschlag der Baukosten werde infolge der Erhöhung der Materialpreife überschritten werden. London, 24. Februar. In der Nähe der Docks wurden heute Plakate angeschlagen, in welchen die Frachtstauer, deren Zahl sich auf ungefähr 3000 beläuft, aufgefordert werden,. Die Arbeit niederzulegen. Spalato, 24. Februar. Bei dem von den Gemeindebehörden zu Ehren des deutschen Geschwaders oev anftalteten geftbiner brachte der Bürgermeister einen Toast aus Kaiser Wilhelm, den treuen Verbündeten des österreichischen Kaisers aus. Der Eoittreadmiral Schröder erwiderte mit einem Toast auf den österreichischen Kaiser und dankte für daS liebenswürdige Entgegenkommen und die Gastfreundschaft. Das österreichische Geschwader ist heute in der Richtung nach Fiume abgedampst. Rom, 24. Februar. Die „Agenzia Stesani" meldet: Von M a s s a u a h aus unternahm eine Bande von 600 Mann einen Raubzug über die Grenze, wurde jedoch von Capitän Pinetti mit eingeborenen Truppen zurückgeschlagen. Der seindliche Verlust wird auf 200 Todte, darunter drei Aw führer, und zahlreiche Verwundete und Gefangene angegeben. Konstantinopel, 24. Februar. Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Victoria von Preußen und deren Gemahl, der Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe, sind heute Morgen hier eingetroffen. Washington, 24. Februar. Der Senat bestätigte die Ernennung Fosters zum Schatzsecretär. Rio be Janeiro, 24. Februar. In der gestrigen Sitzung des Congresses wurde die Verfassung in ihrer Form angenommen. Dieselbe soll heute veröffentlicht werden, ebenso soll heute noch die Wahl des Präsidenten und des Bitt- Präsidenten der Republik bekannt gemacht werden. Dieselben treten unmittelbar daraus ihr Amt an. Berlin, 25. Februar. Wie die Reichsbank betreffs der Zutheilung der Reichs anleihe verlautbart, erhält jeder Zeichner mindestens 200 Mk. Der Ueberreft soll nach gleichem Procentsatz vertheilt werden. n*t> prroiniielU». Gießen, 25. Februar. — Se. Kgl. Hoheit der Erbgroßherzog beehrte am SamStag Abend ein vor den Offizieren des hiesigen Regiments, deren Damen und einer Anzahl Gäste im Offizierscasino von der Regimentsmusik ansgesührtes Eoucert mit seinem Besuche. — Zu Ehren deS Herrn Geh. Med.-Rath Proseffor Eckhard veranstaltet die gesammte hiesige Studentenschaft morgen am 27. Februar einen Fackelzng, an dem sich auch Docenten und practische Aerzte von Gießen und auswärts betheiligen werden. — Der Männer - Tnrnverei« feierte am SamStag ^Steins Saalbcm" fein diesjähriges Winterfest. 7 iUoi.. DZ-r ,«» ober £?• «n. ,64' »onadj dl “"•nntlunqen „ ®w,t« ' - < Ä «sBSä*» !S-N..7,S"» Wn günfmat!. unll j?' ^"«ZuchihM »Au unt« P°l'M«W,7 »1*** ^erband deutscher ben Srt“nb h ^"Ctgarrenarbeitk “ng ^^setzen. Im Lois Hamburger Correspoud^ lchvereine zu dem glei^ gebracht haben. Sencht des „XIX W i welches einer seiner Mit- i Botschastsbeamten gehabt eine eventuelle Parisei m W tzeautzert haben soll nbig erfunden bezeichne, besuchte bas Gouvernanten besichtigte mehrere Atelier öotschast wohnen der itol- id der türfiföe Botschchi sich eine mufifalifäe Soitei as Marinebudget fi, a aus Lslr. 1V|2 anbum aus, daß W4? x IM vorgesehenen ;tx g fettig sein sollen, ü. e infolge der Erhöhurz in )e». der Nahe der Docks rouM »eichen die Frachtstauer, dem »laust, ausgejordert werden Lei dem von den Gemwöe ichen Geschwaders ve- e der Bürgermeister einer Ben treuen Serbündeten du cr tsoimeadmiral Schroder den ösierreichischen Karserrj Wn(ommenunbblt®^ . Geschwader ist heute rn K \,enüa Stefan? * n eine Bande von 600 M ■k !»•« >» • 1?*ÄÄ* USSÄKl • D.r ft* B li« rn uor. 3n . t’ ber dort ausgestellten Kunstsachen. ▼. Theater. Bei Gastspielen bedeutender auswärtiger Künstler treten naturgemäß stets die einheimischen Darsteller -sowohl während der Aufführung wie in der Besprechung ganz zurück, auch wenn ihre Leistungen noch so trefflich wären. Äm so willkommener ist uns die Gelegenheit, auf die in der .Hauptsache durchaus gute Besetzung der Rollen in Fuldas .„Wilde Jagd" noch einmal anerkennend zurückkommen zu können. Vor Allem verdient das wahre, in den ernsten Scenen «ebenso zu Herzen gehende wie in den komischen erheiternde Spiel deö Herrn Rudolf Biebrach rückhaltsloses Lob. Sein Dr. Weiprecht war wie aus einem Gusse und bildete «ine neue Bestätitzung der nicht gewöhnlichen schauspielerischen Befähigung seines Darstellers. Mit viel Laune und Gewandtheit spielte Herr Goullon den Paul Krüger, deffen Darstellung mit zu seinen besten Leistungen zählt. Sehr Lieblich und schalkhaft gab Frau Anni Reiners die sympathische Rolle der Helene. Fräulein Elisabeth Bischoff wußte ihre undankbare Aufgabe mit großem Geschick und Tacte zu erledigen und hatte mehrere sehr schön gelungene Momente in ihrem auch übrigens gewandten und treffenden Spiel. Dagegen konnte uns Herr Schreiner, der die möthige Wärme zu sehr vermissen ließ, nicht ganz befriedigen. Im Allgemeinen muß gerügt werden, daß die technische Beherrschung der Rollen bei mehreren Mitwirkenden recht mangelhaft war. — Theater. Benefizvorstellung für Herrn Rudolf Biebrach. Zur Aufführung an seinem Ehrenabend, die zugleich die letzte des Neuen Theaters in dieser Saison sein wird, hat sich auch Herr Rudolf Biebrach ein modernes Schauspiel ausgesucht und zwar ebenfalls ein solches, das einen socialen Conflict behandelt: den von Lindau für das kaiserliche Hofburgtheater in Wien bearbeiteten „Galeotto" des spanischen Dichters Jose Echegaray. Der Grundgedanke des geistreichen und packenden Dramas ist der, daß ost genug nicht die bestimmte, greifbare Schuld eines Einzelnen den Anlaß unglückseliger Katastrophen in dem Leben der Menschen bildet, sondern daß die Summe der womöglich arglosen Aeußerungen der großen Menge, hier ein spöttisches Lächeln, dorl eine halbe Andeutung, die Beziehungen befreundeter Menschen zu einander zu zerreißen vermag und sogar unschuldige Personen schuldig werden läßt, wenn nur die öffentliche Meinung sie lange genug mit einem ungerechten Verdacht belegt. Ein junger Dichter Ernesto (Herr Rudolf Biebrach) verkehrt ohne einen Hintergedanken mit der jugendlichen Gattin eines väterlichen Freundes, der seinerseits nichts gegen das Ver- hältniß der Beiden einzuwenden hat. Aber die giftigen Reden der großen Menge, die diesen Beziehungen eine ganz andere Deutung geben, dringen auch zu den Ohren des Ehemannes- sie verwirren seine Sinne und treiben ihn ins Verderben. Ernesto aber, der von sich aus niemals seine Wünsche auf das Weib seines Freundes zu richten sich unterstanden hätte, wird immer und immer wieder von der Menge aus sie hingewiesen und schließlich von heftiger Leidenschaft zu ihr entflammt, lieber den weiteren Verlauf der hochinteressanten und zu einem befriedigenden Ende führenden Handlung möchten wir nichts verralhen, um unsere Leser nicht der Spannung zu berauben. — Bei Scharlach und Diphtheritis glauben wir auf einen Punkt aufmerksam machen zu sollen, der vielfäch nicht beachtet wird, dessen Beachtung oder Nichtbeachtung aber von wesentlicher Bedeutung ist für die Eingrenzung oder Weiterschleppung ansteckender Krankheiten, wir meinen das Spielzeug kranker Kinder. In Freiburg kamen zwei solcher Krankheitsfälle vor, in welchen in ganz offenbarer Weise das eine Mal durch Papierpuppen, das andere Mal durch Stoffmuster, mit denen kranke Kinder gespielt hatten und welche dann einstweilen eingeschlossen und später wieder hervorgeholt wurden, nach mehreren Monaten die Krankheit auf andere Kinder übertragen wurde, die jene Dinge zum Spielen bekamen. Man soll deßhalb kranken Kindern nur solche Gegenstände belassen, welche man nachher vernichten kann und will. —e. Wieseck, 24. Februar. Die hier in Angelegenheit des projectirten Bahnbaues Londorf — Gießen circulirende Petition an Großh. Regierung und an die Kammer der Landstände ha: bis heute circa 500 Unterzeichner gesunden. — Dem Gemeinde- und Kirchenrechner Christoph Wilh. Huth in Langenhain (Kreis Friedberg) wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. — Die Kreise des Großherzogthums. Nach den Mittheilungen der Centralstelle für die Landesstatistik hat die Volkszählung am 1. December v. I. folgendes Ergebniß in den einzelnen Kreisen des Großherzogthums geliefert: Darmstadt 91296 mehr 7276 Bensheim 50039 mehr 1283 Dieburg 53649 mehr 647 Erbach 46388 weniger 1152 Groß-Gerau 41522 mehr 1717 Heppenheim 43873 weniger 43 Offenbach 93165 mehr 7826 Provinz Starkenburg 419932 mehr 17554 Gießen 74426 mehr 2520 Alsfeld 36657 weniger 30 Büdingen 38045 mehr 503 Friedberg 62117 mehr 629 Lauterbach 28403 weniger 288 Schotten 26488 weniger 232 Provinz Oberhessen 26*146 mehr 3102 Mainz 118390 mehr 9947 Alzey 28777 mehr 755 Bingen 37138 mehr 1253 Oppenheim 45006 mehr 554 Worms 69225 mehr 4838 Provinz Rheinhessen 308536 mehr 17347 Großherzogthum Hessen Personen. 994614, gegen 1885 mehr 38003 * Marburg, 23. Februar. Am 27. September d. IS. werden es 25 Jahre, daß das hiesige Jägerbataillon Nr. 11 aus Theilen des kurhessischen, des nassauischen, des preußischen Garde-Jägerbataillons u. a. neugebildet wurde. Das Bataillon wird diesen Tag mit einer entsprechenden größeren Feier begehen, nähere Bestimmungen über das Programm derselben sind jedoch noch nicht getrosten worden. * Wetzlar, 22. Februar. Ein sonderbarer Fund würbe gestern in einer hiesigen Mühle gemacht. In einem an einem Mahltrichter befestigten Sacke wurde die aufrecht stehende Leiche des 15jährigen Burschen Robert Schupp entdeckt. Der Junge war erstickt. Wie er in den Sack hineingekommen und wodurch die Erstickung hcrbeigeführt ist, darüber fehlt einstweilen jeder Anhalt. = Frankfurt a. M., 24. Februar. Im Irrsinn. Gestern Abend gegen 6^ Uhr machte die 32 jährige Gattin des aus der Neuen Zeil wohnenden Kaufmanns Ulmann einen Mord- und Selbstmord-Versuch. Die Frau, welche in Folge einer Krankheit an tiefer Melancholie litt, ging mit ihren zwei ändern, einem 10 Jahre alten Shiabcn und einem neunjährigen Mädchen, zu der gedachten Zeit am Main spazieren. Plötzlich fragte sie die Kinder, ob sie mit in den Main springen wollten, wenn sie vorangehe, und als die Kinder verneinten, stieß sie beide hinein und sprang dann selbst nach. Durch die Hülseruse der Kleinen belebte es sich bald am Flußufer. Einem Schiffer gelang es die Kinder, einem Ausläufer die Frau zu retten. Letztere kam erst nach vielen Bemühungen wieder zum Bewußtsein. Sie wurde in das Hospital, die Kinder zu Verwandten gebracht, da der Vater augenblicklich verreist ist. Heute mußte die unglückliche Mutter der Irrenanstalt übergeben werden. Die Verhältnisse der Familie sind gute und durchaus geordnete. Universität»«Nachrichten. Aus Jena wird berichtet: Der Geh. Kirchenrath Professor der Theologie Grimm, Ehrendoctor der theologischen Facultät der Universität Gießen, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Grimm hat während fünfzig Jahren an der thüringischen Hochschule gelehrt. — Die Hochschule in Harvard beschloß, das Studium deS Chinesischen und Japanischen facultativ stattt des Griechischen und Lateinischen für Studtrende der orientalischen Sprachen zuzulassen. Eingesandt. Gtetzeir, 25. Februar. Die Beschlüsse unseres verebrlichen Stadlvorstandes und der Großh. Handelskammer, betreffend die Nebevbahne« Londorf- Loltor, resp. Londorf-Gießen, haben in allen Kreisen der hiesigen Bürge» schast allgemeinen Anklang gefunden und wurde wohl seit langer Zett kein Beschluß unserer Stadtoäter allseitig so lebhaft begrüßt, da man allgemein einsieht, daß jede neue Bahnverbindung für die Stadt von enormem Interesse ist, umsomehr jetzt, wo uns durch den Bau der Bahn Nidda und Hungen-Friedberg ein großer Thetl des oberhesfischen Verkehrs entzogen werden dü,fte. Es muß auch als ein äußerst glücklicher Gedanke aufgefaßt werben, daß die Bahn im Nordende unserer Stadt aus-, resp. einmünden soll, es wird hierdurch die ganze Stadt an dem wechselseitigen Ve»kehr ihren Antheil haben. Es dürfte außerdem allen Verhältnissen Rechnung getragen werden, denn wer zum Justiz- gebäude, Kreisamt oder Rentamt will, oder wer im nördlichen Theil seine Geschäfte besorgt, wird am Nordende die Bahn verlassen, und Derjenige, welcher weiter reisen will oder im südlichen Theile Se- schäste zu erledigen hat, wird zum jetzigen Bahnhof wetterfahren. Der Verkehr der beiden großen Orte Alten-Buseck und Wteseck graoitirt ja heute schon nach hiesiger Stadt, dürste aber durch die Bahnverbindung nach lebhafter werden. Als von weiterem Gesichtspunkte bei der projectirten Bahnanlage dürfte nicht zu übersehen sein, daß sich, und Einsender dieses ist davon fest überzeugt, der Verkehr des sogenannten Ebsdorfer Grundes nach Fertigstellung der Linie Londorf-Gießen ebenfalls überwiegend nach hiesiger Stadt ziehen dürfte. Hoffentlich wird unsere Regierung und die Kammer der Landstände dem Projekt geneigt sein und in einem unserer Vaterstadt günstigen Sinne beschließen. —8.— — Interessenten seien auf die Ausstellung des Herrn 6mil Orbis in der Bahnhofstraße aufmerksam gemacht. Es sind dort wiederum, wie in früheren Jahren, Orange« von seltener «rötze ausgestellt, welche zu soliden Preisen abg>geben werben. Wöchentliche Meberficht der Todesfälle in Bietzen. 7. Woche. Vom 15 Februar bis 21. Februar 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (fad. 1600 Mann Militär). SterbltchkeitSziffer: 30,29 Voo bezw. 22,71 nach Ausschl. der Ortsfremden. _ _ , Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: 1 (1) 5 — _____________________1______— Summa: 12 (3) 5 (2) 6 T(lj . , Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenbai Krankest auf von Auswärts nach Gießm gebrachte Kranke kommen Diphtherie 1 (1) — Lungenschwindsucht 2 (1) 2 (1) Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 7 (1) 2 (1) Andere bekannte Krankheiten 2 1 erzielt man nur, wenn die Annoncen zweckmäßig abge- faßt und topographisch angemessen ausgestattet find, ferner die richtige Wahl der geeigneten Zeitungen getroffen wird. Um dies zu erreichen, wende man sich an die Annoncen-Expedition Rudolf Moese, Frank« furt a. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt, tzrvie Inseraten - Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original Zeilenpreife der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Äortheilen eine Ersparniß durch Jnfertionskoften erreicht wird. Vertreter in Gießen r Heinrich Wallach, Kaufmann 128 Gothaer Lebensverficherungsbank. Berfich.-Bcftandam I.Jan. 1891:75200 Pers. MÜ586 200000$«. Reu-Zugang im Jahre 1890: 4625 Vers, über 84500000 Bantfonvs am 1. Januar 1891 ...... 168000000 „ Versicherungssumme ausbezahlt seit Beginn 215840000 „ Ueberschutz andieVers.zu Vertheilen im J. 1891 6226063 „ Die Versicherungen Wehrpflichtiger bleiben ohne Zu schlagprämien auch im Kriegssalle in Kraft Versicherungsanträge werden entgegengenommen und jede gewünschte Laskunft wird gerne ertheilt von F. Gros, ^36 » Frankfurterstraße 7. Erfolg durch Auuonten Kucheu- und Tanueu- Scheithol) abzugeben bei R» Jung IV., 116] Klein-Linden lief# rt (Fr. Ohr. Pietsch) Schulstrasse Neu!!! Neu!!! 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M , von Morgen- 9 Uhr an, sollen im Hach- dorner Jntereffentenwald, Schlag Kirsbach am Weg nach Wolf-Hausen: 106 St. Eichen-Abschnitte von 5 bis 14 Meter Länge, 22 bis 53 Zentimeter Durchmesser, 37 St. Kiesern-Abschnitte von 6 bis 14 Meter Länge, 12 bis 35 Zentimeter Durchmesser, 100 St. Kiefern-Derbstangen, geeignet zu Dachsparren, an Ort und Stelle verlaust werden. Das Gehölze ist gut abzusahren und nur Vi Stunde von der Frankfurter Straße entfernt. Hachborn, am 23. Februar 1891. Der Waldvorstand: 1681____________Preiß. Lieferung einer Biehwaage. Für die Stadt Lich soll die Lieferung einer Viehwaage auf dem Submissionswege vergeben werden und liegen Voranschlag und Bedingungen aus hiesigem Bürgermeisterei-Bureau offen. Die Angebote müssen bis zum !♦ März 1891, mittag 1 Uhr, eingereicht fein. Lich, 24. Februar 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Walz. 1690 Donnerstag den 26. d. M., Nachmittags 2 Uhr, ru Gießen in der Bieker'schen Hoiraithe sollen geg. BaarzaAuna versteigert werden : 1 Zossaschravk, 1 Anzahl Regulateure und andere Uhren. «ngel. 1674 Gr. Gerichtsvollzieher. Packetsiegel Marken artleben» fyrl ag mUl i Sn v! Lest* m. m* Altsolo v ' ^^enebor ,!“* M ich. i«le?6w«arderenQuadl* m B“ - * ™Pfang zu neht der Kostei werden i* titmm Itfirgageo wpmfc*r NNtg. es® MM * 1 NI die tmnze MH liebe" SH z Bluna im W-r*7'/' Blam -B Frao ri701 IÄ,» «Sft* n zaMtslyA Ä-* ^lll vri-s Donnerstag den 26. Febr. Giehenev Anzergev. Beilage zu Rr. 48. - 1891. Feuilleton. fier einzige Sohn. Novelle von I. Bonnet. (8. Fortsetzung.) US Fant zu Scenen, doch hatte sie den Triumph, zu bemerke«, daß er vor der Gerechtigkeit ihrer Sache mit einer ungewohnten Aengstlichkeit zurückwich und sich größerer Aufrichtigkeit zu befleißigen suchte, wenigstens wo er sich sürchten mußte, von ihr durchschaut zu werden. Dies ermunterte sie, und wie bei allem, was sie sich vornahm, setzte sie in edlem Eifer für ihn das Werk unentwegt fort. Darüber ward ihr auch das Herz wärmer gegen ihn. Der, für den man ernstlich sorgt, bleibt einem nicht fremd und gleichgiltig. Mit der wachsenden Theilnahme en seinem Wohle quillt gleich dem Born aus verborgenen Liefen die Liebe hervor, nicht gleich die, deren Wonnen die Dichter preisen, sondern die Liebe, welche ihrer selbst vergessend, alles glaubt und hofft und duldet. Ein wärmender Sonnenschein strömte ihm von ihr aus und warf sein goldiges Licht über jeden seiner Tage, ob er ihn gut oder übel verlebte. Wenn sie seiner habhaft ward, was je länger desto seltener geschah, sah er sich gebannt durch ihr Geplauder über die gemeinsamen täglichen Interessen. Hätte ihn nicht eine innere Schwerkraft stets wieder hinabgezogen von ihrer lichten Höhe, so würde er unter ihrem veredelndem Einflüsse ein wundersames neues Leben in sich haben spüren müffen.j Einmal gewann sie ihm unter der Mitwirkung Tante Jettchens, die zum Besuche da war, den Entschluß ab, mit ihve« den ersten Sonntag des Beisammenseins durch einen Kirchgang zu feiern. Nachmittags kamen Gäste aus der Stadt. Man saß in dem Saale, dessen offene Thüren nach dem Garten und darüber hinweg nach der ferne dämmernden Stadt die Aussicht frei gaben. Er, der sich gerne selbst reden hörte, führte das große Wort. Auch des Gottesdienstes gedachte er und bot als pikanten Ohrenschmaus eine angebliche Stelle der Predigt dar. „Ich war wie angedonnert!" rief er mit künstlicher Erregtheit. „Er war wie angedonnert!" entfuhr es seiner kleinen Frau, und unwillkürlich hielt sie das Gelächter des Beifalls zurück. „Er war wie angedonnert! Und er hat geschlafen! Geschlafen, daß mir angst und bange ward." Arthur wollte verletzt auffahren. Aber sie hatte das nicht blos ärgerlich, sondern zugleich mit solcher Komik herauS- gestoßen, daß nun ein allgemeines, lustiges Auflachen seinen Zornausbruch verschlang und ihr Beifall gab. Auch schmeichelte ihm die steigende Achtung, die ihr als seiner Frau zufiel. Sie wußte sich unvermerkt eine Geltung zu verschaffen, die ihn mit ihr erhob. Die Gäste blieben spät. Eine herrliche Mondnacht ruhte über Garten und Gefilde. Da es draußen anfing, kühl zu werden, glimmte und summte das Feuer im Kamin. Die Gläser klangen Jin fröhlichster Stimmung zusammen. Alles war just, wie er es liebte, und als man endlich allein war, zeigte er sich zärtlicher als seit Langem. Alle schliefen bis in die Tag hinein. Als am anderen Vormittag Arthur aus seinem Zimmer auf den fliesenbelegten Flur hinaustrat, trippelte eben Tante Jettchen die Treppe herab. Frohgelaunt eilte er ihr entgegen. „Wie geruht, Tantchen? Fehlt Dir auch gar nichts auf Deinem Zimmer, bist Du mit allem gut versorgt?" „Ja, lieber Junge," sagte sie zögernd, während jetzt auch Mariechen zum Vorschein kam, „wenn ich offen sein soll, ein Kleiderständer wäre recht erwünscht. Man weiß nicht, wo man mit allen Sachen hinsoll." Er schlug sich vor den Kopf. „Ach, noch vor ein paar Tagen wollte ich den Tischler danach fragen. Ich habe schon so oft nach dem Kleiderständer geschickt." „Du irrst wohl, Männchen," platzte die junge Frau heraus. „Du hast wahrscheinlich hinschicken wollen."- Der Jnspector rief ihn in diesem Augenblicke eilig ab. Tante Jettchen, die erschrocken dreinschaute, zog die muthige Verfechterin der Wahrheit rasch an sich und flüsterte: „Aber sage nur, liebes Kind, wie kannst Du Deinen Mann immer so verbessern wollen?" „Weil es meine Pflicht ist, Tantchen. Wir sollen uns gegenseitig Gehilfen zum Guten sein." „Aber nicht vor Fremden darfst Du ihm in die Rede fahren. Ja nicht! Das bessert nicht, sondern verletzt und beschränkt Deinen segensreichen Einfluß." „Es ist unangenehm für den Zurechtgewiesenen. Aber desto sicherer und schneller wird er von schlimmer Gewohnheit lassen." „Oder er wird verbittert und unzugänglich auf solche Weise. Nein, Herz, die Art ist nicht richtig. Du mußt es mit ihm allein ausmachen und seine Fehler keinen anderen Augen preisgeben, auch mir nicht." Sie küßte Mariechen herzlich auf die Wange. „Versprich mir, liebes, edles Kind, um Deiner- imb seinetwillen anders zu verfahren. Mit Freude und Staunen sehe ich, welche segensreiche Macht hier von Dir ausgeht. Stint), ich danke Dir wahrhaftig, auch im Namen der Eltern. Gott lohne es Dir!" Die geplanten Bauten und Neuerungen wurden in Angriff genommen. Um die bedeutenden Geldsummen, welche wie immer in solchem Falle die Kostenanschläge weit überstiegen, herbeizuschaffen, hatte Arthur immer wieder Geschäfte in der Stadt, und je öfter er in der Stadt war, desto länger blieb er dort hängen, wie der Vogel an der Leimruthe. Es vergingen manchmal Tage, ehe er wieder kam, und bann geschah es oft mit so verdorbener Laune, daß Mariechen ver- muthete, er habe im Spiel verloren. Eine süße Hoffnung belebte sie. Sie fühlte sich Mutter und vertraute, ihr Kind werde vermögen, was ihr je länger, desto weniger gelang: den unstäten, wie von geheimen Mächten umgetriebenen Vater daheim festzuhalten. Die Stunde kam, wo ein liebes kleines Wesen das HauS mit seinem Stimmchen, der holdesten Musik für Elternohren und -herzen, durchtönte. In süßer Schwäche und seligem Glücke lag die junge Mutter da, ihr Kleinod unter wonnigen Thränen ans Herz drückend. Es war ein Junge. „Ein Junge!" rief der Vater in selbstvergessenem Glück. Er war wie vertauscht, als hätte er jetzt gewissermaßen ei« Recht auf sein häusliches Glück. , Ein Sonnenstrahl für zwei Herzen, der als ein wundersamer Lichtglanz durch beider Augen schimmerte, war das Kindlein an der Mutterbrust. Mariechen konnte lange Zeit nicht zu Kraft kommen. Der kleine Weltbürger hingegen, der einer Knospe glich, um deren Zukunft Frost und Gluth sich streiten, gedieh sichtlich und erfüllte alles mit immer neuem Entzücken. Was Mariechen von seinem Dasein gehofft, schien in Erfüllung zu gehen. Arthur verweilte von jetzt an nicht lange mehr in der Stadt. Einmal sprach er es den Zech- genossen, die ihn festzuhalten suchten, geradewegs aus: „Mein Junge ruft mich. Es liegt auf mir, als könnte ein Unglück geschehen, wenn ich länger als nöthig ausbleibe." Da nannten sie ihn einen Kindernarren und Weiberknecht; er aber schlug heftig die Thüre zu, schwang sich aufs Pferd und jagte heim. (Fortsetzung folgt.) Dermtfctpte». * «l,eq, 20. Februar. Eine auswärtige Conservensabrik läßt durch ihre Agenten mit den Landwirthen unserer Umgebung gegenwärtig Verträge abschließen wegen Anpflanzung von Erbsen. Die Fabrik will die letzteren in großer Menge zur Conservirung halbreif beziehen und den Centner mit 7 Mk. bezahlen. Das Saatgut soll von der Fabrik kostenfrei geliefert werden. ♦ Berlin, 20. Februar. Die Emancipations-Be- st re düngen der Frauen, wie sie in den Petitionen an die Parlamente zum Ausdruck kommen, nehmen einen immer weiteren Umfang an. Nachdem vor einiger Zeit der Reichstag um die Zulassung der Frauen zum Studium der Medicin und das preußische Abgeordnetenhaus um eine solche zum pharmaceutischen Studium ersucht worden waren, liegt jetzt dem letzteren eine Eingabe vor, in welcher die Errichtung eines Mädchenghmnasiums oder die Zulassung des weiblichen Geschlechts zur Ablegung des an den bestehenden Gymnasien eingeführten Maturitätsexamens in Antrag gebracht wird. * Ein Bürger in Kirchheim, der während des nord- amerikanischen Krieges drei Jahre lang auf einem Kriegsschiffe Dienste that, hörte, daß Amerika den noch lebenden Kriegern oder deren Hinterbliebenen Pension bezahle. Er wandte sich an die Behörden und erhielt die Nachricht, daß er vom Tage der Anmeldung an jährlich 600 Mk. Pension erhalten werde. * Als jüngst in Würzburg der Bürgermeister Vierheilig von Hain vom Schwurgericht von der Anklage des Meineids freigesprochen wurde, hat das Publikum nach der Verhandlung den Deuuneianten verfolgt, verhöhnt und ordentlich durchgebläut. * Canth (Schlesien), 20. Februar. Die Kinder eines Arbeiters in Sachwitz, ein Mädchen von 14 und ein Knabe von 12 Jahren erkrankten in Folge Genusses von Hunde- sleisch an der Tollwuth. Bei drei anderen Personen, die von demselben Fleische gegessen haben, sind bis jetzt Anzeichen der Tollwuth nicht bemerkt worden. Universität» > Nachrichten. - Wik bas„L-ipz.T-gebI." mit,heilt, ist Geh. Rath Pr-s-stor Dr. Brentano, der Nachfolger auf Roschers Lehrstuhl, unter glänzenden Bedingungen nach München berufen. Es steht zu erwarten, daß alles aufgeboten werde, um Professor Brentano der Leipziger Universität zu erhalten. — Aus Göttingen wird berichtet: Geh.Rath Professor Ferdinand Wüstenfeld, welcher mehr als 50 Jahre an unserer Universität als Bibliothekar thätig gewesen, beging am 10. d. M. unter allgemeiner Theilnahme sein 60jähriges Doctorjubtläum. Der Jubilar, geistig und körperlich frisch, ist 82 Jahre alt. Literat«» «nö Kauft. — Mehr Herz für- Volk! Von Lic. Paul Drews (1. Heft der evang. socialen Zeitfragen). Leipzig. Grünow. Preis 50 4- Die unter obigem Titel erschienene Broschüre sei allen Lesern dieses Blattes angelegentlichst empfohlen. Diese Schrift bespricht die Frage, die heute alle denkenden Menschen bewegt, die Frage: wie kann der Riß entfernt werden, der breite Volksschichten in einem größeren Abstande trennt; wie läßt sich der Haß besiegen, der zweifelsohne Tausende unseres Volkes gegen die bestehende Gesellschaftsordnung und gegen die „besitzenden Klassen" erfüllt? Der Verfasser beantwortet diese Frage nicht so, daß er irgend ein neues social- politisches Programm aufstellt. Vielmehr bekennt er, daß keine wie immer geartete Gesetzgebung jene Frage lösen wird, wenn wir nicht das zeigen, was der Verfasser an die Spitze seiner Ausführungen stellt: Mehr Herz fürs Volk! Es sind mannhafte Worte aus einem warmen Herzen, die eine reiche Erfahrung und eine scharfe Beobachtungsgabe zeigen. Sie wollen uns vor Allem das Verständ- niß für die Nöthe des (hand-)arbeitenden Volkes, für seine Bedürfnisse, seine Ideale aufweifen und darthun, wie jeder Einzelne hier mtt- helfen kann, Wunden zu heilen und Segen zu stiften. Wie eS der Verfasser meint, mögen die Kapitelüberschriften der kleinen Schrift andeuten: 1. Die Liebe auch ein soziales Programm. 2. ES fehlt an Liebe! 3. Verkehrt mit dem Volk! 4. Gerechtigkeit gegen die Sünden des Volkes. 5. Achtung vor der Arbeit des Volkes! 6. Achtung vor dem Ehrgefühl des Volkes! — Die Schrift ist der weitesten Verbreitung uno Beachtung werth. Solche Mahnrufe sind uns noth! Niemand wird sie ohne reiche Anregung lesen. Wir möchten das kleine Heftchen gerne in der Hand eine« Jeden sehen, der mit Arbeitern zu verkehren hat. Und wer hätte das nicht, wenn er nur an seine Dienstboten denkt. Ebenso würde die Schrift manchen denkenden Arbeiter überzeugen, daß er noch Freunde hat in Kreisen, wo er sie leider oft am wenigsten sucht, und daß es da auch Leute giebt, die daS vor Allem Nöthigste haben: Ein Herz fürs Volk! Gießen, 24. Februar. D----y. Sftraße Nr. 6, nächst der Sldanlage, bestehend in Wohnhaus, zweistöckig mit Mansarde, aufs Beste gebaut und vornehm eingerichtet, sowie in daranstotzendem großen Zier-, Obst- und Gemüsegarten ; mit Bleichplatz an der Wieseck, ist erb- ! vertheilungshalber billig zu verkaufen durch den Bevollmächtigten [267 I. Boeck, Wallthorstraße 18. s C. 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