lalbau. Wieder bei 'rftratze 8. Mitglieder " lur Damen ' Herren *0, -rs- Bahn, ® der Kasse. ,an Maskerade --^selbst. Dorstavd. V. ^tpr ” Abfa’**'' 5^ lia. Seituar, i5hti.: enkeller. Januar: . (teerte, litten Hodler- und t Helvetia, rren. — _ Btre 20 Pfg. " 23 „ 753 9f, B-VMMff. IIT, ’ 131.^ 92-10 9210 8110 77.20 114-15 453.81 2ü0.0il j56.60 136.60 1)4.10 33.20 cbt , MtD. Zanuar 18W rg, @oIb-'Ne Stf»“ S«* „ norbolt;»- r ® 0.4^ burgcr •» ^ias-Laurab''^' Jtl «.• rü-tS- lendrot-ruN W Md?W AbM- Ein junges ninlilhes Mädchen zu Kindern gesucht. __5stanlage 29,1. rüchiigenSchmted-elellen sucht H. rhoma-, Neuenwegs wahrer Schatze wMW« W« d--W befleckung (CMttU) ■ timen A-rMckE» jtrütmte Strf: [’«■ ^usZeldKdewchrW» T®t 27am PmH isiäftS&sl , ’öM. K1 ÄffftÄl Nr. 21 Zweites Blatt. Sonntag den 25. Januar 1891 Der ficfentr -«zeiger erscheint täglich, e*t Ausnahme des Montags. Die Sießmer W««rtienvrLir-r werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Bierteljährrg^ KVonnementsprrt»t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezeger 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedmod und Druckerei : KchntstrnteAr.^ Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren. t£ I Hr-ti-öeic-ge- Hichmer K-miNenöt-tt-k. Aus der deutschen HsndrlsstatistiK. Die statistische Uebersicht über Deutschlands Maaren- Einfuhr und Ausfuhr im Jahre 1889 ist kürzlich zur Veröffentlichung gelangt und weist sie nach verschiedenen Richtungen hin interessante und bemerkenswerthe Daten aus. Vor Allem erhellt aus ihnen, daß der Werth der Einfuhr nach dem Deutschen Reiche denjenigen der Ausfuhr im genannten Jahre insgesammt um 820 57000O Mk. überstiegeu hat, womit sich also aus's Neue zeigt, daß Deutschland weit mehr vom Auslande empfängt, als es dahin abgibt. Diese ja bekannte, aber jedenfalls höchst beachtenswerthe Thatsache erhält indessen noch eine besondere Beleuchtung, wenn man berücksichtigt, nach welchen Staaten einerseits das Deutsche Reich seine Maaren hauptsächlich aussührt und welche Länder andererseits Deutschland am meisten mit ihren Producten versorgen. An der Spitze der an der Einfuhr nach Deutschland am meisten beteiligten Staaten steht England, wie dies schon von jeher der Fall gewesen ist, denn das britische Jnselreich sandte uns im Jahre 1889 für 674 863000 Mk. Maaren. Dann folgen in der Einfuhr Rußland (551707 000 Mk.), Oesterreich-Ungarn (537 249 000 Mk.), sodann Nordamerika (347 500000 Mk.), Belgien (337 203 000 Mk.), Holland (286 180000 Mk.), Frankreich (285 435000 Mk.), Schweiz (181074000 Mk.), Italien (148 796 000 Mk.)- von den nachfolgenden Staaten — Brasilien, Britisch-Ostindien, Argentinien, Chile — überschreitet keiner mehr in seiner Maaren- Einfuhr nach Deutschland die Werthgrenze von 100 Millionen Mark. Wesentlich anders ist jedoch die Reihenfolge dieser Länder, wenn man dieselben nach den Maaren ordnet, die sie im Jahr 1889 von Deutschland empfingen. Allerdings mar- schirt auch hier England an der Spitze, denn die deutsche Waaren-Aussuhr nach Großbritannien betrug im Jahre 1889 nicht weniger als 651 777 000 Mk., dann aber folgt Nordamerika, welches für 395 037 000 Mk. Maaren von Deutschland erhielt. Es reihen sich sodann an Oesterreich-Ungarn (340 762000 Mk.), Holland (258 189 000 Mk.), Frankreich (210110000 Mk.), Rußland (196899 000 Mk.), Schweiz (177 402000 Mk.), Belgien (137 211000 Mk.), Italien (103 377 000 Mk.), Argentinien (60 672 000 Mk.) u. s. w. Mit England steht also Deutschland im weitaus lebhaftesten Waarenverkehr, denn derselbe betrug im Jahre 1889 seinem Gesammtwerthe nach rund 1326 Millionen Mark und diese lebhaften Handelsbeziehungen entsprechen erfreulicher Weise dem sich immer freundschaftlicher gestaltenden politischen Verhältnisse beider großen Mächte zu einander. Eine besondere Bedeutung besitzen indessen die Vereinigten Staaten von Nordamerika für die deutsche Waarenausfuhr, die letztere überstieg die Waareneinfuhr aus der Union im Jahre 1889 um ca. 77 Millionen Mark und diese Thatsache fällt für Deutschland um so schwerer in's Gewicht, als Nordamerika überhaupt das einzige Land ist, bei welchem die Einfuhr deutscher Maaren den Export der eigenen Producte nach Deutschland überwiegt. Die deutsche Industrie hat daher alle Ursache, sich dieses ihr wichtigstes Absatzgebiet zu behaupten und glücklicherweise ist Nordamerika trotz der Mac Kinley-Bill noch lange Zeit daraus angewiesen, viele seiner wichtigsten Bedürfnisse hauptsächlich vom deutschen Markte zu beziehen. Das größte Uebergewicht der Einfuhr über die Ausfuhr weist ver- hältnißmäßig Deutschlands Waarenverkehr mit Britisch- Ostindien und mit Rußland auf, namentlich ist die russische Einfuhr in den letzten zehn Jahren erheblich gewachsen. Rußland sendet uns vorzugsweise sein Getreide, gleichwie Oesterreich-Ungarn, und dies beweist, welche wichtige Stellung beide Staaten in Bezug aus die Versorgung Deutschlands mit Getreide einnehmen,- sollte eine Ermäßigung der deutschen Getreidezölle eintreten, so würde natürlich diese Bedeutung sich noch steigern. Was die deutsche Ausfuhr nach Frankreich anbelangt, so überwog dieselbe zwar bis zum Jahre 1889 noch immer die Einfuhr von dort, aber in stets abnehmendem Maße und das genannte Jahr weist zum ersten Male ein noch dazu beträchtliches Ueberwiegen (ca. 75 Millionen Mark) der französischen Einfuhr nach Deutschland über den deutschen Export nach Frankreich auf. Sollte, wie es den Anschein gewinnt, die gegenwärtig stark schutzzöllnerische Strömung in Frankreich vollständig zum Durchbruche gelangen, so würde in Zukunft der deutsche Absatz nach Frankreich voraussichtlich noch weit mehr abnehmen. ____________________________ Deutscher Reichstag. 50. Plenarsitzung. Freitag, 23. Januar 1891, 1 Uhr. Der mit Oesterreich geschlossene Vertrag, betr. den Anschluß der österreichischen Gemeinde Mittelberg an das Zollsystem des deutschen Reiches, wird ohne wesentliche Debatte in erster und zweiter Berathung genehmigt. . Sodann wird die zweite Etatberathung mit dem Special- Etat des Reichsamts des Innern und dem Anträge des Abg. vr. Barth (dfr.) auf Aufhebung des Verbots der Einfuhr amerikanischen Fleisches fortgesetzt. Abg. Dr. Windthorst (Etr.) tragt den gesundheitlichen Bedenken, welche der Aufhebung des Verbotes entgegenftehen, im vollen Umfange Rechnung; dennoch dürfe das Verbot keine Conttnental- fperre zu Gunsten der Agrarier werden. Die verbündeten Regierungm hätten sich längst mit der amerikantfchen Regierung in Verbindung setzen sollen, um die nöthigen Garantien für die gesundheitlich gute Beschaffenheit deS einzuführenden amerikanischen Schweinefleisches zu vereinbaren. Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Die bestehende Untersuchung des exportirten Fleisches in Amerika ist völlig ungenügend. Die amerikanische Regierung fordert auch für das bei ihr etngeführte Fleisch eine wett gründlichere Untersuchung, als sie selbst dem dort ausgeführten Fletsche angedeihen läßt. Wir kommen bei solcher Einfuhr in eine schlimme Lage. Wir haben das jetzt an der russischen Grenze gesehen, wo von sämmllichen Viehtransporten nur ein einziger unverseucht war. (Hört! hört!) Dabei weigern sich die russischen Behörden, die zurückgehenden Transporte wieder anzunehmen. Wir sind keine princtptellen Gegner der amerikanischen Einfuhr; sobald die gesundheitliche Gefahr beseitigt ist, können wir der Aufhebung des Verbots näher treten. Abg. Dr. Marquardsen (natl.) anerkennt die gesundheitliche Gefahr, stimmt aber dem Anträge in dem Sinne zu, daß die verbündeten Regierungm Bedacht nehmm, diese Gefahr zu beseitigen durch eine zuverlässige Untersuchung vor der Einführung in dm Handelsverkehr bei uns. Staatssecretär Frhr. v. Marschall: Es hat an Unterhandlungen und Ermittelungen nicht gefehlt; das Ergebnitz war der Entschluß der verbündeten Regierungen, mit Rücksicht auf die gesundheitliche Gefahr, das Verbot aufrecht zu erhaltm; übrigens finden weitere Erhebungen statt. Abg. Bebel (Soc.): Die englischen und holländischen Arbeiter haben doch feinen besseren Magen als die deutschen Arbeiter, und jene consumiren seit Jahren ohne Schaden das amerikanische Schweinefleisch. Es scheint aber, als ob nicht blos gesundheitliche, sondern auch agrarische Jnteresfm mit dem Einfuhrverbot geschützt werden sollm. Der Abg. Dr. Frege habe neulich geklagt, daß dm Arbeitern die Religion mtrtssm werde. Das liege daran, daß die Religion heute vielfach als Mittel zu Ausbeutungszwecken gebraucht werde. Es wird eben in den breitm Massen die Erkmntniß lebendig, daß man versuchen müsse, das bessere Jmseits wenigstens thetlweise schon hier auf Erden zu schaffen. Abg. v. Kardorff (Reichsp.): Die Verhältnisse in Amerika sollten früher so schauderhaft sein, wie man von der freisinnigen Seite behauptete. Jetzt soll alles in Amerika gut sein. Deutschland kann seinen Bedarf an Schweinen selber decken. Wie wenig sauber in Amerika Nahrungsmittel behandelt werdm, haben wir bet dem Gesetz über die Margarinbutter gehört. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit): Das Verbot ist nöthtg im Interesse der Landwtrthschaft und der Gesundheit. Wir kennen ja diese freisinnige Schweinepolttik längst; wenn sie getrieben wird, finden sich Socialdemokraten und Freisinnige zusammm. Freilich Sie haben keine Furcht vor Trtchinm, dmn Ihre Speise- satzungm verbieten Jhnm, Schweinefleisch zu essm. (Große, andauernde Heiterkeit!) An dieser Agitation werdm die Bauern ihre wahrm Freunde erkennen. Wer sagt Ihnen denn, daß das Fletsch nach Aufhebung des Verbots auch nur einen Pfennig billiger wird? Würde sich nicht nach früheren Mustern auch ein Wurst-Ring bll- ben? Wenn jetzt die Socialdemokraten, wie Herr Liebknecht sagte, mit leuchtenden Augen zu den Bauern kommen, dann werden sie wohl nicht mit leuchtenden Augm heimgeschtckt werden; wir werden den Bauern sagen: Bauer! Dein Feind kommt! Abg. W iss er (wild-ltb.) erhebt Protest gegen den Anspruch des Abg. v. Liebermann, die deutschen Bauern zu vertreten. Redner stimmt für den Antrag Barth. Die Debatte wird geschlossen. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Barth mit 133 gegen 106 Stimmen abgelehnt. Die Etatspositionen des Reichsgesundheitsamtes und des Patentamtes werdm ohne weitere Debatte genehmigt. Sodann vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr: Etatberathung. Schluß 48/, Ubr. provinzielles. — Eine unschätzbare Erwerbsquelle für Münster nutz Umgegend, so wird dem „Gr. Anz." geschrieben, bietet das Feuilleton. Justus von Liebig. Eigenhändige biographische Aufzeichnungen. (Schluß.) Die ersten Jahre meiner Lausbahn in Gießen verwendete ich beinahe ausschließlich auf die Verbesserung der Methoden der organischen Analyse und mit den ersten Erfolgen begann jetzt an dieser kleinen Universität eine Thätigkeit, wie sie die Welt noch nie gesehen. Für die Lösung unzähliger Fragen, die sich an die Pflanzen und Thiere knüpfen, an ihre Bestandtheile und an die Vorgänge ihrer Umwandlung in den Organismen führte ein gütiges Geschick in Gießen die talentvollsten jungen Männer aus allen Ländern Europas zusammen und man kann sich denken, welch eine Fülle von Thatsachen und Erfahrungen durch so viele Tausende von Experimenten und Analysen an mich kam, welche jährlich und viele Jahre lang von zwanzig und mehr unermüdlich thätigen und geschickten jungen Chemikern ausgesührt wurden. Ein eigentlicher Unterricht im Laboratorium, den geübte Assistenten besorgten, bestand nur für die Anfänger--meine speciellen Schüler lernten nur im Verhältniß, als sie mitbrachten } ich gab die Aufgaben und überwachte die Ausführung ; wie die Radien eines Kreises hatten alle ihren gemeinschaftlichen Mittelpunkt. Eine eigentliche Anleitung gab es nicht- ich empfing von jedem Einzelnen jeden Morgen einen Bericht über das, was er am vorhergehenden Tage ge- rhan hatte, sowie seine Ansicht über das, was er vorhatte - ich stimmte bei oder machte meine Einwendungen- Jeder war genöthigt, seinen eigenen Weg selbst zu suchen. In dem Zusammenleben und steten Verkehr miteinander, und indem Jeder theilnahm an den Arbeiten Aller, lernte Jeder von dem Andern. Im Winter gab ich wöchentlich zweimal eine Art von Uebersicht über die wichtigsten Fragen des Tages. Es war zum großen Theil ein Bericht über meine und ihre eigenen Arbeiten, in Verbindung gebracht mit den Untersuchungen anderer Chemiker. Wir arbeiteten, wann der Tag begann, bis zur sinkenden Nacht- Zerstreuungen und Vergnügungen gab es in Gießen nicht. Die einzigen Klagen, die sich stets wiederholten, waren die des Dieners (Aubel), welcher am Abend, wenn er reinigen sollte, die Arbeitenden nicht aus dem Laboratorium bringen konnte. Die Erinnerung an ihren Aufenthalt in Gießen erweckte, wie ich häufig hörte, bei den meisten meiner Schüler das wohlthuende Gefühl der. Befriedigung über eine wohl angewendete Zeit.^ Ich hatte das hohe Glück, daß vom Anfang meiner Laufbahn in Gießen an gleiche Neigungen und gleiches Streben einen Freund mir gewannen, mit dem mich jetzt nach so vielen Jahren die engsten Bande der wärmsten Zuneigung verknüpfen. Während bei mir die Neigung vorwaltete, die Aehnlichkeit in dem Verhalten der Körper oder ihrer Verbindungen aufzusuchen, besaß er ein unvergleichliches Wahrnehmungsvermögen für ihre Verschiedenheiten- eine Schärfe der Beobachtung vereinigte sich in ihm, mit einer künstlerischen Geschicklichkeit und einer Genialität in der Auffindung neuer Mittel und Wege der Untersuchung oder Analyse, wie sie wenige Menschen besitzen. Man hat oft die Vollendung unserer gemeinschaftlichen Arbeiten über die Harnsäure und das Bittermandelöl gepriesenes ist dies sein Werk. Ich kann den Vortheil nicht hoch genug anschlagen, den mir in der Erreichung meiner und unserer gemeinschastlichen Ziele die Verbindung mit Wöhler brachte - denn in ihr verknüpften sich die Eigenthümlichkeiten zweier Schulen, und das Gute, das jede sür sich hatte, kam durch das Zusammenwirken zur Geltung. Neidlos und ohne Eifersucht, Hand in Hand, verfolgten wir unseren Weg- wenn der Eine Hülfe brauchte, war der Andere bereit. Man wird eine Vorstellung von diesem Verhältnisse gewinnen, wenn ich erwähne, daß viele unserer kleineren Arbeiten, die unseren Namen tragen, von Einem allein sind- es waren reizende kleine Geschenke, die Einer dem Anderen machte. Nach sechzehn Jahren der angestrengtesten Thätigkeit stellte ich die gewonnenen Resultate, soweit sie die Pflanze und das Thier betrafen, in meiner Chemie angewandt aus Agricultur und Physiologie, zwei Jahre daraus in meiner Thierchemie und die in anderen Richtungen gemachten Untersuchungen in meinen chemischen Briesen zusammen. Die letzteren wurden in der Regel als eine Populärschrift ausgenommen, was sie für Den, welcher den Inhalt etwas näher ansieht, eigentlich nicht sind, oder damals, als sie erschienen, nicht waren. Nicht in den Thatsachen, wohl aber in den Anschauungen der organischen Vorgänge wurden manche Fehler begangen - wir waren aber die ersten Pioniere in dem unbekannten Gebiete, und die Schwierigkeiten, den rechten Weg einzuhalten, waren nicht immer überwindlich. Jetzt, wo die Wege der Untersuchung gebahnt sind, hat man es einen guten Theil leichter- aber alle die wundervollen Entdeckungen, welche die neuere Zeit geboren hat, waren damals unsere Träume, deren Verwirklichung wir sicher und zweifellos entgegensahen. seit Kurzem bei Münster eröffnete Braunkohlenbergwerk. Nachdem im vergangenen Sommer die Mächtigkeit deö Kohlenlagers, das an verschiedenen Stellen eine Stärke bis zu zwölf Meter erreicht, durch Bohrversuche constatirt worden war, schritt mau dazu, Stärke und Ausdehnung desselben durch Abteufen eines Schachtes und durch Treiben von Strecken genauer zu erforschen. Von dem Resultate dieser Arbeiten wird es abhängen, ob das Kohlenlager ausgebeutet wird oder nicht. Nach den bisherigen Resultaten scheint das Lager mit dem alten Bergwerk in Verbindung zu stehen. Wenn sich diese Annahme bestätigt, dann ist das Fortbestehen des Bergwerks auf viele Jahre gesichert. Da die Qualität der Kohlen, welche bereits in kleineren Quantitäten abgegeben werden, eine vorzügliche ist, so kann man dem Unternehmen einen sicheren Fortbestand nur von ganzem Herzen wünschen. + Hungen, 22. Januar. Der Gemeiudeschäser von dem benachbarten Orte R., welcher vor einigen Monaten wegen Schafdiebstahl und sonstigen Betrügereien flüchtig geworden war, ist plötzlich von Paris, wo er gewesen sein will, freiwillig zurückgekehrt und hat sich sofort der Gerichtsbehörde in Nidda gestellt. Vermisste«. * Nieder Roden, 15. Januar. Ein Schasheerdebesitzer aus Westfalen ließ kürzlich durclx seinen Hirten mit einer großen Heerde die in Pacht genommene hiesige Winter- Schafweide beziehen. Wegen der herrschenden Kälte sperrte der Schäfer die Heerde während der vorletzten Nacht in eine hiesige Scheuerteune. In der Nacht aber drangen zwei Hunde in die Scheune ein und verursachten unter den geängstigten Thieren schweres Unheil. Nicht weniger als 52 Schafe waren so zugerichtet, daß sie sofort abgeschlachtet werden mußten. Der Schaden beläuft sich auf etwa 1100 Mk. Die Frage, wer für den entstandenen Schaden auszukommen hat, wird zum gerichtlichen Austrage gebracht werden. (D. Z.) * Berlin, 20. Januar. Die Beiträge für das dem Fürsten Bismarck in Berlin zu errichtende Nationaldenkmal haben bereits die Summe von 913 000 Mark überschritten. —■——■—■——»—————■ ■■ ■■■«, Beiträge zur Obstbaumpflege. △ ArrS Oberhelsen, Mitte Januar. W-nn man an einem Bauernhause vorbeigeht, an welchem die Laden schief hängen, die Fensterscheiben zersprungen, die Löcher mit Papier verklebt oder gar mit Lumpen verstovft sind, wenn der Pfuhl aus dem Hofe lauft, während er auf Wiese und Acker vortrefflich düngen könnte, dann hat Einsender immer das Gefühl, als mutzte er den Bauer am Aermel schütteln und sagen: Guter Freund, hier läuft Euch ein großer Theil des Milchrahmes fort; wollt Ihr ihn nicht auffangenV Es kostet nur geringe Mühe. WWWW —III IW!!■■■! 11111111111111 VI IIWEBM—MBH Ganz dasselbe Gefühl beschleicht uns, wenn wir an einer Reihe von Obstbäumen vorübergehen, die krebsartige Wunden, Moose und Pilze und Misteln sehen lassen. Mit Anpflanzung von Obstbäumm auf Grundstücken errichtet der Bauer ein zweites Stockwerk aus seinem E'genthum. Wer die Bäume verkümmern, erkranken und verderben läßt, dem hängen im zweiten Slocke die Läden schief, dem sind die Scheiben eingestoßen und die beste Milch läuft ihm davon. Meine heutigen Zeilen gelten der Mistel (viscum album). Was der Bandwurm vet Menschen und Thieren ist, das ist die Mistel bei Birn- und Apfelbäumen, die sich aber auch lauf Eichen und Nadelhölzern ansiedelt. Daß der Strauch 1 bis 2 Fuß hoch wird, grünlichgelbe, sehr astige, sparrige gabelförmig zerthcilte Stengel, lanzettförmige, lederartige, gegenüberstehende glatte, ganzrandige Blätter und durchscheinende, glatte, kugelrunde, weiße, mit klebrigem Schleim gefüllte Beeren hat, wissen die meisten freundlichen Leser, glicht so bekannt ist die Art und Weise der Fortpflanzung des schädlichen Strauches. Die Fortpflanzung geschieht dadurch, daß sich die reifen Samenkörner der Mistel an die Rinde der Bäume anlegen und sehr bald Wurzel treiben, mit denen sie sich festhalten und immer tiefer etndringen. Der Baum muß so den Schmarotzer ernähren und dieser nimmt die besten Bissen weg, wie der junge Kuckuck im Neste eines anderen Vogels den eigentlichen Hauskindern (sit venia verbo) Nahrung und Unterschlupf verkümmert. Am meisten wird die Mistel durch Drossln, Blutsinken und Kernbeißer verbreitet. Diese Vögel fressen im Winter die Mtstelbeeren; die in den Beeren enthaltenen Samenkerne gehen jedoch unverdaut durch den Darm der Vögel und haften alsdann leicht auf den Aesten und Zweigen der Bäume. Wie schädlich die Mistel wirkt, hat die Chemie, die in der neuesten Zeit in die heimlichsten Schlupfwinkel der Unkräuter und des Ungeziefers hineindringt, in hochinteressanter Weise gezeigt. Der kleine Landwirth kann nicht Chemie studiren; ich will ihm die uns hier interessirende Sache aber doch in populärer, klarve» stündlicher Weise erklären. Damit ein Baum, sagen wir ein Apfelbaum, tüchtig Samen bringen, also Aepfel tragen kann, muß er seine Portion Phosphorsäure haben. Die Chemie hat nun festgestellt, daß die Asche des Apfelbaumes 4pCt. Phosphorsäure enthält; sie hat aber auch sestgestellt, daß die Asche der Mistel, welche auf diesem Apfelbaume wächst, 17pCt. Phosvhorsäure enthält, d. h. mehr als das Vierfache. Ist das nicht enorm? Habe ich nicht Recht, wenn ich sage: Die Mistel ist der Bandwurm des Baumes. Woher hat sie die große Masse der Phosphorsäure? Sie hat sie dem Baum abgezapft, abschmarotzt; deshalb heißt sie mit Recht eine Schmarotzerpflanze. Der freundliche Leser wird darum gerne zugeben, daß derjenige Bauer, der einige Mistelstauden aus seinen Bäumen wachsen läßt, manchen Centner Obst zum Fenster hinauswirft. Ebenso schädlich wie die Mistel sind die Moose und Flechten auf den Baumstämmen. Wie die Mistel, so enthalten auch Moose und Flechten eine ungewöhnlich große Portion Phosphorsäure, welche sie den Bäumen ausfaugen. Darum sind auch Moose und Flechten richtige Schmarotzer. Hieraus ergibt sich, daß der Bauer der Mistel, den Moosen und Flechten den Krieg erklären und sie vertilgen muß, wo er sie erblickt. Es ist bekannt, daß unter unserem Landvolke (auch hier und da unter manchen Städtern) noch eine hübsche Portion Aderglande steckt. Bis auf den heutigm Tag wird die Mistel als Mittel g;gen Epilepsie angesehen und angewandt. Sie bildete einen Hauptbeftand- theil des sogenannten „Markgrafenpuloers", von den die älteren Leute vielleicht noch gehört haben. Der Abglaube hinsichtlich der Mistel ist aber schon über zweitausend Jahre alt und stammt von den Druiden, bei denen sie ein bochbedeutsames Symbol war. Der Druidenpriester schnitt die Mistel von der Eiche, nachdem er vorher ein weißes Gewand anaelegt hatte. Der Mond durste erst sechs Tage alt sein; es wurden Opfer geschlachtet, die Mistel wurde zerkleinert und in einem Tranke herum- gcreicht. Dieser Trank galt als allgemeines Gegengift und sollte jibem lebendigen Geschöpfe Fruchtbarkeit verleihen. — Mit der Einführung des Cbristenthums verschwanden die Opfer und Gebräuche der Druidenpriester. Der Aberglaube in Bezug auf die Mistel stammt aber sicher von den althetdniscken Gebräuchen her und wer weiß, ob nicht mancher Bauer seine Scheu vor der Mistel von seinem Urgroßvater überkommen hat. In England spielt der Mistelzweig auf Weihnachten und bet anderen Feierlichkeiten beute noch eine Rolle. Bet uns in Deutschland ist die Mistel völlig überflüssig geworden und je eher sie verschwindet, desto besser ist es für den Baumwuchs. Nachschrift. Im Begriff, meinen Aufsatz zu schließen, erhalte ich die Nr. 12 Ihrer Zeitung vom 15. d. M. mit dem schönen Aufsätze von W. Petter aus der „Allgem. Deutschen Zeitung für Land- wtrihschast". Dieser Aussatz behandelt die Obstbaumpflege ganz allgemein. Meine Winke und Nathschläge über Mistel, Moose und Flechten und deren Beseitigung werden dadurch nicht allein nicht überflüssig, sondern sie treten dadurch nur noch deutlicher hervor. In meiner letzten Besprechung über Milchwirthschaft und Molkerei habe ich darauf hingewiefen und den kleinen, intelligenten Landwirth angeregt, auszurechnen: Wie viel'wirft eine ungeschickte, wenig reinliche Bäuerin in ihrer Milchwirthschaft während einer dreißigjährigen Wirksamkeit zum Fenster hinaus. Heute möchte ich zu einer anderen Berechnung anregen; ich wünsche eine annähernde Berechnung über das Exempel: Wie viel wirst ein träger Bauer, -er seine Obstbäume nicht von Moosen, Misteln, Flechten und Ungeziefer reinigt, während einer dreißigjährigen Wirksamkeit zum Fenster hinaus? Die Antwort soll für beide Fragen schon heute, wenn auch nicht in Zahlen, so doch in gemeinverständlicher Weise gegeben werden^ nämlich: Die Bäuerin wirst nach und nach eine kleine Scheuer und der Bauer nach und nach ein kleines Bauernhaus zum Fenster hinaus! Wer Ohren hat zu hören, der höre! Citeratttr uuf 2Cnnft — Soeben erschien die zweite Lieferung von Bechholds Handlexikon der Naturwissenschaften und Medicin, bearbeitet von A. Velde, Dr. W. Schaut, Dr. V. Löwenthal und Dr. I. Bechhold, ca. 10 Lieferungen a 80 Pfg. (Verlag von H. Bechhold, Frankfurt am Main). — Dieselbe enthält die Ausdrücke „Ausscheidung" bis „Casein". Aufs Neue bekundet sie die schon früher hervorgehobene vorzügliche Bearbeitung und Vollständigkeit, die von keinem anderen derartigen encyklopädischen Werke erreicht wird. — Werfen wir nur einen Blick in das Werk, so fallen uns sogleich einige Artikel von allgemeinem Interesse ins Auge, die mit einer geradezu frappanten Klarheit behandelt sind. Der Artikel „Bacterien" gibt ein anschauliches Bild von der Entwickelung und dem Leben dieser niedersten Organismen, deren Bedeutung erst in neuester Zeit gewürdigt wird. — Heber das „Bier" und seine Darstellung finden mir einen Artikel, der an Uebersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. — Wir bemerken nur noch, daß das Werk die Aufmerksamkeit, welche man ihm allgemein schenkt, voll und ganz verdient, denn es füllt eine wirklich bestehende Lücke in unserer Literatur aus. Holz-Versteigerung. Natürliche Mineralwässer Mittwoch den 28. Januar „ . ' OS öl 8. d. I. werden in dem District Reh hecke versteigert: 1 11 Abonnement. 593 57 tX 3.50 184 673 Heyer. 6.50 652J Geprüfte Lehrerin erteilt empfiehlt 505 Louis Flett, Wallthorstrasse 28° Insel Helgoland, Wolfstr. 9. [552 Hüttenberger, Seltersweg 5?. Westanlage 15, part. 2000 1000 rm rm rm rm 500 600 600 800 2000 600 500 800 5,23 fm. Buchen: 1 rm Scheiter, 3 Knüppel, 1100 Wellen, 9,4 Stöcke. Eichen: 67 rm Scheiter, 54,6 Knüppel, 5940 Wellen, 74,7 Stöcke. Nadel: 7 rm Scheiter, 4 rrn Knüppel, 300 Wellen, 5 rm Stöcke. Erlen: 2 rm Knüppel. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr auf der Kreisstraße Gießen-Steinberg an der Schweinsbrunnenschneise. Nähere Auskunft erthellt der Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten. Gießen, den 20. Januar 1891. Großy Obersörsterei Schiffenberg. 3dQöi)erpadjtuii(|. Die der Gemeinde Odenhausen zustehende Wald- und Feldjagd soll SamStag den 1. Februar l. I., Nachmittags 1 Uhr, auf dem Bureau der Bürgermeisterei öffentlich aus weitere sechs Jahre verpachtet werden. Odenhausen, 16. Januar 1891. Großh. Bürgermeisterei Odenhausen Lang. 562 Eichenstamm (Schmiedstock) von 89 cm Durchmesser, 0,8 m Länge mit 0,50 fm, Fichtenstämme von 15—22 cm Durchmesser, 10—13 m Länge mit 3,46 fm, Fichtenderbstangen von 8—14 cm Durchmesser, 7—10 m Länge mit Total - Ausverkauf. 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