Rt. 143. Mittwoch den 24. Juni 1891 Her fkgtitfs £*|ri#n täglich, wBs LiLnahm« bei Vkonta-L. Vn Nirtzssner gfc*frtt*eutfM »y*tn dem Anzeiger T-ch«Nlich btiimel ^«ig siegt. Gießener Anzeiger Keneral-Unzeiger. BiertckNchrig« JthiratstibFfftl 2 Mark 20 Pf,. «Ä Bringerloh«. Durch bie Post 2 Mark 50 Pkg. Äcbactton, LxpedW»^ und Druckerei: -ch«tstr«tze tzarecherechtt 51 Amts- und Anzeigeblatt für den Ttrei» Gieren. fflr.TOC-TOW.F—WW—w, . - I 11.>I» -----HJJMUJ ■■■IIIIIIIIII '—irr ■FIWMB‘'' EE-a'aarxr.'t?ak Anrtlichev Therl. Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 17. d. M., enthält: (Nr. 1965) Verordnung, betreffend das strasgerichtliche Verfahren gegen die Militärpersonen der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Vom 3. Juni 1891. (Nr. 1966) Übereinkunft zwischen dem deutschen Reich und Dänemark über die Aushebung des Abschoffes und Ab- fahrtsgeldes. Vom 5. Februar 1891. (Nr. 1967) Bekanntmachung, betreffend den Beitritt Spaniens zu der unterm 3. November 1881 abgeschlossenen internationalen Reblaus-Convention. Vom 6. Juni 1891. (Nr. 1968) Bekanntmachung, betreffend den Nachweis der Befähigung als Seeschiffer und Seesteuermann aus deutschen Kauffahrteischiffen. Vom 11. Juni 1891. Gießen, am 22. Juni 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Kriegsgerichtliches Erkenntnis. Der Rekrut Franz Josef Bachert von Hirschhorn, Hessen, aus dem Landwehrbezirk Freiburg, ist durch das unter dem 15. Juni 1891 bestätigte kriegsgerichtliche Erkenntniß vom 13. Juni 1891 in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und mit einer Geldstrafe von 160 Mark bestraft worden. Freiburg i. B., den 22. Juni 1891. Königl. Gericht der 29. Division. Deutsches Reich. Berlin, 22. Juni. Kaiser Wilhelm gedenkt, soweit bis jetzt bekannt, an diesem Mittwoch in den späteren Abendstunden seine Reise nach Holland und England von der Wildparkstation bei Potsdam aus anzutreten. Das nächste Ziel des kaiserlichen Herrn ist Kiel, woselbst er bis zum 29. ds. Mts. früh zu weilen beabsichtigt. Dann erfolgt die Weiterreise nach Hamburg, woselbst der Kaiser mit seiner erlauchten Gemahlin, welche zu diesem Zwecke am Abend des 28. Juni Potsdam verläßt, gegen 9 Uhr Vormittags zusammentrifft. Von Hamburg aus findet ein Besuch der Majestäten auf der Insel Helgoland statt, worauf man dieselben am nächsten Tage in Wilhelmshaven erwartet. Hier begibt sich das hohe Paar am Nachmittag des letztgenannten Tages an Bord der „Hohenzollern", um die Weiterreise nach Holland und England fortzusetzen. Dem Vernehmen nach ist der Aufenthalt der kaiserlichen Majestäten am englischen Hofe bis zum 14. Juli festgesetzt - hieran soll sich ein abermaliger Ausflug nach Norwegen anschließen. Falls keine anderen Bestimmungen platzgreifen, wird die Kaiseryacht „Hohenzollern" von der Kreuzercorvette „Prinzeß Wilhelm" begleitet werden. — Der am Samstag erfolgte feierliche Schluß des preußischen Landtages durch den Kaiser und König selbst entsprach ganz der besonderen Wichtigkeit der nun zu Ende gegangenen Session. Allerdings war die Thronrede des erlauchten Monarchen verhältnißmäßig nur kurz, aber sie zog trotzdem in treffendster und klarster Weise das Facit der jüngsten gesetzgeberischen Periode in Preußen. Gebührendermaßen traten in der Rede die Hauptergebnisse der Session, die Steuerreformgesetze und die Landgemeindeordnung, besonders hervor. Unverhohlen drückte der Kaiser seine lebhafte Befriedigung über das Zustandekommen dieser hochwichtigen Gesetze aus, wobei er zugleich betonte, wie ihm namentlich die ersprießliche Durchführung der Landgemeindeordnung am Herzen liegt. Auch hinsichtlich des Zustandekommens des Sperrgeldergesetzes bringt die Thronrede die volle Genugtuung des Kaisers zum Ausdruck, wobei es auch nicht an einer leisen Mahnung an die leitenden kirchlichen Kreise fehlt, bei ihren Ansprüchen nicht die Stellung und die Ausgaben des Staates zu vergessen. Schließlich schweifte die Thronrede aus das Gebiet der auswärtigen Politik ab, um nach dieser Richtung hin die freudig zu begrüßende Versicherung Kaiser Wilhelms zu zeitigen, daß der Weltsriede nicht gefährdet sei und daß sich der Kaiser unablässig bemühen werde, den Frieden zu erhalten. Diese Worte wiegen aus dem Munde des mächtigen deutschen Herrschers doppelt schwer, sie sind deßhalb weit über die Grenzen Deutschlands hinaus beifällig begrüßt worden und selbst der Pariser „Temps" urtheilt diese kaiserlichen Worte sehr wohlwollend. Das Pariser Blatt erblickt in dem Friedenspassus der preußischen Thronrede eine Bestätigung der überall gehegten Anschauung, daß der internationale Horizont wolkenlos sei, wodurch diese Thronrede tatsächlich zur besten Rede werde, welche man vom Oberhaupte eines Großstaates verlangen könne. Ausland. Basel, 22. Juni. Im ehrwürdigen Münster hier fand am Sonntag Abend 7 Uhr eine offizielle Todtenfeier für die beim Mönch enste in er Eisenbahnunglück ums Leben Gekommenen statt. Derselben wohnten u. A. auch die Consuln Frankreichs, Deutschlands, Belgiens und der Vereinigten Staaten bei. Der Senior der Baseler Geistlichkeit , Wirth, hielt die Trauerrede, die hervorragendsten musikalischen Vereinigungen der Stadt wirkten bei der Feier mit. Nach Beendigung derselben begaben sich die Mitglieder der Cantonsregierung auf das Bureau des Großen Rathes, von wo sie die Consuln im feierlichen Zuge nach dem Re- gieruugsgebäude begleiteten, woselbst der Regierungspräsident den Consuln für ihre Theilnahme dankte. — Aus Mönchen- stein liegen keine neueren, mit der Eisenbahn-Katastrophe zusammenhängenden Nachrichten vor. Ner»este Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau. Berlin, 22. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet: Das Curatorium der Reichsbank hielt am 20. Juni unter Vorsitz des Staatsministers Boetticher eine Sitzung, woran Miquel, Maltzahn, Präsident Koch und der württembergische Director Stieglitz theilnahmen. Berlin, 22. Juni. Der „Reichsanzeiger" publicirt, daß der Arbeitsminister Maybach unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers von seinem Amte entbunden und Eisenbahndirectionspräsident Thielen zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden ist. Berlin, 22. Juni. Der „Nationalzeitung" zufolge tritt der Reichsbank-Präsident Koch morgen eine einwöchige Dienstreise nach Süddeutschland an. Er folgt zunächst einer Einladung der Mannheimer Handelskammer und geht sodann nach Karlsruhe, Stuttgart und Frankfurt. Berlin, 22. Juni. Den „Berliner Polit. Nachrichten" zufolge ist das Ministerium des Innern mit der Ausdehnung der Landgemeindeordnung aus Schleswig-Holstein, sowie das Arbeitsministerium mit der Ausdehnung der Wegeordnung für Sachsen auf die Rheinprovinz beschäftigt. Weimar, 22. Juni. Staatsminister Stichling ist heute Abend g e st o rb en. München, 22. Juni. Im Parterre-Eckzimmer des Hof- th eaters, gegenüber der Hauptpost, brach heute Vormittag 11 Uhr, wahrscheinlich infolge der Ungeschicklichkeit eines Handwerkers bei der Herausnahme des letzten Gasometers, Feuer aus, das alsbald gelöscht wurde. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten verletzt. Basel, 22. Juni. Die Zahl der als vermißt Angemeldeten bei der Mönchen st einer Eisenbahnkatastrophe ist von 53 aus 31 zurückgegangen und dürfte sich nach Ansicht der Polizeidirection von Baselland noch sehr bedeutend weiter vermindern, da sich die meisten Anmeldungen als irrig erwiesen. Die einzelnen Wagentheile seien jetzt sämmtlich aus dem Flußbett gehoben. Das Gerücht, es liege noch ein Waggon mit Italienern in der Birs, sei grundlos. Rom, 22. Juni. In der Kammer theilte beim Sitzungsschluß der Präsident mit, daß Colajanni und Genossen den Minister Nicotera wegen des Verbotes der Ver- Feuilleton. Welche von Beiden? Novellette von I. Piorkowska. (2. Fortsetzung.) „Du magst sie also nicht mehr zur Frau haben?" fragte ich in aller Unschuld. „Nein," entgegnete er und ging pfeifend davon, offenbar, um dieser ihm fatalen Unterhaltung aus dem Wege zu gehen. . . , Ich wußte recht gut, was das zu bedeuten hatte- doch seufzend dachte ich, wenn wir Lillys ablehnender Antwort nur erst sicher wären. So verging die Zeit. Bernhard war inzwischen mehr bei uns als tn seinem eigenen Hause, und die Reitstunden waren so häufig und endlos, daß Sophie sich — meiner Meinung nach — mit ihrer Reitkunst schon hätte in einem Circus sehen lassen können. Eines Abends erreichten die Dinge ihren Höhepunkt. Georg war nach Canning geritten und noch nicht wieder zurückgekehrt, als Bernhard kam. Seine erste Frage war nach Sophie. Als ich ihm sagte, sie sei im Garten, griff er nach seinem Hute und wollte eilends wieder zur Thüre hinaus. Aus der Schwelle blieb er plötzlich stehen, kam zu mir zurück und gab mir einen Kuß. „Wünsche mir Glück, Schwester," sprach er, „ich gehe, Sophie zu fragen, ob sie meine Frau werden will." In der nächsten Minute hatte die Thür sich hinter ihm geschloffen. „Nun ist es gleich, ob Lilly ja oder nein schreibt," dachte ich mit einem Gefühl der Erleichterung und versenkte mich dann in die Zukunft, bis nahender Husschlag mich aus meinen Gedanken weckte. Meinend, es sei Georg, der heimkehrte, lies ich eilends an die Thür, aber es war nur der Postbote mit einem Briese für ihn. „Hier habe ich auch einen Brief für Ihren Bruder," meinte der Mann, „ist er etwa selbst hier?" Ich nahm auch diesen Bries und sah nach der Adresse. Sie war voa einer Frauenhand geschrieben und von S...., Lillys Heimathsort, abgestempelt. Kein Zweifel — das war die Antwort. Wie, wenn Bernhard zwei Zusagen an einem Tage erhielt?! Eilends lies ich zur Thüre und rief nach ihm, so laut ich konnte, um wenigstens zu verhindern, daß er vorher nicht erst mit Sophie spräche. Er kam auch schnell herbei. „O, Marie," sagte er, „das war schlecht von Dir, mich in dem Augenblicke zu stören, wo ich gerade richtigen Anlauf nahm- hätte ich nicht gedacht, zum mindesten müsse das Haus in Flammen stehen, wäre ich wahrlich nicht so eilends gekommen. Was gibt es denn?" Statt aller Antwort reichte ich ihm den Brief. Hastig riß er das Couvert aus und ließ seine Augen schnell über das Geschriebene gleiten. Voll Besorgniß beobachtete ich, wie er erst dunkelroth und dann leichenblaß wurde. „Gerechter Gott!" stieß er hervor, „Lilly ist bereits aus dem Wege hierher! — Sag, Schwester, was sänge ich nun an?" r , n/. „Hast Du schon mit Sophie gesprochen?" „Noch nicht. Ich war eben im Begriff, als Du mich riefest. Ach, mir ahnte doch ein Unglück! — Darauf war ich freilich nicht gefaßt. Wie thöricht von mir, zu glauben, daß ich nie ein Mädchen lieber haben könnte, als Lilly! — Lieb haben! — Ach, da wußte ich ja überhaupt noch nicht, was „lieben" heißt!" Und mit der Hand nach der Stirn fassend, lies er in höchster Aufregung im Zimmer auf und ab. „Dars ich den Brief lesen?" fragte ich. Es war ein reizend herzlicher Brief. Lilly schrieb, sie habe ihn immer geliebt, als er aber die Heimath verließ, ohne sich ihr erklärt zu haben, hätte sie sich zu ihrem tiefsten Leidwesen sagen müssen, er habe für sie nur ein Gefühl der Freundschaft empfunden. Wie hätte sie auch wissen können, daß er so edel, so groß dachte, daß er entschlossen war, erst ein schönes Heim zu gründen, bevor er um sie werben wollte. In dieser Weise ging der Brief weiter und schloß mit der Mittheilung, daß sie acht Tage nach dem Briefe selbst eintreffen würde. „Da bleibt Dir überhaupt keine Wahl," 'sagte ich, ihm den Bries zurückgebend. „Das weiß ich," versetzte er tiefernst, „aber eS ist traurig, seine Thorheit so büßen zu müssen. Adieu!" stieß er dann hastig hervor, verließ das Zimmer, sattelte sein Pferd und galoppirte^ nach wenigen Minuten heim, ohne sich von Sophie auch nur verabschiedet zu haben. Als die Arme ein halbes Stündchen später in das Zimmer kam, war sie nicht wenig verwundert, zu hören, daß Bernhard heimgeritten war- noch mehr aber wunderte es sie, daß ein Tag nach dem andern verging, ohne daß er sich wieder bei uns hätte blicken lassen. (Schluß folgt.) sammlungen bezüglich der Trippel-Allianz interpelliren. Ministerpräsident Rudini beantragt nach der Budgetdebatte die Verlängerung des Bankgesetzes, dann die Interpellation Cavallo Mis, betreffend die auswärtige Politik und endlich die auf die innere Politik bezüglichen Interpellationen, darunter auch diejenige Colajannis, zu berathen. Dieser Antrag wurde angenommen. Paris, 22. Juni. Der Senat lehnte den Antrag Melines ab, einen Steuernachlaß von sechs Millionen Francs für die Besitzer von im Frühjahre umgepflügten Getreidefeldern zu gewähren. Gouin legte seinen Bericht über die Herabsetzung der Getreidezölle vor, welcher die Annahme der Vorlage in der ihr von der Deputirtenkammer gegebenen Fassung empfiehlt. — Die Petitionscommission der Deputirtenkammer hat zahlreiche Petitionen, welche die Intervention der Regierung für die Vollendung des Panamacanals verlangen, abgelehnt. Paris, 22. Juni. Der „Temps" hebt in der Besprechung der vorgestrigen preußischen Thronrede besonders den Friedenspassus und die Bestätigung hervor, daß der internationale Horizont wolkenlos fei; tatsächlich sei es die beste Rede, welche man von dem Oberhaupte eines großen Staates verlangen könne. Bordeaux, 22. Juni. Gestern Nachmittag wurden zehn von den strikenden Omnibus-Bediensteten verhaftet. Bordeaux, 22. Juni. Zwischen der Polizei und den ausständigen Omnibusbediensteten, die die verkehrenden Wagen anhielten, fand ein Zusammenstoß statt. Drei Personen wurden verhaftet. Bordeaux, 22. Juni. Im Laufe des Tages und namentlich Abends ^kgmen noch mehrere Zusammenstöße zwischen den Strikenden und der Polizei vor. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Schließlich stellten Husaren die Ruhe in den Straßen her. Toulouse, 22. Juni. Für die Opfer der Mönchensteiner Katastrophe beabsichtigt ein Comite am 5. Juli ein Wohl- thätigkeitssest abzuhalten. London, 22. Juni. Im Unterhause erklärte heute Fergusson, die englische Regierung hat keinen Theil am Dreibund, that daher auch keinen damit in Verbindung stehenden Schritt; es sei nicht zu erwarten, daß die Regierung dem Hause die Bedingungen einer etwaigen Allianz mittheile, die ihr nur vertraulich bekannt geworden sein könnten und die die davon berührten Regierungen vielleicht nicht als zur Publikation geeignet erachteten. London, 22. Juni. Nach einer Meldung der „Daily News" aus Odessa beabsichtigt die russische Regierung, die in ihren Diensten stehenden englischenFeuerwerker durch fra nzöfische Feuerwerker, welche der französische Marineminister empfohlen hat, zu ersetzen; ebenso sollen fortan die Panzerplatten für die im Bau befindlichen russischen Schiffe in Frankreich gearbeitet werden, währerü> die Anfertigung bisher englischen Werken in Auftrag gegeben war. „Daily News" bemerken, die aus einer Aluminium- legirung gearbeiteten Creusot-Platten hätten zwar gewisse Vorzüge vor den Sheffield-Platten; die eigentliche Ursache des Wechsels in den Bezugsquellen der Panzerplatten sei aber der Wunsch der russischen Regierung, daß die militärischen Geheimnisse des Sebastopoler Arsenals in England unbekannt bleiben. Tiflis, 22. Juni. Unweit Saljan überfiel eine Bande von 17 Räubern den Postwagen mit zwei Passagieren, tödtete dieselben, verwundete den Postillon und plünderte die Nachbardörfer. Eine Escadron Cosaken wurde gegen die Räuber entsandt. Washington, 22. Juni. Ein Privatbries aus Santiago bringt Näheres über das am 7. Mai gegen die chilenischen Minister verübte Attentat. Als Godoy und seine Collegen die Deputirtenkammer verließen, ritten zwei in Ponchos Sombreros gekleidete Männer im Galopp vorbei und warfen zwei Bomben auf die Minister. Die eine derselben verfehlte ihr Ziel und explodirte harmlos, die andere explodirte überhaupt nicht. Balmceda schrieb das Attentat den damals in Santiago anwesenden Führern der Congreß- partei zu. Der Zwischenfall veranlaßte den Abbruch der Friedensverhandlungen. London, 23. Juni. Auf der Militär -- Localbahn bei Chatam stieß ein Zug mit Geniesoldaten mit einem leeren Zuge so heftig zusammen, daß 34 Soldaten mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Der Zusammenstoß erfolgte an einer Curve, wodurch die Maschinisten verhindert wurden, die Gefahr rechtzeitig zu bemerken. totales rrnd SroVinzicAes. Gießen, 23. Juni. — Auf das morgen (Mittwoch) in Steins Garten stattfindende Concert der ersten Solisten des Hamburger Stadt- tljeaW sei an dieier Stelle nochmals aufmerksam gemacht. Dre Sänger gastirten am Sonntag in Coblenz und die Berichte über ihre Leistungen lauten so günstig, daß hoffentlich schon der Hinweis darauf recht viele Freunde des Gesanges veranlassen wird, den Hamburger Solisten einen Besuch abzustatten. „Selten wurde uns", so schreibt die „Coblenzer Volkszeitung", „hier ein derartiger hoher Kunstgenuß auf dem Gebiete des Soloquartetts und Sologesanges geboten, selten aber haben wir einen solchen Einklang der Stimmen bei außerordentlich bestrickendem Material gefunden. Wahrhaftig, da konnte es nicht fehlen, daß des Gesanges Macht hinriß wie Orgelton und Glockenklang und die Hände nach jeder einzelnen Nummer so lange in Thätigkeit blieben, bis die Sänger nochmals erschienen oder sich 'zu einer Zugabe entschlossen." — Ueber das Auftreten der am 29. und 30. Juni Hierselbst (in Steins Garten) gastirenden Kaffeler OriginalOpern-Parodisten (Director Herr Greuling) liegt uns eine große Anzahl durchweg günstiger Beurtheilungen vor. So schreibt die „Schles. Volkszeitung" aus Breslau: Die Kasseler Original-Opern-Parodisten üben auf das Publikum fortgesetzt ungeschwächte Anziehungskraft aus; allabendlich ist der herrliche Garten des „Tivoli" überfüllt. Die Einzelvorträge sind gediegen und decent, liegen im Bereiche der Kunst und werden von den einzelnen Mitgliedern mit Accuratesse und Feinheit zu Gehör gebracht; ebenso die erheiternden Scenen und humoristischen Ensemble-Nummern, theilweise dem modernen Leben entnommen, gewähren den Besuchern angenehme Unterhaltung. Mit Spannung jedoch folgt das Publikum der jedesmaligen Aufführung der Opem-Parodieen, eine aus dem Gebiete der Gesangskunst und Komik sensationelle neue Nummer. Die Parodien, im becenteften Stil gehalten, sind von köstlichem Humor durchweht und die Musik (eine pikante, gediegene Operettenmusik) reiht sich dem Texte so schmiegsam an, daß man das Ganze zu den gelungensten Leistungen aus einer gegenwärtigen Sommerbühne zählen darf. Die Darstellung der Gesellschaft und das Zusammenwirken des Ensembles ist ganz vorzüglich. Ueberaus reicher Beifall wird der Truppe allabendlich zu Theil. — Die diesjährige Prüfung der Finanz-Aspiranten im Großherzogthum Hessen hat in den letzten Tagen in Darmstadt stattgesunden. Aus den drei Provinzen Rheinhessen, Starkenburg und Oberhessen hatten sich hierzu im Ganzen 78 junge Leute gemeldet, von denen jedoch 20 wieder zurückgetreten sind, so daß die Zahl der zu Prüfenden noch 58 betrug. Von diesen 58 Kandidaten haben 28 das Examen bestanden. — Die Genehmigung des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe betreffs der Fahrpreisermäßigung für Besucher der electrotechnischeu Ausstellung in Frankfurt a. M. liegt nunmehr im Wortlaute vor. Danach gestattet die Behörde, daß an allen größeren Stationen zweimal monatlich Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt zum einfachen Fahrpreis mit Zuschlag von 20 pCt. mit 25 Kilo Freigepäck zu haben sind. — Schuldienst-Nachrichten. Am 15. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Sturmfels aus Affolterbach, Kr. Heppenheim, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rüsselsheim, Kr. Groß-Gerau, — übertragen; am 19. Mai wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg- Birstein aus die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Götzenhain, Kr. Offenbach, präsentirte Schulamtsaspirant L. Höreth aus Ober-Ramstadt, Kr. Darmstadt, für diese Stelle bestätigt; an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Bereich aus Kettenheim, Kr. Alzey, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bosenheim, Kr. $0^, — am 20. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Mohr aus Nieder-Wöllstadt, Kr. Friedberg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roßbach, Kr. Friedberg, — am 26. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Kunckel aus Rockenberg, Kr. Friedberg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grünberg, Kr. Gießen, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Mäser zu Bönstadt, Kr. Friedberg, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bergheim, Kr. Büdingen, — übertragen; au demselben Tage wurde der von dem Kreisrath zu Offenbach, dem kathol. Pfarrer zu Klein-Krotzenburg und dem Orts- vorstand zu Hainstadt, Kr. Offenbach auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hainstadt präsentirte Schullehrer Wilhelm Kranz daselbst für diese Stelle bestätigt; am 27. Mai wurde dem Schullehrer K. Walther zu Dexheim, Kr. Oppenheim, die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mainflingen, Kr. Offenbach,— am 28. Mai wurde der Schulamtsaspirantin Barbara Volk aus Kastel, Kr. Mainz, eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Münster, Kr. Dieburg, — am 1. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Diener aus Angersbach, Kr. Lauterbach, die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Gründau, Kr. Büdingen, — übertragen; am 2. Juni wurde dem Georg H o henad el aus Bergheim das Patent als Geometer 1. Kl. für den Kreis Schotten ertheilt; am 4. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Buchinger aus Wies-Oppen- heim,^ Kr. Worms, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weinsheim, Kr. Worms, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Friedrich Karl Traub zu Heisters, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Köddingen, Kr. Schotten, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Karl Geißler zu Winterkasten, Kr. Bensheim, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bran- dau, Kr. Dieburg, — am 5. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Jans aus Urberach, Kr. Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Roden, Kr. Dieburg, — am 6. Juni wurden den Schulverwaltern Gerhard Dierks en zu Biblis, Kr. Bensheim, und Franz Völl- mecke zu Hainstadt, Kr. Offenbach, Lehrerstellen an der Gemeindeschute zu Bürstadt, Kr. Bensheim, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Adam Mahler wein aus Gimbsheim, Kr. Worms, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bechtheim, Kr. Worms, — am 9. Juni wurde dem Schulverwalter Joseph Hillebrand zu Groß-Zimmern, Kr. Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Offstein, Kr. Worms, — am 10. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Konr. Herber aus Angersbach, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wallenrod, Kr. Lauterbach, — am 11. Juni wurden den Schulamtsaspiran- tinnen Rosa Grooß aus Ockstadt, Kr. Friedberg, Antonie Kirch stein und Elisabeth B erdo lt, beide aus Mainz, Lehrerinnenstellen an der Volksschule zu Mainz, — übertragen; an demselben Tage wurde der provisorische 1. Lehrer und Dirigent der höheren Bürgerschule zu Ober-Ingelheim, Kr. Bingen, Hermann Klingelhöfser, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestellten Bolksschullehrers, zum 1. Lehrer und Dirigenten dieser Schule ernannt. + Lich, 21. Juni. Heute wurde ein hiesiger Drehorgelbesitzer wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. X Lindheim, 21. Juni. Der Sommercursus an der hiesigen Haushaltungsschule wird am 1. Juli er. mit 32 Schülerinnen eröffnet werden. A Alsfeld, 22. Juni. Am 19. ds. Mts. ging ein seither in der Arbeiter-Colonie zu Neu-Ulrichstein beschäftigt gewesener Arbeiter in Begleitung zweier Collegen, nachdem dieselben vorher den geistigen Getränken tüchtig zugesprochen, die Straße von Ober-Gleen zu hierher. Der Arbeiter legte sich in den Chausseegraben und schlief ein. Beim Erwachen machte er die Wahrnehmung, daß er seiner Baarschaft im Betrage von etwa 6 Mark und seiner bei sich führenden Effecten beraubt war. Die Thäter konnten bis jetzt nicht ermittelt werden. Friedberg, 22. Juni. Heute Vormittag 11 Uhr stürzte das Vordach der Güterexpeditionshalle mit großem Gekrache zusammen, als ein Fuhrwerk den einen Stützbalken, der vom Holzwurme oder Schwamm mürbe geworden, anrannte. Zum Glücke ist keinerlei Unglück außer Materialschaden zu beklagen. Bad Nauheim, 22. Juni. In der vorigen Woche sind 383 Personen, im Ganzen also 2864 Personen angekommen. Nächsten Mittwoch Abend wird bei günstiger Witterung der Sprudel beleuchtet. 5 r. Wölfersheims 21. Juni. Nächsten Donnerstag wird das 5 0jährige Dienstjubiläum des hiesigen Lehrers Hahn festlich begangen werden. § Vom hohen Vogelsberg, 21. Juni. Bei den letzten Holzversteigerungen hier im Oberwald wurden ganz bedeutend hohe Preise erzielt. Das Raummeter Buchen- Scheitholz 2. Klasse kostete z. B. 5—6 Mk. und das Meter Buchen-Reisig 1.60—2 Mk., Preise wie sie bis jetzt hier noch nicht bekannt gewesen. -r. Nieder-Weisel, 22. Juni. Ein frecher Diebstahl! In dem benachbarten Münster sand gestern Fahnenweihe des dortigen Gesangvereins statt, wozu auch viele auswärtige Vereine erschienen. Wirth Theis von dorten hatte die Fest- wirthschaft, und da es bei solchen Gelegenheiten viel Durst gibt, so war bei der Ausschankhütte starkes Gedränge. Plötzlich gewahrte ein Kassirer, daß seine Kasse, welche aus einem Teller mit einem Inhalt von ca. 70—80 Mk. bestand, verschwunden war. Die Kasse stand aus dem Tische, wo Getränke und Speise verabfolgt wurde. Es hatte sich Jemand den Verkehrstumult zu Nutzen gemacht, Teller und Geld, vielleicht auch noch ein Bratwürstchen dabei, gestohlen. Leider fehlt jede Spur von dem Thäter. vermischtes. *nn. Darmstadt, 22. Juni. Vor dem hiesigen Schwurgericht nahmen heute die Verhandlungen gegen den Lehrer Schröder von Spachbrücken ihren Anfang. Derselbe ist des Mordes, verübt an feiner Braut im Herbst 1886, angeklagt. Der Angeklagte, welcher im Alter von 26 bis 28 Jahren steht, macht den Eindruck eines gebrochenen Mannes und leidet sichtlich unter der furchtbaren Schuld, welche auf ihm lastet. Es sind eine ganze Anzahl von Zeugen geladen, so daß die Verhandlungen wohl noch morgen dauern werden. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, hat Schröder im Jahr 1884, zur Zeit als er Schulverwalter in Lengfeld war, ein Liebesverhältniß mit Marie Walther angeknüpst, und dieses Liebesverhältniß trotz der Anfeindung Seitens der Eltern der Walther fortgesetzt. Das Liebesverhältniß wurde von Schröder sehr ernst aufgesaßt, wie er sich denn auch gegenüber von Zeugen geäußert haben soll: „Ein Anderer als ich kriegt die Marie nicht, oder es giebt ein Unglück". Im Jahre 1886 scheint eine gewisse Erkaltung bei der Geliebten eingetreten zu fein, was aus den Briefen hervorgeht, die Schröder an seine Geliebte gerichtet hat und in denen er ihr Vorhalt macht. Von diesem Jahr an scheint überhaupt eine Umwandlung in Schröder vorgegangen zu sein, die schließlich darin gipfelte, daß er seine Geliebte sowie deren Eltern mit dem Tode bedrohte. Die Folge dieses excentrischen Auftretens war eine Strafversetzung nach dem Orte Steinbach i. O. Anstatt aber, daß sich das Verhältniß des Angeklagten mit seiner Geliebten bessern sollte, scheint es sicher zu sein, daß der Plan der beiderseitigen Tödtung von Schröder jetzt zur Gewißheit wurde. An einem Donnerstag im September, als die Frau Walther mit ihrer Tochter in Darmstadt war und mit dem letzten Zug nach Lengfeld zurückkehrte, paßte Schröder seiner Geliebten am Bahnhof auf und schoß dieselbe nach einem kurzen Wortwechsel vor den Augen der unglücklichen Mutter nieder. Die Verletzungen waren nach der Aussage des Medicinal- rathes von Hesse absolut tödtlich. Der Mörder richtete sodann den Revolver noch gegen sich und schoß sich noch zwei Kugeln in den Kops, so daß auch er in schwerverletztem Zustande aufgesunden wurde. Durch ärztliche Kunst wurde Schröder gerettet. Allein sein geistiger Zustand hatte seither so ge- ' itten, daß seine Uebersührung in eine Irrenanstalt nöthig wurde. Heute, also nach 472 Jahren, erwartet den Mörder der Arm der Gerechtigkeit. Zu der Verhandlung sind eine außerordentlich große Anzahl von Zeugen geladen, so daß der Irtheilsspruch vor morgen Abend nicht zu erwarten ist. * Worms, 20. Juni. Unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Küchler fand gestern Abend im kleinen Stadthaussaale eine Vorbesprechung des großen Festausschusses ür den hier abzuhaltenden hessischen Feuerwehrtag tatt. Man kam nach reiflicher Erwägung dahin überein, )en Feuerwehrtag acht Tage vor dem Sedanfeste, also auf den 23. August, sestzusetzen. Mit dem Feuerwehrtag wird eine Ausstellung von Feuerwehrutensilien, Feuerlösch- und Rettungsgeräthschaften verbunden sein. Die Ucbungen sollen elbstverstcuidlich innerhalb der Stadt vorgenommen werden, )as festliche Zusammensein der Theilnehmer hingegen wird bei gutem Wetter auf der Kieselswiese, bei ungünstiger Witterung in den zur Verfügung stehenden Sälen der Stadt statt- haben. * Braunfels, 22. Juni. Gestern Morgen gegen 7 Uhr entfernte sich eine bei einem hiesigen Einwohner sich aushaltende 80jährige Wittwe vom Hause, um nicht wieder zurückzukehren. Als man einige Zeit nach ihrem Weggange dem Verbleib der alten Frau nachforschte, fand man dieselbe tobt in einem Fischweiher liegen. Wahrscheinlich hat die Unglückliche aus Lebensüberdruß oder in einem Anfalle augenblicklicher Geistesstörung den Tod gesucht. * Marburg, 22. Juni. Gestern Nachmittag verbreitete sich das Gerücht, daß ein Student, welcher mit einem Grönländer nach Wehrda fahren wollte, eine Strecke oberhalb des Grüneberg'schen Hauses ertrunken sei. Nachdem diese Nachricht auch in Wehrda bekannt geworden war, kam rasch eine Anzahl Studenten von dort und anderes Publikum am Wehrdaer Weg zusammen und man erfuhr die Stelle, wo der unglückliche junge Mann zum letzten Male 'gesehen worden war. Es stellte sich heraus, daß es der stud. pharm. Namacher aus Görlitz, Mitglied der Pharmazia, war. Herr Ruhl gab den Studenten sogleich zwei Kähne zur Verfügung, um nach ihrem unglücklichen Kameraden zu suchen- ihnen schloß sich noch der Gärtner Model an, dem es auch, da Herr Ruhl das Suchen mit Haken, Stangen und Seilen unterstützte, gelang, nach beinahe zwei Stunden den jungen Mann als Leiche zu finden und zu landen. Wie der Unglücksfall sich ereignet hat, ist bis jetzt noch nicht ganz aufgeklärt. Es sollen noch zwei andere Herren gleichzeitig mit dem Verunglückten nach Wehrda gefahren sein und es ist gesehen worden, daß sich diese drei Herren gegenseitig auf dem Wasser geneckt haben. Ein größeres Boot, worin zwei Herren saßen, war auf den Hülferuf des jungen Mannes zwar herbeigeeilt, kam aber zu spät, um noch Hülfe bringen zu können, da derselbe schon untergesunken war. Es ist dies der erste schwere Unglücksfall seit 1884, welcher bei den Kahnfahrten oberhalb der Stadt vorgekommen ist. * Frankfurt a. M., 22. Juni. Die Ausstellung wurde am Sonntag den 21. von 16 629 Besuchern ä 20 Psg. frequentirt, während nach 4 Uhr 3767 Tickets abgegeben wurden. Der Gesammtbesuch des Tages betrug somit 20496 Personen. In der fünften Woche seit Eröffnung der Ausstellung wurde dieselbe von 24 697 Personen mit Tickets und von 16 629 Personen mit 20 Pfg.-Billets, das ist zusammen 41326 Personen, besucht. Die Gesammtzahl der seit der Eröffnung abgegebenen Tickers beträgt 137 598. Die Verbindungsbahn nach und von dem Maine wurde am Sonntag von 2105 Personen, insgesammt bisher von 5674 Personen, besucht. * Paris, 17. Juni. Die Kaiserin Eugenie hält sich, zum ersten Male seit ihrem Sturz, einige Wochen in Paris aus, lebt jedoch äußerst zurückgezogen im Hotel Continental, dem Tuileriengarten gegenüber. Sie verkehrt nur mit wenigen Personen, besucht hauptsächlich die Stätten, an welche sich ihre Erinnerungen knüpsen; so am Sonntag am Arm eines Freundes die Stelle, wo einst die Tuilerien standen. Sie sprach mit einem jungen Gärtner, der die jetzt dort befindlichen Anlagen zu pflegen hat, wurde aber nicht erkannt. Ueberhaupt vermöchten nur die wenigsten Pariser, selbst wenn sie sie früher wohl gekannt hatten, in der alten, gebeugten, greisen Frau die ehemalige, in stolzer Haltung strahlende Kaiserin zu erkennen. Besonders suchte sie den alten Schloßgarten der Tuilerien zu erkennen, in welchem einst ihr Sohn spielte, während sie von den Neugierigen, außerhalb des Gitters, angeftaunt wurde. HtttoeHitate < Nachrichten. — Die Frequenz der deutschen Universitäten beläuft sich in dem gegenwärtigen Sommersemester auf 28,625 gegen 28,711 im vorigen Winter und 29,317 im Sommer 1890. Es hat also die seit einigen Jahren rückläufige Bewegung im Universitätsbesuche auch diesmal wieder sich geltend gemacht. Im Einzelnen sind an den deutschen Universitäten zur Zeit immatrtculirt (in Klammern ist überall die entsprechende Zahl des vorigjährigen Sommers beigefügt): in Berlin 4611 (4781), Bonn 1386 (1424), Breslau 1342 (1308), Erlangen 1078 (1006), Freiburg 1138 (1254), Gießen 562 (590), Göttingen 831 (928), Greifswald 834 (878), Halle 1483 (1626), Heidelberg 1171 (1089), Jena 645 (656), Kiel 605 (634), Königsberg 717 (782), Leipzig 3242 (3177), Marburg 952 (941), München 3551 (3551), Münster 377 (396), Rostock 368 (360), Straßburg 917 (902), Tübingen 1393 (1422) und Würzburg 1422 (1612). Auf die Facultäten vertheilt sich die Gesammtzahl von 28,625 folgendermaßen: es sind eingeschrieben bei der theologischen Facultät 5552 (4251 evangelische und 1301 katholische), bei der juristischen 7381, wobei aber 412 Kameralisten und 148 Studirende der Forstwissenschaft eingerechnet sind, bei der inedtzintschen 8907, unter Zuzählung von 353 Studirenden der Zahnheilkunde (in Gießen sind noch 33 Studirende der Thierbeilkunde dieser Facultät beigezählt), bet der philosophischen endlich 6785; von den letzteren studiren 2968 Philosophie, Philologie oder Geschichte, 2168 Mathematik oder Naturwissenschaften, 1130 Pharmacie, 519 Landwirtschaft (von diesen letzten sind 364 allem in Bonn und Halle immatricultrt). Diese Zahlen bedeuten eine kleine Zunahme bei den katholischen Theologen, den Juristen und Medizinern, bei allen anderen Fächern ist dagegen eine nicht unbedeutende Abnahme der Zahl eingelreten. Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Schauspielhaus. Mittwoch den 24. Juni: Kabale und Liebe. (Louise: Fräulein Deman als Gast.) Gewöhnliche Preise. Donnerstag den 25. Juni: Vorletztes Auftreten des Fräulein Minow. Der Fall El em ence au. Gewöhnliche Preise. Außer Abonnement. „ , ~ , Freitag v?n 26. Juni: Egmont. (Elarchen: Fräulein Deman als ($. ft.) Gewöhnliche Preise. Samstap Den 27. Juni: Die Widerspänstige. Hierauf: Zum ersten Male wiederholt: Schneckenbergers Reiseabenteuer. Gewöhnliche Preise. ~ , Sonntag den 28. Juni: Abschieds-Vorstellung des Fraulein Minow. Die Geschwtstelr. (Marianne: Fräulein Minow.) Hierauf: Die Neuvermählten. (Laura: Fräulein Minow.) Zum Schluß: SchneckenbergerS Reiseabenteuer. Gewöhnliche Preise. Montag den 29. Juni: Gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Gewöhnliche Preise. Dienstag den 30. Juni: Letzte Vorstellung vor den Schauspielferien. Tochter des Herrn FabriciuS. (Agathe: Fräulein Deman als Gast.) verkehr, Land« und volksw^'ttzdrhaft. Sießen, 23. Juni. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,80—0,90, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. - H, Enteneier 1 St. 6-7 H, 2 St. - A, Käse pr. St. 5-8 4, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Lstisen pr. Liter 80 H, Tauben pr. Paar X 0,80—1,00, Hühner pr. Stück * 1,20—1.40, Hahnen pr. St- X 1,50-2,30, Enten pr. Stück X 2,00-2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd- 70—74 Kuh- und Rindfleisch 60-64 H, Schweinefleisch 56-64 4, Hammelfleisch 50—76 A, Kalbfleisch 50-56 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 7.50-9,00, Weißkraut pr. St- 3—7 3), Zwiebeln per Centner X 12,0—15,0, Milch per Liter 12—18 H, Kirschen per Pfd. 30 H. Friedberg, 20. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 0.95-1.15, Eier 1 St. 7 H, 2 St. 13 H. Literatur Uunft. — In der Buchhandlung von E. Trenckmann hier wird z. Z. ein .Jllustrirter Reiselatalog* ausgegeben. Derselbe enthält nicht nur ein reichhaltiges Verzeichniß bewährter Reisehandbücher und Führer, Routen- und Touristenkarten, Reisebeschreibuvgen, prachtvoller Atlanten, Eonversationsbücher usw., sondern auch, was gewiß von VortheU, eine Anleitung zu reisen. Etn reicher Bilderschmuck, der uns von vornherein mit den schönsten Punkten der Schweiz, des Schwarzwaldes, des Harzes usus. bekannt macht, begleitet die so recht die Reiselust weckende Vorrede des Merkchens. Uebersichtlich geordnet ist das Verzeichniß der Reisehandbücher und Führer, welchem sich ein Verzeichniß von Woerls Städteführer, sowie ein solches über Werke der Erdkunde, Reisebeschretbungen, wissenschaftliche Reisen usw. anreiht. Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-DvpLt von €r. Henne- berg (K. u. K. Hoflief.) Zurich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach bet Schweiz. 1019 Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 23. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12V2, Luft 19 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Veröffentlichung In unsenin Genoffenschaftsregister ist eingetragen, daß durch Neuwahl zum Director des Spar- und Vorschußvereins zu Alten-Bufeck, einge-! tragens Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, Heinrich Seuling I. von Alten - Buseck und zum Rechner August Th- Krämer von da bestellt worden sind. Gießen, 18. Juni 1891. Großh. Amtsgericht. ________Land mann._____5780 Arbeitsvergebung. Montag den 28. L M, Mittags 1 Uhr, sollen in der Gemeinde Mainzlar nachstehende Arbeiten öffentlich versteigert werden: veranschlagt zu Maurerarbeiten 48 jl. 75 H, Zimmerarbeiten 188 „ 22 „ Schlofferarbeiten 16 „ — „ Chaussirarbeiten 108 „ — „ Mainzlar, den 23. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Mainzlar. Vogel._______5779 -Mittwoch den 24. Ium, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier Möbel aller Arten, 2 Hobelbänke, 1 noch neues Pianino und ein gr. Quant. Backsteine Geißler, 5808 Gr. Gerichtsvollzieher. Ieitzeöotenes. H eubeit! Die Pfeifenfabrik von Oskar Rocholl in Cassel, Amaltenftraße 3, empfiehlt Wiederverkaufern die vorzüglich und einfach conftruirten Patent - Patronen- Schnelllader-Pfeifen D. R. P. Nr. 57361. Man fordere die Abbildung, welche gratis übersandt wird. Niederlagen werden in allen Plätzen gesucht._______________[5793 Neue Laudauer, Mylord, Victoria, Breaks re. zu verkaufen. 5790 E. Mohrmann, Hofschmied, ___________ Darmstadt._______ Feine frische Butter, per Pfund 80 Pfg. bei Abnahme von 10 Pfund- [5800 Heinrich Wallach. CO Telephon 105. Emser, Selters, Fachinger, Salzschlirfer, Friedrichshaller- und Hunyadi-Janos-Bitterwasser etc. ff. alte abgelagerte tm$8 bälSigst 5787 C. F. Schwarz Söhne Wettergasse u Marktstr. Radfahrerkarte von Oberheffen, Rheinprovinz, Nassau und Waldeck. Preis X 150. Vorrätbig in der Buchhandlung von E. Trenckmann. Gießen, Sonnenstraße 5, am 'Kanzleiberg. [5801 Ludw. Kohlerwann, Neustadt. W. Montarru- Ww., Marktstr. Eberh. Dort, Wallthorstraße. *Süb. 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Dern, Frankfurterstr. 86. 5806] Tüchtiges Larrfmädchen oder Lauffrarr zu miethen gesucht. __________________Löberstraße 15, III. 5786] Ein Lehrmädchen wird auf sogleich gesucht. Hotel Luy, Wetzlar. 5641] Ein in Küche, Wäsche und Hausarbeit erfahrenes Mädchen gesucht. _________Weserstraße 6, zweiter Stock. Eine goldene Damenuhr mit filbernem Zifferblatt und goldener Kette verloren gegangen. Gegen Belohnung abzugeben 5796 Ludwigstraße 36. Aermielfiun-en. 5792] In meinem Hause, Frankfurterfiraße 12, ist im unteren Stock eine aus zwei großen Zimmern, Küche mit Wasserleitung, Magdstube und allem Zubehör bestehende Wohnung mit eigenem Corridor zu vermiethen und alsbald beziehbar. ___________Rechtsanwalt Holzapfel. 5802] Kleines Familtenlogis mit allem Zubehör zu vermiethen. Christian Löber I. Wwe., __Neustadt 10.___ 5797] Ein Logis zu vermiethen. __ schreiner Heh, Kavlansgasse- 5782] Ein schönes freundliches Logis, vier Zimmer, Küche und Zubehör, mit allen Bequemlichkeiten an ruhige Leute zu vermieden. Wo? sagt die Exped. d. Bl. 5781] Ein großes möblirtes Parterre- zimmer zu vermiethen- Wallthorstratze 13. Uhr i stille Theilnahme bittet Burg Gleiberg, den i 1891. Die gestern Nachn entschlafen ist. sanft dem Herrn den 23. Juni 1891. Die tiefbetrübten Eltern: Hierdurch allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, dass unser liebes Töchterchen Heute Nacht 2 Uhr verschied nach enlager unser inniggeliebtes Söhnchen findet Mittwoch, den 24. Juni, 2 Uhr in Gleiberg statt. was wir Verwandten und Bekannten tiefbetrübt theilen. K* Steins Garten. "ME Mittwoch den 24. Juni: Einmaliges Concert erßer Solisten des Hamburger Stadt-Theaters. Mitwirkende: Leop.Landau, Mathieu Lorent, Fr. Weidmann vom Hamburger Stadttheater, sowie Willy Lorent aus Cöln. Preise der Plätze: Reservirter Platz Mk. 1.50, Zweiter Platz Mk. 1. Billet-Borverkaus: Für reservirten Platz Mk. 1.25, bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg 9, und in Steins Garten. 5687 Anfang des Concerts 8 Uhr. -^8 ____________________________C. Harder, Milch-Kur-Anstalt Hof NrKlar. Rationelle Milch-Production durch Trockensütterung Die Milch der Anstalt wird ärztlicherseits als bestes Nähr- und Kurmittel für Kirärer und Reconvalescenten empfohlen. Dieselbe wird täglich in verstegelten Flaschen ins Haus geliefert. Die Anstalt steht unter thierärztlicher Controle des Herrn Dn Kreuder zu Lich. Anmelde-Stelle zum Bezug der Milch bei Herrn Gemüsehändler Klotz, MäuSburg 17, woselbst auch jede weitere Auskunft bereit-- willigst ertheilt wird. H. Kammer, 5496_________________Pachter des HofguteS Birklar. Luftkurort Marbach i. Odw. Linie Frankfurt-Eberbach-Heidelberg, 15 Minuten von St. Hetzbach-Beerfelden. 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Bis jetzt ist uns leider das Wetter wenig günstig gewesen, die kalten Nordostwinde mit ihren Regenschauern und Hagel sind wenig dazu geeignet, einen Ausenthalt im Freien zu begünstigen und es bleibt uns nur ein, wenn auch schlechter Trost, daß andere hiesige Unternehmungen derselben Art, wie z. B. die englische Marineausstellung, die nicht gar weit von unserer Ausstellung ihre Thore geöffnet hat, denselben Mißständen unterworfen sind. Uebrigens mehren sich jetzt die Anzeichen, daß der Sommer endlich herankommt. Tempora mutantur! Noch bis vor ganz kurzer Zeit erging sich die gesammte englische Presse in durchaus nicht glimpflicher Weise über unfern Kaiser und tischte täglich ihren Lesern die größten Abenteuerlichkeiten auf. Heute hat die Corporation der City von London einstimmig beschlossen, ihm das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, welches ihm, nachdem er dessen Annahme zugesagt, mit großen Feierlichkeiten in dem alten Rathhause, der Guildhall, überreicht werden wird. Für das darauffolgende Festmahl hat die City 3000 Pfund Sterling und für die Decorirung der Straßen 500 Pfund bewilligt. Etwas Gutes hat übrigens das schlechte Wetter noch gehabt, da es der Ansstellungsverwaltung Zeit gegeben hat, I Alles völlig in Ordnung zu bringen, und soweit wie dies überhaupt der Fall sein wird, denn Abänderungen werden stets nöthig werden, können wir sagen, daß jetzt unsere Ausstellung fertig dasteht. In Verbindung mit derselben wird am 27. Juni daselbst ein großes deutsches Fest zum Besten des hiesigen deutschen Hospitals und der deutschen Wohlthätigkeits-Gesellschast stattfinden, und es wird Alles aufgeboten werden, um dieses zu einem durchschlagenden Erfolge, namentlich in Beziehung aus den Geldpunkt, zu machen. Beide Beneficianten verdienen es in reichem Maße. Wer da weiß, was es heißt, in fremdem Lande, oft ohne Mittel und der Sprache gar nicht oder doch nur unvollkommen mächtig, von Krankbeit heimgesucht zu werden, der kann sich ein Bild davon machen, welcher Segen unser in jeder Beziehung so treffliches Hospital für Tausende unserer Landsleute ist. Die Wohlthätigkeitsgesellschast wirkt im Stillen, aber nichtsdestoweniger überall die nöthige Hülfe spendend. Einmalige Gaben, Vorschüsse, ja selbst Pensionen werden mit freigebiger Hand gewährt, und die große Zahl derer, die in London das Eldorado, das sie zu finden hofften, nicht finden konnten und bitter enttäuscht und hülflos dastehen, erhalten durch sie die Mittel, nach der Heimath zurückzukehren oder, auf Wunsch, überseeische Länder zu erreichen. In Anbetracht dieses so wohlthätigen Zweckes ist es zu hoffen, daß dieses Fest ein durchaus erfolgreiches werden wird, und was unsere deutsche Colonie anbetrifft, so wird keine Mühe und Arbeit gescheut, um es dazu zu machen. Reich und Arm arbeitet nach besten Kräften und Niemand, der hilfreich fein will, wird zurückgewiefen. Bald darauf werden wir die hohe Ehre und die große Freude haben, unser Kaiferpaar in der Ausstellung begrüßen zu können- man kann also sehen, daß uns eine äußerst ge- schäftigte Zeit bevorsteht, denn obgleich das ganze Unternehmen für die Engländer berechnet ist, kann es doch die Hilfe des hiesigen deutschen Elementes nicht entbehren. Wir, die wir in dem ungeheuren London unfern Wohnsitz aufgeschlagen haben, wissen recht gut, wie viele unserer Landsleute, namentlich von der älteren Generation, sich dem Vaterlande gänzlich entfremdet haben und zum Theil mehr Engländer als diese selbst geworden sind. Ein Gleiches ist es mit den Söhnen dieser älteren Herren, die durchaus keine Deutschen sein wollen, während jedoch eigenthümlicher Weife die Enkel, die oft genug nicht einmal die Muttersprache verstehen, auf ihre deutsche Abstammung stolz sind. Bei unseren Wanderungen durch die Ausstellung aber begegnen wir gar vielen dieser Herren, Leuten, die sich bisher von uns fern gehalten haben, denen englische Industrie und Kunst und Wissenschaft, soweit es in ihren Handelsbeziehungen die eigene Tasche nicht berührt, als etwas Unübertroffenes und nie zu Uebertreffendes gilt und denen englische Sitte in ihrem ganzen Leben als Norm gilt. Dünkt es uns doch, als ob auf manchem Gesichte eine leichte Schamröthe liege, als wäre es ihnen nicht angenehm, in solcher Gesellschaft gesehen'zu werden, was thut es, der erste Schritt ist gethün, und obgleich vielleicht unwillig, kommen sie wieder zu der Ueberzeugung, daß uns unser ganzes Leben hindurch ein geheimes Band mit dem Vaterlande verknüpft. Die deutsche Ausstellung in London wird neben ihren Zwecken für unsere Industrie re. auch noch den Erfolg haben, daß sie uns mit dem Vaterlande aufs Innigste verknüpft. Es steht fest, daß diese Ausstellung den Engländern eine Offenbarung war, denn man schien anzunehmen, daß in Deutschland Kunst überhaupt nicht existire. Um so freudiger ist die allgemeine Anerkennung, die sich schon jetzt in den weitesten Kreisen zeigt. , , Die Kunst des Gärtners hat trotz der großen Schwierigkeiten infolge des schlechten Wetters wahrhaft Wunder gethan, und die Gärten und Anlagen erglänzen in voller Frühlingspracht. Noch hat der ewige Rauch aus Hunderttausenden von Schornsteinen, der Erbfeind aller Vegetation in und um London, keine Zeit gehabt, das herrliche Maigrün der Blätter von Baum und Strauch mit feinem häßlichen schwarzen Athem zu besudeln, und die Rasenplätze erscheinen wie große Flächen des feinsten Sammet. Da ist auch kein Hälmchen, kein Blatt, welches über das andere hervorragt, Alles ist eine dichtgedrängte Masse des herrlichsten Grün. Es ist ja eine wohlbekannte Sache, daß in keinem Lande der Welt Rasenplätze in solcher Vollkommenheit gedeihen wie in England. Auch außerhalb der Ausstellungsgebäude finden wir gar Manches, was unserer Aufmerksamkeit werth ist. Und da kommen wir zuerst auf die Musik. Die beiden deutschen Regimentsmusikchöre, das bayrische und das Darmstädter, haben London im Sturm genommen, und überall hört man über dieselben nur Anerkennendes. Selbst englische Musiker von Ruf gestehen offen ein, daß in ganz England kein Militärmusikchor existire, das diesen nur im Entferntesten gleich käme. Die um das Orchester herum aufgestellten Sitze sind stets gefüllt und reicher Applaus wird den Künstlern gespendet, wofür sich am vergangenen Samstag die Bayern damit bedankten, daß sie „Rule Britannia" spielten, was natürlich dem Nationalstolz der Engländer nicht wenig schmeichelte. Die zur Ausstellung gehörigen Gärten haben den großen Reiz, daß sie mit zahlreichen alten Bäumen bestanden sind, und unter diesen herum windet sich wie eine Schlange die endlose Reihe der Promenaden. Diese Feste im Freien waren bis vor wenigen Jahren in England gänzlich unbekannt, umsomehr ist der Engländer jetzt davon eingenommen. Hat es doch jahrelange harte Kämpfe gekostet, ehe es gestattet wurde, daß am Sonntag Nachmittag Coneerte in den Parks stattfinden. Trotz aller dieser Attraetionen, Musik, Kaisergallerie, Bauernhaus usw., darf auch des Lebens Nothdurst nicht vergessen werden und auch dafür ist reichlich für jeden Geschmack I und für die größere oder geringere Länge jedes Geldbeutels gesorgt. Zu einem guten Essen gehört auch ein guter Trunk und auch dafür ist Sorge getragen. Im Heidelberger Faß credenzen die Herren Mund & Co. von Berlin das edelste Gewächs vom Rhein, Mosel und Neckar, für uns Plebejer und unsere plebejischen Geldbeutel hat das Spatenbräu von München größere Anziehungskraft und wir können nicht anders sagen, als daß das dort verzapfte Bier dem Rufe des Herrn Sedlmayer alle Ehre macht. Ich 'Habe bis jetzt nur Gutes über die A> ellung berichten können, bei Gelegenheit des bayrischen B. ces kann ich jedoch nicht umhin, einen kleinen Stoßseufzer loszulaffen: 50 Pfennige für ein Glas Bier, zur Hälfte nur Schaum, ist wohl etwas hochgegriffen. Rudolph Schück. * Ein hübsches Späßchen ereignete sich gelegentlich eines Garten-Coneertes im „Lütticher Hof" zu Coblenz. Kommt da auch ein junger Mann mit einer Hose auf dem Arme gravitätisch anstolzirt und wird erst an der Kaffe auf den Jrrthum aufmerksam. Er hatte in der Eile zu Hause den Sommer-Ueberzieher mit der Hose vertauscht. Unter allgemeiner Heiterkeit machte er Kehrt und besorgte seine Unaussprechlichen wieder nach Haufe. Sie hatten ihm die Lust am Concert gründlich verleidet. * Das Mädchen mit dem Todtenkopf. In der letzten Sitzung der „Berliner medizinischen Gesellschaft" stellte Herr Dr. Saalfeld ein Mädchen vor, dessen Gesicht einen Anblick bot, wie er nicht gräßlicher gedacht werden kann. Es handelte sich um ein 26jähriges Mädchen, das int sechzehnten Lebensjahre an Lupus des Gesichts erkrankt war. Die allen Mitteln hartnäckig Widerstand leistende Krankheit hatte dermaßen gewüthet, daß Mund, Wangen, Nase, dazu das rechte Auge vollständig zerstört waren. Trotzdem allerlei plastische Operationen d. h. Ueberpflanzungen von Hautstücken benachbarter und entfernter Körpertheile, unter anderen auch von Professor Billroth gemacht waren, um den Substanzverlust zu decken, war doch der Mund nichts weiter als eine unförmliche Oeffuung, die beiden Wangen stellten blasse Narbenfelder vor und an Stelle der Nase war ein einfaches trichterförmiges Loch vorhanden. So glich das Gesicht einem Todtenkopf und bietet demnach ein Analogon zu jenem Fall, den der berühmte Chirurg Diffenbach in den vierziger Jahren unter dieser Bezeichnung beschrieb. Die unglückliche Person war nach Berlin gekommen, um sich heilen zu laffen, doch konnte hier nichts anderes geschehen, als für sie eine Sammlung zu veranstalten, deren Betrag ausreicht, um für sie eine Maske zu formen, die den gräßlichen Anblick einigermaßen verdecken soll. * Halle a. S., 19. Juni. In der ordentlichen Generalversammlung der A.Riebeck'schen Montanwerke-Aetiengesellschaft, in der 24 Aetionäre mit 2844 Stimmen vertreten waren, wurde die Dividende für das am 1. April abgelaufene Geschäftsjahr auf 15 % festgesetzt und das ausscheidende Mitglied des Aufsichtsrath wiedergewählt- der Vorstand theilte mit, daß die Aussichten für das laufende Geschäft als günstige zu bezeichnen seien, da sämmtliche Producte der Gesellschaft bei erhöhter Production zu besseren Preisen schlanken Absatz fänden. Die Zahlung der Dividende erfolgt sofort bei den bekannten Zahlstellen. UnhKtfbäts - Nachrichten. Leipzig, 18. Juni. Der derzeitige Rector der hiesigen Universität hat einen Aufruf an die Studentenschaft an das schwarze Brett anhesten lassen, worin er als dringend wünschenswerth bezeichnet, einen genauen Ueberblick über das Maß der Einberufungen zu militärischen Hebungen (nicht zur Ableistung des Freiwilligene JahreS!) zu gewinnen, welche an die deutschen Studenten der Leipziger Hochschule feit Anfang des Jahres 1891 ergangen sind, um die verschiedenen Konsequenzen dieser Einberufungen übersehen zu können. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, der Herr Rector wolle auf diesem Wege ermitteln, wie viele Studenten durch Einberufung zum Heere in ihrem Studium behindert werden. Landwirthschastliche Winke und Ratschläge. △ Airs Oberhefferr, Mitte Juni. Allerlei in l Bezug auf Fuhrwerk, Vieh, HauSwirth» schäft und AehnlicheS. Die Feldarbeiten werden Immer größer und dringender, da gllt es, Körper und Geist anstrengen. Der fleißige Landwirth kann'sich kaum mehr ausschlafen, denn er geht um 10 Uhr zur Ruhe und erhebt sich um 2 Uhr schon wieder. Zum Lesen, Schreiben und Studiren haben die Leute darum auch nur wenig Neigung und Zeit. Aber kurze Winke und Andeutungen in Bezug auf die gegenwärtigen Arbeiten, Verrichtungen und Anstalten sind doch vielen willkommen. Darum wollen wir unS heute auf Verschiedenes einrichten, dem Rathe des Altmeisters Göthe folgend, der seinem Schauspieldirector sagen läßt: „Wer Vieles bringt, wird Manchem Etwas bringen." In Betreff der Zrrgthiere, insbesondere der Pferde, ist zu bemerken, daß sie bei schlecht sitzendem Kummet schwer an Gefchirr- druS zu leiden haben. In kurzer Zeit sind die Haare und die Haut weggerteben und das rohe Fleisch sieht heraus. Die Wunde blutet, Fliegen und Bremsen kommen herbei, rauhe Leinwand und hartes Leder reibt auf der offenen Wunde herum und das arme Geschöpf leidet entsetzlich. Hier giebt es nun einige Mittel, die rasch und sicher die Wunden hellen; außerdem hat sie Jedermann sofort zur Hand, sie sind billig und leicht anwendbar, aber doch in ihrer vortrefflichen Wirkung nur wenig bekannt. Das erste Mittel, die Druckwunde bei Pferden schnell zu heilen, ist gebräunter Kaffee, der fein gemahlen und pulvertstrt werden muß. Man streut den Kaffee in die Wunden und findet, daß die Heilung bald beginnt. — Noch besser wirkt, wie erfahrene Fuhrleute bestätigen werben, ein anderes, leicht herstellbares Mittel. Man verbrennt ein Stück gut auSgebackeneS Brot, sammelt die Asche desselben und zerstößt sie in feiueS Pulver. Dieses Pulver wird, gleich dem vorhergehenden, in die Wunde gestreut und die Heilung beginnt fast augenblicklich. Wenn die Beschädigung nicht sehr schwer ist, kann das Thier schon nach zwei bis drei Tagen wieder zur Arbeit gebraucht werden. — Ein drittes Mittel wird in Norddeutschland, besonders in Schleswig-Holstein, oft angewandt, nämlich: Rutz a«S den Schornsteinen. Der Ruß wird, wie gerösteter Kaffee oder geglühtes Brod, zu seinem Pulver gestoßen und dick auf die Wunden aufgelegt. Dies wird einige Mal wiederholt. Sehr bald bildet sich eine Narbe und nach kurzer Zeit erfolgt die Heilung. Mit letzterem Mittel hat Einsender noch keine Proben und Erfahrungen gemacht; es wird aber, wie bereits hervorgehoben, in Norddeutschland häufig mit Erfolg angewandt. Jedenfalls sind die drei Mittel stets leicht erhältlich und wenig kostspielig, sie verdienen daher allgemein bekannt zu werden. Die heiße Jahreszeit ist herangekommen; alles was da lebt und webt empfindet Durst. Diejenigen Geschöpfe — außer den Fischen — welche sich viel bewegen, empfinden den Durst schärfer, als solche, welche sich ruhig verhalten, well die Transpiration eine viel stärkere ist. Die Zugthiere verlangen daher viel mehr Flüssigkeit, als die Stallthiere. Hier werden viele Unterlassungssünden begangen. Man darf die erhitzten Thiere nicht tränken, well es ihrer Gesundheit schadet. Aber wenn Abkühlung erfolgt ist, sorge man oft für gutes Trinkwaffer. Hunger thut weh, aber gegen die Qualen 1)es Durstes ist der Hunger nichts. Darum, lieber Landwirth, sorge stets, daß deine Pferde, dein Rindvieh, deine Schweine und dein Geflügel keinen Durst leidet. In unserer Provinz werden nur sehr wenige Ortschaften mit Waffermangel zu kämpfen haben. Die Beschaffung von gutem Trinkwasser ist daher nur eine ganz geringe Mühe, die sich reichlich lohnt. Man vergesse die Schweine nicht. Wir heben dieses Hansthier nur deswillen hervor, weil Hunderte von Landwirthen der Ansicht sind: das Schwein bekommt seine Nahrung vorzugsweise in flüssiger Form, also hat es blankes reines Wasser nicht nöthig. Andere meinen: das Schwein wühlt in Pfützen und Sümpfen herum und erhält dadurch, abgesehen von seiner flüssigen Nahrung, noch Flüssigkeit genug, es brauche daher kein Trinkwasser mehr. Diese Ansichten sind nicht richtig und davon kann sich Jeder mit Leichtigkeit überzeugen. Man mache einmal in heißen Tagen den Versuch damit, daß man den Schweinen frisches Trinkwasser reicht und jeder wird sich sofort davon überzeugen, daß es begierig ausgenommen wird. Es trägt zum Wohlbefinden und besseren Gedeihen des Thieres wesentlich bei; -die geringe Mühe lohnt sich also ohne allen Zweifel. Citeratat tmfc Kimft — Im sechsten Hefte Der Monatsschrift ^Unsere Zeit*, herausgegeben von Friedrich Bienemann (Leipzig, F.A. Brock- Haus), begegnen wir weiteren „Nordseescizzen eines Naturforschers", in denen Friedrich Heincke die Erlebnisse und Ergebniffe der von ihm geleiteten Expedition zur Erkundung der Bedingungen für die deutsche Hochseefischerei zur lebensvollen Anschauung bringt. Ferner werden „Talleyrands Denkwürdigkeiten" nach den bisher erschienenen ersten Bänden der deutschen Ausgabe Ebelings in ihrem culturgeschichtlichen Werthe gewürdigt. Friedrich Earl Peterßen wirft einen Blick auf „Die bildende Kunst in Frankreich" während der letzten zwei Jahre. „Reifeeindrücke und Stimmungsbilder aus der Türkei" beschäftigen sich mit den wirthschastlichen und Verwaltungszuständen des Osmanischen Reichs, mit den Aufgaben und dem Wirken der deutschen Offiziere und Beamten in seinem Dienste und mit der deutschen Colonie in Constantinopel. Heinrich Martens, der Specialift für scandinaoische politische Verhältnisse, läßt im Aufsätze „Die politische Gesundung Dänemarks" den Kampf der Opposition des Folkething gegen das Ministerium Estrup, die Abwendung der Mehrheit unter der Führung Bojsens vom Agitator Berg und seiner „Verwclkungspolitik" und das (Ergreifen der Verhandlungspslitik wie das Entgegenkommen der Regierung während der letzten Reichstagstagung am Leser vorüberziehen. Von allgemeinster Theilnahme wird des Major a. D. Joseph Schott „Rückblick auf Leben und Wirken Gras MoltteS" begleitet fein — eine Betrachtung, wie sie der ernsten Zeitschrift würdig ist. Das Gleiche gllt von dem Nekrologe, den Karl Krumbacher dem am 1. Mai verstorbenen berühmten langjährigen Mitarbeiter der Zeitschrift Ferdinand Gregorovius gewidmet hat. Mit einer Todtenschau und dem Register zum ersten Bande des laufenden Jahrgangs schließt das Heft. — Erziehung, Unterricht und Idealismus von Wolfgang Körber. Breslau. Verlag von Wilhelm Koebner. Preis 1 Mark. Diese Schrift zeichnet sich dadurch vor vielen anderen aus, daß sie nach dem allzuwenig beobachteten Grundsätze, die deutsche Jugend nach deutscher Eigenart zu erziehen und zu bilden, in ihren eindringlichen Betrachtungen über die Reform des Unterrichts durchaus dem Geiste des gefunden, echtdeutschm Idealismus einen lebendigen Ausdruck gibt. Je wahrhaftiger und ernster sie es damit nimmt und je mehr sie damit das Werk der Umbildung an der Wurzel angreift, um so weniger geräth sie in die Gefahr, sich mit Phrasen ober Abstractionen zu begnügen, sondern bewegt sich durchweg im vollen Leben und baut den Unterricht selbst erst auf dem natürlichen Grund der elterlichen Erziehung auf. Indem der Idealismus nach deutscher Art nicht revolutionär, sondern reformatorisch auftritt, gewinnt er ich auch die wohlthuende Freiheit, bei aller strengen Kritik am Belebenden doch nicht von einem gewaltsamen Umsturz auszugehen, onbern überall anzuknüpfen an die vorhandenen Bildungen unseres jefammten Unterrichtswesens, das durch eine gründliche Einwirkung rieses edlen Geistes in einer bedeutsamen Krisis vor vielseitig be- ürchteten Gefahren glücklich bewahrt werden kann. AritzrSsteues. Täglich irischen Kirsch- und Stachelbeer-Kuchen empfiehlt Cooditorei Bettler Süd-Anlage. Fernsprech-Anschluß Nr. 71. [5515 Feinsten deutschen COGNAC ärztlich empfohlen Literflasche Mk. 2.—. Liqueure and 111 Wein-Essig von Georg Scherer & Co., Langen. Alleinige Niederlage: Adolf Geisse vorm. 6. C. Windecker Seltersweg 8, Ecke am Kreuz. 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