1891 Krrajscechrr 61, Amt»- mtb Anzeigeblatt ffir den Atvei» Gietzen. wswggww Anrtli^ev Theil ÄCe Lrmv*ce»-Vurraux M Jr»- urtb KmMboW Lnzet-en für deu „Gießener Än|ei|cr* cntgege». Rr. 273. Zweites Blatt. Sonntag den 22. November Localer uni provinzieller. Gießen, 21. November 1891. — Sitzung der Stadtverordneten vom 19. November. Anwesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorfs, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Georgi, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Herr Oberbürgermeister Gnauth eröffnet die Sitzung, indem er dem Bedauern über das Hinscheiden des Herrn Stadtbaumeister Sties Ausdruck giebt. Er bittet die Versammlung, zum äußeren Zeichen der Theilnahme der Stadtverordneten-Versammlung wie zum Zeichen der Dankbarkeit für die Mitwirkung des nun Verstorbenen an der Entwickelung der Stadt, sich zu erheben. (Geschieht.) Es folgt eine Mittheilung über den Bericht, welchen der Berliner Ausschuß für die im vorigen Jahre veranstaltete Mo ltke fei er, insbesondere in Bezug auf die Adresse der deutschen Städte und die Verwendung der gesammelten Gelder, erstattet hat. Danach konnte die Votivtafel mit dem Text der Städte-Adresie dem Generalfeldmarschall Grasen Moltke in Folge dessen Todes nicht mehr überreicht werden- sie soll, nachdem sie bis zum Frühjahr nächsten Jahres in Berlin ausgestellt gewesen, dem Moltke'schen Mausoleum in Creisau einverleibt werden. Die Städte-Adresse ist unterzeichnet von 1307 Städten und soll ebenfalls in Creisau aufbewahrt werden. Die nach Abzug aller Kosten (für die Adresse, die Votivtafel, den Aufbewahrungsschrank u. s. w.) von den gesammelten 40000 Mk. noch verbleibenden 18 000 Mk. sollen, dem Willen Moltkes entsprechend, ausschließlich zu Wohlthätigkeitszwecken Verwendung finden. — Nachdem vor Kurzem beschloffen worden, aus die von der hiesigen Leich enkasse-Gesellschast herabgesetzten Sätze für die Benutzung der Leichenwagen ein- zugehen, ist vom Vorstande der Gesellschaft der Bürgermeisterei die Mittheilung zugegangen, daß die ermäßigten Sätze am 15. November in Kraft getreten sind. — Nach der vom Herrn Oberbürgermeister vorgetragenen Ueberficht über die landwirthschaftliche Bodenbenutzung und den Ernteertrag innerhalb der Gemarkung Gießen waren im Jahre 1891 1673 Hectar Gelände mit Getreide, Hackfrüchten, Futter u. s. w. bepflanzt und 17 647 Obstbäume vorhanden. — Das Gesuch des Vereins für Volksliteratur um Gewährung eines Beitrags wird auf Antrag der Finanzdeputation abgelehnt. — Unter „Revisionsbemerkungen zur Rechnung des Gas- und Wasserwerkes pro 1889/90" Die geologische Landesuntersuchung. (Fortsetzung.) Neben den geologischen Karten veröffentlicht die geologische Landesanstalt kleine Mittheilungen in einem Notizblatt, größere Abhandlungen in besonderen Bänden, deren zweiter soeben mit einer Arbeit Ehr. Vogels: „Ueber die Quarzporphyre von Groß-Umstadt" erschienen ist. In dieser Arbeit wird die ganze Geologie der Umgegend von Groß- Umstadt kurz wiedergegeben und die Eigenschaften und das Vorkommen der merkmürdigen Quarzporphyre daselbst beschrieben, welche sich, obwohl in einer alten geologischen Periode emporgedrungen, durch Bildungen auszeichnen, wie man sie nur bei jüngeren und heutigen Lavamassen erwartet. Zahlreiche prächtige Lichtdrucktafeln erläutern die vortreffliche Beschreibung dieser Porphyre. Die geologische Landesuniersuchung soll den verschiedensten practischen Zwecken dienen- der Land- und Forstwirthschast soll sie sagen, wie der Boden beschaffen ist, warum derselbe sich ihrer Bearbeitung günstig oder ungünstig erweist, die geologische Karte wird nachweisen, wo Materialien für Ziegeleien und Töpfereien liegen, wo Gesteine für Straßen- und Hochbauten sich finden, die geologische Anstalt wird angeben, wie das gefundene Material beschaffen ist und welches am besten zu verwenden ist. Durch die Erforschung der Lagerung der Schichten wird die geologische Karte ein Führer sein können für die Aufsuchung von Wasser im Boden- bei jeder Weg- oder Bahnanlage wird man mit Nutzen die geologische Beschaffenheit des Bodens in Betracht ziehen. Daß die Zeit nicht fern liegt, wo man auch bei der Werth- einschätzung des Ackerbodens, bei der Ausführung von Feld- üereinigungen und ähnlichen Dingen die geologischen Verhältnisse nicht außer Acht lassen kann, ist sicher zu erwarten. Dadurch würden vermieden die Ungleichheiten in der Boden- fchätzung, die Fehler bei den Anlagen von Wegnetzen, wie sie z. B. aus der Gegend von Göttingen bei Feldbereinigung bekannt geworden sind, die Fehler, welche durch Geringschätzung der seit Jahrhunderten bestehenden Gruppirung von Wald, Feld und Wiesen gemacht werden, wenn man glaubt, sich Hinwegsetzen zu müssen über die oft aus uralter guter Erfahrung gewonnene Eintheilung des Bodens, über die Auswahl in den Culturen des Acker- und Waldgeländes. In bergmännischer Hinsicht wird die geologische Forschung nur noch selten in unserem Lande etwas Neues finden, da das frühere Streben nach schneller Bereicherung durch Auffindung von werthvollen Stoffen und Erzen wohl kein Plätzchen übrig gelassen hat, welches unbeachtet geblieben wäre. Hier besteht die Aufgabe der Landesuntersuchung vielmehr im Warnen vor übertriebenen Hoffnungen, im Vorbeugen unnützer bergmännischer Anlagen und Ausgaben, in der Zerstörung des allgemeinen Aberglaubens von den heimlichen Schätzen, die dieser oder jener Berg beherbergen soll. Hier wird die geologische Forschung vielmehr darauf Hinweisen, daß das Gold durch richtige Bewirthschaftung und Ausnützung des Acker- und Waldbodens sicherer und stetiger gefunden wird, als durch Suchen nach gleisendem werthvollen Erz. Die großen Errungenschaften der landwirthschaftliche« Versuchsstationen können für den einzelnen Landwirth und für ferne einzelnen Parzellen erst dann zur vollen Geltung kommen, wenn die allgemeinen Angaben jener Untersuchungen auf dre speciellen Eigenschaften einer jeden Bodenart übertragen oder zugestutzt werden. Dieses kann nur durch die -geologische Untersuchung geschehen, nicht durch eine einseitig chemische oder physikalische Analyse des Bodens, noch können für jede Bodenmischung besondere Culturversuche vorgenommen werden. Wenn dem einen Landwirth die künstliche oder natürliche Düngung hier Erfolg gibt, dort nicht, wenn hier dir neue Bearbeitung, Entwässerung oder Bewässerung des Ackerbodens Nutzen bringt, an anderer Stelle nicht, so ist eben die besondere geologische Beschaffenheit des Bodens daran schuld- diese muß man zuerst studiren und erkennen, wenn und „Decretur von Kostenrechnungen" wird nichts beanstandet. — Nachdem Herr Fr. Gros (Besitzer der Loth'schen Wirthschaft an der Licherstraße) um die seinem Vorgänger vordem bewilligte Ucberlaffung eines Theiles des Lärchenwäldchens zu Wirthschaftszwecken eingekommen, die Ueberlassung unter den seitherigen Bedingungen auch bereits von der Baudeputation beantragt worden war, hat Herr Jac. Hengst ebenfalls ein Gesuch um pachtweise Ueber- laffung eines Stückes vom Lärchenwäldchen eingereicht. Mit Rücksicht auf die von letzterem Gefuchsteller erwähnten, angeblich aus der alleinigen Benutzung durch die Loth'sche Wirthschaft herrührenden Mißstände wird beschlossen, von Genehmigung beider Gesuche vorerst abzusehen. — Dem Gesuche Großh. Handelskammer um Ueberlassung des alten Rathhaussaales zur Abhaltung der Handelskammerwahl wird stattgegeben. — Unterm 23. September d. I. wurde Herrn Wilh. Gail die Anlage einer Wasserabführung aus dem Hinteren, der Sandgaffe zu gelegenen Theile seines Fabrikanwesens nach dem Stadtbach auf Widerruf gestattet. Gegen die in Ausführung dieser Wafferabsührung beabsichtigte Anlage eines Schlammfanges vor feinem Hause hat ein Hausbesitzer der Sandgaffe unter Angabe einer Reihe von Gründen Beschwerde erhoben. Die Baudeputation hatte beantragt, die widerruflich ertheilte Genehmigung dann zurückzuziehen, wenn die befürchteten Uebelstände sich wirklich ergeben sollten - der Antrag wird abgelehnt und in Rücksicht darauf, daß die Wafferabsührung ohne .Zuhülfenahme von Straßengelände bewerkstelligt werden könne, Zurückziehung der Genehmigung beschlossen. — Herr Schmall macht auf die durch die Zugänge zum Stadtbach am Brandplatze und am Tiefenwege den Passanten drohende Gefahr des Hineinsallens aufmerksam und ersucht um Abstellung der Mißstände. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß es schwierig sei, hier zwei Rücksichten, nämlich diejenige auf erleichterte Wasserentnahme aus dem Stadtbach und diejenige auf Schutz des Publikums, neben einander walten zu lassen - er werde dem Bauausschuß Mittheilung behufs Beschlußfassung über zu treffende Anordnungen zugehen lassen. — Zu dem Gesuch des Herrn W. Seipp um Erlaubniß zur Errichtung eines Lagerhauses am Steinweg beschließt die Versammlung Beitritt zu dem auf Beanstandung lautenden Anträge der Baudeputation. — Die Gießener freiw. Feuerwehr hat die Anschaffung einer Anzahl Rauchbrillen und eines Rettungsschlauches beantragt. Hierzu bemerkt Herr Oberbürgermeister Gnauth, daß die staatsanwaltschaftliche Untersuchung in Betreff des seither benutzten Rettungsschlauches, durch dessen Bruch der Feuerwehrmann Löber verunglückt ist, noch nicht abgeschlossen sei. Die Deputation für das Feuerlöschwesen hat beantragt, dem Ersuchen der Feuerwehr stattzugeben. Herr Schopbach bemerkt, daß es sich empfehlen würde, bei künftigen Uebungen der Feuerwehr anstatt mit Mannschaften selbst, mit einer dem Gewicht eines Menschen entsprechenden Puppe oder einem Sandsacke das Hinabgleiten in dem Schlauche zu üben. Herr Petri hält dementgegen, daß die Uebung mit dem Rettungsschlauch auch der Ausbildung der Mannschaft diene, die sich sonst nicht mit der Handhabung des Schlauches vertraut machen könnte - man könne wohl vor dem betr. Steiger einen Sandsack oder ähnliches hinabgleiten lassen, um die Haltbarkeit des Schlauches zu prüfen, dies fei aber immer mit Umständen verknüpft. Herr Homberger macht darauf aufmerksam, bei Anschaffung eines neuen Rettungssackes sich durch Vorlage von Mustern zu vergewissern, daß kein Jutestoff zur Verwendung komme - derselbe könne die Näffe nicht vertragen, werde rissig und faul- Hanf sei das beste Material- er bitte, bei den in Frage kommenden Fabriken Proben einzufordern, damit die Feuerwehr vor jedem ferneren Unfall bewahrt bleibe. Herr Georgi schließt sich den Ausführungen des Herrn Homberger an und wünscht, daß Versuche mit einer Puppe oder einem Sandsack gemacht werden möchten. Herr Schopbach schlägt noch vor, dem Rettungssack einen besseren Aufbewahrungsort anzuweisen, damit das Gewebe nicht stockig werde. Herr Oberbürgermeister Gnauth bezeichnet es als selbstverständlich, daß nur gutes Gewebe genommen werde - er bezweifle nicht, daß bei Anschaffung der früheren Rettungsschläuche dasselbe Bestreben, nur bestes Tuch zu erhalten, obgewaltet habe- ob der Aufbewahrungsort schuld an dem Brechen des Rettungsschlauches sei, fei noch fraglich, denn an demselben Platze, wo der in Rede stehende Schlauch wenige Jahre aufbewahrt gewesen sei, habe der ältere über 30 Jahre gelegen. Es wird Anschaffung der bezeichneten Ausrüstungsstücke beschlossen- betreffs des Rettungsschlauches ist die Versammlung mit Einforderung von Stoffmustern und damit einverstanden, daß bei der Feuerwehr Gutachten über die Zweckmäßigkeit einer Puppe, bezw. eines Sandsackes in doppeltem Menschen- Bekanntmachung, betreffend die Schafräude zu Stangenrod. Nachdem die beiden an Räude erkrankten Heerden aus der Gemeinde Stangenrod zur sofortigen Abschlachtung ausgeführt worden sind, wird hiermit die über die Gemarkung Stangenrod verfügte Sperre aufgehoben. Gießen, den 20. November 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. SieröStichriß« 2 Mark 20 Pkg. * Vringerloy«. Durch die Post fetpfA 2 Mark 60 Pf,. Kcbactten, ExpedWv« iMib Druckerei: man sichere Erfolge haben will. Wenn z. B. dem Landwirth gesagt wird, die nördlichen Abhänge des Odenwaldes mit ihrem Löß seien allgemein kalkreich, ein Kalkzusatz sei dort gewiß nicht nöthig, so wird der Landwirth sicher oft fehlgehen, wenn er keinen Kalk dem Löß zuführt, in welchem der Kalk fast ganz ausgelaugt ist. Das Vertiefen in die geologischen Karten aber wird ihn ausklären. Läßt derselbe Landwirth auch seine Ackerbodenarten chemisch analysiren, so wird ihm die Versuchsstation z. B. für Lößlehm, Laimen und Löß nachweisen, daß dieselben so und so viele Procent Kalk enthalten. Wenn der Landwirth daraufhin jede Kalkzuführung unterläßt, so wird er theilweise jene Auskunft bestätigt finden, theilweise nicht. Denn ein Theil feines Lößbodens enthält bis 20 pCt. Kalk in leicht zugänglicher Form und zum größeren Theile in der Feinerde, ein anderer Theil enthält den Kalk jedoch nur in ganz kleinen glatten Concretionen, die für die rasche Ausnutzung nicht erreichbar sind, welche aber Reservebehälter bilden für die Anreicherung des Bodens mit Kalk, wenn der Boden mehrere Jahre brach liegen bliebe. In diesem Falle würde der Kalk hinreichen, bei jährlicher Inanspruchnahme des Bodens aber nicht. Ebenso geht es mit der Phosphorsäure und dem Kali. Die Natur hat für alle diese landwirthschaftlich werthvollen Stoffe Einrichtungen, welche eine vollkommene Entziehung dieser Substanzen durch die Ernte ausschließen - der Phosphorsäure gab sie die Form als Apatit, der eins der widerstandsfähigsten Mineralien ist, dem Kali gesellte sie den Kaolin zu, der dessen Fortführung erschwert. In den künstlichen Düngemitteln hat der Landwirth Substanzen erhalten, die ihm ermöglichen, der cou- servirenden Neigung des Bodens zu trotzen- derselbe wird jedoch diese unnütz verwenden, wenn er kalireichem Boden, wie er z. B. in dem Odenwald nicht selten ist, Kali zufetzt, oder den Zersetzungsböden von Diabas, Diorit, Gabbro oder Basalt Phosphorsäure zuführt, die diese in reicherem Maße besitzen- sein Thomasschlackenmehl wird hier trotzdem vielleicht wirken, weil dasselbe viel Kalk enthält, den einzelne jener Bodenarten wieder entbehren. (Schluß folgt.) aHtaaBHgrtaaMfaugwi >k -•gsatasssaBg. tetyn&rc Ta- erscheinenben Nummer bi- Vor«. | Gratisbeilage: Gießener IlLMikLmMLLer L Gießener Anzeiger -T5- Semr-l-Anz-iger. der Vorrath nur iotentschloß, t mechanischer rt. A Cpt- ss schnell wie lange der Vorne Gelegenheit - 2u bei. geg. es. ob. Nachn- ° ° [10313 r Sronctubr, ir. Garantie, ächt Bern- *, Meter hpotb^0'- die Beleihung ,@**27- M AK iäusern ‘e Siedde8 5? 5 >dr 10 Stück e zu einem ell Geld zu «M Nov. statt, rmeifterei. s. 10355 RT Nm stag fee« Mbf. ", 10322 ^Heilen, en du M, stand. IS. gewicht zu Uebungszwecken eingeholt werden. — Nachdem unterm 22. October beschlossen wurde, den Schoorgraben an der Ostanlage auf der Strecke von der Diezstraße bis zur Stelle, wo der neue Fußweg mit dem alten Schoorweg zusammenstößt, mit einer Einfriedigung zu versehen, haben in der Baudeputation Berathungen über die Art der Einfriedigung stattgefunden. Die Commission konnte sich aber, nachdem sie alle bisher in verschiedenen Stadttheilen angelegten Einfriedigungen als nur bedingt brauchbar befunden hatte, für eine bestimmte Art nicht aussprechen und beantragt deshab probeweise Anlage einer 80 Centimeter hohen, aus alten Gasröhren mit Kanteisen-Verbindung bestehenden Einfriedigung. Die Versammlung erklärt sich mit diesem Anträge einverstanden. — Im Juli 1890 wurde beschlossen, denjenigen städtischerseits beschäftigten Arbeitern, welche den Sommer über im Dienste bleiben, im Herbste eine Gratification in Höhe bis zu LO Pfg. pro Tag zu bewilligen,- es lag der vorgestrigen Stadt- verordneten-Versammlung das Verzeichniß der Arbeiter und der auszuzahlenden Gratisicationen vor. Es kommen hiervon aus die beim Wald- und Wiesenbau u. s. w. beschäftigten Arbeiter 681 Mk. und aus die Straßenkehrer 740 Mk., auf den einzelnenMann je nach Beschäftigungsdauer 6 bis 36 Mk. Herr Heyligenstaedt spricht sich für eine Erhöhung der als ortsüblicher Tagelohn geltenden Sätze aus, die mit Mk. 1.70 pro Tag zu niedrig bemessen seien. Es sei dies im Interesse der Arbeiter, die der Kranken - Versicherung unterliegen, dringend nöthig, da sich bei ihnen die Höhe der Krankenunterstützung nach der Höhe des ortsüblichen Tagelohns richte. Tagelöhne von Mk. 1.70 existirten so gut wie gar nicht mehr- im Vergleich zu kleineren Gemeinden seien die Sätze in Gießen zu niedrig. Die Versammlung erklärt sich mit Ueberwersung der Frage an die Finanzdeputation einverstanden. — Das nach Bezug des neuen Knabenschulgebäudes an der Nordanlage frei werdende Schulhaus in der Schulstraße soll zur Unterbringung des P o l i z e i a m t s, Meldeamts sowie der Polizeiwache verwendet und dementsprechend einem Umbau im Innern unterzogen werden. Die Kosten sind auf 7890 Mk. veranschlagt. Der Voranschlag wird nicht beanstandet. — Herr Schmall nahm bei Erwähnung der Einrichtung einer Schutzmannswohnung in eben bezeichnetem Gebäude Anlaß, auf den schlechten Zustand der Thürmer- wohnung hinzuweisen, dieselbe sei in hohem Grade aus- besserungsbedürfüg. Auch möchte es sich empfehlen, in Rücksicht auf den anstrengenden Dienst des Thürmers demselben freie Heizung und Beleuchtung zu gewähren, da er deren Tag und Nacht bedürfe. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß eine auf Ausbesserung der Wohnung bezügliche Eingabe des Thürmers bereits vorliege- was die (übrigens im Gehalte aufgerechnete) Heizung und Beleuchtung betreffe, so werde diese den gewissermaßen Hausmeisterstelle versehenden städtischen Bediensteten deshalb bewilligt, weil dies sich aus verschiedenen Gründen in allen öffentlichen Gebäuden empfehle, in denen viele Räume geheizt werden müßten- beim Thürmer treffe dies nicht zu. Die Frage wegen Bewilligung von Heizung und Beleuchtung an den Thürmer wird der Finanzdeputation überwiesen. — Die im städtischen Schlachthause beschäftigten vier Trichinenschauer haben erklärt, daß die ihnen seither gewährte Vergütung für Ausübung ihrer Thätigkeit zu niedrig bemessen sei und ihr Amt mit Wirkung vom 1. December I. I. gekündigt. Die Metzger haben eine Erhöhung der Vergütung (dieselbe beträgt 30 Psg. pro Schwein) abgelehnt - auf erfolgtes Ausschreiben der Stellen sind Anerbieten nicht eingegangen, weshalb mit Ablauf dieses Monats die seitherige freiwillige Trichinenschau eingestellt wird, sofern die Trichinenschauer aus ihrer Forderung, die Metzger aus ihrer Weigerung beharren. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilte der Versammlung die Sachlage mit, mit welcher sich zunächst die Schlachthaus-Deputation beschäftigen wird. — Die Frage, inwieweit bei Ausbau der Löberstraße und die Anlage einer Quaimauer längs derselben aus die Errichtung einer Brücke über die Wieseck im Zuge der Goethe- straße Rücksicht zu nehmen sei, bezw. ob die Brücke lediglich dem Fußgänger- oder auch dem Fuhrwerk-Verkehr dienen solle, blieb bekanntlich in der letzten Stadtverordneten-Versammlung unentschieden, weil den zu Gunsten einer Fahrbrücke sprechenden Umständen solche gegenüber geltend gemacht wurden, nach denen sich die Anlage einer Fußgänger-Brücke empfiehlt. Der vorgestrigen Versammlung lag nun eine Zuschrift der Universität vor, in welcher ersucht wird, von einer den Durchgangs-Verkehr in der Richtung Seltersweg-Goethestraße und Schiffen- bergerweg vermehrenden Fahrbrücke abzusehen- die Zunahme des Durchgangs-Verkehrs lasse eine Störung der Vorlesungen im Universitätsgebäude, insbesondere aber in dem noch zu errichtenden physikalischen Cabinet befürchten, wo die geringste Erschütterung ein Arbeiten mit den physikalischen Instrumenten unmöglich mache. Herr Dr. Thaer kann sich der Ansicht nicht verschließen, daß die hier vorgebrachten Bedenken begründet seien und ersucht um Berücksichtigung derselben. Herr Wallenfels bezeichnet die Befürchtungen für unbegründet, die Oberhessische Eisenbahn verursache mehr Störung. Herr Beigeordneter Langsdorfs spricht sich für Durchführung der Straße aus, zur Anlage stillerer Wohnhäuser biete sich anderwärts, z. B. in der Plockstraße, Gelegenheit. Der befürchteten Störung lasse sich vielleicht durch Holzpflaster oder dergl. auf der für die Universität in Betracht kommenden Strecke der verlängerten Goethestraße begegnen. Baue man nur eine Fußgänger-Brücke, so könne der Fall eintreten, daß man später bei weiteren Straßenbauten genöthigt sei, diese durch eine fahrbare Brücke zu ersetzen und dann sei das aufgewendete Geld umsonst ausgegeben- es ließen sich unter Zuratheziehen Sachverständiger wohl Mittel finden, um die der Universität drohenden Störungen, die er durchaus nicht herbeigeführt haben möchte, zu vermeiden. Herr Scheel ist ebenfalls der Ansicht, daß sich Mittel und Wege finden werden, um den für die Universität befürchteten Störungen zu entgehen, ohne daß man auf eine Fahrbrücke, deren Anlage er empfehle, verzichten müsse. Auch Herr Löb er spricht sich für eine Straßenbrücke aus, hat aber nichts dagegen, wenn der vorhandene Steg, vielleicht etwas aus- gebeffert, vorläufig bestehen bliebe. Herr Petri hält die Einwände der Universität für gerechtfertigt, die Universität sei ein Factor, mit dem die Stadt rechnen müsse- stelle sich das Bedürfniß nach einer fahrbaren Brücke heraus, so könne dieselbe später noch immer angelegt werden. Herr Oberbürgermeister G n a u t h betont den Unterschied zwischen Local- und Durchgangs-Verkehr, dagegen bestehe ein Unterschied in der Länge der beiden Wege, ob durch die Bleichstraße oder durch die verlängerte Goethestraße nach dem Bahnübergang am Schiffenbergerwege, nicht, aus beiden Wegen müsse man sich links wenden, um zu dem Uebergange zu gelangen, der Verkehr könne deshalb ohne Schädigung von der Goethestraße abgelenkt werden. Er habe Bedenken sowohl gegen Holzpflaster als gegen Asphalt, beide bedürften kostspieliger Reparaturen, auch sei Asphalt da, wo es nicht für große Strecken angewandt und dadurch dem Zugvieh Gelegenheit gegeben würde, sich daran zu gewöhnen, gefährlich für das Zugvieh. Herr Dr. Ploch glaubt nicht an eine Beeinträchtigung der Universität, denn es sei nicht nothwendig, das physikalische Institut an die Straße zu stellen, das frühere Institut habe an einer für damals recht verkehrsreich geltenden Straße gelegen, ohne daß über Störungen geklagt worden wäre, wenn er auch nicht verkennen wolle, daß die neueren Instrumente empfindlicher seien. Herr Homberger ist auch der Ansicht, daß das physikalische Cabinet an einem Platz errichtet werden könne, wo keine Störungen durch den Verkehr hervorgerufen werden, er könne sich deshalb nur für eine Fahrbrücke aussprechen. Herr S ch o p b a ch möchte Rücksicht auf die Universität genommen haben- er könne sich aber nur für eine Fahrbrücke aussprechen, die man ähnlich wie die Plockstraße absperren könne, wenn sich die befürchteten Mißstände ergeben. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt bezüglich der Annahme, daß das Institut nicht an die Straße gebaut zu werden brauche, die Straße sei ein viel weniger gefährlicher Nachbar für das Institut, als ein bei von der Straße entfernterer Anlage in Betracht kommender Bauplatz, aus dem womöglich eine Schmiede errichtet werde. Herr Georgi erklärt, daß die Universität, wenn sie von künftiger Verwendung des Bauplatzes Störung befürchte, denselben ja erwerben könne- hier handle es sich darum, schlüssig zu werden über die Art der Ueberbrückung, damit die Universität wiffe, wie sie bauen könne, die Brücke könne ja als Fahrbrücke angelegt werden, es brauche dies aber nicht sofort zu geschehen, mit der Ausführung habe es noch Zeit. Ein von Herrn Beigeordneten Langsdorfs im Sinne seiner vorerwähnten Bemerkungen gestellter Antrag wird abgelehnt, desgleichen die Anlage einer Fußgängerbrücke, so daß der Antrag, bei Ausbau der Löberstraße und Errichtung einer mit eisernem Geländer und profilirten Deckplatten versehenen Quaimauer ans Anlage einer Fahrbrücke Rücksicht zu nehmen, zur Annahme gelangt. Citeratur u*6> A«nst. ~ Hnter der Kalender-Ltteritur hat sich der im notigen Jahre jum ersten Male erschienene »Jllnstriete Wöri«hofe«er Kneipp» »auttijer* refifi einen hervorragenden Platz erobert. Soeben wurde der zweite Jahrgang dieses schon durch die Person seines Heraus- M^^'^^^ba^tenswerthen Kalenders (Kempten, Verlag der Jos. Kosel scheu Buchhandlung. Preis broch. 50 Psg., incl. Porto 60 Psg.) ausgegeben. Derselbe reiht sich seinem Inhalte nach würdig seinem Vorgänger an. Ganz hervorragendes Interesse beansprucht der darin enthaltene Aufsatz des Herrn Pfarrer Kneipp über die vier Jahres- zeitm und deren Einfluß auf die Gesundheit der Menschen. Eine einzige der darin angegebenen Verhaltungsmaßregeln, zur richtigen Zeit angewendet und befolgt, wiegt tausendfach die geringe Auslage für Anschaffung des Kalenoers auf. Außer den Beiträgen des Herrn Marrers Kneipp enthält der Kalender noch verschiedene andere, dunhwegs Original-Artikel von Aerzlen der Kneipp'schen Richtung; auch dem Humore ist reichlich Rechnung getragen. Zahlreiche, vorzüglich ausgeführte Original-Jlluftrattonm bilden, wie schon im Vorjahre, so auch diesmal einen besonderen Schmuck des Kalenders. Insbesondere verweisen wir auf die von köstlichem Humor über- sprudelnden, famos illustrirten poetischen Beiträge von Al. Binder, deren jeder einen Monat im Kneipp'schm Sinne behandelt. — In allen Jägerkreisen ist diesmal die Ausgabe der neuesten Kummer des Hubertus-, illustrirte Zeitschrist für Jagd, Fischerei re., mit Spannung erwartet roorben, denn in derselben ist das Ergebniß der beiden Preisaufgaben (auf ein HubertuS- Ued und auf vier Preisräthsel) veröffentlicht. Die rege Betheiltgung hat gezeigt, daß das Weidwerk nicht nur das Auge, sondern auch dm Geist schärft und daß die Poesie des WaldeS sich auch denjmigm mittheilt, welche sich viel in ihm aufhalten. Den Gedtchtpreis, eine Geldprämie, erhielt Herr Dr. Adalbert von Haustein in Berlin für sein warm empfundenes und in kräftiger Sprache geschriebenes Lied „St. Hubertus". Die Räthselpreise, eine Emtralfeuer-Doppelflinte, ein Tesching, ein Jagdmesser und eine Anzahl jagdlicher Bücher, fielen auf verschiedene Förster und Jagdliebhaber, und sogar eine Dame ist daran beteiligt. — Der übrige Inhalt dieser Nummer des „St. Hubertus", „Parforcejagd", „lieber Waldjagden", „Erziehung junger Karpfen", „Hüttenjagd auf Raubzeug" rc. rc. spricht für sich selbst, wie auch die zum Text gehörigen Illustrationen. Die VerlagS- handlung (Paul Schettlers Erbm in Cöthen, Anhalt) versendet auf Wunsch Probenummern gratis und franco und jede Buchhandlung und Postanstalt nimmt Bestellungen auf den „St. Hubertus" entgegm. Brodpreise vom 22. November bis 6. December 1891. 1 Kgr. (2 Pfd.l 2 „ (4 „ ) 1 „ (2 „ ) 2 „ (4 „ ) 1 , (2 „ ) 2 „ (4 „ ) 3 w (6 „ ) 3 , (6 2 *4 6 '2 '4 1 2 3 1 2 1 Kgr. (2 Pfd.' 2 . (4 „ Bei den Bäcker«. a Tafelbrod Z Tafelbrod Weißbrod.............. Weißbrod 62 Schwarzbrod 29 Schwarzbrod Schwarzbrod bei K. HaaS, L» Keil, I. Lein 87 Bei de« BrodverkLnfer«. a Tafelbrod „ ........ . ßß Weißbrod.........‘ 31 " ..............62 Schwarzbrod ...... I 29 r ......... u 58 bei K. Heuser, I. Thomas 87 Gießen, den 21. November 1891. Großh. Polizeiamt Gießen. Fresenius. f . erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck- taL T I 11 1 rt "Eg abgefaßt und typographisch ange. Vs/ V | V <■ meffen ausgestattet sind, ferner die richtige cv Wahl der geeigneten Zeitungen ge- nUrm AimnUffll tr°ffen wird. Um dies zu erreichen, wende UUIUJ man sich an die Annoucen-Ex^edition Rudolf Messe, Frankfurt a. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt, sowie Jnseraten-Entwürse zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Onginal-Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte ßet größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparniß an Jn- seratwnskosten erreicht wird. 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Viele aber von den Manchen, die einen Pelz besaßen, brummten gar verdrießlich über die unerwartete Ankunst des eisigen Gastes, suchten aus einer entlegenen Schublade den Pfandschein hervor und zählten die wenigen Silber- und Nickelmünzen, ihre ganze Baarschaft, zusammen. Jene nun, die vor einigen Monaten, als die freundliche Frühlingssonne den Pelz entbehrlich machte, mit bescheidenen Ansprüchen vor den Ladentisch des Pfandleihamtes getreten, waren jetzt um eine Anzahl Procente besser daran, als andere, welche ihre Forderung aus die äußerste Spitze getrieben. Die meisten aber, die vielleicht nie einen Pelz oder dergleichen besessen hatten, mußten es sich, falls sie verurtheilt waren, die Straßen zu passiren, anstatt in der erwärmten Stube zu bleiben, gefallen lassen, daß der Nordwind mit kalter Hand an einzelnen bloßen Körperstellen rothe und blaue Figuren hinmalte. Zu diesen Unglücklichen — wenn letztere Bezeichnung immer zutreffend ist — gehörte der 'einsame Wanderer, der aus der reichlich mit Schnee bedeckten Landstraße tapfer der nahen Stadt zuschritt. Der einfache Rock, den er trug, war nichts weniger als ein Pelz- er schien aus dem Zeitalter längst vergangener Sommermonate früherer Jahre zu stammen. Den Kragen hatte er aufgeschlagen und mit einem bunten Tuche fester an den bloßen Hals gebunden. Seine Hosen hätten auch besser in ein Alterthumsmuseum als an Menschenbeine im Winter gepaßt. Ihre ursprüngliche Farbe war kaum mehr zu bestimmen. Denn einzelne Tuchflecke, mit denen sie ausgebessert waren, wetteiferten in der Größe miteinander und es konnte ebenso gut der eine wie der andere als der ursprüngliche Hosenstoff angesehen werden. Die Oeffnungen, welche dereinst in die Taschen geführt hatten, waren durch einige Schnurentheile an einer zunehmenden Vergrößerung gehindert worden und in ihnen hatte der Besitzer ferne Hände verborgen. Ein Paar Stiefeln, aus deren ungeputzten Schäften vereinzelte Strohhalme frech hervorguckten, sowie ein etwas zerdrückter Hut bildeten den Schluß der winterlichen Garderobe des Wanderers. Sein schneller Gang ließ erkennen, daß es ihm der erste Schnee und der schneidende Nord angethan hatten. So war ev an dem Schlagbaum endlich angekommen und befand sich bereits bei den ersten Stadthäusern. Sein Gesicht, das vordem einen röthlich-finsteren Ausdruck gehabt, nahm sofort einen städtisch-freundlichen an- in aller Eile brachte er seine Garderobe in Ordnung, stützte sich auf den knotigen Stock, den er bisher unter dem linken Arme getragen und wanderte auf dem Trottoir leichten Fußes dahin. Ja, seine Miene schien sogar Spuren der Heiterkeit zu zeigen, als er einer Schaar munterer Buben und Mädchen begegnete, die ihn freundlich grüßte. Der Wanderer blieb lächelnd stehen und wandte sich an die kleine Gesellschaft: „Nun, Kinderchen, wo kommt ihr denn her und wo geht ihr denn hin? He?" Und wie im Chore antworteten sie: „Nu, mir kommen aus der Schule und gehen derheme." „Ei, das ist schön von euch! Da ist also heut die Schule schon aus. Wie spät mag es nur sein?" „Elfe hat es gerade geschlagen" — entgegnete ein strammer Bauernjunge — „'s wird bald Zeit zum Effeu sein." „Ganz recht, das dauert nicht mehr lange. Aber was habt ihr denn heut zu Mittag?" fragte mit freundlichen Worten der Fremde, welchen die Schulkinder umstanden. Der Bauernjunge, der übrigens der Leithammel der kleinen Herde, zu sein schien, wie aus seiner Körperlänge zu entnehmen war, musterte schnell die Kinder und sagte: „Mir haben heut Arbsen und Schweinefleesch, das bin ich, die Marie und die Susanne. Bei Matznersch gibts Pflaumen und Ktösel, beim Scholtzen han se gestern geschtacht, da wern se wohl Würschte Han!" „Aha" — meinte der Fremde — „da gibts heut beim Scholtzen das beste- Würste esset ihr doch alle gern, nicht?" Indem der kleine Redner einen großen Bissen in seine Butterschnitte machte, die er in beiden Händen hielt, antwortete er mit einem kräftigen: „Nu!" „Aber du kaust ja immer noch an deinem Butterbrod, da wirft du zu Mittag nichts essen können" — bemerkte der Wanderer. „Nu freilich" — fiel der Junge ein — „heut dursten mir aber in der Schule nich Zehnuhr machen, der Schul- inspector war bei uns gewest." „Ach, da werdet ihr wohl schon großen Hunger haben, nicht wahr?" Wieder ertönte aus aller Munde ein „Nu!" „Da möchte ich euch wohl Jedem eine warme Wurst kaufen, was meint ihr?" „Ach ja, ach ja!" erscholl es aus aller Munde. „Nu aber aufgepaßt! Heute geht nur der Junge da und seine Schwestern Marie und Susanne mit. Morgen hole ich die andern bei der Schule ab." Und mit den Worten: „Also kommt, Kinder!" nahm er die drei, die schon seine Hände erfaßt hatten, mit sich, während die Übrigen Knaben und Mädchen, ein ganzes Häuschen noch, weinend stehen blieben und nachdem sie den guten Mann mit den glücklichen Dreien um die nächste Ecke biegen gesehen, traurig ihren Heimweg sortsetzten. Der Fremde war mit den Kindern, die bald äußerst zutraulich wurden und vom Vater und der Mutter allerhand erzählten, in ein Wirthshaus getreten. Kaum hatten sie den warmen Ofen erblickt, so waren sie auch schon aus ihn zugelaufen und riesen: „Aber der ist mal scheene warm!" Die Wirthin, die gerade allein zugegen war, konnte sich des Lachens nicht erwehren, als sie die drei Kinder mit den rothen Nasen und Ohren am warmen Ösen hin- und herrücken sah. Mit freundlichster Miene trat sie zu dem Fremden, der inzwischen an einem Tische in der Osennähe Platz genommen hatte, und sagte: „Ja, das hätte man nicht gedacht, daß sich der Winter gar so schnell einstellen würde. Am schlimmsten wird es für die armen Kinder sein, die manchmal so recht weit zur Schule haben. Die Kleinen dort sind wohl Ihre Kinderchen?" „Die ältesten drei sind 's" — entgegnete der Fremde — „sie kommen gerade aus der Schule und konnten heut nicht einmal frühstücken, weil der Schulinspector dort gewesen sein soll. Da ich in der Stadt etwas zu thun habe, nahm ich sie mit- ich traf sie gleich am Schlagbaume. Mögen sie sich doch erwärmen und etwas Warmes zu sich nehmen, das wird ihnen ganz gesund sein. Sie können ja dann mit mir nach Hause gehen." „Gewiß, gewiß!" bejahte die Wirthin und fragte auch sofort, was sie für die Kinderchen und den Vater auftragen solle. „Für jedes Kind bringen Sie nur ein Paar warme Wiener Würstchen und eine halbe Semmel und mir zwei Paar solche Würstchen und eine ganze Semmel" — bestellte der Fremde. „Ich trinke außerdem einen warmen Grog- sür die Kinder können Sie ja ein Glas Grog mitbringen." Eilig, wie es ihres Amtes war, entledigte sich die Wirthin ihres Auftrages. Bald standen die Portionen aus dem Tische, und auf den Wink des Fremden setzten sich die Kinder daran und nahmen ihr warmes Frühstück ein. Der Alte sowie die Jungen mußten sehr hungrig sein; denn ehe die Wirthin ihren Braten, den sie im Ofen bereitete, umgedreht hatte, waren von allen Tellern Wurst und Semmel verschwunden. Auch der wärmende Grog schien ihnen äußerst wohl zu thun; indem der Alte zu den Kindern sagte, daß sie nur dies eine Glas Grog bekämen, da es ihnen leicht übel davon werden könnte, bestellte er für sich gleich noch ein zweites mit dem Bemerken, daß die Frau Wir.thin etwas mehr Rum Hineinthun möchte. Kaum hatte sie auch diesen Wunsch erfüllt, als der Fremde die Kinder fragte, ob sie noch so ein Paar Würstchen essen wollten. Selbstredend bejahten es alle drei und der gute Manu ersuchte nun die Frau, für jedes Kind noch ein Paar Würstchen zu bringen. Inzwischen wollte er gehen, sein kleines Geschäft erledigen und werde bald zurück sein. Schließlich bat er die Wirthin, freundlichst aus die Kinder acht haben zu wollen, und letzteren sagte er, daß sie ja recht artig sein und der guten Frau Wirthin folgen möchten. Die Kinder versprachen es und auch die Frau meinte, daß er ganz unbesorgt sein könne. Der Fremde nahm nun Hut und Stock, grüßte freundlich und ging .... Die Kinder hatten lange ihre zweite Portion vertilgt und standen am warmen Ofen. Es waren ein, zwei, drei Stunden vergangen, aber der Mann ließ sich nicht sehen. Als es bereits zu dunkeln anfing, sagte endlich der Junge weinend: „Nu müssen mer aber derheme gehn, sunst schimpft der Vater, wenn mer zu spät kommen." Die Wirthin aber sagte tröstend: „Ihr müßt doch aus euren Vater warten, bis er aus der Stadt zurückkommt." „Das wor ja nich unser Vater," sagte weinend der Junge. „Unser Vater ist derheme und liegt krank." „Nun, wer war es denn, mit dem ihr hier hereingekommen seid?" fragte die Wirthin erstaunt und Schlimmes ahnend. „Nu, mer kennen ihn selber nich. Er wollte uns bloßich Würschtel kaufen!" meinte der Junge und wischte sich die Thränen aus den Augen. Der gute Mann kam wirklich nicht mehr wieder- es blieb der Wirthin nichts anderes übrig, als die Kinder nach Hause zu schicken. Bis heut wird sie wohl auf die Bezahlung des warmen Frühstücks vergeblich gewartet haben. Meitzeöotenes. Wer eine interessante Berliner Morgen-Zeitung lesen will, der abonnire für den Monat December für 34= Ff. bet der Postanstalt oder dem Land- brieftrager auf die täglich (8 große Seiten) erscheinende, reichhaltige liberale Berliner Morgeil-Zeitüng nebst „Tägl. 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Schweizer Bahnen lagen intensiv matt, wie die krisenhaften Vorgänge auf den Schweizer Märkten nicht anders erwarten ließen, und die Verluste sind daher auf diesem Gebiet auch noch relativ bedeutend. Nordost zeigen noch 2%, Centralbahn 30/0 Verlust, ebenso notiren Gotthard 30/0 schwächer, obgleich der Octoberausweis befriedigend ausgefallen ist. 9^ Pfund für c4C 6*—1 »9 Pfund vorzüglich gute ö Pfund la. Halbdaunen 15*—' Reparaturen unter Garantie gut und billig. Dtr. Gebauer, Pianohandlung, Seltersweg 67. nur ächt mit fliegendem Adler, sind in Fl. k 25 und 50 H in allen Farben nur allein zu haben in Gießen bei [7028 Drebes Sf Wallenfels. Unter zeuge, wie: Hautjacken, Normalhemden, Normalhosen Teppiche, Läufer und Vorlagen in vorzüglicher Waare £ j und zu billigsten Preisen empfiehlt Heinrich Hochstätter, Schlossgasse 19. 10144 Louis Lind, Kirchenplatz 10, empfiehlt fst. Kaiserbräu (dunkel), per Flasche 25 fst. Exportbier (hell), per Flasche 22 aus der Brauerei I. 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Course der Frankfurter Börse Staatsanleihe«. tionen —; es sind alles Opfer der rückgängigen Conjunctur, und daß sie hier und dort auftreten, beweist nur, wie schwer der Rückgang allgemein empfunden wird, und wie unsicher überall die Verhältnisse geworden sind. Daß bei solcher Sachlage von einer Besserung nicht die Rede sein kann, braucht nicht erst heroorgehoben zu werden; darüber können auch momentan Coursbesserungen nicht htnwegtauscken. Die Woche wurde genau wie ihre Vorgängerin eingeleitet durch einen Cours stürz, der diesmal indessen von der Wiener Börse ausging und dort ungeheuren Umfang annahm. Es thut vielleicht wenig zur Sache, daß politische Befürchtungen, ober vielmehr das falsche Gerücht: der Kaiser habe in einem Privatgespräch die Situation als sehr bedenklich hingestellt, den Anstoß zu dem panikartigen Rückgang gegeben haben. Es kann sich Niemand der Täuschung hingeben, daß der europäische Friede mit Dreibund und den immensen Rüstungen unbedingt gesichert sei, gerade weil die Unsicherheit der Zustände allgemein empfunden wird, forscht man so eifrig nach jedem Snmptom, das Aufschluß über die Zukunft geben könnte und hofft in i dem Wort, das Herrscher Europas ober ihre Minister öffentlich verlauten lassen, Die Anbeutung zu finben, ob Krieg ober Frieben bevorsteht, unb boch hat wohl die öffentliche Meinung schon längst begriffen, daß auch die Mächtigen, in deren Händen, wie man sagt, die Geschicke der Staaten ruhen, so wenig wissen, wie sie selbst, was die Zukunft bringen wird. Die besondere Bedeutung des Zwischenfalles liegt vielmehr in der außerordentlichen Schwäche, die 'der Wiener Markt bei dieser Gelegenheit gezeigt hat. ES geht daraus zur Evidenz hervor, daß auch in Oesterreich die VrrhäUnisse um nichts besser liegen, als bei uns, ober in Frankreich, ober der Schweiz, und baß jeher Zwischenfall, sei er auf politischem ober wirthschaftlichem Gebiet, eine Eoursbewegung entfesseln kann, ble zu ben ungeheuerlichsten Verlusten führen, und die Gefahr von Zahlungseinstellungen unb Bankerotten außerordentlich nahe legen würbe. Die Eckenntniß bieser heiklen Situation ist es auch jedenfalls, welche einer Erholung ber Course entgegenwirkt, denn währenb bereits am Samstag ein kategorisches Dementi erfolgte, sind die Veilüste nur zum geringen Theil wieder ausgeglichen worden und im späteren Verlauf sind die Course noch unter den Tiefpunkt, den der erste Schrecken hergestellt hatte, herabgegangen. Die weiteren Verwickelungen gingen von Basel ober Paris aus und die dortigen Vorgänge waren für die Coursbewegung der deutschen Börsen fast allein maßgebend. Am letzteren Platze mußte die Medwliqmdation überwunden werden, unb wie die Verhältnisse dort liegen, konnte sich dieselbe Nicht vollziehen, ohne weitere Positionslosungen verbunden mit den schärfsten Coursrückgängen. Der Pariser Markt, ber sich zur Lösung seiner Engagements gezwungen sieht, in einem Moment, ba die anberen Märkte den Tiefpunkt der Entmuthigung bereits erreicht haben, befindet sich in der That in der mißlichsten Situation, denn keine der europäischen Börsen ist im Stande, ihm auch nur einen Theil seines überschüssigen Materials abzunehmen und die Course fallen daher in einer Weise, die für Werthe, welche über einen internationalen Markt verfügen, unerhört ist. Wenn Russen um Prvcente fallen, so mag das bei der gegenwärtigen Nothlage des Landes gerechtfertigt erscheinen, allein wenn Ungarn unb Italiener binnen weniger Tage um 3 % herabsinken, so weiß man nicht, was die Zukunft noch bringen soll, denn an diesen Werthen hat das Publikum bisher noch festgehalten und während es mit seinen übrigen Anlagen so schlimme Erfahrungen machte, glaubte es wenigstens den hierin angelegten Besitz gesichert. Coursbewegungen aber wie diese, welche gerade die bisher als sicher angesehenen Werthe am schwersten in Mitleidenschaft ziehen, legen bei dem herrschenden Pessimismus die Gefahr außerordentlich nahe, daß weiteres Material kritiklos zum Verkauf kommt und die Course immer tiefer hinabwirft. Die Liquidation in Paris ist indessen abermals ohne Zwischenfall vorübergegangen und mit chrer Beendigung haben die Course wieder eine Aufwärtsbewegung eingeschlagen, die fast genau so heftig erscheint, wie die vorangegangene Baisse. Neben der Befriedigung über die glücklich überwundene Gefahr mag die Anwesenheit des Herrn von Giers dazu beitragen, denn die Franzosen leben noch immer der Hoffnung, daß derselbe mit dem fertigen Bündnißvertrag in der Tasche nach Paris kommen werde. Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß die gegenwärtige Abwärtsbewegung mit politischen Motiven nichts zu thun hat und daß diese daher auch die Wirksamkeit der wirth- schaftlichen Factoren, welche ihre einzige Ursache sind, nicht aufheben können. An den deutschen Börsen folgt die Coursbewegung dem Pariser Impuls auf das Genaueste. Indessen spricht man in der letzten Zeit auch viel von Consortien, welche sich gebildet hätten, um der Abwärtsbewegung durch Interventionen ein Ziel zu setzen. Es kann natürlich nicht controllirt werden, ob etwas Wahres an derartigen Gerüchten ist, obschon die Heftigkeit, mit welcher sich die Aufwärtsbewegung an den letzten Tagen vollzog, dafür zu sprechen scheint, daß neben Deckungen noch andere Kräfte in Wirksamkeit sind. Vielleicht empfiehlt es sich, auch hier darauf aufmerksam zu machen, daß Interventionen zwar dem Markt eine Stütze geben und verhindern können, daß die Beunruhigung noch weiter um sich greift, als schon geschehen, daß aber dieselben das tief erschütterte Vertrauen, auf welches für die Belebung des Geschäftsverkehrs doch Alles ankommt, nicht wieder erwecken können. Die Interventionen würden daher wohl specu- lative Käufer heranziehen, vielleicht auch an der Börse die Hoffnung erwecken können, daß die Crisis bereits überstanden sei, aber der kurzen Zeit der Aufwärtsbewegung würde nur abermalige und noch tiefgehendere Enttäuschung folgen müssen. Eine höchst unliebsame Ueberraschung brachte am Mittwoch der Courssturz der deutschen 3% Anleihen, der durch die Meldung veranlaßt wurde, daß die Ausgabe einer neuen Serie von etwa 600 Millionen nahe bevorstünde. Es vollzogen sich daraufhin die umfassendsten Abgaben und Positionslösungen und das Resultat war ein Courssturz von lVzVo- Die Nachricht war natürlich verfrüht; die Emission dürfte, wie schon so oft versichert, nicht vor Anfang des nächsten Jahres erfolgen und der Gesammtbetrag wird schwerlich die angegebene Höhe erreichen. Wie dem aber auch sei, der Vorfall hat jedenfalls gezeigt, daß der Markt in keiner Weise auf die Aufnahme irgendwelcher belangreicher Beträge vorbereitet ist, und die kurze Spanne Zeit, welche bis zur that- sächlichen Emission noch verfließen mag, wird an den bestehenden Verhältnissen schwerlich etwas ändern. So eröffnet sich uns auch in dieser Beziehung kein freundlicher Ausblick. Die letzten Tage haben das Coursniveau wieder soweit gehoben, daß die Course vom Freitag der vergangenen Woche wieder erreicht, zum Theil sogar überschritten! d Geschenklitteratyr, Prachtwerken, w Jugendschriften, Bilderbüchern etc. d । Cataloge gratis und franco. [7089 - E»'Kernseifen und jwmmwigjiHmww» Toilettefeifen Montanwerthe haben zum Theil sogar Avancen erzielt, z. B. Hibernia 3o/0, Bochumer Guß 2o/0 und Laurahütte l,5O Vo do...... 93.40 93.40 4o/2Preutz.Hyp.-Act.-M^ 31/. % Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr» . . . 101.10 101.10 Pfandbr. . . . 92.— 91.80 3V8°/o do...... 4o/oPreuß. Centt.-Bod.- 9340 93.40 40/ Meininger Pfandbr. 100.80 100.80 Cred.-Pfandbr. bis 1885 ..... 100.70 100 10 Loos«. 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