W Kitzchen. Gießtm MoMH @ntntt>ttfinmlm. Mmntfl: StistungSfesl DnB-rK»A-. ZMZ s^M SrsÄ*11 ^tlgt 7'n, Jö iSfeff® ** L«PZ «moTßJM仫, 2ML? E Bonon'uöM ocr&C r-Ä-LLMK ’8« üa^r 1—Aegyt < ft den-® «fragen in der Exv, b, $j, , MM »Ä. £. * ,t l [247 I Mi» 1 L.„> A°M*' ch bin 21. Zamr:m SinflUnnOe. «MüM für die filfti'jlrifii! Ackgsiraße SS. ,tt werben Met Wbttdid«. liel nicht erreicht wirb, 1*9W >Qc PtUstovs- »«» Met. »urück. Bisher bestanden «einer Schüler d Prüßlng, ÄÄÄ au&kmi *WS»£ !fiÄ ärS-Sur *A1 der zwelke TY' 1889i jw&ssg ÄS ZLÄSi»' «*>** Rr. 18 Der Ochch«»rr -lyei-rr csschmn täglich, vA LuSnabme des Montags. Die Meßmer MS«ttt«X»rättSU >mtat betn Anzeig« ^Lchsvtlich dreimal Viigdtgt Donnerstag den 22, Januar 1891. Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Bierteljähriger >l»«etee«byret*& 2 Mark 20 Pfg. teR Bringer(oijn. Durch die Potz bezog,», 2 Mark 50 Pfg. Rebactton, ExpedMov und Druckerei: -ch«kstr«tc Ar.»,. Fer»lprechrr 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Ttveis Giefzen. ■taamgu jjj,j.imu. w i i - . l . i "i ? -i-i1 Benehmt von Anzeigen zu der Nachmittags für ben ft4-mdm Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Hrattröeikage: Hi-ßener K-mili-nLlätter. i ^."77^77.7,^7.^? >M«MWMM«WW^MWWWWWWWWWWWMWWMWW» AiintLrel^Ev LheiL. • Bekanntnlachung. Die Evangelische Missionsgesellschaft hat den Plan der mit unserer Bekanntmachung vom 18. März 1890 im Großherzogthum zugelassenen Lotterie dahin abgeändert, daß, an Stelle der Ausgabe von 200,000 Loosen ;u 3 und Verwendung von 300,000 JL zum Ankauf von Gewinnen, jetzt 300,000 Loose zu 1 «X das Stück ausgegeben und Gewinne im Werthe von 150,000 Ji. verloost werden 'ollen Die Verloosung soll am 1. October d. I. und folgende Tage ftattfinden und werden als Gewinne nur Kunstgegen- fiände angekauft werden. Als Ort der Errichtung des Krankenhauses, für dessen Erbauung die aus der Verloosung sich ergebenden Mittel bestimmt-sind, ist nunmehr Dar-es- Salaam in Aussicht genommen. Äroßherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat diese Abänderungen genehmigt. Gießen, den 20. Januar 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, Obstbauverein der Wetterau betreffend. Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird Donnerstag den 22. Januar l. I in Inheiden, Freitag „ 23. „ „ „ Trais-Horloff, Samstag „ 24, „ „ „ Steinheim, Montag „ 26. „ „ „ Langd, jedesmal Abends 8 Uhr, Sonntag den 25. Januar L I. in Rodheim, Nachmittags 3 Uhr, Vorträge über Osftbau abhalten, zu deren zahlreichem Besuch alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues hiermit eingeladen werden. Gießen, den 21. Januar 1891. Der Vorsitzende der Section Gießen. Nebel, Amtmann. Bekanntmachung, die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freimütigen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll- bändige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden- 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Lommission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. .2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres uachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird. -4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a) Geburtszeugniß; Z>) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen; 0 ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnafien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen militärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d) das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters ober Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 — ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird aus die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfungs - Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Deutsche* Heid?. Darmstadt, 20. Januar. Se. Königt. Hoheit der Groß- Herzog, sowie I. K. Gr. H. der Er b gr o ß herzo g und die Prinzessin Aliz beehrten am 17. d. Mts. das Ballfest Sr. Excellenz des Herrn Staatsministers Finger mit Allerhöchstihrem Besuch. nn Darmstadt, 20. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog begab sich gestern Vormittag um 8 Uhr 57 Min. nach Klein-Auheim zur Fasanenjagd. In seiner Begleitung befand sich Obersthofmarschall von Westerweller, Jägermeister Muhl u. A. Die Jagdbeute betrug 39 Stück Fasanen. Bei der Fahrt zur Jagd passirte es, daß die Maschine der Hess. Ludwigs-Bahn in Dieburg befect wurde und Se. Königl. Hoheit 56 Minuten Aufenthalt nehmen mußte, bis der Schaden reparirt wurde. Morgen früh begiebt sich Se. Königl. Hoheit zur Jagd in's Ried. nn Darmstadt, 20. Januar. Sitzung der Zweiten Kammer derHess. Landstände vom 20. Januar 1891. Unter dem Vorsitz des ersten Präsidenten Kugler trat heute Morgen die Zweite Kammer der Hess. Stände zu kurzer Berathung zusammen. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe und Berichtsanzeigen trat die Kammer sofort in die Berathung über die statrgehabteu Wahlen von Landtagsabgeordneten. Das Haus beschließt, die in den drei Provinzen des Großherzogthums stattgehabten Landtagswahlen mit Ausnahme der Wahl im Wahlbezirk Butzbach-Nauheim der Provinz Oberhessen, wo der Antisemit Köhler gewählt war, für gütig zu erklären. Zur Wahl Köhlers beschließt die Kammer einstimmig, diese selbst, sowie die zu Butzbach am 23./27. Juli 1890 stattgehabte Wahlmännerwahl für ungiltig zu erklären und Großh. Negierung zu ersuchen, eine neue Wahl der Wahlmänner in Butzbach vornehmen zu lassen. Die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Ertheilung der verfassungsmäßigen Zustimmung zur Veräußerung einer zum Großh. Landeseigenthum gehörigen Parzelle in der Gemarkung Ginsheim, sowie unentgeltliche Abtretung von in der Gemarkung Nierstein gelegenem Landes -Eigenthume an die Gemeinde Nierstein und die Abtretung eines zum Landes- Eigenthum gehörigen Geländestreifens am alten Oeconomats- gebäude zu Gießen findet ohne Debatte die Genehmigung des Hauses. Als dringlich bringt die Großh. Regierung eine Vorlage ein um Bewilligung von 250,000 Mk. für die Erweiterung des Güterbahnhvss Darmstadt der Main-Neckar- Bahn, da die aus der Beschränktheit der Ladegleise dieses Bahnhofs entstehenden Unzuträglichkeiten von Tag zu Tag fühlbarer werden. Abg. Schade glaubt nicht, daß das Bedürsniß so dringend sei wie angegeben. Viel wichtiger sei es, endlich an die Unzuträglichkeiten der Oberhess. Bahnen zu denken und deren Beseitigung herbeizusühren. Wagenmangel, enge Ladegleise auf den Stationen Alsfeld und Hungen u. A. sei eine stehende Klage. Er bitte daher, Großh. Regierung möge darauf bedacht sein, daß auch diese Mißstände Beachtung fänden und daß im Staatsbudget hierfür die nöthigen Mittel vorgesehen werden möchten Au die gleichen Klagen schließen sich ihm die Abgg. Erk und Sturmsels an. Der Vertreter Großh. Regierung Oberbaurath Wetz sagt eingehende Prüfung der Klagen zu, bemerkt aber zu dem gerügten Wagenmangel, daß ein solcher zu gewissen Zeiten auf vielen Bahnen in Deutschland eintrete, ohne daß es möglich sei, augenblicklich Abhilfe zu schaffen. Nachdem noch der Abg. Wolfs kehl die Dringlichkeit der Vorlage begründet, findet dieselbe einstimmige Annahme des Hauses. Ein Antrag der Abgg. Haas und Metz- Darmstadt auf Abänderung des Art. 14 des Gesetzes vom 14. Juni 1877, das Dammbauwesen und das Wasserrecht in den Gebieten des Rhein, Main, Neckar und des schiffbaren Thetis der Lahn ruft eine lebhafte Debatte hervor. Die Mehrheit des Gesetzgebungsausschuß beantragt, Großh. Regierung wolle eine Vorlage machen, durch welche der Art. 14 des Dammbaugesetzes aufgehoben wird. Abg. Haas beantragt den Art. 14 in seiner jetzigen Fassung zu streichen und durch folgenden Wortlaut zu ersetzen: „Für die durch den Neubau, die Verlegung, die gänzliche oder theilweise Abtragung eines Hochwasserdammes bewirkte Veränderung im Werthe der Grundstücke wird Entschädigung geleistet. Die Entschädigung wird nach den Grundsätzen der Art. 8 und 9 des Gesetzes vom Staat und denjenigen Gemeinden getragen, denen die erwähnten Arbeiten zum Vortheil gereichen." Gegen diesen Antrag sprachen die Abgg. Wolfs kehl und Arnold Weber. Nach erfolgter Abstimmung gelangt der Antrag der Ausschußmehrheit auf Streichung mit allen gegen 9 Stimmen zur Annahme, während der Antrag Haas gegen 8 Stimmen abgelchnt wird. Zum landständischen Mitglied der Staatsschulden-Tilgungs-Commission wird der Abg. Möllinger, zu dessen Stellvertreter Abg. Wolfs kehl, zum Controleur Minist.-Secret. Augst und zu dessen Stellvertreter Minist.-Revisor Wimmenauer durch Zuruf gewählt. Hieraus vertagt sich die Kammer voraussichtlich bis zum 17. Februar. nn Darmstadt, 20. Januar. Der Traje c t-Verke hr zwischen Rosengarten und Worms ist seit gestern Morgen in Folge des Eisganges unterbrochen und mußten die letzten Reisenden von Rosengarten über Mainz nach WormS fahren, da ein Ueberschreiten des Rheins bei Worms nicht möglich ist. Deutscher Reichstag. 47. Plenarsitzung. Montag, 19. Januar 1891, 1 Uhr. (Verspätet eingegangen) Auf der Tagesordnung befindet sich zunächst die Berathung deS Antrags auf Einstellung der gegen den Abg. Grillen berg er beim Landgericht Nürnberg schwebenden Strafverfahren wegen Beleidigung. Abg. Singer (Soc) begründet den Antrag mit dem Hinweis, daß die Strafverfahren gegen Grtllenberger als im Widerspruch mit der Verfassung stehend eingeleitet worden seien, da die den Abgeordneten gewährleistete Immunität durch die Vertagung des Reichstags nicht unterbrochen werden könne. Seitens der Gerichte in Berlin und Breslau werde das auch anerkannt. Hervorragende Staatsrechtslehrer seien der Ansicht, daß die Vertagung die Immunität nicht unterbreche und der Reichstag selbst habe sich früher dementsprechend wiederholt ausgesprochen. Demgegenüber sei das Vorgehen des Staatsanwalts in Nürnberg ein Unfug. Der Präsident rügt diesen Ausdruck. Abg. Dr. Hartmann (cons.): Die Frage, ob die Vertagung des Reichstages durch den Karser die Jmmunrtät unterbreche, ui seither vom Reichstag im verneinenden Sinne principrelt entschieden, die verbündeten Regierungen seien aber entgegengesetzter Meinung gewesen. Definitiv entschieden sei also die Frage nicht, denn dann müßte ste von den verbündeten Regierungen in Ueberetnstimmung mit dem Reichstag entschieden sein. In der gestellten Fassung fei der Antrag unannehmbar, da er in dieser in das Verfahren der Gerichte etnmclfe. Er schlage deshalb folgende Form für denselben vor: „Den Reichskanzler zu ersuchen, die Einstellung des schwebenden Verfahrens für die Dauer der Session zu veranlassen." In dieser Form werde auch seine Partei dafür stimmen. Bayr. Bundesbevollm. Graf Lerchenfeld erklärt, daß seine Regierung der Ansicht sei, eine durch die verbündeten Regierungen erfolgte Vertagung unterbreche die Immunität. Abg. v. Unruhe-Bomst (Reichsp.) bringt den vom Abg. Dr. Hartmann angedeutkten Vorschlag formell ein. Abg. Singer (Soc) lehnt diesen Antrag ab, da er die Frage der Immunität während der Vertagung umgehe, der Reichstag sei der einzige berufene und berechtigte Interpret seiner verfassungsmäßigen Rechte. Die Ansicht der oerbunbeten Regierungen in dieser Angelegenheit sei gleichgültig. Abg. Träger (dfr.) will für den Antrag Singer stimmen, obgleich derselbe seinem Tenor nach undurchführbar sei. Staatssecretär v. Boetttcher: Es wäre confiquenter gewesen, wenn Vorredner zu dem Antrag Singer ein Amendement gestellt hätte, welches diesen annehmbar macht. Der Reichstag könne ja seine Interpretation des Art. 31 der Verfassung in eine Resolution niederlegen, die Forderung der Aufhebung von Untersuchungsmaßregeln sei aber nicht durchführbar. Abg. Frhr. v. Buol (Ctr.) beantragt Verweisung des Antrags Singer an die Geschäftsordnungs-Commission. Abg. Dr. Marquardsen (natl.) spricht sich für diese Verweisung aus, wünscht aber sofortige Abstimmung über den Antrag Unruh. Abg. Munkel (dir.) will auch diesen Antrag an die Commission verwiesen haben, da sonst der Reichstag die Untersuchung für berechtigt anerkennen würde, wenn er demselben vor Entscheidung der principtellen Frage zustimme. Er sei nicht der Ansicht wie der Abg. Singer, daß ein Privilegienbesitzer der einzige berechtigte Interpret derselben sei, — namentlich bei der Zuckersteuerfrage würde er dieser Meinung nicht sein — aber er glaube, wenn dec Reichstag seine Stimme erhöbe, dann könne diese nicht unbeachtet bleiben. Die Abgg. v. Unruh, Dr. Hartmann und Klemm-Sachse« befürworten sofortige Annahme des Antrags v. Unruh, da sonst die Gefahr bestehe, daß vor Erledigung der Sache in Commission und Plenum die Verhandlungen gegen Grillenberger angesetzt und daiL Urtheil gesprochen werde. Der Antrag Singer wird der VeschLftSordnungS-Tommission Rberwtefen, der Antrag v. Unruh gegen die Stimmen der Social- demokraten und eine« Thetl» der Freisinnigen angenommen. Hieraus tritt da« Hau« in die -wette Berathung bcü Etats etn. Abg. Richter (dir.) verlangt Drucklegung bcü Etats nach Feststellung durch den Reichstag. Betm Etat deü Reichstages befürwortet Abg. Richter Mr.) die Gewährung von Diäten an die Reichütagüabgcordnelen. Die Diätenlosigkett sei Grund der schwachen Besetzung de« Hause« und der häufigen Bcschlutzunsähtgkett desselben, wodurch die Abwicklung der Geschäfte verschleppt würde. Er bezeichnet cü als wünschenöwerth, daß der Reichskanzler die Initiative zu dieser Gewährung ergreife, wenn nicht, würde seine Partei einen bezüglichen Antrag einbrtngen. Die Etat« deü Reichstag«, deü Retchvkan-lerÜ und der Reichs- kanzlet werden unverändert angenommen. Betm Etat dev Retchüamtü de« Innern weist Abg. v. Äeubcll (Rctchüp.) auf die oeibängnttzvoUcn Folgen der Trunksucht hin. Dteselbe besördere die Verbrechen, verursache Krankheiten aller Alt und steigere die Sterblichkeilvztsfer. Rach Inangriffnahme der Soctalreform habe Deutschland etn erhöhte« Interesse, derselben entaegenzutreten. Er frage, ob e« sich bestätige, datz noch in dieser Geffion ein bezügl. Gesetz vorgeicgt werde. Staatüsecretär v. Boetttcher: Die verbündeten Regierungen erkennen die Rothwendtgkett einer solchen Gesetzgebung an. Die Grundzüge deü Entwurfes hierzu sind bereit« veietilbart, der Entwurf aber noch nicht ausgestellt. Bleibe der Reichstag bt« nach Ostern beisammen, dann könne die Vorlage gemacht werden. Abg. Wurm (Soc): Die Socialdemokratte sei eine entschiedene Gegnerin der Trunksucht; seine Partei werde aber nie für etn Gesetz gegen dteselbe stimmen, welches mit Strafmahregeln gegen die unglücklichen Opfer der heutigen Gesellschastüordnung Vorgehen wolle. Redner kommt dann auf die Fabrtkinspcctoren zrr sprechen und tadelt die mangelhafte Inspektion der Fabriken, vorzüglich in Sachsen, wo jährlich kaunr bllpEt. derselben inspteirt würden. ES mache nicht die Zabl der Inspektoren, sondern daß man al« solche Personen, welche da« Vertrauen der Arbeiter besitzen, etnstelle. Kein Gesetz könne Früchte tragen, wen» dessen Ausführung nicht ausreichend und entsprechend beanffichttgt werde. Sächs. BundeübevoUm. Graf o. Ho heut Hai nimmt die sächsischen Fabrtktnfpectoren gegen die Beschuldigungen der Social, demokraten in Schutz. Der Hatz schreibe sich daher, datz dieselben in »erschiedenen Bezirken den soctaldemokratischen Umtrieben entgegen- getreten seien. Dazu seien dieselben aber nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet. Abg Bebel (Soc.): Dav ist nicht richtig. Die Fabrik» inspectoren sind nicht Beanrte der llnternehmer, welche zu Gunsten derselben ihr Amt versehen. Wa« die Zunahme der Trunksucht an- betrtfft, so erstreckt sich dieselbe aus alle Brvölkcrungsklassen. Bet den Studenten macht inan nicht« darau« und kommen dieselbe»» trotzdem später in die höchsten Staatsämter. Abg. Ackermann (cons.) verthetdigt die Fadriktnspectoren gegen die Angriffe der Soctaldemokraten. Ehe man solche Klagen im Reichstage vorbiinge, solle man erst den Instanzenweg verfolgen. Abg. Hartmann (cons.) verthetdigt dte Inspektoren gletchjall« und rühmt da« sächsische Beretnügesetz. (Bebel: „ES ist schauder hast !*) Hätten wir nur etn solche« Pretzgesetz, dann wollten wir mit den Soctaldemokraten schon serttg werden. Abg. Singer (Soc.) ertnnert daran, daß sctne Partei sich stet« lobend über dte Institution der Fabrtktnfpectoren ausgesprochen habe. Ihr Tadel verdiene also doch einige Berücksichtigung. Die Debatte wird geschlosten. Line Reihe von Etatütiteln wird genehmigt. Nächste Sitzung Dienstag. Tagesordnung: Etat. Schluß 5ya Uhr. 4N. Plenarsitzung. Dienstag, 20. Januar 1891, 1 Uhr. Die zweite Etatberathung wird mit dem Etat deü Reich «- amtü de« Innern sortgcsetzt. Abg. Grillenberaer lGoc.) führt Klage über die geringe Besoldung der Diener ve« Germanischen Museums in Nürnberg, daS vom Reiche mit jährlich 48000 Mk. unterstützt wird. Abg. Br. Witte (dfr.) wünscht eine genauere SpecificaUon über die Verwendung der 200000 Mk., welche der Verein zur Förderung der Hochseefiichetei vom Reiche erhält. Staatssec>etär Dr. v. Boenrcher erwidert, daß der Verein mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt habe, doch fei eine allmähliche Aufhebung der Retchvsubvcntton in Aussicht genommen. Abg. Dr. Buhl (natl.) wünscht eine grötzere Verbreitung und Verdeutlichung der vom Bundeürath erlassenen AuvführungSbesttmm- »ngcu zur Alrerv- und Invaliditälüversicherung. Abg. Schrader (dsr.) wünscht, daß man da« Inkrafttreten de« Gesrtze« noch auf ein Jahr auüjetzc, da die Arbeit lonft einfach nicht zrr bewältigen sein wird, denn die Hauptarbeit wird voraussichtlich erst im nächsten Jahre beginnen. Staalüsecreiär Dr. v. Boetttcher: ES wird von früheren Gegnern deü Gesetzes anerkannt, daß die Ausführung deü Gesetzes sich einfacher gestaltet, al« man erwartete. Aus eine Entlastung deS ReichSvelstchrrungSamtü wird vielleicht später Bedacht zu vehuren sein. Die Presse Hal leider nicht irr dem Matze, wie dte Wichtigkeit deü Gesetze« cü erheische, ihre Unterstützung demselben zugewandt. Abg. Dr. Lingen« ((Str.) schildert die Verhältnisse in den Auüwandere^ LogicHäusern alü äußerst traurig. Von Schwindlern werde den Leuten namentlich im Kümmelblättchen ost ihr Geld ad- genommen. Staatssekretär Dr. v. Boetttcher. Dte Verhältnisse haben sich, soweit daü Reich dahin wirken konnte, gebesiert. Dem Kümmel- dlärtchen zu steuern, ist Sache der öttlichen Polizei. Abg. BrühnS (Soc.) schildert die AuSwandererverdälluisse in Bremen alü äußerst traurig; die dreijährige Dienstzeit sei die Ursache der starken Auswanderung. Abg. Molkenbuhr (Soc) verbreitet sich über die mißliche Lage der SchiffShctzer und Arbeiter. Bremensischer BundeSbrvollm. Dr. MarcuS: Von den Bremer Behöben werde diesen Verhälinissrn volle Aufmerksamkeit gewidmet. Von Sachversländiaen finb bte Eirrrichlungeu auf den Schiffen deü Norddeutschen Llopo in Bremen al« mustergültig bezeichnet. Abg. Schwartz (Soc.) bestreitet diese Mustergültigkeit. Die Ventilation und die räumlichen Etnrtchtungeu im Zwischendeck sind äußerst nrangelhaft. Abg. Dr. Lieber (Etr.) tritt diesen Behauptungen entgegen; er weiß au« eigener Ersah, ung, daß aus den Sch.fs.,» Alles aethan wird, wa« geschehen kann, um die g.sundhettltchen Verhältnisse während der Fahrt so gut wie nur möglich zu gestalten. Bei der Position „Statistische« Amt" erwidert StaatÜ- fecretär Dr. v. Boetttcher aus eine Anregung de« Abg. Singer, datz in Folge der von diesem im vorigen Jahre erhobenen Beschul dtgung, oatz HiisSarbeiter im statistischen Amte von ihren Borges.tz- len sehr unpassend behandelt würden, gegenwärtig noch eine gericht- lrche Untersuchung schwebe und deßhald ein Urtheii noch nicht gesüllt werben könne. Abg. Schrader (dsr.) wünscht, daß die Hilfsarbeiter deü Instituts »richt durch die dort auszubildenden Steuerbeamten v.rdräirgt werden möchten. Dem von den Abgg. Brömel und Schrader (dfr.) gemeinsam ausgesprochenen Wunsche gegenüber, die handelüstaiiiiischeir Mit- theilungen zu einem billigeren Preise erscheinen iu lasten, um sie weiteren Kreisen zugänglich zu «rachen, erklärt Staalüsecreiär Dr. v. Boetticher, datz di.se Publikationen doch nur für eine tusch,ä, kte Zahl von Pe,sonen Interesse haben und sich deßhalb ein Zuschuß au« öffentlichen Mitteln nicht rechtfertigen laste. Aus eine Anregung deü Abg. Dr. Bamberger (dfr.) erklärt der Staatssrcretär, daß sich unser Handel nut Oftasien und Australien bedeutend im letzten Jahre gehoben habe. Der Verkehr mit Samoa sei in Folge der dortigen Unruhen zurückgegangen. Der Etat bt« ReichSamtev bett Innern wird bi« zur Position „RormalAichungü - Eommission" einschließlich genehmigt. Hierauf vertagt sich daü Hau«. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Etat- berathung. Schluß 4'/» Uhr. Neueste Nachrichten. Wolfis telegraphisches Lonefpondeuz-Bureau. Berlin, 20. Januar, lieber die Abgabe de« Sl ochs d) e n Heilmittels an die Apotheken sind gegenwärtig im CultnS- Ministerium Verhandlungen im Gange, lieber die damit zusammenhängenden Fragen wird morgen die wissenschaftliche Deputation für Medictnalwesen gehört. CS handelt sich dabei namentlich um die Einreihung deS Heilmittels unter die Zahl derer, über die besondere Vorschriften über die Art ihrer Abgabe durch die Apotheken bestehen. Koch hat, entgegen seiner früheren Ansicht, jetzt erklärt, sein tlHittcl sei den praktischen Aerzten zu übergeben, weil in der Praxis derselben überwiegend Fälle phtisischer AnsangSstadien Vorkommen, für welche das Mittel eigentlich wirksam ist, während in den Kliniken überwiegend hochgradige Phthisen Vorkommen, welche jenseits der Heilgrenze liegen. Der CnltuSminister holte von allen hervorragenden Aerzten, welche mit dem Kach'schen Heilmittel operiren, Gutachten über ihre Beobachtungen und Erfahrungen ein. ES wird darüber eine Pnblieativn vorbereitet. Bon hervorragender Bedentnng in dieser Hinsicht sind gegenwärtig die von Koch in dein unter SanitätSrath Guttmann stehenden Moabiter städtischen Krankenhanse gemachten Ersahrungen. Hannover, 20.Januar. Der Kaiser, der Nachmittags erwartet wurde, traf unerwartet Morgens acht Uhr ein und alarmirte die Garnison, die zu einer Gefechtsübung bei Kirch- rode nuSrückte. Hannover, 20. Januar. Der Kaiser kehrte mit den Truppen gegen 3 Uhr von der Gefechtsübung zurück und nahm auf dem Waterlooplatze die Parade ab. Um 5 Uhr wurde im Schlosse binirt; eS waren die Spitzen der Eivitt und Militärbehörden geladen, im Ganzen 56 Gedecke. Der Kaiser besuchte danach die Vorstellung im Köntglchen Theater („Freischütz"). Königsberg, 20. Januar. Der gestrige FesteornmerS des Vereins deutscher Studenten, bei dem 100Personen, darunter Professoren, höhere Geistliche und Offiziere anwesend waren, nahm einen glänzenden Verlaus. Reden wurden gehalten auf den Kaiser, daS Reich und die Universität. Esten, 20. Januar. Der „Rhein.-Wests. Ztg." zufolge sind aus Schacht l der Zeche „Eintracht-Tiefbau" heute srilh 500 Mann von der 600 zählenden Belegschaft nicht ein- gefahren, weil den Delegirten der Belegschaft wegen „ungebührlicher Aeußerungen" über die Zechenverwaltung heute die Eiusahrt unter Tage nicht gestattet worden war. Aus Schacht II derselben Zeche wird vollzählig gearbeitet. Braunschweig, 20. Januar. Die heute hier tagende Versammlung des CentralauSschufseS des l andwirt hschast- lichen Centralverei nS des HerzogthumS Braunschweig beschloß, ans die Tagesordnung der Hauptversammlung nm 10. Februar die Frage zu setzen, welche Maßregeln zu ergreifen seien, um der Verbreitung der Socialdemokratte unter der ländlichen Bevölkerung entgegenzuwirken. Hamburg, 20. Januar. Die mildere Temperatur und mestlicher Wind lassen eine baldige Besserung der Eis> Verhältnisse erhoffen. DaS Barometer füllt. Im Nordseegebiete herrscht Regen. Der Staatüdampser ist bereits mit Öootfen hinauSgesahren. Wien, 20. Januar. In Folge neuerlicher Schnee - fälle sind abermalige Verkehrsstörungen aus vielen öfter» reichischen und ungarischen Bahnlinien eingetreten. Bern, 20. Januar. Nordborneo tritt dem Welt' postverein vom 1. Februar ab bei. Paris, 20. Januar. Nach Nachrichten aus Chile pro teftirten die dortigen Vertreter der auswärtigen Mächte gegen die Blokade von Valparaiso und Jquique. Wie verlautet, beabsichtigt die französische Regierung, einen Kreuzer nach den chilenischen Gewäfferu zu entsenden. Brustei, 20. Januar. In der heutigen Sitzung der belgischen Kammer verlangte der Depulirte Jansow Brüssel Ausklärung über die Einberufung der zwei Klaffen der Miliztruppen. Minister Bernaert antwortete, diese Maßregel sei getroffen znr Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Sicherung der Unabhängigkeit der Kammer. (Beifall rechts.) Kvpeuhageu, 20. Januar. Die regelmäßige Schifffahrt aus dem großen Belt muß wegen des Eise« eingestellt werden. ES werden planmäßige Tag» und Rachtsahrten burd) Eisbrecher vollzogen. Madrid, 20. Januar. Aus allen Provinzen treffen Nachrichten über den durch die Kälte verursachten Nothstand ein. In Toledo ist der Tajo zugefroren. Der Fluß Gua delmedina (in der Provinz Malaga) ist vollständig eiSbedeckl. Saragosta, 20. Januar. In einer heute hier tagenden zahlreich besuchten soeialistifchen Versamml ung sprachen mehrere Redner in heftigster Farm für die Weiterverbreitung der soeialiftischen Ideen. Die Revolution fei daü einzige Mittel zur Verwirklichung deS Ideals der spanischen Soeialisteu. Listadon, 20. Januar. Die CorteS werden demnächst zur Prüfung des Abkommens mit England einberufen. Rewtzork, 20. Januar. Nach einer Meldung aus Val' paraifo ist der Handel daselbst gelähmt. Washington, 20. Januar. Der Präsident dürste der S i l b e r p r ä g u n g S b i l l ein Veto entgegenfetzen, wofern nicht Beschränkungen auf in Amerika producirteS Silber in dieselbe ausgenommen würden. Washington, 20. Januar. Meldungen aus P i n e r i d g e zllfolge tödteten die Weißen einige entwaffnete Indianer, wo- x durch die dortigen Jndianerstämme wieder beunruhigt worden sind. Dieselben liefern ihre Waffen nur langsam ab. Gene^ ral Mileö schob seine Abreise auf. — Kaiser Wilhelm übermittelte., telegraphisch durch die deutsche Gesandtschaft den Ausdruck seines Beileids an die Familie deü verstorbenen Geschichtsschreibers Ban er ost, wobei er auf die zwischen seinem Großvater und Bancroft bestandene Freundschaft himvieü. San Francisco, 20. Januar. Meldung des Bureau Reuter. Der Stünig von Hawaii, Kalakaua, liegt in Folge ein* getretener Urämie im Sterben. -........ u CfrcMtfs itnfr proHnsiedef. Gießen, 21. Januar. — Wir erhielten nachstehenden Bericht über den am Montag Abend ftattgehabten FestcommerS: Der FestcommerS der Gießener und Marburger Burschen- schäft zur Feier der 20jährigen Wiederkehr des Gedenktages der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Jrn glänzenden Festeöschmncke hatte sich gestern Abend im Saale des Hotels „Steinü Garten" die Gießener und Marburger Burschenschaft versammelt, um die 20jährige Wiederkehr deü Tages zu feiern, der den kühnen Tralim deü deutschen Volkes von de« Vaterlandes bcrcinftigcr Macht und Größe in so herrlicher Weise in Erfüllung gehen ließ. Wie auf allen Universitäten deü Reiches die Burschenschaft diesen Tag festlich begeht, so hielt eö and) die Gießener Burschenschaft für eine Ehrenpflicht, den Gedenktag der Wiederaufrichtlmg deö Deutschen Reiches, jenen Tag, mit dem die deutsche Burschenschaft ihr hehre« Zlel, die Wiedererweckung alter deutscher Kaiserherrlichkeit, erreicht hatte, in würdiger Weise zll feiern. Zu diesem Zwecke hatte sich denn der Gießener D. C. mit dem Marburger D. C. und den beiden 1). C. 1). C. treu zur Seite stehenden alten Herren vereinigt. Nachdem der dem Eommerü vorauügehende, größtentheilS aus Aetiven gebildete Fackelzug in Steins Garten unter den Klängen deS „Gaudoainuo" sein Ende erreicht hatte, begann 81/, Uhr die eigentliche Feier, der Festeommers, eröffnet durch den Sprecher der Germania, Herrn ennd. theol. Bolitsch. Den ergangenen Einladungen war in zahlreicher Weise Folge geleistet worden. Der 1). C. hatte die Ehre, Seine Magtlisizenz den Herrn Rector der Ludoviciana, Professor Dr. Gottschick, begrüßen zu können, als Vertreter de- Ossiziereorps beehrten den D. 0. Herr Oberst und Regiments- eornmandenr Perthes, begleitet von einer zahlreichen Anzahl Offiziere. Jrn Namen der Stadt Gießen erschien Herr Oberbürgermeister Gnouth. Nachdem die Klänge des alten BlirschenschasterliedeS ver klungen waren und der Sprecher der im G. D. C. präsi- direnden Burschenschaft Germania die Gäste in herzlicher Weise begrüßt, erhob sich Herr Geh. Hofrath Proseffor Dr. Oncken, Franconiao'£)eibelberg, um in trefflicher Weife der deutschen Burschenschaft und ihrer idealen Bestrebungen zll gedenken. Redner entledigte sich seiner Ausgabe mit gewohnter Meisterschaft. Die Rede klang aus in einem Hock auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog von Hessen, in das die Versammlung begeistert cinftimmte. Herr GerichtSaccessist Glässi n g, Alcmanniue, Ger- maniao'Gießen, begrüßte in längerer, mit großem Beifall auf- geuommener Rede die Herren Vertreter deü Offiziercorps, indem er, anknüpfend an die Allfichten Sr. Majestät des Kai^ serö über die Erziehung der deutschen Jugend, einen treff lieben Vergleich zwischen der militärischen nnb der studentischen Erziehungöstätte zog. Nachdem Redner in glänzender Weise die Paralelle bis zum Schlüsse seiner Rede durchgeführt hatte, wurde mit Jubel in das Hoch auf die deutsche Armee als dem sichersten Hort des neu geeinten Vaterlandes eingeftimmt. In verbindlichster Weise sprach hierauf Herr Oberst und Re gimentScommandeur Perthes den Dank deS Offiziercorps für die au dasselbe ergangene Einladung aus und betonte insbesondere im Verlause seiner mit großem Beifall anfge nominellen Rede den traditionell vaterländischen und reichs treuen Standpunkt der deutschen Burschenschaft, ans deren Blühen und Gedeihen er sein GlaS leerte. Nach einem von Herrn K. Gl äs sing (AJcmnnnia) ans Se. Magnifizenz den Herrn Rector auügebrachten Hoch sprach letzterer in vorzüglicher frischer Weise, nachdem er zunächst deS Gießener D. C. gedacht, auf die noch lebenden großen Paladine Kaiser Wilhelms I.: Fürst Bismarck und Gras Moltke. Auch diese Worte wurden jubelnd ausgenommen, ebenso die durch Humor gewürzten Worte deS Herrn Oberbürgermeisters G n a u t h, welcher als Vertreter der Stadt Gießen der Marburger Burschenschafter gedachte. ES folgte hieraus noch eine Rede aus die Damen deü D. 0., die in überaus stattlicher und zahlreicher Weise in dem angrenzenden Nebenbau Platz genommen hatten, ebenso eine solche auf die in dem Verbände geeinigten „Alten Herrn", sowie noch ein Toast auf daS deutsche Vaterland, auSgebracht von Herrn D. Winter (Gorrnania BreSlau). Unter den erhebenden Klängen deS LaudeSvaterS fand der osficielle Theil des Festes seinen Abschluß. Aber noch in der spätesten Morgenstunde wurde der Fidulität gedacht. Sämmtliche Theilnebmer der würdigen patriotischen Feier sind wohl in vollster Befriedigung über daü wohlgelungene Fest geschieden. — Die Dekoration deS großen Saales war in jeder Hinsicht prächtig, insbesondere ist daS auf der Bühne des „Theater-VereinS" errichtete Podium hervorzuheben, auf dem unter Blattgrün eine wohlgelungene Eopie deS btrilbm teil Bildes von Anton von Werner: „Die Kaiserproclamation zu Versailles" hervorblickte, umgeben von den Büsten Kaiser Wilhelms I., Friedrichs und Wilhelms II., sowie unseres Landesherrn. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß die bei unS verlebten Stunden in sämmtlichen Theilnehmern eine erhebende Erinnerung an eine würdig begangene Feier zurück- kiffen möge. — Ub(v L nut („ e». $ieK 21 c> en ' bQtutar. Bericht tb.Y . rers: 1 den a#t MuSLä*«® . L; .*■«* w deines ';? "Nchenschch ibt c ”; faj Wit, rrsrL to'W- Nbt* der Mal« aus Auidw it. “Mer itn Slüngen bt$ tte2 b-S-m 8>j, U[)t 6ie öffnet durch den Spncher Bolitsch. war in zahlreicher Weise •T^‘te die Ehre, Eei« Udonctana, Pr,feff-r nntn, als Vertreter bei W Oberst unb Nezi»eutl- von einer zahlreichen Rn- adt Gießen erschien Herr önrjchenschasterliedes ver- ber im G. D. C. präfv bie Gäste in herzlicher Geh. Hosrath Professor um \n nesMnMse rer idealen Bestrebungen h seiner Ausgabe mit ge- klang aus in einem Hoch Ze. Königl. Hoheit den e Versammlung begeistert i»g, Alemanniae, Ger- r, mu großem Beisall aus- rtreter des Osstziercorps, ten Tr. Majestät des Sai- hen Jagend, einen treff' ischen und der studentischen ibner in glänzender Welse er Rede durchgesühn hatte, s die deutsche Armee als .n Vaterlandes eingestimmt, raus Herr Oberst und Re- , Dank des Osstjiercorps nladung aus und betonte ,, groU SeijaH °ch-- atetlänDWn unb t* B«schenslh»lt/ «“i ? leerte. . ( Silina (Alemannia) jX'm*» r, Wuumttuu. 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H., 10 Pfd. l-^se dagegen schon beim Ankauf der Obstbäume mit Rücksicht auf die Bodenverhältnisse, auf die Auswahl der richtigen Sorten Bedacht genommen und dann später für ordentliches Ausputzen, für das Abkratzen der alten Rinde, das Bestreichen des Stammes mit Kalkmilch, das Entfernen der Aststumpen, das rechtzeitige Bestreichen und Verbinden der Wunden Sorge getragen, so wird der Obstertrag ein ganz anderer werden, als er es seither gewesen ist. Und nun im Februar und März hinaus in die Obstanlagen! Da ist die beste Zett zum Ausputzen und Reinigen. Was wir damit den Bäumen Gutes thun, das zahlen sie uns im Herbste mit Zinsm und Zinseszinsen reichlich wieder. ich, daß er Salpetersäure dazu nahm und dann eine Flüssigkeit, mit der er an den Leuten schmutzige Rockkragen reinigte und die nach Branntwein roch. Daß ich bei dieser Geistesrichtung in der Schute sehr kläglich bestand, begreift sich leicht - ich hatte kein Gehör- gcdächtniß und nichts oder sehr wenig von dem, was man durch diesen Sinn lernt, blieb bei mir haften; ich befand mich in der unbehaglichsten Lage, in der ein Knabe nur sein kann; die Sprachen und alles, was man damit anfnimmt und in der Schule an Lob und Ehre erwirbt, waren mir so gut wie verschlossen und als einst der ehrwürdige Rector des Gymnasiums (Zimmermann) bei seiner Visitation meiner Klasse auch an mich kam und mir die eingreifendsten Vorstellungen über meinen Unfleiß machte, wie ich die Plage meiner Lehrer und der Kummer meiner Eltern sei, und was ich denn dächte, was einst aus mir werden sollte, und ich ihm zur Antwort gab, daß ich ein Chemiker werden wolle, da brach die Schule und der gute alte Mann selbst in ein unauslöschliches Gelächter aus, denn Niemand hatte eine Vorstellung damals davon, daß die Chemie etwas sei, was man studiren könne. Da die gewöhnliche Laufbahn eines Gymnasiasten mir nicht offen stand, so brachte mich mein Vater zu einem Apotheker nach Heppenheim an der hessischen Bergstraße, der mich aber nach zehn Monaten so müde war, daß er mich meinem Vater wieder nach Hause schickte - ich wollte ein Chemiker, aber kein Apotheker werden. Diese zehn Monate genügten aber, um mir eine vollkommene Kenntniß von den tausenderlei Dingen zu verschaffen, die man in einer Apotheke hat, sowie von ihrem Gebrauch und ihren vielerlei Anwendungen. In dieser Weise mir selbst überlassen, ohne Rath und Richtung, wurde ich sechzehn Jahre alt, und mein unablässiges Drängen veranlaßte zuletzt meinen Vater, mir die Erlaubniß zu dem Besuche der Universität Bonn -zu geben; von da folgte ich dem dortigen Professor der Chemie, Kastner, der einen Rus nach Bayern erhalten hatte, nach Erlangen. Es war damals an der neu errichteten Universität Bonn ein außerordentlich reges wissenschaftliches Leben aufgegangen; aber in den Fächern der Naturwissenschaften wirkte die ausgeartete philosophische Forschung, wie sie in Oken und schlimmer noch in Milbrand sich verkörpert hatte, auf das Schädlichste ein, denn sie harte in dem Vortrag und Studium zu einer Nichtachtung der nüchternen Naturbeobachtung und des Experiments geführt, die für viele begabte junge Männer verderblich wurde. Von dem Katheder herab empfing der Zuhörer eine Fülle geistreicher Anschauungen, aber körperlos, wie sie waren, konnte man damit nichts machen. Der Vortrag von heim, Okarben, Ossenheim, Nieder-Wöllstädt und Ober-Wöllstadt; in ben Orlen des Kreises Lauterbach: Radmühl, Rixfeld. Willofs, Landenhausen und Ilbeshausen; tn den Orten des Kreises Scholten: Ober-Seemen und Eichelsdorf; in Mainz und in Laubenheim, Kreis Mainz; tn Guntersblum, Krets Oppenheim, und tn Hamm und Bechtheim, Kreis Worms. Die Seuche herrscht fort in Ober Ramstadt, Kreis Darmstadt, in Bensheim; in den Orten des Kreises Dieburg: Langstadt, Groß- Bieberau, Frankisch-Crumbach und tleberau; in Michelstadt, Krets Erbach, in Rüsselsheim, Kreis Groß-Gerau, tn Wteseck, Kreis Gießen, in den Orten des Kreises Büdingen: Diebach a. H., Altenstadt, Langrnbergheim, Rodenbach, Höchst a. d. Nidder, Aulendtebach, Hainbach, Hain-Gründau, Wenings und Bletchenbach; in den Orten deS Kreises Friedberg: Rendel, Nteder-Eschbach, Pohlgöns, Ockstadt, Dorheim, Dorn-Assenheim, Büdesheim, Ober-Roßbach, Heldenbergen, Bad Nauheim, Nteder-Florstadt, Affenheim, Fauerbach, Ilbenstadt, Stammheim, Bönstadt und Nieder-Erlenbach; in Herbstein, Kreis Lauterbach; tn den Orten des Kreises Schotten: Rainrod und Mittel- Seemen; in Büdesheim, Kreis Bingen, und tn Wald-Ueloersheim, Kreis Oppenheim. Festgestkllt wurde die Seuche im Monat November und ist oct Ablauf desselben wieder erloschen in den Orten des Kreises Dieburg: Allheim, Ober-Roden, Harpertshausen, Eppertshausen und Zeilhard; in den Orten des Kreises Heppenheim: Trösel, Nteder-Ltebersbach und Ober-Abt steinach; tn dcn Orten des Kreises Offenbach: Duden- hofen, Mainflingen, Froschhausen, Klein-Krotzenburg und Klein- Auheim; in Btndsachsen, Krets Büdingen, in Essenheim, Kreis Mainz, und in den Orten des Kreises Oppenheim: Eimsheim, Biebelnheim, Dalheim und Dolgesheim. Festgestellt wurde die Seuche und herrschte am Schlüsse deS Monats noch fort: in Arheilaen, Kreis Darmstadt; in Lampertheim, Krets Bensheim; in den Orten des Kreises Dieburg: Dieburg, Münster, Reinheim und Semd; in den Orten des Kreises Groß- Gerau: Wolfskehlen und Ginsheim; in den Orlen des KreiseL Heppenheim: Wimpfen und Kürnbach; in Sprendlingen, Krets Offenbach; in den Orten des Kreises Büdingen: Heuchelheim, Mutel- Gründau, Eckartsborn, Bingenheim und Düdelsheim; tn ben Orten des Kreisen Friedberg: Wtckstadt, Petterweil, Beienheim, Kirchgöns, Burg-Gräfenrod und Kaichen; in den Orten des Kreises Lauterbach: Uellershausen, Bernshausen und Rimbach; in den Orten des Kreises Schotten : Freienseen und Nieder-Seemen : m Offenheim, Kreis Alzey, und in den Orten des Kreises Oppenheim: Heßloch, Westhofen. Kriegsheim lund Eich. Der Bläschen ausschlag unter dem Rindvieh in ©ah, Kreis Lauterbach, ist erloschen. — In Großen - Linden im Kreise Gießen, heirscht d e Se iche fort. — Festgestellt wurde die Seuche am 3. tn Gau Bischofsheim, Kreis Mainz, und am 15. November in Leusel im Kreise Alsfeld. Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in den Orten des Kreises Gießen: Reinhardshatn, Göbelnrod, Londorf, Wonnenrotb, Münster und Harbach; in den Orten des Kreises Alsfeld: Büßteld und Weitershain und in den Orten des Kreises Büdingen: Wenings und Leustadt. — Prüfung von Leinwand auf ihre Echtheit.' Wenngleich eine absolut genaue Prüfung der Leinwand aus Echtheit und Reinheit am besten mit Hülfe der mikroskopischen Untersuchung vorgenommen wird, so kann man doch auf nachfolgende Weise einen guten Anhalt gewinnen: Man tränke den zu prüfenden Stoff mit Olivenöl und reibe ihn tüchtig; Flachsfasex wird hierbei durchscheinend wie Oelpapier, während Baumwollenfaser weiß bleibt. Man löse bann etwas Cochenille in Spiritus und tränke mit dieser Tinctur ein weiteres Stückchen des Zeuges; Baumwollenfaser wird hierdurch hellroth, Flachsfaser violet gefärbt. Das Resultat beider Proben wird auch dem Laien einen guten Anhalt geben. Das Vorkommen von Viehseuchen in Hessen während des Monats November 1890. Milzbrand wurde festgestellt tn Langwaden im Kreise Bensheim am 2., tn Leihgestern im Kreise Gießen am 9., in Obbornhofen Im Kreise Bübingen am 14. und in Darmstadt am 24. November bei je einem crepirten Rinde. Rotz wurde am 5. November bei den beiden auf polizeiliche Anordnung gelöbteten Pferden eines Besitzers in Eppertshausen tm Kreise Dieburg festgestellt. In Bieber, Kreis Offenbach, steht ein Pferd wegen Verdachts der Seuche unter Stallsperre, ein weiteres Pferd desselben Besitzers wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung. Die seither in Seligenstadt im Kreise Offenbach wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung gewesenen sechs Pferde wurden freigegeben. Lunqenseuche. In Engelrod, Kreis Lauterbach, stehen wegen Verdachts der Ansteckung 23 Stück Rindvieh in einem Gehöfte unter Gehöstsperrc. Die Maul- und Klauens eu che ist erloschen in Messel, Kreis Darmstadt, tn Nordheim, Kreis Bensheim, in ben Orten des Kreises Dieburg: Groß-Zimmern, Gundernhausen, Sickenhofen, Ober- und Nteder-Klingen, Raibach, Babenhausen, Klein-Zimmern, Spachbrücken, Dorndtel, Mosbach, Klein Bieberau, Steinau, Niedernhausen und Nonrod; tn den Orten des Kreises Erbach: NerchelSheim, Bockenrod, Nieder Kainsbach und Unter Ostern; tn ben Orten der Kreises Groß- Gerau: Groß-Gerau und Wallerstädten; in Blrllnan, Kreis Heppen- he>m; in den Orten des Kreises Offenbach: Groß-Stetnheim, Hatn- stadt, Götzenharn, Bürgel, Seligenstadt, Dietzenbach, Jügesheim und Kletn-Steinheim; auf dem Hardthof, K>ets Gießen; in Fischbach, Kreis Alsfeld; in den Orten des Kreises Büdingen: Rohrbach, Stockheim, Glauderg, Orlesbawm, Nidda, Unter-Schmitten, Illnhausen, Lindhetm, Lohrbach, Ranstadt, Bönstadt, Selter« und Burg- Bracht; tn den Orten des Kreises Friedberg: Groß Karben, Bauern- Kastner, welche als der berühmteste Chemiker galt, war ungeordnet, unlogisch und ganz wie die Trödelbudc voll Wissen beschaffen, die ich in meinem Kopfe Herumtrug. Die Beziehungen, die er zwischen den Erscheinungen auffand, waren etwa nach 'folgendem Muster: „Der Einfluß des Mondes aus den Regen sei klar, denn sobald der Mond sichtbar sei, horten die Gewitter auf; oder der Einfluß der Sonnenstrahlen aus das Wasser zeige sich an dem Steigen des Wassers in den Gruben der Bergwerke, von denen manche im hohen Sommer nicht bearbeitet werden könnten" - daß man den-Mond sieht, wenn die Gewitter sich verzogen haben, und daß das Wasser in den Gruben steigt, wenn im Sommer die Bäche versiegen, welche die Pumpen treiben, war natürlich eine für einen geistreichen Vortrag zu plumpe Erklärung. Es war damals in der Chemie eine recht elende Zeit in Deutschland. An den meisten Universitäten bestand kein eigener Lehrstuhl der Chemie, sie wurde in der Regel einem Professor der Medicin zugetheilt, der sie neben den Fächern der Toxikologie, Pharrnagnosie, praktischen Medicin, Pharrnacie, so viel er eben davon wußte, vortrug, und dies war wenig genug. Noch viele Jahre nachher war in Gießen die descrip- tive und vergleichende Anatomie, Physiologie, die Zoologie, Naturgeschichte und Botanik in einer einzigen Hand. Während die Arbeiten des großen schwedischen Chemikers, der englischen und französischen Naturforscher, von H. Davy, von Wollaston, Biot, Atrago, Fresnel, Thenard, Dulong ganz neue Gebiete der Forschung aufschlossen, fanden alle diese unermeßlichen Erwerbungen in Deutschland keinen Boden, den sie hätten befruchten können. Langwierige, den Wohlstand der Bevölkerung untergrabende Kriege, äußerer politischer Druck hatten die Verödung unserer Universitäten nach sich gezogen und viele Jahre hindurch die Menschen mit quälenden Sorgen erfüllt und ihre Wünsche und Kräfte ganz anderen Richtungen zugelenkt- der nationale Geist hatte seine Freiheit und Unabhängigkeit in ideale Gebiete geflüchtet und in vieler Beziehung durch die Zerstörung des Autoritätsglaubens namentlich in der Medicin und Philosophie segensreich gewirkt; allein er hatte in der Physiologie seine natürlichen Schranken durchbrochen und sich weit hinaus über die Erfahrung verirrt. Man hatte das Ziel der Wissenschaft und daß sie nur Werth habe, wenn sie dem Leben nütze, beinahe aus den Augen verloren, und man gefiel sich in einer idealen Welt, die mit der wirklichen in keinem Zusammenhänge mehr stand. Iussus von Liebig. Eigenhändige biographische Aufzeichnungen. (1. Fortsetzung.) Als wir aber den Stoff aus der Harnsäure analysirt hatten, so zeigte sich ein Unterschied im Kohlenstoffgehalte- der neue Körper gab l1/2 Procent Kohlenstoff und da der Stickstoff nach der qualitativen Methode bestimmt worden war, eine entsprechende Stickstoffmenge (4 Procent) mehr - hiernach könnte e5 unmöglich Allantoin sein. Ich traute aber meinem Augengedächtniß mehr als meiner Analyse, und war ganz sicher, daß es Allantoin sei, und es handelte sich jetzt darum, den Rest des früher analysirten aufzufinden, um dieses aufs Neue zu analysiren - ich konnte das kleine Gläschen, worin er war, mit solcher Genauigkeit beschreiben, daß es meinem Assistenten zuletzt gelang, es unter ein paar tausend anderer Präparate aufzufinden - es sah genau so aus, wie unser neuer Körper, allein die Betrachtung unter der Lupe ergab, daß Gmelin bei der Darstellung seines Allantoins dasselbe mit thierischer Kohle gereinigt hatte, von der etwas beim Fil- triren durch das Papier gegangen, sich den Crystalleu beigemengt hatte. Ohne die volle Ueberzeugung von der Identität beider Körper, die ich hatte, wäre das aus der Harnsäure künstlich erzeugte Allantoin unzweifelhaft als ein neuer Körper angesehen und mit einem neuen Namen belegt worden, und eine der interessantesten Beziehungen der Harnsäure zu einem her Bestandtheile des. Harns des Fötus der Kuh wäre auf lange hin vielleicht unbeachtet geblieben. In dieser Weise kam es, daß alles, was ich sah, absichtlich ober unabsichtlich mit gleichsam photographischer Treue in meinem Gedächtniß haften blieb - bei einem nahen Seifensieder sah ich das Seisekochen und lernte, was der „Kern" und das „Schleifen" sei, und wie man weiße Seife mache, und ich hatte nicht wenig Vergnügen, als es mir gelang, ein Stück Seife aus meiner Fabrik mit Terpentinöl parfümirt zu präsentiren - in allen Werkstätten der Gerber und Färber, der Schmiede und Messinggießer war ich zu Hause und jeder Handgriff mir geläufig - auf dem Markte in Darmstadt sah ich einem herumziehenden Händler mit Allerlei ab, wie er Knallsilber zu seinen. Knallerbsen machte. An den rochen Dämpfen, die sich bildeten, als er fein Silber auflöste, sah Donnerstag den 22. Januar. (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 18. - 1891. Schwarze rein wollene Kleiderstoffe (glatt und gemustert) zu Fabrikpreisen dei Xhcetefre, Land, und 3b sLkoroirlhsch «t$. W. Wiese», 17. Januar. Die Provinz Oberhessen besitzt zum Obstbau vorzügnch geeignete Gigenden. Dies erkennend, haben seit langer Zeit und besonders in den letzten Jahren Behörden und Private tn den Bemühungen, unseren Obstbau rationell zu gestalten, miteinander gewetteifert und man sollte meinen, bet Obstbau sei in einem solchrn Zustande fröhlichen Aufblühens begriffen, daß jeder für das VolkSwohl Begeisterte seine innige Freude daran haben müsse. Wohl trifft dies für verschiedene Gegenden auch wirklich zu, in anderen will es aber trotzdem nicht vorwärts kommen. Die in Gärten und Feldern kümmerlich ihr Leben fristenden Bäume, bedeckt mit offenen Wunden, behaftet mit fäulnißbringenden Anstumpen, predigen uns flar und deutlich, daß viele Landwirthe über die richtige Pflege der Obstbäume nur genügende Kenntnisse besitzen. In richtiger Er kenntniß dieses Uebelstandes und um ein nachhaltiges Interesse für die Baum- zucht zu wecken, läßt die Section Gießen des Obftbauvereins der Wetterau in verschiedenen Orten des Kreises durch den Obstbau- techniler Herrn Metz von Friedberg Vorträge über Obstdaumzucht halten. Ein solcher Vortrag fand am 15. d. Mts. am hiesigen Orte vor einer zahlreichen Zuhörerschaft statt. Anknüpsend an die Worte: „Auf kleinem Raum pflanz einen Baum und pflege sein, er bringt Dir's ein!" verbreitete sich der Vortragende in verständlicher Weise Über den Bezug, die Anpflanzung, den Standort, die Pflege, die Feinde der Obftbäume und Über die Auswahl der richtigen Sorten. Als geeignet zur Anpflanzung wurden empfohlen: Dorkenapfel, Rheinischer Bohnapfel, Rother Elserapfel, Grüner Fürstenapfel, Gravensteiner, Wtnter-Gold-Parmane, Baumanns Reinette, Luikenapfel, Diels Butterbirne, Harnenponts Winter- Lutterdirne rc. Was den Gravensteiner betrifft, so glaube ich kaum, daß sich derselbe in der hiesigen Gemarkung auf den zur Obstcultur in Aus- Pcht genommenen Stellen ziehen läßt, weil er einen guten, feuchten Boden verlangt, den er bei uns nicht findet. In leichtem Boden und bei sandigem Untergründe neigt er zum Krebs. Auch der Luiken- opfel, eine in Württemberg sehr beliebte Sorte, ist zur Anpflanzung in größerer Zahl nicht empsehlenswerth. Derfilde kommt erst nach 12 bis 15 Jahren zum Tragen, holt bann allerdings durch reichliche Ernten ein, was er in der Jugend versäumt hat; allein wenn unsere Landwirthe nach Verlaus von 8 bis 10 Jahren keine Früchte sehen, so fühlen sie sich enttäuscht uno nehmen in der Regel die Umoer- edlung des Baumes vor. — Der braune Matapfel, der in der Umgebung von Wieseck ziemlich oft angetroffen wird, eignet sich für die hiesigen Bodenverhältnisse nicht; er verlangt einen tiefgründigen, sexchteu Lehmboden, wachst nur dann zu einem wirkllchen Baume und bringt alle zwei Jahre ziemlich reiche Ernten. Bei trockenem Untergründe bleibt der Baum klein, zeigt schwache Triebe und ost trockenes Holz. Seine Früchte hängen fast immer einzeln, was ihn in einer Zett, in welcher Massenpi oducte bessere Rente geben, weniger beliebt macht. Einer der besten, einträglichsten WirthschaftsäpfU ist der Rheinische Bohnapfel. Derselbe ist ein harter, äußerst dauerhafter Apfel von mittlerer Größe und sehr saftigem, süßfäuerlichem Flesch. Der Baum bildet eine schöne, aufrechtstehende Krone. In manchen G genden findet man Exemplare von mächtiger Größe im Alter von 80 bis 90 Jahren. Die Bohnäpfel, die z. B. die Rheingegend heroorbringt, werden größtentheils nach England oerfandt und mit 7 bis 8 Mk. pro Eentner bezahlt. Außer den bereits genannten Aepselsorten eignen sich zum Anbau Tjür die hiesige Gegend noch folgende: Prinzenapfel, Königlicher Kurzstiel, Danziger Kantapfel, Pariser Rambour-Netnette und Cham- Pagner-Reinette (Kä^apfel). Einsichtige Landwirthe haben den guten Willen, etwas für die Hebung der Baumzucht zu thun, allein den meisten fehlt, wie schon gesagt, die Kenntniß der Baumpflege, welche als wahres Ziel der 'Oostcultur auf dem Lande angesehen werden muß. Was hilft das Pflanzen, wenn die Pflege mangelt! Ohne Pflege gehen die Bäume frühzeitig zu Grunde und bringen nur kärgliche Erträge. Wird , — Abgeschnittene Blumen zu eonserviren. Ein französischer Chemiker hat durch mehrfach angestellte Versuche die Entdeckung gemacht, daß abgefchnittene Blumen 14 Tage und länger frisch erhalten werden können, wenn man dem Wasser etwas Hirschhorn- und Ammoniaksalz (3 Gramm auf 1 Liter, einige Messerspitzen voll auf ein Glas oder eine Vase) zusetzt. U- 'S 21 Marktplatz 21. 462 Peruan- MWWWM» I Tanin-Balsam von E. A Ullmann L Co. Plauen i- V- ist das beste Mittel gegen Hopfschuppen I und dient zur Erhaltung und Förde-1 rung des Haarwuchses- Zu haben bei ■ 29 Gastav Gerhardt. | Das berühmte vnd vielfach prämiirte Pfungflaebter Vier (Vertreter Joh. Fr. Schaaf) im Zaps bei letzteren 5 r 662 Hochfeines Sauerkraut C. Roth. am Kreuz. 201 Näheres Seltersweg 67. vermiethen. Silbereisen. L. Huhn. vermiethen. I. Bernhardt. miethen. erfreuen Oefen Alte Klinik Redaction: A. Scheyde. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen. H. 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