Nr. 271 Freitag den 20. November 1891 »er MtM >*3*T aßchami täglich, B* ULZnahm« bd Bte «ttfRer wbn km Änyipr «Gchmttüch »«tg-legt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. VNrtck-Khri^r i 2 Mark 20 Pfg. *» Vringcrloh». Durch die Post bezsHW 2 Mark 50 Pf,. Rcboctiin, LxpedMm und Druckerei: Aer^prech« 5L Amt«- ttttb Anzergeblatt für den Arei« Gieren. Deutsches Reich. Berlin, 18. November. Im Reichsamte des Innern fand am Dienstag unter Vorsitz des Staatssekretärs v. Bötticher eine Conferenz der Commissare Deutschlands für die Handelsvertrags - Unterhandlungen mit der Schweiz statt. Dieselben sollen in der nächsten Woche wieder ausgenommen werden. — Am Altenburger Hose ist nunmehr die osficielle Zusage betreffs der Theilnahme Kaiser Wilhelms an den Hofjagden in Hummelshain eingegangen. In Kahla wird die Ankunft des Kaisers am Nachmittag des 25. November erwartet. — Der badische Landtag ist am Dienstag durch eine politisch belanglose, rein geschäftsmäßige Ansprache des Ministerpräsidenten Dr. Turban eröffnet worden. — Die inMünchen geführten handelspolitischen Berathungen sind am Montag Abend mit einem von den österreichischen Delegirten den deutschen und den italienischen Delegirten gegebenen Abschiedsdiner abgeschloffen werden. Dem Diner wohnten auch die Mitglieder der preußischen, österreichischen und italienischen Gesandtschaft in München bei. Ä'Ä—’ÄSHratirSeita,«: chitßmm ImnikimSkStter. WWWWWWWWSWWMWWMW>^WWWWWWWWWVWAWWPMWWWMWWflgß /M«W>MIMMUIMM.IIIMWI W IUI KMjaii lUlHIinj IIIVJI Lllc iRBoecm-BurtouF M In- tmb ÄuffeiM mtm* Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«. Amtlichere Theil. Gießen, den 17. November 1891. Betr.: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen, das Großh. Polizei-Commissarrat Arnsburg und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden desKreises. Indem wir Sie benachrichtigen, daß Herr L. Huhn in Gießen zum Vertrauensmann des XXX. Bezirks (Kr. Gießen, Büdingen, Friedberg) der <5edion V der Steinbruchs - Berufsgenoffenschaft und Herr B. Müller III. in Geilshausen zu dessen Stellvertreter ernannt worden ist, beauftragen wir Sie, die in § 64 des Unfallversicherungs- gesetzes vom 6. Juli 1884 vorgeschriebene Benachrichtigung über die Einleitung von Unfalluntersuchungen an den genannten Vertrauensmann bezw. deffen Stellvertreter gelangen zu «lassen. v. Gagern. Netteste Nachrichten. WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 18. November. Die heutige Stadtverordnetenwahl der zweiten Klasse ergab die Wiederwahl aller bisherigen vierzehn Liberalen. Berlin, 18. November. In der Generalshnode wurde der Gesetzentwurf betreffend die Verlegung des Buß- und Bettages auf den Mittwoch vor dem letzten Trinitatis- sonntag mit 144 gegen 33 Stimmen angenommen. Ein Antrag, den Geistlichen, welche der Dienstpflicht genügt, die Zeit derselben auf das Dienstalter anzurechnen, wurde an die Finanzcommission verwiesen. Wien, 18. November. Der König und die Königin von Sachsen nebst der königlichen Familie trafen heute Abend 8 Uhr hier ein, vom Kaiser und den Erzherzögen am Bahnhose begrüßt. In der Hofburg bewillkommnete die Erzherzogin Maria Theresia die Gäste Namens der Kaiserin. Prag, 18. November. Die deutsche Section des Landesculturraths hat sich heute constituirt. Sie wählte den Vorsitzenden des landwirthschastlichen Centralverbandes, Pfeiffer, zum Präsidenten. An den Ministerpräsidenten Taaffe wurde ein Huldigungstelegramm für den Kaiser abgesandt. New-Hort, 18. November. Dem „Herald" wird aus Buenos Ayres gemeldet, daß die Revolutionäre im argentinischen Gebiete von Formosa in Paraguay die Residenz des Gouverneurs Delgado geplündert haben. Es heißt, daß derselbe verwundet und mehrere seiner Offiziere getödtet worden sind. Von Buenos Ayres seien Truppen nach Formosa gesandt. Das Land scheine vor einer neuen Revolution zu stehen, da Dr. Pitarro und General Mitre sich um die Präsidentschaft streiten. Die Garnison von Rosario in der Provinz Santa Fe habe gemeutert. Ein weiteres Telegramm des „Herald" aus Buenos Ayres besagt, daß der brasilianische Director Fonseca drei Generale nach Rio Grande gesandt habe, um mit den Aufständischen zu verhandeln. Rio de Janeiro, 18. November. (Reutermeldung.) Der Präsident Fonseca hat ein Decret erlassen, durch welches ein Nachtragscredit von 13 Millionen Milreis für Anschaffung von Ausrüstungen und Munition gewährt wird. Die Situation ist im Allgemeinen unverändert. Petersburg, '18. November. Die Börsenzeitung meldet gerüchtweise, es solle eine aus hochstehenden Persönlichkeiten bestehende Regierungs-Commission gebildet werden, welche die Volksverpflegung in den Nothstands-Gegenden leiten, Korn verkaufen, vertheilen und versenden solle. Konstantinopel, 18. November. Die Abreise des Marschalls Fuad Pascha und des Geheimsecretärs des Sultans, Kiasim Bey, nach Livadia zur Begrüßung des Zaren Namens des Sultans ist aus Samstag festgesetzt. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 18. November. In Reichstagskreisen verlautet, die Handelsverträge werden dem Reichstage vor Mitte December zugehen. Berlin, 18. November. Bankier Siegfried Abrahamson ist auf Antrag des Kammerherrn v. Gers- dorff wegen Uebervortheilung verhaftet worden. Berlin, 19. November. In den nächsten Tagen beginnen die commiffarischen Berathungen über eine anderweite gesetzliche Regelung der Abzahlungs-Geschäfte. Aehnliche Berathungen finden bezüglich der Novelle zur Gewerbeordnung betreffend die Einschränkung des Hausir- handels demnächst statt. — Die „Voss. Ztg." meldet aus Lemberg: Polnische Blätter melden aus Warschau, daß infolge des Getreideausfuhrverbotes gegen 5000 Arbeiter in den russischen Häfen beschäftigungslos seien. Die Arbeiterbevölkerung werde streng überwacht. Die Garnisonen sollen theilweise verstärkt werden. Bautzen, 19. November. Nach der „Sorbeke Nowing" wird in den wendischen Schulen der Lausitz die sorbische Unterrichtssprache 'wieder eingesührt. Köln, 18. November. Der militärische Petersburger Berichterstatter der „K. Z." meldet, der russische Kriegsminister äußerte neulich in vertraulichem Kreise, daß die durch die Hungersnoth verursachten staatlichen Ausgaben in keiner Weise die Kriegsvorbereitungen aushalten würden, die Gewehrlieferung solle sogar möglichst beschleunigt werden. Die eben befohlene Bildung eines Festungsartillerie-Bataillons in Zegoze sei nur ein Glied in der Kette der fortwährenden Vermehrung der russischen Festungstruppen, namentlich der Festungsartillerie. Die Kosten spielten hierbei keine Rolle. Der Kriegsminister habe noch für etliche Jahre hinaus riesige Summen zur freien Verfügung. Freiburg i. B., 18. November. Gestern Abend gegen 7 Uhr wurde in den südwestlichen Ortschaften eine starke Erderschütterung bemerkt, Alles befand sich in einer schwingenden Bewegung. Die Leute stürzten erschreckt aus den Häusern. Prag, 18. November. Nach der „Politik" soll im neuen Strasgesetzentwurf ein besonderer Paragraph auf- Feuilleton. Sie und ihr Viertcisvetter. Erzählung von I. Bonnet. (Schluß.) Als Ottilie vor der Thüre stand, sog sie freudig die freie Luft ein. „Gott sei Dank, daß ich mich von heute an regen und rühren kann!" War denn wirklich über der Fülle trauriger Erlebnisse während des Sommers abermals Winter geworden, Winter, den sie als sechszehnjähriges Mädchen so glühend herbeigesehnt hatte? Da flogen sie ja munter, die kleinen Schneesterne, als taumelten sie auf sie zu mit dem Gruße: „Unter guten Sternen sollst du ausziehen, du muthiges Herz!" Ja, Muth fühlte sie, Muth für dreie. Ihr Mütterlein sollte es erleben, daß Kindeshand sich fröhlich rühren kann, .ohne das Gefühl der Selbstachtung zu verkümmern, im Gegen- theil! Gottgeschenkte Kraft erproben ist besser, als sie verlieren in üppigem Nichtsthun und eitlem Tand. „Lieber durch Leiden will ich mich schlagen, als so viel Freuden des Lebens ertragen!" tönte in ihr als verwandter Klang das Dichterwort. Und als sie mehr denn einen Gang umsonst gethan hatte, stützte sie sich, die herzumklammernden Zweifel niederschlagend, auf das Psalmwort: „Im Namen unseres Gottes überspringen wir Mauern." Er konnte ein tapfer strebendes junges Herz gewiß nicht verlassen. Matt von den vergeblichen Gängen und kalt durchweht vom Wind, der die Wangen roth, die Glieder aber erstarren machte, kehrte Ottilie in einer Conditorei für Damen ein, um sich zu erholen, und Blätter nach Anzeigen, die für sie paßten, zu durchsuchen. Und sie hatte, wie es schien, Glück Äamit. Gleich beim ersten Griffe fiel ihr ein Blatt in die Hand, das ihr ganzes Interesse in Anspruch nahm, „Fürs Haus", mit einem trefflichen Verse, der wie für sie hingestellt schien, an der Spitze, mit practischen Artikeln, freilich mehr für junge Hausfrauen, als für sie, endlich aber auch mit manchem hübschen Fingerzeig für Mädchen, die einen passenden Erwerb suchten, und mit einer Fülle von Anzeigen. Lesend saß sie am Fenster, ohne zu bemerken, was draußen oder drinnen vorging, nichts sehend, aber gesehen von dem, der sie seit vielen Wochen zu finden wünschte und sich nicht getraute, sie geradezu aufzusuchen. Robert war an der Conditorei vorübergegangen. Da hatte sein Auge sie ihm gezeigt und er war freudig zusammengefahren. Sie war es! Leicht sich über die Zeitschrift neigend, die rosige Wange dem Fenster zukehrend, so saß sie vertieft in ihren Zweck. Sollte er hinein? Sollte er draußen bleiben und auf sie warten? Alle seine jahrelange Ruhe, die er sich in mühsamem Kampfe errungen, war dahin. Er ging einige Schritte zurück, wandte wieder um, und so aber- und abermals. Eine Dame nach der andern trat aus der Conditorei. Ottilie kam noch immer nicht. Es dauerte ihm allzu lange! Die Thüre öffnend, erklärte er am Büffet, dort im Zimmer eine Verwandte sprechen zu müssen. Ottilie saß ganz allein da, und er stand an ihrer Seite. Jetzt blickte sie auf und beim ersten Blick erkannte sie ihn trotz des behaglichen Pelzes, der ihn einhüllte. „Ottilie!" „Robert!" Wortlos standen sie sich gegenüber, und dann saßen sie allein zusammen am offenen Fenster, sprachen von diesem und jenem, fragten, erzählten- und die Schneeflocken führten einen wundersamen Tanz vor den Scheiben auf, als taumelten alle Sterne vor Wonne. Acht Tage später fuhren Robert und Ottilie auf einen Nachmittag die bewußte merkwürdige Strecke von Berlin nach Trebbin und von Trebbin nach Blankensee. „Hurrah, sie und ihr Viertelsvetter!" ries die kleine Bande, die inzwischen ordentlich aufgegangen war, in jubelndem Willkomm, als sie der Kutsche des Onkels entstiegen. „Gott zum Gruße, du liebes Brautpaar!" sagte Tante Charlotte, beide miteinander an ihr mütterliches Herz ziehend, und „Das habt Ihr brav gemacht!" klopfte" ihnen Onkel Ferdinand aus die Schulter. „Habe damals gleich was davon bemerkt, daß es Dir vom Viertelsvetter noch gelten würde: „Er soll Dein Herr sein!" Na, behaltet die Augen trocken, Kinder! Ist zwar viel passirt, aber das Beste zuletzt!" Was nicht dieser Winter schön war! Rosen und Sterne blühten und glühten den beiden jungen Herzen mitten in kalten, dunklen Tagen ohne Ende. Selbst die alte Excellenz lebte wie verjüngt wieder auf. Um Ostern richteten sie ihr behagliches Heim ein und an der Hochzeitstafel brachte Onkel Ferdinand auch einen mit schallendem Beifall aufgenommenen Trinkspruch in Versen auf die anwesende allverehrte und geliebte Familientante aus, die mit ihrem Merkzettel „heilloses Unglück, wollte sagen gesegnetes Glück" angerichtet habe, denn „„Ottilie" hieß darauf das erste Gericht, Ihr mögt es mir nun glauben oder nicht, Geschrieben stands, und kein Messer noch Wetter Verlöschte die heimliche Kunde mehr, Es blieb dabei: „Sie und ihr Viertelsvetter!" Verehrtes Tantchen, was willst Du noch mehr?" Braucht noch hinzugesügt zu werden, daß die liebe alte Tante mit der Erfüllung ihrer Mission behufs des Merkzettels hinterdrein vollauf befriedigt war. Sie hatte auch allen Grund dazu. Robert und Ottilie gestalteten ihr schönes Heim nach dem Vorbilde des Blankenseer Amtshauses. Sie gehörten sich in reichem Glück und hielten ihr HauS offen für. alle lieben Gäste, die daran theilnehmen wollten. genommen werden, welcher die Irreführung an der Börse als \ Strafdelict qualificirt und aufs Strengste ahndet. Sosuowice, 18. November. In der Kohlengrube Jercy wurden durch das Herabstürzen von Kohlenmassen fünf Bergleute verschüttet. Libau, 18. November. Infolge des Ausfuhrverbots herrscht auf allen Gebieten große G e s ch ä f t s st o ck u n g. In vielen Geschäften wurde das Personal entlassen oder reducirt. Die Wechselproteste nehmen zu. Viele Falliffemente werden befürchtet. London, 18. November. Von den fälligen Atchison- Topeka Garantiefond-Noten wurde etwa die Hälfte von den bisherigen Inhabern prolongirt und der Rest von dem dieserhalb gebildeten Syndicat ausgenommen. Shanghai, 18. November. Die Vertreter der Mächte forderten neuerdings von der chinesischen Regierung Sühne für das Vergehen gegen die Person und das Eigen- thum der geschädigten Europäer, sowie Garantien für die Zukunft. Localer uttb provinzielles. Gießen, 19. November 1891. — Neues Theater. „Ultimo." Welch' unangenehmer Tag nicht nur für den Bruder Studio, der mit seinem Wechsel gewöhnlich nicht bis zum „Letzten" reicht, oder für den kleinen Beamten, der den „Ersten" dem „Letzten" bedeutend vorzieht, oder auch für den, der an diesem Tage eine „Abrechnung" zu halten hat. Von Letzterem weiß auch in dem vorgestern hier zur Aufführung gelangten Lustspiel „Ultimo" von G. v. Moser der Professor Reinhard Schlegel ein Lied zu singen. Er ist der Meinung, daß der Wissenschaft gegenüber alles Uebrige Spielerei sei. Diese seine Ueberzeugung verficht er auch bei Gelegenheit eines Besuches ganz rücksichtslos seinem Neffen gegenüber (der sich vom Commis zum Commerzienrath emporgeschwungen), trotzdem er ihn kurz vorher in feiner allbekannten Verlegenheit mit 200 Thaler angepumpt hat. Angepumpt zu werden und dafür mit beleidigenden Redensarten tractirt zu werden, wird selbst dem jovialen Commerzienrath etwas zu bunt, aber er kennt die verschrobenen Ansichten seines Vetters und beschließt, ihn davon gründlich zu curiren. Auf dessen Bemerkung, er könnte, wenn er so viel Geld zur Versügung hätte, ebenso gut an der Börse speculiren, stellt ihm der Commerzienrath dreißig- tausend Thaler (bei Moser scheint dies kleine Sümmchen gar keine Rolle zu spielen) zur Versügung, nach vier Wochen am „ultimo“ soll dann die Abrechnung stattfinden. Dies ist der Grundgedanke, der dem Stücke den Namen gegeben hat und sich durch sämmtliche fünf Acte hindurchzieht. — Das Gelingen der Darstellung des „Ultimo" beruht hauptsächlich auf der richtigen Auffassung und Durchführung der Rolle des einseitigen, jeder Aeußerung einen Hintergedanken unterschiebenden und später als Börsennabob sungirenden Professors. Gerade die letzte Eigenschaft ruft das Comische und damit die Lachlust der Zuschauer am meisten hervor. Diese Rolle zeigte HerrnHPaul Ernst als Characterdarsteller im glänzendsten Lichte. Wir haben sie sowohl in Berlin als in Breslau nicht besser durchgeführt gesehen. Sein Detter, der Commerzienrath Schlegel, der practische Geldmann und nüchterne Verstandesmensch, der besonders nach einem guten Sectsrühstück äußerst jovial ist, wurde von Herrn Director Reiners mit vielem Humor und großer Natürlichkeit gegeben. Freilich, was letzteren Punkt anbelangt, so hat wohl bezüglich des „Aeußeren" der Commerzienrath Wolff in Berlin etwas „nobler" ausgesehen. Seine Frau schwärmt wie die meisten Commerzienräthinnen in Ermangelung anderer Beschäftigung von Poesie. Diese Rolle, welche große schauspielerische Routine erfordert, wurde von Frau Lucy Lindemann bis in die geringste Einzelheit vorzüglich zum Ausdruck gebracht, sowohl von der Moralpredigt über Rauchen und Secttrinken an bis zu dem Augenblick, wo sie „mit dem Frosch auf den Lippen" ohnmächtig in die Kissen sinkt, d. h. mit dem Frosch, den ihr Garte in seinem wunderbar „poetischen" Vergleich angeführt. Ebenso gewandt wurde Therese, die Tochter des Commerzienraths, von Frau Reiners gegeben, jedoch sah der „unerfahrene Backfisch" manchmal etwas „zu unternehmend" au§; wir können aber mit Be- sriedigung constatiren, daß die Frisur gestern (eigentlich zum ersten Male) eine sehr gelungene war. Herr Albert Rosenow, welcher die Doppelrolle des sehr allen, lukullischen Genüssen wie z. B. eines guten Glas Scct und einer vorzüglichen Havanna trotzdem nicht abgeneigten Onkels Lange spielte und dann des verschmitzten Factotums, des Professor Schlegel, fiel uns gestern zum ersten Male auf. Sein gestriges Spiel zeigte, daß die Direction mir seinem Engagement einen glücklichen Griff gemacht. Abgesehen von den übrigen Rollen, welche sehr gut verlheilr waren, glauben wir, daß die Regie in der wohl in letzter Stunde geänderten Besetzung des blasirten Herrn von Haas und des unbeholfenen Arztes Bruno Berndt einen kleinen „Schwupper" gemacht. Wohl führte Herr Georg Stegcmann die Rolle des Herrn von Haas und Herr Jaroczhnski die des Doclor Berndr ganz gut durch, aber doch wären beide Rollen noch mehr zur Geltung gekommen, wenn beide Herren die Nollen gespielt hätten, die auf dem Theaterzettel angegeben waren. Herr Jaroczhnski eignet sich mehr zum Bonvivant, während Herr Stegemann eher den Liebhaber mit Hindernissen spielt. Der Georg Richter des Herrn Adolph Peickner war oft zu enthusiastisch und litt in Folge dessen an Natürlichkeit. — Im Ganzen darf aber die Vorstellung als eine äußerst gelungene bezeichnet werden und dürfte nach Beseitigung der angeführten kleinen Mängel bei etwaiger Wiederholung auch einen größeren Zuspruch des Publikums erwarten. — Neues Theater, Am Freitag den 20. November kommt zum ersten Mal ein Lustspiel von Dr. Karl Töpfer „Der beste Ton" zur Ausführung. Wir machen umsomehr auf diese Vorstellung aufmerksam, als Dr. Töpfer zu denjenigen Lustspieldichtern gehört, welche, wie Roderich Benedix, nicht nach Effecthascherei gesucht haben. — Vortrag. Vor zahlreicher Zuhörerschaft hielt gestern Abend Herr Ingenieur Brockmann aus Offenbach im Gewerbeverein den angekündigten Vortrag über das Aluminium. Der Stoff, aus welchem Aluminium gewonnen wird, die Thonerde, findet sich fast überall, denn sie bildet neben Kresel einen Hauptbestandtheil unser Erdrinde,- ihre Verwendung ist sehr mannigfaltig : als Töpferthon, zur Porzellanfabrikation, zum Walken von Tuch u. s. w. Nachdem schon zu Anfang des Jahrhunderts Versuche gemacht worden, das Aluminium mittelst galvanischen Stromes aus der Thonerde auszuscheiden und künstliche Edelsteine herzustellen, gelangen weitere erfolgreiche Versuche erst Bunsen, mittelst Alcalien eine Scheidung von Thon und Alcalien herbeizuführen. Der 1827 von Wöhler in Göttingen angestellte Versuch, Alu- minium aus Thon auszuschetden, gelang ebenfalls, allein das Aluminium Halle nur Pulverform, und vergingen weitere dreißig Jahre, ehe es gelang, das Aluminium, und zwar unter Anwendung von Natrium, in einer anderen Form herzustellen. Seiner Verwendung stand der enorm hohe Preis (das Kilo kam auf über 6000 Frcs. zu stehen) entgegen. Erfolgreichere Versuche wurden ausgeführt, als die Electrotechnik ihren Zug durch die Welt begonnen und die Möglichkeit gegeben schien, mit Ausnützung billiger Kräfte, der Wafferläuse, die Gewinnung des Aluminiums zu einer ertragreicheren zu gestalten. Der Rheinfall bei Schaffhausen war es mit zuerst, welcher seine Kraft in den Dienst der Aluminiumgewinnung in größerem Maßstabe stellen mußte, denn es wurde in der Nähe von Schaffhausen eine Fabrik (Neuhausen) errichtet, über deren Anlage und innere Einrichtung Herr Brockmann interessante Mittheilungen machte. Die Fabrik, von einer Actiengesellschast mit einem Grundcapital von 12,000,000 Fr. gegründet, hat die Concession zur Ausnützung von 4000 Pserdekrästen des Rheinsalles erhalten, nutzt aber vorläufig nur die Hälfte davon aus. Sie ist nach Mittheilung des Vortragenden ein die neuesten Fortschritte der Technik mit wahrhaft ingeniensen Anlagen vereinigendes Werk, besonders hinsichtlich der Dynamomaschinen. In Neuhausen wird unter Anwendung eines Stromes von 14000 Ampere und einer Spannung von 30 Volts das Aluminium aus der Thonerde geschieden. Die Thonerde muß in möglichst reinem Zustande verwendet werden, das Verfahren, über welches im großen Ganzen noch ein Ge- heimniß liegt, ist ein sehr verschiedenes- in der Hauptsache erfolgt die Gewinnung des Aluminiums unter der Einwirkung der feurig-flüssigen Electrolyse. Was die Eigenschaften des Aluminiums betreffen, so ist dasselbe bis zu einer gewissen Grenze leicht entzwei zu brechen, der Bruch ist sehr verschieden, es erreicht indeß Bronzehärte, wenn es geschmiedet wird. Obgleich wenig elastisch, kann es sehr dünn ausgewalzt werden- ein Hauptvorzug ist seine Leichtigkeit, das specifische Gewicht liegt zwischen 2,64 und 2,74, es schmilzt bei 700 Grad Celsius und ist 2046 Mal billiger als Gold, z. Z. stellt sich das Kilo auf ca. 8 Mk. Nur hinsichtlich seiner Tragfähigkeit, für welche es so gut wie aus- geschloffen ist, stellt es sich viel theurer als andere Metalle. Dadurch, daß es durch die Lust nicht angegriffen wird, eignet es sich vorzüglich zu Gegenständen, die der Verwitterung ausgesetzt sind, auch sind sonstige daraus gefertigte Gegenstände, z. B. Offiziersabzeichen, Portepees, Schilder u. s. w. besser und länger zu tragen. Der Einfluß des Wassers auf Aluminium ist sehr gering, desgleichen derjenige von Schwefel-, Salpeter- ober Obstsäure - Lösungsmittel sind Natron und Salzsäure. Die Bearbeitung des Aluminiums ist außerordentlich leicht, es läßt sich drehen, seilen, ciffeliren, graviren u. f. w., es schmiedet sich indeß kalt besser als gewärmt und kann bis zu Hochglanz polirt werden- auch haben die angestellten Versuche, aus Aluminium gefertigte Gegenstände durch Beizen zu verzieren, zu schönen Resultaten geführt. Besonders wunderbar ist seine Verarbeitungsfähigkeit zu deco- rativen Zwecken. Das Löthen des Aluminiums geht unter außerordentlichen Schwierigkeiten von Statten, es gelingt nur unter Anwendung eines besonderen, noch Geheimniß bildenden Lothes. Das Vergolden oder Versilbern des Aluminiums bietet ebenfalls besondere Schwierigkeiten, es muß vorher verkupfert werden. Aus Aluminium gewonnene Bronze und Messing lassen sich mit gewöhnlichem Löthzinn leicht löthen. Herr Brockmann zeigte an der Hand einer großen Anzahl von aus Aluminium gefertigten Gegenständen, wie Gabeln, Löffeln, ärztlichen Instrumenten, Feldkeffeln, Feldflaschen, Feuerwehrhelm, Schlüsseln, Uhrketten, Portemonnaies, Röhren, Bierseideln, Fingerhüten u. s. w., welche Rolle das Aluminium in Zukunft zu spielen berufen ist. Eine weitere Eigenschaft des Aluminums ist, daß dasselbe, mäßig dem Eisen zugesetzt, die Arbeit des Gießens erleichtert und den Guß verschönt. Die aus Aluminium hergestellten Gegenstände zeichnen sich, wie schon oben erwähnt, durch ihre Leichtigkeit aus - so war z. B. der Vergleich eines neusilbernen Restaurationslössels mit einem Aluminiumlöffel ein recht überraschender - die Gegenstände nutzen sich, wie an längere Zeit im Gebrauche befindlichen Schlüsseln u. s. w. bargelegt würbe, fast gar nicht ab. Nachbem Herr Brockmann noch eine Anzahl nach bcm Mannes- mann'schen Rohrwalzverfahren hergestellte Gegenstände, sowie solche aus Aluminium-Bronze, welche sich burch Festigkeit unb leichte Bearbeitungsfähigkeit auszeichnet, vorgezeigt hatte, bemerkte er, baß es sich nicht empfehlen würbe, schlechte Maaren aus Aluminium herzustellen, benn bas Aluminium beanspruche infolge seiner Eigenschaften einen bevorzugten Platz im Kunstgewerbe. Es bedürfe zwar noch vieler Studien, aber dem Aluminium stehe noch eine glänzende Zukunft bevor. Der Vorsitzende des Gewerbvereins, Herr Ang. Heß, nahm nach Beendigung des mit vielem Beifall aufgenommenen, höchst lehrreichen, hier nur skizzenhaft wiederzugebenden Vortrags Gelegenheit, dem Herrn Vortragenden den Dank der Anwesenden auszudrücken. Hoffentlich werden auch die noch folgenden Vortragsabende des Gewerbvereins so zahlreich besucht wie der gestrige. — Gut Heil! Gestern Abend sand unter reger Betheiligung der Mitglieder die vierte ordentliche Hauptversammlung des hiesigen Turnvereins pro 1890/91 im Cafe Schnell statt. Der erste Sprecher berichtete über das verflossene Vereinsjahr, sowie über den jetzt vollendeten Turnhallenbau. Die Kosten der Halle belaufen sich incl. des Bau- unb Turnplatzes, sowie ber Anschaffung ber nöthigen Geräthe aus Mk. 47 815.41 unb verbleibt bem Verein jetzt nach Abzug ber Hypothekaufnahme ein Baarvermögen von Mk. 39 784.35. Die Einnahmen bes verflossenen Jahres betragen Mk. 41668.25, bie Ausgaben dagegen Mk. 41382.48, mithin Kassenbestand Mk. 285.77. Die Unsallkasse hat die Summe von Mk. 630.34 erreicht. — Postpersonalnachrichten. Ernannt wurden: ber Post- kassirer Wittich in Mainz . zum Postdirector, ber Ober- Postbirectionssecretair von ber Mülbe in Darmstabt zum Telegraphenbirector, ber Postcassirer Allewelbt in Darmstabt zum Postinspector, bie Ober-Postbireetionssecretaire Kuhlmann in Mainz unb Meyer in Worms zu Post- cassirern, ber Postsecretair Schallas in Gießen zum Ober- Postsecretair unb ber Postassistent Mees in Darmstabt zum Ober-Postassistenten. In ben Ruhestand tritt auf seinen Antrag ber Ober-Telegraphenassistent Weigelt in Mainz. — Neue Kaserueubanten in Heffen. Im Reichshaus- Halt-Etat für 1892/93 fittb unter militärischen Neubauten vorgesehen: Eine Cavallerie - Kaserne für zwei Schwabronen in Darmstabt unb eine Infanterie-Kaserne für zwei Bataillone in Worms. — An der LandeSbaugewerkfchnle in Darmstadt begann, wie bereits berichtet, ber 16. Jahrescursus am 16. November. An ber Schule finb thätig 20 Lehrer, angemelbet 180 Schüler, von benen nur 141 angenommen werben konnten. Von ben Schülern finb 105 aus Starkenburg, 10 aus Rheinhessen, 19 aus Oberheffen, 6 ans Preußen, 1 aus Bayern. —? Alsfeld, 17. November. Gestern wurde dahier bie erweiterte Han b werker schule feierlich eröffnet. Es hatten sich dazu angemelbet 12 Schüler, es werden in den nächsten Tagen jedoch noch zwei weitere hinzutreten. Da die Gründung dieses Instituts einem schon längst gefühlten Bedürfniß abhilft, so darf man hoffen, daß bie Frequenz mit ber Zeit eine größere werben wird. Der Eröffnungsfeierlichkeit folgte ein Festmahl im „Gambrinus", an welchem etwa 30 Personen theilnahmen. Wir wünschen ber Schule von ganzem Herzen Glück unb gutes Gebeihen. Friedberg, 18. November. Am Samstag ben 21. November wirb im Gartensaale ber Brauerei Schmibt hier eine Versammlung von Turnlehrern stattfinben behufs Grün- bung eines Turnlehrervereins für Friebberg unb Umgegenb. Da in anberen Stäbten bes Groß- herzogthums: Darmstabt, Mainz, Worms, Gießen rc., ber Beweis geliefert worben ist, baß burch Turnlehrer-Vereine bas Schulturnen wesentlich gefördert werben Fann, ist eine rege Betheiligung an der Versammlung bringenb zu wünschen. — Die auf gestern Abend auf Windeckers Felsenkeller ein- gelabene Versammlung ber hiesigen Geschäftsleute, bie sehr zahlreich besucht war, beschloß in Bezug auf bie Sonntagsruhe einstimmig, vom 1. April 1892 ab bie Geschäfte Sonntags von 8—1 Uhr offen zu halten unb in diesem Sinne bei bem Gemeinberath vorstellig zu werben. A Mainz, 18. November. Wie verschiebenen Blättern aus Berlin gemeldet wird, hat ber Gouverneur ber hiesigen Festung, General v. Reibnitz, seinen Ab schieb eingereicht. Als Nachfolger bezeichnet ber „Rheinische Curier" Generallieutenant v. Holleben, Commanbeur ber 1. Garbe-Jnsanterie- Division, wogegen bie „Coblenzer Zeitung" melbet, baß General v. Roon als Gouverneur für bie hiesige Festung bestimmt sei. — Der jüngst bahingeschiebene Dr. Perrot, ber vielgenannte Vertreter bes Zonentarifs, ist einer äußerst schmerzlichen Krankheit erlegen. Bei einem heftigen Blasenteiben währte ber Tobeskampf 14 Tage, ber einzig burch Eingebung von Morphium etwas gelindert werben konnte. Das Schrecklichste war, baß Perrot bei all seinen sich stets steigernben Schmerzen volles Bewußtsein behielt. Beiläufig bemerkt, ist Dr. Perrot arm gestorben unb feine Wittwe, bie ihm die treueste Pflegerin war, befindet sich in einer bedauernswerthen Lage. * Mainz, 17. November. Ein bekannter Wirth dahier würfelte gestern Abend mit einigen Gästen „Max Moritz". Da klopfte es wiederholt an einem entfernten Tische, so daß der gute Mann das Spiel verlassen und einen Schoppen einschenken mußte, weil eben die Frau sich aus dem Zimmer entfernt hatte. Als er eben den Schoppen auftragen wollte, meinte er, die Mitspieler wollten „mogeln" unb er rannte beshalb mit bem Schoppen an ben Spieltisch, sah sich ben eben gemachten Wurf an unb bekam bann ben Würfelbecher zum Wurf. In ber Hitze bes Spiels stülpte aber ber Wirth, der den Würfelbecher in der linken, den vollen Schoppen in der rechten Hand hatte, diesen auf den Tisch, sodaß bie Glassplitter weit umherflogen unb bas edle Naß über ben Tisch lief. Man wirb sich bie unbänbige Heiterkeit der Gäste und den Aerger des Wirthes denken können. Dermifdyies. * Lahr, 17. November. Die auf gestern festgesetzte Ziehung der Großen Silber-Lotterie zu Gunsten des Ersten Deutschen Reichswaisenhauses ist auf Antrag beteiligter Verbände verschoben worden. Der Ziehungstag wird später bekannt gegeben werden. Der Absatz der Loose war in den letzten Wochen ein sehr lebhafter, so daß im Verhältnis zum Umfange der Lotterie ein nicht sehr bedeutender Theil der Loose noch zu verkaufen übrig ist. Das Gewinn- verhältniß ist ein außerordentlich günstiges, denn ben ausgegebenen 200000 Loosen stehen Gewinne im Betrage von nicht weniger als 140000 Mark gegenüber. •t begann, i lUo= mgemelbtt 1 konnten, us Rhein- > Bayern, dahier die Es hatten n nächsten die Grün- Bedürsniß t der Zeit Ml folgte 30 Pn- n ganzem )er Post- r £)bet$ adt zum Darm- -crefaire Post- Ober- W. zum seinen n Mainz, 'ichshaus- n Neu- iür zwei e-Kaserne ^ethei- van^. a 21. No- t hier eine s Grünriedberg )es Großen 2CV der er-Vereme i, ist eine wünschen. Mn em- -schästs- . Bezug aus il 1892 ab halten und zu werden. Zlättern aus >er hiesigen eingereicht. ■ii General- -Jnsanteri^ neldet, daß ige Festung c» ' L9n des unäf’ ttt 6 L-°der r (Sjeflin'1, C < Jett««' (, »er rstsch«crz- Ilasenlktde» Kogkbtmg ,0$®^ w* die 'W,te $irt5 d°V !°k W°>^' i ,en d-o-Z^ 'Ar rannte 'wh sich WseE titrH sodaß °te Vibct de» ‘Ltit der °b-r d,z tnlutn. d-SBoii- Eniithr "4 %ju« I784.359 1668.25, Mbchnyd •• 630.34 10263 Unser Lager in 9«9 E. 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Bei dem Bau des Fischer- Hafens exp lo dirte gestern Abend durch Herausfliegen eines Auswaschpfropfens der Loeomotivkessel, zwei Maschinisten und ein Heizer wurden vollständig verbrüht und starben Nachts im Hospital. * Insterburg, 16. November. Lehrer Mertens indem eine Meile von hier entfernten Dorfe Pagelienen erschoß mittelst eines Revolvers seine junge Gattin und dann sich selbst. M. stand im Alter von 34 Jahren und hatte erst vor vier Wochen seine 18jährige Lebensgefährtin heimgeführt. Es ist kein Zweifel, daß die schreckliche That im Zustande geistiger Umnachtung ausgesührt worden ist, denn nach verschiedenen Eingaben des M. an Behörden scheint ! derselbe schon seit einiger Zeit an Wahnvorstellungen gelitten j zu haben. * In 4*/r Stunden durch sieben deutsche Staaten. Vor ; einiger Zeit ging durch die Zeitungen die Mittheilung, daß । man zu Fuß binnen sieben Stunden durch sieben deutsche t Staaten gelangen könne. Wie nachstehend angegeben, kann ! man aber schon in 4 Stunden 35 Minuten durch sieben ! deutsche Staaten reifen, nämlich durch drei Fürstenthümer, zwei Herzogthümer und zwei Königreiche. Von Steinbach i (Bayern) ausgehend, gelangt man in einer halben Stunde ; nach Lichtentanne (Sachsen-Meiningen), von hier in anderthalb ! Stunden nach Rauschengesees (Reuß ä. L), dann in fünf i Minuten nach Gleima (Schwarzburg-Rudolstadt), von da ' aus kommt man in einer weiteren halben Stunde nach - Altengeseeß (Reuß j. L.), dann in einer Stunde nach Drognitz : (Preußen) und von hier erreicht man in einer Stunde Saal- j thal (Sachsen-Altenburg.) * Es läppert sich zusammen. In Berlin werden jährlich i etwa 4000 Gesinde-Dienstbücher von den Dienstmädchen ver- i loren. Denn wer will wohl glauben, daß diese 4000 Bücher ? wegen der darin enthaltenen schlechten Zeugnisse vernichtet I werden? f * Keine Postverbindung mit die Räuber. Vor Kurzem i sandte Jemand von Dresden einen mit 20 Pfg. franfirten j Brief ab, der die Adresse trug: „An Herrn Räuberhauptmann Athanasios in Tscherkeskiöi bei Adrianopel (Türkei) Fr. Eigenhändig." Der Brief, welcher einer amtlichen Correspondenz sehr ähnlich sah, kam natürlich bald wieder als unbestellbar zurück, trug den Tagesstempel von Adrianopel Und folgenden Vermerk in deutscher Sprache: „Keine Postverbindung mit die Räuber." rrniverfitäts - Nachrichten. Breslau, 19. November. Professor Räbiacr, das älteste ] Milglied der hiesigen evangelisch-theologischen Facultät, ist, 80 Jabre alt, gestorben. Schiffsnachxichten. Der Polldampfer „Waesland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. November wohlbehalten in Newyork angekommen. yerfebr, Land« rind Volksrvirthschaft. Friedberg, 17. November. Fruchtpreise. Weizens. 24.50, bis 25.00, Korn JL 24.00-00.00, Gerste JL 17.00—17.50, Haier JL 14 50—15.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 18. November. Butt er markt. Butter kostete per Pfd. JL 0.90-0.95, Eier 1 St. 8 H, 2 St. - Limburg 18. November- Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 20.25, wäßer Weizen JL —Korn JL ,1870, Gerste JL 11.15, Hafer, JL 7.65, Erbsen —, Kartoffeln —. — Dorficht beim Füttern von frischem Stroh. Ebenso wie frisches Heu wird frisches Stroh von den im Stalle stehenden Hautzthieren meistens weit gieriger gefresien, wie altes, außerdem ist es bedeutend schwerer kaubar; beide Umstände geben aber leicht zu Blähkoliken Anlaß, besonders dann, wenn das frische Stroh noch als Häcksel mit Mehl- und Schrolbrei gemengt wird oder an sehr hungrige, gierig fresiende Thiere verabreicht wird. In diesem Jabre ist die Gefahr des Auftretens von Koliken noch deshotb ganz besonders groß, weil fast sämmtliches Sommer-Getreide infolge der feuchten Witterung ausnahmsweise stark mit Rostpilzen befallen ist, darum Vorsicht. Citeratur tmö ICunft. — Friedrich Stoltze, gesammelte Werke. Die Verlags- Handlung von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. kündigt soeben das Erscheinen einer neuen Lieferungs-Ausgabe dieses eigenartigen Werkes an. Die Lieferungen 1—6 (1. Band) sind bereits erschienen, das Ganze soll noch vor Weihnachten fertlggestellt werden. ^Es bedarf wohl keiner besonderen Emptehlung der Werke Stoltzes, wenn auf die in ihnen in unvergleichlicher Weise zum Ausdruck gebrachte Volks- Ihumlichkett bingewtesen wird, die den Dichter bei Allen, die auch nur Bruchstücke seiner Dichtungen zu lesen Gelegenheit hatten, aus- zeichnete. Die Aufmerksamkeit des Publikums, das — besonders in Hessen — den Stoltze'schen Dichtungen ein steigendes Interesse entgegenbrachte, ist gerade in diesem Jahre, als die Nachricht von dem Ableben des Dichters durch die Presse ginj, noch besonders auf seine Werke hingelenkt worden. Die von beroorragenden deutschen Zeitschriften. wie „Deutsche Dichtung", „Nord und Süd", „Vom Fels zum Meer", „Blätter für literarische Unterhaltung", „Leipziger Zeitung" rc. rc. veröffentlichten Besprechungen geben den Werken Stoltzes ein sicheres Geleite durch das ganze deutsche Vaterland, ja, soweit überhaupt die derrtsche Zunge klingt. Frredrich Stoltzes Gedichte in Frankfurter Mundarr (er hat bekanntlich auch in neuhochdeutscher Sprache gedichtet), gehören ganz unbestritten zu dem Allerbesten. was in Mundart, nicht nur Frankfurter, jemals erschienen ist. Die Gedichte sind witzig, knapp im Ausdruck, gesunden Menschen- verstandes voll, gefühlvoll, fesselnd. Was die Gedichte besonders werthvoll macht, ist, daß die Frankfurter Mundart leicht verständlich ist, viel leichter, als z. B. Fritz Reuter. Jede der 24 Lieferungen kostet 50 Pfg., der Band 3 Mk. — Mor uns liegen die ersten fünf Lieferungen einer „Neuen Folge" des ^Famttien-Bücherschatze-^, unter welchem Sammeltitel bekanntlich die Veröffentltchunarn dss in seinen Wirkungen so segensreichen Weimarer ^Vereins für Mafienverbreitung gnter Schriften^ zu erscheinen pflegen. Die Heftchen erwecken schon dadurch das lebhafteste Interesse jedes wahren Literatur- und Volksfreundes, daß in ihnen die von genanntem Verein im vorigen Sommer mit dem Preise gekrönte Erzählung von Earl Schultes in Hannover: „Der Puppenspieler" zuerst zum Abdruck gelangt, weshalb wir unsere Leser ganz besonders auf diese neue Ausgabe glauben aufmerksam machen zu sollen. Aber auch der die ganze Serie als Titelwerk beherrschende Hauptroman von Ludwig Rellstab, „1812", welchem im Sinne der Vereinsbestrebungen noch der Untertitel „ober die Häscher des Kaisers" beigegeben worden ist, scheint uns angesichts der heute die Gemüther bewegenden, dicken russisch-französischen Freundschaft einen besonders glücklichen und zeitgemäßen Griff der Vereinsleitung zu bedeuten. Aus dem düstcr-schaurigen Hintergründe des gewaltigen Völkerkampfes vom Jahre 1812, der mit meisterhaftem Geschick und in dm lebendigsten, glühendsten Farben uns geschildert wird, tritt klar und deutlich, in edelster Plastik das Bild zweier von den Häschern des französischen Welteroberers politisch verdächtigter und unschuldig verfolgter deutscher Jünglinge hervor, deren Geich'ck.' inmitten des französischen Heeres, auf den unendlichen russischen Eisgefilden in wunderbarer Größe sich erfüllen sollten. Namentlich glauben wir den Militärbehördkn, Kriegeroerbändcn und selbst Schul- ober öffentlichen Bibliotheken einen Dienst zu erweisen, indem wir sie auf diese gehaltvolle, durch und durch patriotische Veröffentlichung des Vereins mit dem erhebenden und begeisternden Schlußausblick auf den großen deutschen Freihettskampf von 1813 hiermit aufmerksam machen. Die Redaction des volksfreundlichen Unternehmens hat die wenigen, im Text etwa noch vorhandmen anstößigen oder doch verfänglichen Stellen des Romans vollständig getilgt, so daß das Buch von Eltern wie Lehrern auch der reiferen Jugend ohne Bedenken nunmehr in die Hand gegeben werden kann. — Selbst die äußere Ausstattung der Hefte hat sich gegen früher entschieden zu ihrem Vortheil verändert. Für den Umschlag ist eine lebhaftere, äußerst ansprechendere Farbe gewählt worden; das Titelblatt schmückt jetzt eine dem Inhalte des Hauptromans entnommene Zeichnung — ein ungemein werthvolles und characteristisches Stimmungsbild aus der Künstlerhand Oskar Herrfurths, der auch die bisher erschienenen Illustrationen zu besagtem Roman gefertigt hat, wogegen an der Fortführung desselben kein Geringerer als Prof. Woldemar Friedrich-Berlin sich angelegentlich bethetligen wird und die Preisnovelle non Schultes vier ungemein roertbnoQe und innig empfundene Zeichnungen aus der Feder Oskar Schulz' jieren.* Die ganze Folge, welche auf ca. 70 solcher Hefte (l12 Druckbogen gr. 8° zu 10 Pfg.) geplant ist und im Zeiträume eines Jahrganges wieder ihren Abschluß finden soll, wird neben den genannten Erzählungen noch eine ganze Reihe von meist kürzeren Werken neuzeitlicher, lebender Autoren zur Veröffentlichung bringen und darf mau dem Fortgang dieses neu eingeführten Unternehmens mit um so größerer Spannung entgegen sehen, als neuerdings auch von der freudigen Bereitwilligkeit Seitens der zünftigen Colportage, sich für die Verlags- Erscheinungen der Weimarer Schriften-Vertriebs- Anstalt reger zu verwenden (woran dem Vereine seiner ganzen Tendenz nach außerordentlich viel gelegen sein muß) durchaus Erfreuliches verlautet. Zu beziehen sind die Hefte übrigens für Mitglieder wie Nichtmitglieder durch jede bessere Buchhandlung. — M-reuefie Erfindungen und Erfahrungen^ auf den Gebieten der practischen Technik, Electrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschaft rc. (A. Harttebens Verlag in Wien) Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. — Diese gewerblich-technische Zeitschrift bringt stets nicht nur das Neueste, sondern auch das tbatsächlich piactisch Erprobteste. Das soeben ausgegebene zwölfte Heft ihres XVIII. Jahrganges bietet für den Erwerb, für neue praclische Arbkitseinrichtungen und moderne Umgestaltungen eine wahre Fülle von Anweisungen. Ueberall sind constluctive Abbildungen beigcgeben. Frankfurter Stadttheater. In dem am Freitag den 20. November im Opernhause zur Aufführung gelangenden großen dramatischen Ballet „Excelsior" von Luigi Manzotti tritt Fräulein Paula Bayz nach ihrem Urlaube (den dieselbe nachträglich zu ihrer Erholung an Stelle ihres contract- lichen Sommerurlaubetz erhalten hat) zum ersten Male als „Civili- sation" wieder auf. Gottesdirvst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 4°o Uhr, Samstag Vormittag 83) Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samtag Abend 500 Uhr. Englische Melour, ßheviots und Wouveautvs ca. 140 cm breit, & Mk. 2 45 bis 9.75 per Meter, versenden direct an Private jede beliebige Meterzahl Buxkin - Fabrik - Depot Oettinger &. 60 , Frankfurt a. M. Gediegenste Musterauswahl bereitwilligst franco. [7125 1006] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HollLud. Tabak von B. Becker in Seefen a. Harz 10 Pfd. lose i. Beutel co. 8 Mk. hat d. Exp. d. Bl. eingesehen. Entree 50 Pfg Anfang präeis 8 Uhr n 9378 H. Kühn. 9387] 1» Marktstratze 18 Für Wiederverkäufer sehr zu empfehlen! 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