'M\ Briefpapier Couverts q feinsten und feinen jb und gebrannt. [1320 ’ischbach. seine lenilfarben ^ackfar^ »denlacke, ’ lIfe Sorten ^rben »and hart cknend. 3^/ "V*" -ler,5 . Jjell itinis7 1 uileM ■ » □SSs. ilsener Bier Zapf 5905 k. WMoryrahe. IV1 3;. [6596 A tod. Saline Bad-Naubeiffl boote dargestellt, ausge- eine Viehsalz, Bade- Kvtterlavge, letztere tu SftÄtft iann i>»r* 1 Gießen- nen- und Bergamt Nauheim. «SxL liefert die WADrutai (Tr. Chr, Pietsch) s. Schulutrasse 7. Fernsprecher 51. mit Nr. 165 Zweites Blatt. Sonntag den 19. Juli 1891 Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener AamitienvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger ASonnemenLspreis: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schntstraße Ar.?. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Atveis Gieren. chratisöeitage: Gießener AamitienötätLer. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. ---------- i Bekanntmachung, die HeegzeiL des Dachses betreffend. Nachdem begründete Klagen über die durch den Dachs in der Gemarkung Holzheim an Kartoffelfeldern angerichteten Beschädigungen bei uns vorgebracht worden sind, heben wir die Heegzeit dieses Wildes für die angeführte Gemarkung für die Monate Juli bis September l. I. hierdurch auf. Gießen, den 16. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Localer uttb provinzielles. Gießen, 18. Juli. — Preis-Aufgaben. Für das laufende Studienjahr sind den Studirenden der Landesuniversität folgende Preisaufgaben gestellt worden: 1) In der theologischen Facultät: „Welchen Einfluß haben die eschatologischen Anschauungen des Apostels Paulus auf dessen Ethik ausgeübt?" 2) In der juristischen Facultät: „Die Advocatur im römischen Civilprozeß". 3) In der philosophischen Facultät: a. Alte Philologie: „C. Asinius Pollio, quo jure dicatur auctor commentarii de belle Africano“. b. Deutsche Philologie: „Welche Seelenvorgänge werden in der volksmäßigen erzählenden Dichtung der mittelhochdeutschen Zeit geschildert, mit welchen Mitteln geschieht die Darstellung und wie verhält sich das höfische Epos zum Verfahren der Volkspoesie ?" 4) In der medicinischen Facultät: „Die Einwirkungen des Alkohols aus die Leber, Nieren und Gehirn sind auf Grund experimenteller Versuche nachzuweisen." Außerdem ist aus der Balser-Stiftung für die Studirenden der Medicin folgende Preisaufgabe gestellt worden: „Welcher Antheil an der Morbidität und Mortalität der Wöchnerinnen darf der sog. Jnsection zugeschrieben werden?" Zu Grunde zu legen sind die Resultate der bacteriologischen Forschungen der letzten Jahre und die bei dem prophylactischen Verfahren in mehreren Entbindungsanstalten gesammelten Erfahrungen. — Die fertigen Arbeiten sind bis zum 1. Mai 1892 bei den betreffenden Decanaten einzureichen und darf jedes Thema nicht mehr als einen Bearbeiter zum Verfasser haben. — Die Original • Tyroler Coucertfänger • Gesellschaft I. Stiegler gibt am Sonntag Abend hier in Steins Garten ein Concert. Der aus vier Damen und fünf Herren bestehenden Gesellschaft geht ein vorzüglicher Ruf über ihre Gesangskunst vorauf. Indem wir noch auf das in heutiger Nummer befindliche Inserat verweisen, citiren wir aus den „Münchener Neuesten Nachrichten" Folgendes: „Seit einigen Tagen concertirt im Englischen Cafe die Zillerthaler-Gefell- schast des Herrn I. Stiegler mit großem Beifall. Die vier Damen und fünf Herren verfügen über wohlgeschulte Stimmen, ihre Vorträge, aus Liedern in Chor, Quartetts, Duetts, Solls und Zitherspiel bestehend, gehen flott von Statten. Der Leiter der Gesellschaft, Herr Stiegler, besitzt eine prächtige Baßstimme. Unter den Damen ist die Altistin hervorragend mit ihrem klangvollen, kräftigen Contra-Alt, dann die Trägerin des Mezzo-Sopran und der Sopran rühmend zu erwähnen. Der Zitherspieler ist ein Meister auf feinem Instrument." — S'ammtliche Mnfikcorps des 11. Armeecorps werden für die Tage des 9., 10. und 11. September zu Gesammt- proben in Cassel zusammengezogen. — Neuerung in der Zustellung der Gemeiudefteuerzettel. Aus Mainz wird unterm 16. d. M. gemeldet: Heute wurde mit der Vertheilung der Steuerzettel für die Communalum- lagen begonnen. Herr Stadtverordneter Ring hatte bekanntlich beantragt, daß sämmtliche Steuerzettel künftig nur unter Couvert zu versenden seien. Um das Beschreiben des Umschlags zu ersparen (es sind etwa 9000 Namen vorhanden), wurden die Couverte einen Theil ausgestanzt, so daß der Name auf dem Steuerzettel von außen lesbar ist, aber die Zahlen nicht zu erkennen sind. — Eine zeitgemäße Mahnung. Die „Deutsche volks- wirthschaftliche Correspondenz" ermahnt alle Reiseunfallversicherungsgesellschaften, in der Nähe der stark besuchten Bahnhöfe Versicherungscomptoirs anzulegen und ermahnt Jedermann, der eine Reise antreten will, bei diesen Comptoirs eine Police gegen Unfälle zu lösen. -z. Klein-Linden, 16. Juli. In einer der letzten Nächte wurden an der Kreisstraße von hier nach Lützellinden von den neu gepflanzten Bäumen sechs Stück von frevelnder Hand a b g e k n i ck t. Hoffentlich gelingt die Ermittelung und Bestrafung des Thäters. -e- Lauterbach, 16. Juli. Heute Vormittag waren in hiesiger Gemarkung mehrere Personen mit landwirthschastlichen Arbeiten beschäftigt, als sie an einem auf dem Acker befindlichen Kirfchbaum eine männliche Leiche hängen sahen. Es wurde sofortiges polizeiliches Einschreiten veranlaßt und ist die Leiche als die des 14jährigen Sattlerlehrlings Willi Köhler aus Frankfurt recognoscirt worden. K. soll vorher geäußert haben, er beabsichtige sich das Leben zu nehmen und hat man es wohl mit einem Selbstmord zu thun. -g- Calbach, 16. Juli. Durch einen Sturz von einem Wagen fand aus bedauerliche Weife der seit einiger Zeit dahier als Dienstknecht beschäftigt gewesene 60 Jahre alte Heinrich Ruhl aus Ilbeshausen seinen Tod. Derselbe war damit beschäftigt, den Wagen mit Heu zu laden. Die Pferde gingen durch und ereignete sich so das Unglück. Alsfeld, 15. Juli. Aus Anlaß des Kaiser-Manövers steht unserer Stadt für den 31. August, sowie 1., 2., 3. 4., 5., 6. und 7. September starke Einquartirung fast aller Waffengattungen bevor. Es werden einquartirt am 31. August und 1. September 53 Offiziere, 1241 Mann, 63 Pferde, am 2. September 68 Offiziere, 1276 Mann, 91 Pferde, am 3. September (Nothquartiere) 66 Offiziere, 1369 Mann, 98 Pferde, am 4. September 58 Offiziere, 1059 Mann, 83 Pferde, vom 5. bis 7. September 13 Offiziere, 148 Mann, 170 Pferde. Zu den als Verstärkung der Cavallerie-Division herangezogenen zwei westfälischen Cavallerie-Regimentern kommt nun noch ein drittes, das in Bonn garnisonirende Königs- Husaren-Regiment. Wie das Kreisamt bekannt macht, war im Interesse der Truppen eine stärkere Belegung einiger Ortschaften unvermeidlich und werden die der 25. Division unterstellten Truppen darauf hingewiefen werden, in den überlegten Ortschaften von dem gemäß des Friedensleistungs- gefetzes ihnen zustehenden Ansprüchen keinen Gebrauch zu machen und den Quartiergebern, soweit dieselben nur guten Willen zeigen, überall entgegenzukommen. Außer Alsfeld erhalten noch 76 Gemeinden des Kreises verhältnißmäßig starke Einquartirung. — Auch der Kreis Büding en wird stark mit Einquartirung (vorwiegend Artillerie und Cavallerie) belegt werden. *H. Breslau, 16. Juli. In der Zeit vom 8. bis 13. Juli wurden aus der Provinz Schlesien und angrenzenden Feuilleton. Amerikanisches. Brücken- und Bahnbau. Der Congreß der Vereinigten Staaten hat seine Zustimmung zum Bau der Riesenbrücke ertheilt, welche Newyork mit Jersey City über den Hudson verbinden soll. Die Brücke, die nach den Plänen des Ingenieurs Lindenthal gebaut werden soll, stellt in Bezug auf Kühnheit selbst die Forth- brücke in den Schatten. Gilt es doch, eine Kluft von mehr als 800 Meter ohne Zwischenpfeiler zu Überspannen, während die Spannung bei der Forthbrücke nur 532 Meter beträgt. Außerdem soll die Hudsonbrücke nicht zwei, sondern zehn Geleise und überdies eine aus die Last von 13,000 Menschen berechnete Fußgängerbahn erhalten. Lindenthal bleibt der amerikanischen Hängebrücke treu, das heißt der Brücke, deren Fahrbahn von Stahlkabeln betragen wird. Es sind vier Kabel von 1,20 Meter in Aussicht genommen, welche durch zahlreiche Zwischenglieder verstärkt und versteift werden. Den Besuchern der Chicagoer Ausstellung dürste vor Allem die Stadtbahn interessant sem, welche den Ausstellungsplatz mit der Stadt selbst und den Bahnhöfen verbinden soll. Die -30 Kilometer lange Bahn wird angeblich nach dem System Don Boynton gebaut, welches soeben auf Coney Island im Kleinen erprobt wurde. Der Genannte hat eine einschienige Bahn ersonnen, bei welcher Leitrollen in eine obere Schiene eingreisen und damit die Wagen im Gleichgewicht erhalten. Die Züge rollen auf einer unteren Schiene und es sind die Räder natürlich mit doppelten Flanschen versehen. Das System eignet sich anscheinend für städtische Hochbahnen sehr §ut, weil die Bahn nur eine geringe Breite hat. Freilich sind die Magen sehr schmal und bieten aus jeder Sitzbank rur zwei oder drei Platze. Amerikanische Mil^onäre. Newyork hat 1000 Millionäre und darüber. Das heißt natürlich Dollar - Millionäre. Wer sich in Paris Millionär nennt, weil er 1,000,000 Francs besitzt, der gilt hier als Besitzer von 200,000 Dollars nicht für reich, sondern nur für wohlhabend. Auch die Million Mark kann sich in der Gesellschaft der Dollar-Millionen nicht gut sehen lassen,- sie sieht daneben aus wie eine Kapsel-Flinte neben einem seinen Hinterlader. Die meisten dieser 1000 Millionäre haben auch mehr als nur eine Million Dollars. Eine einzige solche Million sieht gar nicht gut aus, wenn ich die Wahrheit sagen soll. Der Mann, der sie hat, ist eher zu bedauern als zu beneiden. Entweder hat er im Leben nicht die Chancen gehabt, ein wirklich anständiges Vermögen zu machen, oder war dumm genug, seine Chancen nicht genug auszunützen. Er ist also, wenn ich es gerade heraussagen soll, ein Pechvogel oder ein Dummkopf gewesen. Der „Millionär" kommt hier übrigens sowieso allgemach aus der Mode. Der Begriff „reicher Mann" wird in nicht ferner Zeit durch den „Billionär" dargestellt werden. Man hat berechnet, daß eine einigermaßen gut verwaltete Million Dollars in 150 Jahren zu einem Capital von 1000 Millionen Dollars anwächst, und eine Anzahl von Millionären Newyorks sind auf dem besten Wege, Billionäre zu werden,- einige sollen nur mehr 40 bis 50 Jahre dahin haben. Schon jetzt ist ein jährliches Einkommen von fünf Millionen Dollars hier gar nichts Ungewöhnliches. Natürlich strebt jeder einigermaßen ehrgeizige und unternehmende Mann, der sich bisher mit ein bis zwei Millionen jährlich kümmerlich durchschlagen mußte, mit allen Kräften danach, auf eine Basis zu gelangen, die es ihm gestattet, wirklich anständig zu leben und alles das mitzumachen, was zu dem Begriffe „solid comfort“ gehört. Der Mann mit den ein bis zwei Millionen jährlich mag ja für feine eigene Person ganz anspruchslos sein, aber Frau und Töchter bewegen sich in der Welt, während Papa in seiner Office sitzt, und es ist doch fatal, diesen lieben Geschöpfen irgend etwas abschlagen zu müssen unter dem traurigen Vorwande, daß es zu viel kostet. Manchmal hat auch der Mann seine kleinen Passionen, die viel Geld kosten. So hat sich in Syrakuse im Staate Newyork ein Millionär einen Pferdestall bauen lassen, der 700,000 Dollars gekostet hat. Ein solcher Mann ist schon gar nicht in der Lage, den Damen seines Hauses irgend etwas abzuschlagen. Es ist aber ganz verteufelt theuer, das Leben in Newyork, wenn man einigermaßen anständig auftreten will. Die Familie Astor, deren Reichthum als ganz besonders solid gilt, weil er meistens aus Häusern und Bauplätzen in den theuersten Vierteln Newyorks besteht — die Familie Astor speist bei gewissen Diners auf einem Silberservice im Werthe von 50,000 Dollars. Die Blumen, mit denen so eine Tafel geschmückt wird, kosten häufig 5000 Dollars und darüber, woraus es sich erklärt, daß Newyork im Jahre 5 Millionen Dollars für Blumen ausgibt. Die Pariser Roben und Diamanten, welche eine Dame im vollen Staate trägt, sind von 10,000 bis 30,000 Dollars werth. Eine Newyorker Dame trägt bei festlichen Gelegenheiten ein Diamantenhalsband im Werthe von 130,000 Dollars. Der Leser, der dergleichen als unnöthigen Luxus erklärt, ist auf dem Holzwege. Er vergißt, daß die reichsten und elegantesten Damen Newyorks mit Vorliebe nach Washington fahren, um dort am Hofe des jeweiligen Cincinnatus eine Rolle zu spielen. Ich frage nun irgend Jemanden, der seine fünf gesunden Sinne beisammen hat, ob die Frau eines Newyorker Bankiers es sich gefallen lassen soll, bei einem Empfange im Weißen Haufe durch die Robe und die Diamanten einer ganz gemeinen Person aus Chicago ausgestochen zu werden, deren Emporkömmling von Mann in der Saison alltäglich 10,000 Schweine schlachtet? Man gehört doch, dem Himmel sei Dank, zur Newyorker Aristokratie und hat sich nicht umsonst erst ganz kürzlich von dem hervorragendsten Heraldiker der Stadt einen authentischen Stammbaum und ein Wappen zeichnen lassen, welch letzteres sich aus dem Kutschenschlag ganz famos ausnimmt. Der Chicagoer Upstart kann meinetwegen 20,000 oder 30,000 Schweine täglich schlachten — gegen das ächte blaue Blut kommt er nicht auf. Gebieten eine ganze Reihe von durch Blitzschläge verursachten Unglücksfällen gemeldet, denen nicht weniger wie vier Menschenleben zum Opfer fielen. Am 8. Juli wurde in Reichenberg i. B. ein Provisor, der sich auf einem Spaziergange befand und vor einem herausziehenden Gewitter in ein Wirthshaus geflüchtet war, vom Blitz ge- tödtet. Eine schwarze Linie bezeichnete den Weg des Strahles am Körper des Getödteten. Der Unglückliche war so voll getroffen, daß Barthaar und Brust total versengt, die Kleider zerfetzt und zum Theil verbrannt waren. Zu derselben Zeit ging in Namslau ein Gewitter nieder, bei dem der Blitz ein Wohnhaus entzündete. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß ein 17jähriger Junge in ihnen umkam. Aus Frankenstein kommt die Nachricht, daß in der vierten Stunde des Nachmittags plötzlich bei Sonnenschein ein Blitz mit gewaltigem Getöse herabfuhr und einen mir Kirschenpflücken beschästigten Arbeiter tödtete, während sein am gleichen Baum arbeitender Sohn mit einer Verletzung am Bein davon kam. Endlich schlug in Ober-Glogau der Blitz in einen Eisenbahnzug, der eben die Bahnhofshalle verlassen hatte. Getroffen wurde ein neben seiner Bremse sitzender Hilfs- bremser; derselbe fiel von seinem Sitze herab und blieb todt auf dem Geleise liegen. — Der in Frankenstein getödtete Arbeiter hinterläßt eine Frau und fünf, der Hilssbremser eine Frau und sechs unversorgte Kinder. Itniverfitäts»Nachrichten. — In Leipzig habtlitirte sich in der philosophischen Facultät Dr. phil. Herm. Hirt durch eine Probevorlesung über „Die Ur- betmath der Jndoaermanen", in der philosophischen Facultät der Universität Berlin Dr. MeinarduS mit der Antrittsvorlesung „Die Bedeutung der hannoverschen Thronfolge in England für das europäische Staatensystem". Kandwirthschastliche Winke und Rathschläge. △ «uS Oderhesse«, Mitte Juli. _ Beiträge über die Einbringung der Getreideernte. Wir haben in unserem letzten Aufsatze dem freundlichen Leser die drei Stadien der Getreidereife vorgeführt. Heute gilt es, über die Bergung und Heimführung des Segens Etliches zu sagen. Wenn es hübsch trocken ist, wenn die Sonne scheint, dann geht die Arbeit leicht von statten und es ist kein Kunststück zu ernten. Leider haben wir in Betreff de« Witterung feit einigen Jahren Vehr bittere Erfahrungen machen müssen. Wir sind in eine naßkalte Periode (sagen die Herren Wetterkundigen) etngetreten. Ob sie 13, 19 oder wieviele Jahre dauert, ob sie mit den Sonnenflecken zusammenhängt, wie viele Jahre schon herum sind, das ver- räth uns Keiner, denn Niemand kann es. Soviel aber ist gewiß: wir haben zwei Sommerregenperioden, gewöhnlich eine im Juni, die andere im August. Zuweilen kommt es vor, daß sich die Regenperiode um mehrere Wochen zurück in den Juli und die Auguftregenperiode vorschtebt, d. h. ebenfalls in den Juli, oder ans Ende desselben, wie es in dem sonst gesegneten Jahre 1890 geschah. Es fing Mitte Juli an und dauerte mit mehreren kleinen Unterbrechungen bis zum 28. August. Dazwischen tobten gewaltige Stürme, Gewitter und Hagelwetter. Sie sind noch alle in frischem Gedächtnisse. Wenn sich beide Regenpertoden zusammenschieben, wie es im vorigen Jahre wirklich geschah, dann gibt es einen total verregneten Sommer. Das heurige Jahr 1891 hat mit seinen Witterungserscheinungen fortwährend denselben Character gezeigt, wie das Vorjahr. Der Landwirth muß sich daher auf schlimmes Erntewetter gefaßt machen. Folgt dann gutes — um so besser für alle Theile. Jeder kluge Landwirth soll deshalb trachten, die Erntearbeiten nach de« beste« Methoden auszuführen. Die Haupterforderntsse hierbei sind: 1) Möglichste Beschleunigung de« Erntearbeiten; 2) Sicherheit dafür, daß die Früchte in gutem, trockene« Zustande unter Dach gebracht werben. Sprechen wir zuerst über den ersten Punkt: Möglichste Beschleunigung der Erntearbeiten. Jedermann weiß, daß das schlottrige lendenlahme Anfassen einer Arbeit meistens einen schreckenhaften Fortgang nimmt. Viele sagen: Es eilt nicht so mit der Ernte, man kann langsam thun, dem Halm und dem Kern schadet es nichts, wenn beide noch etwas draußen stehen. Ist dies wirklich der Fall, dann beginne man überhaupt noch nicht mit der Ernte. Zwischen dem Heumachen und der Getreideernte hat der Bauer noch so viel zu thun, daß er seine Zeit wahrhaftig nicht mit Ernteversuchen zu vertrödeln braucht. Da sind vor Allem die Hackfrüchte aller Art: Kartoffeln, Dickwurzeln, Zuckerrüben, Tabak, Mohn oder Magsamen, Welschkorn, gelbe Rüben, Weißkraut und die übrigen Gemüsepflanzen, welche auf die zweite Behackung oder das Behäufeln warten. Grade bei den Hackfrüchten muß in den feuchten, nassen Sommern darauf gesehen werden, daß durch wiederholtes Behacken das'Unkraut bekämpft wird. In den letzten Sommern wucherte das Unkraut mit einer solchen Gewalt, daß es fast nicht zu bezwingen war. Wer das Unkraut nicht beseitigt, verdirbt sich die nächste Ernte qualitativ und quantitativ um einen hohen Prozentsatz. Im Weiteren ist zu bemerken, daß das öftere Anfassen und Liegenlassen einer Arbeit die Freude daran entschieden verdirbt. Das Hauptübel bet den liegengelassenen Arbeiten ist folgendes. „ Nehmen wir an, es träte plötzlich heißes, trockenes Wetter ein, während es vorher kühl gewesen ist. Binnen zweimal vierundzwanzig Stunden ist das Korn alsdann gelbreif und nach einem weiteren Tage ist es vollreif, wonach ein starker Kör«erverl«st wahrscheinlich ist. Hätte man die Zeit nicht verplempert, dann müßte das Getreide geschnitten fein, könnte bei dem heißen trockenen Wetter auf den Schwaden liegen, nachreifen und prächtig eingefahrer^ werden. — Darum lieber Landwirth, fasse deine Sachen richtig an und wenn angefangen, führe sie richtig durch. Nur unüberwindliche Hindernisse, gegen die man selbstverständlich nicht ankämpfen kann, sollen einen wohlüberlegten und gut vorbearbetteten Plan unausgeführt lassen. Wir wenden uns zu dem zweiten Punkte: Man suche Sicherheit dafür, daß die Früchte i« gutem trockenem Zustande unter Dach gelange«. t Der kleine Landwirth kann schon beim Schneiden und Mähen des Getreides hierzu beitragen. In früheren Jahren wurde die Frucht bandvollweise geschnitten. Da, wo die Zeit noch nicht so kostbar ist, z. B. im Vogelsberge thut man es noch heute. Die Schwaden legen sich prächtig und regelmäßig. Das Handdreschen lieferte, da die Aehren am richtigsten in der Garbe lagen, die besten Resultate. Wo die Arbeit thcurer ist, wird das Getreide mit der Sichel gegraft, mit der Sense (dem Reff) gemäht, im Großbetrieb mit Der Mähmaschine maschint. — In letzterem Falle giebt es keinen Handdrusch mehr: was die Mähmaschine abgemacht, drischt die Dreschmaschine aus, wobei kein Körnchen verloren geht, währmd das Stroh, weil es von der Maschine verwirrt ist, für Sellstroh unbrauchbar wird. Wenn das Getreide auf den Schwaden genügend getrocknet hat und die mit den Halmen abgemähten Kräuter und Kleestengel völlig gedürrt sind, wird es in Garben gebunden, in Haufen oder Puppen gesetzt und später heimgefahren. Bet dem Garbenbinden werden, obgleich von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen wurde, große Fehler gemacht. Von altersher überkommene Methoden und liebgewordene Vorurthetle und Gewohnheiten sind unendlich schwer zu beseitigen. Wir machen auf folgende Fehler aufmerksam: Die Garbe wirb bei uns viel r« bi« gemacht ««b viel r« fest zufammeugeknebelt. Der Fehler rächt sich besonders in nassen Sommern. Wenn sich die Halme einer solchen Garbe einmal mit Wasser gefüllt haben, dann vergehen Tage und Wochen, bis sie wieder trocken wird. Fährt der Bauer die feuchten, oder doch ungenügend getrockneten Garben in die Scheuer und banst sie ein, dann entsteht Gährung, Fäulniß, Schimmel und der ganze Stock kann zu Grunde gehen, oder doch große Noth leiden. Der Bauer mache es sich zur Regel, daß er keine nasse, oder auch nur ungenügend getrockneten Halmfrüchte in die Scheuer bringt. Lieber soll ec die Garben wieder aufbinden und ein gründliches Trocknen bewirken, wenn er nicht Stroh und Körner bedeutend entwerthen will. Brodpreise vonl 19, Juli bis 1. August 1891. Bei ben Bäckern. 4 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrot»..............31 2 „ (4 „ ) Weißbrot»............♦ • 62 1 „ (2 „ ) Schwarzbrot» 1. 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Und doch empfindet die Börse gerade dieses Gebiet als einen ihrer schwächsten Punkte.' Wer vermag zu sagen, ob bei den täglich schlechter werdenden Aussichten die heutigen Inhaber Muth genug haben werden, den Besitz festzuhalten? Man wendet ein, daß das Kreditgeschäft den Banken weit beffere Erträgnisse abwerfen werde, als in früheren Jahren, und das mag richtig sein, wenngleich auch die 1890er Ziffern bereits sehr hohe waren. Aber, was bedeuten 5o/o Zinsen gegen die stets wachsenden Verluste der Effectenportefeuilles, und wird nicht der steigende Zinsfuß dahin wirken, diese Verluste noch zu erhöhen? Gerade die Lage des Geldmarktes erweckt der Börse die schwersten Bedenken. Zu einer Zett, da der Couponstermin dem Markt ungezählte Millionen zugeführt hat, da England in Ueberfülle schwimmt, und ohne merkliche Störung Millionen Goldes abgiebt, steigt plötzlich der Discontsatz auf 33/4% und der Markt kann die Nachfrage nach Geld kaum befriedigen. Verwundert steht die Börse vor diesem Factum und sucht vergeblich nach Erklärung. Heute wirst sie die Schuld auf Rimessen an fremde Regierungen, morgen auf Zollzahlungen, aber Alles, was sie vorbringt, scheint ungenügend zu sein, den plötzlichen Mangel zu erklären. Und wenn es zutreffend wäre, wenn verhaltnißmäßtg geringe Abzahlungen die Pressung verursachten, was wird dann der Herbst bringen, mit seinen viel größeren Anforderungen, mit den Resteinzahlungen auf Consols und Reichsanleihe mitten in der Zeit des stärksten Bedarfs? Das sind die Fragen, die die Börse am schwersten beunruhigen und die Muthlosig- kett allgemein gemacht haben. Jetzt sucht man sich der dreiprocentigen Anleihen zu entledigen, die man in dem Glauben ausgenommen hat, eine eminent speculative Anlage zu erwerben, und die sich jetzt als weiter nichts repräsentirt, als ein Ver- pflichtungsschein zu weiteren Einzahlungen. Bis zum Emisstonscours hat die Berliner Börse die Anleihen schon heruntergeworfen, aber der Cours, der vor wenigen Monaten Milliardenzetchnungen heranzog, bringt heute keine neuen Käufer. Die Berliner Börse huldigt nebenbei nach wie vor der Baisse in russischen Noten, und es wird mit Ernteaussichten und Ausfuhrverboten ein großer Unfug getrieben. Es scheint aber, daß Rußland die eigene Valuta nicht minder stark abgiebt, wie Berlin, so daß schwer zu entscheiden, wie weit thatsächliche Verhältnisse den Rückgang begründen. — Die auswärtigen Börsen haben übrigens die schwache Haltung der deutschen Märkte noch verstärkt. Paris sandte im Anschluß an seine Medioliquidation mehrfach schwache Course, und selbst Wien, das Bollwerk, an dem bisher immer die Abwärtsbewegung der Course zum Stillstand kam, hat ruhig zugesehen, wie die Course seiner Favoritpapiere von Tag zu Tag abbröckelten. Von Einzelheiten ist wenig zu berichten. Der Bankenmarkt bleibt leblos; ein halbes Procent auf und ab begreift die ganze Coursschwankung in sich, das Endresultat ist eine Ermäßigung des Niveaus, die nur bei wenigen Ausnahmen größer ist. Unter den Eisenbahn-Actien gehen die östlichen Getretdebahnen im engen Anschluß an die Bewegung der russischen Valuta immer weiter zurück. Oesterreichtsche Bahnen leiden unter der stillen Zeit, welche für die Börsen angebrochen ist. Langsam bröckeln die Course ab unter Realisationen oder Einschränkungen der Engagements, die vor Antritt der Sommerretse vorgenommen werden; aber bei den Werthen, in denen große Positionen bestehen, summiren sich doch die Verluste zu nicht unbeträchtlicher Höhe. Sie steigen bei Staatsbahn auf 4 fl., bei Buschtherader auf 3 fl., bei Duxer auf 8 fl. Schweizer Bahnen liegen vorwiegend matt, namentlich Nordost, auf welche die Erhöhung des Actiencapitals drückt und bei denen der Verlust 5 139 20 Berlin. 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