1891 Freitag den 18. December Nr. 295 rtw Amts- und Anzeigeblatt ffle den Akveis Gieren. er !5$!Sa®K BR raiisbeikaße: Gießmer Kamikimökätter WWWWW 2lrntlichev Theil Mse ' £\ . A fl b « Feuilleton .. alt , füll bie [10866 Land. » 1 9 Uhr, fl* Ott-aner W^ die vier Geschwister derselben das schöne Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht" anstimmten, da rauschten ihm selbst selige Kindheitsträume zurück, glückliche Meihnachtstage, wie er sie vor Jahren als fröhliches Kind im Elternhause verlebt. Ebenso erging es Fräulein Berg,- Helle Thränen Säe M I«. intb ÄuStatM tu feem Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- rNtgeg«. «fang. Sonntags- Deutsches Reich. Berlin, 16. December. Beim Kaiser findet im Neuen Palais bei Potsdam an diesem Samstag das herkömmliche „Ministerdiner" statt. Zu demselben sind Reichskanzler v. Caprivi, die sämmtlichen Minister und Staatssecretäre, Oberpräsident v. Achenbach und andere Herren von Distinction geladen. — Die kaiserliche Familie vollzieht, wie nunmehr seststeht, am 30. December ihre Übersiedelung aus dem ‘ Neuen Palais nach dem Berliner Residenzschlosse. Der Neujahrsempfang bei den kaiserlichen Majestäten wird demnach bereits in Berlin stattfinden. — In der freien Commission des Reichstags, welche sich aus den Vertretern der Weinbau- Interessenten behufs einer näheren Prüfung der Weinzölle gebildet hat, wurde regierungsseitig der Erlaß eines Wein- zesetzes in Aussicht gestellt. — Die Nachrichten einiger Blätter über die Einleitung 'son Handelsvertragsunterhandlungen zwischen Deutschland und den Niederlanden werden von der „Nordd. Allg. Ztg." als unbegründet bezeichnet. — In Preußen geht man jetzt ernstlich an die Neuordnung des Berechtigungswesens an den höheren Lehranstalten. Das preußische Staatsministerium hat eine Reihe hierauf bezüglicher Bekanntmachungen erlassen, aus welchen hervorzuheben ist, daß die lateinlosen Oberrealschulen berechtigt sein sollen, für das Studium der Naturwissenschaften und für das höhere Lehramt (!) vorzubereiten, während die Realgymnasien wegen des bei ihnen mangelnden griechischen hkt.____ e imd des linder und ,, besonder? für unsere rumgegebeit. an eine der iin Amalie Nrünberger- Her Geb- nn (Süd- rau Louise Weg 64), ivestern i.tt) Gießcmr Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Abg. Dr. Buhl (natl.) hat in seiner Heimath (Pfalz) unter der Bevölkerung ein höchst ungünstiges Urtheil über den Weinzoll gefunden und der Reichstag werde doch eingehend prüfen müssen, ob die schwere Bürde, die durch diese Zolländerung einem einzelnen Stande zugemuthet wird, von diefem auch wirklich getragen werden kann. Die Zollherabsetzung für den Wein hält Redner nicht für so bedeutend, theilt aber auch die weitgehenden Hoffnungen nicht, die man an die Erleichterung der Einfuhr von Schnittweinen knüpft. Was ihm aber große Sorge mache, das sei die Herabsetzung des Traubenzolls von 10 auf 4 Mk. pro Doppelcentner. Man sagt zwar, die Eoncurrenz aus dem Traubenzoll werde so erbeblich nicht sein, weil die Fracht für die einzelnen Bestandtheile der Trauben, die bei uns eingeführt zu werden pflegen, zu theuer sei. Dies trifft aber leider nicht zu, da diese einzelnen Bestandtheile, Kämme, Schalen und Kerne auch einzeln eingeführt werden und nach erfolgter Ausnutzung bei der Herstellung von Wein auch noch zur Herstellung von Farbstoffen für Rothweine verwendet werden, bei welcher letzteren Ausnutzung allein der Betrag der Fracht eingebracht werden kann, die gegenwärtig, bei den billigen Frachtsätzen und der bequemen Verkehrsgelegenheit über die Gotthardtbahn ohnehin nicht sehr hoch ist. Schon jetzt haben die großen Weingeschäfte ihre Vorkehrungen getroffen, um sofort nach Eintritt des niedrigen Zollsatzes große Traubensendungen aus Italien und Frankreich zu beziehen. Man hat von dort bereits Probesendungen empfangen, die zu voller Zufriedenheit der Wein- Häuser ausgefallen sind. Es ist bei der augenblicklichen Lage der Sache allen Ernstes zu besorgen, daß der Weinzoll erheblich zurückgehen wird gegenüber dem Traubenzoll. Der süddeutsche Weißwein, der sich unter dem bisherigen Zollschutz den norddeutschen Markt erobert hat, wird dort nach der Zolländerung bald wieder von italienischen und französischen Rothweinen verdrängt sein. Redner hat selten einer Maßregel der Regierung mit so schwerem Herzen entgegengesehen, wie der Herabsetzung des Traubenzolles. Bundescommissar Geh. Rath v. Schraut: Der Weinhandel hängt nur zum Theil ab von der heimischen Weinernte. Der Ausfall der letzteren ist bei uns ein sehr schwankender, wie das Wrinland Elsaß-Lothringen beweise; nun zeige sich aber, daß der Branntweingenuß stets in den Jahren zunehme, wo die Weinernte schlecht ausfalle, und es sei deshalb notbwendig, einen Ausgleich durch Zufuhr aus dem Auslande zu schaffen. Der Wirkung des Zolles werde einestheils eine zu große Bedeutung beigelegt, hinsichtlich der Con- currenz, die man von fremden Trauben fürchtet, andererseits war ein Zollvertrag nickt möglich, ohne diese Eoncesfion unsererseits gegenüber Italien. Der Regierung kann jedenfalls ein Vorwurf nicht gemacht werden, sie hat die heimischen Verhältnisse eingehend zu ermitteln ■ versucht, leider vielfach erfolglos, da die befragten Jntereffenten oftmals die gewünschten Auskünften aus geschäftlichen Rücksichten verweigerten. Jedenfalls steht fest, daß das Ausbeutev-rhältniß aus den importlrten Trauben gegenüber den einheimischen Trauben ein sehr geringes ist; der einmalige Versuch, von dem Buhl sprach, ist für eine allgemeine Beurtheilung nicht maßgebend. Redner ist der Ueber- zeugung, daß namentlich die Befürchtung, es könne der heimische Weißwein durch Rothwein, der aus importlrten Trauben gewonnen wird, von dem norddeutschen Markte wieder verdrängt werden, unbegründet ist. Daß in Deutschland übrigens «in bedeutender Bedarf für Schnittweine besieht, beweist die gegenwärtige starke Einfuhr derselben. Bedenken, welche aus der Reblausfrage entstanden sind, konnten als unbegründet erachtet werden, da die bestehende Reblaus- Convention bestehen bleibt und jeder Staat auf Grund derselben auch ferner einzuschreiten berechtigt ist. Abg. Zorn v. Bulach (Els.): Der Ausgleich, der aus der Einfuhr herbeigeführt werden könnte, wird wohl bei Großbesttzern, Weinhändlern und Actiengesellschaften, die sich bilden werden, eintreten, aber nicht bei den Winzern. Diese kleinen Weinbauern sind daran gewöhnt, ihre Weine nach eigener Art zu bereiten; habet Aus Umwegen. Novelle von F. Stöckert. (Schluß.) Wir wollen discret sein und das junge Paar aus diesem Weae nicht länger belauschen, nur das wollen wir verrathen, »ab Ilse seiner Werbung nicht allzu große Schwierigkeiten bereitet und ihm, ehe sie das Hotel erreicht, ihr Herz freudig zuerkanut^hlln ^atte umerdeß voll Sorge und Angst ihrer geharrt, alle möglichen schrecklichen Gedanken hatten sie beunruhigt und ein inbrünstiges „Gott sei Dank rang sich los Bon ihren Lippen, als das junge Paar strahlend und glücklich/ jedes mit einem Tannenzweig in den Händen, jetzt ihr in das kleine Nebenzimmer trat. „Also kein Taschendieb!" rief sie, ziemlich unbedacht ihren angstvollen Gedanken Worte leihend. Ilse lachte hell auf und stellte dann etwas verschämt ihren Verlobten vor. v l/z . .. „Erich Rode! Herr Doctor Erich Rode! sagte Fraulein Berg, voll maßlosen Staunens zu dem jungen Manne ^°Iewiß^ Erich Rode!" bestätigte dieser ladienb, „und »a, wie Sie wohl wissen, meine Gnädige, Fraulem ^lse »Belten und Doetor Erich Rode laut väterlichen Beschlüsse für einander bestimmt waren, aber die junge Dame gegen diese Bestimmung rebellirte, so wurden wir durch FUnmig, da unsere Verbindung einmal im Himmel beschlossen war, auf Umwegen glücklich zusammengesührt. verttßche» Reichstag 112. Plenarsitzung. Mittwoch den 16. December 1891, 11 Uhr. Die Specialberathrmg über den Tarif zum deutsch-österreichiscken Handelsverträge wird in Fortsetzung der zweiten Lesung dieses Vertrages weitergesührt. rx Auf eine Anregung des Abg. Graf v. Mirbach (dcons.), welcher sich über die Herabsetzung des Hopsenzolles beklagt, erwidert Staatssecretär Frhr. v. Maltzahn-Gültz, daß die Herabsetzung dieses Zolles von ©eiten Oesterreichs ebenso erfolgt sei, wie von unserer Seite. Abg. Härle (Volksp.) wendet sich gegen die Herabsetzung des Traubenzolles. Diese Herabsetzung sei eine so bedeutende, daß Redner lieber eine weitere Herabsetzung des Weinzolles bewilligen möchte, als diese Verringerung des Traubenzolles, der unserem heimischen Weinbau die gefährlichste Eoncurrenz macken werde infolge der wohlfeileren Einfuhr italienischer Trauben. Aus diese Einfuhr werde durch den im Verhältniß zum Weinzoll sehr mäßigen Traubenzoll geradezu eine Prämie gesetzt. Abg. Weiß-Eßlingen (natl.) schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Bei dem ermäßigten Tranbenzoll werde es möglich fein, dm Hectoliter Wein aus italienifchen Trauben zum Preise von 26 bis 30 Mark herzustellen, der in Württemberg nicht unter 40 Mark herstellbar fei. Von den Wirkungen dieses Zolles würden haupisächlick kleine Weinbauern in Württemberg getroffen, für welche die Hollermäßigung eine schlimme Weihnachtsbescheerung fei. Redner hofft, daß die verbündeten Regierungen auf Auskunftsmittel sinnen werden, den schweren Schlag gegen den heimischen und namentlich gegen den süddeutschen Weinbau abzuwenden. Bundesbevollmächtigter Staatsrath v. Moser: Wenn man mit Italien überhaupt einen Handelsvertrag abschließen wollte, so lag es in der Natur der Sache, daß die diesseitigen Eoncessionen auf dem Gebiete des Weinbaues liegen müssen. Die dusteren Prophezethungen über den Nachtheil für den heimischen Weinbau würden sich diesmal hoffentlich ebensowenig erfüllen, wie bet dem deutsch-spanischen Handelsverträge, wo dieselben Befürchtungen laut wurden. £ . . Abg. Pflüger (dfr.) kann die von den Vorrednern vorgetragenen Bedenken gegen den Zoll nicht theilen. Müßten auch an einzelnen Stellen wirklich Opfer aus Anlaß dieses Vertrages gebracht werden, so würden sie nicht allzu große sein und das große Werk, die Gründung des mitteleuropäischen Staatenbundes, die bedeutendste politische Leistung der Gegenwart, sei auch wohl einige solcher Opfer werth und ohne dieselben nicht durchführbar. (Beifall links.) Berg, ihr das übervolle Herz ausschüttend. „Mir ist alles wie ein Traum," schloß sie endlich, „aber hübsch ist er, und nett auch, nicht wahr?" „Nun ist das Herzchen ihm doch wohl zu Füßen gefallen?" nickte Fräulein Berg. „O nein, durchaus nicht, er —" Da trat er ein, gefolgt von einem Kellner, der eine dampfende Punschbowle trug. „Wir müssen uns nämlich zwei Stunden hier ergötzen," erklärte er den Damen, „da habe ich denn für eine kleine Weihnachtsvorfeier gesorgt. Hier ist Honigkuchen, Aepsel und Nüsse und hier auch einige Lichte für unsere Tannenzweige." „Ach, wie hübsch, wie weihnachtlich!" rief Ilse und befestigte die Lichte auf die Tannenzweige. Erich Rode füllte die Gläser, man streß an, man trank und die zwei Stunden vergingen der kleinen Gesellschaft tDT ^Den Eltern uud Geschwistern Ilsens in F. wurde die Zeit etwas länger. Die mysteriöse Depesche: „Im Schnee stecken geblieben, kommen in zwei Stunden," mit Ilsens, Fräulein Bergs und Erich Rodes Namen unterzeichnet, ver- Das ist ja herrlich!" rief Fräulein Berg. „Meine I ursachte der Professorsfamilie nicht geringes Kopfzerbrechen herzlichsten Glückwünsche. Aber wie ist das alles so furchtbar ' """""" b<>nA "" schnell gekommen?" „Je nun, wir suchten die Uhr —" begann Ilse. „Die wir denn auch glücklich gesunden," bestätigte Erich Rode, indem er Fräulein Berg dieselbe überreichte. „Während Du nun weiter erzählst, liebe Ilse, werde ich mich erkundigen, wie die Aussichten für unsere Weiterbeförderung sind und vor Allem eine Depesche an Deine Eltern abschicken." Er eilte von dannen und Ilse setzte sich zu Fräulein Snae^mt *•» Anzeigen zu der Nachmittag- ftk bn; (eSfanbcn Lag erscheinenden Nummer bi- Bvrm. 10 Uhr. Bekanntmachung, betreffend Schafräude zu Stangenrod. Nachdem unter den Schafen des Adam Becker zu Stangenrod der Ausbruch der Seuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre über diesen Bestand verfügt. Gießen, den 16. December 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _____v. Gagern. _______________ Nr. 29 des Reichs-Gefetzblatts, ausgegeben den 14. d. M., enthält: t M (Nr. 1978.) Verordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 18. April 1883, betreffend die Cautionen der Beamten und Unterbeamten der Reichs-Post- und Tclegraphen- verwaltung und der Reichsdruckerei. Vom 1. December 1891. Gießen, am 17. December 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. können sie die sogenannten Schnittweine gar nicht verwenden; es wird eine Concurrenz für diese kleinen Winzer aus der Einfuhr entstehen, dte eine große Unzufriedenheit namentlich unter den Bewohnern der Retchslande Hervorrufen wird, wo solche Unzufriedenheit zu vermeiden sehr nöthtg wäre. Das Geschäft für Schnittwetne wi.d den Franzosen zufallen und dte Folge wird sein, daß eine so allgemeine Vermischung der verschiedenen Wetnsorten eintrttt, daß die bei uns sonst übliche Declaration jetzt gar nicht mehr möglich ist. Das Umgehen mit den Schnittweinen ist den kleinen Winzern nicht geläufig, die großen Weinbauer haben dazu ihre Küfer; man kann auch nicht so leicht aus saurem Moselwein einen trinkbaren Rothwein durch Verwendung von Schntttwein Herstellen, dazu gehören andere Proceduren. Die kleinen Winzer haben Anspruch auf Schutz gegen die ausländische Concurrenz; aber das Gewicht, welches dte Italiener auf den Traubenzoll legen, beweist, daß sie auf ein großes Geschäft mit ihren Trauben rechnen. Das ist ein folgenschwerer Schritt und ich werde zu meinem Bedauern genöthigt sein, gegen die Verträge zu stimmen. Abg. Dr. Bürklin (ntl.) äußert sich wesentlich im Sinne des Abg. Dr. Buhl und schließt sich dem Vorredner namentlich tn dem Punkte an, daß der kleine Winzer den italienischen Schnittwein zur Veredelung seiner Producte nicht wird verwenden können. Abg. Win ter er (Els.) fürchtet, daß die Production des Kunstweines in ganz bedenklicher Weise in Folge der Einführung fremder Trauben und Schnittweine zunehmen wird. Alle Einwendungen gegen diesen Zoll sind ja zur Zeit ohne jede Aussicht auf Erfolg. Aber hoffentlich werde die Regierung nun insofern den kleinen Winzern entgegenkommen, daß sie energische Maßnahmen gegen Weinverfälschungen ergreift durch ein die Interessen der kleinen Winzer berücksichtigendes Wein-Gesetz. Abg. Lender (Centr.) verlangt als unerläßliche Bedingung zur Hebung des deutschen Weinbaues den Declarationszwang. Es müsse jeder angeben, welches Gewächs er als Producent herstelle und jeder Consument müsse wissen, was er trinke. Der badische Wein sei immer noch besser, als das, was wir an Wein in Berlin zu trinken bekommen. Wer die Verträge zu Stande bringen will, der darf aber auf Dinge von solcher untergeordneter Bedeutung kein zu großes Gewicht legen, selbst dann nicht, wenn ihm von Seiten der Wähler gedroht wird, man werde ihn nicht wieder wählen, wenn er für die Verträge stimmt. Commissionsberathungen hätten auch zu Nichts genützt; diese Forderung der Conservatioen hätte keinen Zweck. Hoffentlich wird den Verträgen eine Aera wirthschaftlichen Aufschwungs und dauernden Völkerfriedens folgen, deshalb stimme er für die Verträge trotz einzelner Bedenken. Slaatssecretär Dr. v. Boetticher bezeichnet als Zweck des Wein-Gesetz-Entwurfes die Fälschung des Weins zu strafen, die bisher von dem Nahrungsmtttelgesetz nicht gefaßt werden konnte. Abg. Graf v. Mirbach (dcons.) weist Lenders Angriff gegen die Eonservativen zurück. Ob die Erwartungen und die wohlthättgen Folgen der Verträge eintreten werden, das werden wir ja später sehen. Abg. Dr. Bamberger (bfr.) steht in Bezug auf den Weinzoll auf dem Boden des Abg. Buhl. Wenn man den Schutzzoll für Wein anerkenne, was er (Redner) nie aethan habe, dann kann man für die Traubenzollermäßigung allerdings nicht eintreten. Im Uebrigen sei für den heimischen Wein auch noch immer der nöthtge Durst vorhanden gewesen. Dem Wein-Gesetz auf der von dem Staatssecretär angedeuteten Basis hofft Redner zuftimmen zu können. Abg. Simonis (Els.) bittet die Regierung, nach Möglichkeit darauf Bedacht zu nehmen, daß die schweren Schädigungen, welche die kleinen Winzer in Folge der Zollherabsetzung treffen werden, durch andere geeignete Maßregeln möglichst ausgeglichen werden. Abg. M enger (cons.) motioirt mit feinen Bedenken gegen die Wirkung des Weinzolles seine ablehnende Haltung gegenüber den Vertragen. Abg. Schnaidt (Volksp.) hält es nöthig, einen Ausgleich für die kleinen Weinbauer in Württemberg herbeizuführen; nötigenfalls werde man einen Antrag in diesem Sinne in der württembergischen Kammer stellen müssen. Abg. Hickel (Soc.) erklärt sich für die Zollermäßigung und für die Verträge. Im weiteren Verlauf der Debatte traten die Abgeordneten Graf Arnim (Rp.), Clemm (ntl.), v. Kardorff (Rp.) gegen die Ermäßigung des Papier-Zolles auf. Broemel (dfr.) und Staats- secretär Dr. v. Boetticher erwidern, daß die Papier-Industrie bei uns hauptsächlich Export-Industrie sei, der eine Ermäßigung des Zolles in anderen Staaten, wie sie von Oesterreich zugestanden wird, doch nur erwünscht sein könnte. Abg. Graf Mirbach (dcons.) bekämpft die Herabsetzung des Schweine-Zolles. Die Abgg. Graf Hatzfeldt (Rp.) und Bamberger (dfr.) treten für die Herabsetzung ein, ebenso Abg. Stadthagen (Soc.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit) bittet, die Petitionen durch die jetzt zu fassenden Beschlüsse noch nicht für erledigt zu erklären, da der Petitionssturm gegen die Verträge noch weiter anwachsen werde und derselbe heute noch nicht zu übersehen sei. Damit schließt die Debatte über die Tarife und Art. 3 des österreichischen Vertrages. In namentlicher Abstimmung werden die Wein- und Trauben-Zölle mit 200 gegen 66 Stimmen angenommen, standen in ihren Augen und von ganzem Herzen dankte sie dem lieben Gott, daß er sie in diesen glücklichen Familienkreis heute geführt. Dem jungen Paare, das da so strahlend nebeneinander stand, wollte sie, so gelobte sie sich, eine treue, mütterliche Freundin bleiben, und die Frau Professor, die ja noch zwei Töchter zu versorgen hatte, würde es ihr gewiß gern überlassen, für Ilse die Ausstattung zu besorgen. „Nun aber ein Wort im Vertrauen, lieber Rode," sagte der Professor, nachdem der erste Weihnachtsjubel verklungen, seinen Schwiegersohn in eine Ecke ziehend. „(Sagen Sie, wie haben Sie es ermöglicht, mein starrköpfiges Mädel zu bekehren? Ilse sagt: „Wir haben uns zufällig kennen ge- lernr und da fand sich alles." Diese Erklärung genügt mir selbstverständlich nicht. Sie müssen ganz besondere Mittel angewandt haben, den Eigensinn in eine, wie es scheint, ganz liebenswürdige, hingebende Braut zu verwandeln." „Wir sind eben Sonntagskinder, meine Braut und ich," erwiderte der junge Mann lächelnd, „die da nicht auf der Alltagsstraße gewöhnlicher Menschen wandeln, sondern auf besonderen Pfaden, wo die blauen Blumen blühen und duften, wo die Herzen einem aufgehen in Liebe und Sehnsucht, und wo zwei sich auf solchen Pfaden begegnen, nun, da gibt es kein Entrinnen, da müssen sie sich finden und zusammen weitergehen und sich lieben, lieben!" Der Professor sah kopfschüttelnd in das schöne, erregte Gesicht seines Schwiegersohnes, diese Erklärung genügte ihm nun erst gar nicht. Seine Gattin aber, die leise hinzugetreten, schien eher ein Verständniß dafür zu haben. „Ich habe es ja von Anfang an gesagt," flüsterte sie mit leisem Erröthen, „die Geschichte hatte einen so romantischen Hintergrund, sie mußte schließlich auch romantisch enden." weiter werden angenommen die übrigen Positionen des Tarifs und der Art. 3 des österreichischen Vertrages, welcher den Tarif enthält. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr: Fortsetzung der Berathung. Schluß 6V, Uhr. Aerneste trltgradhi'cheS Corrtivanbenz« Hurra'.: Berlin, 16. December. Das deutsche „Colonialblatt" publieirt einen Erlaß des Reichskanzlers, betreffend die Verleihung des Rechts zum Bau und Betriebe der Eisenbahn Tango-Horogwe an eine Eisenbahngesellschaft für Deutsch- Ostasrika. — Das Blatt theilt ferner den Ausweis der Zolleinnahmen von Deutsch Ostafrika mit, wonach diese für April, Mai, Juni 87,664 Rupien höher sind, als nach der Schätzung angenommen wurde. Die Gesammteinnahme vom 1. Januar bis 30. September beträgt 947,821 Mk. — Dr. Peters durchzog den letzteingegangenen Nachrichten zufolge die Massaisteppe über den Dschalasee, an dessen Ufern er die deutsche Flagge hisste, nach Taweta und traf am 3. SDctober wieder an der Kilimandscharostation ein. Bayreuth, 16. December. Reichstagswahl. Die bis jetzt vorliegenden Ziffern machen die Wahl des Nationalliberalen Casselmann unzweifelhaft. Madrid, 17. December. Nach der Ankunft des Prinzen Albrecht von Preußen begab sich Canovas in Uniform mit dem Bande des Rothen Adlerordens zum Prinzen, um ihn zu begrüßen. Der Prinz beabsichtigt, am Freitag nach dem Escurial zu gehen, um einen Kranz auf das Grabmal des Königs Alphons niederzulegen. Deoeschen des „Bureau Herold". Berlin, 16. December. Der „Vossischen Zeitung" wird aus Leipzig gemeldet, die Anstellung von Schulärzten sei dort beschlossen. Berlin, 16. December. Die socialdemokratische Partei wird nach der Annahme der Handelsverträge im Reichstage einen Antrag auf Suspension der Getreidezölle einbringen. Berlin, 16. December. Abgeordneter v. Helldors, der Führer des regierungsfreundlichen Flügels der Con- servativen, wurde vom Kaiser empfangen und zur Früh- stückstasel gezogen. Er begleitete den Kaiser hieraus im Salonwagen non Potsdam nach Berlin. Wien, 16. December. Zufolge aus Rußland hierher gelangter Meldungen nimmt der Hungertyphus im Gouvernement Kasan zu. Potsdam, 17. December. Prinzessin Friedrich Leopold wurde heute Nacht von einem Prinzen entbunden. Madrid, 17. December. Die Königin-Regentin verlieh dem Prinzen Albrecht von Preußen den Orden des goldenen Vließes. CocaUs ttnö provinzielles, Gießen, 17. December 1891. — Neues Theater. Die Vorbereitungen zu „Hamlet", letztes Gastspiel des Herrn GeorgHacker aus Darmstadt, sind bereits in vollem Gange. Herr Hacker, welcher zur vorletzten Hauptprobe am Sonnabend schon hier eintrifft, wird die Leitung des großen Dramas selbst übernehmen. Wir wollen daher nicht unterlassen, auf diesen besonderen Kunstgenuß ganz speziell aufmerksam zu machen. — Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 16. December 1891. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Hermann Rausch von Friedberg wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. (Erster Staatsanwalt Joeckel als Beamter der Staatsanwaltschaft- Rechtsanwalt Windecker als Vertheidiger- Hermann Wißler, Georg Conrad Fritz, Ludwig Schadeck II., Otto Ludwig Hein, Heinrich Kaspar, Philipp Winter I., Johann Heinrich Block I., Georg Anton Rompf VIII., Andreas Keller, Karl Ludwig Junker, Balthasar Schwalb, Nicolaus Metz IV. als Geschworene.) Der 18jährige Commis Hermann Rausch ist beschuldigt, daß er am Abend des 18. October 1891 in der Schmidt'schen Wirth- schaft zu Friedberg den Lorenz Weinböruer von da vorsätzlich körperlich mißhandelt habe und hierdurch der Tod Wein- börners verursacht worden sei. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Lorenz Weinbörner von Fried berg, ein daselbst allgemein bekannter Trunkenbold, pflegte in seiner Trunkenheit verschiedene Wirthschaften aufzusuchen und die anwesenden Gäste zu belustigen. Da kam er auch am Abend des 18. October l. I. in die Schmidt'sche Wirth- schast, ließ sich hier ein halbes Glas geben und wurde verschiedenen Gästen gegenüber zudringlich. Hermann Rausch erlaubte sich Anfangs mit dem betrunkenen Weinbörner verschiedene Scherze, indem er ihm ein Zeitungsblatt auf dem Rücken anheftete und ihn schwärzte. Weinbörner wurde hierüber unwillig und den Gästen so unbequem, daß er mehrfach aufgefordert wurde, sich zu entfernen. Rausch sagte zu seinem Freunde Georg Kautz von Friedberg, sie wollten ihn Hinausthun. Auch forderte die Ehefrau des Gastwirths Schmidt den Weinbörner auf, das Local zu verlassen, indem sie zugleich die Thüre öffnete. Kautz hatte Weinbörner am Arme gefaßt und ihn zum Weggehen aufgefordert. Weinbörner stand, mit dem Rücken der geöffneten Thüre zugekehrt, in der Wirthsstube, einen oder zwei Schritte von der Thüre entfernt, und gab jetzt Rausch dem Weinbörner plötzlich einen Stoß, daß er rücklings durch die geöffnete Thüre wider die Wand des Hausflurs, wie gegen den Pfosten der nach dem Hose führenden Thüre fiel und mit dem Hinterkopf in den Hof stürzte. Weinbörner blieb alsbald bewußtlos liegen. Da man annahm, Weinbörner verstelle sich, ließ man ihn noch eine Zeit in seiner Lage, brachte ihn aber nachher auf die Straße vor das Hofthor und ließ den Polizeidiener Fourier rufen. Dieser verbrachte ihn, da er ihn für betrunken hielt, in die Wachtstnbe, wo er ihn am anderen Morgen entließ. Bei seinem Weggänge taumelte Weinbörner, klagte mehrere Tage über starkes Kopfweh, bis er am Vormittage des 22. October l. I. verstarb. Die am 23. October l. I- stattgehabte gerichtliche Leichenöffnung ergab, daß Weinbörner in Folge eines Schädelbruchs gestorben sei. — Die Geschworenen konnten sich auf Grund der Beweisaufnahme nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen, sprachen deshalb das „Nichtschuldig" aus, worauf Freisprechung des Letzteren erfolgte. — Zu den Schülervergehen. Durch auswärtige Zeitungen wurde in den letzten Tagen das Gerücht verbreitet, daß sich auch „höhere Tochter" unserer Stadt an den bekannten Schülervergehen betheiligt hätten. Nachdem diese grundlosen Gerüchte in den betreffenden Blättern eine schnelle Berichtigung erfahren haben, freuen wir uns mittheilen zu können, daß kein Grund vorlag, von Seiten des Gerichts oder der Schule gegen irgend eine Schülerin der höheren Mädchenschule eine Untersuchung einzuleiten. — Durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden die seitherigen Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen und die seitherigen Stellvertreter der Vorsitzenden auch für die Geschäftsjahre 1892, 1893 und 1894 bestellt, und zwar: 1) zu Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen: am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgerichtsrath Jost, am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Hofmann, am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh. Landgerichtsrath Förch- 2) zu Stellvertretern dieser Vorsitzenden: am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgerichtsrath Dr. Gilmcr, am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Holzapfel, am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh. Landgerichtsrath Thaler. — Von der Schule. An sämrntliche evangelischen Lehrer und Lehrerinnen des Landes wurde eine neue Bearbeitung der „Anleitung zur Ertheilung des evangelischen Religionsunterrichts" vertheilt. * Wieseck, 17. December. Am Sonntag Abend kam es hier zwischen einigen Burschen zu einer Schlägerei, tn welcher leider das Messer eine verhängnißvolle Rolle spielte. Fünf der Streitenden wurden verwundet, davon einer so schwer, daß er gestern Abend seinen Verletzungen erlegen ist. + Lich, 16. December. Nächsten Samstag, den 19. d. M., Nachmittags 3 Uhr, findet im „Holl. Hof" dahier eine Versammlung des hiesigen Bezirkslehrervereins statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: 1) Rembrandt als Erzieher, Referent: Herr Lehrer Leidich in Langsdorf- 2) Darwin, dessen Leben und Bestrebungen, Referent: Herr Lehrer Eisfeller in Steinbach. Außerdem werden noch verschiedene weitere berufliche Angelegenheiten zur Besprechung kommen. FandnmthschaMchk Rückblicke auf das Jahr 1891. A A«S Oberhefse«, Mitte December. Ein herrlicher September konnte manches verbessern, was die vorangegangenen Monate versäumt hatten. Die hochgelegenen Gebirgsorte des Vogelsberges bargen in diesem Monate erst ihre schöne Ernte. Das Obst, welches auch in der Ebene noch weit zurück war, gedieh zusehends unter den warmen, belebenden Sonnenstrahlen. Es hatte sich schon vorher Kartoffelkrankhett gezeigt; sie kam zum Stillstände und die gefunden Knollen gediehen noch zu schönen, mehlreichen Producten, wenn auch nicht ganz so, wie in trockenen Jahren. Futterstoffe aller Arten: Dickwurzeln, weiße und gelbe Rüben, Gemüse und Kraut ist in genügender Menge gewachsen. Im März und April sah es scheu aus; Ende September waren Speicher, Keller, Kisten und Kasten wohlgefüllt. Der October war schön wie sein Vorgänger. Dte Bestellung der Herbstsaaten, reichlich um einen Monat gegen frühere Jahrgänge verspätet, konnte vorgenommen werden und bald erschienen die jungen Triebe, von schönem, warmen Wetter begünstigt, auf den Furchen. Mit Anspannung aller Kräfte arbeitete der Bauer von früh Morgens bis in die dunkle Nacht, denn man konnte nicht wissen, ob ein frühzeitiger Winter, welcher von vielen Seiten prophezeit wurde, dm Mühen ein jähes Ende bereiten würde. In der Nacht zum 29. October fiel ein starker Reif und es wurde acht Tage lang recht empfindlich kalt. Doch der November, obgleich er in der ersten Woche bis zu 7 0 mit seiner Temperatur herabgtng, brachte wieder gelindes Wetter mit leichtem Regen untermischt. Wer mit säen, eggen, Dungfahrm noch nicht fertig war, konnte es leicht nachholen und was jetzt noch für den Landwirth im Felde zu thun übrig bleibt, das ist von keiner Bedeutung mehr. Wir konnten also dem December mit Ruhe entgegensehm. Fragen wir uns nun einmal: Welches waren die Befürchtungen im April bei der öde«, kalten Witterung, oder im Juli und August bei dem «naufhörlicheu Regen? Dagegen halte man, waS in Keller, Scheuer und Speicher aufgehäuft ist. Die umgeackerten Roggenfelde', haben mehr an Geiste, Kartoffeln und Hafer gebracht, als die Kornöcker getragen hätten, folglich sind doppelte Säefrucht und doppelte Saatarbetten reichlich vergütet. Alle diejenigen Böden, die leicht warm und thätig sind, haben sehr gute Ernten gemacht. Wir lesen in den Zeitungen, daß im Ried, an der Bergstraße, in Rheinhessen mitunter ganz colossale Erntm erzielt wurden. Dort ist die Ernte auf manchen Stückm werthvoller, als der Grund und Boden, worauf sie wuchs. Es existirt eine Bauernregel, welche faßt: Wenn es geräth im Sand, gibts Theuerung im Land. Das bestätigt sich auch für das Jahr 1891. Unser engeres Vaterland braucht sich aber nicht zu beklagen, wir Haven im Gegentheile alle Ursache, mit dem Jahre sehr zufrieden zu sein. Wo die Kartoffeln weniger gut ausgefallen sind, hat es Ersatz durch Gemüse und Obst gegeben. Heu, Stroh und Futter aller Art gab es tn Menge, alle landwirthschaftlichen Produkte haben sehr gute Preise. Mit der Schweinezucht geht es rückwärts und das nicht mit Unrecht, weil die Preise zuletzt übertrieben waren. Der kluge, erfahrene Landwirth hat die paar Jahre mit den exorbitanten Schweinepretfen geschickt benutzt, hat sich ein Stück Geld während jener Zett verdient und kann darum auch zusehen, wenn es eine Zeit lang magerer hergeht. Auf die gegenwärtigen Zeitläufte «Nb Zeitverhültuiffe müssen wir aber vom Standpunkt des Landwirthes auch noch einen Blick werfen. Es ist eine böse Zett, hört man überall klagen Was wird daS alte Jahrhundert tn seinem letzten Jahrzehnt noch brln^en'^ fragen die Politiker, die Gelehrten, die Erfinder und auch die Landwirthe. Es liegt schwer auf den menschlichen Gemüthern. Fürchterliche Eisenbahnkatastrophen ereigneten sich im abgelaufenen Jahre; Mord und Todtschlag wurden aus den großen Hauptstädten gemeldet und selbst auf dem platten Lande fehlten die Angriffe auf Leben und Eigenthum nicht. Vermögen und Ersparnisse kleiner Leute wurden von Wüstlingen verschleudert, welche ihren Köchen einen Gehalt zahlten, wie ihn kaum die Mmister eines kleineren Staates beziehen. Eine unerhörte Spielwuth ist in alle Gesellschaftskreise gedrungen. Nicht durch Arbeiten und Sparen wollen die Menschen etwas vor sich bringen; nein, über Nacht wollen sie Millionäre werden. Selbstüberhebung und Größenwahn ist in der menschlichen Gesellschaft groß geworden. Gehorchen will Niemand mehr. Die Religion wird angefetndet. Wer heutzutage noch etwas auf seinen Glauben hält, der muß Muth haben es zu bekennen. Das sind Zeichen der Zeit, von denen jeder restlich Denkende sagt: Sie gefallen mir nicht. Ein Glück ist es. daß wir vorzügliche Fürsten und einen ausgezeichneten Kaiser baben. Was würde aus Deutschland werden, wenn in den jetzigen Zeiten ein Ludwig XV. oder Napoleon III. an seiner Spitze stände. Darum verlieren wir die Hoffnung nicht. Es wird und muß wieder besser werden. Jeder brave Mann auf dem Lande thue seine Pflicht, das ist das Beste, was einer leisten kann. Gegen das Bewußtsein erfüllter Pflicht sind alle Vergnügungen und Ergötzlichkeiten nichts. Wer noch Sinn für seinen Glauben und für das Christen- thum hat, der lasse sich ihn nicht verloren gehen. Man braucht weder Mucker, noch Kopfhänger zu sein, um das einzusehen. Vor hundert Jahren, als man in Paris um die Guillotine tanzte, erklärten die Wüstlinge und Scheusäler: In 20 Jahren ist das Wort „Gott" aus der Sprache verschwunden. Die 20 Jahre waren noch lange nicht um, da seufzten diese traurigen Menschen: „Ach du Lieber Gott, hilf uns aus unserem Elende." — Wir machen vielleicht einmal ähnliche traurige Erfahrungen. Darum bleibe der Bauer im Punkte der Pflichterfüllung bet dem, was vorhin kurz angedeutet wurde und vergesse im Hinlick auf das Jahr 1891 das alte Sprüchlein nicht: Bet' und arbeit, so hilft Gott allezeit! Citeratur und Kunft — Wetterauer Sang «uv Slang. Dreißig neue Gedichte in Wetterauer Mundart, als Fortsetzung der Hetmathklänge aus der Wetterau von Friedrich von Trais Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis 1 Mk., in eleg Ealicoband 1.50 Mk. — Die Wetterauer Mundart hat in dem Dichter Friedrich oon Trais schon seit Jahren einen talent- und stilvollen Verherrlicher gefunden; zwar ist er nicht der einzige, der ihr in poetischem Drang diese Ehre erwteS, in F. Getbel ist ihm schon lange ein Rivale erwachsen. Doch unterscheiden sich die Dichtungen beider sehr wesentlich von einander. Wahrend Getbel in seinen poetischen Ergüssen dem Witz und einem beißenoen Sarkasmus die Zügel schießen läßt, neigt unser Fr. v. Tr. in seinen dichterischen Schöpfungen mehr zu tlefsinnigen Betrachtungen über die Dinge in der Natur, wie Wiefm, Wald, Feld, Blumen, Brunnen, Jahreszeiten, Ereignisse aus dem Menschenleben usw., die aber deshalb doch nicht eines leicht darüber hingesireuten, fast kindlich zu nennenden Humors entbehren. Auch in der neuen, vorstehend angezeigten Gedichtsammlung, die sich als Fortsetzung verschon früher erschienenen „Hetmathklänge aus der Wetterau" ankündigt, nehmen die rein lyrischen Gesänge wieder den brefleren Raum ein und müssen durchweg als gelungen bezeichnet werden. Mit feinem Verftändniß und glücklichem Nachfühlen des Wetterauer Volksgeistes hat der Dichter, wenige Ausnahmen abgerechnet, seine Stoffe tu poetischen Verklärungen nur solchen Sachgebieten entnommen, die in dem Wetterauer Volksgemüth auch in einem wirklich poetischen Hintergründe schimmern. Von diesem Gesichtspunkte aus zeigt er sich als befähigter Dichter auf der Höhe, indem er nicht versuchte, Uapoetisches in ein poetisches Kleid zu zwängen, sondern nur Anlehnung suchte an Gegenstände, Erlebnisse, Persönlichkeiten rc, die wirklich schon im Wetterauer Volksgemüth mit einem poetischen Zauber umkleidet sind. Als einzig schon in dieser Art verdienen die zwei tief empfundenen Gesänge: „Ds Laid vom Haarehannes" und „Ahld Laad" hervorgehoben zu werden. Der Verfasser hat seinen „Wette^auer Sang und Klana" dem Hessenstamme und allen Freunden und Forschern hessischen Volksthums gewidmet, aber werden die beiden letzteren auch verstehen, welche Pflicht ihnen daraus erwächst? Bis jetzt ist im Volke durchweg über die mundartliche Dichtung nur die einzige Meinung verbreitet, „daß sie benutzt werde, um sich einen Joux zu machen". Daß es dem Dialectdichter darum zu thun ist, in seinen Liedern ein Stück ureigensten Volkslebens und den reinen von der Cultur noch unbeleckten und unverfälschten Volksgeist in die Erscheinung treten zu lassen, daran glaubt das Volk nicht. Wer soll ihm aber zu einer besseren Einsicht verhelfen? Aus sich selbst heraus kann es nicht dazu gelangen, da ihm im Allgemeinen sogar die Fähigkeit mangelt, ein mundartliches Gedicht auch nur zu liefen. Was nützen aber die Schätze unserer Dichter, wenn sie ungenossen bleiben? Es sollten daher die Leiter und Vorsteher von Volks- und Jugendbibliotheken ihre Sammlungen mit solchen Werkcken schmücken; es sollten die Lehrer an den Fortbildungsschulen aller Art,ihren Schülern von solcher Honigspeise bei gebotener Gelegenheit einen Bissen kosten lassen, um sie nach solchen Genüssen begehrlich zu machen, bann könnte es nicht fehlen, dieser Poesie den Eingang in das Herz des Volkes zu ebenen. Wir wünschen dem Herausgeber sowohl, daß ihm für die Verbreitung seiner lieblichen poetischen Gaben, wie auch dem Verleger wegm der geschmackvollen äußeren Einkleidung derselben die Freunde in vorstehend gedachtem Sinne nicht fehlen möch.en. Verkehr, £attö» und volkswirthschast. Kriedder-, 15.December. Fruchtpreise. Weizens 24.00, bis 24.50, Korn JL 24.00—00.00, Gerste JL 16.50—00.00, Hafer JL 14 00- 00.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfunb. Friedberg, 16. December. Butt er markt. Butter kostete per Pfb. JL 1.05-1.20, Eier 1 St. 8 H, 2 St. - H. Limburg. 16. December. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 19 85, weißer Weizen JL —, Korn v4L 17 80, Gerste v4t 10.40, Hafer, JL 6.80, Erbsen —, Kartoffeln —» — Bei bet Leberrsverficherrrrigs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart würben im loufenben Jahre bis Ende November Lebensversicherungs-Anträge über 30 507 350 gegen 28321100 JL in berselben Per tobe bes Vorjahres cingereicht, im Jahre 1891 also mehr 2186 250 JL. Als Dividende wurde für 1892 nach neuem System, Divibenbenvlan All, 40% der gewöhnlichen Todesfall- prämie und extra 20% der Zusatzprämie bei alternativer b. h. auf ein bestimmtes Lebensalter abgekürzter Versicherung festgesetzt; bie nack Dioidenbenplan B, steigende Dividende, Bethei'tgten erhalten im Jahre 1892 eine gegen das Vorjahr um 3% erhöhte Dividende aus der vollen Prämie, also einschließlich Zusatzp ämie für alternative Versicherung. Nach altem System, Dioidenbenplan AI, kommen ro'eber 34pCt. aus jeber Tobetzfallprämie zur Vertheilung. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. 3. Aboentswochengottesdienst am Donnerstag beit 17. Dec, Abends 8 Uhr in der Stadtkirche. Pfarrer Dingeldey. Die Vorbereitung zur Kinderkirche fällt Freitag aus. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft Freitag Abend 3<5 Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag B°° Uhr, Samstag Abend 440 Uhr. 7125 3ME* Für Festgeschenke. BuxkiN'Stoff zu einem ganzen Anzüge a Mk. 5.85, Burkin«Stoff zu einem ganzen Anzuge ä Mk. 7.05, direct an Jedermann durch das Buxkin-Fabrik-Deput Oettinger & Lo., Frankfurt a. M. Muster sofort franco Nichtpassendes wird zurückgenommen - 1006] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HollLttd. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz 10 Pfb. lose |t. Beutel co. 8 Mk hat d. Exp. d- Bl. eingesehen. Bekamttmachrmg. Am Sonntag den 20. d. M. werden die Packetschalter der hiesigen Postämter wie an den Wochentagen offen gehalten. Gießen, 16. December 1891. Kaiserliches Postamt. Ritsert. Bekanntmachung. Am Sonntag den 20. d. M. ist der Schalter des hiesigen Postamts wie an den Wochentagen geöffnet. Lollar, 16. December 1891. Kaiserliches Postamt. Rau. BekanUtMÄchnng. Die Rechnung der Stadt Gießen nebst dem Verwaltungs-Vericht für 1890/91, sowie die Rechnung des städtischen Gas- und Wafferwerks pro 1890/91 liegen in Gemäßheit des Art. 87 der Städteordnung 8 Tage Lang aus dem Bureau der unterzeichneten Behörde zu Jedermanns Einsicht offen. Gießen, den 12. December 1891. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 11037 Einträge 1) 2) 3) 7) weiter. 10) 11) 8) 9) derselben ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt. 4) August Saame in Gießen betreibt daselbst seit November 1883 Weinhandel unter der Firma seines Namens. 5) Otto Schmidt in Gießen betreibt daselbst seit 1. März 1887 Handel mit Uhren und Gold- und Silberwaaren unter der Firma M. Hos-Wenzel. E. Trenckmann in Gießen betreibt daselbst seit 1891 Buchhandlung unter der Firma „E. Trenckmann, Buchhandlung und Antiquariat". Wilhelm Friedel und Eugen Asprion in Gießen betreiben daselbst Bierbrauerei unter der Firma „Friedel und Asprion". Jeder in das Handelsregister Gr. Amtsgerichts Gießen. Minna, geb. Wenzel, Ehefrau des Heinrich Hof in Gießen, betreibt daselbst seit 8 Jahren ein Putzgeschäft mit Laden unter der Firma seines Namens. 6) August Wallenfels in Gießen betreibt daselbst seit 1. August d. I. Weinhandel unter der Firma seines Namens. Gustav Walter in Gießen betreibt daselbst seit 15. September d. g, ein Material-, Colonial« und Farbwaarengeschäft unter der Firma „Gustav Walter, vormals Fr. Seibel". Liebmann Katz in Gießen betreibt daselbst seit 1. Septbr. d. I. ein Schuhmachergeschäft unter der Firma „L. Katz". Isaak Kann und Berthold Kann in Gießen betreiben daselbst seit 1. October d. I. Handel mit Branntwein, Liqueur und Essig unter der Firma „£• Kann". Jeder derselben ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt. Emil Otto in Gießen betreibt daselbst em Uhrmachergeschaft mit Gold- und Silberwaarenhandlung unter der Firma seines Namens. Die Firma Joseph Georg in Gießen wurde gelöscht. 12) Die Firma Philipp Strack in Gießen wurde gelöscht. 13) Die Firma Löser Kann in Mainzlar wurde gelöscht. 14 August Wallenfels in Gießen ist am 1. August d. I. aus der Firma Drebes und Wallenfels daselbst ausgetreten und fllhrt Ferdinand Drebes das Geschäft unter U°b°rnahme der A-twen und Passiven unter der seitherrgen Firma als alleiniger Inhaber Gießen, den 16. December 1891. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Kullmann. 11038 Bekanntmachung. Von Freitag den 18. d. M. und die folgenden Tage, jedesmal von Nachmittags 1 Uhr an, werden Fichtenbäumchen (Christbäumchen) für den Preis von 10—50 H pro Stück im städtischen Magazin am Oswalds Berg abgegeben. Gießen, den 17. December 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 11051 Oeffentlichk AuMrrung. Die Hypothekurkunde der Johannes Horn X. Eheleute von Steinbach, d. d. 22. Februar 1850 über 125 fl. für Apotheker Weber in Lich ist abhanden gekommen, die Schuld bescheinigter« maßen getilgt. Es werden dem Anträge der Erben der Schuldner zufolge Alle, welche etwaige Ansprüche aus jener Urkunde zu haben glauben, zu deren Geltendmachung binnen zwei Monaten, vom ersten Erscheinen dieses in den öffentlichen Blättern gerechnet, aufgefordert, als sonst nach fruchtlosem Abläufe dieser Frist die Löschung betreffenden Hypothekeintrags erfolgen wird. Gießen, am 12. December 1891. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. 11034 MontagT21. December 1891, Nachmittags 5 Uhr, sollen die den Erben des Herrn Rentamtmann Bott in Gießen gehörigen Liegenschaften, nämlich: Flur 1/466 — 744 qm Hofraithe auf dem Seltersweg, Flur 1/467 — 3494 qm Grabgarten daselbst (Gemarkung Gießen) auf hiesigem Ortsgericht öffentlich meistbietend freiwillig versteigert werden. Gießen, den 16. December 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. ______ Gros.______11052 ConcursverWen. Das Concursverfahren über das Vermögen des Heinrich Keck in Gießen wird, nachdem die Schluß- vertheilung vollzogen ist, hiermit ausgehoben. Gießen, am 11. December 1891. Grobherzogliches Amtsgericht. Kullmann. 11031 A-Ng-öotenes. »x* Möbel aller Art stets vorräthig bei [7525 K. Steller, Schiüerstraße 9. Der Voranschlag der Gemeinde Rodheim pro 1892/93 liegt vom 19. bis einschließlich 30. d. M. zur Einsicht der Interessenten auf unserem Bureau offen. Rodheim, 17, December 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim. Schäfer. 11050 Neues Julienne Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier gegen, zu haben bet [102 ö Baarzahlung: ‘Drehes & TXTallenfels 1 Kasftschrank, 1 vollständige Laden- *J*ePeB «T-™ einrichtung, 2 Berliner Waagen, 2 Nähmaschinen, 1 Drehbank, Gold- RWUMWEUUMMUR— und Silberwaaren, Sophos Nacht- ~ ,.n -..n - ., tische, Waschtische, Betten und anderes o ßauSmobiltar. ■ ballige Mischung, Mk. 2.80, Nachnahme. yausmoomar $otn, Bei drei Kisten ein Präsent. 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December, Nachmittags punkt 3 Uhr, im Saale des Herrn Gühlholtz (Cafe Leib) dahier statt, wozu ich die verehrten Verwandten und Freunde höflichst einlade. 11049 Hochachtungsvoll Wittwe Rothe, Kindergärtnerin. xxxxxxxxxxxxmxxxxxxxxxxx I Cigarren. * 8 Als willkommenes Weihnachtsgeschenk für g Schlußconr^ 1 Uhr 15 Min. 84 40 4% Ung. Gold-Rente 97.95 bo/o Jtal. Rente 84 40 4VbP/o Oest. Silber-Rente 93 20 3°/0 Portugies. Anl. RedStarliu Uoihe Stern Linie König. Velg. Postdarnpfer von 8% Reichsanleihe 3Vt°/o do. 3o/o Preuß. ConsolS 3Vt9/8 do. Neues Theater. Indem ich dem hochverehrten Publikum die ergebene Anzeige mache, dass das 2. Abonnement mit dem 29. December beginnt und circa 30 Vorstellungen umfasst, lade ich zu recht zahlreicher Theilnahme hiermit bestens ein. An Novitäten kommen zur Aufführung : „Grossstadtluft“, „Die Kinder der Excellenz“, „Der Schatten“, „Der Unterstaatssecretär“, „Der heilige Toubinel“, „Schön Rohtraut“, „Das verlorene Paradies“, „Die Stützen Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten machen wir hiermit die traurige Mittheilung, dass meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Frau Katharina Engel geb. Friedrich H. Götz & Co., Waffenfabrikanten Berlin, Seydelstr. 20. c Centralfeuer - Doppelflinten 2*5 Schuss v. M. 34 an, 8® Jagdcarabiner f. Schrotu. Kugel 5 Teschins, Gewehrform, von M. < h Luftgewehre (zu Geschenk ge 65 für Bolzen u. Kugeln, ftu- Knabe Q o> grösser u. stärker M. 20 u. 25. 5= Büchsflinten,ScheibenbQchsen.Revolveretc. Io. • 3Jähr. Garantie, Umtausch bereitwühgst c Nachnahme oder Vorauszahlung. «- Blust Preisbücher gratis u. fr an u_ [3127] Mermiet-unOM. 11045] Der 3. Stock meines Hauses an eine kleine ruhige Familie per 15. Januar zu oermiethen. Ferd. DrebeS, Marktplatz 21. "11047] Der 2. Stock, seither von Herrn Rechtsanwalt Barth bewohnt, ist per 1. März, event. auch ftüher, zu vermiethen. Chr. 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