1891 Donnerstag den 17. Dccember Erstes Blatt Nr. 294 S* G-rhmer |h««mtsbrAu 2 M»rk 20 Pf,. SÄ’ Bringrrlsh». Durch bie Post bt|»e* 9 Mark 50 Pf^ Äeboctioit, and Druckerei: rch«tßr«t ^rNjprech« 61. »em »«zeitzsr 6wimoi *t¥ «Stritt’ täglich, AB» Abnahme d«S teiltet Anzeiger Kenerat-Ztnzeiger. Amts» tmb Anzeigeblatt für den Arei» Giefzen. Gratisöeikage: Gießmer I«milieuöläLLer 8««r,h»r »en Anzeigen zu der Ka»ch«ittag- für bat Atzend«« Lsg erscheinenden Nummer bis Vor«. 10 Uhr. LLe LmiEeN'Lureaux M In- trab Äv8tanbe5 nchlvso Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeh-. Mi» «WEWW'H "1 141. Plenarsitzung. Dienstag den 15. December 1891, 11 Uhr. Die zweite Lesung der Handelsverträge wird mit dem Artikel 3 des deutsch-österreichischen Handelsvertrages fortgesetzt. Abg. Frhr. v. Stauffenberg (bfr.): Die zahlreichen Prophezeiungen über das Elend der Landwirthschaft, das die Vertrage zur Folge haben werden und über die Notb, die das Land zu tragen haben wird, sind nicht neu; wir haben sie wiederholt gehört und sie dürften nun ziemlich abgebraucht sein. Man vergißt immer, wie die landwirthschaftlichen Zölle entstanden sind. Sie sind nicht das noth- wendige Erforderniß der Landwirthschaft gewesen, sondern sie entstanden aus dem principiellen Uebergange zu einem schärferen Schutzzollsystem, bei dem zunächst allerdings nur die Industrie in Betracht kam; erst später sah man ein, daß für die Industrie Schutzzölle nur gewährt werden könnten, wenn man sie zugleich der Landwirthschaft zukommen ließ, lieber den Nutzen der Schutzzölle haben sich die Industriellen selbst und auch hier im Hause sehr wenig anerkennend geäußert. Die Landwirthe, namentlich im Osten des Reiches, werden gegenwärtig keine Freude an den Getreidezöllen haben. Der ganze Nutzen, den sie aus den Getreidezöllen möglicher Weise gehabt haben, geht dadurch verloren, daß sie jetzt theure Preise für Viehfutter bezahlen müssen. Die hohen Getretdepreise haben aber auch eine bedeutende Steigerung des Grund- und Bodenwerths zur Folge gehabt und nur diejenigen hatten hiervon Nutzen, die rechtzeitig ihren Besitz zu theuren Preisen verkauften. Jetzt ist der Rückschlag unausbleiblich. (Sehr richtig! links.) In Süddeutschland fei es leicht, Großgrundbesitzer zu werden; mit diesem Besitze sind aber dann oft so weitgehende Verpflichtungen gesellschaftlicher Natur verbunden, daß der Besitzer, der nicht über das ausreichende Capital verfügt, bald ruinirt ist Besonders schädlich ist es, wenn die Bauern unter dem Einfluß der Zölle, die dock nur künstliche Verhältnisse erzeugen, sich dauernd einrtchten; kommt dann einmal der Rückichlag, der im Allgemeinen unausbleiblich ist, dann wird das Hineinfinden in die neuen, minder günstigen Verhältnisse dem Bauern schwer. Außerdem macht sich während der günstigen Conjunctur bei den Landleuten nicht selten ein verhängnißvoller Luxus bemerkbar, den später zu entbehren ben Leuten schwer wird. Am nachtheiligften empfinden diejenigen Kleinbauern dm Zoll, die selbst Getreide kaufen müssen. Die einzelnen Getreidearten und Qualitäten lassen sich auch beim ausländischen Verkehr nur schwer durch den Zoll beeinflußen. Sie machen dem beimischen Getreide weniger durch den Preis als durch die Qualität Concurrenz; dies gilt namentlich von der österreichischen Gerste. Den 5 Mark-Roll hat man von Anfang an nur als einen ungewöhnlichen bezeichnet; heute thun die Anhänger des Zolles so, als ob er ein absolut nothwendiger und unabänderlicher wäre. Man hat das Vorhandensein eines Nothstandes bestritten, aber zu leugnen ist nicht, daß eine Menge Erscheinungen dafür sprechen, daß Noth und Elend einen ungewöhnlichen Umfang angenommen haben und unsere ernsteste Aufmerksamkeit erfordern. Die Zollerletchterung schafft diese Zustande auch nicht direct aus der Welt, aber er verbiMgt die Nahrungsmittel im weiten Umfange und lindert damiteinenTheil der Noth Jedenfalls hat unter den heutigen Verhaltniffen kern Großgrundbesitzer das Reckt zu beanspruchen, daß nur seines Jntere ses wegen der hohe Zoll ganz aufrecht erhalten bleibe, (-sehr richtig! ttnks.) Zahlreiche Bedenken hätten seine politischen Freunde unterdrückt, als sie sich für den Vertrag zu stimmen entschlossen. Die großen politischen Gesichtspunkte bleiben bei diesem Votum auch nicht außer Betracht. Abg. Graf v. Mirbach (dconf.) wendet sich in e ngehenber Weife gegen den Vorredner. Wenn es nach den wirthschaftlichen Theorien des Vorredners ginge, so würden bald ganz andere Leu e als die Bauern die Rittergüter kaufen. (Sehr richtig! rechts.) Die Herrschaft des mobilen Capitols über den Grund und Boden, das ist ^br Riel! Im Widerspruch mit den Ausführungen des Herrn v Stauffenberg stehen die Aeußerungen freisinniger Blätter. Der Kleinbauer kann allerdings kein Getreide verkaufen, aber er verkauft Sckweine und Geflügel und den Schutz dieser Producte nimmt man ihm auch. Unsere ländliche Bevölkerung huldigt dem Luxus lange nickt in dem Maße, wie die städtischen Bewohner; das muß Jeder zugeben, der unsere ländliche Bevölkerung kennt. (Sehr richtig! rechts.) Ausnahmen gibt es überall; aber ich kann behaupten, daß in dieser Richtung die Enthaltsamkeit nirgend großer ist, als bei der ändlichm Bevölkerung. Man hat gesagt, ich wäre hierhergekommen um die Führung der Opposition zu übernehmen; ich habe keine Luft eine Führung da zu übernehmen, wo der Sieg sicher auf der andern Seite liegt. Allerdings werde ich Stellung zur Sache nehmen.^ Die freisinnigen haben früher mit großem Pathos erklärt, sie wurden aeaen jeden Vertrag stimmen, der den Differentialzoll bringt. Nun bringt * ber Vertrag den Differentialzoll und — bie Freisinnigen Mmmen cinmüthig dafür! Der Reichskanzler möge nur nach den Ne?ttä?en di7 Lage der Landwirthschaft prüfen, und wenn er dazu flniuerfennen, daß die Verhältnisse ungünstig sind, dann möge beUende Hand uns nicht versagen bei einer . Prümng der M^brunasfrage Je mehr wir von dem landwirthschaftlichen Staat ^ Industriestaat übergehen, desto mehr fördern wir die ©ociaU der Regierung ein 6 Marf^oü Dor= Sna^morben- Ute soll schon mit dem 5 Mark-Zoll der Bogen ?n ftra6ff ae™pann" 'seim Ich bestreite, daß der gegenwärtige Getreide- V be?art abnormer wäre, daß er zu solchen Maßnahmen müffe und dieselben rechtfertigen könnte. Wir thun einen schweren Schritt mit der Annahme der Vorlage. Ich '"utz Aegen die Vorlage stimmen, da uns keine Zeit gelosten ist, uns über die Einzel- ^^lls"nEicht"bÄtcb"^'Jch^önnt?vi^ekb?sür'die Vortag?stimmen, Än ÄÄÄ Ä & Umfange die moralische Verpflichtung, für dieLandwirthfchafl zu sorgen. (Beifallrech^.-omsen (f^ctionslos) tritt für die Verträge ein. Mit dm Rötten auf Getreide müssen auch die Industrie Zölle fallen, dm» bkÄÄ Syn^n8Öben«ntZ H W«e 1-aWunbkÄ l'ch nur noch Das alljährliche Minister- WolftS telegraphisches Lorresp-mdmz-Hurear.. in einigen Gegenden frei und unabhängig erhalten- In ben meisten Gegenden sind sie thatsächlich nur Pächter. Abg. v. Kar dorff (Rp.) tritt dem Vorredner entgegen, dessen tatsächliche Anführungen sich eher gegen als für die Vorlage ver- werthen lassen. Redner verwahrt sich sodann dem Reichskanzler gegenüber gegen dessen Vorwurf, er (Redner) habe ein System verfolgt, das zu einer chinesischen Schutzzollmauer für unser Reich hatte führen müssen. Redner habe nur eine Revision des Zolltarifs an- gestrebt, um das Verhältniß der Zölle auf Halb- und Ganzfabrikate zweckentsprechender als bisher zu regeln. Der Abg. Frhr. v. Huene habe — dem Chronos gleich — sein eigenes Kind, die lex Huene, verspeist. Für ben kleinen Mann sei der nöthige Schutz für die Verwerfung feiner Producte, Schweine und Geflügel, fortgefallen. Damit macke man diese Bevölkerungskreise, in denen ein großer Schatz von Religiosität, Vaterlandsliebe, Königstreue und Liebe zur Scholle vorhanden ist, unzufrieden und für die Socialdemokratie zu- ßan0li^ei^fanjler v. Caprivi: Ich schätze die Vaterlandsliebe und die Religiosität der kleinen Leute nicht geringer, sondern hoher als der Vorredner; ich glaube nicht, daß diese Tugenden wegen der geringen Zollermäßigungen verschwinden werden. Die Forderung Kardorffs nach Revision der Zölle würde Jeder nur in dem Smne habe verstehen können, daß damit eine Erhöhung der Zölle habe bezweckt werden sollen. , , _ , „ Abg. vr. Witte (bfr.) bemängelt einige Specialbestimmungen des Tarifs, namentlich bezüglich der Position „ätherische Oele". Die Bestimmungen hinderten bie freie Entwickelung umfcmgreichn Industrien und bittet Redner die Regierung um wohlwollende Berücksichtigung. Der großen Vortheile der Vorlage wegen, die eine Umkehr von dem bisherigen System darstelle, wird Redner für dre Vorlage stimmen. „ „ , ±, ... . , . Bundescommissar Geh. Rath Hanle vertheidigt einige Zollpositionen gegenüber den Angriffen des Vorredners. Abg. Birk (Soc.) beleuchtet von seinem Parterstandpunkte aus die Lage der Kleinbauern im Süden und namentlich in Bayern, ausführend, daß der Nutzen aus den Getreidezollen lediglich den Großgrundbesitzern zu Gute gekommen fei. Abg. Graf Kanitz (deutsch-cons.) wünscht zu misten, wie es mit der Verzollung der bereits vor dem 1. Februar auf den Transtt- lagern befindlichen Getreideoorräthe gehalten werden soll. Der Zollerlaß würde für diese Vm räche nur in die Taschen der Lager- Inhaber fließen. Wichtig würde es auch sein, die Provenienz des Getreides festzustellen. An der preußischen österreichisch-russischen Grenze dürfte rufstfches Getreide zur Einführung gelangen. Reichskanzler v. Caprivi: Es handelt sich nicht blos um Transit-, sondern auch um Mühlen-Lager, nicht bloß um Getreide-, sondern auch um andere Maaren. Die Verhandlungen schweben noch. Daß russisches Getreide über Oesterreich eingefübrt werden möchte, ist nicht wahrscheinlich, denn der österreichische Zoll beträgt 2.50 Gulden. Das Geschäft dieser Einfuhr würde nicht rentabel sein. Abg. Rickert (bfr.) bekämpft bie Verzögerungspolitik, bie ber Abg. Graf Mirbach vorgefchlagen. Bei Einführung der Zölle fei man sehr fchnell zu Werke gegangen. Möge man es jetzt auch thun. Abg. Holtz (Rp.) findet keinen Grund für die Zollermäßigung nachgewiesen und legt ben Nutzen der Zölle ausführlich dar. Man sollte doch den Patriotismus der kleinen Leute nicht herausfordern; bisher seien diese noch immer der Meinung, daß sie bei den Con- servativen Schutz fänden. q . , .. ,, .. Abg. Goldschmidt (bfr.) fuhrt aus, daß die mangelhafte Berufsbildung vieler Landleute mehr schade, als alle Zölle nutzen könnem Schulenburg (cons.) anerkennt die Verdienste der Grafen Kanitz und v. Mirbach um die Interessen der Land- wirtbschaft: aber diese müsse selbst dahin streben, daß der hohe Preis zum Sinken gebracht wird. Das gewählte Mittel aber fei nicht das richtige. Verwahrung legt Redner ein gegen die Ausführungen eines freisinnigen Blattes in Berlin, das von einer oppositionellen Horde geforodben babe^ (wild-demokr.) erklärt sich in längerer, vielfach von Unruhe, Heiterkeit und Zurufen aus dem Haufe unter- brochenen AnregungdÄAbg. Graf v. Arnim-Muskau (Rp.) wird vom Regierungstisch her erwidert, daß Oesterreich für unfere Glasindustrie bedeutende Zugeständnisse habe machen muffen. Abg. Grumbt (Rp.) hält die Zolländerungen für Bauholz schädlich für unfern Holzhandel. Staatssecretär v. BoeNicher weist diese Bedenken zurück. Abg Graf Mirbach (deutsch-conf.) erklärt, daß er das Einfuhrverbot für russisches Holz verlangt habe als Entgegnung auf baS russische Ausfuhrverbot für Getreide. Eigennützige Interessen haben ihm fern gelegen. Er habe aus feinen Waldungen feit zwanzig Jahren nichts Nennenswerthes veräußert, thue das auch nid)t Hier'auf vertagt sich das Haus. . Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. — Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung. Schluß 5 Uhr. Berlin 15. December. Der Kaiser verlieh dem Professor Bardel eben anläßlich dessen 50jährigen Doctor- jubiläums den erblichen Adel. Berlin, 15. December. diner beim Kaiser findet am 19. December 'm Neuen Palais statt Eingeladen sind Caprivi, sämmtliche Minister und Staatssecretäre, Oberpräsident Achenbach und Andere. Berlin 15.Decernber. An dem parlamentarischen Diner bei dem Staatssecretär v. Bötticher, das heute Abend ftattfanö, nahmen der Reichskanzler, dre Staats. flcretäre Marschall und Hollmann, die Minister Berlepsch und Miquel mit Frauen und Mitglieder aller Partcicn, außer den Socialdemokraten, Theil, im Ganzen 200 Personen. Berlin, 15. December. Bei den heutigen Stadt- verordneten-Stichwahlen siegten fünf Liberale und ein Socialdemokrat. Die Liberalen gewannen einen Sitz, die Conservativen verloren zwei. Rom, 15. December. Bei der gestrigen Allocution verurtheilte der Papst entschieden die Vorfälle anläßlich der Pilgerfahrten und bemerkte, wenn feine Lage schon im Frieden durch so ernste Schwierigkeiten bedroht würde, könne Niemand sagen, wie sehr die Schwierigkeiten wüchsen, wenn erst Unruhen oder gar ein wirklicher Krieg ausbräche. Bezüglich der römischen Frage erklärte der Papst, daß er stets dieselbe Haltung einnehmen werde wie Pius IX. Er werde darauf beharren, besonders für Rom die Unabhängigkeit zu fordern. Newyork, 15. December. Ein Passagier des hier angekommenen Dampfers „Advance" berichtet, daß in Santos (Brasilien) das gelbe Fieber wüthe. Hunderte von Menschen seien gestorben; die Sterblichkeit unter den Schiffsmannschaften sei eine besonders große und viele Schiffe lägen im Hafen, jedoch fehle die Bemannung. Depefchen deS „Bureau Herold". Berlin, 16. December. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Wien: Graf Hartenau tras in Wien ein. In einer Audienz beim Kaiser wird er sich über die Annahme des ihm von der Sobranje bewilligten Jahresgehalts entscheiden. Berlin, 16. December. Wie der „Reichscorrespondent" meldet, werden die veranschlagten Kosten der Chicagoer Weltausstellung nicht 10, sondern 20—25 Mill. Doll, betragen. ___________________________________________ Locales unfc provinzielles. Gießen, 16. December 1891. — Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat, wie es heißt, die Eisenbahndirectionen angewiesen, Anordnungen zu treffen, daß das zur Aufgabe kommende oder von einer Nebenbahn übergehende Reisegepäck, wenn ein Personenzug von einem später abgehenden Schnellzuge unterwegs überhol: wird und letzterer früher aus der Bestimmungsstation eintrifft, in der Regel mit dem Schnellzuge befördert wird, wenn nicht der Reisende bei der Aufgabe des Gepäcks die Beförderung mit dem später eintreffenden Personenzuge ausdrücklich verlangt. — Die gute Stube. Der Stolz gar mancher Hausfrau ist die gute Stube- sie ist meist die größte, hellste und sonnigste der ganzen Wohnung- die besten und bequemsten Möbel, das Pianino, Werke der Kunst werden darin aufgehäuft, aber streng wird Jedem, selbst dem Gatten, das Betreten des heiligen Raumes verboten. Nur Besucher werden hineingelassen. Wo die Wohnungen billig sind, wo also auch mittlere Bürgerfamilien eine reichliche Anzahl von Zimmern inne haben können, ist solche Einrichtung erklärlich und entschuldbar- ganz und gar aber nicht in Städten, wo der hohe Miethspreis die Anzahl der Wohnräume aufs Aeußerste beschränkt. Aber hier wird sich die Nothwendig- keit einer guten Stube scheinbar immer dann Herausstellen, wenn die Hausfrau nicht im Stande ist, die eigentlichen Wohnräume stets so sauber und aufgeräumt zu halten, daß sie jederzeit darin Besucher empfangen kann. Es hat das sicher seine großen Schwierigkeiten, kann sogar unmöglich werden und zwar in Familien mit einem großen Kmderkreise. Jedoch (schreibt ein Mitarbeiter der „D. Warte") wählt man einen falschen Ausweg, wenn man eine gute Stube herrichtet - vielmehr werden verständige Hausfrauen bei größer werdender Kinderzahl für eine besondere Kinderstube sorgen. Und zu dieser eignet sich dann einzig und allein dieselbe Stube, welche man zur guten nehmen wollte, weil sie meist die größte sein wird. Eine alte ärztliche Regel will, daß man das hellste und größte Zimmer zum Schlafzimmer machen soll: diese Regel wird sich nicht immer genau durchführen lassen, weil die Grundrißanordnungen unserer Miethswohnungen leider von dem einmal vorhandenen Be- dürsniß einer guten Stube ausgehen, aber wenigstens die Wohn- und Kinderzimmer wird man immer in Helle Räume legen können. Gerade in größeren Städten, wo man die Kinder im Winter nicht gut auf die Straße oder gar in den engen Hof lassen kann, brauchen die herangewachsenen Kleinen Lust und Licht, und diese finden sie ntcht in den engen, dumpfen Hinterstuben, in denen die ganze Familie zusammen- { hockt, womöglich darin ißt und schläft, während die ganze • prächtige Vorderstube leer ist. Solch unvernünftige Zustande Tann man auch in hochgebildeten Familien finden. Im Winter, wo die gute Stube höchstens alle acht Tage geheizt wird, wirkt sie noch so, daß sie fortwährend die mühsam angeheizten anderen Räume abkühlt. Die guten Möbel, das Pianino, die Bilder und Tapeten haben jeden siebenten Tag einen rapiden Temperaturwechsel von 20—25 Grad zu überstehen, sie knarren in allen Fugen, Fourniere springen ab und die Tapeten lösen sich von der Wand. Waß die sogenannte sparsame Hausfrau zu umgehen vermeint, eine schnelle Abnutzung der Möbel, wird also durchaus nicht vermieden. Zu all' dem kommt nun noch die große Kostspieligkeit der guten Stube- darum fort mit ihr! Die Gesundheit der Familie muß der Hausfrau näher liegen, als das Ansehen bei der Nachbarin. K Von der Lahn, 15. December. Schul- und Selbstzucht. Noch immer beschäftigen sich auswärtige große Zeitungen, wie in Frankfurt a. M., so auch in Berlin (z. B. die Neue Preußische Zeitung nach Berichten einer bekannten Frankfurter Zeitung) mit den betrübenden Vorgängen an den Gießener beiden gelehrten Schulen, besonders an dem Gymnasium. Diese Berichte suchen fast alle Schuld aus Seiten der Schule, und es ist zu bedauern, daß dergleichen falsche und thörichte Urtheile in die Welt gehen und unbe- sehens Aufnahme in vielen Zeitungen finden. Lassen Sie einen „Schülervater" hier im Namen Vieler ein ruhig erwogenes Votum ganz kurz abgeben, und möchte, wer es kann, auch in auswärtigen großen Blättern für eine gerechte Darstellung Sorge tragen helfen. Die Hauptschuld tragen selbstverständlich in der viel besprochenen Angelegenheit die irre geleiteten Schüler selber. Es ist aufs Neue die alte Erfahrung zu Tage getreten, wie leicht einige räudige Schafe, hier also sündige Menschen, auch andere, auf die man sein Vertrauen setzte, mit fortzureißen verstehen. Wir sprechen hierbei unsere herzlichste Theilnahme den schwer heimgesuchten Eltern aus, und wir wollen es nicht vergessen, hervorzuheben, wie wohl Mancher in seiner Jugendzeit vor schweren Fehltritten bewahrt worden ist, weil kein schlechter Verführer sich seiner bemächtigte. Nur wer die Macht der Verführung und der Sünde überhaupt recht kennt und würdigt, wird allein vorsichtig, milde und gerecht urtheilen, und der giebt auch die Hoffnung nicht auf, daß irre gegangene Kinder sich wieder zurecht finden. Das aber wünschen wir den betroffenen Eltern und ihren Kindern von ganzem Herzen. Allen unseren Söhnen aber rufen wir laut in Herz und Gewissen: vergeßt neben der wissenschaftlichen Ausbildung nie die sittliche Durch bildung! An ihr lebhaft und unausgesetzt mitzuarbeiten, ist Pflicht des elterlichen Hauses, wie der Schule. Das Haus muß es als Pflicht erkennen, seine Kinder, ganz besonders in den sogen. Flegeljahren, natürlich auch späterhin, sorgfältigst zu überwachen. Bequem wäre es freilich, das Alles der Schule zu überlassen. Und gesetzt auch, die Ordinarien kämen öfter in die Wohnungen der betreffenden Schüler, um nach ihnen zu fragen und sie so mit zu überwachen: die Hauptsorge liegt gewiß den Eltern und Pflegern ob- sie müssen wissen, wo die Schüler sich aufhalten, was sie treiben, mit wem sie umgehen 2C. („sage mir, mit wem Du umgehest, und ich will 2C."). Ob dieser Forderung alle Eltern wohl nachkommen? Es mag eine -Gewissensfrage sein. Die freien Nachmittage sind sicherlich nicht schuld an dem Unheil, das spät ruchbar wurde. Viele Eltern in und um Gießen sind für diese Einrichtung dankbar gewesen, sie sind es noch heute. Die Lehrer der Schulen hat ohne Frage das Vorkommniß schmerzlich bewegt. Sie wissen genau: nicht Verstand und Gescheitig- keit allein machen uns die Schüler werth und lieb, sondern ihre ganze sittlich-anständige pietätvolle Haltung, ihre gute Gesittung. Was erlebt ist, mag anspornen zu neuem Eifer und zu herzlicher Antheilnahme an dem ganzen Leben und Sichgehaben der Schüler. Wir sind gewiß: auch das Gießener Gymnasium wird sich den Ruhm und die Ehre zu wahren wissen, die ihm von vielen Seiten willig zuerkannt werden. A. L. * Groß-Gerau, 11. December. Hitz' ist kein Witz. Die Wahrheit dieses alten Spruches mußte jüngst ein hiesiger Einwohner zu seinem Schaden erfahren, als er beim Schlachten statt des gemästeten zum Schlachten bestimmten Schweines in blinder Eile sein trächtiges Mutterschwein zur Schlachtbank führte. Als der Metzger das Schwein ausgeschnitten hatte, kam die Bescheerung zu Tage und es soll sehr lange Gesichter hierauf gegeben haben. (Ger. Azgr.) (?) * Offenbach, 14. December. Hier wurde dieser Tage ein „Verein gegen Hutabnehmen" gegründet. Die Mitglieder tragen als Vereinsabzeichen ein kleines Schildchen mit deutlicher Inschrift am Hut. — In dem dem Fürsten von Isenburg gehörigen, in hiesiger Gemarkung gelegenen Walde wurde ein bedeutender Baumfrevel verübt, der heute in der Früh entdeckt wurde. Es sind weit über 100 Fichtenstämmchen theils abgesägt, theils mittelst Beiles ab« gehauen worden. Die Stämmchen werden offenbar als Weihnachtsbäumchen verkauft. Die Forstbehörde hat aus Ermittelung der Thäter eine Geldprämie ausgesetzt. Mainz, 16. December. (Privatdepesche.) Das Schwurgericht verurtheilte den Schuhmacher Eschbach von Fürfeld, der den dortigen Feldschützen erschossen hat, zum Tode. vermischtes. * Die „Wiener Presse" enthält folgenden Nachruf: Ludwig Lott sen. 7. Heute Vormittag ist der ehemalige Druckereileiter der „Presse", Herr Ludwig Lott sen., eine in den Wiener Buchdruckereikreisen allgemein bekannte und als Autorität von seinen Fachgenossen anerkannte Persönlichkeit, gestorben. Herr Lott war in Wetzlar geboren, in Gießen erlernte er die Buchdruckerei, diente in der preußischen Armee als Ulan und kam in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre nach Wien, wo er sich seiner ausgezeichneten technischen Fähigkeiten wegen bald eine hervorragende Stellung erwarb Md auch in freundschaftlichstem Verhältnisse mit dem seinerzeitigen Director der k. k. Staatsdruckerei, Hofrath Auer v. Welsbach, stand. Im Mai 1859 wurde Lott von dem damaligen Eigenthämer der „Presse", August Zang, zur Leitung der Druckerei berufen. Er führte hier Einrichtungen ein, welche bahnbrechend für die heutige Entwickelung des Zeitungsdruckes wurden. So installirte er 1862 die Papier- Stereotypie, welche es später ermöglichte, die heute bei fast allen größeren Zeitungen im Betriebe stehenden Notationsmaschinen zu construiren. Im Jahre 1875, also nach einer 16jährigen Thätigkeit, schied Lott aus der Officin der „Presse", um eine Kunstbuchdruckerei zu eröffnen. Er cultivirte speciell den Farbendruck- später führte er auch den Buchdruck auf Blech ein, welcher Industriezweig bis dahin nur in Paris ausgeübt wurde. Mitte der 1870er Jahre betheiligte sich Lott auch an dem öffentlichen Leben. Er wurde 1876 mit einjähriger Functionsdauer in den Wiener Gemeinderath gewählt, konnte jedoch an den Berathungen dieser Körperschaft nicht Thcil nehmen, da er sich zur Ausstellung nach Philadelphia begeben mußte, wo er feine Kunstdrucke exponirte und von wo er erst nach mehr als anderthalbjährigem Aufenthalte nach Wien zurückkehrte. Lott war ein jovialer gefälliger Mann. Sein Hinscheiden wird gewiß lebhafte Theilnahme erwecken. Anläßlich dtzr Wiener Weltausstellung wurde er von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. * Siegen, 14. December. Der Amtmann Thiele zu Eiserfeld hat folgende Bekanntmachung erlassen: „Ich muß wünschen, daß Leute, die auf dem Amt erscheinen, in properer Kleidung und wenigstens am Körper rein gewaschen sind. Seife kostet doch nicht viel. Besonders bei Trauungen und Aufgeboten haben die Leute proper und rein gewaschen zu erscheinen. Anderenfalls werde ich sic in Zukunft einfach zurückweifen." (Frks. Ztg.) * Ein Mann, der in dem Leben des Fürsten Bismarck eine Rolle gespielt, wurde am letzten Montag auf dem Kirchhofe in Biesenthal mit militärischen Ehren zur Ruhe bestattet. Es ist der auf feiner Besitzung Waidmannsheil bei Bernau im Alter von 54 Jahren verstorbene Rentier Bannewitz. Er war gerade beim 2. Garde-Regiment z.,F. eingezogen und stand bei der Berliner russischen Gesandtschaft Posten, als der junge Blind 1866 auf Bismarck den Mordanschlag versuchte. Bannewitz machte ihn dingfest. Von da an wurde Bismarck demselben ein guter Gönner, Bannewitz machte an der Seite des Fürsten Bismarck den Krieg 1870/71 mit. Später ist er zum reichen Manne geworden. * Elberfeld, 12. December. Die Frage, ob die Bezeichnung „Socialdemokrat" für Jemand, der sich nicht zur Socialdcmokratie bekennt, eine Beleidigung fei, entschied die hiesige Strafkammer in bejahendem Sinne. Ein früheres Mitglied des Nieder - Wermelskirchener Kriegervereins, das wegen seiner socialdemokratischen Gesinnung aus dem genannten Vereine ausgestoßen worden war, hatte im Juli d. I., als zwei andere Mitglieder desselben Vereins in einer Wirth- schaft deren Inhaber zum Beitritt aufforderten, geäußert: „In Eurem Verein sind doch nur Socialdemokraten" u. s. w. Mehrere Mitglieder stellten Strafantrag wegen Beleidigung. Der Angeklagte konnte den Beweis für feine Behauptung nicht erbringen. Das Gericht erkannte wegen öffentlicher Beleidigung auf 60 Mark Geldstrafe. In der Urtheils- begründung wurde ausgeführt, es könne einem begründeten Zweifel nicht unterliegen, daß in der Bezeichnung „Social- demokrat" für die Mitglieder eines Kriegervereins, überhaupt für einen Nichtsocialdemokraten, eine Beleidigung liege. * Dienstboten-Mörder in Berlin. Wie aus Berlin verlautet, spürte die dortige Polizei ein Verbrecherpaar auf, welches ebenso wie das Ehepaar Schneider in Wien manö- verirte. Folgendes ist bereits festgestellt: Im Frühjahr dieses Jahres suchte im Magdeburger Generalanzeiger eine angebliche Johanna Krüger eine Reisegefährtin, woraus sich eine unverehelichte K. bei ihr meldete. Dieser erzählte die Krüger, sie besäße in Cöln eine Villa, nach der sie zusammen reisen wollten. Aus dem Wege dorthin solle zunächst zum Zwecke des Besuches einer Freundin in Neuhaldensleben Station gemacht werden. An diesem Orte ist denn auch am 21. Mai dieses Jahres die K. in Begleitung einer Frauensperson und eines Mannes gesehen worden. Seitdem war sie verschwunden. Vor Kurzem ist nun im Walde bei Neuhaldensleben die Leiche der K., welche durch Abtrennung des Kopses und der Füße verstümmelt war, ausgefunden worden. Es liegt also anscheinend ein Raubmord vor, der muthmaßlich von der angeblichen Johanna Krüger und dem fremden Manne ausgeführt ist. Den Tbätern sind der Neisekorb der K. mit einer Menge Wäsche und Kleidungsstücke (erftere^mren E. K. gezeichnet) und außerdem mehrere Schmuckfachen, welche die K. bei sich trug, in die Hände gefallen. Die Krüger wird beschrieben als eine Person von 30 bis 32 Jahren, dunklem Haar, stechende Augen/ grauem, abgelebtem Gesicht, schlanker Gestalt- sie stößt beim Sprechen mit der Zunge an. * Tod infolge Aberglaubens. Man schreibt aus dem reußischen Oberlande: Vor ungefähr acht Tagen glaubte ein in der Abenddämmerung von Lobenstein nach Lichtenbrunn gehendes zwanzigjähriges Mädchen eine Stimme hinter sich zu hören, konnte aber keine Perfon in der Nähe entdecken. Da erinnerte sie sich plötzlich des albernen, in der dortigen Gegend verbreiteten Aberglaubens, daß es in dem am Wege liegenden Steinbruche „umgehe", und von fürchterlicher Angst ergriffen, eilte sie athemlos nach dem Heimathsorte. Hier befiel sie eine totale Nervenlähmung und sie starb, obwohl für ärztliche Hilfe gesorgt war,- wenige Tage später an den Folgen der Aufregung. * Selbstmordstatistik. Die Anzahl der Selbstmorde der Welt beträgt nach den Berechnungen des Statistikers William Mattheus jährlich 180,000. Diese Ziffer ist alljährlich im Wüchsen begriffen und diese Zunahme stehe in btrecter Beziehung zu der fortschreitenden Civilisation. AuS dieser Statistik geht hervor, daß die Gebirgsbewohner fast nie ihre Lebenszeit abkürzen und die Bewohner von sumpfigen Ländern < nur sehr selten. Hingegen stellen die Bewohner von Gegenden, die von großen Flüssen durchströmt werden, ein höheres Con- tingent. Die meisten Selbstmorde ereignen sich im Juni, die wenigsten im December und zwar vornehmlich in den ersten zehn Tagen des Monats. rrnLoerptäls - Nachrichten. — In der irischen Hauptstadt werden schon Vorbereitungen für daS 300jährige Jubiläum der Universität Dublin im nächste» Jahre getroffen. Der Kanzler der Universität und der Provoft der Trinity College haben Einladungen an alle gelehrten Körperschaften Europas ergehen lassen, sich an der Feier zu betheiligen. Wöchentliche Ucberficht der Todesfälle in Gieße« 49. Woche. Vom 6. December bis 12. December 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 25,24 %o bezw. 7,57 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Anm. Die in Klammern gesetzim Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Rachenbräune 4 Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- (3) 4 (3) mungs-Organe 3 Andere bekannte (2) 3 (2) — — Krankheiten 3 (2) 2 (2) — 1 Summa: 10 (7) 5 (4) 5 (3) Literatur tm6 Aunst. — Humoreske« (enthaltend: Mitus und Matus. — Das A^ebot' — Die Tanzgabe. — Vom Jüngling, der gern einen Bart gehabt hatte. — Die Karpfenschuppe) von Julius Stinde. Verla« von Freund & Jeckel, Berlin. Die Freunde von Sttndes Erza^ lungskunst werden an diesem neuen Bande wiederum große Freude haben. In der That sind diese mit feinem Humor gewürzten Erzählungen mit aller Kunst geschrieben, sowohl in der Composition wie im Stil, der trotz aller Natürlichkeit dennoch glänzend ist Und wie viel Erfahrung und Weltkenntntß wird hier in der gemüthoolle» Vereinigung von frohem Scherz und tiefem Ernst bargeboten. Nicht blos zur Lust sind die Humoresken und zu flacher Unterhaltung- sie bieten dem Geiste gesunde Nahrung und sind daher ein Familienbuch im besten Sinne des Wortes. Verkehr, Land« un- Volkswirthschaft. Lauterbach, 13. December. Der landwirthschaftliche Bezirksveretn Lauterbach erzielte im Rechnungsjahr 1890 eine Einnahme von 2630.66 Mark und war danach in der Lage, seinen Zwecken entsprechende Ausgabm zu macken, die sich wie folgt ver- theilen: Beitrag zur Aufnahme von Bodenculturplänen in der Gemarkung Crainfeld 200 33, für Bezug junger Obstbäume 243, für Bullenprämiirung 200, für Wandervorträge 217.20, an die landwirthschaftliche Haushaltungsschule in Lindheim 50, Unterstützung der Viehzuchtvereine 1100 Mark. — Für 1891/92 sind u. A. folgende Ausgaben vorgesehen: Für Ausbildung von Obstbaumwärtern 300, für Bezug junger Obstbäume 200, Prämie für Erbauung eines Bullenstalles 200, für Wandervorträge 200, für die Haushaltungsschule in Lindheim 50, für den oberhessischen Obstbauverein, dem beizutreten und dm thunlichst zu fördern beschlossen wurde, 50, für Unterstützung deS Viehzuchtvereins 200, für Wiesenbaucurse 200 Mark. D. Ztg. — Ma«l- und Mauenseuche. Die „Sachs. Landw. Zettschr." schreibt: Die außerordentlich starke Verbreitung der Maul- und Klauenseuche hat den Kgl. sächsischen Behörden Veranlassung gegeben, außer verschiedenen Verboten der Abhaltung von Viehmärkten auch die bezirksthierärztliche Untersuchung aller von in- undausländische» Händlern zum Verkauf aufgestellten Rindviehbestände anzuordnen. Leider scheint immer wieder ein Theil der Landwirthe nicht izu erkennen, daß diese Maßregel lediglich zum Schutze der inländischen Viehbesitzer erlassen wird, denn sonst kann man es nicht verstehen, daß einzelne Landwirthe, um diese Untersuchung den Händlern zu ersparen und dadurch die erwähnte Maßregel zu umgehen, das von ihnen anzukaufende oder bestellte Vieh bereits jenseits der Grenzen, z. B. wie vorgekommen in Görlitz, von den Händlern abnehmen. Möchter doch jeder Käufer von Klauenvieh zur Fernhaltung der Seuche vom Lande wie von seinem eigenen Viehbestände beitragen, indem er alle Umgehungen der wohl erwogenen Maßregel selbst vermeidet und auch, soweit sie von Seiten der Händler versucht werden, dadurch vereitelt, daß er vom Händler nur Vieh kauft, nachdem es bei demselben bezirksthierärztlictz untersucht worden ist. ~ f"7 ™ öre6e "Nd kleine Kinder. Vou Sophie Moleschott. Verlag von Emil Roth in Gießen. 5Die Gattin des berühmten Universitätslehrers und Naturforschers Jakob Moleschott in Rom, kürzlich auf schmerzlich tragische Weise aus dem Leben geschieden, hat noch als letzte poetische Gabe die obengenannte klestre Arbeit hinterlassen. Das Merkchen trägt mtt Recht das Motto: „Das Denken und Empfinden der Kinder durch geeignete Erzählungen und Plaudereien anzureaen ^ine Lieblingsbeschäftigung." Die Ver- !°lserin^hat als echte Kennerin des Ktndesherzens für ihre Plaudereien das Märchen gewählt und den Stoff dazu zumeist ih«m eigene» Kindesleben entlehnt; vertbeilt hat sie denselben auf sechs Abschnitt! ober Abende. Im I. und II. Abschnitt erzählt sie: „Von meinem Puppenhaus" und „Puppenscherz". Liebe und Leben, Lebe» und Liebe athmet aus diesen beiden Puppenmärchen, die kleine« Gestalten gewinnen Leben vor unfern Augen und wir glauben unS einen Augenblick in die Märchenwelt von Gebrüder Grimm verfem w/nn 'ms die feinen und sinnig eingeflochtenen Naturbetrachtungen nicht belehrten, daß wir es hier mit einer ganz besonderen Gattung von Plaudereien für Kinder zu thun haben. In gleich originell geistreicher Weise führt die Mutter im HI. Abschnitt: „Schaut und genießt!" und im IV. „Auf dem Bock", Bilder aus vergangenen Zeiten vor das Auge ihrer Lieblinge und indem sie selber noch estimA ihr Herz ganz in die Erinnerung an die süßen Tage ihrer Klndd-n tief, tief eintaucht und unter Lächeln Thränen verbirgt weckt sie hei ihren Kleinen die unauslöschlichsten Empfindungen zärtlicher Kinde«- liebe. Der V. Abschnitt hat die Überschrift: „Liebet Port tast Hieran gelangt die Shakespeare'sche Gestalt vom Juden Svlock" aus dem „Kaufmann von Venedig" im Gewand des Märchens 1» einer so reizenden Darstellung, wie sie für das kindliche Verständnis nicht meisterhafter gefordert werden kann. Der IV. Abschnitt sübrt uns zu „Frohen Stunden" und verbreitet sich über glütffeliae Erinnerungen an Turin, tn welchen sogar ihr lieber Gatte, der ernste For cher eine humoristische Figur dabei abgeben muß. Zum Schluß folgt noch ein weckendes, packendes „Tanzlied" für kleine Kindes Durch sämmtliche sechs Abschnitte zieht sich ein lindes Weh nach d7r lieben deutschen Heimath und wir fühlen den Schmers eines fn deutschen Mutterherzens in der eigenen Brust nach unbfiSLÄ getotfe eine weitverbreitete Empfindung aus, wenn wir beklagen, daß es einer so hoch ideal angelegten Frau nicht vergönnt war, die Blütd-» ihres Geistes auf heimathlichem Boden zu entfalten Wer ahn- Ära gefühlvolle Stau unb Mutter dm Dran« in flTtrigf bd Holzversteigerung Bekanntmachung. im Gießener Stadtwalde. Darmstädter Zuchtviehmifflrte im Jahre 1892 6., 20. September, 13., 27. December. 10559 11011 Pelzwaaren JÄHRIGER ERFOLG 25 r SCH m m ui LU Ul W Ul Fabrik- Schutz-Marke. o m kleine W 70 Fm. m 591 Möbelfabrik u. -Lager 1442 empfiehlt fichügenden^Fordemngen ?ur Einsicht Geschästs-KmpftHrung. _ | fchreiberei Großh- Amtsgerichts Gießen ||4 Delicateffen-Geschäft i »tun g «WHT _ , . . 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