1891 Freitag den 16. Oktober Amts, tmb Anzeigebl«tt für den Arris Gieren. MWDWW Deutsches Reich. der der gwieget »•* »azeitze« |tx der ««frnittogl für dm lelgfubtfl Lag erscheinenden Nummer dir Borm. 10 ndr. LiencksShrlger £le«nev<«f w«lB i 2 Mark 20 Pfg. o* Bringerlohn. Durch die Post bq®g«. 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, «tptbtüe» und DruLerei: Fernsprecher 51. liberaler, in Meißen-Stadt ein Conservativer, in Meißen-Land ein Conservativer gewählt. Berlin, 14. October. Zur Uniformsrage in der Armee findet sich in einer Artikelserie des amtlichen „Militärwochenbl." nachstehender bemerkenswerther Passus: „Es giebt außer der kriegsmäßigen Schießausbildung noch einen andern Factor zur Feuerüberlegenheit, der nicht übersetzen werden darf: es ist der kriegsmäßige Anzug, d. h. eine Bekleidung und Ausrüstung, welche durch Vermeidung alles Glänzenden und Auffallenden so wenig wie möglich Anhaltspunkte zum Gesehenwerden und daraus Zielen geben darf. Gerade beim rauchschwachen Pulver sällt dieser Umstand ganz anders ins Gewicht wie früher, wo man die Abgrenzungslinie des Pulverdampses vom Boden als Haltepunkt nahm. Ferner müßte der Waffenrock des Infanteristen so angefertigt sein, daß beim Anschlag im Stehen und Liegen durchaus kein Pressen des Halses und der Brust stattfinden kann. Durch die neueingesührte Gepäckvertheilung ist die beim Anschlag mit den Armen zu hebende Last zwar erleichtert, aber der steise Stehkragen, der außerdem meistens eher zu eng als zu weit ist, erschwert und hindert entschieden das freie leichte Zielen. Wenn durch Druck am Halse das Blut nicht mehr frei circuliren kann zwiscyen Brust und Kops, diesen überfüllt und daher den Blick verschleiert, ist ein scharfes Sehen und Zielen natürlich unmöglich. An Stelle des steifen Stehkragens erscheint ein Umlegekragen practischer." Die Dberhesfische Bbstausstellung in Gießen. In den weiten Räumen von Steins Garten ist mit Beginn des heutigen Tages eine überaus reiche Anzahl derjenigen Erzeugnisse unserer Provinz Oberhessen vereinigt, die man mit ihrem Sammelnamen kurzweg als „Obst" zu bezeichnen Pflegt. Was sich alles mit dem Wörtchen „Obst" deckt, soll hier nicht erörtert werden, ein Besuch der Ausstellung wird am besten lehren, was sich darunter vereinen läßt: Aepfel, Birnen, Zwetschen, Pflaumen, Mirabellen, Reineclauden, Pfirsiche, Nüsse, Weintrauben finden sich hier einträchtig bei einander, und wer den Begriff „Obst" noch weiter ausdehnen will, findet auch noch' — Dickwurz und Kohlraben, gelbe und weiße Rüben, Rettige und Sellerie, Kartoffeln und Kraut, bekanntlich nicht ganz nebensächliche Erzeugnisse unserer Landwirthschaft. Im Leben des Menschen spielt das Obst von jeher eine wichtige Rolle, seine Bedeutung für die Land- und Volkswirthschaft ist so allgemein bekannt, daß es keines besonderen Hinweises darauf bedarf. Die Liebhaberei für das Obst ist weder an Stand noch an Alter gebunden. Wer beobachtet hat, mit welcher Freude das Kind in der Wiege nach einer von der Mutter dargereichten Birne oder einem Apfel langt, wer die Freude gesehen hat, die ein Onkel oder Großvater unter seinerr WWWM-MSL«_____1L-L _ Amtlicher Theil Neueste Nachrichten. WolffS telegrafische? «orresp^vdeNz-Bvrcov. Berlin, 14. October. Die „Post" hält nach Mittheilungen aus wohlunterrichteten Kreisen eine Reise des Königs von Rumänien nach Berlin als sicher bevorstehend, doch seien bindende Abmachungen noch nicht getroffen. Berlin, 14. October. Die Börsenältesten hatten dem Handelsminister angezeigt, die ständige Deputation der Pro- ductenbörse habe empfohlen, wegen der geringen Qualttät des diesjährigen inländischen Roggens und Weizens das Mindestgewicht für Lieferungsgetreide herabzusetzen. Aehnlich berichteten die Vorsteher der Kaufmannschaft in Stettin. Der Minister ersuchte beide Körperschaften, vor der endgiltigen Beschlußfassung die ministerielle Entscheidung abzuwarten, da es sich wegen der großen Tragweite des Beschlusses empfehle, die Sache einheitlich für alle preußischen Börsenplätze zu regeln. Karlsruhe, 14. October. Der Staatsminister a. D. Jolly ist heute Mittag in Folge eines Schlagflusses gestorben. — Dem Vernehmen nach wird der Landtag aus den 17. November einberusen. Wien, 14. October. Eine Conferenz, betreffend die Schlußredaction des revidirten Betriebsreglements des internationalen Eisenbahnbetriebsrechtes, wird Anfangs November hier zusammenrreten. Die ungarische Regierung hat ihre Theilnahme an den Verhandlungen gleichfalls zugesagt. Rom, 14. October. Vor dem Strafgericht begann die Verhandlung gegen die wegen der Unruhen am 1. Mai in Rom Verhafteten, worunter Cipriani. 61 Angeklagte gehören einem anarchistischen Vereine an. 125 Be- lastungs- und 200 Entlastungszeugen sind vorgeladen, 35 Ver- theidiger sind anwesend. London, 14. October. Die Küsten Großbritanniens sind gestern von einem Orkan heimgesucht worden. Zahlreiche Schiffe sind gescheitert und deren Mannschaften mit Mühe gerettet worden. Auch an der Küste der Vereinigten Staaten ist großer Schaden angerichtet worden. Petersburg, 14. October. Die „Nowoje Wremja bespricht die Mailänder Begegnung zwischen G^ers mit Rudini. Sie meint, der Gegenstand der Unterredungen sei lediglich die Beziehungen Italiens zu Rußland gewesen, die aber keineswegs von dem Wunsche eingegeben worden, eine Annäherung Frankreichs und Italiens oder Deutschlands und Rußlands herbeizusühren. Von dem Standpunkte Rußlands sei es erwünscht, daß Italien von autorisirter Sette erfahre, weshalb Rußland mit der Politik Italiens nicht übereinstimme. Rußland wünsche, freundliche Beziehungen mit Italien zu unterhalten. Besonders wichtig sei es, statten den wahren Character der Meerengenfrage darzulegen, welche nach Kenntniß der wahren Sachlage die guten Beziehungen Rußlands und Italiens nicht mehr ungünstig beeinflussen würden. Auch sei es für Rußland wichtig, die Haltung Italiens im Falle stets möglicher Ereigniffe in Bulgarien kennen zu lernen. Alle «naowcett-Buteauy M 3«- mrd Knltenbefi cc^ow- ratrsberlügs: Htchmer Isammeumarrer. Anzeigen für den „Giehener Anzeiger" entgeh Gießener Anzeig Kenerat-Mzeiger. Der fMtwr nchheirtt täglich, AM emnahtn« bt$ Montag». Me «ieß«rer tri6*tn dem Lnzngu tlich dreimal deigeletzt. Bekanntmachung, die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst aus Grund von Schulzeugniffen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch aus die Nachfolgen- den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. , . 2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres 3) DasÄsuch^muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Vogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden- Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird. 4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a) Geburtszeugniß; b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit den FreiwMgen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig- keitlich zu bescheinigen; c) ein Unbescholtenheitszeugnrß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen mllitärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute dürch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d) das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifyeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlick nach dem Schema 18 zur Wehr-OrdMng vom, 22. November 1888 — Reg. - Bl. Nr. o von 1889 ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 39, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Darmstadt, 14. October. Seine Königliche Hoheit Großherzog empfingen heute u. A. den Rector Landesuniversität, Professor Dr. Sieb eck, den Director der Anatomie, Professor Dr. Bonnet von Gießen, den Grafl. Kammerrath Weber aus Laubach, den Prof. Dr. Weissen- tzach aus Friedberg, den Eisenbahnbaumeister Simon von Alsfeld, den Bürgermeister Meyer von Eckartsborn. Dresden, 14. October. Ueber die gestern stattgehabten Wahlen zum sächsischen Landtage liegen bisher -folgende Ergebnisse vor: In Dresden-Neustadt em Social> Demokrat gewählt; Dresden-Altstadt: Stichwahl zwischen dem conservativen und socialdemokratischen Candidalen- in der Umgebung Dresdens siegten die Socialdemokraten. In Leiozia-Stadt wurde ein Nationalliberaler, in Chemmtz-^tadt ein Mitglied der Fortschrittspartei, in Chemnitz-Land ein Socialdemokrat, in Reichenbach ein Nationalliberaler, tn Glauchau ein Nationalliberaler, in Annaberg ein National- Newyork, 14. October. Laut einer aus St. Johns (Neufoundland) hier eingelausenen telegraphischen Meldung scheiterte der heimkehrende Anchor-Dampfer „City of Rome" in der Nähe des Cap Saint-Hots. Weitere Details fehlen. Newyork, 14. October. Dem „Herald" wird aus Montevideo unterm 13. October über die letzten Ruhestörungen in Uruguay gemeldet, daß die Aufständischen auf ein Bataillon Soldaten, welches bei dem Clubhause der Revolutionäre vorübermarschirte, schossen und drei Offiziere verwundeten. Die Soldaten erwiderten das Feuer, wobei 53 Aufständische getödtet und eine große Anzahl verwundet wurden. Die Aufständischen flüchteten aufs Land, wo sie Guerillabanden bilden. Die Polizei verfolgt dieselben. Die Anhänger der Regierung behaupten, daß die Priester die Schuld an der aufständischen Bewegung trügen und dafür verantwortlich zu machen sein. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 14. October. Wie das „Tagebl." aus Hamburg meldet, wurde der Generalstabsoffizier, Major Clüver, im Bahnhof Wilhelmsburg vom Bahnzuge erfaßt, demselben der Arm abgerissen und der Kopf schwer verletzt. Der Zustand ist hoffnungslos. Köln, 14. October. Ein Kopenhagener Telegramm der „Köln. Ztg." meldet, die russische Kaisersamilie werde am 29. October qbreisen, wahrscheinlich an Bord des „Polarstern" nach Libau. Sodann werde die Reise über Moskau nach der Krim unternommen, da die silberne Hochzeit tnw Livadia stattfindet. *■ Erfurt, 15. October. Der soc.ialistische Partei tag, zu welchem 250Delegirte erschienen sind, wurde gestern Abend 7 Uhr durch den Reichstagsabgeordneten Singer- Berlin eröffnet- die Mehrzahl der Fractionsmitglieder ist anwesend. Zu Vorsitzenden wurden gewählt die Herren Singer-Berlin und Kloß - Stuttgart. Singer mahnt zur Einigkeit und weist auf die Wahlerfolge bei den Landtagswahlen in Baden, Meiningen und Sachsen hin. Hierauf erfolgte die Berathung der Geschästsordnung, wobei sich zum ersten Male die Opposition regt. Auerbach beantragt die Einsetzung von Correserenten, wogegen sich Tacterow-Berlin und Bebel aussprechen. Dagegen garantirte Bebel Vollmar und der Opposition vollste Redefreiheit. Auerbach zieht seinen Antrag zurück. Belfort, 14. October. Die militärischen Kreise beobachten aufmerksam die nahe Vollendung der Bahnlinie Altkirch— Faverois und die Verbindung derselben mit der strategischen Linie Ulm—Lörrach—St. Ludwig. Dieselbe ermögliche Deutschland die schnellste Concentration der südlichen Streitmächte. Czernowitz, 15. October. Es wurde hier ein groß- artiger Getreide schmuggel entdeckt. Die Schmuggler umgingen die Zolllinie durch Zuflößen des Getreides auf dem- Sucgawafluffe. Der Mühlenbesitzer Meixner ist flüchtig- es wurden zwei Verhaftungen vorgenommen. Petersburg, 15. October. Die Nothläge nimmt zu. Es ist eine Handelskrise zu befürchten, da die meisten großen Handelshäuser ihre Thätigkeit einstellen wollen. Tiptou (Indiana), 14. October. In Folge einer Kesselexplosion aus Colemans Factorei wurden 50 Personen schwer verwundet. Neffen, Nichten oder Enkeln zu erregen vermag, sobald er ihnen die Taschen mit Früchten füllt, wer die oft an Strategie grenzende Verschlagenheit Hu ermeffen weiß, die von Seiten loser Buben unter Hintansetzung jeder Rücksicht aus ihre Höschen entfaltet wird, wenn es gilt, einen erfolgreichen Streifzug in fremde Gärten zu unternehmen, der wird sich sagen müssen, daß in dem Worte Obst ein schönes Stück Jugendpoesie enthalten ist. Und wer schon beobachtet, mit welchem Behagen bejahrte Menschen, besonders das stärkere Geschlecht, den Hohenastheimer (genannt „Eppelwein") schlürfen, der wird bestätigen, daß das Alter der Vorliebe für Obst keinen Abbruch zu thun vermag. Ja, es ist nicht zu viel behauptet, daß selbst das so viel angefeindete Körbchen Gnade vor den Augen vieler, vieler Liebesleute findet, sofern es nur hübsch mit Früchten angefüllt ist. Und welche Poesie in den Worten Apfelkuchen und Zwetschenkuchen liegt, weiß jede Hausfrau. — Die in Steins Garten versammelten Früchte sind zwar, obwohl sie nicht von Wespen benagt, die schlechtesten nicht, aber sie gehören während ihres beschaulichen Aufenthalts in Gießen fast ausnahmslos zu den „verbotenen Früchten". Obwohl alle zum Anbeißen einladen, schützt sie ein dem Beschauer alle paar Schritte zu Gesicht geführtes „Nichts a n r ü h r e n" bis auf Weiteres davor. „Zur Verloosung angekauft", „Verkäuflich", „Verkauft", das sind ungefähr die wiederkehrenden Aufschriften, die der Beschauer nicht aus den Augen verliert, ein Schild mit der Aufschrift: „Bitte, greisen Sie zu" aber ist mit dem besten Willen nicht zu finden — schade, denn es hätte den Besuch der Ausstellung in's Unendliche steigern können. Wie es in Anbetracht der Jahreszeit nicht anders zu erwarten, besteht die Mehrheit des Ausgestellten aus Aepseln und Birnen, und wenn es auch an recht niedlichen Dingerchen davon nicht fehlt, so suchen doch beide Obstsorten sich den Rang abzulaufen im Dickethun. Wahre Riesen ihres Geschlechts machen sich auf ihren Papiertellern breit und geben zu allerhand Betrachtungen Anlaß, die sich gewiß nicht zuletzt zu stillen und offenen Wünschen, etwas davon zu besitzen, versteigen. Der König unseres heimath- lichen Obstbaues ist unzweifelhaft der Apfel. Er erscheint in so vielen Arten aus der Ausstellung, daß man fast glauben möchte, seine Sortenzahl sei unermeßlich. Thatsächlich sind bis jetzt ca. 2000 beschriebene Sorten bekannt, während seine Schwester, die Birne, ziemlich dieselbe Sortenzahl aufweist. Doch nun zur Ausstellung selbst. Heute Vormittag 11 Uhr hatte sich eine größere Anzahl Interessenten, die Mitglieder des Gesammt-Ausschusses, die Vertreter der Regierung, des Kreises und der Stadt, besonders geladene Gäste u. s. w. in Steins Garten eingefunden, um der Eröffnung der ersten Oberhessischen Obstausstellung beizuwohnen. Der Vorsitzende des Local-Comites, Herr Oberbürgermeister Gnauth, begrüßte, nachdem sich die Erschienenen vor dem Saaleiugange versammelt, die Versammlung mit einer Ansprache. Die Stadt Gießen habe mit Befriedigung vernommen, daß die erste Oberhessische Obstausstellung in unserer Stadt stattfinden solle. Unter Unterstützung der Aussteller und Techniker sei die Stadt ihrer Aufgabe gerecht geworden. Er rufe daher Allen, die zur Förderung des Werkes beigetragen, Namens der Atadt ein herzliches Willkommen entgegen. Er begrüße die Wahl der Stadt Gießen für die Ausstellung als Bestätigung der Meinung von der Gemeinsamkeit der Interessen von Stadt und Land in unserer Provinz. Die Förderung des Obstbaues diene der Erschließung eines wichtigen Zweiges der landwirthschaftlichen Pflege, der Erfolg könne nicht ausbleiben. In der Mitarbeit als Aussteller werde jeder zum Mitarbeiter des Obstbau-Vereins. Herr Oberbürgermeister Gnauth übergab hierauf dem Vorsitzenden des Oberhessischen Obstbau- Vereins, Herr Kreisrath Dr. Braden von Friedberg, die Ausstellung mit dem Wunsche, daß sie zum Wohle und zur Förderung des Obstbaues, sowie zu einer erfolgreichen Obst- verwerthung in unserer Provinz beitragen möge. — Herr Kreisrath Dr. Braden pflichtete diesem Wunsche des Herrn Oberbürgermeisters bei und begrüßte Namens des Oberhessischen Obstbau-Vereins die Erschienenen. Der Verein sei 1889 mit kleinen Anfängen, von Friedberg ausgehend, gegründet worden. Dank der Thätigkeit des anwesenden Herrn Dr. v. Peter habe der Verein einen erfreulichen Aufschwung genommen und in Herrn Landwirthschastslehrer Reichelt habe der Verein einen Mann gesunden, der wie geschaffen für die Verfolgung der Zwecke des Vereins sei. Der Verein habe jetzt über 2000 Mitglieder, aber die Mitgliederzahl sei damit noch nicht abgeschlossen, denn das Ziel des Vereins sei ein schönes; der Obstbau sei etwas Ideales im Betriebe der Landwirthschaft, er solle deshalb nach allen Richtungen hin gefördert werden. Aber nicht nur dem Obstbau gälten die Zwecke des Vereins, derselbe sorge auch dafür, daß die Obstverwerthung nicht planlos geschehe. Die Ausstellung werde hoffentlich beweisen, daß man in Oberhessen nicht planlos arbeite, wie vielleicht in anderen in Beziehung aus den Obstbau bevorzugteren Gegenden angenommen werde. Hoffentlich werde die Ausstellung der guten Sache des Obstbaues in der Provinz recht förderlich sein. Den Bestrebungen des Vereins bringe die Großh. Staatsregierung ihr volles Interesse entgegen, das beweise u. A. die Anwesenheit des Vertreters der oberen landwirthschaftlichen Behörde, des Herrn Reg.-Rath Nover. Leider sei der Ehrenpräsident der Ausstellung, Herr Graf Friedrich von Solms-Laubach, Erlaucht, verhindert, der Eröffnung beizuwohnen. Er begrüße den Vertreter der Provinz, Herrn Provinzialdirector Frhr. v. G a g e r n, und Herrn Oberbürgermeister Gnauth, den Vertreter der Prov.-Hauptstadt Gießen, in welcher sich der Oberh. Obstbau- Verein mit seiner Ausstellung die ersten Sporen verdienen wolle. Der Ausschuß, unter thätiger Mitwirkung der einzelnen Commissionen, habe keine Mühe gescheut, um die Ausstellung, wie sie sich präsentire, zu Stande zu bringen. Er bringe der Staatsregierung, an deren Spitze unserem allverehrten Landesvater, besonderen Dank entgegen. Das Herz unseres Landesfürsten sei offen wie sein Blick, ihm verdankten wir die Initiative und die Förderung in den Bestrebungen des Obstbau-Vereins. Wir könnten deshalb nichts Besseres thun, als unserem Großherzog unsere Huldigung darzubringen und fordere er hiermit die Versammlung auf, mit ihm einzustimmen in den Rus: „Se. Königliche Hoheit unser Großherzog Ludwig lebe hoch!" Herr Kreisrath Dr. Braden erklärte, nachdem das Hoch verklungen, die Ausstellung für eröffnet. — Herr Landwirthschastslehrer Reich elt machte hieraus Mittheilungen über die für Preisbewerbung von Seiten des Preisgerichts wie des Vereinsvorstandes zu Grunde zu legenden Gesichtspunkte. Das Bild der heutigen Ausstellung sei ein anderes wie vor zehn Jahren- früher kam es den Land- wirthen darauf an, möglichst große Mengen Früchte zu ziehen, heute komme es daraus an, ihnen zu zeigen, wie die Früchte am besten verwerthet werden könnten, ohne daß die Pomo- logie in ihren besonderen Liebhabereien gestört werde. Die Ausstellung umfasse fünf Abtheilungen: Obstverwerthung, Obstsortimente, Obstbäume, Gerüche und Gegenstände zur Belehrung im Obstbau. Was die Obstbäume betreffe, so rathe er den Producenten, ihre Bäume nicht selbst zu ziehen, sondern solche aus guten Baumschulen zu beziehen. Bei Erwähnung der ausgestellten Maschinen begrüßt Herr Reichelt das Erscheinen eines süddeutschen Concarrenten einer seither fast ausschließlich das Monopol für Oberhessen besitzenden Fabrik gegenüber. Herr Reichelt übernahm nunmehr in Fortsetzung seines Referates die Führung durch die einzelnen Abtheilungen der Ausstellung. Tritt man durch den an der Kopfseite des Saales befindlichen Eingang, so fällt sofort das aus allerhand Beerenfrüchten und Blumen zusammengestellte, das Gießener Sradt- wappen darstellende Beet (eine Schöpfung des Herrn Earl Becker) aus, während die auf der Bühne befindliche geschmackvoll geordnete Pflanzendecoration, inmitten deren die Büsten Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs und des Kaisers Wilhelm I. und Friedrich III. angebracht sind, von Herrn C. Berger gestellt wurde. Auch die Zugänge nach den Seiten sind durch Pflanzen geschmackvoll abgegrenzt. Das linksseitige Arrangement gehört Herrn Gärtner Ehr. Pfeiffer, das rechtseitige Herrn Gärtner Wilh. Gerhard. Die die Büste des Kaisers Wilhelm II. umgebende Decoration des linksseitigen großen Buffets wurde von Herrn Gärtner Louis Becker, die an der Gallerie befestigte Obst- guirlande von Herrn Carl Becker gefertigt. Die mit dem Obstbau so eng verwandte Gärtnerei, die sich in den hier beschriebenen Arrangements der Gießener Firmen darstellt, darf in Anbetracht der Jahreszeit stolz aus das hier Gebotene sein, wie denn überhaupt die gesammte Decorations-Commission (Vorsitzender Herr Carl Reiber) ihr Können in schönstem Lichte zeigt. (Nebenbei sei verrathen, daß sich rechts vom Eingang, ziemlich verborgen hinter Pflanzengruppen, ein Buffet des Herrn Stein befindet, an welchem der Besucher vor, nach oder während der Besichtigung eine gewiß willkommene Stärkung zu sich nehmen kann, sofern er nicht vorzieht, in einem der Nebensäle sich zu erfrischen.) Den eigentlichen Saal nehmen in seiner ganzen geräumigen Ausdehnung die Ausstellungstische ein. Terassen- förmige Ausbauten aus den Tischen erleichtern die Uebersicht über das Ausgestellte ungemein. Angenehm unterbrochen werden die langen Tellerreihen durch eine große Anzahl Aussätze, Obstbestecke, Fruchtschalen und sonstige Gegenstände der Silber- und Alfenidebranche, in deren Vorführung sich die Herren H. Zimmer hier und Hainburg (Friedberg) theilen. Die im Vordergründe der Bühne aufgestellte, die gestifteten werthvollen Ehrenpreise wirksam umgebende Gruppe von verschiedenen Arten Topfpflanzen stellten die Herren Gärtner Friedr. Georg und W. Moser, während das rechts aus der Bühne befindliche mit dem Stadtwappen geschmückte Blumen - Arrangement von Herrn Wilh. Wipper herrührt. In hübschen Papiertellern, einer neben dem andern, sind die Erzeugnisse einer Obstcultur ausgestellt, auf die unsere Provinz mit Recht stolz sein darf. Hier vereinigen sich, einladend dem Auge des Beschauers dargeboten, die herrlichsten, verschiedenartigsten Obstsorten. Staunen wird Derjenige, welchem das Gebiet des Obstbaues bisher fremd, über die Mannigfaltigkeit und Schönheit der ausgestellten Früchte. Die Aussteller all dieser Herrlichkeit zu bezeichnen, geht nicht in den Rahmen dieses Berichts, es genügt zu constatiren, daß Private wie Gemeinden ihr bestes gethan haben. Während die Mitte des Saales vorwiegend die Schätze an Tafelobst birgt, ist der Seiten- theil des Ausstellunglocales dem Handelsobst in großen Partien, wie in Postkistchen und Körbchen, Vorbehalten. Auch diese Ausstellungsgruppe interessirt gleichviel durch ihre Mannigfaltigkeit wie die Masse des Gebotenen. Hier sind auch die Erzeugnisse des pomologischen Instituts in Friedberg untergebracht, die ob ihrer Schönheit und Reichhaltigkeit in hohem Maße das Interesse der Besucher fesseln werden. Die den Seitensaal vom Hauptsaal trennenden Säulen sind mit Etageren umgeben, auf welchen in zierlichen Flaschen, Töpfen, Büchsen und Gläsern, sein etiquettirt Alles ausgestellt ist, was sich aus den Gartenfrüchten herstellen läßt: Conservirte Früchte, Gelee, Dörrobst, Honig, Beerenweine, Aepselwein usw. Hier zeigt sich, bis zu welchem Grade der Vollkommenheit die Obstverwerthung gesteigert werden kann und wie wichtig in volkswirthschaftlicher Beziehung es ist, den Segen guter Obstjahre für lange Zeiten zu sichern. Ein großes Glas Birnhonig aus dem Jahre 1857 darf wohl als Veteran der ausgestellten Producte gelten. Zwei im Saale ausgestellte Etageren enthalten je eine reiche Auswahl von auf den Obstbau bezüglichen Zeitschriften und Büchern, ausgestellt von der Ferber'schen Universitäts-Buchhandlung und E. T r e n k m a n n in Gießen. — Das ganze Arrangement, nach vorzüglich ausgedachten Plänen des Herrn Landwirthschasts- lehrers K. Reichelt aus Friedberg unter sachkündiger Mithülfe des Herrn Obstbautechnikers Metz-Friedberg getroffen, macht dem Unternehmen alle Ehre. Verläßt man durch den südlichen Ausgang den Saal, so gelangt man an einer Gruppe von Gemüse und Erdgewächsen vorbei nach den im Garten befindlichen Ausstellungsgegenständen, die hauptsächlich der Obstverwerthung, der Obstbaumpflege, im Großen und Ganzen der Gartencultur dienen. Ob st pressen verschiedener Größe haben ausgestellt die Firma PH. Maysarth L Co. in Frankfurt a. M. (die Firma hat auch einen Obstdörrapparat, Pflüge und Gartenspritzen ausgestellt) und die Firma Ferd. Kleemann & Sohn in Obertürkheim (Württemberg). Die Pressen dieser Firma, in ca. 15 Größen, worunter eine fahrbare, sind, was Construction und Arbeit anbelangt, in Oberhessen vollständig neu. — Leitern für die Zwecke des Gartenbaues wie für die Hauswirthschast haben ausgestellt die Firmen C. Blasberg & Co. in Düsseldorf (Filiale Frankfurt a. M.), Schmitt in Erfurt (letztere Firma auch Stangenscheeren und Grabgeräthe), PH. Wirth in Langsdorff. — E. Lawatzeck in Berlin hat Rosenscheeren, Blumenspritzen, Wetzstähle, Ge- treideloupen und Küchenwerkzeuge ausgestellt, Carl Sch äs er rn Friedberg Werkzeuge für den Obstbau, Gartenscheren, Baumkratzer rc., Gebr. Dittmar in Heilbronn Garten- geräthe, Leonhard Ott in Colmar Stahlwaaren aller Art für den Gartenbau, Carl F a n s e l in Cannstatt Porzellan- und Zinkschilder für Obstbaumschulen, Adam Perron in Vilbel Baumkratzer und sonstige Instrumente, Otto Sch aas in Gießen Baumwachs, Raupenleim u. s. w. Die weiter im Garten befindliche Abtheilung: „O b st- b äume" enthält eine reiche Auswahl von Zwergbäumen und Hochstämmen aller Sorten, fix und fertig verpflanzt und der Wirklichkeit entsprechend arrangirt. Aussteller sind: Gebr. Siesmayer (Vilbel), Goos LKoenemann (Nieder- Wallus), die Fürstl. Obstbaumschule in Lich, Gebrüder Schultheis in Steinfurt und Andere. — Emil Heidt in Friedberg stellt eiserne Gartenspaliere aus. Möge die der Kürze der Zeit wegen hier nur oberflächlich beschriebene Ausstellung durch recht zahlreichen Besuch die verdiente Würdigung finden. Hermann Elle. Cocales unö provinzielles, Gießen, 15. October. — Neues Theater. Nachdem Donnerstag den 15. October das ausgezeichnete Lustspiel Blumenthals „Das zweite Gesicht" die erste Wiederholung erlebte, geht Freitag den 16. October wieder ein lustiger Schwank über die Bretter und zwar „Citronen" von Julius Rosen. Wir empfehlen dies heitere Stück auf das Wärmste. mell. Theater. Die Dienstagsaufführung im „Neuen Theater" können wir schlankweg mit der Censur „recht gut" versehen. „Ein Lustspiel", Lustspiel in 4 Acten von Roderich Benedix, ist zwar kein Lustspiel, aber ein namentlich in den späteren Acten überaus amüsanter Schwank, dessen Komik erfreulicher Weise nicht wie bei den meisten modernen Lustspielen aus den äußerlichen Widersprächen und Absurditäten in den einzelnen Situationen hervorgeht, sondern zum guten Theil gut gezeichnete komische Charactere zum Ausgangspunkte hat. Gespielt wurde unter der Regie des Herrn Ernst durchweg flott und mit guter Laune. Als Protagonisten nennen wir Herrn Adolf Peickner, welcher in der umfangreichen Rolle des lehrhaften Junggesellen Bergheim eine sehr hübsche Characterstudie lieferte, deren Wirkung nur selten durch gewisse unschöne Angewohnheiten des Darstellers beim Sprechen beeinträchtigt wurde. Gut characterisirt war ingleichen der verknöcherte Hagestolz Brömser von Herrn Ernst, nur daß der gemüthlich-gutmüthige Ton, der dem Darsteller besonders geläufig zu sein scheint, noch völliger von einer mehr derb polternden Manier hätte verdrängt sein müssen. Recht glücklich war sodann auch Herr Stegemann, der durch eine vortheilhafte Maske und ein chevalereskes Auftreten zumal die Herzen der Damen zu gewinnen schien. Seine Sprachweise muß immer noch an Pathos verlieren, um in dem Rahmen leichtlebiger Lustspiele nicht stilwidrig zn erscheinen. In seiner kleinen Rolle als Tümpel schoß Herr Reiners wieder einmal den Vogel ab. Die Damen standen mit Ausnahme von Frau Annr Reiners, die eine sehr niedliche Agnes war, und Fräulein Hüner (Franziska) einigermaßen hinter dem stärkeren Geschlecht zurück. Namentlich zeigte das sonst so bühnensichere Fräulein Busch (Ernestine) besonders bei ihrer Erzählung im 2. Act, die sie überhastete und halb verschluckte, eine die Wirkung ihrer übrigens mit Geschick durchgeführten Aufgabe beeinträchtigende nervöse Aufregung. Das Gleiche gilt von Frl. Lindemanns Spiel im 1. Acte. Im Allgemeinen möchten wir noch wünschen, daß die Entrees der einzelnen Darsteller präciser erfolgen und in Zukunft nicht jeder unglückliche Monologisirende noch nach Schluß feines Monologs eine Zeit lang „Situation zu sprechen" hat, bis sein Erlöser erscheint. — Dramatische Vorträge. Der erste Vortrag des Herrn Oscar Zack fand vor sehr zahlreicher und gewählter Versammlung am Mittwoch Abend statt und brachte das schon früher einmal hier von oben Genanntem recitirte Drama „Uriel Acosta" von Gutzkow. Herr Zack lieferte einen umfassenden Beweis seines Könnens auf dem Gebiete der dramatischen Ausgestaltung und wußte aus der einen Seite durch treffende Characterzeichnung zu fesseln und auf der anderen Seite durch tiefempfundene Gefühlssprache zu erwärmen. — Wie aus Darmstadt berichtet wird, ist gestern Morgen 5 Uhr der im vorigen Jahre wegen Beihilfe an der Ermordung seines Vaters zu 12 Jahren Gefängniß verurtheilte Schuhmacher Kretschmar (Stiesbruder des am 16. Juni 1890 in Gießen Hingerichteten Gg. Häuser) von Bobenhausen in Gemeinschaft eines anderen Gefangenen Namens Carl Dörr aus Angersbach aus dem Gefängniß ausgebrochen. Die gefährlichen Individuen sind mit Schustermessern bewaffnet und tragen Gesängnißkleidung. — Freiwillige Gefelleuprusuug. Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz erläßt eine Bekanntmachung über „Allgemeine Bestimmungen für die Veranstaltung freiwilliger Gesellenprüfungen im Großherzogthum Hessen". Danach werden die Prüfungen durch eine drei- gliederige Commission geleitet- für die Zulaflung zur Gesellenprüfung soll in der Regel der Nachweis einer auf Grund eines Lehrvertrags ordnungsmäßig vollendeten oder nahezu vollendeten Lehrzeit verlangt werden- auch ist die Zulassung von dem erfolgten Besuche einer Fortbildungsschule oder Handwerkerschule abhängig zu machen. Von den Lehrlingen wird die Vorlage eines Lehrvertrags verlangt, wenn sie ihre Lehrzeit vor Erlaß dieser Bestimmungen begonnen haben. Das Zeugnißergebniß wird unter der Benutzung der Noten: „mit Auszeichnung bestanden", „gut bestanden" und „bestanden" ausgefertigt. Mainz, 14. October. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten veranlaßte die Berathung des Antrages, betr. die zeitweilige Aufhebung des Octrois auf die nothwendigstenLebensmittel, eine sehr lange Debatte. Dieser von Herrn Stadtverordneten Dörr gestellte Antrag wurde, wie die „Franks. Ztg." meldet, von der städtischen Finanzcommission abgelehnt. In der heutigen Sitzung wurde der Antrag gleichfalls mit allen gegen 9 Stimmen abgelehnt- der weitere Antrag des Herrn Dörr, die sogen. Hammelsgeschlinge, welche zumeist von armen Leuten in die Stadt eingeführt werden, von Octroi vollständig zu befreien, wurde einstimmig angenommen. Ebenso wurde ein in der Sitzung von Herrn Nicol. Racke gestellter Antrag, die Bürgermeisterei möge Erhebungen über einen etwa herrschenden Nothstand anstellen und eventuell Vorschläge machen, wie der Arbeitslosigkeit und der Noch der ärmeren Bevölkerung begegnet werden könnte, einstimmig angenommen. /X Mainz, 14. October. Unter den hiesigen Radfahrern wird ein Vorkommniß lebhaft besprochen, das auch in weiteren Sportskreisen Aufsehen und Entrüstung Hervorrufen dürfte. Bei der vom Gau 9 des Deutschen Radfahrer- Bundes am letzten Sonntag ausgeschriebenen Preistour von 150 Kilometer (Mainz—Koblenz) fuhren nämlich zwei hiesige Radfahrer fast den ganzen Weg mit der Eisenbahn statt mit dem Fahrrad und expedirten von den Bahnbriefkasten aus die Controlkarten mit Zeitangabe. Nach amtlicher Bestätigung gaben diese zwei netten Sportsmänner auf dem Rückwege ihre Fahrräder von Koblenz per Bahn direct nach Bingerbrück .aus. Bei dem Deutschen Radfahrer-Bund sind sofort Schritte gegen diese dreisten Sportsleute eingeleitet worden. Vermischtes. * Berlin, 14. October. Das größte plastische Werk, welches den Reichstagsbau schmücken wird, geht nach der „N. A. Ztg." zur Zeit in dem Atelier des Professors R. Begas seiner Vollendung entgegen - es ist dies die Gruppe, welche hinter dem westlichen Giebel — für dessen Feld Professor Fritz Schaper die Sculpturen schuf — auf der Attica des Gebäudes stehen wird. Den Mittelpunkt der Gruppe .bildet die „im Sattel sitzende" Germania- das gepanzerte 'Weib, dessen Haupt die lorbeerumkränzte Kaiserkrone schmückt, stützt sich mit der Linken auf den Schild, während die Rechte das deutsche Reichs-Banner hoch emporhält. Von den Schultern der Germania wallt der Herrschermantel herab- ihr gewaltiges Streitroß wird von dem „Frieden" und dem „Ruhm" geführt. Zur Rechten schreitet eine kräftige Jünglingsgestalt, der siegende Friede, er trägt das Reichsschwert, auf welchem die Friedenspalme ruht- den Ruhm verkörpert eine ideale jugendliche Frauengestalt mit wallenden Gewändern, ihre Rechte hält den Zügel und ihre Linke erfaßt die hocherhobene Tuba, durch welche ihr Mund den Ruhm verkündet. Die einzelnen Figuren dieses Entwurfs, für welchen Baurath Wallot die Idee gegeben, sind 4 m hoch, während die Höhe der reitenden Germania m beträgt. * Leipzig, 13. October. Der als Redner in socialdemo- kratifchen Versammlungen bekannte und von der hiesigen Universität relegirte Student Walter May hat seiner Militärpflicht noch nicht genügt. May gedachte beim Regiment Nr. 107 als Einjährig-Freiwilliger einzutreten und ist auch beim Regiment angenommen, aber nicht eingestellt worden - es erfolgte vielmehr die Rückgabe des Anmeldescheins. * Halberstadt, 12. October. Heute wurde hier der Hundertjährige Geburtstag des Lützower Jägers Zacharias Werny feierlich begangen. Ein Hochamt in der St. Andreaskirche, an welchem die militärischen, sowie die städtischen Behörden Theil nahmen, leitete den Festtag ein. Hierauf folgte die officielle Beglückwünschung des Jubilars durch den Oberbürgermeister Bödcher Namens der Stadt sowie der militärischen Vereine. Bei dem daraus folgenden Frühstück brachte der Jubilar das Hoch auf den Kaiser aus und trank aus dem silbernen Pokal des Domschatzes das Wohl Sr. Majestät. Im Anschlüsse an das Wohl wurde die Volkshymne gesungen. Der Oberbürgermeister brachte hierauf das Hoch auf den Jubilar aus, dem er das Allgemeine Ehrenzeichen überreichte. Das Offiziercorps des Regiments Lützow überreichte dem Jubilar einen silbernen Humpen, die Unteroffiziere des Regiments eine Wanduhr, der deutsche Kriegerbund einen Sessel. Zahlreiche Glückwunsch- Telegramme sind eingegangen. Am Abend veranstaltet der Kriegerverein eine Feier, an welcher der Jubilar theil- nehmen wird. * Wien, 13. October. Ein Bild des Elends entwirft die „N. Fr. Pr.", indem sie schreibt: Wer heute Morgen die Elisabethbrücke passirte, konnte Zeuge eines Vorfalles werden, welcher in greller Weife zeigte, wie dicht in der Großstadt Reichthum und Eleganz neben Elend und Verkommenheit wohnen. Es war heute nach 6 Uhr, als einige Personen bemerkten, daß drei in Lumpen gekleidete Knaben aus einem der Canäle, welche bei der Elisabethbrücke in den Wienfluß münden, krochen. Als ein Wachmann die Böschung hinabeilte, liefen die Bursche eiligst davon und es gelang erst nach geraumer Zeit, ihrer habhaft zu werden. Es stellte sich heraus, daß keiner der Bursche das zwölfte Lebensjahr erreicht hat- nach ihrer Angabe haben sie schon seit längerer Zeit ihr Quartier in dem Canal aufgeschlagen. Sie wurden zur Polizei gebracht, welche nun ihre Angehörigen zu eruiren sucht. * Einige Zahlen zu dem Begriffe „Geschwindigkeit". In einer Secunde legt zurück: der electrische Strom . . . circa 60,000 Meilen, das Licht im Welträume . . n 40,000 H eine 12pfündige Kanonenkugel H 750 Meter, eine Büchfenkugel .... // 400 II der Schall in der Luft . . // 333 n eine Brieftaube..... 11 37 // ein heftiger Sturm . . . u 35 1/ ein Adler....... n 30 n ein Schnellzug..... // 18 ti ein guter Schlittschuhläufer n 13 11 die schnellsten Oceandampfer . u 10 H ein Wettläufer..... ff 6-/« II ein galoppirendes Pferd . . H 4V, n ein trabendes Pfilv . . . ff 3‘/> n ein Segelschiff..... ii 3'/- H der gewöhnliche Wind . . . ff 3x/2 n der Fußgänger b. gew. Schritt n l‘/3 n die Schnecke...... ff 1V2 Mm. * — Verdeutschung der Studentensprache. Ein eigenartiges Preisausschreiben erlassen die Burschenschaftlichen Blätter: Es sollen 100 Fremdwörter aus der studentischen Verbindungs- und Umgangssprache durch passende deutsche Worte ersetzt werde». Die Wahl jener 100 Worte wird dem Bearbeiter überlassen, doch sollen selbstverständlich die am nächsten liegenden und geläufigsten in Betracht kommen. Bewerber an dem Preisausschreiben können Studirende oder alte Herren der Burschenschaften fein. Der Preis beträgt 100 Mk. Einlieferungstermin ist der 1. Februar 1892. tlniverfitäts»Nachrichten. scbweine verkauft, jedoch zu gedrückten Preisen. Massenhaft war der Markt mit Herbstferkeln befahren, so daß das Stück mit 2—3 JL verkauft wurde. Limdrrrg, 14. October. Fruchtmarkt. Rother Weizen JC. 2L10, weißer Weizen JL 20.—, Korn JL 18 40, Gerste •* 10.60, Hafer, Jü 6.50, Erbsen —.—, Kartoffeln —. — Soll der Garten im Herbst oder Arühling «m-e- graben werdend Meistens wird mit dem Umgraben der Gärten bis zum Frühling gewartet und zwar nicht etwa, weil man im Herbst nicht die Zeit finden kann, sondern weil noch vielfach die Ansicht verbreitet ist, daß eine Bearbeitung kurz vor der Bestellung von größerem Nutzen sei. Es macht aber der Garten in dieser Beziehung keine Ausnahme vom Ackerlande. Wie es hier wünschrnswerth, wenn auch nicht immer durchführbar ist, daß die Bodenbearbeitung möglichst im Herbst besorgt wird, so auch im Garten und zwar im Garten noch ganz besonders, weil hier viele seine Sämereien ausgestreut werden sollen, die einen guten Schluß (Capillarilät) bis an die Oberfläche des Bodens verlangen, wenn man ihnen ein günstiges Keimbett darbieten will. Gräbt man die Gärten im Herbst um, so kann der Winter feine günstigen Einflüsse in ganz anderer Weise zur Geltung bringen als bei der Unterlassung der Herbstbearbeitung. Die im Boden vorhandenen Pflanzennährstoffe werden aufgeschlossen, viele thierische und pflanzliche Schädlinge und ihre Keime werden vernichtet. Auch wo im Frühling eine nochmalige Bearbeitung des Bodens nothwendig wird, empfiehlt sich ein Umgraben im Herbst. Letzteres ist der Fall, wo der Boden vor der Bestellung stark verunkrautet ist, namentlich auf denjenigen Parcellen, die erst später bestellt werden. Mit der Bearbeitung des Gartens im Herbst empfiehlt sich zugleich die Unterbringung des Düngers zu verbinden, ganz besonders dann, wenn einem kein schon auf dem Düngerhaufen verrotteter Mist zur Verfügung steht. Citeratur unt> Ketnft. — »Deutscher Soldatenhort*, illustrirte Zeitschrift für das deutsche Heer. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Siegismund, Berlin W., Mauerstraße 68. Heft 1 erschien soeben und enthält: Kein Gott im Hause. Volksthümliche Original-Erzählung von E. von Wald-Zedtwitz. — Porträt: Ludwig IV., Groß- Herzog von Hessen und bei Rhein, König!. Hoheit. Mit Text von Heinrich Hacke. — „A Schlückerl Moasterwurz". Original-Erzählung aus dem Leben unseres Moltke. Von Josef Maertl. — Bild: Unser junges Volk in Waffen. Nach dem Gemälde von Petronella Peters. Mit Text. — Der Schillebold als Lebensretter. Original-Humoreske von Richard Schott. — Ein Militärschriftsteller vor 325 Jahren. Von Baron von Eschenbach. Mit Bildern. — Vollbild: Vorbei. Nach dem Gemälde von Theodor Rocholl. Mit Text. — Aus der Zeit der Befreiungskriege. Original-AbhandlungvonFedorvonKöppen. — Die österreichische Armee, ihre Einrichtungen und ihr Dienst. Von Wolf von Metzsch-Schilbach. 1. Die Kaisermanöver in Oesterreich. — Plaudereien über das Pferd. Von Wolf von Metzsch- Schllback. 1. Die englische Vollblut-Zucht. Mit Bild: Englische Vollblutstute. — Wie uniere Geschütze entstanden. Original-Studie von Scheibert, Major z. D. Mit Zeichnungen ebenfalls vom Herrn Verfasser. — Specia und fein Kriegshafen. Reisefcizze von Tanera, Hauptmann z. D. — Nothbrod. Zeitgemäße Betrachtung von E. Taunide. — Die Ameise als Soldat. Original-Studie aus der Thierwelt von W. Siehe. — Zwei Anecdoten. Von v. Below, General-Lieutenant z. D. — Des deutschen Soldaten Hort. Gedicht von B. Emil König. - „Hurrah mobil!" Von Heinrich Hacke. Mit Originalzeichnung von E.Sellmer. — Heldenthaten. — Plauderecke. — Vaterländische Gedenktage. — Humoristisches. — Kameradschaftliches Plauderstündchen. — Preis-Stlbenräthsel. — »Neueste Erfindungen und Erfahrungen* auf den Gebieten der practischen Technik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschast rc. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Vfg. in Briefmarken. Von dieser gediegenen gewerblich-technischen Zeitschrift erschien soeben das elfte Heft ihres XVIII. Jahrganges, das wie gewöhnlich einen Reichthum an nützlichen und wichtigen Belehrungen jeder Art für Gewerbetreibende und Techniker enthält. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Laubhüttenfest, den 17. und 18. October: Freitag Abend 4^ Uhr, Samstag Vormittag 83) Uhr, Samstag Nachmittag 330 Uhr, Samstag Abend 540 Uhr, Sonntag Vormittag 880 Uhr, Sonntag Nachmittag 330 Uhr, Sonntag Abend 540 Uhr. — Der Schriftsteller Otto Denk, z. Z im Cassianeum in Donauwörth, hat eine Berufung als Professor der neueren Sprachen nach Barcelona erhalten. — Der älteste Lehrer der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Professor Dr. C. L. Mtchelet, wird am 4. December neunzig Jahre alt, und dieser Tag soll von den Freunden und Verehrern des verdienten Gelehrten festlich begangen werden. Mtchelet gehört als Docent der Philosophie der Berliner Hochschule seit dem Jahre 1827 an. Verkehr, Land- nnd VolksrvrL^^Schaft. Gedern, 13. October. Der letzte diesjährige Viehmarkt war mittelmäßig befahren. Aufgetrieben waren ca. 50 Stück Rindvieh und circa 60 Stück Schweine. Der Handel mit Rindvieh, meistens Kleinvieh, ging schwach und zu mittelmäßigen Preisen, was wohl seine Ursache darin haben mag, daß sich der Landwtrth schon im Sommer mit seinem Viehbestand auf den bevorstehenden Winter eingerichtet hat. An Schweinen wurden fette und größere Zucht- Doerings Seife mit der Eule, die beste Seife der Weit muss man kaufen, wenn man infectiöse Entzündungen, die durch gerissene Haut, aufgesprungene Hände entstehen können, vermeiden will. Doerings Seife ist so Ä“8 die zarteste Haut nicht angreift Ihrer Billigkeit wegen geeignet wie keine andere für Jedermann, selbst für die arbeitende und dienende Klasse. Preis 40 Pfg. Zu haben in Giessen bei Gebr. Adami, C. F. Conrad, Drebes & Wallenfels, Eberhard Dort, Fritz Egly, E. Fischbach, A. Geisse, 6. Gerhardt, L. Kalkhof, Gg. Kinkel, L. Loth, Eberh. Metzger, P. J. Mobs, C. Möser, H. F. Nassauer, A. Noll II., Carl Petri, Marktplatz, Otto Schaaf, J. M. Schulhof, Frau R. F. Thomas, A. Voigt, Heinrich Wallach. — Engros-Verkauf: Benner &, Krumm, Giessen. 7485 SMM direkt aus der Fabrik also auS erster Hand von 57 von Elten & Keussen, Crefeld, « in jedem Maaß zu beziehen. Man verlange — Muster mit Angabe des Gewünschten. Montag den 19. Oktober, Abends 7 Uhr beginnt der Unterricht in der hiesigen Fortbildungsschule. Nach Art. 23 des Volksschulgesetzes sind zum Besuche derselben alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen worden sind und sich hier aushalten. An oben genanntem Abend haben sich einzufinden i a) die im Jahre 1889 aus der Schule Entlassenen im Schulhause aus Oswaldsberg, b) die im Jahre 1890 aus der Schule Entlassenen im Schulhause in der Neustadt und , _ „ rr _ . c' bie im Jahre 1891 aus der Schule Entlassenen im Schulhaufe in der Schulstraße. Etwaige Gesuche um Dispensation vom Unterrichte find rechtzeitig bei Großherzoglicher Kreis-Schulcommission einzureichen. Nach Art. 25 genannten Gesetzes haben Lehrherren, Dienstherrschaft ten und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zeit einzuräumen. Zuwiderhandlungen werden mit einer Polizeistrafe von 2 bis 20 Mark geahndet. Für die Schüler, die. am Abend nicht abkommen können, wird Tagesunterricht und zwar von 3 bis 5 Uhr Nachmittags eingerichtet. Gießen, 14. October 1891. Für den Schulvorstand Gießen: Gnauth, Fuhr, Hahn, 9159 Oberbürgermeister. Oberlehrer. Bekanntmachung. Die Stelle eines Feldschützen, j mit welcher ein Anfangsgebalt von ' 900 JL, steigend bis zu 1100 JL, sowie Pensionsberechtigung und Witt-: wenversorgung nach Maßgabe der Satzungen über die Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten der Stadt Gießen verbunden ist, soll neu besetzt werden. Bewerber haben ihre Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen über ihre Befähigung, seitherige Beschäftigung, Führung und Gesundheit bis spätestens 25. ds. Mts. dahier einzureichen. Gießen, am 15. October 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth. 9176 8820] Ein Badeofen, eventuell mit Wanne und Reservoir, zu verkaufen- __Dammstraße 35. Stalldünger | verkauft Chr. Jungblut,Promenadehaus Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Friedhof in der Zeit vom 16. October 1891 bis 15. März 1892 von Morgens 8 bis Abends 5 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, den 15. October 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ____________________Gnauth._____________________9194 « Robert Stuhl empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Herbst- und Winterartikeln in nur guten Qualitäten zu billigsten Preisen und zwar: Jagdwesten, gestr. und geh)., Mannsjacken, baumwollene, halbwoll. und woll. Unterhosen, Hautjacken und Hemden für Frauen und Männer, Leibhöschen für Kinder, Strümpfe, Socken, Handschuhe, Filz- und Litzenschuhe, baumwollbieber Betttücher in bunt und weiß, Hemdeuflanelle und woll. Strickgarne (IW- & W.j ' 9185 gewöhnlichem Preis J. Klipstein [8314] mein Gnauth. 9182 A Unsere Neuheiten I für die Herbst-Saison 10 Uhr. PH. Schick __ Ludwigstraße 4, 3 Treppen^ sind in grosser Auswahl eingetroffen. Louis Treff & Cie Tnchhandlnn^. 8332 Fixum u. Provif. gesucht. [1321 der Wäsche empfiehlt Emil Fischbach 9180 Wälltharstraße. Sofort gesucht 9178] tülht. Fnhrknccht L. Kalkhof 9179 3Vi6/o do. Gießen, den 15. October 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 90.10 89 20 78.80 36.80 Steinhauerarbeit Gußeisenlief^rung Pflasterarbeit DiSconto-Commomd Darmstädter Bank,Act. Dresdener Bank-Art- Stordd. Lloyd-Act Wiener Bankver.rALt- Oest. Credtt-Act. Oest. Staatsb.-AcL waarev. 9158 Arbeitsversteigerung. Montag den 19. l. Mts., Norm. 9 Uhr, sollen im alten Rathhause versteigert werden: Engel, Gerichtsvollzieher. in Eispackung. Emil Orbig 84.05 4% Ung. Gold-Rente 98.00 b% Jtal. Rente 84 05 4Wo Oest- Silber-Rente 98.00 3°/o Portugies. Anl. AnthracitKohlkn empfiehlt Carl Hensel™ Birnen Fallobst!^"' f°We 91811 Gettersweg 56. Neues Theater, Giessen Freitag den 16. October 1891: 9164 Citronen. Original-Lustspiel in 4 Acten von Julius Rosen. Kassenöfihung 7Uhr. Anfang 8 Uhr NedkMon? L, — Lcuü und Vertag der Brühl'schm Druüerc, (Fr. Cbr. Pietsch) in Gießen, Dte heutige Rümmer umfaßt 6 Seite« STAEStKE Unübertroffenes Fabrikat zum Stärken ss. mannirte Härmgr, ff. ruff. Sardinen, ff. Rollmöpse in bekannten Qualitäten empfiehlt Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir die traurige Mittheilung, daß unser innigstgeliebtes Töchterchen und Schwesterchen Käthchen Schmalz nach schmerzvoller Krankheit gestern Abend sanft entschlafen ist. Gießen, den 15. October 1891. 9172 I. Schmalz und Frau. Butterversteigerung. Freitag den 16. Oetober, Vormittags 11 Uhr, wird auf dem Güterboden der Main-Weser-Bahn 1 Korb Butter (79 Kgr.) öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 15. October 1891. Güter-AbfertigungMain-Weser-Bahn. I. V.: Räuber. 9186 Zu verkaufen eine trächtige Kuh, Äcker Dickwurz, Kaute Kuhmist, Kornstroh, Heu. Wo? sagt die Exped. d. Bl. [9188 7200] Gut erhalt, schwarzer Rock und $8die billig zu verkaufen Näheres Lindenplatz 7. Institut zur gefl. Benutzung, prompteste und sorgsamste Ausführung zusichernd. Giessen, im October 1891. 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" 9173] Möblirtes Zimmer zuvermiethen- __Frankiurterstraße 64. 9175] Ein möblirtes Zimmer mit Ca- binet zu oermietben. Frankfurterstraße 41. 174.40 Lomb. E.eB.eAct. 93.00 13050 Buschtberader E.-B.-Äet- 408 50 136 20 Eldtbal-Bahn-AcL 190 50 113-Od Gotthard-Bahn-Aet. 130 50 93 50 Schweizer Nordoft-B.-Act. 120 10 244 12 Mainzer E.-B.-Act. 110 90 243.00 Marienburger E.-B.-Aft 54 50 101-90] Der. Königd'Laurah^Nct 114.C0 152.501 Tendenz: fest. (Siebener Anzeiger J bei Rest Freitag dm 16. October erläge,;u Rr° 241. - 1891 «EIS mgs Feuilleton Blanc wurde die Situation ungemüthlich. einzuschlagen. Ich muß Sie dringend bitten, das Zimmer zu verlassen, n sagte er, // II ***-*■ unter n. tt ,4eenU MM* #• — „Thun der Diener „sonst zwingen Sie mich, den Diener zu rufen. „Besten Dank, mein werther Herr mir den kleinen Scherz nicht weiter er verschwunden und Blanc hat ihn verbeugte sich höflich: Blanc, und tragen Sie nach!" — Damit war nie wiedergesehen. Beziehungen hingewiesen. Dieselbe ist ja auch ganz erklärlich ; jeder der beiden Freunde braucht den anderen für seine politischen Zukunftspläne, Rußland baut auf Frankreich zur Erreichung der bekannten Ziele der russischen Orientpolitik und Frankreich braucht die russische Unterstützung zur Durchführung des großen Rachekrieges gegen Deutschland, der nur aufgeschoben, aber sicherlich nicht aufgehoben ist. Wer es hierbei von den beiden Freunden am ehrlichsten mit dem andern meint, das ist freilich eine Frage für sich, wahrscheinlich wird jeder von ihnen von dem Hintergedanken geleitet, daß gegebenen Falles der andere für ihn die Kastamen aus dem Feuer holen solle. Äft- Anders in Rußland, wo überhaupt alle Kundgebungen für den neuen Freund von Anfang an noch lange nicht von solcher Wärme durchweht waren, wie dies von den russenfreundlichen Demonstrationen der Franzosen gelten darf. Ist es doch für die Stimmung wenigstens in den maßgebenden russischen Kreisen ungemein characteristisch, daß das Singen und Spielen der Marseillaise, nachdem das französische Revolutionslied kaum erst zur Bekräftigung der jungen Freundschaft zwischen dem Czarenceiche und der französischen Republik an der Reva und an der Moskawa erklungen war, schon längst wieder verboten worden ist! Allerdings darf aus solchen und anderen Anzeichen keineswegs geschlossen werden, daß man in Rußland die französische Freundschaft bereits unangenehm empfände, aber man betrachtet dort das stillschweigende Bündniß zwischen beiden Ländern mit weit nüchternen Gefühlen, als dies an der Seine geschieht. Man sucht aus demselben für sich allerhand practische Vortheile herauszuschlagen, man sichert sich die Unterstützung Frankreichs in dieser oder jener für Rußland Interesse besitzenden politischen Frage und nimmt auch die Finanzkraft des französischen Freundes für den eigenen Geldbeutel vergnügt in Anspruch, während russischerseits dem Partner als Gegenleistung zunächst nichts als allerhand schöne Worte geboten werden. Ja, in einem Theile der russischen Presse sind in letzter Zeit wiederholt Aeußerungen über Frankreich und die Franzosen laut geworden, welche eher von allem Anderen als von herzlicher Zuneigung und warmer Sympathie der russischen Gesellschaftskreise für Frankreich zeugen. Erft dieser Tage wieder hat im „Grashdanin", einem der einflußreichsten unabhängigsten Preßorgane Rußlands, ein russischer Offizier einen Brief über Frankreich und die Franzosen veröffentlicht, der nichts weniger als eine besondere Werthschätzung der neuen Verbündeten der Russen bekundete. Der Verfasser ist nur wenige Wochen in Paris gewesen, wie er schreibt, aber er erklärt, daß er in dieser kurzen Zeit überall auf deutliche Spuren der Entartung der französischen Nation gestoßen sei und begründet dann diese Behauptung durch characteriftische Belege. Speciell unterzieht der Briefschreiber die französischen Soldaten einer überaus scharfen, absprechenden Kritik. Er findet ihr Aussehen verloddert, ihre Constitution schwächlich und bezeichnet im Weiteren die physische Ausbildung des Soldaten geradezu als einen der schwächsten Punkte der französischen militärischen Erziehung. Diese und ähnliche herbe Urtheile über die Franzosen finden sich durchaus nicht vereinzelt tn der russischen Presse und sie zeigen klar, daß die Russen keineswegs so sehr entzückt von ihren künftigen Bundesgenossen sind, als man aus den Vorgängen bei dem französischen Flottenbesuche in Kronstadt schließen sollte. Dennoch werden alle solche eigen- thümlichen Liebenswürdigkeiten nichts an den durch die Tage von Kronstadt thatsächlich geschaffenen Verhältnissen, an der intimen Annäherung zwischen Frankreich und Rußland ändern und erst jüngst wieder hat der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, Ribot, in einer zu Arras gehaltenen Banket- rede ostentativ auf diese Intimität der russisch-französischen Winter hat die anhaltende Kälte dasselbe etwas reger gestaltet. Die Ringe, welche zeitweise von den großen Spinnereien gebildet werden, um die Preise der Garne :c. auf geschraubter Höhe zu erhalten, wirken sehr nachtheilig auf das Zwischengeschäft. — Mühlenfabrikate. Das Geschäft war sehr lebhaft und würde auch lohnend gewesen sein, wenn nicht durch Ueberproduction die Preise für Mehl so sehr gesunken wären. Vom Raucher dem Freunde empfohlen, wird HollLnd. Tabak 10 Pfb. fco. 8 Mk. täglich bei B. Becker in Seesen a. Harz nachbestellt. (Notariell erwiesen). 719$' — Die „alte Rike", jenes historische Pferd der ersten Garde-Dragoner, das letzte von allen, welche die große Attaque bei Mars la Tour im Kriege gegen Frankreich mitgemacht hatten, war seinerzeit von dem Offiziercorps des Regiments angekauft und dem Major a. D. von Nohr- Levetzow auf Groß-Wudicke zum Geschenk gemacht. Länger als zwei Jahre fraß „Rike" das Gnadenbrod im Stalle ihres früheren Escadronschess. In den letzten Monaten aber verlor die Stute die Freßlust, sie magerte ab und endlich konnte sie sich, obwohl sie von acht Männern gestützt wurde, nicht mehr von ihrer Streu erheben. So machte denn Univevfitäts - Nachrichten. — Professor Zahn, Lehrer für neutestamentliche Theologie in Leipzig, wird im April 1892 der an ihn ergangenen Berufung nach Erlangen folgen. — Aus Münster wird berichtet: Der durch die Berufung des Professors Meyer erledigte Lehrstuhl für pharmaceutische Chemie an der hiesigen Akademie ist Herrn Dr. Kaßner aus Breslau übertragen. Buxkin, reine Wolle, nadelt ertig, ea. 140 cm breit ä Mk. 1.9k» Psg. per Meter versenden direct jedes beliebige Quantum Buxkin-Fabrik-D6pöt Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Muster-Auswahl umgehend franco.7125 tüts-Kliniken. Auchm alsbald Stellen halt. kmirthsm Eeybicke, a o. „Sie wollen also wirklich nicht?" fragte der Graf. — „Nein!" — „Gut!" — Und ohne ein weiteres Wort stand der Franzose auf, nahm eiuen Hammer und einen großen Nagel aus der Tasche und begann letzteren in die Wand Sie es nur," war die gelassene Antwort. „Ehe aber die Thür gesprengt hat, sind Sie ein todter eine gut gezielte Kugel aus dem Kriegsrevolver ihres Herrn dem Leben des Thieres ein Ende. * Von einem Prozeß um einen Kubikmeter Schweine- fleisch wird aus Hameln berichtet: Der vor einiger Zeit beim hiesigen Amtsgericht anhängig gewesene Prozeß wegen Lieferung eines Kubikmeters Schweinefleisch zum Kaufpreise von 100 Mk. ist letztinstanzlich dahin entschieden, daß Kläger unter Verurteilung in die Kosten mit der Klage abzuweisen ist. Das Berufungsgericht hat die Ueberzeugung gewonnen, daß der Beklagte nicht die Absicht gehabt Hai, ein ernstliches Geschäft abzuschließen, und hat es als Unding bezeichnet, daß ein solider Geschäftsmann, wie der Beklagte, eine Quantität Schweinefleisch nach dem Raummaße in wirklich ernstlicher Absicht habe verkaufen wollen. Daraus, daß die Parteien sich Den Handschlag gegeben, könne noch nicht gefolgert werden, daß die ernstliche Absicht, einen Vertrag zu schloßen, vorgelegen habe, da im Scherz häufig die äußeren Formen, welche bei ernstem Handeln üblich, nachgeahmt würden. Es ist ferner vom Berufsgericht angenommen, daß Kläger nicht gewußt, welches Gewicht ein Kubikmeter Schweinefleisch habe. Habe er es aber gewußt, daß ein Kubikmeter Schweinefleisch einen Werth von etwa 800 Mk. darstelle, so habe er die Unkenntniß des Beklagten in verwerflicher Weise ausbeuten wollen und es stehe seiner Klage der Einwand arglistischen Handelns gegenüber. * Vor einem französischen Gerichtshof steht ein des Diebstahls Beschuldigter. Der Richter beginnt das Verhör und fragt den Angeklagten nach seinem Namen. Dieser zuckt die Achseln- und antwortet auf englisch: „Ich verstehe kein Sterbenswörtchen französisch." — Da erhebt sich der Richter und fährt voll patriotischen Zornes den doppelten Sünder an: „Wie dürfen Sie es wagen, in einem Lande zu stehlen, dessen Sprache Sie nicht einmal können?" 54 5° 90.1° 892° 16.80 36.80 13050 Zur russisch-französischen Freundschaft. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die seit Kronstadt in 1 die Erscheinung getretene russisch-französische Freundschaft in | den beiden beteiligten Ländern in verschiedener Beleuchtung betrachtet wird. Jenseits der Vogesen herrscht noch heute ’ die pure Russenbegeisterung vor, das „Vive la Russie!“ erschallt in allen Schichten der Bevölkerung und die russische Nationalhymne darf bei keiner festlichen Gelegenheit fehlen. | FAEBKE sFabTikatzumSt&rken mpfiehlt l1321 ■ Fischbach. . 1891' irach-tm An.«, im ie Pflrge eines Hundes lt- Monatliches Wt ge Behandlung mr- im Morgens von 8 bis PH. Schi«, e_4, BJXreopen^ Locales unfc provinzielles. Gießen, 15. October. — Der Bericht Gr. Handelskammer zu Gießen für 1889/90 i äußert sich u. A. über nachverzeichnete Geschästsbranchen wie | folgt: Colonialwaaren. Das Geschäft in Caffee war k auch in verflossener Berichtsperiode ein wenig lohnendes zu ' nennen, was hauptsächlich den hohen und dabei immer . schwankenden Preisen zuzuschreiben ist. Durch diese Unsicher- ■. heit der Preise fühlten sich die Vermittler des Consums ver- i anlaßt nur für den nächsten Bedarf zu kaufen, da der geringe i Nutzen, bedingt durch die bestehenden niedrigen Detailpreise, ! in keinem Verhältniß zu dem dazu erforderlichen größeren Betriebscapital steht. — Corse^fabrikation. Man be- । richtet uns, daß nach wie vor diese Branche unter den Folgen ! der Ueberproduction leide- besonders, nachdem verschiedene l Großbetriebe, welche früher hauptsächlich für den Export ge- ! arbeitet, nach dessen Erschwerung durch ausländische Zölle : aus den inländischen Markt gewiesen waren. Dazu komme j die häufige Klage Seitens der Detailgeschäfte über den in - neuerer Zeit verminderten Absatz dieses Artikels. Nicht mit \ Unrecht suche man den Grund der allgemeinen Geschästsstille j in der durch allzu hohe Preise der Lebensmittel, Kohlen rc. \ zurückgegangenen Kaufkraft des größeren Theils unserer ' Bevölkerung. — Fellhandel. Das Fellgeschäft trug während dem Betriebsjahr wesentlich denselben Charaeter wie in den Vorjahren, mit dem einzigen Unterschiede, daß sich gegen Ende der Berichtsperiode eine bessere Entwickelung j des seit Jahren t >■( darniederliegenden Handels in Kalb- l fetten anzubahnen .chte. Der Handel in großen Häuten, \ welcher noch für die meisten Fettgeschäfte als zur Beurtheilung \ ihrer Prosperität maßgebend zu erachten ist, verschlechterte i sich von Tag zu Tag. Die Preise mußten den billigeren ’ der nordamerikanischen Wildhäute weichen, welch letztere ; allerdings durch ihre geringere Qualität ihren niedrigen Preis \ wieder begleichen, somit also einen vollkommen unberechtigten \ Druck auf die Preisentwickelung der inländischen Häute aus- ; üben. Lähmend aus den die Frühjahrsaison ausfüllenden Handel in Zickeln wirkte wesentlich der neue amerikanische ' Zolltarif. — Gerberei. Der Geschäftsgang war ein S schlechter, weil durch die Ueberproduction der Schnellgerberei ! die Preise der reell und gut gegerbten Leder gedrückt sind, 1 die rohen Häute auch zu hoch im Verhältniß zu dem. fertigen Leder stehen. — Manufacturwaaren. Das Detail- Geschäft war nicht befriedigend. Nach den letzten Reichstagswahlen sind in fast allen Orten der Umgegend sog. antisemitische Consum-Vereine gegründet worden, welche die Geschäfte mit Landkundschaft sehr schädigen, während diejenigen mit Stadtkundschaft durch die Detail-Reisenden aus den näher gelegenen größeren Städten zu leiden haben. Im Engros-Geschäft war es zur Sommersaison auch nicht lebhaft, im Herbst und Citeratur unt> Urinst. — Meine Erinnerungen an Aelix Mendelösohn-Bar- tholdy und seine Briefe an mich. Von Eduard Devrient. Dritte Auflage. Mit der Porträt-BÜste Mendelssohns tn Stahlstich und einem Facsimile. Preis 4 50 Mk., in Halbfranzband 6 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Wir ergreifen die Gelegenheit, die sich uns durch das Erscheinen der dritten Auflage dieser „Erinnerungen" bietet, um die jüngere musikalische Lesewelt, die das Buch vielleicht noch gar nicht zu Gesicht bekommen hat, mit aller Kraft darauf hinzuweisen. Das nachgeborene Geschlecht lernt da nicht nur zwei bekannte Namen aus der Mitte unseres Jahrhunderts nebst so vielen mit ihnen zusammenhängenden intereffanten Personen und Thatsachen kennen, spndern die zwei Persönlichkeiten: der Autor und der Gegenstand dieser Schrift bieten ihm zugleich das Bild eines Freundfchaftsbundes zwischen zwei Künstlern, der auf eine außerordentliche Herzens- und Getstestiese gegründet war und unerschüttert mit gleicher Wärme von Mendelssohns 13. Lebensjahr bis zu seinem Tode fortdauerte. Dadurch, daß Mendelssohns Briefe an Devrient mit eingeflochten sind, erhalten beide Freunde abwechselnd das Wort und man bekommt auf einem verhältntßmäßig eng begrenzten Raume genaue Einsicht in eine schöne Periode unserer deutschen Musik, worin der Name Mendelssohn obenan stand. Neben der hohen Bedeutung, welche die größeren und kleineren Composttionen des Meisters, seine Oratorien, seine Antigone und sein Oedipus, seine Sommernachtstraummusik, seine Lieder ohne Worte und so vieles Andere erlangten, sieht man aus dem Buche besonders deutlich jene weitgreifende Wirkung sich entwickeln, welche Mendelssohn durch das mit jugendlicher Begeisterung unternommene Hervorziehen der so lange vergessenen Matthauspassion von Seb. Bach ausüble. Das tonangebende musikalische Leben in Leipzig, die Hindernisse, die sich in dem damaligen Berlin der musikalischen Entwickelung entgegenstellten und vor denen sich Mendelssohn immer wieder mtßmuthtg zurückzog, dagegen die freundlichen Begehungen zu den Rheinstadten, die enthusiastische Aufnahme Mendelssohns und seiner Thättgkeit in England bilden neben dem schönen Freundes- und Familienkreise, in die man ein; geweiht wird, ein ungemein wohlthätiges und ergreifendes Ganzes, woraus wir oft genug wahrnehmen, was unserer musikalischen Gegenwart fehlt, aber noch häufiger, was wir von jener Zeit gewonnm und bewahrt haben. — Der Vetter vom Rhein, Kalender für das Jahr 1892, herausgegeben von Ehr. Schömperlen in Lahr, hat sich wieder eingestellt Ritt seinem vortrefflichen Inhalt an Ernstem und Luftigem, seinen Rathschlägen für Haus und Familie tritt er ein in die Stuben bei Hoch und Nieder. Ein schönes Bild führt uns die Burg Hohen- zollern und ein anderes Beuron im Donauthal vor Augen. Der Kalender fei daher bestens empfohlen, umsomehr, als der Preis für das Viele, was er bringt, sehr billig ist. Manu, das schwöre ich Ihnen!" — „So sagen Sie mir wenigstens, was Sie mit dem Einschlagen des Nagels bezwecken." — „Sic daran aufzuhängen, wenn ich nicht binnen zehn Minuten das verlangte Geld in Händen habe!" entgegnete der Franzose mit größter Kaltblütigkeit. Er sah dabei so drohend und entschlossen aus, daß der bestürzte Blanc es für gerathen hielt, gute Miene zum bösen Spiele zu machen. Hastig an den Schreibtisch eilend, entnahm er demselben ein Packet Banknoten, die er dem Grafen einhändigte. „Nun aber gehen Sie!" drängte er dann mit einem ängstlichen Seitenblick auf den Nagel. Der Franzose Muügev- LZMLL WS 601111* rr, 2il ose llirtta! bei den Herren Da- ltmMW, Linden» .Gerhardt, Linden- n E. Dort, Wall, fatatm Leo, Selters« W. Fritsch, West- eur Plank, Kaplans- tz,Neuenbäue7.P882 Ein kritischer Augenblick. Aus dem Leben Louis Blancs, des bekannten Spielpächters, erzählt man nachstehende Begebenheit: Kurz nachdem Blanc in Homburg die grünen Tische ausgestellt hatte, tauchte dort ein französischer Gras auf, der nicht nur durch seine herkulische Gestalt, sondern auch durch sein leidenschaftliches Spielen Aufsehen erregte. Tag für Tag saß er bis in die späte Nacht am Roulette- anfangs gewann er große Summen, dann aber verließ ihn das Glück. Er verlor alles, und da er die am Orte gemachten Schulden nicht bezahlen konnte, so beschloß er, Homburg zu verlassen und in Monaco weiter zu spielen. Dazu jedoch brauchte er Geld und das sollte Blanc selbst ihm schaffen. Er ging eines Morgens sehr früh in dessen Wohnung und verlangte ihn zu sprechen, wurde aber von dem Diener mit dem Bemerken abgewiesen, sein Herr empfange Niemand vor zehn Uhr. Die Versicherung des Grafen, es handle sich um eine wichtige Mittheilung und der Empfang eines hohen Trinkgeldes machten den Alten schließlich doch willfährig und er ließ den Franzosen in das Schlafzimmer seines Herrn ein. Blanc schlief noch, er erwachte jedoch durch das Geräusch und starrte verwundert auf den frühen Besuch, der ruhig die Thüre abschloß, den Schlüssel zu sich steckte und sich neben dem Bette aus einen Sessel niederließ. Etwas verblüfft über dieses sonderbare Benehmen fragte der Spielpächter nach seinem Begehr. „Mein werther Herr Blanc," antwortete der Graf, „Sie sehen mich in großer Verlegenheit. Ich brauche sofort zehntausend Francs und hoffe sie von Ihnen zu erhalten." — Blanc weigerte sich entschieden, diesem Ansinnen zu entsprechen, da er keine Lust hatte, sein Geld an den verschuldeten Cavalier zu verlieren. t nun fräsen jfp empfehle iracM. 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