1891 Mittwoch den 15. Juli Rr. 161. täglich, g* DiAnahm« d«S MoMgtzs. Wt WeffBtr gjMte km Avzeigtt ÄSchmttlich bi«imo( Itlfdefl Gießener Anzeiger Kenerat-Unzeiger. 2 SR« rt 20 Pst. MB Bringerloyv. Durch die Post bez«G» 2 Mark 60 PsO, Rebaction, LxpedW«> und Druckerei: A-rujprecher U. Amts» unb Anzeigeblatt fflt? den Avei» Gieren. ! Hratisöeir-«-- KichE IamikirnKkLtter. j Anitlichev Theil. Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Herbst 1891. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1891 stattsind end en rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von Lieser Prüfung spätestens bis zum L August 1891 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Z. Das Gesuch mutz von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein- c. ein Unbescholteuheitszeugnitz, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist- d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. /6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Ausschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüsung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- aus specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 4. Juli 1891. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Bekanntmachung. Mittwoch den 22. Juli 1891, Bormittags 10 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller zu Gießen eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirks- Vereins Gießen abgehalten werden. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. Nach Schluß der Versammlung wird ent gemeinschaftliches Mittagsessen um l1/* Nachmittags stattfinden und ist der Preis eines Couverts auf JL 1.20 festgesetzt. Tagesordnung: 1) Vorlage und Prüfung der Rechnung des landwrrth- schaftlichen Bezirksvereins pro 1890/91. 21 Vorlage und Festsetzung des Voranschlags pro 1891/92. 3) Neuwahl des Vorstandes des landw. Bezirksverems. 4) Wahl eines Rechners an Stelle des nach Offenbach überziehenden seitherigen Rechners Herrn Laub er von Gießen. 5) Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Leit Higer zu Alsfeld über das landwirthschaftliche Genoffenschaftswesen. Gießen, den 8. Juli 1891. Der Director des landwirthschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath. Deutsches Reich. Darmstadt, 13. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich von Heffen und etwa 80 Offiziere, darunter auch eine Anzahl jetzt in hessischen Regimentern stehender Preußen, welche im Jahre 1866 an den Kämpfen der preußischen Main-Armee Theil genommen, fuhren heute Vormittag in einem Sonderzug zur gemeinsamen Gedächtnißfeier für die gefallenen Kameraden nach Lau fach. Berlin, 13. Juli. Zwei Ersatzwahlen zum Reichstag werden sich nächstens wieder nothwendig machen. Im Wahlkreise S t o l p in Pommern ist infolge der Ernennung des bisherigen Vertreters desselben, des Herrn v. Puttkamer, zum Oberpräsidemen von Pommern, das Reichstagsmandat frei geworden. Herr v. Puttkamer war im Stolper Kreise bei den letzten allgemeinen Wahlen vom Jahre 1890 mit 10 522 Stimmen gegenüber einem freisinnigen Candidaten, welcher 5923 Stimmen erhielt, und einem socialdemokratischen Zählcandidaten zum Abgeordneten gewählt worden. Es erhellt aus diesem Stimmenverhältniß wohl zur Genüge, daß der genannte Wahlkreis eine sichere Domaine der Conser- vativen ist, dennoch wollen die Freisinnigen, wie es heißt, bei der Stolper Nachwahl eine besonders energische Agitation entfalten. Darüber, ob conservativerseits Herr v. Puttkamer wieder als Candidat aufgestellt werden wird, verlautet noch nichts. Ferner hat im württembergtschen Wahlkreise Hall- Oehringen infolge der Ernennung seines seitherigen nationalliberalen Vertreters, des Regierungsrathes Leemann, zum Professor in Tübingen, eine Ersatzwahl zum Reichstage stattzufinden. Da Herr Leemann am 20. Februar 1890 mit ca. 3100 Stimmen Mehrheit über die Seitens der Volkspartei, der Centrumspartei und der Socialdemokraten aufgestellten Candidaten siegte, so dürfte es den Nationalliberalen nicht allzu schwer fallen, das Mandat zu behaupten. Ausland. Paris, 12. Juli. Von den ausständigen Bediensteten der Orleans-Eisenbahn, denen der Municipalrath 6000 Frcs. bewilligte, nahm neuerlich eine größere Anzahl die Arbeit wieder auf. Hatfield, 12. Juli. Das Kaiserpaar traf um 6 Uhr mittelst Extrazuges auf dem Landsitze Lord Salisburys ein. Vorher war schon der Prinz und die Prinzessin von Wales, die Prinzessinnen Victoria und Maud von Wales, der Herzog von Cambridge und Andere angekommen. An der Station wurde das Kaiserpaar von Lord Salisbury und dessen ältestem Sohne Lord Cranborne empfangen, worauf sie sich zu Wagen nach Hatfield begaben, wo die Marquise das Kaiserpaar empfing. Der Kaiser trug einen hellgrauen Anzug und weißen Hut. Eine große Menschenmenge hatte sich nach Hatfield begeben, um der Ankunft des Kaisers beizuwohnen. Tausende besetzten den Weg vom Bahnhof nach Hatfield und begrüßten das Kaiserpaar, die Prinzen und Lord Salisbury aus das Wärmste. Die Gemächer in Hatfield House waren auf das Prächtigste geschmückt. Das Schlafzimmer der Kaiserin war dasselbe, wo die Königin Victoria im Jahre 1846, als sie Hatfield besuchte, geschlafen hat. Die Marquise führte die Kaiserin in die Gemächer und Lord Salisbury zeigte dem Kaiser das Schloß und die Waffensammlung, deren Seltenheiten des Kaisers besonderes Interesse erregte. Das Diner wurde im großen Marmorsaale servirt. — In Windsor ist der Herzog und die Herzogin von Anhalt zum Besuche der Königin eingetroffen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau. Braunschweig, 13. Juli. Die Enthüllungsfeier des von der deutschen und deutsch-amerikanischen Sängerschaft gestifteten Abt-Denkmals fand Vormittags statt. Die Festrede hielt Commerzienrath Rittmeyer. Stadtrath Rete- meyer übernahm das Denkmal im Namen der Stadt. Der Vertreter der Bundesliedertafeln, Eduard Greve aus Bremen, dankte Namens der deutschen Sängerschaft. Schließlich wurden Abt'sche Lieder gesungen. Zahlreiche Kränze aus allen Theilen Deutschlands wurden niedergelegt. Paris, 13. Juli. Trotz der gestrigen Versammlung liegen bisher keine Anzeichen eines Aus st and e S bei den Eisenbahngesellschaften vor. Selbst der Strike der Bediensteten der Orleansbahn ist im Abnehmen begriffen. Den Abendblättern zufolge haben die Frachtkutscher der letzteren Bahn Morgens die Arbeit wieder ausgenommen- von 1300 Werkstättenarbeiter striken 475. Paris, 13. Juli. Als Carnot sich zu der am Nachmittag stattfindenden Eröffnung der Avenue de la Republique begab, durchbrach ein Individuum den Truppencordon, zog einen Revolver aus der Tasche und feuerte ihn in die Luft. Die Polizei bemächtigte sich des Individuums, welches schrie: „Ich will zeigen, daß es noch Bastillen zu zerstören gibt." Bald stellte sich indeß heraus, daß das Individuum irrsinnig ist. Paris, 13. Juli. Von den bei dem Eisenbahnunfall im hiesigen Nordbahnhose Verletzten ist heute Vormittag eine Dame gestorben. Der Unfall ist durch die Un- ausmerksamkeit eines Beamten verursacht worden, welcher versäumt hatte, das Haltesignal für den von Boulogne kommenden Zug zu geben. Toulon, 13. Juli. Heute Vormittag fand bei prächtigem Wetter ein fingirter Angriff auf den Hafen statt. Ueber sechzig Schiffe gingen hintereinander vor. Hauptsächlich galt der Angriff dem Fort Saint Mandrier. Deutsche, österreichische, englische, russische und schwedische Militärattaches wohnten dem Manöver bei. — Die bei den See- manövern anwesenden Minister nahmen das Frühstück axt Bord des Panzerschiffes „Formidable" ein. Ribot toastete auf die Marine, wobei er hervorhob, die Regierung und das ganze Land nähmen hohes Interesse an der Marine, aus die sie in schweren Zeiten rechneten. Die Marine leiste schon in Friedenszeiten unschätzbare Dienste, indem sie aus allen Meeren die nationalen Farben wehen lasse. London, 13. Juli. Der Kaiser verlieh dem Lord- mayor sein Bildniß in Oel zur Erinnerung an den Besuch der City. Das prachtvoll eingerahmte Porträt, das den Kaiser säst lebensgroß, in britischer Admiralsuniform mit dem Hosenbandorden darstellt, ist von Wimer ausgeführt. London, 13. Juli. Das Kaiserpaar ist Nachmittags 4 Uhr in Windsor eingetroffen und wurde von der Prinzessin Beatrix, dem Herzog von Connaught und Heinrich von Battenberg empfangen. Vor der Verabschiedung in Hatfield schenkte der Kaiser Salisbury eine kostbare Standuhr. London, 13. Juli. Das Kaiserpaar kehrte um 5^2 Uhr aus Windsor zurück und begab sich von einer Ab- theilung Cavallerie escortirt nach dem Bahnhof in Liverpool- Street. Hier verabschiedete sich der Kaiser von der Kaiserin, die nach Felixstowe fuhr. Der Kaiser kehrte alsdann nach dem Buckinhampalast zurück und fuhr später nach Dudley- House, um bei Lady Dudley zu diniren. — Bei dem Abschied in Windsor am Nachmittag küßte die Königin den Kaiser auf beide Wangen. London, 13. Juli. Bei East-Hamsestion am Manchester- Schiffscanal ist der 200 Fuß hohe Steindamm, welcher während der Nacht wieder aufgebaut war, gestern abermals von der Fluth fort gerissen und die Eröffnung des Canals dadurch auf unbestimmte Zeit verzögert. Hatfield, 13. Juli. Der Kaiser machte Vormittags in Begleitung des Lord Cranborne einen Spazierritt im Parke Hatfield. Später führte Lord Cranborne die Herrschaften durch den intereffantesten Theil der sich sieben Meilen ausdehnenden Besitzungen Salisburys. Newyork, 13. Juli. Nach Meldungen aus Guatemala beginnen die vereinigten zahlreichen Unzufriedenen, sich in den Bergen bei Guezaltenanzo zu organisiren, Vorbereitungen für kriegerische Unternehmungen zu treffen und Proklamationen revolutionären Inhalts zu verbreiten. Der Präsident Barillas hat nach dem Vereinigungspunkte der Revolutionäre Truppen entsandt. Bisher ist jedoch die Bewegung ohne weitergehende Bedeutung. Melbourne, 13. Juli. In Folge anhaltender Regengüsse ist der Fluß Darra Darra ausgetreten und hat die Stadt überschwemmt. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen, mehrere Straßen der Vorstadt stehen unter Wasser und etwa tausend Personen sind obdachlos. Die Noth ist groß und der Schaden bedeutend. Seit 1863 hat keine gleich starke Ueberschwemmung stattgefunden. Die Gedächtnißfeier bei Laufach und Fronhofen. Die Feier für die am 13. Juli 1866 gefallenen Kameraden ging am letzten Sonntag, von der Witterung begün- fügt, unter einer Betheiligung von Tausenden programmgemäß von statten und nahm einen glänzenden Verlaus. Gegen 7 Uhr fuhren von Darmstadt ab zwei Sonderzüge mit 35 bis 40 Wagen. Der erste Sonderzug, welcher in Darmstadt schon vollständig überfüllt war, fuhr direct bis Laufach, während der zweite Sonderzug an den verschiedenen Stationen zwischen Darmstadt und Aschaffenburg anhielt und die noch harrenden Menschenmassen ausnahm. Gegen 9 Uhr Vormittags trafen kurz hintereinander die beiden Züge in Laufach ein. Am Bahnhof wurde Ausstellung genommen und in geordnetem Zuge ging es dann nach dem Friedhof. Nachdem daselbst die Vereinssahnen aufgestellt worden und die Gapelle des Großh. Hess. Feld.-Art.-Regmts. Nr. 25 einen Choral gespielt hatte, hielt Herr Pfarrer Haas von Laufach eine Allen zu Herzen gehende Ansprache. Namens des Verbandes „Hassia" legte hierauf Herr Bezirksvorsteher Engel (Darmstadt) mehrere Kränze auf das Grab nieder- ein Gleiches geschah seitens des Vertreters des Kriegervereins Aschaffenburg, sowie von dem Präsidenten des Kriegervereins Griesheim für den in Laufach gefallenen Hauptmann Drescher. Die Musik spielte alsdann das „Gebet". Nun erfolgte der Abmarsch nach Fronhosen, woselbst am Johanniter-Denkmal die Hauptfeier stattfand. Nachdem die Musik den Choral „Wie sie so sanft ruhen" gespielt, hielt Herr Dr. Neuling, Vorsitzender des Kriegervereins Darmstadt, eine Ansprache, in welcher er, anknüpsend an die bei Enthüllung des Niederwalddenkmals von Kaiser Wilhelm I. gesprochenen Worte: „Den Gefallenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung", aus die Bedeutung der Feier von Fronhofen hinwies und insbesondere Derer gedachte, die vor nun 25 Jahren in treuer Pflichterfüllung ihr Leben in die Schanze geschlagen. Der Verlaus des Krieges von 1866 habe gezeigt, daß die hessische Waffenehre unbefleckt aus dem Kampfe hervorgegangen, dies chabe der damals mit weit besseren Waffen ausgerüstete Feind anerkannt- nur 4 Jahre später hätten dieselben Regimenter durch die Namen Vionville-Gravelotte, Metz, Orleans, Briare und Chambord neuen Ruhm in ihre Geschichte eingeflochten. Redner schloß mit den Worten: „Möge unserem Volke und möge unserem einigen deutschen Vaterlande bewahrt werden der Segen des Friedens! Möge das Deutsche Reich unter dem Schutze unseres erhabenen Kaisers und unserer Landes- fürften blühen, wachsen und gedeihen! Gott schütze und erhalte Seme Majestät den deutschen Kaiser! Gott schütze und erhalte unsere Landessürsten! Gott schütze und erhalte unser deutsches Vaterland und mit ihm Fürst und Volk unseres Hessenlandes! Das walte Gott!" Hierauf erfolgte die Niederlegung von Kränzen und zwar seitens des Bezirksvorstehers Engel-Darmstadt für den Verband „Hassia", des Großh. Beigeordneten Lauteschläger für die Stadt Darmstadt, Kamerad Zöller für den Hilfsverein und Jnvaliden-Unterstützungsverein für 1866- sodann wurde ein Kranz Namens des Kriegervereins Aschaffenburg, sowie von dem I. Obmann-Stellvertreter des Militär-Veteranenvereins Wien, Johann Karl, ein solcher sür die Gefallenen niedergelegt. Auch eine große Anzahl Angehöriger der Gefallenen, welche sich ebenfalls zur Feier eingesunden hatte, sowie einzelne Kameraden der Gefallenen legten sowohl am Johanniter-Denkmal, als auch an den verschiedenen Gräbern bei Fronhofen und Laufach Kränze nieder. Die Musik spielte den Choral „Lobet den Herrn". Hieraus wurden von den Anwesenden die verschiedenen Massengräber besucht. Nach diesen feierlichen Acten nahmen die Festgäste in Fronhofen das Frühstück ein und erfolgte alsdann der Abmarsch in geordnetem Zuge nach dem Bahnhof Laufach zur Rückfahrt nach Aschaffenburg, woselbst die beiden Sonderzüge um 2 Uhr eintrafen. Hier verteilten sich die einzelnen Vereine zum Mahle in die verschiedenen Gasthöfe. An Seine Majestät den deutschen Kaiser, an Seine König!. Hoheit den Großherzog von Hessen, an Seine Königl. Hoheit den Prinzregenten von Bayern und an Seine Majestät den Kaiser von Oesterreich wurden Telegramme folgenden Inhalts abgesandt: „Die hier zur 25jährigen Gedächtnißfeier der Gefallenen von 1866 versammelten hessischen Krieger entbieten hierdurch ihren ehrfurchtsvollsten Gruß." Cocates utt6 Ovovrirzlelles. Gießen, 14. Juli. —*** Coucert der Großherzoglichen Kammersängerin Frau- lein Marie Langsdorff. Das Abschiedsconcert des Fräulein Langsdorfs hatte am Sonntag den 12. d. M. eine zahlreiche Schaar unserer Musikfreunde versammelt, welche mit wohlverdienten Beifallsspenden nicht geizte. Die Lieder, welche Fräulein Langsdorff zu Gehör brachte, gehörten sämmrlich dem besseren Genre an und bekundeten neben dem feinsinnigen Geschmack auch die schöne Begabung der Künstlerin. Sie sang mit Wärme, Ausdruck und Leidenschaft. Dazu kam die vortreffliche Declamation, verbunden mit dramatischer Gestaltungskraft, welche bei Liedern, wie „Liebes- treu" und „Meine Liebe ist grün" von Brahms, sowie „Du rothe Ros'" von Leßmann, unbedingt von größtem Vortheil war und in der Zugabe „Erlkönig" von Schubert den Gipfelpunkt erreichte. Wie die Concertgeberin auf der einen Seite ^rls Sängerin Hervorragendes leistete, so zeigte sie sich in den von ihr geleiteten Frauenchören als ebenso tüchtige Lehrerin. Die jungen Damen sangen vortrefflich geschult, die -Chöre waren in rhytmischer und dynamischer Beziehung abgerundet, während die Soloparthien von schätzenswerten Dilettantinnen ausgezeichnet interpretirt wurden. Besonders in Menkes „Blumengeister" traten obenerwähnte Vorzüge -angenehm hervor. — Fräulein Sophie Groos brachte durch ihre beiden Claviervorträge, Beethovens D-moU-Sonate und Fantasie von Chopin, welche sie mit Virtuosität und Geist vortrug, eine angenehme Unterbrechung, während sich Fräulein Holzapfel als vortreffliche Begleiterin der Lieder bewährte. p. Straußconceri. Zu unseren Mittheilungen über das erste Straußconcert tragen wir heute einige Bemerkungen über die Geschichte der Strauß'schen Familie und Capelle nach, weil wir bemerkt haben, daß in dieser Beziehung im Publikum vielfach irrige Vorstellungen bestehen. Begründet ist das Orchester im Jahre 1825 von dem älteren, 1804 in schlichten Verhältnissen geborenen Johann Strauß, der seit dem Jahre 1833 Deutschland, England und Frankreich mit seiner Capelle bereiste. Nach seinem Tode im Jahre 1849 trat Johann, sein ältester Sohn, an seine Stelle. Dieser ist 1824 geboren und als Componist einer Reihe ungemein beliebter Tänze (Schöne blaue Donau, Wienerblut, Kußwalzer u. s. w.) und zahlreicher Operetten (Fledermaus, Lustige Krieg, Zigeunerbaron) das berühmteste Mitglied der Familie. Mit der Strauß'schen Capelle machte er weite Kunstreisen in Europa und kam 1872 auch nach Amerika. Gegenwärtig lebt er aus einem Besitzthum bei Wien, nachdem er sich schon längere Zeit von seinem Dirigentenposten zurückgezogen hat. Die Leitung seiner Capelle war zunächst auf seine beiden Brüder Josef (geb. 1827) und Eduard (geb. 1835) übergegangen, von denen der erstere bereits im Jahre 1870 im schönsten Mannesalter starb. Seitdem führt Eduard Strauß die Direction allein. Es verlautet, daß auch er demnächst zurücktreten wird. — Zum Schluß wollen wir nicht unterlassen, den Herren Stein und Challier sür den Kunstgenuß, den sie uns verschafft haben, unseren Dank auszusprechen. — Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: am 3. Juli dem Bürgermeister Johannes Vogel V. zu Mainzlar das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen. — Ernennungen. Se. Königliche Hoheit der Groß- ; erzog haben Allergnädigst geruht, am 9. Juli den Prof. Dr. Henneberg zum Director der Technischen Hochschule für die Zeit vom 1. September 1891 bis 31. August 1892 aus Vorschlag des Lehrerraths zu ernennen. — Briefmarkeu-Automaten. Eine allgemeine Einführung von automatischen Apparaten, die an öffentlichen Briefkästen angebracht werden- sollen, plant die Kaiserliche Postverwaltung. Dieselben sollen einem Jeden Gelegenheit geben, sich durch Hineinwerfen eines „Nickels" in eine dazu bestimmte Oeffnung eine Briefmarke auf diesem kürzesten Wege zu beschaffen. Derartige Automaten sollen nicht nur in Berlin, sondern auch bei den Briefkästen in den Provinzialstädten Verwendung finden. — Der allgemeine deutsche Jagdschutzverein, Landesvereiu Großherzogthum Hessen, hat im Jahre 1890 53 Prämien im Betrage von insgesammt 521 Mk. verliehen und zwar erhielten: 29 Gendarmen 216 Mk., 10 Forstwarte 138 Mk., 5 Feldschützen 83 Mk., 5 Jagdaufseher 60 Mk, 4 Private 24 Mk. Nach Provinzen getrennt wurden in Rheinhessen 27 Angaben mit 227 Mk., in Oberhessen 13 Angaben mit 168 Mk., in Starkenburg 13 Angaben mit 126 Mk. bedacht. Der Verein verwilligt bekanntlich jedem, welcher einen Wilddieb oder einen Käufer gestohlenen oder während der gesetzlichen Schonzeit erlegten Wildes derart zur Anzeige bringt, daß seine Bestrafung' erfolgt, eine Belohnung bis zu 100 Mk. Anträge auf Belohnung sind an den Geschäftsführer des Vereins in Darmstadt zu richten. — Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. Am 26. August versammeln sich in Frankfurt die Delegirten aller größeren Städte Deutschlands (auch Gießen hat eine Einladung erhalten) und vieler Städte des Auslandes zu einem Congresse, dessen Zweck ist, die städtischen Behörden mit dem gegenwärtigen Stande electrischer Centralstationen, sowie mit den vielseitigen technischen Einrichtungen und den wirthschaftlichen Ergebnissen derselben vertraut zu machen. Die hierdurch verbreiteten Kenntnisse und Aufschlüsse sollen im Kreise der städtischen Verwaltungen, von denen eine Anzahl die Frage der Errichtung städtischer Centralen erst nach den Ergebnissen der Ausstellung regeln will, fördernd wirken und den wichtigsten Principien der Electrotechnik allgemeinen Eingang verschaffen. Bei der sür diesen Congreß in Aussicht genommenen kurzen Dauer von drei Tagen ist es nicht möglich, alle die vielen interessanten Anlagen durch Vertreter der einzelnen Firmen in mündlichem Vortrage zu erklären und zu erläutern. Um dies jedoch in anderer Weise zu ermöglichen, beabsichtigt der Vorstand, den Vertretern der Städte ein Werk in Form einer Festschrift zu überweisen, in welchem die bedeutendsten im Betriebe und im Bau befindlichen Centralstationen in Wort und Bild beschrieben und erläutert sind. Zu diesem Zwecke hat sich der Vorstand wegen Lieferung von Text und Abbildungen mit den verschiedenen Firmen ins Benehmen gesetzt. Herr Chesredacteur Uppenborn in Berlin hat die Zusammenstellung, die Firma I. Springer in Berlin den Druck übernommen. Das Werk, dessen Umfang etwa 15 Bogen — 240 Seiten stark sein wird, soll in 1000 Exemplaren in Leinwandeinband mit Goldtitel an die Vertreter der Städte vertheilt werden. K. Stockheim, 13. Juli. Aus dem soeben ausgegebenen Verwaltungs-Bericht der Actien-Zuckerfabrik dahier ist ersichtlich, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr 460,230 Ctr. Rüben mit einem Kaufpreis von 502,133,66 Mk. zur Verarbeitung kamen und daß genannte Rüben auf 2940 Morgen gezogen worden- die Durchschnittsernte beträgt pro Morgen 157 Ctr. gegen 161 Ctr. im Vorjahr. Der Gesammtgewinn des verflossenen Jahres beläuft sich auf 78,413,13 Mk. und verbleiben nach Abzug von 35,266,36 Mk. Abschreibung noch 43,146,81 Mk., über deren Verwendung die Generalversammlung, welche am 28. d. Mts. stattfindet, zu beschließen hat. Durch Abschreibungen sind bis jetzt 297,238,24 Mk. gedeckt und von den Prioritäten 60,000 Mk. eingelöst. Die im vergangenen Jahre eingerichtete Braunkohlenfeuerung hat sich sehr gut bewährt. Die Fabrik hat gegen die sonst nöthigen Steinkohlen 12,540 Mk. gespart. Obgleich der Betrieb durch den anhaltenden strengen Winter erhebliche Störungen erlitt, so ersieht man aus angeführtem Bericht, daß dennoch ein sehr schöner Gewinn gemacht wordew und daß es für die Landwirthe noch nicht das schlechteste iftr Zuckerrüben zu bauen. Nieder-Ohmen, 13. Juli. Am Samstag ereignete ftdp in dem nahen Bergwerk abermals ein bedauerlicher Unglücks fall. Der an der Maschine der Eisensteinwasche beschäftigte Maschinenführer A. K. gerieth mit der linken Hand in die Maschine, wodurch ihm dieselbe zerquetscht wurde. Der Bedauernswerte wurde alsbald nach Gießen verbracht. (Gr. A.) Saasen, 12. Juli. Heute Mittag wurde von einigen Kindern im Walde bei Reinhardshain der Leichnam eines Mannes aufgefunden, welcher anscheinend schon vor einiger Zeit seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht hatte, da sich an einem Baume ein Strick vorfand, der, mit der Zeit mürbe geworden, seine Last hatte entgleiten lassen. Wie man hört, ist der Selbstmörder der seit etwa sieben Wochen verschwundene Herz berg er aus Queckborn. 8. Herbstem, 13. Juli. Gestern feierte der hiesige Kriegerverein im sogenannten Gallberg, einem äußerst romantischen Punkte, ein Fest, verbunden mit Preisschießen, welches einen recht schönen Verlauf nahm- es hatten sich viele auswärtige Kriegervereine daran beteiligt. Den Schluß des Festes bildete ein Concert mit Tanz in dem Garten des Herrn Otto Suppes dahier. □ Vom Vogelsberg, 13. Juli. Der heurige Jahrgang' mit seinem nassen Vorsommer ist vorzüglich geeignet, die- Wirkung der künstlichen Dünger zur Geltung zu bringen. Obwohl ja auch ohne dieselben das Getreide ein üppiges Wachsthum zeigt, so ist doch die Anwendung von Chilisalpeter aus den einzelnen Aeckern deutlich zu erkennen. Noch mehr tritt diese Deutlichkeit zu Tage aus Aeckern, worauf man versuchsweise nur einen Theil mit künstlichem Dünger überstreut hat, hier sieht man haarscharf die Grenze zwischen dem bestreuten und unbestreuten Theil. In gleicher Weise macht sich aus den Wiesen die Anwendung von Thomasmehl und Kainit, durch fetteren, größeren Graswuchs bemerkbar. Das Mißtrauen, welches die Landwirthe anfangs den künstlichen Düngern entgegenbrachten und das in trockenen Jahrgängen sich zu begründen schien, schwindet immer mehr. Es würde in der That ein viel umfangreicherer Gebrauch von künstlichen Düngern gemacht werden, wenn nicht ihr Ankauf den Landwirthen auf den einzelnen Ortschaften erschwert würde dadurch, daß eben keine Handlungen darin vorhanden sind. Als vor einem Jahre in einem Ort unseres Vogelsbergs eine solche Handlung entstand, da machten die Landwirthe nicht nur in diesem Ort, sondern auch in der Umgegend viel fleißigeren Gebrauch von künstlichen Düngern, als früher und jetzt, seitdem diese Handlung durch besondere Umstände wieder eingegangen ist. Leider spielt allerdings auch die Verfälschung bei den künstlichen Düngmitteln eine Rolle, und sie ist nur zu sehr geeignet, das Vertrauen auf diese für die Landwirthschast recht wichtigen. Hilfsmittel zu untergraben. Butzbach, 11. Juli. Nachdem dieser Tage auf Veranlassung Großherzogl. Kreisamts eine nähere Besichtigung des Wachtthurms an der Roßbrunnengasse durch die Großh. Kreisbaubehörde stattgefunden, wurde der Beschluß gefaßt, sofort den Thurm zu stützen und vorsichtig abzutragen. Das erstere ist bereits am Mittwoch durch Herrn Bauunternehmer A. Oehlschläger geschehen, mit dem Abbruch dürfte ebenfalls begonnen werden. Bis zur vollständigen Beseitigung bleibt der den Thurm umgebende Platz polizeilich gesperrt. Alzey, 10. Juli. Das Ministerium des Innern und ber Justiz hat die Errichtung einer landwirthschaftlichen Winter sch ule zu Alzey genehmigt. Der Unterricht an derselben wird voraussichtlich im November beginnen. Es ist dies die erste derartige Schule sür Rheinhessen. Lindenfels, 9. Juli. In unserem schönen Odenwald soll dem „Anzeigeblatt für Lindenfels, Reichelsheim und Umgegend" zufolge ein merkwürdiges „Thier" sein Unwesen treiben, von dessen Existenz gewiß kein Naturforscher, viel weniger denn andere Sterbliche bisher eine Ahnung hatten. Die letzte Nummer des oben erwähnten „Organs" bringt nämlich wörtlich nachstehende, von der „Redaction" zweifellos in vollem Ernste aufgenommene Mittheilung: „Lindensels,- 3. Juli. Von einem empfindlichen Verluste wurde ein hiesiger Wirth betroffen, indem dessen Eisvorräthe von dem sogenannten „Eiswurm", einem von Professor Koch entdeckten pilzartigen, mikroskopisch kleinen Thiere, fast vollständig zerfressen wurden." — Dieser „Eiswurm" geht fast noch über die im verflossenen Jahre ausgetauchte „Stahlmotte", welche „bekanntlich" mit besonderer Vorliebe die Eisenbahnschienen anknabbert. Selbstredend erregt die Notiz über den pilzartigen „Eiswurm" allenthalben riesige- Heiterkeit. vermischtes. * Berlin, 11. Juli. Heber den Eierverbrauch der Reichshauptstadt finden sich interessante Angaben in dem soeben echhienenen Jahresbericht der „Acltesten der Berliner Kaufmannschaft". Darnach brachten die in Berlin mündenden Bahnen im vergangenen Jahre 21285 044 kg Eier, gleich 5 676012 Schock bezw. 1793 534 kg oder 478276 Schock mehr als im Vorjahr nach Berlin. Nach dem Jahresdurchschnittspreis von 3,15 Mk. hatte demnach die Einfuhr einen Werth von 17 879 437 Mk. Wieder ausgeführt wurden, theils nach Hamburg, theils nach Provinzplätzen, 2 765765 kg, be-w. 446 701 kg mehr als in 1889. Der Verbrauch Berlins selbst betrug 18519279 kg gleich 4 938 474 Schock im Durchschnittswerth von 15556193,10Mk., gegen 13522720,15 Mark im Vorjahre. Da aber die Bevölkerungsziffer unserer Stadt, wie sich bei der letzten Volkszählung herausgestellt hat, in den letzten Jahresberichten wohl etwas zu niedrig angenommen war, so hat trotz der erheblich vermehrten Einfuhr bei der jetzt rund 1580 000 Seelen betragenden Einwohnerzahl der Verbrauch sür Kopf und Jahr doch nur 187,5 gegen 186,8 Stück im Vorjahr bezw. täglich für einen Einwohner 0,514 gegen 0,512 Stück in 1889 betragen- Diese Ziffern sind aber insofern ungenau, als die von Berliner Hühnern und solchen der nächsten Umgegend gelegten Eier, die nicht ans der Bahn eingeführt wurden, nicht mitgerechnet sind. Daß natürlich nicht alle Eier von Berlinern gegeffen werden, sondern ein großer Theil des Verbrauchs auf die Berlin besuchenden Fremden entfällt, braucht nicht erwähnt zu werden. * Hinrichtung. Am Samstag srüh 6V2 Uh* wurde, tote aus Güstrow gemeldet wird, daselbst durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg die Hinrichtung des seiner Zeit wegen dreifachen Raubmordes, begangen an dem Erbpächter Meyer, dessen Ehefrau und fünfjähriger Tochter, zum Tode verurtheilten Raubmörders Gustav Busch unter eigen- thümlichen Nebenumständen vollzogen. Nachdem srüh 6 Uhr der Pastor Wollenberg es vergeblich versucht hatte, den Verbrecher auf seinen letzten Gang würdig vorzubereiten, machte der Delinquent, ein Mensch von herkulischer Stärke, noch einen Fluchtversuch. Nachdem er die in der Zelle anwesenden beiden Wärter bei Seite gestoßen, überrannte er die drei vor der Thür postirten Wächter, eilte durch die Wohnung des Wärters Voß und sprang von dort aus einem Fenster des zweiten Stockes in den gepflasterten Hof hinab, von too et: möglicherweise entkommen wäre, wenn er nicht in Folge des Sturzes einen Beinbruch erlitten hätte. Unter Wehklagen und Stöhnen wurde der Verurtheilte hieraus dem Scharsrichter übergeben und nach wenigen Sekunden war das Ur- theil vollzogen. Die Leiche wurde sofort eingesargt und mit dem nächsten Zuge nach Rostock befördert, um daselbst der Anatomie übergeben zu werden. * Bamberg, 12. Juli. Am hiesigen zweiten Gymnasium (Rector Schmidt), das erst seit letzten October eröffnet ist, wurde gestern der 20. (mit Worten Zwanzigste) Schüler dimittirt, eine Leistung, die bei der Kürze der Zeit alle Achtung einflößen muß. Der dimittirte Nr. 20 ist ein Opfer der Eggolsheimer Eisenbahn-Katastrophe- er wanderte an die Unfallstelle, bekam Durst und kehrte ein..... * Künstlich erzeugter Regen. Das nordamerikanische Ackerbauministerium hat am 22. Juni in der Nähe der Bundeshauptstadt einen Versuch zur künstlichen Regenerzeugung vornehmen lassen. ^Zu diesem Zwecke wurde ein mit Explosivstoffen gefüllter Ballon emporgelassen und mittelst electrischer Batterie die Explosion hoch in den Wolken bewerkstelligt. Bald daraus ging ein freilich nur kurze Zeit anhaltender wolkenbruchartiger Regenguß hernieder- ob er aber nicht auch ohne die Explosion erfolgt wäre, ist eine Frage, über deren Lösung die Washingtoner Wettergelehrten noch nicht einig sind. Die Versuche, zu deren Vornahme der letzte Congreß 7000 Dollars bewilligt hat, sollen an anderen Orten in größerem Maßstab sortgesetzt werden. Zwei weitere inzwischen angestellte Versuche scheinen wohl einen Knall-, aber keinen flüssigen Erfolg gehabt zu haben. * Auch eine „Familiennachricht". Bekanntlich müssen die an der Ostgrenze wohnenden preußischen Besitzer den Zu- und Abgang ihres Schweinebestandes zum Schweineregister anmelden. Der Ortsvorsteher eines Grenzdorfes erhielt nun, wie die „Ostd. Zeitung" erzählt, dieser Tage folgenden Anmeldezettel: „Bitte den Allerhochwerthesten Standesbeamten, Meine Schwein hat kleinen 12 Ferkel, 7 berge (Börche), 5 Sauen bitte Einzutragen". Folgt die Unterschrift. * Paris, 8. Juli. Romantisches Schicksal. Am letzten Samsrag kam ein 77jähriger Greis Namens Thomas aus Corbigny (Niedre) nach dem Finanzministerium, um einen Jahresgehalt von 2500 Francs einzuziehen. Dieser wurde ihm bewilligt, weil er, wie sein Taufschein besagt, „an der Beresina" geboren ist. Seine Mutter war ihrem Gatten, einem Offizier der kaiserlichen Garde, nach Rußland gefolgt und kam an dem furchtbaren Tage nieder, da die russischen Kugeln das aus dem Rückzüge begriffene Heer decimirten. Vater und Mutter wurden getödtet - des Neugeborenen nahmen sich die Kosaken an und später sorgte die russische Regierung für ihn. Aber sobald Thomas seine Volljährigkeit erreicht hatte, trat er die Reise nach der Heimath seiner Eltern an und ließ seine französische Nationalität beglaubigen. * eine heitere Episode spielte sich kürzlich in einer Kaserne in Karlsruhe ab. Den zu einer Uebung einberu- senen Reservemännern wurden die zahlreichen öffentlichen Locale verlesen, welche die Mannschaften nicht betreten dürfen. „Habt ihr alles verstanden?" lautete die Frage des Vorgesetzten. Da tritt einer, der auch des Königs Rock trägt, hervor und erklärte, daß die Wirthschast zum N. N. sein Eigenthum sei. Allgemeine Verblüffung und — „Die können wir Ihnen allerdings nicht verbieten!" war die Antwort. * Naiver Bescheid. Mama: „Was! Jetzt willst Du baden gehen, Richard, in der Kälte?" — Söhnchen: „Was thuts, Mama, ich ziehe mir ja zwei Paar Schwimmhosen an!" Universität» - Nachrichten. — Der Musikdirector an der Heidelberger Universität, Herrn Professor Wolsrum, wurde aus Anlaß seines jüngst erschienenen Buches über die Entstehung des protestantischen Kirchenliedes von der Leipziger phllosophischen Facultät zum Doctor honoris causa ernannt. Hamburg, 10. Juli. Das Hamburg-Newyorker Poftdampf- schiff „Scandia", Capitän Kopff, von der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Actien-Gesellschaft, am 27. Juni von hier direct nach Newyork expedirt, ist am 10. Juli, 7 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land- nnd Volksn>irthschaft. (Bieten» 14. Juli. Marktbericht. Auf dem Heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,00—1,10, Hühnereier 1 St. 5-7, 2 St. — H, Enteneier 1 St. 6-7 2 St. - 4, Käse pr. St. 5—8 4, Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,70—0,90, Hühner pr. Stück X 1,00—1.30, Hahnen pr. St- X 1,00—1,20, Enten pr. Stück 2,00-2,20, Ochsenfleisch pr. Pfd- 70—74 4, Kuh- und Rindfleisch 60—64 4, Schweinefleisch 56-64 4, Hammelfleisch 50—76 4, Kalbfleisch 50—56 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 9.00—9,50, Weißkraut pr. St.--4, Zwiebeln per Centner •* 13,0—14,0, Milch per Liter 12—18 4, Kirschen per Psd. 10—14 4- Arankfrrrt a. M., 13. Juli. Am samstägigen Haupt- schwetnemarkt bestand die ganze Zufuhr in 160 fetten Schweinen und 26 Zuchtferkeln. Die Preise gingen bei fetten Schweinen in die Höhe und stellten sich für erste Qualität auf 58 bis 60 4, für zweite Qualität auf 56 bis 57 4 pro Pfund Schlachtgewicht. — Am Brennholz-Markt werden bie©orten eben verkauft: Buchenscheitholz erster Klasse X 9.60, zweiter Klaffe X 8—, dritter Klasse X 7.— ; Tannenscheitholz erster Klaffe X 7.50, zweiter Klaffe X 6.— per Raummeter; Buchenwellen X 2.50, Tannenwellen X 3.50 per Hundert. Literatur «nd Nnnft. — Nr. 40 (2. Jahrgang) der Wochenschrift zur Unterhaltung und Belehrung für junge Mädchen »Da- Ha«-Mütterchen^ ist erschienen und hat folgenden Inhalt: HauSwirthschaftlicher Theil: Das Heranwachsende Mädchen. Aus den Aufzeichnungen einer Kochschülerin. Schlechte Gewohnheiten. Wahres Wort. Wie kauft man am besten ein. Vom Kochen der Kartoffel. Die richtige Haltung des Körpers. Unterm Blüthendach. Der verunglückte Kuchen. Handarbeiten. Gesundheitspflege. Küchenzettel und Recepte. — Unterhaltender Theil: Die Strandliese. (Fortsetzung.) Einen Falter sah ich kosen. Cyanen. Bunte Ecke. Auskunftsecke. Briefkasten. Anzeigen. — Abonnements auf daS „Hausmütterchen" nehmen sämmtltche Postansialten und Buchhandlungen entgegen. Probenummern werden jederzeit gratis abgegeben von dem Verlage: Emil K a u l f u ß, Ueckermünde. — Eine Zeichnung von I. V. Scheffel. Daßder Dichter des „Trompeter von Säkkingen" auch zeichnete und zwar sehr hübsch zeichnete, dürfte nicht jedem seiner Verehrer bekannt sein. Eine ansprechende Probe seiner Kunst bringt die Nummer 28 der „Garten- larrbe"; dort finden wir die getreue Holzschntttnachbildung einer in tocpiatönen wirksam angetuschten Zeichnung von der Ruine Reichen- berg im Forstbachthal, welche Scheffel vor Jahren seinem Freunde W. H. Riehl, dem bekannten Novellisten und Culturhiftortker, zur Erinnerung an eine gemeinsame Rheinreise gestiftet hat. Was W. H. Riehl in derselben Nummer den Lesern von dieser Rheinfahrt erzählt, daS ist so anziehend und enthält so ungemein characteristische Züge, daß einem wirklich das Herz aufgeht. Ein Stück Wanderpoesie thut sich in diesen schlicht geschriebenen Zeilen des großen Forschers auf, wie man es sich schöner und idealer kaum denken kann; man möchte nur den einen Wunsch hinzufügen, daß diese Art von froher Wanderlust und sinnigem Wandergenuß der deutschen Jugend nie verloren gehen möge. — Zur männeren Jahreszeit hat wohl ett^Jeder das Bedürs- niß,'häufiger zu baden, und sei daher an dieser Stelle auf den unter dem Namen ^Aachener Badeofen" allgemein bekannten Waffer- strom-Heizapparat für Gas hingewiesen, welcher vor allen anoeren Badeöfen den Vorzug hat, daß er keiner Bedienung bedarf und überraschend schnell wirkt, so daß man mittelst dieses Apparates in der Lage ist, sich ohne Beihilfe von Dienstboten in etwa 5—10 Minuten ein warmes Vollbad zu bereiten; bat man mittelst eines Zündhölzchens das Gas angezündet, so fließt das warme Wasser sofort aus; man entkleidet sich und - das Bad ist fertig. Die verbrannten Gase können in einem Kamin oder, da dieselben nicht feuergefährlich sind, auf einen Speicher 2c. abgeleitet werden. Ein weiterer Vorzug dieses Badeofens besteht darin, daß derselbe das Zimmer nicht erwärmt; ist im Winter Heizung erforderlich, so kann dieselbe auf höchst bequeme Weise durch die neuen Regenerativ-Gasheizöfen erfolgen, welche ihre Hitze vorzugsweise auf den Fußboden ausftrahlm und dadurch eine dem Körper außerordentlich wohlthuende Wirkung Hervorrufen; letztere Oefen wurden mehrfach vrämiirt und bedarf es wohl kaum der Erwähnung, daß dieselben frei von allen den bisherigen Gasöfen anhaftenden Mängeln sind. Angefertigt werden die Aachener Bade- und Heizöfen von A. G. Houben Sohn Carl in Aachen.__________________ — Promenaden > Concert am Mittwoch den 15. Juli. Programm: 1. Eine Huldigung dem Kaiser! Marsch 'von Burald. 2. Ouvertüre z. Op. „Moses in Egypten" von Lindpaintner. 3. Prinz Eugen nach den älteren Aufzeichnungen. 4. Wiener Blut! Walzer von Strauß. 5. A. M. 113. Briefkasten. F. J. Thellen Sie uns gefl. Ihre volle Adresse mit, alsdann findet das Eingesandt Aufnahme. Auf anonyme Einsendungen müssen wir verzichten. Die Red. Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 14. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 141/2, Lust 19 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. & 6470 6486 L W Regenerativ-Gasheizöfen Wohn-, nit versteigert. 6463 £ s von [6464] Emser, Selters, Fachinger, Sakschlirfer, Friedrichshaller- und Hnnyadi-Janos-Bitterwasser etc. // Mcht.Handdrückwagen iU Concursverwalter. 6455 6000 Francs Prämie der Siadl Brüssel für besten Gasofen. 2978] Einzelne WäschegegenyLnde, wie auch Ausstattungen werden zum Festoniren, Sticken, Zeichnen, sowie auch Säumen angenommen. Sudanlage 15, 1 Bei groß. Ausstattungen Preisermäßigung- Hermischte Anzeigen. Ein tüchtige Person, die einem Haushalt vorstehen kann, gegen hohen Lohn (20 Mk. monatlich), sofort aufs Land gesucht. 6481 Näh, in der Exped. d. Bl. Im Auftrag: Louis Rothenberger; Taxator Donnerstag -en 16. d. M, Vormittags 10 Uhr, versteigere ich im „Adler" — Marktplatz: verschiedene gut erhaltene Möbel, 1 noch neues Pianino, und nach dieser Versteigerung 1 gr. Quant. Backsteine. Versteigerungs-Anzeige. Dienstag den 21. Juli d. I., Mittags 2 Uhr, wird ein der Gemeinde Lich gehöriger Faselochse im Hofe des Ochsen- stalles dahier öffentlich meistbietend 0.7 cbm. Gasconsutn. 6 goldene und silb.Medaillen. Geißler, Großh. Gerichtsvollzieher. Kornbrod nur aus bestem Roggenmehl, mit größter Sorgfalt und Reinlichkeit bereitet, vorzüglich kräftig im Geschmack, empfiehlt Aug. Guhr, Bahnhofstr. 12 Waaren-Versteigerung. Donnerstag den 16. Juli, Nachrn. von 2 Uhr an, werden in der Restauration Bieker, Neustadt 5 5: Manufaetur-Waaren, Hosen, Westen, Anzüge, Wolle-Waaren u. a., der früheren Firma F. E. Loos gehörig, meistbietend versteigert. Aachener Badeöfen für Gas. Liefern sofort heisses Wasser. XTeberraschend schnelle Erwärmung eines Bades b* Abführung der Heizgase, für Salons, tchlaf- und Krankenzimmer, grosse Säle, Kirchen Bekanntmachung. Wegen Ausbau des Kohlwegs ist derselbe bis auf Weiteres gesperrt. Wieseck, am 13. Juli 1891. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. 6454 Preis I. Sorte (4 Pfd.) 58 H, H. , (4 „ ) 54 „ IeilgeSotenes. Kirschen, jeden Tag frisch gebrochen, sowie Einmachkirschen zu haben auf dem Trieb. [6465] I. Ebel. M e Rasche Lieferung aller weniger gebräuchlichen Wässer. 0 Mineral-Pastillen, Quellsalze, Quellsalzseife. Badesalze, Mutterlaugen, als Nauheimer, Kreuznacher, Seesalz etc., sowie alle sonstigen __________4475 Lich, am 13. Juli 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Oberhesfisch-Bayerischer Güterverkehr. Vom 16. d. M. ob gelangen birecte Frachtsätze zwischen der Bayerischen Station Mach und den Oberhessischen Stationen zur Einführung. Nähere Auskunft ertheilen die Güterabferttgungs- stellen. Gießen, den 11. Juli 1891. 6478 Großb- Direction der Oberhessischen Eisenbahnen. In dem Concurs über das Vermögen des Vogelsberger Bergwerk-Vereins in Gießen gelangen zur zweiten u.Schlußvertheilung unter den JL 16 852.91 betragenden Forderungen der unbevorzugten Gläubiger 1516.71 oder 9%. Einsicht des Vertheilungsplanes kann auf der Gerichtsschreiberei Großherzl. Amtsgerichts dahier genommen werden. Gießen, 13. Juli 1891. A. v. Jungenseld, Türk. Pflaumen wieder eingetroffen. H. F. Nassauer, 6485- Neueneweg 15, J. G. Houben Sohn Carl, Aachen. Referenz: Jede Gasanstalt. NB. Ersuche freundlichst ein ver- ehrliches Publikum, sich nicht durch ein billiges Brod täuschen zu lasten, da ein billigeres Brod bei den heutigen Mehlpreisen nur in bedeutend geringerer Qualität geliefert werden kann._______________________6479 6458) Weitzreugstickert« ««sucht, ««dwigsptatz 14. empfiehlt die OTTO SCHAAF o ®ies8e™ Drögen-Handlang von U-L-lV jjyllAAl. beltersweg 3IX U Porzellan, Glas, Steingut, feuerfeste S X Kochgeschirre, Stein- und irdene N X Waare, Figuren und Luxusartikel, X »Britannia-Waaren (Löffel und Vorleger), Solinger Stabiwaaren X (Messer u. Gabel, sowie große Brod- u. Schlachtmefser), Lampen etc., X o alles in reichster Auswahl von den geringsten bis zu den feinsten Sorten o X empfiehlt zu den billigsten Preisen X X Sonnenstr. 5. 0. Ranft; Sonnenstr. 5. S W NB. Auf eine Parthie dickes Porzellan für Wirt he X D und Restaurateure mache besonders aufmerksam. 6457 ö Ml. 5'chlMm. Freibank. [6379 Ochsenfleisch, nicht ladenrein, per Psd. 45 Pfg. Prima Hecht «nd Schellfische, schönstes Mastgeflügel in großer Auswahl, lebend und geschlachtet, empfiehlt [6482 C. G. «leinhenn, Bahnhofstraße 59, Telephon 66. uMF Compotsrüchte all. Art in Büchsen u. Glas, zu sehr bilb Preisen- Lenz’scher Felsenkeller 6451 27 27. in das Handelsregister Großh Amtsgerichts Gießen. i. 2. 3. 4. G« Kohlheyer 6477] 13. 16. Markus Hammerschlag in Treis. Summa . 6600,08 77 20. Rosa Appel daselbst. 77 33. in 6456 34. 35. 36. 6449 Coursbericht 6487 Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. 14. 15. 1. 2. 3. 17. 18. 19. Friedrich Levy in Gießen. Chr Daudt in Gießen. Wilhelm Heyer daselbst. 11. Adolf Kann in Mainzlar. 12. Oberhessische Actiengesellschaftfür 3% Reichsanlethe 3V2°/o do. 3o/g Preuß. ConsolS Der Direktor. Kloos. Der Rechner. Rein. Generalversammlung Heute Dienstag, 14. Juli, Abends 9 Uhr Mitgliederzahl in 1889 . Zugang in 1890 . . . Mitgliederzahl Ende 1890 Beuern, am 14. Juli 1891. Bergbau und Hüttenbetrieb zu Gießen. Actiengesellschaft Vogelsberger Bergwerksverein zu Gießen. Louis Strauß in Gießen. Moses Katz in Watzenborn. Activa. 1. Kassenvorrath incl. Vorlagen 2. Ausstände 3. Ausgeliehene Kapitalien . . 4. Ausstehende Güterkaufgelder 5. Werth der Mobilien nach Abschreibung von 5% . . . 6. Werth der Immobilien nach dem Ankaufspreise . . . I. Neue Cinträge: Johannes Klingelhöfer I. in Mainzlar betreibt daselbst seit 1887 Mehl- und Fruchthandel unter der Firma seines Namens. Jonas Löwer von Alten-Buseck betreibt daselbst seit zwei Jahren Handel mit Kurzwaaren unter der Firma „I. Löwer". Ferdinand Drebes und August Wallenfels in Gießen betreiben daselbst seit 1. Februar d. I. ein Colonialwaarengeschäft unter der Firma „Drebes und Wallenfels" unter Uebernahme der Activen und Passiven der früheren Firma Ferdinand Drebes. Hermann Katz IV. in Gießen betreibt seit 4. Rovbr. 1888 einen 21. Isaak Strauß daselbst. 22. Jacob Bender II. von Leihgestern. 23. Löb Süß in Gießen. 24. Johannes Heß von Lang-Göns. 25. Louis Rohde in Großen-Linden. 26. G. Müller in Gießen. 27. Ferd. Drebes in Gießen. 28. Gail'sche Wollspinnerei in Gießen. 29. Friedrich Emil Loos in Gießen. 30. P. Gräf von Darmstadt. 31. Löb Katz in Mainzlar. 32. Liebmann Reiß in Gießen. 4. Einweihung der Turnhalle und Feier des 45jährigen Bestehens des Vereins. 5. Ernennung von Ehrenmitgliedern. Der Vorstand. III« Sonstige Cinträge. Die Gewerkschaft Claus ist aus der Firma „A. Graff und Cie. Gießen am 18. Rovbr. 1890 ausgeschieden. Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1888 . . . In 1889 hat weder ein Ab- noch ein Zugang statt« gefunden, daher Stand Ende 1889 Allendorf a. d. Lumda, am 7. Juli 1891. in der Restauration Schnell. Tages-Ordnung: Bericht. Kreis- und Gauturnfest. Ersatzwahl des Vorstandes. Main-Weser-Hütte (Station Lollar), im Juli 1891. Buderussche Eisenwerke XXXI. Wanderverfammlung des Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins zu Hungen M* am 19. und 20. Juli in den Gartenanlagen des Gasthofes „Zur Traube". Ausstellung und Främiirung von Bienen, Honig, Gerät beeil alten« Am 19. Juli, Nachm. 3 Uhr: Eröffnung der Ausstellung, von 4 Uhr ab Concert. Am 20. Juli, von 9 Uhr ab: Verhandlungen der Generalversammlung, um 1 Uhr: Gemeinsames Mittagessen, Coneert, Verloosung. (Letzter Zug am Sonntag 10 Uhr 33 Min.) Zum Besuche ladet ergebenst ein Wilhelm Fillmann, Inhaber der Firma Chr. D. Fillmann in Gießen, ist verstorben und führt deffen Wittwe Caroline, geb. Vöhl, das Geschäft unter der seitherigen Firma weiter. Friedrich Gengnagel, Inhaber der Firma gleichen Namens in Großen- Buseck, ist verstorben und führt dessen Wittwe Katharine, geb. Lotz, das Geschäft unter der seitherigen Firma weiter. Georg Heß in Gießen ist aus dem Vorstand der Actiengesellschaft „Actienbrauerei Gießen" ausgetreten, sodaß derselbe nur noch aus dem Herrn Louis Lemme besteht. Dem Konrad Schmidt in Gießen wurde Collectiv-Procura ertheilt. Gießen, den 13. Juli 1891. Neidhart, Gerichtsschreiber. 3W Sommerfest des Fechtverband Giessen Sonntag, den 19. d. Mts., von Nachmittags 4 Uhr an auf der „Schönen Aussicht". Concert. Can? und Kolksbelustigung Eintritt Person ä 20 Psg., Kinder unter 14 Jahren frei! 6459 Der Vorstand. Landwirthschastlicher Consumverein II«, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Konrad Sommeriad IV., Director. Philipp Lindenstruth II., Cassier. Frucht-, Mehl- und Viehhandel unter der Firma seines Namens. 5. Daniel Christ auf der Holzmühle bei Lollar betreibt daselbst Getreidemüllerei unter der Firma seines Namens. 6. Otto Luft in Gießen betreibt seit Januar 1891 Handel mit Bier und Eis unter der Firma seines Namens. 7. Adolf Bär in Gießen betreibt seit 1. April 1891 ein Schuhgeschäft unter der Firma: „L. Süß Nachfolger". 8. Karl Haas V. in Gießen betreibt seit 15. April 1891 eine Kalkbrennerei unter der Firma: „Lahn-Kalk-Jndustrie Großen-Linden— Gießen Karl Haas jun." mit dem Sitze Gießen und hat seiner Ehefrau Anna, geb. Krämer, und seinem Vater, Karl Haas IV., Procura ertheilt. 9. Karl Stroh in Gießen betreibt daselbst seit 15. Mai 1890 ein Gold- und Silberwaarengeschäft unter der Firma seines Namens. 10. Die Firma „Braubach und Fischer" in Butzbach hat in Gießen eine Zweigniederlassung errichtet. Jeder der Gesellschafter, Wilhelm Braubach und Ferdinand Fischer, ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt. II.' Löschungen. Folgende Firmen wurden gelöscht: Danksagung. Für die liebevolle Theilnahme an dem schweren Verluste, der uns betroffen, sagt innigsten Dank [6476] Die trauernde Familie Walther. [6448 Der Controleur. Wagner. Casino-Gesellschaft zu Schotten Montag den 20. Juli: Disconto-Command^Anth. Darmstädter Bank-Act. Dresdener Bank-Act. Nordd. Lloyd-Act. Wiener Bankver.-Act. Oest. Eredit-Act. Oest. Staatsb.-Act. Kneger-Verrm Gießen Sonntag, den 19. d. Mts.: Fahnenweihe in Staufenberg.Z Abfahrt Mtt. 1 Uhr 40 M. mit Musik. Zusammenkunft am Bahnhof. Äbschieds-Concert und Vorstellung der Wiener Elite-Concertsängergcsellschaft „Lötsch" W Neues Programm. "9C3 — Anfang 8 Uhr. Eintritt 40 Ptg. — Programm L 10 Pfg. an der Kasse. eX 455,30 204,56 5753,90 186,32 6600,08 4464,09 385,00 1398,84 352,15 Bilanz pro 31. Deeember 1890 Activa« a. Kassenvorrach b. Utensilienconto c. Waarenvorrath d. Ausstände.......... Schlackensteine, anerkannt vorzüglich für alle Hochbauten, insbesondere auch zur Pflasterung von Ställen, wegen Feuerbeständigkeit laut Verfügung Großherzoglichen Kreisamts Gießen vom 9. Septbr. 1890 zu Brandmauern und Kaminbauten für zulässig erklärt, sind in zwei Größen, Norwalprofil 250 x 120 x 65 mm, sowie 250 x 120 x 100 mm, auch in größeren Quantitäten bei uns zu haben. von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 14. Juli 1891. Schlußcourfe 1 Uhr 15 Min. Summa . Passiva. a. Schulden b. Geschäftsguthaben der Genoffen . . . c. Reservefond d. Gewinn in 1890 GEGR: 1846 6313 3i/i % do. Altenburgskopf-Part hie Bilanz des Spar- u. Vorschuß-Vereins Allendorf a. d. Lmda., eingetr. Genoffenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, pro 1889. Passiva. M 22089 47 1. Kapitaleinlagen .... 442462 56 95162 42 2. Stammanthetle der Mit- 353771 82 glieder ... ..... 2700 — 21687 25 3. Reserveiond ...... 4. Rücklage zur Deckung etwa- 5854 15 635 8550 — iger uneinbringlicher Ausstände und noch zu zahlender — Verwaltungskosten . . . 50000 — 5. Reingewinn...... 879 25 501895 96 501895 96 85.00 4% Ung. Gold-Rente 91.40 99.10 5% Jtal. Rente 9180 85.05 ^Vßjo/o Oest. Silber-Rente 80 60 99.00 5% Ruff. m. Orient 71 40 176.00 ;Lomb. E-eB.-Act. 92.00 136.40 Buschtherader E--B.-Act. 416.75 138 70 Elbthal-Bahn-Act. 186 62 113-00 Gotthard-Bahn-Äct. 134,00 97.10 Schweizer Nordost-B.-Act. 133.75 255 87 Mainzer E.-B.-Act. 114.40 248.75 Marienburger E.-B.-Act. 62 50 isitenkarten Brühl’schenDrnckerei werden In jeder Schriftart und Papiersorte angefertigt in der Fernsprecher No. 51. Schulstrasse 7. Mittwoch den 15. Juli, Abends 8 Uhr: Fünftes historisches Orgel - Concert in der Stadtkirche 6398 unter gütiger Mitwirkung von Frl. Riemann aus Wetzlar (Alt), des Herrn Prof. Dr. Krüger und des Organisten Herrn Görlach. Programm. Soli f. Alt: Blumner, Arie aus dem Oratorium „Der Fall Jerusalems“. Kiel, Arie aus „Christus“. — Für Violine, Rheinberger: a) Pastorale, b) Ouvertüre. — Orgelsoli, Rheinberger: Fantasiesonate as, Sonate fisdur.—Thema mit Variationen, Choralbehandlung. Merkel, Sonate für zwei Spieler. Eintrittskarten ä 1 Mark, für Studenten und Schüler 75 b. Hm. Ernst Cha Hier Für Studenten und Vereine! 6362] 6in schönes Kneiplocal ab; zugeben. Zu erfragen in der Exp. d. Bl. 5460] Ein tüchtiges Dienstmädchen gesucht« C. Steinhäuser, Buchbinder. Zu verpachten ist in der Nähe von Nidda (an der Gteß-n-Gelnhausener Bahn) eine große Hofraithe nebst dazu gehöriger Wirth- schaft mit Kegelbahn. Daselbst kann auch Metzgerei betrieben werden. Näheres in der Exped. d. Bl. [6320 Alte Metalle. wie: Kupfer, Messing, Zinn, Zink, Blei, Guß- und Schmelzeisen, Quecksilber, altes Gold und Silber u. s. w. kauft stets zu höchsten Tagespreisen (5129 Louis Rothenberger, Neuenweg_2._ 6483] Ein Mädchen empfiehlt sich im Bügeln in und außer dem Hause. _________________Grünbergerstratze 29. 6480] «ine Korallenbrosche verl. von Steins Garten bis Ludwigstraße 12. Geg. Belohn, abzug. Ludwigstr. 12, III. 6474] Ein kleiner wachsamer Hund mir Steuermarke billig zu kaufen gesucht. Näheres__________Brandplatz 12, II. Aufforderung. Die Inhaber der Briefe Z. Z. 90, B. B. 100 und A. A. 15 wollen sich melden bei Hermann Vogt, Ludwigstraße 22 I, CommisstorrSburearr. [6450 6453) Ein Haus mit gangbarer Wirthfchaft zu kaufen gesucht. Off. u. A. K. an die Expedition d. Bl. zu richten. G. F. F. Mittwoch Abend: Hauptübung. 6484 Aermiet-ungen. 6473] Ein kleines und ein größeres Logis zu vermiethen. Schützenstraße 11. 6475] Ein Familienlogis im 1- Stock zu vermiethen. Schmehl, Brandplatz 12. 6469] Der untere Stock hl Hauses, 5 Zimmer, Mansardenstübchen und sonst. Zubeh., per 15. Sept oder später zu ver-- miethen. Ferd. Krailing Wwe., Wetzfteingasse 41. 6468] Der zweite Stock im Neubau, 4 Zimmer mit allem Zubehör, sofort zu vermiethen. Henrich Ruckstuhl II., __Asterweg 50.________ 6466] Schönes Mansardenlogis, möbltrt oder unmöblirt, an eine alleinstehende Dame oder ruhigen Herrn pr. 1. August d. I. zu vermiethen. Nordanlage 33^_ 6471] Eine schön hergerichtete Bäckeret in schöner Lage in einer Nachbarftadt von Gießen zu vermiethen und kann sofort übernommen werden. Nähere Auskunft ertheilt___________Karl Germann. 6333] Zwei möblirte Zimmer sofort, zwei unmoblirte Zimmer per 1. October zu vermiethen. Wallthorstraße 46. 6460] Ein Stübchen mit Bett zu Der? mietben. Seltersweg 52, Hinterb. rechts. 6462] Stube mir Bett zu vermiethen. ___Kanzleiberg 7, II. 6467] Einfach möbl Zimmer zu vermiethen. Bahnhofstraße 31. 6472] Zwei möbl. Zim. zu verm. an 1 od. 2 Herren. Verl. Goethestr., 3. St. Mehrere fein möblirte Zimmer r« vermiethen. [6452 Frankfurterstr. 49, Bel-Etage. Die heutige Rümmer umfatzt 6 Seiten. Mittwoch de 15 Juli (Stegner Anzeiger. Beilage zu Rr 161. - 1891 Feuilleton. Die Menfchrnfänger in der Türkei. Am 15. Juli 1890, Morgens nach 5 Uhr, verließ ich zu Wagen Bazont, von meinem Rechnungsbeamten, Herrn Mejor, begleitet, um die Bauarbeiten des gegen Karakeni zu, etwa zwanzig Kilometer entfernten Theiles meiner Section einer neu zu erbauenden Eisenbahn zu inspiciren. Ein herrlicher Morgen war angebrochen, ein seit Wochen ungetrübter tiefblauer Himmel verhieß hohe Tagestemperatur, vor der wir rechtzeitig geborgen zu sein hofften. So waren wir etwa sechs Kilometer weit gefahren und, mehrere beladene Fuhrwagen überholend, in ein Defile gelangt, ohne irgendwie Auffälliges bemerkt zu haben. Am Ein- und Ausgange dieses Defiles befindet sich je eine Karaula (Blockhaus). Der Zaptieh in der ersteren Karaula hockte im Untergewand und blossüßig vor der Thüre, damit beschäftigt, seinen Morgenkaffee zu bereiten. Mit flüchtigem Gruße fuhren wir weiter, sorglos plaudernd, etwa ein Kilometer. Da tritt, wie ein Nebelbild, plötzlich vor uns die Erscheinung dreier, bis an die Zähne bewaffneter Männer in bulgarischer Tracht- schon sind sie den Pferden in die Zügel gefallen, schon hat ein Vierter den Arm des Kutschers gepackt, der seinen Revolver ergreifen wollte- ein rascher Blick seitwärts und ich sehe drei andere Gestalten neben deut Wagen auftauchen. Indessen war schon mein Kutscher gebunden und im herrischen Tone riefen uns zwei der Gesellen zu, vom Wagen zu steigen. Um ihren Worten etwas mehr Nachdrrck zu gebrn, legten sie gleichzeitig beiderseits ihre Gewehre auf uns an, ein Argument, dem wir keine Veranlassung hatten, uns zu verschließen. Wir gehorchten also und nun eröffneten uns die Vertreter der „Gruppe", daß wir 3000 Lire (eine türkische Lira — 9 fl. 10 kr.) Gold zu erlegen hätten. Im Falle wir diese Summe nicht bei uns hätten, würde uns bis zum Eintreffen derselben eine Villeggiatur in den Wäldern offerirt. Es hals uns nichts, auf den im schreiendsten Mißverhältniffe zum gesor- derten Betrage stehenden Inhalt unserer Geldtäschchen hin- zuweisen. Zwischen einem Spalier von Repetirgewehren führte man uns nach rückwärts, die Straße entlang. Indessen hatten sich aus derselben zahlreiche Fuhrwagen angesammelt, die von den Briganten am Meitersahren verhindert wurden, um nicht die nächstgelegene Karaula zu allarmiren. Das bloße Commando des Capitäns: „Halt hier eine halbe Stunde!", unterstützt von einem in Anschlag stehenden Schützen neben dem vordersten Wagen, genügte, um eine Kette von 40 Wagen anzuhalten. Keiner der Fuhrleute machte auch nur den Versuch, uns zu helfen- in das Packstroh des Wagens versteckt, betrachteten sie theilnahmslos das Schauspiel. Wir wurden an den Fluß geführt, Huckepack hinübergetragen und nun in rasender Eile den gegenüberliegenden Bergabhang hinaufgetrieben. Gezogene Handschars mahnten uns nachdrücklich zur Beschleunigung des Tempos, so oft unsere Kräfte zu erlahmen drohten. So stiegen wir an hundert Meter empor und hier wurde, gedeckt von einem Felsvorsprung, Rast geboten. Die Räuber, die nur schlecht türkisch, etwas besser griechisch, unter sich aber arnautisch (albanesisch, eine Mischsprache aus griechisch, türkisch, serbisch und italienisch) sprachen, erklärten nun, wir hätten brieflich sofort 3000 Lire zu verlangen, den Brief würde unser Kutscher an seine Adresse befördern. Würden wir aber, so hieß es, wagen, Zaptiehs zu verlangen, oder sollten auch nur unsere Freunde Miene machen, die bewaffnete Macht zu unserem Schutze aufzubieten, so flögen beim ersten Versuche unsere beiden Köpse. Die verlockende Aussicht auf diese Doppelhinrichtung kam denn auch in unserem depeschenartigen Schreiben zum stimmungsvollen Ausdruck. Indessen hatte sich doch das Gerücht von dem Geschehenen verbreitet. Zaptiehs eilten aus den benachbarten Karaulas herbei und plötzlich ertönten Schüsse. Neugierig erhoben wir, im Grase zum Schreiben gelagert, die Köpfe, da heißt es schon „Ducken!" und in der That schlagen dicht neben uns die Kugeln ein- die eine derselben bewahre ich noch heute als Andenken. Der Capitän, an solche Scenen mehr gewöhnt als wir, commandirte in aller Seelenruhe: „Zwei Martini (nämlich zwei Mann mit Martini Stutzen) vor!" und wie am Manöverplatze, accurat, ruhig und gelassen, vollzieht sich die Bewegung. Zwei Mann werfen sich aus einen vorgelagerten, bastionartigen Felsen und erwidern das Feuer der Zaptiehs. So werden beiderseits zwölf bis fünfzehn Schüsse abgegeben. Endlich verstummt das Feuer beiderseits, wir heben die Köpse, die Zaptiehs haben sich, der Tapferkeit besseren Theil erwählend, in die Karaula zurückgezogen und nun begibt sich einer der Räuber hinunter auf die Straße, übergibt dem bis dahin gefangen gehaltenen Kutscher unsere Briefe und schon sehe ich meinen Wagen in rasendem Galopp nach Bazont fahren. Wir aber ziehen weiter. Schweigend, nur mit gezogenem Handschar winkend, treiben uns die Räuber zur Eile an. Unter dem 38. Breitengrade brennt die Sonne schon um 8 Uhr Morgens gehörig heiß. Nach anderthalbstündigem Anstieg auf kahler, nur stellenweise mit Buschwerk bewachsener Felslehne haben wir den Kamm erreicht und damit auch schattiges Gehölz vor uns. Zwei Schnarrposten werden an die Lisiere beordert, wir lagern uns erschöpft im Innern des Waldes. „Also wie viel Geld hast Du in Bazont?" herrschte mich der Hauptmann an, nachdem wir an einem Trunk Wasser unseren Durst gelabt. So weit war ich nun schon Orientale geworden, um hierauf nicht direct zu antworten, sondern in gebrochenstem Türkisch eine lange Geschichte zu erzählen, daß ich mit Geld gar nichts zu thun habe, daß die Kasse anderwärts in Eskischehir sich befinde, daß nur zeitweilig größere Summen von Stambul anlangen, und daß so auch die 3000 Lire, die er verlangt, erst von dort gesandt werden müßten. Gegenwärtig seien etwa vier bis fünf Lire in Bazont. (Schluß folgt.) Bekanntmachung. Zufolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß im Laufe des Monats August voraussichtlich keine Sitzungen der Stadtverordneten-Versammlung abgehalten werden. Dringliche, die Beschlußfassung der Stadtverordneten-Versammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher behufs vorgängiger Erledigung bis spätestens 18. d. Mts. bei uns vorzubringen. Gießen, den 10. Juli 1891. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________Gnauth._____________________6411 Bekanntmachung. Auf den am 22. d. Mts. dahier stattfindenden Markt machen wir hierdurch aufmerksam, da mit demselben wieder Rindvieh- und Schweinemarkt verbunden ist. Homberg a. d. O., am 8. Juli 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Homberg a. d. O. Repp. 6307 Mittwoch den 12° August, Nachmittags 21/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Friedrich Welker Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 40 Nr. 296 — 450 Meter Acker auf dem Sand, Flur 40 Nr. 297 - B88 Meter Acker daselbst, Flur 1 Nr. 39 — 12 Meter Hofraum Miststätte in der Mühlgasse, Flur 1 Nr. 41 - 75 Meter Hofraithe in der Mühlgasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. Juni 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. __________I. A: Bogt. 6008 Mittwoch den 15 Juli, Vormittags 10 Uhr, wird auf dem hiesigen Viehmarkte eine Kuh gegen Baarzahlung versteigert. Geißler, 6436 Gr. Gerichtsvollzieher. Mittwoch der 15. Juli, Nachmittags 2 Uhr beginnend, werden im Laden des Herrn Möbelfabrikanten Lotz, Neustadt 11, die noch übrigen Möbel, Geschäftsfournituren, Werkzeuge und Utensilien meistbietend versteigert. Besonders sind dabei: 1 Silberschrank, 1 Bücherschrank, 1 Damenschreibtisch, 1 Polstersessel, 1 Marmortischchen, 1 Kinderbett, 1 Stehpult, 3 Goldstühlchen, 1 Kinderstühlchen, 1 Comptoirstuhl, verschiedene andere Stühle, 1 Toilettenspiegel, 1 Krankenstuhl, 1 Krankentisch, 1 Closet, 1 Bidet, 1 Portiere, Gallerien u. s. w., Möbelstoff, Plüsch, Galleriefranzen, Vorhangstoff, Rouleaux, Kleiderleisten, Möbelgimpen, Kordel, Quasten rc. re. 1 Hobelbank, 1 Nähmaschine für Sattler, Werkzeuge, Fournituren u. s. w. [6277 Moderne Holz- und Metallbeschläge, Kloben, Nägel, Verzierungen, Porzellanringe, Stechgarn, Schnürfaden, Schellack, Leim, ca. 6 Ctr. Sprungfedern, 4 Ctr. 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