Nr. 12 Donnerstag den 15. Januar __________________1891 Der Otehever Anzeiger erscheint täglich, «tt Ausnahme deS Montag-. Die Gießener InmiNenStttier ««d« bem Anzeiger SLchentttch dreimal veigelegt. Gießener Anzeiger General-Unzeiger. vierNIjShriger Avo«neme»t5prei» i 2 Mark 20 Pfg. mV Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Rebaction, Eppeditt«» und Druckerei: Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Nveis Grsfzen. ■ ■■ ■■ । ■— ■ . ' J.Lrrr_?_^ 1 ...... ■ - " '.■■?■.-------— ■■ ■ 'L_-— Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den Gratisbeilage: Gießener Isarnikienßkatter. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" emqeqen. zagenden Tag erscheinen den Nummer bt» Borm. 10 Uhr. [ K i»«»»», iiiimTi____————t Amtlicher Theil. Gießen, am 12. Januar 1891. Betr.. die Aussührung des Alters- und Jnvaliditäts- versicherungsgesetzes vom 22. Juni 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Großherzogliche« Bürgermeistereien, die Vorstände der Fabrik-- und Knappschaft-- Kaffe«, der OrtSkraukenkaffe Gießen und der örtliche« Invalidität-- und Alter-verficherung-stellen de- Kreise-. Zur Aussührung des rubr. Gesetzes sind von der Versicherungsanstalt folgende Vorschriften erlassen worden- I. Beim Vollzüge von Entscheidungen über Streitigkeiten wegen der Beiträge (§ 125 des Jnvaliditäts- und Alters- Bersicherungsgesetzes) und bei der Berichtigung von Quittungskarten (§ 127 des angeführten Gesetzes) ist folgendes Verfahren einzuhalten: 1. Sind für zu wenig Beitragswochen Beiträge erhoben und Marken verwendet worden, so hat diejenige Stelle, welche diese Beiträge hätte einziehen sollen, auf Anweisung des Kreisamtes die zu wenig erhobenen Beiträge von dem Arbeitgeber einzuziehen und die entsprechenden Marken in die Quittungskarte einzukleben. 2. Sind Marken einer niederen Lohnklasse verwendet worden, so hat diejenige Stelle, welche solche Marken verwendet hat, auf Anweisung des Kreisamtes die unrichtig verwendeten Marken z'u vernichten und die richtigen Marken nach Ersatz der Werrhsdifferenz seitens des Zahlungspflichtigen in die Quittungskarte einzukleben. 3. Sind ungerechtfertigter Weise Beiträge erhoben worden, so hat diejenige Stelle, welche dieselben erhoben hat, aus Anweisung des Kreisamtes, das eine solche jedoch nur aus Antrag des beteiligten Arbeitgebers oder Versicherten ertheilen wird, je die Hälfte des zu viel erhobenen Beitrags an den Arbeitgeber und Versicherten zu erstatten und die den wiedererstatteten Beiträgen entsprechenden Marken in der Quittungskarte zu vernichten. 4. Sind Marken von zu hohem Werthe verwendet worden, so hat diejenige Stelle, welche dieselben verwendet hat, aus Weisung des Kreisamtes, daß dieselbe auch hier nur aus Antrag der Betheiligten ertheilen wird, die betreffenden Marken zu vernichten, die richtigen Marken in die Quittungs- kartc cinzukleben und die Werthsdifferenz an die Arbeitgeber und Versicherten je zur Hälste zu erstatten. 5. Will das Kreisamt an Stelle der Vernichtung von Marken die Ausstellung einer neuen Quittungkarte treten laffen, so hat die jeweilig zuständige Stelle die alte Quittungskarte einzuziehen und den Betheiligten eine neue Quittungskarte auszustellen, in welche die giltigen Einträge der alten Karte übertragen, für die unrichtig verwendeten Marken aber richtige Marken eingeklebt werden. Das bezüglich der Uebertragung einzuhaltende Verfahren richtet sich nach Ziffer 31 — 37 der Anweisung betreffend das Verfahren bei der Ausstellung und dem Umtausch, sowie bei der Erneuerung der Quittungskarten (Regierungsblatt Nr. 44). 6. Sind die betheiligten Arbeitgeber und Versicherten mit der für sie zuständigen örtlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherungsstelle darüber einig, daß die Berichtigung einer Quittungskarte stattzufinden hat, weil Marken überhaupt nicht oder von zu hohem oder zu niederem Werthe verwendet worden sind oder Beiträge überhaupt nicht hätten verwendet werden sollen, so hat die örtliche Stelle, ohne daß ein Einschreiten des Kreisamtes stattfindet, das unter 1—4 angegebene Verfahren selbstständig vorzunehmen. Hierbei wird auf Ziffer 42 der oben angeführten Anweisung ausmerksam gemacht. 7. Sind die berichtigten Quittungskarten bereits aufgerechnet (§ 103 Abs. 2 des Reichsgcsetzes), so ist auch in allen Fällen die Berichtigung dieser Aufrechnung und der über dieselbe etwa ertheilten Bescheimgung durch die zuständige örtliche Stelle vorzunehmen. 8. Die Vernichtung der Marken erfolgt gemäß Beschlußes des Bundesraths vom 27. November 1890 durch Abreißen oder völlige Unkenntlichmachung der Marken. Dabei ist auf der Quittungskarte handschriftlich oder unter Verwendung eines Stempels der Vermerk „ *) Marken vernichtet", sowie die Bezeichnung der die Vernichtung von Marken vornehmenden Stelle zu setzen. Die Vernichtung von Marken kann auch dadurch erfolgen, daß sie durch einen daraus gesetzten amtlichen Vermerk als ungiltig erklärt werden. *) Hier ist die Zahl der vernichtete» Marken einzurücken. 9. Wegen Ersatzes der bei Vernichtung von Beitragsmarken den örtlichen Stellen erwachsenden Kosten in Höhe der jeweils vernichteten Marken haben dieselben unter Vorlage der Verhandlungen der Versicherungsanstalt Vorlage zu machen. II. Ferner wird darauf ausmerksam gemacht, daß solche Personen, welche Anspruch auf Altersrenten erheben, versicherungspflichtig bleiben. Die örtliche Stelle hat daher dem Antragsteller in Anwendung des Verfahrens Ziffer 11—30 der oben angeführten Anweisung alsbald eine neue Quittungskarte, welche die Ordnungs-Nummer 2 erhält, auszustellen, für denselben auch ferner Beiträge einzuziehen, und die der Lohnklasse entsprechenden Beitragsmarken in dessen Quittungskarte cinzukleben. Wir empfehlen Ihnen sich in vorkommenden Fällen nach diesen Vorschriften streng zu richten. Die Großh. Bürgermeistereien wollen von dem Inhalt dieses Ausschreibens die Vorstände der örtlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- ftellen in Kenntniß setzen. von Gagern. Bekanntmachung, Maul- und Klauenseuche zu Gießen betreffend. Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche bei einer Kuh des Viehhändlers Juda Katz I. zu Gießen sest- gestellt worden ist, haben wir die Sperre über die beiden in der Großen Mühlgaffe zu Gießen gelegenen Ställe des Genannten verfügt. Gießen, am 12. Januar 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen- v. Gagern., Deutscher Reichstag. 42. Plenarsitzung. Dienstag, 13. Januar 1891, 2 Uhr. Auf das Glückwunschschreiben des Präsidiums aus Anlaß der Geburt des jüngsten Prinzen ist ein kaiserliches Dankschreiben etn- gegangm. Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung des Antrages Auer und Genossen (Soc.) auf Annahme eines Gesetzes betr. die Abänderung des Zolltarifs (Aufhebung der Getreide-, Mehl-, Vieh- und Fleischzölle) in Verbindung mit dem Anträge Richter (bfr.), den Reichskanzler zu ersuchen, zur Entlastung der minder wohlhabenden Volksklassen und zur Anbahnung einer gerechteren Besteuerung 1. die Kornzölle auf die bis 1887 bestandenen Sätze zu ermäßigen, sodann eine allgemeine Revision der Zölle einzuleiten, welche unter gänzlicher Beseitigung der Zölle auf Korn, Vieh und Holz auch eine Entlastung der Landwirthschast herbetführt; 2. die Aufhebung der Zucker-Matertalsteuer und der Zuckerausfuhrprämien zu veranlaßen; 3. die Brenner-Privilegien bei der Branntwetn-Ver- brauchsabgabe aufzuheben. Reichskanzler v. Caprivi: Die wirthschaftliche Tragweite der Anträge wird von den verbündeten Regierungen nicht verkannt. Die Anträge waren bereits int Juli v. I. eingebracht. Inzwischen sind die Verhandlungen wegen Abschluß eines Zolloertrages mit Oesterreich angeknüpft worden und wir haben die begründete Aussicht, daß die Verhandlungen zu einem für beide Thetle befriedigenden Resultate kommen werden. Nähere Mtttheilungen hierüber zu machen sind die verbündeten Regierungen zur Zeit nicht im Stande, weder über den Verlauf der Verhandlungen, noch über die beiderseitigen Ziele derselben. Die Sorge für die Erleichterung der Volksernährtmg liegt auch den verbündeten Regierungen am Herzen; sie glauben dies auch bewiesen zu haben, indem sie die Fletscheinfuhr erleichterten. Zugleich aber erkennen wir an, daß unS auch die Sorge für die Erhaltung der Landwirthschast obliegt. Eine gedeihliche Landwirthschast ist für die Erhaltung des Staates von höchstem Werthe. Treten die Herren in eine Dtscusfion der Anträge ein, so werden sich die Vertreter der verbündeten Regierungen nur insoweit an derselben bethetligen, als dies eben zur Berichtigung bedenklicher Jrrthümer über chatsächliche Verhältnisse nöthig sein sollte. Hierauf begründet der Abg. Schumacher (Soc.) den Antrag Auer, indem er die Zölle als verderblich schildert; sie haben daS Rechtsbewußtsein der Bevölkerung auf den Kopf gestellt. Aus der Rede des Kanzlers ist zu entnehmen, daß man auch oben einsteht, mit den Zöllen geht es nicht weiter. Es ist verkehrt, durch die Zölle einer größeren Zabl von Arbeitern ein bestimmtes Einkommen sichern zu wollen. Für den überwiegenden Thetl der Arbeiterschaft ist der Zoll eine große Last. Redner sucht durch Angabe statistischer Daten uachzuwetsen, daß die industrielle Krisis ledigltch aus der Zollpolitik hervorgegangen ist. Auch in den Kreisen, die früher für die Zölle arbeiteten, hat sich ein Umschwung vollzogen. Unser Antrag bezweckt, daß man in ähnlicher Weise, wie man mit Oesterreich in Unterhandlungen getreten ist, auch mit Rußland und Amerika verhandele. Für die breiten Masten des Volkes wird man am besten sorgen, wenn man die Zölle aufhebt und die Militärausgaben vermindert. Nehmen Sie unseren Antrag an. Dann haben Sie sich wirklich um das Vaterland verdient gemacht. Abg. Richter (bfr.) begründet seinen Antrag, der nicht Alles erschöpfe, was seine Partei anstrebe. Im vorigen Reichstage war kaum ein Achtel der Abgeordneten für solchen Antrag, heute dürfte mindestens ein Drittel der Abgeordneten dem Anträge zustimmen. Wir haben nicht erwartet, durch eine Neuwahl sofort eine srei- händlertsche Mehrheit im Reichstage zu erhalten. Die Agrarzölle find zuletzt allein und einseitig erhöht; es ist gerecht, mit der theil- . weisen Aufhebung dieser Zölle den Anfang zu machen. Im Prtncip bin ich mit dem soctaldemokratischen Anträge und mit den AuS- | führungen des Vorredners einverstanden. Die Frage der Zucker- und Branntweinsteuer ist in Fluß gekommen durch die inzwischen eingebrachten Vorlagen. Die Mtttheilungen über den österreichischen Handelsvertrag begrüßen wir mit aufrichtiger Freude, er wird einige Sicherheit in die handelspolitischen Verhältniste bringen. Allerdings sind wir Gegner der Differentialtarife und hoffen, daß die Regierung nicht auf solche, sondern auf allgemeine Tarifreformen hinstreben wird. Eine Abstimmung über die Anträge wünschen wir mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen nicht; vielleicht empfiehlt sich die Verweisung der Anträge an die Budgetcommtssion. In Schutz nehmen möchte ich die Regierung noch gegen Angriffe auS Anlaß der Verhandlungen mit Oesterreich. Aus einer alten Raketen- ktste ist die Ansicht aufgestiegen, daß diese Verhandlungen für daS Fortbestehen des Dreibundes entscheidend seien, man sollte deshalb den Reichstag auflösen. Nun, mit solcher Wahlparole würde wahrscheinlich der letzte Agrarier hier ausgerottet werden. (Sehr wahr!) Leider hat Fürst Bismarck nicht den Reichstag aufgelöst, wenn er neue Zölle verlangte. Mit Recht legt man jetzt Werth auf die Förderung des Verkehrs. Fürst Bismarck selbst hat seither dem Handelsverträge mit Oesterreich großen Werth beigelegt, jetzt wirft er aus dem Dickicht von Friedrtchsruh, hinter dem Bretterzaun der „Hamb. Nachr." mit Steinen auf seinen Nachfolger. Ich habe dem Fürsten Bismarck gegenüber nie ein Blatt vor dm Mund genommen, diesen publictsttschen Unfug verurtheile ich ganz besonders. Die Rakete ist aufgesttegen, sie hat gezischt, sie ist verpufft, erleuchtet hat sie Niemand außer Herrn v. Kardorff, den sie veranlaßt hat, wieder seine Forderung nach Doppelwährung geltend zu machen, die erst recht ohne internationale Verträge nicht durchzusühren ist. Lehnen Sie jetzt unseren Antrag ab, dann bringen wir ihn beim Etat wieder ein und Sie nehmm ein bedenkliches Odium auf sich. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist besonders günstig für die Beseitigung der Zölle. <« Abg. Lutz (cons.): Ich bin in einem Kreise gewählt, wo Großgrundbesitz nicht besteht; dort sind die Kleinbauern Schutzzöllner (Hört, hört!) Die Aufhebung der Zölle würde den Rum der Landwirthschast herbetsühren. Daß die Socialdemokraten hierauf abzielen, ist begreiflich, denn der ruinirte Bauer ist der beste Socialdemokrat (Sehr richtig!) Die Aufhebung der Einfuhrbeschränkungen ist wahrscheinlich nur aus Courtoisie gegen den zweitgrößten Bundesstaat erfolgt, sie war ein Fehler, wie die große Seuchengefahr in Nürnberg und in anderen Städten darthut. Will man den deutschen Bauer schnell und sicher ruiniren, so hebe man die Zölle auf. Die vorübergehende Fleischnoth war eine Folge des Futtermangels im vorigm Jahre. Abg. v. Sch al sch a (Ctr.) stimmt mit dem Vorredner überein. Herr Richter lobt den österreichischen Vertrag, obwohl er ihn noch gar nicht kennt. Redner zieht sodann aus einer Reihe von Zahlen über die Bewegungen auf dem Geld- und Getreidemarkte den Schluß, daß der Zoll das Getreide nicht vertheuert hat. Die Preisschwankungm werden bedingt durch die Zahlungsmittel, mit denen das Geträde bezahlt wird. Erst soll man Ersparnisse im Etat machen und bann die Zölle aufheben. Richtiger wäre es von Herrn Blumacher gewesen, erst die Ermäßigung der Militärausgaben zu beantragm und dann die Beseitigung der Getreidezölle anzufireben. Abg. vr. Buhl (ntl.) bedauert zunächst dieForm des Richter schen Angriffes auf den unvergeßlichen Gründer des deutschen Reiches. Die Zölle nützen dem Kleinbauern mehr als dem Großgrundbesitzer, das wird auch in Arbeiterkreisen eingesehen; man begreift dort, daß die Löhne gegen die geringe Vertheuerung des Brobes sehr herabsinken würden, wenn die Zölle aufgehoben mürben. Wenn man sich auch im Princip für bie Aufhebung ber Getreibezölle entschließen könnte, so ist doch der gegenwärtige Zeitpunkt zu einer solchen Aushebung wenig geeignet. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung'. Fortsetzung der soeben vertagten Berathung. Schluß 5 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolff- telegraphisches Lorrespondenz«Bureau. Berlin, 13. Januar. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die „Franks. Zeitung" hat aus Mecklenburg die Nachricht gebracht, der Großherzog habe dem Fürsten Bismarck die Stellung des mecklenburgischen Ministerpräsidenten angetragen, die der Fürst jedoch abgetehnt habe. So sehr die Nachricht, namentlich auch durch die Unrichtigkeit der damit verknüpften Nebenumstände das Gepräge der Unwahrheit an der Stirn trägt und so wenig anzunehmen ist, daß denkende Männer dieselbe für Ernst nehmen könnten, hat sie doch den Weg durch viele Blätter des In- und des Auslandes gefunden. Dieser Umstand und der Wunsch, dem unerfreulichen Gerede ein Ende zu machen, veranlaßt die mecklenburgische Staatsregierung zu der Erklärung, daß die Nachricht aller und jeder thatsächlichen Grundlage entbehrt. Berlin, 13. Januar. Die gestrigen Telegraphenstörungen, die durch das plötzlich eingetretene Thauwetter herbeigeführt waren, betrafen nur die oberirdischen, nicht die unterirdischen Leitungen. Die letzteren sunctioniren vorzüglich. Die unterirdische Linie bis München ist erst bis zur bayerischen Grenze hergestellt. Berlin, 13. Januar. Die von dem Pariser „Temps" veröffentlichte Mittheilung, Prinz Waldemar von Dänemark habe sich behufs Aufnahme des Herzogs von Orleans in die russische Armee an den Kaiser von Rußland gewendet, entbehrt jeder Begründung. Stettin, 13. Januar. Der Kaiser traf an Bord des Eisbrechers „Berlin", gefolgt von den Eisbrechern „Stettin" und „Swinemünde" um 5 Uhr hier ein, begleitet vom Ober- Bürgermeister und den Obervorstehern der Kaufmannschaft, welche die Fahrt von Swinemünde mitgemachl hatten. Der Kaiser, von dem zahlreich am Hasen versammelten Publikum durch Zurufe begrüßt, verließ um 5J/4 Uhr mittelst Sonderzuges die Stadt. Breslau, 13. Januar. Der „Breslauer Zeitung" zufolge ist der Strike im Schmiederschacht beendet. Die ganze Belegschaft ist ohne jegliche Lohnerhöhung wieder an- gefahren. Wien, 13. Januar. Der „Polit. Corr." zufolge könne berechtigterweise von einer armenischen Frage keine Rede mehr sein, nachdem der Patriarch der Armenier Frieden mit dem Sultan und der Pforte gemacht hat, in Armenien vollständige Ruhe herrsche und keine Macht die Agitation begünstige- alle Mächte wären in dem Wunsche eines friedlichen Arrangements bei der Lösung der Schwierigkeiten einig. Paris, 13. Januar. „Siecle" meldet: Der Deputirte Dillon, welcher am nächsten Freitag in Frankreich landen soll, wird definitiv zum einzigen Leiter der irländischen Partei gewählt werden. — Das „Journal des Debats" veröffentlicht einen Bries des Generals Beaussremont, enthaltend eine von Marschall Mac M a h o n gezeichnete Erklärung, er habe zwar am Vorabende der Schlacht von Sedan dem Kaiser Napoleon ein Decret betreffend die Ernennung G a l l i f e t s zum Brigadegeneral vorgelegt, aber das Decret wurde niemals unterzeichnet. Er wiffe nicht, wie Gallifet sich zum General ernennen ließ, ohne das Decret erhalten zu haben. Das „I. d. Debats" führt ausführlich Beweis dafür, daß ein Jrrthum Mac Mahons vorliege. Paris, 13. Januar. Nachrichten aus Buenos Aires über die Lage in Chile besagen, daß lediglich das chilenische Geschwader von der aufständischen Bewegung ergriffen fei. Die Armee blieb Balmaceda treu, die Bevölkerung verhält sich ruhig. Die Regierung ergriff energische Maßregeln zur Unterdrückung der aufständischen Bewegung. Der Belagerungszustand ist proclamirt. Paris, 13. Januar. Einer Meldung des „Soir" aus Arras zufolge striken 900 Grubenarbeiter in Auchel. Paris, 13. Januar. Den Abendblättern zufolge ist Gras AmelvtChaillon zum Ministerresidenten in Cettinje eritannt. Cherbourg, 13. Januar. Die Panzerdivision des Nord' see-Geschwaders macht sich segelfertig, um Mobilisirungs- übungen vorzunehmen. Venlo, 13. Januar. Die englische Post von gestern Abend über Vlissingen ist wegen Nebels aus See ausgeblieben. Kopenhagen, 13. Januar. Die planmäßige Fahrt Goedser-Warnemünde wird morgen wieder ausgenommen. Madrid, 13. Januar. Die Blätter melden: Die spanische Regierung theilte der französischen osficiell die Verhaftung Padlewskis mit. Die Auslieferung wird beantragt, falls die Identität des Verhafteten mit Padlewski durch einen nach Olot entsandten französischen Agenten festgestellt wird. Madrid, 13. Januar. Eine neue Untersuchung der in Olot verhafteten Persönlichkeit ergab, daß das Signalement nicht demjenigen Padlewskis entspricht. Padlewski hatte ein künstliches Gebiß, der Verhaftete aber natürliche Zähne. Madrid, 13. Januar. - In ganz Spanien dauert die Kälte fort- in Madrid, Granada und Sevilla finden große Schneefälle start. Die Landwirthschaft wird durch den Frost schwer geschädigt. An den Küsten dauern die Stürme fort. Petersburg, 13. Januar. Das „Journal de St. Peters- bourg" bespricht das Finanzexpofe und weist auf den Schluß desselben hin, worin sich der Fiuanzminister zum Dolmetscher von ganz Rußland macht, indem er der vorsorglichen, festen und friedliebenden Politik des Kaisers seine Huldigung darbringt. Konstantinopel, 13. Januar. Der Sultan verlieh den Offizieren und Mannschaften des deutschen Kanonenbootes „Wolf", welches die Ueberlebenden des untergegangenen türkischen Panzerschiffes „Erthogrul" nach Kope (Japan) gebracht hatte, goldene, resp. silberne Rettungsmedaillen. Algier, 13. Januar. Tr eilb, Professor der medicini- fchen Schule, will den Bacillus des Wechselsiebers entdeckt haben. Tlemcen (Algier), 13. Januar. Eine Abtheilung Zuaven und Trainjoldaten ist auf dem Marsche von Tlemcen nach Sebdon eingeschneit und vollständig blokirt. 200 Mann der Garnison von Tlemcen gingen zur Hilfeleistung ab. Newyork, 13. Januar. Ein Privattelegramm aus Valparaiso berichtet, die chilenische Marine habe revoltirt, indem sie sich gegen die angeblich willkürlichen Handlungen -des Präsidenten Balmaeda erklärte. Berlin, 14. Januar. In der morgen erscheinenden Nummer der „Deurschen medicinischen Zeitschrift" gibt Prof. Koch die Entdeckungswege und die Bereitungsweise seines Heilmittels gegen Tuberkulose an. Dasselbe ist ein Stoffwechsel- product, wahrscheinlich Eiweißkörper, jedoch kein Toxalbumin, tödtet das lebende Protoplasma und bringt den Bacillus durch Entziehung der Wachsthumsbedingungeu zum Absterben. Locales und K^ovsnzielles. Gießen, 14. Januar. L. St. Evang. Kircheugesangverei«. Das Programm der geistlichen Musikaufführuug am nächsten Sonntag knüpft an das Weihnachtsfest an. Zwei Sätze aus Herzogs Weihuachts- sonate eröffnen dasselbe. Im ersten dieser Sätze will das erste Thema mit seinen vollen Accorden, die umspielt werden von munterem Figurenwerk, vornehmlich die Festfreude ausdrücken - das zweite (Gesangsthema) knüpft in seiner Motivbildung frei an das Lied: „O du fröhliche" an. Satz 2 der Sonate ist in seiner Form ein Pastorale, in dessen Durchührungstheil der Choral: „Vom Himmel hoch" cingeführt wird. — Nr. 2 des Programmes bringt einige Weihnachtslieder von P. Cornelius. Entgegen den zwei Hauptmomenten von Cornelius' Individualität, der tiefen lyrischen Innigkeit und seinem Humor, welche im „Barbier von Bagdad" ihren künstlerischen Ausdruck gesunden, zeigen uns die Weihnachtslieder einen anderen Zug seines Characters, nämlich seine echte, unerschütterliche Gläubigkeit. Die werthvollsten Nummern dieser Lieder sind Nr. 3 „Die Könige", Nr. 5 Christus als Kindersreund, Nr. 6 Das Christkind. In der dritten Nummer, „Die Könige", bildet die Begleitung der Choral: „Wie schön leucht' uns der Morgenstern", während die Sing« timme eine meisterliche, melodische Führung verräth, wo die Begleitung eigentlich schon Alles vorwegnahm. Von ungemeiner Feinheit ist das Lied: „Christus der Kindersreund" Nr. 5, dessen beide Strophen sich in je eine I gehaltene und igurirte Hälfte gliedern. Die ersten Accorde der Begleitung zeigen sich als Verkleinerung der folgenden. Im sechsten Lied: „Christkind" thut sich in der herrlichen Modulation nach E-dur ein erinnernder Blick aus („wo Christkind in der Krippe lag"). — Auch die dann im Programm folgenden Chöre sind Weihuachtslieder, welche seit langen Jahren zu den bevorzugten Lieblingen der Kirchengesangvereine zählen, nämlich Bachs Choral: „Brich an" und Leonh. Schroeters Lied: „Freut Euch, ihr lieben Christen." — An Sylvester resp. Neujahr schließen sich Bachs Choralvorspiel: „Das alte Jahr vergangen ist" und Stallbrocks Arie: „Bleibe bei uns" an. — Das Bach'sche Choralvorspiel war von allen seinen Schwestern das erklärte Lieblingsstück Mendelssohns. Und man kann diese Gunst wohl verstehen- denn Bach schlägt in Melodik und Harmonik recht weiche Töne an, die gleichsam als ein Gruß an Mendelssohns Zukunst erscheinen. Ein ähnlicher Ausdruck tief innerlichen Gefühlslebens durchweht auch die Bach'sche Air für Violine und Orgel. — Den Schluß des ersten Theiles bildet Kühnes gewaltige Orgelfantasie für zwei Spieler. Dies Werk will die Orgel in ihrer ganzen Kraft zeigen. Sie ist in einer Zeit entstanden, in welcher das Orgelspiel aus seinem langen Schlummer durch Mendelssohns Sonaten, Schumanns A, B, C, B-Fugen und Thieles kühne Fantasien geweckt wurde. — Der zweite Theil des Programmes enthält Rheinbergers Concert mit Orchester und Mendelssohns Te Deum. Von allen Meistern unserer Zeit hat Rheinberger sich am meisten und erfolgreichsten der Orgelcomposition zugewandt. Rheinberger beherrscht wie Keiner außer ihm die alten strengen Orgel- und Vocalsormen und ebenso steht er auf der Höhe der Technik in der Jnstru- mentalcomposition, welche in unserem Jahrhundert vor allem die sogenannte thematische Arbeit gefördert hat. Da zu dieser Formengewandtheit sich eine ungewöhnliche Erfindungskraft gesellt, so ist es kein Wunder, daß er alle Orgelcomponisten der nachbachischen Zeit um mehr als Kopseshöhe überragt. Sein Concert bildet einen Markstein der Orgelcomposition unseres Jahrhunderts. Eine genauere Analyse würde zu weit führen. Vor allem muß aber gesagt werden, daß dies Werk das erste ist, welches die Jnstrumentalconcertform mit Erfolg aus die Orgel herübergenommen hat- und das in würdiger Weife. — Der Text des le Deums von Mendelssohn ist dem alten Festhymnus (ambrosianischer Lobgesang genannt) uachgebildet. Seit langen Jahrhunderten haben die Compo- nisten ihn mit großer Liebe componirt. Und in der That bringt er auch der Composition dankbare Aufgaben entgegen. Welcher Künstlergeist wird nicht begeistert, wenn er in den einzelnen Versen die Chöre der Engel, des Cherubim und Seraphim, die Chöre der Propheten, der Apostel nacheinander herschreiten sieht vor dem Thron des Vaters und des Sohnes, Jubel, Dank und Bitte zu singen. — Mendelssohns Te Deum zeigt in der Anlage die altbewährte vornehme Dreitheiligkeit, m diese Theile hinein schieben sich kleinere freie Partien, bedingt durch das Durchcomponiren des Textes. Die Musik, nach Form und Inhalt auf Mendelsfohn'fcher Höhe stehend, wirkt recht interessant durch den reichen Wechsel von Chor und Soloquartett. w. Theater. Die dritte Aufführung von „Sodoms Ende" von Sudermann war besser noch, als eine der vorhergehenden. Je näher man das Schauspiel kennen lernt, um so weniger begreift man, wie ein Stück, das sich aus so ernster sittlicher Grundlage ausbaut, irgendwie soll Anstoß geben können. Der Grundgedanke ist doch der, daß es für das Genie nicht erlaubt sein kann, „sich jenseit der Moral" zu stellen und daß wahrhaft glücklich Niemand zu sein vermag, der seine Seelenreinheit verloren hat. Es wirkt besonders ergreifend in „Sodoms Ende", daß der junge Maler Willy in dem Kampfe wider die Sünde, der er sich zu lange widerstandslos hingegeben hat, um ihrer noch Herr werden zu können, sich im Besitze Kittys, des seelenstarken und weltklugen Mädchens, das ihn versteht und liebt und „heil machen" will, was krank an ihm ist, fast schon aus dem Moraste gerettet glaubt und bereits neue Schaffenskraft und Lebensfreude in der Gemeinschaft mit ihr sich erblühen sicht, als die Folgen seines seither in ausschweifendem ziellosen Genüße geführten Lebens ihn vernichten. Unerbittlich geht das Verhängniß seinen Gang; aber der Gedanke, daß es den Unglücklichen erst dann ereilt, als er sein ganzes Dasein seither verachten gelernt und zugleich auch die Kraft gewonnen hat, ihm zu entsagen, versöhnt doch wieder mit dem furchtbaren Ende des eben noch Vergötterten. — Von den Einzelleistungen haben wir keine besonders hervorzuheben, indem die Vertreter der Hauptpartieen (Frau Anni Reiners, Frl. Bischoff, Frl. Unger, die Herren Bicbrach, Goullon, Winolt) ausnahmslos ihrer Aufgabe trefflich gerecht wurden und ebenso die Nebenrollen durchweg gut besetzt waren. Frl. Elsa Ne in hold machte als Kitty ja einen sehr sympathischen Eindruck, wird aber ihre Partie immer noch mehr ausarbeiten dürfen, namentlich in manchen Aeußerlichkeiten. — Das Kaiferpanorama hat mit seiner dieswöchentlichm Serie, den bayrischen Königsschlössern, so großen Ersolg gehabt, daß dieselben noch bis Samstag, den 17. Januar, ausgestellt bleiben werden. Es bietet sich somit die erwünschte Gelegenheit für Jeden, der dieselbe noch nicht benützt hat, die Königsschlöffer zu besichtigen. Es wirkt in der That bezaubernd, sich mit einem Male in eine solche Wunderwelt des ungeheuersten Luxus versetzt zu sehen, die sich körperhaft ringsum aufzubauen scheint. Zuerst ist man geblendet, betäubt von all' der Pracht. Unser ruhiges Urtheil kehrt erst zurück, wenn aus den phantastischen hohlen Pomp, der auf stiller Alpseeinsel die gedankenlose Herrlichkeit des französischen Sonnenkönigs nachahmt, die gehaltvolle, ernste Schönheit von Neuschwansteins deutschen Hallen besänftigend folgt. Wer den riesigen Unterschied zwischen deutschem und gallischem Wesen verkörpert sehen will, der vergleiche die Schloßräume von Neuschwanstein mit denen von Herrenchiemsee oder Linderhos. — Die Einwohner unserer Nachbarorte sollten den Weg nicht scheuen nach Gießen- Schöneres, wie diese Prachtschlösser, dürfte nicht wieder gezeigt werden. — Als Dreijährig Freiwilliger in das deutsche Heer einzutreten, ist die Zeit von jetzt ab bis zum 31. März insofern die günstigste, als allen bis dahin eingestellten Mannschaften später ihre Dienstzeit schon vom 1. October 1890 angerechnet wird. Bei allen vom 1. April 1891 als Dreijährig-Freiwillige Eintretenden zählt die Dienstzeit erst vom 1. October 1891 ab. Wer in das Heer einzutreten wünscht^ hat die Erlaubniß zur Anmeldung bei einem beliebigen Truppentheile nur beim Civilvorsitzenden der Ersatzcommission zu erwirken. Derselbe giebt seine Erlaubniß durch Erthellung eines Meldescheines, welcher von der Einwilligung des Vaters oder Vormundes und von der obrigkeitlichen Bescheinigung, daß der zum freiwilligen Dienste sich Meldende durch Civil- verhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat, abhängig gemacht wird. Die ertheilteu Meldescheine haben nur bis 1. April Gültigkeit. Bemerkt sei, daß den mit Meldescheinen versehenen jungen Leuten die Wahl des Truppentheiles, bei welchem sie dienen wollen, vollständig frei steht. ,, , . . — Hebet die im vorigen Sommer in Butzbach stattge- habte Landtagswahl, in welcher das Loos zwischen dem früheren Landtagsabgeordneten Apotheker Vogt von Butzbach und dem Landwirth W. Köhler von Bettenhausen zu Gunsten des letzteren entschied, hat jetzt der dritte Ausschuß der Zweiten Kammer Bericht erstattet. Dieser schließt mit dem Anträge, sowohl die Wahl des Abgeordneten als auch diejenige der Butzbacher Wahlmänner für ungiltig zu erklären, demgemäß die Regierung zu ersuchen, nach erneuter Wahlmännerwahl in Butzbach eine wiederholte Abgeordnetenwabl anzu- ordnen. Die Ungiltigkeitserklärung der im vorigen Sommer vorgenommenen Wahl des Abgeordneten mußte schon deshalb ausgesprochen werden, weil ein Wahlmann mitgewählt hatte, der zu jener Zeit gar nicht das hessische Staatsbürgerrecht befaß- aber auch die Wahl der Wahlmänner in Butzbach konnte wegen mehrerer unterlaufener Versehen, die des Näheren angegeben sind, nicht aufrecht erhal-ten werden. Butzbach, 12. Januar. Auf der Münsterer Jagd, die von einem Frankfurter Herrn gepachtet ist, wurde von diesem gestern ein capitaler Zwölfender-Hirsch geschossen. Das Thier wog 225 Pfund. )-( Willingen, 12. Januar. Heute starb dahier plötzlich der hiesige Gemeinde-Einnehmer Koch. Der Verstorbene, seither sich wohl befindend, fühlte sich plötzlich unwohl und war nach wenigen Augenblicken in Folge eines Schlaganfalls eine Leiche. Koch hat viele Jahre die Stelle des Gemeinde- Einnehmers dahier begleitet, war seit Eröffnung der Bahnlinie Hungen-Laubach Verwalter der hiesigen Poststelle und besaß die Achtung seiner Mitbürger in vollem Maße. )( Herbstein, 13. Januar. Am vergangenen Sonntag sand im Locale des Gastwirths Gustav Ganß dahier bie Centralausschußsitzung des Vogelsberger Sänger b un des statt. Es hatten sich die Vertreter der einzelnen Vereine, der Herbsteiner Gesangvereine und die Nachbar- vereine von Altenschlirf, Höngenau, Rixfeld und Ilbeshausen eingesunden. Nach Erledigung der Tagesordnung wurden von den Vereinen verschiedene Gesangsvorträge gehalten, der Herbsteiner Musikverein concertirte, es kam noch eine größere Gesellschaft aus Lauterbach hinzu und so verlief der Nachmittag unter dem Wechsel von Gesangs- und Musikvorträgeu in einer äußerst heiteren und gemüthlichen Stimmung. — Kleine Mittheilungeu aus dem Großherzogthnm tzefie«. Am Freitag wurde auf dem Friedhose in Reichenbach i. O. eine Zigeunerbeerdigung vollzogen. Eine aus 49 Köpfen bestehende Zigeunerbande brachte ein verstorbenes, etwa einjähriges Kind zu Grabe. Die Bestattung erfolgte nach katholischem Ritus, und viele Neugierige wohnten der Handlung bei. Nach der Feier warfen die braunen Gestalten zahlreiche Münzen in das offene Grab und zogen dann schweigend von bannen. — Aus dem Mainzer Friedhose ist der Boden infolge der andauernden Kälte bis auf 1,15 Meter tief gefroren, so daß die Anlage von Grabstätten schwierig ist. Es wurde bereits versucht, den Boden mit ungelöschtem Kalk anfzuthauen, was aber nur teilweise bis auf etwa 25 Ctm. gelungen ist. — Ein Soldat der Mainzer Garnison, welcher sich ohne Urlaub entfernt hatte, versuchte, sich am 12. d. M. durch einen Rcvolverschuß um's Leben zu bringen. Er liegt schwer verletzt darnieder. — In Castel sind unter den Truppen mehrfache Typhus-Erkrankungen vor- gekommen. Diese Erscheinung wird auf den Genuß ungesunden Trinkwassers zurückgeführt, weshalb den Soldaten verboten wurde, aus den öffentlichen Brunnen zu trinken. Das Wasser für das Militär wird zunächst in großen Fässern aus Mainz geholt. Der Bbstbaum. (Aus der „Dewsch-n Allg. Zeitung für Landwirthschaft".) Wenn das Scepter des lachenden Sommers langsam in die Hände des ernsteren Herbstes übergleitet, dann werden, die Abende länger und der Landwirth findet Zeit und mutz ,7'? nn 18 Loos zwischen bem 'cfcr ^°gt von Butzbach 'ettenhausen zu Gunslen itte Ausschuß der Zwei- r fließt mit dem An- ijthn als auch diejenige W zu erklären, dem- ch erneuter Wahlmännev- AbzeordneienwM anzu- der im vorigen Sommer 'ten mußte schon deshalb Imann mitgewählt hatte,. sslsche Staatsbürgerrecht Zahlmänner in Butzbach Versehen, die des Metallen werden. *x Muntrerer W tet ist, wurde von diesem ---Hirsch geschossen. Da- , Zuerst ;r/ sich Unserntan ’ *H«n fr »«heil ' .•»«Öen beiLWt Wen bt’- S « '4 son"?' bit ■Stier uhL n Aktien- * n,i=b.t P,,^°"er.i, ,is ium 3i V"r ei"9Mt&n= vom 1 cv. Spttl Ä1* >lt ’HjeitÜ «"iwreten i.n der S<, 6tliEbi8!lt ÄÄ r4A daß de., ' «'“ten b,e 2M[ b£. »»tt.li, 6onftän6ls bin” ,a>rtW,ft'-)(aÄ " 1 nndet 5el tute starb dahier plötzlich roch. Der Verstorbene, sich plötzlich unwohl und Folge eines Schlaganfalls die Stelle des Gemelnde- seit Eröffnung der Bahner hiesigen Poststelle und ■ in vollem Maße. n vergangenen Sonntag Justav Ganß dahier die ^lsberger Sänger- Pertteter der einzelnem ieine und die Nachbar» Rirseld und Ilbeshausen r Tagesordnung wurden ngsvorträge 9*(lcn'r “ X jo etrtl.i btt ww ES. Md Mus'k«°E°« ü,hiich.n SimM-g. d.»A»dherB;-;^ ““*3* lt Staunen ;tft“ uE b«n» Mb “"6;0Lb!)oii i|t der •ui”/ H 1,16 M' iilR b>- ' (iwtens . « @tobSun8e‘5f»,e‘n thei roetfe »» ,-,rnt Leben sn 1#* "5 In 6«f“‘ „5.^5 5 fid) so manche während der Zeit der rastlosen Arbeit nur flüchtig beachtete Erscheinung in der freien Natur an seinem geistigen Auge vorüberziehen lassen, um dadurch so Manches zu lernen und dann im nächsten Jahre besser zu machen. Mit einem gewissen Stolze erfüllt ihn der Gedanke an die reiche Ernte, die ihn so ost beglückt hat. Ein Obstbaum gleicht einem ausgeschlagenen Buche, dessen reichen Inhalt Biele lesen sollten, was aber so Wenige thun, denn auch hier bewahrheitet sich der biblische Satz: „Biele sind berufen, aber Wenige auöerwählt." Wer sich einmal in die Geheimnisse des Obstbaumes vertieft hat, der trachtet nicht allein einen sein eigen zu nennen, sondern gleich dem Gelehrten eine ganze Sammlung, einen Obstgarten zu bekommen. Der Obstbaum ist nicht so weichlich und spröde wie der Weinstock mit seinem adeligen Blute, als daß er den Menschen nicht fast in jede Gegend begleiten könnte. Unter den Obstbäumen gibt es gar viele Sorten von recht populärem Schrot und Korn, welche die Wanderung in alle, auch in die rauheren Gegenden unternehmen, dem Menschen überall nachziehen, sich mit und neben ihm ansiedeln und alles Ungemach der Witterung mit ihm theilen; welche sich nicht schämen, an der Seite der niedrigsten Hütte zu stehen und sie freundschaftlich mit ihren Zweigen zu umarmen, ihre Bewohner mit Früchten zu beglücken. Leider, muß man sagen, entbehren gar viele Wohnorte und viele Gegenden dieses belebenden Schmuckes; das müde Auge sucht vergebens nach Labung, der matte Wanderer nach einem erquickenden Ruheplätzchen und der Vogel nach einem schützenden Heim. Von Staub umwogt, der Gluth der senkrecht ausfallenden Sonnenstrahlen ausgesetzt, muß aus den Straßen der Wandersmann eine unliebsame Abhärtungscur gegen die drückende Schwüle durchmachen und selbst der anrainende Grundbesitzer sich bei seinen frugalen Mahlzeiten auf den Pflug setzen, da ihm kein Baum Erquickung bringt, kein Baum Schutz vor der sengenden Sonne gewährt. Und doch fällt die Region des Obstbaumes im Allgemeinen mit der des Getreidebaues zusammen. Wo das Korn, der Roggen, ja selbst der Hafer noch gedeiht, dort wächst und kommt auch der Obstbaum noch fort. Der Baum ist mit dem Wohle der Menschheit enge verknüpft. Der Waldbaum hat im Harten Kampfe das niedrigere, fruchtbare Land verlassen und auf die höheren, steileren und kalten Gebirge sich flüchten müssen. An seine Stelle sollte der Obstbaum treten, nicht allein weil er als Pflanze eine so landesverschönernde Macht besitzt, wie sie durch keine andere Cultur mehr möglich ist, sondern auch weil von dem mehr oder minder reicheren Baumbestand, zum großen Theil das Klima, die Feuchtigkeit der Luft, die Fruchtbarkeit des Bodens, die geschützte Lage, mithin das Wohl und Wehe eines Landes abhängig ist. Mit seinem hochempor- strcbenden Gipfel reicht er höher als andere Anbaupflanzen in das Gebiet der Atmosphäre hinaus und kann durch seine ausgeb^eitete Krone und seine unzähjjgen Blätter in der wunderbaren Werkstätte des Wetters regulirend auf die Feuchtigkeitsmenge der Luft einwirken. Seine tiefgehenden Wurzeln holen das Wasser aus den unterirdischen Behältern heraus und die Blätter hauchen dasselbe aus, daher haben baumreiche Gegenden keine Armuth an Feuchtigkeit. Dem entgegengesetzt hindert er auch durch sein weit ausgespanntes Blätterdach eine allzugroße Ausdünstung des Bodens, weshalb in baumreichen Ländern nur selten zu große Dürren oder allzunasse Jahrgänge zu verzeichnen sind. Sein Blätterdach verhindert aber nicht allein eine zu große Ausdünstung des Bodens, sondern auch eine allzugroße Ausstrahlung der Bodenwärme und erzeugt dadurch jene mäßige Temperatur, welche auf das Wachsthum und Gedeihen der anderen Culturpflanzen so wohlthätig einwirkt. Der Baum verbessert die Luft, wie keine andere Pflanze es zu thun vermag. Die Blätter und grünen Pflanzen- beftandtheile nehmen die Kohlensäure der Luft aus und scheiden Sauerstoff aus. Sie ersetzen also den durch Verwesen, Verbrennen und Athmen der Menschen und Thiere herbeigesührten Verlust an Sauerstoff in der Luft. Eine Wartburg für die Vögel ist der Obstbaum. Ohne Laubdach keine Vogelwelt. Welche wichtige Rolle die Vögel als Feld- und Gartenpolizisten im Haushalte der Natur spielen, ist schon öfters in diesem geschätzten Blatte dargelegt worden, sodaß wir von einer weiteren Aussührung absehen können. Hat der Obstbaum im Herbste seinem Herrn und Pfleger mit seinen Früchten reichlich bescheert, so spendet er uns noch, ehe er zur Winterruhe geht, sein Laub als Streu für unsere Hausthiere und als Deckmantel für so viele Pflanzen- er gibt uns seine überflüssigen Aeste als Heizmaterial für unsere Oefen, damit wir uns gegen des Winters Kälte schützen. Kahl und blos bleibt er draußen stehen, trotzend der Kälte und den Schneestürmen, und selbst dann wenn seine Aeste und Zweige schier brechen unter der Last des Schnees, ist er noch für den ermatteten Wanderer ein Wegweiser, der ihn sicher zu einer menschlichen Heimstätte führt, und für den einsamen Vogel eine Wohn- und Schlafstätte, um welche ihn manches wildlebende, vierfüßige Thier beneiden könnte. Ein halbes Jahrhundert und oft noch weit darüber gibt fast alljährlich der Obstbaum reiche Gaben und erfüllt unbewußt wohl seine wichtige Ausgabe im Haushalte der Natur zum Wohle der Menschen. Altersschwach und gebrechlich strengt er selbst seine letzten Kräfte an, um noch einige Jahre die letzten Früchte an den wenigen Aesten, die ihm noch übrig geblieben, zu spenden. Stirbt er endlich, so gibt er seine Leiche zur letzten Benutzung als Bau- und Nutzholz. Keine Pflanze gibt durch einen so langen Zeitraum alljährlich solchen Nutzen wie der Obstbaum, die geringe Pflege, das Plätzchen, das man ihm gönnte, bezahlt er hundertfach. Oft und oft brechen seine Aeste unter der Last der Früchte und nicht selten gibt ein einziger Baurn in manchem Jahre eine ganze Wagenladung des köstlichen Obstes, sodaß Hunderte sich an dem Genüsse desselben laben können. Wo der Obstbaum noch selten zu finden ist, dort ist noch wenig Cultur, und wo man die vorhandene Baumwelt nicht angemessen pflegt, dort sinkt dieselbe und mit ihr der Wohlstand des Landes. Mit dem Fällen der Obstbäume geht Hand in Hand die Verödung. Die Geschichte vieler Völker zeigt uns in zahlreichen Beispielen, daß mit dem Falle des letzten Baumes das Land unfruchtbar und unbewohnbar, — zur Wüste geworden war. Darum: Haft Du einen Raum, Pflanze einen Baum Und pflege sein, Er bringt Dirs ein. W. Peiter. Vermischte» * Darmstadt, 12. Januar. Gelegentlich der Feier des 100jährigen Bestehens unseres Feld-Artillerie-Regirnents im vorigen Frühjahr ist von dem Regiment ein Theil des Reinertrags einer Wiederholung der Festvorstellung lebender Bilder im Betrage von 300 Mk. den Stadtarmen zugewendet worden. Wie wir hören, wurde diese Summe seinerzeit von der städtischen Armenverwaltung für die schlechtere Jahreszeit reservirt. Dieselbe soll nun dazu dienen, zum Ankauf von Steinkohlen für in der Armenpflege befindliche Personen verwendet zu werden, eine jetzt gewiß sehr nützliche Gabe. Da aus dem städtischen Vorrath zu diesem Zwecke ein Quantum zu sehr mäßigem Preise zur Verfügung gestellt wurde, so können an 400 Centner zur Verkeilung gelangen. Die Ver- theilung selbst ist den Armenpflegern überlaffeu. * Offenbach, 12. Januar. Das hiesige Bataillon wird gleichzeitig mit der Feier des Geburtstages des Kaisers am 27. Januar er. das 100jährige Stiftungsfest des 4. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiments (Prinz Carl) Nr. 118 in dem Theater-Saale der Schlosser'schen Liegenschaft festlich begehen. Für die Damen werden Plätze im ersten Range des Theaters reservirt werden. * Aus Starkenburg, 11. Januar. Ein im Jahre 1888 vom Verbände der hessischen Consumvereine mit der „Providentia" in Frankfurt und Mainz für die Mobiliarversicherung abgeschlossener Vertrag ist auch auf den nunmehrigen Verband landwirthschaftlicher Genossenschaften übertragen worden. Dadurch werden den bei genannter Anstalt versicherten Mitgliedern manche Vortheile zugeführt und Verband und Vereinen ist ein weiteres Moment innern Zusammenschlusses und der Befestigung gegeben. Vertrauensmänner in den einzelnen Bezirken werden bei Versicherungen, Schadensregulirungen rc. als Vermittler dienen. Soweit ein einzelner Verein als Maßstab dienen kann, scheint das Uebereinkommen mehr Anklang zu finden, als z. B. die Versuche, für landwirthschastliche Kreise eine eigene Versicherungskasse zu begründen. *△ Mainz, 13. Januar. Aus Anlaß der in Aussicht stehenden Novelle zum Krankenkassengesetz sand gestern hier eine Versammlung der hiesigen freien Hilslassen statt, in welcher beschlossen wurde, falls die Novelle Gesetz werde, die freien Kassen zu verschmelzen. Die versicherungspflichtigen Mitglieder werden alsdann in die Zwangskasse eintreten, während die freie Kasse als Zuschußkasse weitergeführt wird. Eine Unterstellung der Kassen unter die neuen Bestimmungen wird, weil sich der Beitrag allzu sehr erhöhen würde, für unmöglich erklärt. * An der Beseitigung der Schneemaffen in Berlin arbeiten z. Zt. 90t)0 Arbeiter (5000 städtische und 4000 von den Pferdebahngesellschasteu), über 11’00 Lastwagen befördern täglich 6000 Fuhren Schnee nach den städtischen Abladeplätzen, und hierfür sowohl, wie für die angestellten Arbeiter hat die Stadt pro Tag ungefähr 24 000 Mk. zu bezahlen. Der letzte größere Schneefall vor Weihnachten allein hat dem Magistrat an 160 000 Mk. gekostet. * Berlin, 11. Januar. Der gestrige Kaninchenmarkt, der zum ersten Mal in dem neuen Local, Neue Friedrichstraße 44, abgehalten wurde, war von etwa vierhundert Kauflustigen besucht. Diesem Andrang gegenüber genügte die von starker Kälte beeinflußte Beschickung des Marktes in keiner Weise; die von Vereinsmitgliedern zum Verkauf gebrachten etwa neunzig Thiere, meist Belgier, waren denn auch schnell vergriffen. Auch eine Anzahl Restaurateure waren erschienen, um Schlachtthiere zu erstehen- ihre Gebote, 55—60 Pfg. pro Pfund, wurden jedoch als zu niedrig zurück- gewiesen. Der Verein gedenkt den Markt mehr in die Morgenstunden zu verlegen und nach dem Beispiel Frankreichs, Belgiens und Hollands mit einem Markt für Zuchtgeflügel und Rassehunde zu verbinden. Der nächste Markt wird am 25. d. M. stattfinden. * Preis-Ausschreiben. Der „Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege" und der „Verein zur Förderung des Wohles der Arbeiter, Concordia" haben beschlossen, zwei Preise aussetzen und zwar: Einen Preis von 1000 Mk. für die beste Construction eines in Arbeiterwohnungen zu verwendenden Zimmerkochofens und einen Preis von 500 Mk. für die beste Arbeit über Lüftung von Arbciter- wohnungen. Die näheren Bedingungen für jede der beiden Preisaufgaben sind kostenfrei durch den ständigen Secretär des Deutschen Vereins für öffentliche GesundheitspAege, Dr. Spieß in Frankfurt a. M., Neue Mainzerstraße 24, zu beziehen. * „Wenn drei Deutsche beisammen sind, dann gründen sie schleunigst einen Verein." Dieses alte Wort findet in erster Reihe Anwendung auf Berlin, wo das Bereinsleben in erstaunlicher Weise florirt. Das neue Berliner Adreßbuch belehrt uns, daß dort nicht weniger als 1119 Vereine bestehen. * Um in Kamerun Ziegelöfen anzulegen und die Eingeborenen im Brennen von Ziegelsteinen zu unterweisen, gehen unter sehr günstigen Bedingungen die lippischen Ziegel- meister Reuter-Oerlinghausen und Ziegler Wilhelm Corde- Kartenhausen nach Westafrika. Gutes Bindematerial zum Ziegelbrennen ist in Kamerun massenhaft vorhanden, die einzige Schwierigkeit besteht einstweilen in dem nicht allzu reichlichen Kohlenvorrath. Später wird man zur Holzfeuerung, wie sie im Lippischen auch noch angewendet wird, schreiten. Habt Mitleid mit den armen hungernden Bügeln im Winter! Der hiesige „Thierschutzvcrein" darf sich wohl getrost sagen, daß er sich im Winter, soweit seine Mitrel und Kräfte reichen, der armen hungernden Vögel annimmt, denn er verwendet eine ganz beträchtliche Summe für Vogelfütterung. Soll jedoch dieses edle Werk kein Stückwerk sein, so muß der Verein von Allen, die ein fühlendes Herz für die darbenden Vögel haben, unterstützt werden, und wir richten daher an alle Vogelfreunde die dringende Bitte, den Verein in seinem edlen Streben dadurch zu unterstützen, daß sie sich recht zahlreich an der Fütterung betheiligen. Ganz besonders ersuchen wir alle Besitzer von Gärten und Parkanlagen, Futterbretter, die sich bewährt haben, anbringen zu lassen und dieselben mit Futter, das aus Hans, Mohn, Hirse, Rüb- sarnen, fein zerhackten Fleischresten bestehen kann, reichlich und regelmäßig versehen zu lassen. Viele überaus nützliche Vögel, wie Meisen, Finken, Zeisige, Goldammern, Schwarzamseln, Zaunkönige, Staare, die Alle durch Schnee und Eis in die bitterste Noth geraden sind, stellen sich auf den Brettern ein, und da diese Vögel die besten Freunde der Land-, Garten- und Obstwirthschast sind, so ist das wenige Geld, das für Futter ausgegeben wird, durchaus keine unnütze Anlage, sondern ein Capital, daS reichliche Zinsen trägt. Wir wollen nicht leugnen, daß sich auch der freche Spatz auf den gutterbrettern einstellt und reichliche Mahlzeiten darauf abhält, allein wir werden ihm dieselben nicht mißgönnen, wenn wir bedenken, daß Hunger sehr wehe thut. Auch sind die größten Naturforscher (Autoritäten) über Nutzen und Schaden des Spatzes bis jetzt noch im Streite, und diese Frage ist daher als unentschieden zu erachten. Schließlich wenden wir uns noch an die Landbewohner, denen ja die oben erwähnten Vögel den meisten Nutzen schassen, mit der höflichen Bitte, auch ihrerseits für die nothleidenden Thierchen Sorge zu tragen. Die Herren Lehrer auf dem Lande werden aber ganz besonders gebeten, ihr Augenmerk auch auf die Vogelfütterung zu richten, was sie wohl dann gewiß veranlassen wird, den Bewohnern ihres Dorfes und ihren Schulkindern die Vogelfütterung warm an das Herz zu legen. Gießen. H. Cur sch mann. Verkehr, £anb# und VolksWirthschast. — Die RetchSbank setzte den Dlscont auf 4, den Lombard- zlnsfutz auf 4‘/a bezw. 5pEt. herab. Seidenstoffe (schwarze, weißeu.sarbige) V. 95 Pfg. bis 18.65 p. Met. — glatt, gestreift und gemustert (ca 360 versch. Qual.) u. 2500 oersch Farben — versendet roben- u- stückweise porto- u. Zollfrei das Fabrik-Depot G. Henneberg (K- u. K. Hoflief.), Zurich. Muster umgeh. Dopp. Briefporto nach d- Schweiz. 477 ftranlftitt, 12. Januar. Vieh markt. Es waren angetrieben 392 Ochsen, 17 Bullen, 415 Kühe, Stiere und Rinder, 281 Kälber, 197 Hämmel und 496 Schweine- Die Preise stellten sich für Ochsen 1. Qual, auf JL 67—70 pr. Ctr Schlachtgewicht, 2. Qual. 58—64, Bullen JL 53—58, Kühe und Rinder 1. Qual. JL 60-62, 2. Qual. „M 53-57, Kälber 1 Qual. 68—72 H, 2. Qual- 58-62 H, Hämmel 1. Qual. 63-66 H, 2. Qual. 56—60 H per Vfd, Schweine 1. Qual. 57—60 H, 2. Qual. — H pr. Pfd. Schlachtgewicht. Ärantfntt, 12 Januar. Fruchtbericht. Weizen hiesiger und Welterauer JL 19 25 bis 19.40, fremder «X 22.— bis 22.50, Roggen hiesiger JL 17.50 bis 17 75, Hafer prima Jt 14.50 bis 15.75, mittel X —.— bis —. — Die Durchschnittspreise der wichtigste« Leben-mittel im Gebiet d. preußischen Staats betrugen im Decemver 1890tmVergleich zu den in Klammern beigefügten Verkaufszahlen im November d. I. für 1000 Kilogramm: Weizen JL 188 (189), Roggen 173 (174), Gerste 158 (160), Hafer JL 140 (140), Kocherbsen Jt 233 (236), Speisebohnen JL 281 (279), Linsen JL 423 (424), Ehkartoffeln X 57,7 (56,5), Richtstroh JL 42,2 (40,7), Heu JL 51,1 (51,2); für 1 Kilogramm Rindfleisch Jt 1,30 (1,31), Schweinefleisch JL 1,37 (1,41), Kalbfleisch JL 1,28 (1,29), Hammelfleisch JL 1,28 (1,29), geräucherter inländischer Speck JL 1,78 (1,82), Eßbutter X 2,32 (2,28), Weizenmehl Nr. 1 JL 0,34, Roggenmehl Nr. 1 Jt 0,29, Jaoareis 0,55 (0,55), mittlerer roher Jaoakaffee JL 2,85 (2,86), gelber gebrannter Javakaffe JL 3,74 (3,76), inländisches Schweineschmalz 1,71 (1,71), für ein Schock Eier JL 4,68 (4,33). Schwarze rein wollene Kleiderstoffe (glatt und gemustert) zu Fabrikpreisen bei 394 Cebr. Mamin. iw \ Von unübertroffener Wirkung ist das <0Ul I staatlich geprüfte und begutachtete Haarwasser von Retter in München, welches statt Oel- oder Pomade, täglich gebraucht, das Haar bis ins höchste Alter glänzend, geschmeidig und Scheitel haltend macht, die Kopfhaut von Schuppen rc. befreit und dadurch die Thätigkeit derselben erhöht. Z. h. um 40 H und JL 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, in Gießen. [6887 Wöchentliche jleberficht der Todesfälle in Meßen. 1. Woche. Vom 4. Januar bis 10. Januar 1891. Einwohnerzahl: 20 600 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichtettsztffer: 20,1%q. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Diphtherie 1 — — 1 Keuchhusten 1 — * — 1 Lungenschwindsucht 1 — — 1 Acute entzündliche Erkrankungen dcr Ath- mungs-Orgaue 2 1— 1 Gehirnschlog 11 — — Andere bekannte Krankheiten__3 (1)______2 (1)_______—__1 Summa: 9 (1) 4 (1) — 5 Anm. Die in Klauemern gesetztm Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. 485 -Knüppel; 94,4 483 9 494] MüuSdurg 17 Bereifer gesucht 332 Gg. Philipp Gail Näheres Seltersweg 67. Kaiseröl (473 Gießen, 14. Januar 1891. Vorzüge: 2 E Absolute Gefahrlosigkeit geg.Explosion 476 N fr N O E v) r 482] Ein LogiS von 3—4 Zimmern, Corrioor, Wasserleitung und Zubehör, | milten in der Stadt (nach der Straße) Klavierstimmen, 2 Praktisch! Reinlich! Reu! »eichsbank-Discont 51/t pCt. — Frankfurter Bank-DiScontöVg pCt. lebend. itaL Geflügel gut u. billig beziehen will, verlange Preisliste von Hans Maier in Ulm a. D. Grosser Import itaL Produkte. (TQ 0 vr o V 0 vr 0 >o 3 C. Fr. Conrad MLuSburg 15. Lich, am 10. Januar 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Walz. 375] Ein braves zuverlässiges Dieitzst- mädchen sofort gesucht. 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Wo? sagt die Erped. d Bl-_________ 481] Gesucht nach Bad Ranket« baldigst ein anständiges reinliche« Müd« cherr, welches gut bürgerlich koche« kann u. alle Hausarbeit gründlich versteht, wird bei gutem Lohn. — Nähere Auskunft ertheilt Herr Kaufmann DrebeS in Gießen.__ 491] Eine im Meiderm., WeitznLhen und AuSbeffern bewanderte Frau nimmt Arbeit an. Näheres Neuenweg 48. Reue Fracks billig zu verleihen event. auck zu öcr kaufen bei D. W. Hambach, 220]________Marktplatz 1, zwei Treppe« Beamt, von auSw. s. zum 1. April Wohnung, 4 Zimmer u Zubeh. Offert, bel. man bis Freitag in der Exped. d. Bl. uiederzul. [478 nicht explodirendes Petroleum aus der Petroleum-Raffinerie mm August Kord iu Bremen. Kaiserpauorama. Mü«sd«rg 18, parterre. Wegen des großen Beifalls und um auch Auswärtigen die Gelegenheit zu bieten, bleiben bis Samstag de« 17. Januar ausgestellt: Die Lustschlösser SSnigS Ludwig von »aper« r Herrenchiemsee, Linderhof, Neuschwanstein. Diese Serie ist in der wundervollen Darstellung unerreicht und in Deutschland in dieser Prachtaussührung nur in den Panoramen meiner Verbindung zu sehen.353 Schönschreib-Unterricht. nMF Theile ergebenst mit, daß ich durch vielfache Aufforderungen veranlaßt bin, hierselbft einen Enrsus im Schönschreiben zu eröffnen, und garantire, wie hier bekannt, in nur 5 Lectionen die besten Erfolge zu erzielen- Honorar für Deutsch 15 X, mit Latein 27 «X Meldungen von Damen, Herren und Kindern bitte bis zum 16. d. M-, Abends 6 Uhr, in der Exped. d. Bl- zu bewirken. [412 O. Gottlieb, Kalligraph. Km-, Auh uub Kremhotz Nerfiri-ttmz in den Waldungen der Stadt Lich. Mittwoch ben 91. Januar, Vormittag« 9Vi Uhr, i* District Ftchtenkopf: 11 FichlenstLmme von 17—32 cm mittleren Durchmesser, bi« 19 m Länge — 6,50 fm; 326 Fichtenstämme von 12—16 cm mittleren Durchmesser, bi» 18 m Länge — 70,15 fm; 597 Fichten-Derbstangen von 10-12 cm mittleren Durchmesser, bi» 18 m Länge — 83,96 fm. 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Klasse). gdd 7ö6 941 1127 1 241 334 433 656 727 All 1124 UM, Wetzlar 50ö 6'36 A08 948 1000 11&9 1210 441 500 735 857 9%. 941 1241 334 657 All 1124. Ems—Covlenr 505 808 948 1159 441 735. H27 433 727 1151. Deutz-Cöl« 625 1000 1210 506. 757 130 425 1000. Fulda 6<2 1150 735. 930 307 666. Gelnhausen 705 1210 442. 930 307 6?6. Schotten d^zw. Nidda 705 1210 442 800. 930 307 666. Gedern Zaubach bezw. Stockheim 705 1210 442 800. 3% Reichsanlethe 3V2% do. 3% Preuß. ConsclS 3'/tz0/a do. 87 Of-1 98.60 8700 98.60 4% Ung. Gold-Rente 50/0 Jtal. Rente 4,/so/o Oest. Silber-Rente 5% Ruff. III. Orient •2.50» 98 8© 80-60 7> 50 Disconto - Command^AWH- 214.30 Lomb. E.-B.-Act. 117.62 Darmstädter Bank-Act. 156.20 Buschtherader E.-B.-Act. 4S6 00 Dresdener Bonk-Act- 157 00 Elbthal-Bahn-Act. 262.25- Nordd. Lloyd-Act. 139.50 Gotthard-Bahn-Act. 159.00 Wiener Bankver.-Act. 103.50 Schweizer Nordost-B.-Aet. 141.80 Oest Credit-Act. 274 37 Mainzer E.-B.-Act. 11650 Oest. Staatsb.-Act. 221.37 Marienburger E.-B.-Act. 61.06 3V, 0/0 Gießener Gelsenk. Bergw.-Act. 96 00 174.50 I Ver- König8-Laurah.sAct. Tendenz: fest. 14S.0V Rckmction: A. Scheyde. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Lt« Rmww« «Mfastt 6 »dtnk 11 Qlf: "*^88 -LL^Z SdKL ^nWs JftMki» gut büTMtiu^ »ix. reit fltünhn*^ fatir A»; 6irr Mfiry* S5*är= L^Usi FSäml* Neustadt 61.^”* Näheres «hst re**ta* feS»(*»w pro Kartal 1 * lwn e^it im trw». Koch» Verlag, ne tafaäfyn Worte mr Wnnr ÄüA» tnterMbmen. (473 Theilüchme MM gmg unserer lieben veßerund Schwägerin ichel. i ßisMsche. -T^W H40 ... 'pögüjrt ---;---J,. Q45 1IW -■ —-— -T^Ö^W-Z—- U°U- ____ Vr 435 459 623 M PO M “V“4*2*7« 7^ 8^ irÄ^TBtTZ K"» >b»^> «£* tfft* Mtschäsi. asasr tu-____ Atz-Ael»e ftüff* in 0rte-t 12.6» 983© 80^0 700 117^ 4S600 £*> 169.00 141-8° 11650 61.00 14^ Donnerstag den 15. Januar. (ßt^ener Anzeigev. BeUage zu Nr. 12. - 1891. Feuilleton. Unter her Erde. Novelle von Zoe v. Reuß. (Fortsetzung.) Dann war es aber auch seine wilde Leidenschaft für Anna Harras. Er hatte das schöne Mädchen keineswegs vergessen und da der gutmüthige Harras ihm einst gesprächsweise und um den Brodherrn zu Vertheidigen, von dem Heirathsgut gesprochen hatte, welches ihr der junge Herr aus Veranlassung des Vaters als Bußgeld hatte zahlen müssen, sand er Anna Harras doppelt begehrenswerth und versuchte immer von Neuem, sie für sich zu gewinnen. „Also der Alte hat Euch auch richtig den Laufpaß gegeben?" frug Bernhard Kahlsen, mit seinem früheren Kameraden Andreas Wilms am Samstag aus den „drei Bergknappen" nach Haufe gehend. „Und das wollen die Ver- räther auf der Zeche ruhig geschehen lassen? Was habt Ihr gethan? Habt Ihr nicht geschafft mit Ihnen in Reih und Glied an Eurer säuern, schlecht bezahlten Arbeit?" „Arbeit? Ich wollt es meinen, daß ich ihnen nach- gekommen bin," erwiderte Andreas Wilms, indem er die Arme in die Höhe hob, wie um feine beträchtliche Stärke ui zeigen. „Weiß Jeder auf der Iduna, wie Ihr Zuschlägen könnt — 's ist auch weiter nichts als der Aerger, daß Ihr zu unsereinem steht. Wie lange wollt Ihr Euch die Wirtschaft gefallen lassen?" „Gefallen lassen? Was soll ich machen?" „Zuerst muß dem Blutsauger der Garaus gemacht werden! . . . Das Weitere wird sich finden." „Ihr meint den Commerzienrath? Wer sollte ihm etwas am Zeuge flicken können?" „Kinderspiel! Ihr selbst sollt es thun." „Ich? Ich selbst?" „Wir wollen die Iduna ersaufen lassen. Andreas Wilms stand still vor Erstaunen. „Wie lange habt Ihr noch im Bergwerk zu arbeiten? Zu welcher Zeit ist Euch gekündigt worden?" „Am ersten." „Bis dahin sind noch zwei volle Wochen — manches kann auf der Iduna geschehen," hohnlachte Kahlsen. „Ihr glaubt doch nicht, daß sich der Alte zum zweitenmale Herumkriegen läßt? Nimmermehr!" Andreas Wilms nickte nur stumm. „Ihr wißt selbst, wie leicht die Wasserhaltungsmaschinen zu zerstören sind; habt Ihr nicht dort gearbeitet? Damals, als Ihr das Schoßkind des Alten, den Grünschnabel Wildhagen, als Zimmerling neben Euch hattet? Heimlich ein paar tüchtige Steine hinein und einige Schaufeln Erde : Das andere macht sich ganz von selber und dauert nicht einmal lange. Ihr versteht doch?" „Freilich," nickte Wilms, indem er sich die Verwüstung vergegenwärtigte, die der zerstörte oder auch nur gehemmte Mechanismus für die Iduna zur Folge haben mußte. „Habt Ihr das alles in Eurem Kopse allein ausgeheckt?" Die Kühnheit des Planes überraschte ihn um so mehr, weil er einsah, wie leicht und verderbenbringend die Ausführung war. „Wenn die Sache ruchbar wird — was soll dann werden?" „Unsinn — der lange Arm wird Euch schützen! Ich nehme Euch einfach mit nach einer anderen Grubengegend. Wenn das Bergwerk ersoffen ist, werden die Verräther hier alle am Hungertuche kauen müssen. Ihr aber seid geborgen. Wir sprechen uns noch über die Sache." Vierzehn Tage waren vergangen. Am Morgen des Samstag war Wilms zum letztenmale eingefahren zu der gewöhnlichen achtstündigen Schicht. Am Nachmittag kehrte er wie gewöhnlich zurück und schlug bald darauf, den letzten Wochenlohn in der Tasche, den Weg nach den „drei Bergknappen" ein. Während der letzten Tage hatte er sich schweigsam und verbissen gezeigt, hatte meistens für sich gearbeitet und war ohne näheren Verkehr mit den Kameraden geblieben. Darum wußte er auch nicht, daß ein Theil der besten Arbeiter, darunter Häuer Harras mit seinem Sohne Fritz, der seit einiger Zeit als Handlanger neben ihm aus der „Iduna" arbeitete, und Gustav Reddersen, Trinas Schatz, der die leer gewordene Sparbüchse zum Hochzeithalten wieder Men wollte, nach ein paar Ruhestunden zur Nachtschicht freiwillig wieder eingefahren waren. Die Sonntagsruhe und ein paar Stunden Schlaf würde die verlorenen Kräfte wieder ins Gleiche bringen. Der Wächter hatte eben die Abendrunde auf dem Zechen- Hose gemacht und alles in Ordnung gefunden. Befriedigt wollte er das Thor verschließen. Da, im letzten Augenblick, kam ihm im Mondenschein athemlos ein Knabe entgegen- | gerannt, der nach Hermann Wildhagen frug, dem auf Befehl | des Commerzienraths kürzlich aus dem Zechenhofe eine Wohnung eingeräumt worden war, da ihn derselbe seiner Zuverlässigkeit wegen jederzeit zur Hand zu haben wünschte. „Was gibts draußen?" frug der Wächter verwundert. „Ich soll ihn holen zum Wilms — er liegt im Sterben." „Unsinn, er wird den letzten Wochenlohn vertrunken haben. Von der Zeche ist er natürlich direct ins Wirthshaus gegangen." „Nein, nein, sie haben ihn wie ein Stück Holz ins Haus getragen. Die Schwester hat ihn aus der Straße gefunden. Sie schickt mich — er soll kommen, sogleich, ehe der Andreas mausetodt ist . . ." Der Wächter zögerte jetzt nicht mehr, Hermann Wildhagen zu wecken. In fünf Minuten stand er bereit, er kannte Schwester Clara und wußte, daß ihn die Gemeindepflegerin nicht umsonst aus dem Schlafe stören würde. In zwanzig Minuten war der Weg nach dem Nachbardorf zurückgelegt, in welchem WilmS in einem der letzten Häuser die Wohnung gefunden hatte. Es schlug zwölf, als er an das Lager des Schwerverwundeten trat. Es schien wirklich ein Todtenbett. Wachsbleich, mit geschlossenen Augen und tief eingefallenen Wangen lag der frühere Kamerad aus dem blutbesudelten Bette, zuweilen zuckte ein Glied des Körpers krampfhaft oder ein kurzes, dumpfes Todesröcheln ließ sich vernehmen. Die Gemeindepflegerin berichtete kurz und fachgemäß, daß sie um 11 Uhr des Weges dahergekommen fei, um bei einem schwerkranken Kinde die erste Krankenwache zu halten. Plötzlich sei sie auf einen dunklen Gegenstand gestoßen, in welchem sie bald im Mondenschein einen anscheinend tobten Mann erkannt habe. Sie sei sofort nach Eschershausen geeilt, um Hilfe herbeizuholen. Diese habe sogleich den Arbeiter Andreas Wilms in dem Verwundeten erkannt, der bis in die Nacht hinein in den „drei Bergknappen" gezecht habe. Man habe den Mann auf eine Tragbahre gelegt und nach seiner Wohnung transportirt. Dort habe sie ihm die Wunde ausgewaschen und etwas von dem Weine eingeflößt, den sie bei Krankenbesuchen immer bei sich zu tragen Pflege. Er sei auch wieder zur Besinnung gekommen, habe aber ganz absonderliche, beängstigende Reden geführt von dem „Schuft Kahlsen", der ihn abschütteln wolle, und mit welchem er darum in Streit gerathen war. Zuletzt habe ihn Kahlsen rücklings mit seinem Eisenstocke über den Kops gehauen. (Fortsetzung folgt.) Wenn das Melken beendigt ist, wild die Milch geseiht und in den MNchschrank, die Milchkammer, den Milchkaste« verbracht. Ob die Milchkuh richtig auSgemolken ist, sollte jeoesmal sorgfältig untersucht werden, weil ungenügendes Ausmelken die Milchproduction des Thieres beeinträchtigt. „ . Ein großer Fehler wird bet der Wahl der Milchtöpfe gemacht; denn wenn sie eine ungeeignete Form haben, rahmt die Milch nicht genügend aus. Wird die zurückbleibende Dickmtlch zu Käse verarbeitet oder von den Familienmitgliedern verzehrt, dann finden die in der Dickmtlch verbliebenen Fettstoffe wenigstens eine rationelle Verwendung. Aber selbst die Mllchtöpfe find oft ungenügend gereinigt oder, wie man auf dem Lande zu sagen pflegt: sie sind nicht genügend süß gemacht. Das Merkwürdigste hinsichtlich der Aufoewahrung der Milchtöpfe sind die sogenannten Milchküste«. Sie haben die Form von langen Bänken und werden auch, da sie meistens in den Wohnzimmern und der Wärme wegen in der Nähe der Oesen stehen, als Bänke oder Sophas benutzt. An der Langseite läuft zu diesem Zwecke eine Rückenlehne hin und die beiden Schmalseiten sind mit Armlehnen versehen. Darauf sitzen die Leute, während unten die Mtlchtöpfe stehen. Letztere sind nun in kleineren Wirtschaften mit zwei, drei, vier Milchkühen nicht so zahlreich, daß sie den ganzen Kasten ausfüllen. Der leere Raum wird deshalb häufig als Kletdermagazin benutzt. Schuhe, Pantoffeln, Unterhosen und andere Stücke ruhen friedlich neben den Mtlchlöpfen und thetlen dem Inhalt der letzteren ihre Odeurs mit. t m Auch der Rahmständer und das Butterfaß verlangen die größte Sorgfalt der Hausfrau. Ist die Butter endlich gestoßen und kommt zum Verkaufe, dann merkt der Händler sofort, weß Geistes Kind sie ist. Die Landleute behaupten zwar: Ob die Butter ein Bischen seiner ist oder nicht, sie gilt ein Geld, darum lohnt es sich nicht, viel Arbeit darauf zu verwenden. Solche Antworten sind dem Schreiber dieser Zeilen schon dutzendfach geworden; sie b.weifen aber nur, daß der Antwortende träge und indolent ist und aus seinem alten Schlendrian nicht heraus will. Viel öfter aber ist uns auch — mitunter erst nach Jahr und Taz — die erfreuliche Mittheilung geworden: Wissen Sre was! Seitdem wir eine feinere Butter bereiten, wird sie vielmehr gesucht; wir erhalten zehn, fünfzehn, zwanzig Pfennige mehr fürs Pfund und das macht in 52 Wochen des Jahres und in zehn oder zwanzig oder mehr Jahren einen großen Posten Geld aus. Wer einmal nachrechnen will, wie viel Geld eine unreinliche Hausfrau gegenüber einer reinlichen zwecklos vergeudet, der mache folgende Calculalion: Bei einem Verkaufe von 4 Pfund Butler wöchentlich werden bet 15 Pfg. minus pro Pfund 60 Ptg. geopfert. In 52 Wochen beträgt dies 31.20 Mk. Rechnet man, daß eine Bäuerin 30 Jahre wirthfchaftet, so gibt dies 936 Mk. Bei einer Verzinsung von 5pEt. mrdoppelt sich ein Capital in 14 bis 15 Jahren. Wieviel werden aus 31,20 Mk. in den 30 Jahren? Die langen Winterabende sind ganz geeignet, dieses Exempel (das, mit Logarithmen behandelt, in wenigen Secunden gelöst ist) auf arithmetische Landwirthschastliche Wmkr und Kathschlagr. △ thi* Oberheffe«, Anfang Januar. Meine heutigen Zeilen gelten einem GegeWande in der Land- «irthschafk, der, obgleich von hervorragender Wichtigkeit, doch bei Weitem nicht mit derjenigen Sorgfalt und Pünktlichkeit behandelt wird, als es fein müßte: Es betrifft die Molkerei in den kleine«, »»«erliche« Wirthschaften auf dem Lande. Meine Erfahrungen, hie sich über ein Menschmalter, also über 35 bis 40 Jahre eNtrecken, zeigen wohl, daß Vieles in diesem Punkte besser geworden ist; daher zeigt es sich aber auch, daß die Fortschritte grade in den kleinen Wirthschasten am wenigsten Eingang gefunden haben. Es mogm daher auf diesem Wege einige practische Winke und Rathschläge afOlÖUm gute Milch zu erzielen, ist gutes Milchvieh erforderlich Die Beschaffung gute« Milchviehes ist ein so wichtiger Punkt jur den großen und kleinen Landwirth, daß er einmal in einer besonderen Abhandlung besprochen werden muß. Das gute Milchvieh wird seine guten Eigenschaften nur dann bewahren oder noch ver- befferu und vermehren, wenn es sorgfältig gepflegt und gefuttert Wird. Die Fütterung und Pftege des Milchviehes, die An- Wendung von «raftfttttermitteln ist wieder ein so ungemein wichtiges Eapttel, daß darüber wochenlang Vorträge gehalten und ganze Bände geschrieben werden. Wir deuten die Sache darum nur an und kommen gelegentlich auch darauf zurück. Für heute nehmen wir an, der kleine Bauer habe ein Paar tüchtige Milchkühe, er füttere sie passabel und das Molkereigeschaft nähme nun frühmorgens feinen Anfang mit dem Melke«. Hier .eigen sich s-gl-ich die Mißgriffe, die in kleinen Wirihschafien gemacht werden und die die Milch und die Butter von vornherem schädigen, indem die ««bedingt erforderliche Reinlichkeit °utz-r Acht ge- Kassen wird. Es ist eine Freude ein sauberes Mädchen mit blitzblankem Melkeimer zum Melken gehen zu sehen. Was sieht man aber oft? Der Melkiimer ist trüb und schmuckelig; die Melkerin hat vergessen, sich zu waschen; die Haare sind nothdürslig mit Dem funp zinkigen Kamme zurecht gestrichen. Run beginnt die Arbeit. Die Hände der Melkerin und das Kuheuter lassen ebenfalls in Bezug auf Reinlichkeit Einiges zu wünschen übrig. m.a- Nun denken heute noch viele kleine Landwirthe: ein -«tuchen Schmutz schadet nicht, was aber die größte Thorheit ist, die sich ein Landwirth eint eben kann. Die großen Molkereien Haden dies schon länast eingesehen und es wird deshalb in solchen Etablissements auf die peinlichste Sauberkeit gehalten. Milch und Butter nehmen, wie Bier und Wein, sofort den Geruch und Geschmack von dm sie umschließenden Gefäßen oder von in der Nähe lagernden (Stoffen an unb verlieren dadurch bedeutend an Qualität. Der rationelle Winzer, Bierbrauer, Molkereibesitzer behandelt deshalb fein Product wie ein rohes Ei oder auch wie ein neugeborenes Kind unb erntet später die Früchte seiner Sorgfalt; grobe für ih« aber ffud diese Zeile« bestimmt und darum wiederholen wir noch einmal: Beobachtet Reinlichkeit im Kleinen, wie im Großen, sonst schadet Ihr Euch selbst. Weise auszurechnen. Wir sind überzeugt, es kratzt sich Mancher hinter den Obren, wenn er das Resultat sieht. Der Gelbpunkt ist es aber nicht allein, der hier mUfpielt; noch etwas Anderes macht sich geltend, das von bedeutender Wichtigkeit ist. So eine reinliche, saubere, nette Bäuerin bekommt einer Schmier- finke gegenüber ein treffliches Renommu; sie gilt etwas bei dm Leuten, fie erwirbt sich Vertrauen und Ansehen, denn Reinlichkeit im Aeutzern läßt auf Sauberkeit des Characters, auf Pünktlichkeit und Ordnung schließen. Die Söhne und Töchter einer solchen Bäuerin sind, obgleich fie oft weit weniger Geld als andere haben, doch sehr wohlgelittcn und begehrter als viele Andere, denn man weiß heutzutage Reinlichkeit und Tüchtigkeit auch in bäuerlichen Kreism zu schätzen. Ader wo sind wir hingerathen! Schabet die kleine Abschweifung etwas? Wir hoffen nicht. Wem sie nicht convenirt, der kann da aufboren, wo ihm die Sache nicht mehr paßt. Literatur «nd Kitnft. — ,Der Stein der Weisen". Von dieser populärwissenschaftlichen Halbmonatschrift (Ä. Hartlebens Verlag, Wien) erhaltm wir bas 1. Heft des neuen (3.) Jahrganges, das sich in gewohnter Reichhaltigkeit unb mit einer Fülle trefflicher Illustrationen aus- geftattet einführt. Wir erwähnen unter Anderem Burkes gehaltvolle Abhandlung „Zur Geschichte der Eisenbahnen" (9 Bilder), Fr. KieS- lingers Ausführungen „lieber die Fernmesfungen der Temperaturen" (12 Bilder), sodann eine hübsche Schilderung von W. Henz „Der Heerwurm" (mit prächtiger Kunstbeilage), eine interessante Auseinandersetzung über „Die Theorie der vierbimensionalen Wesen" von dem bekannten spiritistischen Schriftsteller G. Mannetho, und mehrere kleinere Abhandlungen, von welchen besonders „Die electrische Rohrpost" durch die beigegebene Abbildung lebhaft intereffirt. Mit dem 3. Jahrgange des „Stein der Weisen" greift eine Neuerung, bezw. eine Bereicheiung des Inhaltes Platz unb zwar in Form einer mehr wissenschaftlichen Beilage, die denn auch den bezeichnenden Titel „Die Wissenschaft für Alle" führt. So hätten wir jetzt neben einer „Kunst für Alle", auch eine „Wissenschaft für Alle", und der im ersten Heft gebotene Inhalt läßt keinen Zweifel über die Gediegen- beit und die Nützlichkeit der hier aufs Glaublichste verwirklichten Idee, schwerere wissenschaftliche Fächer einem intelligenten Leserkreise mundgerecht zu machen. Welcher Art die Beiträge dieser Beilage sind, wird eine knappe Inhaltsangabe darthun: Zur Frage der mikroscopischen Unterscheidung der Flachs- und Hanffafcr, die Bienen und die Mathematik, die voNheilhafte Form des Vogelfluges, Photo- graphische Aufnahmen im Dunkelraume, die Mikrophotographie in der Bakteriologie u. c. m. Diese kurzen aber inhaltreichen Aufsätze sind durch 14 sehr instrvctive Illustrationen erläutert. Das ganze Hrft aber zählt deren 54. Dem „Stein der Weisen" ist zu dieser glänzenden Leistung aus vollem Herzen zu gratuliren. ’ . , Süsser Medicinal- Or. Aumann s Heidelbeer-Wein ans der Heidelbeere rein und unverfälscht dargestellter Beerenwein, welcher ärztlicherseits als Ersatz der zumeist gefälschten Tokaver- Weine dringend empfohlen wird. — Br. Ai»mann’s süsser Heidelbeer -Wein ist ein vorzügliches Getränk zur Kräftigung für Heconvaleerenien und Kinder, und auch als Hausmittel gegen Hasten, Heiserkeit, Verschleimung, Magenleiden etc. etc. mit gutem Erfolg angewendet — x]v Originalflasche M7c, 1.20.% Man achte auf den Namen Di*. Aumann. Zu haben in nachfolg. Depots : In Giessen bei Carl Schwaab. 3 (äs. Ttee per Pfd. Jt. 6, 5, 4, 3, sowie eine« wohlschmeckenden Souchong' zu Mk. 2VrZ ferner staubfreie gute Theespitzea empfiehlt [356 _____Friedrich Leo. Rechte italienische Geige (Guardagimi 1712) preisw. zu verkaufen. [323] Jnl. Buch, MäuSburg. (mit Theater). 475 427] Tüchtiger Aahrknecht gesucht. I 426] Ein zuverlässiger K«tscher so- Cyr. Waste«f«l-, Marktplatz. |fort gesucht. Larl H«h«, Ritterg. 23. in Leibs Saal: XVII. 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Dritte- Abtheilung: Siindfluth (Diluvium), Eiszeit, Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. - Die Haupttypen der gegenwärtigen Menschheit (nach Ranke ). Mittwoch den 21. Januar, 8 Uhr Abends, im Saale des Cafe Leib. Eintrittskarten für Nichtmitglieder des Kaufmännischen Vereins rind J Ricker’schen Buchhandlung vorn 19. d. M. oh haben 711m Preise von 50 Pfff. tur den baal und von 30 Ptg. tur die uaneue. Die ordentlichen Vereinsmitglieder wollen ihre Eintrittskarten im Vereinslokal in Empfang nehmen lassen. Du- übrigen Mitglieder erhalten je 2 Eintrittskarten zugesandt. Vorstand. "Wir bitten ergebenst um zahlreichen Besuch. Selbßgkfkrtigte Möbel. In großer Auswahl Küchenschränke. Kleiderschränke. Bettstellen, Cornrnoven, Waschconsolen u. s. w. zu billigen Preisen. 193 Wilh. Diehl, Akuenmg2. Oefen: Regnlirfüllöfen, Kochöfen, Wormser Oefen, Herde rc., in großer Auswahl bei [16 J. Happel, Neustadt 56. Hochfeines Sauerkraut empfiehlt______{306]________€. Rott». Für Hausfrauen! 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