Freitag den 14. August Nr. 187 Kießener Anzeiger Generat-Unzeiger. Mr Gießener wtta! dem Anzeiger ^Hchnttlich dreimal beigelegt. Der Anzeiger tieschemt täglich, mit Ausnahme des Montags. 1891 ViertAtährtger Asonnementiprei» i 2 Mark 20 Pfg. m» Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg. Redaktion, LxpediNo« und Druckerei: AchntstrateUr.K. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblatt für den ALreis Gietzen. ——«II»! im a bum n-r»^ fuiWF-"WCTt-"--"?g^aLl'!.'gWJ2"12J_Lg.XLL! —L JJP—J——LS --UM AW.'JT ' 'TW1 «MH««» i" *« «Mw I Gratisbeilage: Gießener Kamikienökatter. *ane,eigen (6t bett „(Siegener »njeiget“ entgejrx. fgigeuboi tag erfäeinenben Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. | by » ” J 2—— 2lmtlid?er Theil. Bekanntmachung, Lie Unterhaltung der Kreisstraßen; hier: den Umbau der Lumdabrücke bei Mendorf betreffend. Die im Zuge der Kreisstraße Allendorf—Climbach gelegene Lumdabrücke wird wegen Umbaus von Montag -en 17. August l. I. ab bis auf Weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, am 12. August 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _____________________I. V.: Jost.______________________ Anfragen über dienstliche Verhältniffe werden in der Privatwohnung des Bezirks - Commandeurs nicht mehr angenommen, dagegen an Wochentagen von früh 8 bis Abends 6 Uhr, Sonntags am Vormittag im Dienstgebäude, Seltersweg Nr. 55, beantwortet. Großherzogliches Bezirks-Commando. Caspary, Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Commandeur. Netteste Nachrichten. WolffS telegraphisches Sorrk-spondenz-Bureau. Berlin, 12. August. Nach dem „Reichsanzeiger" ergibt die durch das Statistische Bureau vorgenommene Ermittelung der E r n t e a u s s i ch t e n für den gesummten Staat an Winterweizen durchschnittlich 91 pCt. Mittelcrnte, an Sommergerste 102 pCt., an Hafer 104 pCt. einer Mittelernte,- an Erbsen 10 pCt., au Kartoffeln 95 pCt., an Winterraps und Rübsen 74 pCt., an Hopfen 90 pCt., an Kleeheu 91 pCt., an Wiesenheu 90 pCt. einer Mittelernte, an Winterroggen 32 pCt. Der „Reichsanzeiger" weist gegenüber den Meldungen der Blätter darauf hin, daß das zu erwartende Er- gebniß der Kartoffelernte von durchschnittlich 95 pCt. einer Mittelernte einen Ausgangszoll auf Kartoffeln nicht rechtfertigen würde, zumal der Export von Kartoffeln aus Deutschland nur geringfügig sei. Berlin, 12. August. Die „Nordd. Allgem. Ztg." weist gegenüber der Erregung, welche in Folge des russischen Getreide-Ausfuhrverbots an der Börse Platz gegriffen, aus die Thatsache hin, daß der Antheil Rußlands an der Versorgung des Weltmarktes während der letzten zwanzig Jahre außerordentlich schwankte und daß Dank des entwickelten Verkehrswesens der jeweilige Ausfall der russischen Getreide- production von den anderen Productionßländern gedeckt worden sei. Im gegenwärtigen Momente seien die Vereinigten Staaten bereit, Rußland voll zu ersetzen- in der Reserve stehen überdies Indien, Rumänien, Oesterreich-Ungarn und . andere Exportländer. Deutschland könne daher der Entwickelung der Verhältnisse ruhig entgegensetzen. Die russische Maßregel treffe sogar Deutschland in einem günstigen Zeitpunkte, da die neue Ernte teilweise bereits eingeheimst oder dieses unmittelbar bevorstehe. Es frage sich außerdem, ob Rußland angesichts der durch den unvermeidlichen Rubelcourssturz bedingten finanziellen Opfer, sowie angesichts der Schädigung seiner ohnehin nothleidenden Landwirthschaft das Ausfuhrverbot ausrechterhalten könne. Kiel, 12. August. Die Kaiserin stattete heute Mittag der Prinzessin Henritte und der Gemahlin des Professors Esmarch einen Besuch ab. Nachmittags um vier Uhr machte das Kaiserpaar aus der Segelyacht „Meteor" eine Fahrt aus der Föhrde. Borkum, 12. August. Aus die vom Staatssecretär v. Stephan vom Bord des Kabelschiffes „Faraday" vor Borkum aus Anlaß der glücklich beendeten neuen telegraphischen Verbindung zwischen Deutschland und England an den britischen Generalpostmeister Raikes gerichtete Begrüßungsdepesche traf nach wenigen Minuten folgende Antwort desselben auf dem neuen Kabel ein: „Ew. Excellenz danke ich herzlich für Ihr eben erhaltenes Willkomm-Telegramm und sende warmen Glückwunsch zu der glücklichen Vollendung der neuen Verbindung, welche die deutsche und die britische Nation noch enger verknüpfen und die freundlichen Beziehungen befestigen wird, die zwischen unseren beiden Verwaltungen so glücklich bestehen. Raikes. Fulda, 12. August. Die Bischofs-Conserenz wurde heute Morgen 8 Uhr wegen der Renovirung der Bonifaciusgruft im hohen Chor des Domes mit einer viertelstündigen Andacht eröffnet. Anwesend sind der Erzbischos von Köln, der Fürstbischof von Breslau, die Bischöfe von Ermland, Culm, Hildesheim, Osnabrück, Münster, Limburg, Trier und Fulda, sowie der Feldprobst Dr. Aßmann. Das erledigte Erzbisthum Posen-Gnesen vertreten der Weihbischof Likowski aus Posen und Capitularvicar Kraus von Gnesen. Paderborn ist vertreten durch den Capitularvicar Stuckmann. Wegen des preußischen Diöcesanantheils sind außerdem anwesend der Erzbischof von Freiburg und der Bischof von Mainz. Den Vorsitz führt der Erzbischof von Köln. Die Conferenz dauert voraussichtlich zwei Tage. Die Berathungs- gegenstände sind unbekannt. Ischl, 12. August. Der Kaiser besuchte heute Mittag den König von Serbien- letzterer besuchte alsdann die anwesenden Mitglieder des Kaiserhauses, den Oberhofmeister Hohenlohe und den Grasen Kalnoky, welcher seinerseits Ristic und Pasic besuchte. Nach dem Diner machte der Kaiser mit dem König eine Spazierfahrt nach Strobl. Sodann fand eine Rundfahrt auf dem Wolsgangsee und Abends Theatervorstellung statt. — Der König von Serbien verlieh dem Erzherzog Franz Salvator und dem Prinzen Leopold von Bayern den weißen Adlerorden erster Klasse. Paris, 12. August. Graf d 'Ormesson begab sich heute zum Großfürsten Alexis, um denselben im Austrage des Ministerpräsidenten de Freycinet, welcher von Paris abwesend ist, zu begrüßen. Petersburg, 12. August. Behuss Erleichterung der Lage der Roggen bedürftigen Gouvernements beschloß die Tarif- Commission des Finanzministeriums die Herabsetzung des Transporttarifs aus den russischen Bahnen für Kar- toffeln, die bestimmt sind, Roggen zu ersetzen, und für Mais, der bestimmt ist, den Branntweinbrennereien den Roggen zu ersetzen, um sünszig Procent. Konstantinopel, 12. August. Infolge des Schrittes des französischen Botschafters Montebello hat die Pforte die Zahlung des Lösegeldes zur Besreiung des von Räubern eingefangenen Franzosen Raymond angeordnet. Depeschen btS „Bureau Herold". Bochum, 12. August. Der Vertreter des Depeschen- Bureau „Herold" erfährt, Fusangel trete demnächst seine Gefängnisstrafe an. Die Obsternte Deutschlands schildert „der practische Rathgeber im Obst- und Gartenbau", welcher zu diesem Zwecke eingehende Erhebungen veranstaltete, wie folgt: Die Obsternteaussichten sind nicht mehr ganz so günstig, als sie es gleich nach der Blüthe waren. Es wird von vielen Seiten geklagt, daß halbentwickelte Früchte noch massenhast abgesallen sind. Immerhin steht im großen Durchschnitt noch ein verhältnißmäßig guter Obstertrag in Aussicht. Von Aepseln ist in unserem Hauptobstlande, in Württemberg, nach den vorliegenden Berichten kaum eine Mittelernte zu erwarten. Auch in der für den Obstbau wichtigen Maingegend und in vielen Theilen von Hessen- Naffau ist es nicht wesentlich besser. Baden und Elsaß- Lothringen haben im Durchschnitt eine gute Mittelernte. Bayern (mit Ausnahme der Maingegend), Pfalz und Hessen- Darmstadt eine gute Ernte. Aus der Rheinprovinz und Westfalen lauten die Berichte sehr ungleich, im Durchschnitt nur wenig über Mittel. Ziemlich gut wird die Aepselernte sein in den Thüringer Staaten, in Schlesien, fast gut in Brandenburg und Hannover, gut im Königreich Sachsen und in der Provinz Sachsen. Sämmtliche Küstenländer: Schleswig- Holstein, Mecklenburg, Pommern, Westpreußen (mit der'obst- reichen Weichselniederung), Ostpreußen haben guten und sehr guten Aepfelertrag zu erwarten, mit wenigen Ausnahmen. Birnen bringen im gesammten Süddeutschland (einschließlich Württemberg) eine gute Mittelernte, nur vereinzelt ist der Ertrag gering. — In Mitteldeutschland ist durchweg eine ziemlich gute Birnenernte in Aussicht. (Frühbirnen tragen häufig sehr gut.) Die nördlichen und nordwestlichen Länder und Provinzen: Hannover, Oldenburg, Schleswig- Holstein und Mecklenburg erwarten wiederum eine recht gute Feuilleton Eine unheimliche Requisition. Humoreske aus dem letzten Kriege. Von Leo Sonntag. (Schluß.) „Wo ist Ihr Vieh hingekommen?" „Alles von unserer Regierung angekauft und schon lange weg — nach Paris." „Daß Dich, Du verfluchter Lügendeubel!" fiel Sergeant Bornemann ein. „Glauben Sie dem Schuft kein Wort, Herr Lieutenant- das ganze Viehzeug ist erst heute Morgen fortgetrieben worden. Am hinteren Hofthore liegen ganz frische Kuhspuren." . . . „ , Mochte dem aber sein, wie ihm wollte, jedenfalls konnten wir gerade den wichtigsten Theil unseres Austrages, einige Stück lebenden Rindviehs zu requiriren, nicht ausführen. Dafür aber fanden wir anderweitige reichliche Vorräthe und bald waren unsere Wagen mit Speck, Wein, Korn für unsere Leute und Hafer und Heu für unsere Pferde schwer beladen. Große Schwierigkeiten bot uns die Auffindung dieser Schätze nicht, denn der Hosbesitzer hatte uns selbst, wenn auch mit Mürrischer Miene, auf die Speicher geführt, uns Säcke zum Einfüllen angewiesen, kurz, keinen Versuch gemacht, uns Hindernisse in den Weg zu legen oder die Ausführung unseres Vorhabens zu verzögern. Wir konnten daher auch mit dem Ausfall unserer Requisition, trotz des Nichtantreffens von lebendem Vieh, um so mehr zufrieden fein, als wir durch keinen Zwischenfall gestört wurden. Die Felder und die Waldränder waren auf das Sorgfältigste beobachtet worden, allein auch nicht das geringste Anzeichen vom Herannahen eines Feindes war zu entdecken gewesen, nichts Lebendes hatte sich blicken lassen. Trotzdem wir Anfangs diesem friedlichen Aussehen nicht recht trauten, so schwanden unsere Befürchtungen immer mehr und so glaubte denn auch schließlich Lieutenant v. Marwitz, ungeachtet des Kopsschüttelns des Vicefeldwebels, seinem erschöpften Detachement an den zur Abfahrt bereitstehenden Wagen eine kurze Rast zu einem kräftigen Imbiß aus dem Rothweinkeller des Hofes bewilligen zu dürfen. Nur zu bald aber sollten wir diesen Aufenthalt bereuen, denn er brachte uns eine so aufregende halbe Stunde, wie wir sie in dem ganzen, an Aufregung so reichen Feldzuge je erlebt und die allen Theilnehmern an der Expedition unvergeßlich geblieben ist, trotz ihres fröhlichen Schluffes. Einige unserer Leute, weniger müde wie die übrigen, hatten die Ruhepause zu einer Hühnerjagd benutzt, um wenigstens einen kleinen Beitrag zur frischen Fleischkost zu erlangen. So waren sie denn bis in die äußerste Ecke des Hofes an ein kleines Gebäude gelangt, dessen Thüre sie verschlossen fanden und an deren Oeffnen bisher noch Niemand gedacht, da kein Grund zu irgend welchem Verdacht vorgelegen hatte. Der Hosbesitzer, der bisher neben dem Offizier gestanden und mit stillem Ingrimm, jedoch mit ziemlichem Gleichmuth das Sportsbedürfniß unserer Leute beobachtet hatte, zeigte plötzlich eine merkwürdige Unruhe, als einer der I Soldaten an der verschlossenen Thür zu rütteln begann und Anstalten machte, das widerspenstige Schloß mit seinem Seitengewehr „aufzuschließen". „Mein Herr Offizier," wandte er sich Plötzlich an v. Marwitz, „ich habe Ihnen anstandslos alles ausgeliefert, was Sie zum Unterhalt Ihrer Truppen von einem Feinde Ihres Volkes fordern können. Ich glaube daher auch, Sie bitten zu dürfen, Ihre Leute daran zu hindern, zwecklos Thüren mit Gewalt aufzusprengen." Unser Detachementssührer, der soeben ausbrechen lassen wollte, war auch schon im Begriff, die Leute abzurusen, als der Viceseldwebel, der keinen Blick von dem Franzosen verwandt hatte, meinte: „Herr Lieutenant, dahinter steckt etwas. Sehen Sie nur, wie ängstlich auf einmal der störrige alte Fuchs geworden ist." Es entspann sich nun ein kurzer Wortwechsel zwischen dem Offizier und dem Franzosen und als letzterer behauptet, zu dem kleinen Gebäude keinen Schlüssel zu besitzen, da diesen seine Frau, die dort ihre Wäsche ausbewahre, bei ihrer eiligen Flucht vor den heranrückenden „barbares du nord“ mitgenommen habe, so wurde die Thür erbrochen und in dem Raum, der einen großen Backosen enthielt, fast zweihundert ganz frische Laibe Brod, in dem Holzstoß jedoch ein halbes Dutzend Gewehre nebst Patronen entdeckt. „Für wen ist das viele Brod bestimmt?" „Für die Armen im nächsten Dorse, die sonst immer aus meinem Hofe arbeiten, jetzt aber verhungern müßten, weil sie nichts verdienen." „Und wem gehören die Gewehre?" „Den Forstbeamten der Umgegend, die sie hier versteckt haben, weil sie nicht als Franctireurs von Ihren Leutew Birnenernte. Im Nordosten ist der Ertrag geringer, aber immer noch gut. Pflaumen und Zwetschen bringen in diesem Jahre den reichsten Ertrag. In Baden, Pfalz, Elsaß-Lothringen und Hessen-Darmstadt gut, im übrigen Süddeutschland reichlich mittelgut. Die Hauptzwetschengegenden Deutschlands: Thüringen, Provinz und Königreich Sachsen, Brandenburg, haben erfreulicherweise eine gute und sehr gute Zwetschen- ernte. Im Westen: Hannover, Rheinprovinz, Westfalen, stehen die Zwetschen und Pflaumen theilweise weniger gut, als im Osten. WalnLsse sind häufig mittelmäßig und gering im Ertrage, doch in den Gebieten des Oberrheins, wo viel Nüsse gebaut werden, scheint die Nußernte gut zu werden. Weinreben haben in den Weinbaugegenden sehr vom Froste gelitten und durchweg geringen Ansatz. Ueber die Güte des Weines läßt sich jetzt noch nichts sagen, doch sind die Aussichten auf Qualität bis jetzt ebenfalls sehr gering. Locales u«6 provinzielles. Gießen, 13. August. — Emweihungsfeierlichkeilen. Nächsten Sonntag wird bekanntlich der hiesige Turnverein in sein neues Heim, nämlich in die zweckmäßig eingerichtete und schön ausgestattete Turnhalle in der Nordanlage osfieiell einziehen. Durch möglichste Berücksichtigung aller bei Turnhallebauten in der Neuzeit vorgekommeneu Verbesserungen wird obengenannter Bau allen Anforderungen, welche an einen tüchtigen Turnbetrieb gestellt werden müssen, entsprechen. Nach großen Anstrengungen und wirksam unterstützt durch die Beihülse hochherziger Gönner und Freunde der edlen Turnerei — nicht allein in hiesiger Stadt, sondern selbst in Amerika —, ist es dem Verein endlich gelungen, das seit langen Jahren gehegte Projeet zu verwirklichen. Durch zahlreiche Einladungen an die Civil- und Militärbehörden, den Stadtvorstand, die Vorstände hiesiger Vereine re. wird voraussichtlich die Betheiligung an dieser Feier eine bedeutende werden, und konnte deshalb, wie uns mitgetheilt, mit Rücksicht auf den beschränkten Raum bei den Feierlichkeiten in der Turnhalle die sonst so wünschenswerthe und gewiß auch diesmal gern gesehene Betheiligung seitens der Damen nicht ins Auge gefaßt werden. Hingegen ist eine Betheiligung derselben bei der weiteren Fortsetzung der Feier in Steins Garten selbstverständlich sehr erwünscht. — Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. August l. I. dem Fräulein Pauline Grüner in Darmstadt die Goldene Medaille des Ludewigsordeus mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste", an demselben Tage dem Amtsgerichtsdiener am Amtsgericht Offenbach Georg Friedrich Ludwig Waldschmidt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen geruht. — Wetterkundige wollen aus dem Verhalten der Störche und Schwalben ersehen, daß ein früher Herbst in Aussicht stehe. Sommer haben wir überhaupt noch nicht gehabt und so dürfte das bekannte Sprichwort, daß es hier dreiviertel Jahr Winter und ein viertel Jahr kalt sei, in diesem Jahr vollständig zutreffen. — Warnung. Es kommt vielfach vor, daß Landleute mit verschlossenen Briefen nach einem anderen Ort oder der Stadt geschickt werden. Das Mittragen und Besorgen dieser Briefe stellt aber ein Vergehen gegen das Postgesetz vom 2. October 1871 dar und wird demgemäß bestraft. Das Schöffengericht zu Saarbrücken hat letzten Freitag drei Landleute wegen des angedeuteten Vergehens zu Geldstrafen von 5 bis 180 Mk. verurtheilt. Man nehme sich dies also zur Notiz. Das Mittragen von offenen Briefen ist gestattet. — Die Preußische Staatsbahnverwaltung hat für die Fahrten zum Heiligen Rock nach Trier umfassende Vorbereitungen getroffen. Vom 20. l. M. ab werden auf den füfilirt sein wollten und dachten, daß keine Preußen bis auf meinen abgelegenen Hof kommen würden." „Na, das ist ja das reine Depot für die verehrlichen Herren in Holzpantoffeln und blauen Kitteln," fiel Scheibeler ein, „wenn wir nur ein paar Stunden später gekommen wären, so hätten die „Freunde aus den benachbarten Dörfern" sicher ■für eine sachgemäße Verwendung dieser Herrlichkeiten gesorgt. So aber wollten wir ihnen nach unserer Manier die Mühe abnehmen." Das geschah denn auch und wenige Minuten später hatten wir den Rückmarsch, diesmal allerdings anscheinend auf einem anderen Wege, angetreten, den wir jedoch nur einige Schritte in den Wald hinein verfolgten, um den uns von feinem Hofthore aus beobachtenden Hofbesitzer irre zu führen. Kaurn durch die Bäume vor feinen Blicken geborgen, arbeiteten wir uns an einer lichten Stelle wieder auf unseren alten Weg hinüber und fort ging es, so rasch die Pferde die schwer- beladenen quiekenden Wagen durch den tiefen Sand bringen konnten. Eine halbe Stunde vielleicht mochte unser beschwerlicher Marsch gedauert haben und schon sprach Scheibeler die Ansicht aus, daß wir diesmal der „verehrlichen Schwefelbande" zu rasch gewesen, was um so erfreulicher fei, als die Sonne fich sehr bedenklich zu neigen begann und eine „Mondfchein- Tlnterhaltung mit blauen Blousen und Bohnen" keineswegs nach seinem Geschmack sei. Da plötzlich machte unsere Spitze Halt und der Verbindungsmann kam in größter Eile heran- gestürmt und meldete, daß allerdings in großer Entfernung zu beiden Seiten des Weges Stimmen zu hören feien, die sich beständig zuriefen und ziemlich rasch näher kamen. Bald auch konnten wir das Rufen, das von einer größeren Anzahl Leute herrühren mußte, deutlich vernehmen und auch einzelne in Trier einmündenden Bahnstrecken besondere Pilgerzüge mit ausschließlich III. Wagenklaffe gefahren. Zwischen Cob- lenz-Trier sind 8 Pilgerzüge in jeder Richtung vorgesehen. Extrazüge von anderen Bahnen müssen an diese Züge ange- schloffen werden. Die für größere Gesellschaften festgesetzte Fahrpreis-Ermäßigung gilt nur für die Pilgerzüge/ die Prozessionen müssen also die Pilgerzüge benutzen. — Aus Hessen, 10. August. Man schreibt uns: Dem „Rathgeber für Obst- und Gartenbau", Organ des Wetterauer Obstbauvereins, entnehmen wir nachstehenden, alle diejenigen, denen die Obstbaumzucht in unserem Lande am Herzen liegt, wohl interessirenden Auszug aus einem betreffenden Artikel: „Muster von Ob st Pflanzungen sind jene an den Staatsstraßen in Oberhefsen. Hier sieht man, daß alle Arbeiten an den Bäumen correct durchgeführt werden unter einer geschickten und durch und durch kundigen Oberleitung- da ragt kein Pfahl in die Krone, da werden die jungen Bäume wiederholt mit Kalkmilch versehen, der Schnitt der Krone ist ein formvollendeter. Wenn nun solche vorzügliche Beispiele gegeben werden, sollte man glauben, daß diese alte böse Sitten verderben, man sollte namentlich glauben, daß an den Kreisstraßen die den Gemeinden gehörigen Bäume nach dem guten Vorbilde der Staatsstraßenbäume behandelt würden. Aber weit gefehlt. Schon bei der Auswahl der Bäume werden die ersten größten Fehler begangen. Es soll möglichst billig gekauft werden; man denkt dabei aber nur an die Gegenwart und nicht an die Zukunft und das ist grundfalsch; selten nur wird in dieser Beziehung ein Sachverständiger um Rath gefragt, es werden mitunter schon halbtodte Bäume gepflanzt re. Was hier für Oberhessen gesagt ist, könnnte auf das ganze Großherzogthum Hessen Anwendung finden. Man findet jetzt durchgehends an der Staatsstraße der drei Provinzen nur musterhafte und mit der größten Sorgfalt gepflegte Neupflanzungen. Man sieht hier das ausgesuchteste Pflanzen- material in nur wenigen aber fruchtbaren für Klima und Boden geeigneten Sorten von anerkannt großem Nutzungs- werthe. Hier ist kein Baum zu tief gepflanzt, die Baumscheiben sind stets gehackt und unkrautfrei, und das immer an Dungstoffen reiche Regenwasser wird denselben durch schräg laufende Gräbchen von der Fahrbahn reichlich zugeführt. Kurz, man sieht hier alle Vorbedingungen einer rationellen Obsteultur auf das Gewissenhafteste durchgeführt. Mit Bedauern nimmt der Kundige wahr, wie sehr mit solchen vorzüglichen Leistungen oft die angrenzenden Grundbesitzer mit ihrem geringwerthigen und schlecht gepflegten Pflanzmaterial in geradezu beschämender Weise contraftiren. Nicht viel besser ist es mit vielen Neupflanzungen der Gemeinden und solchen an manchen Kreisstraßen bestellt. Man begreift, wie wenig noch die Einsicht, daß ein rationeller Obstbau dermalen zu den einträglichsten landwirthschaftlichcn Betriebszweigen gehört, bei der ländlichen Bevölkerung Verbreitung gefunden hat. Möchten daher alle Gemeindevertretungen und alle Behörden, welche in der Lage sind, bei Straßenpflanzungen ein Wort mitzusprechen, Veranlassung nehmen, dahin zu wirken, daß dies vorzügliche Beispiel, welches die Straßenverwaltung gibt, überall Nachahmung finde und eine gute Schule wäre zum Vortheile des ganzen Landes. Bad-Nauheim, 12. August. Eine der wohlthätigsten Anstalten des hiesigen Bade-Etablissements ist die Krnder- heilanstalt „Elisabethhaus". Der Hauptvortheil bei Benutzung der Anstalt liegt darin, daß die Begleitung erwachsener Angehörigen, welche die Kosten des Badeaufenthaltes verdoppeln würden, unnöthig erscheint. Die Anstalt wurde aus Anregung des hiesigen Pfarrers Walz, des zeitigen Vorsitzenden, im Jahre 1879 vom Verein für innere Mission gegründet und besaß im Anfang nur vier, in einem gemieteten Hause aufgestellte Betten. Schon drei Jahre später konnte ein eigenes Haus erbaut und dasselbe am 31. Mai 1882 emgcweiht werden. Fast jedes folgende Jahr brachte eine Erweiterung der Anstalt. Die immer zahlreicher werdenden Aufnahmegesuche machten den Neubau eines weiteren Pflegehauses zur dringenden Nothwendigkeit, das im vorigen Herbste in Angriff genommen und kürzlich durch Hrn. Pfarrer Walz in Gegenwart des Ortsvorstandes, der Pflegerinnen und zahlreicher Gäste feierlich eingeweiht wurde. Der Worte in französischer Sprache verstehen. Das sah einem Ueberfalle der Franctireurs so ähnlich wie ein Ei dem andern und daß die Gesellschaft sich in so ungeübter Weise näherte, bewies uns zur Genüge, daß sie uns an Zahl weit überlegen sein mußte und gar keine Zweifel hegte, uns ohne Schwierigkeit zu überwältigen. Ohne Zögern wurden nun unsererseits die nötigen Verteidigungsmaßregeln getroffen und lautlos, das fertig gemachte Gewehr in der Hand, standen unsere braven Jungen hinter den dicken Bäumen zu beiden Seiten des Weges und erwarteten das Hervorbrechen des Feindes. Sehen konnte man von demselben in dem dichten Gestrüpp nicht das Mindeste, dafür aber hörte man ihn schon von allen Seiten durch das Unterholz brechen. „He-la!u brüllte eine Baßstimme vielleicht hundert Schritte seitwärts im Gebüsch. „Achtung, Antoine, daß uns die Schweine nicht durchbrechen." „Keine Furcht, mein Alter," erwiderte ein jugendliches Organ boshaft lachend, „diesmal haben wir sie fest, wir haben sie umzingelt!" Das war denn auch richtig- wie waren eingekreist wie ein Stück Wild und von allen Seiten kamen die Jäger gleichmäßig näher. Jeden Augenblick mußte es zum Aufeinander- stoß kommen, dann aber wollten wir ihnen die Zähne zeigen und wenn sie geglaubt hatten, ein wehrloses Thier erschießen zu können, so sollten sie sich furchtbar getäuscht haben und sich einem borstigen Eber gegenüber finden. So ungefähr characterisirte später unser Vicefeldwebel die Situation. Immer näher kamen die drohenden Ruse, jetzt rauschte es schon in den Büschen, deren höhere Zweige hin und her wogten wie vom Winde gepeitscht, athemlos standen unsere Leute und suchten einen Zielpunkt für ihre Zündnadel in dem Neubau enthält zwei große Schlafsäle, vier Badezimmer unt'> die erforderlichen Wohn- und Wirthschastsräume. Ein Jsolir- Haus für mit ansteckenden Krankheiten Behaftete ist schon vor einigen Jahren erbaut worden. Jetzt können 100 Kinder gleichzeitig ausgenommen werden- seit 1882 sind nicht weniger als 2200 Kinder verpflegt worden. Die armen Wesen finden in der Anstalt nicht nur leibliche Hilfe, sondern auch — wie in der Weiherede mit Recht hervorgehoben wurde — für ihr freudeleeres, gedrücktes Gemüth eine herzerquickende Aufmunterung. Den Pflegedienst versehen Schwestern vom Diako- niffenhaus „Elisabethenstift" in Darmstadt mit größter Aufmunterung und in liebevollster Weise. Behandelnder Arzt ist seit Eröffnung der Anstalt Medicinalrath Dr. Abbee, welcher seines Amtes mit der größten Umsicht und in der uneigennützigsten Weise waltet. Die hohe Protectorin und Wohltäterin des „Elisabethhaus" war die jetzt in Gott ruhende Prinzessin Earl von Hessen, die, wie bekannt, auf dem Gebiete werkthätiger christlicher Menschenliebe so sehr thätig war. Die Seele des Vorstandes ist der eigentliche Stifter der Anstalt, Pfarrer Walz, der im Verein mit dem Anstalts- arzt und dem Geschäftsführer, Herrn Lehrer Wagner, die recht zeitraubende Verwaltung führt. — Noch fei bemerkt, daß mit den Städten Darmstadt, Offenbach, Gießen und Mainz, mit der Landeswaisenanstalt zu Darmstadt, sowie mit dem Waisenhaus und dem Heiliggeist-Hospital zu Frankfurt a. M. Specialverträge wegen Aufnahme von Pfleglingen geschlossen wurden. Auch sind einige Freibetten gestiftet. Aus kleinen Anfängen hat sich die Kinderheilanstalt zu dem jetzigen stattlichen Umfange entwickelt. Es können jetzt nämlich in jeder Saison an 400 Kinder, größtenteils ans den unbemittelten Ständen, aufgenommen, leiblich und geistig geheilt und zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft herangebildet werden. Daß dies erreicht wird, dafür gebührt außer der aufopfernden und nicht genug anzuerkennenden Thätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses vornehmlich auch der Staatsregierung und der Bade-Direction, die stets lebhaftes Interesse und Werktätige Theilnahme an der Anstalt bekundet, warmer Dank. D. Ztg. □ Vom Vogelsberg, 12. August. Eine Unzahl von Pilzen und Schwämmen hat der regnerische Sommer im Walde hervorgebracht. Wie gesäet entsprießen sie dem feuchten Waldboden- alle Arten sind vertreten: vom giftigen Fliegenpilz bis zum eßbaren Stein- ober Edelpilz und zum Ziegenbart oder gelben Hirschschwamm. Schade nur, daß die Kenntniß der eßbaren Schwämme allgemein noch so im Dunkeln, liegt, denn die eßbaren Schwämme liefern eine durchaus nicht zu verachtende Speise. Vor einigen Qabvcn unternahmen Kreisämter, so das zu Alsfeld, die dankens^, rthcn Versuche, Klarheit über die eßbaren Schwämme durch Beschreibung dieser und der giftigen in den Kreisblättern unter die Kreiseinwohner zu bringen. Eben zu diesem Zwecke wurden auch Modelle der häufig vorkommenden Arten, aus Papiermache gefertigt, den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Es ist dies das beste Mittel, die Kenntniß der Schwämme zu vermitteln. Nur wem diese völlig zu eigen, ist die Verwerthung eßbarer Schwämme zu empfehlen, wem sie aber mangelt, der lasse sich davon. — Auch das Mutterkorn, ein Kernpilz, findet sich in diesem Jahre sehr häufig im Korn. Da sich dasselbe auf zweierlei Art fortpflanzen kann, nämlich durch llebertragung von Wind und Jnsecten auf andere Aehren, sowie durch Bildung von Sporen auf dem Erdboden, so empfiehlt es sich,, die Mmterkörner zu sammeln und zu vernichten. Bekanntlich schaden sie aber auch sehr den Menschen, indem Mehl, worin sich Mutterkorn befindet, die Kriebelkrankheit verursacht. Vielleicht könnten auch die eingesammeltcn Mutterkörner verkauft werden, da dieselben in der Medicin als heftig wirkendes Mittel angeiüaubt werden. Langen, 11. August. „Es gibt noch gute Meuschen!" Als ich vor einigen Tagen Vormittags das Dörfchen G. durchwanderte, gewahrte ich eine weinende und klagende Gruppe, die Aller Mitleid erwecken mußte, denn das einzige und letzte Pfandobject — die Kuh — sollte durch den Gerichtsvollzieher wegen einer Schuld von 31.80 Mk. den armen Leuten eben entführt werden. Als der Abmarsch beginnen sollte, kam ein Herr die Straße daher, der sich nach den Vergrünen Chaos — „Alle Hagel!" brüllt da plötzlich Scheibeler, „äst mich der Satan?" und entreißt seinem Nebenmann das Gewehr. Blitzschnell sinkt der ehemalige Forstmann auss- Knie, der Kolben fliegt an die Backe und donnernd hallt der erste Schuß durch den Wald. Ein Moment Todtenstille, dann aber ein Getümmel und Geheule, als käme das wilde Heer vorübergebraust. In wüthender Hast drängt sich in buntem Durcheinander eine Heerde Rindvieh, Schweine u. s. w. über den Weg, einige Blaukittel werden sichtbar und verschwinden sofort wieder, als habe sie der Boden verschlungen- Dazwischen dröhnt der wilde Jagdruf Schcibelers: „Huß Sau? Huß Sau!" begleitet von feinem brüllenden Gelächter. Einen Augenblick hatten die Leute wie erstarrt dagestan- den, bann aber die Lage sofort begriffen und als wir nach einer kurzen Pause unfern Marsch fortsetzten, lag auf dem ersten Wagen ein mächtiges Schwein mit einem „herrlichen Blattschuß" und zwei feiste Rinder waren hinter dem letzten derselben angebunden. „Na, die Sorte von Franctireurs lasse ich mir gefallen", lachte der Vicefeldwebel und klopfte den beiden Gefangenen freundlich auf die beiden Nacken. „Aber zur Strafe für den meuchlerischen Ueberfall werdet ihr morgen ohne Gnade vom Leben zum Tode befördert, und so ’ne tobte Sau ist mir schließlich gerabe so lieb vor ihrer Transformation in Erbswurst als nachher!" Damit aber ber Gutsbesitzer sein Vieh nicht etwa boch noch nach Paris schicken konnte, unternahm unsere Cavallerie am nächsten Morgen einen großartigen unb erfolgreichen Streifzug, von welchem sich bie Kochkessel noch lange Zeit: später, besonbers aber vor Paris, „zum ewigen Hammel", die ausschweifendsten Berichte erzählten. ’feräum’e'g“""" ** t fönnet, A "°r S82 l"'d le armen Wesen s°"d°rn 4 J™'n bm wurde ’ fA •mI-X tbt. 10 sehr thäitz ,bet °'S°n'liche gtift’ ”\mit d°m AchL - ^'r ©agiler, di- sei bemerkt, ** Aesjen und zu Darnyadt, sowie mit techchoipitül zu Frank- jusnahme von Heglingen lge Freibetten gestiftet, rrlnderhetlanstalt zu dem • Es können setzt nm- grötztentheils aus den f leiblich und geistig ge- der Gesellschaft heran- !t wird, dafür gebührt genug anzuerkennenden chusses vornehmlich auch Direction, die stets leb- ilnahme an der Anstalt D. Sfg- tt. Eine Unzahl von er regnerische Sommer et entsprießen sie dem rertreten: vom giftigen oder Edelpilz und zum i, Schade nur, daß die emem noch so im Dunkeln, .lesen eine durchaus nicht en Unen unternahmen dankenÄrcrttzen versuche, tnme durch Beschreibung ilättern unter die Kreis- sem Zwecke wurden auch !lrten, aus Papiermache ng gestellt. Es ist dies schwämme zu vermittln. ,ie Permntliuntz Garer aber mangelt, der lasse l ein Kerupilz, findet B ' Da sich dasselbe aus Mich bur» ere AchrM ” oben, !° empfiehlt eSf4 «Wen. B-!M« Lind-wMH-,«' s-belkrankheit °nurM- weiten M»tt-rk°we »«- Ki» als h-stig «>lrke»d°» x „Ute Menschen!^ 1 ®" WS- klagende wemeade . --c SS bM da entreifet ie>nem 5 fg. ein bas wild- -Heal-/ x -rängt ftih ' enierAdjweine D^'^rNtbar und ver fl* verschl^^^' 7^ Loden veri / S-he'bel-t'^zchter. KM -rsl^-kS l,tb 1 C Hfl! Ü 4, W (U A-ß-l "’i ' hältnissen der Leute eingeheud erkundigte und als er vom Gerichtsvollzieher die Mittheilung erhalten hatte, daß die Pfändung einzig und allein durch die schon lange herrschende Arbeitslosigkeit herbeigesührt sei, erlegte er sofort die 31.80 Mk. und verschwand, bevor sich die beglückten Leute infolge der großen Aufregung zum Danke ermannen konnten. Die Rückgabe der Kuh und der Einzug derselben in ihren Stall glich beinahe einem Triumphzug und hat auch mich tief ergriffen. Mainz, 11. August. Zu einem hiesigen Specereiwaaren- händler kam ein Vater, welcher seinen Sohn demselben als Lehrling anbot. „Wissen Sie", sagte der aufrichtige Ladenbesitzer, „seitdem ich meine Dutten fertig aus der Fabrik beziehe, brauche ich gar keine Lehrlinge mehr." — Eine merkwürdige Erscheinung ist die Zunahme der Blitzgefahr seit Mitte dieses Jahrhunderts. Eine Zusammenstellung aus den Acten von 60 Feuerversicherungs-Gesellschaften Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz für den Zeitraum von 1854 bis 1877 ergibt, daß sich die Blitzgefahr in diesen Ländern durchschnittlich um das Zweieinhalbfache erhöht hat. Für Deutschland allein stellt sich sogar eine Verdreifachung der Blitzgefahr in den letzten 30 Jahren heraus. Der durchschnittliche jährliche Gesammtverlust an Volksvermögen durch Blitzschäden ist für Deutschland auf 6—8 Millionen Mark zu schätzen. Vermischtes. * Hildesheim, 12. August. Am 15. Juni d. I. ließ der Hildesheimer Verein für Brieftaubensport seine Tauben in Gießen auffliegen. Von diesen geflügelten Boten ist eine Anzahl in Folge des unbeständigen Wetters in der Heimath nicht eingetroffen und wird vermuthet, daß dieselben theilweise in Gießener Taubenschlägen eine Unterkunft gesucht haben. Der Verein bittet die Besitzer pon solchen zugeflogenen Tauben, welche sämmtlich die Vereinsstempel in den Flügelsedern tragen, an Herrn Kaufmann Louis Jmmen- dorff in Hildesheim Nachricht zu geben, und werden entstandene Kosten gern ersetzt. *G. Leipzig, 11. August. Vier verschiedene Fachausstellungen werden zur Zeit der kommenden Michaelismesse in den neuen Räumen der dauernden Gewerbe-Ausstellung abgehalten und zwar je eine vier Tage lang in jeder Meßwoche. Diese Sonderausstellungen bestehen darin, daß an den bestimmten Tagen die Hülfsmaschinen der verschiedenen Gewerbe im Betriebe vorgesührt werden und zwar gelangen in der ersten Meßwoche die Lederbearbeitungs- und Schuhmachermaschinen, in der zweiten die Metallbearbeitungsmaschinen, in der dritten die Holzbearbeitungsmaschinen und in der vierten Meßwoche die Papierbearbeitungs- und Buchbindereimaschinen zur Vorführung. Den Ausstellern wird durch diese Einrichtung sehr genützt, weil sich zur Zeit der Messe besonders viel kauflustige Interessenten in Leipzig aushalten. * Innsbruck, 11. August. Bei Urgen in der Nähe von Landeck wurde gestern ein Handwerksbursche von seinen drei Reisegefährten erschlagen und die Leiche in den Inn geworfen. Die Thäter wurden noch an demselben Tage in Ried von der Gendarmerie verhaftet. * Ueber die Verbreitung der Tuberkulose durch den Personenverkehr auf den Eisenbahnen hat der Privatdocent der Hygiene, Dr. W. Prausnitz, interessante Versuche angestellt. Nach einem Bericht der Wiener „Presse" handelte es sich darum, zu ermitteln, ob wirklich die von Schwindsüchtigen auf ihren Reisen nach den südlichen Curorten längere Zeit hindurch benutzten Eisenbahnwagen mit Tuberkel-Bacillen inficirt werden und dadurch eine Gefahr für diejenigen Reisenden mit sich bringen könnten, welche später dieselben Wagenabtheilungen zur Reise benutzen. Es gehen von Berlin aus nach Meran über München sogenannte Durchgangswagen, welche natürlich mit Vorliebe von Phthisikern benutzt werden. Bei der Fahrt verweilen die Reisenden in diesen Wagen auf der Hinreise nach Meran von Berlin bezw. München 22^ bezw. 10 Stunden, auf der Rückreise 10V2 bezw. 23 Stunden. Diese Wagen werden natürlich auch von Reisenden aus anderen Städten benutzt. Als günstigster Zeitpunkt für die Versuche wurde der November gewählt, in welchem wegen des heranrückenden Winters ganz besonders viele Brustkranke den Süden aufsuchen. Sofort nach Ankunft des Zuges in München wurde in dem betreffenden Durchgangswagen der Teppich ausgehoben und mit sterilisirtem Handfeger der aus dem Boden liegende Staub zusammengesegt, ausgehoben und in sterilisirtem Fließpapier ins Laboratorium gebracht. Aus diese Weise wurde nach und nach der Staub aus je zwei Abtheilungen von fünf Wagen gesammelt. Mit dem Staub wurden daun Meerschweinchen geimpft und diese, soweit sie nicht schon vorher gestorben waren, acht bis zehn Wochen nach der Impfung getödtet. Von den 20 so behandelten Thieren waren nur 5 tuberculös, 12 blieben gesund und 3 starben an anderen Krankheiten. In keinem Falle war die Tuberculose weit vorgeschritten. Die Untersuchung hat also ergeben, daß der Staub der Eisenbahnwagen, in denen man am ehesten ein massenhaftes Vorkommen von Tuberkel- Bacillen hätte vermuthen können, zumeist diesen Jnsections- stoff nicht enthielt. Nur in einem der Wagen, welcher übrigens auch am längsten aus dieser Tour gelaufen, enthielt der Staub fast durchgängig Tuberkel-Bacillen. Aber auch in diesem Wagen kann die Menge der Bacillen nicht erheblich gewesen sein, wie aus dem langsamen Verlauf der Tuberculose trotz der großen zur Impfung verwendeten Staubmenge und aus den Impfungen hervorgeht, daß eins der Thiere gesund blieb. Hiernach scheint die gewöhnliche Art der Reinigung der Wagen zu genügen, welche darin besteht, daß dieselben bei ihrer Ankunft in Meran bezw. Berlin jedes Mal ausgefegt und naß ausgewischt, die Polster geklopft, die Gesimse abgestäubt und die Fenster geputzt werden. Schiffsnachrichten. Hamburg, 8. August. (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt- Actien-Gesellschaft.j Der Hamburger Doppelschrauben-Schnelldampfer „Fürst Bismarck, Capitän Albers, welcher am 1. August von Southampton aögegangen, ist am 8. August, 7 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 23 St. 10 Min. Oceansahrt von Southampton 6 Tage 21 Stund. 30 Min., von Queenstown aus gerechnet nur 6 Tage 6 Stund. 30 Min. Hamburg, 8. August. sHamburg-Amerikanische Packetsahrt- Actien-Gesellschaft.) Das Hamburg - Newyorker Post - Dampfschiff „Dania", Capitän Kühlewein, ist am 8. August, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Literatur und — »Wiener Mode", bekanntlich das einzige Modeblatt, welches den schneidernden Hausfrauen durch Gratislieferung von Schnitten nach Maß an die Hand geht, gewinnt täglich an Verbreitung und die Zahl der an die Abonnentinnen gratis expedirten Wiener Schnitte wächst von Monat zu Monat. Laut officieller Constatirung sind von dem Wiener Blatt an bieten Schnitten nach aufgegebenen Maßen versandt worden: im Januar 4021, Februar 4084, März 4519, Avril 6322, Mai 6332, Juni 7780. Somit hat die Wiener Zeitschrift während sechs Monaten in 33 058 Fällen sparsamen Hausfrauen das Mittel geliefert, bei der Herstellung von Kleidern der Schneiderin zu entrathen. - Die kritische« Tage de» Jahre» 1892. Di- Bedeutung der „kritischen Tage" für alle Kreise des Publikums tritt immer mehr zu Tage. Alle Stände und Alter haben gleiches Jntereffe daran, sich auf fchön Wetter einzurichten, der Landwirth wie der Städter und der Arbeiter wie der Vergnügungsreisende. Es dürfte daher weiten Kreifen wichtig sein, die Termine dieser kritischen Tage kennen zu lernen. Das neueste Heft von »Z«r gute« Stunde* (Berlin, Deutsches Verlagshaus Bong & Co.) bringt bereit« die Daten für das kommende Jahr 1892. Wir machen auf diese interessante Publikation ganz besonders aufmerksam. Verkehr, Land« «nd Volkswlrtt^chcrst. Limlmrg, 12. August. Fruchtmarkt. Rotber Weizen JL 20.45, weißer Weizen »M 20.30, Korn JL 17 30, Gerste »M 11.30, Hafer 7.50, Erbsen —, Kartoffeln —. -d. Schotten, 11. August. Gestern und heute fand dahier der weithin bekannte und von Händlern stark befuchte Sommermarkt statt; derselbe war im Verhältniß zu früheren Jahren stark befahren. Der Handel ging trotz gedrückter Preise flott und wurden 7 beladene Extra-Viehzüae von hier abgelassen. Aufgetrieben waren im Ganzen: 3683 Stück Rindvieh, 1229 Schweine, 102 Pferde und 159 Fohlen; gegen voriges Jahr mehr: 224 Stück Rindvieh, 43 Schweine, 31 Pferde und 27 Fohlen. Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gießen. 31. Woche. Vom 2. August bis 8. August 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsztffer: 37,86 a/oobezw. 22,71 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr t Darmeatarrh 2 — 2 — Lungenschwindsucht Verunglückung Andere bekannte 5 (1) 5 (1) - - 1(1) 1 (1) — — Krankheiten ____ 7 (4) 6 (4) 1 — Summa;: 15 (6) 12 (6) 3 — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach^.Gießen gebrachte Kranke kommen. Pfarrer, Lehrer, Gutsbesitzer, Beamte rc. rauchen feit Jahren HollLnd. Tabak von B. Becker in Seese« a. Harz 10 Pfd. fco. 8 JC. mit stets gleichem Behagen. [1606 Der Prüfstein einer guten Seife 1”“«’ Parfüm, oder ihre bestechende Farbe, sondern ledig und allein nur ihre Reinheit, ihr Fettgehalt. Das Aroma hat auf die Haut nicht den geringsten Einfluss und dient bei allen sodahaltigen und minderwerthigen Seifen nur dazu, deren Mängel und Fehler zu verdecken. Wer in dieser Hinsicht nicht getäuscht sein will, kaufe zum Toilettegebrauche Doering« Seife (mit der Eule) von welcher die beeidigten Chemiker feststellen konnten, dass sie nur aus den bestgeläutertsten Fetten besteht, ohne Soda, ohne Zusatz, dass sie der Haut am zuträglichsten wie überhaupt die beste Seife der Welt ist. Zu haben in Giessen bei Gebr. Adami, C. F. Conrad, Drebes & Wallenfels, Eberhard Dort, Fritz Egly, E. Fischbach, A. Geisse, G. Gerhardt, L. Kalkhof, Gg. Kinkel, L. Loth, Eberh. Metzger. P. J. Mobs, C. Möser, H. F. Nassauer, A. Noll II., Carl Petrt, Marktplatz, Otto Schaaf, J. M. Schulhof, Frau R. F. Thomas, A. Voigt, Heinrich Wallach. — Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. 5453 BekEntmachnng. Wir bringen hiermit zur Kenntniß der Quartiergeber, daß die Vergütungen für die in der Zeit vom 5. Juni bis 1. Juli und vom 17. bis 27. Juni stattgefundenen Einquartierungen von heute ab an den gewöhnlichen Zahltagen bei der Stadtkasse erhoben werden können. Bis zum 1. kommenden Monats nicht abgeholte Beträge werden den betreffenden Quartierträgern gegen eine Vergütung von 10 H zugestellt. Gießen, den 12. August 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 7283 Freitag den 14. August, Nachmittags 2 Uhr wird Alicestraße 24 eine größere Parthie Weißbindergeräthe, Karben u. s. w., sowie nach 4 Ubr 1 schöner Schreibtisch, 2 Schränke, 1 Aliegenschrank und sonstiges Hausgeräthe, sowie einige Bilder versteigert. Im Auftrag: 7233 F. Hoffmann. MlgeSotenes. Montag den 17. d. Mts. halte einen Transport grosser Einlege-Schweine znm Verkauf. Kessler, 7278 Neuenweg 33. Neuenweg 33. Weisswein garantirt rein, per Liter von 50 Pf. an, in Fässern von 25 Liter an. Proben gegen Einsendung von 30 Pf. frc. Wörrstadt (Rheinhessen). 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Backpulver, Caca-, Chocolade, Citronensaft, Fleischextract, Gelatine, Gewürze, Hafermehl, Salatöl, Essig, Essiaessenz, Salpeter, Schmirgelpapier, Stärkemehl, Tafelsenf, Thee, Tafelsalz, Vanille, Würfelzucker, Spirituosen, Conservesalz, Saccharin, Zuthaten zur Feinbäckerei, Essenzen, Zuckerpräparate, Beleuchtungsarttkel, Korke rc. Für Gartenfefter Bengalische Flammen und vollständig gefahrlose Feuer- werkskörper. Für Touristen r Taschenapotheken, Salicyloaseline, Ammoniakgläser, Brausebonbons, Wasserdichte Sttefelschmiere, Feinster französischer Cognac, Vorzüglicher Rothwein rc- Düngemittel für Zimmer- und Gartenpflanzen r Blumennahrung in Blechbüchsen, enthält sämmtliche Pflanzennährstoffe in concentrirter Form, Knochenmehl, Leim rc. Für den Garten: Baumwachs, Zinktinte, Oelfarben, Brumataleim, Pergamentpapier rc. Für Radfahrer: Schmieröle, Brennöle. Schmirgelleinen, schwarzer Lack, Gold- bronce rc. Für Photographier alle gebräuchliche Chemikalien rc. 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Schmidt, Instrumentenmacher. 6373] Zweiter Stock zu vermiethen bei Bruchhäuser, Grünbergerftraße. 4803] Schöner Lade« zu vermiethen- Lindenplatz 12. Vermischte Anzeigen. Forderungen an den verstorbenen Kaufmann Adolf Köhler sind binnen acht Tagen an den Unterzeichneten geltend zu machen. Gießen, den 13. August 1891. Hermann Köhler, 7288___________Seltersweg 2. 7272] Ei« angehender Gehülfe gesucht von Herman« Bogt, Bäckermeister, __SelterSweg._______ 7290] Flotter Schreiber gesucht. E. Trenckmann, Buchhandlung, Sonnenftraße 5. 7296] Junges Mädchen für Lade« und Haushalt gesucht. Nähere Aus- kunft bei der Exped. d. Bl.___ Pferdeknecht, ein tüchtiger, gesucht. Näheres bei 7281______Hch. Simon, Neuenweg. 7200] Ein braves Mädchen für Küche und Hausarbeit gesucht von ____Frau Professor Buff. Äk. ISO.— Nebenverdienst monatlich ohne Aufgabe der Stellung. Off. unt. F. W. 8697 an Rudolf Moffe, Berlin, Friedrichstr. 66. [6523 Pfarrer Kneipp’sche Wasserheilanstalt Hohenzollernbad in Bonn a.Rh. 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Nm 5 Uhr: FeStZUg durch die Stadt nach Steins Garten. Daselbst C o n c e r t. Bei günstiger Witterung von 8 Uhr an: Tanz im Saale. Zu allen Festlichkeiten wollen sich unsere Mitglieder gefälligst vollzählig einfinden. Zum ersten Theil des Festes, des Raumes wegen, ohne Familie, zum zweiten Theil mit Familie. Zum Eintritt berechtigt die Mitgliedskarte. 7292 Der Vorstand. Hippodrom auf Oswalds Garten. Geöffnet täglich von 6 Uhr Abends an. 7295 Versicherung gegen Reise-Unfälle sowie gegen Unfälle aller Art, in und außer dem Berufe, gewährt die frankfurter Traus-ort-, Unfall- und Glas-Verßchkrlmgs- Attikn-Gesellschaft ?u Frankfurt a. M. 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