Nr. 135 Der Hirße»rr A«zei-er erschenit täglich, mit Ausnahme de- Montag». Die Gießener Wamitteußtätter «erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Zweites Blatt. Sonntag den 14. Juni 1891 Kichener Anzeiger Henerat-MnzWger. vierteljähriger AVounementrPretOr 2 Mark 20 Pfg. mA Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. -Kdaction, Expedttt», und Druckerei: Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt süv den Akreis Gieren. R* Herr ff ff U ff dem Aunahm» »on Anzeigen zu der Nachmittag» für den -Alqenven Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und AuSlande» nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. // ff pflichtet sind. Außerdem hat uns die Spar- und Leihkasse anstatt des früheren kleinen Betrags von 200 Mk. nunmehr einen Hauptlehrer Hug den Unterricht im Bauzeichnen und der Bauconstructionslehre, Barthel den Unterricht im freien Handzeichnen und Modelliren, Dr. Molly den Unterricht in der darstellenden Geometrie, , Gerhardt den Unterricht im geometrischen Zeichnen und Freihandzeichnen, Carle den Unterricht im maschinellen Zeichnen, Altvater den Unterricht in der angewandten darstellenden Geometrie, Kalbfleisch den Unterricht im Rechnen und deutscher Sprache. Zuschuß von 1000 Mk. gewährt, wofür ich auch hier nochmals unserem Danke Ausdruck gebe. Dazu kommen dann als weitere Erhöhung unseres- Budgets die bereits in meinem vorjährigen Berichte erwähnten 500 Mk., um welche die Stadt den uns aus städtischen Mitteln gewährten Zuschuß dankenswerther Weise erhöht hat. Durch diese reichere Dotirung sind wir nunmehr in die Lage gekommen, an den schon so lange erstrebten weiteren Ausbau der Schule gehen zu können, dem ernstlich näher zu treten uns bisher die Unmöglichkeit abhielt, einen weiteren, während des Winters seine ganze Zeit der Schule widmenden Lehrer austellen zu können und wir denken dies in der Weise zu tbun, daß wir, wie bei den größeren Winterbauschulen — unter ungeänderter Erhaltung der Sonntagschule — einen vollständigen zweijährigen Cursus für die Werktagschule ein- sühren, in welchem dann sämmtliche Einzelfächer, die bisher in das constructive Zeichnen nur theilweise eingeschoben wurden, während des Winters in besonderen Unterrichtsstunden gelehrt, andere bis jetzt überhaupt nicht vertretene Fächer dem Lehrplan neu eingefügt werden. Es wird uns hoffentlich möglich werden, bis zum Beginn des Wintersemesters diese Neuorganisation ins Leben zu rufen, bei der, nachdem uns die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung sind, als die beiden wesentlichsten Punkte noch zur Erledigung verbleiben: die Gewinnung einer geeigneten tüchtigen Lehrkraft und die Beschaffung der genügenden Schulräume. Der Mangel ausreichender Schulräume steht der Entwicklung der Schule tatsächlich hindernd im Wege, trenn er auch allerdings mehr bei der so sehr zahlreich besuchten Sonntagschule als bei der Werktagschule empfunden wird. Für erstere genügen die Lehrzimmer überhaupt nicht, um alle Schüler unterzubringen und wir mußten zu Anfang dieses Semesters Schüler aus Mangel an Raum zurückweifen und die am Unterricht theilnehmenden sind so aufeinandergedrängt, daß sie den zum Zeichnen erforderlichen Raum nicht in genügendem Maße haben. Die einzelnen Zimmer find für die Schülerzahl der einzelnen Klaffen viel zu klein, wodurch die vorhandenen Lehrkräfte in sehr unvorteilhafter Weise zersplittert werden. Außerdem fehlen aber vollständig die noch sonst für die Schule erforderlichen Räumlichkeiten- unser für die Bibliothek verfügbarer Raum ist so sehr beschränkt, daß unsere schönen und kostbaren Jllustrationswerke in den Schränken schwer erreichbar aufeinander gehäuft sind und Die Möglichkeit, in den Schullocalitäten selbst etwas nachzuschlagen oder nachzulesen, kaum vorhanden ist. Die für den Unterricht nöthigen Modelle sind so schlecht und eng untergebracht, daß sie vielfach Noth leiden. Wir geben uns der Hoffnung, daß dieser unserer Woh- nungsnoth in nicht ferner Zeit abgeholfen werde, mit um so mehr Berechtigung hin, als verehrliche Stadtverordneten- Dersammlung ihr Interesse an unserer Schule in letzterer- Zeit ja mehrfach bethätigte; hoffentlich wird dieser Nothstand mit Vollendung der neuen Knabenschule beseitigt werden können, was allerdings schwerlich schon mit Beginn des Wintersemesters der Fall sein wird. Seitens Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein wurden wir im verflossenen Jahre, wie früher, durch Ueberlaffung werthvollen Unterrichtsmaterials an Vorlagen und Musterzeichnungen ausgiebig unterstützt — wie auch der Herr Präsident und Generalseeretär dieser Stelle zu einer Revision und Prüfung der Schule dieselbe besuchten. Des weiteren erfolgte die Ablage der Rechnungen des Gewerbvereins sowie der Handwerkerschule, die nach Prüfung durch zwei Mitglieder des Vereins in Ordnung befunden und bezüglich deren dem Rechner Decharge ertheilt wurde. Der Bericht schließt mit dem Ausdruck des Dankes an die Herren Lehrer für ihre Wirksamkeit an der Schule und an den Herrn Rechner für seine Bemühungen. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl für das statutengemäß mit Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres ausgeschiedene Drittheil des Vorstandes wurden gewählt refp. wiedergewählt die Herren O. Bergen, Professor Buchner, L. Heyligenst aedt, F. Habenicht, L. Petri III. und F. Schiele, an Stelle des durch seine Versetzung von hier während des Jahres ausgeschiedenen Herrn Dr. Dietz wurde Herr L. Petri II. gewählt. Ein von Herrn Hauptlehrer Hug gestellter Antrag wegen Erbauung eines Schulgebäudes für die erweiterte Haudwerkerschule wurde in der modificirten Form angenommen, daß eine Commission ernannt werden solle, die zu. Brdenttiche Hsnpivkrsammlung des Srtsgewerb- vereins in Gießen. Die ordentliche Hauptversammlung des hiesigen Orts- gewerbvereins fand am 1. Juni statt. In derselben wurde zunächst von dem Vorsitzenden Herrn A. H e ß der Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, fowie über den derzeitigen Stand und die Wirksamkeit der erweiterten Handwerkerschule erstattet, den wir in seinen wesentlichen Theilen hier mittheilen: Jahresbericht für das Jahr 1890/91. Den Bericht über die Lage und die Thätigkeit unseres Vereins, den ich Ihnen satzungsgemäß in der Hauptversammlung zu erstatten habe, pflege ich damit einzuleiten, daß ich Ihnen Mittheilnngen über den Personalbestand der Mitglieder des Vereins wie desVorstandes mache und ich bin in diesem Jahre in der angenehmen Lage, Ihnen ganz besonders Erfreuliches bezüglich dieser statistischen Verhältnisse berichten zu können. Nachdem unser Verein feit einer langen Reihe von Jahren in seiner Mitgliederzahl nicht vorgeschritten war, haben wir seit meinem letztjährigen Berichte die sehr wesentliche Vergrößerung desselben um ea. 70 Mitglieder, d. i. um mehr als 50pCt. des vorjährigen Bestandes zu verzeichnen. Neben der regen Thätigkeit des Vereins in der letzten Zeit, sowie den von ihm veranstalteten interessanten Vorträgen im verflossenen Winter haben wir diesen erfreulichen Zuwachs ohne Zweifel vorzugsweise der über den Verein und seine Wirksamkeit belehrenden und mahnenden Schrift zu verdanken, die unser Vorstandsmitglied, Herr Direetor Bergen, anläßlich deS 50jährigen Bestandes des Vereins verfaßte und die wir dann, begleitet von einem Ersuchen, demselben beizutreten, an eine größere Zahl hiesiger Einwohner verschickten, von welchen wir glaubten annehmen zu dürfen, daß sie sich für die Bestrebungen des Vereins intereffirten. Wir haben dabei wieder die nicht'neue Beobachtung gemacht, daß es oft nur eines birecten Anstoßes bedarf, um Viele zu veranlassen, sich bei etwas zu betheiligen, was sie zwar gerne fördern, dem sie aber, ohne diese birecte Anregung, boch fremb geblieben sein würden. Herrn Bergen sei für diese erfolgreiche Förderung des Vereins unser wärmster Dank ausgesprochen. Immerhin muß es noch unser Aller Bestreben bleiben, solche Bekannte, die dem Verein noch nicht angehören, die ihm aber nach ihrer Thätigkeit oder ihrer Stellung angehören sollten, bei jeder geeigneten Gelegenheit anzuregen, demselben beizutreten - beim noch immer stehen wir in unserer Mitgliederzahl gegen die meisten anberen (Stabte bes Laubes verhältniß- mäßig zurück unb namentlich fehlen noch sehr viele ber jüngeren Hanbwerker unb Gewerbtreibenben unter unseren Mitgliebern unb grade diese könnten mannigfache Vortheile in ihren geschäftlichen Beziehungen ans der Angehörigkeit zum Gewerbverein ziehen. In der Zusammensetzung des Vorstandes trat durch die vorjährige Generalversammlung eine Aenderung insofern ein, als in denselben die Herren Universitätsamtmann Dr. Dietz und Spenglermeister C. A. Faber neugewählt wurden, von welchen wir indeß den ersteren durch seine Versetzung von hier zu unserem Bedauern sehr bald wieder verloren. Was dieWirksamkeitdesOrtsgewerbvereins als solchen — zunächst abgesehen von der Handwerker- schule — betrifft, so bestand dieselbe in erster Linie in der Veranstaltung einer Anzahl öffentlicher Vorträge von hohem Interesse- es waren dies die Experimentalvorträge des bekannten Eleetrotechnikers Herrn A. Egts über verschiedene Anwendungen der Electrieität, sowie dessen Vortrag über Fernsprechwesen und Fernsprechapparate. Dieselben erregten so großes unb allgemeines Interesse, baß wir bafür ben größten verfügbaren Raum, ben Saal in Steins Garten in Anspruch nehmen mußten. Entgegen unserer sonstigen Hebung erhoben wir zur theilweisen Deckung ber bebeutenben Kosten derselben von ben bem Verein nicht zugehörigen Besuchern der Vorträge ein kleines Eintrittsgelb. Demungeachtet nahmen dieselben unsere Kasse in einem über unser Budget hinausgehenden Maße in Anspruch - wir dürfen indeß für wirklich bedeutende Vorträge auch außergewöhnliche Kosten nicht scheuen, denn einestheils ist es — wie ich bereits im vorigen Jahresbericht zu bemerken mir gestattete — besser, ganz wenige, recht vorzügliche Vorträge zu veranstalten, als viele von geringem Interesse, und anderntheils ist es gar nicht leicht, wirklich geeignete und für einen größeren Kreis belehrende Vorträge zu finden, so vielfach auch die —SS38 " ' ■ - > E । -IL-U.JM 1 — | chratisöeikage: Gießener IaimtienMtter Die Schüler der Abendschule wurden im Einklänge mit Unterricht der Fortbildungsschule in einem dreijährigen Cursus, die Schüler der Sonntag- und Tagesschule in einem zweijährigen Cursus unterrichtet. Soviel über den derzeitigen Zustand unserer Schule, welchem ich noch einige Bemerkungen über deren Aussichten und Erwartungen für die nächste Zukunft, sowie über die beabsichtigten Erweiterungen anzuschließen habe. — Ich theile Ihnen hier zunächst mit, daß es uns gelungen ist, eine abermalige, nicht unbedeutende Erhöhung der Subvention der Schule aus Staatsmitteln zu erwirken. Der Beitrag für die erweiterte Handwerkerschule aus Großh. Hauptstaatskaffe ist uns mit Beginn dieses Finanzjahres um 1400 Mk. erhöht worden, sodaß derselbe nunmehr 7100 Mk. beträgt- — ich hatte s. Z. der Großh. Staatsregierung resp. der Centralstelle darzulegen gesucht, daß wir, um unseren Aufgaben gerecht werden zu können, eine Vermehrung des staatlichen Beitrags um 1500 Mk. nöthig hätten und es ist uns auch der erbetene Mehrbetrag bis auf 100 Mk. gewährt worden, wofür wir Regierung und Ständen zu lebhaftem Danke ver- Anerbietungen von Leuten sind, die das Vortraghalten geschäftsmäßig betreiben. Unsere reichhaltige Bibliothek wurde in gewohnter Weise ziemlich eifrig benützt, doch möchten wir wünschen, daß noch mehr Gebrauch von ihr gemacht würde- denn es ist ein so reicher Schatz von Belehrung und Vorbildern in den vielen schönen Jllustrations- und Vorlagewerken, sowie den Musterzeichnungen der Bibliothek enthalten, daß dessen Benutzung von viel Anregung und Werth für zahlreiche Gewerbtreibende — insbesondere für Schreiner, Deeorationsmaler, sowie namentlich das Kunstgewerbe — sein könnte. Ebenso wurden, wie in früheren Jahren, mannigfache Anfragen seitens einzelner Gewerbtreibender gestellt und durch den Hauptlehrer der erweiterten Handwerkerschule erledigt. Indem ich uns auf den gegenwärtigen Stand, sowie die vorjährige Wirksamkeit unserer erweiterten Handwerkerschule in ihren Beziehungen zum Gewerbverein, dessen wesentlichste Thätigkeit ja in ihr liegt, übergehe, darf ich vorausschicken, daß wir auf deren Entwicklung und Leistungen im vergangenen Jahre mit aller Befriedigung zurücksehen können. Die Zahl unserer Schüler war eine sehr beträchtliche und gegen das Vorjahr wieder vergrößerte, sodaß es uns recht schwer wurde, alle in unseren Schulräumen unterzubringen. Sie betrug: in der Sonntagschule 205 Schüler, „ „ Abendschule 60 „ „ „ Tagesschule im Wintersemester 30 „ „ „ desgl. im Sommersemester 16 ,, Summa 311 Schüler. Ein sehr beträchtlicher Bruchtheil dieser Zahl kommt aus den umliegenden Ortschaften. Was das Lehrerpersonal betrifft, so trat keine Veränderung unter den seit einer langen Reihe von Jahren an der Schule mit erfreulichem Erfolge wirkenden Lehrern ein, wohl aber eine Vermehrung der Lehrkräfte. — Nachdem, wie bereits in meinem vorjährigen Berichte erwähnt, wir durch die große Zahl der an dem eonstructiveu Zeichnen theilnehmenden Schüler veranlaßt worden waren, mit Beginn des Wintersemesters 1890/91 einen weiteren Lehrer, speziell für das maschinelle Zeichnen anzunehmen, wurde zu Beginn dieses Schuljahres 1891/92 eine neue Theilung durch die bedeutende Zunahme der Schüler unabweisbar und gewannen wir eine neue tüchtige Lehrkraft an Herrn Bautechniker Altvater, dem vorzugsweise die angewandte darstellende Geometrie überwiesen wurde. Es ertheilen nunmehr: erwägen habe, ob, eventuell mit welchen Mitteln, ein eignes Gebäude für die Handwerkerschule und den Gewerbverein errichtet werden könne. Zu Mitgliedern dieser Commission wurden die Herren Oberbürgermeister G n a u t h, A. H u g und L. Petri HI. gewählt. Vermischtes. * Berlin, 8. Juni. Der Kaiser wurde, von einer Spazierfahrt am Sonnabend heimkehrend, Zeuge eines betrübenden Unglücksfalles. Ein sechsjähriger Knabe, welcher mir mehreren Altersgenossen am Ufer des Landwehrkanals in der Nähe des Hauses Königin-Augusta-Straße Nr. 42 sich durch Spielen vergnügte, stürzte plötzlich über die dort befindliche Böschung ins Wasser. Unter dem sich alsbald ansammelnden Publikum befand sich auch ein Major, der sich sofort seines Uuisormrockes entledigte und ins Wasser sprang. Der Knabe war, nachdem er in den Fluthen verschwunden, nicht wieder attfgetaucht. Trotz des schnellen, hochherzigen Eingreifens des Majors war es ihm nicht möglich, den Körper des Knaben auszufinden. Der Kaiser, der gerade vorübersuhr, ließ sich von dem soeben ans Ufer getretenen Major eingehend Bericht über den Unglücksfall erstatten. Die von Schiffern sofort vorgenommenen Versuche, die Leiche des Knaben aufzufischen, blieben erfolglos. Dagegen entdeckte man — die Leiche eines ungefähr achtzehnjährigen Mädchens. Die Unglückliche hatte anscheinend den besser situirtcn Ständen angehört. Bei der Lerche sanden sich außer goldener Uhr nnd Kette mehrere Ringe und verschiedene Werthgegenstände. * Dortmund, 9. Juni. Der städtische Straßen- mt ei st er war darum eingekommen, einen Revolver tragen AU dürfen, da er des Nachts bei Beaufsichtigung der Kehrarbeiten mehrfach angegriffen worden war. Dies wurde ihm gestattet und Polizei-Jnspector Brake wollte ihm heute Morgen kurz nach 8 Uhr in der Wachtstube aus den Beständen einen geben. Als der Straßenmeister die Waffe in der Hand hatte, ging sie — die Ursache bleibt dahingestellt — los und die Kugel drang dem Polizei-Jnspector durchs Herz, der sofort tobt zusammenbrach. Der stattliche, noch verhältnißmäßig junge Mann war vor Kurzem erst von Emden hierher gekommen. Er lebte in kinderloser Ehe. * Berlin, 9. Juni. Die 13 jährigen Schüler Oscar Sch. nnd Georg M., welche sich bei der in der Spreestraße wohnhaften Frau P. in Pflege befanden, hatten an den Schilde- rungen des den Orientzug betreffenden räuberischen Ueberfalls soviel Gefallen gesunden, daß sic dem Drange, sich selbst zu Banditen auszubilden, nicht widerstehen konnten. Allein dünkteu sie sich jedoch zu schwach, und wußten daher ihren gleichfalls 13 Jahre alten Mitschüler Paul M. zu bewegen, der Schule Valet zu sagen, sich ihnen anzuschließen und vagabondirend umherzutreiben. Die Burschen verließen ihre Wohnungen und hielten sich im Thiergarten und Grünewald Tags über versteckt. Ihren neuen Beruf begannen sie damit, daß sie die Frühstücksbeutel aus Häusern erbeuteten - später wollten sie sich vervollkommnen. Dazu ist es jetzt noch nicht gekommen, denn die Polizei hob das Raubnest am Sonntag aus. Citerafttt unö Rrrirst. - lieber die Roller'sche Stenographie finden wir in der zweiten Auflage von „Otto Spamers tlluNrirkem ConversationS- lexikon" unter dem Artikel „Stenographie" auf Spalte 1328 folgendes sehr beachtenswerthe Urtbetl: „Von Christian Heinrich Roller wurde der Beweis erbracht, daß trotz unübertroffener Kürze der Wortbilder eine vollständig einheitliche buchstäbliche Vokalbezerchnung auch in der Stenographie möglich ist. Im Jahrs 1875 trat er mit seinem „Vollständigen Lehrgang einer einfachen Stenographie" an die Oeffentlichkeit. Jeder Selbstlauier besitzt nur ein Zeichen mit unbeschränkter Verbindungsfähtgkeit, so daß die gejammte Vokal- bezeicknung in eine Regel ohne Ausnahme gefaßt ist. Aehnliche Laute erhallen ähnliche Zeichen. Obwohl phonetische Schreibung Grundsatz ist, so kann jegliche Rechtschreibung ohne Schwierigkeit berücksichtigt, jedes Fremdwort, jeder Eigenname mit größter Leichtigkeit geschrieben werden. Alle Stamm- und betonten Silben werden ungekürzt, Vor- und Nachsilben, Artikel, Hilfszeitwörter, sowie ca. 50 Begriffs- worter gekürzt bezeichnet. Drei Regeln ergeben fast unbegrenzte Kürzungsreihen. Bei schnellschrifllichen Aufnahmen wird in der Regel ohne wettere Kürzungen gearbeitet, im Bedarfsfälle zu Auslaut- knrzungen gegriffen. In Folge des folgerichtigen Aufbaues auf einfachen sprach- und schriftwissenschaftlichen Grundsätzen und vermöge der dadurch bedingten Einfachheit und leichten Erlernbarkeit eignet sich Rollers System für alle Kreise des deutschen Volkes^und wie kein anderes zur Einführung in die Elementarschule. e>eine practische Verwendbarkeit ist glänzend erwiesen. Das System ist in 5 fremde Sprachen übertragen." Mr können hinzusügen, daß dieses Kurzschriftsystem letzt auch auf Russisch und Französisch angewendet ist. - Die Urgeschichte des Menschen nach dem heutigen Stande derWissenscvaft. VonDr.MorizHoernes. (Mitüber300Abbildungen im Texte und 20 ganzseitigen Illustrationen.) A. Hartlebens Verlag, Wien, Pest und Leipzig. In 20 Lieferungen a 50 Pf. Dieses Welk, dessen Erscheinen nunmehr bis zum 5. Hefte fortgeschritten ist, saßt die Ergebnisse langer, fruchtbarer Arbeiten auf dem Gebiete der ältesten menschlichen Culturstufen in ein farbenreiches, fesselndes und imposantes Gemälde zusammen. Der Laie erkennt mit Ueverraschung die hundertfachen Beziehungen, welche sich von der Urgeschichte der Menschheit in unsere hochentwickelte Civilisation, in unser persönliches Leben und unsere tägliche Umgebung hinein fortsvinnen. Der Werth der Urgeschichte zeigt sich hauptsächlich darin, daß sie uns die tiefere Erklärung der Geschichte und damit auch der Gegenwart an die Hand giebt. Neben diesem hohen Ziele verfolgt die Darstellung den practischen Zweck, dem Leser, welcher durch zufällige Funde, durch de - Besuch prähistorischer Sammlungen ober durch die Betrachtung größerer, im freien Terrain erhaltener Denkmäler angeregt, über Entstehung und Bedeutung. Zeititellung und cultnrgefchichtllcken Zusammenhang solcher Ueberreste Belehrung sucht, diese im reichsten Maße und in wissenschaftlich gesicherter Weise darzubieten. Deshalb schweift der Blick des Urgeschichtsforschers unausgesetzt Über die aauze Erde, sucht überall das Aehnliche aus und verschafft sich Gewißheit über die Ursachen und das Fortwirken jeder Erscheinmw die der primitiven Entwicklung der Menschheit angehört. So wird es ihm möglich, alle Einzelheiten, die den Laien so oft befremden und durch ihre Wunderlichkeiten entweder abstoßen oder anziehen, als wohlverstündliche ©lieber in einem großen Ganzen zu zeigen nnd näher zu bringen. Jedes Land hat seine prähistorischen Alter- thumer; Jedermann begegnet ihnen entweder im freien Felde, in der Literatur oder im Museum. Diese Dinge sieben uns räumlich ebenso nahe, als sie uns zeiiltch fern liegen. Der Patriotismus, das Interesse, welches mir an der Vorzeit unseres Landes und unseres Volkes nehmen müssen, gebietet uns, auch zu diesen Zeugnissen einer fernen Vergangenheit Stellung zu nehmen. Schon die erste, ans reiner Neugier aufgeworfene Frage: Gehören diese Alterlhümer des heimischen Bodens unserer eigenen Nation ober einer Vorläuferirr derselben an? — stellt uns vor eines der interessantesten Probleme der Urgeschichte. Zeigt sich bann, baß das Volk, welchem wir selbst angehören, damals noch in ganz anderen Erdräumen hauste, eine ganz andere Cultur besaß, so wird man fragen: wer waren jene Vorgänger? wo sind sie hmgekommen? wann und wo hat unser eigener Stamm diese Wohnsitze erreicht? wo lebte er früher? Auf alle diese Fragen findet die Urgeschichtsforschung Antwort an der Hand der prähistorischen Archäologie und der vergleichenden Sprachwissenschaft. Verkehr, Land- und Volkswivthschaft. Bekanntmachung. Aufschrift der Postsendungen. Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei find namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichstgenauanzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 1. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbezirk (0., N., NO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung .Berlin" zu vermerken. 1. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich ober ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Post' verkehr als maßgebend anzrrsrhen sind, ergibt sich aus bem „21er«- zeickmiß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zu» Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs-PostanstalL bezogen werden farm. 4. Wenn der im ReichS-Postgebnt belegene Bestimmmrgso.t zivar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber mcht als all > gemein bekannt anzunchmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politische,^ Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. ro.), in welchem der Besinn mungsort belegen ist, ober auch bie Angabe von größerenFl ü sse n [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) rc.j, ober von Gebirgen l(Harz), (Riesengebirge) zc.). Nicht minder sind zusätzliche 23e- zeichuungen, wie ((Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.j für den Zweck geeignet. 5. Auf Postiendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diesenige Post, anstalt anzugebkn, von welcher aus bie Bestellung ber Senbung an ben Empfänger bewirkt werben bez. die Abholung erfolgen soll. S. Denn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch dar, betreffende Land bez. der Laudestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wirb zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunst der Sendungen an den Empfänge: wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendunaen hiernach aenau anrufertiaen. Für die Armen zu Hunderttausenden aus Rußland vertriebenen Juden nehme ich meine Zuflucht zu den mildthättgen Herzen unserer Stadt mit der Bitte mir Geldunterstützungen für dieselben zukommen lassen zu wollen, die ich mit herzlichem Danke entgegennehmen und an das für deren Auswanderurig thätige Comite nach Berlin schicken werde, Rabbiner Dr. Levi. Das HeiMllS Messen § .Heinocf) & Co.JKÄ von der cameralfiscalischen Sorau- [5432 Im Auftrag: LoiriS Rothenberger, Gerichtstaxator. 2671 billigen Preisen aus der renommirten 4886 AeUgeöotenes. Alle Neuheiten in Shlipsen, Kravatten, Hemden, Kragen, Manschetten, Taschentüchern, Glace» und Stoff-Handschuhen, Hosenträgern, Kragen- u.Manschettenknöpsen, Hosenstreckern, Hut- und Armfloren, Regenschirme« re. empfiehlt zu ä Mk. 1 70, 1,80, 1,90 und 2,— das Pfund, unübertroffen in Aroma und Kraft. [1584 In Giessen bei „ f Fahrradfabrik afirräder The Roulette Cycle Comp. im—■■■.....in» in Coventry (England) empfiehlt August Kilbiuger, Seltersweg 19. 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Klotz, Schmiedemeister, 5222______________________Wetzsteingafft Nr. 18._________ Unterzeichneter empfiehlt sich zur Uebernahme aller und jeder Reparaturen an Dampfkesseln und Dampfmaschinen, sowie zur Lieferung und Aufstellung von Saug- und Druckpumpen bei jeder Brunnentiefe. Auch werden Häckselmaschinen und alle sonstigen landwirthschaftlichen Maschinen jeder Gattung von mir in Reparatur genommen und gründlich ausgebeffert. I 14. Mattheiss, Frankfurterstr. 109. 5022 Geehrtem Publikum zur Nachricht, daß von heute ab alle ins Ziegelfach einfchlagenden Artikel: Dachziegel (Biberschwänze), Firstziegel, D Platten (zum Belag für Flur u. Küchen), Ruffenofensteine (Klinker) nach Normalmaß, sowie die so beliebten Keffel- und feuerfesten Steine auf meiner Ziegel»» bei Großen-Linden zu haben sind; bei Abnahme von geringeren Quantitäten können obige bezeichnete Bauartikel auch aus meiner Ruffenbrennerei in Leihgestern bezogen werden. Anmeldungen beliebe man bei meinem Verwalter Peter Krick daselbst zu machen. Georg Weiss III., Ziegeleibesiher in Großen-Linden. Mache hierdurch geehrtem Publikum die ergebene Anzeige, um irrigen Gerüchten zu begegnen, daß meine Kalkbrennerei vor wie nach besteht und mache besonders auf den bei vielen Kunden so beliebten Graukalk aufmerksam; sodann möchte ich bitten, nicht allein auf Preis, sondern auch auf Qualität zu achten. <*g. Weiss 111., Zirgeleibefitzer, 5023_______________________Großen-Linden.______________ Die Rübsamen/sclie Mde- und Schwimm-Anstalt ist eröffnet. Unterrichtsstunden und Badezeit für die Schuljugend find an den Wochentagen Vormittags von 10—12 Uhr und Nachmittags von 3—7 Uhr. In diesen Stunden wird gute und strenge Aufficht geführt, sodaß die verehrliche« Eltern in jeder Beziehung beruhigt sein könneu. Geöffnet ist die Anstalt von Morgen- 6 Uhr bi- Abends 8 Uhr, au Sonntagen nur Vormittag- von 6-12 Uhr. Ich lade zum Abonnement ergebenst ein und bemerke, daß alles Nähere in der Anstalt, wo auch die Liste zur gefl. Einzeichnung offen liegt, zu erfahren ist. Jj,