1891 Samstag dm 13. Imn Rr. 134. Ber -ch-nnt täglich, @rit Nusnahm« btl Wontagi. 94t flKefrntr w*ai tarn Ängdgtt dreimal tdgdegt Gießener Anzeiger Kenerat-Unzeiger. Stertdjii^ga AhmeanbnilN 2 Mark 20 P,g. •» Bringerloya. Durch die Post bcgef« 2 Mark 50 Pf«. Webaction, Lxpedttt» und Druckerei: A«r»jprccher 51. Amts- und Anzergsblatt fKv den Urei# Girren. WS LLe Anno«ct«.Aurcaux bet In- and LuLlondeS netz»» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegee. ;ij.r.BMMimiiii mi in -"J " .............. ®»ne|mc »vv Anzeigen zu der Nachmittags für des ^!§«iden tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Gießen, den 10. Juni 1891. Betr.: Die Verminderung der Herbstzeitlose. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie unserer Auflage vom 15. Mai d. I. (Kreis- Llatt Nr. 113) noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung. v. Gagern. Bekanntmachung, die Abgabe der Capitalrentensteuererklärungen behufs der Veranlagung für das Steuerjahr 1891/92 betr. Nach Art. 14 des Gesetzes, die Einführung einer Capital- rentensteuer betreffend, vom 8. Juli 1884, erfolgt die Heranziehung zu dieser Steuer aus Grund einer Erklärung, welcher jeder nach den einschlägigen Bestimmungen Steuerpflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten bei der hierzu berufenen Einschätzungscommission schriftlich abzugeben hat. Zu diesen Erklärungen ist das von Großherzoglichem Ministerium der Finanzen festgesetzte Formular zu verwenden und sind dieselben, je nach der Wahl des Steuerpflichtigen, offen oder verschlossen, jährlich spätestens bis zum !♦ Juli, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts abzuliefern. Von der Verpflichtung zur Steuererklärung sind nach Art. 15 des Gesetzes, insofern nicht im einzelnen Fall besondere Aufforderung der Einschätzungscommission ergeht, diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Capitalrentensteuer zugezogen waren, auch inzwischen ihren Wohnsitz nicht gewechselt und keine den Betrag von 100 Mark jährlich erreichende Einkommensverbesserung aus Capitalzinsen erlangt haben. Inhaltlich des Artikel 16 des genannten Gesetzes haben die Capitalrentensteuererklärung abzugeben: 1) für minderjährige, vermißte oder unter Vormundschaft gestelle Personen deren gesetzliche Vertreter/ 2) für moralische Personen (Gemeinden, Körperschaften, Stiftungen, Anstalten), ferner für Gesellschaften, Genossenschaften, Gantmassen, Erbmassen, soweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht kommt, die bestellten Vorstände oder Verwalter - 3) in allen anderen Fällen der Steuerpflichtige selbst und zwar hinsichtlich des gesammten Zinsenbezuges, welcher, sei es aus eigenem Vermögen oder aus dem Vermögen feiner nicht selbstständig zur Capitalrentensteuer gezogenen Angehörigen, ihm in Steueransatz zu kommen hat. Unter Bezugnahme auf die obigen Bestimmungen richten wir an die hiernach zur Einreichung von Kapitalrentensteuererklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zum genannten 1. Juli d. I. an die betreffenden Bürgermeistereien gelangen zu lassen, von wo sie, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betreffenden Einschätzungscommissionen übersendet werden. Das Formular zu den Capitalrentensteuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigesügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen. Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den 1. Jnni 1891. Die Großherzoglichen Steuercommissariate. Süsser t. Bähr. Snell. Psannmüller. Ausland. Belgrad, 11. Juni. Die Gefangenen Magnet, Greger und Ketsch, begleitet von Stangen, passirten heute früh Belgrad. Sie sahen verhältnißmäßig wohl aus. Sie erzählten, daß sie nach unendlichen Qualen und Anstrengungen Montag Nachmittag in der Nähe des Dorfes Eskibaba, nachdem der Bandenchef das Lösegeld empfangen hatte, befreit wurden. Ihre Verpflegung war spärlich. Am ersten Tage erhielten sie nur Brod und Wasser und erst in den letzten Tagen etwas Hammelfleisch. Jede Nacht wurden anstrengende Märsche durch Wälder und über Berge zum Wechseln des Lagers unternommen und nur während des Tages rasteten sie. Mehrmals sahen sie das schwarze Meer. Oft fürchteten sie, unter den furchtbaren Strapazen zusammenbrechen zu müssen. Der Chef der Räuber bedrohte aber Jeden, der nicht mitkommen würde, mit sofortigem Tode. Im Allgemeinen suchte sie Athanas, wenn sie rasteten, zu beruhigen, da er genau wußte, daß die Pforte das Lösegeld bezahlen werde. Bei dem Aufschlagen des Lagers ergriff die Bande die sorgsamsten Vorsichtsmaßregeln. Die Vorposten wurden nach vier Seiten in Entfernungen von mehreren hundert Metern von dem Lager aufgestellt und Alles war bereit, um bei einer etwaigen Verfolgung der Räuber sie, die Gefangenen, sofort zu tödten. Bei dem Abschiede reichte Athanas jedem Gefangenen, sowie Freudiger fünf Pfund Reisegeld. Die Gefangenen wurden vorgestern und gestern in Adrianopel einem eingehenden Verhöre unterzogen. Sie richteten sofort bei ihrem Eintreffen ein herzliches Danktelegramm an Herrn v. Radowitz, den deutschen Botschafter in Konstantinopel. Fr. Zig. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondenz-Vureau. Berlin, 11.Juni. Abgeordnetenhaus. Im weiteren Verlaufe der Sitzung erklärte der Reichskanzler v. Caprivi, bereits seit Ende April seien Untersuchungen angestellt, aber auf die amtlichen Stellen beschränkt worden, um eine Erregung zu vermeiden. Das gesammelte Material hat die Ueber- zeugung ergeben, daß kein Nothstand vorhanden sei. Die in Folge der herrschenden Erregung befragte Regierung, sowie Private und Consulate mußten aus ihren Reserven heraustreten, ehe das Material völlig beisammen war. DasMaterial sei die Schätzung, aber sehr werthvoll und könne nicht vorgelegt werden, weil keine Namen genannt werden könnten. Die Regierung sei sich ihrer Verantwortlichkeit voll bewußt und bitte, die heutigen Redner möchten sich ebenfalls bewußt sein, welchen Schaden die erregten Meinungsäußerungen anrichten könnten.' Im weiteren Laufe der Debatte erklärte Minister Heyden, definitive Zahlen würden Ende Juli veröffentlicht werderr und hoffe er, daß diese Mittheitung eine günstige Wirkung äußern werde. Richter wirft der Regierung Schwanken vor und bezeichnet die Erklärungen Caprivis als unzureichend. Für die Handelsverträge würden nur die Freisinnigen geschloffen stimmen. Wenn sich das Wetter verschlimmere, müßten die Zölle fallen. Hoffentlich werde dann die Autorität der Regierung nicht leiden. Ministerpräsident v. Caprivi erklärte hieraus, der Beschluß des Ministerraths sei nicht am 27., sondern am 28. Mai einstimmig gefaßt worden- er sei verpflichtet, für die Männer einzutreten, welche die Regierung informirten. Die vorgebrachten Angriffe seien nicht geeignet, die Erklärungen der Regierung zu erschüttern. Nachdem noch Huene, Zedlitz und Eiffa gesprochen hatten, wurde die Sitzung auf morgen vertagt. Köln, 11. Juni. Die „Kölnische Zeitung" theilt zu der Affaire des Bochumer Vereins einen Brief des Graveurs Janssen vom 26. November 1881 an den Bochumer ■OH Feuilleton. Der Kuß. Erzählung von I. Piorkowska. (Fortsetzung.) II. „Thekla! Rosi! wo steckt Ihr denn?" scholl es schon draußen vom Corridor her und im nächsten Augenblick wurde ungestüm die Thür zu dem Zimmer aufgerissen, in welchem Rosi und ihre Cousine mit allerhand Vorbereitungen für die Gäste beschäftigt waren, die sie in kaum einer halben Stunde erwarteten. „Was gibt es denn?" wandte Thekla sich der Ein- tretenben zu, bereit sreubig glänzenbe Augen unb höher gefärbten Wangen etwas besonbers Frohes verriethen. „Was es gibt?" wieberholte biese, „benkt nur, soeben kommt bie Depesche von Vetter Max mit ber Nachricht, baß er um sechs hier sein werbe unb zwar mit einem alten Bekannten von uns — Herrn von Ensbach! Ist bas nicht herrlich, köstlich?" rief sie, inbein sie ihre Schwester um bie Taille faßte unb mit ihr im Zimmer herumtanzte. „Er bleibt boch ber Netteste unb Liebenswürbigste ber ganzen begehrenswerten Herrenwelt! Was für ein feines Benehmen er hat unb bie schönen Augen V* „Unb das schöne Geld!" warf ihre Schwester in etwas spöttischem Tone dazwischen, während sie Martha verständniß- innig zublinzelte. „Du wirst Dich seiner kaum erinnern?" wandte diese sich zu Rosi, ohne der halb scharfen, halb neckenden Bemerkung Theklas zu achten. „Du warst damals ja noch ein völliges Kind." „Kaum," lautete die lakonische Antwort Rosis, während fte sich nach dem Fenster zuwandte, damit ihre Cousinen nicht sehen sollten, wie heiße Gluth ihr in die Stirn stieg. Und als nun jene beiden sich tn ihr Zimmer begeben l hatten, um für die erwarteten Gäste Toilette zu machen, ließ sie sich in einen Stuhl nieder und versank in langes träumerisches Sinnen. Ihre Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit, zurück zu jenem Abend, an welchem Herr v. Ensbach Abschied von ihr genommen hatte. Seitdem waren vier Jahre verflossen, aus dem Kinde war eine junge Dame geworden, aber doch eine andere als ihre Cousinen - trotz ihrer siebzehn Jahre war Rosi ernst, still, schüchtern und empfindsam geblieben wie vordem. Wer weiß, wie lange sie noch in ihre Rückerinnerungen versunken geblieben wäre, wenn sich nicht endlich die Thüre geöffnet und Thekla, den Kops hereinsteckend, gerufen hätte: „Wie, Rosi, noch nicht in Toilette? Dabei sind schon mehrere Gäste da und eben höre ich auch Max' Stimme. Du hast wohl ein kleines Schläfchen gehalten?" „Das nun gerade nicht," erwiderte Rosi mit mattem Lächeln, „aber ich werde mich eilen und bald unten sein." * * * Als Rosi eine Viertelstunde später in den Salon trat, waren die Gäste schon so zahlreich versammelt, daß das junge Mädchen in ihrer gewohnten Schüchternheit sich in eine der Fensternischen zurückzog und das lebhafte Treiben, die ani- mirte Unterhaltung der Gesellschaft stumm beobachtete. Ihr Auge schweifte umher, bis es auf den wohlbekannten Zügen des Herrn v. Ensbach haften blieb. Scheinbar lauschte derselbe mit größtem Interesse dem übermüthigen Geplauder- Marthas - doch jetzt wandte er den Kopf und, Rosi erblickend, kam er frohen Auges, ihr herzlich die Hand entgegenstreckend, auf sie zu. Doch hatten sie noch kaum ejn paar Worte der Begrüßung gewechselt, als auch Vetter Max mit seiner Cousine hinzutrat. „Hier ist Ensbach, Martha," sprach er, „er mag für sich selbst reden." „O," antwortete sie mit halb verlegenem, halb cokettem Lächeln, „wir sprachen über das Küffen. Ich behauptete, kein | junger Mann fei unempfänglich gegen die Belohnung eines Kusses von hübschen Mädchenlippen,- darauf erwiderte Max, er kenne Jemand, der sich geweigert hätte, bei Pfänderspielen sein Pfand mit dem üblichen Kusse auszulösen — dazu lege er dem Kusse eine zu hohe Bedeutung bei — und dieser Jemand sei kein Anderer als Sie, Herr von Ensbach,- ist das wahr?" „Das kann ich allerdings nicht leugnen," erwiderte dieser lächelnd mit einer leichten Verbeugung. „Wissen Sie, daß in diesem Geständniß eine große Nichtachtung gegen uns junge Damen liegt?" meinte Martha. „Zur Strafe dafür sollen Sie jetzt bekennen, wen Sie zuletzt geküßt haben," setzte sie cokett hinzu. „Das wäre nicht recht von mir," sprach Ensbach. „Warum nicht?" „Weil die betreffende junge Dame zugegen ist und bie Strafe mehr sie als mich treffen würbe." Der kleine Kreis brach in munteres Lachen aus. „So sollen Sie uns sagen, wer die Nächste sein wirb, bie Sie küssen werben," fuhr Martha fort. „Auch darin kann ich Ihrem Wunsche nicht willfahren," entgegnete Ensbach, „da ich nicht weiß, ob meine Absicht zur Ausführung kommen wird." „Du scheinst über Deine Küsse ebenso Buch und Rechnung zu führen, wie über Deine Ausgaben?" lachte Max. „Allerdings," antwortete Ensbach ruhig. „Nun, so verrathen Sie uns wenigstens, wie viel junge Damen Sie während ber letzten vier Jahre geküßt haben!" rief Martha. „Gut," willigte Jener ein, „bas will ich thun, aber nur unter einer Bebingung, daß Sie nicht an meinem Worte zweifeln." Allgemeine Zustimmung. „Nicht eine einzige," erklärte er darauf ernst unb ruhig. (Schluß folgt.) Gußstahlverein mit, worin, um die Zurücknahme der von Janssen erhaltenen Kündigung zu erwirken, er die versteckte Drohung ausspricht, über von ihm angefertigte Stempel Angaben zu veröffentlichen. Der damals zum Bericht über die Sache ausgeforderte Ingenieur Diefenbach stellte fest,, daß im Auftrage der Abnahmebeamten inländischer und ausländischer Eisenbahnen ordnungsmäßig Stempel angefertigt worden feien und machte mehrere Eisenbahnen namhaft. Hierzu theilt Geheimerath Baare mit, daß laut Ausweis des Auftragbuches von 1881 bis 1891 achtzig Stempel vom Gußstahlverein für inländische und ausländische Bahnen auf Wunsch angefertigt wurden. Bochum, 11. Juni. Gegenüber der Erklärung Baares in der „Kölnischen Zeitung", daß die Stempel nur im Auftrage der Revisoren nachgeahmt worden seien, hält die Fusangel'sche „Westfälische Volkszeitung" ihre Angabe aufrecht, daß die Stempel zum Zwecke der Fälschung an- gefertigt und gebraucht worden sind. Das Blatt erklärt, im Besitze hinlänglicher Beweismittel zu fein. Essen a. d. Ruhr, 11. Juni. Steuer-Proceß. Gegenüber der vorgestrigen Erklärung des Staatsanwalts, betreffend die Stempelfälschung, constatirte heute Rechtsanwalt Kohn, es seien nicht sämmtliche von der Ver- theidigung genannte Zeugen vernommen und kein Zeuge sei beeidigt worden. Bremen, 11. Juni. Infolge des Strikes der Heizer und Kohlenzieher des Lloyd fanden Abends in Bremerhaven vor der Lloydagentur, Bürgermeister- und Schmidt- straße ernste Ruhestörungen statt, so daß die Schutz- mannschast mit dem Säbel einschreiten mußte. Die Menge zerstreute sich erst 11 Uhr Nachts, nachdem die Schutzmannschaft aus Lehe und Geestemünde verstärkt worden und die städtische Feuerwehr mit der Dampfspritze thätig gewesen war. Zwei »Schutzleute wurden verletzt. Bremen, 11. Juni. Von maßgebendster Seite verlautet, trotz dem Ausstande der Heizer und Kohlenzieher werde die Abfahrt der Lloyddampfer voraussichtlich ebenso pünktlich wie bisher erfolgen. Wien, 11. Juni. Der Kaiser richtete an den Generalstabschef Beck anläßlich dessen zehnjähriger Wirksamkeit auf diesem Posten ein Handschreiben, in dem er seine Zufriedenheit und Dankbarkeit für dessen Verdienste um die kriegstüchtige Ausgestaltung der gesummten Wehrkraft und um das Wohl der Monarchie ausdrückte. Das Handschreiben schließt nit der Versicherung des Vertrauens und dem Wunsche, daß cc n Jubilar noch eine lange, schaffensfreudige Wirksamkeit vergönnt sein möge. Wien, 11. Juni. Die Schriftsetzer beschlossen, nachdem 100 000 Gulden von dem Strikefonds verbraucht sind, heute die Arbeit wieder aufzunehmen. Neapel, 11. Juni. Dem Hauptkrater des Vesuv entsteigt mit Asche gemengter Rauch. Der Lavaerguß schreitet langsam fort. Im Krater des Vuleans und in der Schwefelgrube von Puzzoli wurden Erdstöße conftatirt. Verona, 11. Juni. Nach andauernden leichten Erdstößen erfolgte heute um 8 Uhr 30 Minuten bei Tregnago und Badia-Calavena ein heftiger Erdstoß. Zwei Häuser sind eingestürzt. Es herrscht große Ausregung. Paris, 11. Juni. Die Kammer hielt als Datum für die Herabsetzung der Getreidezölle den 1. August aufrecht. Der Gesetzentwurf geht an den Senat zurück. Paris, 11. Juni. Es bestätigt sich, daß in Folge von mehr als 60 bei dem Staatsanwalt eingereichten Klagen ein gerichtliches Verfahren gegen Ferdinand Lesseps, dessen Sohn Charles und zwei andere Mitglieder des Verwaltungs- rathes der Panama Canal-Gesellschaft eingeleitet werden wird und zwar auf Grund des Gesetzes von 1867 über die Aktiengesellschaften ; die Klage wird durch die letzten von der Gesellschaft gemachten Emissionen motivirt werden. Paris, 11. Juni. Gestern Abend sand eine neuerliche socialistische Protestversammlung gegen die Sacre-Coeur- Kirche statt. Zwischen Soeialisten und Anarchisten kam es zu einer Schlägerei, so daß die Polizei einschreiten mußte. Paris, 11. Juni. Der französischen Regierung ist noch keinerlei Meldung über eine Vernichtung der Expedition Crampels nach dem Tschadsee zugegangen. Paris, 11. Juni. Die Bäckergehilfen fordern die Abschaffung der Placirungsbureaus und drohen, widrigenfalls in acht Tagen zu striken. Toulon, 11. Juni. Ende dieses Monats finden große Flottenmanöver statt, sowie Flottenmobilisirungsversuche mit 50 Kriegsschiffen. London, 11. Juni. Lord Salisbury sandte an Baron Ui o 11) i dj i 1 b ein Schreiben in Beantwortung der an ihn gerichteten Petition, welche die Unterstützung der englischen 'Regierung zu dem Zwecke erbat, vom Sultan die Genehmft gung zur Niederlassung russischer und polnischer Juden in Palästina zu erhalten. Lord Salisbury antwortet, er werde den englischen Botschafter in Konstantinopel eonsultiren, ob die Intervention der englischen Regierung dazu beitrage, den angegebenen Zweck zu erreichen; im bejahenden Falle werde der Botschafter dem Sultan die Sache unterbreiten. Lissabon, 11. Juni. Es verlautet, die Regierung werde nach Schluß der Cortes den politischen Verurtheilten eine Strafmilderung gewähren. — Heute wurde das englisch-portugiesische Abkommen hier unterzeichnet. Mozambique, 11. Juni. Telegramm des Reuter'scheu Bureaus. Nach hier eingegangenen Nachrichten hätte sich der Häuptling Gouvera mit drei- bis viertausend Eingeborenen gegen die Portugiesen empört und sich für England erklärt. Der Gouverneur sende Truppen ab , um den Aufstand zu unterbrütfen. Locales unö ^rovitrzrelles. Gießen, 12. Juni. — Sitzung der Stadtverordneten vom 11. Juni. Anwesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Keller und Lcutgsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Habenicht, Heyligenstaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Die drei auf der Tagesordnung stehenden Gesuche um Ertheilung der Coneession zum Wirthschafts- betrieb werden hinsichtlich der für die Stadtverordneten- Versammlung in Betracht kommenden Frage wegen des Vorhandenseins des Bedürfnisses befürwortet. Nach den Gesuchen beabsichtigt Herr M. Lechner den Betrieb der Heil'schen Wirtschaft in der Caplaneigasse, Herr Gg. Pfaff denjenigen der Hattenhauer'fchen Wirtschaft (Ecke der Rod- Heimer- und Schützenstraße) weiterzusühreu, während Herr Karl Kratzenberger (Steinstraße 52) darum nachgesucht hat, von der ihm bereits im Jahre 1887 ertheilten Concession, nachdem er von derselben nur durch Verkauf von Flaschenbier und Wein über die Straße Gebrauch gemacht, nunmehr vollen Gebrauch machen zu dürfen. — Die zur Herstellung der Beete in den Anlagen erforderlichen Pflanzen sollen wie in früheren Jahren nach Auswahl des Stadtgärtners beschafft werben, wofür 91.10 Mk. bewilligt wurden. — Heber das Gesuch des Herrn Ernst Wallenfels um Erlaubniß zum Wiederaufbau der am 6. März b. I. durch Brand zerstörten Scheuern wird dem Antrag der Baudeputation gemäß beschlossen. Danach soll auf Ausführung fragt Scheuern in massivem Neubau bestanden werden. — Die mit 1. Juli in Besitz der Stadt übergegangene Schüler'sche Besitzung ist für 2500 Mk. jährlich auf drei Jahre vermiethet worden. Betreffs der Frage, ob die Besitzung bis zu dem am 1. Sept, d. I. erfolgenden Einzüge des Miethers (Herrn Provinzial- Director Fthr. v. Gagern) geschlossen bleiben oder sonstwie benutzt werden solle, hat die Baudeputation beantragt: Das Anwesen bis zum 31. August täglich von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr für das Publikum mit der Maßgabe zu öffnen, daß der Eingang ausschließlich von der Südanlage aus erfolgt und Kinder nur in Begleitung Erwachsener dasselbe betreten dürfen. Die Bewachung der Gartenanlagen während der Zeit, in welcher dieselben dem Publikum zugänglich, sowie der städtischen Anlagen überhaupt soll einer besonderen Person gegen tägliche Vergütung von 80 Pfg. i’5ertragen werden. Die Baudeputation hat im Interesse v-cx Erhaltung der städtischen Anlagen und unbeschadet der polizeilichen Bewachung eine Vermehrung des Schutzes für nöthig erachtet, den sie um so wirksamer hält, als er durch einen nichtuniformirten Wächter ausgeübt werden soll. Die Anträge der Baudeputation werden zum Beschluß erhoben. — Mehrere Bewohner des Selterswegs haben um regelmäßige Entleerung des am Eingang zum Teufelslustgärtchen neben dem städtischen Ventilbrunnen befindlichen Pumpbrunnens nachgesucht, da der Brunnen im Verein mit dem Abfallwasser des Ventilbrunnens ungünstig auf die Grundwasierverhältnisse einwirke und das Ansammeln von Wasser in den Kellern der Nachbarschaft herbeisühre. Es wird nach Vorlage des dieserhalb eingeforderten Berichts des Gas- und Wasserwerks beschlossen, unter Bestreitung der Verpflichtung Seitens des Gas- und Wasserwerks zum Entleeren des Brunnens, Großh. Polizeiamt zu ersuchen, den Brunnen von Zeit zu Zeit durch Naturalverpflegte auspumpen zu lassen. — Dem Gesuche des Herrn Ferd. Burk um Versetzung der an dem Wege nach den Mühlen befindlichen Pumpe wird nur insoweit entsprochen, als dem Gesuchsteller gestattet wird, die angeblich dem Fährverkehr hinderliche Pumpe auf feine Kosten versetzen zu lassen, wogegen die Stadt die Kosten für etwa neu zu beschaffende Ersatzstücke zu tragen hätte. — Den Gesuchen der Herren H. Balser III. und Konrad Marx um Bewilligung einer Frist zur Herstellung von Einfriedigungen vor ihren an der Grünbergerstraße gelegenen Häusern wird stattgegeben; Ersterem wird Frist bis April 1892, Letzterem bis 1. November d. I. bewilligt. — Nachdem in voriger Sitzung über die Benennung der Wodestraße verhandelt und den Herren Stadtverordneten aufgegeben worden, Namen für die Straße ausfindig zu machen, wird beschlossen, die Straße nach einem anonym gemachten Vorschläge Diezstraße zu benennen. Der Einsender motivirt seinen Vorschlag damit, daß der Philologe Diez, dessen Andenken durch eine Tafel am Bäcker Faß'schen Hause geehrt worden, nur einige Häuser von der Straße entfernt geboren worden sei. Nächst dem war die Benennung „Franckestraße" als passend empfohlen worden, zum Andenken an Herrn. Aug. Francke, den Gründer von Waisenhäusern und Erziehungsanstalten. — Zur Herstellung neuer Closetanlagen im Bürgermeisterei- gebäube wird unter Bewilligung der 650 Mk. betragenden Kosten Genehmigung ertheilt. — Infolge Gesuches mehrerer Bleicher um Herstellung eines Weges über den Schweine- markt wird beschlossen, den vorhandenen Weg durch eine Steinpackung zu befestigen. Herstellung des Weges im Sinne der Eingabe wurde wegen der hohen Auffüllungskosten abgelehnt. — Die Herstellung einer die Wohnung des Vorstandes des Großh. Polizeiamtes mit den Stationen des Polizeiamtes verbindenden Fernsprechleitung wird unter der Annahme beschlossen, daß die Leitung zunächst nur bis an die Wache am Seltersthor, keinesfalls aber vor Uebersiedelung des Polizeiamtes nach dem Schulhaufe in der Schulstraße direet nach dem Polizeiamt geführt wird. (Schluß folgt) — Turnerisches, Bezüglich der schon vor einiger Zeit bekannt gegebenen Turufahrt des Gaues Hessen auf den Hainig bei Lauterbach am Sonntag den 14. Juni er. wird uns soeben mitgetheilt, daß die Direktion der Oberh. Bahnen die übliche Fahrpreisermäßigung von 50pCt. bei Lösung von 30 Fah,rkarten mit der wichtigen Vergünstigung bewilligt hat, daß die Rückfahrt nicht in geschlossener Gesellschaft zu geschehen braucht und innerhalb der Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten erfolgen kann. Die Betheiligung dürste deshalb eine recht lebhafte werden, da auch die Zeit der Abfahrt, 6 Uhr 43 Min. Vormittags, eine sehr günstige ist. — Lenz'scher Felsenkeller. Die bereits angekündigten Künstler-Vorstellungen nehmen heute Samstag Abend ihren Anfang und verspricht das Unternehmen, das über Specialitäten ersten Ranges verfügt, sich in bester Weise einzuführen und beliebt zu machen. — Der „Allgemeine Deutsche Verein" in Berlin, welcher die Pflege des deutschen Volksthums bezweckt, setzt einen Preis von 300 Mk. aus für die beste Beantwortung der Frage: Inwiefern ist eine volksthümlichere Faffung unserer Gesetze erforderlich und ausführbar? Es wird nicht eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes verlangt, sondern eine kurze, leicht lesbare Darlegung, welche namentlich auch geeignet ist, den Gebildeten aller Stände die Wichtigkeit der Frage ans Herz zu legen, sowie Behörden und gesetzgebende Körper auf ausführbare Vorschläge aufmerksam zu machen. Das Hauptgewicht ist daraus zu legen, inwiefern die in den letzten Jahren veröffentlichten Gesetze und Gesetzentwürfe, im Vergleich zu früheren Zeiten, in Bezug auf Volkstümlichkeit einen Fortschritt oder aber einen Rückschritt bedeuten. Der Umfang der Arbeit soll etwa 4—5 Druckbogen betragen. Das Preisrichteramt haben folgende Herren übernommen: Blenck, Geh. Ober-Reg.-Rath, Direktor des Statistischen Bureaus, Gierke, Dr., Geh. Justizrath und Professor an der Universität, Jastrow, Dr., Privatdoeent an der Universität, Stölzel, Dr., Präsident der Justiz-Prüfungskommission und Vortragender Rat im Justizministerium, von Wilmowski, Dr., Geh. Justizrath, Rechtsanwalt beim Kammergericht und Notar, Zelle, Stadtsyndikus und Stadtrath, sämmtlich in Berlin. Die Arbeiten sind bei dem Geschäftsleiter des Vereins, Dr. Heinr. Thießen, Berlin W 35, Steglitzerstraße 64, bis zum 1. December 1891 einzureichen. — Für Einjahrig-Freiwillige. Einer vor etwa einem Monat erlassenen Verfügung zufolge gehören neuerdings Diejenigen, welche als Einjährig-Freiwillige einen längeren Aufschub als drei Jahre für ihren Eintritt in das Heer genossen haben, der Übungspflichtigen Landwehr um den entsprechenden Zeitraum länger an. In Folge dessen sind u. A. in Berlin in diesen Tagen viele Herren, welche, da sie über 32 Jahre alt sind, schon von jeder militärischen Hebung frei zu fein glaubten, mit der Aufforderung zur Ableistung einer zehntägigen Hebung in der ersten Hälfte des Juni überrascht worden. 's Lich, 11. Juni. Heute haben die in hiesigen Familien sich zur Erziehung befindlichen Frankfurter Waisenkinder in Begleitung ihrer Lehrer, Pflegeeltern, sowie des Oberlehrers Müller aus Frankfurt einen Ausflug nach Salzhausen unternommen, um daselbst ein Jahresfest zu begehen, welchem auch die in Gelnhausen untergebrachten Waisenkinder, sowie der Vorstand des Waisenhauses in Frankfurt beiwohnen werden. Dieses Fest wird auch „Reisbreifest" genannt, weil nach einer alten Bestimmung an diesem Tage unter den verschiedenen Speisen sich auch ein Gericht „Reisbrei" befinden muß. Friedberg, 11. Juni. Gestern wurde das Schullehrer- Seminar auf unbestimmte Zeit geschlossen, da eine größere Anzahl von Seminaristen an einer influenzaartigen, vorläufig allerdings nicht gefährlichen, Krankheit erkrankt sind. — Der Reigen der Dereinsseste in unserem Kreise wurde am 7. Juni mit dem Bundesfeste des 22 Vereine zählenden Nidderthal- Sängerbundes in Kaichen bei wenig günstiger Witterung eröffnet. Der Festzug zählte 15 Vereine. Auf dem fast grundlos gewordenen Festplatze, dem sogenannten „steinernen Tisch," einer alten Gerichtsstätte, angekommen, hielt der Bundespräsident, Herr Graf Oriola zu Büdesheim, die Festrede, der sich die Vorträge der einzelnen Gesangvereine anschlossen. Die Feststimmung war trotz der ungünstigen Witterung doch eine animirte. lü Vom Vogelsberg, 11. Juni. „Mai kühl, Juni naß — füllt dem Bauer Scheuer und Faß." Wenn diese Witterungsregel aus der Erfahrung stammt und sich auch heuer bewahrheitet, so winken dem Landmanne die besten Aussichten; denn das Wetter entspricht genau der Voraussetzung dieser Regel. In der That war das seitherige Wetter für die Saaten ausgezeichnet. Wärme und Regen wechselten in fast idealem Ver- hältniß und die jungen Pflanzen konnten sich kräftig entwickeln und die Stoffe sich aneignen, die sie zum weiteren Wachsthum und Gedeihen brauchen. Der Roggen hat bereits Aehren gesetzt. Da wo der harte Winter seinen Stand gelichtet, haben sich die einzelnen Halmen um so kräftiger entwickelt und es steht zu hoffen, wenn er günstige Witterung zur Blüthe hat, daß die Aehren um so vollkommener sich gestalten. Bekanntlich nahm im vorigen Jahr der Roggen gerade in seiner Blüthe großen Schaden, indem die Temperatur- Nachts so tief sank, daß die Blüthen zum Theil erfroren — ein seltenes Vorkommen. Die Sommersaaten, sowie die Kartoffeln, zeigen ein üppiges Wachsthum, nur dürfte ihnen die gegenwärtige nasse Witterung, wenn sie lange anhalten sollte, leicht verhängnißvoll werden; denn feucht und warm ist wohl ihr Hauptgedeihen, aber nicht naß. Viele Schäden, die der scharfe und ausnahmsweise kalte Winter verursacht hat, haben inzwischen ihre Ausgleichung erfahren und man wird kaum mehr von einer Verspätung der Ernte hören, vorausgesetzt natürlich, daß wir auch für die Folge günstiges Wetter behalten. — Beim Obst haben die Insekten mitunter empfindlichen Schaden angerichtet, namentlich gilt das von den Pflaumen und Zwetschen, also dem Steinobst mit Ausnahme der Kirschen, die in ihrer Entwickelung schon so weit vor waren, als daß ihnen die Insekten noch hätten schaden können. Ein Heer von Blattläusen hat oft das Laub der Steinobstbäume ztlm Absterben gebracht, so daß sie wie verdorrt oder erfroren aussahen. Dann ist es ein Insekt, dessen Namen uns augenblicklich fremd, das großen Schaden bei den Steinfrüchten anrichtet. Es bohrt die zarten Fruchtknospen an, legt sein Ei hinein, hieraus entwickelt sich eine Larve und die junge Frucht geht stets verloren. So zeigen auch die Zwetschenbäume die ebenfalls von einem Jnsect herrührenden sackartigen Erweiterungen der jungen Früchte, hier Lebersäcke oder Muldenzwetschen genannt, in großer Menge. Gewitz mahnt dieser Schaden eindringlich: schonet die Vogelnester^ hütet die Vögel! Wer ein aufmerksames Auge auf diese Vor- gärige hat, der kann sehen, wie fleißig jetzt die Sperlinge, Meisen, Rothschwänzchen u. A. die Bäume nach ihren gefährlichen Feinden absuchen, um ihre Jungen damit zu füttern. PermWe». * △ Mainz, 11. Juni. Am 6. Juli tritt in Worms unter dem Vorsitz des dortigen Oberbürgermeisters der,dritte Hessische Städtetag zusammen. Als einer der hauptsächlichsten Berathungs-Gegenstände wird die von der Stadt Mainz angeregte Frage zu betrachten sein, den Gemeindebeamten und Lehrern die gleiche Gehaltsaufbesserung zu gewähren, wie sie durch Beschluß der Landstände den Staatsbeamten bewilligt wurde. Wie bei der Berathung des städtischen Budgets mehrfach hervorleuchtete, ist die Majorität der Mainzer Stadtverordneten nicht sonderlich zu den beregten Gehaltserhöhungen geneigt. * Worms, 11. Juni. Heute Morgen 8 Uhr stürzte der Revisor Bering er bei der Station Budenheim vom Zug und wurde überfahren. Der Tod trat sofort ein. * Straßburg i. E., 10. Juni. Bei einer Uebung aus dem Rhein, in der Nähe von Kehl, schlug gestern ein mit sechs Pionieren besetztes Ponton um. Die Insassen fielen ins Wasser und ein Soldat ertrank trotz der Hilfeleistungen des aufsichtführenden Unteroffiziers. Der Verunglückte heißt Stocker und soll aus der Gegend von Donau-Eschingen stammen. Die Leiche ist bis jetzt nicht ge- ländet. — Aus unbekannten Gründen erschoß sich vor einigen Tagen ein Offiziers bursche in der Wohnung des Offiziers (Kalbsgasse). * Chemnitz, 9. Juni. Dem hiesigen Gericht wurde der Cigarrenmacher Ludwig aus Richzenhain bei Döbeln einge- liesert, der im Walde bei Hainichen einen jungen Handwerksburschen erschlagen und beraubt hatte. Der Leichnam des Ermordeten wurde halbverwest vor einigen Tagen unter Laub versteckt aufgefunden. Unitxriität» - Köpenick, 7. Juni. Der Oberlehrer Dr. Fritze am hiesigen Seminar ist zum Professor ernannt worden, nachdem er schon vor Jahren von der Universität Kiel wegen seiner Verdienste um die Sanscritforschung den Doctortitel honoris causa erhalten hatte. Be- merkenswerth ist, daß Herr Fritze nicht ein akademisch, sondern ein seminaristisch gebildeter Lehrer ist. Er besuchte das Seminar in Köpenick. Schistsndchvichten. Bremen. 9. Juni. [Per transallantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Eider, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 30. Mat von Bremen und am 1. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgms wohlbehalten in Newvork angekommen. rtirchliche Anzeige« der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 13. Juni: Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Dr. Naumann. 3. Sonntag nach Trinitatis, 14* Juni: Vormittags 7»/< Uhr: Pfarrer Dingeldey. Vormittags 9’/2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Feier des heiligen Abendmahls, 9Va Uhr. Kinderkirche Vormittags liy4 Uhr: Pfarrer Schlosser. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 14. bis 20. Juni besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemeinde. 4. Sonntag nach Pfingsten, 14. Juni: Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um Vrd Uhr Gelegenhett zur hl. Beichte. Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenhett zur hl. Beichte; um Vi7 Uhr Austheilung der hl- Communion; um Vg8 Uhr Frühmesse; um 8/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um V20 Uhr Christenlehre und Andacht. Donnerstag, Freitag und Samstag: Abends um — Der Generalversammlung derBremerLeden-verstchernng-- bank, welche am Freitag den 29. Mar im Gewerbehause zu Bremen abgehalten wurde, lag der Geschäftsbericht über das verflossene Jahr vor, aus welchem wir u. A. entnehmen, daß der Bank dte Conzession zum Geschäftsbetriebe in Preußen erthetlt worden ist. Auch wettere Fortschritte sind zu verzeichnen: Das Vermögen der Bank stieg im letzten Jahre von Mk. 6,672,848 auf Mk. 7,683,971, die Prämieneinnahme von Mk. 1,456,622 auf Mk. 1,545,720, der Reservefond von Mk. 6,236,793 auf Mk. 7,209,648. — Auf Hypotheken waren Mk. 5772663, in Staatspapieren Mk. 811,092 belegt. Rechnungsmäßig war eine Sterblichkeit von Mk. 358,476 zu erwarten, dagegen trat eine solche von Mk. 352,370 ein. Dte Versicherungssumme stieg von Mk. 40,968,728 auf Mk. 43,311,457. Somit hat auch im vorigen Jahre das Geschäft den zu erwartenden günstigen Fortgang genommen._______________________________________________ — Belociped-Sport. Kaum hat dte btetzjährtge Rennsatson ihren Anfang genommen, so haben auch die Opel-Fahrräder schon wieder dte großartigsten Erfolge aufzuweisen. An den im Monat Mai stattgehabten Rennen wurden auf Opel-Rädern 32 erste, 27 zweite und 17 dritte Preise errungen, darunter die Meisterschaft von Thüringen. — Schon in den letzten Jahren wurden sämmtliche nennenswerthen ausgeschriebenen Meisterschaften als hauptsächlich,: die der Welt, von Europa, von Deutschland, Südrußland, Preußen, Bayern u. s. w. aus Opel-Fahrräder erfahren und kann man gestützt aus die neuen Erfolge mir Bestimmtheit sagen, daß das genannte Fabrikat auch fernerhin seinem guten Rufe alle Ehre machen wtrd° — Bor reichlich eine» Dterteljahrhnndert, im October 1864, kam ein Eretgniß vor, welches unserer jubtläumsfrohen Zett füglich Anlaß zu einer Feier hätte geben können, seltsamerweise aber unbeachtet geblieben ist. Am 12. Oktober 1864 schrieb Justus von Liebig, der Unvergeßliche, an seinen Freund, den großen Chemiker Friedrich Wöhler, in einem der 6—700 Briefe, welche zwischen diesen beiden genialen Gelehrten gewechselt worden sind: »Aus Montevideo habe ich die Nachricht, daß dte ersten Versuche zur Fabrikation von Fleischextract, dte ich dort veranlaßt habe, den günstigsten Erfolg gehabt haben. In 14 Tagm wird dte erste Sendung von 150 Pfund hierher kommen. Dte Einführung dieses Fleischextracts betrachte ich als einen wahren Segen". In der That ist dte Extract-Fabrtkation, bis dahin nur in der König!. Hosapotheke zu München im Kleinen betrieben, durch die Erzeugung im Großen jenseits des Oceans zum Segen für die Menschheit geworden; sie läßt den Fletschreichthum Südamerikas allen Zonen zu Gute kommen, wie jede erfahrene Hausfrau bezeugen kann. 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I. versteigert und zwar: 1) Borwittags 8 Uhr im Schloßhof zu Grünberg von 17,20 ha Wiesen der Gemarkung Grünberg und von einigen Waldwegen der Forftwartei Weickartshain, 2) Vormittags 11 Uhr am Diftrict Krummstrauch auf dem Schnittpunkt der Staatsstraße Grünberg-Lindenstruth und der Kreisstraße nach Queckborn von sämmtlichen Domanialwiesen der Gemarkungen Göbelnrod, Ltndenstruth, Saasen, ferner von 9 ha Wiesen der Gemarkungen Harbach und Queckborn und von mehreren Waldwegen der Forstwarteien Harbach, Reinhards- hain und Saasen. Die betreffenden Wiesenwärter und Forstwarte sind beauftragt, auf Verlangen die Graslose vorher vorzuzeigen. Grün berg, am 9. Juni 1891. Großherzogliche Oberförsterei Grünberg. Schober. 5452 Concursverfahren. In dem Concursverfahren über das Vermögen der Theodore Faber zu Gießen ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das SHußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwerth- baren Vermögensstücke der Schlußtermin auf Montag den 6. Juli 1891, Vormittags 9 Uhr, vor dem Großh. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt. 5462 Gießen, den 8. Juni 1891. Glässing, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. Das Heugras von der cameralstscalischen Sorau- wiese bei Daubrmgen wird Mittwoch den 17. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, bei Wirth Walter zu Daubringen versteigert. Treis a/L., den 11. Juni 1891. Großh. Oberförsterei Treis a/L. _________Amendt.__5465 Versteigerung. Samstag den 13. Juni d I., Nachmittags 2 Uhr, versteigere im „Adler" gegen Baarzahlung: 2 Säcke Mehl, goldene und silberne Taschenuhren und Juwelen, sowie Hausmobilien, als: Verticow.Schreib- secretäre, Küchenschrank, Sopha, Regulator, Commode, Kleiderschränke rc. Born, 5467 Gerichtsvollzieher. Wikgeöotenes. Wormser Dombau-Geld-Lotterie Hauptgewinn 75,000 Mark. Loose ä S Mark 25 Pfg. (Porto und Liste 30 Pfg.) versenden [2862 Gebrüder Henrich, Wetzlar. Wormser Origttral-Loose 3.30, Antheile V2 175, do- 1/< «A 1 — • Weimar-Loose. ... JL 1.—. Kritzlarer Pferdeloofe Jt 3.—. empfiehlt [5308 _______Heinrich Wallach. Badehosen ß in allen Größen und Weiten empfiehlt _______Rodert Stahl, Neustadt 23. Beste T oiletteseif en und T aschentuchparf ums kaust man in dem [3703 Drogerrgefchllft von Otto Schaaf. la. Butter zum Einkochen, bei 10 Pfund per Pfund 80 Pfg., empfiehlt H. F. Nassauer, 5379_____Neuenweg. Chilisalpeter bei___5442 Otto Schaaf. Eieruhren mitGlockenstgnal! 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Zur Vergebung der Maurerarbeiten unseres Hauptgebäudes und zwar in Loog I: 1500 cbm Erdaushub, 1600 cbm Bruchsteinmauerwerk, 7800 cbrn Back- steinmauerwerk, 605 cbm Hausteinversetzung, 3500 qm Verkleidung mit Backsteinverblendern rc. rc. L00S II: 5100 qm Gewölbdecken aus Schlackenbeton rc., sowie der Lieferung der zu Loos I erforderlichen Materialien, als Schwarz« und Wettzkalk, Cement, Schlackenmehl, Schlackenfand und Grnbenfand ist Termin auf Donnerstag de« 25. l. M., Vormittag- 10 Uhr, anberaumt. Pläne, Voranschläge und Bedingungen, welche auf Wunsch gegen Einsendung von 3 Mark für Loos I, 50 Pfennig für Loos II und 30 Pfennig für Materiallieferung abgegeben werden — können bis zu dem genannten Termine bei uns eingesehen werden. Iaröen, trocken „ feinst in Gel Leinülsirniß Leinöl Siccatif, iwfig« m Pulver Gopalkack Lederlack Znstreichpinsel Lackpinsek Maurerpinsel Strichpinsek Mafondbürsten Wertreiber Garöokineum Gement Hyps Kreide, gemayke» Glaspapier Leim I. 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Bei jeder Vorstellung Vorführung der bestdressirten Schul- und Freiheitspferde, sowie Auftreten sämmtlicher Reiter und Reiterinnen. Preise r Sperrsitz 1 50 I. Platz 1 II. Platz 60 H, Gallerte 20 H. W Jede Vorstellung mit neuem Programm. MS Um gütigen Zuspruch bittet Die Direetio«. Wieseck. Gesangverein „Zugen-grund". Sonntag den 14. Juni findet die Feier unseres achten Stiftungsfestes in der Wirtschaft von Adam Ziegler statt. [5456 Hierzu ladet ergebenst ein ___________________________Das Comtte. Bremer Lebensversicherungs - Bank. Vers.-Best 43,311,000. Vermög.-Beft......... . „ 7,683,000. Präm. u. Zins „ 1,798/00. n Präm.-Res „ 7,209,000. Geschäftsberichte über das Jahr 1890 sind bei unseren Agenturen zu haben. 5417_________________________________ ___Die Direktion. Hotel Xany Wetzlar Bahnhofstrasse Wetzlar Dejeuners, Diners, Soupers für mehrere Personen bei vorheriger Bestellung stets zu haben. 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Staatsb.-Act. 249.00 Marienburger E.-B.-Act. 7080 4o/o Mainzer Sr.-Anl. 101.80 Ver. Königs-Laurah^Act. 119.20 Gelsenk. Bergw.-Acr. 163.50 Tendenz: matt. Reichsbank-DtScont 4 pCt. — Frankfurter Bank-Discont 4 pCt. Fär Arbeiter. Eine große Partie Arbeiterklelder, als: Hosen, Hemden, Blonsen, Jacken, Schurzen und Sommerröcke werden zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben bei [5156 ________________Robert Stuhl, Neustadt 23. la. Karlstadter Portland-Cement, anerkannt vorzügliche- Fabrikat, empfiehtt «95 I. Happel, Neustadt 56. Strohhütefilr Herren und Knaben in bedeutender Auswahl empfiehlt billigst [5247 A. Fangmann, Bahnhofstraße. et Westindien Mexico Havana Canada Ost- Afrika Post-Dampfschiffen Hamburg nach von Baltimore Brasilien La Plata 7t Hamburg Amerikanische 4/acketfahrt-Äctien-Seselschaft. Express- und Po st dampfschiffahrt*. Hamburg-New-York vermittelst der schönsten und grössten deutschen Post-Dampfschiffe Oceanfahrt 6 bis 7 Tage. 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