Mark, 6402 N. und m. in etwa Leitung Leitung ),48 = 4997 lmbutz. mstag Abend Nachmittag: t(|dn. a )ons % aischen uleihe, li 1891, kaufe m Course. rünewald, chillerstrasse. [nbwrMsJL. S»iw6äifew ” ©t&netbermetfter. neb. b- K__—- «» SeltetsE-L-- W SL ttUH v erhalten. machen rc. w ,Q te Kes« ut 91.40 920° 8030 7150 92.50 11»40 185»» |S»’’ 1351® 14,60 04,50 Kr. 159 Zweites Blatt. Sonntag Len 12. Juli 1891 -....... — ---- ---------- "• - - - - — - __________ ■ Der Gießener A«rei-er erscheint täglich, ertt Ausnahme deS Montag-. Vie Gießener Wamitien-lLtter »erden dem Anzeiger »Lchentlich dreimal drigelegt. Kießmer Anzeiger Kenerat-MnzAger. vierteljähriger ASonnementsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mV Bringerlohn. Durch die Post bezog«, 2 Mark 50 Pfg. Redaction, LxpedNio» und Druckerei: Lch«rstr«teAr.^ Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. ■ea« i .l1.1.11!»?"-” ■=== ' - “.s.'.'a1 .11 11,1 " ' ■ e. - , ujw •«—ui.. . lmmmlj-ll.. . i.-.H!11 ... j ■. miu mw mm i.m -■■■■■' ——g Annahme do« Anzeige« zu der Nachmittag- für deu Me Annoncen-Bureaux des In. und Auslandes nehm« ft^oen Lag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. j ^WUwCTlUge. ^UWUltUPlUUCl. Anzeigen für dm .Gießener Anzeiger« mtgeg«. ?Die Versuche zur Monopolifirung des Petroleumhandels. Die im Lause der letzten Jahre mehr und mehr hervorgetretenen Bestrebungen, durch Bildung von „Ringen", also durch Vereinigung großcapitalistischer Kräfte, den Verkauf irgend eines Artikels des Weltmarktes zu Gunsten der „activen" wie „passiven" Ringtheilnehmer möglichst zu rnono- polisiren, haben in neuester Zeit eine characteristische Vermehrung erfahren. Das jüngste Product dieser Art bildet das Unternehmen internationaler Consortien, den Petroleumhandel ganz und gar in ihre Hände zu bekommen und dann die Petroleumpreise natürlich vollständig nach ihrem Belieben zu bestimmen. Diesem „edlen" Bestreben huldigen in Nordamerika die „Standard-Oil-Company" und in Europa das Pariser Haus Rothschild in Gemeinschaft mit dem Londoner Hause Nobel und man muß gestehen, daß die Verwirklichung der Pläne dieser überreich mit Geldmitteln ausgerüsteten Unternehmerringe die Gefahr einer Weltmonopolisirung des wichtigen Erdöls ziemlich nahe rücken würden. Denn es gilt zu bedenken, daß diejenigen Petroleum- districte, welche bis jetzt verhältnißmäßig das meiste des in den Handel kommenden Petroleums liefern, Nordamerika und Kaukasien, mehr und mehr in den kaufmännischen Besitz der erwähnten großen Petroleum-Gesellschaften gelangt sind. In der nordamerikanischen Union, im Staate Pennsylvanien, befinden sich die Petroleumlager, welche zur Zeit vorwiegend den Bedarf der civilisirten Welt, vor Allem Amerikas selbst, an Erdöl decken, tut Uebrigen aber sind die Umgebungen von Tiflis und Baku in Kaukasien wegen ihrer Production dieses Brennstoffes berühmt. Die amerikanischen Petroleumquellen sind im Laufe der letzten Jahre zum guten Theil in den Besitz der mit reichen Mitteln ausgestatteten „Standard- Oil-Company" übergegangen, die kaukasischen Erdölbezirke aber wurden nach und nach vom Pariser Rothschild, welcher sich zu diesem Zwecke mit der Firma Nobel verbündete, ebenfalls zu einem beträchtlichen Äheil erworben. Im Besitze so großer Petroleumbecken streben nun sowohl die „Standard- Oil-Company", wie die Coalition Rothschild-Nobel darnach, den Petroleummarkt der Welt sich unterthänig zu machen und die übrigen Petroleumgesellschaften durch fortwährende Unterbietungen in den Preisen für das auf den Markt geworfene Petroleum sozusagen auszuhungern. Es bedarf keiner näheren Ausführung, wie sehr diese Bemühungen der beiden Petroleum-Ringe, wenn sie von Erfolg gekrönt sein sollten, das Petroleum schließlich wieder vertheuern würden- die „Standard-Oil-Company" und die Rothschild-Nobel-Gruppe würden ja nach Vernichtung oder Aussaugung der übrigen im Petroleumhandel austretenden Concurrenz-Gesellschaften der Welt einfach ihre Preise für Petroleum dictiren können. Bis jetzt allerdings ist die Sache noch nicht so weit. Einerseits macht sich in Amerika wie in Europa aus den Kreisen der Petroleuminteressenten eine energische Opposition gegen die Monopolisirungsversuche der „Ringe" bemerklich, anderseits wollen die „Standard-Oil-Company" und die Rothschild-Gruppe ihre Kräfte miteinander messen, d. h. sie wollen einander tüchtig unterbieten, was ja die erfreuliche Aussicht auf eine bedeutende Verbilligerung des Petroleums eröffnet. Freilich könnte hierbei der Preisdruck unter Umständen so weit gehen, daß die kleineren Petroleumgesellschaften darüber zu Grunde gehen müßten und dies wäre ja den Monopolisirungsbestrebungen der beiden großen Petroleum- Interessengruppen nur Waffer aus die Mühle. Außerdem ist es keineswegs ausgeschlossen, daß die „Standard-Oil-Company" und die Rothschild-Nobel-Gruppe schließlich trachten werden, sich mit einander zu verständigen und dann wäre die Gefahr einer Monopolifirung des Petroleums erst recht nahe gerückt. Jedenfalls steht zu erwarten, daß die europäischen Regierungen den Versuchen, einen Weltartikel, wie das Erdöl, zum Gegenstand einer das Interesse der Allgemeinheit schwer bedrohenden Speculation zu machen, nicht gleichgiltig zusehen, sondern denselben möglichst entgegentreten werden. Von der preußischen Regierung ist denn auch bereits ein erster derartiger Schritt bekannt, der darin besteht, daß sie das Aeltesten-Collegium der Berliner Kaufmannschaft beauftragt hat, das Handelsministerium bezüglich der Monopolisirungsbestrebungen auf dem Petroleummarkte fortgesetzt aus dem Lausenden zu erhalten. Deutsches Reich. Darmstadt, 10. Juli. Das heute ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 21 enthält: 1. Verordnung, den Umbau des Bahnhofs Kastel betr. 2. Bekanntmachung Grobherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Localverwaltung der Reichssteuern, insbesondere die Errichtung von Steuerämtern zu Lampertheim und Viernheim betr. 3. Bekanntmachung Grobherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Localverwaltung der Reichssteuern, insbesondere die Errichtung von Steuerämtern und deren Befugnisse betr. Berlin, 10. Juli. Die Angelegenheit der Befestigung der Insel Helgoland kommt jetzt ernstlich in Fluß. Wie wenigstens Berliner Blättern gemeldet wird, sind die Arbeiten zur Befestigung Helgolands dem Bauunternehmer Wels in St. Georg bei Metz, der kürzlich als Erbauer der Forts am linken Moselufer vom Kaiser durch einen Orden ausgezeichnet wurde, übertragen worden und sollen sie sofort beginnen. Die Kosten für diese Arbeiten sind nach einer Mittheilung der „Berliner Politischen Nachrichten" auf Grund des vom Generalseldmarschall Grafen Moltke erstatteten Gutachtens auf nicht ganz den dritten Theil der ursprünglich veranschlagten Summe herabgemindert worden. Es würde demnach ein Betrag von etwa sechs Millionen Mark zur Ausführung sämmtlicher Bauten ausreichen. — Die „Straßburger Post" widmet den elsaß-lothringischen Gemeinderathswahlen ein längeres Nachwort. In demselben wird die Meldung mehrerer Blätter von im Reichslande überhaupt und speciell in Straßburg bei den Gemeinderathswahlen zwischen den Altdeutschen zu Tage getretenen landsmannschaftlichen Spaltungen als unbegründet bezeichnet. Mit diesem Dementi stimmt aber die vom osficiösen Telegraphen selbst übermittelte Meldung von der großen Uneinigkeit der altdeutschen Wähler im dritten Bezirke der Stadt Straßburg doch nicht gut überein. LerrrUeton. Bienchrn. Von Friedrich Meister. (Schluß.) „Haben Sie gar keine Furcht?" fragte ich sie, als ein Boot über die See gebracht, von der wüthenden See jedoch sogleich in Stücke zerschmettert worden war. Der Capitän stand neben ihr und hielt den Arm um sie geschlungen. „Furcht?" sagte sie, „Carl ist ja hier." Die Bemannung des Bootes war bis aus einen gerettet worden. Die Leute weigerten sich, noch einen weiteren Versuch mit einem anderen Boote zu machen. Noch stand die Pinasse an Deck, ein seetüchtiges Fahrzeug, welches fünfzig Personen fassen konnte. Sie aber schauten aus die tobende See hinaus und sagten, daß sie lieber mit dem Schiffe sinken wollten, wenns denn doch einmal ans Sterben ginge. Die Mannschaft des Dampsers bestand zur Hälfte aus Malayen, die bei einer srüheren Reise in Australien angeworben worden waren. Die Kerle krochen unter Deck und legten sich in ihre Kojen und so wurde es nöthig, daß die Passagiere mit angriffen. Ich folgte dem Capitän zu den Pumpen. Er hatte drei der Widerspenstigen nacheinander niedergeschossen, dann aber, von Ekel erfüllt, den Revolver sortgeworfen. Der Sturm nahm fortwährend an Heftigkeit zu. Im Maschinenraum und in den Kajüten stieg das Wasser höher und höher. Die Stewardeß war den Eltern behilflich, die Kinder so unterzubringen, daß die Fluth dieselbe noch nicht erreichte, und so das Unvermeidliche noch ein wenig abzuwehren. Unter großen Anstrengungen wurde jetzt die Pinasse zu Wasser gebracht. Nur drei der Passagiere wagten es, sich hineinzubegeben. Das Schicksal des ersten Bootes hatte die anderen mit Schrecken erfüllt. Ich war einer der Drei. Während ich dies niederschreibe, komme ich mir saft vor wie em Schuldbeladener, weil Jacobine und Carl nicht die andern zwei ausmachten. Nur wenige werden an das große Opfer glauben, welches ich meiner Mutter daheim brachte, die aus meine Unter- j stützung angewiesen war. Es wäre Seligkeit für mich ge- j wesen, mit Bienchen sterben zu dürfen, wie es dem glücklichen ! Freunde vergönnt war. Allein, mein Leben gehörte meiner \ alten Mutter. „Viel Aussicht haben Sie nicht in der Pinasse," sagte I der Capitän zu dem Obersteuermann. „Hier aber haben ; Sie gar keine. Möge Gott Ihnen beistehen- Sie haben an Bord des „Albis" Ihre volle Schuldigkeit gethan. Thun Sie nun auch, was Sie können für das kleine Fahrzeug." Die beiden Seeleute schüttelten sich die Hände zum Abschiede für die Ewigkeit. Die Pumpen waren aufgegeben. Carl Petrus stand mit seinem Weibe an der Regeling. „Du hast die Pflicht, Dich zu retten, Freund!" sagte er zu mir. „Du mußt an Deine Mutter denken. Wir," — er blickte mit innigem Entzücken aus das liebliche Gesichtchen herab, das an seiner Brust lehnte — „wir bleiben beisammen." Noch gab ich die Hoffnung nicht auf, daß sie zu uns in die Pinasse kommen würden. Als die deutschen Matrosen jedoch sahen, daß die Passagiere sich sürchteten, sich in dem Boote der surchtbaren See anzuvertrauen, kamen sie eilig herbei und sicherten sich in demselben ihre Plätze. Der Capitän schaute finster lächelnd zu. Es war keine Zeit mehr zu verlieren. Der Dampser sank jetzt zusehends. Wir hatten Brod und einen Compaß im Boote, aber kein Wasser. „Noch ist hier Platz für einen!" rief der Obersteuermann, als man sich eben anschickte, die Fangleine abzuschneiden. „Bringt noch eine der Frauen!" Schnell sprang ich auf und'schwang mich wieder an Deck, um Jacobine und ihren Gatten aufzusuchen. „Da ist noch Platz für eine Frau in der Pinasse!" rief ich mit fliegender Hast. „Geht Ihr beide hinab, schnell, und sorgt für meine Mutter, wenn Ihr davonkommt!" Capitän Petrus und sein Weib schüttelten die Köpfe. „Nimmermehr könnte ich Deiner Mutter mit solch einer Nachricht vor das Gesicht treten," sagte Carl. Dann aber fügte er mit aufwallendem Heroismus hinzu: „Jetzt ists Zeit, die Wahrheit zu sagen und zu hören! Mein Freund liebt Dich, Jacobine, das ist mir von Anfang allbekannt gewesen . . . Nimm sie hin," wendete er sich zu mir, „heirathe sie und mache sie glücklich! Ein so süßes, junges Leben darf so frühzeitig und so schrecklich noch nicht enden." Mir wars, als müßte ich ersticken. Eine Antwort aber war nicht nöthig. Sie legte ihren Arm um seinen Hals und klammerte sich mit aller Kraft an ihn. Auf ihrem zu ihm emporgerichteten Antlitz lag der Liebe strahlendster, erhabenster Ausdruck. Carl schaute mich mit einem Blicke an, dessen Glückseligkeit ich nicht beschreiben kann. „Du siehst, daß eine Cokette doch treu sein kann," sagte er lächelnd. Das waren die letzten Worte, die ich aus seinem Munde vernahm. Mir blieb kaum noch so viel Zeit, mich wieder in das Boot zu werfen. Der Dampfer sank schnell und schneller und wenn die Fangleine nicht sofort gekappt wurde, dann mußte er das Boot mit sich in die Tiefe hinabreißen. Jacobine Petrus steht vor meinem inneren Blicke noch heute so, wie ich sie zuletzt auf dem Achterdeck des dem Ver- hängniß geweihten Schiffes stehen sah - ruhig, heiter und ganz das Bienchen von ehemals - jetzt durch den hochaufbäumenden Wassergischt nach uns im Boote auslugend, dann wieder zufrieden zu ihrem Gatten aufblickend, den sie innig umfangen hielt. Damit ihr Bild sich mir noch deutlicher einprägte, theilten sich die finsteren Sturmwolken aus einen flüchtigen Moment und ein bleicher Sonnenstrahl erleuchtete ihr schönes Antlitz mit einer keuschen, schon überirdischen Glorie. Es mag seltsam klingen, aber es ist dennoch wahr: nie wieder habe ich ein so vollkommenes Glück wahrgenommen, wie sich in jenem Augenblicke auf den Gesichtern dieser beiden Menschen abspiegelte. Der Bug des Dampsers hob sich jetzt steil aus der See — dann wars zu Ende. Das einst so stolze, so gewaltige Fahrzeug sank wie ein Stein in die Tiefe, und wir trieben allein auf der tobenden See.--— Wie ich und die Uebrigen gerettet wurden, ist des Erzählens nicht werth. Ein Schiff nahm uns auf, nachdem wir einige Entbehrungen und Drangsale zu überstehen gehabt, aber cs währte lange, ehe ich mich nach jenem Abschiede von Bienchen mit dem Leben wieder zu versöhnen vermochte. Locales und provinzielles. Gießen, 11. Juli. — Zu dem Gesammtverband der evangelischen Arbeiter- vereine gehören zur Zeit etwa 2 5 0 Vereine mit 70,000 Mitgliedern. Davon kommen auf Rheinland und Westfalen 121 Vereine, Bayern 46, Provinz Sachsen 16, Königreich Sachsen 14, Württemberg 12, Schlesien 7, Hessen- Nassau 7, Brandenburg 6, Baden 5, Pommern 4, Hessen- Darmstadt 3, Preußen 1, Posen 1. Mainzlar, 7. Juli. Der hiesige Großherzogliche Bürgermeister, Herr Vogel, hat in voriger Woche nach beinahe 25jähriger Dienstsührung das Amt wegen vorgerückten Alters freiwillig niedergelegt. * Darmstadt, 8. Juli. Gestern Nachmittag 4 Uhr hat sich die 20jährige Tochter des hiesigen Rendanten M. ver- muthlich in einem Anfall von Hysterie im Walthersteich (zwischen Darmstadt und Niederramstadt gelegen) ertränkt. Aus Rheinhesien, 8. Juli. In den besseren Weinbergslagen ist jetzt die Traubenblüthe durch. In den geringeren Lagen werden bis zur vollständigen Beendigung der Blüthe noch eine Reihe von Tagen vergehen, zumal da seit drei Tagen ziemlich kühles Wetter herrscht. Mainz, 8. Juli. Heute Morgen fiel der in der Heiliggrabgasse aus einem Dache beschäftigte Dachdecker Schröder sammt Leiter von diesem herunter. Seine Verletzungen waren derart, daß der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte wollte dieser Tage heirathen. Schröder diente vier Jahre aus dem Kriegsschiff „Leipzig" und wurde erst voriges Jahr mit einer Anzahl anderer Mainzer entlassen. Der Unglücksfall soll dadurch entstanden sein, daß die Leiter nicht fest in dem Haken eingehängt war, denn die Leiter stürzte mit aus die Straße, während der Haken noch seststeckte. *△ Mainz, 9. Juli. Die vielerwähnte Streitfrage zwischen mehreren Offizieren der hiesigen Garnison und dem Archjtecten Heyl von hier wird ihren Austrag vor den Eivilgerichten erst nach den Gerichtsferien erhalten, indem die Genesung des letzteren noch nicht vollständig eingetrercn und daher die Höhe des Schadenersatzes sich erst später sest- stellen läßt. Inzwischen haben die beiderseitigen Anwälte ihre Beweisanträge gestellt. Nach demjenigen des Klägers Hehl ist der Grund zu dem blutigen Rencontre in einer Beleidigung zu suchen, die einer der bei der Sache betheiligten Osfiziere der Braut des Klägers aus der Straße zugesügt. Der Schwerpunkt der Darstellung der Offiziere gipselt in der Behauptung, daß Heyl ein Duell mit der Erklärung abgelehnt habe, der hauptsächlich betheiligte Lieutenant Leydecker sei nicht satisfactionsfähig, nach welcher Erklärung Heyl sich durch rasche Flucht der Verantwortung habe zu entziehen gesucht, woraus man ihm gefolgt und ihm die Degenhiebe versetzt habe. — Seit drei Tagen wächst der Rhein fortgesetzt sehr stark und hat bereits eine Höhe erreicht, daß die Gefahr einer Ueberschwemmung der Ufer sehr nahesteht. Heute im Laufe des Tages ist das Wasser gegen */2 Meter gestiegen. Die städtische Pumpstation arbeitet bereits mit voller Kraft und fehlen nur mehr 80—90 Centimeter bis zur Userhöhe. In den Niederungen ober- und unterhalb der Stadt sind die Felder bereits überschwemmt. vermischtes. * Marburg, 9. Juli. Zu dem am Sonntag den 12. und Montag den 13. Juli dahier stattfindenden hessischen Verbands-Feuerwehrtage sind vom Festausschüsse große Vorbereitungen getroffen worden. Keine Ausgaben sind zu hoch, keine Mühe ist zu schwer erschienen, um das Fest zu einem wohlgelungenen zu gestalten. Bereits präsentirt sich der Festplatz in seinem ganzen Umfange- fleißige Hände rühren sich, um die letzte Arbeit, die Ausschmückung der Wirlhschasts- hallen, der Tanzplätze, des Sängerpodiums und der beiden Musiktribünen, zu vollenden. Die Anlage der electrischen Beleuchtung ist sertiggestellt und die Probebeleuchtung glänzend ausgefallen. Gegen Sonnenschein und Regen sind die Festtheilnehmer durch vorzügliche, eigens zu dem Zwecke neu angesertigte wasserdichte Bedachung geschützt. Die Wirth- schafts-Hallen sind bewährten Händen übertragen, so daß nach jeder Richtung hin ein genußreiches Fest zu erwarten steht. Marburg ist aber auch der geeignete Boden für ein derartiges Fest. Wie bei allen früheren Gelegenheiten vereinigen sich auch jetzt alle Stände, um das Fest zu >eDlem volksthüm- lichen zu machen. Die Anmeldungen zur Betheiligung sind in einer ungemein großen Anzahl aus allen Kreisen Hessens eingelausen; die mit dem Feste verbundene Ausstellung von Feuerlöschgeräthschasten wird eine der größten in ihrer Art sein, da dieselbe von den bedeutendsten Firmen beschickt ist. Gutes Wetter vorausgesetzt, wird das Fest in seinem Verlause sich würdig an die Seite seiner Vorgänger stellen., Kassel, 9. Juli. Ein Feuerversicherungs- Agent als Brandstifter. Ein in vielen Stücken interessanter Brandstiftungsprozeß gelangte vor dem hiesigen Schwurgerichte zur Verhandlung. Der Färber und Feuerversicherungs-Agent Witzmann aus Rudolstadt, zuletzt in Sand (Kreis Wolfhagen) wohnhaft, war wegen vorsätzlicher Brandstiftung angeklagt. Witzmann kam nach Sand, ver- heirathete sich, errichtete eine Färberei und fand zuerst auch gutes Auskommen. Dann ging sein Geschäft zurück und plötzlich brannte sein Haus mit Färberei unter verdächtigen Umständen ab. Bei diesem Brande fiel es nun dem dortigen Pfarrer auf, daß die in der Nähe stehende alte, baufällige Scheuer des Gastwirths Wöllenstein Seitens der Feuerwehr so „warm behandelt" wurde, daß es dem Geistlichen selbst den Eindruck machte, als solle das übermäßig hoch versicherte, ganz unpractisch gebaute Haus mit abbrennen, weßhalb er zu dem Brandmeister ging, ihn ersuchte, die Scheune besser bespritzen zu lassen, da er ihn für ein etwaiges Mitabbrennen der Scheune verantwortlich mache. Das half. Jetzt ging nun aber das Gerede im Dorfe, worin viele Bauhandwerker und Arbeiter wohnen, Wöllenstein habe gesagt: „Ich habe keine guten Freunde, denn sonst wäre meine Scheune damals mit abgebrannt." Thatsache ist nun aber und wurde von einer Reihe Zeugen eidlich bekundet, daß Witzmann bei dem Neu- bau seiner Färberei sich so hineinrannte, daß er mit Verlust das Haus wieder verkaufen mußte und ohne Geschäft und Verdienst war. Trotzdem dies Wöllenstein wußte, empfahl er Witzmann einer Versicherungsgesellschaft in Altona als Agent und nachdem dieser das geworden, versicherte er als erstes Geschäft seine Scheune sür 2800 Mk. bei ihm, welche nach Angabe Sachverständiger etwa die Hälfte werth war. Witzmann äußerte nun zu verschiedenen Personen, Wöllenstein habe Dem 30 Mk. und einen guten Trunk versprochen, wer ihm die Scheune ansteckte. Bald darauf, im März d. I., brannte nun die Scheune ab und Witzmann hatte in derselben Nacht zu Bekannten geäußert, seine Cigarre brenne jetzt gut, dabei zeigte er ein Päckchen mit Lumpen, Schwamm rc., und meinte, indem er auf die Scheune deutete, bis das zu brennen anfange, liege er längst zu Bett. Nach dem Brande schrieb Witzmann an die Kasseler Generalagentur, der Schaden sei noch größer, als Wöllenstein angegeben, es müsse nobel regu- lirt werden, sonst käme es zum Prozesse. Indessen erhielt W. nur die Häfte seines Brandverzeichnisses bezahlt und Witzmann wurde zu drei Jahren Gefängniß vernriheilt. * Bei der Felddienstübung. Einjährig-Freiwilliger (zum Unteroffizier): „Ich habe jetzt eine Generalidee: gehen wir dort hinein und trinken wir ein Glas Bier." — Der Unteroffizier ist natürlich damit einverstanden und nachdem sie beide gehörig getrunken, sagt der Unteroffizier zum Einjährig-Freiwilligen : „Und jetzt hab ich eine Specialidee: Sie bezahlen!" Universität». n«d?rid>tcn. — Dr. B. Kübler hat sich als Privatdocent für classische Philologie an der Berliner Universität habtlttirt. In seiner Antrittsrede sprach er über das Thema: „Euripedes im Lichte der Kritik des Aristophanes." — Der Eustos an der Universitätsbibliothek zu Halle, Dr. H. v. Hagen, ist in gleicher Eigenschaft nach Breslau und der Eustos in Breslau, Dr. E. Seel mann, in gleicher Eigenschaft nach Halle versetzt. — Für das Fach der Physik hat sich in Leipzig Dr. Con- dres habilitirt. — Aus Bern wird mitgetheilt, daß Fürsprecher Reichel, als Führer der Socialdemokraten bekannt, von der Regierung zum Professor des Eivtlrechtsprozesses gewählt worden ist. — Das Secretariat an der Kaiser!. Leopoldinisch-Karolinischen deutschen Akademie der Naturforscher in Halle, welches bisher Dr. v. Hagen bekleidete, ist dem Signatar der Universitätsbibliothek Dr. Häberlin übertragen. Literatur und Unnft. — Die 3. und 4. Lieferung des hochintereffanten, von Fachleuten wie Liebhabern bereits in gleicher Weise geschätzten Werkes „Durch des Gartens Kleine Wirnderwelt" von Heinr. Frhr. Schilling von Can statt ist soeben in der König!. Hofbuchdruckerei Trowttzsch & Sohn, Frankfurt a. O., erschienen. In diesem Thet! läftt der Verfasser den Leser einen Blick in die mikroskopisch kleine Pflanzenwelt im Gartenwaffer thun. Ist es auch nur ein flüchtiger Blick in das verborgene Leben und Weben der kleinen Wasserflora aus dem Reiche der unscheinbaren Sützwasseralgen, so haben wir doch eine Welt voll Wunder vor uns, welche uns hier das Mikroskop zeigt; die merkwürdige Fortpflanzung der Algen, ihre Fortbewegungs- fähtgkeit, ihr thierartiges Leben usw., Alles Gestalten wie aus einer anderen, gehetmntßvollen Welt, Alles lebende Pflanzen! Kurz, dieses Capttel bietet auf jeder Seite eine solche Fülle des Interessanten und dabet Alles in einer so meisterhaften Schilderung, daß der Leser sich hiervon in hohem Maße gefesselt fühlt. Im dritten Abschnitt behandelt der Verfasser das Pflanzenleben des Gartens, sein IFrüh- lingserwachen und Wachsthum, pflanzliche Schmarotzer und Pflege unserer Pflanzen. Der Verfasser kommt im vierten Abschnitt aus den Formenreichthum der Borsten, Wollhaare, Drüsenbaare usw. an den Pflanzen zu sprechen und schildert in einer anziehenden Äbi'and- lung die wunderlichen Organe verschiedener Pflanzen, deren K> be- und Giftwaffen, welche für uns ein „Noli me tangere“ bedeuten. Ein wahres „Pollcinellenthealer" d. A. lagernd Post 12 Berlin. [4220 6304] In einem hiesigen größeren Geschäfte wird zum 15. Sept, oder 1. Oct. a. c. die Stelle eine- angehenden (Kommiß frei. Jüngere strebsame Leute wollen ihre Offenen unter S. 10 bei der Expedition dieses Blattes einreichen. Gesucht ein junges Mädchen im Alter von 14 bis 15 Jahren zur Aushülfe für einige Stunden des Vormittags. _ Näheres in der Exped- d- Bl. [6224 6265] Tüchtiger Hausbursche aus sofort gesucht.__________Asterweg 26. 6301] Ein kräftiger Bursche von 16 bis 18 Jahren kann sofort als zweiter Hausbursche eintreien im __Hotel z. Einhorn, Gießen. 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