Nr. 159 Drittes Blatt. Sonntag den 12. Juli CMMMMUMMfWWM»»—I RWt II n urtj—BMMtTH ——— I —■ Mi L—IIPUOWWWW^IIIl H —1^———MM—WBjW—IMO—M—M——I 1891 Der -ß-Kener Kar-isn erscheint täglich, Mt Ausnahme de- Montag-. Vie Gießener MO»itte«StLts«r Wtrttn dem Anzeiger Sämtlich dreimal beigeiegt. Reßener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Redaction, LxpedM», und Druckerei: Zchukstratze Ae.^ Fernsprecher 51. Vierteljähriger ASounementsPreiL 1 2 Mark 20 Pfg. xvÄ Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Amts- rrnd Anzeigeblatt für den l£rd$ Gietzen Annahme ton Anzeigen zu der Nachmittag- für bert folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. MM Alle Annoncen-Bureaux des In« und ÄnSlandeS nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" tntgtgot. rrnetLrchev Thsil. Bekanntmachung, betr. Verbot des Auftriebs von Schafen auf den am 15. Juli d. Js. zu Allendorf a./Lda. stattfindenden Viehmarkt. Mit Rücksicht daraus, daß drei Schasheerden zu Allendorf a./Lda. der Räude dringend verdächtig sind, haben wir auf Grund des § 28 des Reichsviehseuchengesetzes den Auftrieb von Schafen auf den am 15. Juli d. Js. zu Allendorf a./Lda. stattfindenden Viehmarkt untersagt. Gießen, den 10. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 10. Juli 1891. Betr.: Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien, an die örtlichenJnvaliditäts- undAltersversichernngs- stellen, sowie die sonstigen mit Ausstellung der Quittungskarten, Einziehung der Beiträge und Verwendung der Marken betrauten Stellen. Bei der Durchführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes haben sich mehrfache Mißstände bemerkbar gemacht und ertheilen wir Ihnen zur Beseitigung derselben hierdurch folgende Anweisung: I. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien: 1) Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die in Gemäßheit des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes ausgestellten Arbeitsbescheinigungen den tatsächlichen Verhältnissen sehr oft nicht entsprechen, sondern oft lediglich in der Absicht ausgestellt sind, den betreffenden Personen, obwohl ihnen ein gesetzlicher Anspruch nicht zusteht, eine Rente zu sichern. Wir weisen Sie deshalb hierdurch ausdrücklich auf pos. III. c. des Ministerial-Ausschreibens vom 29. April 1890 (Nr. 4) hin. In demselben ist bestimmt, daß die Bürgermeistereien, wenn ihnen Thatsachen bekannt sind, welche die Bescheinigung als zu Unrecht ausgestellt erscheinen lassen, die Beglaubigung zwar vollziehen sollen, derselben aber einen auf das Vorliegen der erwähnten Thatsachen ausdrücklich hinweisenden Vermerk beizusügen haben. Sie wollen in Zukunft diese Bestimmung stets befolgen und insbesondere bei Vorlage der Anträge auf Rentenbewilligung stets berichten, ob und wie der Antragsteller mit seinen Arbeitgebern verwandt ist. Ferner wollen Sie, falls die Vergütung für die Arbeitsleistung theilweise in Naturalbezügen besteht, stets darauf sehen, daß in der Lohnbescheinigung eine genaue Trennung zwischen den Naturalbezügen und dem baaren Lohn stattfindet. 2) Nach § 160 des Gesetzes erfolgt eine Vertheilung der Renten auf alle Versicherungsanstalten, in deren Bezirk der Antragsteller vom 1. Januar 1876 an nachweislich in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeits- oder Dienstverhältniß gestanden hat. Da eine genaue Feststellung dieses Umstandes für die Finanzen der Versicherungsanstalt von hohem Interesse ist, beauftragen wir Sie, bei Protocolli- rung der Anträge auf Bewilligung von Rente die Antragsteller stets darüber zu hören, ob ste bis zum 1. Januar 1876 zurückreichend außerhalb des Großherzogthums Hessen in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeits- oder Dienst- verhältniß gestanden haben und bejahenden Falls die Antragsteller — ohne daß jedoch hierdurch die Einsendung des Antrags verzögert wird — zur Vorlage beglaubigter Arbeitsbescheinigungen zu veranlassen, die den ganzen Zeitraum bis zum 1. Januar 1876 zurück umfassen und aus denen insbesondere die Zeit und der Ort der Beschäftigung hervorgeht. Können diese Bescheinigungen nicht alsbald mit dem Antrag aus Rente an uns eingesendet werden, so ist aus demselben eine kurze diesbezügliche Bemerkung zu machen und sind diese Arbeitsbescheinigungen dann später unter möglichster Beschleunigung direct an die Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalt einzusenden. Die zur Begründung des Rentenantrags dienenden Arbeitsbescheinigungen gehen selbstverständlich mit dem Anträge an uns. 3) In den mit Einziehung der Beiträge betrauten Stellen sind mehrfache Aenderungen eingetreten, ohne daß die Versicherungsanstalt hiervon in Kenntniß gesetzt wurde. Sie wollen deshalb dieselbe, soweit dies bis jetzt nicht geschehen ist, von allen seit dem 1. Januar 1891 in den Stellen eingetretenen Aenderungen alsbald benachrichtigen. 4) Da die Rente mit dem Tode des Rentenempfängers erlischt, die Versicherungsanstalt aber nicht in der Lage ist, von dem Tode eines solchen ohne Ihre Mittheilung Kenntniß zu erlangen, weisen wir Sie hierdurch an, die eingetretenen Sterbefälle von Rentenempfängern stets sofort unter genauer Angabe des Geburtsjahres und Todestages der Versicherungsanstalt mitzutheilen und gleichzeitig zu bemerken, ob die Erben in der Lage sind, etwa zu viel empfangene Rentenbeträge zurückzuzahlen. II. Den örtlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherungsstellen und den sonstigen mit Ausstellung der Quittungskarten, Einziehung der Beiträge und Verwendung der Marken betrauten Stellen: Sie wollen für die Beseitigung folgender Mißstände besorgt sein: 1) Die Quittungskarten der ständigen Arbeiter sind vielfach noch in Händen der Arbeitgeber, während sie bei den Stellen verwahrt und nur den Arbeitern auf deren ausdrückliches Verlangen herausgegeben werden sollen. 2) Die Vorderseite der Quittungskarte ist vielfach noch nicht vollständig ausgefüllt, insbesondere sind die Personalien der Versicherten noch nicht genau festgestellt, die Karten noch nicht mit dem Stempel der Stelle versehen. 3) Die Beitragsmarken werden mitunter noch nicht in fortlaufender Reihenfolge eingeklebt. Insbesondere sind bereits vorhanden gewesene Lücken noch nicht ausgefüllt. 4) Krankheiten und militärische Dienstleistungen werden bereits jetzt in den Quittungskarten eingetragen, obwohl dies erst bei Aufrechnung der Quittungskarte zu geschehen hat. 5) Die Quittungskarten sind von einzelnen Stellen- Jnhabern mit Nummern versehen, die den Nummern in dem Hebregister entsprechen. Wir wollen nun zwar nichts dabei erinnern, wenn diese Nummerirung mit Bleistift vorgenommen und bei Abgabe der Karte wieder entfernt wird, Nummerirung mit Tinte ist aber jedenfalls unzulässig. ? 6) Noch immer werden unrichtige Beitragsmarken verwendet. Insbesondere haben wir gefunden, daß für Gemeindediener, deren thatsächlicher Jahresarbeitsverdienst 350 Mark nicht übersteigt, Beitragsmarken I. Lohnklasse verwendet werden, obwohl nach der Höhe des ortsüblichen Tagelohns Marken II. Lohnklasse verwendet werden müssen. 7) Obwohl die Beiträge bereits gezahlt sind, werden für die abgelaufenen Lohnperioden Beitragsmarken nicht eingeklebt. 8) Die geleisteten Zahlungen sind vielfach noch nicht im Hebregifter gebucht; theilweise werden die vorgeschriebenen Hebregister sogar überhaupt noch nicht geführt. 9) Die Zahlung der Beiträge ist an manchen Orten ganz in das Belieben der Arbeitgeber gestellt, es ist nicht geregelt, wann Zahlung zu leisten ist. 10) Die vielfach vorhandenen Rückstände werden nicht rechtzeitig beigetrieben. 11) Das Marken-Vorrathsbuch wird theilweise gar nicht, theilweise nicht ordnungsmäßig geführt. v. Gagern. politische Wochenschau. Gießen, 11. Juli 1891. Das. Ereigniß auf dem Gebiete der inneren Reichspolitik bildete in der hinter uns liegenden Woche das Erscheinen des Entwurfes zu einem neuen Programm der sozialdemokratischen Partei. Die Veröffentlichung erfolgte in Gemäßheit der Beschlüsse des vorjährigen Delegirtentages, nach denen auf dem im October dieses Jahres abzuhaltenden Parteitage ein neues Parteiprogramm festgestellt werden sollte. Ein hervorragendes Interesse bietet die Vergleichung des neuen Einwurfes mit dem seither in Geltung befindlichen Programm, das bekanntlich aus dem Jahre 1875 datirt. Beide Statute zerfallen in zwei Theile, von denen der eine die nöthigen Fingerzeige in Betreff der sozialistischen Weltordnung enthält, während der zweite diejenigen Forderungen formulirt, welche nach der Meinung der Sozialdemokratie im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung durchführbar sind und erfüllt werden müssen. Der erste Abschnitt ist in dem neuen Programm wesentlich eingeschränkt worden. Während die sozialistische Partei seither neben der Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeineigentbum der Gesellschaft und der Umänderung der gegenwärtigen Productionsweise in eine sozialistische auch das Eigenthumsrecht aller Staatsangehörigen an dem gesammten Arbeitsproduct bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Rechte für jeden nach seinem vernunftgemäßen Bedürfniffe forderte, und an einer anderen Stelle des alten Programms die gerechte Vertheilung des Arbeitsertrages noch einmal betonte, fehlt in dem vorliegenden Entwürfe jede Andeutung in dieser Hinsicht und wird lediglich die Verstaatlichung der gesammten Production verlangt. Wir erfahren also nicht, ob die Arbeitszeit und der Antheil an dem Ertrage der Arbeit für alle gleich sein soll. Der zweite Haupttheil zeigt gegen früher eine erhebliche Abschwächung in den aufgestellten Sätzen. Das Stimmrecht soll nicht mehr den 20jährigen, sondern erst den 21jährigen zustehen. Die Forderung der obligatorischen Stimmabgabe ist im neuen Programmentwurse in Fortfall gekommen. An Stelle der directen Gesetzgebung durch das Volk wird jetzt nur von einer directen Antheilnahme des Volkes mittels des Vorschlags- und Verwerfungsrechtes gesprochen. — Die Entscheidung über Krieg und Frieden ist nach der neuen Fassung nicht Sache des Volkes, sondern der von ihm gewählten Vertreter. Ebenso soll die Rechtsprechung nicht mehr dem Volke selber obliegen, sondern einem Collegium gewählter Richter. Früher war die Religion als Privatsache jedem Einzelnen überlassen, jetzt werden die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften ausdrücklich als Privatvereinigungen anerkannt. In Bezug aus die Frauenarbeit hatte das alte Programm ein Verbot aller Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeiten ausgesprochen, nunmehr ist dem Prinzip zu liebe, daß die Frau dem Manne in jedem Betracht gleichzustellen ist, eine gleiche oder ähnliche Bestimmung ausgelassen. Freilich ist es nicht ausgemacht, daß der Entwurf auf dem künftigen Parteitage in dem einen oder anderen Punkte nicht doch noch schärfer gefaßt werden wird. Ueber den Plan der preußischen Minister v. Berlepsch und Miquel, Ostpreußen zum Zweck der Untersuchung der dort bestehenden Verhältnisse zu bereisen, haben wir schon berichtet. Unterdessen ist die Reise zur Ausführung gekommen und giebt den interessierten Theilen eine willkommene Gelegenheit, sich über die Gründe der herrschenden Mißstände auszusprechen. Je nach dem verschiedenen politischen Standpunkt der Beurtheiler fallen die Urtheile ganz verschieden aus. Während z. B. die „Kreuzzeitung" in der Aufrechterhaltung der gegenwärtig gültigen Getreidezölle, in der Aufhebung des Unterstützungswohnsitzes, dem Einschreiten des Staates gegen den Arbeiterzug nach Westen und ähnlichen Maßregeln alles ^eil erblickt, wünfcht die „Königsberger Hartung'sche Zeitung" unter anderem gerade umgekehrt Beseitigung der Getreidezölle und vollen Schutz der Freizügigkeit. —- Die Verwaltungsorganisation in Preußen, die mit der in der letzten Session geschaffenen Landgemeindeordnung sür die östlichen Provinzen begonnen wurde, soll ununterbrochen fortgesetzt und weiter ausgedehnt werden. Zu diesem Behuse hält fich der preußische Minister des Innern Heerfurth gegenwärtig in Ächleswig-Holstein auf, um sodann Hessen-Nassau zu besuchen. Dagegen soll die sogenannte innere Organisation, eine Städteordnung also u. s. w., vorläufig noch nicht vorgenommen werden. Deßgleichen werden für die nächste Session keine weiteren Steuergesetze geplant, weil man die Wirkung der in der verflossenen Tagung ins Leben gerufenen erst abwarten will. Dem Auslande giebt besonders die Reise Sr. Majestät des Kaisers nach England Anlaß zu lebhaften Meinungsäußerungen. Von Bedeutung sind sür uns hauptsächlich die Kundgebungen der maßgebenden Persönlichkeiten in England selber. Während man hier in der Sympathie für den Dreibund und vornehmlich sür Deutschland durchaus einig ist, gehen die Ansichten über die Zweckmäßigkeit eines formellen Anschlusses von England an die Tripelallianz weit auseinander. Während der Premierminister Salisbury der Herstellung eines Vierbundes scheinbar sehr geneigt wäre, weist der frühere Premierminister Gladstone, der vielleicht schon bald wieder Salisburys Nachfolger wird, in seiner Zeitung „Daily News" einen solchen Gedanken weit von sich. England dürfe Frankreich nicht als aggressive Macht behandeln und iso- liren wollen. Die beiden Reiche müßten die alten freundschaftlichen Beziehungen erhalten und weiter'pflegen. Der deutsche Kaiser erhalte von Salisbury vielleicht die Zusicherung einer gemeinschaftlichen Acüon im Mittelmeer für den gegebenen Fall. Eine Verpflichtung der Art könne indessen nur Salisbury persönlich und nicht auch seinen Nachfolger binden. — Was sonst vom Auslande mitzutheilen ist, tritt an Wichtigkeit weit zurück. In Italien war kürzlich das Gerücht aufgetaucht, daß innerhalb des Ministeriums Meinungsverschiedenheiten zu Tage getreten wären und eine Crise bevorstehe. Neuerdings stellt ein offiziöses römisches Blatt die Richtigkeit dieser Behauptungen entschieden in Abrede.— In Prag sind wieder einmal bedauerliche Ausschreitungen gegen Deutsche vorgefallen. — Eine romantische Episode spielt sich gegenwärtig in Rumänien ab. Der rumänische Thronfolger Ferdinand hat sich in eine zudem ältere Hofdame der Königin, ein Fräulein Vacarescu mit solcher Nachhaltigkeit verliebt, daß er selbst durch die Möglichkeit, von der Thronfolge ausgeschlossen zu werden, nicht abgeschreckt wird, seine Absichten auf eine Verheirathung mit der genannten Dame festzuhalten. Mit Hohn konnten die Minister darauf Hinweisen, daß der Thronfolger bis jetzt überhaupt noch keine andere unverehelichte Dame als Frl. Vacarescu in der Nähe gesehen habe und deßhalb noch nicht beanspruchen könne, mit seiner sogenannten Leidenschaft ernst genommen zu werden. Besteht indessen Ferdinand auf seinem Plane, so soll sein Bruder Carl Anton als Kronprinz proclamirt werden. Cocains tttiö provinzielles. Gießen, 11. Juli. — Das Concert erster Solisten des Hamburger Stadt- theaters, welches am Montag den 13. Juli in Steins Garten stattfindet, verspricht sehr interessant zu werden. Das Programm enthält u. A. die große Max-Arie aus „Freischütz", das Banditen-Duett aus „Stradella", das Frühlingslied aus der „Walküre, Weidts Ballade „Der verbannte Polenfürst" Und den reizenden „Lagunenwalzer" von Strauß- letzteren singt Herr Weidmann, dann fünf Quartette und eine Anzahl Lieder. — Leuz'scher Felsenkeller. Die „Lötsch-Concerte", deren erstes ursprünglich schon am 10. dss. Mts. stattfinden sollte, beginnen nun definitiv heute Sonntag. Wir machen unsere Leser aus das betreffende Inserat um so mehr ganz besonders aufmerksam, als die Firma Lötsch von früher her hier in bester Erinnerung steht und diese Concerte — wie bekannt — auch von Familien und Damen ohne Weiteres besucht werden können und in jedem Programm das Beste geboten wird. — Der Begriff Semester. Die „Jenaer Ztg." schreibt: Zur Klärung des Begriffs „Semester" hat unlängst das Kammergericht eine Entscheidung dahingehend getroffen, daß man darunter nicht die Periode, während welcher Vorlesungen an Universitäten und den damit gleichgestellten Instituten gehalten werden, versteht, sondern das Kalendersemester, also für das Sommersemester die Zeit vom 1. April bis 1. October und das Wintersemester die Zeit vom 1. October bis 1. April. Diese Entscheidung ist insofern von ganz besonderer Wichtigkeit, als noch heute sehr viele Mißverständnisse bei der Vermietung von Wohnungen für Studirende vorkommen. Die Mehrzahl der Vermiether will unter Semester die Zeit der akademischen Vorlesungen verstehen, während dre meisten Studirenden das Kalendersemester annehmen und dadurch nicht selten in arge Differenzen mit ihren Vermietern gerathen. Derartige Mißverständnisse treffen diejenigen Studirenden am meisten, welche angewiesen sind, in der Zwischenzeit von einem Semester zum andern in der Musenstadt zu verbleiben, um Vorbereitungen zu den Examinas zu treffen oder auch angefangene experimentelle Hebungen fortzusetzen. □ Ruppertenrod, 9. Juli. Von einem Steg, der in der Nähe des Ortes über die Ohm führt, fiel ein fünfjähriger Knabe in das gegenwärtig hochangefchwollene Wasser. Eine in der Nähe arbeitende Frau sah die Gefahr, in der das Kind schwebte, watete muthig in das tiefe Wasser und zog den Knaben heraus. Es war die höchste Zeit, denn schon war das Kind nach dreimaligem Auftauchen auf den Grund gesunken. § Ilbeshausen, 8. Juli. Auf schnelle und traurige Art ist der Müller Peter Kaiser heute ums Leben gekommen. Während seine Angehörigen im Felde weilten, war K. in der Mahlmühle beschäftigt. Als feine Frau den Kaffee zu bereiten nach Hause kam, kam ihr das Leergehen der Mühle verdächtig vor- als sie nun in dieselbe eintrat, sand sie ihren Mann stehend wider eine Holzwand gelehnt vor- derselbe fiel aber beim Berühren tobt zusammen. Wodurch der Tod hier herbeigeführt worden ist, läßt sich nicht feststellen. Münzenberg, 9. Juli. Die Herzogin von Sachs en- Altenburg traf am vorigen Samstag, von Bad-Nauheim kommend, hier ein, besichtigte die Burgruine 'und unsere altehrwürdige Kirche und kehrte, nachdem sie kurzen Aufenthalt im Gasthause „Zur Burg Münzenberg" genommen, wieder nach Bad-Nauheim zurück. Heber das Gesehene sprach sich die hohe Frau sehr befriedigend aus. t Lich, 10. Juli. Heute wurde hier durch die Orts- schelle bekannt gegeben, daß infolge Verfügung Großh. Kreis- schulcommission Gießen wegen der unter unserer Kmderwelt herrschenden ansteckenden Krankheiten — Masern und Rach enbräune — die Schulen bis aus Weiteres geschloffen bleiben. -r. Lich, 10. Juli. Zwei gegenwärtig hier weilende Amerikaner, geborene Licher, haben mit dem hiesigen Turnvereine auf nächsten Sonntag, an welchem Tage in Newyork das „Hessen-Darmstädrische Vereinssest" gefeiert wird, ein allgemeines Volksfest veranstaltet, welches bei Concert und Tanz gefeiert werden wird. Klein-Zimmern, 7. Juli. Ein Knabe der hiesigen Anstalt entfernte sich beute Abend beim gemeinsamen Baden in der nahen Gersprenz etwas von seinen Kameraden und gerieth in eine tiefe Stelle, wo er in Gefahr war, zu ertrinken. Ein erwachsener Zögling, der schwimmen konnte, wollte ihm zu Hilfe eilen. Während nun der erstere sich an einem überhängenden Strauch ans Hfer rettete, gerieth der andere in eiye starke Strömung und ertrank selbst. Die alsbald dargebotene Hilfe kam zu spät. Wahrscheinlich hatte ihn ein Krampf befallen, denn plötzlich verschwand er, um nicht wieder aufzutauchen. Der edle Jüngling, der sein Leben einbüßte, da er einen anderen retten wollte, hieß Jakob Gesinn und stammt aus Oppenheim. * Der Sprachremiger im Waffenrock. Unter der vorstehenden Spitzmarke bringt das „Berl. Tagebl." die folgende nette Plauderei: „Einjähriger, pennen Sie?" — „Nein, Herr Unteroffizier!" — „Na, denn bitte, helfen Sie mir mal een bisken bei't Jermanisiren", sagte der Wachthabende zu einem Marsjünger, der es sich gleich den anderen Wacheschiebern Nachts auf der Pritsche bequem zu machen versucht hatte, aber sich unruhig auf dem harten Lager hin und her warf. „Hier hat Eeener in die Alljemeine Militär-Zeitung die Idee anjeregt, die Fremdwörter in unsre Heeressprache zu verjer- manisiren. Wat halten Sie, gekehrtes Huhn, von der Je- schichte?" fragte, dem gähnenden Schnurträger eine Nummer der „Allgemeinen Militär-Zeitung" unter die Nase haltend, der Höchstcommandirende. „Na, wat meinen Sie zu dem jeistreichen Vorschlag?" forschte der Unteroffizier weiter, als ihm der Freiwillige nach einiger Zeit das Blatt wieder zurückgab. — „Hm!" meinte der Einjährige, worauf der Wachthabende fortfuhr: „For die Jeneralität recte Heerwarts, die Stabs- und Subaltern-Offiziere, oder wie der Artikelmacher die Herrn Offiziere nennt: For die Wehrherrn wär' nu bet Richtige jefunden, aber an die Unteroffiziere rc. hat der Zeitungsmensch nich jedacht, und da hab' ich denn soeben bet Fehlende erjänzt. Hören Sie: wenn der Offizier „Wehrherr" benamst werden soll, denn müssen die Unteroffiziere lojisch jefoljert „Unter-Wehrherrn" sind, der Jesreite, ein deutsches Wort, bleibt Jefreiter, bis er Unter-Wehrherr wird. Det versteht sich eo ipse von selbst, — aber nu, Sie Sprachjelehrter, calculiren Sie mal einen deutschen Bejriff for 'n Sergeanten aus."—„Scherge!" antwortet schmunzelnd der Einjährige. — „Na, Sie, det is anstößig! Wissen Sie nischt Besseres?" — „Unter-Feldwebel!" — „Det wäre eher wat for'n Vize-Spieß- — aber weiter!" Der Einjährige zuckte mit den Achseln. „Bon. Denn lassen wir das vorläufig, und hören Sie weiter: Die Rekruten würde ich „Wehrjungens" tituliren." „Und uns Einjährig-Freiwillige?" scherzte das „gelehrte Huhn." — „Euch Einjährige? — Na, warten Sie mal! For Euch wäre det Wort „Wehrbaby" wie gesunden." Das laute Auflachen des Freiwilligen weckte die Pritschenschläfer, die ohnehin bald zur Postenablösung antreten mußten. * Der Studiosus Müller lag schwer am Nervenfieber darnieder. Seine Freunde wachten Tag und Nacht bei ihm und lösten sich alle drei Stunden ab. Um Mitternacht trat der Student Klein die Wache an. Sem Vorgänger war sehr betreten: „Sieh zu, wie du ihm die Medicin beibringst. Der Arzt hat gesagt, daß seine Rettung davon abhängt. Müller hat mir immer den Löffel weggeschlagen. Es ist wohl keine Rettung mehr!" Und nun war Klein bei dem Kranken allein. Jeder Versuch, ihm die Arznei beizubringen, schlug fehl. Kaum war der Löffel am Munde, so schlug ihn der Kranke fort. Klein war in Verzweiflung, alles Zureden war vergeblich. Da kam ihm ein glücklicher Gedanke. „Müller", rief er, den gefüllten Löffel in der Hand, mit lauter Stimme, „Müller, ich komm' Dir 'nen Halben" — „Prost! Ich komm gleich mit!" gurgelte der Kranke mit matter Stimme, trank mit kräftigem Zuge die Medicin aus dem Löffel — und war gerettet. * Aus dem Schmierenleben. Man schreibt aus dem Erzgebirge: In dem armen erzgebirgischen Orte Nieder- neuschönberg bei Olbernhau hat der „Theaterdirector" Diettsch gegenwärtig seinen Thespiskarren im Gasthofe zum „Wilden Mann" aufgeschlagen. Seine beiden Repertoirstücke sind die beiden berühmten Tragödien „Ritter Theobald von Wildenfels oder der Kindesraub" und „Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf." In einem empfehlenden Hinweis auf diese beiden Werke der deutschen Dramendichtung macht der Herr Director nun Folgendes bekannt: „Für diese zwei Vorstellungen erlaube ich mir besonders ein geehrtes Publikum einzuladen, da ich mit der Ausführung derselben jeder Con- currenz die Spitze biete. Bestrenommirtes Geschäft, bitte nicht mit verschiedenen anderen derartigen zu vergleichen. Spiel- waaren jeder Art werden vorher als Zahlung im Theater- local angenommen." Die kunstliebenden Bewohner von Niederneuschönberg fabriziren nämlich hausindustriell Spielwaaren aller Art. Es dürfte ihnen besonders in der jetzigen theueren Zeit vielfach am nöthigen Baargeld fehlen, worauf der welt- erfahrene Theaterdirector gebührende Rücksicht nimmt. * Begreiflicher Ueberdruß. Präsident: „Der Gerichtshof hat Sie zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt. Wollen Sie Revision gegen das Hrtheil einlegen?" — „Nee! Ick bin froh, wenn ick mal 'ne Zeitlang keene Richter mehr sehe!" * Militärisch. Ein alter Hauptmann ließ einst nach dem Exerzieren seiner Compagnie, das schlecht ausgefallen war, einen der Corporale, der besonders ungeschickt gewesen, vortreten, und als dieser dicht vor ihm Front machte, herrschte er ihn an: „Corporal, nenn er mich einen Esel!"— Corporal (höchst erschrocken): „Herr Hauptmann, wie könnte . . . ?" — Hauptmann: „Ich befehle ihm, mich sogleich laut und deutlich einen Esel zu nennen." — Corporal (ganz verdutzt): „Aber ich bitte — ich . . . ?" — Hauptmann (wüthend): „Ich befehle ihm zum letzten Mal, zu thun wie ich gesagt." — Corporal (mit bebender Stimme): „Herr Hauptmann, Sie sind, weil Sie es so befehlen, ein Esel." — Hauptmann (befriedigt): „Recht so! Aber weiß er auch warum? Weil ich ihn zum Corporal gemacht habe. Kehrt Marsch!" * Auch ein Unfall. Commis: „Ich muß Sie um Erhöhung meines Gehalts bitten, Herr Prinzipal- ich habe ge- heirathet." — Prinzip al: „Erlauben Sie: für Hn fälle außerhalb meines Betriebes können Sie mich doch nicht verantwortlich machen!" * Das Schönste. Führer: „Schau'n S' mal das schöne Thal da unten an, meine Herrschaften! Schade, daß Sie 's Schönste darin von hier aus nicht sehen können!" — Fremde: „Hnd das ist?" — Führer: „'s Bier!" * Selbstbewußt. Köchin: „Sehnse, gnädig'e Fran, da wollten Sie immer een Kuchen allein backen, jetzt ist er verdorben — Sie denken wohl, das ist ebenso leicht wie Clavierspielen?" Landwirtschaftliche Winke und Rathschläge. A Au- Oberhesse«, in der ersten Julidecade. Die Ernte rückt näher heran. Im Hinblick auf die ununterbrochen fortdauernden, ausschreitenden Witterungserscheinungen ist es mehr als je geboten, der Einheimsung deS Getreides rechtzeitig feine Aufmerksamkeit zuzuwenden und nichts zu versLrnne«, was dar« beitrügt, de« Erntesege« gut «nter Dach iw bringen. Eine Bauernregel sagt: Gut gesät, ist schon halb geerntet. Aber gut geerntet, das ist die Krone des Werkes. Jeder Landwirth weiß: Der gute Erfolg seiner mühevollen Thätigkeit hängt von den Maßregeln ab, die er trifft, um seinen Zweck zu erreichen. Das bezieht sich in allererster Linie auf die Einbringung der Getreideernte, weil gute oder schlechte Witterung tief einschneidet. Die Witterung ist sozusagen die höchste und letzte Instanz, welche entscheidet: ob die landwtrthschaftlichen Producte von guter, mittlerer ober schlechter Qualität sein werden. Wenn daher die Witterung eine ausschreitende, unberechenbare ist, (wie dies seit einigen Jahren der Fall), dann muß der Bauer doppelt auf der Hut sein, er darf nichts dem Zufall überlassen, er muß stets mobil gemacht haben, um jeden Moment seine Truppen an die meist bedrohten Punkte beordern zu können. In erster Linie ist der richtige Zeitpunkt für die Korner- i ernte zu bestimmen. Erfolgt die Ernte z« früh, ehe die Körner völlig ausgebildet sind, dann schrumpfen sie zusammen, wenn sie trocknen; die Frucht erhält ein verhutzeltes, schlechtes Aussehen, das Mehl Leidet darunter und der Kaufliebhaber zahlt bedeutend weniger, als für richtig ausgeretfte, regelrecht getrocknete Früchte. Geschieht das Abmähen der Halmfrüchte z« spät, so risktrt man das Ausfallen der Körner und die Mtnderwerthigkeit des Strohes, was folglich ebenso nachtheilig ist, wie das zu frühe Mähen. Wir wollen uns daher über die drei Stadien: Milchreife, Gelbreife und Bollreife etwas näher aussprechen. Bet der sogen. Milchreife sind die Körner wohl schon vollkommen ausgebildet, aber man bemerkt an den oberen Halmtheilen und den Blattscheiden noch eine grünliche Färbung. Nimmt man eine Aehre heraus und enthülst die Körner, so ergibt sich, daß auch Letztere noch an den Längsfurchen und dem Rücken einen grünen Schimmer haben. Zerschneidet man die Körner, so ergibt sich, daß der Inhalt noch eine milchige Beschaffenheit hat. Die Bildung und Ablagerung des Stärkemehls ist also noch nicht weit genug vorgeschritten und man sagt, der Kern ist Milchreis, weil eben der Inhalt noch milchig erscheint. So lange das Getreide nicht weiter in der Reife vorgeschritten ist als bis zur Milchreife, soll man mit dem Abmachen noch nicht beginnen, weil das Nachreifen nicht zur völligen Ausbildung des Kernes genügt, wie wir oben angedeutet haben. Der Landwirth schadet sich empfindlich, wenn er zu frühe erntet. Der richtige Zeitpunkt zum Getreidemähen ist der Zustand der Gelbreife. Dieses Stadium erkennt man leicht, wenn man beim Untersuchen des Halmes und der Aehre darauf achtet, ob die grünliche Färbung verschwunden ist. Die Körner sind nun schon ziemlich fest geworden, sie lassen sich aber noch zusammendrücken und zerschneiden. Der Inhalt ist nicht mehr milchig, sondern mehlartig ausgebildet. Man kann den Kern aber noch über den Nagel brechen. — Im Zustande der Gelbreife sollte man die Körnerfrüchte allgemein abmähen. Was noch nicht ganz reif ist, wird durch die Nachreife vollendet. Die Nachreife geschieht dadurch, daß das in dem Kern befindliche Wasser nach und nach verdunstet. Diese Verdunstung geschieht, einerlei ob das Korn noch auf dem Halme steht ober ob letz lerer abgeschnttten am Boben liegt. Das Ansehen bes Kernes, sowohl von außen wie von innen ist ein gutes, der Käufer wird also nicht abgeschreckt. Das Stroh ist im Zustande der Gelbreife ebenfalls werthvoller als bei der zu späten tobten ober Vollreife. Ein anberer Punkt in Betreff ber Gelbreife bebarf noch der Erwähnung. Geschieht die Ernte zu frühe, also im Zustande der Milchreife, dann ist z« befürchte«, daß die Keimkraft des Kernes «och «icht hinreichend ausgebildet ist. Wer solche Früchte als Saematerial verwendet, der rtskirt, daß nur sehr wenig Körner ausgehen, er setzt also eine ganze Ernte aufs Spiel. Es bleiben nun noch einige Worte über den Zustand der Vollreife, auch tobte Reife genannt, zu sagen. Wenn heißes, trockenes Wetter eintrttt, so folgt auf bie Gelbreife nach wenige« Tage« die todte oder Bottreife. Die Fruchtkörner sind durch die starke Hitze völlig ausgetrocknet und ganz hart geworden, sie lassen sich also nicht mehr über den Nagel brechen und krachen, wenn man sie zerbeißt. Die Körner sitzen auch nicht mehr fest in den Aehren, sondern fallen beim Mähen oder Schneiden, besonders aber beim Binden und Auflaben der Garben massenhaft aus. Grabe bie gesünbesten unb werthvollsten Körner fallen aus, weil biefe am meisten in ber Reife fortgeschritten find unb baher am leichtesten in ben Hülsen sitzen. Der Kömerverlust kann ein sehr bebeutenber fein, währenb die Qualität der Früchte durch die tobte Reife nicht im Geringsten gewinnt. Aber nicht blos bie Körner, auch das Stroh verliert bei der lleberretfe. Bei Gelbreife ist der Halm noch in der oberen Hälfte saftig unb zähe, es ist bemnach zu Setlstroh unb Fütterungszwecken viel geeigneter, als überreifes Stroh, welches leicht bricht, schwer verdaulich ist, denn es besteht ja fast aus reinster Holzfaser, unb auch deshalb von dem Vieh ungern angenommen wird. .Es folgt daraus, daß die tobte ober Ue&erveife ihre großen Nachtheile ‘bat. Was wir hier vorführten, gilt ebenso gut für die kleinste wie für die größte Oeconomie. Nach unseren, mehr als dreißigjährigen Erfahrungen empfiehlt es sich: lieber ein wenig zu früh, als zu spät anzufangen, denn zuletzt drängt sich alles zusammen. Die Arbeiten sind bann gar nicht wehr zu bezwingen unb starke Verluste finb unvermeiblich. Eine Ausnahme giebt es aber doch auch hier und diese soll gebührend hervorgehoben werden. Wenn Klima unb Boben bes Gutes so beschaffen finb, baß z. B. hochfeine Braugerste gebaut werben kann, bann schneibet man biefe erst in der Vollreife, damit man sie nur kurze Zeit auf dem Felde liegen zu lassen braucht, auf baß der Kern in seiner Farbe nicht geschädigt wird. Der Schaden durch den Körnerausfall wird durch den höheren Preis der schönen Waare wieder ersetzt. Citeratur ttttfr Ktuift. — Der zweite Quartalband der beliebten Zeitschrift »Mrrsi- kalifche Jngendpost", welche von der Verlagshandlung Earl Grüninger in Stuttgart soeben verausgabt wird, bietet für den Betrag von 1 Mk. einen so reichen, gediegenen, zum Theil von erster Künftlerhand illustrtrten Stoff von Erzählungen, Humoresken, Gedichten, Anecdoten, Räthseln unb musikalischen Theaterstücken, die sich zur Ausführung bei Familienfesten hervorragend eignen, daß es kein Wunder ist, wenn Deutschlands musikalische Jugend sich dieses Blatt als Lieblingslectüre erwählt. — Ei« neuer, Kürschner"! Unlängst erst hat der rühmlichst bekannte Autor, dessen Name in aller Welt sofort den Begriff Lexikon weckt, fein höchst originelles Miniaturnachschlagebuch „Der neue Reichstag" (Preis 40 Pfennig), geschaffen und damit, sans Phrase, eine wirkliche Lücke im Bestand jener Hilfsbücher ausgefüllt, die zum vollkommenen Verständniß unserer innerpolitischen Entwicklung unentbehrlich sind. Heute bietet er bereits wieder etwas Neues in ähnlicher Form und wieder etwas ebenso eminent Praktisches, das sich mit gleicher Schnelligkeit überall einbürgern wird als richtiger Haus- und Familienschatz. ^Gekrönte Hünpter", diesen Titel tragt'das kleine, elegante, 444 Seiten starke Büchelchen goldgedruckt auf symbolischem Purpurgrund (Preis nur 50 Pfennig). Hier findet sich in kurzen, aber ungemein übersichtlichen und anschaulichen Zugen Alles dargestellt, was die deutschen Fürsten und deren Familien betrifft. Sienit, Sandstein idstemMi I billigen|l| 1 12867li WO tiral i l HeweL • l.U. Leipzig. [4237 Diverse Obligationen Ussiser Capitalien zu bilden, und von dieser Meinung wird es abhängen, welchen SVo Buderus-Obligat. . I Weg die Coursbewegung der nächsten Wochen und Monate einschlagen wird._______I______________________ | I 4o/o Eisenbahn-Rentenb.- I I Obligat. . . . I 103.— I 103.— \ 4608 0 Fr. Seibel Telepho» Sr. 55 L-indenplatz 3 Trlephmi llr. 55 6311 5915] |I. H. 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Das Grundstück liegt unmittelbar an ausgedehnten Waldungen und dicht an einem Braunkohlenbergwerk, welches durch schmalspurige, das Anwesen berührende Bahn mit der V2 St. entfernten Bahnstation (Kreisstadt mit Gymnasium) verbunden werden soll. Näheres unter E. 2359 an Rudolf Stoffe, Die Maschenöier - Aandkung non Daniel Heil. Jeitzevotmes. Gefrorenes in verschiedenen Sorten, sowie Kaffee und Chocolade empfiehlt zu jeder Tageszeit Conditorei Heinr. Kinkel, Marktstraße 32. [5715 Giessen, nj-, J Griinbergerstr. 7. II' Nidda am Bahnhof, u -n H Börfenwochenbericht von E. WasserNciilehen, Bankgeschäft. Es ist Sisyphusarbeit, welche die Börse gegenwärtig zu leisten gezwungen ist. Tag für Tag beginnt sie mit neuen Kräften den Stein die Staffel der Hausse hinaufzuwälzen, und täglich entschlüpft er ihren Händen und rollt zum Ausgangspunkte oder gar weiter hinab. An dieser Coursbewegung ist nicht allein dieTheil- nahmslosigkeit des Publikums Schuld. Es ist offenkundig, daß Baissebestrebungen, die um die Wahl ihrer Mittel nicht verlegen sind, in vielen Fällen den Anlaß geben, welcher die Course von der mühsam erklommenen Höhe wieder hinabwirft, und man könnte vielleicht darüber streiten, welche Partei die größten Anstrengungen macht, die Coursbewegung in die ihr günstige Richtung zu drängen, aber dte That- sache, daß sich das Capital in immer zunehmendem Maße von der Börse zurück- zteht, bleibt doch ein Argument für die Baisse, vor dessen Gewicht alle falschen Gerüchte und Depeschen, die man für die Rückgänge verantwortlich macht, auf die Bedeutung kleinlicher Plänkeleien zurücksinken. Diese Thatsache erst gibt den Bestrebungen der Contremine den Nachdruck, der ihre Erfolge zu dauernden stempelt und auf der Gegenseite die Muthlosigkeit erzeugt, die dem Markt die Widerstandsfähigkeit gegen ungünstige Einwirkungen benimmt. Die Beeinflussung der Course durch Entstellung von Thatsachen, falsche Nachrichten und künstliche Preisnotirungen kann freilich nicht scharf genug verdammt werden. Sie ist aber ein Nebel, gegen welches die Börse schütz- und machtlos ist. In normalen Zeiten wird selten mehr als ein momentaner Eindruck damit erreicht, und die Course pflegen schnell auf den früheren Stand zurückzukehren. Wenn heute nach einem solchen Vorstoß der Tiefpunkt das bleibende Niveau bildet, um welches die Course osctlliren, so beweist das nur, wie kraftlos die Börse ist und wie tief die Hoffnung auf eine günstige Wendung der Dinge gesunken ist. Daß dieser Pessimismus über das Ziel hinaus- schteßt und auf einzelnen Gebieten einen Coursstand erzeugt, der mit den thatsäch- ltchen Verhältnissen nicht mehr im Einklang steht, ist freilich ebenso gewiß, als vorauszusehen war, daß die Ueberspeculation des Jahres 1889 in einem Rückschlag enden mußte. Aber während damals die Börsenverhältnisse selbst die Abwicklung erzwangen, kann heute ein Umschwung nur von außen in die Börse hineingetragen werden, und der Zeitpunkt, zu welchem dies eintreffen wird, ist nicht nur abbängig von der Zeit, welche nöthig ist, um ein etwaiges Uebermaß neugeschaffner Werthe zu ab- forbiren, er richtet sich auch nach dem Grad der Enttäuschung, welche das Publikum erlitten hat, und daß dieser vorerst noch im Zunehmen begriffen ist, darüber kann ein Zweifel nicht obwalten. Die Contremine findet verschiedene Angriffspunkte, in welchen sie stets von Neuem den Hebel einsetzt und die Course mit Erfolg zurückwirft. Das ist vornehmlich die Angelegenheit des Bochumer Vereins. Die Betheiligung in Savona Hal in der Vorwoche ihre Wirkung geübt, in dieser Woche mußte die Betheiligung in Sevilla zum gleichen Zwecke dienen. Aber während die Lage von Tardy und Beneck in der That so mißlich ist, wie die Börse sie darstellt, hat der Uebereifer der Speculation der spanischen Firma Verlegenheiten angedichtet, welche nicht existiren. Auch bezüglich der schwebenden Untersuchung über die angebliche Stempelfälschung kommen ständig Gerüchte in Umlauf, die geeignet sind, die Meinung zu erwecken, daß die Angelegenheit eine für den Verein ungünstige Entwickelung nehme, aber wie die erste, so scheint auch diese Meldung gänzlich auf Erfindung zu beruhen. Die Staatsbahnverwaltung ist dem schwer bedrängten Verein vielleicht nicht ohne Absicht in den letzten Tagen zu Hülfe gekommen, indem sie einen Posten Eisenbahn- axen, die sonst getheilt vergeben zu werden pflegen, dem Verein allein zugeschlagen und damit öffentlich documentirt hat, daß derselbe das Vertrauen in ungeminderter Weise genießt. Zu guter Stunde ist gleichzeitig die Entscheidung des Reichsgerichts hinzugekommen, welche dem Verein gestattet, einen Theil seiner Reserven, die sonst nur zur Deckung von Bilanzverlusten verwendet werden könnten, zu besonderem Zwecke abzuzweigen, und beide Momente haben es vermocht, daß den Ausstreuungen zum Theil wenigstens ihre verderbliche Wirkung genommen wurde, und daß der Cours der Actie wieder eine aufsteigende Richtung einschlagen konnte. Aber während in der Vorwoche die Zahlungseinstellung in Savona einen tiefen Coursdruck aller Gebiete herbeiführte, hat die Besserung die übrigen Werthe nicht berührt und wird kaum dem engen Kreis der Montanwerthe eine geringe Stütze geben können. Für Kohlenactien war die Meinung von Beginn der Woche an nicht ungünstig, aber die Batssemeinung, die ihre Haupfftütze in Berlin findet, scheint nicht geneigt zu fein, Besserungen aufkommen zu lassen, und sie hat es verstanden, auch hier derselben einen Damm zu setzen, freilich nur abermals unter Anwendung verwerflicher Mittel, indem sie mit falschen Notizen von Kohlenpreisen opedrte und alte, bereits in Vergessenheit gerathene Thatsachen ams Neue ihren Zwecken dienstbar zu machen wußte. Der Punkt aber, in dem der Streit der Interessen am heftigsten einsetzt, und die Baissiers am geschäftigsten sind mit Nachrichten, die sich gänzlich der Controlle entziehen, die Tendenz zu beeinflussen, das sind die russischen Ernteaussichten. Die Angaben über diesen Punkt sind die denkbar widersprechendsten. Nach Analogie der vorbesprochenen Fälle wird man aber gut thun, alle Meldungen mit der größten Vorsicht aufzunehmen. Die Darstellungen sind offenbar von lieber; treibungen nicht frei, und diese werden auch nicht ausbleiben, wenn das Tempo, in welchem die russische Valuta sich abwärts bewegt, beibehalten wird. Es ist kaum denkbar, daß in einem der wichtigsten Exportländer für Getreide die Ernte derartig ungünstig ausfallen könnte, daß das Land nicht nur seinen Erport einstellen, sondern sogar zur Deckung des eigenen Bedarfs auf Einfuhr von Außen her angewiesen sein sollte. Grabdenkmäler^ j: | > Marmor,Granit,Hi 11 Deutschen Vereins- HonMll* offerire, so lange Vorrath, ckMk. 17,50 pr. 100 Pfd. Eine empfindliche Enttäuschung bereitet der Börse die Lage des Geldmarktes. Der Rückfluß des Geldes, auf den man mit Sicherheit rechnete, ist bisher aus- aeblieben. Er zeigt sich zwar in den Ziffern des Bankausweises, aber im offenen Markt ist Geld knapp und theurer, als der Stand des Prtoatdisconts vermuthen läßt. Die Erscheinung hängt offenbar zusammen mit der Einzahlung auf die dret- procentigen Anleihen, wie denn auch diese am empfindlichsten davon getroffen wurden. Ein endgültiges Urtheil zu fällen, mag bei der Kürze der seit dem Quartalstermin verflossenen Zeit gewagt sein, aber der Punkt verdient die eminenteste Aufmerksamkeit. Er wirb das Material bieten, eine ziemlich zuverlässige Meinung Über den Vorrath Fettlaugenmehl (Seifknmkhl, Seiftnpulver), per Pfd. 18 Pfa., 10 Pfd. für Mk. 1.60, 25 Pfd. für Mk. 3.75 'fferirt [6312 Fr. Seibel. empfiehlt: Bier der AMen-Brauerei Gießen: Lagerbier, bellfarbig (Wiener Brauart) per Flasche 18 bo. dunkelfarbig (Bayr. Brauart) „ „ 20 „ Äxportbier, hellfarbig (Wiener Braaart) „ „ 23 „ _____Jades Quantum frei inte Haua 4637 Fertige Betten ‘ÄÄ ®ut gebrannte Russensteme plet, ä JL 145t—, zu verkaufen- [6067 können stets abgefahren werden. [5749 Crystall-Mock-Eis (reifstes Natiareis) in crystallklaren Blöcken von 100 bis 150 Pfund, außerordentlich kühlfähig, offerirt BeiSiefenmfi für des ganzen Sommer zu äußerst billigem Die einzelnen Marktgebiete stagniren bis auf die bereits besprochenen fast vollkommen. Banken bewegen sich nur um Bruchthelle eines Procentes auf und ab. Im Allgemeinen ergiebt sich gegen die Vorwoche eine leichte Befestigung des Niveaus, aber so geringfügig, daß es nicht verlohnt, die einzelnen Daten aufzuzählen. Bahnen sind etwas lebhafter, vornehmlich weil Wien fest bleibt und man sich dort mit Conversionsprojecten für einzelne Prioritäten trägt. Aus diesem Grunde gewannen Buschtherader 5 und Fünskirchen-Barcser 6 fl. Staatsbahn und Lombarden bewegten sich in bedeutungslosen Schwankungen. Schweizer Bahnen fielen nach kurzer Besserung auf ihr vorwöchentliches tiefes Niveau zurück. Auch die Veränderungen im-Rentenmarkt sind ohne Belang. Portugiesen und Spanier wurden vorübergehend gedrückt, angeblich auf Executionen in Paris. Oesterreichifche Renten zogen um Kleinigkeiten an, aber bei Wochenschluß sind die Course wieder saft unverändert. Strohhüte für Herren und Knaben, Sonnenschirme , für Damen und Herren in neuesten Fayons zu biß. Preisen bei Heinrich Repp, 5829 Lindenplatz 5. Möbe! werden stets angefertigt und aufpolirt . Friedrich Weber, Schreiner, 6175_________Sandgaffe 47.____________ 5911] Zum Bezug von Steinkohlen in Waggons und in Fuhren empfiehlt sich Carl Hensel, Wallthorstraße. la. Kernseife, per Pfund 28 Pfg., 10 Pfund. . Mk. 2,75 25 „ . . „ 6,75 empfiehlt II. F. Nassauer, 5487] Neuenweg 15. 7009] Größere Eichenholzbestänbe, welche vorzugsweise für Eisenbahnschwellen geeignetes Material liefern, werden in Eigenthum oder zum Abtrieb gekauft. Offerten von Behörden oder Privaten nehmen Haasenstein n. Vogler, A.G., Frankfurt a. M. sub 8. 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III 98.65 97.90 Eis enbahu-Prioritäte«. 40/v Psälz. Ludwigsbahn 5% Südbahn Lombarden 103.45 104.20 (Bexbach) . . . 101.40 101.50 4o/o do. do. 97.15 97.20 „ Hessische Ludwigsb. 3% do. do. 65.25 64.95 68/69 garant. . 101.85 101.70 4% Prag-Duxer Gold . 99.55 99 60 „ Elisabethb. steuerfrei „ Rudolf Gold (Salzk.) 100.10 10 '.45 Gold .... 160.20 100.20 „ Franz-Josef Silber — - — 50/0 Oestr. Staatsbahn. 105.50 105.90 3% staatl. garant. Jtal. 40/0 do. do. 100.— 100.— Eisenbahn . . 56.55 56 55 3% do. do. 30/0 Livorneser . . . 63.75 63.90 I.—vm.Emiff. 83.70 84.20 4o/o Russ. Südw Eisenb. 96 35 96.50 30/0 do. Ergänzungsnetz 5o/o Nordweftbahn Gold 81.20 107.40 81.90 106.50 4F/g Wladikawkas garnt. 40/0 gar. Sardin.Sec.ftfr. 96 15 81.50 96.40 81.40 Eisenbahn-Aetten. 1 Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. 225.— 225.50 Galiz CarlLudw.-B.-Act. 183.20 184.75 115.20 114.50 Oest. Nordw.-Bahn ßtt.B. 187.50 185.90 Pfälzische Nordbahn . 114.45 114.50 Gotthardt..... 135.70 135.— Lübeck-Büchner . . . 156.40 155.— Jtal. Mittelmeer . . 101.20 100.10 Bank Aette«. Deutsche Retchsbarck . Berlin. Handelsgesellsch. 144.90 145.— Dresdmer Bank. . . 138.30 139.0> 134.50 135.80 Mitteldeutsche Creditb. . 103.40 103.20 Deutsche Bank . . . 150.— 152.— Wiener Bank-Verein . 975/8 97.— T ''tscheGenossenschftsb. Württemb. Vereinsbank 125.— 124.80 v mergel,ParristusLCo. 122.30 122.30 Deutsche Vereinsbank . 108.75 108.— Industrie-Aetien. Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) 164.30 164.60 Deutsche Verlagsanstalt 208.75 207.65 134.80 134.90 Farbwerke,vorm.Meister, Bad. Anilin- u. Soda- Lucius & Brüning. 279.60 283.50 fabrik .... 274.— 274.90 Riebeck'scheMontanwerke 172.10 172.90 Hibernia Bergw.-Ges. . 159.45 159 90 Bochumer Gutzftahl 100.50 104.80 Pfandbriefe. 40/0 Franks. Hyp.-Pfdbr. 4o/gDeutscheGrundschld.- v. 91 ab . . . 102.— 102.— Bk.-Psandbr. . 100.80 101.— 3Vu0/sFrnkf.Hyp.-Pfdbr. 95.50 95.50 3V2Vo do...... 95.2" 95.20 4o/oPreuß.Hup.-Act.-Bk^ Pfandbr. . . . 101.40 101.50 3»/a/o Rhein.Hyp.-Bank- Pfandbr. . . . 93.20 93.60 3V8°/o do...... 40/0 Preutz. Centr.-Bod.- Creo.-Pfandbr. bis 95 30 95.30 4°/, Meininger Pfandbr. 101.50 101.50 1885 ..... 100.90 100.90 Loose. Oestr. 1860rfl.500-Loose 124.50 124.30 Braunschweig. 20 Thlr.- „ 1854rfl.250- „ 120.90 119.30 Loose .... 104.75 104.15 40/0 Meininger Prämien- 3% Oldenburger Loose . 128.30 127.50 Pfandbr. . . . 127.50 127.70 3V,o/oKöln-MtndnLoose 133.80 134.50 «m