Ur. 133 Freitag den 12. Zum 1891 Gießener Anzeiger Kenerat-Unzeiger K«r»^echer 61. Äebaction, fc^ebWee tmb Druckerei: Wt Meßmer tarn Anzeiger «ÄHmNich bretmal h«ißele,t. 'jttM»Sureaux beS I«. und UuSKmbeS netz»« Lag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. j ^0111111^10lUUer. \ Anzeigen für den .Gießener Anzeiger- entgeg«. I I!! I! . ™7AH!™T.'■."' —.. ._ ' Illi . . 2lmtUd?$r Thsil. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß die Ankäufe von Heu, sowie Roggen- und Haferstroh für das Magazin des Königl. Proviantamtes Bockenheim gleich nach Beginn 'der Heu- bezw. Roggen- und Hafer-Ernte ausgenommen werden. Zur Ertheilung jeder schriftlichen oder mündlichen Auskunft über Preis- und Qualitätsverhältniffe ist das Königliche Proviantamt Bockenheim bereit. Gießen, 10. Juni 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Gag er n. Gießen, 10. Juni 1891. Betr.: Die Auszahlung der Werths- und Schadensersatzbeträge in Feldstrassachen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Gemeinde-Einnehmer deS Kreises. Seitens Großh. Ministeriums der Finanzen ist, um die Verhältnisse der rubricirten Auszahlung zu verbessern, bestimmt worden, daß die Werths- und Schadensersatzbeträge aus allen 6 Perioden eines Jahres in einer Zahlungsliste zu berechnen sind. Danach wird sich das Guthaben jedes einzelnen Empfangsberechtigten in einer Summe darstellen und für das ganze Jahr immer nur eine Quittung auszustellen sein. Diese Einrichtung wird im Herbst 1892 für die 6 Perioden des Etatsjahres 1891/92 zum ersten Male zum Vollzug kommen. Die Großh. Bürgermeistereien wollen den Gemeinde-Einnehmern durch Mittheilung des Anzeigers von dieser Verfügung noch besonders Kenntniß geben. v. Gagern. Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 10. Juni. Vierte evangelische Landessynode. Die heutige Schlußsitzung der Synode wird mit der Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe und Berichtsanzeigen eröffnet. Zunächst gelangt das Gesuch der in Gießen wohnhaften Wittwen von evangelischen Geistlichen um Aufbesserung ihrerWittwenpension zur Berathung. Von Seiten des Ausschusses wird das Gesuch ablehnend beschieden. Von dem Abg. Brand-Mainz ■ wird zunächst darauf hingewiesen, wie die Wittwenkasse zu i reorganisier: sei, um sie vor dem Zurückgehen in ihrem Ver- \ mögensftande zu bewahren. Ersparnisse könnten dadurch gemacht werden, daß die Verwaltung, resp. die Rechnungs- sührung, welche jetzt provinziell gehandhabt werde, in eine Hand, mir dem Sitze des Rechners in Darmstadt, gelegt werde. Dadurch würden bedeutende Ersparnisse gemacht, ! welche man den Wittwen zuweisen könne. Er stellt einen ! diesbezüglichen Antrag in Aussicht. Präsident Goldmann » erwidert hierauf, die Ursache der getrennten Verwaltung der ; Wittwenkasse bestehe in der Entstehung der Kasse selbst. Früher § seien es provinzielle Eifersüchteleien gewesen, welche eine ge- ! trennte Verwaltung nöthig machten. Seitens des Ober-Con- ! sistoriums sei die Vereinigung der drei Provinzialkassen ernst- j lich ins Auge gefaßt worden und auch ein Theil der Geschäfte ; vereinfacht dadurch, daß sämmtliche Einnahmen und Ausgaben ! in der allgemeinen Wittwenkasse verrechnet würden. Daß ; heute eine Centralisirung noch nicht stattgefunden habe, liege i im Interesse der Wittwenkasse selbst. Viele der Gelder der \ Wittwenkasse in Oberhessen seien in Hypotheken angelegt und \ es sei daher gut, in Gießen eine Verwaltung zu haben, um I rechtzeitig einschreiten zu können. Es sei durch die Thätig- j feit des Rechners in Oberhessen, dessen Verwaltung aus- $ gezeichnet sei, herbeigeführt worden, daß die Hypotheken heute J noch zu 4j/2 und 5 pCt. verzinst würden. Ebenso sei dieses • von Rheinhessen der Fall, wo noch sehr viele Hypotheken mit 5 pCt. verzinst werden. Daß es dem Rechner von Darmstadt nicht möglich sei, diese Hypotheken von da aus zu verwalten, liege auf der Hand. Durch die Anlegung der Capi- ? talien in Papieren wäre die Centralisirung wohl zu machen, ! sei aber dann auch mit großen Nachtheilen verknüpft. Herr : Prälat Habicht erklärt, daß in der Synode wohl Niemand ; sei, der nicht ein warmes Herz für die Pfarrerswittwen habe ' und daß es wohl richtig sei, daß man mit einer Pension von ; 850 Mk. nicht hinreichte, um eine Familie zu ernähren. Das - Ober Consistorium habe ja schon lange den Wunsch im Auge gehabt, diese Pensionen zu erhöhen. Allein dieser Wunsch müsse auch jetzt noch unerfüllt bleiben, denn es walte ein gewisser Unstern über der Wittwenkasse. Anstatt daß sich die Zahl der Wittwen allmählich vermindert hätte, sei dieselbe ———■—MBO SGggBlBSlZgEWKEIM ■ lllllll !!—■ I immer größer geworden- wenn eine Wittwe mit Tod abgegangen sei, seien zwei andere Wittwen wieder dagewesen, welche Anspruch an die Kasse erhoben. Außerdem sei eine große Anzahl von Wittwen vorhanden, welche das 70. unb- 80. Jahr überschritten hätten. Es sei nun selbstverständlich, daß man nicht wünschen könne, daß diesen das Leben gekürzt würde zu Gunsten ihrer Mitschwestern, zumal sie sich einer guten Gesundheit erfreuten, allein dies seien lauter Momente, welche vorerst eine Erhöhung dee Wittwengehalte unmöglich machen. Seitens der Synodalen Dr. Diesfenb ach und Weiffenbach wird lebhaft bedauert, daß es nicht in der Macht der Synode liege, den Bittstellern zu entsprechen. Letzterer stellt einen Antrag, daß das Gesuch nur zur Zeit abgelehnt werde. — Die Abgeordneten Müller, Brand und Dieffenbach sprechen gegen diesen Antrag, um den Wittwen gegenüber keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen. Seitens des Abg. Brand ist ein Antrag dahingehend gestellt, das Oberconsistorium zu ersuchen, die Verhältnisse und finanzielle Verwaltung der geistlichen Wittwenkasse mit dem ersten Ausschuß einer Prüfung zu unterziehen und eventuell eine Vereinfachung der Verwaltung herbeizuführen. Der Antrag geht an den ersten Ausschuß. Nach erfolgter Abstimmung gelangt der Antrag des Ausschusses gegen eine Stimme zur Annahme, Der Antrag Weiffenbach wird gegen 4 Stimmen abgelehnt.' — Nunmehr erfolgt nochmals Besprechung der Interpellation Weiffenbach auf Einführung eines allgemeinen deutschen Buß- und Bettages im Deutschen Reiche. Das Ober-Consistorium steht auch heute noch auf demselben Standpunkte, wie es gestern erklärt hat. Beschluß wird keiner gefaßt. — Zum Schluß der heutigen Verhandlung wurden noch folgende Wahlen vorgenommen und zwar zunächst Wahl eines außerordentlichen Ausschusses von sechs Mitgliedern zur Mitwirkung bei der Feststellung eines zu entwerfenden Planes der ander- weiten Regelung der kirchlichen Vermögensverwaltung. Hierzu wurden gewählt die Synodalen Heß, Weber, Kalb H enn, Wahl-Schlitz, Brand und Walter. Als Mitglieder der Commission für den Katechismus-Entwurf für die unirten Gemeinden der Landeskirche werden gewählt die Synodalen Walter, Wiener, Hager, Ree und Schäfer. — Hiermit ist die Thätigkeit der Synode beendigt. — Ein kurzes Gebet des Synodalen Kalb Henn beschließt die Sitzung. — Im Herbste tritt die Synode voraussichtlich nochmals zusammen. F-nMston. Dkr Kuß. Erjählur.g von I. Piorkowska. (Nachdruck verboten.) I. Kaum acht Monate waren nach dem Tode von Rosis Mutter vergangen, kaum fühlte ihr dreizehnjähriges ver- tvaisteS Töchterchen sich im Hause ihrer Tante, die das elternlose Kind als Hausgenossin zu sich genommen, einigermaßen heimisch, als sich eines Abends eine große geladene Gesellschaft daselbst zusammenfand. Das that dem noch immer liefbckümmerlen Kindesherzen unendlich weh. Was aber konnte das Kind dagegen rhun? Nichts, als ihre Tante Litten, der frohen Menge sernbleiben zu dürfen. So weilte sie allein in ihrem Zimmer. Während Musik und frohes Lachen aus den Gesellschaftsräumen nur gedämpft zu ihr heraufklangen, stand sie am offenen Fenster, ließ sich von der kühlen Herbstluft fächeln und schaute ernsten, traurigen Blickes in die Ferne, der treuen Mutter gedenkend. Wie einsam, wie verlassen fühlte sie sich, seitdem sie dieselbe verloren hatte! Ihre Tante war eine kalte, egoistische Natur, ihre Cousinen, beide schon erwachsene junge Damen, hatten kein Berständniß für die Gefühle und Empfindungen der armen, elternlosen Waise. Da that sich unter Rosis Fenster die Balkonthüre auf und die Unterhaltung der beiden Heraustretenden weckre sie aus ihrem trüben Sinnen. „Wo ist eigentlich Ihre kleine Cousine?" hörte sie eine wohlbekannte Stimme fragen. Es war Herr von Ensbach, ein seiner, junger und reicher Mann, den Tante Marie vor allen anderen jungen Männern besonders auszeichnete, und für den Cousine Martha stets ihr liebenswürdigstes Lächeln hatte. Auch jetzt war es ihre Stimme, welche Herrn v. Ensbach antwortete. „Sie meinen Rosi?" erwiderte sie in geringschätzendem .Tone, „das thörichte Ding erklärt uns für kalt und herzlos, , weil wir endlich wieder einmal frohe Gäste in unserem Hause haben wollten- sie weigerte sich ganz entschieden, Theil an der Gesellschaft zu nehmen, und hat sich in ihr Zimmer eingeschlossen. Tante ist ja seit bald einem Jahre tobt, wir können ihrethalben doch nicht unser ganzes Leben wie die Nonnen vertrauern." Ohne etwas zu erwidern, hob Ensbach den Kopf und schaute unwillkürlich nach dem Fenster, das, wie er wußte, zu Rosis Zimmer gehörte. Diese trat zwar rasch zurück, doch nicht schnell genug, als daß Jener nicht noch einen Moment ihr thränenseuchtes Gesicht bemerkt hätte. Als eine Stunde später Rosi aus dem Garten zurückkehrte, wo sie auf Wunsch ihrer Tante geholfen hatte, den Theetisch für die Gäste zurecht zu machen, trat ihr, wie sie durch die Seitenthür unbemerkt wieder in das Haus schlüpfen wollte, Ensbach entgegen. „Halt, meine Kleine!" rief er, indem er sie an der Hand festhielt und ihr freundlich in die blauen Augen sah, „so darfst Du mir nicht entgehen! Vorerst will ich wissen, warum Du geweint hast." „Meine Cousine hat es Ihnen ja schon gesagt," erwiderte die Gefragte lakonisch. „Sie sollten mich aber darum nicht verspotten," setzte sie fast vorwurfsvoll hinzu. „Dich verspotten?" wiederholte Ensbach ernsten Tones, „im Gegentheil, Kind, ich kann Dir nur Recht darin geben, daß der Kummer um Deine Mutter noch zu neu ist, um Freude an Lustbarkeiten haben zu können. Glaube mir, ich fühle aufrichtig mit Dir." Bei diesen Worten beugte er sich zu dem Kinde nieder und drückte einen Kuß auf seine Stirn. „Rosi," fuhr er in herzlichem Tone fort, „in wenigen Wochen verlasse ich L . . . aus mehrere Jahre, wenn ich dann zurückkomme, bist Du inzwischen eine junge Dame geworden." „Leider!" seufzte sie. „Leider?" wiederholte er lächelnd. „Ja," nickte sie, „ich mag die jungen Damen nicht leiden- die denken an nichts anderes, die reden von nichts anderem, als von Putz und Staat, von Männern, Bällen und Theater, und gegen mich sind sie stets kurz und unfreundlich, wie kein anderer Mensch sonst." I „Meinst Du, daß alle jungen Damen so sind, wie Du sie da schilderst?" sprach Ensbach und sah das Mädchen dabei halb ernst, halb mitleidig an. „Das . . . das weiß ich nicht," versetzte sie, „meine Cousinen wenigstens sind so, und andere junge Damen kenne ich nicht." „Und Deine Mutter, Rosi? — die war auch einst jung: glaubst Du, daß sie ebenso gewesen ist?" „O nein, nein!" stieß das Mädchen jetzt hastig hervor, indem sich dunkle Röthe der Entrüstung über sich selbst über ihre zarten Züge ergoß, „meine Mutter muß stets so edel und gut gewesen sein, wie ich sie kannte." ,,^o suche, es ihr gleichzuthun — willst Du das?" „Ich will es versuchen," -hauchte Rosi mir zu Boden gesenktem Blick. „Um Deinet- und auch um meinetwillen, Kind, hoffe ich, wird es Dir gelingen," entgegnete Ensbach in fast feierlichem Tone. „Und jetzt muß ich Dich verlassen- willst Du mir keinen Abschiedskuß geben?" Und wie er sich zu ihr niederbog, drückte sie in kindlicher Unschuld ihre Lippen auf die seinen. //Du bist ein kleines, wunderliches Geschöpf," lachte Ensbach, als seine Augen dann noch einen Moment auf ihrem traurigen Gesichtchen ruhten. „Was würdest Du mir I wohl antworten, wenn ich Dich jetzt fragte, ob Du mich I lieb hast?" „Die Wahrheit," versetzte das Kind ohne Bedenken. „Dann will ich Dir lieber die Verlegenheit dieser Antwort ersparen," fuhr Jener fort, „aber sag, Rosi, wirst Du mir auch einen Kuß geben, wenn ich zurückkehre?" Dte Gefragte nickte. „Bedenke aber wohl, daß Du dann eine junge Dame bist." „Trotzdem aber werde ich noch dieselbe sein." „Das hoffe und wünsche ich," sprach Ensbach, „ich werde Dich an Dein Versprechen erinnern. Vergiß auch Du es nicht. Und nun lebe wohl!" Damit wandte er sich dem Garten zu, wo die Gesellschaft jetzt plaudernd einherpromenirte, während die kleine Rosi in ihr einsames Zimmer zurückkehrte. (Fortsetzung folgt.) Berlin, 10. Juni. Das officielle Programm für den im nächsten Monat bevorstehenden Besuch des deutschen Kaiserpaares in England ist nunmehr festgestellt worden. Hiernach treffen die Majestäten, von Holland kommend, am 4. Juli in Port Victoria ein und wohnen am nächsten Tage dem Hochzeitsseste der Prinzessin Luise von Schleswig-Holstein im Schloß Windsor bei. Am 6. Juli findet in Windsor die silberne Hochzeitsseier des Prinzen Christian von Schleswig-Holstein und im Anschluß hieran Gartenfest im Cumberland Lodge bei. Am 8. Juli begibt sich das Kaiserpaar nach dem Buckingham-Palast in London und wohnt Abends einer Aufführung in der italienischen Oper bei. 9. Juli Gartenfest im Marlbouroughouse, Abends Singaufführung in der Londoner Alberthalle. 10. Juli officieller Besuch des Kaisers in der Londoner City (Altstadt) und Frühstück desselben im Mansion-House. 11. Juli Frühstück des Kaiserpaares beim deutschen Botschafter, Abends Besuch im Crystallpalaste. 12. Juli Erscheinen der Kaiserlichen Gäste in der Marine-Ausstellung. 13. Juli vermuth- lich Heimreise nach Deutschland. Berlin, 9. Juni. Die von freisinniger und socialdemokratischer Seite eingeleitete Agitation gegen die G etr eid e z öll e hat bis jetzt noch keine weitere Kundgebung der preußischen Regierung gezeitigt. Ob dies überhaupt geschehen wird, steht noch dahin ,- allerdings soll die Regierung nach den Behauptungen verschiedener Blätter geneigt fein, dem freisinnigen Anträge auf Mittheilung des über die Getreidezölle gesammelten Materials im Abgeordnetenhause zu entsprechen und dann würde wohl eine nochmalige Regierungserklärung in Sachen der Getreidezölle zu erwarten sein. Indessen ist es noch keineswegs gewiß, ob die Regierung auch wirklich dem erwähnten Anträge Folge zu geben gedenkt aini) im Uebrigen würde angesichts der bekannten Erklärung Herrn v. Caprivis auch von einer nochmaligen Getreidezoll- debatie keine Aenderung in den Entschließungen der Regierung zu gewärtigen sein, wie eine solche ebensowenig durch die jetzige Agitation gegen die Getreidezölle erfolgen dürste. Die Hauptsache ist und bleibt, daß die Seitens des preußischen Ministerpräsidenten geäußerten zuversichtlichen Erwartungen einer Besserung auf dem deutschen Getreidemarkte baldigst in Erfüllung gehen. Einstweilen freilich bekunden die Brodpreise noch immer eine steigende Tendenz, was in weiten Voltskreisen fortgesetzt hart genug empfunden wird. Ausland. Paris, 9. Juni. In vergangener Nacht explodirte eine Dynamitpatrone vor dem Polizei-Commissariat von La- vallois-Perret. Die Fensterscheiben des Commissariats und einiger benachbarter Häuser wurden zertrümmert und die Mauer des Commissariats beschädigt, jedoch Niemand verletzt. Man schreibt das Attentat einem Racheact von Anarchisten gegen den Polizeicommissar zu, welcher am 1. Mai eine Anzahl derselben bis Clichy verfolgte, wo der bekannte Tumult entstand. London, 9. Juni. Das Unterhaus nahm in erster Lesung die ganze Bill, betreffend den schulgeldfreien Unterricht, an. Sofia, 9. Juni. Die bulgarische Regierung bot der Pforte ihre Mitwirkung bezüglich des Räuber sang es an und traf Maßnahmen an der Grenze, im Falle die Räuber die rumelische Grenze überschreiten sollten. Neueste Nachrichten Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau. Berlin, 10. Juni. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute eine große Anzahl von Petitionen, darunter eine betreffend die Zulassung ausländischer Arbeiter zur Beschäftigung in der Landwirthschaft. Diese wurde nach dem Anträge des Abgeordneten Czarlinski der Regierung zur Erwägung überwiesen, der Antrag der Commission aus Uebergang zur Tagesordnung aber abgelehnt. Nächste Sitzung morgen. Berathung des Antrages Rickert auf Vorlegung des Materials betreffend die Getreidezölle. Berlin, 10. Juni. Unter gleichzeitiger Bestellung als Kronssyndiken sind, wiö' die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet, außer dem Präsidenten der Reichsbank, Dr. Koch, auch der 'Präsident der Justizprüsungseommission, Stölzel und der Vortragende Rath im Reichspostamte, Prof. Dambach, auf Lebenszeit in das Herrenhaus berufen worden. Berlin, 10. Juni. In der Aufforderung des Handels- ntinisters an dasAeltesteneollegium der Berliner Kaufmannschaft, betreffend eine regelmäßige Berichterstattung über die Lage ^es Getreide Marktes wird hauptsächlich betont, das Kollegium solle berichten über die auf den Lägern befindlichen Mengen Getreide, über die auf Grund erfolgter Abschlüsse nach Berlin zu liefernden Mengen, über die vom Auslande Dorliegenden aber noch nicht angenommenen Offerten, über ’-fcen Marktpreis am Berichtstage, über die allgemeine Lage des Getreidegeschäfts je seit dem letzten Berichte. Die Nachweisungen sollen bis Ende August wöchentlich erfolgen, später am Beginn jeden Monats. Das Collegium ernannte eine engere Commission zur Ausarbeitung der Berichte auf Grund gewissenhafter Prüfung. Potsdam, 10. Juni. Se. Majestät der Kaiser besichtigte heute Vormittag auf dem Bornstedterfelde die zu einer Uebung eingezogene Landwehr des 1. Garde-Regiments zu Fuß und hierauf das 1. und 3. Garde-Ulanen-Regiment. Hieraus erfolgte ein Exerciren im Feuer, wozu zwei Compagnien des Lehr-Jnfanterie-Bataillons zugezogen waren. Ihre Majestät die Kaiserin und Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz zu Pferde und die Prinzen Adalbert und Eitel Friedrich zu Wagen, sowie eine zahlreiche Suite wohnten der Vorstellung bei. Se. Majestät dec Kaiser setzte sich zum Schluß an die Spitze des 3. Garde-Nlaiten-Regiments, führte dasselbe zur Kaserne zurück und nahm hieraus an dein Frühstück im Offiziereasino Theil. Meppen, 10. Juni. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl ist Gerichtsrath Brandenburg-Bersenbrueck (Centrum) zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden. Die Gegenparteien hatten keine Candidaten ausgestellt. Bremen, 10. Juni. Wie authentisch mitgetheilt wird, hat der Norddeutsche Lloyd die Passagepreise nicht ermäßigt. Wien, 10. Juni. Abgeordnetenhaus. Im Specialausschuß für Ausnahmeverordnungen erklärte Graf Taaffe, die Regierung habe nunmehr die Aushebung der Ausnahmeverordnungen für möglich befunden, halte jedoch einen stusen- weisen Uebergang für empfehlenswerth. Deßhalb habe sie die vorläufige Aufrechterhaltung der Ausweisungen beschlossen, um die beunruhigten Elemente noch einige Zeit sernzuhalten. Der Ausschuß nahm einen Antrag des Referenten Freiherrn v. Sammarnga an, wonach das Haus in Folge der bereits stattgehabten theilweisen Aufhebung der Ausnahmeverordnung die Erwartung ausspricht, daß auch der noch aufrecht erhaltene Theil derselben sobald als thunlich aufgehoben wird. Wien, 10. Juni. Das „Fremdenblatt" meldet von in- formirter Seite, Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Italien beabsichtigten, in Handelsvertragsverhandlungen auf Grund einer von jedem einzelnen unterhandelnden Theile festzustellenden Basis einzutreten. Die Unterhandlungen seien für die zweite Hälfte des Juli in Aussicht genommen, das Datum sei aber noch nicht genauer sestgestellt. Florenz, 10. Juni. Der incognito hier weilende serbische Ministerpräsident Pasic wurde in der russischen Kirche mit Georgine Du ko wich getraut. Paris, 10. Juni. Carnot überreichte heute dem Nuntius Rotelli in der Capelle des Elysees seierlichst das Cardinals barret. Der Zeremonie wohnten auch Frau Carnot | und die Minister des Aeußern und der Justiz bei. Paris, 10. Juni. Eine Versammlung von 800 Angestellten der Pferdebahngesellschaften der Nord- und der Südlinie beschloß, sich mit dem Syndieat der Omnibus-Angestellten zu vereinigen, welches den Anschluß an- nahm. Es wurden acht Delcgirte mit der Ausarbeitung eines Programms der Forderungen beauftragt, welche den Com- pagnieen unterbreitet werden. Roubaix, 10. Juni. Durch den Aus st and der Tuchwalker sind Hunderte von Webern gezwungen, mit zu feiern. Dieselben suchten die Vermittelung des Maires nach. Petersburg, 10. Juni. Nach den bisherigen Dispositionen dürfte der Thronfolger gegen den 22. Juli in Uralsk eintreffen, wo er einen viertägigen Aufenthalt nimmt, um dem 300jähr. Jubiläum der Ural-Kosaken beizuwohnen. Von Uralsk begiebt sich der Thronfolger über Samara nach Moskau, wo er zwei Tage zu bleiben gedenkt. Am 3. Tage dürfte er hier sein. Kopenhagen, 10. Juni. Der Physiker und Mitglied der Academie der Wissenschaften Etatsrath Ludwig Lorenz ist gestern 62 Jahre alt gestorben. Belgrad, 10. Juni. Der liberale Parteitag in Pro- kuplje nahm in Uebereinftimmung mit anderen liberalen Versammlungen eine Resolution an, die das Verhalten der Skup- schtina, der Regentschaft und der Regierung in der Ausweisung der Königin Natalie als gesetzwidrig und verfassungswidrig bezeichnet und die Art der Durchführung der Maßregel aufs Schärfste tadelt. Konstantinopel, 10. Juni. Nach der Bekanntgabe der Freilassung der Entführten ließ der Sultan dem deutschen Botschafter Radowitz seine Genugthuung ausdrücken. Der Dragoman Testa dankte dem Sultan Abends für diese Gesinnung. — Der „Franks. Ztg." wird aus Wien berichtet : Der Berliner Kaufmann Israel, welcher heute durch Belgrad reifte, versicherte, die drei letzten Gefangenen von Tfcherkeszkiöi seien gestern sreigelassen worden. Er zeigte auch den in griechischer Sprache geschriebenen Brief, welchen der Bandenchef Athanasios an den Polizeichef Stavrides in Eski-Baba gerichtet hat und der lautet: „Lassen Sie in Konstantinopel wissen, daß derjenige, welcher Lösegeld nach Midiah bringt, seinen Weg am Meeresufer über die Dörfer Skraps, Kuruder und Skeparto machen soll. Er soll ein weißes Roß reiten und am Kopf ein weißes Tuch tragen. Ich will das Lösegeld nicht aus fremden Händen empfangen, sondern der Ueberbringer möge der Mutesariff von Tschaltaki sein, welcher mich fünf Jahre und fünfzehn Monate im dunkelsten Gefängnisse unschuldig gefangen hielt und mich meines gefammten Vermögens von 55 Pfund beraubte. Ich war stets ein ehrlicher Mann — auch mordete ich nicht —, und ich werde auch künftighin ein ehrlicher Mann bleiben. Versuchet iticht, die Gefangenen ohne Geld 'zu befreien; denn wenn ihr dies versuchet, werde ich sie gleich Rindern eigenhändig abschlachten. Sollte man alle meine Genossen festnehmen, so werde ich den Muth dazu haben und mich erschießen. Ich bin es, der dieS schreibt: Athanasios." Diesen Bries brachte ein Mann zur Station, der nicht zur Räuberbande gehörte. Die Zahl der Räuber betrug blos 7 Mann. Dieselben nahmen sämmtliche im Zuge befindlichen Lebensrnittel mit, um die Gefangenen mit europäischer Kost versehen zu können. Athanasios ordnete an, daß für seine Leute sieben Wollhemden, drei Oka Tabak, feinstes Cigarrettenpapier, sechs Revolver, sechs Bernsteinspitzen und sechs Klappmesser gekauft werden und der hiesür entfallende Betrag vom Lösegeld abgezogen werde, was auch geschah. Das Lösegeld war, so lange die Unterhandlungen mit den Räubern dauerten, in KirKilisse beim Consul Mazaraki deponirt. Athanasios richtete auch an ein Konstantinopeler griechisches Blatt einen Brief, in welchem er von der Verkeilung des Lösegeldes spricht und erklärt, daß er sich Fres. 50,000 behalte, seinen Genossen Fres. 90,000 gebe und Frcs. 60,000 den Armen schenke. Er schreibt ferner, man möge ihn nicht suchen, da die Kugeln weder ihn, noch seine Genossen treffen konnten, denn weder er, noch seine Genossen hätten je mit Frauen Bekanntschaft gemacht. Neapel, 11. Juni. Aus einer geöffneten Spalte des Vesuvkegels findet fortwährend Lavaerguß statt; in letzter Nacht trat leichter Aschenregen ein. Es wird ein baldiger großer Ausbruch des Vesuvs erwartet. Liverpool, 11. Juni. Nach Specialmeldungen aus Loanga sind alle französischen Mitglieder der Ende Juli unter Führung Crampels nach Tschadsee abgegangenen Expedition von Eingeborenen getodtet, die Weißen aufgefressen worden. Localer ArovinzieLsr. (Ziehen, 11. Juni. — Löschprobe. Gestern Nachmittag wurde auf Oswalds Garten vor einem zahlreichen Publikum eine Löschprobe mit der Feuerlöschmasse aus der Fabrik der Firma Joseph Bauer zu Wien vorgenommeu. Ein großer, mit Theer und Petroleum getränkter Holzstoß wurde angezündet und brannte alsbald von unten bis oben, eine solche Hitze verbreitend, daß die Zuschauer weit zurückweichen mußten. Einige Männer, welche Gesicht und Hände mit der in Wasser aufgelösten Löschrnaffe bestrichen hatten, traten unbeschädigt dicht an den brennenden Holzstoß und löschten in ganz kurzer Zeit das Feuer vollständig aus, indem sie verschiedene Eimer voll jener Masse aufschütteten. Ein mit der Masse getränktes Bündel Hobelspäne war vor der Anzündung des Holzstoßes oben auf denselben gelegt worden und ward durch das Feuer nicht angegriffen. Es wurde nun eine über mehr als ein Quadratmeter der Erde verbreitete Quantität Theer und Petroleum zur hochaufschlagenden Flamme entzündet. Mit einem Eimer voll Löschrnaffe wurde das Feuer gänzlich getilgt. Eben so gut ging es mit dem Löschen eines Fasses, in welches Theer und Petroleum eingeschüttet waren. — Freiwillige Krankenträger. Nach dem Vorgänge anderer deutscher und ausländischer Universitäten hat sich nun auch hier unter den Studirenden eine „Genossenschaft freiwilliger Krankenträger im Kriege" gebildet. Nachdem jüngst eine größere Versammlung stattgefunden, in der Herr Prof. Dr. Gottschick über Bedeutung und Zweck dieses schonen, patriotischen Unternehmens sprach, hat sich eine so große Zahl von Theilnehmern gemeldet, daß mit dem theoretischen Unterricht durch hiesige Professoren demnächst begonnen werden soll. — Universitätsuachricht. Herr Dr. phil. Finger, ein Sohn des Großh. Staatsministers, beabsichtigt, wie die „D. Ztg." mittheilt, sich demnächst als Privatdocent für Chemie an hiesiger Universität zu habilitiren. — Pommersche Hypotheken-Actien-Bank. Wie ans dem Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. Juli 1891 fälligen Coupons dieser Bank bereits vom 15. Juni c. eingelost. — Circus Braun wird heute Donnerstag Abend seine Eröffnungs-Vorstellung geben. Möge die beifällige Aufnahme, welche derselbe überall gefunden, auch auf hier sich übertragen. — Auf der Tagesordnung der ersten Kammer der Stände^, welche ihre nächste Sitzung Dienstag den 16. Juni, Vormittags 91/2 Uhr, abhält, stehen u. A. folgende Gegenstände: Mittheilung bezüglich der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend Verwendung des ersparten Betrags von 5274 Mark zu baulichen Aenderungen im Anatomiegebäude der Landes-Universität zu. Gießen; desgl. bezüglich der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend Verwendung der Ersparnisse beim Neubau des chemischen Laboratoriums und der Directorwohnung zu Gießen zur Vervollständigung der inneren Einrichtung des Gebäudes; desgl. bezüglich der Vorlage Großherzoglicheu Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend ^Übertragung und Verwendung bewilligter Credite im Betrage von 18 000 Mark, sowie Verwilligung einer weiteren Summe von 58 500 Mark behuss baulicher Herstellungen und Anschaffungen an den neuen medicinischen Instituten an der Landes-Universität zu Gießen. Mittheilung der zweiten Kammer bezüglich der Vorstellung der Stadt Friedberg, Zurückerstattung der für einen Zeichenlehrer an der Realschule und dem mit demselben verbundenen Progymnasium pro 1891 zur Verfügung gestellten 1800 Mark betreffend; desgl. bezüglich der Vorstellung und Bitte der Hilfs- gerichtsschreiber und Aspiranten des Großherzogthums Hessen um definitive Anstellung särnrntlicher Hilfsgcrichtsschreiber und Neuregulirung ihrer Gehaltsverhältnisse; desgl. bezüglich der Vorstellung der Gehilfen bei dem Landgerichten Darmstadt, Mainz und Gießen um Anstellung von je zwei Gehilfen daselbst, sowie nm Gehaltsaufbesserung; desgl. über das Gesuch der Bahnmeister an den Oberhessischen Bahnen um Erhöhung ihres Gehaltes; das Gesuch der Weichenwärter Peter Giar, Karl Freitag und WilMm Horn zu Gießen um Ausbesserung ihres Gehaltes; die Vorstellung und Bitte der Zugführer an den Oberhessischen Bahnen um Erhöhung ihres Gehaltes; die Vorstellung und Bitte der Locomotivsührer an den Oberhessischen Bahnen um Erhöhung ihres Gehaltes; das Gesuch der Taubstummenlehrer zu Friedberg und Bensheim um Ausbesserung ihres Gehaltes; die Vorstellung und Bitte der Großherzoglichen Rechnungs- und Revisionsbeamten an den Oberhessischen Bahnen um Einreihung in die Zahl der übrigen Großherzvglichen Rechnungs- und Revisions- bearnten; das Gesuch des Vereins der seminaristisch gebildeten Lehrer an den höheren Schulen des Großherzogthums^ die GehaltsverhäLtnifse der an den Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen angestellten seminaristisch gebildeten Lehrer betreffend; das Gesuch der Steuerausseher des Großherzogthums um Gehaltserhöhung - das Gesuch der Unterbeamten der Grobherzoglichen Badeanstalt zu Bad-Nauheim und des Grobherzoglichen Braunkohlenbergwerks Ludwigshoffnung bei Melbach um Gehaltserhöhung- desgl. bezüglich der Eingaben der Gemeinden Trais- Horloff, Steinheim und Rodheim wegen Errichtung einer Haltestelle für den Personenverkehr an der Oberhessischen Eisenbahn zwischen Ober-Widdersheim und Hungen bei Trais- Horloff, von dem Abgeordneten Herrn Theobald zum Antrag erhoben. — Der Verbandstag der „Hasfia", welcher am 7. d. M. in Alzey abgehalten wurde, war aus allen Gauen Hessens gut besucht. Zu Ehren der alten Kriegskameraden waren die Straßen prächtig herausgeputzt. Um 10 Uhr begann im Saalbau die Delegirten-Versammlung. Der vom Bezirk Butzbach gestellte Antrag betreffs der Wehrsteuer wurde in folgender, von Herrn Major von Heyl vorgeschlagenen Fassung angenommen: „Im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit ist eine Besteuerung derjenigen Wünschenswerth, die zum activen Heeresdienst nicht herangezogen werden. Die Erträgnisse sollen zur Unterhaltung der Familien der eingezogenen Wehrmänner, Reservisten und Invaliden verwendet werden." Dieser Antrag wird dem Reichstag zugesandt werden. Ferner wurde beschlossen, geeignete Schritte zu thun, daß Se. König!. Hoheit der Grobherzog in der Folge den Präsidenten der „Hassia" ernennen möge (bisher fand nur eine Bestätigung statt). Alsfeld wurde als Ort für die nächstjährige Zusammenkunft bestimmt. Mittags fand Festmahl im Saalbau statt. Vom Grobherzog und dem Prinzen Heinrich trafen Begrüßungs-Telegramme ein, welche mit Jubel ausgenommen wurden. — Wie mitgetheilt wird, hat sich die von der preußischen Staatsbahnverwaltung vor etwa Jahresfrist versuchsweise angeordnete Ausrüstung der Eisenbahn-Personenwagen 4. Klaffe mit Bänken an den Seitenwänden bewährt. Die staatlichen Werkstätten sollen daher bereits damit beschäftigt sein, dieselbe in größerem Umfange zu bewirken, so daß demnächst die meisten Personenzüge, vorzugsweise aber diejenigen, welche lange Fahrten zu machen haben, mit Wagen versehen werden können, welche die beregte Ausstattung besitzen. — Die Staatseisenbahn-Verwaltung geht mit der Absicht um, Einrichtungen zu schaffen, welche dem reisenden Publikum gestatten, an den amtlichen Gepäck-Aufbewahrungsstellen durch dritte Personen Gepäck oder andere Gegenstände zur Abholung niederlegen zu lassen. Diese Einrichtung wird namentlich von Geschäftsleuten lebhaft willkommen geheißen werden, die zu Einkäufen nach der Stadt gekommen sind und die eingekauften Gegenstände durch die einzelnen Geschäfte bei der Gepäck-Aufbewahrungsstelle niederlegen laffen können, um sie beim Abgang des Zuges in Empfang zu nehmen. Aber auch vielen anderen Reisenden wird es sehr erwünscht sein, irgend einen Gegenstand auf dem Bahnhofe für sich abgeben laffen zu können. Die Gebühren, welche die Eifenbahn-Verwaltungen erheben wollen, sollen die gleichen sein wie für die Aufbewahrung von Handgepäck. -r. Rödgen (bei Gießen), 10. Juni. Am 9. ds. Mts. schlug der Blitz in das Wohnhaus desJoh. Ludwig Schneider hier, ohne zu zünden. Der Strahl kam durch das Dach, ging durch das Zimmer einer Wöchnerin, welche mit dem Schrecken glücklicherweise davonkam, fuhr von da in einen im Erdgeschoß liegenden Stall und tödtete daselbst eine Ziege. Vilbel, 9. Juni. Hier ist in letzter Zeit die Diph- theritis so stark aufgetreten, daß die Schulen geschloffen werden mußten. -d. Schotten, 10. Juni. Das neunte Bezirksfest des Bezirks-Krieger-Verbandes Vogelsberg findet Sonntag, den 21. Juni, in Betzenrod statt, verbunden mit der Fahnenweihe des Kriegervereins daselbst. Lingesandt. A Gießen, den 10. Juni 1891. Mit Herannaben der Heuernte begegnet man oft, namentlich in denjenigen Staotthetlen, deren Bewohner noch Landwirthschait betreiben, einer Art Sensenmänner, die an sich zwar harmlose Menschen sind, im Verein mit ihrem Handwerkszeug aber eine gewisse Scheu einflößen. In besonders landwirthschastlich hoch entwickelten Kreisen ist das Tragen unverwahrter Sensen verboten, auch auf dem Lande, obgleich dort weniger Gefahr für die an dieses Geräth Gewöhnten vorhanden ist, als in den engen und belebten Straßen der Stadt. Gehört schon ohnedies viel Vorsicht dazu, z. B. Abends auf dem Wege nach dm Badeanstalten, wegen des dortigen regen Fuhrwerks- und sonstigen Verkehrs, ohne Belästigung durchzukommen, so wird die Gefahr, körperlich Schaden zu nehmen, um die Erntezeit wesentlich erhöht. Einsender weiß sich zwar keines durch das offene Tragen der Sensen herbeigeführten Unfalls zu erinnern, allein es soll auch nicht der Gefahr erst vorgebeugt werden, wenn ein Unglück geschehen ist. Das Tragen un- verwahrter Sensen müßte verboten werden. Es kann dies um fo eher geschehen, als mit dem Verbot keinerlei Belästigung für die Schnitter verbunden ist. Ein Umwickeln der Sensen mit Pack- leinwand oder das Anlegen einer aus Holz geschnitzten Scheide verursachten so wenig Mühe und Kosten, daß es fast unbegreiflich erscheint, wie das Tragen unverwahrter Sensen auf unfein verkehrsreichen Straßen bisher noch geduldet werden konnte.*) *) Im Hinblick auf die bevorstehende Heuernte haben eben die preußischen Regierungsbehörden durch Polizei-Verordnungen folgendes angeordnet: Wenn Sensen auf öffentlichen Wegen oder an öffentlichen Orten getragen werden, muß die Klinge derselben durch einen längs der Scheide zu befestigenden Bügel (sogenannten Sensenschuh) verwahrt sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Geldstrafe bis zu 15 Mark bestraft. Red. ■BMMMBBMMMMBBMMMMMMBBBMWMillliri III UM II ...... (iferatttr mm» Ktinft. — Amerikanische- Eeizzebüchelchc. Zwei Episteln in Versen, von Georg ASmuS, ist der Titel eines geschmackvoll auS- geftatteten, im Verlage von Eduard Heinrich Mayer in Leipzig erschienenen Buches. Das Buch ist in wirklich herzerfrischender Weise geschrieben, bezw. gedichtet, und sollte in keiner Familie fehlen, in der ein wirklich gesunder Humor auch in der Literatur Vertretung finden soll. Was das Merkchen aber besonders für unsere Gegend werthvoll macht, ist seine in rheinisch-frankfurter Mundart gehaltene Schreibweise. „Von einem in Amerika, der, was er aß und trank und sah, und was ihn sonst noch da genirt, seim Ohm nach Hesse rapportirt." Unter diesem Merkspruch führt uns der Verfasser ein in das Leben jenseits des Oceans, schildert er die Eindrücke, die im öffentlichen wie im privaten Leben und Treiben zu einem Vergleiche mit dem alten Vaterlande und der neuen Welt herausfordern. Der „Ohm in Hesse" gibt dem Buche das Geleit in folgenden Versen: „Mei Schwestersohn bat mir geschriewe, wie in Neuyork fichs lebt und treibt, Nu hört emal, was von da driwe nebst Annerm mir der Schlingel schreibt." Und nun geht es an die Beschreibung von „driwe", daß es eine Art hat; Manner und Frauen werden in gleich derber Weise vorgenommen. So schreibt der Verfasser, gewissermaßen als Seitenhieb auf die Temperenzler: „Es gibt hier wie in alle Lanner, am Hudson grad fo wie am Rhei', ganz aufgeklärte Biedermänner, nur trinke se viel Branntewei." Und über die Klagelieder der deutschen Köchinnen: „Die Kälwer hawe Ochseknoche, die Gäns die hätte thranig Fett, in bene Heerd kann mer net koche, wann mer nur deutsche Dippe bett." Daß sich das in dem Werke Niedergeschriebene auf sehr genaue Beobachtungen stützt, geht aus jedem Vers hervor. Das in fünfter Auflage erschienene Werk ist durch jede Buchhandlung zum Preise von 3 Mk. zu beziehen; möge es auch im Kreise unserer Leser recht viele Käufer finden. verkehr, Land- «nd Volksrvlrthschaft. ffriedberg, 9. Juni. Fruchtpreise. Weizen 'X 23.50 bis 24.00, Korn X 21.50-00.00, Gerste X 17.00-17.50, Hafer X 17.50—0000. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 10. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 0.80-1.00, Eier 1 St. 7 H, 2 St. 13 H. Limburg, 10. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 2015, weißer Weizen X 20.—, Korn X 15.80, Gerste X 11.30, Hafer X 7-75. Erbsen —, Kartoffeln —.—. Frankfurt, 10. Juni. Marktpreise. Heu pro 100 Ko- X 5.00-7.10, Stroh X 6.00-6 40, Kartoffeln X -.— bis---, Butter per Pfd. X 0.95—1.10, Eier per St. 5—7 H. Für die Armen zu Hunderttausenden aus Rußland vertriebenen Juden nehme ich meine Zuflucht zu den mildthätigen Herzen unserer Stadt mit der Bitte, mir Geldunterftützungen für dieselben zukommen lassen zu wollen, die ich mit herzlichem Danke entgegennehmen und an das für deren Auswanderung thätige ComM nach Berlin schicken werde. Rabbiner Dr. Levi. Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 11. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 11, Luft IOV2 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Bekanntmachung. In dem Concurfe über das Vermögen des Bierbrauers Johannes Förtsch in Gießen ist das Verfahren auf Antrag des Gemein- fchuldnsrs nach Zustimmung sämmt- licher Gläubiger eingestellt worden. Gießen, den 8. Juni 1891. Großherzogliches Amtsgericht. __________Landm r n n. 5419 Bekanntmachung. Die sämmtlichen Nummersteine von km 100,0 (Cölbe) bis 195,0 (Bocken- yeim) zusammen 950 Stück, sowie dre Bahnwärtergrenzzeichen (etwa 100 (5t.) nebst den zugehörigen Nummertafeln und Nummern sollen neu gestrichen und beschrieben werden. Gefällige Angebote auf die Ausführung der ganzen Arbeit oder einen Theil derselben beliebe man bis zum 25. d M. an den Unterzeichneten einzusenden, von dem auch Angebotsformulare gegen freie Einsendung von 50 Pfg. erhÄt- !ich sind Marburg, den 8. Juni 1891. Königliche Eisenbahn-Bauinspection. Schwamborn. 5407 Verdingung Die Lieferung von 45,4 cbm kiefernen Brückenbalken soll unter Zugrundelegung der in Nr. 295 der Kölnischen Zeitung vom 24. October 1889 veröffentlichten Bedingungen un- getheilt vergeben werden. Verdingungsunterlagen können bei unterzeich- Sr Dienststelle eingefehen, auch gegen attung von 0,75 Mark von dort bezogen werden. Mit entsprechender Aufschrift ver- fehene Angebote sind versiegelt und kostenfrei bis Mittwoch den 24. Juni 1891, Bormitt. 11 Uhr einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 5223 Wetzlar, den 26. Mai 1891. Königliche Ofenbahn-Bau-Jnspection III. Stroh verkauft 5137________Emil Lotz, Kirchenplatz. 5439] Eine Kaute Mist zu verkaufen^ Licherstraße b. Versteigerung. Am Aöller'schen Hause, Gcke der Bahnhofstraße und Neustadt, kommen Samstag den 13. d. von Vormittags 10 Uhr ab: bis zu 3000 große Falzziegel, ein große- Quantum Brennholz, große- Quantum gut erhaltenes Glaserund Schreinerholz, verschiedene gut erhaltene Thü- ren, ein Scheunenthor, Krippen, Sandsteinrinneu und sonstige Bau-Utenfilien zur Versteigerung. 5434 Freitag den 26. Juni, Nachmittags 2^2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben des Georg Franz dritter in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 17 Nr. 275i/160 - 378 Meter Grabgarten am Hamm am Neustadter Thor, Flur 17 Nr. 27«/ioo — 170 Meter Hof- raithe daselbst, Flur 17 Nr. 27”/io0 — 293 Meter Grabgarten daselbst, Flur 17 Nr. 28Vio — 323 Meter Hof- raithe daselbst, Flur 17 Nr. 8a/10 — 373 Meter Grabgarten daselbst und dem MÜHl- wegsgarten öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 7. Juni 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: Bogt. 5231 Montag den 15. Juni, Vormittags 9 Uhr, werden in der früheren Restanration Heil (Eingang Schloßgasse): 1 großer Eisschrank, für Wirthe und Metzger geeignet, sowie 2 große Schaufenster meistbietend versteigert. Im Auftrag: [5432 LoiiiS Rothenberger Gerichtstaxator. ArltzBotenes. Nauheimer Mesch bei 5441 Otto Schaaf. kräftiges Nahrungsmittel für 5209 SM- Gesunde wie Kranke, Für Suppen, Klötze, Puddings, Torten vorzüglich geeignet. Zu haben in besseren u. feineren Delillltess- ll. Coloniaiwaaren-Seschätten. En gros-Verkauf Türk & Pabst, Frankfurt a. M, ä i/i und i/2 Kilo. Man achte auf die Firma Hartgries der Wesermühle in Original-Packeten ä J/i und y2 Kilo ist ein an Nährwerth nnd Geschmack unübertreffliches, billiges und la. Karlstadter Portland-Cemmt, anerkannt vorzügliche- Fabrikat, empfiehlt 4295___________I. Happel, NeustM 56. Wichtig fu^Hsusftnnen. Vaselina-Gold-Cream-Seife Freitsg den 12. Juni, Nachmittags 2 Uhr, in der Bieker'scheu Hoftaithe zu Gießen werden durch den Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigert: 5 Schweine, 1 Pferd, 1 Ladeneinrichtung, 1 Ladentheke, 1 Cassaschrank, 1 Pianino, 2 Sekretäre, 1 Verticow, 1 Sopha, 2 Commoden, Tische, Stühle, Pult, Sessel, Eckschrank, 1 Nähmaschine, Regulator rc. Engel, 5410 Gerichtsvollzieher. Gutsverkaufr Die Erben der Ehefrau des Millers Bolinger wollen das in Wehrda bei Marburg belegens Gut, bestehend aus Wohnhaus, Hofraum, Scheuer rc., die Mühle mit drei Mahlgängen, Oel- und Schneidemühle, Gärten u. Wiesen beim Hof und die dazu gehörigen Grundstücke (ungefähr 20 Hect.) frei* willig verkaufen. Die Hälfte des Kaufgeldes kann stehen bleiben. Auskunft ertheilt Textor, Administrator, 5203 Marburg a/L. Chilisalpeter bei 6442 Otto Schaaf. 5433] Dickwnrzpflanzen zn ver- kaufen. Lahnstratze 11. Filstboöenailstrich in allen Nuancen, rasch und hart trocknend, empfiehlt August Noll II, 2353 Bahnhofstraße 51. Philosoghenwald. Täglich dreimal frisch gemolkene Milch, sowie Dickmilch.5194 Weisswein ßarantirt rein, per Liter von 50 Pf. an, in Fässern von 25 Liter an. 1 Proben gegen Einsendung von 30 Pf. frc. Wörrstadt (Rheinhessen). (1611 Lorenz Eder. Die Holländische Kaffee-Brennerei H. 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