1891 Sonntag den 11. Oktober fit. 237. Zweites Blatt ichener Anzeiger BiertihWl« WH«»« *n*e« Kenerat-Mzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Itedf Gieren. VMS Feuilleton denn Gratisbeilage: Gießener ohne milie aus Alle XrFOÄtet*ttttreant M An« mtb lilftabel netz»» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegte. traut! Sie nahm sich vor, die Polizei aus ihn aufmerksam zu machen. Auch die Kundschaft, die Herr Knatter zu bedienen hatte, •enalaie eee Anzeigen zu der Nachmittag» für Uce fttgend«. Lag crftheinenden Nummer biL Vor«. 10 Uhr. Was alles an der Börse Preise macht. In der letzten Zeit sind in Berlin mehrfach Banken durch ihre Angestellten um graste Summen bestahlen worden. Noch mehr Diebereien sind vertuscht worden. Ein Blatt, das der Börse sehr freundlich gesinnt ist, schreibt über diese. Vorfälle: „Man wird sich nicht zu wundern brauchen, wenn die Zahl der Bankveruntreuungen noch weiter anwächst. Denn dieselben sind die Folgen eines weit verbreiteten Systems der Speculation der Bankbeamten. Wer die Gehälter dieser Leute kennt und Gelegenheit hat, einen Blick in das Leben derselben zu thun, der kann sich oft nur staunend fragen, wie es möglich sei, Einnahmen und Ausgaben in lieberem- stimmung zu erhalten. Die Speculation an der Börse hat seit Jahren alles gedeckt, sie war durchweg erfolgreich, denn die Curse stiegen unausgesetzt. So lange dies der Fall war, brauchten die speculirenden Beamten auch nicht zu Unredlichkeiten ihre Zuflucht zu nehmen, und diejenigen, welche den Umschwung rechtzeitig begriffen und sich „gedreht" haben, können heute noch stolz einhergehen. Andere aber haben den eingetretenen Rückschlag für eine vorübergehende Abschwächung gehalten, sie haben ihre Haussespeculation fortgesetzt, angesichts der eingetretenen Verluste wohl gar vergrößert, die Verpflichtungen wachsen bald über die eigene Leistungsfähigkeit hinaus, und in der Hoffnung aus eine glückliche Wendung erfolgte der erste Griff in die fremde Kaffe — zunächst in der Absicht des Ersatzes in kürzester Frist'. Aber die günstigen Erwartungen schlagen wiederum fehl, und nachdem man sich doch verloren fühlt, erblickt man die einzige Möglichkeit der Rettung in der Fortsetzung und Vergrößerung der Speculation, natürlich mittels ferneren Diebstahls. Vielleicht hat diese unehrliche Speculation einen erheblichen Antheil an dem erstaunlichen Umfang des Börsengeschäfts, wie dasselbe im Ergebniß der Umsatzsteuer bis in die neueste Zeit in die Erscheinung getreten ist." Weiter sagt das Blatt, daß „viele Bankgeschäfte den Haupterwerb daran haben, daß sie die Börsengeschäfte für ihre eigenen Angestellten besorgen". Das sind recht nette Enthüllungen, aber sür viele Bewohner von Berlin, Frankfurt und anderer großen Plätze sind sie nicht neu. Viele Bankcommis führen einen höchst ausschweifenden Lebenswandel, das Geld dazu wird an der Börse „verdient". Und zwar, so sagt das börsenfreundliche Blatt, sind diese Speculationen so bedeutend, daß sie einen 8ringtr(o$? ' Durch die Post begcyf? 2 Mark 50 Pf» Reboction, LxpettNn; mtb Druckerei: foriKitiit* Aench»recher 61. Bekanntmachung, betr. das Einhalten der Tauben zur Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, während ! der Saatzeit — vom 15. October bis 15. November — ihre j Tauben in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Art. 79 des Feldstrafgesetzes zur An- ' zeige und Bestrafung gebracht werden. Gießen, den 12. October 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Seitdem ist er besoldeter Regisseur der vorstädtischen Dilettanten-Bühne, an welcher wir ihn kennen gelernt haben. Er berichtete uns, daß sein früherer Meister eines Abends zu einer Vorstellung erschienen sei, Skandal gemacht und von den empörten Kunstenthusiasten furchtbare Prügel bekommen habe. „Das war," so schloß er seine Erzählung, „der unbegreifliche Finger der rachekundigen Nemesis . . , * Die Millionäre des Berliner Waarenhandels. In Berlin existiren 25 Mitglieder des Waarenhandels, deren Vermögen auf 2 bis 5 Millionen Mark geschätzt wird. Man zählt deren 18, deren Vermögen die Höhe von 5 bis 10 Millionen Mark erreicht. Es können 10 Mitglieder des Waarenhandels namhaft gemacht werden, die auf 10 bis 20 Millionen Mark geschätzt werden. Außerdem finden wir hier mindestens 300 Firmen, welche 1 bis 2 Millionen Mark im Vermögen besitzen. Es handelt sich hierbei, so schreibt der „Confectionär", nicht um ererbte Vermögen, sondern um selbst geschaffene Reichthümer in den letzten zwanzig Jahren. Seitdem Berlin Reichshauptstadt geworden, ist es der Mittelpunkt des Handels des ganzen Reichs geworden. Berlin ist eine Handelsstadt ersten Ranges, welche jetzt 348 Millionäre ausweist, die dem hiesigen Waarenhandel angehören. * My honse is my castle. In London, so erzählt der Figaro, amüsirt man sich über einen kleinen scherzhaften Borfall, der kürzlich dem Admiral Clan-William passirte. Derselbe stand in sehr wenig salonmäßiger Toilette vor seinem Hause am Belgravia-Square und rauchte. Da tritt ein Polizeman auf ihn zu und fragt: „Was haben Sie hier zu suchen? Gehören Sie etwa zum Hause?" — „Nein," erwiderte der Admiral gleichmüthig, „aber das Haus gehört mir." Der Polizeman soll darauf hin sein Verhör eingestellt haben. * Was der Mensch alles auf dem Herzes haben kann. Schlachter (einer Köchin ein Stück Ochsenfleisch überreichend): „So, Fräulein Jette. Und was haben Sie noch aus Ihrem zarten Herzen?" — Jette: „Ein halbes Pfund Schmeer." barbiert hatte. Eines Nachmittags kam ein junger Mann in das Barbiergeschäft, und Knatter, der gerade die Kosinsky-Scene studirt hatte, redete ihn im Geiste seiner Rolle an: „Wie ist Dein Name?" „Lehmann," gab der junge Mensch sehr verwundert zur Antwort: „ich möchte mich rasiren lassen." „So?" rief Knatter, noch immer in der Rolle des Karl Moor. „Weißt Du auch, daß Du ein unbesonnener Knabe bist und über den großen Schritt Deines Lebens weggaukelst, wie ein unbesonnenes Mädchen . . . Hier wirst Du nicht Bälle werfen oder Kegelkugeln, wie Du Dir einbildest . . ." In diesem Augenblick trat der Prinzipal des Herrn Knatter in den Laden, es kam zu eiuer Auseinandersetzung und das Ende derselben war, daß Herr Knatter auf die Straße geworfen wurde — ein Opfer der Kunst. Bekanntmachung. den Nachlaß des Schleifers Heinrich Schnell aus Duisburg betreffend. Der Schleifer HeinrichSchnell, angeblich aus Duisburg, welcher im deutsch-französischen Kriege als Felddiacon thätig gewesen ist, ist am 9. December 1886 in Asuncion in Paraguay mit Hinterlassung von Vermögen ohne bekannte Erben verstorben. Derselbe hatte wahrscheinlich sein eheliches Domicil bis 1871 in Gießen oder doch in der Provinz Oberhessen. Es werden alle diejenigen Personen, welche Erb- ansprüche an den Nachlaß geltend machen wollen, hiermit aufgefordert, sich binnen vier Wochen nach Erscheinen dieser Aufforderung auf Großh. Kreisamt Gießen mit den erforderlichen Nachweisen über ihre Verwandtschaft mit dem p. Schnell versehen, zu melden. Gießen, den 8. October 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Verloosung zu Gunsten der Erbauung einer Turnhalle in Bad-Nauheim. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die Verlegung des Verloosungstermins der von dem Turnverein zu Bad-Nauheim unternommenen Verloosung auf den 15. December d. I. genehmigt. Gießen, den 9. October 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. war über sein verändertes Wesen erstaunt. „Schönes Wetter heute, Herr Knatter," sagte ein Rentier, den er täglich zu rasiren hatte, „sehr schönes Wetter." „O ja," entgegnete der junge Mann, dem sogleich eine Stelle aus den Räubern einfiel, „diese Welt ist so schön. Und ich bin häßlich auf dieser schönen Welt ... ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde . . ." „Aber was ist Ihnen, Herr Knatter, was fehlt Ihnen eigentlich?" „Meine UnschuldMeine Unschuld!" fuhr Knatter fort, sich stören zu lassen. „Die ganze Welt ist eine Fa- . . . ich allein der Verstoßene, ich allein ausgemustert den Reihen der Reinen . . . umlagert von Mördern — von Nattern umzischt . . . mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abbadama . . ." „Aber um Gotteswillen . . ." „Ja, ein heulender Abbadama," rief Knatter nochmals, indem er den Seifenschaum weit von sich spritzte und fort eilte, ohne daran zu denken, daß er den Kunden erst halb Gwss vom Liebhaber-Thester. Die Zahl der Berliner Liebhaber-Theater hat im Laufe der Jahre eine refpectable Höhe erreicht — eine Thatfaqe, hie uns den erfreulichen Beweis liefert, daß das Volk m unserer materiellen Zeit den Sinn für die Birch-Pfeiffer'sche Poesie noch nicht verloren hat. Wir haben letzthin m einem Saale der Schönhauser Vorstadt „Hinko, den ^reiknecht gesehen und uns an den Leistungen der wackeren Darsteller weidlich ergötzt. Es waren junge Kaufleute, Handwerker und Mädchen aus dem kleinen Bürgerstandc, die da opfer= muthig im Schweiße ihres Angesichtes arbeiteten und sich durch ihre Thätigkeit offenbar sehr befriedigt suhlten. Auch ein früherer Barbiergehülfe war dabei Herr Knatter, den wir nach der Vorstellung noch naher kennen lernten. Wir erfuhren da, mit welchen Schwierigkeiten es verknüpft ist, ,n das Interesse der Kunst einzudrmgen. Herr Knatter hatte seine schauspieleriichen Studien mit der Rolle des Karl Moor aus den „Räubern begonnen. Seine Wirthin, eine alte Wäscherin, deren Stube von der seinen nur durch eine dünne Wand getrennt war, schüttelte sich vor Grauen, als sie in einer stillen Nacht ihren Miether brullen^hort^n, , Heuchlerische Schlangenbrut! Ihre Augen sind Wasser! Ihre Lippen sind Erz! Kusse auf den Lippen! Schwerter im Busen! Löwen nnd Leoparden füttern ihre Jungen, und er, er . - •" „Mein Gott," sagte die alte Frau, „was dem armen Menschen nur passirt sein mag!" Und dann hörte sie weiter, wie Herr Knatter raste. Ja, ich will Euer Hauptmann sein . . ■ Räuber und M^der . . . Glück zu dem Meister unter^ Euch, der am wildesten sengt, am gräßlichsten mordet . . Die Alte zitterte vor Schreck und Entsetzen. Wer hatte dem hageren jungen Menschen solche Schlechtigkeiten zuge- •tonUgl. Wt ®hfrtntr Hm iRgcigfr vtchmtttch tägeUft Arntlrcyrv Theil. Gießen, 9. October 1891. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Gemeinde- rechnungen pro 1890/91. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises. Die mit der Erledigung unserer Verfügung vom 9. Juli d. Is. — Anzeiger Nr. 158 — noch im Rückstände befindlichen Bürgermeistereien werden hieran mit Frist von fünf Tagen erinnert. v. Gagern. _________ Gießen, 9. October 1891. Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge für die Gemeinden des Kreises Gießen pro 1892/93. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Bei Ausstellung der rubr. Voranschläge machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß die Beiträge der waldbefitzen- den Gemeinden zur Oberförstersbesoldung nunmehr nach Maßgabe der Bekanntmachung Großh. Ministeriums des ^nnern und der Justiz vom 11. September 1891 — Beilage Nr. 26 des Großh. Regierungsblattes — vorzusehen find. Die hiernach erhöhten Beiträge kommen bereits für das Jahr 1891/92 zur Erhebung. v. Gagern. Gießen, am 8. Oclober 1891. Betr.: Ausführung der allgemeinen Bauordnung; hier die Gebühren der Bezirksbauausseher und Sachverständigen für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche mit der Einsendung der Verzeichnisse rubr. Betreffs für das Quartal von April bis Juni 1891 noch im Rückstände sind, erinnern wir an die Vorlage derselben binnen acht Tagen. v. Gagern. erheblichen Antheil am Umsatz der Börsengeschäfte haben! Natürlich haben sie dann auch einen erheblichen Einfluß auf die Preise an den Börsen. Und dabei kommt wieder einmal der verderbliche Einfluß, den die heutige Börse hat, zum Vorschein. Millionen von Menschen sind an den Preisen an den Börsen, an den Geld- und Producten- börsen, interessirt. Leichtsinnige Schlemmer aber, Buben, die Geld für ihre Ausschweifungen brauchen, bestimmen die Preise mit. Und da gibt es Leute, die von abergläubiger Furcht vor der Börse reden! Ja wohl, es ist fürchterlich, wenn auf solche Weise nicht nur Papiercurse, sondern auch Getreidepreise gemacht werden. Man stelle sich das nur recht vor. Ein Dutzend solcher Bankhelden hat zwei Tage lang gejubelt und dabei viel mehr Geld ausgegeben, als sie besitzen. Die Börse muß es nun wieder hereinbringen. Speculiren sie zufällig aus das Steigen der Preise, so kann ganz gut am andern Tage der Roggen eine Mark höher stehen, und speculiren sie auf's Fallen, so kann ebenso gut der Bauer für die Frucht seines blutigen Schweißes eine Mark weniger lösen — und das alles, weil eine Hand voll Buben mit ihren „Damen" Champagner getrunken und sonstige kostspielige Genüsse sich verschafft haben. Das sind keine haltbaren Zustände. totales unö Provinzielles. Gießen, 10. October. — Mechanische Buntweberei in Gießen. Der Bericht Großh. Handelskammer für 1889/91 läßt sich über diesen Geschäftszweig wie folgt aus: Es läßt sich gleich der vorhergehenden Periode wenig Günstiges über den Gang der Geschäfte sagen, der Umsatz hielt sich zwar auf der Höhe der Vorjahre- eine Erhöhung der Verkaufspreise war aber im Allgemeinen nicht durchzuführen, obgleich die Herstellung der Waare neuerdings durch den colossalen Preis der Kohlen und das Ausschlagen aller zur Fabrikation nöthigen Gegenstände eine viel theurere war, ein Umstand, der den an und für sich sehr bescheidenen Nutzen bedeutend schmälerte. In den letzten Monaten des Jahres 1890 trat eine weitere erhebliche Verschlechterung des Geschäftsganges ein. Der plötzlich eintretende kalte und sehr lange Winter machte es einem großen Theile des Publikums unmöglich, dem gewohnten Verdienste nachzugehen, während das theure Brennmaterial die verfügbaren Mittel des Einzelnen stark in Anspruch nahm. So schließt das Jahr 1890 unter sehr ungünstigen Verhältnissen und ist eine Besserung im Jahre 1891 wohl nicht zu erwarten, da zu den bis jetzt so ungünstig einwirkenden Factoren noch die Vertheuerung der Lebensmittel hinzutritt und hierdurch die j Kaufkraft der mittleren und unteren Stände wesentlich reducirt ? wird. Diesen so geringen Nutzen zulassenden Umständen j stehen die fortwährenden neuen Belastungen der Industrie gegenüber und ist in Rücksicht hierauf eine gedeihliche Entwicklung der Geschäftslage in nächster Zeit wohl schwerlich zu erwarten. — Dieffenbach'sche Sammlungen. Nicht, wie kürzlich irrtümlicher Weise mitgetheilt wurde, ist die historische Altertums-Sammlung des zu Friedberg verstorbenen Herrn G. Diesfenbach in diesen Tagen erst durch eine Commission des Darmstädter Museums besichtigt worden (dies geschah bereits vor ca. J/4 Jahre), sondern dieselbe ist schon seit einigen Wochen von der Großh. Staatsregierung angekauft und in den letzten 14 Tagen durch den Vertreter der Erben des verstorbenen Sammlers, Herrn Seminarlehrer Knoll-Alzey, an den Vertreter des Großh. Museums, Herrn Pros. Dr. Adamy, übergeben worden. Von der Reichhaltigkeit der aus urgermanischen, römischen und fränkischen Gegenständen bestehenden Sammlung kann man sich wohl einen Begriff machen, wenn wir hören, daß dieselbe zu ihrer Verpackung gegen achtzig Kisten beanspruchte. Am Mittwoch sind dieselben, in einen Möbelwagen verpackt, nach Darmstadt abgegangen. ' — Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle. Im Jahre 1890 wurden geboren in der Provinz Starkenburg 13 800 (darunter 163 Zwillinge und 2 Drillinge), es starben 9879, Eheschließungen sanden 3402 statt und Ehescheidungen 15. In Oberhessen wurden geboren 7442 (115 Zwillinge und 2 Drillinge), es starben 5966; Eheschließungen 1883 und Ehescheidungen 13. In Rheinhessen wurden geboren 9917 (113 Zwillinge und 1 Drilling), es starben 7677; Eheschließungen 2359 und Ehescheidungen 38. Citeratur uteö Annst. — Moltke als Bräutigam. Es ist ein scharf ausgeprägter Zug des deutschen Nationalcharacters, sich nicht mit der Kenntntß der glänzenden Außenseite seiner Helden zu '.begnügen, sondern auch ihr Privatleben eingehend zu studtren. Die Frage, ob dieser Zug ein guter oder ein schlechter sei, ist unzähligemale erörtert worden, an dem Zuge selbst ändern diese Erörterungen nichts. Aber auch wer gegen die Veröffentlichungen aus dem Privatleben großer Männer sich eingenommen fühlt, denen wir doch viele der prächtigsten Bücher der deutschen Literatur zu danken haben, wird nur mit innigster Freude die Briefe lesen, die Moltke an seine Braut und Frau geschrieben hat und die eben jetzt „Ueber Land und Meer" zu veröffentlichen beginnt. In ihnen zeigt sich Moltke von einer ganz neuen und zwar so überaus liebenswerthen Seite, daß diese Briefe in ihrer Gesammtheit selbst seine strategischen und anderen Schriften verdunkeln und überleben werden, weil sie nicht nur ein sachliches, sondern im höchsten Grade das allgemein menschliche Interest.' wecken. Jeder sollte diese Briefe lesen, denn gerade in unserer Zeit, die so vieles von unglücklichen Ehen zu erzählen weiß, haben diese Aeußerungen des gewaltigen Mannes etwas überaus Erhebendes, das auf Jung und Alt den bedeutendsten erziehlichen Einfluß auszuüben nicht verfehlen wird. Wir geben an einer anderen Stelle eine Eharacteristik der Briefe und Auszüge aus diesen selbst, wie sie uns bis jetzt in der ersten Nummer von Land ««d Meer« vorliegen, die auch sonst die wärmste Empfehlung verdient. Das rastlose Bestreben, das Beste zu leisten, immer vorwärts zu schreiten, ist auf jeder Seite derselben erkennbar. Sowohl in den prachtvollen Kunstblättern aller Genres, die das künstlerisch Gute mit den Anforderungen der Familie zu vereinen wissen und nirgends auf unlautere Regungen speculiren, wie im Text zeigt sich eine Vielseitigkeit und ein Geschick in der Auswahl, die schwerlich zu übertreffen sind. Der belletristische Theil wird besonders glanzvoll durch den neuesten Roman von Sophie "3 ™r-ec$tcr Zeit" und eine Erzählung Rudolf v. Gott- schalls „Das Mädchen vom Drohner Wieck" etngelettet; belehrende und unterhaltende Artikel schließen sich diesen Beiträgen an. Was diese Nummer künstlerisch noch einen ganz besonderen Werth verleiht, i’V'ü " Extrabeilage betgegebene, geradezu meisterhafte Nachbildung des Gemäldes von Anton o. W-rner: „Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Abel Douay bei Weißenburg"; Gutes zu leisten in der Zeitschriftenliteratur ist eine schwere Kunst, aber es iS ”ne schwerere in der Hochfluth guter Zeitschriften, die heutigen Tags von allen Seiten von uns etnftrömt, etwas zu bieten, das aus ihr hervorragt und überall bemerkt werden muß. Die Leitung von „Ueber Land und Meer"' hat sich dieser schweren Kunst in ihrer ersten Nummer mächtig gezeigt. Ausverkauf zu wesentlich ermäßigten Meisen. Muster franco. TB© im 180 cm breite NMardluche von Mark 13 an. 130—140 cm. breite Schwarze Tuche von Mark 1.20 an. die reichhaltigste Auswahl der gedie- gensten, modernsten Herren- und Knabenkleider, sowie vorzügliche Stoffe zur Anfertigung nach Maass und zum Verkauf nach Meter zu sehr mäßigen Preisen bei Gebrüder Stamm, Markt und Schrrlstraßen-Eike. Größere Partien Herren- und Knaben - Anzüge, Joppen, Wir versenden jedes beliebige Mast franco. 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Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 9013 Versteigerung. Auftrag des Concursverwalters Herrn Bo eck dahier, versteigere ich zu Lollar im Gasthaus zum Schwanen Dienstag den 13. Oktober, Von Morgens 10 Uhr und Mittwoch -en 14. Oktober, von Morgens 9 Uhr ab die nachgenannten Ellen- waaren re., als: 1. Buxkin- und baumwollene Stoffe zu Herrenkleidern. Biber, Lama Flanell, Sommer, und Winter-Oxfords, baumwollenes Damenkleiderzeug, desgleichen Hemdenzeug, Druck-Schiirzen-, Bett-, Futter., Handtücher, und Strohsack-Zeug, sowie Kattun. Dies alles in verschiedenen Farben. Blaues und weißes Leinen, Caschmir und schwarzen Sammt, wollene und seidene Hals- und Umhänge-Tücher sur Damen baumwollene Hosen, Sommer-Joppen, Arbeitskittel, saisnet-Röcke, 1 Schützen-Joppe, Knaben-Anzüge, Unterhosen, Badehosen, Strümpfe, weiße Hemden n8®1^' schnüre, Knöpfe, Fingerhüte, Wolle und ® h*E? Farben, Taschentücher, Hosenträger, Kragen und Manschetten sowie Halsbinden; 2. 1 jungen und kräftigen Zughund mit Wägelchen, 2 Schlitten und J aBt“!9e' 1 Tisch, getragene Herrenkleider und desgleichen Hemden und andere Sachen gegen Baarzahlung. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Die unter 2. genannten Gegenstände kommen erst am zweiten Tag (mit den b.s dah,n unverste,gerten Maaren) zum Ausgebote. Gr eß en, den 9. October 1891. ö 9qq6 Born, Gerichtsvollzieher. Oagöoerpadjtung in der Oberförsterei Schiffenberg. Donnerstag, 15. October l. I., Vormittags 10 Uhr, wird die dem Grobherzoglichen Hause zustehende Jagd in der Gemarkung Klein-Linden auf weitere vier und ein halb Jahr verpachtet. Die Jagd enthält ca. 272 ha Acker- und Wiesen-Gelände und 5 ha Wald. Die Verpachtung findet auf dem Geschäftszimmer unterzeichneter Oberförsterei (Marburgerstraße 9) statt. Personen, deren Qualification nicht notorisch vorliegt, haben sich binnen 14 Tagen (resp. spätestens bei dem Beginn der Verpachtung) bei der Oberförsterei hierüber auszuweisen. Gießen, 28. September 1891. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 8648 Birkenbesenreiser- Versteigerung. Dienstag den 20. Oktober d. I. werden die Birkenbesenreiser aus den hiesigen Domanialwaldungen flächenweise versteigert. Die Großh. Forstwarte Schlag zu Baumgarten und Menges zu Großen-Linden er» theilen nähere Auskunft. Die Versteigerung beginnt Morgens 10 Uhr und findet bei der Wohnung unterfertigter Oberförsterei (Marburgerstraße Nr. 9) statt. Gießen, 7. October 1891. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 9005 Keiheöotenes. Orchestrion uoch neu, ist wegen Geschäftsoeränder una billig zu verkaufen bei 8702 I. Haherl, Bad-Nauhe m. Montag den 12. und Dienstag den 13. October, jedesmal 2*/2 Uhr anfangend, lasse ich im Saale der Restauration Kaufmann lLenz'scher Felsenkeller) wegen Aufgabe einer hiesigen Hotel- und Gastwirth- schaft das dazu gehörige Haus- und Wirthschafts-Mobiliar öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern: 1. 10 vollständige Zimmer-Einrichtungen, hierunter das vollständige Weiß- und Bettzeug von 10 Betten: 2. 2 große Salonspicgel, 2 m hoch, 90 cm br., mit Goldrahmen; 3. 10 Spiegel mit Gold- und Holzrahmen, 30 Stück Bilder,' darunter werthvolle Stahlstiche und Oelgemäldc (Kaiser Wilhelm I. u. II. nebst Kaiserinnen, Bismarck, Moltke re.), 1 Pianino, 1 Guitarre und sonstige Musikalien; 4. die vollständige Kücheneinrichtung in kupfernen und einail- lirten Geschirren; 5. 100 Betttücher, 100 Uebcrzüge, 200 Servietten, 200 Hand- tücfjer, 50 farbige Tischdecken, 2 große Gummidecken, 12 Teppiche u. s. w. ; 6. 200 Teller, 20 Suppenterrinen, 60 Fleischplatten, 5 Dtzd. Löffel, 5 Dtzd. Gabeln, 12 Dtzd. Messer, 3 Dtzd. Dessert- Messer und Gabeln, 2 Dtzd. große Suppenlöffel, 4 Messerkörbe, Leuchter, Hnilliers, eine große Anzahl Wem-, Bier- und Liqueurgläser, Ablanfbrctter, Serviettenringe, 2 Regulateure, 3 Waagen mit Gewichten, 1 Küchenwaage, 1 Eisschrank, Schirmständer u. s. w.; 7. 2—300 Flaschen ff. Cognae, Weine, Liqneure u. dgl., sowie eine größere Partie sonstiger Haus- und Wirthschaftsgeräthe. Sämmtliche Sachen sind zum Theil neu, sonst sehr gut erhalten und empfiehlt sich für Hotels, Wirthschaften u. dgl., die Möbel eignen sich für jede HaushalMng. Auskunft ertheilt und Aufträge übernimmt der Unterzeichnete. Gießen, den 9. Oetober 1891. H. C. Werner, Commisfionär 8990 Lindenplatz 12 und Eichgärten 10. I I Monatliche Miethgceise : 3^ d, 5, 6 Hk* und* hoher. Brei»-8timmnng. I I Auf einzelne Tage inflochMäitent.ObncerteD, Tanratiterimlhu^enefc. ■ 6, 7, tz, 9 Mk. und höher ^eiiÄhhBMliob der Transportkosten). *131 ■ | Willie Rudolph, Pianohandhing, Neuenweg S. 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Der 78jährige Hausvater ist gerade mit seiner sonntäglichen Toilette beschäftigt und empfängt, bis zum Gürtel entblößt, die ungewohnten Gäste, während seine um einige Jahre jüngere Frau am Tische sitzt und in der abgegriffenen Bibel liest. Nachdem die erste Scheu überwunden ist, werden die beiden Alten gesprächiger und wir erfahren Einiges über ihre Lebensschicksale. Was uns hierbei am meisten interessirt, ist der Verdienst und die Lebensweise der Leute. Der Greis erzählt uns, daß er lange Zeit krank gewesen sei und infolge dessen bei seinem vorgerückten Alter nicht mehr so anhaltend arbeiten könne- deßhalb verdiene er auch nur zwei Mark wöchentlich - dagegen brächte es seine Frau, die um acht Jahre jünger sei, auf das Doppelte. Das sind also 50 Pfennig pro Tag und Kops zum Lebensunterhalt! Die Nahrung der Leute besteht demgemäß auch nur aus trockenem Brod und Kaffee, am Sonntag gibts Kartoffeln und etwas Schmalz. Fleisch sehen sie im ganzen Jahre nicht. Trotz alledem hängen sie mit rührender Pietät an ihren alten Erbstücken, die sich unter dem Hausrath finden. In ihrer höchsten Noth konnten sie sich nicht entschließen, etwas davon zu veräußern, obgleich ! ihnen schon verlockende Anerbieten gemacht worden waren. Das Bild, das wir soeben entrollten, ist allerdings eines der freundlicheren, zu dem es an auffallenden Gegensätzen nicht mangelt. Wir hatten Gelegenheit, in Hütten zu blicken, die kaum den Namen menschlicher Wohnungen verdienten. Keine Scheibe an ihren Fenstern war ganz, die Thüre gab jedem Windstoß nach und im Innern starrte alles von Schmutz. Kinder und Kaninchen wälzten sich in seltener Eintracht auf I dem lehmgestampsten Boden und die Erwachsenen hatten auf I unsere Fragen entweder nur ein blödsinniges Lächeln oder I ein jammerndes, halb thierisches Geheul, dagegen für kleine Geldspenden sich gerne öffnende Hände. Zum Glücke sind die Hütten in diesem Zustande entschieden in der Minderzahl. I Die Allgemeinheit nähert sich mehr dem freundlichen Bilde. Ueberall findet man hier Sinn für Reinlichkeit, ja sogar für Ausschmückung der dürftigen Wohnräume, wie die mit Heiligenbildern und Bildern von Kaffeepäckchen u. dgl. symetrisch be- Ausaewanderten nach 2—3 Jahren von unwiderstehlichem I grüßten Platz nehmen zwei W^stühle und ein mit selbst- Heimweh ergriffen, in die alten drückenden Verhältnisse der 1 »"l»ruck. Ein °r°b Heimath zurückkehren, eine Erscheinung, die bei allen Gebirgsbewohnern beobachtet wird. So bleibt denn nur noch ein Mittel, von dem man sich wirklichen Erfolg versprechen kann, das ist die Anlage von Fabriken in jenen Bezirken, einerlei, in welchem Zweige der Industrie. Allerdings müßte der Staat diese Anlagen in die Hand nehmen, um die Arbeiter vor Ausbeutung zu schützen- auch müßten diese erst allmälig an die neue Arbeit gewöhnt werden, und die Fabriken würden wohl in den ersten Jahren mit einem Minderertrag arbeiten, könnten eines staatlichen Zuschusses nicht entbehren. Da man aber Beispiele hat, daß die Bewohner der in Frage kommenden Gegend gern in Fabriken gehen, wenn sie nur in der Heimath bleiben können, so ist mit größter Bestimmtheit anzunehmen, daß dieser Nothstand nach und nach aus der Welt geschafft würde — freilich, von heute auf morgen läßt sich ein seit Jahrzehnten, ja, seit saft einem Jahrhundert eingewurzeltes Uebel Feuilleton. Der Nolhflsnd in den Wcbrrbrffrken des Culen- gebirges. Von Karl Daniel. (Schluß.) Was sind nun die Gründe dieser Noth? Die erste Ursache ist unbedingt darin zu suchen, daß die kausindustrielle Weberei von jeher nicht mit der englischen Industrie coneurriren tonnte. Abgesehen davon, daß die engtitoe Leinwand billiger hergestellt werden tonnte, mag wohl die noch heute herrschende Sucht des Deutschen, ausländische Maare der deutschen vorzuztehen, die Schuld hieran getragen haben. Nachdem nun auch in Deutschland ein fabrikmäßiger Betrieb der Leinenweberei eingetreten war, wurde zwar die englische Maare vom deutschen Markte mehr und mehr verdrängt, allein für die Weberhausindustrie blieb die Sachlage dieselbe. Die Löhne blieben nach wie vor gedrückt, sanken sogar immer tiefer und stehen letzt so, daß die Zustände in den Weberbezirken, speziell m denen des Eulen- qebirges geradezu unhaltbare geworden sind. Als ver- Wimmernder Umstand tritt noch der durchschnittlich große Kindersegen hinzu, der wie überall, so auch hier, der treueste Begleite? der Armuth ist. Die jungen Leute hetrathen viel zu ftüh, meist schon in einem Alter, in dem die Kinder des Mittelstandes erst die Schule verlassen, und Familtenva er von 20 Jahren sind durchaus keine Seltenheit. Auch darin, daß eine große Zahl der Kinder schon vor der Eh- chließung der Eltern zur Welt kommt, scheint in jenen Bezirken nichts Besonderes gefunden zu werden. Man hat, wie wir zum Theil schon am Eingänge dieser Seizze sahen, die verschiedenartigsten Versuche gemacht, dem Nothstand abzuhelfen, allein vergebens, gegenwärtig wird noch von einzelnen Comiiös für die armen Weber Geld gesammelt, aber mögen auch noch so große Betrage 9cf«««ett werden, es wird immer nur einem kleinen Thetle der Noth leidenden und diesen aiich nur vorübergehend geholfen werden können - über die Wirkung des Tropfens auf einen heißen Stein wird die Mühe nie hinauskommen. Ein weiterer Vorschlag zur Abhilfe wurde gemacht, indem man ine Verpflanzung der überschüssigen Kräfte, besonders der jüngeren, in andere Gebiete und in andere Gewerbe nach Muster der in den schlesischen Grenzgebieten so beliebten Sachsengangerei in Anregung brachte. Auch dieser Versuch wird die Unzulänglichkeit der Maßregel darthun, da es schon lange in den Weber bezirken Sitte ist, daß ein Theil der jungen Leute auszieht, um anderswo Arbeit zu finden, da ferner aber fast alle nicht ausrotten. f Zum Schluffe noch einige Worte über die Wohnungen und das Leben der Weber. Bei aller Armuth hat sich der Weber mit ganz geringen Ausnahmen ein lebhaftes Gefühl für Reinlichkeit bewahrt. Sein Häuschen bietet von außen gesehen einen ganz netten Anblick dar, ein Eindruck, der auch I durch das Betreten desselben nicht verwischt wird. Zum besseren Verständniß möge uns der Leser auf einem Besuche, den wir einem alten Weberehepaare abstatten, begleiten. Es ist Sonntag, die werktägliche Arbeit ruht und so stören wir die Leute uicht bei deren Erwerb und haben vollauf Zeit, | uns mit allen Verhältnissen bekannt zu machen. Vor uns liegt die „Weberhütte", ein einstöckiges, niedriges, weißgetünchtes Lehmhäuschen mit spitzem, sich tief herabziehendem Giebeldach. An den Mauern rankt sich wilder Wein in üppigen Schlingen in die Höhe, kaum die blank geputzten Fensterscheiben mit ihren Blumenstöcken sichtbar lassend. Neben der quer getheilten Hausthüre befindet sich eine einfache Holzbank, während zwei oder drei steinerne Stufen in das Innere des Häuschens führen. Auf dem Flur steht ein schöner alter Schrank, mit bunten Blumen bemalt, zwischen denen in steifer Verschnörkelung die Jahreszahl 1765 zu lesen ist. Da der Flur auch gleichzeitig als Küche dient, haben tok Gelegenheit, das blanke Geschirr zu bewundern, unter dem^sich ebenfalls manch altes, für den Sammler werthvolles Stück befindet. Wir wenden uns zur Seite, zur Stube, die fast den ganzen unteren Raum der Hütte einnimmt und nur noch wenig Platz ür ein Kämmerchen übrig läßt. Ein trotz der hellen Mittags- I erträgliches Dasein zu schaffen, wenn nur sonne Halbdunkeles Gemach mit niedriger, tierröudjter, von kräftig am rechten Platze und zur rechten Zeit eingreif. zwei viereckigen Balken gestützter Decke umfängt uns. Den | Sonntag dm 11. Oktober lßieszencv Anzeiger. Beilage zu Nr. 237. - 1891 empfiehlt Neuheiten Menplatz 5. HeinrichRepp, lindciM 5. anläge, und Friseur Plank, Kaplans- BlÜlhfNMehl re I . _ PL Cß«.» Ito i I iS Z _ < «« * rrxcsn. gaffe, F. Stooh, Neuenbäue7.W82 vorm- Ar. Seibel, Mäusburg. r^7Äch^Hol,schuve,Holzkraftn«N Md Metermatze, Momeauxstangen, y h U| L II wnu w 9 [8716 Scheitholz Klein.Linde«. wird Interessenten auf Verlangen fre zugesandt und empfehlen wir alle Arten Goos & Koenemann, Baumschulen, Nieder-Walluf a. Rh. Ieik,«0«ten-s. 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Die wahre Ursache liegt indessen nur in dem Ausbleiben des erwarteten Succurses des Prtoatkapitals, wodurch die Nothwendigkeit entsteht für das aufgenommene Material nur wieder innerhalb der Börse Abnehmer zu finden. Das erklärt auch die Heftigkeit der Eoursbewegung. Es ist im Markte weder reelles Angebot, voch reelle Nachfrage vorhanden, die Speculation aber, welche gegenwärtig beides ersetzen muß, schöpft ihre Anregung zum größten Theil aus den vorliegenden Tagesdepeschen; es stehen also beide Parteien unter dem Einfluß derselben Anregung, aber was die eine fördert, bedingt die Zurückhaltung der anderen und es sind daher im gegebenen Momente vorwiegend nur Käufer oder vorwiegend nur Verkäufer im Markte und ein Ausgleich ist mithin nur bet stark steigenden oder stark fallenden Coursen möglich. Daß die Cvntremine die ihr günstige Wendung nach Kräften ausnutzt und den Rückgang der Course nach Möglichkeit zu verschärfen sucht, und daß außerdem eine große Anzahl von Mitläufern, die immer mit dem Strom schwimmen, denselben noch mehr beschleunigt, ist natürlich und ist nur die Umkehrung von dem, was wir in den vorangegangenen Wochen erlebt haben. — Eine tatsächliche Verschlechterung der Lage ist nirgends vorhanden; Geld zog allerdings am Montag unter dem Einfluß der Einzahlungen auf die dreiprocentigen Anleihen und größeren Rückzahlungen an die Seehandlung etwas an und diese Versteifung gab anscheinend den ersten Anlaß zu Realisationen. Man hatte mancherseits gehofft, daß diese letzteren Vorschüsse prolongirt werden würden, und daß dies nicht geschah, mag die plötzliche Steigerung des Zinssatzes zum Theil erklären. Man kann aus der Zurückziehung der Vorschüsse jedenfalls den Schluß ziehen, daß das Reich seiner flüssigen Baarbestände bedarf, und man muß also auch die Hoffnung aufgeben, daß der Retchs- bank die bei ihr noch deponirten Summen erhalten bleiben könnten, indessen ist der Status der Bank auch heute noch so kräftig, daß sie selbst weitgehenden Ansprüchen genügen kann. Dieselbe verfügt noch über eine Notenreseroe von 124 Millionen, und wenn auch der neue Ausweis voraussichtlich eine wettere Anspannung bringen wird, so scheint auch ausgeschlossen, daß diese Grenze überschritten werden könnte. — Nachbörslich wurden am Montag die Grundzüge des Abkommens zwischen der Internationalen Bank und der Handelsgesellschaft bekannt, und daraufhin erfolgten weitere Realisationen, nicht als ob die geplante Verschmelzung den Erwartungen nicht entsprochen hätte, sondern nur weil mit Dem Bekanntgeben der Pläne das speculatioe Moment, welches gerade in der Ungewißheit und der Nebelhaftigkeit der Projecte lag, in Wegfall kam. Ob freilich auf der anderen Seite die Börse Grund hat, das Abkommen mit besonders freundlichen Augen zu betrachten, ist eine andere Frage. Auch dem Unbefangenen mag auffallen, daß die Vorthelle und Nachtheile des Gefchäftes sehr ungleich verthetlt find. Die Internationale Bank hört auf zu existiren, sie verkauft ihre Activa mit einem Verlust von mehr als 3 Millionen gegen den Buchwerth vom 31. December 1890, ohne jede Zinsvergütung für das laufende Jahr, und gibt außerdem ihr Eommissionsgeschäft, das vor drei Jahren werthooll genug war, um für dessen lleberlassung von den damaligen Subscribenten 3375000 JL Agio zu verlangen, ohne Entschädigung mit in den Kauf. Es berührt etgenthümlich, diese vollständige Muthlosigkett auf der einen Seite gegenüber dem Vollgefühl von Krast der Gegen- contrahentin zu sehen, die mit leichtem Sinn 42 Millionen Activa mit nur 15 Millionen neuer Actien übernimmt und mit Gewinn zu realistren gedenkt. Die kommende Generalversammlung wird aufzuklären haben, ob die Liquidation, die doch nur die ultima ratio sein kann, thatsächlich jedem anderen Ausweg vorzuziehen ist. Man wird dann auch die Gewinnchancen der Handelsgesellschaft, die an der Börse hoch taxirt werden, einigermaßen beurteilen können. Die Pariser Börse, auf deren Schultern gegenwärtig allein die Hoffnungen der Haussepartei ruhen, hat in der abgelaufenen Woche wenig dazu beigetragen, dieselben zu rechtfertigen. Nur am Tag der Subscription der Credttfoncier- Obligationen sandte sie feste Course, motioirt mit einem angeblichen Erwlg, aber schon kurze Zeit darauf wurden die Obligationen unter dem Submisstonscours gehandelt, dazu lagen Russen selbst fast andauernd schwach, so daß die überschwenglichen Hoffnungen, die man seither an die Russenemisston geknüpft hat, sich abzuschwächen beginnen. Auch der Londoner Maikt war nicht in der besten Verfassung. Derselbe fürchtete eine starke Disconterhöhung der Bank von England und litt außerdem unter den Nachrichten aus Argentinten, der schon im letzten Bericht erwähnten Decretirung des Zwangscourses bei vermehrter Notenausgabe. In diesen Verhältnissen ist erst in letzter Stunde, mit Eintreffen der Nachricht, daß die L>enatscommission sich gegen diese Gesetze ausgesprochen habe, eine Besserung eingetreten, und von hier aus erst ging eine Reprise, die in ihrem letzten Ende auch Dem Cours der Discontogesellschaft zu Gute kam. Die Actien dieser Bank haben unter dem Tendenzwechsel am schwersten gelitten. Man hat ihr alle Sünden der vergangenen Zeit vorgerechnet, alle die schwebenden Geschäfte und Betheiligungen, aus denen nach Lage der Dinge gegenwärtig wenig Gutes zu erhoffen ist, hat man heroorgesucht und neu in Erinnerung gebracht, und hat sich zuletzt an das argentinische Vorschußgeschäft angeklammert, um aus diesem neue Verluste für die Bank und sogar Differenzen im Schooße der Verwaltung herzuleiten. Die Beunruhigung war soweit vorgeschritten, daß die Bankleitung selbst sich veranlaßt sah, die umlaufenden Gerüchte zu bementiren, ohne indessen anzugeben, wie hoch thatsächlich ihre Bethetligung bei diesem Geschäft sich beläuft, so daß selbst damit den Angriffen gegen den Cours der Antheile nicht gesteuert wurde. Erst die oben erwähnte Nachricht hat eine Erholung des Courses eintreten lassen, sodaß von dem anfänglich 6, Unfertigen von Denen । Neuester vervollständigter e und Kinderkleidern • Placat - Fahrplan m Ä Diverse Obligationen. 5o/o Bnderus-Obligst. . 1103.101103.30 I 4u/0 Etfenbahn-Rentenb.- I I I___________|___________Obligat. . . . 1100. Tüchtige Taglöhner am Neubau der zweiten evang. Kirche gesucht. Dieselben erhalten event. Winter- arbeit. !905h] Winn. 9057] Ein «ursche zu zwei Pser- den sofort gesucht. Zu erfragen in der Exped. d. Bl.__ 9H44J Ein älteres Mädchen, im Kochen und Hausarbeit durchaus erfahren, zu einem alleinstehenden Herrn per 1. No- oember gesucht. Alicestraße 19, part. SÄlF Reingehaltene Exemplare von Nr. 188, 100 und 102 des „Gießener Anzeiger" werden auf der Exped. ds. Bl. zurückgekauft.___________ Feinste Gothaer Cervelatwurst empfiehlt [8710 Emil Fischbach. Courn vom 2./X. 9./X. Cour« vom 2./X. 9./X. 1% Hessische Obligation. 103.30 103.25 4>/-°/°P°rtug.-A.88u.8S 51.60 52,— „ Bavern .... 104.65 104.75 5o/o amort. Serb. Gold- „ Baden..... ZV/» Sächsische Rente. . 3V,% BremerStaatsanl. 102.40 102.20 Rente .... 84.80 85.30 85.— 85.10 öo/o SerbischeEisenbahn- —.— Hyp.-Obl. I,. . 87.80 88.20 n Hamb.Staatsrente 94.70 —.— 4o/oSchwed.Oblig.1880r 101.60 101.65 40/0 Oestr. Goldrente . „ GriechischeMonopol- 95.- 94.65 l°/o Türken conv. Lit. D. 17.95 17.65 5°/o Argent. Gold - Anl. 41.50 39.60 Anleihe . . . 5% Rumänische Rente . 61.60 60.05 0. 1887 ... 97.65 97.55 3Va°/o Egypt. prio. Anl. 91.30 90.85 4% Russ. Consols S. UI 96.50 96.10 «iseubahn-Prwrttüte«. 4°/o Pfälz. Ludwigsbahn 5% Südbahn Lombarden 102,70 102.55 (Bexbach) . . . w Hessische Ludwigsb. 101.50 —.— 4% do. do. 3o/o do. do. 63.10 94.45 62.75 68/69 garant. . 101.-- 101.10 4o/o Prag-Duxer Gold . 99.— 98.50 w Elisabethb. steuerfrei , Rudolf Gold (Salzk.) 99.25 99.35 Gold .... bo/o Oestr. Staatsbahn. 99.60 99.80 Franz-Josef Silber 83 95 83.20 105.80 106.— 3°/o staatl. garant. Jtal. 4% do. do. 99.80 99.60 Eisenbahn . . 54 25 54.30 3o/o do. do. 3°/0 Lioorneser . . . 61.50 61.40 I—VULEmiff. 83.70 83.75 4o/o Ruff. Südw Eisenb. 92.90 92.95 3% do. Ergänzungsnetz 5y0 Nordweftbahn Gold 80.75 105.40 81.05 106.15 40/0 Wladikawkas garnt. 4% gar. Sardtn.Sec.stsr. 92.15 79.50 91.90 78.85 GiserrbahwAetten. Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. 220.50 220 — Galiz.CarlLudw.-B.-Act. 178.— 1767/8 111.— 110 85 Oest Nordw.-BahnLit.ir. 189% 1873/8 Pfälzische Nordbahn . 114.60 114.25 Gotthardt..... 129.40 132.20 Lübeck-Büchner . . . 149.— 148.— Jtal. Mittelmeer . . 91.90 91.90 Bank. Actien. Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. 142.80 143.45 Dresdener Bank. . . 137.75 135.70 138.45 138.50 Mitteldeutsche Creditb. . 99 50 98.40 Deutsche Bank . . . DeutjcheGenoffenschftSb. 147.95 148.20 Wiener Bank-Verein . 94.50 935/g Württemb. Vereinsbank 122.30 122.60 v.Soergel,ParristusLCo. 120.55 120.80 Deutsche Vereinsbank . 106.— 106.20 Jubustrir-Actien. Binding-Brauerei . . 154.20 154.20 Deutsche Verlagsanstalt 191.90 205.10 Stern- do. (Oberrad) 129.80 129.50 Farbwerke,vorm.Meister, Bad. Anllin- u. Soda- Lucius & Brüning. 277.— 274.80 fabrik .... 268.— 268.30 Riebeck'sch^Montanwerke 171.10 172.50 Hibernia Bergw.-Ges. . 152.— 152.25 Bochumer Gußstahl 118.10 114.40 114 — 114.50 4% Chicago Burlington Nebraska 1927 . . 41/20/0 California Pacif. 82.50 82.75 103.50 103.55 I. M.. rückzahlb. 1912 6o/oPactfwf Missouri con- 102.60 102.60 104.50 104.50 solidated I. M. r. 1920 104.40 104 — Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.