„K. Nr Ni f Bl. 1871 Sesu< 2SM t»gb A6§ .. i» J AP0^ 2.60 945t |120 702« 11t62 4^ 2022’ ,4^0 11610 60« 12t.l,c Rr. 59 Mittwoch dm ü. März 1891 Der @*fmt Xeyii« «Wschmtt täglich, LoSnahme des Montag«. Wie Wiener gte*iru*irittM ®**tn dem Änzeigir SSch«tltch dreimal d-i-eleit. Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. vierieNthrig« 2 Merk 20 Pjg. te» Bringerloh«. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf, Kedaction, Lxpedtöi« tmb Druckerei: fOdnKlkA K-rfrecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den ALreis Giefzen. urnmi ■ ui■■ in .tt 1 wr.3 ■«■.■mi iiwMaJWJl,,u ' n» 1 iiJ'JU. .xJWTi'm. IB W'B — biuii"- .7» I Hratt-Leil-g«: chi-ßmer gjamifienBfätter. | Anrtlichev Theil. Bekanntmachung. 6s wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Turnverein zu Bad-Nauheim, welcher beabsichtigt, zur Gewinnung der Mittel zum Bau einer eigenen Turnhalle, eine Verloosung von Mobiliar- und Silbergegenständen, sowie Gegenständen des Kunstfleißes im September d. I zu veranstalten, bei welcher Loose bis zu 10,000 Stück, das Stück zu 1 JL ausgegeben werden sollen, die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt hat, daß nicht mehr als die vorstehend bemerkte Zahl non Loosen ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf non Gewinngeaenständen zu verwenden sind. Grvßh. Ministerium des Innern und der Justiz hat den Vertrieb der Loose in der Provinz Oüerheffen, jedoch mit Ausschluß des Verkaufs auf dem Wege der Colportage und «nter Beschränkung aus die Turnvereine der Provinz gestattet. Gießen, den 6. März 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen 'g v. Gagern. ___ -■■ii ■ - —■■■■■■ . —... ..... ,. , . Gießen, 9. März 1891. Betreffend: Volksbibliotheken. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen 4itt die Grvßh Bürgermeistereien der Land« gemeinden des Kreises. 6s ist uns von Interesse zu erfahren, ob in Ihren Gemeinden Volksbibliotheken bestehen. Wir beauftragen Sie deshalb, hierüber an uns zu berichten, und wenn solche Bibliotheken bestehen, zugleich anzugeben, auf wessen Veranlassung dieselben angelegt wurden und wer die Kosten derselben bestritten hat bezw. noch bestreitet, die Kirche, die Gemeinde oder etwa Volksbildungsvereine. Die bloßen Schüler- Sibliotheken sind in gegenwärtiger Verfügung nicht gemeint. v. Gagern. Bekanntmachung. Die Pläne und Verhandlungen über die neue Zuteilung der Grundstücke in den Fluren IV, V, VI, VII, VIII, X und XII der Gemarkung Saasen liegen von 7. bis 21. März I. I. auf der Großh. Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht der Betheiligten offen. Verhandlungstagsahrt daselbst findet g ______ Samstag den 21. März !♦ I, von Vorm. 8 Uhr an, statt. In derselben sind alle auf die neue Zutheilun'g bezüglichen Anträge, sowie auch etwaige Wünsche bezüglich des noch ruzuthellenden Restes der Gemarkung Saasen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen. Die Ueberweisung der neuen Grundstücke zur einstwelligen Benutzung, jedoch vorbehältlich etwaiger noch nothwendig werdenden Aenderungen, soll Samstag den 28. März l. I., von Vorm. 8 Uhr an, an Ort und Stelle erfolgen. Der Anfang wird an der Ge- markungsgrenze von Lindenstruth von der Staatsstraße aus erfolgen. Gleichzeitig wird zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, daß die neue Zutheilung des Restes der Gemarkung noch im Herbste dieses Jahres nach vollzogener Ernte stattfinden und daß eine Vergütung für Aussaat, Dung, u. s. w. nicht erfolgen soll, weshalb empfohlen wird, dergleichen Aufwendungen bis «ach dem Vollzüge der Ueberweisung der neuen Grundstücke zu unterlassen. Darmstadt, den 25. Februar 1891. Der Vollzugscommiffär: Rover, Regierungsrath. Reichstag. ♦4. Plenarsitzung. Montag, 9. Marz 1891, 1 Uhr. Die Berathung des Marineetats wird fortgesetzt. Die ersten Raten für die Panzerfahrzeuge 8 und U werde« an die Budgetcommission zurückoerwiesen. Die ersten Raten für das Panzerfahrzeug T, 1500000 Mk., zum Bau des Kreuzers F, 500000 Mk., und zum Bau des Avisos H, 1000000 Mk., sowie die Forderungen zur artilleristischen Armtrung dieser Schiffe werden gestrichen. Zur Ausrüstung und Armtrung von Kriegsschiffen zum Gelbrauche von Torpedos sind ats zweite Rate 1221000 IRL eingestellt, ivovon 214000 Mx. abgesetzt werden. Gestrichen werden ferner 60000 Mk. zur Beschaffung eines -rffernm Verschlußpontons für die Helling I. auf der Werft zu Danzig und lOOOOO Mk. zur Herstellung einer electrischen Beleuchtungsanlage auf der Werft zu Danzig, erste Rate. Die Posilton des außerordentlichen Etats, Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat, wird an die Budget- commission der calculatortschen Feststellung wegen verwiesen. Damit ist der Marineetat erledigt. Eine Reihe kleinerer Etats werden debattelos in zweiter Lesung angenommen, ebenso das Etats- und das Anleihe-Gesetz. Damit ist die zweite Elatberathung beendet. Es folgt die erste Berathung des Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reichs. Abg. v. Buol-Behrenberg (Ctr.) anerkennt das Princip der Borlage, das Fernschretb- und oas Fernsprechwesen nach gleichen Grundsätzen zu regeln. Redner erörtert dann den Unterschied zwischen Monopolen und Regalen und die Entwickelung des staatlichen Verkehrswesens, das aus dem Postregal sich auf das Telegraphenwescn und von da auf das Telephonwesen in natürlicher Entwickelung aus- gebrettet habe. Im Anschlüsse an die Vorlage ergibt sich eine Fülle juristischer Fragen, die eine Commissionsberathung der Vorlage nöthig erscheinen lassen. Abg. v. Bar (dfr.) regt ebenfalls einige juristische Bedenken gegen die Vorlage an; es sei bet der Einrichtung eines Monopols immer nöthig, den Umfang desselben genau einzugrenzen und das Nutzungsrecht des Publikums in ausreichender Weise zu sichern. Ferner werde man die Entschädigung der Besitzer bereits vorhandener Anlagen in Erwägung zu ziehen haben. Auch wird der Reichstag sich seinen Einfluß auf die Gebührentarife und auf die Gebührenfreiheit sichern müssen. Im Princip erkennt Redner das Monopol für das Telegraphenwefen als nöthig an. Abg. Kurtz (cons.) ist mit der Vorlage einverstanden. Es werde lediglich ein Zustand, der usuell besteht, legalisirt. Bedenklich scheine es, die Gebührenfrage mit in das Gesetz aufzunehmen. Eine Commission von 21 Mitgliedern möge die Vorlage vorberathen. Oberpostdirector Dam mb ach will Mängel des Entwurfs nicht verkennen. Es handelt sich um einen ersten Versuch, das Telegraphenwesen aus eine staatsrechtliche Basis zu stellen. Das Geheimniß der Telegramme ist durch strafrechtliche Vorschriften gesichert. Der vorliegenden gesetzlichen Vorschriften bedürfen wir dringend. Abg. Möller (natl.) hat Bedenken gegen Einzelheiten der Vorlage, so namentlich gegen die Bestimmungen über Entfernungen, die für die Anlage von Privateinrichtungen gefordert werden; auch für die Regelung der Gebührenfrage sollte sich der Reichstag seine Mitwirkung Vorbehalten. Die Vorlage geht an eine Commission von 21 Mitgliedern. Es folgt die Berathung des internationalen Ueberetnkommens über den Etsenbahnsrachlverkehr. Präsident im Reichseisenbahnamt, Dr. Schultz: Es handle sich hier darum, für den Etfenbahnfrachtverkehr eine internationale Rechtsbasis zu schaffen. Bei der Vorlage ist es erfreulich, daß die mit anderen Mächten getroffenen Vereinbarungen sich mit den Wünschen unseres Handelsstandes decken. Im Anschlüsse an die Vorlage wird eine Umarbeitung des Betrtebsreglements auf den deutschen Bahnen stattfinden, mit der eine Umarbeitung des Reglements für die österreichischen Bahnen Hand in Hand gehen wird. Die Abgg. Dr. v. Bar (dfr.) und Dr. Hammacher (natl.) beantragen Commissionsberathung. Das Haus verweist die Vorlage an dieselbe Commission, der das Telegraphen-Gesetz überwiesen ist. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr. Tagesordnung: Strafgesetz- Novelle, Wahlprüfungen, Schutztruppe für Ostafrika. Schluß 48/4 Uhr. Ae«efte Nachrichten. WolffS telegraphische- Correspondenz-Dureau. Berlin, 9. März. Anläßlich der Gedächtnißseier für weiland Kaiser Wilhelm werden im Mausoleum zu Char- lottenburg zahlreiche Kränze niedergelegt. Der Kaiser, das Großherzogliche Paar von Baden, der Erbprinz von Meiningen und Gemahlin und Prinz Alexander verrichteten in der Gruft ein stilles Gebet, ebenso die Herren aus der persönlichen Umgebung des verstorbenen Kaisers. Die Kaiserin war an der Theilnahme behindert. Berlin, 9. März. Wie der „Reichsanzeiger" mittheilt, nahmen an der Versammlung der Bergwerksleiter und Bergwerksbesitzer aller Kohlenreviere Beamte der preußischen, bayerischen und sächsischen Bergverwaltung theil, die bei Beginn der Sitzung erklärten, sich an den Discussionen und Beschlüssen der Versammlung nicht betheiligen zu können. Berlin, 9. März. Bei Berathung des Reichsschuld-Etats im Reichstage wiederholte heute Schatzsecretär Maltzahn die bereits in der Commission abgegebene Erklärung, daß voraussichtlich eine Begebung neuer Anleihen nicht erfolgen werde, ehe nicht die letzten Einzahlungen aus die jetzt begebene Anleihe erfolgt seien. Berlin, 9. März. Der Balneologen-Congreß ist heute geschlossen worden. Der Antrag auf einheitliche Bestimmungen für Quellenanalysen, insbesondere hinsichtlich des Kohlensäuregehalts, wurde einer besonderen Commission überwiesen. Berlin, 9. März. Den Berliner „Polit. Nachr." zufolge suchte der Oberschlesische Berg- und Hüttenmännische Verein bei dem Staatsministerium Maßnahmen nach, event. eine Enquete zur Beseitigung des periodisch wiederkehreuden Wagenmangels und petitionirte beim Abgeordnetenhause, statt der geforderten 550 Locomotiven und 6500 Gepäck- und Güterwagen 2500 Locomotiven und 51 000 Gepäck- und Güter wagen zu je 10 Tonnen oder 34000 zu 15 Tonnen zu bewilligen. Berlin, 9. März. Die Reichsschulcommission, welche aus Erfordern des Reichskanzlers Anträge auf Erthei- lung der Berechtigung höherer Lehranstalten zur Ausstellung des Einjährig-Freiwilligen-Zeugnisses begutachtet, tritt hier am 19. März zusammen. Breslau, 9. März. Aus Neisse wird gemeldet, daß der Vorsteher der Reichsbanknebenstelle, Mayer, wegen Wechselfälschung gestern Nacht verhaftet wurde. München, 9. März. Das heutige Militär-Verordnungsblatt veröffentlicht einen Gnadenerlaß des Prinzregenten für die Armee, demzufolge die Disciplinarstrase und militärgerichtlichen Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen vom 11. März ab erlassen sind. Ehrenstrasen sind hiervon ausgeschlossen. Hamburg, 9. März. Bei einem Nachts durch eine Petroleumexplosion entstandenen Feuer wurden 11 Personen aus den Etagen gerettet. Ein Mädchen erlitt Brandwunden. Wien, 9. März. Mehrere Kirch en für st en trafen zu den morgen beginnenden Bischossconferenzen ein. Bellinzona, 9. März. Nach offizieller Mittheilung ist die Versa ssungsr evision mit 11,100 gegen 10,625 Stimmen angenommen worden. Aus fünf Gemeinden steht das Ergebniß noch aus, doch kann das Endresultat, die Annahme der Revision, dadurch nicht geändert werden. Paris, 9. März. Das „Journal de Debats" kündigt die Schließung weiterer Spiritusbrennereien als unmittelbar bevorstehend an und bemerkt, diese ersten Resultate des Schutzzollsystems gestatteten einen Blick in die Zukunft. Der Ruin der französischen Spiritusindustrie sei nur ein Vorspiel der Vernichtung mehrerer hundert anderer Industrien und des Elends einer Million von Arbeitern. Das Blatt schließt mit der Frage, ob Meline und Genossen wohl den traurigen Muth haben werden, bis ans Ende zu gehen. Paris, 9. März. Bei dem ersten Rennen in Auteuil liefen nur drei Pferde. Es fand keinerlei Kundgebung statt und das Rennen verlies ohne Zwischenfall. Zwei Personen, welche „Nieder mit Constans" gerufen hatten, wurden verhaftet. Das Publikum verhielt sich sehr ruhig. London, 9. März. Auch hier und in anderen Theilen Englands wüthet furchtbarer Schneesturm. Der Telegraphenverkehr ist an verschiedenen Orten unterbrochen. Lima, 9.März. Eine große Quantität Lebensmittel und Schlachtvieh ist von Callao nach Jquique gesandt worden, wo die Ordnung wieder vollständig hergestellt ist. Der Hafen von Arica ist gegenwärtig blokirt. Localer and j-rovinzielles. Gießen, 10. März. — Wir dürfen nachträglich verrathen, daß unser Landesherr am Samstag und Sonntag in strengem Jncognito in unseren Mauern weilte. Se. König!. Hoheit der Großherzog waren am Samstag Nachmittag eingetroffen, um einer musikalischen Abendgesellschaft beizuwohnen, zu welcher Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog in seiner Villa einen größeren Kreis hiesiger Familien geladen hatte^ bei welchen Höchstderselbe während seines hiesigen Aufenthaltes zu Gaste gewesen. Die Ueberraschung war eine große und freudige, als der Landesherr zu der bereits versammelten Gesellschaft eintrat; und alle Eingeladenen waren entzückt sowohl von der Leutseligkeit, mit welcher die hohen Herren in dem Kreise verkehrten, wie von dem ganzen Arrangement des Festes, welches das hohe musikalische Talent und den seinen Geschmack des Hausherrn in jeder Beziehung bewies. — Am Sonntag Vormittag besichtigte Se. Königl. Hoheit der Großherzog noch eingehend das alte Kanzleigebäude^ dessen Restaurirung bekanntlich in Frage steht, und fuhren Nachmittags mit Sr. Königl. . Hoheit dem Erbgroßherzog nach Darmstadt zurück. Letzterer wird, wie wir von anderer Seite hören, voraussichtlich in acht Tagen unsere Stadt definitiv wieder verlassen. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 12. März 1891, Nachmittags 3 Uhr: 1. Gesuch des I. Boller um Erlaubniß zum Wirth- schastsbetrieb. 2. Gesuch des A. Noll II. um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße. 3. Gesuch des Fr. Textor um Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels. 4. Desgl. des Wilhelm Gail. 5. Gesuch des P. I. MöbS nm Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels. 6. Baugesuch der Firma Kauffmann u. Comp. 7. Desgleichen des Eberhard Fenster. 8. Ausbau der Schillerstraße, hier Ver» Gütung für Straßenauffüllung. 9. Den Fußweg von der Grünbergerstraße nach der Schmall'schen Bleiche. 10. Die Goffe am Uebergang von der Marktstraße zur Rittergaffe. 11. Geländeerwerb zur Liebigstraße. 12. Anschaffung eines weiteren Schneeschlittens. 13. Unterhaltung der städtischen Wiesen. 14. Vertilgung der Blutlaus, hier Wahl der Sachverständigen. 15. Befreiung der untersten Steuerklassen von der Gemeindesteuer. — Die Sonntags-Abendversammlungen, des „Feierabends fir Lehrlinge" erreichen mit dem nächsten Sonntag ihren Abschluß für diesen Winter. Diese Abende wurden im Ganzen — nach einer vorläufigen Zusammenstellung — von 158 Lehrlingen besucht. Der stärkste Besuch war am 14. December «it 94 Lehrlingen, die nur schwer in dem dem Feierabend freundlichst überlaffenen Saale des alten Rathhauses Platz hatten. Der schwächste Besuch fand am 1. und 8. März statt mit je 32 Lehrlingen. Im Ganzen wurden dem Feierabend von fämmtlichen besuchenden Lehrlingen 1103 Besuche gemacht, die sich auf 20 Abende vertheilen und mithin einen Durchschnittsbefuch von 55—56 Lehrlingen den Abend ergeben. An jedem Sonntag Abend war der Feierabend von 6—10 Uhr geöffnet. Die zahlreich vorhandenen Bücher, gute Spiele (Schach oder Damenbrett und dergl.), eine unter Leitung des Vorstandes stehende gemeinsame Unterhaltung, Gesänge und fast allabendlich ein Vortrag über geschichtliche Ereignisse, Erzählungen, Schilderungen u. s. w. gaben mannigfache Anregung. Eine einfache Weihnachtsfeier, die durch freundliche Unterstützung von Freunden des Feierabends ermöglicht wurde, eine Kaisergeburtstagseier (mit Vertheilung eines guten Kaiserbüchleins) seien besonders erwähnt. Eine neue Einrichtung, durch die freundliche Unterstützung des Stadtvorstandes ermöglicht, war in diesem Winter die Eröffnung eines Bibliotheks- und Leseabends. Um den Lehrlingen nicht nur außer ihrem Hause durch den Feierabend, sondern auch daheim in ihren freien Stunden zu bienen, wurde für jeden Mittwoch Abend die freie Benutzung der Bibliothek eingeführt. Diese Einrichtung findet denn auch lebhaften Zuspruch; es werden jedes Mal etwa 150 Bücher verliehen. Bis auf Weiteres sollen diese Leseabende auch jetzt noch sortdauern. Leiter des Feierabends ist Herr Pfarrer D i n g e l d e y, dem in eifriger Mitarbeit Herr Custos Dr. Heuser zur Seite steht. In der bewährten Hand des Letzteren liegt auch die Verausgabung der Bücher. Diener ist Schuldiener Schneider. Zu besonderem Dank ist der Feierabend einer Reihe von hiesigen Handels- und Fabrik- strmen verpflichtet, die durch finanzielle Unterstützung das Unternehmen förderten und damit verständnißvolles Interesse an dieser Anstalt bekundeten. Daß der Feierabend in seiner Weise an der wichtigen Aufgabe der Bewahrung und sittlichen Festigung der Heranwachsenden Jugend mithilft und hierbei ein nicht zu unterschätzender Factor ist, wird auch jedem Volks- und Jugendfreund unzweifelhaft sein. — Kunstverein. Die Ausstellung des hessischen Kunstvereins (im alten Hofgerichtsgebäude, täglich geöffnet von 11 — 1 Uhr) hat im Laufe der letzten Woche wieder eine wesentliche Erneuerung erfahren; unter den ausgestellten Bildern heben wir besonders vier Aq u ar ell e von Architect Hermann Lauter, Oberingenieur der Firma Phil. Holzmann & Co., in Frankfurt a. M. hervor. Einer Besprechung derselben (in der Offenbacher Ztg.) entnehmen wir Folgendes: „Zwei der Bilder sind exotischen Characters: Darstellungen vom Land des Nils. Lauter weilte im Auftrage seines Hauses vorigen Winter mehrere Monate in Egypten, um daselbst das Project zu einer Eisenbahn durch das Nilthal und die Wüste zu bearbeiten, und hat dort auch die Anregung zu den beiden Bildern empfangen, welche wir hier vor uns haben: „Arabisches Cafehaus in Kairo" und „Schiffswerft am Nil". Egypten mit der wunderbaren Klarheit seiner fast nie getrübten Atmosphäre, dem von seinem heiligen Strome zurückgestrahlten tiefen Azur des Himmels, der grünen Oasis feiner von Palmen- und Sykomorenhainen überschatteten Thalgesilde, der sie auf beiden Seiten einschließenden Wüste und dem sich dahinter, namentlich aber auf der östlichen Seite dahinziehenden kahlen Kalkgebirge mit seinen in der Morgen- und Abendbeleuchtung so unsagbar herrlichen Farbentinten — die Lichter rosa, die Schatten blau — Egypten ist so recht ein gelobtes Land für die Aquarellisten. In der „Bootswerft am Nil", Landschaft mit Staffage, führt uns der Künstler — denn diesen Namen verdient der sonst in einem ganz anderen Lebensberuf thätige Maler in der That — nach Oberegypten, wo uns der grelle, aber der Natur abgelauschte Farbencontrast zwischen dem tiefblauen Himmel und Skrom und dem bräunlichen Gelb der Wüste und Wüstenberge sofort in die Augen springt. Die Gerippe mehrerer im Bau begriffener Boote und eine Anzahl Dahabiehs, wie sie mit ihrem gertenartig hinausgebogenen Segelmast dem Nile eigenthümlich sind, liegen vor uns am Ufer. Das „Casehaus in Kairo" zeigt uns dagegen einen jener schattenkühlen, von Matten, durch die das Blau des Himmels hereinschimmert, überdeckten hos- artigen Räume der märchenhaften Khalifenstadt, in denen der weißbeturbante Moslem beim Dampfe des Tschibuk ober Nargileh seinen würzigen, unverfälschten Mokka ohne Milch und Zucker aus kleinen Porzellanschälchen zu schlürfen liebt. Aus dem sonnigen Süden führt uns der Pinsel des Malers dann in eine öde Felsenwildniß des Ober-Engadin: „Die Bernina mit dem Rosegg-Gletscher", ein Aquarellbild von ungewöhnlicher Größe. Eine Hochgebirgswelt von gewaltiger Erhabenheit thut sich hier vor den Blicken des Beschauers auf, in welche sich der weißlich-graue Gletscher gespensterhast herniedersenkt, ein Leichentuch, das sich erstarrend über alles Leben ausbreitet und es mit ewigem Schweigen zudeckt. Neben diesem großen bietet uns der Maler schließlich noch ein ganz kleines Aquarell: „Groß-Steinheim", in die warme Beleuchtung eines Sommerabends getaucht. — Wir wollen bei diesem Anlaß nicht unterlaßen, die Kunstfreunde in unserer Stadt zu regerer Betheiligung an der Mitgliedschaft aufzufordern,- eine Zahl von nur 72 Mitgliedern in Gießen entspricht weder der Einwohnerzahl unserer Stadt im Ver- hältniß zu den übrigen am Kunstverein betheiligten hessischen Städten (Offenbach z. B. hat 234 Mitglieder aufzuweisen), noch reicht dieselbe hin, um unserer Stadt den Vortheil einer wenn auch kleineren, so doch ständigen Kunstausstellung zu sichern. Man sollte glauben, dieser Genuß, sowie die Theilnahme an den jährlichen Verloosungen werthvoller Oelgemälde und an der Vertheilung von Prämienblättern seien den Jahresbeitrag von 10 Mark pro Familie wohl werth. — Lebeusmittel-Preise Ende Januar 1891. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten: ; Ochsenfletsch ■ per Pfund ! Rindfleisch - per Pfund . Kalbfleisch ! per Pfund i Schweinefl. ! per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod ' Roggen- Brod__ Butter per Pfund Milch 1 1 Liter Eier 1 Stück tittt Dctroi Darmstadt 76 70 70 72 66 14 12 86-100 17 7-10 Mainz 72 60 70 70 65 15 13 90-99 19 6-7 Offenbach 70 52 70 70 70 15 13,5 102-116 21 6-10 Worms 76 70 68 72 75 13 12 87-97 16 7-11 Gießen 71 62 65 65 65 14 12,5 78-88 17 7-9 Städte ohne Dctroi Bingen 75 70 60 75 60 13 12,5 81-95 18 8-10 Bensheim 66 60 60 64 60 11,5 10,5 86-100 17 8-9 Alzey 65 60 70 70 70 15 12 77-97 17 9-10 Frievberg 68 60 60 60 60 14 13,5 80-90 16 8-9 Alsfeld 65 59 60 55 — 15 12,5 12 95-100 14 7-8 Lauterbach 64 64 56 60 56 15,5 100 14 7 + Hungen, 9. März. Der hiesige Consumverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, hat sich aufgelöst. Die seitherigen Mitglieder dieses Vereins haben nunmehr einen neuen Verein gebildet, welcher den gemeinsamen Bezug von künstlichem Dünger, Ankauf von Futterartikeln usw. zum Zweck hat und dessen Mitglieder sich monatlich bereinigen, um Beobachtungen und Erfahrungen in der Landwirthschast gegenseitig auszutauschen. — Ruppertsburg, 8. März. Um eine Verbindung mit unserem Orte, sowie mit dem in der Nähe desselben gelegenen Schmelzwerke „Friedrichshütte" herzustellen, wurde beim Erbauen der Bahnlinie Hungen-Laubach ein schmalspuriges Geleise nach genannten örten erbaut. Die Wagenladungen wurden mittelst Pferden von der Friedrichshütte, sowie vom hiesigen Orte aus, wo sich auch eine Gütereinladestelle befindet, seither auf dieser Schienenverbindung nach der Haltestelle genannter Bahnlinie verbracht. Dieses Verkehrsmittel hat sich jedoch als ein sehr beschwerliches bei ungünstigem Wetter kaum zu bewältigendes erwiesen und ist man deshalb gesonnen, diese schmalspurige Schienenverbindurg in eine normalspurige umzuändern und haben bereits die nöthigen Vorarbeiten begonnen. Die betr. Wagenladungen würden bann mittelst Locomotive hier wie auf der Friedrichshütte abgeholt werden können. X Echzell, 8. März. Herr Bürgermeister Habicht dahier, welcher seit etwa 12 Jahren das Amt eines Bürgermeisters der Gemeinde bekleidet, ist gesonnen, dieses Amt nieder zulegen und hat bereits die vorgesetzte kreisamtliche Behörde hiervon in Kenntniß gesetzt. Schlitz, 6. März. Gestern Abend gegen 10 Uhr ereignete sich hier ein höchst bedauernswerther Unglücksfall, welcher mehrere Familien in tiefe Bekümmerniß versetzt hat, infolge fahrlässiger Handhabung einer Schießwaffe. Ein junger Bursche zielte mit einem Terzerol — von dem er wahrscheinlich nicht wußte, daß es geladen — auf einen andern jungen Mann, die Waffe entlud sich und die Ladung drang dem letzteren in den Kopf. Der Getroffene, welcher dieser Tage das Lehrerseminar tn Friedberg verlassen und die Abgangsprüfung bestanden hat, liegt sehr schwer verletzt darnieder. E. Homberg a. d. Ohm, 9. März. Unser auf den 18. d. M. anberaumter Markt darf in Rücksicht auf das Bestehen der Maul- und Klauenseuche mit Vieh nicht befahren werden. -ci<. Vom Vogelsberg, 9. März. „Lätare, das sind die wahre!" sagt ein bekannter Waidmannsspruch von den Schnepfen. Aber für unsere Gegenden hat er heuer keine Geltung, um so weniger, als „Oenli, da kommen sie!" sich nicht bewahrheitet hat. Unseren Jägern ist überhaupt in diesem Vorfrühling noch keine Schnepfe zu Gesicht gekommen, während man in den Rhein- und Maingegenden deren schon vor Oculi erlegt hat. Jedenfalls werden diese delicaten Vögel noch von den weißen Koppen des Vogelsbergs in der Ebene zurückgehalten. Es ist übrigens, schreibt das „Berl. Tagebl.", ein Jrrthum, daß alle jene Schnepfen, welche im Frühjahr bei uns eintreffen, den Winter in Nordasrika zu- bringen. Neuere Feststellungen haben ergeben, daß es hauptsächlich Spanien, Albanien und Griechenland sind, wo Ende October ober Anfang November bie Schnepfen anlangen, um der wärmeren Sonne des Südens theilhaftig zu werden. Auch . auf Sardinien und ©Übitalien überwintern sie zahlreich, währenb sie in Afrika selbst, z. B. in Egypten, nur vereinzelt gesehen werden. In Massen aber finden sich die Schnepfen an den Westküsten Kleinasiens ein, wenn die rauhe Jahreszeit in Nord- und Mitteleuropa beginnt. Das also sind die Länder, aus denen in den Märztagen die Schnepfen zu uns zurückkehren, soweit ihnen nicht schon dort das Lebenslicht ausgeblasen wird, waS leider in großen Massen geschieht. So giebt es z. B. in Smyrna allein einige Tausend Jagdliebhaber, welche dem delicaten Vogel mit Pulver und Blei gar arg nachstellen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Griechenland. Einigen Engländern gelang es hier in den Ebenen von Patras und Pyrgos im Peloponnes binnen drei Tagen 1000 Stück Schnepfen zu schießen. Daß solche Maffenvertilgung eine Verminderung der Schnepfen herbeiführen muß, liegt klar auf der Hand, anderntheils freilich spielt auch die bessere Bewirthschaftung der Waldungen dabei eine Rolle, denn die moderne Forstwissenschaft ist daraus bedacht, gerade solche Waldstrecken, wie sie die Schnepfe liebt, zu melioriren, ihre Nässe zu mildern und die undurchdringlichen Dickichte von Dornbüschen zu lichten, welche der Lieblingsaufenthalt der Waldschnepfen sind. Dermifdytes. * Darmstadt, 5. März. Po st personalnach richten. Der Postsecretär E n s i n g e r in Langen (Hessen) ist zum Postmeister ernannt worden. Versetzt wurde der Postassistent Siegler von Mainz nach Worms. Der Postverwalter Kremer in Alsheim ist gestorben. * Von der Lahn, 10. März. Adolf Müller. In wenig Wochen wird der als Naturforscher und Schriftsteller in den weitesten Kreisen hoch angesehene und verdiente Kgl. Oberförster A. Müller von Crosdorf scheiden, um in Darmstadt, wie Viele mit uns dem verehrten Manne von ganzem Herzen wünschen, ein langjähriges otium cum dignitate in Frische des Geistes wie Leibes zu verleben. Unsere besten Wünsche geben ihm dorthin das Geleite. Wir kommen sicher- !ich den Empfindungen vieler Freunde und Verehrer des scheidenden Mannes entgegen, wenn wir uns den Vorschlag gestatten, daß wir uns mit ihm noch einmal zu einem fröhlichen Abschiedsmahle zusammenfinden- wir schlagen als Gasthof das „Einhorn" in Gießen vor und als Zeit etwa die Tage nach dem Osterfeste. Ein Comitö wolle das Nähere festsetzen. * Marburg, 9. März. Gestern Abend wurde in der Nähe der Haltestelle Nieder Weimar von dem gegen 9 Uhr diese Strecke pafsirenden Schnellzuge Nr. 74 ein Mann überfahren. Infolge eines heftigen Ruckes der Maschine ließ der Locomoüvsührer den Zug halten und man gewahrte sodann auf dem Geleise die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche eines Mannes, dessen Identität bis jetzt nicht festgestellt werden konnte. — Frankfurt a. M., 9. März. Die Actiengesell- schaft für billtge Wohnungen hat soeben Bericht über ihre Thätigkeit im Jahre 1890 erstattet. Dem Bericht fei entnommen: der Gesellschaft stehen insgesammt 705000 Mk. zur Verfügung. Von dieser Summe hat Herr Georg Speyer Hierselbst der Gesellschaft allein 100 000 Mk. unter der Bezeichnung „Georg Speyer'sche Ueberweisung" übergeben. Die an der Burg- und Eichwaldstraße begonnenen sieben Häuser konnten infolge des strengen Winters noch nicht fertiggestellt werden, man hofft indeß, daß sie bis zum 1. Juni beziehbar sind. Miethkasemen will die Gesellschaft eigentlich nicht errichten, wenn auch das Cottages-System sich in einer Stadt wie Frankfurt nicht durchführen läßt. In vier Geschossen sollen sechszehn Wohnungen ä zwei Zimmer, zum Theil mit Küche, sich befinden. Der Preis für solche Wohnungen soll betragen: für Parterre und zweiten Stock 15 Mk., für den ersten Stock 16 Mk., den dritten Stock 14 Mk.; kommt zu den zwei Zimmern Küche, so stellen sich die bezüglichen Preise auf 22, bezw. 24 und 20 Mk. Jetzt schon sind die Anmeldungen für die Wohnungen in den im Bau begriffenen Häusern so zahlreich, daß lange nicht alle Petenten berücksichtigt werden können. Jrn Nordende wird die Gesellschaft noch zwei weitere Häuser errichten, so daß sich dann dort elf befinden werden. Finanzminister Dr. Miquel, welcher an der Thätigkeit der Gesellschaft den regsten Antheil nahm und noch nimmt, hat den Vorsitz im Aufsichtsrath beibehalten. Er wird, wie die hiesigen Blätter melden, der Uebergabe der Neubauten im Mai beiwohnen. nttiHtfitöb - Nachrichten. Tübingen, 8. März. Einen sehr tntereffanten Beitrag r»r neuesten Entwickelung der deutschen Universitäten im Allgemeinen und der Tübinger Hochschule im Besonderen gab anläßlich deS Geburtsfestes Seiner Majestät des Königs der Rector der hiesigen Universität, Professor vr. v. Jolly, in seiner Festrede in der Aula. Während seit Anfang der 60er Jahre die Zahl der Studirenden überhaupt tn Deutschland um 120 pCt. wuchs, nahm Tübingen um . 73 pCt. zu, nimmt aber heute wie damals die sechste Stelle unter den deutschen Universitäten ein. Von Nichtwürttembergern wird es in steigendem Maße besucht, neuerlich von 35 aufs Hundert der Studirenden, während die Württemberger, die früher nur zu 6 pEt. außer Landes studirten, jetzt bis zu 28 pEt. an auswärtige Hochschulen gehen. In Preußen studiren durchschnittlich 25, in Sachsen 19 pEt. außerhalb ihres Vaterlandes. Dieser Austausch kräftigt die geistigen Bande zwischen den deutschen Stämmen. Tübingen ist trotz wachsender Neigung der Fremden, auch im Winter hier zu studiren, eine Sommeruniversität und würde es noch mehr, wenn, was nicht zu wünschen, der Schuljahranfang in Württemberg aut§ Frühjahr verlegt würde. Dann müßten auch jetzt eben reichende Laboratorien und Hörsäle erweitert werden. Die Durchschnittsfrequenz Tübingens in den letzten Jahren ist 1335. Auffallend ist, daß von den fremden Studirenden jeder sechste beim hiesigen Infanterie - Bataillon sein „Einjähriges" abdient, von den Württembergern erst jeder drei- undzwanzigste. Wahrend die Zahl der ordentlichen Profesforen überhaupt um 40 pEt. wuchs, sind es bei jetzt 52 ordentlichen Professoren tn Tübingen nur 18 pCt. Zunahme gegen das Jahr 1864, doch war damals Tübingen voraus. Den durchschnittlich 26 außerordentlichen Professoren und 31 Prioatdozenten der anderen deutschen Universitäten stehen in Tübingen nur 14, bezw. 9 gegenüber, ein Verhältniß, das sich besonders bei der hiesigen medictnifchen Facultät zeigt, wohl zum Theil verursacht durch die geringe Praxis, welche das kleine Tübingen weniger bemittelten jüngeren Dozenten bietet. Von allen deutschen Universitätsstädten ist in Tübingen die Zahl der Studirenden zu der der Einwohner am stärksten. 1864 kam bei 8700 Einwohnern ein Student auf 10 Einwohner, heute kommt bei 13,200 Einwohnern (einschl. Militär) 1 Student auf 9 Einwohner. Das Lehrpersonal hat im Jahre durchschnittlich zwei Abgänge. Der Gesammtgehalt der ordentlichen Professoren ist seit 1864 von 3000 X auf 6560 gestiegen. Bezüglich der Penfionirung wäre das preußische System bei Emeritirung ober das bayerische zu wünschen. Der Gehalt der außerordentlichen Professoren hat sich seit 1864 verzehnfacht Die Gesammtsumme der Besoldungen stieg von 175,000 X aui 390,000, der Aufwand für die Institute von 100,000 X auf 340 000. Aus 17 Assistenten wurden 43, aus 29 Bediensteten der Universität 81, ohne die gemietheten Personen. Die Verwaltungskosten stiegen von 15,000 auf 23,000 X Der Gesammtetat erhöhte sich von 290,000 X auf 750,000. Hierzu kommen aber noch mehrere Poften, so die Bor - lesungshonorare, die 1864 35,000 X, in den drei letzten Jahren durchschnittlich 80,000 X betrugen. Damals entfielen auf einen Studenten 42, auf einen Professor 566 X, heute sind es 60, bezw. 1050 X Die Erhöhung rührt von der stärkeren Zunahme der urde der ® Du Jin »Hie, o ?TJ** »«, «;** i Mann, ' ^°rm- im CUm iOn .Wm kbtn hl . M. f cre besten 5,1 »«ä S-'S •S«ft 6 * d°S Aher- .’“*.*>* in bet »ra dm gtgen»^ «■««natant 6er= ’ Maschine lie6 in »»« gew-hm ^mver,iiiMelte Leiche r W sestgestellt wer- Die Actiengeseli- 11 hat soeben Bericht erstattet. Dem Bericht ^gejammt 705000 Mk. hat Herr Georg Speyer 00 Mk. unter der Be- Mng* übergeben. Die gonnenen sieben Häuser noch nicht sertiggestellt 1 zum 1. Juni beziehbar haft eigentlich nicht er- tem sich in einer Stadt t. In vier Geschäften 'mmer, jum Theil mit solche Wohnungen soll )tock 15 Mk., str den L 14 M.; kommt yi H bie bezüglichen Preise tzt schon sind die An- itn im Bau begriffnen hl alle Petenten betört« de n)itd die Gesellschaft so daß sich dann dort Dr. Miquel, welcher an Hsten Antheil nahm und lussichtsrath beibehalten, melden, der Uebergabe hrichtev. r interessanten Britt«-M leTfrtitm OPÄ gab anlaBM Jt Rector d-r bk»« ^-strebe in der Am«. ?te3ablb k-r-' °k» »°W01' jS'Ä’S ,«rt***i*t* 6 * s"---""ä StubirenbcR unb ber Abschaffung des noch aus bem vorigen Jahr- hunbert stammenden niedrigeren Tarifs im Jahre 1876 her. Für Bauten wurden besonders autzeretatsmäßig großartige Mittel verwendet, in 27 Jahren etwa 4'/» Millionen Die wahren Jahres- toften der Universität überschritten erheblich 1 Million Der Auf; wand für die Universität war etatsmätzig 1864 der 117. Theil des gesammten Staatsaufwandes, heute ist er der 126. Theil, bei den großen und neuen Anforderungen, die besonders seit 1870—71 an den Staat gestellt sind, eine kaum beachtenswerthe Differenz. Die Wissenschaft erhält heute wie damals, was ihr gebührt. Citeratur «nd rinnst. — Rudolf Virchow fährt in Nr. 7 der ,®attettla«t»t* mit feine* Erinnerungen an Schliemann fort. Er gibt uns merkwürdige Aufschlüsse über die Art unb Weise, wie Schliemann zu seiner erstaunlichen Beherrschung der verschiedensten Sprachen kam, wie oft ein kleiner Anstoß genügte, ihn zum Erlernen einer Sprache zu veranlaßen, und mit welcher Virtuosität er sie dann auch nach kurzer Zeit handhabte. Am bezeichnendsten ist die Geschichte, wie er zum Studium des Arabischen kam. — „Im Jahre 1858," erzählt Virchow, „kam Schliemann zum ersten Male nach Egypten und plante in Gemeinschaft mit Professor Wedl von Wien eine Nilreise. Damals verstand er kein Wort arabisch. Er übertrug daher die Zurüstung der Daha- bieh, auf welcher die Reise gemacht werden sollte, einem deutschen Kaufmanne in Kairo. Als derselbe aber seine Rechnung brachte, gewann Schliemann aus allerlei Anzeichen die Ueberzeugung, daß er schwer betrogen morden sei. Das veranlaßte ihn, Arabisch zu lernen. Mit gewohntem Eifer machte er sich an die Arbeit und schon während der Fahrt, die bis zum zweiten Katarakt ausgedehnt wurde, kam er soweit, daß er sich über die nöthigen Bedürfnisse und die gewöhnliche« Verhältnisse ohne Dolmetscher verständigen konnte. Aber auch nach seiner Heimkehr setzte er diese Studien fort. Nach seiner Methode machte er sich daran, größere Abschnitte arabischer Schriften auswendig zu lernen. Dazu wählte er das heilige Buch der Moha- medaner. So begann seine genaue Bekanntschaft mit dem Koran, die uns von großem Nutzen werden sollte. Die letzte Zerstreuung, die er sich auf seinem Krankenlager gönnte, bestand in der Lectüre einer neuen Ausgabe des arabischen Textes von „Tausend und einer Nacht", die ihm sein Verleger, Herr Brockhaus, besorgt hatte." — Im Verlage von Otto Spamer in Leipzig ist ein Büchlein erschienen, auf welches wir unsere Leser ganz besonders aufmerksam machen wollen: »Werde ei« Man«! Mitgabe für die Lehrzeit. Von Th. Lange." (250 Seiten 8°, in hübschem, dauerhaften Einband X 1.50.) Welchen Verirrungen die Lehrlinge des Handwerkerstandes und der Kaufmannschaft in unseren Tagen ausgesetzt stnd, hat wohl jeder Meister schon erfahren. Und doch beruht gerade die Zukunft sowohl des Kaufmanns- als Gewerbestandes auf der gedeihlichen Entwickelung des jungen Nachwuchses. Die Zeit vom 14. bis 13. Jahre ist meist entscheidend für das ganze Leben. Daß nun der Lehrling ein tüchtiger, characterfeste Geselle werde, der, sich fernhaltend von unklaren Traumgebilden, nur in richtiger Erkennt- niß der Lebensbedingungen durch eigene Kraft sein Vorwärtskommen erstreben will, und daß er später auch ein braver, fleißiger Meister werbe, dazu will das vorliegende Büchlein ihm ein Erzieher und Führer sein. Der Verfasser ist selbst ein Mann des Volkes; er versteht das Denken und Fühlen des Lehrlings, da er selbst einer gewesen, unb deßhalb ist er auch wie kein zweiter geeignet, der Ver- führnng entgegcnzutreten und dem Lehrling den Weg durchs Leben zu zeigen. Wir empfehlen das Büchlein, welches trotz seines billigen Preises durch eine anziehende Ausstattung sich auszeichnet und daher besonders auch als Confirmattonsgeschenk am Platze ist, angelegentlich Elter« und Lehrherren zur Anschaffung für jeden Lehrling, sei es schon beim Eintritt in die Lehre, sei es als eine Aufmunterung zur rüstigen Weiterarbeit oder als eine Belohnung. Kmdwirthschaftlichr Winke und Rathschläge. ftUt», Gras» lrrnd andere ArühjahrSsaaten. △ AuS Oberheffe«, Anfang März. Die Zeit rückt nahe heran, wo die Saaten für Klee, Gras und sonstige landwirthschaftliche Culturpflanzen bewerkstelligt roerben müssen. Den schwerste«, Nicht r« eorrigiretrde« Kehler begeht der Landwirth, wenn er sich schlechtes Saatgut anschafft und verwendet. In dieser Beziehung kann nicht eindringlich genug gewarnt werden. Um einige Pfennige oder selbst etliche Mart r« sparen, riSkirt ein Bauer z. B. seine ganze Kleeernte. In Be,ug auf Saatfrüchte mutz immer wiederholt werden, datz das Billigste das Schlechteste ist. Nur was vorzüglich ist und wofür Garantie geleistet wird, sollte als Saatgut Verwendung finden. Wir wissen, datz der verflossene Sommer sehr «atz war. Die Samenernte konnte darum keine günstige sein. Für die Gräser war die Ernte ver hältnißmäßig noch am günstigsten, besonders wenn sie bis Ende Juni oder in den ersten Tagen des Juli, also vor der langen Regenperiode geerntet wurden. Später brach die siebenwöchige Regenperiode herein und verdarb den Samen. Nur das sog. Knaulgras (Dactylis glomerata) und Wiesenrispengras (Poa pratensis) geriethen nicht und sind daher theuer. Wenig günstig ist die Ernte des KleesamenS in den verschiedenen Arten ausgefallen, denn diese Ernte fiel vollständig in die Regenperiode. Wahrscheinlich reicht der Siothklee (Trifolium pratense) für den Bedarf nicht a«S. Man fordert 55 bis 60 Mk. pr. Etr. Großer Schotenklee (Lotus arniculatus) wird mit 100 Mk., Luzerner (Medicago sativa) mit 60 Mk., Wetßklee (Trifolium repens) mit 75 Mk., Bastardklee (Trifolium hybridum) mit 85 Mk., gelbcr Senf (sinapis alba) mit 20 Mk. berechnet. Wer Kleefarnen kaufen muß, verlange von dem Verkäufer Garantie dafür, daß er absolut kleeseidefrei ist. Am besten nimmt man Samen, der von der Sarnencontrollfiatton untersucht und demgemäß mit Bescheinigung versehen worden ist. Es wird hiermit auf die Same«-Misch«Ngen aufmerksam gemacht, die sich seit einer Reihe von Jahren als practisch bewährt haben und sich schnell einbürgerten. Die Futterpflanzen untereinander gemischt und cultivirt gedeihen viel bester und geben höhere Erträge, als wenn sie in einer einzigen Art rein gezogen werden. In der Forstwirthschaft haben sich die gemischte« Bestände, den reinen gegenüber, schon längst bewährt. Großen Erfolg hat die Kutterbau-Samenmisch««- des Herrn Wanderlehrers Wagner erzielt, weshalb auf diese Mischung aufmerksam gemacht wird. Wir haben vorhin auf die gemischten Bestände in der Forstwirthschaft hingewiesen. Es gibt viele Landwirthe, die Waldbesttzer sind und neue Culturen im Laufe des Jahres vorzunehmen Haven. Die nachstehenden kurzen Notizen sind daher Manchem vielleicht nicht unwillkommen. _ Die Waldsämereien sind im vergangenen Jahre fast sammtlich — eine Ausnahme bildet wohl nur die Weymmhskiefer — spärlich ausgefallen. Während sonst das Brechen und Einsammeln der Fichte«, «nd Kiefernzapfen freiwillig geschah, weil dadurch ein anständiger Taglohn erzielt wurde, wollten die Leute dreses Jahr nichts davon wissen, weil es nicht der Mühe werth war, die hohen, lebensgefährlichen Bäume wegen einiger wenigen Zapfen zu besteigen. Es mutzten daher sehr hohe Löhne für das Einsammeln gezahlt werden und demgemäß sind die Preise der Samen sehr hoch. Ebenso spärlich sind die Samm der Eichen und Buche« ausgefallen, aber die Onalität dieser, wie auch der übrigen Waldsamen ist eine r echt befriedigende. Wenn fü oie Feldgewächse eine Keimprobe und Samencontrolle nothwendig ist, so ist sie für die Forstsämereim nicht minder wichtig. Wer daher diese Sämereien nöthig hat, kaufe ebenfalls nur das Beste. Nichts ist ärgerlicher, als wenn man Alles gethan hat, was erforderlich war und man wartet nun von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und es geht nichts auf. , _ , Bei Anschaffung dieser nothwendigen unb theuren Sachen vergesse der Landwirth niemals das Sprichwort: Gehe lieber zum Schmiede, als zum Schmiedchen! Nachschrift. Die hohen Preise für das Brandholz scheinen sich für Bau-, Werk- «Nd Nutzholz nicht in gleicher Höhe halten zu wollen. Aus Starkenburg kommt die Nachricht, daß die Preise für Aichtennntzstücke um 25 bis 30pCt. zurückgehen und zwar aus einem sehr erklär ttchen Grunde. In Oberbayern wurden wegen Verheerungen der Nonnenranpe über 1OOOOO Eubikmeter Fichtenstämme geschlagen und diese gewaltige Holzmasse wirft die bayerische Regierung nicht etwa nach und nach in ein, zwei ober drei Jahren, sondern auf einmal auf ben Markt. Man kann baher franco Bahnhof Ludwigshafen die prächtigsten Fichtenstämme um 25 bi« 30pCt. billiger kaufen als in den Wäldern der Provinz Starkenburg. Diese Nachricht hat wohl nicht allein für die Holzproducenten Ober« Hessens, sondern auch für solche Bewohner der Provinz Jntereste, welche die Absicht haben, Bauten aufzuführen. Verkehr, Land- and volkswörLH-chas-t. Gießen, 10. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,80—0,90, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. - H, Enteneier 1 St. 7 — 2 St. — H, Käse pr. St. 5—8 H, Käsematte pr. St- 3 A, Erbsen vr. Liter 19 A, Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar X 0,60—0,70, £>ü$ner pr. Stück X 1,20-1.50, Hahnen pr. St X 1,30-1,70, Enten pr. Sckck X 2,00-2,30, Ochsenfleisch pr. Vfd 70-74 A, Kuh-und Rindfleisch 60—64 A, Schweinefleisch 60-70 A, Hammelfleisch 50—70^, Kalbfleisch 60--A, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,40-7,W, Weykraut vr. St. 3—7 A, Zwieveln ver Centner X 6,50^-7,50, Milch per Liter 12—18 A, Gänseeier 12 A- Langsdorf, 9. März. Der heutige Vieh- und Kramer- markt war äußerst zahlreich besucht. Aufgetrieben war eine große Anzahl Rindvieh, darunter auch Zuchtbullen und Schweine. Der Handel war unter ersterem recht lebhaft, es wurden viele Verkaufe abgeschlossen und von den Verkäufern gute Preise erzielt. Auf dem Schwetnemarkt war dagegen der Handel nicht besonders rege, auch die Preise waren gedrückt. Der des Nachmittags stattgefundene Krämermarkt war gleichfalls zahlreich besucht und herrschte hier, wie auch in ben hiesigen Geschäftshäusern reger Ver kehr. — In Ob er Hessen und Umgegend finden im Monat März u. A. folgende Märkte statt: Den 12. in Münzenberg Vieh- und Krämermarkt. Den 12. in Homburg v. d. H. Vieh-, 13. Krämermarkt. Den 16. in Lauterbach Vieh- und Krämermarkt. Den 17. in Ortenberg Vieh-, 18. Krämermarkt. Den 17. in Schotten Vieh-, 18. Krämermarkt. Den 18. in Friedberg Vieh- und Krämermarkt. Den 18. in Wetzlar Vieh- und Krämermarkt. Den 18. in Homberg a. d. Ohm Krämermarkt. Den 18. Frankfurter Ostermesse, 21 Tage. Den 19. in Grünberg Vieh- und Krämermarkt. Den 19. in Butzbach Fasselmarkt. Den 20. in Nodheim v. d. H. Schwetnemarkt. Den 24. und 25. in Gießen Vieh- und Krämermarkt. Den 31. in Bleichenbach Viehmarkt. Den 31. in Usingen Vieh- und Krämermarkt. Den 31. in Gedern Vieh-, 1. April Krämermarkt. Den 31. in Laubach Vieh- und Krämermarkt. Englische Cheviot- u. Kammgarn, nadelfertig, reine Wolle ca. 140 cm breit ä Mk. ».48 per Meter [1047 bis 8.75 vers. dir. an Private jed. belieb. Quantum Buxkln-Fabrlk- Depöt Oettinger & Co., Frankfurt a. M. — Mufterausw bereitw. fr Schwarze rein wollene Kleiderstoffe (glatt und gemustert) zu Fabrikpreisen bei 394 <*ebr. Stamm. Promenadeu-Concert Mittwoch den 4. März. Programm: 1. Dunkler: Ouvertüre „Der Flüchtling." 2. Wagner: Einzug der Gäste aus die Wartburg. 3. Strauß: Schatz- Walzer. 4. Meyerbeer: Die Wallfahrt nach Plörmel (Potp.). 5. Krauße: Jubiläums-Marsch. Meyers Verzeichnisse der bis mern sind durch jede Buch- handlang kostenfrei zu beziehen. 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An der Hand der Unioersitätsacten hat Verfasser eine Reihe solcher falschen Nachreden richtig gestellt und so einen wichtigen Beitrag zum Lebensbild unseres größten deutschen Chemikers und zur Geschichte der Chemie geliefert, ber ollen Schülern Liebigs — und welcher Chemiker hätte nicht von ihm gelernt? — vorn höchsten Interesse sein muß. [2203 2211] Gesucht zu Ende d. M. ein reinliches braves Mckdche« von 15 bis 17 Jahren tagsüber. Galt, Selters weg 22. 2065] Kindermädchen sofort gesucht. Näheres in der Exped. d. Bl.________ 2213] Ein gebildetes Mädchen, welches perfect nahen unb fluten kann und in all. Häusl. Arbeit, erf. ist, bei Kinder von 8—12 Jahren gef. Famil. Behänd!. Offerten unter B. 20 an die Exp. d. Bl. Milkelmacher werden angenommen. Gute« Umblatt I Wo? sagt die Exp. d. Bl. (2219 Strohhüte werden gewaschen und fa^onirt. 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