Mr. 288 Donnerstag den 10, December i—■II—I -BI»■MN' ■■«■itwemnwiw« Wchr«« >M*<* täglich, Wh Lkutuahm« bti Mc nte#4. Dh Oietzmer 9to* Glsfzeir. bLnatzme »<« Anzeigen zu der tRetfranttogi fLr den Lag erscheinenden Rümmer bis vorm. 10 Uhr. MfisfeiCage: Kießener K-mikimökLtt-r, | ^"^77.7, üteMüMIMi tst^sirQiÄeHVsw In- und latleateN netzikM ener Anzeiger^ ^,.UWWM^IW!MW'WMIMWW Anrtlichev Theil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat November 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen; Hafer «X 16.50, Heu «X 5.80, Stroh «X 5.50. Gießen, den 9. December 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Maul- und Klauenseuche zu Dorheim und Vilbel. In je einem Gehöfte zu Dorheim und zu Vilbel im Kreise Friedberg ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Das Kreisamt Friedberg hat Gehöftesperre angeordnet. Gießen, den 8. December 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deatsches Reich. nn. Darmstadt, 8. December. Hessischer Landtag. Unter dem Vorsitze Kugler-Offenbach trat heute Morgen die zweite Kammer der Stände zu etwa achttägigen Verhandlungen zusammen, um über einige dringliche Regierungsvorlagen zu berathen. Hauptsächlich sind es die Jagdgesetze, welche noch vor Schluß dieses Jahres verabschiedet werden sollen. Das Haus ist nur mäßig besetzt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Präsident Kugler des kürzlich verstorbenen Abgeordneten Matthäi und widmet demselben einen Nachrus. Zum Andenken an den Verstorbenen erhebt sich das Haus von den Sitzen. — Nach Verkündigung einer Anzahl neuer Einläuse und Berichtsanzeigen tritt das Haus sofort in die Berathung der Vorlage Großh. Staatsministeriums, die von der Großh. Oberrechnungskammer nach Art. 20 des Gesetzes vom 14. Juni 1879 ausgestellten Nachweisungen über die Staats-Einnahmen und -Ausgaben in der Finanzperiode 1879/82 betr. Finanzminister Weber wendet sich hierbei gegen die Auslegung des Art. 4 des Etatsgesetzes von 1888. Hier ist davon ausgegangen, daß am Schluß der Finanzperiode Bewilligungen für laufende Unterhaltungen von Gebäuden nicht auf die folgende Finanzperiode übertragbar seien. Finanzminister Weber beleuchtet die für das Finanz- gebahren der Regierung entstandenen Nachtheile und bittet das Haus, diesen Art. 4 in anderer Weise zu interpretiren, zumal auch früher schon Bewilligungen in diesem Sinne übertragen wurden. Hiernach beschließt das Haus einstimmig, die Ueberschüsse der ordentlichen Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben der Finanzperiode 1879/82 der Großh. Hauptstaatskasse mit 9,346,837 Mk. 28 Pfg. als richtig anzuerkennen, dagegen soll dem Wunsche des Finanzministers in einer späteren Budgetperiode Rechnung getragen werden. — Tine Rückäußerung erster Kammer, betr. Ergänzung des Gesetzes vom 27. November 1874 wegen Revision der Bestimmungen über Versetzung der Civilbeamten in den Ruhestand, wird mit allen gegen 5 Stimmen abgelehnt. — Die Vorlage der Regierung auf Umwandlung des Gehalts des Jnspectors am mineralogischen Cabinet des Museums zu Darmstadt in einen pensionssähigen wird einstimmig angenommen, ebenso die Bewilligung von 7457 Mk. 41 Pf. zur Sicherung des Museums gegen Feuersgefahr, welche seither von dem Fond für öffentliche gemeinnützige Zwecke bestritten wurden. Dagegen lehnte die Kammer eine Eingabe des Docenten an der technischen Hochschule, Major a. D. v. Pfister, auf Gewährung einer ständigen Docentenzulage einstimmig ab. — Für den Umbau des medicinischen Laboratoriums zu Gießen in eine Verwalterwohnung und für Zwecke der Ohrenklinik werden 5700 Mk., für bauliche Herstellungen im alten akademischen Hospital zu Gießen werden 13,750 Mk. ohne Debatte bewilligt. Desgleichen für den Umbau des Hauses Neckarstraße 1 zu Darmstadt zu Zwecken der Landesbaugewerkschule, des Ober- Consistoriums und der technischen Mustersammlung 31,700 Mk., für größere bauliche Herstellungen am Regierungsgebäude zu Mainz 23,000 Mk. — Die Stelle des Präsidenten der Großh. Centralstelle für die Gewerbe wurde feit Bestehen derselben im Nebenamte versehen. Die Großh. Regierung glaubte sich dem neuerlichen I Anträge des Abg. Schröder auf Umwandlung der genannten Dienststelle in ein Hauptamt umsomehr nicht mehr verschließen zu sollen, weil in unserer jetzigen socialpolitisch und wirthschastlich vorwärts schreitenden Zeit die steigende Bedeutung der auf dem Gebiete des Gewerbewesens liegenden Aufgaben des Staates eine Aenderung in den einz einen Zweige erheische. Auch die Kammer theilt die Ansicht der Großh. Regierung und genehmigt einstimmig die beantragte Forderung von 6000 Mk. für diesen Poften. — Einem Anträge der Großh. Regierung aus unentgeltliche Abtretung der zum Landeseigenthum gehörigen Parzelle 92/10 in Flur XX. der Gemarkung Castel an die chemische Fabrik H. und E. Albert zu Amöneburg stimmt das Haus ebenfalls zu- ebenso einem gleichen Antrag auf Verkauf von Landeseigenthum in der Gemarkung Ginsheim an die Hessische Lud- wigsbahn zur Anlegung eines Kohlenlagers beim Bahnhofe Gustavsburg. Der Preis soll pro Quadratmeter 16 Psg. sein. Abg. Schönberger beantragt, den Preis auf 48 Pf. zu erhöhen. Dieser Antrag wird gegen 11 Stimmen abgelehnt. — Für den Ankauf eines Hauses in der Rhein- straße Nr. 79 zur Erweiterung der Diensträume der Centralverwaltung der Main-Neckar-Bahn werden 135,000 Mk., für Abgrabung des linken Rheinufers ober- und unterhalb der linksuserigen Anlanderampe der fliegenden Nähe bei Gernsheim bis zur Correctionslinie werden 52,100 Mk., für Fertigstellung des Winterhafens am Langenwörth oberhalb Neckarsteinach 38000 Mk. bewilligt. — Der Gesetzentwurf auf nachträgliche Aufnahme der von der Oberhess. Eisenbahn- Gesellschaft übernommenen Beamten und Bediensteten in den Staatsdienst wird angenommen und bas Gesuch der Beamten der Oberhessischen Eisenbahnen auf Gehaltserhöhung für erledigt erklärt. — Schluß V21 Uhr. Morgen Sitzung. Berlin, 8. December. Der Kaiser beabsichtigt, nächsten Freitag einer Jagdeinladung des Kammerherrn v. Alvensleben auf Neugattersleben Folge zu leisten. Soweit bekannt, wird der Jagdausflug des Monarchen nach Neugattersleben zwei Tage währen. — Gutem Vernehmen nach sind die Aeußerungen des Pros. vr. Hans Delbrück über die Beurtheilung gewisser Allerhöchster Kundgebungen und Maßnahmen in den Kreisen der Bevölkerung dem Kaiser unterbreitet werden- die betreffenden Auslassungen des genannten Herrn wurden bekanntlich im Octoberheft der preußischen Jahrbücher veröffentlicht. Im Reichsanzeiger ist bis jetzt noch keinerlei Stellung in der Angelegenheit genommen worden, ebensowenig wie zu den Zeitungsberichten über die Potsdamer Ansprache des Kaisers. Diese Berichte widersprechen sich indessen mehr oder weniger und es dürfte schon deshalb Zeit sein, daß über die erwähnte und noch immer Aussehen erregende Kundgebung des Kaisers endlich Aufschluß von osficieller Seite ertheilt wird. Berlin, 7. December. Die Denkschrift zu den Handelsverträgen begründet zunächst die Nothwendig- keit, der weiteren Entwickelung der Abschließungstendenzen der einzelnen Länder vorzubeugen. Deutschland würde auf die Erhaltung seiner Ausfuhr nicht rechnen dürfen, wenn es nicht durch eine gewisse gegenseitige Beschränkung der freien Verfügung auf zolltarifischem Gebiete anderen Ländern die Möglichkeit gewährte, die empfangene Maare ganz oder theil- weise in Producten zu bezahlen. An erster Stelle war eine Verständigung mit Oesterreich-Ungarn zu suchen, welches nächst Großbritannien den ersten Platz in unserem Ausfuhrhandel einnimmt. Die Denkschrift giebt sodann eine historische Darstellung des Verlaufs der Verhandlungen mit Oesterreich- Ungarn und damit zusammenhängend mit Italien, der Schweiz und Belgien. Die vereinbarten Verträge bilden nach ihrer Entstehungsgeschichte und nach dem bei den Verhandlungen verfolgten Ziele ein zusammengehöriges Ganze, und es muffen auch bei Abwägung der von deutscher Seite gemachten Zugeständnisse die dafür eingetauschten Vortheile einheitlich betrachtet werden. Bei Abschluß derselben ist unter Festhaltung eines dem practischen Bedürfnisse Rechnung tragenden Schutzes der nationalen Arbeit die Nothwendigkeit berücksichtigt, der deutschen Industrie die Absatzwege nach dem Auslande offen zu halten. Die verbündeten Regierungen sind sich der wirthschaftlichen und finanziellen Tragweite der gemachten, nicht unerheblichen Zugeständnisse wohl bewußt und haben dieselben auf das thunlichst geeignete Maß beschränkt. Die theilweise Ermäßigung der landwirthschaftlichen Zölle erfolgte nur in der Erwägung, daß ohne Entgegenkommen betreffs der Agrarzölle eine Einigung mit Oesterreich-Ungarn und damit die gesummte handelspolitische Action aussichtslos gewesen wäre und daß andererseits die Zugeständisse das Maß nicht überschreiten, welches eingehalten werden mußte, um den für die Landwirthschaft erforderlichen Schutz zu sichern. Auch die deutschen Jndustriezölle sind mehrfach ermäßigt. Die Gegenbewilligungen Seitens der rnitcontruhirenden Staaten bieten der deutschen Landwirthschaft ein volles Aequivalent- es stehe zu erwarten, daß die gemachten Concessionen auch noch anderen Staaten gegenüber eine geeignete Verwerthung finden zur Erlangung weiterer Vortheile bei diesen Staaten^ Abgesehen davon, daß nur die gesummten wirthschuftlichen Interessen des Reiches im Auge behalten werden mußten und die Opfer der einen in der Forderung der unseren Interessensphäre einen Ausgleich finden müssen, -werden die Vortheile der Industrie uuch der Landwirthschaft nützen. Indem die Verträge der deutschen Industrie ihr Absutzgebiet zum wesentlichen Theile erhalten und nuch gewissen Richtungen sogur erweitern, wird der Lundwirthschust ein lohnender Vertrieb ihrer Producte gesichert. Durch die Gültigkeitsduuer von 12 Fuhren ist die ullseits gewünschte Stubilität uns lange gesichert. — Die neuen Hundelsverträge mit Oesterreich- Ungurn, Jtulien und Belgien sind um Montug vom Bundes- ruthe in außerordentlicher Plenarsitzung angenommen worden, worauf sie sofort dem Reichstage zugingen. Der noch rückständige Handelsvertrag mit der Schweiz wird im Bundes- rathe in den nächsten Tagen erwartet, so daß er spätestens Anfang nächster Woche, wahrscheinlich aber schon früher, dem Reichstag vorgelegt werden dürfte. Die Unterzeichnung der Verträge Italiens mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn war am Sonntag in Rom erfolgt und am gleichen Tuge wurden in Wien die Verträge OesterreichUngurns mit dem deutschen Reiche und Belgien unterzeichnet, während in Berlin lediglich die Unterzeichnung des deutsch-belgischen Vertruges stuttfund. Wus den Jnhult der neuen Verträge unbelungt, so ist derselbe ein so umfuffenber, duß un dieser Stelle nur die wichtigsten Positionen wiedergegeben werden können. Von den deutscherseits zugeftundenen Zollbefreiungen und Zollermäßigungen sind numentlich folgende hervorzuheden: Roggen und Weizen künftig 3,50 Mk. Zoll uuf 100 Kilo (Ermäßigung 1 Vz Mk.), Huser 2,80 Mk. (Ermäßigung 1,20 Mk.), Hülsen- früchte 1,50 Mk. (früher 2 Mk.), Gerste 2 Mk. (früher 2,25 Mk.), Mais 1,60 Mk. (früher 2 Mk.), Malz 3,60 Mk. (früher 4 Mk.), Raps, Rüböl, Mohn und andere Oelsaaten zahlen nuch dem neuen Turif 2 Mk. Zoll. Weinbeeren, frische, zum Tufelgenuß, zuhlen künftig 4 Mk., undere frische Weinbeeren 10 Mk. Zoll. Der Zoll für Wein und Most in Fässern betrügt künftig 20 Mk. (früher 24 Mk.), rother Nuturwein und Most zum Verschneiden der Weine 10 Mk. (früher 24 Mk.), Butter zuhlt künftig 16 unftutt 20 Mk. Zoll, Fleisch 15 und 17 unftutt 20 Mk., Wild 20 Mk. anstatt 30 Mk., Pferde zuhlen 20 Mk., bis zu zwei Fuhren 10 Mk., Stiere und Kühe zuhlen 9 Mk., Ochsen 25,50 Mk., Jungvieh und Schweine 5 Mk., Buu- und Nutzholz zuhlt roh 0,20 Mk. oder ein Festmeter 1,20 Mk., feinere Holzwuaren zuhlen 30 Mk. Zoll. Gunz frei ist u. A. künftig Wolle,» ebenso Fluchs, Hanf, Werg und Abfälle. Heuefte Nachrichten Wolfis teltgrapiftschrS Lorrespoadenz-DureaR. Berlin, 8. December. Am heutigen letzten purla- menturischen Diner beim Reichskunzler nuhmen die Minister Herrfurth, Schelling, Berlepsch, die Unterstuuts- fecretüre Aschenborn, Weyrauch und Abgeordnete uller Pur- teien, uußer den Sociuldemokruten, ferner Professor Delbrück, Theil. Bern, 8. December. Die vom Militärdepurtement geforderten Credite für die Kriegsbereitschuft betrugen cu. 7 Millionen. Für die projectirten Befestigungen im Wullis werden vorläufig noch keine Credite bedangt, da hierüber noch weitere Studien gemacht werden sollen. Wien, 8. December. Die Morgenblätter begrüßen die Handelsverträge als eine neue Epoche. Sie heben die zwölfjährige Stabilität hervor und würdigen die sorgfältige Abwägung der gegenseitigen Concessionen. Sie erblicken in den Verträgen eine wirksame Bekämpfung der Gefahren des Abschließungssystems Frankreichs, Rußlands und Nordamerikas und freuen sich, daß die historische Gemeinschaft Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns auch aus öconomischen Boden Anerkennung gesunden habe. Die Verträge seien eine Verwirklichung des Gedankens der Rohnstocker Entrevue, den wirthschaftlichen Frieden in Mitteleuropa zu begründen. Paris, 8. December. Der Abschluß der Handelsverträge rief in politischen und Handelskreisen einen tiefgehenden Eindruck hervor. Mehrere Blätter klugen die Pro- tectioniften un, duß sie Frunkreich in eine, schwierige und gefährliche Luge gebracht hätten. „Temps" sagt: Frankreich, seiner Absatzquellen beraubt, gehe direct einem industriellen Sedan entgegen. Rio de Janeiro, 8. December. Der Gemeinderath beantragte ein Denkmal für Dom Pedro.. Newyork, 8. December. Nach einer Meldung des „Herald" aus Santiago gehen dort Gerüchte von einer Verschwörung gegen die Regierung um. Das Militär sei in den Kasernen consignirt und die Artilleristen der Kriegsmarine in den Forts von Valparaiso durch Matrosen der Flotte ersetzt,- die im Gesängniß befindlichen Soldaten, welche für Balmaceda gekämpft haben, seien behufs Verhinderung jeden Verkehrs derselben in Einzelhaft gesetzt. Aus den Artilleriekasernen von Santiago soll eine große Anzahl Revolver verschwunden sein. Washington, 8. December. Der Congreß ist gestern wieder zusammengetreten. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 8. December: Die Börsenanträge werden erst nach Beendigung der Weihnachtsferien im Reichstage berathen werden. Berlin, 8. December. Das „Tageblatt" meldet aus München: Nach Mittheilungen des mit den Vorstudien zum Bahnbau von Bagamoyo aus in das Innere be- auftagten Ingenieurs Proksch erscheint das Project wegen zu großer Kosten unausführbar. Berlin,8. December. Florian Geher, derVersaffer der Broschüre „Gieb uns Brod, Kaiser", wurde vom Gerichtshöfe freigesprochen und die Aufhebung der Beschlagnahme der Broschüre beschlossen. Berlin, 9. December. Die „Berl. Pol. Nachr." versichern, die ganze deutsche Industrie begrüße die Bindung des Zolltarifs für längere Jahre als eine Grundbedingung gedeihlicher Entwickelung und des Gewerbefleißes. Berlin, 9. December. Dem „Berl. Tagebl." zufolge erfolgt die Unterzeichnung der Handelsverträge von Deutschland und Oesterreich mit der Schweiz bestimmt am Donnerstag. Hamburg, 9. December. Die „Börsenhalle" meldet, daß die vom Reiche subventionirten Ostafrika-Dampfer vom 1. Januar 1892 ab ihre Fahrten bis Natal ausdehnen. Kiel, 8. December. Auf der Schleusenbaustelle Holtenau wurden drei Maurer durch einen Hebekrahnen getödtet. Schlettstadt, (Unterelsaß), 8. December. Infolge eines furchtbaren Föhns brach in vergangener Nacht hier Feuer aus. Bis jetzt sind 31 Anwesen abgebrannt. Dieselben waren von 87 Familien mit einer Kopfzahl von 232 Angehörigen bewohnt. Zur Hälfte abgebrannt ist auch ein bekanntes historisches Denkmal, der „Neuen Thurm". Straßburg, 8. December. Der Statthalter der Reichslande ist nach Schlettstadt abgereist, um sich persönlich von der Ausdehnung des Unglücks zu überzeugen und die geeigneten Maßnahmen zu verfügen. Myslowitz, 8. December. In der Georgsgrube bei Russisch-Nitka wurden durch das Hinabftürzen der Förderschale drei Bergleute getödtet und zwei schwer verwundet. Wilna, 8. December. Auf der Bahnstrecke Libau-Romny, unweit Wilna, wurde ein Kaufmann von seiner Reisegesellschaft durch Schlafmittel betäubt und seiner ganzen Baarschast von 40000 Rubel beraubt. Rom, 8. December. Es verlautet, die Generäle Bal- dissera, Cossato und Orero sollen wegen von ihm anbefohlener Beseitigung von acht Verräthern ohne vorheriges Kriegsgericht vor den Kriegsrath gestellt werden. London, 9. December. Die Solche st erbank Mills, Bawtree, Dawnag, Curzon and Co. mit 48 000 Lstrl. Bank- noten-Ausgabeprivileg hat sallirt. Belgrad, 9. December. Das gesammre Ministerium hat infolge innerer Differenzen demissionirt. Die Entscheidung wurde bis zum Zusammentritt der Skuptschina vertagt. Zur Bekämpfung wirthschaftlicher Noth- stände. Da gegenwärtig die Angehörigen der meisten Wirth- schaftszweige mit Bedrängnissen zu kämpfen haben, so dürste es nützlich sein, sich einmal mit der Frage zu beschäftigen, in welcher Weise man wirthschastliche Calamitäten am besten bekämpfen kann. Wir müssen dabei hervorheben, daß, wenn sich Jemand in irgend einer wirthschastlichen Bedrängniß befindet und sich nicht mehr zu Hellen weiß, dies meistentheils nur scheinbar der Fall ist. Er könnte sich häufig noch selbst, wenn auch durch theilweise Unterstützung Anderer, helfen, wenn nicht durch andauernde Mißerfolge oder einen jähen großen Unglückssall sein gesundes Urtheilsvermögen getrübt und seine Kräfte gelähmt wären. Der Bedrängte kann sich also deßhalb nicht mehr Helsen, weil er sich nicht mehr zu helfen getraut und sich vor neuen Mißerfolgen förmlich fürchtet. Sobald in ihm aber von irgend einer Seite Muth und Hoffnung wieder erweckt werden, so fühlt er auch wieder Kräfte in sich, zu Helsen, und findet sogar auch, daß die Noth, die ihn bedrohte, gar nicht so fürchterlich war, wie sie erst aussah. Daraus geht hervor, daß wir in über uns hereingebrochenen Bedrängnissen uns mit aller Macht vor einer übertriebenen schwarzseherischen Auffassung unserer Situation hüten und immer wieder nach Muth und Hoffnung ringen müssen. Denn der Pessimismus verschlimmert nur in jeder Beziehung unsere Lage, vergiftet unser Gemüth und verdirbt uns Zeit und Gelegenheit, eine rettende That zu thun. Ist man aber im Stande, sich auch in schweren Bedrängnissen aufzuraffen und wieder neuen Muth zu fassen, so findet man gewöhnlich aucy Mittel und Wege, um sich aus der Noth herauszuarbeiten. Es muß also direct als eine Thorheit und Schwäche ausgefaßt werden, in der Bedrängniß zu verzagen, denn dadurch wird unsere Lage stets noch schlimmer, wie sie ist. Wenn man nun in Folge der menschlichen Unvollkommenheit es auch oft nicht hindern kann, in der Noth der Verzagtheit zu verfallen, so muß man sich in solchen Fällen doch daran erinnern, daß es thöricht und gefährlich ist, in einer verzagten Gemüthßverfaffung längere Zeit zu verharren. Man muß dieselbe also sofort, wenn sie eintritt, mit Vernunftgründen als Schwäche und Thorheit bekämpfen und neuen Muth zu fassen suchen. Viel vermag schon in dieser Hinsicht ein energischer Wille und die eigene verständige Einsicht. Will es Einem aber nicht gelingen, sich aus dem Zustande der Verzagtheit und der Verzweiflung emporzuraffen, so darf man nicht mit hartnäckiger Verschlossenheit dumpf dahinbrüten, sondern man muß nach einer Person suchen, der man seine Besorgniß anvertrauen und von der man Trost, Rath und Hilfe erwarten kann. Jeder Bedrängte, der sich selbst nicht mehr zu helfen weiß, muß nach feinen Verhältnissen und dem vorliegenden Falle entsprechend ermessen, wem er sich am besten anzuvertrauen hat. Die Vertrauensperson kann ein Freund oder ein Vorgesetzter, sie kann aber auch ein Rechtsanwalt oder ein Pfarrer sein. Wenn nun auch durch die Rücksprache mit einer solchen Vertrauensperson nicht immer gleich directe Hilfe erreicht wird, so wird man durch eine solche Person meistens doch wieder ausgerichtet werden und auch zweckmäßige Rathschläge erhalten, wie der Verlegenheit oder Noth zu begegnen ist. Locales uttfc provinzielles. Gießen, 9. December 1891. — Provinzialausfchuß-Sitzung. Samstag den 12. December, Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzial-Aus- schusses der Provinz Oberhessen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Antrag des Großh. Bürgermeisters von Londorf auf Bestrafung des Gemeinderathsmitglieds Kammer daselbst wegen Zuwiderhandlung gegen seine Pflichten. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Lüttringhausen gegen den Ortsarmenverband Kirtorf wegen Unterstützung des hilfsbedürftigen Heinrich Schneider aus Kirtorf. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Butzbach gegen den Landarmenverband des Kreises Friedberg wegen Unterstützung des Anton Morkel aus Pohl-Göns.^ 4. Gesuch des Johannes Müller I. Wittwe von Nieder-Wöllftadt um Erlaubniß zum Betriebe einer Schankwirthschast. 5. Gesuch des Simon Ruppel zu Friedberg um Erlaubniß zum Betriebe einer Schankwirthschast. 6. Recurs des Großh. Oberbürgermeisters Gnauth zu Gießen gegen einen Polizeibefehl des Großh. Kreis- amts Gießen. — Verzeichniß der Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen pro 4. Quartal 1891. 1. Donnerstag den 10. December, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Jakob Konrad von Rainrod wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports. Die Anklage vertritt Großh. erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwalt Katz. 2. Freitag den 11. December, Vormittags 8*/2 Uhr: Anklage gegen August Leinberger Ehefrau von Rebges- hain wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Großh. Gerichtsassessor Dr. Zimmermann. Vertheidiger: Justiz- rath Dr. Re atz. 3. Samstag den 12. December, Vormittags 8x/2 Uhr: Anklage gegen Heinrich Möller V. von Maar wegen Meineids. Die Anklage vertritt Großh. Gerichtsassessor Dr. Zimmermann. Vertheidiger: Justizrath Bai st. 4. Montag den 14. December, Vormittags 8% Uhr: Anklage gegen Heinrich Menges IL von Harheim wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Theobald. Vertheidiger: Rechtsanwalt Kraft. 5. Dienstag den 15. December, Vormittags 8V2 Uhr: Anklage gegen Margarethe Rohrmann von Wetterfeld wegen Versuch des Kindesmords. Die Anklage vertritt Großh. Gerichtsaffessor Dr. Zimmermann. Vertheidiger: Rechtsanwalt Katz. 6. Mittwoch den 16. December, Vormittags 8*/2 Uhr: Anklage gegen Hermann Rausch von Friedberg wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Großh. erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwalt W ind e cker. 7. Donnerstag den 17. December, Vormittags 8^/2 Uhr: Anklage gegen Johannes Theiß von Weitershain wegen Urkundenfälschung. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Theobald. Vertheidiger: Rechtsanwalt Hirschhorn. — Musik. Das vierte Abonnemenrs-Concert bringt ein specielles Mozart-Programm, als: die Querture zu „Jdonomeo", Figaros Hochzeit, Titus, Sinfonie (Jupiter), c-dur mit der Schlußfuge, Ouvertüre zur „Zauberflöte", Türkischer Marsch, Fantasie aus „Don Juan", Drama Mozart von Kugler, Dichtung von Mosenthal. Die Reci- tation hat Herr Zack freundlichst übernommen. — Neues Theater. Wir glauben mit Vergnügen zu bemerken, daß es sich die Direction angelegen sein läßt, jetzt dem Publikum gehaltvolle Schauspiele zu bieten, und können diesen Entschluß nur billigen, überzeugt, daß der Zuspruch der Theaterbesucher sehr bald ein größerer werden wird. Hin und wieder ein hübsches Lustspiel oder Sonntags eine Gesangspoffe würden eine angenehme Abwechselung bieten, eine fortwährende Serie derselben ist aber mit der Zeit schwer zu verdauen. Die Wahl der bisher aufgeführten Schauspiele, besonders das vorletzte und auch das gestrige kann in jeder Hinsicht als eine glückliche bezeichnet werden. ‘ Charlotte Birch-Pfeiffers „Rosa und Röschen" macht aus die Zuschauer in allen Theilen einen durchweg guten Eindruck. Auch die gestrige Aufführung zeigte, daß die darstellenden Kräfte sich größtentheils eher für Schauspiele als für barocke Lustspiele eignen. Herr Paul Ernst spielte den selbstsüchtigen, durch finanzielle Verluste und den daraus entstandenen Aergernissen verbiffenen Baron mit feinem Ver- ständniß, welch' letzterer Characterzug durch eine gut gewählte Maske außerdem noch Vortheilhaft markirt wurde. Bezüglich der Darstellung der beiden Titelrollen glauben wir, daß die Darstellerin der „Rosa", der Tochter des Barons, für diese Rolle nicht am rechten Platze war, indem dieselbe sich für so jugendliche Rollen mit Erfolg kaum eignen dürste, jedoch wollen wir uns nach dieser ersten Aufführung kein definitives Urtheil erlauben, dagegen können wir mit Vergnügen constatiren, daß „Röschen", das liebreizende Töchterchen der armen Tischlerwittwe (Frau Reiners), tadellos zur Darstellung gelangte. Die Darstellerin eignet sich erstens bedeutend mehr für den schüchternen als für den unternehmenden Backfisch und spricht dann auch, wie wir bisher bemerkt haben, in ersterer Rolle viel mehr an. Ihr heutiges Spiel rief auch demgemäß ungeteilten Beifall hervor. Neben dem Felix von Warden (Herr Georg Stegemann) und der Wittwe Grimminger (Frau Lucy Lindemann), Rollen, welche eine langjährige schauspielerische Routine erfordern und in der Durchführung auch von den beiden Interpreten bewiesen wurde, ist noch die durch die Heirath mit dem Baron gesellschaftlich emporgekommene, gefallsüchtige Baronin Eudoxia (Frl. Agnes Hüner) erwähnenswerth. Sowohl in der heutigen als in den früheren Vorstellungen zeigte die Darstellerin, daß sie bestrebt ist, durch richtiges Einleben und fleißiges Studium ihrer, Rollen so viel wie möglich zu leisten. Dieselbe hat an diesem Donnerstag Benefiz und zu demselben die volksthümliche Gesangspoffe „Von Stufe zu Stufe" gewählt. Wir wünschen derselben bescheidenerweise kein „volles", aber doch ein gut besetztes Haus, auf daß ihr Fleiß auch „klingenden" Lohn erhält. — Am vergangenen Sonntag Nachmittag fand die zweite ordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Sterbe- kaffe Gießen statt. Dieselbe war sehr zahlreich besucht und bezeugten die Anwesenden ein sehr lebhaftes Interesse an den Verhandlungen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden zum großen Theile wiedergewählt, ein Beweis, daß der Vorstand das volle Vertrauen der Mitglieder besitzt. Der Vorstand war übrigens in der Lage, der Versammlung den Antrag auf Erhöhung des Sterbegeldes von 75 Mk. auf 100 Mk. zu unterbreiten und fand derselbe auch die Genehmigung der Versammlung. Anlaß zu diesem Anträge gab der stetig wachsende Kassen- sowie Mitgliederstand. Im vergangenen Jahre stieg der Kassenbestand von 447.40 Mk. auf 734.16 Mk., der Mitgliederstand von 454 auf 511. Sterbefälle ereigneten sich im verflossenen Geschäftsjahre nur 6, wofür die Summe von 450 Mk. verausgabt wurde,- seitdem zweijährigen Bestehen der Kasse kamen 13 Sterbefälle vor, welche die Summe von 975 Mk. erforderten. Wir können den Kleingewerbtreibenden sowohl wie den Beamten und Arbeitern nur empfehlen, dieser Kasse als Mitglieder beizutreten, denn es wird kaum eine Kasse geben, die bei so geringen Beiträgen (25 Psg. pro Sterbefall und 50 Pfg. bis 4 Mk. Eintrittsgeld bei einem Alter von 16 bis 45 Jahren) einen so hohen Sterbegeldzuschuß gewähren kann, wie die genannte Kasse. — Die Nr. 26 des im Auftrage des Evang. Pfarr- vereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kircheublattes" hat folgenden Inhalt: 1. Für die Prediger im Advent! 2. Organisirt euch! 3. Unsere Pfarrbesoldungsfrage. 4. Landessynode: Anfrage betr. Pfarrbesoldung. 5. Die Kirche im „Volk". 6. Sapienti sat. „Darmstädter Zeitung" und Pfarrverein. 7. Uebereinfttmmung von Kirchenbüchern und Standesamtsregistern. 8. Feuerversicherungsverband der Geistlichen. 9. Pfarr-Verein oder Pfarrer-Verein? 10. Noch ein Wort über „Pfarrverein oder Pfarrerverein". 11. Zusammenkünfte der Pfarrvereinsmitglieder. 12. Erinnerung. 13. Hessisches Kirchenblatt. 14. Volksbibliothek. 15. Mitglieder des Pfarrvereins. 16. Literarische Thätigkeit Hess. Pfarrer. 17. Vom Büchertisch. 18. Anzeigen. — Eiubruchsdiebftahl. Zwei Arbeiter aus Garbenteich, welche vorgestern Abend in einer Wirthschaft am Schiffen- bergerweg eingekehrt waren, entwendeten bei ihrem Weggang dem Wirthe mittelst Erbrechens von Behältnissen zwei Stallhasen und einen Goldfasan. Die Thäter sind gestern in Garbenteich ermittelt, verhaftet und hierher transportirt worden. — Unterschlagung. Ein reisender Metzgergeselle, der einem Schlosser in Marburg einen Anzug nebst goldener Kette abgeborgt hatte, um damit angeblich in dortigen Wirth - schaften künstlerische Vorstellungen zu geben, reifte alsbald mit dem geborgten Gut nach Gießen, um gestern hier auf Requisition der Marburger Behörde verhaftet zu werden. — Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 5. d. M. den Oberförster der Oberförsterei Maulbach, Forstinspector Karl Koch, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Januar 1892 in den Ruhestand zu versetzen. — Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Goddelau, Kr. Groß - Gerau, mit einem jährll Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gaddernheim, Kr. Bensheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eichenrod, Kr. Lauterbach, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Die mit einem eb. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hemmen, Kr. Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht Las Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Osthosen, Kr. Worms, mit einem nach dem Dienst- alter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1000—1600 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem zu ernennenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gen. Schule übertragen werden. Die Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Frei-Laubersheim, Kreis Alzey, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Lauter (bei Grünberg), 7. December. Gestern Morgen verunglückte der erwachsene Sohn einer hiesigen Familie. Man fand ihn in der Scheuertenne, wohin er, um Viehfutter zu holen, gegangen war, als Leiche liegend. Allem Anschein nach ist der Unglückliche beim Heuholen rücklings von der Heubühne oder von der Leiter gestürzt und auf det Stelle todt geblieben. □ Ruppertenrod, 8. December. Gestern Abend gegen 11 Uhr beobachtete man hier ein Gewitter, von Süden kommend, mit mehrfachem Blitzen und deutlich vernehmbarem Donner. Dem Gewitter ging ein heftiger Sturm voraus, -er zeitweise heute noch auftritt. Die seitherige Witterung ist eine überaus gelinde, das Thermometer zeigt + 9 Grad R. Vorigen Winter harten wir um diese Zeit eine Kälte von — 9 Grad. In Folge der warmen Witterung zeigen die Wintersaatfelder eine ausgezeichnete Entwickelung. Die Kornsaat sieht vortrefflich aus. Grüne Weihnachten scheint es jedenfalls zu geben. Darmstadt, 8. December. Die bei einem Wirth in der Kasernenstraße bisher in Diensten gestandene Kellnerin F. . aus Diez ist am verflossenen Sonntag Abend zwischen 7 und 8 Uhr im städtischen Hospital, wohin sie eine Stunde vorher verbracht worden war, gestorben. Nach ärztlicher Con- statirung hat sich dieselbe mit Phosphor vergiftet. Seligenstadt, 7. December. Etwa fünfzig im hiesigen Stadtwalde beschäftigte Holzmacher stellten in letzter Woche die Arbeit ein, als ihnen wegen unterlaufener Unregelmäßigkeiten von der Behörde Vorhalt gemacht wurde. Die Leute besannen sich übrigens bald eines besseren- denn sie nahmen inzwischen unter den bisherigen Bedingungen die Arbeit sämmtlich wieder auf. A Mainz, 8. December. Bei der am kommenden Donnerstag beginnenden Schwurgerichtssession der Provinz Rheinhessen kommen unter fünf zur Aburtheilung vor die Geschworenen verwiesenen Fällen vier aus Mord und einer auf Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg lautende Anklagen zur Verhandlung. Dieser schweren Verbrechen beschuldigt sind zwei noch nicht 30 Jahre alte Taglöhner, die bei Zahlbach ohne jeden äußeren Anlaß zwei 70jährige Greise erschlagen haben, ein bejahrter Schuhmacher, der aus Rache einen Förster erschossen, eine Kindsmörderin und ein Schullehrer, der aus geringfügiger Ursache in einen Streit gcrathen, der verhängnißvoller Weise mit dem Tode eines der Streitenden endete. Literat«» and Annst. — Praktische Anleitung znr Obstcnltnr. Leitfaden bei Vorträgen über Obstcultur, wie auch zum Selbstunterricht. Bearbeitet von Th. Jäger, Baumschulenbesitzer und Vorsteher der Lehranstalt für Obstbaumwärter zu Bensheim a. d. B. Prämitrt mit der „Silbernen Medaille" auf der landw. Ausstellung zu Mainz 1890. Zweite umgearbeitete und verbesserte Auflage. Mit 31 Illustrationen, einer Mhographirten Tafel und vier Tabellen über ewpfehlenswertbe Obstsorten. Verlag von Emil Roth in Gießen 1892. Preis 1 Mk. in Leinwandband, 0.80 Mk. geheftet. — Die Pflege des Obstbaues ist gerade in der Gegenwart zu der Bedeutung gelangt, die ihr vom volkswirtbschaftlichen Standpunkte aus gebührt. Richt bloß wirkt die vermehrte Obstproductton wohlthätig auf den pecuniären Wohlstand ganzer Volksschichten, sondern ebenso segensreich auch der Obstgenuß, welcher dadurch in vermehrter Weise eintrttt, als gefundheit- förderndes Nahrungsmittel für weite Kreise, und endlich kann sie auch noch Jedem, der einigermaßen dazu angelegt ist, den Schaffungs- trteb der Natur zu belauschen, die interessantesten Wahrnehmungen darbieten. In allen dielen Beziehungen dürfte noch immer der alte Wahlspruch gellen: „Auf einen leeren Raum pflanz einen Baum und pflege sein, er bringt dirs ein!" Mancher aber, der wirklich einen leeren Raum hat, auch gern einen Baum pflanzen möchte, w?iß nur nicht recht, wie er es anfassen soll. Denn er weiß recht wohl, daß es ein anderes ist, einen Baum ziehen, als ihn bloß pflanzen und dann sich selbst überlassen. Diesem Bedürfniß, das vieltaufendfach verbreitet ist, entgegenzukommen, dazu ist das hier angezeigte Merkchen vorzüglich geeignet. Es enthält in volksthümlicher Darstellung auf ca. 60 Seiten Alles, was erforderlich ist, einen Baum, mag er einer bei uns heimischen Kern- oder Steinobstsorte angehören, welcher er will, vom Keim aus bis zu seiner vollen Entwickelung, an Schmuck wie an Früchten reich, aufzuziehen. Die Jäger'schen Belehrungen sind so klar und einfach, daß Jeder, der nur lesen kann, sie sofort versteht und in die Praxis umfetzen kann. Als sehr werthvoll müssen auch die scharf ausgeprägten Abbildungen bei vorzunebmendem Schnitt der Bäume, bei Veredlungen, bei Anwendungen zu Verzierungen rc. bezeichnet werden. Desgleichen sind vier Tabellen beigegeben über Aepfel-, Birn- und Steinobstsorten, welche sich besonders zur Anpflanzung als Hochstamm und bezw. für niedere Stammform eignen und wonach jeder Baumzüchter seine Auswahl treffen kann. Ein Schriftchen, das mit so feinem Verftändniß volksthümlicher Belehrung einen das Volkswohl so tief berührenden Gegenstand in so trefflicher Weise behandelt, sollte auch mit aller Energie im Volke verbreitet werden. Ein paar empfehlende Worte in einer gelegenen Zeitschrift thun nicht viel zur Sache. Der mittlere, geringe und kleine Mann, auf den es bet der Vermehrung des Obstbaues besonders abgesehen sein soll, kauft kein Buch zu seiner Belehrung und wenn es noch so billig ist. Man kann den Landmann, auch viele Stadtbürger, in keine üblere Laune versetzen, als wenn man sie nöthigen will, ein Buch zu kaufen. Also eine Massenverbreitung guter Bücher muß auf anderen Wegen geschehen. Unsere Vereine für Förderung des Obstbaues, denen es doch besonders daran gelegen sein müßte, daß Kenntnisse über die Obstbaumzucht in die weitesten Kreise des Volke- verbreitet würden, sollten solche Belehrungsschriften wie die vorliegende hundertwetfe ankaufen und sie in die Gemeinden an geeignete Persönlichkeiten gratis geben. Dies würde von weit größerem Erfolge sein als stundenlange Vorträge über Obftbaumzucht u. dergl. „Predigen", die Krankheit unserer Zeit, hilft nicht viel, das gehörte Wort klingt zum Ohr hinein, zum Ohr hinaus und verrauscht im Winde. Doch was der Mann schwarz auf weiß besitzt, kann er getrost nach Hause tragen, es sitzt fest bet ihm und wirkt bestimmend auf sein Handeln. Darum wünschen wir der angezeigten trefflichen Schrift, daß ihr auf dem hier angedeuteten Wege die größte Verbreitung zu Theil würde. Und sie ist es wirklich werth. Wir wollen doch auch nichtmuerwähnt lassen, daß in Fortbildungs-, landwirthschaftlichen Schulen und auch sonstigen Lehranstalten, an welchen die Obftbaumzucht vielleicht auch nur gestreift wird, das Merkchen als practtsches Unterrichtsmittel am Platze sein dürfte. Wöchentliche Aeberflcht der Todesfälle in Gießen. 48. Woche. Vom 29. November bis 5. December 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (inet 1600 Mann Militär). Sterbltchkeitsziffer: 35,33«/«bezw. 20,19nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Es starben en: Zusammen: Erwachsene: im vom l.Lebmsjahr: 2.—15.Jahr: Diphtherie Lungenschwindsucht Gehirnschlagfluß Andere bekannte 3 (3) 5 (1) 1 5 (1) 1 — 3 £3) Krankheiten 5 (2) 4 (2) 1 — Summa: 14 (6) 10 (3) 1 3 (3) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle In der betreffenden Krankheit auf von Auswärts neck Gießen gebrachte Kranke kommen Eingesandt. Gießen, 9. December. — In Nr. 287 dieses Blattes befindet sich ein Artikel: „Bezahlt die Rechnungen an die Handwerker". Vollkommen einverstanden mit den in demselben entwickelten Grundsätzen, erlaubt sich Einsender zu bitten, auch einen Artikel zu schreiben: „Handwerker schicket Eure Rechnungen ein, — schicket sie wenigstens etn, wenn Ihr darum ersucht werdet, dringend und oft ersucht werdet." Einsender ist es begegnet, daß er statt der mehrfach erbetenen Rechnungen die Antwort erhalten: „Rechnungen zu schreiben habe ich keine Zeit", und sogar Ungezogenheiten dazu. Daß sich solche Handwerker nicht beklagen bürfen, wenn die Kundschaft von ihnen abgeht, liegt wohl auf der Hand.____________ ist das willkommenste Weihnachtsgeschenk ein W Cllvlll Kistchen Cigarren. Solche findet man in ■■ Packungen von 10 Stück an in größter, fach- männischer Auswahl und jeder Preislage in “ dem Cigarreir-Special-Gefchüft von Philipp Weiler, Marktplatz 1. 9741 Pappel-Stämme. Dienstag den 19. 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