Nr. 262 Dienstag den 10. November 1891 B«t ttteÄtwtt indKT tt^dnt täglich, oft Dlävahon M Sivnta-L. Wt etftttttr <*g*te lern «n jeipr Sießmer Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 8inÄtt*trrig« Xlew*möd>ft 4*t|lr T.rrb- Q N stummen. a 5$ R B 18. 17. 16. 13. 14. 15. 11. 10. 9. 8. 6 7. 1 2. ’S g K s «• O Unterrichtet Z R B d O 98 e> 8 Erzeugt Namen der Eltern und ihre Beschäftigung Bei der Geburt war alt Veranlaffung der Taubhett taub geworden r: § B «D ti 6* •ti A e a Umfang der Taubheit S8 (CI O B h B 12. B 3. 5 Deutsches Reich. Berlin, 7. November. Die signalisirte außerordentliche Gesandtschaft des Königs von Siam, welche sich aus einer Rundtour durch die größeren europäischen Hauptstädte befindet, ist am Freitag Abend, von Kopenhagen kommend, in Berlin eingetroffen. Der Führer der Gesandtschaft, Prinz Damrong, ist ein naher Verwandter des siamesischen Herrschers und überbringt Kaiser Wilhelm ein Handschreiben jenes asiatischen Fürsten, zu welchem Zwecke für Montag Mittag feierlicher Empfang der Siamesen im Neuen Palais bei Potsdam angesetzt war. — Im Reichstagsgebäude fand am Donnerstag Abend eine Versammlung von Delegirten derjenigen Vereine statt, welche die Gründung einer Central st elle sürArbeiter- wohlsahrtseinrichtungen in Anlehnung an das Handelsministerium erstreben; mehrere Regierungsvertreter wohnten der Versammlung bei. Nach eingehender Berathung wurden die Satzungen der Centralstelle, welche spätestens am 1. Januar 1892 ihre Thätigkeit beginnen soll, sestgestellt, woran sich die Wahl des Vorstandes schloß. Bei der Con- stituirung desselben wurden gewählt Staatssecretär a. D. Herzog zum Vorsitzenden, die Abgeordneten Kalle und Hitze zu seinen Stellvertretern, Professor Post zum Geschäftsführer, Bankier Delbrück zum Kassirer. — Obwohl nunmehr die Wiedereinberusung des Reichstages aus den 17. November bekannt gegeben worden ist und mithin nur noch eine Woche zwischen heute und Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten liegt, vernimmt man noch immer nichts Näheres über die geschäftlichen Dispositionen des Reichstages. Für die Eröffnungssitzung steht allerdings die Tagesordnung fest: Erste Lesung des Gesetzentwurfes, betr. die Bekämpfung des Sklavenhandels, sowie Petitionen, darüber aber, welche Gegenstände alsdann die Thätigkeit der Abgeordneten in Anspruch nehmen werden, herrscht augenblicklich noch Ungewißheit. Keinesfalls kann es aber dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritte an genügendem Arbeitsmaterial fehlen, es braucht da nur daran erinnert zn werden, daß noch aus der Sommersession die Novelle zum Krankenkassengesetz in zweiter und das Reichstelegraphengesetz in dritter Lesung zu erledigen sind. Außerdem hat der Bundesrath in seiner jüngsten Wochenplenarsitzung die Gesetzentwürfe über die Controle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für 1891/92 und betr. die Einziehung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges, angenommen und sicherlich wird der Bundesrath bis zum 17. November noch eine oder die andere kleinere Vorlage fertigstellen. Was den Reichshaushaltsetat anbelangt, so unterliegt derselbe im Bundesrathe zur Zeit eifriger Vorerörterung, trotzdem wird es kaum möglich sein, dem Reichstage den neuen Etat vor Ende November zugehen zu lassen, lieber den Entwurf des Trunksuchtsgesetzes verlautet, seitdem er den zuständigen Bundesrathsausschüssen überwiesen worden ist, gar nichts weiter, es läßt sich demnach über den Zeitpunkt seiner Einbringung im Reichstage einstweilen nichts sagen. Ebensowenig läßt sich mit Sicherheit ermessen, wann dem Hause die Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn und Italien zugehen werden; die Meldungen verschiedener Blätter, es werde dies noch im November geschehen, beruht offenbar nur auf Muthmaßungen. — In Elsaß-Lothringen haben in voriger Woche die Neuwahlen zumLandesausschusse stattgefunden. Durch dieselben sind anscheinend keine besonderen Veränderungen in der Zusammensetzung des elsaß-lothringischen Parlaments bewirkt werden. lieber Einzelfälle berichtet der Telegraph nur aus drei Wahlkreisen. Im elsässischen Wahlkreise Molsheim wurde der altdeutsche Generalmajor z. D. Freiherr Roeder von Diersburg mit 46 von 75 abgegebenen Stimmen, im Wahlkreise Saarburg i. L. der Notar Dietsch neu und in Metz-Stadt der Candidat der gemäßigten Einheimischen, Lanique, mit 22 von 28 Stimmen in den Landesausschuß gewählt. Berlin, 7. November. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Rom: Die Radicalen kündigen einen dritten Friedens- Congreß mit irredentistischer Färbung, beginnend am 22. November, an. Berlin, 7. November. Die Brüder Sommerfeld, Mitinhaber der bekannten Bankfirma Berliner Wechselbank Friedländer & Sommerfeld, versuchten Selbstmord durch Erschießen. Beide sind schwer verletzt. Der dritte Mitinhaber, Friedländer, ist leidend und von Berlin abwesend. Berlin, 7. November. Bankier Leipziger, welcher mit Commerzienrath Wolff Wechselreiterei betrieb, wurde verhaftet. Nur wenige Depots wurden bei ihm vorgesunden. Berlin, 7. November. Die unabhängigen Socia- l ist en verfügen über ein Gesammtcapital von 16000 Mk./ dieselben beabsichtigen die Herausgabe eines populären Wochenblattes ab 1. December. Zum Hauptführer der unabhängigen Socialisten wurde Wilhelm Hasselmann, früher Abgeordneter für Elberfeld, bestimmt. Berlin, 7. November. Die „National-Ztg." meldet aus Paris, Minister Ribot conttollire alle von Paris nach Berlin abgehenden Bankiers-Depeschen, letztere gehen über Brüssel und London. Kiel, 7. November. Ein dänischer Postdampfer ist infolge starken Nebels vor Friedrichsort auf den Grund gerathen und liegt noch fest. Passagiere, sowie die Post wurden von einem anderen Dampfer hier eingebracht. Breme«, 7. November. Nach der „Weser-Ztg." ist die Regierung bereit, wegen Abtretung preußischen Gebietes an Bremen zwecks Vergrößerung der Hasenanlagen von Bremerhafen mit dem Senat zu verhandeln. Die Verhandlungen beginnen im Laufe des November. Danzig, 7. November. Ein Telegramm an die Marien- burg-Mlawkaer Bahnverwaltung meldet, daß von Petersburg der Bescheid gekommen sei, die Ausfuhr sämmtlicher Hülsen- srüchte sei gestattet. Straßburg i. E., 7. November. Im Kreise Altkirch wurde der Bürgermeister Sauner aus Gommersdors, der in seinem Wahlaufruf die unwiderrufliche Zugehörigkeit Elsaß- Lothringens zu Deutschland betont hatte, in den Land es- ausschuß wiedergewählt. Ausland. Wien, 7. November. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Verfügung des Handelsministers, wonach wegen des Auftretens der Cholera Schiffe aus dem Gebiete zwischen Jambo bis Bab el Mandeb einer siebentägigen Beobachtung unterliegen. Rom, 7. November. Unter dem Vorsitze Menotti Garibaldis fand heute hier eine Versammlung des General- rathes der Veteranen statt, welcher auch mehrere Vertreter der Presse beiwohnten. Nach kurzer Debatte wurde eine Tagesordnung angenommen, in welcher es heißt: Der Generalrath der Veteranen beschließt, sich als Comite zu con- stituiren und die hervorragenden Persönlichkeiten der italienischen liberalen Partei aller Schattirungen zur Organisation einer Agitation für die Abschaffung der Garantiegesetze und des ersten Artikels der Verfassung aufzusordern, gleichzeitig wurde eine aus drei Mitgliedern bestehende Commission beauftragt die Einladungen sobald als möglich zu vertheilen. London, 7. November. Einer Petersburger Meldung der „Times" zufolge soll für die nächste Zeit ein schwerer Exportzoll für den russischen Weizenexport mit saft derselben Wirkung wie ein thatsächliches Ausfuhr-Verbot, bereits beschlossen sein. Der Ukas solle erst in zwei bis drei Wochen veröffentlicht werden. Der Beschluß fei ein Com- promiß zwischen den Ministern, da der Finanzminister einem Weizen-Ausfuhrverbot widerstrebe. Eine Abänderung des Beschlusses sei möglich, da die Stellung Wischnegradskis durch die letzten Ereignisse etwas erschüttert erscheine. Letzterer versuche jetzt ein Viertel der russischen Anleihe zurückzuziehen, um ein gänzliches Fiasco der Operation zu vermeiden. Christiania, 7. November. Zu Ehren der Offiziere und Cadetten des hier ankernden deutschen Uebungs- geschwaders war gestern Abend von Setten der Stadtverwaltung ein glänzender Ball veranstaltet. Der Saal war mit deutschen und norwegischen Flaggen und Wappenschildern geschmückt. Um 10 Uhr sand ein Abendessen statt, bei welchem der Generalarzt Thaulow auf den König Oskar, der Bürgermeister Christie auf Se. Majestät den deutschen Kaiser und der Commodore Lund auf das deutsche Geschwader toasteten. Heuefte Nachrichten. Depeschen detz „Bureau fterolb*. Berlin, 8.November. Betreffs der Affaire Sommerfeld verlautet von authentischer Quelle, daß der Schwiegervater des einen Inhabers 1,200,000 Mk. geben wollte, um die Sache concursreis zu machen. Bis gestern hatten die Verwandten bereits 200,000 Mk. vorgestreckt. Während die Verhandlungen mit dem Schwiegervater des seinen Wunden erlegenen Felix Sommerfeld schwebten, begingen die beiden Brüder Selbstmord. Berlin, 9. November. Die letzte Sitzung der Ausführungs-Commission der Antisclaverei-Lotterie fand nach Meldung ^hiesiger Blätter in Berlin statt. Es wurde beschlossen, die Erforschung der Tiesenverhältniffe des Victoria Nyanza, die Errichtung einer Schiffswerft am Uckerewe, die Herstellung eines Fahrwegs von der Küste über den Kilimandscharo nach dem Uckerewe, sowie der Transport des Wißmann-Dampfers zum Tanganika-See, was Wißmann am 6. November noch telegraphisch zugesagt hat. Hamburg, 8. November. Eine allgemeine See- Versicherungs-Gesellschast mit einem Grundcapital von anderthalb Millionen Mark wurde heute gegründet. Rom, 9. November. Der Leichnam der Gräfin Mirafiori der einstigen Gemahlin Victor Emanuels in morganatischer Ehe, wurde, nahmdem die Gruft erbrochen war, in Brand gesteckt. Das Feuer konnte noch rechtzeitig gelöscht werden. Der Thäter ist unbekannt. Man vermuthet einen Racheact eines entlassenen Dieners. Cocafcs nnb provinzielles. Gießen, 9. November 1891. — Vortrag. Ein früherer Offizier Stanleys, der schwedische Kongosorscher Theodor Westmark, wird, wie wir bereits in voriger Nummer mittheilten, nächstens dahier einen Vortrag halten: „15 Monate unter den Menschenfressern am oberen Kongo". Bei dem regen Interesse, mit welchem die ganze gebildete Welt die Sranley'sche Expedition seiner Zeit verfolgt hat, und bei der großen Spannung, mit welcher bei uns in Deutschland man alle Berichte der Afrika- forscher aufnimmt, darf man wohl dem Vortrage des Herrn Westmark über Land und Leute am oberen Kongo, also in der Mitte des dunklen Erdtheils, mit Interesse entgegensetzen. Herr Westmark hat bereits in Spanien, Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz Vorträge über seine Erlebnisse bei den Menschenfreflern am oberen Kongo, über die Stanley- Scandale und die Bekämpfung der Sclaverei in Mittelasrika gehalten. Seine Vorttäge haben dort bedeutenden Erfolg erzielt. Er spricht geläufig französisch, englisch, deutsch, italienisch, portugiesisch und Kisuaheli und hat seine französischen Vorträge in Paris, seine deutschen an der Straßburger Universität studirt. In der neuesten Nummer der „Jllustrirten Zeitung" ist Westmarks Porträt enthalten, was bei der vorsichtigen Zurückhaltung der Redaction der genannten Zeitschrift schon zur Genüge dafür spricht, daß sein Vortrag etwas Hervorragendes in Aussicht stellt. -t- Das diesmalige Iahressest des oberhesfischen Vereins für innere Mission hat viel später im Jahr stattgesunden, als die seither gefeierten Feste des genannten Vereins. Trotz der ungünstigen Jahreszeit war es aber viel besser besucht, als alle seine Vorgänger. Zu diesem reichlicheren Besuch hat jedenfalls die Wahl des Predigers am meisten beigetragen. Die Predigt hielt Hosprediger a. D. Stöcker aus Berlin. Sein Text war Römer 8, 37. Er sprach über das Thema „Die innere Mission, ein Stück Hoffnung für die evangelische Kirche" und schilderte die Nothstände, die Kämpfe und die Aufgaben, wie sie die gegenwärtige Zeit bringt und wie dieselben von gläubigen Christen überwunden, bestanden, gelöst werden müssen. Man merkte es schon während der Predigt, bevor sich noch irgend Jemand über die Wirkung derselben aussprechen konnte, sehr deutlich, wie die das ganze Gotteshaus erfüllende Festversammlung, welche mit tiefster Theil- nahme den Worten des Redners folgte, einen geradezu überwältigenden Eindruck empfing von dem Manne, der selbst ein solches Herz hat für die Noth, der selbst mitten im Kampfe steht und der selbst seine Kraft verzehrt in der Arbeit an der Lösung der gestellten Ausgabe. Später konnte man sich auch aus zahlreichen Aeußerungen davon überzeugen, welche mächtige Wirkung die aus dem Herzen quellende Beredsamkeit voll edelster Popularität, die Stöcker auszeichnet, auf die Hörer geübt hat. Unmittelbar an den Gottesdienst schlossen sich die Verhandlungen des Missionsvereins an. Nach einer kurzen Berichterstattung des Pfarrer Schlosser über die Thätigkeit des Vereins im letzten Jahr folgte das Referat des Pfarrer Naumann aus Frankfurt über die Frage: „Was kann die innere Mission zur Belebung der Gemeinde beitragen?" Es war ein ungemein geistvoller, auf gründlichen Studien und eigener Erfahrung beruhender Vortrag. An ihn schloß sich eine belebte Discussion, welche die aus 132 Theilnehmern bestehende Versammlung bis gegen 3 Uhr zusammenhielt. Die an den Kirchthüren erhobene Collecte bettug 168 Mk. — Für den Abend hatte der Vereinsvorstand zu einer freien Versammlung in Steins Garten eingeladen. Für Bestreitung der entstehenden Kosten waren Eintrittskarten zu je 30 Pfennig verkauft worden. Es wurden im Ganzen 700 Stück abgesetzt. Schon aus dieser Zahl läßt sich entnehmen, daß die Zusammenkunft in Steins Garten stark besucht war. In der That war der Saal ganz gefüllt von einheimischen sowohl wie von auswärtigen Gästen. Die Versammlung verbrachte bei einem Glase Bier, während der Gesang von patriotischen Liedern und Vorträge von Rednern einander ablösten, einen gemüthlichen und genußreichen Abend, — Leider hat ein Unwohlsein Pfarrer Naumann aus Frankfurt verhindert, den angekündigten Vorttag über evangelische Arbeitervereine zu halten. Reiseprediger Wagner sprach über „Die deutsche Frau und deren Ausgabe". Der sehr eingehende und anziehende Vortrag war gewürzt durch reichliche Reminiscenzen aus England, wo der Redner 14 Jahre seines Lebens verbracht hat. Nach ihm sprach Hofprediger Stöcker über die Verpflichtungen, welche die gegenwärtige Lage den Besitzenden und Gebildeten auserlegt. Der Redner wurde schon bei seinem Auftreten außerordentlich sympathisch begrüßt. Etwa eine Stunde lang hielt sein Vortrag die Anwesenden in gespanntester Aufmerksamkeit. Leider ist es nicht möglich, in einer kurzen Scizze dem Leser auch nur andeutungsweise einen Begriff von -dem reichen Inhalt der Rede zu liefern. Was Jedem, der sie gehört hat, unvergeßlich bleiben wird, das ist die außerordentliche Herzlichkeit, das reine Wohlwollen, das aus Wort, Gebärde und Ton des Redners sprach, und der unverwüstlich gute Humor, den der viel geschmähte und bekämpfte Mann zeigte. Daß Hosprediger Stöcker aus dem Vollen heraus schöpft, versteht sich von selbst. Während er unter Einflechten von allerhand Selbsterlebtem und von mancherlei anecdotenhasten Zügen mit fast spielender Leichtigkeit seine Ideen entwickelte, ging er doch auf die tiefsten Fragen ein, zeigte die furchtbaren Gefahren, die der Gesellschaft drohen, und führte Jedem die schwere Verantwortung vor Augen, die heute aus den besitzenden und gebildeten Klaffen lastet. Als die Anwesenden zum Schluß den Rednern mit einem brausenden Hoch ihren Dank darbrachten, erhob sich ein einzelner Ruf, der aber sicher Hunderten aus der Seele sprach. Er lautete: „Wiederkommen!" — Wohlthätigkeitsbazar. Der Verlaus des Wohlthätig- keitsbazars am Samstag und Sonntag darf als ein durchaus gelungener bezeichnet werden. Eine eingehendere Schilderung sowie eine Darlegung des finanziellen Ergebnisses müssen wir uns für eine der nächsten Nummern aufsparen, umsomehr als auf vielseitiges Verlangen heute Abend von 6 bis 10 Uhr nochmals die Buffets von gestern geöffnet sein werden, wozu unsere Regimentsmusik concertiren wird. — Die Verloosungsliste ist in der vorliegenden Nummer dieses Blattes veröffentlicht- wie aus derselben ersichtlich, sind die Gewinne gegen Rückgabe der Loose Dienstag, Mittwoch und Donnerstag dieser Woche, Vormittags von 12 bis 1 Uhr im Club in Empfang zu nehmen. — Neues Theater. In der heutigen Zeit, wo alles von übertünchter Höflichkeit strotzt, übt das Einfache, Natürliche auch aus den vollendetsten Formenmenschen einen unwiderstehlichen Reiz aus. Dtese Thatsache wurde uns gestern in dem Charakterbild mit Gesang „W a l d l i e s ch e n " von Karl Elmar so recht vor Augen geführt. — Waldlieschen, ein echtes Naturkind, ausgewachsen wie eine Blume des Waldes, fern von der Tücke und Bosheit der geräuschvollen Welt, das Pflegekind des im Dienste des Gutbesitzers von Witterstein stehenden Waldaussehers, wird der gute Engel aller, mit denen es in Berührung tritt. So befreit sie ihre Freundin, die Nichte des Herrn von Witterstein, von dem derselben ausgedrungenen Bräutigam, Baron von Helmburg, versöhnt den reichen Mühlenbesitzer Stolzinger mit seinem Sohn Wilhelm, den er wegen seiner Windbeutelei und seiner Abneigung gegen das Müllerhandwerk enterben will, besiegt ferner durch ihre liebliche Herzensanmuth das Herz ihres wahren Vaters, des Schloßherrn von Witterstein, welcher ; sich ihr als ihr Vater zu erkennen gibt und gewinnt schließlich die Liebe des Barons von Helmburg, des früheren Bräutigams ihrer Freundin, welche den reichen Müllersohn, den sie aufrichtig liebte, zum Gatten erhält. — Frl. Elisabeth Bischoff war für die Titelrolle, die sie spielte, wie geschaffen. Ihre anmuthige Erscheinung sowohl wie ihre, wenn auch nicht volltönende, so doch ansprechende Stimme paßten vortrefflich für das anmuthige, naive Naturkind, welches „Waldlieschen" vorstellen sollte. Die von ihr mit viel Wärme und Innigkeit vorgetragenen Lieder „Im Walde da ist meine Freude" (1. Act), sowie das durch seine einfache und doch zu Herzen gehende Melodie ausgezeichnete Liedchen „Nimm dich in Acht" (2. Act) und schließlich das bekannte im Volkston gehaltene Müllerlied „Liebe Mühte, mahl' noch lange", durch welches sie den erzürnten Müller erweicht, riefen stürmischen Beifall hervor. — Herr Georg Stegemann gab den leichtsinnigen, von seinem künstlerischen Berufe durchdrungenen, von Autoritäten aber durchaus nicht als Künstler anerkannten Müllersohn mit richtigem Verständniß, während Frl. Krüger, (Nichte des Herrn v. Witterstein) ihrer keineswegs leichten Rolle nach Möglichkeit gerecht zu werden suchte. Herr Paul Ernst spielte den mit seinem Reichthum protzenden bärbeißigen, im Grunde genommen doch gutherzigen Müller vortrefflich. Auch die übrigen Rollen wurden im Ganzen gut durchgesührt, so daß die Gesammtdarstellung einen äußerst genußreichen Abend bot. — Neues Theater. Wie uns der ZettelK'für morgen ankündigt, geht Wildenbruchs „Haubenlerche" auf allseitigen Wunsch zum vierten Male in Scene. Wer also dies interessanteste aller Werke noch nicht kennt, versäume ja diese Gelegenheit nicht, umsomehr, da wir in der Lage sind, mittheilen zu können, daß Herr Director Reiners obiges Werk nur für vier Aufführungen erworben hat und somit eine weitere Ausführung wenigstens zweifelhaft erscheint. — Die Wafferfiäche des Gießener Eisvereins hat sich bereits mit einer hübschen Eisdecke bezogen. Die Freunde des Schlittfchuhlauses wollen also täglich an den bekannten Straßenecken nachschauen, wenn die Bahn eröffnet wird. Auch werden die Mitglieder des Eisvereins hiermit auf die Bekanntmachung des Vorstandes im heutigen Blatte hingewiesen. — Evang. Landessynode. Herr Prof. Dr. Thaer wurde aus seinen Wunsch von der Stelle eines Mitgliedes der evangel. Landesshnode entbunden und Herr Pros. Dr. Siebeck, z. Z. Rector der Universität, zu dieser Stelle berufen. — Die vierte ordentliche evang. Landessynode ist mit folgender Tagesordnung aus Dienstag den 10. November, Vormittags 10 Uhr, einberusen: I. Verkündigung neuer Einläufe. II. Berichtsanzeigen. III. Mündliche Berichterstattung und event. Berathung über die Wahl des geistlichen Abgeordneten und Stellvertreters im Decanat Oppenheim. IV. Berathung über: 1) die Vorlage Großh. Oberconsistoriums, betr. Leistungsfähigkeit der allgemeinen geistlichen Wittwenkasse; 2) den Antrag des Syn. Brand, betr. die Organisation und die Verhältnisse der allgemeinen geistlichen Wittwenkasse, insbesondere anderweite Regelung der Verwaltung derselben- 3) die Vorlage Großh. Oberconsistoriums, den Gesetzentwurf, die Sterbequartale der Geistlichen betr. — Die Nr. 24 des im Auftrage des Evangelischen Pfarr- vereinS für das Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann herausgegebenen „Hessischen Kircheublattes" hat folgenden Inhalt: 1. Charactere. 2. Hauptversammlung des Hess. Pfarrvereins, 21. October 1891. 3. Gesetzentwurf, betr. Gehalte der evangel. Geistlichen in Hessen. 4. Recht der evangel. Kirchenvorstände zur Anstellung der Organisten. 5. Musik zu Pfarrer Vogels Abendlied. 6. Erklärung (Professor Smend). 7. Lebensversicherungsverband. 8. Mitglieder des Pfarrvereins. 9. Bitte an die Vertrauensmänner. 10. Vom Büchertisch. — Polizeibericht. Eine Frau, welche am 6. d. M. in einem hiesigen Kaufladen ein Kinderjäckchen von der Ladentheke mitgehen hieß, wurde ermittelt und verhaftet, sowie die eine Tochter derselben wegen Hehlerei angezeigt. — In den letzten Tagen der vorigen Woche trieb sich ein Mann in der Stadt umher und bot den Frauen abwesender Männer Taschen-Fahrpläne an, indem er angab, der Herr Gemahl habe solchen bei dem Herrn Bahnhofs-Jnspector bestellt. Wenn der Schwindler etwa von der Frau in das Geschäft oder nach dem Comptoir des Ehemannes geschickt wurde, behauptete er, nur in die Wohnung geschickt worden zu sein, wo man ihm auch das bestellte Exemplar abnehmen müsse. Er ließ sich für einen solchen Taschen-Fahrplan, der nur 50 Pf. kostet, 2.50 Mk. und je nachdem auch 1.75 Mk. bezahlen. — Einem Fuhrmann von Daubringen, welcher am Samstag Abend bei eintretender Dunkelheit von Gießen kommend, an der Wirthschast zum „Johannisberg" anhielt, wurden vom Wagen mehrere, Kleidungsstücke, Kleiderstoffe rc. enthaltende Packete, sowie ein Regenschirm entwendet. Dem Thäter ist man auf der Spur. — Aus Wiesbaden wird der „Kl. Pr." geschrieben: Die Untersuchung gegen den Schuhmacher Christian Kuhmichel von Schierstein, welcher in dringendem Verdachte steht, den Landmann Arnd aus Mörfelden auf der Landstraße vor Kurzem ermordet und beraubt zu haben, wird in umfassender Weise geführt. Gestern wurden von dem Untersuchungsrichter des Landgerichts aus Darmstadt auf der Königl. Poltzei-Direction etwa 20 Personen vernommen, zumeist solche, welche in der Nacht, wo sich Kuhmichel dem ersten Polizei-Revier freiwillig stellte und sein Alibi nachzuweisen versuchte, in hiesigen Wirtschaften mit ihm zusammengetroffen waren. — Die Kohleupreise dürften, so melden Blätter des Kohlenbezirks, trotz des nahenden Winters erheblich sinken, da von fachmännischer Seite aus den Kohlenrevieren berichtet wird, daß die Nachfrage nach Kohlen bedeutend nachgelassen hat. Als Grund für letztere Thatsache wird die ungünstige Lage der Eisen- und Stahlindustrie angegeben. — Zur Warnung für Diejenigen, welche glauben, eS mache nichts aus, bei auf Eisenbahnfahrten mitgenommenen Kindern das Alter derselben auf Anfrage niederer anzugeben, um das Fahrgeld ganz ober zur Hälfte zu sparen, ‘ diene wieder der Fall, daß in Frankfurt ein unbescholtener Mann gereiften Alters wegen Betrugs mit 10 Mk. bestraft wurde. Er hatte auf einer Tour von Bremen nach Frankfurt einen 4 Jahre alten Knaben bei sich und suchte diesen durchzuschmuggeln, indem er sein Alter, das die Grenze der Zahlungspflicht noch nicht lange überschritten hatte, zurückdatirte. Die ersparten 16—17 Mk. kosten ihn jetzt außer der Geldstrafe die Kosten für vielleicht mehr als eine Instanz und vor Allem hat er eine Verurtheilung wegen Betrugs durch fein ferneres Leben zu schleppen. Butzbach, 7. November. Mit einem Clubcollegen W. Hamel aus Gießen legte Herr Carl Geldmacher von Butzbach unter Controle des deutschen Radfahrerbundes am 15. October, dem letzten Tage, an welchem derartige Preistouren für den deutschen Radfahrerbund zulässig sind, trotz starkem Regen und theilweise vollständig durchweichter Straße, die 215 Kilometer lange Strecke Frankfurt a. M., Mainz, Bingen, Coblenz, Bonn, Cöln in 12 aufeinanderfolgenden Stunden per Zweirad zurück. Beide Herren wurden vom Bunde für hervorragende Leistungen im Tourenfahren prämiirt. Nidda, 4. November. Der „Stern", das älteste Gasthaus unserer Stadt, wurde an Herrn Baumann aus Alt- Haßlau für 27,000 Mk. verkauft. Die Uebernahme wird im December erfolgen. Darmstadt, 9. November. Im Anschluß an die künftigen Mittwoch den 11. d. Mts., Nachmittags 3*/, Uhr, in Darmstadt (Saalbau) stattfindende Generalversammlung des Hess. Hauptvereins des Evang. Bundes, zu welcher eine recht zahlreiche Betheiligung erwartet wird, findet am Abend 7Vr Uhr eine Luther feier des Zweigvereins daselbst statt, die eine recht erhebende zu werden verspricht. Ein aus etwa 100 Knaben und 40 Männern gebildeter Chor wird unter Leitung des Herrn Rich. Senff verschiedene Chorgesänge aus- sühren, Herr Stadtpfarrer Gerok die Festrede halten und neben anderen Ansprachen (u. A. auch Herrn Ober-Con- sistorialrath Köftlin) werden Quartett- und Solovorträge von unseren ersten Künstlern und Dillettanten folgen. Darmstadt, 7. November. Der Landtagsabgeordnete Berg st räßer hat sein Mandat für die zweite Kammer niedergelegt. Mainz, 6. November. Als Curiosum dürfte erwähnt werden, daß infolge des fortwährenden Aufschlags der Preise der Kartoffeln, solche nunmehr aus Frankreich bezogen werden. Eine hiesige Firma, welche Lieferungen für das Militär abgeschlossen hat, bezog gestern die ersten Kartoffeln aus Paris. Dermtfdytes. *tt Von der Weser, 8. November. In Reinhards- walde ist vorgestern ein Gutsbesitzer aus dem hessischen Grenzdorse Wilhelmshausen auf schreckliche Wöise zu Tode gekommen. Derselbe hieß Runde und fuhr Morgens in aller Frühe allein nach dem Reinhardswalde, um Holz zu holen. Jrn Walde an einer engen, abschüssigen Stelle scheuten die Pferde und gingen mit dem Wagen durch, wobei Runde vom Wagen stürzte und ihm beide Beine abgefahren wurden. Er hatte bei dem Unfälle noch so viel Geistesgegenwart, daß er sich an einer Kette des Hinterwagens festhielt und auf den Wagen zog. In Folge innerer Verletzungen und des Blutverlustes wurde er besinnungslos, die Pferde blieben mit dem Wagen an einer Umzäumung hängen und konnten nicht weiter, und so mußte der Aermste, von jeder Hilfe entfernt, langsam zu Tode bluten. Nachmittags wurde der Wagen im Walde angetroffen, Runde war bereits tobt. Er hinterläßt eine zahlreiche Familie. Schiffrnachrichte«. Bremen, 7. November. sPer transallantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Capt. K. v. Gössel, vom Norddeutsche« Lloyd in Bremen, welcher am 27. October von Bremen und am 28. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, T. November. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Nürnberg, Capt. H Engelbart, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. October von Bremen abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. Verkehr, £ CO r Meine Flaschenbierhandlung befindet sich von heute ab^j ■ Neuenweg 17, II. Stock, nicht mehr Löberstraße 7 und empfehle Exportbier aus^der Brauerei Friedel, hell und dunkel, per Flasche 2V Pfg., bei freier Lieferung ins Haus. Hochachtungsvoll 9726__________________________W. Förster. Norddeutscher Lloyd.' Post- und Schnelldampfer von 3W£ Ei 3ST nach 7224] Logis, 3—4 Zimmer, an ruhige Leute zu vermiethen. 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Nähere Auskunft ertheilts Newyork Baltimore Australien La Plata 4553 General - Agent Chr. Emil Derschow, Offenbach a. M., oder dessen Agenten: J. M. Schulhof, Giessen, Ang. Kraft, Butzbach, Julius Karl, Grünberg. Börseuwocheubericht von E. Wasser Behieben, Bankgeschäft. Wie schlecht die vergangene Woche war, die neue hat keine Besserung gebracht und die Course sind fast auf allen Gebieten weiter zurückgegangen. — Das Ver- hängniß in Paris vollzieht sich mit Riesenschritten. Bisher hat der Platz nock immer eine Stütze gehabt, das war der Cours der französischen Rente, denn jeden Hinweis auf die Ueberladung des Marktes und den Umfang der Positionen glaubte man durch die unerschütterliche Haltung und die Höbe dieses Courses hinreichend entkräften zu können, und er gab somit vornehmlich die Grundlage ab, auf der sich die Positionen aufbauten. Jetzt ist auch dieser Thurm zusammengebrochen. Den Liquidationscours hat der allgemeine Wunsch, die Differenzen nicht zu hoch anwachsen zu lassen, noch ziemlich auf der früheren Höhe gehalten, am folgenden Tage türzte er auf 95 ab, ging in der Folge weiter aus 945/e zurück und gab damit das Signal zur allgemeinen Deroute. In der Thal hat Paris in dieser Woche Tage erlebt, die an die schlimmsten Zeiten erinnern, die Ultimodifferenzen sind auf eine Höhe angeschwollen, die Alles befürchten läßt, aber seit Festsetzung der Liquidationscourse haben sich die Verluste noch verdoppelt, und mit allgemeiner Beklemmung sieht man daher der Zukunft entgegen. Die Situation wird dadurch noch gespannter, daß weder Berlin noch London Neigung bekunden auch zu gewichenen Preisen Material aufzunehmen. Berlin kauft trotz seinen hohen Baisseengagements nur mit größter Zurückhaltung, und es gab daher Tage, an denen Orientanleihen, Goldrussen, Portugiesen und Spanier in das Bodenlose zu fallen schienen. Erst in den letzten Tagen hat sich die Erregung etwas gelegt, und die Coursbewegung ist damit in ruhigere Bahnen eingelenkt. Man spricht auch schon von der vollzogenen Reinigung des Platzes, aber man täusche sich nicht darüber; wir „reinigen" in Deutschland bereits seit zwei Jahren, und heute ist noch kein Ende der Abwärtsbewegung zu erblicken. Es kann kein Zweifel darüber herrschen — nach diesem Anstoß muß Paris liquidiren, das Uebermaß der Bewerthung muß heruntergeschrieben, die Positionen müssen gelöst werden, Verluste können nicht ausbleiben, und sie werden den Einfluß üben, den sie bei uns geübt haben. Dieser Proceß wird sich nicht von heute auf morgen vollziehen, er mag auch nicht ohne Unterbrechung vor sich gehen, sondern es ist wohl möglich, daß häufige Reprisen ihn verzögern und das klare Bild der Bewegung verwischen. Je mehr man sich aber dem Jrrthum hingibt, daß auf gewichenem Niveau gleich frisch und fröhlich eine neue Hausse erblühen könnte, um so schwerer wird die nachfolgende Enttäuschung, um so tiefer das Niveau sein, auf welches die Course zurück- stnken. Das ist die Aussicht für Paris; die Frage aber steht: welches wird der Einfluß dieser Bewegung auf die deutschen Börsen sein ? Daß sich dieselben besonders bei der herrschenden allgemeinen Entmuthigung nicht von dem internationalen Markt emancipiren können, ist von vornherein klar, aber man überschätzt auch vielfach diese internationalen Beziehungen. In letzter Linie bleiben doch immer die inneren Verhältnisse des Marktes maßgebend, und könnten wir mit einiger Befriedigung auf diese zurückblicken, so würde man auch mit Ruhe den Ereignissen zusehen, die sich an fremden Märkten vollziehen, und nur der Rückgang der direct abhängigen Werthe würde unvermeidlich sein. Hier aber liegt der wunde Punkt. Wohl ist Geld reichlich vorhanden, wohl sind die Course tief herabgedrückt, aber doch findet sich Niemand, der den Muth hat, zu kaufen, und man kann kühnlich die Behauptung aussprechen, daß, selbst wenn die Course noch um Dekaden fielen, keine neuen Käufer aus Kreisen des Publikums erstehen würden. Das Vertrauen ist so tief erschüttert, daß dieser Umstand allein, ganz abgesehen davon, ob die Lage der Industrie und die Handelsconjectur Chancen eröffnen ober nicht, einer Besserung der Course entgegensteht. Dieses mangelnde Vertrauen bedrückt die ganze Geschäftsthätigkett, es lastet am schwersten auf den Banken, denen es die Aussicht auf eine ersprießliche Thätigkeit nimmt, es führt in feiner Folge zu immer weiteren Coursrückgängen, neuen Verlusten und tieferer Verstimmung. Eine Aenderung hierin wird fchwer erkämpft werden müssen, aber noch scheint es, als ob wir, anstatt einer Besserung zuzuftreben, uns immer weiter davon entfernen. Vor einigen Wochen ist eine große Speculationsfirma zusammengebrochen und hat in ihrem Sturz mehrere industrielle Gesellschaften und dadurch auch weitere Kreise schwer geschädigt. Daß Speculanten in solchen Zetten zu Grunde gehen, ist nicht verwunderlich, in dieser Woche aber fiel eine Firma, von der es heißt, daß sie Speculationen grundsätzlich fernblieb, Die allgemein als solid angesehen wurde, die in Industrie- und Privatkreisen bis herauf in die höchsten Schichten viel Ansehen und großes Vertrauen genoß und es schmählich mißbrauchte. Man hat keinen birecten Einfluß des Fallimentes auf die Course constattren können, die Börse war am Tag, als der Concurs bekannt wurde, eher fest, aber die Wirkung kann nicht ausbleiben; solche Vorkommnisse gehen nicht spurlos vorüber, mag auch ihr Einfluß nicht direct in Erscheinung treten. Der Einsichtige wird sich freilich sagen, daß hier ein Einzelfall vorliegt, ein Vertrauensbruch, der ganz unabhängig ist von allen gleichzeitig auftretenden Umständen. Aber die Menge prüft nicht in solcher Weise, sie sieht, daß in Verbindung mit Bankgeschäften nun Perluste erlitten werden und sie wird schnell bereit fein, diele Erscheinung auf dieselben Ursachen zurückzuführen, । denen es die Schuld an dem andauernden Entwerthungsproceß zuschreibt, und darunter werden auch Die leiden müssen, deren redlichstes Streben dahin geht, gegenüber nicht wegzuleugnenden Mißständen an der Börse den Besitzstand ihrer Clientel zu erhalten. Von allen Rückgängen der Woche berührt der der Portugiesen den deutschen Markt am tiefsten. Dieselben fielen von 36 bis 32 und schließen nur wenig erholt, ohne Daß indessen neue ungünstige Momente bekannt geworden wären. Es werden allerdings in Paris Unterhandlungen von der Portugiesischen Eisenbahngesellschaft gepflogen, welche die Aufnahme eines Vorschusses zum Zweck haben und man sagt, daß die betreffenden Banken sich weigern, neue Gelder zu geben, ohne die Zusicherung einer durchgreifenden Reorganisation, d- h. einer Zinsoerkürzung. Das Alles war aber schon früher bekannt und bezieht sich auch nicht auf Die Staatsschulden, aber man übertrug Eins auf das Andere und so fielen die Course, ohne selbst an den bestehenden Baisse-Engagements Rückhalt zu finden. Das russische Reich hat dem Nothstand in feinen Gebieten neuerdings Rechnung tragen müssen und hat sich genöthigt gesehen, das Ausfuhrverbot auf alle Getreidearten mit Ausnahme von Weizen, sowie auf Kartoffeln auszudehnen. Das hat der Courssturz in Paris beschleunigt und in Berlin ist der Rubelcours noch schärfer gewichen, aber auch jetzt scheint die Bewegung noch nicht abgeschloffen, denn private Informationen lassen erkennen, daß der Nothstand weit schrecklicher ist, als es die officieüen Maßregeln eingestehen, und man zweifelt nicht, daß binnen kürzester Frist auch der Weizen von der Ausfuhrliste gestrichen werden muß. Wie sich dann die Zahlungsbilanz des Landes und mit ihr der Rubelcours gestalten wird, davon ßiebt die jetzige Bewegung in Berlin einen Vorgeschmack, denn mit allen Interventionen ist es nicht möglich, die späteren Termine auch nur über 200 zu halten. Im Uebrigen haben sich die speciell deutschen Werthe unter allen widrigen Strömungen gut behauptet. Die Baisseengagements erweisen sich als die beste Stütze des Marktes, besonders im Bankenmarkt, wo die Einbußen bis auf einzelne Ausnahmen gering genannt werden müssen. Disconto schließen unverändert, Dresdener und Handelsgesellschaft mit io/o Verlust, aber Darmstädter wurden stärker beeinflußt und wichen vorübergehend wegen ihrer Betheiligung an portugiesischen Anleihen bis 1243/a zurück. Credtt schließen sogar mit einer Avance von 2 fl., die allerdings nur dem niedrigen Vergleichscours der Vorwoche zu danken ist. Indessen war der Wiener Markt überhaupt günstiger disponirt, ein Beweis, daß innere Verhältnisse und nicht internationale Beziehungen den Ausschlag geben. Das kommt auf dem Gebiete der Transportwerthe noch markanter zum Ausdruck, denn hier kommen nicht unbeträchtliche Reprisen zum Vorschein, die aber auch in den meisten Fällen nur bis zum Freitagscours der Vorwoche heranreichen. Es gewannen Böhmische Nordbahn 4 fl., Buschtherader 4 fl., Duxer 6 fl., aber Galizier und Köflacher find schwächer, Staatsbahn nur behauptet, und Lombarden verloren 3 fl. lieber die Verstaatlichung dieser Bahn ist nichts Neues in die Oeffentlichkeit gedrungen, die Angelegenheit schwebt, aber die Regierung hat jedenfalls den Plan nicht aufgegeben und die allgemeine Meinung geht dahin, daß die Aktionäre nichts Gutes zu erwarten haben. Davon giebt ein neuerlicher Courssturz der noch am Freitag Abend einsetzte, Zeugniß. Von Schweizer Bahnen haben Gotthard 5% gewonnen, auf die Nachricht von großen Transporten, die über die Bahn gehen; alle anderen aber, speciell Westbahn und Nordost, liegen recht schwach. Oeftliche deutsche Bahnen sind in Zusammenhang mit den Ausfuhrverboten empfindlich gedrückt. Montanwerthe wurden gegen Ende der Woche rückgängig und zwar auf die Nachricht, daß noch keine Cokesabschlüsse für das kommende Jahr erfolgt seien und die Einbußen, die daraufhin erlitten wurden, sind empfindlich, Hibernia und Gelsenkirchener 3 0/0, Harpener etwa 8 %. Die gleichzeitige Abschwächung der Eisenactien ist nicht recht verständlich. Norddeutsche Lloyd verloren auf Dividendengerüchte nahezu 10%. Man sagt, die Dividende werde ganz ausfallen. Course der Frankfurter Börse. Gtaaisanleiherr. Diverse Obligationen. 5% BuderuS-Obligat. ♦ 1103.50 1103,15 I 4% Eisenbahn-Renienb.- I !I Obligat. . . . | 99.80 | 99.90 Cours vom 30./X. 6./XI. Cours vom 30./X. 6./XL 4% Hessische Obligation. 103.80 {103.90 104.90 4%%Portug.-A.88u.89 51.50 46.80 „ Bayern .... 105 — 5% amort Serb. Gold- „ Baden..... 102.40 102.25 Rente .... 85.— 84.— 3% Sächsische Rente. . 84.90 84.80 5%SerbischeEisenbahn- 8 y,% BremerStaatsanl. —.— -----.----- Hyp.-Obl. L. A. . 4%Schwed.Oblig.1880r 87.40 85.75 , Hamb.Staatsrente 94 — 93.75 101.25 101.15 4% Oestr. Goldrente , 94.10 93.90 1% Türken conv. Lit. D. 17.40 17 Vs „ GriechischeMonopol- 5% Strgent. Gold - Anl. 39.70 39.30 Anleihe . . . 60.30 59.— v. 1887 ... 5% Rumänische Rente . 97.20 95.50 3»/»% Egypt. priv. Anl. 89.20 88.45 4%Russ. Consols S.m 94.90 92.70 Gisenbahn-PrioriiLten. 40/0 Psälz. Ludwigsbahn 5% Südbahn Lombarden 102.— 101.80 (Bexbach) . . . „ Hessische Ludwigsb. 101.10 101.55 40/0 do. do. 93.70 94.— 3% do. do. 61.80 61.25 68/69 garant. . 101.05 101.35 4p/o Prag-Duxer Gold . 98.45 98.30 „ Elisabethb. steuerfrei „ Rudolf Gold (Salzk.) 98.95 98.70 Gold .... 5% Oestr. Staatsbahn. 99.70 99.60 „ Franz-Josef Silber 82.70 82.90 106.— 106.30 30/0 ftaall. garant Jtal. 4o/o do. do. 98.80 98.50 Eisenbahn . . 53 85 53.85 3% do. do. 3% Livorneser . . . 6085 61.50 I.—VIEL Emiss. 82.80 82.60 4o/o Ruff. Südw «Eisenb. 89 10 87.65 3% do. Ergänzungsnetz 5% Nordwestbabn Gold 80.05 105.60 79.20 106.10 40/0 Wladikawkas gamt, 4o/o gar. Sardin.Sec.stfr. 88.85 77.30 87.20 77.30 Eisenbahu-Aetie«. Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. 220.90 221.— Galiz.CarlLudw.-B.-Act. 176 Vs 175.25 110.25 109.50 Oest. Nordw.-Bahn SitB. 186.50 185.— Pfälzische Nordbahn . 114.90 114.85 Gotthardt..... Jtal. Mittelmeer . . 132.25 135.30 Lübeck-Büchner . . . 146.— 142.30 89.95 89.45 Bank Aetie«. Deutsche Reichsbank . 143.40 145.— Dresdener Bank. . . 134.65 132.75 Berlin. Handelsgesellsch. 137.05 135.45 Mitteldeutsche Creditb. . 97.— 96.— Deutsche Bank . . . 145.80 144 95 Wiener Bank-Verettl . 91% 91.50 DeutjcheGenossenschstsb. Württemb. Vereinsbank 122.50 122.50 o.Soergel,ParristusLCo. 120.50 120.50 Deutsche Vereinsbank . 106.— 104.— Jndrrffrie-Aetien. Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) 157.50 157.— Deutsche Verlagsanstalt 191.75 187.10 129.10 128.90 Farbwerke,vonMeister, Bad. Anilin- u. Soda- Lucius & Brüning. 275.— 274.90 fabril .... 271.— 270.40 Riebeck'scheMontanwerke 175 50 176.— Hibernia Bergw.-Ges. . 144.05 139.35 Bochumer Gutzstahl 111.90 109.45 Pfandbriefe. 4% Franks. Hyp.-Pfdbr. 4%DeutscheGrundschld.- ö. 91 ab . . . 102.— 102.— Bk.-Pfandbr. . 101.— 100.80 8i/8%Frnkf.Hyp.-Pfddr. 4%Preutz.Hyp.-Act^Bk.- 95.— 95.— 3%Vo do...... 3%% Rhein. Hyp.-Bank- 93.40 98.40 Pfandbr. . . . 101.10 101.10 Pfandbr. . . . 40/, Meininger Pfandbr. 92.— 92.— 3%% do...... 93.40 93.40 100.80 100.80 40/oPreuß. Centr.-Bod.- Creo.-Pfandbr. bis 1885 ..... 100.20 100 20 • Loose. Oestr. 1860rfl.500-Loose 119.— 118 75 Braunschweig. 20 Thlr.- „ 1854r fL 250= „ 119.30 118.75 Loose .... 3% Oldenburger Loose . 103.80 102.40 40/0 Meininger Prämien- 125.10 125.10 Pfandbr. . . . 128.95 129.20 3V»%Köln-MindnLoose 132.95 132.85 Amerikanische «isendahn-BondS. 6%Chic.Milw.f.St.Paul 4% Chicago Burlington Prt., rückzahlb. 1910 . 113.— 113.30 Nebraska 1927 . . 84.40 84.— 5%Chic.Mtlw.f.St.Paul 4Vi% California Pacif. Prt., rückzahlb. 1921 . 6% Centr. Paris. I.Mrtg. 104.10 103.80 I. M., rückzahlb. 1912 6%Pacis.ofMissouri con- 102.65 102.65 rückzahlb. 1896 . . 104.80 104.80 solidated I. M. r. 1920 104.10 103.80 NedaMo«: A° — Druck und Verlag der Brühl'sihm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen,'