1891 Freitag den 10. Juli Nr. 157 e**w» Mi*** AintS- ttttd Anzeiseblatt für den ILrei« Hieben. chratisßeiküge: Gießener KamitienKkatter 1. 2. 3. 4. b. c. d. 5. a § G Q CQ Feuilleton dem Namen der Besitzer Uv»>shme lea Anzeige« |n der Nachmillag- für dm Tag erscheinenden Nummer bi- Bor«. 10 Uhr. Der krepirten oder getödteten Thiere seinem Scheiden aus seinem bisherigen Wirkungskreise in Hannover eine kleine Programmrede gehalten. Unverholen gestand der Minister, er habe sein neues Amt nur mit großen Bedenken aus der Hand seines bedeutenden Vorgängers übernommen, wenn er dies gethan, so habe er nur geglaubt, eine patriotische Pflicht zu erfüllen. Alsdann betonte Herr Thielen, wie die Entwickelung des heutigen Verkehrswesens nicht allein von derjenigen der Eisenbahnen, sondern auch von der Entwickelung der Wasserstraßen abhänge und hob er weiter hervor, daß an der Ausbildung der Aufgaben der Verkehrswege nicht allein die Eisenbahnverwaltung, sondern auch die Organe der wirthschaftlichen Interessen arbeiteten. — Jedenfalls geht aus dieser Kundgebung des neuen Ministers, die übrigens mit einem Hoch aus Herrn v. Maybach endete, hervor, daß er gesonnen ist, der Entwickelung der Wasserstraßen in Preußen sein besonderes Interesse zu widmen, was man in den zunächst betheiligten Kreisen gewiß nur mit Genugthuung begrüßen wird. — Das Ergebniß der in Elsaß-Lothringen soeben vollzogenen Gemeinderathswahlen ist, vom altdeutschen Standpunkte betrachtet, gerade kein übermäßig erfreuliches. Dies gilt wenigstens von den Vorgängen in Straßburg und Metz. In Straßburg ist bei den Gemeinderathswahlen eine häßliche Uneinigkeit unter den eingewanderten Deutschen zu Tage getreten, die nicht zur Stärkung des Ansehens des Deutschthums im Elsaß beitragen kann, in der lothringischen Hauptstadt aber vermochten die Deutschen im ersten Wahlgange nur sechs ihrer Candidaten durchzubringen. Dagegen lauten die Nachrichten aus dem übrigen Reichslande in Betreff des Wahlausganges nicht ungünstig für die altdeutsche Sache. — In China gestaltet sich die Lage für die Europäer nachgerade höchst kritisch. Selbst ein kaiserliches Decret zum Schutze der Fremden bat nicht vermocht, die immer weitere Kreise des Chinesenvolkes ergreifende feindselige Stimmung gegen die Ausländer zu beschwichtigen, so daß es begreiflich erscheint, wenn unter den in China lebenden Europäern große Beunruhigung herrscht. Die Vertreter der fremden Mächte bei der chinesischen Regierung haben bereits mehrfache Conserenzen über gemeinsame Schritte zum Schutze der europäischen Staatsangehörigen abgehalten. Netteste Nachrichten WoiffS telegraphisches Torrespondenz.Burcau. Königsberg, 8 Juli. Im Landeshause gingen heute die Besprechungen der Minister vr. M i q u e l und v. Berlepsch mit dem Provinzialausschuß und den Vertretern der Land- wirthschast, Industrie und des Handels vor sich. Dem Der- nehmen nach handelt es sich um die Aufhebung des Identitäts- Nachweises sür Getreide und um die Ermäßigung der Eisenbahnsrachttarife sür landwirthschaftliche Erzeugnisse, die Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Ca- daver. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Das Gesuch mutz von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: beglaubigt seinem Unbescholtenheitszeuguiß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus- StetWNfrifet AI ewwmtnUfttlM 2 Mark 20 Pst. 0* Bringcrloy». Durch die Post bez«G« 2 Mark 50 Pstz. «edaction, SxpeMkG und Drucker«: 54» lstraßr ichener Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. Deutsches Reich. Darmstadt, 8. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog trafen mit Ihrer Grobherzoglichen Hoheit der Prinzessin Alix heute Vormittag, zu Wagen von Seeheim kommend, hier ein, stiegen im Schlosse ab und kehren im Laufe des Nachmittags wieder nach Seeheim zurück. Berlin, 9. Juli. Der neue preußische Minister | der öffentlichen Arbeiten, Herr Thielen, hat bei will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß. Bezüglich des Prüsungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 4. Juli 1891. Großh. Prüfungs-Commission sür einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: vr. Zeller. zustellen ist- ein selbstgeschriebener Lebenslauf. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein a. Geburtszeugniß; Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes Ich besaß keine nennenswerthen Ahnen, die seinen aber kannte ich längst auswendig, bis hinaus zu dem alten Hamburger Admiral, der ein Busenfreund von Columbus gewesen sein sollte, und so wollte ich die Auszählung derselben nicht noch einmal anhören. Bienchen wäre hier allerdings sogleich mit der Bemerkung bei der Hand gewesen, ich sei eisersüchttg auf Carls Ahnentafel. „Hab nur keine Angst, alter Sohn," sagte mein Freund. „Brauchst nicht zu fürchten, daß ich Dir wieder mit meinem Stammbaum unter die Augen gehen werde. Uebrigens hast Du zehnmal besseres Blut in den Adern als ich, sonst könntest Du unmöglich der prächtige Kerl sein, der Du bist." Dieses Zugeständniß beschämte mich. „Du wolltest soeben bemerken, lieber Carl . . ." begann ich. „Ja, ich wollte soeben bemerken, daß ich für das Mädchen alles thun, daß ich sür sie in den Tod gehen könnte!" „Der Sinn Deiner Ahnen stand höher, mein Freund. „Möglich," versetzte er trübsinnig. „Hier handelt es sich jedoch darum, sür wen Bienchen in den Tod zu gehen bereit wäre." , . Wie lebhaft kamen mir diese Worte wieder in die Erinnerung, als ich wußte, wie alles zu Ende gehen würde. Jetzt aber ries ich lachend: „Bienchen und in den Tod gehen! Das ist eine Gedankenverbindung, die mir denn doch etwas ungereimt vorkommt. Gegenwärtig lebt sie und daran wollen wir uns genügen lassen." , M „Gut denn - sür wen von uns aber wird sie leben ? fragte Carl beklommen. „Glaubst Du, daß eine Cokette treu sein kann?" Diese Frage wurde von meinem alten Freunde, Schiffscapitän Carl Petrus, an mich gerichtet. „Ob eine Cokette treu sein kann? Schwerlich. Bienchen aber kann treu sein," war meine Antwort. „Na, hör mal!" rief Carl. „Ein flatterhafteres Mädel hats nie gegeben! Sie cokettirt mit Jedem, der ihr in die Quere kommt, und mehr als einer unserer Bekannten würde Stein und Bein darauf schwören, daß Bienchen in ihn verschossen sei. Geht mirs doch selber kaum anders," fügte er hinzu, die Asche seiner Cigarre heftig zur Seite schleudernd. „Nein, Carl," versetzte ich, „Jacobme Grüngrost ist keine Cokette in dem bösen Sinne des Wortes. Sie zeigt sich gegen jeden von uns freundlich und liebenswürdig, wie sie als Wirthstochrer auch nicht anders kann, Besondere Absichten liegen ihr meines Wissens dabei fern. Anderseits aber ists auch nicht zu verwundern, wenn dieser oder jener ihre Liebenswürdigkeit ganz allein auf sich beziehen möchte - sie ist ein schönes Mädchen und erbt einmal der Mutter Vermögen und nicht unbeträchtlichen Besitz. Man darf eben nicht vergessen, daß sie eine Wirthstochter ist, und als solche gegen alle Gäste die gleiche Zuvorkommenheit zeigen muß. Es war nicht das erste Mal, daß ich mit Carl über Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Herbst 1891. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1891 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1891 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt: Jacvbine Gröngröfi sprach - so oft wir beide allein waren, mußte ich seinen Schwärmereien über das Mädchen zuhören und das zuweilen stundenlang. Die Liebenswürdigkeiten dieser jungen Dame aber waren keineswegs so unparteiisch vertheilt, als ich behauptet Hatteich sür meine Person konnte mich wenigstens nicht damit brüsten, von ihr sonderlich freundliche Blicke erhalten zu haben, wohl aber hatte ich manchen jener Stiche und manche jener mehr oder weniger spitzigen Antworten einzunehmen, die ihr unter den intimeren Gästen der Mutter Gröngröft den Namen „Bienchen" eingetragen hatten. Diese Antworten waren oft derart, daß sie den braven Betroffenen sicherlich zornig gemacht haben würden, wenn sie von weniger an- muthigen Lippen gefallen wären. Die llnschuld und die Reinheit aber, die des Mädchens ganzes Wesen kennzeichnete, und dazu ihre wirklich tadellose Schönheit ließen im ersten Augenblicke alles, was sie sagte und that, gerechtfertigt erscheinen Später allerdings, wenn das unbesangenere Nachdenken kam und Bienchens liebliches Antlitz nicht mehr gegenwärtig war, wurde sie von manch einem grausam, gesühllos, kaltherzig und cokett gescholten — lauter Bezeichnungen, an welche in ihrer Gegenwart zu denken, man sich ge- schämt hätte. Doch ich schweife ab. „Ganz recht, man sollte nicht vergessen, daß sie eine Wirthstochter ist," wiederholte Carl meine letzte Bemerkung. „Ihre Mutter, eine zugewanderte Schwedin, hält einen Schifferkeller- ich dagegen stamme aus einer der ältesten Familien dieser alten Hansastadt ..." „Weiß schon, weiß schon," unterbrach ich ihn mit einer ungeduldigen Bewegung. »oirteel. Wt Meßmer gMeifiteirittee WH« km Anzeiger WÄchmilich Iteimal dei-ele-t. Amtlicher Theil. Gießen, am 7. Juli 1891. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglicheu Bürgermeistereien Mmdorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhaufeil, Birklar, Dorf'Gill, Eberstadt, Großen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horlosf und Utphe. Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Auüschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe 'über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergessen ist. v. Gagern. Tabelle über die in der Gemeinde........vom .... 18 . . bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere. Birnchen. Von Friedrich Meister. (Nachdruck verboten.) I. Alle »««osfcm.-vreaur M 3tu und ÄuttwM tMfwa Inieigen für den „Gießener Anzeiqer" ent«e«M- nach Westen bis zur Provinz Sachsen versendet werden. Die Einführung dieser beiden Maßregeln soll in den Besprechungen als wünschenswerth bezeichnet worden sein. München, 8. Juli. Nachrichten aus Bayreuth melden: Der Dichter Oscar v. Redwitz ist gestern in der Privatheilanstalt Gilgenberg gestorben. Wien, 8. Juli. Der Handelsminister verfügte anläßlich der Cholera fälle in Aleppo und Massauah eine siebentägige Beobachtung der aus dem Golfe von Alexandrette zwischen Karatasch-Burun und Ladikieh, sowie aus den Häsen des Rothen Meeres ankommenden Schiffe. London, 8. Juli. Das Kaiserpaar fuhr Morgens nach Frogmore, wo es das königliche Mausoleum besichtigte. Nach dem Lunch im Windsor-Schlosse werden die Herrschaften der Gartengesellschast in Cumberland Lodge beiwohnen. Sie verabschieden sich von der Königin und begeben sich Nachmittags nach London. Eine Anzahl Gäste ist bereits nach London gereist. Der Bahnhof Windsor ist mit deutschen und englischen Fahnen und Blumen geschmückt. Loudon, 8. Juli. Das Unterhaus hat in seiner heutigen Sitzung die Unterrichtsbill in dritter Lesung angenommen. London, 8. Juli. Eine Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Mexiko besagt, daß es in der Stadt Gueral- tenango (in der Provinz Guatemala) zwischen der Bevölkerung und der Garnison zu einem thätlichen Zusammenstoß gekommen ist. Die Garnison wurde verjagt. London, 8. Juli. Wie die „Times" erfährt, will Rußland das Project des Baron Hirsch in Betreff der Auswanderung der Juden nach Argentinien, Syrien und Kleinasien begünstigen. London, 8. Juli. Nach einer Reutermeldung aus Sansibar hat der Sultan von Sansibar bei einem Unfall, der sich infolge Scheuwerdens der Pferde vor seinem Wagen ereignete, einen Beinbruch und einen Schlüsselbeinbruch erlitten. Windsor, 8. Juli. Der Kaiser schenkte der Königin sein Porträt in Lebensgröße. Er ist auf demselben in englischer Admiralsuniform dargestellt. Windsor, 8. Juli. Bei dem gestrigen Galadiner, das bis gegen Mitternacht dauerte, trug der Kaiser die Galauniform der Gardes-du-Corps. Die Königin, sämmtliche Orden und eine Miniarurdiamantenkrone tragend, empfing die Gäste 5 im Blauen Saale. Nach dem Banket brachte der Prinz von Wales auf Befehl der Königin den Toast auf den Kaiser und die Kaiserin aus. Der Kaiser erwiderte mit einem Toast aus die Königin. Beide Toaste wurden enthusiastisch ausgenommen. Die Nationalhymne wurde gespielt. Paris, 8. Juli. Nach Meldungen aus Grenoble, Roanne, St. Etienne und Calais herrscht unter den Arbeitern und Besitzern mechanischer Webereien eine Erregung, da sie fürchten, daß die Einführung der geplanten Zölle auf Baumwollgespinste die Schließung zahlreicher Betriebe herbei- sühren werde. Brüssel, 8. Juli. Die „Jndependance belge" veröffentlicht Briefe vom Congo, denen zufolge arabische Sclaven- jäger, welche in das Gebiet zwischen Aruwini und Oulle eingefallen waren, besiegt worden seien und sich aus Gnade und Ungnade unterwarfen. Neapel, 8. Juli. Der zunehmende Lava ström vom Vesuv erreichte heute den Vetranagraben hinter dem Observatorium. Petersburg, 8. Juli. Um einer eventuellen Vertheuerung des Saat- und Brodkorns dort, wo eine Mißernte möglich ist, entgegenzuwirken, ordnete die Regierung eine Ermäßigung der Getreidet'arife auf den dahin führenden, sowie auf den von den Häsen und den Westgrenzen ins Innere führenden Eisenbahnen an. Petersburg, 8. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß eine Kanzlei des Kaisers fürfinländischeAngelegenheiten creirt ist. Konstantinopel, 8. Juli. Angesichts der Meldungen englischer Blätter, betreffend eine angebliche Zustimmung der Türkei zur Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien, ist die „Agence de Constantinople" ermächtigt, zu erklären, daß diese Nachricht durchaus unbegründet sei. Die Pforte hätte keinerlei Verhandlungen mit Vertretern der „Du wendest Dich mit dieser Frage nicht an die rechte Stelle," versetzte ich. „Wenn Dirs wirklich Ernst ist, dann wunderts mich, daß Du nicht geraden Curs steuerst. Du wirst Dir so lange den Kopf zerbrechen, bis ein anderer sie Dir weggekapert hat. Der Capitän Wendler besucht die Mutter Gröngröst jetzt merkwürdig oft." „Hast recht, Freund," ries Carl. „Heute Abend nehme ich die Alte auf die Seite- sie wird hoffentlich nichts einzuwenden haben. Und für Jacobine wirds ein Prüfstein sein, wenn sie erfährt, daß ich so bald die Fahrt nach Australien anzutreten habe. . . Du, höre," schloß er mit komischer Be- sorgniß, „ich werde die Alte doch nicht etwa mit in den Kauf nehmen müssen?" „Darüber möge Deine Seele sich beruhigen," versetzte ich. „Aus bester Quelle weiß ich, daß Frau Gröngröft sich demnächst wieder in den heiligen Stand der Ehe zu begeben gedenkt. Die Hochzeit soll in aller Stille vor sich gehen." „Bravo!" ries Carl ausathmend. „Jetzt aber leb wohl." „Immer die alte Geschichte," sagte ich zu mir selber, als er fort war, „sobald ein Frauenzimmer im Spiel ist. Fragt gar nicht einmal, wie es mir geht und ob ich den Posten erhalten habe. Nun mag er auch warten- von mir ersährt ers vorläufig nicht. Ich suche ihn nun nicht eher an Bord auf, als bis er in See geht . . . Sie geht natürlich mit ihm, das ist gar keine Frage. Bienchen ist, trotz ihres süßen Kindergesichtchens, viel zu klug, um einen Mann von seiner Stellung und seinem Vermögen auszuschlagen." (Fortsetzung folgt.) Mächte in der berührten Angelegenheit gepflogen. Ebensowenig sei von einer Anerkennung des Fürsten Ferdinand seitens der Pforte die Rede. — Gegenüber den Angaben des Londoner Blattes „Jewish Chrouicle", wonach 200—300 j ü d i s ch e F a m i l i e n wöchentlich in Jerusalem einträfen, und wonach daselbst Krankheiten und Hungersnoth herrschten, wird der „Agence de Constantinople" von maßgebender Seite versichert, die Regierung gestatte nur den nach Jerusalem wallfahrenden Juden die Landung in den Häfen Jaffa oder Beirut - und selbst diese Wallfahrer müßten Jerusalem innerhalb eines von den Behörden festgesetzten Zeitraumes wieder verlassen. ............ ■ 1 I I SB I .....— ——...... Locales unb Krovirrzielles. Gießen, 9. Juli. — D. C. Der nächste „Alte-Herrn Abend" des „Verbandes alter Burschenschaften für Gießen und Umgegend" findet unter Betheiligung der beiden activen Burschenschaften und ihrer Verkehrsgäste diesmal nicht, wie seither üblich, im Hotel Schütz dahier, sondern im Forst garten nächsten Samstag den 11. Juli 6 c. t. beginnend statt. — Concert erster Solisten des Hamburger Stadttheaters, Montag den 13. Juli. Das Programm der Herren Landau, L o r e n t und Weidmann für dieses zweite und letzte Concert ist ungemein anziehend und abwechselnd, es enthält unter Anderem fünf Quartette, das Banditen-Duett aus Stradella, das Frühlingslied aus der Walküre, die große Max-Arie aus Freischütz, und den reizenden Lagunenwalzer von Strauß, gesungen von Herrn Weidmann, dann noch eine große Anzahl Lieder. Dieses Concert wird das letzte in Deutschland sein, von hier begeben sich die Herren, nach einigen Tagen der Ruhe, nach London. — Im Lenz'schen Felsenkeller gibt heute Abend die so beliebt gewordene Concertsänger-Gesellschast Gebrüder Herrnfeld ihr Abschiedsconcert, worauf wir Freunde des Humors und der Comik aufmerksam machen. — Ueber die Elite-Concertsanger-Gesellschast Lötfch, welche, wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, nächstens hier auftreten wird, schreibt die „Neckarzeitung" unterm 14. Juni: Auch in diesem Jahr ist es der „Elite-Concert- sänger-Gesellschaft Lötsch-Flor" wiederum gelungen, in zwei gut besuchten Concerten in Franks Kellerei stürmischen Beifall zu ernten. Zum Vortrag kamen Arien, Duette, Terzette aus beliebten Opern und Operetten, spanische Volkslieder, Wiener Couplets rc. Waren schon die gesanglichen Leistungen der Damen Flor und Sorelli recht befriedigende, so war geradezu hochergötzlich die originelle, vielseitige, unnachahmliche Komik des Herrn Lötsch. Es produzierte sich eben ein wirklicher Künstler. Wir machen auf diese Concerte ganz besonders aufmerksam, da es zweifellos seststeht, daß wir es hier mit einer wirklichen Künstlerschaar und keinem gewöhnlichen Tingl-Tangl zu thun haben. — Ein junger Mann wurde heute in dem Besitz einer werthvollen Damenremontoiruhr befunden, die er Handwerksburschen vorgezeigt hatte. Da er sich über den Erwerb der Uhr nicht ausweisen konnte, wurde er des Diebstahls verdächtig verhaftet. _____________ — Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern u. A. den Stabs- und Bataillons-Arzt Dr. Krieger vom 2. Großh. Hess. Jns.-Regt. (Großherzog) Nr. 116. — Lastet die Blitzableiter untersuchen. Spaltenlange Artikel in den größeren Tagesblättern melden von schweren, durch die heftigen Gewitter in der Rhein- und Moselgegend, sowie auch in unserer Umgebung entstandenen Blitzschäden, bei welchen Leben und Eigenthum zu Grunde gingen. Es dürste deshalb sehr rathsam sein, die Blitzableiter an den Gebäuden aus ihre Brauchbarkeit prüfen oder die Gebäude mit genauen Blitzableitern versehen zu lassen. — Offene Fenster. Fenster, die während der Nacht geöffnet sind, sieht man jetzt überall, wenn man durch die Straßen geht - an der Hinterfront der Häuser, wo ja meistens die Schlafzimmer -liegen, wird die Anzahl derselben noch größer sein. Bei sehr großer Hitze bringt Ermüdung von des Tages Arbeit nicht Schlaf, wenn die Lust im Schlafzimmer zu schwül ist. Da hilft nur das Oeffnen der Fenster, um der kühleren Nachtluft Eingang zu verschaffen. Aber ist denn das Schlafen bei offenem Fenster nicht ungesund? Nein, das ist es nicht, es ist im Gegentheil von großem Nutzen, nur muß Zugluft vermieden werden. Die Fenster brauchen auch nicht ganz offen zu stehen, sondern es genügt eine zweifingerbreite Spalte, nur muß man verhindern, daß der Wind den Fensterflügel bewegt- man legt deshalb ein Stück Holz oder einen Kork dazwischen und bindet den Fensterflügel an dem Wirbel fest. Es ist erwiesen, daß Personen, die stets bei offenem Fenster schlafen, von Erkältungen und Catarrhen weniger zu leiden haben, als solche, welche den dritten Theil ihrer Lebenszeit in ungelüfteten Schlafzimmern zubringen. — Aus Paris dringt ein Nothrus nach .heffen. Es befinden sich dort 200 deutsche evangelische Schulkinder, wovon 56 aus Hessen stammen. Unser Großherzog unterstützt die dortigen Evangelischen, die unter 21/2 Millionen Bewohnern der Weltstadt zerstreut leben, seit vielen Jahren. Es sind dort drei deutsch-evangelische Kirchen- sie reichen nicht aus. Zur Zeit muß in einem Districte Gottesdienst in einem ge- mietheten Saale abgehalten werden, wofür jährlich 3000 Mk. auszubringen sind. Während andere Nationen in Paris schöne Kirchen besitzen, geht es mit den deutschen Gotteshäusern und Schulen ärmlich zu. Die evangelischen Deutschen in Paris bitten um Hilfe. f Lich, 8. Juli. Eine große Anzahl der hiesigen Kinder ist gegenwärtig an den Masern erkrankt. Bei vielen derselben tritt diese Krankheit bösartig aus, namentlich gesellt sich häufig zu ihr die Rachenbräune und haben deßhalb schon eine Anzahl von solchen Erkrankungsfällen einen tödtlichen Ausgang genommen. -g. Villingen, 8. Juli. Der 19jährige Bergwerksarbeiter WilhelmWeber von hier, welchem gelegentlich des Krieger- fahnenweihsestes am letzten Sonntag zu Nonnenroth in Folge von Streitigkeiten ein Regenschirmstock in das Auge gestoßen wurde, ist gestern Nachmittag in der Wohnung seiner Eltern dahier verstorben. -ck. Weickartshain, 7. Juli. Das gestern und vorgestern hier stattgesundene vierte Bezirkssest des Kriegervereinsbezirks Grünberg, verbunden mit der Fahnenweihe des Kriegervereins Weickartshain, nahm einen vortrefflichen Verlaus, so daß nur eine Stimme der Anerkennung unter den Tausenden von Festgästen herrschte. Das nicht große Weickartshain harte aber auch Alles ausgeboten, seine Gäste freundlich, festlich zu empfangen und das Fest selbst zu einem würdigen zu gestalten. Der Ort prangte in überraschend reizendem Festschmuck. Den Hauptfesttag leitete eine Reveille früh Morgens ein, nachdem schon am Abend vorher ein Zapfenstreich sein Nahen verkündet. Um 9 Uhr fand Festgottesdienst in der Kirche statt. Dann begann der Empfang der zahlreich ankommenden Vereine. Nach Abhaltung des Bezirkstags sand gegen 2 Uhr der Festzug statt, an welchem sich 15 Kriegervereine, sowie mehrere Gesangvereine betheiligten. Herr Pfarrer Walther weihte nach Ankunft auf dem Festplatze und herzlicher Bewillkommnung durch den Kriegervereinspräsidenten Schmidt die Fahne. Unter kurzer Ansprache überreichte hieraus Fräulein Melchior im Auftrage der Frauen und Jungfrauen die prächtige, von fo- Gießener Fahnenfabrik Schulze gelieferte Fahne dem Präsidenten des Kriegervereins. Musik und Gesangsvorträge wechselten nun ab mit fröhlichem Tanze. Der zweite Festtag gehörte mehr dem Festort selber. Ein Frühcommers aus dem Festplatze eröffnete denselben- Nachmittags 2 Uhr fand ein Umzug mit der neuen Fahne durchs Dors nach dem Festplatze statt. Friedberg, 8. Juli. In unserem Lehrerseminar, das wegen einer typhusähnlichen Krankheit, die unter den Seminaristen ausgebrochen war, drei Wochen hindurch geschlossen bleiben mußte, wurde mit dem Unterricht heute wieder begonnen, da jede Gefahr einer Ansteckung und weiteren Verbreitung der Krankheit als beseitigt gelten kann. Vermischtes. * Frankfurt a. M., 8. Juli. Am Sonntag Morgen hatte sich im Zoologischen Garten eine Gerichtscommission, sowie der Bezirks - Commissar eingefunden. Durch letzteren wurde die Berufsfeuerwehr allarmirt, um festzustellen, in welcher Zeit Hilfe am Platze eintreffen könnte. Von dem Zeitpunkte der Allarmirung bis zum Eintreffen der Mannschaft im Garten waren 7 Minuten verstrichen. * Frankfurter Englisch. In der neuesten Nummer der „Frankfurter Latern" wird folgender jScherz erzählt: Es war noch zor Zeit wie der deutsche Bundesdag hie in Frankfort war, da hat der Hans Klein, merr hotten des Schlappmaul gehaaße, no er is jetz schon lang dudt, da Hot der also vor dem Consul Murphy seim Haus Holz klaa gemacht. Da kimmt su e langer gakelicher Engelänner, mit Mordsvadder- merder un Manschette, un fregt en: „Is Mister Murphy at home?“ — „Naa", fegt des Schlappmaul, „er is net dehaam." — „Is he gone out?“ — „Ja er is ausgange". — „I thank you !tt — „Is gern geschehe!" — Wie der lange Engelänner fort war, hat des Schlappmaul erscht lang vor sich hie geschtiert, dann halt er mit dem Kopp geschiddelt und fegt: „Hol mich der Deibel, jetzt kann ich englisch Kabbele un Habs gar net gemißt." * Ein 103 Jahre alter Verbannter kehrte am 30. Juni d. I. aus Sibirien nach Petersburg zurück. Jmitsetzky, ein geborener Pole aus Wilna, hatte als Flügeladjutant Napoleons I. mit dem Kaiser den Feldzug nach Rußland mitgemacht. An der Beresina wurde er von den Russen gefangen genommen und als „Vaterlandsverräther" zum Tode verurtheilt. Später wurde er jedoch begnadigt und nahm im russischen Heere Dienste an. Sein Haß gegen Rußland war jedoch stärker als seine Unterthaneutreue, und so kam es, daß er sich verleiten ließ, an der polnischen Jnsurrection vom Jahre 1831 theilzunehmen. Die Folge war, daß er ergriffen und zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit in den Goldbergwerken Sibiriens verurtheilt wurde. Nachdem im Jahre 1851 seine Strafzeit beendet war, gestattete ihm Czar Nikolaus, Sibirien wieder zu verlassen. Jmitsetzky hat jedoch erst jetzt von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht und reifte nach Petersburg, um sich von hier aus in seine Vaterstadt Wilna zu begeben. Jmitsetzky ist Ritter der Ehrenlegion- der Orden wurde ihm nach der Schlacht bei Wagram vom Kaiser Napoleon selbst überreicht. * Kaiser Wilhelm in Windsor. Kaiser Wilhelm II. ist nicht der erste deutsche Kaiser, der nach Windsor als Gast kommt. Ihr« ging imJahre 1416 Kaiser Sigismund voraus - er erhielt den Hosenbandorden und schwur mitsammt seinen Rittern und Knechten, daß England und Windsor ein Paradies, wo die Nahrung gut, die Frau schön, das Bier stark und die Husschmiede gefällig seien. In einem wesentlichen Punkte unterschied sich indessen sein Besuch von dem heurigen. Als sein Boot sich bei Dover der Küste näherte, richtete des Königs Bruder, der Herzog von Gloucester, mit gezogenem Schwerte an ihn die Worte: „Beabsichtigt Ihr irgend eine Gerichtsbarkeit in unferm Königreiche auszuüben?" Erst als Kaiser Sigismund dies verneinte, durste er landen. An den Kaiser Wilhelm dürfte diese Frage nicht gestellt worden sein. * Langensalza, 1. Juli. Bei Langensalza ist jetzt auf dem südlich von der Stadt belegenen „langen Högke" (auf der Stelle, auf welcher Oberstlieutenant des Barr es, Commandeur des 1. Bataillons des 2. Schlesischen Grenadier-Regiments Nr. 11 auf dem Rückzüge der preußischen Truppen nach der Schlacht bei Langensalza mit seinem aus Mannschaften des 11. Regiments, des Erfatzbataillon-Regi ments Nr. 71 und des Landwehr-Regiments Nr. 20 ge w « bildeten Carre einen dreifachen Reitersturm — eine zweimalige Attacke der hannöverschen Garde-Cürassiere und einen Angriff der Cambridge-Dragoner — siegreich bestand) ein Kelsblock errichtet, welcher eine bronzene Denktasel mit der Inschrift trägt: „Hier stand das Carre des Barres. Ein Fels. 27. Juni 1866." * In Uschütz ließ sich, wie oberschlesische Blätter berichten, ein junger Mann, der sich beim Heben „Schaden gethan hatte", von „klugen" Frauen in eine Krauttonne stecken, mit heißem Master von „neunerlei Kräutern" begießen, zum Ueberfluß gab man ihm noch drei heiße Steine mit ins Faß und schloß dieses mit wollenen Decken. Der Kranke verließ das Faß nicht mehr lebend. Die gerichtliche Untersuchung gegen die heilkundigen Weiber ist eingeleitet. * Der Zufall als Lebensretter. Der Berner „Bund" führt nachträglich verschiedene Fälle an, wie mehrere Baseler Familien zufällig abgehalten wurden, am Tage der Katastrophe bei Mönchenstein den dem Verderben geweihten Personenzug zu benützen. So hatte ein Basler mit seiner ganzen Familie diesen Zug zu einem Ausflug aus's Land benutzen wollen- aber unter der Hausthüre fingen seine zwei Knaben einen Wortwechsel an, der den Vater bestimmte, nicht nur ihnen Hausarrest zu geben, sondern nun auch mit Frau und Tochter zu Hause zu bleiben- hier hatte also erzieherische Strenge wahrscheinlich eine ganze Familie gerettet. In einem andern Falle aber wurden vier Brüder durch ihren Ungehorsam bewahrt. Ihr Vater war Vormittags schon über Land gegangen und bestellte seine Buben auf den Nachmittag nach Mönchenstein, wohin sie mit eben jenem Unglückszuge fahren sollten. Schon aus dem Bahnhof angelangt, beschlossen sie, doch lieber nach Augst zu gehen- vielleicht war dabei auch ein romantisches Interesse an der alten Römerstadt im Spiele. Sie fuhren also mit der Centralbahn nach Pratteln und führten ihren Plan aus. Der Vater suchte dann ihre Leichen mit großer Angst und kam Abends spät verzweifelt nach Hause- da laugten gleichzeitig mit ihm ganz wohlbehalten die vier Burschen an und sind diesmal für ihren Ungehorsam wohl schwerlich durchgebläut worden. Schöner ist die Geschichte, wie eine ganze Familie den verhängnißvollen Zug versäumte, weil Niemand den alten Großvater, der nach Tisch in der dem Alter eigenlhümlichen breiten Weise eine seiner Erinnerungen erzählte, in seinem Redefluß unterbrechen wollte, obschon ihnen allen, wie man so zu sagen pflegt, der Boden unter den Füßen brannte. Hier war es also Pietät, welche die Betreffenden vor großer Gefahr, vor wahrscheinlichem Tode bewahrte. In einem andern, uns bekannt gewordenen Falle hat dagegen Unmäßigkeit bei Tisch denselben Dienst geleistet. Eines der Familienglieder hatte von einem Lieblingsgericht so viel geschmaust, daß es, als man schon zur Bahn ging, plötzlich grimmige Leibschmerzen und Krämpfe bekam- bis diese vorübergingen, war der Zug längst abgefahren nnd die betreffende Familie hatte auf den Ausflug verzichtet. * Im New Yorker Zuchthaus Sing-Sing wurden am Dienstag vier Mörder mittelst Eleetrieität hm- gerichtet. Der Hinrichtung, welche ohne Störung verlief, wohnten nur Gefäugnißbeamte, wissenschaftliche und einige besonders berufene Zeugen bei. * Daß mau mit seiner Unterschrift nicht vorsichtig genug sein kann, zeigt folgende amüsante Geschichte einer Petition in Amerika. In Newyork ist die Wette 'zum Austrage gekommen, man könne mehr als hundert hervorragende Geistliche veranlassen, eine Petition zu unterschreiben, die verlangt, daß der Bischof von Dort gehängt werde. Der kühne Wetter verfaßte ein mehrere Bogen langes Schriftstück, dessen Eingang an das Interesse des Lesers für die Entwickelung der Kirche appellirte und sich in einem unendlichen Wortschwall erging. Ganz am Schluß wurde die freundliche Bitte ausgesprochen, Se. Hochwürden den Bischof von Iork gefälligst am Halse auszuhenken, bis er tobt sei. Als erst einmal ein paar bekannte Namen etn der Spitze des Doeuments standen, nahmen die übrigen Herren keinen Anstand, zu unterzeichnen, ohne gelesen zu haben. Der Gewinner behauptete, er hätte es mit einiger Geduld ebenso gut auf tausend wie aus hundert Unterschriften bringen können. Literatur und Ilnnst. — Da» Buch von der gesunden und praktische« Wohnung. (Leipzig, Ernst Keils Nachfolger.) Es liegen uns drei weitere AbtheUungen dieses gemeinnützigen Werkes von E. Falken - horst vor. Die zweite Abtheilung: „Luft und Licht in der Wohnung", die dritte: „Küche und Gesundheit" und die vierte: „Die Kinderstube". Den Müttern und Hausfrauen bieten dieselben eine ungemein reiche Fülle von Belehrung. Den Begriff der Kinderstube hat der Verfasser zweckmäßig erweitert und er bespricht in der betreffenden Abtheilung auch die häusliche Gesundheitspflege der Kinder im schulpflichtigen Alter. Einen besonderen Nachdruck legt er auf die Verhütung der sogenannten Schulkrankheiten, der hohen Schulter, der Kurzsichtigkeit, der Nervenschwäche. Die Ergebnisse der neuesten Forschung werden dem Leser in überaus klarer, verständlicher Weise vermittelt, und so bildet diese Abtheilung einen vorzüglichen Rathgeber für die leider so oft vernachlässigte leibliche Erziehung der Jugend im Hause. — Die Gefahren, welche die Gesundheit durch Nahrungsmittel bedrohen können, sind gleichfalls sehr eingehend geschildert; außerdem aber geht der Verfasser auf die neuesten Bestrebungen ein, durch den hauswirthschaftlichen Unterricht unbemittelter Mädchen die Kunst, billig und nahrhaft zu kochen, wetteren Kreisen zugängig zu machen. — Durch diese Eigenschaften wird der Werth des Buches nur gehoben, denn die Wohnungseinrichtung an und für sich bietet noch lange nicht einen genügenden Schutz der Gesundheit; in einer gesund ausgeftatteten Wohnung müssen wir auch gesundheitsgemäß wohnen. Das ist der Grundsatz, welcher durch das ganze Buch geht — und man muß ihm unbedingt zustimmen. — Als ein Spiegelbild des musikalischen Lebens und Schaffens der Gegenwart kann die im Verlage von Carl Grüninger in Stuttgart erscheinende „Neue Mrrfik-Zeitirrtg", von der soeben der zweite Quartalband ausgegeben wird, im wahren Sinne des Wortes gelten. Keine neue musikalische Schöpfung, kein Werk, keine Aufführung, kein musikalisches Fest, sofern es Anspruch auf Beachtung machen kann, entgeht der Redaction, welcke sich die Aufgabe gestellt hat, das Wesen und die Schönheit der Tonkunst dem Verständniß nahe zu rücken und Jedem zugänglich zu machen, der sich aus der bleiernen Region des Alltagslebens in die hohen und reinen Sphären der Kunst emporschwingen will. Schiffsnachrichten. Bremen, 7. Juli. (Per transatlantischen Telegraph-1 Der Schnelldampfer Eider, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. Juni von Bremen und am 28. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. £anb» rrnd Volkswivthschaft» Friedberg, 7. Juli. Fruchtpresse. Weizen AL 23.00 bis 00.00, Korn AL 20.50-00.00, Gerste AL 17.00—17.50, Hafer AL 16 00-16.25. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 8. Juli. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. AL 1.00-1.20, Eier 1 St. 0 2 St. 13 H. Frankfurt a. M., 8. Juli. Am gestrigen Zuchtschwein e- Markt auf dem Bebraer Bahnhofe waren zugefahren 200 Stück. Die Preise waren für Thtere von 20 Wochen 45 bis 50 AL, für Thiere von 10 bis 16 Wochen 21 bis 30 AL per Stück. Umsätze nicht bedeutend. Limburg, 8. Juli. Fruchtmarkt. Rother Weizen AL 20.30, weißer Weizen AL 20.10, Korn AL 16 25, Gerste AL 11.25, Hafer AL 7.90, Erbsen —, Kartoffeln —.—. — An im Großherzogthum Hessen wohnende Erfinder wurden letzthin folgende Patente ertheittr B. Böger in Frankfurta.M. und C. Siegl in Offenbach — Abheb- und Zuführungsvorrichtung für einzelne Papierbogen für Buchdruck-, Stetndruckpressen u. dgl. vom 23. Juli 1890 ab; E. Müller in Amöneburg bei Biebrich — Verschluß an Traghaken für Kleidungsstücke rc. vom 30. April 1890 ab; Schreiner & Sievers in Offenbach — Stempel zum Pressen von Hohlkörpern aus dünnen Celluloid-Platten vom 26. November 1889 ab; Dr. E. Höpfner in Gießen — Apparat für electro- metallurgische Arbeiten vom 22. Februar 1889 ab; Dr. H. Lossen in Offstein bet Worms — Einrichtung zum selbstthätigen Abstellen der Wasserleitung bei Rohrbrüchen vom 26. October 1890 ab. — Patent Anmeldungen sind von nachstehenden Personm und auf nachverzetchnele Gegenstände erfolgt: Adolf Weidenbusch in Darmstadt — Apparat zum Abheben einzelner Blätter von einem Stoß Papier u. dgl.; A. Leonhardt u. Cie. in Mühlheim — Verfahren zur Darstellung eines gelben Farbstoffes; A. Römheld in Friedrtchshütte bei Lauboch — Treppenroststab; Wilhelm Hartmann u. Julius Thomson in Offenbach — Ledersalzmaschtne (Zusatz zu Patent 50905); Karl Schmäh! in Mainz - Füllofen mit aus Einschubplatten gebildetem Füllschacht und Entgasungscanal; Jakob König in Offenbach — Strohhülsen — Nähmaschine zum Vorarbeiten von Stroh von ganzer Halmlänge; Wilhelm Keller u. Stephan Quast in Osthofen — Reiniger und Ausleerer von Schleudermühlen; Schmidt'sche Schmirgelwaarenfabril Mayer u. Schmidt in Offenbach — Handschleifvorrichtung für Sptralbohrer. — (ginfalaetCM beregneten HeneS.WEtn längst erprobtes, Vielen aber noch unbekanntes Mittel, schreibt Ludwig Lindes in der „Wien. ldw. Ztg.", um längere Zeit im Regen gelegenes und nicht vollkommen trocken eingebrachtes Heu von Wiesengras oder Klee aufbewahrungsfähig und zur Fütterung geeignet zu machen, ist die Bereitung von Braunheu aus demselben unter Zuhilfenahme von Viehsalz. Das Einsalzen des Heues geschieht während des Abladens, beziehentlich Etnschtchtens auf den Heuböden oder sonstigen Aufbewahrungsorten in der Art, daß über jede etwa 0,5 Meter hohe Schicht Heu einige Hände voll Salz möglichst gleichmäßig über die ganze Fläche des Heustockes ausgestreut werden. Man rechnet im Durchschnitt auf 2000 Kgr. (40 Ctr.) Heu 4 bis 5 Kgr. Salz. Das Salz verhütet die Schimmelbildung und befördert während der Gährung des Heues im Heustocke die Bildung von Milchsäure, wodurch das infolge der ungünstigen Witterung minder nahrhaft und schmackhaft gewordene Futter wieder bedeutend an Nährwerth gewinnt. Die Hauptsache bleibt aber, daß das Heu nicht, wie es gewöhnlich geschieht, ballenweise übereinander geschichtet wird, sondern alles Heu, insbesondere feuchtes, muß gleichmäßig fest geschichtet werden. Jeder hohle Raum im Heustöcke verursacht Schtmmel- bildung. Nach vier bis sechs Wochen ist das Heu zur Verfütterung geeignet. _______________ — Die Deutsche Pferdebefitzer-Genoffenschaft vermittelt unter den coulantesten Bedingungen den An- und Verkauf von Pferden, Fourage und Gebrauchsgegenftänden, sowie sie vornehmlich den Import von belgischen Pferden übernimmt. Preislisten, sowie Statuten rc. sind durch den Genössenschaftsoorstand zu Berlin, Gcorgenkirchstr. 46 zu beziehen. Gottesdienst der israelitische« Keligiousgesellschast. Freitag Abend 730 Uhr, Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 4°° Uhr, Samstag Abend 900 Uhr. Ganz seid, bedruckte Foulards Mk. 1.90 bis 7.25 pr. Met. — (ca. 450 versch. Disposit) vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei in's Haus das Fabrik-D6p-t G. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1744 Vom Raucher dem Freunde empfohlen, wird HollLud. Tabak 18 Vsb. fco- 8 Mk. täglich bei B. Becker in Seesen a. Harz nachbestellt. (Notariell erwiesen). 1006 Für die Frauenwelt unentbehrlich I DOEBIMGS SEIFE nach eigenartigem Verfahren hergestellt aus den bestgeläutertsten Materialien. Sie bewirkt: zarte Haut, schönen Teint und jugendfrisches Aussehen. Sie verhindert: rauhe, rissige Haut, vorzeitige Runzeln und gealtertes Aussehen. des billigen Preises, die beste Seife der Welt! nur 40 Pfg. per Stück. Zu haben in Giessen bei Gebr. Adami, Benner & Krumm, Engros-Verkauf; C. F. Conrad, Drebes L Wallenfels, Eberhard Dort, Fritz Egly, E. Fischbach, A. Geise, G. Gerhardt, L. Kalkhof, Gg. Kinkel, L. Loth, Eberh. Metzger, P. J. Mobs, C. Möser, H. F. Nassauer, A. Noll II., Otto Schaaf, 1. M. Schulhof, Frau R. F. Thomas, A. Voigt, Heinrich Wallach. 5453 Engros-Verkauf: Benner & Krumm. Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 9. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 13 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Verding. Zur Herstellung der Chaussirung der Zufuhrstraße auf Bahnhof Kinzenbach der Strecke Lollar-Wetzlar sollen die erforderlichen Arbesten und Lieferungen in zwei Loosen verdungen werden: Loos I. 4500 qm Chaussirungsfläche her- j zustellen. Loos IL 700 cbm Kleinschlag und 200 cbm Kies anzuliefern. Verdingungsformulare können von der unterzeichneten Dienststelle gegen postfreie Einsendung von 1 AL bezogen werden. Frist für Einsendung der Angebote 28. Juli, Vormittags 11 Uhr. Limburg (Lahn), den 3. Juli 1891. Königliche Eisenbahn - Bau - Jnspection. (Direction Frankfurt a. M.) [6322 Donnerstag den 16. Juli 1891: Zucht- u. Mmeh-Markt 6305 in Hanan. Aeilgeöotenes. Frankfurter Salon - Bier (hell und dunkel) aus der Oberländers Bier- brnuerei-Aetiengesellschaft empfehlen per Flasche 20 frei ins Haus [6316 Karl Möser, Alicestraße, I. C. Veitj, Ludmigstraße, H. Hansel, Bleichstraße, Ph. Weller, Wolkengasie 24. 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Forderungen an den Nachlaß des Fräulein Bertha Worms von hier wolle man alsbald bei dem Unterzeichneten anmelden. 2. Kreis- und Gauturnfest. 3. Ersatzwahl des Vorstandes. 4. Einweihung der Turnhalle und Feier 45jährigen Bestehens des Vereins. 6183] Durchaus tüchtige Weißzeug Näherinnen sucht M. Ka«N.Kirchenpl.8. «omwiS frei. Jüngere strebsame wollen ihre Offir en unter 8. 10 bei der Expedition dieses Blattes einreichen. bei K Häuser (Schiffenbergerthal). Der Vorstand. 6248] Eine Wartfrarr für alsbald gesucht. Näheres bei Frau Gerlivp, Kirchenplatz. 85 65 14 o/o Ung. Gold-Rente dv.85 b °/o Jtal. Rente 85 451 4!/b|% Oest. Stlber-Rentr 98.8515o/o Rufs. DI. Orient 6319] Ein Pferdeknecht gesucht. Ehr. Haubach I. KS" In Marburgs IfcJi frequentester und schönster Lage, Bahnhofstraße 6 A, ist ein Laden mit anschließender Wohnung, in dem jed- größere ______________-j_________ oder kleinere Geschäft betrieben werden 6314] Ein j Mädchen, das schon im, kann, per 1. October zu oermiethen. Haush. thät. war, s. Stelle a. Stütze der Nähere Auskunft Wettergasse 25. Hausfr ,w.a.o.Geh. Off. L.^-Exp d.Bl. 6167 B. Lucas, Uhrmacher. 6304] In einem hiesigen größeren Geschäfte wird zum 15. Sept, oder 1. Oct- mögen, wünscht zu heirathen. Offerten erbet. 6. A. lagernd Post 12 Berlin. [4220 6230] «ine Haushälterin sucht Stelle auf sofort. Näheres bei Frau Müller, Teufelslustgärtchen 26. Schweizer Nordoft-B.-Att. Mainzer E.-B.-Act. Marienburger E.-B.-Act. 6317) Der Gesamwt-Auflage dieser Nummer liegt ein Prospekt der Dampf-Kaffeebrennerei A. Zuntz sel. Wwe. in Bonn und Berlin bei. Mit Rücksicht auf die Beliebtheit, welcher sich die gebrannten, durch feinstes Aroma, absolute Reinheit und hohe Ergiebigkeit sich auszeichnenden Java- Kaffees in allen Bevölkernngskreisen erfreuen, machen wir besonders auf diese Beilage aufmerksam. Hochachtungsvoll O. MeSior 1) Vortrag. 2) Diesjährige Hauptversammlung in Hungen. 3) Letzter Termin der kostenlosen Erhebung des Vereinsbeitrags. 5. Ernennung von Ehrenmitgliedern. Der Vorstand. Bahvhofflr. 5v. Telephon 66. ~ 6303] Die product. ital. Lehrling suche für meine Bäckerei. [5944 Fried. Noll, Mäusburg 12. Nr. 33, mittelst specificirter Rechnung geltend zu machen, da solche später keine Berücksichtigung mehr finden Matters. ausgewahlle Zaionmufik. IV. Jahrgang. Monatlich 2 Nummern (mit Text- Betlage). Preis pro Quartal 1 JL. Prebemieeern gratis und franco. Leipzig. C. A. Hochs Verlag. Heute und morgen prachtvolle Schellfische, Hecht, Karpfen und Zander, 6323 ferner schönstes Mastgeflügel bei C. G. Kleinhenn. Hofraithe nebst dazu gehöriger Wirty- schaft mit Kegelbahn. Daselbst kann auch Metzgerei betrieben werden. Näheres in der Exped. d. Bl- [6320 ersuchen Sie gefl. Schusters Caffee. Verkauisstelle Gießen: Hch. Wallach, Markt 8. Lohnende Verkaufsstellen werden soliden Händlern an allen Orten übertragen. 4412 M. Schuster, Bonn, Dampfkaffee-Brennerei, gegr- 1857. 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Für Nichtmitglieder beträgt der Eintrittspreis 50 Eine Liste zum Einschreiben von Beitrittserklärungen liegt offen. 18 Der Abschuß Sonntag den 12. Juli, ermäßigter Eintrittspreis von 20 Pf. Hierdurch die ergebene Anzeige, daß sich mein Barbier- und FriseurGeschüft von heute ab ®g: Seltersweg*25, $1 im Hause des Herrn Fr. Bang befindet, wo ich dasselbe, verbunden mit Cigarren- u. Tabak-Handlung unverändert weiterführen werde. Mein Atelier für künstliche Zähne befindet sich Kreuzplatz Rr. 3, im Hause des Herrn Mettenheimer. 1847] Logis, 4 Zimmer nebst Zubehör, per Jahr 300 Mark, sofort oder später zu vermiethen- ! E. Stückrath, Asterweg 47. 6319] Schöne große Wobnrrng i« । freier Lage, 6 Zimmer, 2 Mansardenkammern, Wasserleitg., Gartenbenutzung^ zum 1. October oder später zu vermiethen. Löberstraße 21, Ecke der Bleichstr. 3800] In meinem neuerbauten Hause, Steinftraße 9 (Nordanlage), ist der erste Stock, fünf Zimmer und Küche mit allem Zubehör, sofort zu vermiethen. 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Mts. dahier stattfiudenden Markt machen wir hierdurch aufmerksam, da mit demselben wieder Rindvieh- und Schweinemarkt verbunden ist. Homberg a. d. O., am 8. Juli.1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Homberg a. d. O. ______________________Repp.___________________6307 Heute Freitag Fortsetzung der Versteigerung der hier mit großem Beifall ausgenommenen Wiener ConcerbGesellschaft Herrn Gebrüder Herrnfeld. , Neues hochinteressantes Programm. [63211 Gesangverein Gemüthlichkeitl Samstag den 11. Juli, Abends 8 Uhr. Feier des Gjähr. Stiftungsfestes mit Concert und Tanzunterhaltung 6292 63oi] Ein kräftiger Bursche von Steins (Harten. 1 « - *rnu ,uut) oek Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr, Pietsch) In Gießen, Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten. tthtt, 6181 ,a«erei n Weifen. :ife. esalz etc., er. <476 ail 56. Eich« iuor», Weiß. verk nur gegen 18 jr. rbettlade zuvrr- StMr^r N. tntr nebst Zubehör, , W ober später ^AsteM^_ oke Wokinung i« imer, 2 Mnsarden- i, Gartenmutzng, spater zu mMKn. 6de_btrjMfrL- ntuetbaM Hause, Le). ist der erste unb Küche mit iu oermiethen. t, Steinstraße^, LIB^mmittlereu "*» Zu». Äartenoerflnöflen tc BE-M ÄW^OOÖ [WtßfcÄ- bÄS* mit aalst größere ,u »«»*■ ad f* ««** teB 1 N- iemlilö -1.4» 92 00 so 4» 7150 W°° 420.0» 187 62 136.20 137.0° 1)4-2° 6430 1145° Bi.- bioi,lf< Freitag den io. Juli (Siebener AnzerHev. Beilage zu Nr. 157. - 1891 Der „Entwurf eines Programms der forial- demokratifchen Arbeiterpartei Deutschlands" lautet wie folgt: „Die Trennung der Arbeiter von den Arbeitsmitteln — Grund und Boden, Bergwerke, Gruben, Maschinen und Werkzeuge, Verkehrsmittel — und deren Uebergang in den Alleinbesitz eines Theiles der Gesellschastsmitglieder hat zur Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen, die arbeitende und die besitzende, geführt. In den Händen ihrer Aneigner sind die gesellschaftlichen Arbeitsmittel zu Mitteln der Ausbeutung geworden. Die hierdurch bedingte öconomische Unterwerfung der Arbeiter unter die Besitzer der Arbeitsmittel, d. h. der Lebensquellen, ist die Grundlage der Knechtschaft in jeder Gestalt: des gesellschaftlichen Elends, der geistigen Verkümmerung, der politischen Abhängigkeit. Unter der Herrschaft dieser Ausbeutung nimmt die Anhäufung des durch die Ausgebeuteten erzeugten Reichthums in den Händen der Ausbeuter — der Capitalisten und Großgrundbesitzer — mit wachsender Geschwindigkeit zu. Immer ungleicher wird die Vertheilung des Arbeitsproductes zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten, immer größer die Zahl und immer unsicherer die Lebenslage der Proletarier, immer massenhafter die Armee der überschüssigen Arbeiter, immer schroffer der Klassengegensatz, immer erbitterter der Klassenkampf, welcher die moderne Gesellschaft in zwei feindliche Heerlager trennt und das gemeinsame Merkmal aller Industrieländer ist. Die im Wesen der capitalistischen Production begründete Planlosigkeit erzeugt jene immer länger andauernden Krisen und Arbeitsstockungen, welche die Lage der Arbeiter noch verschlimmern, durch den Ruin der städtischen und ländlichen Mittelstände — der Kleinbürger und Kleinbauern — den Abgrund zwischen Besitzenden und Besitzlosen erweitern, die allgemeine Unsicherheit zum Normalzustand der Gesellschaft erheben und den Beweis liefern, daß die Klasse der Aneigner der gesellschaftlichen Arbeitsmittel den Beruf und die Fähigkeit zur wirthschaftlichen und politischen Führung verloren hat. Diesem Zustande, der von Tag zu Tag unerträglicher wird, durch Beseitigung seiner Ursachen ein Ende zu machen und die Befreiung der Arbeiterklasse zu erringen, ist das Ziel und die Aufgabe der Socialdemokratie. Die socialdemokratische Partei Deutschlands erstrebt demgemäß die Umwandlung der Arbeitsmittel — Grund und Boden, Bergwerke, Gruben, Maschinen und Werkzeuge, Verkehrsmittel — in Gemeineigenthum der Gesellschaft, und die Umwandlung der capitalistischen Production in socialistische Production- eine Umwandlung, für welche die kapitalistische Gesellschaft selbst die materiellen und geistigen Bedingungen geschaffen hat und weiter schafft und durch welche allein die Befreiung der Arbeiterklasse und mit ihr die Befreiung aller Gesellschaftsglieder ohne Ausnahme verwirklicht wird. Die socialdemokratische Partei hat nichts gemein mit dem sogenannten Staatssocialismus, dem System der Verstaatlichung zu fiscalischen Zwecken, das den Staat an die Stelle des Privatunternehmers setzt und damit die Macht der ökonomischen Ausbeutung und der politischen Unterdrückung des Arbeiters in einer Hand vereinigt. Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein, weil alle übrigen Klassen und Parteien aus dem Boden des Capitalismus stehen und trotz der Jnteressenstreitigkeiten unter sich doch die Erhaltung und Stärkung der Grundlagen der heutigen Gesellschaft zum gemeinsamen Ziel haben. Die Interessen der Arbeiterklasse sind in allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise die gleichen; mit der Ausdehnung des Weltverkehrs und der Production für den Weltmarkt wird die Lage der Arbeiter eines jeden Landes immer abhängiger von der Lage der Arbeiter in den anderen Ländern- die Befreiung der Arbeiterklasse ist daher nicht eine nationale, sondern eine sociale Aufgabe, an der die Arbeiter aller Culturländer gleichmäßig betheiligt sind. In dieser Erkenntniß fühlt und erklärt die socialdemokratische Partei Deutschlands sich eins mit den klassenbewußten Arbeitern aller- übrigen Länder. Die socialdemokratische Partei kämpft nicht für neue Klaffenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst und für gleiche Rechte und gleiche Pflichten Aller ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. In diesem Befreiungskämpfe versicht die Socialdemokratie, als die Vertreterin nicht blos der Lohnarbeiter, sondern der Ausgebeuteten und Unterdrückten insgesammt, alle Forderungen, Maßregeln und Em- richtungen, welche die Lage des Volkes im Allgemeinen und der Arbeiterklasse im Besonderen zu verbessern geeignet sind. Die socialdemokratische Partei Deutschlands tritt deßhalb gegenwärtig für folgende Forderungen ein: 1) Allgemeines gleiches directes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 21 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen und Abstimmungen. Einführung des Pro- portionalwahlsystems. Festsetzung der Wahlen und Abstimmungen auf einen Sonn- oder Feiertag. Entschädigung für die gewählten Vertreter. 2) Directe Antheilnahme des Volkes an der Gesetzgebung mittelst des Vorschlags- und Verwerfungsrechts. Selbstverwaltung des Volkes iu Reich, Staat, Provinz nnd Gemeinde. Jährliche Steuerbewilligung. Recht der . Steuerverweigerung. 3) Entscheidung über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter des Volkes. Errichtung eines internationalen Schiedsgerichts. 4) Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung und das Recht der Vereinigung und Versammlung einschränken oder unterdrücken. 5) Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken. Die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften sind als Privatvereinigungen zu betrachten. 6) Weltlichkeit der Schule. Obligatorischer Besuch der öffentlichen Volksschulen. Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel in allen öffentlichen Bildungsanstalten. 7) Erziehung zu allgemeiner Wehrhaftigkeit. Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. 8) Unentgeltlichkeit der Rechtspflege und der Rechtshilfe. Rechtsprechung durch vom Volk gewählte Richter. 9) Unentgeltlichkeit der ärzlichen Hilfeleistung und der Heilmittel. 10) Stufenweise steigende Einkommen-, Capital- und Erbschaftssteuer für die Bestreitung aller öffentlichen Ausgaben, soweit diese durch Steuern zu decken sind. Abschaffung aller indirecten Steuern, Zölle und sonstigen wirthschaftspolitischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit unterordnen. Zum Schutze der Arbeiterklasse fordert die socialdemokratische Partei Deutschlands: 1) Eine wirksame nationale und internationale Arbeiterschutz-Gesetzgebung auf folgender Grundlage: a. Festsetzung eines höchstens acht Stunden betragenden Normal-Arbeitstages. b. Verbot der gewerblichen Arbeit für Kinder unter 14 Jahren. c. Verbot der Nachtarbeit, außer für solche Industriezweige, die ihrer Natur nach, aus technischen Gründen oder aus Gründen der öffentlichen Wohlfahrt Nacht- arbl erheischen. d. (Sim ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden in jeder Woche für jeden Arbeiter. 6. Verbot des Trucksystems. 2) Ueberwachung aller gewerblichen Betriebe und Regelung der Arbeitsverhältnisse in Stadt und Land durch ein Reichs-Arbeitsamt, Bezirks-Arbeitsämter und Arbeitskammern. 3) Gleichstellung der landwirthschaftlichen Arbeiter und Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern. Beseitigung der Gesinde-Ordnungen. 4) Sicherstellung des Coalitionsrechts. 5) Uebernahme der gesammten Arbeiterversicherung durch das Reich mit maßgebender Mitwirkung der Arbeiter an der Verwaltung." vermischtes. * Aus Anlaß der. jüngst in Straßburg im Elsaß abgehaltenen 31. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasser-Fachmännern sendet ein Gasfreund der „Straßburger Post" nachstehenden Sprachscherz, Gas- Glossen betitelt: „Geehrte Genossen! Guttenbergs getreue Gemeinde gegenüber Galliens Grenze, grüßt gastgeberisch geistige Gas-Größen geographisch germanischer Gaue. Goethes großem Gedanken gehorchend, grübelten Gottes gelungenste Geschöpfe gar gründlich, gegen gewohntes, geöltes Gassen- gefunkel grauer Geschlechter, grell gelb glühendes Gas gebärend. Gewaltiges, glorreiches, goldenes Gas! Gutgerathenes Geschenk gütiger Genien! Gigantische Gabe gelehrter Geister! Galvaniker, griesgrämige Glotzer, grollen Gasmännern- grinsen gräßliches Geheul, geifern Galle, giftigen Gischt gegen Gases glückliche Gesittung. Glühlicht glimmendes Gezücht! Gönnet Gunst gasmännischem Getriebe! Günstig gestellte, gewinngebende Gasgesellschasten gegenwärtiger Generation gewähren ganzen Gegenden gegen gesetzlich geprägtes Geld gereinigtes, geruchreiches glühendes Gas. Geräumige, gefüllte, gesättigte Gasometer, geheimnißvoll gelegten, gefräßigen Gasleitungen geschäftig Gas gebend, gelten gutmütigen, gasgeschwängerten Großmüttern gleich. Gasgeblendet gleichen gewundene, geheime, gefährliche, gerngemiedene Gräben geebnetem, großartig gepflegtem, granitgepflaftertem, großstädtischem Gebiete. Glanzvoll glorificirt Gas gravitätischer Gesichter Glatzen, gewährt Gleichmuth gegen Glanzlicht gefeite Gimpel, geleitet gefallene Gestalten großmüthig gefahrlosere, glücklicher gewählte Gänge. Gleichzeitig gestattet Gas gerichtlichen, gescheidten Gesetzesgehiilsen, gesichertes Gelingen geschickt geführter Genickgriffe gegen gefürchtete gewerbsmäßige Gauner, geflissentlich gegen gewöhnliches, gemeines Galgengesindel. Gemeingut genial gebauter gußeiserner Garküchen gibt Gas gehörige gleichmäßige Gluth guten gebratenen Gänsen, gaumengesälligem, gut geröstetem, garnirtem Gaulbraten, gern gegessenem, gedunstetem gepfeffertem Gulasch. Gewandte, gesuchte, geprüfte Gebißkünstler gebrauchen ge- | legentlich gleichfalls gern Gas geringerer Güte, gehöhlten, gänzlich geknickten Gebißgliederu gewinselfreien, gemüthlichen Garaus gebend. Gern gesehene Gäste! Gleichgesinnte Gasgönner! Gebt glücklichem Gedeihen gepriesenen GaseS gebührende Genugthunng - geschwind Gambrinus geaichte, gut- gefüllte Gläser geleert! gez. guter Gassreund." * Der jüngste Tag. In einem Hamburger Bankierhause waren drei Brüder angestellt, welche den Namen „Tag" führten und von denen der jüngste Kassirer war. Einstmals erschien ein Fremder, um eine Summe Geldes in Empfang zu nehmen. Der Buchhalter ertheilt die Antwort: „Da müssen Sie warten, bis der jüngste Tag kommt." Literatur uwö KetttfL — lieber die in Berlin seit 5 Jahren erscheinende Wochen- schrist Blatt gehört der HairSfrair!* urthellte eine unparteiische Stimme jüngst wie folgt: „An Reichhaltigkeit ihres alle Gebiete des häuslichen Lebens umfassenden Inhaltes bleibt diese Zeitschrift hinter keinem ihrer Nebenbuhler zurück, dagegen ist sie vielen derselben durch eine gewisse Vornehmheit des Tones überlegen, der jedes Lappische und Alberne ausschließt. Durchweg bewegt sich die Leserin hier wie in einem guten Hause, in dem es neben angenehmer Unterhaltung an allen Enden viel des Wissenswerthen und Anregenden gibt." Wir bemerken hierzu noch, daß „Dies Blatt gehört der Hausftau!" den Abonnentinnen auch eine vorzügliche, reich illustrirte Modenzeitung mit Original-Schnittmustern bietet, so daß also den weitgehendsten Anforderungen an eine Haussrauenzeitung Genüge geschaffen wird. Jede Buchhandlung und Postanstalt vermittelt Abonnements zum Preise von 1.25 Mk. pro Quartal. Verkehr, Land» und Votkswirthschast. — Der kleine Froftsparmer (Chelmatobla brmnata). Oft kommen die Knospen der Bäume nicht zu ihrer Entfaltung, schreibt Max Winter im „Landbote", hier und da drängt sich mühsam etwas Grün hervor, wohl auch ein vereinzeltes Blättchen. Die ganze Krone besteht im Wesentlichen aus unregelmäßigen, grünlichen, allmählich auch eine bräunliche Färbung annehmenden Knäulchen, die sich nicht ausbreiten können, weil sie an ihrem Pol von einigen Fäden zusammengehalten werden. Bet näherer Betrachtung derselben findet sich im Innern eines solchen Knäuels der Missethäter, eine, auch wohl mehrere grüne, meist licht gestreifte Raupen mit nur 10 Beinen, den sechs gegliederten vorn und zwei Paar ungegliederten am Leibesende. Wenn die Raupe fortkriechen will, krümmt sie ihren Rücken schleifeartig, um das vorletzte Fußpaar hinter das letzte der Brustfüße zu setzen, dann läßt sie mit den Bruftfüßen los, streckt den Körper gerade aus, hält sich mit letzteren fest und zieht unter Schleifenbtldung die Hinterbeine wieder nach. Well derartige Raupen ihren Weg „durchspannen", so hat man sie „Spannmefser" oder Spannraupen genannt und die zugehörigen Schmetterlinge „Spanner". Die hier beschriebenen waren im ersten Frühjahre den Eiern entschlüpft, bohrten sich tief in die Knospen ein und zerstörten dieselben um so vollständiger, je später die Frühlingswärme deren Entwickelung bewirken konnte. Grau kamen die Raupen aus dem Et, nahmen eine gelbgrüne Farbe und einen schwarzen Kopf nach der ersten Häutung an, nach den folgenden Häutungen werden sie entschiedener grün, die lichten Längsstreifen treten schärfer und weiß hervor, der Kopf wird hellbraun und die Luftlöcher erscheinen als schwarze Pünktchen. Bei einer Länge von 22 mm sind sie spätestens im Anfänge des Juni erwachsen. Während der Lebensdauer sitzen sie nicht oder nur selten frei an den Blättern, sondern ziehen dieselben immer von den Rändern her durch einige Fäden zusammen, bangen auch öfter an kürzeren oder längeren Fäden vom Baum herab. Wenn man sie nicht stört, klettern sie alsbald, jede an ihrem Faden wieder in die Höhe und es ist ihnen alho nicht beizukommen. Die erwachsene Raupe gräbt sich im Schirme des Baumes flach unter die Erde, spinnt dieselbe in ihrer nächsten Umgebung zu einem zerbrechlichen Gehäuse zusammen und verwandelt sich hier in eine gedrungene, gelbbraune Puppe, welche hinten in zwei nach außen gerichtete Dörnchen ausläuft. Sie ruht vom Juni bis in den October. Erst in diesem Monate und auch noch später, wenn das übrige Jnsecten- leben schon bereits erstorben zu sein scheint, kommen bei Abend die Schmetterlinge hervor, die Männchen, um in taumelndem mattem Fluge ein Weibchen zu erobern, die Weibchen um auf ihren langen Beinen an einem Stamme hinaufzukriechen, einem Männchen zu begegnen unb nach der Paarung oben an die Knospen die kleinen Eier anzukleben. Nicht genug, daß ihnen der liebe Gott eine so späte, unfreundliche Jahreszeit zu ihren Lebensfreuden angewiesen, hat er dieselben durch die stummelhaften, zum Fluge untauglichen Flügel noch weiter stiefmütterlich bedacht. Angemessen der Jahreszeit ist das Kleid des Frostspanners ein unscheinbar staudgraues. Ueber die dünnen Flügel des Männchens ziehen einige dunklere, meist verwischte Wellenlinien; die Hinterflügel sind roentg Heller als die Vorderflügel. Auch das Weibchen fuhrt einige dunkle Binden über die Flügelstumpfe. Sein Elervorrath beläuft sich ungefähr auf 250 Stück, und es läßt sich daher schon erwarten, daß ein Dutzend Weibchen an einem Baume Brut genug absetzen kann, um dessen Laub und Früchte für das nächste Jahr zu vernichten, ja das Leben des ganzen Baumes in Frage zu stellen, wenn sich der Fraß jahrelang wiederholt. Darum kommt alles darauf an, dem Weibchen die Fußparthte nach der Krone unmöglich zu machen, ihm den Weg zu verlegen. Dies hat für Bäume keine Schwierigkeit, wohl aber für Spaliere und Strauchwerk. Das allbekannte und, wenn mit der nöthigen Umsicht angewendet, auch unfehlbarste Mittel besteht in dem „Tbeerringe" ober „Schutzgürtel". Da der Obstbaum das Bestreichen seiner Rinde mit einer klebenden Masse nicht verträgt, so muß der Raupenleim (Brumatalcim) auf eine Unterlage von starkem Papier gestrichen werden und es ist der etwa handbreite Papierftreifen so um den Stamm zu binden, daß zwischen ihm und der Rinde ein Durchweg unmöglich wird, indem er fest anliegt. Bei fehr unebener, alter Rinde läßt sich dies durch Glätten derselben erreichen oder durch Verstreichen derselben durch Lehm. Das zweite Erforderniß ist möglichst andauernde Klebrigkeit des Leims, bezüglich der erneuerte Anstrich, wenn bei der Revision recht zahlreiche Weibchen als Gefangene aufgefunden werden. Natürlich muß die Anlegung des Ringes Anfangs October geschehen. Die Art und Weise derselben ist schon im vorigen Jahre oft und eingehend in diesem Blatte besprochen worden. Leider frißt die Raupe auch an ben verschiedensten Hölzern im Walde, wo ihre Wirkung meist leicht verschmerzt werden kann; daher gewährt der Theerring immer nur einen lokalen Schutz und kann wenig zu der allgemeinen Verminderung des Schädlings überhaupt beitragen, der im Norden Deutschlands und weiter hinauf bis nach Schweden in der oben angegebenen Weise sich so verwüstend zeigt und somit als einer der schlimmsten Obstverderber auftritt. Schließlich die schon so oft ausgesprochene Bitte: Schützt die Singvögel! Sie haben viele, ja so viele Feinde, der schlimmste Feind ist leider immer noch der — Mensch, theils aus Bosheit, theils aus Dummheit. Auf eins möchte ich hierbei aufmerksam machen, nämlich auf das zu frühzeitige Beschneiden der Hecken unb lebenbtgen Zäune. Wo sie vor Katzen ?c. sicher sind, nisten sie gar zu gern in dem bichten Buschwerk derselben. Kaum haben sie indeß die Eier gelegt, kaum dieselben angebrütet, ober vielleicht schon ausgebrütet, da kommt der Mensch. Wie viele Vogelnester, wieviel Vogelleben geht durch solch unzeitiges Beschneiden der Hecken verloren! Schneidet später, vielleicht im Juli ober August; es ist nicht wahr, baß burch bas späte Schneiden die Hecke leidet, aber die junge Vogelbrut ist bann flügge und dankt es Euch durch Gesang und Raupenfraß. Bekanntmachung, betr. die Vergebung der Zinsen des Christian Gerhard Hast'sch en Vermächtnisses. Aus obigem Vermächtniß sind zehn Gaben zu 19 JL 71 an zehn bedürftige Familien bezw. Wittwer oder Wittwen zu vergeben. Anmeldungen zum Bezug fraglicher Zinsen sind bis zum 14. d. M. einschließ' lich bei dem Secretär der Armendeputation (Zimmer Nr. 6) mündlich oder schriftlich vorzubringen. Gießen, den 6. Juli 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________ Gnauth.____________________6295 Montag, Mittwoch u. Freitag, von V29 Uhr ab: Submission. Zwecks Chaussirung des Erdkauterwegs sollen nachstehende Arbeiten mittelst Submission vergeben werden: veranschlagt zu Planirarbeit 965,40 JL, Maurerarbeit 98,06 „ Basaltsteinlieferung 1045,— „ Steinfuhrlohn 2600,— „ Chaussir- und Pflasterarbeit 1285,— „ Plan, Voranschlag und Bedingniß- heft hierfür liegen auf dem Stadtbauamt zur Einsicht offen, woselbst die bezüglichen Angebote bis zum 13. l. Mts., Vorm. 11 Uhr, einzureichen sind. Gießen, den 7. Juli 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth. 6251 Submission. Die Lieferung von Weißzeug, Krankenkleidern und Bettwerk für die neuen Kliniken in Gießen soll auf dem Submissionswege vergeben werden. Die Musterstücke und Lieferungsbedingungen sind aus dem Verwaltungsbureau genannter Anstalt an den Wochentagen Nachmittags von 3—6 Uhr einzusehen. Offerten mit der Aufschrift „Lieferung von Weißzeug" sind bis zum 21. Juli 1891, Vormittags 11 Uhr, verschlossen an die unterzeichnete Behörde einzusenden. 6296 Gießen, den 8. Juli 1891. Großherzogl. Verwaltungs-Direction der neuen Kliniken. Klü'gBotenes. eTgroT™""""enTäTtail Coeus \ Glycerin» Mandel« Rosen- Veilchen« Nelken« Citronen« Lilienmilch' Theer- Theerschwefel« Sommersprossen' Borax« Carnpher- Kräuter« Carbol« Perubalsam- Tannenduft« Parfümerien Zahnpulver Zahnbürste« Mandelkleie empfehlen [4153 Bahnhofstr. 40 Benner & Krumm. Wichtig für Hausfrauen. Die Holländische Kaffee-Brennerei H. 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