Nr. 131. Mittwoch den 10. Juni Sit •Ute* *« MriU« «schtivr rSglich, «* Lu»nayM« de- AtontLA». Orchmer 8w*ttt drm Anzn,4>tC0r«(t r^«r «frecher 51, Amts» unb AnzeiAeblatt fflt den ICteb Gieren , ■'lllU>*WLL3 Wt r t «uzet,en zu der rruchmLttagL Mr Les fe*$tttbn< Lüg erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. «■HM___ ___Bfll M—mwü—RWWHW« RB—WIMIIJ । MX» ff ' Hratt-Keikag«: Hießen« IamittenöLtt«. | Amtliche. Theil. Statut, die Benutzung der Gemeinde-Viehwaage zu Steinbach betreffend. Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 2. Juni l.J. zu Nr. M. I. 15511 und unter Zustimmung des Kreisausschusses des Kreises Gießen wird wegen Benutzung der Gemeinde-Viehwaage zu Steinbach bestimmt : § 1. Alle zur Verwiegung gebrachten Gegenstände müssen durch einen verpflichteten Wiegmeister oder durch dessen Stellvertreter gewogen werden. Außer diesen hat Niemand das Recht, aus der Waage zu wiegen. § 2. Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben der ihnen zugehenden Aufforderung zum Wiegen alsbaldige Folge zu leisten. Die Aufforderung hat von den Betheiligten direct an den Wiegmeister zu geschehen. Wenn derselbe der Aufforderung nicht entspricht, so ist sich an die Großh. Bürgermeisterei zu wenden, welche denselben zum Wiegen anhalten und nöthigen- falls Großh. Kreisamt Anzeige erstatten wird. § 3. Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben über die von ihnen besorgten Geschäfte ein Tagebuch zu führen, in welchem unter fortlaufenden Ordnungs-Nummern anzugeben sind: a. der Ort des Wieggeschäfts, b. der Name des Verkäufer? und Käufers, c. Datum der Verwiegung, d. die Art der gewogenen Gegenstände, e. das Gewicht des gewogenen Gegenstandes, f. der Verkaufspreis per Centner, insofern Verkäufer oder Käufer denselben angeben, wozu sie jedoch nicht gezwungen werden können, g. der Betrag der erhobenen Wieggebühren. § 4. Der Wiegmeister hat dem Käufer oder Verkäufer em dem Eintrag im Tagebuch gleichlautendes Abdruck-Billet, worauf das Gewicht enthalten ist, auszustellen. § 5. Gebührentarif. An Gebühren werden erhoben: 1) für Kleinvieh, als: Schafe, Ziegen, Kälber, Schweine u. s. w., von einem jeden Stück . 5 Pf. 2) für Großvieh, als: Ochsen, Kühe, Rinder u. s. w. unter 10 Centner, von einem Stück 15 „ — über 10 Centner, von einem Stück . . 20 „ 3) für jeden anderen zur Verwiegung kommenden Gegenstand, als: Frucht, Kartoffeln, Steinkohlen u. s. w., bis zu 3 Centner . 10 „ für jeden weiteren Centner.....2 „ § 6. Sogleich nach stattgefundener Wiegung sind die vorbemerkten Wieggebühren nebst 5 Pfennig Vergütung an den Wiegmeister zu entrichten. Für ortsfremdes Vieh oder sonstige Gegenstände sind 10 Pf. Vergütung für jede Wiegung an den Wiegmeister nebst den unter § 5 angeführten Wieggeldern zu bezahlen. § 7. Am Schluffe eines jeden Vierteljahres hat der Wiegmeister das Tagebuch abzuschließen, sodann hat er einen Auszug aus dem Tagebuch über die im verflossenen Vierteljahr gewogenen Gegenstände zu fertigen, woraus sowohl das Gewicht der gewogenen Gegenstände, als auch die erhobenen Gebühren ersichtlich sind. Diesen Auszug hat er in beglaubigter Form der Bürgermeisterei zu überreichen. Die erhobenen Wieggebühren werden dann dem Gemeinde-Einnehmer in Einnahme decretirt und dann von dem Wiegmeister an denselben ausbezahlt. § 8. Der Wiegmeister und dessen Stellvertreter werden von dem Ortsvorstand auf Widerruf ernannt und von Großh. Kreisamt verpflichtet, und unterliegen als Gemeindebeamte den für solche geltenden Disciplinarvorschriften. Gießen, den 6. Juni 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Deutsches Reich. Darmstadt, 6. Juni. Aus B a l m o r a l wird der „D. Ztg." geschrieben: Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich gestern mit Ihrer Majestät der Königin und Ihren Königlichen Hoheiten der Prinzessin Beatrice und Prinz Heinrich von Battenberg nach Ballater, um der Beisetzung des Lieutenants G. Mc. Donald Barrett im 21. Königlich Schottischen Füsilier-Regiment, welcher noch bei der Ankunft der Allerhöchsten Herrschaften in Schottland als Fahnenlieutenant in der zum Empfang erschienenen Ehrencompagnie gestanden hatte und am vergangenen Freitag bei einer Fahrt in See umgekommen war, beizuwohnen. Im Gefolge Seiner Königlichen Hoheit befand sich Generalmajor Wernher. In der vergangenen Woche machten J.J. K.K. Gr.Gr. H.H. der Großherzog, Prinzessin Alix und Prinz Heinrich von Battenberg, begleitet von Generalmajor Wernher, aus Ponys, sowie J.J. K. Gr. H.H. Prinzessin Beatrice und Prinzessin Victoria im Wagen einen sehr lohnenden Ausflug nach Gleen Gelder und nahmen in dem dortigen Jagdhause Geldershiel den Thee. Darmstadt, 8. Juni. Die Commission zur Revision der hessischen Verwaltun gsgesetzgebung soll mit ihren Beratungen zu Ende gekommen sein, so daß das gesummte Material nunmehr dem Staatsministerium unterbreitet werden kann. Fr. Ztg. nn. Darmstadt, 6. Juni. Vierte evangelische Landessynode. Nach Bekanntgabe einer Reihe neuer Einläuse und Berichtsanzeigen tritt die Synode in die Beratung der Vorlage Großherzoglichen Oberconsistoriums, den Gesetzentwurf, die Aushebung der Accidenzien der evangelischen Geistlichen betreffend. Die Berathung des Gesetzentwurfs nimmt den ganzen Morgen in Anspruch, da sich gegen die Fassung desselben schwerwiegende Bedenken erheben. Der § 1 besagt: Vom 1. April 1892 sind alle Gebühren der Geistlichen für von denselben zu verrichtenden Amtshandlungen, als Taufen, Trauungen und Beerdigungen, Vorbereitung zum heiligen Abendmahl, die Ostern- und Psing st feier, die herkömmlichen Gaben der Confirmanden, für Eides-Erklärungen und für Haus-Comwunionen ausgehoben. Dagegen gehören nicht hierher die aus den Gemeinde- oder Kirchenkaffen bezahlten Vergütungen für Kirchweihpredigten und Gottesdienste, welche zur Erinnerung an Hagelschaden, Feuersbrunst rc. gehalten werden. Die Geistlichen dürfen von dem genannten Tage an für die oben erwähnten Amtshandlungen Gebühren Fenilleton. Am Vorabend des deulsch-frsnMschen Feldzuges 1870—71. (Schluß.) Als ich aus dem Schlachtplatze eintras, waren die Abhänge des Spicherer Berges von unseren Braven bereits erstürmt, der Feind war auf der waldigen Höhe schon zurück- geworsen und aus dieser tobte ein mörderischer Kamps. Das Gewehrseuer knatterte ohne Unterbrechung, die dunklen Linien der kämpfenden Bataillone hoben sich plastisch von dem Grau des Berges. Unten zur Rechten im Thale, auf der Wiese bei der goldenen Bremm und der Waldsecke, auf der For- bacher Chaussee, spieen die Batterien des Feindes Verderben, während erst gegen 3 Uhr den Unserigen zwei Batterien des 8. Corps zu Hilfe kamen, von deren Ausstellung aus ich dem Verlaufe des Kampfes zuschaute. Der Pulverdamps (das Wort, wie ich es in der Erinnerung an diesen und an andere schwere Tage hier schreibe, erregt in mir eine Vorstellung von der grauenhaften Ueber- sichtlichkeit des Schlachtgemenges der Zukunft, wenn dieser Schleier es nicht mehr decken wird) verwischte mir ost in unmittelbarer Nähe die Formen der feindlichen Bataillone, das Hin- und Herwogen der Gefechtslinien, denn das Kleingewehrfeuer hüllte sie in Wolken. Keine Pause im Gefecht- heftiger und immer wilder tobte die Schlacht- die Füße der Kämpfenden zertraten die zwischen und vor ihnen hinsinkenden Verwundeten, wenn das Gefecht stand. Unsere Cavallerie hatte bereits einige wirksame Chargen gemacht. Gegenüber aus dem abschüssigen Plateau pflanzten sich jetzt neue feindliche Batterien auf. Von unten heraus wirkten einige unserer Geschütze. Jndeß waren unsere Truppen denen des Feindes bei Weitem unterlegen, der nach ungesährer Berechnung wohl an 30,000 Mann schon in den Kampf gebracht und uns immer neue Mannschaft entgegenwars. Einmal schon hatten die Unseren ihn zurückgedrängt und wieder brach er mit frischen Kräften vor. Da kamen über den Winterberg auch unsere Verstärkungen heran. Im Laufschritt eilten sie, die schon stundenlangen Marsch zurückgelegt, über den Winterberg in das Thal hinab, erkletterten die Spicherer Abhänge gegenüber und warfen sich in den Kamps. So spät waren sie gekommen - sechs Stunden saft hatten die Kameraden mit der Uebermacht gerungen! Aber auch einige neue Batterien kamen ihnen von unten zu Hilfe und gegen 7 Uhr war denn endlich der Feind aus der Höhe zurückgeworfen. Aber nur momentan, denn wieder führte er neue Truppen ins Gefecht und dieses stand, so viel ich sehen konnte, wohl eine halbe Stunde- dann aber gegen 8 Uhr wich er über die Höhe zurück. Mehrere am Fuße des Berges aufgestellte Reserven, Infanterie, Cavallerie und Artillerie, ihm nach, um den nöthigen Druck zu üben, und geschlagen räumte er gegen Forbach zu das Schlachtfeld. Inzwischen hatte auch unser rechter Flügel aus der Chaussee ein blutiges Gefecht. Unsere Bataillone waren unter dem heftigsten Feuer bereits bis Stiering vorgedrungen, wurden aber wieder zurückgedrängt und erst gegen Abend gelang es auch ihnen, den Feind m den Grenzort Stiering hineinzuwerfen. Auch der Versuch desselben, mit starken Artilleriemassen unser Centrum zu durchbrechen, war mißlungen- dieselben wurden von den Unserigen zum Rückzüge gezwungen, den der Feind durch eine furchtbare Kanonade zu decken suchte. , Als der Abend herabsank, war eine der denkwürdigsten Schlachten zu unseren Gunsten entschieden. Unsere Truppen lagerten sich erschöpft auf dem Platze, den sie bei Beendigung des Kampfes inne gehabt, um am Morgen eines neuen Angriffs gewärtig zu sein. Der Feind campirte auf den Höhen zwischen Forbach und Kehrbach. Unser Verlust war bedeutend, namentlich an Offizieren. Rührend;unb erhebend war es zu sehen, mit welcher Aufopferung die Saarbrückener Bevölkerung schon während des Kampfes bemüht war, den Verwundeten Hilfe und Erfrischung zuzusühren. Ganze Wagen voll Frauen und Mädchen fuhren auf das Schlachtfeld, unbesorgt um die einschlagenden Kugeln, um Verbandzeug, Wasser, Brod und Nahrungsmittel zu bringen- ich selbst sah zwei Mädchen unter den Krankenträgern, die einen schwer 1 verwundeten Offizier aus den Armen aus dem Kampfe trugen, - ihn mit ihren Tüchern verbanden und ihn dann erst zum ; Verbandplätze schafften. Wer in diesem heißen, durchaus improvisirten Treffen ■ eigentlich das Commando geführt, darüber war man auf dem \ Schlachtselde ganz im Unklaren. Keiner der Generäle, darüber ’ waren die Offiziere einig, würde die Verantwortlichkeit da- • für übernommen haben, wäre es schief gegangen- man sprach ! indeß damals schon davon, daß es Steinmetz gewesen, der \ nach seiner Gewohnheit der erste habe sein wollen und den Vormarsch befohlen. Als ich, von der Spicherer Höhe kommend, um 10 Uhr Abends das Hotel zur Post betrat, fand ich die Generäle v. Steinmetz, v. Zastrow und v. Kamecke am Gasttische. Ich warf hier diese Frage auf, aber ich erhielt keinen Aufschluß. Als ich nach flüchtigem Abendmahl zu Goeben hinüber- 5 eilte, um in dieser Ungewißheit wenigstens Anhalt für einen 5 authentischen Geschäftsbericht zu haben, sagte dieser mir: ; „Sie wissen, wir langten um 1 Uhr an und da führte ich ' das Commando. Um 2 Uhr übernahm es Excellenz Stein- ? metz!" — Auch er wollte ersichtlich nicht weiter mit der Sprache heraus. Als am nächsten Morgen kein Angriff erfolgte und auch Forbach in der Nacht eiligst vom Feinde aufgegeben war (der in vollem Rückzug, da am selben Tage auch Mac Mahon bei Wörth geschlagen worden) fuhr ich dort hinaus, um für meine Pferde zu souragiren, denn das Futter war knapp geworden. Unsere Soldaten saßen in den halb zerstörten Gehöften an der Chaussee, auf welcher der Kamps getobt, und sangen: „Napoleum, du Schustergeselle", und andere seltsame Lieder, die damals entstanden. Der ganze Weg war mit Trümmern bedeckt. General v. Kamecke stand im Eingänge eines Zeltes am Wege, das einem Indianer-Wigwam glich- er lud mich ein, mit ihm eine Flasche des guten Roth- weins zu trinken, den die Franzosen so eilig in Forbach zurückgelassen, und bei dieser Gelegenheit fragte ich auch ihn wieder: „Sagen Sie mir um Gotteswillen, Excellenz, wer hat denn gestern commandirt?" Ich sagte ihm dabei, was Goeben mir gestern Abend geantwortet. — „Ah bah!" rief er lachend und einen Kraftausdruck gebrauchend, den ich hier j nicht wiedergeben kann, „ich habe commandirt!" oder Geschenke, welche ihnen angeboten werden, nicht mehr annehmen. — lieber die Auslegung, was unter Geschenken zu verstehen sei, entspinnt sich eine lebhafte Discussion- desgleichen über die Verpflichtung des Transports der Geistlichen nach anderen Gemeinden zur Aushülse oder zu Trauungen rc. Man könne doch dem Geistlichen nicht zu- muthen, aus seiner Tasche dieses zu bezahlen. Seitens des Kirchenregiments konnte nach dieser Seite hin keine bestimmte Erklärung gegeben werden. Dieses soll nach eingehender Berathung in zweiter Lesung am nächsten Dienstag geschehen. — Der Paragraph wurde hiernach einstimmig angenommen. § 2 handelt von den Amtshandlungen der Geistlichen und die Vertretung derselben in Verhinderungsfällen und bei der Beurlaubung. Der Ausschuß hat hier beantragt, dem Geistlichen die Verpflichtung aufzuerlegen, den Amtsbruder in solchen Fällen der Verhinderung zu vertreten. Dies soll sich auch aus solche Geistliche beziehen, welche nicht in Städten wohnen. Hierin wird Seitens der Synode eine große Härte und Ungerechtigkeit gesunden. An der Discussion betheiligen sich die Synodalen Diesfenbach, Wiener, Heger, Dr. Gottschick, Dr. Weisfenbach, Hallwachs u. A., welche sich gegen den Ausschußantrag aussprechen. Nach erfolgter Abstimmung wird derselbe mit einem Modifications-Antrag des Synodalen Rieger, dahin, daß der Geistliche nicht verpflichtet sei, die Vertretung zu übernehmen, mit großer Majorität angenommen, der Regierungsantrag mit 25 gegen 26 Stimmen verworfen. Die §§ 3—7 werden dem Ausschußantrag gemäß genehmigt. Die nächste Sitzung findet am Montag statt. nn. Darmstadt, 8. Juni. Die heutige Sitzung der Landessynode wird um i/z 10 Uhr eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird eine Eingabe aus Mainz zum Accidenziengesetz verlesen, worin die Synode ersucht wird, Geschenke, welche den Geistlichen aus persönlicher Dankbarkeit gewidmet werden, auch für oie Folge in Mainz zur Annahme zuzulassen. Die Eingabe wird dem Ausschuß überwiesen. — Synodaler Weiffenbach stellt eine Interpellation an das Kirchenregiment auf Einführung eines allgemeinen deutschen Buß- und Bettages etwa am Freitag nach Trinitatis. Die Interpellation wird morgen beantwortet werden. — Nunmehr erfolgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, die Versetzung der evangelischen Geistlichen in den Ruhestand und die Festsetzung der Ruhegehalte betreffend. Das ganze Gesetz wird nach längerer Discussion nach den Beschlüssen erster Lesung angenommen. — Ein Antrag des Synodalen Dr. Dieffenbach, die Erweiterung des Confirmanden- Unterrichts, steht zur Berathung. Der Antragsteller begründet seinen Antrag dahin, um eine tiefere religiöse Gründung unseres Volkes herbeizuführen, sei es nöthig, dieses durch einfache Vermehrung des Religionsunterrichts in der Schule anzustreben. So dankenswerth eine Betheiligung der Geistlichen bei dem Religionsunterricht sei, so habe dieses doch auch unverkennbare Nachtheile, da eine Theilung des Religionsunterrichts in der Schule nicht ganz richtig sei. Derselbe müsse von einem Lehrer ertheilt werden und in seinem ganzen Umfang in die Hand des Lehrers gelegt werden. Es empfehle sich die Einführung ^zweijährigen Confirmationsunterrichts. Der erste Curs solle Kinder von 12 bis 13 Jahren mit wöchentlich 2 Stunden, der zweite solche von 13 bis 14 Jahren mit wöchentlich 3 Stunden Confirmationsunterricht in sich schließen und das ganze Jahr hindurch lausen. Die Unterrichtsstunden sollen von 11—12 Uhr stattfinden. — Gegen den Antrag sprechen die Synodalen Müller, Stromberger, Frommann, sowie Prälat Habicht. Sämmt- liche Redner halten es für unzweckmäßig, an der heutigen Ordnung der Dinge zu rütteln. Da der Antrag keine Aussicht aus Annahme hat, wird er vom Antragsteller zurückgezogen. — Nach einer kurzen Pause tritt die Synode in die Berathung des Antrags der Synodalen Rieger und Genossen, betreffend anderweite Regelung der kirchlichen Vermögensverwaltung. Die Antragsteller wünschen, die Synode möge das Oberconsistorium ersuchen, im erforderlichen Benehmen mit Großh. Staatsregierung die an mehreren Stellen der Kirchenverfaffung in Aussicht genommene anderweite Regelung der kirchlichen Vermögensverwaltung nach Maßgabe der betreffenden Verfassungsbestimmungen, hier das verheißene Kirchengesetz über die Verwaltung sämmtlicher kirchlichen Fonds und Stiftungen in thunlichster Bälde zur Vorlage zu bringen. Nach längerer Discussion wird die Angelegenheit aus morgen vertagt. Berlin, 8. Juni. Das preußische Abgeordnetenhaus hat mit seinen Arbeiten, nachdem Anfang dieser Woche auch das Rentengütergesetz definitiv zur Annahme gelangt ist, im Großen und Ganzen aufgeräumt. Es könnte daher ganz gut etwa nächsten Sonnabend der Schluß der Landtagssession erfolgen, wenn — ja wenn eben das Herrenhaus seine Pfingstferien nicht so unnöthig lange ausgedehnt hätte. Nun tritt dasselbe aber erst am Freitag, den 12. Juni, wieder zusammen, und wenn auch das Haus mit dem noch zu erledigenden Arbeitsmaterial reinen Tisch machen dürste, so wird der Sessionsschluß immerhin nicht ‘bor Mitte nächster Woche stattfinden können. Das hauptsächlichste Interesse bei den Vorlagen, welche im Herrenhause der endgiltigen Entscheiduug harren, knüpft sich an die Landgemeindeordnung, mit der sich bekanntlich das Herrenhaus nochmals beschäftigen muß. Wenn in der Pairskammer, wo ja die konservativen Elemente die Oberhand haben, die Conservativen eine ebensolche Tactik in der Frage der Landgemeindeordnung einschlagen sollten, wie ihre Gesinnungsgenoffen im anderen Hause, so erschiene freilich das Schicksal dieser wichtigen Neformvorlage noch in der letzten Minute als ernstlich gefährdet. Indessen huldigt man in parlamentarischen Kreisen der Anschauung, das Herrenhaus werde nunmehr der Landgemeindeordnung in der jüngsten, den Anschauungen der zweiten Kammer entgegenkommenden, Fassung der letzteren zustimmen. Höchstens erwartet man einige sachlich völlig belanglose Aenderungen, die allerdings zur Folge haben würden, daß die Landgemeindeordnung noch einmal an das Abgeordnetenhalls zurückgehen müßte. Was das in den letzten Tagen ausgetauchte Gerücht anbelangt, es würde noch vor Schluß der Landtagssession ein „Pairsschub" im Herrenhause stattfinden, so wird man dessen Bestätigung natürlich abzuwarten haben. Anstand. Wien, 7. Juni. Eine Versammlung von 3000 Schriftsetzern beschloß den Strike fortzusetzen. Paris, 7. Juni. Oberst Lebel, der Erfinder des Lebelgewehrs, ist gestorben. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 8. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung die Rentengütervorlage unverändert an, nachdem die Minister für Landwirthschaft und Finanzen dieselbe nochmals befürwortet hatten. Das Haus erledigte sodann ohne Debatte in dritter resp. zweiter Lesung einige kleinere Vorlagen. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Kleinere Vorlagen. Berlin, 8. Juni. Nach einem Telegramm der deutschen Botschaft zu Konstantinopel von heute Nachmittag sind sämmtliche Gefangene befreit und befinden sich aus dem Wege nach Kirkilisse. Wien, 8. Juni. Die erste Commission des Welt- post-Congresses hat die Revision des Hauptvertrages des Weltpostvereins beendigt. Dieselbe empfiehlt die Regelung des Sortirens der von dem Commandanten eines Kriegsschiffes ausgegebenen Correspondenzen und schlägt die Einführung einer neuen Vertragsbestimmung vor, nach welcher sich die Vereinsstaaten gegenseitig zur Verfolgung von Nachahmungen und Mißbrauchs von Postwerthzeichen verpflichten. Die dritte Commission beendigte die Revision des Ueberein- kommens bezüglich der Postanweisungen und der zugehörigen Reglements, wodurch, Dank dem Entgegenkommen der fron« zösischen Delegirten, ein neuer wichtiger Schritt zur Vereinheitlichung des Vereinsverkehrs geschieht. Die vierte Commission beschloß, den ersten Theil des österreichischen Vorschlags, betr. die Codificirung der gesammten Bestimmungen in einem Hauptvertrage und einem Ausführungsreglement, einer Enquete-Commission zu überweisen. Ueber den zweiten Theil ist noch kein Beschluß gefaßt. Wien, 8. Juni. Die halbamtliche „Wiener Abendpost" veröffentlicht eine Reihe von Bestimmungen betreffs der Verzollung der am 1. Juli mit Aushebung des Freihafengebietes von Triest dortselbst vorfindlichen Waarenvorräthe. Hiernach unterliegen ausländische Waaren einer Nachverzollung nach dem österreichisch-ungarischen Zolltarif mit Berücksichtigung der am 1. Juli eintretenden Modifikationen. Wien, 8. Juni. Das „Telegr. Corresp.-Bureau" meldet aus Kairo auf das Authentischste, daß bisher kein einziger Cholerafall, weder im Delta, noch im übrigen Egypten, vorgekommen sei. Rom, 8. Juni. In Vicenza sind leichte Erdstöße wahrgenommen worden,- auch in Verona zeigte der Seismograph heute leichte Erschütterungen an, die in Fregnago, Cotognola, Badiacalavena stärker verspürt wurden. Die Bevölkerung verhält sich indeß beruhigter. Weitere hundert Zelte sind in die verschiedenen Landestheile versendet worden. Rom, 8. Juni. Das gestrige Erdbeben reichte nach dem Centralbureau für Meteorologie gemäß den Erdbeben- Apparaten bis Florenz, Aquila und Rom. Rom verspürte das Erdbeben um 2 Uhr 62/3 Minuten Morgens. Paris, 8. Juni. Bei dem gestrigen Jahresbankette der monarchischen Presse hielt Graf d'Hauffonville eine Rede, in welcher er feiner Zustimmung zu der Haltung der Deputirten der monarchischen Partei Ausdruck gab, welche alle ihre Anstrengungen auf die Vertheidigung der religiösen und conservativen Interessen richtete. d'Hauffonville wies sodann aus die der conservativen Presse zufallende Aufgabe hin, welche darin bestehe, das Land aufzuklären,- der Redner appellirte an die Hingebung der royalistischen Jugend und schloß, Frankreich müsse nach der Rückkehr eines Königs streben, der dem Vaterlande den ihm gebührenden Rang in Europa wieder verschaffen werde. London, 8. Juni. Der Präsident des Verbandes der Omnibusbediensteten hatte eine Unterredung mit den Directoren der beiden Ornnibusgesellschasten und sorrnulirte vor diesen die Forderungen der Strikenden. Die Entscheidung der Directoren ist bisher offiziell unbekannt. Voraussichtlich aber wird der Zwölfstundentag bewilligt werden, freilich soll derselbe erst mit dem 13. Juli beginnen. Ein freier Tag aus je 14 Tage wird wohl nicht bewilligt werden. Die Kutscher sollen 6 Schilling 6 Pence täglich, die Conducteure 5 Schilling erhalten. Stockholm, 8. Juni. Nach zweitägigem leichten Unwohlsein erkrankte der Kronprinz gestern an heftigen Kopst schmerzen und Gelenkschmerzen, so daß er das Bett hüten muß. Die Aerzte bezeichnen die Krankheit als Influenza. Die Körpertemperatur betrug heute 39% Grad. Belgrad, 8. Juni. Ein liberaler Parteitag im Negotiner Kreise sprach seine Mißbilligung über den Ausweisungsbefehl gegen die Königin Natalie aus und be- zeichnete die Durchführung dieses Beschlusses Seitens der Regierung als Versaffungsverletzung. New-Nork, 7. Juni. Der Dampfer „Kite" ist gestern mit der von dem Schiffsingenieur Peary organisirten Nordpolexpedition abgegangen. Die Expedition besteht aus 16 Personen, unter denen sich auch die Frau Pearys befindet, und wird sich zunächst nach Grönland begeben, dort das Schiff verlassen und versuchen, den Nordpol mittelst Schlitten zu erreichen. Washington, 8. Juni. Der Ackerbau-Secretär Rusk hat ein ausführliches Reglement für Viehtransportschiffe erlassen. Die Schiffe müssen von Rusk ein aus ein Jahr lautendes Certificat einholen, in welchem unter anderen die Anzahl der Viehstücke angegeben ist, welche das Schiff tragen darf. Das Reglement schreibt ferner den dem Vieh auf Deck zu gebenden Raum vor, sowie zur Bequemlichkeit und Sicherheit des Viehes dienende Einrichtungen. Shanghai, 8. Juni. Reuter-Meldung. Ernste europäer- feindliche Unruhen sind in Wuhu bei Kinkiang vorgekommen. Ein Zollbeamter und ein Missionär wurden ermordet und mehrere Häuser angesteckt. Frauen und Kinder der Europäer haben sich nach Mnkiang gerettet. Cocales unö provinzielles. Gießen, 9. Juni. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 11. Juni 1891, Nachmittags 3 Uhr: 1. Gesuch des M. Leichner um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Desgleichen des Georg Psaff dahier. 3. Gesuch der Karl Kratzenberger um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 4. Anschaffung von Pflanzen für die städtischen Anlagen. 5. Gesuch des Karl Euler um Bauerlaubniß für den Hamm. 6. Gesuch des Ernst Wallenfels um Erlaubniß zum Wiederaufbau der durch Brand zerstörten Scheuern. 7. Ankauf der ehemals Schüler- schen Besitzung. 8. Das OctrottReglement der Stadt Gießen. 9. Die Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten der Stadt Gießen. 10. Die städtische Pumpe auf dem Seltersweg. 11. Die an dem Weg nach den Mühlen befindliche Pumpe. 12. Gesuch des H. Balser HI. und Konrad Marx um Bewilligung von Frist zur Herstellung von Einfriedigungen vor ihren Häusern. 13. Die Benennung der sogen. Wodestraße. 14. Herstellung einer Closetanlage im Bürgermeistereigebäude. 15. Verbesserung des Weges über den Schweinemarkt. 16. Telephonleitung zwischen den einzelnen Stationen des Polizeiamts und der Wohnung des Vorstandes Großherzog- lichen Polizeiamts. 17. Die Verwerthung des Grassamens im Gießener Stadtwald. — Feuerlöschprobe. Wir machen unsere geehrten Leser auf eine in vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung aufmerksam, nach welcher morgen Mittwoch, Nachmittag um 3 Uhr, auf Oswalds Garten eine Probe mit der von Herrn Bauer in Wien sabricirten Feuerlöschmafse stattsinden wird. Der Erfolg dieser Masse bei Bränden ist nach vorliegenden Zeugnissen ein ganz überraschender. — Die Nr. 13 des im Austrage des Evang. Pfarrvereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Treue im Kleinen. 2. Die evangelische Landessynode in 1891. 3. und 4. Religions- und Confirmanden-Unterricht durch die Geistlichen. 5. Zu dem Wittwenkassenartikel in Nr. 12. 6. Ueber Stolgebühren. 7. Kirchengesetz über Aushebung der Accidenzien. 8. Der Antisemitismus evang. Geistlichen in der ersten hessischen Ständekammer: Prälat und Staatsminister. 9. Zur Beseitigung der Eidesnoth (Schluß). 10. An die Mitarbeiter des Hessischen Kirchenblattes. 11. Hessisches Kirchenblatt: Abonnement. — Ernennungen. Der Calculator bei den Oberhessischen Eisenbahnen Ph. Deibel wurde zum Registrator bei diesen Bahnen, der Kreisbauaufseher-Aspirant Heinrich Lotz aus Wieseck zum Zeichner bei den Oberhessischen Bahnen ernannt. — Erledigte Lehrerstellen. Eine Lehrerstelle an der ev. Schule zu Bingen mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1400 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. — Das Amtsblatt des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 12 enthält Ausschreiben vom 28. Mai an sämmtliche Justizbehörden, betreffend die Fortführung der Grundbücher, insbesondere den Eintrag und die Löschung der Bemerkung „beschränkt", sowie der Vormerkungen „gehemmt" und „streitig". Hartmanushain, 7. Juni. Ein hiesiger 74 Jahre alter Taglöhner A. hat sich heute Vormittag erhängt. Londorf, 5. Juni. Heute Mittag 12 Uhr ertönte hier plötzlich der schauerliche Rus: Feuer! Feuer! Es brennt! Mitten im Dorfe drangen aus den Fenstern eines Hauses dichte Rauchwolken und ein erstickender Brandgeruch hatte sich bereits in der Umgebung verbreitet. Als man in das Haus eindrang, fand sich das dicht am Ösen stehende Bett in hellen Flammen stehend. Die Frau eines Steinhauers hatte nämlich im Ofen das Mittagessen gekocht und war fortgegangen, dasselbe ihrem im Steinbruch arbeitenden Manne zu bringen. Vor ihrem Weggehen hatte sie, als ob wir mitten im Winter seien, nochmals tüchtig eingeschürt und ihre zwei kleinen Kinder allein in der Stube gelassen. Queckboru, 5. Juni. Montag vor 14 Tagen entfernte sich der ledige G. Herzberger von hier und ist bis heute noch nicht zurückgekehrt. Er fuhr borgens an den Acker, spannte aber auf dem Felde beide Kühe aus, trieb sie nach dem Dorfe und entfernte sich in der Richtung nach Göbelnrod. Seit dieser Zeit ist er spurlos verschwunden. — Arnshain, 6. Juni. Am 4. d. Mts. wurden von hier ans nach Erbenhausen zwei mit je 4 Pferden bespannte Brautwagen im Werthe von ca. 3000 Mark befördert. Zwischen Kirtorf und Erbenhausen, nahe an der Retschenhäuser Mühle wurden durch Unvorsichtigkeit mit einer brennenden Cigarre beide Wagen in Brand gesetzt und vollständig ein Raub der Flammen. Die bedauemswerthe Eigenthümerin, welche wohl freudigen Herzens und in der Hoffnung, sich durch ihre wohleingerichtete Ausstattung in Erbenhausen ein schönes Heim bereiten zu können, aus Arnshain gegangen, war bei dem Unglück zugegen. Friedberg, 8. Juni. Die gestern im Saalbau abgehaltene Katholikenversammlung war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht. Friedberg, 8. Juni. Es hat sich in hiesiger Stadt ein neuer Verein unter dem Namen „Handwerker-Sterbe-- kaffe Friedberg" gebildet, welcher bezweckt, den Hinterbliebenen > seiner Mitglieder alsbald nach dem Ableben der letzteren durch Auszahlung einer Geldsumme helfend zur Seite zu stehen. Nach dem Grundsatz „Viel Wenig geben ein Viel" ist der Beitrag so niedrig als nur möglich bemessen, so daß es selbst älteren Personen noch ermöglicht ist, ohne besondere Opfer der Kasse als Mitglied anzugehören, wie es überhaupt jedem Minderbemittelten sehr erleichtert ist, seinen Hinterbliebenen einen Betrag, welcher zur Bestreitung der nach einem Todesfall unvermeidlichen Kosten hinlänglich ausreicht, zu sichern. Vermischte«. * Darmstadt, 6. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 2. Juni den Kreisarzt des Kreisgesundheitsamtes Oppenheim Or. Ludwig Lehr zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Darmstadt zu ernennen. *H. Breslau, 7. Juni. Heute Vormittag brach in dem Stalle der ersten Schwadron des hier garnisonirenden Kürassierregiments, während sich die Mannschaften in der Kirche befanden, Feuer aus. Die Pferde wurden theils losgekoppelt, theils rissen sie sich selbst los und stürmten, 270 an der Zahl, in die Stadt. Anfangs in Reih und Glied dahinsausend, als trügen sie die Reiter auf ihren Rücken, zerstreuten sie sich bald in die Straßen. Sechzehn von ihnen stürzten, brachen die Beine und mußten auf dem Platze ge- tödtet werden, die übrigen wurden allmählich eingefangen. Es ist ein Wunder, daß bei dem starken Verkehr, der auf den Straßen herrschte, kein Menschenleben zu beklagen ist, während die Zahl der Unfälle ziemlich groß sein soll. Die rasenden Thiere rannten Laternen um und zertrümmerten mit den Schlägen ihrer Hufen kleinere Wagen. Ein Pferd rannte I in eine enrgegenkommende Droschke, zerbrach öie Deichsel und zerriß das Geschirr,- ein anderes hob sich auf die Hinterbeine und durchschlug mit den Vorderhufen das Dach einer vor ihm herfahrenden besetzten Droschke, ohne daß jedoch die Insassen Schaden genommen hätten. Die Untersuchung, wen die Schuld am Durchgehen der Pferde trifft, da das Feuer durchaus nicht so bedeutend war, um eine so große Verwirrung zu entschuldigen, ist im Gange. Universität» • Nachrichten. — Wie verlautet, hat sich die Besuchsziffer der Universität Basel nach Angabe des eben erschienenen amtlichen Personalverzeichnisses wieder auf der Höhe der letzten Semester gehalten; eS sind in diesem Sommer 390 Studenten immatriculirt gegen 388 im letzten Winter und 376 im vorigen Sommer. Der Schweiz selbst gehörm 315 Studenten an; unter den 75 Ausländern sind 57 Angehörige des deutschen Reiches (15 Theologen, 13 Medictner und 29 Philosophen), 5 Oesterreicher, 3 Franzosen, 4 Rusim und selbstverständlich auch ein Japaner. verkehr, Land- unb Volkrrvirthschaft. Gieße«, 9. Juni. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,80—0,95, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. — H, Enteneier 1 St. 6-7 H, 2 St. — A, Käse pr. St. 7—9 A, Käsematte pr. St. 3 A, Erbsen pr. Liter 16 A. Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Paar X 0,80—1,00, Hühner pr. Stück X 1,50-1.80, Hahnen pr. St. X 1,50-2,30, Enten pr. Stück X 2,00-2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70-74 A, Kuh- und Rindfleisch 60-64 A, Schweinefleisch 56-64 A, Hammelfleisch 50-76 Kalbfleisch 48-56 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,00-7,00, Weißkraut vr. St. 3—7 A, Zwiebeln per Centner X 7,50—0,00, Milch per Liter 12-18 A, Kirschen per Pfd. 50 A- AlSfew, 6. Juni. Auf dem heutigen Fruchtmarkt wurden verkauft: 100 Kilo Weizen zu 23.50 X, Korn 21.50 X, Hafer 15.62 X Lingedandt. — «ießerr, 8. Juni. Wie aus dem Referat über die Stadtverordneten-Versammlung vom 4. Juni ersichtlich, ist man über die künftige Benennung der so oft die Versammlung beschäftigt habenden sogen. Wodestratze nicht schlüssig. Einsender dieses glaubt daher, ohne den Herren Stadt- verordneten, denen das Ausfindigmachen eines passenden Namens anS Herz gelegt wurde, vorgreifen zu wollen, mit einigen Vorschlägen nicht hinter dem Berge halten zu sollen. Nachdem unsere Schoor zum größten Theile den neuen Anlagen hat weichen müffen und nur noch in dm altm Bäumm der Ostanlage Ueberbleibsel aufweift, würde sich vielleicht, nm der früheren Schoor das Andmken zu sichern, die Straße „Schoorstraße" oder „Schoorweg" benennen lassen. — „Eckstraße" ließe sich vielleicht in Rücksicht auf den der Straße eigmthümlichen rechten Winkel auch Horm. — „Ost st raße" bleibt wohl am bcstm einer mit der Ostanlage später gleich laufmdm Straße betbehalten. — Ihre Abzweigung von dm Neum Bäum würde die Straße vielleicht auch des Namens „Neubaustratze" würdig erscheinen laffm. — Schliehlich würde der Umstand, datz die Straße an der Süddeutschen Bank beginnt und nach der Gewerbebank führt (womit allerdings nicht gesagt sein soll, daß sie nur von solchen begangen wird, denen es an Kleingeld mangelt) am bestm in den Namen „Bankstraße" oder „Kass en weg" zum Ausdruck kommm. Seidenstoffe (schwarze,weißeu.farbtge) v. 95 Pfg. bis 18.65 p. Met. — glatt, gestreift und gemustert (ca, 380 versch. Qual ) u. 2500 versch. Farben — versendet roben- u. stückweise porto- । u. zollfrei das Fabrik-Depot G. Henneberg (K. u- K. Hofltef.), । Zurich. Muster umgeh. Dopp. Briefporto nach d. Schweiz. 477 Temperatur der Lahn und Luft gemessen am 9. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 13% Luft 14 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Bekanntmachung. Der Dünger aus der großen Grube im Schlachthause soll Samstag den 13. d. M., Vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Gießen, den 6. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 5324 Gnauth._________ Bekanntmachung. Die Grasernte von den Blösen und Schneisen des Gießener Stadtwaldes soll Samstag den 18« diefes Monats, Vormittag-11 Uhr im Saale des alten Rathhauses verweigert werden. Gießen, den 8. Juni 1891. Großh- Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth.______5368 Heuqras- Versteigerung bei der Stadl Gießen Montag den 15. und Diens» tag den 16. Juni d I. jedes- mal von Vormittags 9 Uhr, soll das Heugras von den städtischen Wiesen versteigert werden und zwar: Montag den 15. Juni: von den Wiesen vor der Neustadt, am Neuenwegerthor, am Fürstenbrunnen, Wieseckthal und im Heegstrauch- Dienstag den 16. Juni: von den Ochsenwiesen, den Wiesen im Stolzenmorgen, Utersbrunnen und Altentisch; Nachmittags 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen; Nachmittags 3 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Alten-Buseck. Die Zusammenkunft ist Montag den 15. Juni am Neuftädterthor und Dienstag den 16. Juni in den Ochsen- wiefen. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, Vorstehendes in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 8. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________ Gnauth.______5350 Gras-u. Holzversteigerung. Mittwoch den 1*7. Juni I. Js. soll von Vorm. 9 Uhr an die diesjährige Grasnutzung auf den Grüfl. Solms-Laubach schen Wiesen hei Arnsburg und Colnhauseu (ca. 130 Mg.) und auf den Schneisen, von Rachm. 1 Uhr an im Distrtct Nußgarten r 1,6 rm Birken-Prügelholz, 1,9 „ Eichen-Schälprügelholz, 11 Eichen-Schälreiserprügelh., 110 „ Eichen-Reiserholz öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft auf dm Gottesacker- thalwiesen bei Arnsburg. [5227 Arnsburg, den 6. Juni 1891. Grast. Revierverwaltung. Bekanntmachung. Vom 17. bezw. 18. bis 27. laufenden Monats werden 159 Unteroffiziere und Gemeine des Landwehrstandes zu einer Uebung eingezogen, welche in hiesiger Stadt ohne Verpflegung einquartiert werden sollen. Diejenigen Einwohner unserer Stadt, welche gesonnen sind, Einquartierung gegen die pro Mann und Tag festgesetzte Vergütung von 40 H zu übernehmen, werden hiermit aufgesordert, ihre hierauf bezüglichen Anmeldungen bis spätestens Mittwoch den 16. dr M. auf unserem Bureau zu machen. Gießen, den 5. Juni 1891. Großherzogliche Bür .meisteret Gießen. Gnauth.5318 Holzversteigerung in -em Feldheimer Walde. Montag de« 15. Juni l. Js. sollen in dem Distr. Hinterwald öffentlich versteigert werden: 50 rm Eichenschälprügelholz, 20 „ Eichenschälreiserprügelholz (Baumstützen), 265 „ Eichenreiserholz, 60 „ Nadelholz-Reiserholz. Zusammenkunft Vormittags 10 Uhr bei Nr. 261. [5361 Arnsburg, den 8. Juni 1891. ______Gräfliche Revierverwaltung. Verdingung. Zur Regelung des Mains bei Kostheim soll die Lieferung von 15,20 cbm Treppentritten und Wangen aus Basaltlava im Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Bedingungen liegen in unseren Diensträumen zur Einsicht aus und können gegen Einsendung von 60 Pfennigen von uns bezogen werden. Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis längstens Mittwoch den 17. Juni, Vormittags 10 Uhr, an uns einzureichen. Mainz, den 6. Juni 1891. Großh. Wasserbauamt Mainz. Im roth-______5360 Mittwoch den 10. Juni, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier gegen Baarzahlung: Sophas, Commoden, Glas- und Kleiderschränke, vollst Betten, 1 Regulator, Spiegel, Bilder, 1 Nähmaschine, 1 Secretär, 1 Waschtisch, 1 Pianino (noch neu), 4 Wtrthstische, 15 Wiener Stühle, 1 kupf. Kessel, 1 Kuh, 6 Stallhasen, 1 Ziegenlamm, 1 Quant- Mist u. a. Und nach dieser Versteigerung ein gr. Quantum Backsteine. «eitzler, 5345 Gr- Gerichtsvollzieher. MtzeSstenes. Sogenannten Deutschen Perl-Kaffee aus Frucht hergestellt, eigene RSstttttg, nur 25 Pfennige empfiehlt die Kassmöstetti H. f. Mauer, Neuenweg 15. 5227 Eieruhren mit Glockeuftgnal! Einzig richtig gehende Eieruhr empfehlen [5138 wtorifc Gregori & Sohn. Beste T oiletteseif en und T aschentuchparfüms kauft man in dem [3703 DrogengeschLft von Otto Schaaf. Für Wirthe empfehlen: 4703 la. Kegel, la. Pockholzkugeln in allen Größen, Billardutenfilien re. Moritz Gregori Ze Sohn. Gut gebrannte Backsteine (nur Osenbrand) können täglich zu den billigsten Tagespreisen abgefahren werden. 4855 Leihgestern. Carl Haas. Thonptatten, Cementplatten, Sandstkinptatten empfiehlt 3985 Daniel Wirths Nachfolger. Mosel-Cognac aus der Destillerie von A» L. Wett in Trier a. d. Mosel, Weindestillat ohne den geringsten Spritzusatz; in Brüssel mit der silbernen Medaille gekrönt, em- pfiehtt die Vi-Flasche zu X 3.— und die Vr-Flasche zu X 1.60 [3038 Ph. Bauer II.» Bahnhofstr., Gießen. SM. MaWm. Freibank. 5374 Von heute Nachmittag 4 Uhr ab: Ochfenfleisch, nicht ladenrein, per Pfund 50 Pf. Bekarmtwachrmg Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfernsprecheinrichtung in Gießen erforderlichen Vorberettungsarbeiten rechtzeitig in Angriff genommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Wohnungen bezw. Geschäftsräume rc. im Laufe dieses Jahres mit der genannten Stadtfern- sprecheinrichtvng verbinden wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald, spätestens bis zum 1. Juli d. Js. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. Nur für die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann die Herstellung der Anschlüsse für den zweiten Bauabschnitt des laufenden Jahres in Aussicht gestellt werden. Verspätet angemeldete Anschlüsse können erst im nächstjährigen ersten Bauabschnitt zur Ausführung gelangen. Darmstadt, 4. Juni 1891. Der Kaiserliche Ober-Postdirector: Clavel. Entöltes Maismehl. Für Kinder und Kranke mit Milch gekocht speziell geeignet — erhöht die Verdaulichkeit der Milch. — In Colonial- __und Drog.-Hdlg. in Pack, L 60 und 30 _____________5355 la. Karlstadter Portland-Äemmt, anerkannt vorzügliches Fabrikat, empfiehtt 4295 I. Happel, Neustadt 56. Für Arbeiter. Eine große Partie Arbeiterklelder9 als: Hosen, Hemden, Blousen, Jacke», Schürzen und Sommerröcke werden zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben bei [5156 ________________Robert Stuhl, Neustadt 23. Strohhüte für Herren und Knaben in bedeutender Auswahl empfiehlt billigst [5247 A Fangmann, Bahnhofstraße. TejephonJOS, Victoria, Eureka iin Elbthal-Bahn-Act. Gotthard-Bahn-Act. Schweizer Nordoft-B.-Act. Mainzer E.-B.-Act. Marienburger E.-B.-Act. Disconto-Comnumd.-Anth Darmstädter Bank-Act. Dresdener Bank-Act. 'Jtorbb. Lloyd-Act. Wiener Bankver.-Acr Oest. Credit-Act. Oest. Staatsb.-Aet. R-d-ctton: A. Sch-yda. - Druck und «erleg der Brühl'Ichm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen, vo« E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Frankstirier Börse vom 9. Zum 1891. Schlußcourf- 1 Uhr 15 Mn. 85.90 4»/v Ung. Gold-Rente 98.90 5o/o Jtal. Rente 85-80 41/kjo/o Oest. Silber-Rente 99.00 50/0 Ruff. HL Orient Vermischte Anzeigen. Restaurant Postkeller. Hochfeiner Wetterauer Aepftlwein in Vertretung und Zapf. Für Wirthe und Wiederverkäufer Mark M kostet das Loos für 2 Ziehungen. Bekanntmachung. Das Turnfest, verbunden mit Fahnenweihe, welches am 7. und 8. b. M- in Rodheim a. d. B. stattfinden sollte, ist wegen der schlechten Witterung an diesen Tagen aus den la. und 13. d. M. verlegt worden, wozu ergebenst einladet Der Vorstand. In Bezug auf Speisen und Getränke bei obiger Einladung hält sich bestens empfohlen 535g Karl Stork, Gastwirth. Frankfurt a. M. Hotel Westendhalle Garten-Restauration Kaiserstrasse, vis - ä - vis der Ausstellung. Special-Ausschank von Münchener Pschorrbräu. — Restauration zu jeder Tageszeit. — Bekanntmachung äMC Mittwoch den 10. Juni, Nachmittag- Präeise 8 Uhr, wird der Vertreter der Firma I. Bauer aus Wien mit dessen Fabrikat: H. K. prlvllegirter Feuerlösclimasse eine F etierlöschprobe Hierselbst auf O-wald» Garten vornehmen, wozu die Tit. Behörden, Feuerwehr-Vorstände und alle für das Feuerlöschwesen sich Jnteressirende höflichst eingeladen sind. Kein HchweUuß mehr! 4932] Unter Garantie zu heilen ohne nachtheil. Folgen- Man verlange Brochüre gratis und frco- O. Tietze, Namslau Luftkurort Marbach i. Odw. 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I. im Gasthofe zur Traube zu Hungen stattfindenden HJLL Xä werden sttts nach allen ___ Städten placirt. [5037 für jeden Beruf durch das Vermietb- Treufch, Fahrg. 29, Frankfurt a. M. bureau oon Frau Müller,Löwengaffe Alte Metalle, wie: Kupfer, Messing, Zinn, Zink, Blei, Guß - und Schmelzeisen, Quecksilber, alteS Gold und Silber u. s. w. kauft stets zu höchsten Tagespreisen [5129 LorriS Rothenberger, Neuenweg 22, 5362] Mk 5650.— auf gute^zweite Hypothek zu leihen gesucht. Gest. Offerten unter Chiffre 0. H. 100 besorgtdie Exped. d. Bl. Ein tüchtiger Commis mit schöner Handschrift wird zu baldigem Eintritt gesucht [5382 Offerten beliebe man unter G. A. 40 °u_die Exped. d- Bl. gelangen zu lassen. Lehrmädchen gesucht! 5367] Eltern und Vormünder, welche Mädchen im Kleidermachen etwas Tüchtiges erlernen lassen wollen, belieben sich an die Damenschneiderei E. Kurz, Schulftraße 4, zu wenden- Waise, 21 Jahrv, 'WlfUlfl. mit großem Ber. mögen, wünscht zu heirathen. Offerten erbet. G. 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