Nr. 235 Freitag den 9. October 1891 9ct nrf^rürt täglich, flett KttZaahmr des MoMa-s. Wk ®kf«ner w^e» drm «nyit« MdchEtltch bdfekft Gießener Anzeig er Keneral-Mnzeiger. Wertckphrtg« >l»*xteeeU)irdfl» 2 M«rk 20 Pfg. ■* Bringrrloba. Durch die Post btjef* 2 Mark 60 Pf«. Redaction, ExpedM«, und Druckerei: Kernfprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. I Gratisbeilage: Gießener Jamikienötätter. \ ch^^XMW^>WM»W»»««»WM«SWMW>W«WW»WW«^«»«>>»«V««»MWMWW«WWW»MIWWA Ls«»h«e mu Lazei«en zu der RachmittagL für dm f«l-mdm Lag erscheinenden Nummer bi« vor«. 10 l^r. ULJIM^LH ... I ■!■! I —Hl 1PIJ11 II in a Alle Lanouceu-Vurraux de« In- trab Laslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtgegm« WMSWWWVMMSSSMWMSWWWMWMWMWWMN Amtlicher Thsil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat September 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen: Hafer JL 15.60, Heu JL 5.80, Stroh JL 4.20. Gießen, den 7. October 1891. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betr. Bläschenausschlag zu Winnerod. Nachdem laut Mittheilung Großherzogl. Kreisveterinäramts Grünberg vom 4. l. M. die fragliche Seuche als erloschen zu betrachten ist, heben wir die durch unsere Verfügung vom 25. Juli l. I. angeordneten Sperrmaßregeln wieder auf. Gießen, den 6. October 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betr. den Oberhessischen Obstbauverein. In Folge der Erweiterung des bisherigen Wetterauer zum Oberhrssischen Obstbauoereiu ■ ist für den Vereinsbezirk (Kreis) Gießen die Neuwahl eines Vorsitzenden und dessen Stellvertreters erforderlich geworden. Zur Vornahme dieser Wahl lade ich die Mitglieder des Obstbauvereins aus dem Kreis Gießen zu einer Generalversammlung auf Sonntag -en IS. Oktober l. I, Nachmittags präcis 23/4 in Steins Garten zu Gießen ergebenst ein. Gießen, den 7. October 1891. Der bisherige Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebel, Amtmann. Deutsches Reich. Darmstadt, 7. October. Seine Königliche Hoheit der .Großherzog empfingen heute u. A. den Director der Oberhessischen Eisenbahnen, Geheimerath Altvater von Gießen, den Gymnasiallehrer Dr. Widmann aus Büdingen, den Gemeindeeinnehmer Weimer aus Nidda, den Rendanten Hehl von Bad Nauheim, den Proseffor Dr. Sievers aus Gießen. Berlin, 7. October. Die Rückkehr des Zaren und seiner Familie aus Rußland nach Fredensborg hat erklärlicher Weise den Gerüchten über einen bevorstehenden officiellen Besuch des russischen Kaiserpaares am Berliner Hose neue Nahrung gegeben. Aber es steht in dieser Hinsicht durchaus noch nichts fest, wenn es schon wahr sein mag, daß zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg vertrauliche Vorerörterungen über diesen Besuch stattfinden. Jedenfalls hängt die Verwirklichung desselben wesentlich davon mit ab, welchen Weg der Zar zu seiner abermaligen Heimfahrt von Dänemark benutzen wird. Wählt er wiederum den Landweg, so erfordert es schon die höfische Etikette, ganz abgesehen von politischen Rücksichten, daß er am Berliner Hose vorspricht. Wenn indeß der Zar diesmal die Heimreise zur See wählt, so erscheint natürlich ein solcher Besuch ausgeschlossen. Doch dürste die schon weit vorgerückte Jahreszeit den russischen Herrscher bestimmen, wiederum auf dem Landwege heimzukehren, so daß allerdings sein Erscheinen am deutschen Kaiserhose wahrscheinlich ist. — Die Wiedergestattung der Einfuhr amerikanischer Schweine und amerikanischer Schweineproducte nach Deutschland scheint den Vorläufer weiterer Handels erleichterungen zwischen Deutschland und Nordamerika zu bilden. Wenigstens sollen, wie eine Newyorker Meldung besagt, bezügliche Unterhandlungen im Gange sein- hoffentlich hat man sich deutscherseits vergewissert, daß Nordamerika für seinen Theil zu Milderungen der Mac Kinley-Bill gegenüber Deutschland bereit ist. ________ Neueste Nachrichten. WolftS telegraphisches Torrespondevz-Bureiur. Berlin, 7. October. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verlieh dem Berliner Professor W e i e r st r a ß, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, die große goldene Medaille für Wissenschaft. Berlin, 7. October. Der Kaiser begibt sich morgen früh zu der Beisetzungsseierlichkeit nach Stuttgart und trifft daselbst Abends 9 Uhr ein. Berlin, 7. October. Der „Reichsanzeiger" publicirt die Anordnung einer vierwöchentlichen Hoftrauer für den König von Württemberg und bringt einen weiteren Nachruf, worin es heißt: Mit dem Württemberger Königshaus und dem Lande vereinigen sich in aufrichtiger Trauer und Theilnahme Se. Majestät der Kaiser und König und das ganze deutsche Vaterland an der Bahre des Dahingeschiedenen, der durch den Tod von jahrelangem, aber in Ergebung getragenem Leiden erlöst wurde. Der „Reichs- anzeiger" erinnert an die Stuttgarter Kaiserrede am 25. Juni 1889 und schließt: „An dem Leid des Württemberger Landes nehmen Theil der Kaiser, die deutschen Fürsten und Stämme mit aufrichtiger Trauer im Herzen, aber auch mit dem Wunsch, Gott möge auch ferner das Könighaus und das Land in Schutz nehmen, daß aus der gemeinsamen Trauer der deutschen Fürsten und Stämme das Gefühl der Solidarität neue Kraft und Stärkung gewinne und daß Württemberg wie zu seinem König Wilhelm II. und seinem Hause, so auch zu Kaiser und Reich in Tagen der Freude wie des Leides fest, furchtlos und treu bis in fernste Jahrhunderte halten möge." Stuttgart, 7. October. Der „Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht folgendes Telegramm Sr. Majestät des Kaisers an Se. Majestät den König Wilhelm: „Tief erschüttert durch die Todesnachricht, beeile Ich Mich, Dir, Deiner Gemahlin und Deinem gesammten Volke Meine aufrichtigste Theilnahme auszudrücken. Einer der Mitstifter des Deutschen Reiches und Mitgenosse Meines theuren Großvaters ist dahin. Ich komme persönlich, Meinen Antheil an der Trauer Württembergs zu bethätigen. Mögest Du in Deinem neuen Amt mit Gottes Beistand für Dein Volk und Unser deutsches Vaterland ein Segen sein. Meiner wärmsten Freundschaft und innigsten Zuneigung bist Du allezeit sicher. Wilhelm." Die Antwort des Königs lautet: „Die Worte, welche Du an Mich gerichtet hast, haben Meinem schwer gebeugten Herzen unendlich wohlgethan. Ich bin Mir der großen Verantwortung, welche Gott Mir auf- erlegt hat, bewußt und hoffe, Mein Amt mit seiner Hülse zum Wohl des gemeinsamen deutschen Vaterlandes wie Meines Landes auszufüllen. Ich fühle Mich gestärkt durch die wohlwollenden Gesinnungen, welche Du Mir wie immer so auch jetzt kundgiebst. Aus tiefster Ueberzeugung stehe Ich, wie seit Jahren, als Glied der preußischen Armee zu dieser, jetzt als deutscher Regent fest und treu zu Kaiser und Reich. Wilhelm." Stuttgart, 7. October. Die Beisetzung des ver- storbenen König Karl erfolgt Freitag. Donnerstag Nachmittag wird die Leiche drei Stunden im Marmorsaale des Residenzschlosses ausgestellt. Freitag um 10 Uhr findet ein Trauergottesdienst im Marmorsaale statt, alsdann be- giebt sich der Leichenconduct vom Residenzschloß zur Schloßcapelle, woselbst um 11V2 Uhr abermals Gottesdienst abgehalten wird. Hieraus erfolgt die Einsenkung des Sarges in die Gruft. Feuilleton. Seltsamkeiten berühmter Mxpschen. Von Aug. Scheibe. (Schluß.) Einige der bedeutendsten Männer haben sich vor dem Donner gefürchtet. Cäsar fiel bei einem Gewitter in Krämpfe und Thomas von Aquino sah jedem auf- riehenden Wetter voll Angst und Furcht entgegen. Lamothe le Bayer, der Erzieher Ludwigs XIV., welchen der stärkste Donner ungerührt ließ, vermochte dagegen nicht den leisesten Ton eines musikalischen Instruments zu ertragen. — Roger Bacon, der Erfinder der Vergrößerungsgläser, fiel bei Mondfinsternissen in Ohnmacht. Herr von Larochejacquelin, der Held der Vent>ee, welcher in der ersten Ansprache an seine Landsleute sagte: „Wenn ich vorwärts gehe, so folgt mir, weiche ich zurück, so tödtet mich; sterbe ich, so rächt mich," wurde bleich, wenn er ein Eichhörnchen sah, und als man ihn einst besäumte, ein solches Thierchen zu berühren, zitterte er am ganzen Körper. — Jacob H. von Schottland wurde beim Anblick eines bloßen Degens ohnmächtig- der Herzog von Epernon beim Sehen eines Häschens. —- Erasmus, der wackere Streiter für das Licht, bekam Anfälle von Fieber beim Geruch von Fischen, gegen welche er einen unüberwindlichen Abscheu hatte. — Moritz von Sachsen, der tapfere Sohn der Gräfin Aurora von Königsmark, empfand eine solche Antipathie gegen Katzen, daß er sofort die Flucht ergriff, wenn sich eines dieser Thiere im Zimmer befand. — Gustav Adolf und der Marschall Turenne schauderten beim Anblick einer Spinne. — Tucho de Brahe konnte weder einen Fuchs noch einen Hasen sehen, ohne zu zittern. — Karl Johann, König von Schweden, empfand einen tiefen Widerwillen gegen Hunde. — Wallenstein hörte das Krähen eines Hahnes niemals ohne Schaudern. — Dem berühmten Gelehrten Scaliger erregte Brunnenkreffe ein heftiges Zittern der Glieder. — Der Denker und Dialectiker Peter Bayle wurde bei dem Geräusch, welches das aus einem Hahne hervordringende Master verursachte, ohnmächtig. Frau von Stael, die Meisterin der Conversatton, hatte, wenn sie sprach, stets einen Zweig, eine Blume oder eine kleine Papierrolle in der Hand, die sie zwischen den Fingern drehte. Fehlte ihr ein derartiger Gegenstand, so riß der Faden des Gesprächs und die sonst sprudelnde Quelle des Geistes stockte. — Der Astronom Laplace spielte während des Arbeitens mit einem Zwirnknäuel, welchen sein Diener ihm immer zur rechten Zeit in die Hände gab. — Auch Neander bedurfte, um bei seinen Vorträgen in den Hörsälen der Universität den Fluß der Rede herzustellen, eines Spielzeugs für seine Hände. Bei ihm war es ein Federkiel, den er zwischen den Fingern drehte und zerrupfte, während er das Pult, an dem er stand und auf das er sich mit beiden Armen auflehnte, in schaukelnde Bewegung setzte, so daß es bald rückwärts auf den Sprecher, bald vorwärts auf die Zuhörer zu stürzen drohte. Kant hatte, während er an der Universität vortrug, die Gewohnheit, seine Brille auf einen gewissen Gegenstand zu richten, und eine Zeitlang war dies die Stelle am Rock eines seiner Zuhörer, an welcher ein Knopf fehlte. Eines Tages hatte der Student den fehlenden Knopf annähen lassen. Kant begann seinen Vortrag und richtete seine Blicke nach der gewohnten Stelle, an welcher er zu seiner Bestürzung jetzt einen Knopf entdeckte. Der Umstand brachte ihn vollständig außer Fassung und er hatte an diesem Tage Mühe, seinen Vortrag ohne Unterbrechung zu Ende zu bringen. König Wilhelm DI. von Preußen hatte sich bekanntlich an das Knarren eines Brunnens gewöhnt, das er von seinem Zimmer aus von früh bis Abends hörte. Die Pumpe wurde eines Tages ausgebessert und that nun ihre Schuldigkeit, ohne jene abscheulichen Töne hervorzubringen. Der König vermißte das gewohnte Geräusch sofort und war über das Ausbleiben so tief verstimmt, daß er nicht zu arbeiten vermochte. Es mußte alles aufgeboten werden, um das bekannte, dem König zur Sammlung der Gedanken nöthige Knarren wieder herzustellen. Als Voltaire an seiner Tragödie „Catilina" schrieb, hüllte er sich, um die Begeisterung zu steigern, in einen Schleier, spazierte damit in dem Garten seines Landsitzes Ferney umher und declamirte seine Verse. Sein Gärtner konnte sich, als er ihn einst so heftig gestikulirend umhergehen sah, eines lauten Auflachens nicht erwehren und wurde dafür auf der Stelle seines Dienstes entlassen. Zu den wunderlichsten Menschen gehörte der französische Componist und Capellmeister Lully. Hörte er bei der Aufführung seiner Compositionen auch nur einen falschen Ton, so kannte sein Zorn keine Grenzen. Es kam mehr als einmal vor, daß er dem unglücklichen Musiker das Instrument aus der Hand riß und es ihm auf dem Rücken zerschlug. Diesem aufbrausenden Zorne Pflegte übrigens schnell die Reue zu folgen. Gewöhnlich nahm Lully den mißhandelten Musiker nach Vollendung des Stückes mit nach Hause, behielt ihn zu Tische und ersetzte ihm das zerbrochene Instrument so reichlich, daß vielleicht dann und wann ein armer Teufel in Versuchung gerieth, Lully zu solcher Gewalt- thätigkeit zu reizen. Von Richelieu erzählt man, daß er sich zuweilen eingebildet habe, ein Pferd zu sein, und daß er dann wiehernd und mit den Beinen ausschlagend im Zimmer um-- hergesprungen sei. Chemnitz, 7. October. Der Exportausweis des amerikanischen Consulats in Annaberg im Erzgebirge constatirt für das abgelaufene Quartal eine Mehraussuhr von ca. P/g Million Mark nach Amerika. Den Hauptantheil an diesem Mehrexport haben Posamenten und Spitzen mit mehr als einer Million Mark. Bremen, 7. October. Der Allgemeine evangelischprotestantische Missionsverein eröffnete heute seine siebente Jahresversammlung mit einem Festgottesdienste im Dome, bei welchem Prediger Lic. Dr. Kirmß aus Berlin vor einer äußerst zahlreichen Gemeinde die Predigt hielt. Anwesend ist der jüngst aus Tokio heimgekehrte Pfarrer Dr. Spinner, welcher sechs Jahre als erster deutscher evangelischer Missionar in Japan thätig war, die Mitglieder des Centralvorstandes und viele Abgeordnete der Zweigvereine aus allen Theilen Deutschlands und der Schweiz, Präsident Dr. Buß-Glarus, Kaufmann Bohstedt-Hamburg, Professor Dr. Pfleiderer - Berlin, Professor Schmiedel-Jena, Prediger Ritter-Potsdam, Prediger Arndt-Berlin, Stadtpfarrer Bickes- Ludwigshasen, Landgerichtsrath Häckel-Potsdam, Pfarrer Schück-Heidelberg, Pfarrer Teichmann-Frankfurt a. M., Senior Decke-Breslau, Pfarrer Hasenclever-Braunschweig, Pfarrer Pini-Braunschweig, Pastor Meincke und Schoost-Hamburg, Pfarrer Cronemeyer - Bremerhaven, Kaufmann Jllies-Hamburg u. A. Paris, 7. October. Dem „Journal des Debats" wird aus Petersburg gemeldet, der Finanzminister schlage vor, wegen der Mißernte eine Reduction der ordentlichen Ausgaben um 24 und der außerordentlichen um 14 Millionen Rubel vorzunehmen. — Zufolge Meldung der Blätter will die französische Regierung eine militärische Expedition zur Besetzung der Oase Jnsalah im Laufe des Winters unternehmen. Petersburg, 7. October. Wie der „Nordischen Telegraphen- Agentur" von authentischer Seite mitgetheilt wird, sind keinerlei Beschlüsse hinsichtlich des Weizenausfuhrverbots beabsichtigt. Rußland sei im Stande, noch jetzt 200 Millionen Pud Weizen auszusühren. Alle Meldungen über ein bevorstehendes Ausfuhrverbot seien aus der Luft gegriffen. Moskau, 7. October. Die „Moskauer Zeitung" hört, daß für Korn zur Bestellung der Felder in den Nothstands- Gouvernements ca. 20 Millionen verausgabt seien. Zur Versorgung der Nothleidenden mit B r o d wären 100 Millionen erforderlich. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 7. October. Wie dem „Tagebl." aus London gemeldet wird, ist ein englischer Dampfer an der Küste Neufundlands gesunken. Der Capitän und 20 Mann ertranken. Berlin, 8. October. Das „Tageblatt" meldet aus Sansibar: Lieutenant Prince, Offizier der Schutztruppe, kehrte erfolglos von der Recognoscirung gegen die Wahehes zurück. Die Maffais ziehen gegen die Wahehes. Zwanzig schwarze Soldaten der Schutztruppe fielen neuerdings in die Hände der Wabehes- von Emin ist noch keine Nachricht eingetroffen. Berlin, 8. October. Nach dem „Tageblatt" findet die nächste Sitzung des Reichstages frühestens am 17. November statt. Stuttgart, 8. October. Als Vertreter des Zaren kommt Großfürst Michael zum Begräbniß. Weitere Fürstlichkeiten außer den Genannten werden nicht erwartet. Basel, 7. October. Der Verwaltungsrath der Basler Check- und Wechselbank hat in corpore seine Demission erklärt. Loudon, 7. October. Parnell ist gestern Abend in Brigton gestorben. Petersburg, 8. October. Die verbreiteten Gerüchte von der Einführung eines Weizen-Einfuhrv erbots werden von gut unterrichteter Seite dementirt. Cecalc» rind provinzielles, Gießen, 8. October. — Ordens-Verleihung. Seine Majestät der Kaiser von Japan haben dem Obersten Perthes, Commandeur des Infanterie-Regiments „Kaiser", das Commandeurkreuz des Verdienstordens der ausgehenden Sonne verliehen. — Betriebsergebnifse der Brauerei iu Gießen in den Jahren 1889/90. Wenn auch kein Rückgang im Absatz zu verzeichnen ist, bemerkt der Bericht Großh. Handelskammer, so war doch das Behaupten des Gebietes nur mit Anstrengung aller Kräfte und mannigfachen Opfern möglich. — Die immer fühlbarere Ueberproduction der Brauereien nicht allzu entfernter großer Städte (Frankfurt und Mainz) sowie die bedeutende Einfuhr bayerischer Biere bedingen in letzter Linie eine mit jedem Jahre unverkennbarere Gewinnverminderung und Betriebserschwerung der heimischen Betriebe, zumal im verfloffenen Jahre die Rohmaterialien, als Hopfen, Gerste und Malz eine enorme Preissteigerung erfuhren, letztere besonders unter Einwirkung der Getreidezölle, welche bessere ausländische Gersten und Malz ganz empfindlich vertheuern. Zu dem Allen kam noch eine nie gekannte Erhöhung der Kohlenpreise, welche mit eine auf der Hand liegende Einschränkung des ohnedies schon schmalen Verdienstes verursachten, zumal bei den heutigen Concurrenzverhältnissen an einen Preisaufschlag nicht zü denken ist. — Neues Theater. Ein höchst genußreicher Abend steht den Theaterbesuchern am Freitag mit der neuesten Neuheit von Oscar Blumenthal: „Das zweite Gesicht" bevor. Der Autor ist unstreitig der geistreichste Bühnenschriftsteller der Neuzeit und hat mit obigem Stück der dramatischen Litteratur ein Werk eingereiht, welches sobald an durchdachter Feinheit, Geist und Witz von keinem Andern übertroffen werden wird. Wir können den Besuch des Theaters am Freitag nur auf das Wärmste empfehlen. — Strohfeuer war es wieder, was in vergangener Nacht einen gewaltigen Feuerkärm veranlaßte. Wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit nächtlicher Unterschlüpfler war ein großer, hinter der „Schönen Aussicht", nicht weit von dem kürzlich erst niedergebrannten, stehender Strohhaufen in Brand ge- rathen- himmelhoch schlugen die Flammen empor, so daß es für die ferner Wohnenden den Anschein hatte, als ob ein ganzes Stadtviertel in Flammen stände. — Auszeichnung. Der Kaiser ließ dem Feldwebel des 3. Bataillons des 94. Infanterie - Regiments in Jena, Hartung, als Anerkennung hervorragender Schießleistungen innerhalb des 11. Armeecorps eine goldene Uhr überreichen. — Der millionste zahlende Besucher der electrischeu Ausstellung in Frankfurt wurde gestern Abend feierlich empfangen. Von 7 Uhr ab waren die Eingänge durch den alten Main- Neckar-Bahnhof und gegenüber dem Hauptbahnhof abgesperrt worden, um das Zählgeschäst zu vereinfachen; das Tourniquet am.'Hauptportal blieb 5/4 Stunden ein rechter „Drehpunkt" des Interesses des zahlreich in wachsender Spannung harrenden Publikums. Um 8 Uhr 20 Min. passirte der Erwartete das Tourniquet: ein auf der Urlaubssahrt durchreisender Soldat der 2. Compagnie des Großh. mecklenburgischen Jägerbataillons Nr. 14, in Kolmar in Garnison und aus Hamburg gebürtig, Herr Johann Jacob Wahlen. Der junge Kriegsmann war ob des brausenden Hurrahs, das ihm entgegenschallte, „ganz baff". Doch fand der wackere Vaterlandsvertheidiger alsbald seine Fassung wieder und hörte in militärisch strammer Haltung die kurze, joviale Ansprache an, mit der ihn Herr Bernh. Ferd. Eyssen, der stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses, im Namen des Ausstellungsvorstandes bewillkommnete. Sodann nahm Jäger Wahlen die Medaille aus Aluminium mit der Aufschrift: „Dem millionsten Besucher", ferner den Antheilschein (10 Tickets nebst Loos) und ein combinirtes Billetbüchlein für die Ausstellungs-Sehenswürdigkeiten entgegen. Herr Schwegerle, der Wirth zum Bürgerbräu, ließ es sich nicht nehmen, in halbmeterhohem Jublläumsschoppen einen Ehrentrunk zu credenzen. Vom Publikum geleitet und vom Scheinwerfer beleuchtet, begaben sich die anwesenden Vorstandsmitglieder mit dem Gefeierten zum Verwaltungsgebäude, wo Herr Wahlen durch Namensunterschrift das Protocoll des Vorganges bekräftigte. Im Bürgerbräu, wo dem „Millionsten" das Abendessen seitens der Wirthe servirt wurde, bildete sich rasch eine Tafelrunde. Nach 11 Uhr trat der „Millionste" in Begleitung eines Compagnie-Kameraden die Weiterreise über Gießen-Hannover nach Hamburg an. — Wenn der Mann sonst noch Glück hat, kann er auf den erhaltenen Antheilschein auch noch die 100,000 Mk. gewinnen. □ Aus dem Vogelsberg, 7. October. Was uns der Sommer vorenthalten, Sonnenschein und Wärme, das spendet der Herbst um so reichlicher. Es ist in der That eine Seltenheit, daß in Octoberuächten, wie gestern und vorgestern, die Johanniswürmchen im Grase glühen, wie sonst nur im Hochsommer. Ein leuchtender Beweis von der gegenwärtig herrschenden sommerlichen Witterung. Ein solch schönes Herbst- Wetter ist von unberechenbarem Nutzen für die Landwirthschaft. Das eine Mal kommen die Erdgewächse, wie Kartoffeln, Kohl- und Runkelrüben sehr gut aus der Erde in die Keller, das andere Mal kommt die Wintersaat vortrefflich in die Erde. Das Bett für die Wintersaat läßt sich denn auch sehr gut Herstellen und das frisch gesäete Korn keimt und sproßt nach Wunsch, viel besser als im vorjährigen Herbste. Die Saat hat eben die zwei Hauptbedingungen zu ihrer ersten Entwickelung : mäßige Feuchtigkeit und Wärme. Die Kartoffelernte ist in vollem Gange und geht bei dem schönen Wetter rasch und gut von statten. Ihr Ergebniß ist ein recht verschiedenes nach der Gegend, nach der Art des Bodens und der Art der Setzkartoffeln. Im Allgemeinen aber ist dasselbe keinesfalls ein schlechtes, wenn auch nicht gerade ein überreiches. , Die durch den nassen Sommer befürchtete Faulheit der Knollen ist auch nicht in dem erwarteten Maße vorhanden. Sehr gut kommen dieselben in die Keller und das ist nicht zu unterschätzen. Kohl- und Runkelrüben liefern einen vortrefflichen Ertrag. Daß die Getreideernte auch bezüglich des Strohquantums keine schlechte war, bezeugen die vielen im Felde sitzenden Strohhaufen. Besonders üppig waren die Hülsenfrüchte gediehen. Erbsen hat man nicht selten zweimal abgemäht, zuerst die oberen Ranken, dann die anderen auf dem Boden lagernden. Die seitherige warme Witterung hat den Graswuchs sehr begünstigt, sodaß die Wiesengründe aussehen wie im Frühlinge- eine gute Herbstweide ist damit gegeben. Ebenso üppig sehen Winterraps und junger Klee aus. Das Obst ist jetzt überall reif und die Zeit des Honigkochens und Zwetschenkuchenbackens gekommen. Dem Imker gibt das sommerliche Herbstwetter Gelegenheit, seine Völker mit Wintervorrath zu versehen und er thut ihnen meist sehr nöthig, denn der verflossene Sommer war für die Bienen am allerschlechtesten. vermischtes. tt Von der Rhön, 6. October. In den romantischen Schluchten des gerade jetzt bei dem herrlichen Herbstwetter von Touristen zahlreich bevölkerten Rhöngebirges hat sich dieser Tage eine schauerliche Liebestragödie abgespielt. Auf der sog. „Reismühle" bei Gehaus war ein fremder Müllerknecht seit einiger Zeit in Stellung, welcher sich mit einer heutzutage seltenen Jntensivität in die bildhübsche 17jährige Tochter der Müllerswittwe verliebte. Die „schöne Müllerin" wollte aber von dem „hergelaufenen" Müllerknecht nichts wissen, denn sie hatte einen Ändern erwählt und die reiche, auf ihre Verwandtschaft und Gott weiß was alles stolze Mutter erst recht nicht. Die Liebeswerbungen des heißblütigen Müllerknappen wurden daher von Tochter und Mutter abgewiesen. Dieser aber sann wegen der schnöden Verhöhnung seiner heiligsten Gefühle auf Rache- er lauerte dem Mädchen in einem Hinterhalt auf, sprang hervor und stellte sie noch einmal zur Rede- als sie bei ihrer Weigerung blieb, schoß er ihr eine Kugel durch die Brust, so daß das Mädchen blutüberströmt und tödlich getroffen zu Boden stürzte. Dann drang er in die Mühle ein und wollte auch die Mutter erschießen, doch flüchtete dieselbe in die Stube und ver- barrikadirte die Thüre. Der Wütherich wollte dieselbe mit Gewalt erbrechen, doch nahten auf das entsetzliche Hilfegeschrei der Müllerin mehrere Männer und der Attentäter mußte flüchten. Man glaubte, er habe sich auf und davon gemacht, sei ins Ausland geflüchtet. Indessen er hat die Liebestragödie vollständig enden lassen, er ging in den nahen Wald und erhängte sich. Die Leiche ist gestern aufgefunden. Auch das junge Mädchen, von dem man hoffte, es komme mit dem Leben davon, ist gestern gestorben. Der Fall erregt in der ganzen Gegend großes Aufsehen. tt Kassel, 6. October. Am 11. November d. I. begeht das hier und in Fritzlar in Garnison liegende Hessische Artillerie-Regiment Nr. 11 die Feier seines 25jähri q en Bestehens. Aus diesem Anlässe hat sich hier ein Fest- comite gebildet, um die nöthigen Vorbereitungen zu einer passenden Feier zu treffen. Dasselbe ladet die über ganz Deutschland zerstreuten ehemaligen Regimentskameraden zur Theilnahme ein. Es wird Regiments-Appell, Frühschoppen, Festmahl und Festcommers :c. stattfinden. * Einem Farmer in Maine, der sich für den Preis von 10 Cents eine Broschüre hatte kommen lassen, in welcher angeblich die Belehrung enthalten sein sollte, wie man eine Farm bewirthschasten könne, ohne von der Kartoffelkäferpest heimgesucht zu werden, erhielt darin den Rath: „Pflanzen Sie Obstbäume anstatt Kartoffeln." Linges volkswirthschaft. 8 Ober-Seemen, 6. October. Der heute hier abgehaltene war sehr schlecht befahren. Aufgetrieben waren nur 2rc@t-ucfa5tnbnf-