Donnerstag den 9. Juli 1891 Nr. 156 Gießener Anzeiger Keneral'-Anzeiger. Steboction, LxpeLM»»» imb Druckerei: 2 Msrk 20 Pfg. «M Bringerlohn. Lurch die Post bez-^k» 2 Mark 50 Wt Vke-onrr w«*te dem Anzn-or ÄLH«ttttch bi®i mI Ve^dtft Der VSsßtE M«N«t scheint täglich, Wt LuSnahuir del MontsßS. Amts- mtb Anzeigeblatt fflr den ALveis Gieren iMi|mc ••» Lazeigen zu der Kschmittagr für dm | A*a44£ ß^t ft^ttAßtff/i* I Elle ArmonttmOureaux der In- and ÄitftmM aetzrm« Lag erscheinenden Nummer bis »onn. 10 Uhr. ) QTOllfMUagC. gt«mUlCXUH(inCT. | Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen ra»8!Wirt^’W3««®W»!Ws4R»^im^iSKaÄwa^^ Amtlichsv Lherl. Bekanntmachung, die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum betreffend. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Straßburger Gewerbeverein die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose einer am 12. October d. I. zu Gunsten der Arbeitsmaschinenausstellung in Straßburg, welche die Förderung der gewerblichen Verhältnisse in Elsaß-Lothringen bezweckt, zu veranstaltenden Verloosung von kunstgewerblichen, gewerblichen und technischen Gegenständen innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben. Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan dürfen 150000 Loose zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden und müssen 60 000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden. Gießen, den 7. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum betreffend.! Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Allerhöchster Entschließung vom 1. d. M. dem Centraldombauverein zu Köln die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose der zum Zwecke der Gewinnung der Mittel für die Vollendung und Freilegung des Kölner Doms zu veranstaltenden, in den drei ersten Monaten der Jahre 1892 und 1893 zur Ziehung gelangenden Geldlotterien innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben. Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan dürfen für jede Ziehung 350000 Loose zu je 3 Mk. ausgegeben werden und müssen 375 000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden. Gießen, den 7. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, die Beförderung der Musterkoffer von Handlungsreisenden auf österreichischen Staatsbahnen zu ermäßigten Preisen betreffend. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die K. K. General-Direction der österreichischen Staatsbahnen durch Nachtrag zu den Tarifen und Tarifbestimmungen für den Transport von Personen und Reisegepäck vom 16. Juni 1890, gültig vom 1. Januar 1891, bestimmt hat: Ermäßigte Gepäckstaxen. „Für die Musterkoffer jener Handlungsreisenden, welche sich als dieser Berussklaffe angehörend mit einer den Namen des Reisenden und dessen Firma, Anzahl und Inhalt der mitgeführten Koffer, die Unterschrift des Inhabers und die Bestätigung der competenten Handels- und Gewerbekammer enthaltenden Legitimationskarte ausweisen, sind für je 10 Kilogramm und für jedes Kilometer, inclusive der Stempelgebühr 0,1 Kreuzer zu entrichten. Diese Legitimationskarten haben Giltigkeit für die Dauer eines Kalenderjahres und sind bei Aufgabe von Reisegepäck mit der Fahrlegitimation vorzuweisen. Zur Constatirnng der Identität des Besitzers hat derselbe über Verlangen die Namensfertigung zu leisten. Die Bahnanstalt behält sich das Recht vor, in zweifelhaft erscheinenden Fällen den Inhalt der Musterkoffer zu prüfen. Die Muster müssen als solche erkennbar sein. Kolli, welche Verkaufsobjecte oder sonstige Gepäckstücke enthalten, sind von der Anwendung der ermäßigten Gepäckstaxe ausgeschlossen. Diese sind daher bei der Aufgabe besonders zu declariren. Auf jedem Musterkoffer muß der Name der Firma, in deren Auftrag die Reise unternommen wird, dauerhaft kenntlich gemacht sein. Der Reisende ist verpflichtet, den Zug zu benutzen, für welchen die Musterkoffer aufgegeben wurden. Innerhalb einer Stunde nach Ankunft des Zuges in der Bestimmungsstation ist die Legitimationskarte vorzuweisen, um das Gepäck ausgcfolgt zu erhalten oder das Gepäcksrezepisse mit dem Vermerke des erfolgten Vorweises versehen zu lassen, widrigensalls die Gebül)rendifferenz zwischen dem normalen und ermäßigten Tarifsätze im Nachzahlungswege eingehoben I wird. Jeder Mißbrauch dieser Begünstigung hat für den Betreffenden die dauernde Entziehung derselben unnachsichtlich zur Folge." Nach Mittheilung der K. u. K. österreichisch-ungarischen Regierung an den Reichskanzler wird die Vergünstigung auch den deutschen Handlungsreisenden zu Gute kommen. Die Legitimationskarten stellen die Großherzogl. Kreisämter den Handlungsreisenden, nach Prüfung der genannten Eigenschaft als Reisender, auf Ansuchen aus. Gießen, den 7. Juli 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 7. Juli. Der Kaiser hat bereits wiederholt längere Unterredungen mit dem englischen Premierminister, Lord Salisbury, gepflogen, denen auch der deutsche Botschafter in London, Graf Hatzfeldt, beiwohnte. Verschiedene Londoner Blätter bringen schon Meldungen über den angeblichen Inhalt dieser Conserenzen, die aber wohl nur auf willkürlichen Combinationen beruhen. Immerhin kann es als feststehend bezeichnet werden, daß die jetzige Anwesenheit des deutschen Herrschers in England schon zu bedeutsamen politischen Erörterungen zwischen dem Monarchen und dem leitenden englischen Staatsmanne geführt hat. Der „Standard" deutet weitere wichtigere Conserenzen an, die anläßlich des bevorstehenden Besuches Kaiser Wilhelms in London zwischen ihm und der Königin Victoria zu gewärtigen seien. Das Blatt meint, es würden hierbei zwar keine Verträge zu unterzeichnen oder Verständigungen herbeizusühren sein, es sei aber möglich, daß die in Windsor gewechselten Worte einen ebenso bedeutenden Einfluß auf die Geschichte ausüben würden, wie die in den Staatscanzleien Europas sorgsam aufbewahrten, mit Unterschriften versehenen Schriftstücke. — Der deutsche Kronprinz und seine vier ältesten Brüder sind am Montag Abend 9 Uhr auf der „Hohenzollern" in Felixtown (englisches Seebad) eingetroffen,- die Ueberfahrt von Vliessingen aus war eine sehr unruhige. Die Kaiserin wird sich am 13. Juli ebensalls nach Felixtown begeben und daselbst dann einige Wochen mit den Prinzen verweilen. — Zur Zeit befinden sich mehrere preußische Minister aus dienstlichen Reisen. Der Finanzminister Dr. Miquel und der Handelsminister Freiherr v. Berlepsch haben sich nach West- und Ostpreußen begeben, während der Minister des Innern, Herrfurth, eine Reise nach Schleswig-Holstein angetreten hat. Die beiden ersteren Herren trafen am Sonntag Abend in Danzig ein, wo sie am nächsten Tage Conserenzen im Regierungsgebäude mit den Vertretern der Kaufmannschaft und der Behörden hatten. Die Reise des Ministers des Innern hängt mit der beabsichtigten Ausdehnung der neuen Landgemeindeordnung auf die Provinz Schleswig-Holstein zusammen, was den Minister veranlaßt, an Ort und Stelle die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Ende Juli gedenkt sich Herr Herrfurth aus gleichem Anlaß auch nach Hessen-Nassau zu begeben. — Der Deutschenhaß der Czechen hat sich in Prag schon wieder einmal in einer rohen Ausschreitung Lust gemacht, nur daß sie diesmal nicht gegen einen Reichsdeutschen, sondern gegen Deutschböhmen gerichtet war. Eine deutsche Gesellschaft, aus derGattin des an der deutschen Universität Prag wirkenden Professors Zyschlarz, dessen zwei Söhnen und zwei Schwägern bestehend, wurden von Czechen Abends auf dem Franzensquai ohne jede Veranlassung überfallen und unter Schimpsworten auf das Aergste mißhandelt. Ein großer Volkshausen ermunterte die Angreifer durch Zurufe, wie: „Prügelt die Deutschen! Schlagt sie tobt!" Drei der Rowdies wurden von der Polizei festgenommen. Unter den Deutschen Prags hat der Vorgang große Erregung hervorgerufen. Der Prager Polizeidirector ordnete die strengste Untersuchung an. Nerieste Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau. Wien, 7. Juli. Der oberste Sanitätsrath nahm von den Maßnahmen der türkischen Regierung und des Sanitäts- rathes in Alexandrien gegen die Verschleppung der Cholera aus Ostindien nach Massaua in Abessynien und besonders nach Aleppo Kenntniß und erklärte die aufmerksamste Beobachtung des weiteren Verlaufes der Epidemie behufs rechtzeitiger Vorkehrungen im Jnlande für nothwendig. Wien, 7. Juli. Dem „Fremdenblatt" zufolge wird die formale Erledigung des österreichisch-ungarischen Handels- ! Vertrags mit der Schweiz eventuell erst in Bern stattfinden, wenn die Verhandlungen in Wien selbst nicht bis zum 20. Juli beendet sein sollten. Neapel, 7. Juli. Der Lavaerguß vom Vesuv befindet sich in fortwährendem Zunehmen. Gestern wurde in Trofo- lone ein heftiges Erdbeben verspürt. London, 7. Juli. Anläßlich der Uebungen der Freiwilligen vor dem Kaiser am Sonnabend werden die Börse und eine Anzahl größerer industrieller Etablissements geschlossen sein. — Die „Time s" schreibt: „Es herrsche kein Zweifel über die Aufrichtigkeit der Empfindungen der großen Menge des englischen Volkes anläßlich der sichtbaren Beweise, daß die Elemente der großen Allianz, welche vor ca. 3/4 Jahrhundert Europa befreite, noch sortbestehen, und selbst eine Festigung durch die Bande erfahren haben, welche die Herrscherhäuser von Deutschland und England verknüpfen. Diese Festtgung der teutonischen Staaten birgt keine Bedrohung irgend einer anderen Macht in sich, sondern ist einfach eine weitere Sicherung der Erhaltung des Weltfriedens, nicht mehr und nicht weniger." Windsor, 7. Juli. Der Kaiser begab sich nach dem Frühstück mit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Connaught und anderen Mitgliedern der Königssamilie zu Wagen nach dem Park, um der Reiterquadrille, die von 46 Mann der königlichen Garde bei Musik ausgeführt wurde, beizuwohnen. Alsdann begab sich der Kaiser nach Cumberland Lodge, um an einem Lunch bei dem Prinzen Christian theilzunehmen. Windsor, 7. Juli. Bei dem Reiterspiel der Leibgarde sprach der Kaiser seine Freude über die cavalleristischen Leistungen dem Rittmeister Burt gegenüber aus. Später machte der Kaiser einen Spazierritt mit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Connaught und Gefolge durch den Park. Dem Gabelfrühstück beim Prinzen Christian wohnten 26 Fürstlichkeiten bei, darunter der Kaiser, der Prinz von Wales, das Herzogspaar von Connaught, die Herzogin von Anhalt, die Prinzessin Beatrice und das Herzogspaar von Edinburgh. Alsdann fuhr der Kaiser nach dem sechs englische Meilen entfernt liegenden Orte Bray, wo die Gesellschaft Dampsbarkassen bestieg, um eine Fahrt den Fluß hinaus zu machen. Windsor, 7. Juli. Infolge des Regenwetters gab der Kaiser seine Absicht, den Festlichkeiten auf der Themse beizuwohnen, auf und kehrte nach einem Besuche beim Prinzen und der Prinzessin Christian in Cumberland Lodge nach dem Schlosse von Windsor zurück, woselbst Abends ein Souper, zu dem 140 Einladungen ergangen sind, stattfindet. Windsor, 7. Juli. Während des gestrigen Diners, an dem das Kaiserpaar theilnahm, platzte im Speisesaal ein Wasserrohr, wodurch eine gewisse Aufregung hervorgerufen wurde. Eine Ueberschwemmung des Saales wurde dadurch verhindert, daß die Feuerwehr das Wasser am Haupthahne abdrehte. Paris, 7. Juli. Der Ackerbauminister theilte im Minister- rathe mit, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika um Aushebung des französischen Einfuhrverbots für amerikanisches Schweinefleisch nachgesucht haben, und richtete an den Minister des Innern das Ersuchen, den Hygienerath darüber zu befragen, ob die Aufrechterhaltung des Einfuhrverbotes noch nothwendig sei. Paris, 7. Juli. Professor Lanuelongue vervollständigte heute die Mittheilungen über seine Methode der Transformation tuberkulösen Gewebes. Lannelongue, dessen Versuche im Juli vorigen Jahres begonnen haben, behandelte bisher 22 Kranke mit Chlorzink, darunter an Tuberkulose des Kniegelenks, des Fußgelenks, tuberkulösen Nackendrüsen und «zwei an Lungentuberkulose Leidende. Letztere, welche nach der Aussage Lannelongues die Jnjection gut vertrugen, lassen noch kein Unheil zu, da die Behandlung erst jüngeren Datums ist. Bei den übrigen zwanzig Patienten soll der durch das injicirte Chlorzink hervorgerufene Um- wandlungsproceß eine deutliche Besserung der Erkrankung zeigen. Die sclerotischen Gewebe sollen allmälig ihre frühere Geschmeidigkeit und Form wieder annehmen. Lannelongue benutzte Vierzigstel- bis Zehntel-Lösungen; er beobachtete nach den Jnjectionen keinerlei bedenkliche Zwischensälse. Es zeigten sich nur blutige extravasale Schorfbildungen, die jedoch bald vorübergingen. Paris, 7. Juli. Die Juni-Einnahmen der inbirecten Steuern betragen Fr. 16900000 mehr als ber Voranschlag, Fr. 4 700 000 mehr als int Vorjahr. Petersburg, 7. Juli. Aus Simferopol in Taurien wirb gemelbet, baß für Sommergetreide eine gute Ernte erwartet wird, welche die Lücken des Wintergetreides voll ständig ausfüllen werbe. — Nachrichten aus Nischni-Nowgorod zufolge ist der Stand des Getreides im ganzen Gouvernement nach dem fruchtbaren Regen gebessert. — Bei Charkow und Pultawa, sowie zum Theil auch bei Jekaterinoslaw verspricht der Stand des Wintergetreides nach dem reichlichen Regen eine mittlere und das Sommergetreide sogar eine gute Ernte. Hafer und Gerste stehen zum größten Theil vorzüglich. Locales und provinzielles. Gießen, 8. Juli. — Samstag den 11. Juli l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschuffes der Provinz Ober- heffen statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden: Recurs der Isaak Grünebaum Wittwe zu Groß-Karben wegen verweigerter Erlaubniß zum Branntweinausschank. Desgl. Recurs des Abraham Grünebaum von Groß- Karben. Desgl. Recurs des Konrad Hoos von Groß-Karben. Desgl. Recurs des Josef Müller von Bönstadt. Recurs des Adam Müller von Steinbach wegen verweigerter Wirthschasts-Concession. Antrag der Stadt Gießen aus Gelände-Enteignung zum Zwecke der Erbauung einer Dienstwohnung für den Verwaltungs-Director der akademischen Kliniken. Gleicher Antrag zum Zweck der Erbauung einer Irren- Klinik. — Ernennungen. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Juli den Kreisassistenzarzt bei dem Kreisgesundheitsamte Offenbach Dr. Wilhelm Groos zum Kreisassistenzarzt des Kreisgesundheitsamtes Gießen, den Kreisassistenzarzt für den Kreis Schotten Dr. Paul Weißgerber zu Ulrichstein zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Oppenheim, und den zweiten Assistenzarzt an der Landes-Irrenanstalt zu Heppenheim Dr. Hermann Lindenborn aus Groß-Umstadt zum Kreisassistenzarzt für den Kreis Schotten mit dem Amtssitze zu ^Ulrichstein — zu ernennen. — Erledigte Stellen für Militäranwürter im Bezirk des 11. Armee-Corps. Altena (Westfalen), Direction der Kreis Altenaer Schmalspurbahnen in Altena, 2 Stationsdiätare, gegen vierwöchige Kündigung, je 75 Mk. pro Monat. Arnsberg, Regierung, Hilfsbote, 780 Mk. jährlich. Kassel, Stadtrath, 2 Schreiber, auf 14tägige Kündigung, je 50 Mk. monatlich. Kassel, Postamt 2, Stadtpostbote, zunächst auf vierwöchige Kündigung, 700 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeldzufchuß. Darmstadt, Garnisonbaubeamter, ständiger Baubote auf Kündigung, 2.80 Mk. pro Tag. Fulda, Oberbürgermeisteramt, Leichenhausaufseher, auf Kündigung, 450 Mk. jährlich nebst freier Wohnung. Haiger, Oberförster Müller, Haiger, Gemeindeförster, 880.18 Mk. Hanau, Gymnasium, Schuldiener, aus vierteljährliche Kündigung, 800 Mk. Anfangsgehalt, daneben freie Dienstwohnung, außerdem widerruflich jährlich 180 Mk. für Arbeitshilfe, Entnahme des Heizmaterials gegen eine Entschädigung von 31/2 pCt. des Durchschnittsgehalts (35 Mk. jährlich), außerdem kommen jährlich 12 Mk. für Wasserverbrauch aus der Wasserleitung der Anstalt, welche in die Schuldienerwohnung führen wird, in Abzug. Bezirk des Eifenbahn-Betriebsamts Wiesbaden, 2 Lademeisterafpiranten, zunächst auf Widerruf- nach bestandener Lademeisterprüfung als Diätar auf einmonatliche Kündigung je 85 Mk. monatlich. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Direction der Main Neckarbahn, Schaffner, auf Widerruf, Gehalt im Höchstbetrag von 1265 Mk. pro Jahr, freie Dienstkleidung und die gesetzlichen Fahrgebühren. — Lehrerinnen-Prüfung. Für die diesjährige, nach Artikel 36 des Volksschulgesetzes vorzunehmende erste Prüfung der Schulamts-Aspirantinnen ist Termin aus den 21. bis 2 3. September anberaumt worden, und soll an den beiden ersten Tagen die schriftliche, am dritten Tage die mündliche Prüfung stattfinden. Als Prüfungs-Commission hat Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Lehrercollegium an dem Großh. Schullehrer- Seminar zu Alzey bestimmt. Anmeldungen zu dieser Prüfung sind an die Großh. Direction des Schullehrerfeminars zu Alzey zu richten und sind denselben die vorgeschriebenen Anlagen beizufügen. N. Alteu Buseck, 7. Juli. Das erste Schulhaus unseres Ortes, an welchem bauliche Veränderungen vorgenommen wurden und welches die Zierde unserer Gemeinde werden sollte, ist heute Nacht eingestürzt. Mainzlar, 7. Juli. Der hiesige Großh. Bürgermeister Herr Vogel hat in voriger Woche nach beinahe 25jähriger Dienstführung das Amt wegen vorgerückten Alters freiwillig niedergelegt. Seine Verdienste wurden anerkannt, indem ihm der Philippsorden durch den Großh. Provinzialdii^ctor Frhrn. v. Gagern persönlich überreicht wurde. — Nieder-Ohmen, 6. Juli. Am verflossenen Freitag verunglückten im nahen Eisensteinbergwerk zwei Arbeiter durch Herabstürzen von Erdmassen. Dem einen wurde die Schulter auseinander gerenkt, dem andern das Bein zerbrochen. Beide Verunglückte mußten nach Hause geschafft werden. ./' Schlitz, 7. Juli. Am Montag den 13. Juli findet die Einweihungsfeier des neu erbauten Schulhaufes statt. ./* Lauterbach, 7. Juli. Die hiesigen Bäckermeister machen bekannt, daß vom 6. d. M. ab in Folge der hohen Mehlpreise die Wecke von 1 bis 6 Stück je 3 Pf., sieben 20 Pfg., elf 30 Pf. kosten und so in angegebener Weife weiter. ./' OberLais, 7. Juli. Am Sonntag den 12. Juli findet hier das Bezirksfest des Kriegervereins-Bezirks Nidda in Verbindung mir der Fahnenweihe des Kriegervereins Ober- Lais statt. -g. Liederbach, 7. Juli. Ein seither bei einem hiesigen Oeconomen als Knecht beschäftigt gewesener junger Mann erschwindelte dieser Tage von seinem Dienstherrn den Betrag von 150 Mk. unter der Vorspiegelung, sein Vater bedürfe des Geldes zu einer Reparatur feines Hauses und ließe ihn um ein Darlehen in genannter Höhe bitten. Der Dienstherr, der unvorsichtig genug war, auf das Ansinnen des Schwindlers einzugehen, mußte bald, da dieser plötzlich verschwand, die Wahrnehmung machen, daß er betrogen war. -r. Nonnenroth, 7. Juli. Bei dem am letzten Sonntag dahier abgehaltenen Krieger-Fahnenweihfest kam es zwischen jungen Leuten zu Streitigkeiten, die damit endeten, daß einem derselben ein Regenschirm oder ein Stock derart in das Auge gestoßen wurde, daß das Leben des Verletzten gefährdet ist. Nidda, 7. Juli. Gestern starb der älteste Bewohner unserer Stadt, Herr Ludwig Erk 3r, im 91. Lebensjahre (geb. 21. Febr. 1801). Aus Starkenburg, 6. Juli. Die Bezirksschulbehörden lassen gegenwärtig in den Volksschulen über die etwa der Verwahrlosung anheimgefallenen Kinder Erhebungen anstellen. Diejenigen Kinder, deren Verbleib in der Schule im Interesse der übrigen Zöglinge nicht anhängig ist, sollen im Sinne des Gesetzes vom 11. Juni 1887 über die Unterbringung verwahrloster Kinder nöthigensalls einer Besserungsanstalt überwiesen werden. Aus Starkenburg, 5. Juli. Ein Unwetter, das an Furchtbarkeit seit vielen Jabren seines Gleichen nicht hatte, entlud sich heute Nachmittag gegen 4 Uhr über einen großen Theil der Provinz. Ganz besonders heftig hauste das Wetter in Wallerstätten und Geinsheim. In letztgenanntem Orte fiel ein Hagelfchlag, dessen Körner die Dicke von Enteneiern hatte. Nachdem das Wetter eine geraume Zeit getobt hatte, glich die ganze Gegend einer Minterlandschaft. Die Felder, welche einen vielversprechenden Ertrag in Aussicht stellten, bieten ein trauriges Bild. Das aus dem Halm stehende Getreide ist zu Boden geschlagen und vernichtet und die Kartoffeln, der Kohl und sonstige Gewächse haben das Aussehen , als seien sie von einem Kugelregen durchlöchert worden. Der Schaden ist ein ganz enormer und beziffert sich auf Taufende. Worms, 7. Juli. Bei dem gestern dahier stattgehabten Hessischen Städtetag wurde von allen anwesenden Vertretern die Nothwendigkeit der Erhöhung der Gehalte der städtischen Beamten anerkannt. D. Ztg. Alzey, 4. Juli. Ein Seminarist dritter Klasse, der an einem Fensterkreuz Turnübungen machen wollte, stürzte gestern Mittag vom dritten Stock des hohen Seminargebäudes herab. Ein Beinbruch und zertrümmertes Nasenbein waren die Folge der unüberlegten Uebung. * Vendersheim (Rheinhessen), 3. Juli. Am 22. v. Mts. feierte unser wohllöblicher Herr Pfarrer Bering er sein 25jähriges Dienstjubiläum. Er empfing von der Gemeinde zahlreiche Geschenke. Um 9 Uhr Abends wurde ein Fackelzug durch das kleine Dörfchen unternommen- dann um 10 Uhr gab es ein Festessen. — Wir hoffen, daß der Jubilar noch recht lange in feinem Amte wirken und thätig fein kann. Aus dem Nied, 5. Juli. Zwei Fischern aus dem Ried, die zur Fischsaison ihren Fang wöchentlich mittelst eines entsprechenden Fasses nach Frankfurt zu bringen pflegen, soll ein heiterer Zwischenfall pafsirt fein. Nachdem sie schon beim Umladen mit dem betreffenden Eifenbahnperfonal in Differenzen gerathen, weil etwas Wasser aus der Tonne entkommen war, machten sie später, als sie die Fische selbst herausnehmen wollten, die Entdeckung, daß gar keine solchen darin waren: Es hatte sich Einer auf den Anderen verlassen, Keiner von ihnen aber hatte die Fische in die Tonne verbracht! Tableau! Vermischtes * Marburg, 7. Juli. Die Influenza beginnt unter den Pferden des hiesigen Kreises in besorgnißerregender Weise aufzutreten und hat auch in hiesiger Stadt bereits einige Opfer gefordert. Da die Krankheit einen schleichenden Anfang nimmt, so empfiehlt es sich, bei den geringsten Anzeichen derselben für geeignete Gegenmittel Sorge zu tragen. * Leun, 6. Juli. Gestern Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr ertrank beim Baden in der Lahn ein junger Mann von 24 Jahren, Derselbe war der einzige Sohn der Konrad Piscator'schen Eheleute. * tt Von der Werra, 7. Juli. Ab gestürzt. Am Ausgange des Höllenthales liegt der Bilstein, ein romantisch gelegener Bergkegel. Mehrere Studenten aus Göttingen und anderen Orten bestiegen gestern den nicht einmal sehr hohen Berg, um Pflanzen und Kräuter zu suchen. Der ganz ungefährliche Aufstieg ging gut von Statten- doch oben angelangt, scheint man die nöthige Vorsicht außer Acht gelassen zu haben, denn ein Göttinger Student stürzte an einer hohen senkrechten Klippe plötzlich hinab und wurde von Vorübergehenden mit schweren äußeren Verletzungen aufgefunden. So rasch als möglich wurden zwei Aerzte aus dem einige Stunden entfernten Abteroda herbeigeholt, welche den Schwer» verletzten verbanden und für die Uebersührung ins Krankenhaus sorgten. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. * Konstanz, 6. Juli. Die Mönchen st einer Katastrophe hat noch nachträglich ein Opfer gefordert. Der Sohn des Kreuzwirth Müller vom benachbarten schweizerischen Grenzorte Gottlieben war als Soldat zu den Aufräumungsarbeiten an die Unglücksstätte commandirt. Er fiel vom Damm auf die Brückentrümmer und erlitt so starke Verletzungen, daß er gestern im Spital zu Münstertingen, wohin er verbracht wurde, gestorben ist. * Berlin, 5. Juli. In der Nacht vom Freitag zum Samstag brach auf dem Heuboden des Stalles der fünften Escadron des Dragoner-Regiments in Schwedt Feuer aus. In einem Augenblicke stand der ganze Dachstuhl in Flammen. Zunächst galt es, die im Stalle untergebrachten Pferde, ca. 120 Stück, zu retten. Mit Ruhe und Besonnenheit wurden die nächsten Pferde hinausgesührt und dann die übrigen losgekoppelt, da man das Durchbrechen des brennenden Daches befürchten mußt^ Truppweise sprengten die Pferde in wilder Aufregung in br? dunkle Nacht hinein. Selbst in zwei Mecken von der Stadt entfernten Dörfern wurden einzelne Thiere bemerkt. Die älteren Jahrgänge kehrten meist von selbst zurück, die jüngere Remonte dagegen mußte erst von den ausgeschickten Patrouillen aufgesucht und zurückgebracht werden. Den umsichtigen Anordnungen ist es zu verdanken, daß durch das Feuer ein Verlust an Menschenleben und Pferden nicht stattgefunden hat. Literatur mtfc Attnst. 8. Heidelberg, 6. Juli. In dem schönen Alt-Heidelberg sieht man in dieser Woche einem Feste entgegen, welches den Vorbereitungen nach dem Jubiläumsfeste im Jahre 1886 ähnlich werden durfte. Das großartige Denkmal ihres Schützlings — Joseph Victor von Scheffel — dem die Mufenftadt nicht zum kleinsten Theile den Nimbus verdankt, der um sie schwebt, wird enthüllt. Für ewige Zeiten hat Heidelberg das Bild Scheffels in ihrer Mitte — am schönsten Platze in der von der Natur überreich bedachten Gegend steht es da in Erz und Stein. Der Schöpfer ist der Bildhauer Professor Heer in Karlsruhe. Er hat den Dichter in der zutreffenden Art, als Wanderer, dargestellt. In bequemem Reisehabit, den Plaid in dem rechtm Arm, die Hand mit dem Hut in die Rockiasche stutzend, in der linken ein kleines Notizbuch haltend, über die Juppe die Reisetasche geworfen, mit hohen Stiefeln bekleidet, fo steht die durch die herrlichen Dichtungen bekannte Persönlichkeit „lebend fast" vor dem Beschauer. Die Haltung der Gestalt ist stattlich und bequem, wie Maler Gleichauf, ein persönlicher Freund Scheffels, in der Festschrift (Verlag von August Siebert, Heidelberg 1891. Preis 50 Pfg.) sagt. Die lebensgroße Figur steht auf einem kostbaren schwedischen Granitblocke, auf dessen Seiten sich Darstellungen nach Liedern finden, in denen Scheffel seine Vorliebe für Heidelberg und studentisches Leben ausgesprochen hat. Die Enthüllung findet Samstag den 11. Juli, Morgens %10 Uhr statt. Für den Abend ist das herrlichste, was in den romantischen Ruinen des altehrwürdigen Schlosses zu Ehren der Festtheilnehmer geboten werden kann, in Aussicht genommen, nämlich ein Banket im sogen. Bandhause und bet eingetretener Dunkelheit eine Schloßbeleuchtung. Der Anblick der letzteren ist ein feenhafter und Jedem unvergeßlich, dem er beschieden war. Dieses coloffale Denkmal der Kunst- und Prachtliebe unserer Vorfahren wird auf künstlerische Weise wieder belebt. In einem kurzen Augenblicke, nachdem der Donner eines Geschützes in den Bergen veihallt ist, steigt das alte ehrwürdige Pfälzerschloß in unvergleichlicher Flammenpracht aus dem dunklen Schooße der Nacht. In voller Feuergluth prangt der „Friedrichsbau", stolz recken sich die Giebel empor, scharf präsentirt sich die reiche Archttectur. Feuerzungen schrägen aus den Fensterkreuzen des „englischen Baues", in den gewaltigen Trümmern des großen Eckthurms scheint durch Jahrhunderte das Element gefesselt gewesen zu sein und mit colossaler Macht sich die Freiheit zu gewinnen. Eine große Anzahl Nachen, mit Lampions usw. geschmückt, fahren auf dem Neckar und bilden ein ebenso interessantes Bild von dem studentischen Treiben. Auf der einen Seite also diese herrlichen Schauspiele, auf der anderen Seite die seltene Gelegenheit, in gemächlichem Kreise ein „Schöppchen" aus dem „Großen Faß", welches ja einen Weltruf hat, trinken zu dürfen. Ein Besuch der Localität des Herrn Buchhändlers August Siebert, Hauptstraße 32, dickste sich ebenfalls sehr empfehlen, inb