1891 Rt. 130 Dienstag den 9. Juni Äebectton, LrpedM« und Druckerei: MutfUeVilMi Aerujprecher 51. Bk Gtetzener mH dem Änzeiß« «SHentttch dreimal det-eleßt. Der HdHExr |Myi|n «schüm täglich, ■* Ausnahme d«S Moma-r. VtereckpchriI« |l mranünctoJ 2 Mark 20 $fa. M» Bringerlohn. Durch die Post bkßiWL 2 Mark 60 Pf^ Gießener Anzeiger Keneral-Unzeiger. Amts» und Anzeisedlatt Mr den Uwb Biegen. M ■■ ■ । , i । _j _ i , ^iriirirjr ni:"^ij-7l7-iiii-i---rr—r-ni-—r—— ........................ .......... fe&gmHn Dag erscheinenden wummer dir Bvrm. iu uyr. J *' *g . xriinpnit—rw. miwij-«»——»—mmfnH Gießen, den 5. Juni 1891. Bekanntmachung, die Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes betreffend. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an dl« Sroßh«rzoglich«n »ürgermeistereien. di« Borständ« d«r OrtS- krank«nkass«, JnnungSkrankcnkaff« zu Gi«ß«n, d«, B«tr,ebs-(Fab,.r« ) «rauk.nkaff«». d«r KaappfchaftSkass«». d«r ««m-iudtkrank««»««. ach«rung»kaff«u und drr örtliche» Jnvaliditäts- «nd AlterSv«rfich«ru»gS- stellen deS KreifeS. Nachstehend bringen wir die Eintheilung des Kreises Gießen in Vertraurnsmänner- bezirke für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung, sowie die Namen der Vertrauensmänner und deren Ersatzmänner zu Ihrer Kenntmß. I. V.: Jost. O'dw- Bezirke N amen Stand Wohnort Kr«i» Gi«H«n. 1 Gießen 1. Vertrauensmänner r Gießen w M n 1. Armeupfteger- Bezirk 2. Armenpfleger- Paul Röhrle Brauereibefitzer (Vertreter der Arbeitgeber) Johs. Pahlke Werksührer bei S- Bock (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner r Friedrich Helfrich Ortsgerichtsmann (Vertreter der Arbeitgeber) Moritz Enders Küfer (Vertreter der Versicherten) I. Vertrauensmänner: Bezirk S. Armenpfleger- Hermann Döring Sparkassenrechner (Vertreter der Arbeitgeber) Hermann Elle Factor in der Brühl'schen Druckerei (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner r Louis Fuhr Spielwaarenhändler (Vertreter der Arbeitgeber) Georg Friedrich Küfer bei Röhrle (Vertreter der Versicherten) I. Vertrauensmänner r e tf o Bezirk mit Schtffenberg 4. Armenpfteger- Fromme , Professor (Vertreter der Arbeitgeber) Ludwig Friedrich Monteur in der Gasfabrik (Vertreter der Versicherten) 11. Ersatzmänner r Karl Brück Goidarbeiter (Vertreter der Arbeitgeber) Karl Nagel Buchhalter beiHeyligenstädt (Vertreter der Versicherten) I. Vertrauensmänner r w H ff Bezirk 6. Armenpfleger- Wilhelm Rudolph Jnftrumentenhändler (Vertreter der Arbeitgeber) Ludwig Jung Schlosser in der Margarethenhütte (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner: Louis Lotz Gerber (Vertreter der Arbeitgeber) Ludwig Löb Schreiner (Vertreter der Versicherten) I. Vertrauensmänner: W tf tf ff Bezirk 6« Armenpfleger- Emil Pistor Kaufmann (Vertreter der Arbeitgeber) Louis Haubach Werkführer bei Gebr. Kaufmann (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner: Wilhelm Gail Fabrikant (Vertreter der Arbeitgebers Adolf Gäbisch Schreiner (Vertreter der Versicherten) 1. Vertrauensmänner: tf w tf Bezirk Karl Loos Kaufmann (Vertreter der Arbeitgeber) Rinn Werkführer bei Georgi (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner: Wilhelm Mosler , , Agent (Vertreter der Arbeitgeber) Heinrich Sauer m ^Schreiner (Vertreter der. Versicherten) ff tf w ff 2 Hungen I. Vertrauensmänner: Hungen Bellersheim Graß Christian Jockel Dachdecker (Vertreter der Versicherten) Inheiden Langd Obbornhofen Rabertshausen Leonhard Falk Maurer (Vertreter der Arbeitgeber) ft Ordn.- Nr. Bezirke Namen Stand Wohnort Ringelhaufen II. Ersatzmänner: Rodheim a/Horloff Heinrich Ebersohn Schlosser Hungen Steinheim (Vertreter der Arbeitgeber) Trais-Horloff Heinrich Sames Maurer » Utphe Vtllingen Grünberg (Vertreter der Versicherten) 3 I. Vertrauensmänner: Grünberg Beltershain Heinrich Schmidt Zeugweber Göbelnrod (Vertreter der Arbeitgeber) Harbach Heinrich Möser Werkführer Lauter Lumda (Vertreter der Versicherten) Queckborn 11. Ersatzmänner: Reinhardshain Georg Keil Müller tf Saasen m. Bollnbach (Vertreter der Arbeitgeber) Veitsberg und Heinrich Linker Buchhalter if Wrrrberg Stangenrod (Vertreter der Versicherten) Stockhausen Weikartshain \ Weitershain I. Vertrauensmänner: 4 Sich Albach Heinrich Winn II. Bauunternehmer Lich Albach (Hof) (Vertreter der Arbeitgeber) Arnsburg Edmund Rotte Bürgermeistereigehülfe tf Bettenhausen Birklar (Vertreter der Versicherten) Dorf-Gill II. Ersatzmänner: Eberstadt Friedrich Eise Zimmermeister w Ettingshausen (Vertreter der Arbeitgeber) Garbenteich Junker Hofgärtner M Grüningen Haufen (Vertreter der Versicherten) Hof-Güll Kolnhausen Langsdorf Mühlsachsen (Hof) Münster Muschenbeim Nieder-Bessingen Nonnenroth Ober-Bessingen Ober-Hörgern Röthges Steinbach 5 Ullendorf a/Lda« I. Vertrauensmänner r Allendorf a/Lda. Treis a/Lda. Reinhold Welker Apotheker Allertshausen (Vertreter der Arbeitgeber) Appenborn Heinrich Wallenfels UL Briefträger w Bersrod (Vertreter der Versicherten) Climbach Geilshausen Kesselbach Londorf II. Ersatzmänner: Johannes Kloos Landwirth If (Vertreter der Arbeitgeber) Odenhausen Konrad Damm I. Schäfer Rüddingshausen (Vertreter der Versicherten) w Lollar Staufenberg Ruttershausen mit I. Vertrauensmänner: 6 Heinrich Schadeck III. Landwirth Lollar (Vertreter der Arbeitgeber) Kirchberg Johannes Schupp Schlosser Daubringen (Vertreter der Versicherten) Mainzlar II. Ersatzmänner: Friedelhausen Heibertshausen Heinrich Robröach IV. Schreinermeister (Vertreter der Arbeitgeber) tf Balthasar Schön Hüttenarbeiter (Vertreter der Versicherten) 7 Großen Linden I. Vertrauensmänner: Lang-Göns Johannes Menges U. Landwirth Großen-Linden Leihgestern (Vertreter der Arbeitgeber) Watzenborn Ludwig Dietz Zimmermann Steinberg Allendorf a/Lahn (Vertreter der Versicherten) Klein-Linden II. Ersatzmänner: Holzheim Philipp Schattier IV. Schreinermeister ♦ (Vertreter der Arbeitgeber) Konrad Mehl Maurer (Vertreter der Versicherten) 8 Grotzett'BuseS I. Vertrauensmänner: Alten-Buseck Johannes Demper Zimmermeister Großen-Buseck Annerod (Vertreter der Arbeitgeber) Rödgen Georg Konrad Schmidt Werkftihrer Trohe Wieseck Oppenrod (Vertteter der Versicherten) II. Ersatzmänner: Reiskirchm Heinrich Mootz I. Maurermeister Lindenftruth (Vertreter der Arbeitgeber) Burkhardsfelden Stephan Büchsler Gärtner Hattenrod Beuern (Vertreter der Versicherten) Winnerod 9 Heuchelheim I. Vertrauensmänner: mit den benachbarten Karl Löber Zimmermeister Heuchelheim preußischen Orten (Vertreter der Arbettgeber) Philipp Reuschling III. Taglöhner u (Vertreter der Versicherten) II. Ersatzmänner: Jacob Gorr VII. Maurermeister (Vertreter der Arbeitgeber) Heinrich Henkelmann Maurergeselle tf (Vertreter der Versicherten) Bekanntmachung, betreffend die Feldbereinigung in Saasen. Die Pläne und Verhandlungen über die neue Zu- theilung der Wiesen in Flur VIII und X der Gemarkung Saasen (die Wiesen vor und hinter den Weiden, im Luderholz, die kleinen FeÜiwiesen und die Teichwiesen) liegen vom 5. bis 19. Juni L I. aus der Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht der Betheiligten offen. Verhandlunas- tagfahrt findet daselbst Saw-tag den 20» Juni L I, von Vormittags 8—12 Uhr statt. Spätestens in dieser Tagfahrt sind alle auf die neue Zuthellung bezüglichen Anträge bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung voczubringen. Weiter wird den Betheiligten nochmals Gelegenheit gegeben, in dieser Tagfahrt auch etwaige Wünsche bezüglich der Zutheilung des Restes der Gemarkung, welche Zuthellung im Herbste dieses Jahres erfolgen soll, vorzubringen. Die Ueberweisung der genannten Wiesen zur einstweiligen Benutzung, jedoch vorbehältlich etwaiger später noch nothwendig werdenden Aenderungen, soll Sam-tag den 27. Juni L J„ Nachmittags 1 Uhr an Ott und Stelle erfolgen. Darmstadt, den 25. Mai 1891. Der Vollzugscommissär: Nover Regierungsrath. Bekanntmachung, betr. Aufhebung der Heegzeit des Dachses. Nachdem begründete Klagen über die durch den Dachs in der Gemarkung Hungen an Feldern angerichteten Beschädigungen bei uns vorgebracht worden sind, heben wir mit Ermächtigung Großh. Ministeriums des Innern unv der Justiz die Heegzeit dieses Wlldes für die angeführte Gemattung für die Monate Juni bis September d. I. hierdurch auf. Gießen, den 5. Juni 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Gagern._________________________ Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffenllichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundett, pro Monat Mai 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen; Hafer Jfc. 19.30, Heu 5.80, Stroh 5.50. Gießen, den 6. Juni 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. -- ' ! Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 5. Juni. Die Synode setzte heute Morgen ihre Berathungen fort. Zunächst gelangte ein Antrag der Synodalen Wahl (Schlitz), Dr. Dieffenbach, Hempel und Kalbhenn, die Sterbequartaleider Geistlichen betreffend,'zur Debatte. Die Antragsteller wünschen, daß Seitens des Ober- consistoriums in geeigneter Weise, sei es durch Gesetz oder eine Verordnung, entsprechende Fürsorge für die nicht pensionsfähigen Nachkommen, zumal für diejenigen großjährigen Kinder der Geistlichen, welche mit diesen in häuslicher Arbeit gelebt haben, getroffen werde. Auch der Ausschuß erkennt die Richtigkeit des Antrags an und empfiehlt, das Kirchenregiment auf Vorlage eines Gesetzentwurfs zu ersuchen. Die Synode beschließt einstimmig demgemäß. — Hiernach folgt die Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Versetzung der evangelischen Geistlichen in den Ruhestand. Seitens des Ausschusses sind einige wenig einschneidende Abänderungen beantragt, welche nach längerer Debatte angenommen werden. Am nächsten Montag gelangt der Gesetzentwurf zur zweiten Lesung. Seitens der Synodalen Dr. Weiffenbach, Dr. Ree und Schaefer ist die Gründung eines eigenen Pensionssonds für die evangelischen Geistlichen der hessischen Landeskirche beantragt. Das Oberconsistorium erachtet die Bildung eines solchen Fonds für sehr wünschenswerth, glaubt aber, daß dies ohüe Erhöhung der Kirchensteuer nicht möglich sein werde. Dieses müsse aber ohne dringende Nothwendig- keit vermieden werden. In nicht allzu ferner Zeit würden sich jedoch die Verhältnisse so gestalten, daß die laufenden Mittel des Centralkirchenfonds es ermöglichen, alle Pensionen, welche auf Grund eines noch zu erlassenden Pensionsgesetzes zu bewilligen sein würden, zu bestreiten. Die Ausarbeitung eines solchen Pensionsgesetzes sei bereits in Angriff genommen. Nach dieser Erklärung wird der Antrag für erledigt erklärt. Eine Vorlage des Obercon- sistoriums betr. Gehalte der Geistlichen wirb dahin genehmigt, daß, nachdem der Aversionälzuschuß des Staates an den Centralkirchenfond um 400Ö0 Mk. erhöht wurde, eine Gehaltsaufbesserung in dem Sinne einirstt, daß denjenigen Geistlichen, welche den Minimalgehalt von 1800 Mk. noch nicht bezogen, es sind dies 26, eine Gehaltserhöhung von je 50 VN. zugebilligt wird. — Bezüglich des Gehalts der Staatsbeamten, welche nicht unter das Classificationsgesetz für die Geistlichen fallen, wird eine Zulage von 10pCt. bis zu 2000 MH und 5 pCt. über 2000 Mk. bis 5000 Mk. vom 1. April an bewilligt. — Ein Antrag des Synodalen Wiener (Worms), das Todtenfest betreffend, ruft eine lebhafte Debatte hervor. Der Antragsteller wünscht, daß das evang. Todtenfest etwa durch Einläutew am Bvrübend und Morgen desselben feierlich eingefüytt werde, ''da dies seither glicht der Fall gewesen sei. Die Synode beschließt mit 18 gegen 27 Stimmen das Oberconsistorium zp ersuchen, um diesem Feste den nöthigen staatlichen Schutz zu sichern, das Geeignete aus die Erhöhung dett gottesdienstlichen Feier zu verfügen. Morgen Sitzung. Berlin, 6. Juni. Das Abgeordnetenhaus erledigte in dritter Lesung respective in erster und zweiter Lesung eine Reihe aus der Tagesordnung stehender kleinerer Vorlagen ohne wesentliche Debatte. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr: Kleinere Vorlagen. Berlin, 6. Juni. Das Staatsministerium hielt un.ter dem Vorsitz des Reichskanzlers, General von Caprivi, heute Vormittag in den Räumen des Abgeordnetenhauses eine Sitzung ab. Bremen, 6. Juni. In der heutigen (Genera Itier- sammlungder deutschen Land wirthschaftsges ell- schast wurde der Rechnungsabschluß genehmigt, Königsberg i. Pr. zum nächstjährigen Versammlungsort gewählt und Gras Eulenburg (Ostpreußen) zum Präsidenten für das nächste Jahr ernannt. In der Sitzung führte der Erbgroßherzog von Oldenburg den Vorsitz. Essen a. d. Ruhr, 6. Juni. Wie die „Rheinisch-Westfälische Ztg." meldet, haben die Eisenbahndirectionen von Altona, Hannover und Erfurt sämmtlich die von Westfälischen Zechen früher eingegangenen Offerten zur Lieferung von Locomotivkohlen angenommen zum Preise von 105 Mk. für bessere Qualität und 102 Mk. für geringere Qualität pro Doppelchaggon ä 10 Tons. Ausland. Paris, 6. Juni. In der Ddputirtenkammer brachte der Minister des Innern Constans den Gesetzentwurf ein, betreffend dieErrichtung einer Rentenkasse für die Arbeiter. Die Kammer beschloß mit 347 gegen 87 Stimmen die Dringlichkeit für die Berathung der Vorlage. Im Laufe der Debatte rief Deroulede eilten lebhaften Zwischenfall dadurch hervor, daß er den Minister Constans, unter beleidigenden Angriffen auf die Majorität, aufforderte, schon jetzt eine Verpflichtung dafür zu übernehmen, daß die Vorlage vom Senate angenommen werde. Eonstautinopel, 6. Juni. Der Sultan empfing gestern nach dem Selamlik den Staatssecretär Dr. von Stephan und überreichte demselben den Großeordon des Osmanie- ordens. Nach dem Empfang gewährte der Sultan dem Botschafter von Radowitz eine Privataudienz, in welcher er seinem Schmerz über den Vorfall bei Zsscherkeßkoi und der Hoffnung auf baldige Befreiung der Gefangenen Ausdruck gab, sowie Maßregeln in Aussicht stellte, chelche die Wiederholung derartiger Ereignisse unmöglich machen sollen. Der Botschafter dankte dem Sultan für seine Theilnahme und Bereitwilligkeit, das Leben und die Befreiung der Gefangenen zu sichern, deren Geschick nicht nur von Deutschland, sondern ^vou ganz Europa mit banger Theilnahme verfolgt werde. Eonstautinopel, 6. Juni. Rach einer der deutschen Botschaft zugegangenen Depesche wird sich der Maschinist Freu- dinger am Sonntag mit vier Begleitern an den von den Briganten bestimmten Ort begeben. Die Letzteren haben versprochen, die Gefangenen, welche übrigens gut behandelt werden, gegen Zahlung des Lijsegeldes sofort auszuliesern. Der Bochumer Steuerprozeß. Vor der Strafkammer in Essen begann am Montag eine Verhandlung, die man am besten als den Bochumer Steuerprozeß bezeichnen kann. Sie wurde hervorgerufen durch Artikel der „Westfälischen Volkszeitung" in Bochum, die in ganz Deutschland Aufsehen erregten, weil darin behauptet wurde, die reichsten Einwohner Bochums seien weit unter ihrem wirklichen Einkommen zur Steuer veranlagt. Weil die angesehensten Männer, namentlich aber der Geheime Commerzienrath Baare, Mitglied des Volkswirthschafts- und Staatsrathes, der Ehrenbürger Bochums, der Landtags-Abgeordnete Bergrath Schultz u. s. w. genannt waren, machten die „Enthüllungen" großen Eindruck. Weil nur den Zeugen aufgegeben war, über ihre Einkommens-Verhältnisse derart zu informiren, daß sie die Angaben beschwören könnten, war man gespannt, was Wahres an den Angaben der „Volkszeitung" war, deren ChefredacteUr, Herr Fusangel, und deren verantwortlicher Redacteur, Herr Arnold Lunemann, jetzt auf der Anklagebank wegen Beleidigung und Aufreizung zum Klaffenhaß sitzen. Es sind im Ganzen 31 Leitartikel und sonstige Notizen, sowie ein Flugblatt incriminirt. Strafantrag ist gestellt Seitens der Steuer-Einschätzungs-Commissionen, des Magistrats und verschiedener Privatpersonen, im Ganzen liegen 13 Strafanträge vor. Die Aufregung in Bochum wegen der Artikel war eine sehr große, es geht dies schon daraus hervor, daß Herrn Bürgermeister Lange, der ebenfalls beschuldigt ist, die zu niedrige Einschätzung mit bewirkt zu haben, ein Brief zuging, in dem er mit dem Tode bedroht wurde. Der Angeschuldigte Fusangel ist öfter wegen Preßvergehens und Beleidigung vorbestraft, Lunemann einmal mit 300 Mk. Geldstrafe. Inzwischen haben sich bereits mehrere sehr namhafte Angaben der Angeklagten als wahr erwiesen, was die Zeugen selbst, zugeben mußten. Besonders haben die bisherigen Verhandlungen ergeben, daß die Einschätzungs-Commission zur Einkommensteuer in Bochum recht mangelhaft über die Einkommensverhältnisse vieler Bürger unterrichtet war. Der Commission soll damit kein Vorwurf gemacht werden, dem System des bisherigen Einschätzungsverfahrens ist wohl' die alleinige Schuld an den Unterschätzungen bcizumessen. Änsnahmeverhältnisse haben wohl in Bochum nicht stattgehabt, es wird in allen Städten reiche Leute geben, 1 bie unterschätzt werden, in dem gegenwärtigen Processe werden aber Dutzende von solchen Unterschätzungen vorgesührt. Der Bergassessor Oskar Hoffmann war im Jahre 1889 (dasselbe kommt allein in Frage beider Beweisaufnahme) mit einem Einkommen bis 9600 Mk. eingeschätzt, während Herr Fusang'cl behauptete, derselbe habe 54 000 bis 60000 Mk. Einkommen. Dies ist allerdings arg übertrieben, aber 20 000 Mk. scheint Herr Hoffmann wohl annähernd zu haben, wie aus seinen Ausfiihrungen zu entnehmen ist. Herr Dr. Nieden war mit 12 000 Mk. em- geschätzt, nach Herrn Fusangel sollte derselbe die doppelte Einnahme haben, was Herr Dr. Rieden zugab. Derselbe reclamirte stets, wenn er höher veranlagt war. Der Stadtverordnete Herr Schücking ist zur 9. Stufe eingeschätzt gewesen, Herr Fusangel hatte behauptet, der Zeuge habe über 50 000 Mk. Einkommen. Dies war zwar übertrieben, aber Herr Schücking gibt zu, daß er 35 000 Mk. Einkommen habe. Das Mitglied des Stadtverordneten-Colleginms und der Einschätzungscommission, Herr Kaufmann H. Tegeler, zahlte von einem Einkommen über 4000 Mk., das Einkommen betrug 15 000 Mk. Der stellvertretende Vorsitzende des Stadtverordneten-Collegiums, Herr Generaldirector Frieling- hans, sollte nach Herrn Fusangels Einschätzung 100- bis 120 000 Mk. Einkommen haben, er steuerte zur 8. Stufe, sein Einkommen belief sich aber 1889 aus nur 11000 Mk. Allerdings hatte er 1889 eine zufällige Einnahme von 50000 Mk. aus der Lösung seines Dienstvertrages und aus Gutachten gehabt. Herr Oberbürgermeister Bollmann, der Vorsitzende der Commission zur Einschätzung der Einkommensteuer, bekundet, daß die Einschätzungs-Commission stets nach bestem Wissen und Gewissen veranlagt habe. Es sei zu schwer, die Vermögensverhältnisse des Einzelnen zu schätzen. Der Justizrath Sutro zahlte in der 6. Stufe von einem Einkommen von 7200 Mk./ er hat 14000 Mk. Einnahme gehabt, Herr Fusangel hat ihn auf 24000 Mk. geschätzt. Der Stadtverordnete Schwenger steuerte von 4200 Mk. Einkommen, seine Einnahme belief sich auf 10—11000 Mk. Richtig veranlagt war der Justizrath Duesberg mit 8400 Mk., er besitzt bedeutenden Grundbesitz, der aber wenig einbringt. Der Stadtverordneten-Vorsteher Bergaffessor Pieper steuerte von 10800 Mk. Einkommen in der 9. Stufe, nach Herrn Fusangel betrug seine Einnahme 1889 36000 Mk.- das ist richtig, aber es befand sich darunter eine einmalige Gratifikation von 10 000 Mk. Richtig eingeschätzt war auch der Stadtverordnete Mummenhoff, obgleich Herr Fusangel denselben zu denjenigen gezählt hatte, die weit unterschätzt seien. Der Bankier Korte, Stadtrath, steuerte in der 10. Stufe, er hat aber 1889 36000 Mk. Einnahme gehabt, desgleichen schon 1887. Am wenigsten Steuern zahlte der Fabttkant Stegemann, er war mit 6000 Mk. veranlagt; Herr Stegemann bekundet, daß er 1889 40 000 Mk. Einkommen gehabt. Aehnliche Fälle wie die obigen lagen noch vielfach vor. Eine recht sensationelle Wendung hat der Proceß bei der Verhandlung am Freitag genommen. Der Vertheidiger Fusangels erhob gegen den Commerzienrath Baare den schwerwiegenden Vorwurf, es seien bei dem Bochumer Eisenverein bei Schienen- und Locomotivachsenlieferungen höchst bedenkliche Stempelfätfchungen vorgenommen worden. Diese Fälschungen habe man mit Wissen Baares — Letzterer ist Vorsitzender genannten Vereins ■— durch zehn Jahre hindurch systematisch vorgenommen. Der Gerichtshof beschloß, die an- gekündigte Beweisführung für diese Behauptung aus dem eigentlichen Steuerproceß auszuscheiden, es wird sich also wahrscheinlich ein ganz neuer Sensatiqzisproceß wegen der erwähnten Fälschungsaffaire entwickeln. Uewefte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Lorrespondcnz-Bureau. Rom, 7. Juni. Anläßlich des Nationalfesttages ist die Stadt festlich beflaggt. Der König hielt, von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, eine Revue über die hiesige Garnison ab. — In der vergangenen Nacht ereignete sich in Oberitalien ein heftiges Erdbeben, das in der ganzen Provinz Venedig und in Mailand um 2 Uhr 8 Min. früh verspürt wurde,- etwa um die gleiche Zeit sand auch in Verona eine starke Erderschütterung statt, der ein durnpses Rollen vorausgegangen war. Die Einwohner flohen erschreckt aus den Wohnungen, die Vice-Directorin eines Pensionats ist in Folge des Schreckens gestorben. In verschiedenen Häusern stürzten die Rauchfänge ein; in Marcerigo wurden 3 Häuser zerstört, wobei 3 Personen gelobtet wurden; in Tregnago wurden viele Häuser beschädigt, ebenso in Badia-Calavena; am letzteren Orte wurden 17 Personen noch lebend unter den Trümmern hervorgezogen. Um 6 Uhr früh folgte ein zweiter Erdstoß. In Pavia wurde um 2 Uhr 5 Min. ein wellenförmiges Erdbeben wahrgenommen, das etwa 15 Secunden dauerte. Mantua, 7. Juni. Um 2 Uhr 10 Min. Nachts wurde )ier ein heftiges zwei Minuten andauerndes wellenförmiges Erdbeben verspürt. Loudon, 7. Juni. In dem heute Nacht 1 Uhr von den Angestellten der Londoner allgemeinen Omnibus-Compagnie abgehaltenen Meeting gelangte die Resolution zur Annahme, den allgemeinen Ausstand heute eintreten zu lassen. Locales nnd KrovinzieLles. !! Gieben, 8. Juni. — Eduard Strauß hat sich entschlossen, trotz großer ausländischen Ancrbietuügen in diesem Frühjahre und Sommer mit seiner Capelle aus Wien wieder eine große deutsche Tourne zu unternehmen. Zur Zeit schweben noch die Verhandlungen, ob der berühmte Walzerkönig auch hier con- certiren wird, was im Interesse des musikliebcuden Publikums wohl zu wünschen wäre. — Ferieu-Sonderzuge. Wie uns mitgetheilt wird, sollen auch in diesem Jahre Ferim^onderzüge mit 50 pCt. Fahr- preisermäßigung won 'Hamburg nach Frankfurt a. M. und Basfl abgelasseu..Arrden und zwar am 4. pnd Juli, so^ wie am 8. August d. J.^ Mpchfahrkarten erster, zweiter und dritter Wagenklasse mit 4otägiger Giltigkeitsdauer und 15 Kg. Fryigcpäck werden: .auf; den Stationen Harburg, Lüneburg, Uehen, Celle, Hannover, Northeim^ GöUlugei^ Münden, Cassel, Marburg, Gießen, Geestemünde, Bremen, Minden, Hamshp ^und K'!ldc«heüm Verausgabung. gelangen. Alles Nähere wirO rechtzeitig veröffentllchl werden. •0. Unter denjenigen Pension irten hessischen St a ats d ien e r n z die vor dem 1. April ds. Js, in den Rubeftand getreten sind, cireulirr gegenwärtig eine Eingabe an die Grotzh. Staatsregiernng, in der die älteren Pensionäre um Gleichstellung mit den nadi dem 1. April ds. Js. mit Berechnung der TheuL,ruugszulage in Ruhestand versetzten Beamten nachsuchcn. Das Herumtragen der Petition bei den in Frage kommenden hiesigen Herren har Herr Zug' führer i. P. Drücket übernommen. Für diejenigen Herren, denen das Schriftstück bis Ende d. Mts. zur Unterzeichnung etwa aus Versehen nicht zukommen sollte, liegt es in der ersten Woche des Juli in der Wohnung des Herrn Gymnasiallehrers i. P. Dr. Röse, Löberstraße 5, aus. — Diebstahl. Ein seit kurzer Zeit hier wohnhafter, schon wegen Diebstahls bestrafter junger Mensch wurde in der Nackt vom Samstag auf Sonntag von einer Schutzmanns- Patrouille betroffen, als er mit einem gefüllten Sack auf den Schultern über den Bahndamm in der Neustadt von der Stadt her kam. Von der Patrouille angerufen und angehalten, warf er den Sack mir Inhalt von sich und ergriff die Flucht, konnte auch nicht eingeholt werden. Der Dieb, welcher einige Zeit bei einem Backer am Asterweg beschäftigt war, hatte dort einen nächtlichen Besuch abgestattet und sich das nöthige Kuchenmehl, sowie das Brod zu seiner dem- nachstigen Hochzeit geholt. Derselbe war gerade im Begriff, seinen Raub bei seiner an der Rodheimerstraße wohnenden Braut zu bergen, als ihm die Schutzleute hindernd in den Weg traten. — Ueberfahren. Nachdem am vergangenen Freitag ein Kind an der Krosdorserstraße von einem Radfahrer überfahren worden, überfuhr ein solcher am Samstag Mittag am Kirchenplatz eine Frau, um sich nach der That schleunigst aus dem Staube zu machen- er wurde jedoch von einem Schutzmanne verfolgt und zur Anzeige gebracht. — Verschüttet. Am Samstag wurde in einer Sandgrube am Sckiffenberger Weg ein Arbeiter von abstürzenden Erdmassen theilweise verschüttet; er trug einige Hautabschürfungen davon. — Schlagerei. Gestern Abend sollte auf der Bahnhofstraße ein Streit durch die obligaten Hiebe geschlichtet werden. Einer der Betbelligten oder Zuschauer hatte ein Kind auf dem Arme, stellte dasselbe schleunigst auf die Straße und griff nun tapfer in das mit weniger kunstgerechten Waffen — meistens Regenschirmen — geführte Gefecht ein. Nachdem die Waagschale des Sieges zum großen Gaudium der Zuschauer eine Zeitlang hin- und hergeschwankt, gingen die Kämpfer unter den üblichen Drohungen ausemander. § Crainfeld, 5. Juni. Heute sand die Schlußprüfung des hier stattgefundenen dreiwöchentlichen Wiesenbau- Cursus statt, welcher einige Bürgermeister der Umgegend, sowie Freunde der Landwirrhschaft beiwohnten, auch Herr Kreisrath Dr. Fischer von Lauterbach hatte sein Erscheinen zugesagt, konnte jedoch wegen sonstigen dringenden Verhinderungen nicht beiwohnen. Es wutden zuerst die ausgeführten Arbeiten der Schüler, sodann die gesammten Wiesen-Anlagen besichtigt, wobei dem Leiter Herrn Kreiswiesenbautechnikcr Kunz, sowie seinen Schülern eine allgemeine lobende Anerkennung zugesprochen wurde. Dann wurden die Zeugnisse an die Schüler verteilt und nachher erhielt jeder Schüler als Prämie folgende vier praktische Wiesenbaugeräthe: 1) Ein Wiesenbeil, 2) Grabenschippe, 3) eine Sohlenschippe, 4) eine Wasserwaage, zusammen im Werth von circa 15 Mark. Herr Kunz hielt sodann eine Ansprache, worin er de« Schülern dankte für ihr gutes Betragen während den Arbeiten, sowie für ihren eifrigen Willen, den sie dabei kundgethan hatten, er bedauerte ferner, daß unser Kreisrath Herr Dr. Fischer nicht erscheinen konnte und sprach noch der landwirthschaft- lichen Behörde für das Abhalten derartiger (Surfe seinen herzlichsten Dank aus. Leiter wie Schüler waren je gegenseitig miteinander zufrieden gewesen. Sämmtliche Schüler erhielten ihren Zeugnissen zufolge die Berechtigung, später Wiesenwürterdienfte zu übernehmen. Der nächste (zweite diesjährige) Eursus findet im Herbst statt, an welchem Ort in unserem Kreis ist noch unbestimmt. verini^dtr». * Hambach (bei Heppenheim), 5. Juni. Die hiesigen beiden Lehrer hatten gestern in Begleitung des Herrn Geistlichen mit der Schuljugend einen Spaziergang nach Lindenfels unternommen. Ans dem Heimwege müssen sich die Herren im Walde v erirrt' haben, denn sie haben die Kinder den geängstigten Eltern erst gegen 2 Uhr Nachts zurückgebracht. *△ Mainz, 7. Juni. Die gerichtliche Feststellung des Thatbejundes und die Erhebungen über die-Ursachen des Gustavsburger Schisfsb rund es haben gestern durch die Gerichtsbehörden von Mainz und Groß-Gerau stattgefunden. (Der Gustavsburger Hasen gehört zum Gerichtsbezirk Groß- Gerau und das Rheinschifffahrtsgericht, das hier mit zu reden hat, hat seinen Sitz in Mainz.) Heber die Veranlassung der dem Brande vorausgegangenen Explosion konnte gerichtlicherseits nichts festgestellt werden und- ließ sich nur eonstatiren, daß Niemanden irgend ein direetes Verschulden an dem Unglück beizumessen ist. Die Leiche des verunglückten Matrosen — der 27 Jahre alt ist , Völker heitzt und aus Schirstein gebürtig ist — wurde, wie schon mitgetheift, in der Hinteren Eajüte vorgefunden und zwar nur an einzelnen Stellen Brandwunden tragend. Es wurde eonstatirt, daß der Tod durch Ersticken eingetreten ist. Aus Anordnung des Gerichts wurde die Leiche in Ginsheim beerdigt. — Die mit der Tagesordnung: „Die Getreidezölle und die Reichsregierung" auf gestern Abend, von den hiesigen . Socialdemokraten an- beraumte Volksversammlung war sehr zahlreich aus allen Klassen der hiesigen Bevölkerung besucht. Einziger Redner i war der Rcickstagsabgeordnere Jöst, nach dessen Referat die bekannte Resolution angenommen wurde. * Frankfurt a. M., 6. Juni. Ein hiesiger christlicher Rentier hctt zur Unterstützung armer russischer jüdischer Auswanderer eine Summe von 5000 Mk. gespendet. * Frankfurt a. M., 7. Juni. Heute Morgen um halb 7 Uhr wurde auf der linken Mainseite, an einer Badeanstalt hängend, die Leiche einer wohlgekleideten Frau aus dem Main gelandet. Die Frau soll gestern in ihrer Familie Zerwürfnisse gehabt und sich unter dem Borgeben, einen Spaziergang machen zu wollen, entfernt haben. * Cassel, 4. Juni. Zwei Radfahrer aus Wien trafen gestern Abend um 7 Uhr hier ein, welche die Strecke auf dem Rad von Wien bis Cassel in 5 Tagen zurückgelegt hatten, gewiß eine bedeutende Leistung. Am ersten. Tage gelangten die Herren bis Budweyß (Böhmen), am zweiten bis Meißen (Sachsen), am dritten bis Leipzig, am vierten bis Erfurt und ata fünften Tage bis Cassel. * Die Afsaire Puttlitz. Der „Reichs-Anzeiger" schreibt über die in der Presse aufgetauchte Erzählung von der Unschuld des wegen Mordes Hingerichteten Jägers Puttlitz: Puttlitz ist für überführt erachtet worden, am 18. März 1855 zu Berlin die unverehelichte Schneiderin Dorothea Schorbeck ermordet zu haben. Am 21. Marz verhaftet, hatte er drei Tage darauf vor der Polizeibehörde ein Gestandniß abgelegt und dasselbe am 26. März dem Untersuchungsrichter gegenüber dahin wiederholt, daß er die Storbeck im Verfolg eines zu Thätlichkejten gelangten Wortstreites mit der Hand erwürgt und sie dann aufgehängt habe. Abgesehen von diesem Geständnisse war die Thäterschaft des Puttlitz auch durch andere Beweise dargethan. Da außerdem erwiesen wurde, daß Puttlitz die Getödtete beraubt, daß er ferner den Strick, an welchem er sie aufgeknüpft, mit zur Stelle gebracht und sich bereits mehrere Tage vor der That diesen Strick angeschafft hatte, so konnte auch darüber kein Zweifel obwalten, daß die That als ein mit Ueberlegung ausgeführter Mord anzusehen war. Davon, daß in den achtziger Jahren ein ehemaliger Schutzmann Dreyer eingestanden haben soll, den Mord verübt zu haben, ist nichts bekannt geworden. Es ist unwahr, daß die Grabstätte des Puttlitz auf dem Begräbniß- platz der Strafanstalt zu Moabit mit einem Kreuz versehen und daß dieses Kreuz bet der Einebnung des Kirchhofs erhalten worden ist. * Die mittlere Lebensdauer unserer tzausthiere beträgt nach der A -gäbe eines berühmten Zoologen: Bei den Pferden 8—"V> f den Eseln 33, den Hunden 14—25, den Schweinen 25, den Kühen 13, den Ochsen 20, den Mauleseln 18, den Stieren 15, den Schafen und Katzen 10, den Ziegen 8 Jahre. Von den Vögeln betrug dieselbe bei den Tauben 8, den Turteltauben 25, den Gänsen 28, den Papageien 30—100 Jahre. * Eine reiche englische Dame, die auf dem Lande wohnt, schrieb an eine Verwandte in London, die ebenfalls reich, Wittwe und dabei noch jung und liebenswürdig ist, sie mochte doch in der Stadt nach einem Hauslehrer für ihre beiden Sohne sich umsehen. Der Erzieher müsse in den meisten Fächern vollständig bewandert und dabei musikalisch sein. Er müsse gut zeichnen, reiten, fechten und schwimmen können, ernst, aber doch sreundlick sein, bescheiden aber nicht schüchtern, klug, aber nicht eingebildet, anspruchslos und doch würdevoll. Außerdem. müsse er aus guter Familie stammen, ein hübsches Gesicht, elegchtte Haltung und sonore Stimme haben, überhaupt verlangt sie, daß er äußerlich und innerlich vollendeter Gentleman wäre. Dafür stände dem Betreffenden eine sehr angenehme und dauernde Stellung in Aussicht. Nach einiger Zeit kam von London folgender Brief an: „Liebe Adelaide! Ich habe einest Hauslehrer, wie Du ihn verlangst, gesucht, bis jetzt aber noch nicht gefunden. Doch ich werde mich die Mühe nicht verdrießen lassen, noch ferner zu suchen. Sobald ich ihn gesunden (jabei, werde ich — Du kannst Dich darauf verlassen — ihn heirathen. Deine Eleonore." * Praktische Geschenke. Infolge trüber Erfahrungen hat sich der Präsident der französischen Republik, Herr Car not, zur strengen Regel gemacht, nur von Körperschaften Geschenke anzunehmen. ' Trotzdem ist die Zahl der Geschenke Legion. Auf der letzten Reise erhielt er u. A. einen eisenbeschlagenen Pyrenäenstock (Mabila), eine Stute (für grau Carnot), ein Paar eisenbeschlagene Holzschuhe, das Modell einer einst von ihm gebauten Brücke, eine Waage und eine Peitsche. Aus früheren Reisen bekam er u. A.: einen Teller Butter, den drei weißgekleidete Mädchen in der wegen ihrer Butter berühmten Stad: Jsigny überreichten und eine Weste ans — Hundehaar. Einen Werth von einigen Zehntausenden stellen die Spitzen und die Seidenstoffe bar, welche die ^Handelskammern zu Calais (Spitzen) und Lyon verehrten. Indessen ist Frau Carnot ' nicht fo sehr erbaut darüber. Sie muß nothwendig von jedem Seidenstoff ein Kleid sich machen lasten, was sie zu öjjterem Anlassen zwingt. Das auffallendste Geschenk aus den Colonieen besteht aus drei jungen Negermädchen, welche etn afrikanischer Häuptling schickte. Carnot ließ dieselben chicht nach Frankreich kommen. Uttivafttäts«Zlacb richten. — Leipzig zählt 3322Hörer, darunter 80 nicht tmmatriculirte, Halle 1584, darunter 101 nicht immatriculirte, Kiel 619, darunter 14 nicht immatriculirte, Würzburg 1708, Göttingen 850, darunter 19 nickt immatriculirte, Greifswald 849, darunter 15 nicht immatriculirte. Bemerkt wird, daß in Halle die Zahl der Hörer von 1764 in dem letzten Wintersemester aus 1584 zurückgegangen ist. Gründers, 6. Juni. Frachtpreise. Weizen JL 24—, Korn JL 2130, Gerste X 18.—, Hafer JL 17.—, Erbsen , Linsen »nd- r« to‘= 6er «' 1 «« bem C,t§ Et rqeL°bschg r-itz-Sndt Mo,O>te '»Hier',00 S»Q 8»«hu Nedaction: A. Scheyda. — Druck mtb Verlag per Brübl'jchel, Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Gestern Morgen verschied plötzlich ohne vorhergegangene Leiden sanft unser innigst geliebter Gatte, Vater, Schwiegervater und Grossvater Herr Lehrer Heinrich Schmidt im 67. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wittwe Ottilie Schmidt, geb. Pauly. Giessen, den 8. Juni 1891. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause, Wallthorstrasse 46, aus statt. 5317 miethen. Ehr. Schwalb Wohnung, 5 Zimmer mit allem Zubehör und Gartenantheil, ist auf den 4. August, eventuell auch früher, zu vermiethen. 4371] Die seit zehn Jahren von Frau Pfarrer Georgi innegehabte Mansarden- 5250] Freundliches Logis im 93orbcr» Hause zu vermiethen. Neustadt 17. 3467] In meinem Hause, Asterweg 40, Ecke der Nordanlage, ist der 2. Stock mit 7 Zimmern, Wasserleitung, Bleichplatz u. s. w-, bis zum 1. Juli zu ver- • Neuester vervollständigter • 8 Placat - Fahrplan • ® enthalt, die Fahrzeiten der auf den Stationen Giessen, D • Frankfurt a. 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Seine umfassenden Kenntnisse, seine stete Freundlichkeit gegen Schülerinnen wie Lehrende unserer Anstalt und seine unermüdliche Pflichttreue während einer fast 50jährigen Thätigkeit als Lehrer in Giessen machten sein Wirken zu einem besonders segensreichen. Von Herzen beklagen wir diesen schmerzlichen Verlust, der unsere Schule so jäh betroffen, und werden dem teuren Heimgegangenen stets ein treues Andenken bewahren. Giessen, den 8. Juni 1891. Director und Lehrercollegium 5343 der höheren und erweiterten Mädchenschule. Arstbodenanstrich in allen Nuancen, rasch und hart trocknend, empfiehlt August Noll II, 2353 Bahnhofstraße 51. WermietHmgerr. 5108] Grabenstr. 9 Logis v- 3 Z. mit Zub. zu verm. Näheres Bahnhofstr. 39. Dollschutzwände || für Zimmer, Balkons, Gärten, Restaurants rc. empfiehlt [4994 Rich. Dottermann, Mainz, Jalousteen- und Roll-Läden-Fabrik. 5254] Schönes Kornstroh, sow. das Heu» und GrummetgraS v. e. Garten h.d. Bleiche verk. K. HaUcomesIus, Neuenw. 1893] Ludwigstraße 12, mittlerer Stock, 5 Zimmer mit Zubehör, auf 1. Juni zu vermiethen._____________H. Bepler. P47] Logis, 4 Zimmer nebst Zubehör, sofort oder später zu vermiethen. E. Stückrath, Asterweg 47. ! 3196] Dammstraße, Ecke der Stord- ■ anlage, ist der mittlere Stock per sofort \ zu vermiethen. Frau E. Reuenhageu.; 4223] Grünbergerstraße 24 der dritte I Stock zu vermiethen. W. Hammel. I. Happel, Neustadt 56. 4295 la. Karlstadter Portland-Cement, anerkannt vorzügliches Fabrikat, empfiehlt «Tn 8 .» .p. | Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig u. Wien. ■= Soeben beginnt zu erscheinen: = dritte, neubearbeitete Auflage | von Prof. Pechuel-Loesche, Dr. W. Flaacke, Prof. W. Marshall und Prof. E. L, Taschenberg, mit über igoo Abbild, im Text, 9 Karten, 130 Tafeln in Holzschnitt u. Chromodruck von W. Kuhnert, Fr. Ffecht u. a. 130 Lieferungen zu je 1 M.—IO Halbfranzbände zu je 15 M. Tierleben