1891 Nr. 7 Amts- und Auzeigrblutt für den W« Gieren. Gratisbeilage: Gießener Kamitienökätter 30 170 20 „i )ViLuai Beethoven. T.ff, Chopl"- in zu Alle Annoncen-Bureaux de- In- und ÄuilenM aeh»« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgeh». Freitag den 9. Januar f* Sit b» jtjt ' ”nb Reifen fwie tf Oper| „Abele. \ jrt w Or- Für die Arbeitgeber vorübergehend beschäftigter Versicherter ist es rathsam, sich bei Beginn des Arbeüsverhältniffes zu vergewiffern, daß der Versicherte eine Quittungskarte besitzt und die Beiträge für die laufende Kalenderwoche entrichtet hat. Ist dies nicht der Fall, so hat der Arbeitgeber die Beitragsmarken zu entrichten. Für männliche Arbeiter sind hierbei im Kreise Gießen Beiträge II. Lohnklasse: 20 für weibliche in der I. Lohnklaffe: 14 H zu verwenden. Zugleich ordnen wir aus Grund des § 126 an, daß diejenigen Versicherten, welche nicht in einem regelmäßigen Arbeits- verhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, bis auf Weiteres innerhalb der letzten sieben Wochentage eines leben Monats ihre Quittungskarten zum Zwecke der Controle über die richtige Beitragsentrtchtung bei den betr. Bürgermeistereien, falls dieselben die diesbezüglichen Obliegenheiten nicht übernommen haben sollten, bei den betreffenden örtlichen Jnvalidi- täts- und Altersversicherungsstellen vorzulegen haben. Wird hierbei nachgewiesen, daß die Beiträge für einen oder mehrere Monate irn Voraus entrichtet sind, so sind die Versicherten für diese Monate von der weiteren Controle entbunden. Die Zuwiderhandlung gegen diese Controlvorschriften unterliegt der irn § 126 de» Gesetzes bezeichneten Strafe. Gießen, den 5. Januar 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. G a g e r n. ____________ lenelmt »o« Ingeiie* zu der Nachmittags für d« Lag erscheinenden Nummer dir vorm. 10 Uhr. immer. Nur zuweilen klang das Lachen der jungen Mädchen mit dem Zwitschern der beiden Kanarienvögel oder die Töne des Pianos über das Blumenparterre auf den Zechenhof hinaus. Auch der Arbeiterkreis verharrte vorläufig in Ruhe und Spannung. Man triumphirte über das gemeinsame, unerwartete Vorgehen, das wie ein Blitz aus heiterem Himmel über den Arbeitgeber gekommen sein sollte, und war demgemäß sehr zufrieden mit sich. Am meisten aber sand sich jedensalls der Wirth „Zu den drei Bergknappen" befriedigt. Die beiden Wirthsstuben von jeder Seite der Hausflur waren fortgesetzt von redenden, trinkenden Arbeitern besetzt, besonders auch von den Schwesterschächten. Auch brauchte der Wirth kaum Credit zu geben, der letzte Wochenlohn reichte für die ersten Tage, dann sand sich hier und da ein Sparpsennig, den die Frau unter Thränen hergeben mußte . . . Allmählich ward die materielle Lage aber doch mißlich und die Vertreter r mit itung- L’oncert teop.46 'M- beiträge in den Stand zu setzen, die mehr und mehr an uns gelangenden Unterstützungsgesuche nach Möglichkeit berücksichtigen zu können." Die Vertreter des Strikes auf Zeche „Iduna": Wilhelm Harras, Bernh. Kahlsen, Andr.Wilms. Die zweite Woche nach Ausbruch des Strikes neigte sich ihrem Ende zu und noch immer war die Sache unverändert. Mehr und mehr begann man die gespannte Lage als unerträglich zu empfinden und nicht zum wenigsten der Com- merzienrath. Abgesehen davon, daß seine materielle Lage durch eine längere Unthätigkeit des Geschäfts sich ungünstig verändern und am Ende kritisch werden mußte, schmerzte ihn auch der Zwiespalt mit den Arbeitern, mit denen er sich enger verwachsen geglaubt hatte, als es nun der Fall schien. Wenn es ihm auch unzweifelhaft war, daß namentlich das plötzliche Hereinbrechen des Strikes nur das Werk einiger Uebelwollenden war, welche ihm Verlegenheiten bereiten wollten, beklagte er es dennoch tief, daß sich die Gutgesinnten hatten mit fort- reißen lassen, ohne Verständigung zu suchen. Dazu erkannte er als weitblickender Mann die Folgen des Ausstandes, welche den kleinen Wohlstand des Arbeiters bedrohten . . . Dennoch blieb er entschlossen, der Sache ihren Laus zu lassen: das heißt, seinerseits eine Verständigung weder zu suchen noch abzuweisen. Es sollte vorerst sozusagen „Familiensache" bleiben. Aber gerade darum war er nach erfolgter Verständigung auch gesonnen, in seinen Eoncessionen so weit zu gehen, als es der Betrieb der Zeche irgend erlaubte. Da, zu seiner Ueberraschung und Freude, ließ sich eines Morgens der Häuer Harras melden, der zu den Vertretern der Strikenden gehörte. Er konnte nur im Auftrage der Arbeiter kommen, um Verständigung zu suchen. Leider sand sich aber der Commerzienrath sehr bitter enttäuscht. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 7. Januar. Das Comite zur Errichtung von Sanatorien für Lungenkranke beschloß, Delegirte der verschiedenen medicinischen Vereine zusammenzurufen, um die Angelegenheit der Sanatorien fortzusühren. Berlin, 7. Januar. Der Gedächtnißfeier anläßlich des Todestages der Kaiserin Augusta Mittags im Mausoleum zu Charlottenburg wohnten alle Mitglieder der Königs- samilie außer der Kaiserin, ferner eine Deputation des Augustaregimentes bei; sie legten reiche Kranzspenden nieder. >dur . fuge)>.W. K Mttirt. zusammen . . . v. Gagern. Gießen, den 30. December 1890. Bett.: Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. Nach § 3 des Gesetzes vom 22. Juni 1889, die „Invalidität»- und Altersversicherung" betreffend, gelten als Lohn oder Gebalt auch Tantiemen und Naturalbezüge. Für dieselben wird der Durchschnittswerth in Ansatz gebracht; dieser Werth ist von der Verwaltungsbehörde fest- Bekanntmachung. E» wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Katharine Melchior zu Weickartshain, welche die Prüfung mit der Note „Sehr gut" bestanden hat, heute als der Strikenden sahen sich genöthigt, Unterstlltzungsgelder zu sammeln. Zehn Tage nach dem AuSbruch des Strikes stand einer Umgrenzung von ein paar Meilen allenthalben lesen: , „An alle Freunde der Arbeitersache! Der Druck der materiellen Verhältnisse und die während der letzten Jahre bewiesene Unnachgiebigkeit unseres Arbeitgebers, des Commerzienraths Vogelsang, auf Zeche „Iduna" hat uns gezwungen, die Arbeit niederzulegen, um auf diese Weise einen ausreichenden Lohn zu erzwingen. Wir sind entschlossen, unser gutes Recht auf gesetzlichem Wege bis zum Aeußersten zu verfechten, und geben uns der Hoffnung hin, daß alle Freunde der Arbeitersache uns nicht allein mir ihren Wünschen, sondern auch durch materielle Leistungen nach Möglichkeit unterstützen werden. Zuversichtlich wenden wir uns an alle Freunde der Arbeitersache mit der Bitte, uns durch Geld oder Victualien- Bekanntmachung. Betr.: Wie vorher. Diejenigen Versicherten, welche nicht in einem regelmäßigen ArbeitSverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, B. Taglöhner, Wegearbeiter, ferner Waschfrauen, Schneiderinnen, Näherinnen, Büglerinnen, die auf jedesmalige Bestellung in den Häusern bei Kunden arbeiten, sind befugt, die Versicherungsbeiträge statt der Arbeitgeber im Vorau» durch Verwendung von Beitragsmarken selbst zu entrichten ^^agHmarke ist in diesem Falle von dem Versicherten spätestens bei Beendigung des ersten Arbeitsverhält- niffes der Woche in die Quütungskarte einzukleben und zu entwerthen. Die Entwerthung der Marke geschieht dadurch, daß durch die Mitte derselben in die Hälfte ihrer Höhe em schmaler schwarzer Querstrich gezogen, über denselben der Tag und unter denselben der Monat, in dem die Beschäftigung stattgefunden hat, gesetzt wird. Dem Versicherten, der auf Grund solcher Bestimmungen den vollen Wochenbeitrag entrichtet hat, steht gegen denjenigen Arbeitgeber, der ihn zuerst in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeitsverhältniffe beschäftigt, der Anspruch auf Erstattung der Hälfte des geleisteten Wochenbeitrags in Ge- mäßheit des § 100 des Gesetzes zu. Für diejenigen vorbezeichneten Versicherten, welche von der Befugniß zur Selbstentrichtung der Beiträge keinen Gebrauch machen, hat derjenige Arbeitgeber, welcher dieselben zuerst in der Kalenderwoche beschäftigt, die Beitragsmarke ftir die Woche (im Nennwerth der ganzen Wochenbeitrag») bei der Lohnzahlung zu verwenden und nach Maßgabe der gegebenen Vorschrift zu entwerthen. ES empfiehlt sich für die vorgenannten Perfonen, die Beitragsmarken für einen längeren Zeitraum, z.B. 1—2 Monate, zu entrichten und die Hälfte der Beiträge von den erstattungs- pflichtigen Arbeitgebern zurückzufordern. Arbeitgeber, welche sich durch Uebereinkunst dieser Ersatzpflicht entziehen, unter- liegen der Strafe de» $ 147 de» Gesetze» (Geldstrafe br» zu 300 M. oder Haft). >9o*etw*tweiiM 2 Mark 20 Pst. «K Bringerloyri. Durch die Post bezvHs« 2 Mark 50 W Redactton, rxpedwos und Druckerei: Aerutprecher 61. Achmer Anzeiger Heneral-Anzeiger. hte Anzei-m. Concerti» Vereinsjahr). 192 es Concert laniar 1891, Abends 6 Uhr, le des Gesellsch&ferereiM des Grossh. Univeraitäti- ■8 Herrn Adolf Felchoer. : wirken de: losebach, Conoertsängerin ranüfurt a. Main, ’nzIlB, Musikdirector aui [reuznach rärtigeKünstler verstärkte ins-Orchester. Der Wfcrm *w|rtel- Zimmer mit Cabinrt m. Seltersweg 19. 2lmtiid?€r ThoU. Gießen, den 5. Januar 1891. Betr.: Jnvaliditäts < und Altersversicherung der vorübergehend beschäftigten sog. unständigen Arbeiter. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen h)ont *1’ e-nes ^ders ft , nan Sub,?^ dSchft -f5 n k ^.m Naturell en ?x\.^ H ent 2?? e§ kMz irh. 1 uuerrnüd- 2? ®6ni >°'itz 'Wen Wesen, toit » Nen K«, datz ein ^"«uSgefommenes J1' u»fet Theater J? d°rgesehen ist, '*« Wunsch, “n «Sobotns 1*t" fflbje, „l$ !*e '"deck, welcher * ausgeführte Dieb. *9 stellte es sich Ee nebst künftigem tlltzt waren. ^Schnee, welcher strengen Winter - - dieses Jahrhundert- ' hat sich endlich in $t vom verflossenen 1U Holle zum ersten eser Zeit^hat es fast Der Schnee liegt achtig ist die Schlitten- 'en. Die knarrenden >d in Ruhe gestellt und 'agtäglich ertönt nun ^gleitenden Schlitten, em Wintervergnügen- Winter die Schlitten an Schnee. Auch die nsaatseld kommt der lche seither nckedeLl at nun eine schützende „ausziehen"/ rote drr geachtet fyit doch das ine Vortheile gehabt, i Walde. Rasch ging rar der Transport der Helligen, kein tiefer die Arbeit. Mühsam Surne, indem der Boden chroer aufzuhacken war. , der reiche Borrath an ffoffenen Frühjahre die raren meist klug genug, und weit über Bedarf e Kälte des jetzigen aber dauert, hat ganz aufgeräumt. Es W , in diesem Frühjahr 6. M. Ms, Mnds, Streit, *i d-r ein W-» »i‘ , ttach einem anderen n'dem Schauplatz- x ins Ge angnlv W ■* mch Oss-»' ® t [ die ©F yei%o December« am W; Local- I D!i>s"E rh-il r» Uten «»8 4? 5U()t F i:enen. u”üeb. » m «« her ► 16 t» «Ai d-- . 5e(tU'be; jaP«" -M -ille '^Ltangt'”1 >K6e” d« i* .,r 3«l|liC «tort. ®r « -I, das W° iic t^Bttch' dB W Lj* Monat November 1890 1889 1888 1887 1886 1885 Von den im Univevfitüts - Nachrichten. — Die medtcintsche Facultät in Berlin hat sich dahin erklärt, daß der Besitz eines transatlantischen Dsctordiploms den Inhaber bei seiner Jmmatriculatton als Student zur Führung des Titels hier in Zukunft nicht mehr berechtigt. Die Facultät begründet diese Erklärung damit, daß sie nicht in der Lage sei, die guten Anstalten Amerikas von den schlechten zu unterscheiden. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 4*> Ubr, Samstag Vorm'ttag 8^ Uhr, SamStag Nachmittag 300 Uhr. Samstag Abend 5« Uhr. — Kleine Mittheilungen aus dem Grotzherzogthum. In Mainz besteht die Absicht, eine Schifferschule zu errichten und dieselbe dem dortigen Gewerbverein zu unterstellen- die Knaben, welche sich dem Schifferstande widmen wollen, sollen Unterricht in Allem erhalten, was mit der Schifffahrt rc. zusammenhängt. Für den practischen Unterricht hat bereits rin bedeutender Rheder ein Schiff zur Verfügung gestellt. -- Die Zahl der zur Zeit ausständigen Schrcinergesellen in Mainz beträgt ca. 200. — Am 6. Januar wurde durch Spaziergänger bemerkt, daß an der Eisenbahnbrücke bei Mainz einige Balken angebrannt waren. Das Feuer wurde rasch gelöscht. — In Darmstadt wurde am 6. Januar der ehemalige Einjährig-Freiwillige Polytechniker Lesebre wegen Forderung des Premierlieutenants Frhrn. v. Rotsmann auf Säbelduell zu 3 Monaten Festungshaft verurtheilt. — In Darmstadt versuchte am 6. Januar ein Mädchen durch Trinken von Vitriol sich das Leben zu nehmen. — In Gimbsheim feierte am 7. Januar ein Ehepaar das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. — In Sauer-Schwabenheim stach ein Schuhmachergeselle seinen Collegen, in welchem er einen Nebenbuhler befürchtete, mit einem Messer. Der Thäter wurde verhaftet. Vermtfcfotes* *△ Mainz, 7. Januar. Unter den Soldaten der Garnison Kastel sind letzter Tage mehrfach Typhussälle constatirt worden. Die Kraukheitserscheinung wird auf den Genuß ungesunden Trinkwassers zurückgesührt, weshalb den Soldaten verboten worden ist, das Wasser aus den öffentlichen Brunnen Kaftels zu trinken und die Wafferversorgung der dortigen Kasernen mittelst Fässern von hier aus erfolgt. Auch unter Literatur und U»«st. — „Neueste Grfinbrrngen und eigen* auf den Gebieten Der practischen Technik, der Geweioe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Gien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Von dieser gediegenen gewerblich-technischen Zeltschrift erschien soeben das erste Heft ihres 18. Jahrganges, das wie gewöhnlich einen Reichthum an nützlichen und wichtigen Belehrungen jeder Art für Gewerbetreibende und Techniker enthält. Eine geschickt redigtrte Uebersicht der neuesten Fortschritte auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit läßt die Zeitschrift für Jedermann lehrreich und anregend erscheinen und machen wir besonders Freunde der technischen Gewerbe aus die wertbvolle Lectüre aufmerksam. Die Redaction vermittelt auch in geschicktester Weise den Verkehr ihrer zahlreichen Leser durch einen in jedem Falle Auskunft gebenden Fragckasten, durch Besprechung neuer Patente, literarischer Erscheinungen rc. Zahlreiche Illustrationen bilden eine Hauptzier der in jeder Hinsicht vortrefflichen Zeitschrift, welche wir hierdurch nur erneut Jedermann zum Abonnement ihres hiermit begonnenen achtzehnten Jahrganges bestens empfehlen können. — Von der „Ketten Musik Zeitung* (Stuttgart, C. Gr ü- ninger lügt uns das vierte Quanalheft des laufenden Jahrgangs vor. Die musikalischen Beilagen bringen 6 Elavierftücke und 4 Lieder, darunter ein „Andante" von Heinrich XXIV., Prinz von Reutz, sowie 5 Preisarbeiten, welche den Abonnenten zur Abstimmung für die ausgesetzten Preise (Mk. 150, 100 und 50) oorgelegt werden. Die Qualität dieser Darbietung allein ist eine solche, daß der vierteljährliche Abonnementspreis von 1 Mk. kaum in Betracht kommt. Januar bis November 89,303 87,402 95,819 97,247 76,981 104,920 7345 5622 6108 6691 6140 4889 deutschen Gebietstheile. * Aus der Pfalz, 6. Januar. Ein eigenthümlicher Sühneversuch hat sich zu Miesenbach abgespielt. Ein halbes Dutzend dortiger Einwohner, die zu einem Sühneversuch eingeladen waren, begaben sich nach dem Bürgermeisterlocal, welches sich im Hause einer Wirthschaft befindet. Jedenfalls um sich vorher zu stärken, kamen die Betreffenden zufälliger Weise alle in dieser Wirthschaft zusammen und da der Herr Bürgermeister sich inzwischen auch einsand, so kam hier ein Vergleich zu Stande, wonach aus gemeinschaftliche Kosten ein Fäßchen Bier getrunken werden sollte. Der ganze Nachmittag verlies auf diese Weise in fröhlichster Stimmung bis gegen 7 Uhr Abends. Um diese Zeit entstanden unter der fidelen Gesellschaft wiederum „Meinungsverschiedenheiten", welche zum Schluß noch in eine gehörige Prügelei ausarteten, so daß die halbe Gemeinde in Ausregung versetzt wurde und mehrere der Betheiligten mit blutigen Köpfen den Schauplatz verließen. * Ein Opfer der Spielwuth. Bei San Remo ist die Leiche eines Erschossenen aufgefunden worden, der anscheinend den höchsten Ständen angehört. In seiner Tasche wurde ein Zettel vorgesunden mit der Aufschrift: „800000 Rubel verloren! Mein Name bleibe verschollen." * Eine eigenthümliche Methode, sich Geld zu verschaffen, hatte die Hüttenarbeiterssrau Bienik aus Hohenlohehütte. So oft es ihr am Nöthigsten fehlte, ging sie auf das Standesamt und meldete dort den Tod eines Kindes an. Die dort erhaltene 'Bescheinigung benutzte sie dazu, sich von der Hütten- kaffe jedesmal 20 Mark auszahlen zu lassen. Aus diese Weise spiegelte die Bienik dem Standesbeamten den Tod von nicht weniger als sieben ihrer neun Kinder vor. Das Schwurgericht zu Beuthen verurteilte sie hierfür zu einer Gesammt- strafe von 2 Jahren Gefängniß. * Der riesige Elephant, den der Negus im vergangenen Jahre dem König von Italien zum Geschenke gemacht und den dieser dann der Stadt Catania (dieselbe sührt schon seit den ältesten Zeiten einen Elephanten im Wappen) überlassen hat, ist infolge der Kälte verendet. laufenden Jahr bis Ende November Ausgewanderten kamen aus der Provinz Posen 10,915, Westpreußen 10,520, Pommern 8257, Bayern rechts des Rheins 7661, Württemberg 5878, Hannover 5826, Brandenburg mit Berlin 4047, Rheinland 3906, Schleswig-Holstein 3836, Baden 3469, Hessen-Nassau 2718, Königreich Sachsen 2470, Westfalen 2318, Schlesien 2163, Großherzogth. Hessen 2059. Der Rest von 13,260 Personen entfällt auf die übrigen -verhältniß zu den Geschwistern, in der Ungerechttgkett des Lehr- oder Brodherrn suchten, die Verheiratheten alle Schuld Äen Weibern zuschrieben. Das aber sei verkehrt- es solle sich Jeder, und namentlich an einem solchen Feste, fragen, worin tr selbst gefehlt habe? Selbsterkenntniß führe zu dem festen Entschlüsse, anders zu werden, und Gott gebe dem aufrichtigen Wollen der Besserung Kraft zum Gelingen. — Durch die neue Gesetzgebung änderten sich auch die Aufgaben der Colonie. Man werde von jetzt ab fragen, wenn in den herannahenden Winterszeiten die Wanderer an die Thüre der Colonie pochten: habt Ihr die reichliche Arbeitsgelegenheit im Sommer benutzt? Wer nicht gehörigen Nachweis bringen werde, daß dies ge- -schehen, habe keine Aussicht aus Aufnahme. Ein Jeder solle danach streben, die Befriedigung in der Arbeit zu finden. — Nach dem Absingen eines weiteren Liedes wurden die Gaben an die 117 Colonisten vertheilt, die an weißgedeckten Tischen ihre Plätze eingenommen. Der große Saal war durch die Lichter von zwei großen Christbäumen erhellt. Die Zusendungen von Freifrau v. Follenius-Darmstadt, vom Frauen- Sterein Worms, von den Firmen Gail, Tribus & Sund- heim in Gießen und I. Marx-Kirtorf und von anderen ermöglichten es, jedem Colonisten je 1 Hemd, 1 Paar Strümpfe und 7 Cigarren zu schenken. Außerdem wurden Aepsel und Nüffe vertheilt. An dem Abend fand besondere Verköstigung statt- jeder Colonist erhielt auch für die Festtage seinen Kuchen. Für den Freund unseres Volkes, der an seinem Theile Helsen möchte, daß verirrte und verblendete arbeitslose Jünglinge und Männer der eigenen Familie und dem Staate wiedergewonnen werden, sind solche Feiern, wie die genannte, bedeutsame Einrichtungen. Das Gotteslied und das schlichte Wort der Seelsorger und des Jnspectors kann in dem einen oder dem anderen Herzen mächtig wirken und der Anstoß werden zu einem Wendepunkt sürs Leben oder aus dem rechten Wege besestigen. Auch dars diese paritätische Feier als ein schöner Beweis angeführt werden, daß es Gebiete gibt, aus welchen die römische und evangelische Kirche friedlich nebeneinander wirken und arbeiten können. der Civilbevölkerung von Kastel sind aus der gleichen Ursache vielfache Typhuserkrankungen vorgekommen und haben die Behörden Veranlassung genommen, den größten Theil der Brunnen zu schließen. * Marburg, 6. Januar. Einen sprechenden Beweis von der Nützlichkeit der Sch lachtvieh-Ver sicherungskassen lieferte6 ein Vorfall, welcher sich heute Morgen im hiesigen Schlachthause ereignete. Ein Bauersmann aus Schiffelbach ließ ein Schwein im Werthe von 200 Mark schlachten, weigerte sich jedoch, dasselbe mit 50 Pfg. gegen Trichinen zu versichern. Die Untersuchung des Fleisches ergab aberstarke Trichinose und hat der Besitzer des kranken Thieres nun anstatt der 50 Pfg. einen Schaden von 200 Mark zu tragen. * Berlin, 5. Januar. Die üb e rs e ei s ch e Au sw a u - derung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug Personen: Monate Verkehr, Land« «nd volkswirLhichaft. — Die Herabsetzung der Personentarife auf den deutschen Eisenbahnen wird j. 3t. zwischen dcn Staatsdahn-Verwaltungen über Herbeiführung der Gleichmäßigkeit der Tarife verbandelt. DaS einzige hauptsächliche Hindernitz ist hierbei die 4. Klasse. Preußen will seine 4 Klasse nicht aufgeben, die süddeutschen Bahnverwaltungen fie nicht einführen. Limburg, 7. Januar. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 16 70, weißer Weizen JL 16.60, Korn JL 13—, Gerste JL 10—, Hafer Jt 7.30 Erbsen X —, Kartoffeln vM —. Frankfurt, 7. Januar. Marktpreise. Heu pro 100 Ko. vM 5 20—7.20, Stroh X 4.80-5 60, Kartoffeln X 4.00 bis 7.00, Butter per Pfd. Jü 1.15—1.25, Eier per St. 6—10 H, Roggenbrod 4 Pfd. 45 H, do. feines 48 H, gemischtes 6 Pfd. 86 — lieber den Einstutz des Putzens beim Rindvieh. Dem PferDebesitzer ist der alte Spruch „gut Putzen ist das halbe Futter" längst bekannt, weit weniger den Besitzern von Rindvieh. Diese Thiere kann man oft bis hoch an die Schenkel hinauf mit Mist beschmutzt sehen, deffen trockene harte Beschaffenheit zeigt, daß er schon Wochen, wenn nicht Monate geseffen. Trotzdem ist die Reinlichkeit der Gesundheit und Letstungstähigkeit des Rindviehs ebenso dienlich wie der der Pferde. Eine Milchkuh, die daran gewöhnt war, täglich zweimal mit Striegel und Bürste geputzt zu werden, wurde zum Zwecke eines Versuchs innerhalb 14 Tagen gar nicht geputzt. Die Mtlchmenge betrug während dieser Zeit 11 Liter weniger als in 14 Tagen vorher, obwohl die sonstigen Verhältnisse in keiner Weise geändert worden waren. — Stallwllrme für -ab Rind. Rach den von May an- gestellten Verbuchen hat sich eine Temperatur von 4- 10 Grad R. als die angenehmste erwiesen. Bei einer niederen Temperatur, namentlich bei 4- 4 Grad R. waren die Haare gesträubt, glanzlos, die Haut lag fest an rc. Bei einer Temperatur von 4- 15 Grab R. wurde das Athmen schneller und angestrengter, die Thiere soffen und schwitzten viel, verloren an Körpergewicht und Lebensfülle, ja der Gewichtsverlust war hier sogar g'ößer als bei + 4 Grad R., während bei 4- 10 Grad R. eine Körpergewichtszunahme stattfand, die meiste und beste Mich gewonnen wurde und das Alles bet nahezu gleichem Futter. Pferdeverkauf. | Awei fehlerfreie Pferde (Wallache) ein- und zweispännig gefahren, zugieft, im Alter von 3Vr und 15 Jahren, sind zu verkaufen bei Hch. Kramer I, I 286 ___________in Steinbach. 305] Ein neuer eleganter__ 5MF Masken-Anzug *B6 billig zu verkaufen. Näheres in der Exved. d. Bl.________ Ein Brief-Album von Alt». Zechiesche, 1880, entb. eine Briefm - Sammlung von 1116 verschied. Marken aller Länder, ist für den festen Preis von «X 6".— zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl.304 Frische Schellfische und Kieler Bückinge treffen heute Abend ein. [297 _______E. Dort, Walltborftraße 45. Die Reftbestände aus der Keller'schen Coucurbmaffe, bestehend aus Handschuhen, Pelz- und Federnbesotz, Schleiern, Spitzen, Posamentrien, Lützen, Ballkleidern, Summten, Pelüschen und Seiden- resten, Wagendecken, Spitzendecken und £ chonern, Spitzenstoffen zu Kleidern, Cor- fetten rc. werden weit unter Preis verkamt bei 300 L. Mühlhansen, Westanla^e 15. Berliner Pfannenkuchen, Kreppet, Kaffee- und Theegebück, täglich frisch, empfiehlt Conditorei Heitler, 135] Südanlage. Fst. grobkörnigen [92 C a v i a r empfiehlt Emil Orbig. beginnt soeben einen neuen Jahrgang mit dem Roman Eine unbedeutende Frau von W. Heimdurg. Man abonnirt auf Die Gartenlaube 1891 in Wochen - Rümmer« bet allen Buchhandlungen und Postanstalten. 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Die gegen Ludwig «reiliug aus Heuchelheim ausgesprochene Beleidigung nehme ich hiermit als unwahr zurück. 287 Ludwig Lenz. Me Postanstalte« und Buchhandlungen nehmen jederzeit Abonnements an. Probe-Nummern ■— versendet aus Wunsch unentgeltlich die Administration des „Bazar", Berlin SW., Charlottenstr. 11- --- --------————— Kramer,Schulamtscand. Richard Goullon. Klärchen Fröhlich Anni Reiners. Rosa, Kammermäd. Antonie Roland. H7.50- 2*28 25 203 00 159.00 139.80 114.70 55 00 und die Dividende der nach Vertheilungs-ModuS II Versicherten voraussichtlich 8% der in Gumma gez. Jahresprümie«. Die Gesellschaft übernimmt Lebens-, Aussteuer- und Leibre«tt«-»er, lcherungen unter günstigen Bedingungen- Gesucht ein braves gewandtes Dienstmstdche« Frau Prof. Buchner, in der Löwengaffe übernommen habe, und bitte ich das Wohlwollen, welches Sie bis jetzt Herrn Hauß entqegengebracht. aus mich zu übertragen. Ich werde stets bemüht fein, durch gute Getränke und Speisen sowie reelle Bedienung mir dasselbe zu erhalten. Zu zahlreichem Besuch ladet sreundlichst ein 165 Hochachtungsvoll Fritz Gesucht für einen Herrn eine hübsch möblirte Wohnung (zwei Zimmer) mit vollständig separatem Eingang- Gefällige Offerten bef. die Expedition d Bl. unter Chiffre A. E. 100. [309 Holzversteigerung in der Oberförfterei Krofdorf. Montag de« 19. Januar cr., Vormittags 9 Uhr, bei Wirth Kablert in Krofdorf, Schutzbezirk Waldbau», District Lindenschied 55b. Buchen : 13 Stämme II. und HL Kl. mit 10,15 fin C- I., 606 rm Scheit, 127 rm Knüppel, 683 rm Reiser, 2 rm Spähne. District Lindenschied 57a. Eichen: 16 rm Nutzholz II- Kl., 19 rm Nutzholz III Kl, 47 rm Scheit, 2 rm Knüppel, 23 rm Reiser. Buche«: 380 rm Scheit, 67 rm Knüopel, 529 rm Reiser. District Lindenschied 58. Buche«: i Stamm mit 1,22 fm c. I., 113 rm Scheit, 7 rm Knüppel, 96 rm Reiser. Krofdorf, den 7. Januar 1891. Der Königliche Oberförster: 284 Müller. Geschäfts - Uebertragung. Hiermit erlaube ich mir, bett geehrten Bewohnern von Gießen und Umgegend ergebenst anzuzeigen, daß ich die frühere Führer'sche Adah, seine Frau Kitty, deren Nichte Elsa Reinhold. . . Mk- 184 933 859 Bers-Summe und Mk. 290 852 iührl. Rente. . . Mk. 45 182 703. 1890. Kaiserpanorama MüuSburg 12, parterre. Diese Woche die luxiöseste und märchen- : »aste Pracht-Serie: Die Lustschlösser «Snig» Ludwig von Bayer« r Herrenchiemsee, Linderhof, Reuschwan- iteitt. Diese Serie ist in der wundervollen Darstellung unerreicht und in Deutschland in dieser Prachtausführung nur in den Panoramen meiner Verbindung zu sehen. 236 Avis- Da in allen Städten bei dieser Serie ein großer Andrang stattfand, namentlich des Abends, ersuche ich das geehrte Publikum, den Besuch auch auf die Tageszeit zu verlegen. H. Schmidt. Vermischte Anzeigen. Neues Theater, Giessen. (Direction: Adam Reiners). Freitag den 9. Januar 1891: —. Zum Benefiz für Frau Anni Reiners. — (Äusser Abonnement): Neu! Sodoms Ende. Neu! Drama in 5 Acten von Sudermann. Die einzige große Modenzeitung, welche alle 8 Tage erscheint, ist Der Bazar Mstritte Amn-Zeitung für Mode, Handarbeit und Unterhaltung. Abonnementspreis = 2V- Mark = vierteljährlich. Der Bazar übertrifft an Reichhaltigkeit lebe- andere Modenblatt. NB. Herrenkarten 1 X. Mamenkarten 40 H sind zu haben bei Herren Friseur Eourad (Mäutzburg), D. Heil (Lindenplatz) und Handschuhfabrikant Wirst« (Seltersweg). An der Kasse Herrenkarten 1.20 JL, Damenkarten 50^ — Gatteriekartt« 30 bei Herrn Friseur Eourad und Abends an der Kaffe. Corrrsbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 8. Januar 1891 Schlußcourse 1 Uhr 15 Min. 91 Nordanlage 18 ist der mittlere Stock (5—6 Zimmer mit Zubehör), auf Wunsch auch Pierdestall, zu vermiethen. Marti« Dörr. Wilhelm JMosler, Schillerstraße 11. Hurrrrrrra! ! Uffgepatzt! s Giessener Zither - Club lW-hlthätigkeitsverein) Grosser Maskenball t im Saale des Gafü Leib Sonntag den 18. Januar 1891- Anfang 7 Uhr 59 Minuten. Sensationell! Johann Janssen als Fälscher erwiesen! Bei Curt v. Münchvw, Universitäts-Druckerei und Verlags- buchhandlung in Gießen, erscheint in den nächsten Tagen und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: >291 Pseudo-Isidorus redlvlvus oder eine litterarische Urkundenfälschung de» 19. Jahrh. im Joiereff« der römischen Kirche. Offenes Sendschreiben an den Prälaten, designirten Kardinal - Archivar Johannes Janffen in Frankfurt a. M von Pfarrer StruckSberg in Gießen- (Mit einem Briese des Kardinal Melchers in Rom). — Preis 40 Berlinische Lebens-Versichert«, gs - Gesellschaft von 1836. Berlin W., Behren-Ltratze 69. Der i« Jahre 1»vi an die mit Antaruch ans Dividende Versicherten )u vertheilende Gewinn für 1886 steUt stch auf Mk. 691920, die Prämien- summe der Th-llnahm-ber-chttgten beträgt Mk. 2 232 000. Die hiernach ju ver- theilende Dividende von 81