Rt« 261. Zweites Blatt. Sonntag den 8. November * - —-■■■ - - ii ■ ■ im, ________ |_,^U|M1H -T .-TI ~ U. -- j_ - --- Mer Bchetm täglich, *mä lalnafrw W MoittOG». M< (Rtjnur ***<» Hm Änjriftt Hifldeflt. Meßmer Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 1891 X 6 owratti »pr 9 Mark 20 W|. 1* Äringerlobn Durch btt Pvft de^M 9 Mark 60 ’UebactUn, ttixMÄro iKib Snidnei ■ tz««Meecher M. Amts- uttb Anzejgeblatt fflr den Ureis Metzen. SrigmH» Xeg erfch einenden Nummer 6U Norm. | HratisöÄage:' J” Zlnrtlichev Theil. Bekanntmachung. Großh. Beigeordneter Ludwig Sp a ar I. zu Mainzlar ist heute als Ortsgerichtsmann und Stellvertreter des Standesbeamten für Mainzlar verpflichtet worden, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Gießen, den 4. November 1891. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. Lseales nttfr provinzielles. Gießen, 7. November 1891. — Zur Obstbaumpflege. Der „Rathgeber für Obstund Gartenbau", Organ des Wetterauer Obstbauvereins, schreibt: „Muster von Obstpflanzungen sind jene an den Staatsstraßen in Oberhessen. Hier sieht man, daß alle Arbeiten an den Bäumen correct durchgesührt werden unter einer geschickten und durch und durch kundigen Oberleitung- da ragt kein Psahl in die Krone, da werden die jungen Bäume wiederholt mit Kalkmilch versehen, der Schnitt der Krone ist ein formvollendeter. Wenn nun solche vorzügliche Beispiele gegeben werden, sollte man glauben, daß diese alte böse Sitten verderben, man sollte namentlich glauben, daß an den Kreisstraßen die den Gemeinden gehörigen Bäume nach dem guten Vorbilde der Staatsstraßenbäume behandelt würden. Aber weit gefehlt. Schon bei der Auswahl der Bäume werden die ersten größten Fehler begangen. Es soll möglichst billig gekauft werden- man denkt dabei aber nur an die Gegenwart und nicht an die Zukunft, und das ist grundfalsch; selten nur wird in dieser Beziehung ein Sachverständiger um Rath gefragt, es werden mitunter schon halbtodte Bäume gepflanzt re. Was hier für Oberheffen gesagt ist, könnte auf das ganze Großherzogthum Hessen Anwendung finden. Man findet jetzt durchgehends an der Staatsstraße der drei Provinzen nur musterhafte und mit Feuilleton. Sie und ihr Viertelsvetker- Erzählung von I. Bonnet. (Nachdruck verboten.) Die'^Michaelisferien waren gekommen. Wolkenloser Himmel und unbewegliche Luft vereinten sich, die Hitze fast so drückend zu machen, wie sie die Hundstage mit sich zu bringen pflegen. Eine nette Aussicht für eine Eisenbahnfahrt, währte sie auch nicht länger als eine Stunde, nicht länger als von Berlin nach Trebbin. Der junge Mann, der, die Rückfahrtkarte in der Hand, den Perron des Anhalter Bahnhofs entlang geschritten war, und bei Zeiten in einem Coupv dritter Klasse Platz genommen hatte, kühlte die Stirn mit dem Taschentuche und legte die Reisetasche ab. „Wer möchte jetzt zweiter Klasse fahren?" dachte er und lächelte, weil er bei beschränkten Mitteln nicht in Gefahr stand, solche Rangerhöhung vorzunehmen. „Schade, daß ich allein bin," sprach er, umherschauend. „Man könnte sich wenigstens über die Hitze unterhalten und damit wären wir sie los." Er zog die Stirn in Falten. Ein Zug des Nachdenkens überflog das bleiche Gesicht, dem das Bärtchen einen schönen Schimmer von Männlichkeit verlieh. „Hm," machte er, wie zur Abwehr den Kops schüttelnd, „eine fatale Geschichte das, ich wollte lieber, ich hätte es nicht gethan. Wer kann nur der alloerehrten und geliebten Familientante, der Großtante, die für uns rührend besorgt ist und sämmtliche Leiden der Menschheit von versäumter Leibespflege herleitet, etwas abschlagen? „Ach, siehst du," I bat sie so unwiderstehlich, mich mit den alten treuen Augen - anleuchtend und die Hände auf meine Schultern legend, „ach, siehst du, ich richte doch meine Briefe danach ein, du schreibst ! mir genau auf, was sie essen und trinken, und damit du es nicht vergißt, hier ist der Merkzettel. Aber verrathe dich nicht, bei Leibe nicht!" Wenn ich nun ein Gericht nicht kenne? Eine fatale Geschichte! Hoffentlich fall ich nicht : dabei rein." Er steckte den Kopf zur Thür hinaus. Ein Gewirr lachender Mädchenstimmen ließ sich hören. Auch ein sporen- klingender, säbelraffelnder Lieutennnt war bei der belebten Schaar, welche in ihren luftigen Sommerkleidern ordentlich ein Gefühl wohlthuender Kühle um sich zu verbreiten schien. der größten Sorgfalt gepflegte Neupflanzungen. Man sieht hier das ausgesuchteste Pflanzenmaterial in nur wenigen, aber fruchtbaren, für Klima und Boden geeigneten Sorten von anerkannt großem Nutzungswerthe. Hier ist kein Baum zu tief gepflanzt, die Baumscheiben sind stets gehackt und unkrautfrei und das immer an Dungstoffen reiche Regen- tv aff er wird demselben durch schräg laufende Gräbchen von der Fahrbahn reichlich zugeführt. Kurz, man sieht hier alle Vorbedingungen einer rationellen Obstcultur auf das Gewisseu- hafteste durchgesührt. Mit Bedauern nimmt der Kundige wahr, wie sehr mit solchen vorzüglichen Leistungen oft die angrenzenden Grundbesitzer mit ihrem geringwerthigen und schlecht gepflegten Pflanzenmaterial in geradezu beschämender Weise contrastiren. Nicht viel besser ist es mit vielen Neupflanzungen der Gemeinden und solchen an manchen Kreisstraßen bestellt. Man begreift, wie wenig noch die Einsicht, daß ein rationeller Obstbau dermalen zu den einträglichsten landwirthschastlichen Betriebszweigen gehört, bet der ländlichen Bevölkerung Verbreitung gefunden hat. Möchten da- her alle Gemeindevertretungen und alle Behörden, welche in der Lage sind, bei Straßenpflanzungen ein Wort mitzusprechen, Veranlassung nehmen, dahin zu wirken, daß dies vorzügliche Beispiel, welches die Straßenverwaltung gibt, überall Nachahmung finden möge und eine gute Schule wäre zum Vortheile des ganzen Landes. Landwirthschafiliche Winke und Rathschläge. △ Oberhrffen, Anfang November. Beitrüge zur HerbftsaatbefteSrrng. Was weiter bei der frühzeitigen Saat zu beachten ist, besteht darin, daß schwere und vorzügliche Körner meistens nur bei frühen Saaten erzielt werdm. Hier können wir noch einen Wink über Anwendung der künstlichen Dünger einfltetzen lassen: Wer reiche Körnerertrüge habe« will, mrrtz Mit Phosphate« dünge«. Das ist eine fv einfache Regel, daß sie auch der schlichteste Bauer behalten kann. „2lber wenn ich tüchtig mit Stallmist auf den Acker komme" Klagen die Practiker aus der alten Schule, welche den künstlichen Düngern abhold sind), „bann brauche ich weder Chilisalpeter, noch Thomas- schlacke, der Stallmist ersetzt mir Alles." — „Fehlgeschossen, lieber Freund," ist meine Antwort, „bitte, merkt Euch die zweite einfache „Die steigen gewiß nicht dritter Klasse ein," sagte er ; vor sich hin. „Zweiter Klasse, meine Herrschaften?" rief der Schaffner, \ dienstfertig eine Thür öffnend. „Dritter Klasse," entgegnete die größte der jungen ' Damen. „Erschrecken Sie nicht, Herr Lieutenant!" „Aber, mein gnädigstes Fräulein, ich bitte doch tausend- ■ mal . . ." Er räusperte sich dabei, indem er sich unruhig umblickte, wie einer, der auf Rettung sinnt. „Du hast natürlich zweite Klaffe, liebe Ottilie," sagte i jene. „Da müssen wir uns bis Trebbin trennen, so schade \ es ist." Der junge Mann horchte auf. „Auch nach Trebbin?" „Allerdings lautet mein Billet für die zweite Klasse," bemerkte die Angeredete. „Jndeß ists ja bei solcher Hitze viel angenehmer, dritter Klasse zu fahren, und in solcher Gesellschaft erst recht. Ich setze mich zu Euch, und Du, Edgar," wandte sie sich an den Lieutenant, „bist, um nicht den Graus ansehen zu muffen, in Gnaden entlassen. Ade!" „Grüß Onkel und Tante, grüß Hans und Paul und \ Else und Käthe!" rief er, enteilend. Der junge Mann, der sich erhoben hatte, um der anstürmenden Mädchenschaar Platz zu machen, blieb, als er die Namen hörte, einen Augenblick erstaunt stehen. Während er sich dann an das andere Fenster zurückzog, schlüpfte eine Reisegenossin nach der andern in flatterndem Gewände herein. Prüfend gingen feine Blicke von Gesicht zu Gesicht. I Diejenige, welche Ottilie genannt wurde und ihm am nächsten j saß, war auffallend hübsch. Ein länglich rundes Gesichtchen ’ von reinsten Farben, ein fein geschnitztes Näschen, eine lachende ; Stirn, auf die sich kecke Löckchen niederstahlen, kastanienbraune • Augen, endlich ein Lippenpaar, das süße Milde mit fester ! Entschiedenheit vereinte. Wie von einem Zauber angezogen, \ wandte er sich ihr, die ihn gar nicht beachtete, immer wieder zu. Der Zug setzte sich in Bewegung, hinausdampsend aus der heißen Bahnhofshalle durch das Häusergewimmel Berlins, j bis freies Feld durchschnitten, die Vororte Berlins erreicht | und jetzt die Reise mit seltenen Unterbrechungen fortgesetzt wurde. „Kinder, Trebbin wird ja übervölkert, wenn wir alle aussteigen," scherzte Ottilie. „Und gar erst Blankensee," lachten die andern. „Tante ist wirklich zu reizend, daß sie uns alle miteinander haben will." Regel: Der Gtalld««- ist arm a« PhosphorsLure; D« m«tzt also solche -«setze«, dann gtdt eS Körner und Stroh. Diese Regel zu behalten ist am Ende auch kein so schweres Stück, sie läßt sich also leicht in den Kopf bringen und dort fest- halten. Welches Dungmittel nimmt man nun am besten, um PhoS- phorsäure auf den Acker zu kriegen? Antwort: Thomasschlacke und da sich diese nur langsam auflöst, nur langsam von den Wurzeln der Getretdepflanzen etngesaugt werden kann, so bringt man sie schon im Herbste auf den Acker. Während des Winters löst sich die Thomasschlacke und wenn im Frühjahr neues Leben erwacht, wenn Wärme und Feuchtigkeit ihren Zauber auf das Pflanzenreich auS- üben, dann ist die Phosphorsäure gerade mundgerecht geworden. So wäre nun der Acker gehörig im Stande; das Pflügen, Eggen und Walzen hat der Bauer besorgt und wir nehmen an, dah er es nach allen Regeln des Fleißes, der Kunst und Wissenschaft ge- than habe. Darüber ließe sich freilich auch sehr viel sagen, es mag aber auf eine andere Zett und Gelegenheit vorbehalten bleiben. Wir wenden uns heute zur Herrichtung de- SaatgetreideS. Daß in diesem Punkte viel gesündigt wird, bedarf keiner Erwähnung. Jeder Bauer kann es sich aber an den Fingern herzählen, wie schwer er sich schädigt, wenn er schlechtes Saatgut verwendet. Auf vielen Höfen ist man darum bestrebt, ein Saatgut aus den größten und schwersten Aehren herzustellen und sucht es zugleich sortenrein zu bekommen. Der kleine Bauer kann solche Arbeiten nicht ausführen; wohl aber kann er mit Hülfe der Sortirmaschinen (Trieure) sich ein Saatgut beschaffen, wie man es früher mit Hülfe der gewöhnlichen Fegemühlen nicht zu Wege brachte. Hat aber Einer Zeit und Lust, die besten und schwersten Aehren seiner Ernte mit der Hand zu sammeln und auszuschetden, drischt er diese aus, fegt und reinigt sie, so bekommt er ein Saatgetreide, an welchem er seine Freude haben wird. In unserem vorigen Berichte wiesen wir darauf hin, daß die 1891er Getreideernte durch -a- ArrSWillter« schwer geschädigt wurde. Fast in allen schneelosen, langanhaltenden Wintern tritt dieses liebel auf, weshalb man verschiedene Mittel zu dessen Bekämpfung vor geschlagen hat. Das einfachste und natürlichste Mittel ist: solches Saatgut zu beschaffen, welches widerstandsfähig gegen rauhe, ungünstige Witterung ist. Jeder denkt da nach einigem Ueberlegen an diejenigen Länder im hohen Norden, welche noch Roggen bauen. Das sind: Schweden, Finnland und Rußland. In der That können uns diese Länder mit Saatgetreide aushelfen und sie haben es schon gethan. Man hat glücklicherweise auch schon Versuche mit schwedischem Saatroggen angestellt und sie sind in sehr befriedigender Weise ausgefallen. Gerade im abgelaufenen Winter konnte sich der schwedische Saatroggen, der im Königreiche Sachsen vielfach angebaut worden war, von seiner besten Sette zeigen. Auch der fi«nlL«dische Rogge« wird gerühmt; er hält sich selbst in „Und das männliche Geschlecht wird nicht minder stark vertreten sein," bemerkte Ottilie, „es gibt Einquartierung." „Das ist herrlich!" ries Aliee, die kleine Dreizehnjährige, eine sylphenhafte Erscheinung, in die Hände klatschend. „Die Soldaten habe ich gar zu gern." „Onkels und Tantens Gastfreundschaft ist unbegrenzt," fagte Else im Tone aufrichiger Bewunderung. „Vorigen Herbst chatte sie vierzehn Offiziere vorn General abwärts bei sich." „Die Herren haben ja wohl später ihre Dankbarkeit für das gastliche Quartier durch Stiftung eines Albums mit ihren Bildern bezeugt?" fragte Ottilie. „Wir waren damals im Bade, sonst hätte ich auch alles miterlebt." Das Geplauder wurde durch den stummen Zuhörer unterbrochen, der bei dem Namen Blankensee ein Bein angesetzt und weiter einen Brief hervorgezogen hatte. Indem er sich gegen feine schöne Nachbarin verneigte, fragte er, mit dem Finger auf die Adresse weisend: „Kennen Sie vielleicht diese Handschrift?" Ottilie erröthete und sah, während ihre Gefährtinnen kicherten, erst den Brief und dann den seltsamen Jüngling staunend an. „Ich bin ja Ihr Diertelsvetter," sagte er, sich als den Studiosus der Rechte Robert Emling vorstellend, „auch meine Reise geht nach Blankensee." Der ersten Verlegenheit folgte ein allgemeiner Jubel über den bisher nur dem Namen nach gekannten, so plötzlich aufgetauchten Vetter, der sich durch den Einladungsbrief der Blankenseer Tante als zu Recht bestehend nachweisen konnte. Er hatte in Göttingen und Jena ftubirt, dachte zuguterletzt die Universität Berlin zu beziehen und befand sich eben auf einer Verwandtenreise, die mit Blankensee ihren Abschluß finden sollte. Der Amtmann Orth war der rechte Vetter seiner Mutter, Else, Marie und Alice Molenberg aus Stettin waren die rechten Nichten derselben und Ottilie Rehmer, deren Bruder der Lieutenant war, die Tochter des Präsidenten Nehmer in Berlin, wieder eine rechte Nichte der Frau Amtmann. Die jungen Mädchen, die sich früher in Blankensee kennen und lieben gelernt hatten, waren gemeinsam mit einer neuen Einladung erfreut worden und hatten sich infolge schriftlicher Verabredung auf dem Bahnhofe getroffen, um gleich miteinander die fröhliche Reise zu machen. (Fortsetzung folgt.) sehr rauhen Lagen, besitzt eine große Keimfähigkeit, gibt viel Stroh unb wird bet kräftiger Cultur schön und groß im Kern. Aber die Preise? fragen die Landwirthe sogleich, wie steht es mit denen? Gewöhnlich sind derartige neueinzuführende Artikel ganz abscheulich theuer. Das trifft allerdings hier zu, denn der Doppcl- ccntner kommt auf etliche dreißig Mark, bis er bei uns anlangt. Allein was kann durch eine solche Ausgabe alles erspart werden! Wir haben es ja im vergangenen Frühjahre gesehen, nachdem die Felder gänzlich ausgefroren und von Neuem gesät, gepflügt und geeggt wer- ben mußten. , , Man kann behaupten, daß bie Herrichtung eines vorzüglichen Saatgutes für bie zukünftige Ernte fast noch wichtiger ist, als die Düngung und Vorbereitung des Ackers zur Saat. Der Bauer frage sich einmal: Was nützt ihn alles Düngen, Pflügen, Hacken, Eggen und Walzen, wenn der eingesäete Samen nichts nutz ist und nicht aufgeht? Alles dies bezieht sich aber nicht blos auf die Saatfrucht von Getreidearten, sondern ebenso gut auf Klee- und Grassaaten, auf Kartoffeln, Dickwurzeln, weiße und gelbe Rüben, Gemüse und verschiedenes Andere. Einige practische Beispiele mögen hier folgen, weil sie dem einfachen Landwirthe, für den wir in erster Linie die Feder führen, gewöhnlich begreiflicher sind, als gelehrte Auseinander- Nehmen wir an, es sollte Kleesamen grsät werden. Dies ist ein theurer Artikel und darum sind diejenigen Leute, welche sich den Samen nicht selber ziehen, gar leicht geneigt, an den Ankaufskosten zu sparen. Mancher Bauer ist förmlich stolz darauf, wenn er seinen Nachbarn sagen kann: ich habe den Kleesamen um 5 bis 10 Pfg. pro Pfund billiger gekauft, als Andere. Nicht lange darnach zeigt sich der Prosit in einer sehr schiefen Lage. Der Kleesamen war wohl billig, aber auch schlecht — und billig und schlecht sind zwei Dinge, welche sich bekanntlich öfter zusammenfinden. Der Same geht nicht recht auf; was ausgeht, ist mit Unkraut und Flachsseide so zersetzt, daß das Bischen Klee nicht gedeihen kann. ZablloS sind die Betrügereien, welche bei dem Kleesamen in Anwendung gebracht werden, denn da der Eentner nicht selten 60 bis 80 Mk. kostet, so ren- tirt es sich schon eber, eine Schmuggelei zu riskiren, als bei Maaren, die nur 3 bis 4 Mk. pro Eentner kosten. Nachdem es sich herausgestellt hat, daß der Kleesamen nicht oder doch höchst ungenügend aufgeganzen ist, steht der Bauer vor seinen Aeckern, kratzt sich hinter den Ohren und fragt: Woher nehme ich jetzt Klee? Die Ernte ist gänzlich verloren, nun heißt es kaufen. Das kostet vieles, vieles Geld; für jeden Pfennig, den der Bauer beim Ankauf von schlechtem Samen ersparte, muß er eine Mark, also das Hundertfache, schwitzen. Es wird am Futter gespart, der Viehstand wird schlechter, der Dung wird schlechter, der Acker wird ungenügend gedüngt und es tritt derselbe Kreislauf ein, den wir kürzlich bet einer anderen Gelegenheit vorführten. Darum, werther Bauer, „bevorab Du Deinen Beutel austhust, thue Deine Augen auf," beißt es in landesväterltcher Weise irgendwo im Solmser Landrecht, das anerkannlermaßen ein recht tüchtiges ist. Betrügereien und Schwindel bei Kleesamen sind häufiger als bei anderen Samenbranchen. In Norddeutschland gab es sogar eine Fabrik, welche kleine Steinchen in der Größe und Farbe des Klee- samenö mit solcher Virtuosität darzustellen wußte, baß sie nur ein geübtes Auge von dem wirklichen Samen zu unterscheiden vermochte. Die Fabrik offerirte ihre Fabrikate „zum Anmtschen" von Kleesamen durch Circulare an die Samenhandlungen. Welche Frechheit! Welch' erbärmliches Handwerk! das den sauberen Patronen natürlich sehr bald gelegt wurde. Das eine Beispiel mag für heute genügen; es zeigt hinlänglich, wie schwer die Folgen sind, wenn der Bauer schlechtes Saatgut verwendet und daß unsere Ansicht ganz richtig ist: Die Herrichtung eines vorzüglichen Saatgutes ist für die zukünftige Ernte fast noch wichtiger, als die Düngung und Vorbereitung des Ackers zur Saat. Denn ein nicht ganz regelrecht gebauter Acker kann immer noch eine erträgliche Ernte bringen; der vorzüglich vorbereitete Acker aber kann niemals etwas Ordentliches bringen, wenn der aufgestreute Same nichts taugt. Man kann keine Trauben ernten von den Dornen und keine Feigen von den Disteln, sagt der Evangelist. Vermischtes. * Das französische Journal „L'Eleveur" veröffentlicht einen Artikel über den Handel mit Wachteln, welcher vom Verfasser von einem ganz neuen Gesichtspunkte aus kritisirt wird. Der Corresvondent des „L'Eleveur" schreibt zum großen Theil die colossale Zunahme der Heuschrecken, dieser Landplage, von welcher die algerischen Colonisten gerade dieses Jahr so entsetzlich viel zu leiden hatten, der Gewinnsucht einiger englischer und französischer Geflügelhändler zu. i Seit Frankreich von einem beträchtlichen Theile Nordasrikas I Besitz genommen hat, ist daselbst ohne jedes Maß und Ziel J daraus losgejagt worden. Dec Sahara-Strauß, die Karthagohühner, die kleinen Trappen, die Fences, die Rebhühner, die Wachteln sind so furchtbar decimirt worden, daß das Jagdgebiet Algeriens, von welchem die Generale Daumas und Marguerite und der Commandant Garnier so entzückende Schilderungen machten, zu einer Art Filiale der Provence herabgesunken ist. Und man erstaunt noch, daß die Jnsecten in so erschreckender Weise zugenommen haben! Der Verfasser des Artikels kommt zu folgenden Schlußbetrachtungen: Eine Wachtel, sagt er, verzehrt täglich 50—60 Gr. an Nahrung und ganz junge Heuschrecknn in der Größe von Hanskörnern gehen 20 auf ein Gramm, so daß nach seiner Berechnung eine einzige Wachtel täglich circa 1000 Stück Heuschrecken verzehrt und 20,000—25,000 Stück während der Periode, wo diese Jnsecten klein genug sind, um von der Wachtel verschluckt werden zu können. Die tunesischen Jäger, welche am 8. Mai 50,000 Wachteln nach Frankreich verschifften, sind also mit Schuld daran, daß einzig in diesem Jahre 150 Millionen Heuschrecken weniger vernichtet worden sind durch diese Vogelart. Im Magen eines Straußes hat man 4228 Gramm Substanzen gefunden, die aus Speiseresten, Sand, Steinchen rc. bestanden. Nehmen wir an, es seien nur 2 Kilogramm Nährstoffe hierbei gewesen, so würde dennoch ein Strauß täglich 40,000 Heuschreckchen verzehren. Die so nützlichen Strauße, die ost nur der Federn wegen gejagt werden, finden die Jnsecten so sehr nach ihrem Geschmack, daß sie selbst im Kameelmist nacy solchen suchen. Literatrrr uitö Arinst. — ,Der Stein der Weisen" veröffentlicht in seinem neuesten (21.) Hefte einige sehr bemerkenswerthe Aufsätze aus dem Gebiete der Verkehrstechnik, die weitere Kreise interessiren werden. Hervorzuheben ist ein Projcct des ehemaligen Marineoffiziers v. SzLbel von einer eigenartigen, sehr zweckmäßigen Construction von Fluß- unb Ccmalschiffen, die durch 5 Abbildungen erläutert ist. Nicht minder lesenswrrth ist die Abhandlung Bürckes über den gegenwärtigen Stand der Entwicklung der Stadtbahnen (6 Abbildungen), worunter wieder bie electrische Untergrundbahn von London als besonders interessant hervorzuhebm ist. Ein Artikel über Vielfach- Telcgrapbie setzt die mannigfache, höchst sinnreiche Manipulation, mit weichet dieses Verkehrsmittel verknüpft ist, in lichtvoller, Jedermann verständlicher Welse auseinander. Außerdem finden wir in dem vorliegenden Hefte Ansichten der Drahtseilbahn auf den Vesuv und der projectirten ungeheueren Brücke über den Hudson, welche nach ihrer Vollendung wohl eines der modernen Weltwunder sein wird. An diese technischen Aufsätze schließen anregende naturwissenschaftliche Themen an: „Die kleinsten Lebewesen", „Frostwirkung auf Pflanzen", „Die Contraction des Flüssigkeftsstrahles", „Ein neues Projections- Mckroskop" usw. Auch diese Artikel sind durchwegs illustrirt. Das Heft beginnt mit einem schön illustrirten Aufsatz über das Riesengebirge und beschließt mit einer ausführlichen Beschreibung des prähistorischen Schanzwerkes von Lengyel (3 Bilder), zum Theile nach den Darlegungen Rudolf Virchows, den bie wissenschaftliche Welt erst in jüngster Zett anläßlich seines 70. Geburtstages gefeiert hat. — Grnst Evers, Dichtergrütze für- Heim; mit Beiträgen von R. Beutner, G. Oertel. Jul. Sturm, E. Quandt, Gg. Vogel (inBeuern), Brschof Wunderling u.21. Berlin 1891. 75 S. In eleganter Ausstattung. 1 Mk. Der Ertrag des empfehlenswerthen Büchleins soll dem Ferienheim bei Wernigerode, einer Heimstätte für müde und schwache Menschenkinder, zu gute kommen. Es will indetz nicht blos im Hinblick hierauf gekauft, es mag auch um seiner selbst willen gelesen und genossen werden. Die Gedichte schlagen Töne an, welche in den Herzen der Leser und Leserinnen warmen Sympathien begegnen werden. Unterstellt sind sie den drei Bibelworten: Die Liebe ist die größeste unter ihnen. Meine Seele ist stille zu Gott. Die Himmel erzählen bie Ehre Gottes. Wer solchen Gemüthern, die sich ber Dichtkunst gerne öffnen, eine kleine Freude machen will, kann getrost hier zugreifen. Inhalt und Gewand dienen dem Büchlein zur Empfehlung. Aus den „Dichtergrüßen" feien zwei kleinere Gedichte hier als Probe bcfe gefügt. A. Ein Heim (Matth. 6, 26) von G. Vogel in Beuern. Der Sturmwind trug herein Ein Vöglein arm und klein. Wie waren bie Federn zerschlissen! Wie war es vom Sturme zerrissen! Doch als bie Sonne schien, Da ließ ich's wieder ziehn. Und fröblich ist's entflogen — Was hat's wohl heimgezogen? Von Emil Quandt. B. Hinaus! 1. Hinaus! hinaus Aus dem wirren Gebraus, Aus der lärmenden Menge, Aus Hast und Gebt äuge, In bie Stille hinein, Still möcht ich fein! 3. Hinaus! hinaus Aus bem täglichen Strauß, Aus dem Sorgen und Ringen Mit Menschen und Dingen In die Freude hinein, Froh möchte ich sein. 2. Hinaus! hinaus Aus bem staubigen Haus, Aus aerniethet'n Kammern, Aus Riegeln und Klammern, In die Freiheit hinein, Frei möcht ich sein! 4, Hinaus! hinaus, Und zieh ich jetzt aus In bas Stille unb Freie Unb Frohe, so weihe Ich bankenb es ein, Fromm möcht ich sein! Aus Ton unb Art bieser Gebichte mag man auf bie andern schließen. A. L. Brodpreise vom 8. bis 22. November 1891. 1 Kgr. 2 * X : X : 3 „ 1 Kgr. 2 „ Bei den Bäder«. 4 ....... 58 ' bei ft. Haas' L fteil’ I. Lein 87 Bei den Brodverkäirferrr. 4 (2 Pfd.) Tafelbrod..............K (4 „ ) „ 66 (2 „ ) Weißbrod öl (4 , ) „ ..............62 (6 „ ) „ . . (2 „ ) Schwarzbr^b 29 (4 , ) „ b8 (6 , ) „ bei K- Heuser, I. Thomas 87 (2 Pfb.) Tafelbrod . (4 „ ) Tafelbrod . 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