1891 Donnerstag den 8. Oktober Nr. 234 8514 Amts- rmd Anzeigeblatt fflr den Areis Gieren. chraüsöeikage: Gießener Kamilienölätter WWM WW SSV S die [8694 Hoaelmt te» Lazetgen $n der «achmittag» für dm La- erscheinmdm Nummer bil Sonn« 10 Uhr. Alle Lrulorrcen-Vureaux bd$ In- rmd Änlhmbd «eh-L-tir Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtg^m Atelier für he Ine Der n fwMinjxt täglich, mv* Aufnahme des Montags. L-K -Mettntr Sß««-Nrnßlstts, Hin Anzeiger -^che«tiich dreimal i, ^gelegt. tz 3, 2. St. üch geehrten Jnter- igen Preisen bestens !. Helion. landwirthschaftlichen Winterschule ist auf 2 Winterhalbjahre berechnet; dieselbe hat daher 2 zusammengehörige Klaffen. Zum Eintritt ist tadellose Führung, Bekanntschaft mit den gewöhnlichen technischen Verrichtungen der Landwirthschast, sowie sicherer Besitz der in der Volksschule zu erwerbenden Fertigkeiten und Kennmiffe erforderlich. An Schulgeld sind für den Besuch einer jeden Klaffe 25 Mark bald nach dem Eintritt an die Anstaltskaffe zu entrichten. Anmeldungen können bis zum 31. October l. I. schriftlich oder mündlich (Dienstags und Donnerstags) bei dem Dirigenten der Schule erfolgen, auch ertheilt letzterer etwa sonst noch gewünschte Auskunft. Der unterfertigte Aufsichtsrath hofft, daß bei der derzeitigen Einrichtung der Schule und Vertretung der einzelnen Gegenstände durch tüchtige Fachmänner eine besonders rege Theilnahme eintreten wird. Beginn des Cursus Mittwoch den 4. November. Schluß Ende März. Der Aufsichtsrath: vr. Braden, Kreisrath. Schmidt, Schulrath. vr.v.Peter, Großh. Landwirthschaftslehrer und Anstaltsdirigent. Stern- h ä u ß e r, Bürgermeister der Stadt Friedberg. Fritz Keil, Bürgermeister, Melbach, Kreisausschuß-Mitglied. Deutsches Reich. Berlin, 6. October. Einen schweren Schlag hat Württembergs erlauchtes Herrscherhaus und das gesammte württembergische Land getroffen — am Dienstag Morgen 6 Uhr 55 Minuten ist König Karl im Stuttgarter Residenzschlosse verschieden. Erst noch vor Kurzem war in dem Befinden des schon seit Jahren leidenden Monarchen eine scheinbar anhaltende Besserung eingetreten, so daß er von Stuttgart nach seinem Sommerschlosse Bebenhausen übersiedeln konnte. Hier aber erkrankte der König plötzlich aufs Neue und zwar so ernstlich, daß die Aerzte die Rückkehr des hohen Kranken nach Stuttgart für geboten erachteten. Alsbald nach der Rückkehr verschlimmerte sich jedoch der Zustand des Königs in bedenklicher Weise, es traten neue Complicationen hinzu, welche das Schlimmste befürchten ließen, und nun ist denn auch die Catastrophe eingetreten. Ties trauert ganz Württemberg um den verewigten königlichen Herrn, dessen länger als fünfundzwanzigjährige Regierung dem Lande nach jeder Richtung zum Segen gereicht hat, aber auch im übrigen Deutschland nimmt man an dem Schmerze des württem- bergischen Volkes aufrichtig Theil, da sich König Karl durch seine Bundestreue bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges und bei der Neubegründung des deutschen Reiches bleibende patriotische Verdienste erworben hat. — Aus dem Lebenslaufe des verblichenen Herrschers seien folgende hauptsächlichste Daten hervorgehoben: König Karl I. von Württemberg wurde am 6. März 1823 zu Stuttgart als der einzige Sohn König Wilhelms I. und dessen dritter Gemahlin, Pauline, Herzogin von Württemberg, geboren. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung unter Leitung des Generals Hardegg und studirte später in Tübingen und Berlin. Am 13. Juli 1846 vermählte sich der damalige Kronprinz mit Großfürstin Olga, der am 11. September 1822 geborenen Tochter des Kaisers Nikolaus von Rußland, und folgte am 25. Juni 1864 seinem Vater auf dem Throne Württembergs. Im Anfang seiner Regierung verfolgte König Karl ebenfalls die Grundsätze seines Vaters in dessen auswärtiger Politik, welche ihn 1866 auf die Seite der Gegner Preußens führten. Aber noch vor den Ereignissen von 1870 schloß sich König Karl, in richtiger Würdigung der in Württemberg mehr und mehr zum Durchbruche gelangenden nationalen Strömung, immer offener an Preußen an und beim Ausbruche des großen nationalen Kampfes der Deutschen gegen Frankreich ordnete sich König Karl mit seinem ganzen Volke freudig der preußischen Führung in diesem gewaltigen Völkerringen, in welchem auch den württembergischen Truppen so schöne Lorbeeren beschieden waren, unter. Seit der Wiederausrichtung des deutschen Reiches gehörte König Karl zu den treuesten Bundesfürsten von Kaiser und Reich und für diese seine echt vaterländische Gesinnung rufen dem verewigten Monarchen alle deutschen Patrioten noch in das Grab ihren Dank nach. Da der Ehe König Karls keine Kinder entsprossen sind, so hat jetzt der nächste Agnat König Karls, der bisherige präsumtive Thronfolger Prinz Wilhelm, den erledigten Thron bestiegen. Der neue Herrscher Württembergs ist am 25. Februar 1848 geboren und war seit dem 15. Februar 1877 mit Prinzessin Marie von Waldeck, welche am 30. April 1882 starb, vermählt. Dieser Ehe ist eine Prinzessin entsprossen. Der jetzige Herrscher genoß schon als Thronfolger große Beliebtheit im Lande, auch am Berliner Hofe erfreute er sich warmer Sympathien. — Wie verlautet, wird die Regierung im neuen Reichsetat 34 Millionen Mark mehr für militärische Zwecke, und zwar hauptsächlich für Vermehrung der Artillerie, verlangen. — Dem bayerischen Landtage ist eine Novelle zum bayerischen Heimaths-, Verehelichungs- und Aufenthaltsgesetze zugegangen. Durch den Gesetzentwurf sollen verschiedene Mißstände beseitigt werden, welche bis jetzt in der genannten Gesetzgebung Bayerns bestanden und in der Praxis zu verschiedenen viel besprochenen Fällen führten. Es ist schwerlich ein besonders heftiger Widerspruch gegen diese sehr zeitgemäße Reform-Vorlage im bayerischen Landtage zu erwarten, vielmehr ist zu hoffen, daß seine Genehmigung mit großer Mehrheit erfolgen wird. Bekanntmachung, Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst aus Grund von Schulzeugnissen betreffend. SiertAphrt^i 2 Mark 20 M. oÄ Bringerlohn. Durch die Post 6-50** 2 Mark 50 Mg. «kdattion, dMe* und Druckers: Henchrrecber 11, Bekanntmachung, Kursus der landwirthschaftlichen Winterschule zu Friedberg betreffend. Die landwirthschaftliche Winterschule zu Friedberg, bisher eine Anstalt des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen, ist seit diesem Jahre eine subventtomrte Staatsanstall unter Aufsicht der Großherzoglichen Oberen land- wirthschaftlichen Behörde in Darmstadt. Die Verwaltung derselben untersteht einem aus fünf Mitgliedern gebildeten Aussichtsrath (Curatorium), unter Vorsitz des Kreisrathes des Kreises Friedberg. Die landwirthschaftliche Winte^chule ist zunächst zur Ergänzung der practischen Ausbildung für das Bildungsbedürfniß des landwirthschaftlichen Mittelstandes der Provinz Oberheffen bestimmt. Sie ist eine landwirthschaft- liche Fachschule, welche ihren Schülern neben der realen Fortbildung einen Begriff von den Bedingungen eines rationellen Landwirtschaftsbetriebes vermitteln soll. Diejenigen Schüler, welche die Anstalt regelmäßig durchmachen, sind von der allgemeinen Fortbildungsschule gänzlich befreit. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulfächer, Mathematik, Naturkunde, Landwirthschast und Turnen. Der Lehrplan der Veränderung. m Deute (1. tri.) ab asie Nr. 19, tt Aathaklnengasse. lachtrrnMoü b, ^cbamine. ndesWmälchttt-il- rstraße 2,1. Mist-r mardHejM— Gießener Anzeiger Generat-Mnzeiger. a-SiiS' • kW PK M lik J M-Fl. ! eit)”*? STöL W**, -mW- Mi«« Ai! •* > Nenefte Nachrichten. WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau. Berlin, 6. October. Der Kaiser kehrt in Folge des Ablebens des Königs von Württemberg schon morgen Abend aus Ostpreußen zurück. Königsberg, 6. October. Der Kaiser verließ heute Abend 9 Uhr Theerbude. Amtlicher Theil. Gießen, 5. October 1891. Betr.: Ausführung der Landesfeuerlöschordnung: hier Verpflichtung der Befehlshaber der Pflichtfeuerwehr und deren Stellvertreter für die Orte des Amtsgerichts, bezirks Gießen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Amtsgerichtsbezirks Gietzen. Nachdem Sie uns die zu der Stelle eines Befehlshabers der Pflichtfeuerwehr und dessen Stellvertreters geeigneten Persönlichkeiten in Vorschlag gebracht haben, beauftragen wir Sie, dieselben anzuweisen, sich behufs ihrer Verpflichtung Dienstag den 13. October, Bormittags 11 Uhr in dem Kreisamtsgebäude dahier einfinden zu wollen. v. Gagern. Gießen, am 3. October 1891. Betr.: Den Rundgang der Feldgeschworenen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen Rettung unentgeltlich durch die unter- ♦ H zeichnete Vertretung. Die Zahlung^ der Rentencoupons erfolgt stets am ♦ ♦ 1. Januar (eoent- auch noch 1. Juli). H Unsere Neuheiten für die Herbst-Saison sind in grosser Auswahl eingetroffen. 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Vietsch) in Gießen, Di« hentige Rümmer umfaßt 6 Seiten. Donnerstag de 8. October Gietzener Anzeigen. Beilage zu Rr. 234. -1891 Der Fortschritt in der Landwirthschaft. Es wird heute wohl von Niemand mehr, der einigermaßen Fühlung mit der Landwirthschaft hat, geleugnet, daß unser Beruf, besonders im letzten Jahrzehnt, sehr bedeutende Fortschritte gemacht hat. Wer es bezweifelt, der gehe nur hin in ein beliebiges Dorf und erkundige sich, man wird ihm tagen, daß nicht nur die Erträge aus der Viehhaltung ganz andere geworden sind, daß der Acker, die Wiesen heute doppelt so hohe Erträge liefern, wie zur Zett der Eltern, der Großeltern. Allerdings zeigt sich diese Verbesserung nicht gleichmäßig in allen Gegenden, hier tritt sie schärfer hervor, dort zeigt sie sich erst in ihren Anfängen, aber eingetreten ist sie überall. Da, wo diese Fortschritte schon älter sind, wo schon eine gewisse Sicherheit in der größeren Leistungsfähigkeit eingetreten ist, da sehen wir unsere Landwirthe heute schon mit einem gewissen Stolz auf ihre Fortschritte blicken. Derselbe hat bis zu einem gewissen Grade seine volle Berechtigung, zeigt er doch, daß in der Landwirthschaft ein gesunder Geist lebt, daß mit den Erfolgen auch die Berufssreudig- kett wächst. Wo aber diese vorhanden ist, da tritt kein Stillstand ein, da wird der Fortschritt nur noch ein stetigerer und lebhafterer WerbCXrofcbetn wird sich der vorurtheilslose Beobachter unserer land- wirthschastlichen Verhältnisse nicht täuschen können; es muß zu- gestanden werden, daß wir erst am Anfang der Entwickelung sind und daß noch recht viel geschehen muß, bis wir sagen können, unsere Landwirthschaft wird allen an sie gestellten Anforderungen gerecht. Wie viele Landwirthe stehen z. B. der Anwendung der künstlichen Düngemittel noch zweifelhaft gegenüber, zweifelhaft, weil ihnen das Verstandniß für eine richtige Anwendung derselben fehlt; durch jahrelanges, unsicheres Versuchen, was oft mit viel Geld verknüpft ist, muß erst das Vertrauen für die Wirksamkeit derselben erworben werden. Aehnlich verhält es sich bei der Auswahl und Anwendung besserer Geräthe, Instrumente und Maschinen, der Auswahl ertragreicherer Eulturgewächse, überall tappt der ausschließlich im practischen Berufe aufgewachsene Landwirth im Dunkeln. Im Allgemeinen leichter findet sich der ältere Landwirth auf dem Gebiete der Thierzucht und Thterhaltung zurecht, wenn auch hier, selbst von recht tüchtigen Landwirthen, noch recht große Fehler gemacht werden. Kurzum, überall sehen wir ein zwar recht lebhaftes Vorwärtsstreben, aber der Weg ist häufig ein unsicherer, langsam zum Ziele führender, weil meist Die Grundlage, die richtige Berufsbildung, fehlt. Verschiedene Factoren haben zusammengewtrkt, um diese schnelle Entwickelung der Landwirthschaft zu veranlassen. Schon die bessere allgemeine Schulbildung, die durch unter geordnetes und gegen früher viel oerbesfertes Schulwesen herbeigeführt wurde, hat einen wesentlichen Antheil. Rückwirkend haben die Fortschritte aus allen anderen Gebieten unseres Erwerbslebens auch die Landwirthschaft gefördert; ich verweise blos auf die verschiedenen Jndustrieen, die durch ihre verbesserten Producte, wie Maschinen, Düngemittel, Futtermittel rc. günstig auf die Landwirthschaft eingewirkt haben. Einen wesentlichen Antheil haben aber ferner die Fortschritte, welche auf wisfenschaft- lichem Gebiete, insbesondere den der Naturwissenschaften, gemacht worden sind. Sie haben die Landwirthschaft befruchtet, sie haben bewirkt, daß die Landwirthschaft selbst zur Wissenschaft geworden ist. Man sucht die innersten Gründe unseres Erwerbes zu erforschen und die Gesetze und Regeln werden dann zum Vortheil der Praxis angewandt. Die landwirthschaftlicken Vereine haben sich besonders seit ihrem Bestehen die Aufgabe gestellt, die Fortschritte unseres Berufes in die Kreise der Landwirthe hineinzutragen. Durch Vorträge in Versammlungen, durch Zeitungen, durch Aneiferung und besonders das Beispiel haben sie diese Aufgabe zu erfüllen gesucht. Und daß sie Gutes geschaffen haben, wird nicht zu bestreiten sein. Sie sind oft für viele ältere Landwirthe und für viele Gegenden das einzige Mittel gewesen, um Kenntniß von den Fortschritten des Berufes zu verschaffen. Daß die Vereine aber für die künftige Generation, denen ihre Ausgabe als practische Landwirthe allem Anscheine nach noch schwerer wie den heutigen werden dürfte, nicht ausreichen, steht außer Zweifel. Will der junge Landwirth — und wir sagen, er muß es — sich für seinen Beruf zweckentsprechend vorbereiten, so genügt hierzu nicht eine tüchtige Elementarschulbildung; es genügt nicht, daß er das Handwerksmäßige seines Berufes, was er von seinem Vater lernen kann, verstehe, heute muß der Landwirth neben den practischen Handgriffen, die ja sein Knecht gerade so gut wie der Landwirth selbst kann, über eine entsprechende wissenschaftliche Berufsbildung verfügen. Untere hessische Regierung hat für untere mehr bäuerischen Verhältnisse die landwirthschast- lichen Winterschulen als die passendsten Anstalten für diesen Zweck ausgewählt und eine Anzahl solcher Schulen eingerichtet — in diesem Jahre wieder drei neue — sie hat die Schule organiftrt und beaufsichtigt sie. Um aber die gute Absicht der Regierung, auf diese Weise eine Anzahl junger Leute so für ihren Beruf vorzubilden, daß sie als Wirthschafter spater den anderen Landwirthen förmlich als Beispiele dienen können, zu erreichm, ist es nöthig, daß recht viele junge Landwirthe diese Schulen besuchen. Da die Zeit, wo diese Schulen ihre (Surfe eröffnen, bald wieder herankommt — die meisten Schulen fangen am 2. November an — so wollen wir nicht verfehlen, unsere Landwirthe nochmals darauf aufmerksam zu machen. Kein Landwirth, der einigermaßen so gestellt ist, daß ihm die Ausgabe für den zweimaligen Besuch seines Sohnes an einer solchen Schule keine Last ist, sollte dies versäumen, zumal die Kosten nicht hohe sind. Alsfeld, im September 1891. Leithiger, Großh. LandwirthschaftSlehrer. totales unö provinzielles. Gießen, 7. October. — Betreffs des Portos für durck den tzectographen hergestellten Schriftstücke wird auf die bezüglichen Post- vorschriften hingewiesen, nach welchen die Beförderung solcher Schriftstücke gegen das Porto für Drucksachen erfolgt, sobald die Zahl der aufgegebenen Schriftstücke mindestens zwanzig beträgt, während einzelne Exemplare wie Briese frankirt werden müssen. — Arbeiterschutzgesetz. Nach § 120 der Gewerbeordnung in der Fassung des Reichsgesetzes vom 1. Juni d. Js., den Arbeiterschutz bett., ist bestimmt, daß der Unterricht in den vom Staate als Fortbildungsschule anerkannten Unterrichtsanstalten Sonntags nur stattfinden darf, wenn die Unterrichtsstunden so gelegt werden, daß die Schüler nicht gehindert sind, den Hauptgottesdienst oder einen mit Genehmigung der kirchlichen Behörden für sie eingerichteten besonderen Gottesdienst ihrer Confession zu besuchen. Da die sogen. Sonntagshandwerkerschulen jedenfalls vorerst der Unterrichtszeit an den Vormittagen der Sotn ge noch nicht entbehren können, so hat das hessische Mini- cium bestimmt, daß es für die unter Leitung der Centralstelle für die Gewerbe- und stehenden gewerblichen Schulen des Großherzogthums bis zum 1. October 1894 bei den seitherigen Bestimmungen zu verbleiben hat. — Was man nicht tobten soll! In Frankreich enthalten die Schulbücher Belehrungen über die Nützlichkeit mancher Thiere, die vielfach gelobtet werden, die man aber nicht tobten soll. Es heißt darin: Igel: Lebt meistens von Mäusen, kleinen Nagethieren, Erd- und Wegschnecken und Engerlingen, Thieren, die dem Ackerbau schädlich sind. Tobtet daher keinen Igel. — Kröte. Eine wahre Gehilfin des Landmannes. Jede vernichtet 20 bis 30 Jnsecten in der Stunde. Tobtet die Kröten nicht! — Maulwurf. Er verzehrt unablässig Engerlinge, Larven, Raupen und andere den Ackerbau schädigende Jnsecten. Keine Spur von Pflanzen wurde jemals in seinem Magen gefunden. Tödtet den Maulwurf nicht! — Vögel. Jede Provinz hat alljährlich große Verluste durch die Jnsecten. Vögel sind die einzigen Feinde derselben, welche im Stande sind, tüchtig aufzuräumen. Sie sind die großen Raupentodter und Gehilfen des Ackerbaues wie der Obstzucht. Tödtet die Vögel nicht! — Marien- kä'ferchen. Diese sind die Freunde der Feldbauer und Gärtner, indem sie Blattläuse auf den Gewächsen in Menge verzehren. Tödtet die Marienkäserchen nicht! + Langd, 4. October. Hier stürzte ein bei der Dreschmaschine beschäftigter hiesiger Einwohner von dem Dreschwagen und fiel so unglücklich, daß er, wie ärztlicherseits constatirt wurde, das Rückgrad brach. Schwerverletzt liegt der Verunglückte nunmehr darnieder. Büttelborn, 2. October. Allgemeine Theilnahme erregt ein Unglücksfall, den die Familie des Försters Raiß dahier betroffen hat. Dessen Ehefrau befand sich gestern mit zwei ihrer Kinder auf einem mit Grummet beladenen Wagen auf dem Heimwege. In Folge einer stärkeren Erschütterung des Fuhrwerks geriethen die beiden Kinder ins Fallen,- ihre Mutter wollte sie schnell erfassen, fiel aber mit zu Boden und brach das Genick, während die Kinder unbeschädigt blieben. Der alsbald erschienene Arzt constatirte, daß der Tod sofort eingetreten war. Der jähe Tod der noch jungen, braven Frau wird umsomehr bedauert, als dieselbe ein Muster einer rastlos thätigen und tüchtigen Hausfrau war. Darmstadt, 5. October. Auf dem am 18. d. Mts. im Tivoli-Saale in Eisenach stattfindenden diesjährigen Parteitag der thüringischen Nationalliberalen wird u. A. in der allgemeinen Versammlung am Nachmittag laut „F. I." Herr ; Dr. Osann von hier als Redner auftreten. vermischtes. * Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. Der Maschinenfabrik Oerlikon ist es gelungen, große Drehstrom-Motoren von 25 HP. mit einfachem Eisen- eylinder ohne Schleifringe zu conftruiren, wie solche bisher nur für ganz kleine Kräfte bis zu einer Pferdestärke hergestellt wurden. Dieser Motor soll neben dem großen Vortheil einer einfachen Construction auch noch den Vorzug eines vorzüglichen Nutzeffectes besitzen. Die Maschine ist ein so bedeutender Fortschritt, daß die Maschinensabrik Oerlikon sich entschlossen hat, dieselbe trotz der vorgerückten Zeit noch nach der Ausstellung zu bringen und mit der von Lauffen übertragenen Kraft zu betreiben. Die von Herrn v. Miller vor Beginn der Ausstellung ausgesprochene Ansicht und Hoffnung, daß, angeregt durch die Ausstellung, bis zum letzten Tage neue Maschinen und verbesserte Apparate ausgestellt würden, scheint thatsächlich in Erfüllung zu gehen. Feuilleton. Seltsamkeiten berühmter Menschen. Von Aug. Scheibe. (2. Fortsetzung.) Milton, obgleich er nicht übermäßig rauchte, vermochte nicht einzuschlafen, ehe er seine Pfeife Tabak geschmaucht hatte. — Der englische Dichter Charles Lamb foar eine Zeitlang so leidenschaftlicher Raucher, daß er beinahe zwei Jahre lang die heftigsten, durch den Tabak hervorgerufenen Kopfschmerzen ertrug, ohne von der Gewohnheit zu laffen. „Der Tabak ist während der letzten fünf Jahre mein Fluch am Morgen und mein Labsal am Abend gewesen," schrieb er einst einem Freunde. — Auch Thomas Carlyle war ein leidenschaftlicher Raucher. So verschieden und eigenartig die Geister, so verschieden sind zu allen Zeiten die Mittel gewesen, durch die sie sich von aroßen Anstrengungen zu erholen suchten. Zwei der größten Denker, Leibnitz und Locke, widmeten sich in ihren Mußestunden mit besonderer Vorliebe der Mechanik. Leibnitz beschäftigte sich namentlich lange Zeit mit Verbesserung der Construction der Wagen und gab dadurch einigen seiner Zeitgenossen Veranlassung, sich über ihn lustig zu be F^chier, Bischof zu Nimes, ein Meister in der geistlichen Beredsamkeit, las mit Leidenschaft alte spanische' und italienische Postillen, welche in ihrer niederen volkstümlichen, fast pöbelhaften Weise dem Tone seiner eigenen Predigten vollkommen entgegengesetzt waren. Er pflegte dergleichen Bücher seine Hofnarren zu nennen und rühmte von ihnen, daß sie zur Bildung seines Talents und Geschmacks sehr viel beigetragen hätten. . Der Dechant und Schriftsteller Jonathan Swift, dessen Ohr so empfindlich war, daß ihm ein schlechter Reim wie ein Verbrechen erschien, hatte dennoch eine so unwiderstehliche Zuneigung zu der Sprache und der Gesellschaft der niedrigsten Volksklassen, daß er sich bei feinen Fußreisen in den Wirthshäusern stets zu den Fuhrleuten und Hausknechten setzte und mit diesen aß und trank. Peter Bayle, ein Mann von fast unermeßlichem Umsange des Wissens, fand sein größtes Vergnügen darin, Gauklern und Seiltänzern zuzuschauen. Man sah ihn, als er schon ein bejahrter Mann war, derartigen Künstlern oft straßenweit nachgehen und sich mit der Unbefangenheit eines Kindes an ihren Sprüngen erfreuen. Vielfach zeigten sich berühmte Persönlichkeiten im Privatleben durchaus verschieden von ihren Werken. Von Lafontaine, dem französischen Fabeldichter, hörte man mündlich nie eine Aeußerung von jener sittlich verletzenden Art, deren wir in feinen Schriften so viele finden. Es schien, als ob der Mensch sich des Schriftstellers und seiner Werke schämte. Suchte man ihn in Gesellschaft zu bestimmen, im Geiste seiner Erzählungen zu reden, so blieb er vollständig stumm. Was er sprach, war in sittlicher Hinsicht stets untadelig- nur wenn er die Feder in die Hand nahm, schien ihn das Anstandsgefühl zu verlassen. Einst, als ihn ein Generalpächter zu Gast geladen hatte und man ihn aufreizen wollte, eine ober die andere seiner lockeren Geschichten zum Besten zu geben, blieb er stumm und ging mit keinem Worte auf die Unterhaltung ein. Plötzlich stand er vom Tische auf unter dem Vorwande, er müsse in die Akademie gehen. Als man ihn erinnerte, daß es hierzu noch nicht Zeit sei, antwortete er: „Ich will den längsten Weg gehen." Tycho de Brahe, einer der bedeutendsten Astronomen, pflegte mit scharfem Spott Diejenigen zu geißeln, welche Sonnen- und Mondfinsternissen, Kometen, Nordlichtern und anderen Himmelserscheinungen irgend welche Vorbedeutung zuschrieben. Er selbst aber war so abergläubisch, daß er, wenn ihm am Morgen ein altes Weib begegnete, sogleich wieder umkehrte, aus Furcht, jenes Begegnen möge ihm Unglück bringen. Zu den abergläubischsten Menschen gehörte der freigeistige Byron. Er glaubte an Geistererscheinungen, Ahnungen, Vorbedeutungen und Träume. Der Freitag war ein schwarzer Tag in seinem Kalender. Er dachte mit Schrecken daran, daß er feine Reise nach Griechenland an einem Freitage angetreten hatte. In Genua verabschiedete er einst einen Schneider, weil dieser ihm am Freitag einen neuen Anzug brachte. In Pisa wollte er eines Tages eine vornehme Dame aufsuchen, deren Bekanntschaft er wünschte, kehrte aber an der Thür wieder um, als er sich besann, daß es Freitag war. Bei Tische reichte er Niemand das Salz, ließ es sich aber auch von Niemand reichen, weil dies der Freundschaft Gefahr brachte. Ein Salznäpfchen umzuwerfen ober bas Brob fallen zu laffen, waren Dinge von sehr schlimmer Vorbebeutung - bas Zerbrechen eines Spiegels aber galt ihm als ein wirkliches Unglück. Montaigne, der Moralphilosoph, war voller Vorur- theil und Aberglauben. Er hätte sich um keinen Preis zu Dreizehn an den Tisch gesetzt, fing am Freitag keinerlei Geschäft an und war sehr beunruhigt, wenn ein Hase ihm über den Weg lief. — Voltaire, der sich über alles lustig machte, was Aberglauben heißt, hielt es für die übelste Vorbedeutung, wenn im Freien Krähen zu feiner Linken aufflogen. , — Napoleon I. glaubte an Kartenschläger, Wahrsager, i an gute und böse Vorzeichen. Sein Neffe ließ sich von dem , Spiritisten Home in die Mysterien des Geisterklopfens und - Tischrückens einweihen. Der englische Schriftsteller Johnson hatte eine ab» ! sonderliche Abneigung, mit dem linken Fuß zuerst über eine ■ Schwelle zu treten. War ihm das begegnet, so kehrte er ' unfehlbar um, zählte die Schritte ab und trat nun mit dem : rechten Fuß zuerst ein. Oft sah man ihn einen großen Bogen ; machen, um eine gewisse, ihm fatale Allee im Leicester Fields j nicht durchschreiten zu müssen. Trotz feiner Schriften über ’ religiöse Philosophie hegte Johnson eine entsetzliche Furcht ' vor dem Tode. — Auch Talleyrand konnte das Wort ■ „Tod" nicht Horen, ohne zu erblassen. Seine Dienerschaft i wagte kaum, ihm einen Brief mit schwarzem Siegel vorzu- ! legen und das Ableben von Freunden wurde ihm oft jahre- ! lang verheimlicht. — Die gleiche kindische Furcht vor dem Tode hegte Fürst Kaunitz, der große Minister der Kaiserin : Maria Theresia, welchem man die wichtigsten Nachrichten kaum ; zu hinterbringen wagte, wenn sie mit einem Todesfall zu- « sammenhingen. — Als Ludwig XV. während seiner letzten : Krankheit in den besorgten Mienen der Aerzte sein Todes- ' urtheil las, verbot er ihnen, das schreckliche Wort auszu« sprechen. „Wenn ich sterben muß, so sagen Sie mir, es i wird schlechtes Wetter geben und ich werde es verstehen!" ! sagte er. — In Gegenwart der Königin Elisabeth von England durfte das Wort „Tod" niemals ausgesprochen, der j Name ihrer tobten Feindin Maria Stuart niemals genannt । werden. Auch Jean Jacques Rousseau war nicht ohne j seine kleinen Schwäche. Namentlich fürchtete er sich vor der - Dunkelheit - die einbrechende Nacht war ihm etwas Entsetz- • liches. — Der Schriftsteller Thomas Hobbes gerieth in i einen dem Wahnsinn ähnlichen Zustand, so oft er bei Nacht ; auch nur auf einige Augenblicke ohne Licht blieb, wurde aber ; sogleich wieder vernünftig, wenn man von Neuem Licht ms I Zimmer brachte. i (Schluß folgt.) Bekanntmachung. 8864 Otto Bergen. Unter Bezugnahme aus § 10 der Bedingungen für den Bezug von Wasser aus der städtischen Wasserleitung werden hiermit die betr Lausbesitzer bezw. deren Stellvertreter dringend ersucht, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Wassermesser für unsere mit deren Untersuchung und Aust,ahme betrauten Beamten ,eder- »eit leicht und ohne Zeitverlust zugänglich sind. — Unsere Leute sind nicht verpflichtet, sich den Zutritt erst durch Wegschaffung von Kohlen, Lolz u. dgl. möglich zu machen. Gießen, 5. October 1891. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Die Mitglieder und sonstigen Freunde des Vereins zur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlaffenen im Großherzogthum Heften werden in Gemäßheit des § 21 der Statuten zur 26. Generalversammlung auf Donnerstag den 22. Oktober 1891, Vormittags 11 Uhr, in das Regierungsgebäude (Kreisamt) zu Gieren, Brandplatz ergebenst eingeladen. Darmstadt, den 30. September 1891. Großh. Centralbehörde des Vereins zur Unterstützung und Befterung der aus den Strafanstalten Entlaffenen. Donnerstag den Oktober, Wegen anderweitigen GeschäftZunternehnrungen beabsichtige ich, mein ji ■l. nur courantes Lager in£ $ Wilhelm Attig $ Seltersweg 9 Giessen Seltersweg 9 J Mannfactarwaaren ■ und Damen-Confection! ■T vollständig und zu äußerst billigen Preisen, einem V J Ausverkauf 0 % zu unterwerfen. % J Gleichzeitig mache auf den Eingang von Neuheiten für die Saison aufmerk- ■ sam, welche ich ebenfalls weit unter dem wirklichen Werthe abgebe. 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